Die Solequellen von Bad Kösen

Die Solequellen von Bad Kösen
IHU Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umweltgeologie; Leimbach 1992

Große Heilwasseranalyse
Laborunion Prof. Dr. Höll & Co GmbH, Bad Elster, 2004/2005 ff.

Medizinisch Balneologisches Gutachten
Wissenschaftlich- Balneologisches Institut B. Griesing Fellmann, Kassel 1996/1997

 Mühlbrunnen

1725 wurde der Wehrdamm erneuert. Dabei trat im trocken gelegten Flußbett eine Quelle aus. Der salzige Geschmack und die abführende Wirkung veranlassten den Arzt der Landesschule Gregor Gerhardt, das Wasser zu untersuchen. Seiner Erkenntnisse veröffentlichte er 1726 in einer Schrift „ Kurtze jedoch gründliche Nachricht von dem zu Kösen an der Saale entdeckten   mineralischen Gesundbrunnen“.

Die Quelle wurde dann im Gelände der Mühle gefasst und zum Trinken und Baden abgegeben und 1910 wurde eine Leitung zur Herzog-Georg Trinkhalle gelegt.

Die Brunnenfassung war ca. 5m tief, die Ergiebigkeit lag bei 28 l/min.

Der Gehalt an festen mineralischen Bestandteilen betrug ca. 3,4%, davon 2,2 % Natriumchlorid.

Wegen der im 19. Jahrhundert erfolgten Überbauung des Brunnens war die Zugänglichkeit eingeschränkt und eindringendes Wildwasser verunreinigte die Quelle, so dass sie in der Mitte des 20. Jahrhunderts endgültig aufgegeben wurde.

 Unterer Solschacht

1730 wurde in einer Tiefe von 147 m eine 4,18% ergiebige Sole erschlossen. Die Schachtanlage,

1682 begonnen und 1686 bei 100 Metern Teufe aufgelassen, wurde auf Anordnung des sächsischen Kurfürsten 1727 wieder gewältigt. Der mit der Suche nach Salzquellen in Kursachsen beauftragte Bergrat Borlach mutete die Sole in größerer Tiefe und 1730 trafen die Bergleute bei 147 Meter auf eine Sole mit einem Gehalt von 4,18 % gelöster mineralischer Stoffe, vorzugsweise NaCl. Die gleich bleibende Konzentration und die Schüttung ermöglichten die Einrichtung einer Siedesaline. Der Schachttiefe betrug nach dem endgültigen Ausbau 161 Meter und maß 2,4 x 2.4 Meter.

Die Anwendung mineralischer Quellen für Heilzwecke (z. B. bei Hauterkrankungen) war bekannt und die Salinenarbeiter erhielten ein Quantum Sole für den häuslichen Gebrauch. Ende des 17. Jahrhunderts interessierten sich aber auch Ortsfremde für derartige Bäder, die dann in den Hütten der Arbeiter zubereitet wurden. Dieser wilde Badebetrieb wurde 1817 reguliert, die Sole für Badezwecke gegen Entgelt abgegeben. Nach 1830 richtete die Salinenverwaltung die ersten fiskalischen Badeeinrichtungen ein. Die erste wissenschaftliche Analyse der Sole   stammte vom Naumburger Arzt Dr. Kayser. 1825 weilte der Leibarzt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.   Dr. Hufeland zur Kur und bescheinigte der Kösener Sole eine nachhaltige Heilwirkung.

Seit dieser Zeit wurde die Sole des unteren Schachtes fast ausschließlich zu medizinischen Zwecken gefördert und abgegeben.

Bei der Einstellung der Saline im Jahr 1860 wurde der untere Schacht verwahrt, Schachtgebäude und Fördertechnik komplett demontiert. Anschließend erwarb der Gastwirt des „Mutigen Ritters“ das Gelände und überwölbte den Solschacht.

1905 wurde der Schacht in 30 Metern Tiefe dauerhaft verschlossen, um Wildwasser davon abzuhalten, über den Verbindungsstollen die Sole des oberen Schachtes zu verschlechtern. Der Brunnen geriet dann in Vergessenheit.

Beim Umbau des „Mutigen Ritters“ zur REHA-Klinik wurde der Brunnen freigelegt und der Brunnenkopf saniert. Eine Wiederinbetriebnahme ist allerdings nicht mehr möglich.

Oberer oder Borlachschacht

1731 begann Borlach mit der Abteufung eines zweiten Schachtes, 300 m vom unteren Schacht entfernt und höher als dieser gelegen, um für das Salzwerk weitere ergiebige Solezuflüsse zu erschließen. Der Schacht erreichte eine Teufe von 175 Metern und wurde im oberen Drittel mit einer wasserdichten Verzimmerung versehen. In 163 m Tiefe wurde ein Stollen zum unteren Schacht getrieben, wo sich weitere Solezuflüsse ergaben. Der Stollen hat einen Sattel, der sicherstellt, dass die höher konzentrierten Zuflüsse zum oberen Schacht fließen. Ein weiterer Stollen diente zur Ableitung von aufsteigender Sole bzw. Wildwasser über eine Rösche direkt zur Saale.

Die Sole hat einen Salzgehalt von 5,13%. Die Schüttung betrug rund 300 m³ in 24 Stunden. Das reichte für den normalen Gradier- und Siedebetrieb völlig aus.

Nach der Einstellung der Saline und der Verwahrung des unteren Schachtes wurde nun die Sole des oberen Schachtes für therapeutische Zwecke gefördert. Das Gradierwerk wurde zur Aufkonzentration und als Freiluftinhalatorium betrieben. Die Badesole kam über Röhrenfahrten in die Badehäuser oder wurde am Schacht abgeholt. Mit der Errichtung des ersten Inhalatoriums im unteren Kurpark Jahr 1889 begann die Vernebelung der Sole in geschlossenen Räumen. Anstelle des Inhalatorium wurde 1911 das Kurmittelhaus speziell für die Behandlung von Atemwegserkrankungen eingerichtet. 1927 folgte die Medizinischen Badeanstalt wo die Sole bei der Behandlung verschiedenster Krankheitsbilder angewendet wurde.

1991 erfolgte eine umfassende Sanierung des Borlachschachtes. Die Sole wird nun vorzugsweise zur Bespeisung des Gradierwerkes gefördert. Hier kann man in der Saison immer noch die traditionelle Form der Freiluftinhalation ausprobieren, auch wenn deren Wirkung aus kassenärztlicher Sicht ihren einstigen Stellenwert völlig eingebüßt hat.

 Johannisquelle

1868 entdeckten Wanderer am Fuß des Rechenberges eine Quelle. Nach Feststellung der Zusammensetzung und der Würdigung als mineralisches Heilwasser mit einem Gehalt von 1,7 % Natriumchlorid wurde es als Trinkbrunnen abgegeben. Die Quelle wurde gefasst und mit einem ansprechenden Brunnenhaus versehen. 1911 wurde von der Johannisquelle eine Leitung zur Herzog-Georg Trinkhalle gebaut, wo sie zusammen mit dem Mühlbrunnen ausgeschenkt wurde. Verschiedene Pächter brachten die Johannisquelle auch zum Flaschenversand.

1963 wurde die Johannisquelle wegen bakterieller Verunreinigungen aufgelassen.

Das neoklassizistische Brunnenhaus wurde 2007 saniert.

 Beyschlagquelle - Hufeland- Viktoriasprudel

Die Störanfälligkeit der Soleleitung vom Borlachschacht durch die Saale zum unteren Kurpark, veranlassten die Stadtverwaltung am linken Saaleufer nach einer neuen Solequelle zu suchen. Dazu wurde Prof. Beyschlag, Direktor der Geologischen Landesanstalt als Fachmann herbeigezogen. Auf seine Empfehlung hin begann 1911 die Bohrung unmittelbar neben dem geplanten Kurmittelhaus. Bei einer Teufe von 350 Metern traf man zunächst auf eine NaCl- Sole mit einem Gehalt von 5%. Die Quelle wurde gefasst und zunächst als Viktoria- später als Hufelandsprudel bezeichnet. Da man aber auch ein Thermalsole mutete wurde die Bohrung bis auf 682 Meter gebracht. Hier trat eine hochprozentige schwefelhaltige Sole aus, die Beyschlagquelle.

Wegen der unzureichenden Schüttung war deren Auftrieb gering und schon bald lösten sich die Eisenrohre wegen der Aggressivität des Mediums auf. Mehrere Versuche, die Beyschlagquelle nutzbar zu machen, scheiterten. 1991 wurde die alte Bohrung freigelegt und eine neue beständige Verrohrung eingezogen. Die 22 %ige schwefelhaltige Thermalsole war für die Behandlung von Hauterkrankungen (Neurodermitis und Psoriasis) aber auch bei gynäkologischen und urologisch bedingten Beschwerden geeignet. Diese Möglichkeiten wurden aber nicht weiter verfolgt, so dass die Quelle gegenwärtig nicht genutzt wird.

 Neue Quelle

1985 konnt nach vielfältigen Bemühung der Leitkureinrichtung im unteren Kurpark eine neue Solebohrung niedergebracht werden. Wie im hydrogeologischen Grundprojekt der Arbeitsgruppe von Dr. Hecht-Jena konzipiert wurde in 333 Metern Teufe eine reichhaltige natriumchloridhaltige Sole erschlossen. Die Konzentration (7 % mineralische Bestandteile) und die Ergiebigkeit stabilisierten die Versorgung des damaligen Volkssolbades.

1991 wurde die Bohrung saniert und ein Rohrleitungssystem für die Versorgung der neuen REHA-Kliniken eingerichtet. Als Zugabe im Thermalwasser (ca. 3,5 %) unterstützt die Sole den Heilungsprozess bei allen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, des rheumatischen Formenkreises, bei Arthritis und Spondylitis aber auch bei Hauterkrankungen.  

Seit 2003 kann die Sole der Neuen Quelle auch zu Trinkzwecken abgegeben werden. In verschnittener Form lindert sie bei regelmäßigen Gebrauch Magen- und Darmbeschwerden.