Das Solbad Kösen - Kaiserreich - Weimarer Republik - Drittes Reich

 

1868

 

  1. Feb. Ehrung eines jugendlichen Lebensretters (NKB)

Beim Spielen war ein Junge in die Saale gefallen und von einem schwimmkundigen Knaben aus dem eiskalten Wasser gezogen. Der Bürgermeister überreichte ihm vor versammelter Schule drei Taler und die Rettungsmedaille, die er aber erst mit 18 Jahren tragen durfte.

 

  1. Feb. Konferenz zum Kurpark (MER C48Ii Nr. 776V).

Dabei ging es um den Gestaltungsvorschlag, den das Ehrenmitglied der Badedirektion, Rittergutsbesitzer Schmidt vorgelegt hatte. Der Vorsitzende Landrat von Danneil und der Vertreter des Regierungspräsidenten befürworteten die Realisierung, da die Ausführung sowie die spätere Unterhaltung zwar einfach dafür aber kostengünstig waren.

 

  1. Mär. Feiern zum Geburtstag des Königs (NKB)

Wegen der Differenzen der Honoratioren fanden zwei getrennte Feiern statt. Das „Comitè“  lud ein zum Soupèr für einen Unkostenbeitrag von 7 Silbergroschen 10 Pfennigen im Teichgräber`schen Saal. „Nach dem Soupèr findet Ball statt und werden junge Herren und Damen, auch wenn dieselben nicht beim Soupèr beteiligt gewesen, zu recht zahlreicher Teilnahme eingeladen“. Die andere Feier veranstaltete der König Wilhelm Verein in der Rost`schen Restauration, inzwischen nach ihrem Besitzer Carl Zeidler der Zeidlersche Saal genannt. Auf die Rudelsburg lud der neue Wirt Andrä ein, wobei der sich wie sein Schwiegervater auch Samiel nannte.

 

  1. Mär. Todestag von Johann Christoph Nette (Ev. Sterbereg.)

Dem Sattlermeister (von 1832 bis 1844 Ortsrichter) gehörte die Lindenstraße 21.

 

  1. Apr. Konzert im Bahnhof zur Holzmesse (NKB)

Neuer Pächter war W. Bechmann. Ihm gehörte das Haus An der Brücke Nr. 2.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag für die Groddecksche Badeanstalt (MER C48Ii Nr.782 Bd.1).

Basis für die Berechnung war das Volumen seiner 21 Wannen, das Mischungsverhältnis und die voraussichtliche Zahl der abgegebenen Bäder, was eine  Saisonpauschale von 300 Talern ergab, die in vier Raten zu zahlen war. Die Badedirektion behielt sich die Kontrolle der Anstalt und die sofortige Aussetzung der Lieferung bei Verstößen oder Zahlungsverzug vor.

 

  1. Apr. Vermächtnis der Albertine Charlotte Louise Wölecke (MER C 48 II a Nr. 1707)

Sie stiftete der Kirchengemeinde 200 Taler für den Friedhof und der Stadt 100 Taler für die Schule und zur Unterstützung armer Frauen (Louisen-Stiftung).   

 

  1. Mai „Exzess“ der Schullehrer (MER C 48 II b Nr. 2028)

Eine Bagatelle (Katzenkot im Treppenhaus) führte zu einer handfesten Prügelei zwischen den in der Schule wohnenden Lehrern Hesse und den Brüdern Geßner. Der Lärm drang bis zu den Markthändlern, die den Polizeidiener und den Schöppen riefen. Der Vorfall sprach sich herum und am 8. Mai erschien der Landrat v. Danneil persönlich und vernahm die Beteiligten. Auch die  Kgl. Regierung entsandte einen Assessor der die Zeugen erneut vernahm.   

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des Konditors Lehmann (NKB)

„...daß ich mein Geschäft an die Chaussee den Kuchengarten gegenüber verlegt habe“ Die Lage versprach reichlich Gäste, trotz der unmittelbaren Nachbarschaft von  Teichgräbers Kuchengarten und den Etablissements von Kunitz und Zeidler.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Badedirektion (NKB)

„3 Taler Belohnung werden hiermit demjenigen zugesichert, welcher die Urheber der häufig vorkommenden Baumfrevel in der Umgebung  des Orts, sowie  die Beschädigungen an den dort aufgestellten Bänken und Tischen so zur Anzeige bringt, daß sie zur gerichtlichen Anzeige  gezogen werden können“

 

  1. Juni Anzeige des Badearztes Hofrat Dr. med. Pauli (NKB)

„Solchen welche meinen Rat in meiner Wohnung wünschen, treffen mich in der Lindenstraße 66“ Der pensionierte Pauli hatte sich im ehemals Baumbach`schen Haus eingemietet und bot seine Dienst als Badearzt an. Doch bereits im Januar 1869 wurde das gesamte Mobiliar wegen Wegzug oder Tod verkauft.  

 

  1. Juni Entdeckung der Johannesquelle (NKB).

Zwei Kurgäste stießen zufällig am Saaleufer an der Krümme auf eine Mineralquelle.

Einige Wochen später schrieb der Badearzt Pauli im NTB „Über Kösens neu entdeckte Heilquellen“. „Das Wasser schmeckt angenehm und wirkt gelinde eröffnend, die Tätigkeit der Absorptionsorgane verändert die krankhafte  Säftebildung auf  eine naturgemäße  Weise, in dem es die Verdauung ordnet, die Blutbildung verbessert, die Absonderung der Schleimhäute der Verdauungsorgane, der Luftwege, der Leber, Nieren und Harnwege gesundheitsgemäßer gestaltet..“ Die chemische Analyse von Prof. Dr. Reichardt aus Jena ergab einen Gehalt von 1,6 bis 1,7 Gramm fester Bestandteile, hauptsächlich Kochsalz. Der Kreisphysikus Dr. Hartmann veröffentlichte die Ergebnisse in einer Broschüre, aus deren Erlös eine Brunnenfassung mitfinanziert werden sollte.

 

  1. Juni Übergabe der Kukulauer Wiese (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Anwesend waren der Prokurator Schwimmer, der der Domänenpächter von Kukulau Amtsrat Jäger, der Domänenpächter von Fränkenau Amtmann Wernicke, Dr. Rosenberger als Vertreter der Badedirektion, der Pachtmüller Roßner und der Schulförster Voigt.  Auf der bisher zu Kukulau gehörenden Wiese östlich des Eisenbahndammes (11 Morgen) sollte der Kurpark entstehen.  Die Badedirektion verpflichtete sich zur Unterhaltung des quer über die Wiese verlaufenden Mühlenwegs, dagegen verpflichtet sich der Müller, die öffentliche Nutzung nicht zu behindern. Die Wiese auf der Westseite des Bahndammes unterhalb der Dorfstraße übernahm der Domänenpächter von Fränkenau.

 

  1. Juli Anweisung zur Brückengelderhebung (Sta-A Nmb, Nr. 550)

„Unter Bezugnahme auf den Erlaß vom 25. Juli 1864 die Brückengeld-Erhebung an der Saalebrücke bei Kösen betreffend, eröffne ich Euer Hochwohlgeboren, daß der Herr Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in den abschrftlich beigefügten  Schreiben v. 3. v. M. sich nunmehr auf Grund der dargestellten Ermittlungen dahin ausgesprochen hat, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter zu Pforte und Eckartsberga obgelegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der gedachten Brücke gegenwärtig bedeutungslos geworden ist.  Unter diesen Umständen erscheint es gerechtfertigt, die betreffenden Ortschaften fortan zur Entrichtung der Brückengeldabgabe  anzuhalten, da denselben kein besonderer Rechtstitel für die bisher genossene Befreiung zur Seite steht, letztere vielmehr ausschließlich in der ehemaligen sächsischen Gerichtsverfassung ihren Grund hat.

Bei der anderweiten Regelung des Brückengeld-Tarifs im Jahr 1832 ist zwar ausgesprochen, daß diejenigen Passanten, welchen die Befreiung rechtlich zugestanden habe, auch ferner befreit bleiben sollen. Es unterliegt jedoch keinen Bedenken, daß hiermit nur solche Befreiungen gemeint sind, welche auf einen gültigen speziellen Titel beruhen, nicht aber solche, die aus früheren allgemeinen Landeseinrichtungen, namentlich aus der Gebietsverfassung abgeleitet werden.

Euer Hochwohlgeboren wollen deshalb das Erforderliche veranlassen, damit die in Rede stehenden 21 Ortschaften von einen Ihrerseits zu bestimmenden Termin ab zur Entrichtung der Brückengeldabgabe herangezogen werden und gleichzeitig dafür Sorge tragen, daß den Ortschaften diese Anordnung in geeigneter Weise vor deren Ausführung zur Kenntniß gebracht werde. Mit Rücksicht hierauf empfiehlt es sich, die Frist nicht zu kurz zu bemessen. Es bleibt Ihnen überlassen, der Kgl. Regierung zu Merseburg eine entsprechende Mitteilung zu machen und derselben einheimstellen, durch die zuständigen Landraths-Ämter auf eine angemessene Belehrung der betreffenden Ortschaften über die Begründung der getroffenen Anordnung hinwirken zu lassen.

Was die der Landesschule Pforta, beziehungsweise deren Beamten und Vorwerken zustehende Befreiung anlangt, so ist die Voraussetzung, daß dieselbe sich auf die früher geleisteten Brückenbaudienste gründet, nicht zutreffend. Nach den früheren Verhandlungen ist vielmehr zu vermuten, daß diese Befreiung auf der Eigenschaft der genannten Landesschule als Grund- und Gerichtsherr beruhe. In Berücksichtigung der früher erfolgten ausdrücklichen Anerkenntnis der in Rede stehenden Befreiung ist für jetzt deren Fortdauer nicht zu beanstanden.

Der Finanzminster v. d. Heydt.“

 

  1. Aug. Missionsgottesdienst des Gustav-Adolf-Vereins in der Buchenhalle (NKB)

Unter den Besuchern befand der unter dem Pseudonym Adolph Violet de Chevalier in der Kurliste geführte Berliner Landschaftsmaler Adolph  Menzel (1815-1905, 1898 geadelt). Der Gottesdienst gab ich die Anregung für das Gemälde „Gedenkgottesdienst in der Buchenhalle“ (Preuß. Kunstsammlung).  Menzel und der Germanist  Franz Kugler („An der Saale hellem Strande) verfassten eine Lebensbeschreibung  König Friedrich II., ein Volkslesebuch.

 

  1. Aug. Geschäftsanzeige der „Tanne am Bahnhof“ (NKB)

Tilebein, der ehemalige Salzsteuer-Einnehmer war der erste, der an der kleinen Promenade gegenüber vom Bahnhof  ein Haus baute und hier eine Gastwirtschaft einrichtete. 

 

  1. Aug. 18. Sängerfest des „Sängerbundes an der Saale“ (NKB).

Nach der Ankunft wurden die Teilnehmer im „Kuchengarten“ begrüßt. Nach allgemeiner Stärkung ging der Zug um 11 Uhr zur „Katze“ wo die alten Herrschaften zurückblieben und nur die Jüngeren  zur Rudelsburg zogen, wo „der greise Burgward Samiel Gambrinus in Strömen fließen ließ“. 3 Uhr am Nachmittag traf man in der Buchenhalle zusammen, wo das Konzert stattfand, bei dem rund 5.000 Teilnehmer und Gäste gezählt wurden. 5 Uhr nachmittags erfolgte der Einzug  „unter Vorantritt der Festjungfrauen in das mit Ehrenpforten, Fahnen, Girlanden und Kränzen so freundlich geschmückte Kösen“. Im „Kuchengarten“ spielte die „Regimentsmusik“ und für diejenigen die an dem abendlichen Festmahl teilnahmen und den fahrplanmäßigen Zug nach Halle nicht schafften, stellte die thüringische Eisenbahn einen Extrazug.    

  

  1. Aug. Verleihung des Stadtrechts (Mascher, Kösen, die jüngste Stadt...).

Mit „Allerhöchster Order“ wurde der Landgemeinde Kösen gemäß der Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 das Stadtrecht verliehen. Kösen, nun die jüngste Stadt Preußens und Deutschlands, hatte keinerlei kommunales Vermögen, war aber von einem Tag zum anderen für die Polizei, die Schule. die Infrastruktur und das Gewerbe zuständig.

Auch die örtliche Infrastruktur war völlig unzureichend. Die Trinkwasserbrunnen waren nur eingeschränkt nutzbar, lediglich auf der Brücke standen 2 Gaslaternen, die Grundherrschaft der Landesschule erwies sich als Hindernis, ebenso die der Thüringer Bahn und der Chausseebehörde gehörenden mitten im Ort befindlichen Anlagen.

 

  1. Aug. Amtliche Bekanntmachung (NKB).

Die Einwohner wurden wegen der anhaltenden Trockenheit angewiesen, die Wege vor ihren Häusern täglich zu bewässern.

 

  1. Aug. Anzeige des Kaufmanns G. A. Geyer jun. (NKB)

„Hiermit erlaube ich mir, einem hochgeehrten Publikum Kösens und Umgebung die ergebenste Anzeige  zu machen, daß ich das Geschäft  des Herrn A. Schleicher hierselbst übernommen habe“. Geyers Geschäft befand sich in der Borlachstraße 8.

 

  1. Sep. Erlass des Landrates zum Brückengeld (NKB)

„Die Gemeinden der Ämter Pforta und Eckartsberga sind mit Rücksicht auf die denselben in früheren Zeiten obgelegene Frondienstpflicht hinsichtlich des Baues und der Reparaturen der Kösener Saalebrücke  von Entrichtung  des Brückengeldes daselbst  bisher befreit gewesen. Da jedoch im Jahr 1810 die Naumburg-Eckartsbergaer Straße zur Staats-Chaussee erhoben worden ist und von diesem Zeitpunkt ab die erwähnten Frondienstleistungen aufgehört haben, so ist in Anbetracht, daß die fragliche Brücke einen integrierenden Teil der Chaussee darstellt und demgemäß aus dem Chausseeunterhaltungsfond in Stand gehalten wird, die auf keinem Privilegium bestehende Brückengeldfreiheit aber demnach nur als ein Gegenäquivalent für Frondienste zugestanden war, seitens des Hr. Finanzministers  angeordnet worden, daß die Befreiung  der oben erwähnten Gemeinden vom Brückengeld bei der Kösener Saale-Brücke  ab dem 1. Jan. 1869 aufhört..“  

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB).

Prominenester unter den  1.987 Gästen war mit der Nr. 353 Theodor Fontane (1819 bis 1898). Außerdem weilte hier der Kaiserl. Russ. Kammerherr General v. Ratmanoff-St. Petersburg, Baronin v. Rüxleben-Nordhausen, Gutsbesitzer Michailoff-Rastowloff, Frl. Natalie v. Pashkoff-Saratow, Exz. Frau Staatsrätin v. Philosophoff-Dresden, Baronin v. Häseler-Weimar, Joseph v. Pikarski-Missouri, Baronin v. Stein-Reuden, Gräfin v.Pückler-Schlesien, Frau  Polizeipräsidentin v. Wurmb-Berlin, Schriftsteller R. Rösler (Julius Mühlfeld 1840-1881)-Köthen, Frau Godet (Hofjuwelier Godet & Sohn)-Berlin, Durchl. Prinzessin  v. Schönburg-Waldenburg,  Baron v. Dannenberg-Tiefensee, Baronin v. Werther, General v. Borcke, Mrs. Parson-New Haven, Landschaftsmaler Adolph Beck-Berlin, Gräfin v. Bredow-Berlin, Kammerherr Freiherr v. Brincken-Gebesee, General v. Lewaldt-Königsberg, Baron v. Lüdringhausen-Kurland, Colonel A. Bliss Charge de Officiers der Vereinigten Staaten, Exz. Frau Ministerin v. Geylo-Braunschweig,  Landrat Baron v. Richthofen-Melsungen, Prof. Dr. Carl Otto Lehrstuhl f. Theologie Universität Wien, Baronin v. Wullfen-Elbing, Porträtmaler A. Burghardt-Wittenberg, Geh.-Rat OB v. Krausnick-Berlin, Reverend Theodore B. Lynan-Baltimore, Dr. Paul du Bois-Reymond-Heidelberg, Baronin v. Baligand-Dessau, Major a. D. v. Blücher, Rat im preuß. Kriegsministerium,  Baronin v. d. Goltz-Berlin, Gräfin v. Seydewitz-Torgau,  Pianistin Frl. Stavenecker-Leipzig, Prof. Dr. Felix v. Niemeyer (1820 bis 1871) Leibarzt des Königs von Würrtemberg, der Philosoph Hermann Ulrici (1806-1884), Prof. Dr. D. A. W. Bohtz- Göttingen, Baron v. Rheinsberg-Leipzig, Baronesse v. Brummau-Weimar.

 

  1. Okt. Geschäftseröffnung des Webermeisters Ernst Saalborn (NKB)

Neben seinem Wanderhandel verkaufte er Strickgarn, Wolle, Zwirn und Nadlerwaren in der Neuen Straße 99 (Schmettaustr. 11)

 

  1. Nov. Beschluss zur Gestaltung des unteren Kurparks (MER C48Ii Nr. 776V).

Die Badedirektion hatte sich für die einfache und daher preiswerte Variante des Rittergutsbesitzers Schmid entschieden. Die symmetrisch angelegten Wege liefen auf ein mit Blumen bepflanztes Rondell zu. Auf Hecken wurde wegen der versteckspielenden Kinder verzichtet. Stattdessen sollten Bäume gepflanzt werden, vor allem Platanen. Um die Pacht zu finanzieren konnte der jährliche Wiesenwuchs verpachtet werden.

 

  1. Nov. Wahl der Stadtverordnetenversammlung (Mascher: Die jüngste Stadt...).

Entsprechend der Bevölkerungszahl wurden 12 Stadtverordneten nach der preußischen Klassenwahl gewählt: in Abt. I Hotelier Weber, Kaufmann A. Krüger, Brauereibesitzer Schultz, Kaufmann Siebold, in Abt. II Apotheker Gause, Restaurateur Teichgräber, Kaufmann Geyer, Maurermeister Werner, in Abt. III Badearzt Dr. Groddeck, Tischlermeister Vogel, Bäckermeister Haasenritter und Postvorsteher Müller. Kommissarischer Gemeindevorsteher war Geyer sen.

Zur Abt. I (Kösen-Süd) gehörte das Dorf Neu-Kösen mit der Eckartsbergaer und der Bahnhofstraße, zur Abteilung II (Kösen-Nord) das Viertel nördlich der Eckartsbergaer Chaussee und zur Abt. III  der Teil rechts der Saale.

Nach der Wahl wurde über die Einführung eines ständigen Wochenmarktes, die  Einrichtung eines Krankenhauses und einer Sparkasse, sowie die Erarbeitung eine Konzeption für die zukünftige Entwicklung beraten.

Darüber hinaus wurden die Anwesenden informiert, dass die Amtsdörfer anstelle der Brückenfron ein Brückengeld zahlen sollten.  

 

             „Alterthümer und Kunstdenkmale des Cistercienserklosters St. Marien zu Pforte“ 

Verfasser der im Sieling Verlag veröffentlichten Broschüre war Wilhelm Paul Corssen (1820-1875), seit 1856 Lateinlehrer an der Landesschule  und mit deren Geschichte bestens vertraut. Er setzte  die von C. P. Lepsius begründete wissenschaftliche Erforschung der Heimatgeschichte fort.

 

  1. Dez. Gründung des Männergesangsvereins „Anakreon“.

 

  1. Dez. Beschwerde der Badeverwaltung (MER C 48 Li Nr. 776)

Der Pächter der Domäne Kukulau hatte den Wald zwischen der Buchenhalle und der „Katze“ abgeholzt, was die Badedirektion  heftig kritisierte.

 

  1. Jan. Silvesterball des König Wilhelm Vereins im Teichgräberschen Saal (NKB)

 

1869

 

  1. Jan. Inkraftsetzung der neuen Brückengeldordnung (StaA. Nmb, 550).

 

  1. Jan. Konzertreihe im Zeidlerschen Saal (NKB)

Grimmers Kunsttheater zeigte verschiedene Lustspiele und Possen. Grimmer bezeichnete sich als „Mechanikus,“ das Theater war demzufolge ein Puppenspieltheater und damit auch etwas für den kleinen Geldbeutel.  

 

  1. Jan. Konstituierende Sitzung der Stadtverordneten (Mascher: Die jüngste Stadt...).

Beschlossen wurde die Ausschreibung der  Stelle des Bürgermeisters mit einem  Jahresgehalt von 500 Talern.

 

  1. Feb. Baugenehmigung für die Soleleitung zur Rosenbergerschen Anstalt (StaA Nmb).

Nach Dr. Groddeck erhielt auch Dr. Rosenberger die Erlaubnis, auf eigene Kosten eine gusseiserne Röhrenfahrt vom oberen Schacht zu verlegen.

 

  1. Feb. Konzert zum Stiftungstag des König Wilhelm Krieger Vereins (NKB).

 

  1. Feb. Bekanntmachung der Badedirektion zur Johannesquelle (NKB).

„Johannes-Brunnen kann von jetzt ab täglich von morgens 6 Uhr bis abends 5 Uhr an der Quelle verabreicht werden“. Demzufolge war auch die Zuwegung vom Wehrdamm aus fertiggestellt. Kurz danach begann auch der Flaschenvertrieb. 

 

  1. Feb. Verpachtung der Chausseegeld-Einnahmestelle (NKB).

Der Bewerber musste „dispositionsfähig“ sein und  bei Gebotsabgabe eine Kaution von 200 Talern hinterlegen. Das Kgl. Hauptsteueramt bezifferte die durchschnittliche Jahreseinnahme auf 1.000 Taler.

 

  1. Feb. Fr. Sträuber eröffnet die „Loreley“ (NKB).

Sträuber hatte den „Felsenkeller“ neben dem ehemaligen Rechenwärterhaus erworben, den der Floßmeister Hartig vor 100 Jahren angelegt hatte und ein Gasthaus errichtet. Den einkehrenden Badegästen erzählte  Sträuber, dass er die Quelle entdeckt habe.

 

  1. Mär. Ernennung des neuen Feuerpolizeikommissars (NKB).

Nachfolger Struves wurde Zimmermeister Fr. Toepfer, der gerade von der Landesschule einen Streifen entlang der Saale erworben und an „frequentester Lage“ eine Zimmereiwerkstatt samt Holzhandlung eingerichtet hatte (Rudelsburgpromenade 6/7).  

 

  1. Mär. Wahl des ersten Bürgermeisters (Mascher; NKB).

Dr. Heinrich Anton Mascher (geb. 1824 in Könnern), bisher Kreissekretär und stellvertretender Landrat  von Naumburg wurde einstimmig gewählt.

 

  1. Mär. Vokal und Instrumentalkonzert in Zeidlers Restauration (NKB).

Der Gesangsverein Anakreon veranstaltete im „neudekorierten Saal“ ein Konzert dessen Erlös für bedürftiger Kinder gedacht war.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachung des Landrates (NKB)

„Der Mühlenbesitzer Ernst Roßner zu Kösen beabsichtigt, die ihm gehörige in Kösen unter Nr. 65 des Katasters an der Saale befindliche Mahlmühle umzubauen.“ Das betraf  den Einbau von  Turbinen anstelle der Wasserräder sowie den Neubau eines viergeschossigen Mühlengebäudes mit  angrenzenden Wohn- und Verwaltungsgebäude (Roßner 1932).Einsprüche mussten binnen 14 Tagen beim Landrat eingereicht werden.

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Fa. Fr. Sänger & Hertel (NKB).

Der Sitz der Holzhandelsfirma war in Lengefeld, unmittelbar an der Grenze des Stadtbezirks.

 

  1. Apr. Öffentliche Anzeige (NKB)

„In der Prozeßsache des Bäckermeisters Hermann Franke als Vormund des Kaufmannslehrling Moritz Völkel in Kösen wider des Klempnermeisters Julius Dost in Kösen, Verklagter, hat die Kammer für Injuriensachen beim Kgl. Kreisgericht zu Naumburg für Recht erkannt, daß der Verklagte der wörtlichen öffentlichen Beleidigung und vorsätzlichen Mißhandlung des Moritz Völkel schuldig und deshalb  mit 1 Taler Geldbuße, welche im Unvermögensfall 1 Tag Gefängnis substituiert, zu bestrafen, dem Moritz Völkel die Befugnis zu erteilen, binnen vier Wochen nach Rechtskraft dieses Erkenntnisses den Tenor desselben durch Einrückung  in das hiesige Kreisblatt  auf Kosten des Verklagten öffentlich bekannt zu machen...“     

 

  1. Mai Meldung des Bade-Inspektor Baudouin zur Saisoneröffnung (NKB)

 

  1. Mai Die Landesschule genehmigt die Fassung der Johannesquelle (StaA Nmb).

 

  1. Mai Pfingstfeiertage (NKB).

Kunitz lud im Kursaal zum „Table de hòte“ ein, Teichgräber im „Kuchengarten“ zum Konzert,  wobei er darauf hinwies, dass bei ungünstiger Witterung das Konzert im Theatersaal stattfindet, im „Mutigen Ritter“ (Weber) gab es ein Abendkonzert, in der „Katze“ (Wölbeling) Tanzmusik mit der Badekapelle, in den Saalhäusern (Schumann) ein „Tänzchen“, Samiel lud zum Militärkonzert auf die Rudelsburg ein und Tilebein von der „Tanne“ warb mit einer neuen Kegelbahn.

Die Thüringer Eisenbahn setzte zur Erleichterung des Pfingsverkehrs Sonderzüge ein, dazu hielten zwei Schnellzüge. Außerdem wurden in der Pfingstwoche Rückfahrkarten verkauft, die zur „einmaligen ununterbrochenen Rückfahrt in allen Personenzügen der II. und IV. Klasse“ berechtigten. Zwischen Naumburg und Kösen verkehrte an den Sonn- und Konzerttagen wieder ein Pferdeomnibus,  

 

  1. Mai Todestag der Eva Eleonore Clementine von Zedtwitz (Ev. Sterbereg.)

Wegen ihres Geburtsjahres (1802) könnte sie die Mutter des Oberst a. D. Bruno von Zedtwitz und die Schwägerin des früheren Oberfloßkommissar gewesen sein. Namensgeber der Familie war das fränkische Dorf Zedtwitz bei  Feilitzsch in der Nähe von Hof. Von dort stammte auch der Rittergutsbesitzer von Stendorf und spätere Landrat Freiherr v. Feilitzsch.    

 

  1. Mai Amtliche Bekanntmachung des Landrates (NKB).

„Mit dem Wiederbeginn der Saison bringe ich die bestehende Vorschrift, wonach binnen der ersten 24 Stunden nach dem Einzug eines Fremden die desfallsige Meldung des Hauswirts erfolgen muß, zur sorgfältigen Beachtung in Erinnerung“. Außerdem wurden die Gastwirte und Restaurateure darauf hingewiesen, dass sie die Preislisten amtlich bestätigen und gut sichtbar aushängen mussten. Dies und die Einhaltung der Meldepflicht sollte von der Badedirektion regelmäßig geprüft werden.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit Dr. Rosenberger (MER C48li Nr. 782 Bd. 1)

Der hatte ebenso wie Dr. Groddeck die Pauschalierung der jährlichen Solelieferung beantragt und sollte für seine sieben Wannen 140 Talern in vier Raten zahlen.

 

  1. Juni Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Zu meinem Mühlenbau suche ich, da der einzige Maurermeister heute (.) bei mir Streik (nicht dessen Gesellen) gemacht hat, auf lange Zeit und bei gutem Lohn 10 bis 12 Maurergesellen, Konkurrenz kann hier nur wahrhaft Gutes schaffen...“

 

  1. Juni Schreiben des Landrates an die Regierung in Merseburg (MER C48Ii Nr. 782-1).

Die Kommanditgesellschaft Hartung & Co. hatte ebenfalls die Pauschalierung der Solelieferung beantragt. Doch für Danneil war das problematisch, zumal die die Anstalt ohnehin nur die Hälfte bezahlt,  und abzusehen war, dass sich Dr. Rosenberger und Dr. Groddeck beschweren würden. 

 

  1. Juni Geschäftsanzeigen (NKB).

Botenfuhren mit dem Handwagen nach Naumburg bot F. Wagner aus Naumburg an, Aufträge nahm Madam Ellinger an der Naumburger Chaussee gegenüber dem Kaufmann Heckenberg entgegen. „Banquets und Kränze bindet billig und schön G. Köhler, Handelsgärtner zu Kösen in der Dorfstraße“ (Borlachstr. 44) . Außerdem bot der Berliner Zahnarzt Schulze seine Dienste an, der sich wie schon der Hofrat Pauli bei Baumbach eingemietet hatte. 

 

  1. Juli Amtseinführung des Bürgermeisters (NKB).

Der Bürgermeister und die beiden unbesoldeten Ratsschöffen Dr. Groddeck und Kaufmann Siebold bildeten den Magistrat. Neben der allgemeinen städtischen Verwaltung gehörten die Finanzen, die Ortspolizei als untere Rechtsbehörde einschl. der Baupolizei zum Dienstbereich. Der Magistrat hatte die von den gewählten Stadtverordneten beschlossenen Maßnahmen auf Gesetzeskonformität und Finanzierbarkeit zu prüfen. War beides gegeben, wurden sie in den Haushalt eingestellt, andernfalls hatte der Magistrat ein Vetorecht, Streitfälle wurden dem Bezirksausschuss zur Entscheidung vorgelegt.

Mit seiner Einführung verlegte Mascher auch seinen Wohnsitz nach Kösen, zunächst wohnte er zur Miete beim Musikdirektor Heyne (Lindenstraße 26).

In seiner Denkschrift „Kösen als jüngste Stadt Preußens und Deutschlands“ stellte er mit Blick in die Zukunft fest 1. Den Bürgern sollte klar werden, dass mit dem Bürgerrecht das Vertrauen und die Treue zur Obrigkeit wieder hergestellt und befestigt würde, wankende Ordnung und gestörter Frieden wieder hergestellt werden. 2. Die städtische Verfassung eine freie, geregelte und humane sowie energische Kommunalverfassung erfordert. 3. Die Einrichtung einer effektiven örtlichen Polizeiverwaltung, die nun vom Bürgermeister wahrgenommen wird. 4. die Vertretung auf dem Kreistag durch einen Abgeordneten. 5. die angemessene Vertretung der Stadt in der Badedirektion, zunächst in Personalunion verbunden mit der Badepolizei, wenn möglich aber die Übertragung des Bades auf die Gemeinde. 6. die Einrichtung eines regelmäßigen Bürodienstes durch Anstellung eines Expeditionsgehilfen. 7. Der Anschluss der Volksschule an ein Institut, dass es allen Bürgern gestattet, ihre Kinder ohne unerschwinglich zu sein, den bestmöglichen Unterricht zu gewähren. 9. die geordnete Wohnbebauung entsprechend den wirtschaftlichen Interessen der Stadt. 10. die Einrichtung einer Darlehenskasse anstelle der Spar- und Vorschussvereine  11. die Einrichtung von Jahrmärkten nur wenn diese passend und vorteilhaft wären 12. Gründung eines Verschönerungsvereins.    

Der Erlös der Denkschrift bildete den Grundstock für einen  Rathausbaufond.

Mascher ein typischer Verwaltungsbeamter erließ eine Vielzahl von Verfügungen und Erlassen mit der die Zustände des Bades verbessert und das Eigenleben der Bade- und Hauswirte, der Restaurateure und Gastwirte in geordnete Bahnen gelenkt werden sollten. 

 

  1. Juli Sitzung des Brunnenfestausschusses (StaA Nmb. Nr. 447)

10 Tage vor dem Fest trafen sich die Badedirektion (Landrat v. Danneil, Dr. Rosenberger, Rittergutsbesitzer Oberamtmann Schmidt), der Magistrat, Pastor Barthold,  die Lehrer Zeiger, Greßler I und II, der Bergrat Backs und der Stadtverordnetenvorsteher Postmeister Müller und legten das Programm  fest. 

 

  1. Juli Antrag zur Einrichtung einer Flussbadeanstalt (StA Nmb).

Die Badeanstalt am Fischhaus war den Schülern der Landesschule vorbehalten. Die anderen Flußbäder in Altenburg, Naumburg und Grochlitz waren zu weit entfernt. Da öffentliche Badeanstalten ausschließlich von Knaben aufgesucht wurden, was sich nicht allgemeiner Beliebtheit erfreute, sollte die städtische Anstalt an die Mündung des Scheitbachs kommen. Zwar stimmte die Landesschule dem zu, doch weil die Kosten für den Auf- und Abbau und die Aufsicht nur durch Eintrittsgeld gedeckt würden, blieb die Sache liegen. Es blieb beim wilden Baden der nur dürftig bekleideten Knaben und die Beschwerden der Kurgäste wurden in  Kauf genommen.

 

  1. Juli Versteigerungsanzeige der Hartungschen Badeanstalt (NKB).

„Ich bin beauftragt, das in Kösen bei Naumburg belegene der Commanditgesellschaft Hartung & Co. gehörige Etablissement von 5 Morgen Areal mit Badehaus, das 23 Badezellen, 11 Zimmer, 13 Kammern, 2 Küchen enthält, Dampfbad, Maschinen- und Kesselhaus, Nebengebäude, Wagenremise, Park-und Gartenanlagen meistbietend am 19. Oktober an Ort und Stelle zu verkaufen“ Justizrat Franz.  

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB).

Der Festzug mit den Lehrern, der Schuljugend, dem Magistrat und den Stadtverordneten, der Schützengilde, dem Kriegerverein, den Turnvereinen und dem Badedirektorat zog unter Glockengeläut vom Markt zum Solschacht, wo der Pfarrer die  Festrede hielt. Dann bekamen die Kinder die obligatorischen Brezeln. Am Abend gab es oberhalb der Johannisquelle, auf der Rudelsburg und auf dem Nikolausberg Feuerwerk. Am Montagnachmittag spielte die Badekapelle im Kuchengarten (Eintritt 1¼ Silbergroschen.) mit anschließenden Souper für die  Honoratioren. Dafür sollten 12 Silbergroschen in Vorkasse erhoben werden, weshalb sich nur wenige meldeten und das Essen ausfiel.

 

  1. Juli „Die Floßzölle an der Saale“ (NKB)

Zwischen Harra und Kösen wurden insgesamt 57 verschiedene Abgaben erhoben. Daher forderte der Verfasser im Interesse des Erhalt des Handels mit Floßholz vom Bundesrat des Zollvereins alle staatlichen Wasserzoll- und Wasserwegegeleite sowie alle Abgaben von  Kommunen und Privatleuten aufzuheben, insoweit diese nicht für die Anlage und Unterhaltung von Anlagen verwendet werden, die den Flößern zu Gute kamen. Schäden an Anlagen und Ufer sollten nicht mehr pauschal, sondern im Einzelfall und nach vorheriger unabhängiger Begutachtung abgegolten werden.

 

  1. Juli Bekanntmachungen der Ortspolizeibehörde (NKB)

„Um das Feuerlöschwesen der hiesigen Stadt zu regeln, haben wir eine Nachweisung derjenigen Einwohner im Alter zwischen 16 und 60 Jahren die nach hiesiger Feuerlöschordnung verpflichtet sind, ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechenden Dienst bei einer Feuersbrunst zu übernehmen, aufgestellt..“

„Die Bewohner unserer Stadt setzen wir davon in Kenntnis, daß uns von der Kgl. Regierung die Befugnis erteilt worden ist, Paßkarten auszustellen“. Beim Vorzeigen brauchten Einwohner kein Chausseegeld bezahlen, wenn sie zu Fuß unterwegs waren. Bei den Badegästen reichte die Kurkarte.  

 

  1. Aug. Danksagung des Magistrats (NKB)

„Mehrere von den hier wohnenden Badegästen haben am gestrigen Abend zum Besten des hiesigen Hospitals  ein Konzert veranstaltet, welches den reichen Ertrag von 43 Talern geliefert hat“. Einer der Mitwirkenden war der Musikdirektor Gustav Reichardt (1797-1884) aus Berlin.  

 

  1. Aug. Bekanntmachungen des Landrates (NKB)

„Die mir seit längerer Reihe von Jahren anvertraut gewesene Leitung der Badeverwaltung zu Kösen ist auf mein Ansuchen dem Herrn Bürgermeister als jetzigen Vorsitzenden der Badedirektion übertragen worden, während die Kgl. Regierung mich zu ihrem ständigen Commissarius  für das Bad Kösen ernannt hat.“ 

 

  1. Aug. „Aus und über Kösen (NKB)

„Nr. 12 des Bademoniteurs liegt bereits vor (.) Diese 12. Wochenausgabe der während der Saison 1869 anwesenden Kurgäste meldet als bis zum 30. Juli angekommen 1871 Kurgäste. Rechnet man dazu die „Gäste auf Besuch“, sowie die sonstigen Badesteuerscheuen, die natürlich alle ungedruckt bleiben, so wird man nicht zu hoch greifen mit der Angabe, daß jetzt schon mindestens 2.200 Sommerwohner hier eingekehrt sind“. Das reichte natürlich nicht, um sich in die Reihe der Luxusbäder zu stellen, was aber vom Verfasser positiv vermerkt wurde.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Neben der Besetzung der städtischen Kommissionen für Feuer-, Sanitäts-, Kassen-, Bau- und Schulwesen standen die Vermietung von Wohnungen im Armenhaus, die Bepflanzung der Eckartsbergaer Chaussee mit Bäumen, der Verkauf des alten und der Neubau eines neuen Armen- bzw.  Krankenhauses auf dem Programm. Beschlossen wurde die Umbenennung von Straßen  (Dorfstraße in Borlachstraße und Petersiliengasse in Burgstraße).  Das Verbot zum Befahren der „sogenannten Grünen Gasse“ vom 17. August 1864 wurde aufgehoben.

 

  1. Aug. Schreiben des Camburger an den Kösener Bürgermeister (BLK-A. Nr. 879).

Die Pläne für den Bau der Saalebahn von Unterneusulza über Jena nach Saalfeld standen kurz vor der Umsetzung. Als Umsteigestation war Unterneusulza vorgesehen, doch da es sinnvoll war, bereits in Naumburg oder Kösen von der Thüringer- auf die Saalebahn zu wechseln, sollte   zwischen Klein- und Großheringen ein Anschlussgleis verlegt und der Saalebahn AG die Benutzung der Gleise der Thüringer Bahn erlaubt werden. Der Magistrat wurde gebeten, sich im Interesse des Besucherverkehrs dafür zu einzusetzen.       

 

  1. Aug. Stellenausschreibung für die Stadtkämmerei-Rendantenstelle (NKB).

 

  1. Aug. Bestellung von Straßenkommissaren (NKB)

„Um die öffentlichen Einrichtungen (Straßen, Wege, Anlagen etc.) in sicherheits-, ordnungs- und gesundheitspolizeilicher Hinsicht, sowie  im wirtschaftlichen Interesse“ zu erhalten wurden  vier Quartiere und Verantwortliche festgelegt. Für die Borlach- und Burgstraße sowie die Grüne Gasse war Tischlermeister Vogel zuständig, für die Lindenstraße, die Chaussee sowie die Promenaden links der Saale der Apotheker Gause, Teichgräber für die Neue-, Quer- und Saalstraße und den Nikolausberg und A. Krüger für den Teil rechts der Saale. 

 

  1. Sep. Gartenfest und italienische Nacht im Kuchengarten (NKB).

 

  1. Sep. Antrag auf ganzjährige Abhaltung des Marktes (StaA. Nmb, Nr. 488).

Innerhalb von 20 Jahren war die Zahl der Einwohner von 1.200 auf 1.800 und die der Badegäste von 300 auf 2.000 gestiegen. Eine Folge war die Verdichtung der Wohnbebauung zu Lasten der Hausgärten. Um dem Mangel an Gemüse, Obst und anderen landwirtschaftlichen und gewerblichen Erzeugnissen abzuhelfen, sollte der Wochenmarkt nicht nur während der Badesaison sondern ganzjährig abgehalten werden. Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag am 27. Oktober.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeigen (NKB)

„Ein schöner Gasthof in Kösen in einer der vorteilhaftesten und schönsten Lagen, mit schönen Garten, Kolonaden, Anlagen, Kegelbahn und sehr viel Ausspannung ist unter annehmbaren Bedingungen zu verkaufen“.

Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um die ehemalige Rost`sche Restauration in der Lindenstraße 69, die der Bürgermeister Mascher kaufte.

„Ein durchgängig massives, elegantes, neu gebautes Haus mit 7 heizbaren Stuben, 6 Küchen, Keller, einen großen Gemüse und Grasgarten an einer der gangbarsten Straßen in welchem jetzt ein Kaufmannsgeschäft betrieben wird, zu verkaufen“ das ehemalige  Starklop`sche, nunmehr Dittmannsche Anwesen an der Naumburger Chaussee (Nr.10).

 

  1. Sep. Regulativ über das städtische Armenwesens (NKB)

Zur Armendeputation wurden gewählt Dr. Groddeck, Pfarrer Barthold, San.-Rat Dr. Rosenberger, Restaurateur Teichgräber, Apotheker Gause, Bäckermeister Hämmerling, Tischlermeister Stöpel, Zimmermeister Struve, Brauereibesitzer Schulz und die Kaufleute Schmidt und Geyer.

 

  1. Sep. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

„..ist der Ortspolizeibehörde der An- und Abzug des Gesindes und der Hausoffizianten von den Dienstherrschaften und die Annahme und Entlassung von Gesellen, Gehilfen und Lehrlingen  von den Handwerksmeistern, Fabrik- und anderen Unternehmern binnen 24 Stunden nach dem Anziehen und dem Abziehen bzw. Entlassung anzuzeigen...“

 

  1. Sep. Geschäftsanzeige des Kaufmanns Schröter (NKB)

Eröffnet wurde ein Geschäft für Damen und Herrenbekleidung in der Borlachstraße 2 (heute 3)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Gastwirt Weber wurde zum Einquartierungs-Kommissar sowie die Mitglieder der Klassensteuerveranlagungskommission  ernannt. Weil sich niemand für die Stelle des Kämmerers beworben hatte, wurde das Salär von 125 auf 180 Taler angehoben.

 

  1. Sep. Wahl des Schulvorstandes (NKB).

Dazu gehörten der Bürgermeister, der Pfarrer der Maurermeister Werner, die Kaufleute Mothes und Koch und der Post-Vorsteher Müller.

 

  1. Sep. Bekanntgabe der Feuerstättenschau (NKB).

Die Hausbesitzer mussten die Kontrolle ihrer Feuerstätten dulden und hatten den Auflagen umgehend nachzukommen.

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB).

Unter den 2.056 Kurtaxe zahlenden Gästen waren Frau General v. Trotha-Berlin, Frau Lankowsky und Frau Nelli-St. Petersburg, Baron v. Koenig-Lausigk, Exz. Baron v. Maltitz mit Gattin und Nichte Gräfin Bothmar-Weimar, Freiherr Ferdinand v. Funk-Danzig, Freiin Geraldine v. Gall-Kassel,  General v. Richthofen, Baronin v. Rüxleben, Frau Bankier Chessin-St. Petersburg, Exz. Frau General Bulmerincq, Kaufmann Hirsch-Savannah, Baronin v. Korff mit Baronesse v. Lüdinghausen, Frl. Nicolai-St. Petersburg, Exz. v. Tastischeff Adjutant des russ. Kaisers mit Gattin, Oberbürgermeister Groddeck-Stettin, Exz. Geh.-Rat Heß-Gotha, Baron v. Transch-Livland, Baronin v. Hundelshausen-Hessen, Frau Captain Dent-London, Collegien-Rat A. v. Lankersky-St. Petersburg, Exz. Frau General v. Falkenstein-Königsberg, Hofsängerin Anna Böhm-Berlin, Rittergutsbesitzer v. Bismarck-Briest, Freiherr v. Wangenheim-Gotha, Baronin v. Könitz-Gotha, Freiherr v. Geyso-Dresden, Freifrau v. Werthern-Bachra, Freiherr von Feilitzsch-Kassel, General und Senator v. Uhite-Warschau, Solotänzer Toni Stullmüller-Berlin, Paul v. Smitten-Tiflis, Exz. Frau Staatsrätin v. Philosophoff, Gräfin Stillfried-Rattonitz-Potsdam,  Oberstleutnant v. Wolframsdorff-Saalfeld, Exz. Frau General v. Strantz, Baron v. Einsiedel-Altenburg, Landrat Graf v. d. Schulenburg-Angern, Baronin v. Häseler-Gößnitz, Geh.-Hofrat Prof. Dr. Hankel-Leipzig, Prof. Dr. Wegele-Würzburg, Prof. Dr. Fritsche-Leipzig, Prof. Emil du Bois-Reymond-Berlin und sein Bruder Prof. Dr. Paul du-Bois-Reymond, Prof. Dr. A. W. Bohtz-Göttingen, Gräfin v. Hohenthal-Püchau-Dresden und Gräfin v. Hohenthal-Dölkau, Baronin v. Borstell-Berlin  und unter dem Pseudonym Adolph von Chevalier der Maler Adolph Menzel.

 

  1. Okt. Verkaufsanzeige des Haus- und Badewirts Fr. Stehfest (NKB).

„Meine in besten Zustand befindlichen Bade-Utensilien bestehend aus 4 Badewannen (1 große neue kupferne, 3 größere hölzerne mit eisernen Reifen) einen großen eisernen Kessel mit Vorwärmer, Sole- und Wasserreservoir, kupfernen Rohrleitungen, Messinghähnen und allem Zubehör..“ 

 

  1. Okt. Gründung des Verschönerungsvereins (Röblitz, 1930, BLK-A. Nr. 390).

Dem Vorstand gehörten der Oberst a. D. v. Zedtwitz, der 1. Lehrer Zeiger, der Mühlenbesitzer Roßner, der ehemalige Ortsrichter Schleicher und der Drogist Struve an. Zweck des Vereins lt. Statut war die Verschönerung der öffentlichen Promenaden und Plätze in der Stadt und der nächsten Umgebung und die Erhaltung der vorhandenen Werke der Natur und der Kunst. Am Ende des Jahres zählte der Verein 92 Mitglieder, darunter Hämmerling, Großmann, Papst und Dr. Rosenberger. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Beschlossen wurde die Aufstellung von zwei Laternen links und rechts der Brücke und am Winter`schen Grundstück (Eckartsbergaer Str. 5) sowie der Bau eines Trinkwasserbrunnens am Borlachschacht.

 

  1. Okt. Anordnung der Ortspolizeiverwaltung (NKB).

„Der von der Querstraße nach der Neuen Straße zwischen dem Möller`schen Garten und dem Eisenbahn- bzw. Chausseedamm sich hinziehende Fußweg eignet sich nur zur Benutzung  für Fußgänger. Daher ordnen wir an, das Fahren mit Wagen und Schubkarre sowie das Reiten sind  verboten. Zuwiderhandlungen verfallen einer Geldbuße von 5 Silbergroschen bis 3 Taler, bei Unvermögen 1 bis 3 Tage Gefängnis...“

 

  1. Okt. Gründung des „Lokal-Saale-Bahn-Comitès“ (BLK-A. Nr. 879)

Zur Hebung des hiesigen Badeverkehrs sollte sich das Komitee um eine direkte Anbindung an die Saaletalbahn und die Saale-Unstrut Bahn von Unterneusulza nach Straußfurt bemühen. Dazu besuchte man Sulza und Eckartsberga und forderte dann, dass beide Linien die Thüringer Bahn bis Kösen benutzen sollten.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 148, BLK-A. Nr. 686)

Das Ministerium hatte am 18. Februar das Turnen zum obligatorischen Unterricht erklärt und Zeiger, der 1. Lehrer der städtischen Schule schlug vor, den Schulgarten für „Frei- und Ordnungsübungen“ herzurichten. Die Einzäunung kostete 136 Taler und die Turngeräte (1 Klettergerüst, 1 Reck, 1 Barren) 33 Taler. Außerdem wurde die Pflasterung der Gemeindestraße vom Mühlenweg zur Lindenstraße unter der Bahnbrücke hindurch und des Weges am Kunstgestänge beschlossen.

 

  1. Nov. Bestellung des Schuhmachermeisters Becker zum Auktionator (NKB).

Nicht zum Aufgabenkreis gehörten gerichtlich angeordnete Zwangsversteigerungen. Auktionslokal, soweit diese nicht an Ort und Stelle stattfanden, war der Zeidler`sche Saal.  

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Auf der Tagesordnung standen die Anschaffung von Feuerlösch- und Leichengerät und eine Klage des Zimmermeisters Neubauer gegen die Stadt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kgl. Regierung sollte die Grenzen zwischen dem Stadtbezirk und dem Gutsbezirk der Landesschule festlegen und die erforderlichen Pläne und Vermessungen beauftragen.

 

  1. Dez. Neubesetzung der Badedirektion (NKB).

Nach dem Ausscheiden des  Ortsrichters Schleicher wurden die  Ratsschöffen  Dr. Groddeck und Siebold zu ordentlichen Mitgliedern und der Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz zum Ehrenmitglied ernannt. Bruno und Helene (1840-1878) v. Zedtwitz wohnten in den Hinterbergen neben dem Felsenkeller der Brücknerschen Brauerei (Saalstraße 28).

 

  1. Dez. Spendenaufruf des Landrates für den Erhalt der Rudelsburg (NKB).

Im Jahr 1868 waren Teile der Außenmauern  eingestürzt. Weil weitere Abbrüche drohten, hatte sich die Kgl. Regierung an das Kgl. Kultusministerium um finanzielle Hilfe gewandt. Der Antrag wurde vom preußischen Staatskonservator Ferdinand v. Quast unterstützt. In der Begründung hieß es:„…an sich zeichnet sich die Rudelsburg durch ihre fortifikatorische  Anlage nicht minder wie durch malerische Schönheit aus und (ich) kann daher dem Antrage der Kgl. Regierung um Bewilligung der Summe zur Erhaltung beistimmen“ Das Ministerium lehnt ab und daraufhin  bat der Landrat v. Danneil um Spenden „um das allmähliche Verschwinden jener Zierde einer der schönsten Gegenden Norddeutschlands zu verhüten“. Geld kam von der Badedirektion und der  Direktion der Thüringer Eisenbahn und der Rittergutsbesitzer lieferte Bauholz, Sand, Kalk und Steine.

 

1870

 

  1. Jan. Konferenz der Holzhändler (NKB).

In der „Katze“ berieten die Holzhändler über die Modifizierung der Floßordnung auf der Saale. Wenig später wurde der erst 1866 eingeweihte Tanzsaal abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

 

  1. Jan. Verpachtung des Gemeindejagdbezirks (NKB)

 

  1. Jan. Amtliche Festlegung des Stadtwappens (NKB).

„Nach den übereinstimmenden Beschlüssen der beiden städtischen Behörden erhält das Wappen der hiesigen Stadt den Saalstrom dem das alte untergegangene Slawendorf Cusene seine Entstehung  und die Saalebrücke, das älteste Bauwerk der Stadt, welches es jetzt möglich gemacht hat, daß neben der früheren Saline auf dem rechten Saaleufer, ein Dorf Kösen auf dem linken Saaleufer, also zwei Ortschaften entstehen konnten, die eine ländliche Kommune und seit dem 1. Juli v. J. eine Stadtgemeinde bilden. Über der Brücke schwebt  der preußische Adler  zum ewigen Gedenken an die Erhebung des Dorfes zur Stadt unter preußischer Herrschaft. Das Stadtsiegel besteht aus dem Stadtwappen mit der Umschrift „Siegel der Stadt Kösen“. Die Stadtfarben sind die des norddeutschen Bundes schwarz-weiß-rot.“

 

  1. Jan. Beschluß zum Ankauf des Fürstenhauptschen Anwesens (BLK-A. Nr. 686)

Für die städtische Verwaltung sollte das zum Verkauf stehende Anwesen erworben werden. Allerdings überstiegen der Kaufpreis und die Kosten für die Herrichtung die finanziellen Möglichkeiten, so dass man davon Abstand nahm. 

 

  1. Feb. Sitzung der Badekommission (StaA Nmb. Nr. 360)

Ein salomonischer Spruch beendete den Streit um die Bezahlung eines Schutzgeländers vor dem Heckenberg`schen Grundstück. Das hatte der damalige Ortsvorsteher Geyer 1868 in Auftrag gegeben, als der Fußweg von der großen Promenade zur Brücke gepflastert wurde. Doch weder die Stadtverordneten noch die Chausseebaubehörde wollten die Rechnung bezahlen. Als der Zimmermeister Neubauer mit einer Klage drohte, bezahlte die Badedirektion das Geländer.

 

  1. Feb. Statistik des Telegrafenamtes (NKB)

Im vergangenen Jahr wurden 1500 eingehende und die gleiche Zahl aufgegebener Depeschen registriert, eine Verdreifachung seit 1864.

 

  1. Feb. Sitzung des Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 348)

Teichgräber hatte im letzten Jahr den Naumburger Stadtmusikus Seidenglanz für die Konzerte im Kuchengarten engagiert, weshalb sich der Direktor der Badekapelle Carl Julius Heyne bei der Badedirektion beschwerte. Denn in dem Vertrag war vereinbart worden, dass die hiesigen  Restaurateure angehalten sind, bei den von ihnen veranstalteten Konzerten und Tanzmusiken, vorzugsweise die Badekapelle zu engagieren.

Teichgräber rechtfertigte sich damit, dass durch mangelnde Disziplin und fehlendes Können der Kapelle der Ruf des Bades gelitten habe. Das gab Heyne zu und die Badedirektion legte für die nächste Saison fest, dass Heyne jedes Konzert mit mindestens 16 Musiker besetzt (4-5 Violinen, 1 Viola, 1 Cello, 1 Kontrabass, 1-2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten, 1 Posaune, 1-2 „Janitscharentrommeln“) und der Magistrat sollte dies beaufsichtigen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Für erhebliche  Unruhe sorgte der Antrag des Gastwirts Weber, der anstelle des „Saalbaus“ an der kleinen Saale ein geräumiges Logierhaus errichten wollte. Dazu hatte er von der Landesschule auch ein Stück des Weges zum Wehrdamm erworben, der dann überbaut und für die Öffentlichkeit nicht mehr nutzbar wäre.

 

  1. Feb. Amtl. Bekanntmachung zur Einquartierung (NKB).

„Die Schätzung der bequartierbaren Quartiere hat ergeben, daß in den bequartierfähigen 198 Häuser 2 Generale, 13 Stabsoffiziere, 35 Rittmeister und Offiziere, 670 Mannschaften und 140 Pferde untergebracht werden können“. Im Jahr 1856 waren es in 156 Häusern (einschl. der Dienstwohnungen)  2 Generäle, 8 Stabsoffiziere, 10 Offiziere, 400 Mannschaften und 30 Pferde. 

 

  1. Feb. Konferenz zur Saale-Unstrut- und Saalebahn in Weimar (BLK-A. Nr. 879)

Die Vertreter der Thüringer Bahn AG, der Oberingenieur der Saalebahn und die der Städte und des Bahnkomitees kamen überein, dass Unterneusulza der Vereinigungs- und Umsteigepunkt der drei Bahnlinien wird. Von der Saalebahn, die 1874 in Betrieb gehen sollte, könnte man dann direkt von Naumburg nach Jena als auch von Jena nach Weimar gelangen. Später würde dann auch die Verbindung mit der geplanten Saale-Unstrut Bahn von Naumburg über Artern nach Straußfurt über die „Pfefferminzbahn“ von Unterneusulza über Kölleda-Sömmerda folgen. 

 

  1. Feb. Erklärung der Mitglieder der Kurkapelle (StaA Nmb. Nr. 348)

„Wir Unterzeichnende, bisherige Mitglieder der hiesigen Badekapelle erkennen von heute ab Herrn Bruno Heyne, Sohn des seit 1837 bis dato gewesenen Dirigenten Carl Julius Heyne als seinen Nachfolger resp. unseren weiteren Direktoren und räumen ihm obengemäß alle Rechte und Pflichten ein, soweit sie die Königliche Badedirektion evt. die Magistratur anordnet und versichern ihm unserer musikalischen sowie moralische Pünktlichkeit.“ Unterschrieben hatten Carl Julius Heyne, P. G. Geyer sen, August Otto, Ernst Höfer, August Matthes, Constantin Matthes, Ernst Saalborn, Karl Braune, Adalbert Hafermann, Ernst Otto und Friedrich Reinhardt.

Bruno Heyne erließ dann ein „Reglement für die Bad- und Stadtkapelle Kösen“ die damit der  Aufsicht der Badedirektion und des Magistrats unterlag. Die 24 Paragrafen regelten die Rechte und Pflichten der Mitglieder, insbesondere deren  Bezahlung und der Einhaltung der Disziplin. Außerdem wurde eine Pensionskasse eingerichtet. 

 

  1. Feb. Verkaufsauktion im Badehaus (NKB)

Im Auftrag von Dr. Wahn verkaufte der Badediener Baudouin das gesamte alte Mobiliar. Pünktlich zum Saisonbeginn öffnete die Anstalt mit neuer Einrichtung und  besseren Service.

 

  1. Feb. Submission für die Abzugsgräben in der Neuen- und Querstraße (NKB).

 

  1. Feb. Fr. Sträuber lädt zur winterlichen Belustigung ein (NKB)

„Große Eis- und Schlittenfahrt vom Wehr ab an der Loreley vorüber nach der Johannisquelle, dabei großer Pfannkuchenschmaus und Konzert der Badekapelle, abends Feuerwerk auf dem Eis. Für gute Speisen sowie  warme Getränke und ein  Töpfchen Bier ist bestens gesorgt.“

 

  1. Mär. Protokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 V,StaA Nmb. Nr. 348).

Die Badedirektion (Bürgermeister Richter, die Ratsschöffen Siebold und Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger,  Oberst a. D. v. Zedtwitz) befasste sich mit der Beschwerde des ausgeschiedenen  Ehrenmitglieds Rittergutsbesitzer Schmidt, weil sein Plan zum Kurpark aufgehoben werden sollte. Der wurde in der Öffentlichkeit  als „unzweckmäßig und unschön“  kritisiert.

Der Wirt der Loreley sollte den  Besuchern der Johannisquelle die Benutzung seines Aborts gestatten bis eine öffentliche Bedürfnisanstalt eingerichtet sei. Außerdem wurde ein  Zuschuss  für den Ausbau des Fußweges zu den Saalhäusern genehmigt und die Werbung für die örtlichen Heilmittel in mehreren überregionalen Zeitschriften beschlossen.

 

  1. Mär. Tod von Karl August Koberstein (Ev. Sterbereg.)

Ab 1820 war er als Adjunktus und seit 1824 Professor an der Landesschule, Fr. Nietzsche und K. Fr. Lepsius gehörten zu seinen Schülern. Überregional bekannt wurde er im Zusammenhang mit der Volksversammlung in der Buchenhalle im Revolutionsjahr 1848 und als Alterspräsident der Kösener Vogelweiden. Im NKB hieß es „Gestern fand in Pforta die Beerdigung des für so unendlich viele zu früh schlafen gegangenen Prof. Koberstein  statt. Nachmittags 4 Uhr setzte sich der lange Zug  vom Trauerhaus, der Wohnung  seines Schwiegersohnes Dr. Groddeck, aus in Bewegung...“

 

  1. Mär. Amtliche Verfügung zur Plakatierung (NKB).

„Um die Plakatierung zu regeln, werden an den belebtesten Straßen als Borlachstraße in der Nähe des Brunnens, am Bahnhof beim Kurzhals`schen Hotel, unter dem Eisenbahntunnel, an der Ecke Neue- und Querstraße, am Kunstrad, an der Wahn`schen, Groddeck`schen und  Rosenberger`schen  Badeanstalt, Anzeigekästen aufgestellt“ Der Aushang nichtamtliche Anzeigen war bei einer Gebühr gestattet. Hauswirte durften an ihren Häusern plakatieren, soweit es die eigene Werbung betraf.

 

  1. Mär. Vertrag zwischen Landesschule und Verschönerungsverein (StaA Nmb).

Der Verein erhielt die Erlaubnis, den Hang zwischen dem Werner`schen Stadtgut und der alten Heerstraße als Parkanlage zu gestalten. Terrassen und Wege wurden angelegt, Flieder und Schneebeeren sowie Platanen und die Borlachkastanie gepflanzt. Die Gelder kamen aus der Badekasse.

 

  1. Mär. Geburt von Ernst Hertel. (Ev. Kirchenregister)

Der Sohn des Apothekers promovierte 1895 in Jena zum Dr. med., erhielt 1910 die Professur für Augenheilkunde an der Universität Straßburg, wirkte in Berlin und Leipzig. Hier leitete er die  Universitätsaugenklinik bis 1935. 1929 wurde er Mitglied der Leopoldina. Nach ihm wurden das  Verfahren der  Exophtalmometrie und die Stilling-Hertelsche Farbtafel benannt. Er starb 1943 in Leipzig

 

  1. Mär. Jahresstatistik 1870 (StaA Nmb. Nr. 418)

Demnach gab es in der Stadt 3 Bäcker, 2 Konditoren, 2 Gärtner, 3 Barbiere, 6 Badeaufseher, 2 Glaser, 1 Maurermeister, 2 Zimmermeister, 1 Schornsteinfegermeister, 2 Stellmacher, 1 Grob-und Nagelschmied, 4 Schlosser, 1 Klempner, 1 Uhrmacher, 3 Seiler, 1 Förster, 9 Schuhmacher, 3 Sattler und Polsterer, 8 Schneider, 4 Weber, 1 Putzmacherin, 3 Böttcher, 3 Korbmacher, 3 Buchbinder, 1 Kupferstecher, 1 Musikmeister, 3 Fleischer, 1 Müller, 1 Brauer und 1 Brennmeister. Die Jahresausgaben einer vierköpfigen Arbeiterfamilie lagen bei 175 Talern (Lebensmittel 100, Wohnung 24, Brennmaterial 10, Kleidung 16, Miete 5, Hausrat 4, Abgaben 16). Die Wochenlöhne betrugen bei einem Handwerksgesellen 1 bis 2 Taler, ein Knecht erhielt jährlich 40 bis 50 Taler, die Magd 18 bis 40 Taler (bei freier Unterkunft und Kost), ein Bauwerksgehilfe verdiente am Tag 20 bis 22 Silbergroschen, ein Gartenarbeiter 20, ein Handarbeiter 15 und die Frauen 10 bis 12 Silbergroschen. Angemerkt wurde, dass sich die Lage der arbeitenden Klasse in den letzten sieben Jahren in Folge der steigenden Frequenz des Bades und des Zuzugs bemittelter Personen wesentlich verbessert hatte.  

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Bewilligt wurden die Mittel für einen Trinkwasserbrunnen vor dem Pfarrhaus. Dagegen wurde  das von Weber beantragte Logierhaus abgelehnt.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeige des Mühlenbesitzer Rossner (NKB)

„Nach Beendigung des Neubaus meiner Kunstmühle  erlaube ich mir, meine Fabrikate Gries, feine Weizen- und Roggenmehle, Weizen-und Roggenkleie  zur gefälligen Abnahme zu empfehlen. Meine Ölfabrik  behält ihren ursprünglichen Fortgang.“

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen Badedirektion und Teichgräber (StaA.Nmb, Nr. 348).

Teichgräber erklärte sich bereit, für die im „Kuchengarten“ stattfindenden Abonnementskonzerte  der Badedirektion zu verpflichten und durfte dafür den Eintritt behalten, da diese Konzerte durch den Pauschalvertrag zwischen Badedirektion und dem Kapellmeister abgegolten waren.  Für seine Sonderkonzerte durfte er auswärtige Kapellen  engagieren.

 

  1. Apr. Protokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776V).

Der Garteninspektor Niemeyer aus Magdeburg wurde mit der Planung des Parks beauftragt.

 

  1. Mai Bekanntgabe des Magistrats (NKB).

„Ab 1. d. M. wird unser Büro in das der hiesigen Stadt gehörige am Markt sub. Nr. 62 (Schule) belegene Haus verlegt, woselbst von diesem Zeitpunkt ab die Steuern regelmäßig in den ersten 8 Tagen des Monats in Empfang genommen werden.“

 

  1. Mai Amtliche Bekanntmachung zum Saisonbeginn (NKB)

Die Vermieter, Gastwirte und Restaurateure wurden darauf hingewiesen, ihr Preisverzeichnis dem Magistrat zur Genehmigung vorzulegen und wenn diese mit dem Stadtsiegel versehen waren, an ihren Häusern, in den Zimmern und Gasträumen  gut sichtbar auszuhängen. 

 

  1. Mai Erstes Abonnementskonzert der Badekapelle (NKB)

Die Konzerte fanden dreimal wöchentlich im Kuchengarten statt. Das Abonnement kostete 1 Taler für Einzelpersonen, und 1 ½ Taler für Familien. An der Tageskasse bezahlten Herren 2 ½ Silbergroschen, Damen die Hälfte.

 

  1. Mai Anordnung der Polizeiverwaltung (NKB)

„Im gesundheits- und straßenpolizeilichen Interesse und bei trockener und heißer Witterung  wird zur Vermeidung der Staubbelastung angeordnet: Die Badedirektion hat auf eigene Kosten täglich  die Fahrwege der Hauptstraßen zu besprengen, jeder Grundstückseigentümer wird verpflichtet, den Bürgersteig vor Haus, Garten und Gehöft von 5 bis 8 Uhr gründlich zu sprengen.“

 

  1. Juni Goldene Hochzeit des Maurermeisters und Stadtverordneten W. Werner (NKB)

Die Werners hatten 4 Kinder und  17 Enkel. Zunächst spielte Badekapelle vor dem Werner`schen Gehöft (Borlachstr. 2), das Schützenkorps schoss Salut und Pfarrer Barthold überreichte dann die  Prachtbibel mit der eigenhändigen Unterschrift der Witwe Königs Friedrich Wilhelm IV.

 

  1. Juni Einrichtung eines Baufond zur Erhaltung der Rudelsburg (NKB)

Dazu hatte sich ein Central Comitè zur Erhaltung der Burg gegründet, an der Spitze der Leipziger Philologe Prof. Dr. F. A. Eckstein (1810-1885). Weitere namhafte Mitglieder waren Prof. Dr. Blomeyer (1830-1889) ebenfalls Leipzig, der Architekt und Kunsthistoriker Dr. O Mothes (1828-1903) der dann die Arbeiten auf der Burg leitete, der Leipziger Universitätsrichter F. A. Heßler (1824-1905), der Schriftsteller Dr. F. Hoffmann (1813-1888), der Direktor des Leipziger Stadttheaters Dr. H. Laube (1806-1884) und der Mediziner Prof. Dr. Reclam (1821-1887) ebenfalls aus Leipzig. Ausgelegt wurde eine Spendenliste „Bitte für eine schöne Alte“ in die sich jeder mit seinem Beitrag eintrug. Auf der ersten Seite eine Gedicht von Hoffmann „Hoch unsere Rudelsburg“.

 

  1. Juni Erlass zur Meldepflicht der Quartiergeber (NKB)

„Da es für die Hauswirte, wie für die ankommenden Badegäste notwendig ist, daß stets eine genaue Übersicht der leer stehenden Wohnungen vorhanden sei, so wird von der Kgl. Badeverwaltung eine Quartierliste angelegt werden, in welche jeder Hauswirt die von ihm vermieteten Wohnungen nebst Zubehör und Zeit, für welche die Quartiere vermietet werden sollen, eintragen zu lassen verpflichtet ist. Jeder Hauswirt ist ebenfalls verbunden die eingetragene Wohnung sobald diese besetzt werden, abzumelden oder ganz streichen zu lassen. Diese Bestimmung ist bisher unausgeführt geblieben, was mit einer Menge Unzuträglichkeiten verbunden ist“.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadtverordneten plädierten dafür, dass bei der zum 1. Oktober vorgesehenen  Neuverpachtung der Chausseegeldeinnahme die Hebestelle vor die Brücke verlegt werden sollte. Zur Vorbereitung und Kontrolle der städtischen Bauvorhaben wurde der Zimmermeister Struve zum Rathaustechniker ernannt.

 

  1. Juni Fackelzug zum „Tauftag“ der Johannisquelle (NKB).

 

  1. Juni Bericht des Bürgermeisters (MER C48Ii 784I).

Nach einer Überprüfung der Badeanstalten erklärte der Kreisarzt San.-Rat Hartmann, dass die  kleinen Anstalten wegen mangelnder Hygiene und fehlendem Komfort sofort geschlossen werden müssen. Mascher lehnte ab, und verwies darauf, dass es dem Publikum überlassen sein sollte, welchen Standard sie sich leisten wollten.

 

  1. Juli Missionsgottesdienst in der Buchenhalle (NKB)

 

  1. Juli Proklamation der altthüringischen Ritterschaft im „Mutigen Ritter“ (NKB).

Noch während der Tagung kam die Nachricht, dass auf die französische Kriegserklärung die allgemeine Mobilmachung folgte. „Die heute  zur Vollziehung  von Provinzial-Landtagswahlen in Kösen versammelten ritterlichen Stände Altthüringens bringen E. Majestät ein begeistertes  Lebehoch und stehen zu Allerhöchsdemselben mit Gut und Blut jetzt und immerdar...“

 

  1. Juli Aufruf der patriotischen Frauen (NKB).

Frl. v. Schmettau, Frau Rosenberger, Frau Mascher und Frl. Senff riefen die Einwohner zu Sachspenden wie Unterwäsche und Verbandszeug auf.

 

  1. Aug. Gründung des Komitee zur Beköstigung durchreisender Krieger (NKB)

Vorsitzender war der Major  a. D. v. Schmettau. 

 

  1. Aug. Öffentliche Kritik am Hilfskomitee (NKB)

„Als am Mittwoch zweimal Verwundete vom Kriegsschauplatz Kösen passierten, war niemand von dem Frauenverein am Bahnhof zugegen. Die bereits gesammelten Vorräte waren verschlossen und so konnten den braven Kriegern keine Erfrischungen sondern nur Geld gereicht werden. Als am Nachmittag  wieder Verwundete auf dem Bahnhof anhielten war es eine Freude  mit anzusehen, wie denselben von vielen edlen Bewohnern Kösens Erfrischungen reichlichst gereicht wurden“  Der Halt von Verwundetentransporten wäre nicht angekündigt, rechtfertigte sich das Komitee.

 

  1. Aug. Danksagung der Sängerin Anna Wogitzka (NKB)

„Herrn Musikdirektor Schulze, Herrn Kammervirtuosen Schröder, den Herren Orchester-Dirigenten Seidenglanz und Heyne sowie den Violinisten Martin Löffler sowie sämtlichen Herren Orchestermitgliedern sage ich hiermit  für die mir gewährte so bereitwillige  Unterstützung  bei dem Konzert zum besten hilfebedürftiger Frauen und Kinder von Soldaten meinen aufrichtigen Dank“.  

  

  1. Sept. Einrichtung einer „Höheren Lehr- u. Erziehungsanstalt für Knaben“ (NKB).

Die Landesschule hatte die ehemalige Wohnung des „Salinen-Dirigenten“ an Dr. Raabe verkauft, der hier ein Pädagogium einrichtete, wo Knaben auf den Besuch der Landesschule vorbereitet wurden. Für Auswärtige gab es Zimmer und Verpflegung. 

 

  1. Sep. Patriotisches Vokal- und Instrumental-Konzert im Kuchengarten (NKB)

Derartige Veranstaltungen zur Unterstützung des „Vereins zur Erquickung der kranken und verwundeten Krieger“ und der Frauen und Kinder von Landwehr- und Reserve-Soldaten fanden bis Kriegsende regelmäßig statt.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Auf Anfrage wurde mitgeteilt, dass die Einquartierungsregularien auch im Kriegsfall gelten und  Lazaretträume im Anwesen der Frau Knorr (Friedrich-Ebert-Str. 22) sowie im städtischen Armenhaus (Burgstraße 16) zur Verfügung stehen.

 

  1. Okt. Letzte Badeliste des Jahres (NKB, StaA Nmb. Nr. 583).

Wegen des Krieges kamen nur 1.591 Personen, ein Viertel weniger als in den letzten Jahren, was der Badekasse erhebliche Einbußen bescherte. Prominente Kurgäste waren der Berliner Kirchenmusikdirektor Prof. Emil Naumann (1834-1901), der Bildhauer Alexander Calandrelli (1834-1903)  Professsor und Senatsmitglied der Akademie der Künste (Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III), sowie Fr. General Exz. v. Diericke-Görlitz, Baronin v. Borke, Baronin v. Nolde-Kurland, Exz. Geh.-Rat Heß-Gotha,  OB. Groddeck,  Baronin v. Wimpfen-Berlin, Prof. Dr. Fritzsche-Leipzig, Baronin v. Schlabrendorff-Leipzig, Fr. General Exz. v. Strantz, Historienmaler Naumann-Berlin, Fr. General Exz. v. Bellgarde-St. Petersburg, Fr. Oberst-Ltn. v. Hülsen geb. v. Clausewitz,  Miß Callaway-London, Baronin v. Maltitz,  Graf und Gräfin v. Oeynhausen-Hamburg, Baronin v. Einsiedel-Altenburg, Baronin v. Forstner-Liegnitz,  Prof. Dr. Bormann-Stralsund, Bildhauer Julius Moser (1805-1879), Geh. Reg. Rat Prof Ratzeburg ((1801-1871), Fr. General Exz. v. Tastischeff-St. Petersburg,  Baronin v. Schenck-Flechtingen, Bildhauer Stötzel-Potsdam,  Baronin v. Baligand-Dessau,

Außerdem waren 200 gefangene französische Offiziere bei Privatleuten einquartiert, die  sich frei im Ort bewegen durften.

 

  1. Okt. Vertrag zur Instandsetzung des Eiswehres (MER C48Ii Nr, 776V).

Als Rechtsnachfolger der Saline übernahm die Badedirektion die Hälfte der Instandsetzungskosten.

 

  1. Okt. Verkaufsanzeige der Wöleke`schen Erben (NKB)

„..beabsichtigen wir, die hierselbst in schönster Lage  befindliche Villa, von der aus man eine herrliche Aussicht  auf das Saaletal genießt, zu verkaufen. Im Erdgeschoß 5 Stuben, 2 Kammern, Küche, Speise- und Badekammer, Veranda, im 1. Geschoß 4 Stuben, 2 Kammern, und Küche, Bodenkammern, Holz-und Torfgelaß, Garten ca. 2 Morgen  mit 4 Terrassen und Gewächshaus“.

Dabei dürfte es sich um die Villa „Viktoria“ (Lindenstr. 15) handeln.

 

  1. Okt Bericht über Kriegsauszeichnungen (NKB)

„Von den Kriegern die die kleinste und jüngste Stadt Europas (Bad Kösen) mit gerechten Stolz zu den ihrigen zählt, sind bis jetzt schon 8 Personen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet  worden, natürlich während des Feldzuges: General v. Sperling, Chef des Generalstabes der früheren Steinmetz`schen Armee, Herr v. Sperling ist in Kösen ansässig, wo auch seine Familie verweilt, Major v. Schorlemmer, Sohn der Frau Major v. Schorlemmer in Kösen, Prem.-Ltn. v. Below, Sohn des verstorbenen Oberst und Ritter des Eisernen Kreuzes  1. Kl. v. Below in Kösen, Prem.-Ltn. Gebrüder  Paul und Hugo Schmidt, Söhne des Rittergutsbesitzers Schmidt in Kösen, Prem.-Ltn. v. Zedtwitz, im 72. Inf.-Reg., Sohn von Oberst a. D. v. Zedtwitz in Kösen wohnhaft und Prem.-Ltn. Carl Jacobi im 4. Art. Reg.- Sohn des Prof. Jacobi in Kösen ansässig. Außerdem sollen noch mehrere nicht dem Offiziersstande angehörende Kösener zur Dekorierung  mit dem Eisernen Kreuz bereits vorgeschlagen worden sein“. 

 

  1. Nov. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB)

„Das Publikum hat über das dem Brauereibesitzer Brückner hierselbst  gehörige  an der Saaluferstraße belegene Felsenkellergrundstück (Saalstraße 27) nach den über dem letzteren liegenden  Kartoffelländern unberechtigter Weise einen Weg gebahnt. Da der Brückner den Weg jetzt durch  Aufstellung  von Warnzeichen geschlossen hat, so warnen wir vor weiterer unbefugter Benutzung  dieses Weges.“

 

  1. Nov. Nachwahl von Stadtverordneten (NKB)

Anstelle von Teichgräber, Vogel, Siebold und dem Brauereibesitzer Schulz wurden Mühlenbesitzer Roßner, Zimmermeister Struve, Kaufmann Moths und Konditor Hämmerling gewählt. 

 

  1. Nov. Eintragung in die Militärstammrollen (NKB)

Auch für die Erfassung der Wehrpflichtigen war nun der Magistrat zuständig. Alle gestellungspflichtigen Jahrgänge 1846 bis 1851, ob Lehrling, Geselle oder Dienstmann hatte sich im Büro des Bürgermeisters zu melden, wobei die Jahrgänge 1846 bis 1849 ihren Gestellungsschein mitbringen mussten. Derartige Musterungen fanden zweimal im Jahr statt.

 

  1. Nov. Antrag auf Erweiterung des neuen Friedhofes (StaA Nmb).

Wegen der steigenden Einwohnerzahl, darunter viele Pensionäre, die dann hier ihre letzte Ruhestätte fanden, war der neue Gottesacker hinter dem Gradierwerk bereits überbelegt, weshalb sich eine Erweiterung erforderlich machte.

 

  1. Dez. Bekanntmachung des Magistrats zur Einquartierung (NKB)

„Da die hier belegene Schäferei der Kgl. Landesschule nach hoher Verfügung zum hiesigen Einquartierungsrayon nicht gehört und eine große Anzahl von hiesigen Hauswirten ihre Stallräume eingezogen hat, so ist von uns eine Revision der zur Aufnahme von Pferden geeigneten Räume vorgenommen worden, welche ergeben hat, daß hier nur  60 Pferde untergebracht werden können.“

 

  1. Dez. Antrag der Badedirektion auf Ausgleich der Badekasse (MER C 48 Ii)

Das Ausbleiben vieler Gäste bescherte der Badekasse ein Minus. Vorsorglich beantragte die Direktion einen Zuschuss von 200 Talern, was von der Kgl. Regierung mit dem Verweis auf  Sparmaßnahmen abgelehnt wurde.

 

1871

 

  1. Jan. Aufruf des Komitees zur Betreuung von Kriegsteilnehmern (NKB)

Nach der Danksagung für die bisher geleisteten Spenden „richten wir an die Bewohner der hiesigen Stadt und der benachbarten Ortschaften die dringende Bitte, in ihrer patriotischen Werktätigkeit um so weniger einhalten zu wollen, als die Fortsetzung  des Kampfes täglich längere Züge  von Verwundeten und Kranken der Erquickung  besonders bedürftiger  Krieger hier durchführt...“ gez. Dr. Mascher, Dr. Groddeck, Siebold, v. Schmettau, Frau Freitag.

 

  1. Jan. Amtliche Bekanntmachung zur Reichstagswahl (NKB)

„..daß Kösen einen einzigen Wahlbezirk bildet, daß die Wahl im Gasthof „Mutiger Ritter“ stattfindet und daß wir zum Wahlvorsteher den Hr. Ratsschöffen Siebold und zu dessen Stellvertreter Hr. Apotheker Gause ernannt haben.“

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Sondersteuer für „Luxushunde“ von 1 Taler und 10 Silbergroschen, sowie die Besteuerung öffentlicher Lustbarkeiten.

 

  1. Feb. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB)

„Senkgruben, die zur Aufnahme übelriechender Stoffe dienen und Latrinengruben dürfen ohne Genehmigung der Polizeibehörde nicht angelegt oder verändert werden. Dergleichen Gruben müssen entweder überwölbt  oder so dicht mit Erde bedeckt werden, daß dadurch die Verbreitung  übler Gerüche oder die Verpestung der Luft verhindert wird. Die bereits vorhandenen Senkgruben müssen längstens 3 Monate nach  Publikation dieser Verordnung in der Weise hergestellt werden. Jede Übertretung  dieser  Bestimmungen zieht eine  Geldstrafe von 3 Talern, im Unvermögensfall verhältnismäßige  Gefängnisstrafe nach sich...“  

 

  1. Feb. Anweisung der Kgl. Regierung (StaA Nmb. Nr. 360)

Der Rittergutsbesitzer Schmidt hatte noch als Ehrenmitglied der Badedirektion 1868 den Maurermeister Werner beauftragt, über einen Erosionsgraben am Weg vom Nikolausholz zur Ilske eine steinerne Brücke zu bauen. Diese sollte aus rohen unbehauenen Steinen mit einer Erdfüllung aufgeführt werden und 30 Taler kosten. Werner verwendete jedoch Hausteine und berechnete 78 Taler gegenüber der Badedirektion. Die lehnte wegen der fehlenden Genehmigung ab und verwies Werner mit seiner Forderung direkt an Schmidt.   

 

  1. Mär. Anzeige der Kgl. Badedirektion (NKB)

Angeboten wurde Düngegips (Dornstein vom Gradierhaus) für 8 Silbergroschen und die Verpachtung der Grasnutzung  im  unteren Kurpark.  Die Anzeige wiederholte sich in den nachfolgenden Jahren.

 

  1. Mär. Vokal- und Instrumentalkonzert an der Lengefelder Fähre (NKB)

Dazu hatte Friedrich Gräfe den Lengefelder Gesangsverein, den Kösener Verein Anakreon und  die Badekapelle versammelt. Der Ertrag diente patriotischen Zwecken.

 

  1. Mär. Prüfung der Badekasse (MER C 48 Ii 782)

Weil die Badekasse leer war, und die Kgl. Regierung einen Zuschuss verweigerte, hatte die Badedirektion den Zahlungsverkehr eingestellt. Nach erneuter Prüfung wurden die fehlenden Mittel aus dem Staatshaushalt bewilligt.

 

  1. Mär. Bekanntmachung des Komitees (NKB)

„Das Kgl. Hohe General-Kommando der Provinz Sachsen hat die Güte gehabt, dem hiesigen Verein zur Erquickung  durchreisender  Krieger  eine Mitrailleuse  zu  überweisen. Dieselbe  ist im Gasthof „Zum mutigen Ritter“ zur Ansicht aufgestellt und der durch ein Eintrittsgeld erwachsene Geldbetrag soll zur Erquickung der noch immer in großer Anzahl hier durch passierender  Krieger  verwendet werden..“.

 

  1. Mär. Patriotische Theateraufführung im Kuchengarten (NKB).

Die „Liebhaber Theatergesellschaft“ lud zu einer theatralischen Abendunterhaltung zum Besten der heimkehrenden Krieger ein.

 

  1. Mär. Vertrag zur Unterhaltung des Eiswehres (StaA Nmb. Nr. 164)

Obwohl Rechtsnachfolger des Salinenfiskus lehnte die Badedirektion die Beteiligung an den  Kosten zur Unterhaltung des Eiswehres ab. Durch Vermittlung des Bauinspektors Werner vereinbarte man eine Kostenteilung bei der bevorstehenden Reparatur. Das Eiswehr blieb gemeinschaftliches Eigentum, eigenmächtige Veränderungen wären unzulässig. Die Aufsicht über den Ein- und Ausbau sowie die Einlagerung der Eispfähle übernahm der Kreisbaubeamte. 

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahn`schen Badeanstalt (MER C 48Ii 782 Bd 1).

Die Jahrespauschale betrug 400 Taler. Außerdem wurde er von der Verpflichtung entbunden, Freibäder für ehemalige Salinenarbeiter und Ortsarme abzugeben.

 

  1. Apr. Leserbrief zum Floßholzmarkt (NKB)

„Die Holzmesse am hiesigen Ort versprach vor einiger Zeit noch eine leidliche zu werden. Günstige Witterung ermöglichte das rechtzeitige Heranflößen der Bauhölzer und Bretter, die Saale war durch das Tauwetter nicht so stark angeschwollen, daß sie das Flößen gehemmt hätte. Der noch zur rechten Zeit eingetretene so günstige Friedensschluß hätte der Geschäftswelt und  dem baulustigen Publikum neuen Mut gemacht. Und doch war das Geschäft auf der Messe ein  sehr  mäßiges. Es fehlte  nicht an Hölzern (.) waren doch  immerhin  mehr als  1300 Flöße  am Markt...“ 

 

  1. Apr. Erstausgabe des „Kösener Anzeigers“ (NKB).

Herausgeber des „Unterhaltungs- und Anzeigenblattes für Kösen und Umgebung“ war der K. Maschke bis 1874) dann versuchte es Th. Hering, der 1880 das Blatt wegen zu geringer Abnahme einstellte, obwohl der Magistrat für die amtlichen Bekanntmachungen einen jährlichen Zuschuss gewährte.

 

  1. Apr. Theodor Fontane: „Wanderungen durch Frankreich 1871“

Auf der Fahrt von Berlin nach Paris, zu seinem dort stationierten Sohn, schrieb er: „Eine Stunde später fuhren wir in die sächsisch-thüringische Ebene ein (.) bis die Burgen „an der Saale hellem Strande“ uns freundlich grüßten. Kösen war noch intakt: Jung-Berlin, die ganze Armee der kranken Augenwimpern, fehlte noch“ Damit meinte er die vielen Berliner Kinder, die hier Heilung suchten.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachungen der Polizei und der Badeverwaltung (NKB).

„Niemand darf sein Vieh außerhalb geschlossener Höfe oder anderer eingefriedeter Plätze  unbeaufsichtigt und laufen lassen. Wer solches tut, ist mit einer Geldstrafe  von 5 Silbergroschen bis  3 Taler  zu bestrafen.“

„Das Herannahen der Badesaison steigert die Anforderungen an die Bade- und Ortspolizei-Verwaltung  nach allen Seiten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese Andeutung genügen wird, allen Bewohnern des hiesigen Kurorts, insbesondere aber die Besitzer der Bade- und Trinkanstalten sowie die Hauswirte in ihrem eigene Interesse zur genauesten Beachtung  aller in  Betracht kommenden polizeilichen  Vorschriften zu vermögen und uns der unangenehmen  Pflicht zu überheben, Unterlassungen und Übertretungen derselben durch polizeiliche Strafen ahnden zu lassen..“

 

  1. Apr. Dank des „Vereins zur Erquickung der Kösen passierenden Krieger“ (NKB).

„...erlaubt sich nach erfolgten Abschluß seiner Wirksamkeit dem Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit, von welchem  es gegen die geehrten Bewohner unserer Stadt (.) durchdrungen ist.“

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordneten zum Turnunterricht (StaA Nbg. Nr. 148)

Dem Lehrer Zeiger wurden 15 Taler zusätzlich bewilligt, allerdings mussten die jedes Jahr neu beantragt werden.

 

  1. Mai Bekanntmachung der Bade-Direktion (NKB).

„Nach Maßgabe der Kgl. Regierung wird festgelegt: Die Badesaison wird vom 1. Mai bis Ende September gerechnet, wer innerhalb dieser Saison länger als sieben aufeinanderfolgende Tage in Kösen verweilt, ohne glaubhaft machen zu können, daß er solchen Aufenthalt zu anderen besonderen Zwecken als zur Kräftigung  seiner Gesundheit  genommen habe, wird als Kurgast betrachtet (.) In das nach erfolgter Meldung jedem Fremden seitens der Kgl. Bade-Direktion vorzulegende Bade-Journal hat jeder Kurgast seinen Namen, Stand, Wohnort und die zu ihm gehörenden Personen einzutragen und gleichzeitig  seine Beitrag zur Badekasse zu entrichten“ Die Taxe betrug  3 Taler je Familie und  1 Taler 15 Silbergroschen für Einzelpersonen.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle, da Dr. Mascher nach Hörde wechselte. Als Jahresgehalt wurden 500 Taler und weitere 180 Taler für das Badedirektorat geboten. Die Veröffentlichungen erfolgten in der Hallischen, der Magdeburgischen, der Naumburgischen und der National-Zeitung

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung des Magistrats zur Kriegssondersteuer (NKB)

„Nach einem von den Kreisbehörden gefaßten Beschluß hat die Stadt Kösen zur weiteren Deckung der Kriegsleistungen, insbesondere zur ferneren  Zahlung an Unterstützungen an die hilfsbedürftigen Familien einberufener Reservisten und Wehrleuten die Summe von 6175 Talern zu zahlen. Die Summe ist mit einem Male zu entrichten und wird am 1. 2. und 3. Juli erhoben. Die steuerpflichtigen Einwohner setzen wir hierdurch in Kenntnis, daß der Betrag dieser  Kriegssteuer den dreifachen Betrag der einmonatlichen Klassen- oder klassifizierten Einkommenssteuer gleicht..“

 

  1. Juli Anzeige zur Neuverpachtung der Therkorn`schen Bergschmiede (NKB)

 

  1. Juli Kriegerfest aus Anlass des Friedensschlusses mit Frankreich (NKB).

Das fiel mit dem Brunnenfest zusammen „Auch unser Städtchen feierte in recht angenehmer und heiterer Weise sein Kriegerfest. Die Krieger versammelten sich auf der neuen Promenade (Gerstenbergkprom.), zogen  von hier aus, die Badekapelle an der Spitze durch die Borlach- und Lindenstraße nach der Schule. Hier angekommen, wurden sie von mehreren hierzu ausgewählten Damen reich bekränzt. Es schlossen sich nun die Turner, das Fest-Komitee, die jungen Damen und einige Mitglieder des Schützenvereins  an. Derselbe zog nun über die Brücke  nach der in der Nähe des Badehauses stehende Friedenseiche woselbst der Bürgermeister  eine Ansprache hielt. Der Zug endete am Kuchengarten, wo ein heiteres Festessen sie an die Tafel fesselte. Ein stark besuchter Ball im Teichgräber`schen Saal bildete den Schluß des Festes.“  

Später wurden dann auch die Friedenssteine an der Fränkenauer Hohle oberhalb der „Schönen Aussicht“ aufgestellt, zum Gedenken an die Jahre 1815, 1864, 1866 und 1871.

 

  1. Juli Verkaufsanzeigen von Louis Schulze und der Witwe Lindig (NKB).

„Das Haus Nr. 97 nebst Seitengebäuden in der Querstraße gelegen (Schmettaustr. 3), bestehend aus 6 Stuben, 5 Kammern, 2 Küchen, Waschhaus, eine Niederlage, Torfstall, Keller, schönen Hof mit separaten Eingang, großer Boden- vorzügliche Geschäftslage für Fleischerei  passend..“

„Veränderungshalber bin ich gesonnen, mein im Bad Kösen unmittelbar an der Leipzig- Frankfurter-Chaussee gelegenes Gasthaus  „Zum Adler“ zu verkaufen. Die Wirtschaftsgebäude bestehen in einem massiven Wohnhaus mit 8 Stuben, 7 Kammern, 3 Küchen  2 Kellern, Wagen-u. Holz-Remise, Stallung und Waschhaus..“ (Eckartsbergaer Str. 8- um 1970 abgebrochen)

 

  1. Juli Amtseinführung von Bürgermeister Richter (NKB)

Richter, Jg. 1831, stammte aus Hedersleben und bisher Bürgermeister in Bleicherode, war einer von 28 Bewerbern, darunter 3 Offiziere, 5 Juristen und 6 Bürgermeister. Er bekleidete das Amt bis 1888 und starb hier 1892.

 

  1. Juli Meldung zum Hochwasser (NKB)

„Das Hinwegräumen des durch die große Überschwemmung nach der hiesigen Saalebrücke getriebenen Langholzes ist beendet. Es hatten sich im ganzen 2.300 Stämme  angehäuft, deren Herausschaffung  die Summe von 370 Taler kostete...“ An den Brückenpfeilern entstand kein nennenswerter Schaden.

 

      Aug. Verkauf des Kursaals (NKB)

„Der hiesige Kursaal ist in diesen Tagen unter wesentlich erhöhten Preis an einen renommierten Traileur aus Bad Homburg verkauft worden“.

 

  1. Aug. Plan für den Solefall an der Loreleypromende (NKB)

„In Kösen wird jetzt ernstlich der Plan ventiliert, Springbrunnen, Kaskaden und Giesbäche aus reiner Sole herzustellen, in der doppelten Absicht, der romantischen Landschaft einen neuen Zauber zu verleihen und gleichzeitig  dadurch augenfällig  zu begründen, wie unbegründet alle die Gerüchte sind, welche Neid und Leichtfertigkeit  bezüglich der Qualität und Quantität  der dortigen Badesole fortgesetzt verbreiten. Der künstliche „Rheinfall an miniature“ würde vom Gradierwerk ab über der Berghang an der Louisenhalle herabrauschen, unterwegs im Muschelbecken aufgefangen werden und dann in verschiedene Wassergarben zerteilt in die Saale fließen. 

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige des Bürgermeisters Dr. Mascher (NKB)

„Ich beabsichtige mein Haus mit Balkon an der frequentesten Straße von Kösen gelegen, zu verkaufen. Es enthält 20 Stuben, 6 Kammern, 3 Küchen, Küchenstube, gute Kellerräume, Vordergarten mit 2 Verandas, geräumigen Hof und Stallungen, Badeeinrichtungen mit 3 Badezellen. Es würde sich sehr gut zur Konditorei oder Gastwirtschaft eignen...“ 

Weil sich kein Käufer fand, wurde das Anwesen geteilt. Die Witwe Rost erwarb die Nr. 69 (Lindenstr. 5), die Nr. 69 b (Lindenstr. 7) der Kaufmann Moths.

 

  1. Sep. Sitzung der Badekommission (StaA Nmb. Nr. 360)

Beschlossen wurde der Bau einer neuen hölzernen Brücke über die kleine Saale zu den Wellenbädern auf der Radinsel. Nach der Begutachtung durch den Königl. Kreisbau-Inspektor Schmidt wurde der Zimmermeister Töpfer beauftragt eine Holzbrücke von 29 ½ Fuß Länge, 8 ½ Fuß Breite für 401 Taler zu errichten. Die alte Brücke wurde abgerissen und der Polizeisergeant sollte das Material meistbietend verkaufen. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Berichtet wurde über den Stand der Verhandlungen zwischen dem Prokurator und  der Kirchengemeinde unter Federführung der Kgl. Regierung wegen der Erweiterung des Friedhofs.  Dann wurde eine Kanalbau-Kommission gebildet.

 

  1. Sep. Tagung des Vereins der Deutschen Geschichts- und Altertumsforscher (NKB).

Am letzten Tag besuchten die Teilnehmer die Rudelsburg, wo Baurat Mothes und Rittergutsbesitzer v. Schönburg über die laufenden Sanierungsarbeiten und den im Bau befindlichen Rittersaal informierten. Bewundert wurde die Mitrailleuse vor der Burg. Nach der Besichtigung einer Waffensammlung in der Burg Saaleck endete der Tag bei einem Souper im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Sep. Zweite Verkaufsanzeige für das Wöleke`sche Wohnhaus (NKB)

Weil es bisher keinen Käufer gab, beauftragten die Erben den Geh.-Justizrat Bielitz mit dem Verkauf „Der Unterzeichnete ist beauftragt das den Erben der Witwe Albertine Charlotte Louise Wöleke, geb. Weber gehörige zu Kösen in der Lindenstraße belegene herrschaftlich eingerichtete Wohnhaus mit Lustgarten, Terrassen und Gemüsegarten von 2 Morgen aus freier Hand zu verkaufen“.

 

  1. Sep. Anzeige des Sattlermeisters Nerre (NKB)

„Meinen werten Kunden die ergebene Anzeige, daß ich mein Geschäft (bisher nahe Hämmerlings Konditorei) nunmehr in das Haus des Salzsieders Schmidt Lindenstr. 54 (Nr. 20) gegenüber der Post verlegt habe“.

 

     Okt.  Badelisten (NKB).

2.575 Badegäste wurden registriert, rund 800 Personen mehr als die Bevölkerung. Rechnet man die Saison von Mitte Mai bis Mitte September so waren es pro Monat rund 600 Gäste. Damit stieß die Infrastruktur des Ortes an ihre Grenzen, sowohl bei den Unterkünften und der Versorgung als auch den Kuranwendungen und der Unterhaltung.

Neben dem gutbürgerlichen Publikum kamen zahlreiche Adlige, Künstler und Intellektuelle, darunter Baronin v. Borke mit Frau Rittmeiser v. Below geb. v. Borke, Major v. Schorlemmer-Stettin, Frau General Exz. v. Strantz, Gräfin Sophie v. Hoyen-Berlin, Baronin v. Saurma-Jeltsch-Brandenburg, Baronin v. Keltsch-Pieschen, Prof. Dr. Herbst-Magdeburg, Generalarzt Dr. Berger-Berlin, Frau Edle v. Planitz-Berlin, Freifrau v. Langene-Kittlitz, Prof. Dr. Scheele-Merseburg, Bernhardt Wolff-Berlin (1811-1879, Wolffsches Telegrafenbüro), Baronin v. Nordenflycht-Neustrehlitz, Baronin v. Berlepsch-Seebach, Baronin v. Troschke-Pommern, Graf Max v. Bothmer-Mecklenburg, Gräfin v. Schwerin-Wildenhof, Frl. v. Neindorff-Berlin Hofdame des kgl. Prinzen Karl, Kgl. Hofschauspieler  Sieglist-Berlin, Frau General Exz. v. Bresobrasoff und Herr v. Bresobrasoff Page des Kaisers v. Rußland, Reg.-Rat Prof. Dr. Ratzeburg (1801-1872, Philologe)-Berlin, Gräfin v. Pückler-Rogau, Schriftsteller Lohmeyer-Berlin, Durchl. Prinzessin v. Waldenburg, Generalarzt der Marine Dr. Steinburg-Berlin, Verlagsbuchhändler Carl Barthol-Berlin, Baronin v. Bilzingsleben-Haynrode, Baronin v, Werthern, Verlagsbuchhändler  Dr. Landau-Berlin, Graf Henkel v. Donnersmarck, Oberst.-Ltn. v. Schramm-Berlin, Hofschauspieler Ernst Possart (1841-1921)-München, General Exz. v. Roehl-Berlin, Gräfin v. d. Asseburg,-Neudeck, Baronin v. Rennenkapf-Rußland, Miß Burleigh-Oldfield-London, Baronin v. Berlepsch,  Topograph Theodor Delius-Berlin,  Baron v. Budberg-Livland, Baronin v. Hackwitz-Rostock, Prof. Steinhardt (1801-1872, Philologe)-Halle, Geh.-San. Rat Witus-Berlin, Prof. Hugo Eisenhardt-Halle, Baron v. Nolken-Livland,  Prof. Hermann Ulrici (1806-1884-Philologe)-Halle, Geh.-Reg.Rat v. Beust-Bautzen, Prof. Dr. Lazarus-Berlin,  Prof. Dr. du Bois-Reymond-Freiburg und sein Bruder Prof. Emil du Bois-Reymond, Prof. Dr. Schirmer-Greifswald, Geh. Komm. Rat Litfaß (1816-1874, Verleger  und  Kgl. Hof-Buchdrucker, Litfaß-Säule) -Berlin

Eine weite Anreise hatten drei japanische Gäste, eine Dame und ein Kaufmann aus New York sowie Captain  Lawrence Campbell-Craignish aus Indien. Aber auch zwei einfache Soldaten der Naumburger Garnison gehörten dazu.

 

  1. Okt. Anzeige des Kgl. Hauptsteueramtes (NKB)

„Das am rechten Ufer der Saale in dem Badeort belegene Floßzoll- und Steueramts-Etablissement soll nach erfolgter Aufhebung des Floßzolls und der infolge derselben eingetretenen Vereinigung des Steueramts  mit der Chausseegeldhebestelle zu Kösen mit höherer Genehmigung an den Meistbietenden verkauft werden. Dasselbe befindet sich in guten baulichen Zustand, enthält drei Stuben, 4 Kammern, Küche, Hofstall und Keller und eignet sich seiner guten Lage halber für Privatleute, welche in  angenehmer Lage wohnen wollen“ Dabei handelte es sich um das Anwesen „Überm Wehrdamm  133“ (Loreleyprom. 6).

 

  1. Okt. Schreiben des Bauinspektors Werner (MER C48Ii Nr. 776 V).

Werner meldete die Fertigstellung des Eiswehres. Weil er zur besseren Handhabung beim Setzen und Ziehen der Eispfähle einen Steg installiert hatte, über dem man zu den Wellenbädern gelangen konnte, erhob die Badedirektion Einspruch. Der Steg wurde mit einer Tür versehen und nur für Flößer geöffnet.    

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Aufstellung einer Gaslaterne in der Burgstraße und den Restaurateuren gestattet,  Lampen auf eigene Kosten aufzustellen.

 

  1. Nov. Auftrag für die Anlage des Kurparkes (MER C 48li Nr. 776 V).

Garten-Inspektor Niemeyer wurde mit der Gestaltung des Kurparks beauftragt und dafür 1.200 Taler bewilligt. Dabei sollte der sog. Ausstich vor dem Kurzhals`schen Hotel der beim Bahnbau zur Erdgewinnung diente, als Teich hergerichtet werden.

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige von Albin Koch (NKB)

„Nachdem ich das hier gelegene „Hotel zum Cursaal“ von Herr Wilhelm Kunitz käuflich übernommen habe, empfehle ich solches einen hochgeehrten auswärtigen Publikum unter Zusicherung  guter Speisen und Getränke, prompter Bedienung und billigen Preisen..“

 

  1. Nov. Konferenz zur Festlegung des Gemeindebezirks (NKB)

„..fand in hiesiger Bahnhofsrestauration eine Konferenz zwischen dem Herrn Geheimrat v. Danneil, Prokurator Schwimmer aus Pforta und den Mitgliedern  des hiesigen Magistrats  statt, in welcher die Verhandlungen wegen Feststellung  der Grenzen des städtischen Weichbildes ihren Anfang nahm. Da das Besitztum  der Landesschule Pforta an vielen Stellen in den Stadtbezirk hinein schneidet, und wenn wir recht unterrichtet sind, die Straßen der Stadt eigentlich Eigentum  der Landesschule  sind, so haben sich namentlich bezüglich der Ausübung der (bau-)polizeilichen Funktionen oft arge  Unannehmlichkeiten  und Schwierigkeiten  eingestellt. Die Abgrenzung eines bestimmten möglichst abgerundeten Polizeibezirks hiesiger Stadt soll die Übelstände beseitigen und eine bequeme und geordnete Ausübung der beiderseitigen Polizeifunktionen ermöglichen“.

 

  1. Nov. Neuberechnung des Solepreises (MER 48CIi Nr. 782/1).

Nach einer Beschwerde von Dr. Rosenberger und Dr. Groddeck sollte Rosenberger mit 8 Wannen und 66 Kubikfuß Inhalt 150 Taler zahlen, Groddeck für 21 Wannen mit 156 Kubikfuß Inhalt 300 Taler und Wahns für 24 Wannen mit 208 Kubikfuß Inhalt 400 Taler, 50 Taler mehr als zunächst vereinbart.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB).

Im Stadtbezirk einschl der Saalhäuser wohnten 1.780 Einwohner. Es gab 223 Wohnhäuser und 461 Haushalte. Pforta zählte 419 Einwohner, einschl. der Schüler, 15 mehr als 1867. In Kukuklau waren es 30 (+12) und in Fränkenau 19(+1).

 

  1. Dez. Genehmigung der Mittel für die Brücke zum Wellenbad (MER C48Ii Nr. 776V).

 

1872

 

  1. Jan. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Bei den Verhandlungen mit der Landesschule wegen der Vergrößerung des Friedhofes hatte diese der Kirchengemeinde den für sie nutzlosen „Ascheberg“ zwischen dem Scheitbach und der kleinen Saale angeboten und der Gemeindekirchenrat wegen des geringen Preises angenommen. Das wiederum lehnten die meisten Stadtverordneten ab, weil das Gelände völlig ungeeignet war und beauftragten den Magistrat die Kirchengemeinde davon zu überzeugen, neben dem Friedhof am Gradierwerk 2 Morgen Land vom Schäfereifeld zu erwerben.

 

  1. Jan. Festsetzung der Kostenumlage beim Kanalbau (BLK-A. Nr. 792)

Für die Finanzierung der Abwasserkanäle wurde die Umlage von einem Drittel auf die Hauswirte beschlossen. Davon waren betroffen waren alle Hauswirte in der Borlachstraße sowie die Hauswirte Geyer (Lindenstraße Nr. 12), Großmann (Nr. 14), Scheuffler (Nr. 16), Schmidt (Nr. 18), Koch (Nr. 20 u. 21), Sträuber (Nr. 22), Schmidt (Nr. 24) und Heyne (Nr. 25). Die Abwässer der Häuser auf der anderen Straßenseite liefen in einen offenen Kanal zur Kukulauer Wiese.

 

  1. Feb. Vermächtnis des Appellationsgerichtsrats Otto Friedrich Senff (Röblitz 1930).

Der Sohn des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr., der nach dem Besuch der Landesschule eine juristische Laufbahn eingeschlagen hatte, stiftete er 6.000 Mark für das städtische  Armen- und Siechenhaus, die Senff`sche Stiftung.

 

  1. Feb. Sitzung der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 V).

Beschlossen wurde die Beteiligung an den Kosten der Kanalisation, da „die Beseitigung der offen liegenden Gossen und Ausflüsse zur Erzielung einer gesunden Luft ein erstes Bedürfnis für unseren Badeort“ ist. Allerdings musste man dafür die Genehmigung der Kgl. Regierung einholen.

 

  1. Feb. Meldung zum Güterverkehr der Eisenbahn (NKB)

„In Folge  des in Buttstädt  abgehaltenen Pferdemarktes wurden auf hiesiger Station 149 Pferde und 17 Fohlen verladen, welche in 22 Waggons Beförderung fanden. Hiervon gingen  die meisten  nach Sachsen...“

 

  1. Feb. Meldung zur Langholzflöße (NKB)

„Die Sorgen, welche auf den Holzhändlern und den Bauholz-Konsumenten seit einiger Zeit lasten, werden jetzt schwinden und dem Vertrauen auf bessere Zukunft Platz machen, denn heute passierten die ersten Bauholzflöße von Kahla herunter das hiesige Wehr...“

 

  1. Feb. Vorbereitung für das Gefallenendenkmal der Corpsstudenten (NKB)

„Am gestrigen Tage fand auf der Rudelsburg eine Zusammenkunft der Herren statt, welche bei Aufstellung  des Denkmals für die in Frankreich gefallenen Studenten am lebhaftesten interessiert sind (.) Als Aufstellungsort wurde die vor dem Eingange zur Burg sich befindende erhöhte Bergkuppe definitiv festgestellt  und die Konstruktion  des Denkmals selbst auf das Genaueste beraten und zur Entscheidung geführt...“  Die Bauarbeiten begannen am 18. März.

 

  1. Feb. Ausschreibung für den Kanalbau (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Gesucht wurde der Mindestbietende für die veranschlagten 548 Taler, das waren der Maurermeister Werner für die Lindenstraße und der Maurermeister Transchel für die  Borlachstraße.

 

  1. Mär. Antrag der Badedirektion bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 776V).

Beantragt wurde die Genehmigung für ein Darlehen von 200 Talern wegen der Beteiligung an den Kosten zur Verbesserung des Bades und ein weiteres Darlehen von 700 Talern für den Kauf eines gusseisernen Musikpavillons im Kurpark. Den hatte Ferdinand Lesseps bei der Einsiedel`schen Eisengießerei in Lauchhammer als Geschenk für den Vizekönig von Ägypten anlässlich der Eröffnung des Suezkanals bestellt, aber nicht  abgeholt. Als man ihn der Badedirektion zum Kauf anbot, hatte Oberst a. D. von Zedtwitz das Geld vorgeschossen, allerdings ohne die Zustimmung der Kgl. Regierung einzuholen.

Doch die verlangte eine Begründung für den ungenehmigten Erwerb eines zwar attraktiven aber sehr teuren Musikpavillons.

 

  1. Mär. Großfeuer in der Domäne Fränkenau (NKB)

„Gestern Abend 8 Uhr versetzte Feuerlärm und die Sturmglocke unser Städtchen in große Aufruhr. Hinter dem Fähnchenberg sah man die blutroten Rauchsäulen hoch und breit aufsteigen, auf dem Gut Fränkenau war Feuer ausgebrochen. Dasselbe war über dem Kuhstall entstanden und legte letztern  mit noch mehreren kleinen Ställen in Schutt und Asche. Auch die an der Südseite liegenden zwei großen Scheunen wurden vom Feuer erfaßt und brannten vollständig nieder (.) Über das Entstehen des Brandes ist noch nichts ermittelt, doch vermutet man stark absichtliche Brandstiftung (.) Der Verlust an Getreide und Futtervorräten ist ziemlich bedeutend. Das Vieh blieb unversehrt“.

Fränkenau hatte keinen Brunnen, es gab nur Regenwasserzisternen. Trinkwasser wurde mit dem Fuhrwerk aus Kösen geholt. Der verheerende Brand führte dazu, dass sich die Landesschule veranlasst sah, eine  Pumpenanlage samt Druckleitung zu bauen.

 

  1. Mär. Ball des König-Wilhelm-Krieger-Vereins zum Kaisergeburtstag (NKB)

 

  1. Mär. Bekanntmachung der Badedirektion (NKB)

„Die von uns auf dem Teich in der neuen Parkanlage hier ausgesetzten Schwäne empfehlen  wir recht dringend dem Schutz des Publikums. Das Töten oder Verheimlichen dieser Schwäne wird bei namhafter Strafe geahndet werden.“

 

  1. Mär. Submission der Kgl. Bauinspektion (NKB).

Das betraf die  Aufstellung von Anbindepfählen für Langflöße an der Saale zwischen Saaleck und den Saalhäusern und die Lieferung von Pflastersteinen für den Ausbau der Chaussee. Die  Unterlagen konnten in der Chausseegeldhebestelle an der Brücke eingesehen werden. 

 

  1. Mär. Holzmesse (NKB)

„An Langholzflößen waren 1350 am Markt, also 500 weniger als im vorigen Jahr. Es hat dies namentlich seinen Grund in dem niedrigen Wasserstand wodurch es unmöglich war, mit dem Heranflößen der Hölzer so zeitig als in früheren Jahren anzufangen...“

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahn`schen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1).

Dabei blieb es bei der ursprünglichen Pauschale, dafür waren für die Mitglieder der Badedirektion, pensionierte Salinenbeamten und Knappschaftsangehörige sowie die Ortsarmen bei Vorlage eines ärztlichen Attests  die Bäder in der Wahn`schen Anstalt kostenlos.

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Karl Hermann Seidenglanz (StaA Nmb. Nr. 348)

Weil die Badedirektion auch mit der Leistung des Kapellmeister Heyne jun. unzufrieden war, wurde die Stelle ausgeschrieben. An seine Stelle trat der Naumburger Kapellmeister Seidenglanz, dem auferlegt wurde, zunächst die bisherigen Musiker zu berücksichtigen, soweit sie geeignet waren. Die Gesamtstärke bei Konzerten sollte 16 Mann betragen. Seidenglanz durfte nebenher seinen Verpflichtungen bei der Naumburger Kirchenmusik nachgehen, soweit  sich kein Nachteil ergibt. Teichgräber  erklärte: „Betreffs der in meinen Locale während der nächste Saison abzuhaltenden Concerte und sonstiger musikalischer Aufführungen bin ich damit einverstanden, daß das zwischen der Königl. Badedirektion und mir unterm 21. April getroffene Abkommen auch bei Übernahme der Direction des Herrn Seidenglanz über die hiesige Badekapelle seine volle Gültigkeit hat.“  

Am 24. Mai begannen dann die Abonnements-Konzerte der Badekapelle im Kuchengarten.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die städtischen Verkaufsbuden an der kleinen Saale sollten in dieser Saison für 10 Taler verpachtet werden, falls sich dafür kein Interessent fand, blieben sie geschlossen.

 

  1. Mai Einweihung des Denkmals für die gefallenen Corpsstudenten (NKB).

Samiel hatte in Erwartung der zahlreichen Gäste ein großes Festzelt errichtet. Zur gleichen Zeit veröffentlichte der Lehrer Karl Zeiger bei Sieling das „Rudelsburg-Album“ eine Sammlung von Liedern und Gedichten aus dem Fremdenbuch der Burg.

 

  1. Juni Der Konditor A. Furcht eröffnet eine „Commanditè“ im Kuchengarten (NKB)

Mit dem von Furcht im „Kuchengarten“ eingerichteten Verkaufsstand verstärkte sich die Konkurrenz für den Inhaber des „Kursaals“.

 

  1. Juni Verpachtung der Fischerei auf der Saale (NKB)

Das betraf die Fischerei des Rittergutes Kreipitzsch zwischen der Rudelsburg und dem Wehr.

 

  1. Juni Erlass zur Hundehaltung (NKB).

Erneut wurden die Hundehalter darauf hingewiesen, dass außerhalb vom Grundstück Beißkörbe vorgeschrieben sind, ausgenommen Schäfer- und Jagdhunde.

 

  1. Juli Dank der Königl. Regierung für Spenden zur Erhaltung der Rudelsburg (NKB).

„Die Restauration der Burgruine auf der Rudelsburg hat nah und fern eine so erfreuliche Teilnahme gefunden, daß es gelungen ist, die durch den Lauf der Zeit und der Stürme im Dezember 1868 an den Giebelwänden und äußern Mauern hervorgerufenen Beschädigungen  auszubessern und dieses ehrwürdige Denkmal mittelalterlicher Baukunst nicht nur vor dem Verfall zu bewahren, sondern auch in denjenigen Zustand  wieder herzustellen, in welchen es unsern Tagen überkommen ist.“

Spender waren u. a. Kaiser Wilhelm I. Der ein „Gnadengeschenk“ von 280 Talern gab, die  Badedirektion gab 50 Taler, die Thüringer Eisenbahn 100, die  Landesschule 50, das präsidierenden Corps „Brunsviga“ zu Göttingen 66, der Rittergutsbesitzer Schmidt 50 und ein Göttinger Student namens Zickwolf sogar 228 Taler. Dazu kam der Erlös des Spendenaufrufs des Landrats. Die fachliche Aufsicht bei den Sicherungsarbeiten hatten der Regierungs-Baurat Treuding und der Bauinspektor Werner aus Naumburg.

 

  1. Juli Künstler-Konzert im „Hotel zum Kursaal“ (NKB)

Es gastierte die Kgl. Preuß. Hofopernsängerin Marie Deetz (1825-1893) und die junge Pianistin Malwine Brèe (1851-1937), eine  Schülerin von Liszt. Der Eintritt kostete 1 Taler pro Sitzplatz.

 

  1. Sep. Beschluss zum Gehaltsantrag des Badedieners (MER C 48 li 776 V)

Die Badedirektion gewährt neben seinem Fixum eine Provision bei der Kassierung der Kurtaxe von 1 Silbergroschen bei Einzelgästen bzw. 2  Silbergroschen. bei Familien ab der kommenden Saison bewilligt. Dank dieser Regelung ging die Zahl „kurtaxscheuer“ Badegäste  deutlich zurück.

 

  1. Sep. Kauf eines Landstreifens vom Bahnhof zur „Katze“ (MER C48Ii Nr.776 V).

Die Badedirektion erwarb von den Landwirten Judersleben und Bäßler den Weg bis zur Lengefelder Flurgrenze, zur Umgestaltung als Promenade.

 

      Okt. Badestatistik der diesjährigen Saison (NKB).

2.529 Kurgäste waren gekommen, darunter der Ägyptologe Georg Ebers (1837-1898), Ihre Durchlaucht die Fürstin von Hatzfeld und Exzellenz General Gustav v. Alvensleben (1803-1881), Generaladjutant Wilhelms I. die Baronin v. Borke, Oberst v. Fedoroff aus Orel, Baron v. Langen-Kittlitz, Gräfin Schulenburg, der Jurist Prof. Dr. Heffter (1796-1880), die Tochter des früheren Bürgermeisters Antonie Mascher aus Hörde, Mrs. Isham aus Chikago, Frau Hofrat Strauch-St. Petersburg, Baronin v. Loewen-Dresden, Baron v. Eckstädt-Naumburg, Hofrat Prof. Saizeff aus Kasan, Baronin v. Eschwege-Fritzlar, Baronin v. Bock-Nordhausen, Freiher v. Friesen mit Gattin, Freifrau v. Billing-Berlin, Prof. Dr. Fritzsche-Leipzig, , Kausmann Isaak Warschauer-Detroit, Baronin v. Nolde-Kurland, Prof. Dr. Carl Lucae, Rektor der Universität Marburg, Freiherr v. Wangenheim-Potsdam, Prof. Dr. Julius Kühn-Halle, Baron v. d. Goltz-Berlin, Baronin v. Maltitz-Weimar, Prof. H. Pierson-Leipzig, der Philologe Louis Brandt-Berlin, Schriftsteller Johann Trojan (1837-1915)-Berlin, der Hofbibliothekar Sybel,  Prof. Dr. G. Bippard-Prag, der Jurist Georg Nicolovius (1806-1890)-Berlin,  Kammerdame Frl. v. Neundorff und die Freifrau Exz. v. Schleinitz-Berlin.

Während seines Kuraufenthaltes verstarb der Philologe Prof. Dr. Steinhardt, von 1824 bis 1866 Lehrer in Pforta. Zu den Badegäste gehörte auch der Kaufmann Johann Georg Heinrich Phillip Marchand, Teilhaber der Firma Müller & Marchand, dem größten Geschäftshaus in Stettin. 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Eisenbahnverwaltung hatte dem Magistrat den Kauf  der Ladestraße von der Unterführung bis zum Bahnhof angeboten. Die Stadt hätte dann die Möglichkeit, diesen Fahrweg für die öffentliche Benutzung freizugeben, so dass der gesamte Fuhrverkehr von und zum Bahnhof nicht mehr durch die Linden- bzw. Borlachstraße und Fuhrwerke zur Mühle nicht mehr über die große Promenade fahren mussten. Der lehnte wegen leerer Kassen ab.

 

  1. Nov. Anzeige des Badekommissars Rüdiger (StaA Nmb. Nr. 360).

Schüler der Stadtschule oder des Pädagogiums hatten die Maulbeerhecke an der Promenade zerstört.

 

1873

 

  1. Jan. Eröffnung einer „Amtlichen Verkaufsstelle“ für Postwertzeichen (KöZ)

 

  1. Jan. Ergebnisse der allgemeinen Viehzählung (NKB)

Im Stadtgebiet gab es 41 Pferde, 4 Esel, 36 Kühe, 208 Schweine und 59 Ziegen, die meisten befanden sich in den Gehöften davon des Pachtschäfers, des Pachtmüllers und des Gastwirts. Außerdem gab es 170 Bienenstöcke. Die Schafherde wurde bei der Ökonomie der Landesschule geführt, insgesamt 985 Tiere, die Hälfte gehörten zur Kösener Schäferei. Schafherden gab es auch in Kukulau (420) und Fränkenau (485) dazu Kühe (71/56) und Schweine (95/61). 

 

  1. Jan. Gründung der Holzhandelsfirma Graf & Döhler (NKB)

Die Firma übernahm das Firmengrundstück von Sänger & Härtel in der Lengefelder Flur, sowie einen Holzplatz oberhalb der Krümme.

 

  1. Jan. Genehmigung der Kgl. Regierung (StaA Nmb).

Das betraf die dem Badediener im Nachgang bewilligte eine Provision von 41 Talern für die  mühsame Kassierung der Badetaxe. Die Badedirektion wurde angewiesen, den Betrag in der Jahresabrechnung 1872 unter „unvorhergesehene Ausgaben“ zu verbuchen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, 550)

Die Kgl. Regierung hatte die Mittel für den seitlichen Anbau von Fußwegen an der Brücke bewilligt, weil „die Benutzung für Fußgänger lebensgefährlich“ und die 5 Rondeaus, die vor Jahren angebaut wurden, die Sicherheit nur unwesentlich verbesserten und bei Damen Schwindel erzeugten. Die Fahrbahn sollte dann 15 Fuß (5 Meter) und die Brüstungshöhe 2 Fuß, 5 Zoll (0,8 Meter) betragen.

 

  1. Feb. Submission für die Sommerhalle am Bahnhof (NKB)

Neben dem Stationsgebäude hatte der Bahnhofswirt seine Sommerwirtschaft eingerichtet, die nun weichen musste, weshalb er die hölzerne Veranda samt Kolonnade verkaufte.

 

  1. Mär. Antrag des Musikdirektors Seidenglanz (StaA Nmb. Nr. 348)

Der forderte für die diesjährige Saison mindesten 5.000 Taler, um die vom Deutschen Musikerverband vorgegebenen Tarife zu zahlen. Weil die Badedirektion  sagte Seidenglanz ab.

 

  1. Mär. Subhastation und Nachlassversteigerung (NKB)

Die Reinhardt`schen Erben verkauften ihr Wohnhaus (Borlachstraße 6) mit dem bis zur Burgstraße reichenden Garten, auf dem nach Teilung des Grundstückes die Burgstr. 5 gebaut wurde. Im Hörold`schen Haus (Borlachstr. 12) wurde der Nachlass der Witwe von Schorlemmer versteigert. Albertine Amalie Louise Henriette von Schorlemer (Jg. 1802) war am 30. August des Vorjahres verstorben. Sie stammte aus der altpreußischen Familie v. Oppen, war mit dem  Major Wilhelm von Schorlemer, ebenfalls alter brandenburgischer Adel, verheiratet.

 

  1. Mär. Verleihung der Kriegsgedenkmünze (NKB)

Für die freiwillige Pflege von Verwundeten und Kranken des letzten Krieges wurden damit der Wundarzt Buchholz, Nagelschmiedemeister Rüdiger, Chirurg Haack, Major a. D. Theodor v. Schmettau und dessen Gattin geb. v. Pöppinghausen, Frau Bahnhofsinspektor Baumgarten, Frl. Adelheid und Elisabeth v. Below und Frau W. L. F. Schmidt ausgezeichnet.

 

  1. Mär. Spende zum Kronprinzen-Kommers für den Erhalt der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Hauswirten, die sich weigerten, die Kostenumlage für den Kanal zu bezahlen, drohte ein  Strafgeld. Außerdem wurde eine Kommission berufen, die Vorschläge zur Nummerierung der Häuser machen sollte, denn die bisher gebräuchliche durchgehende Nummerierung war inzwischen unübersichtlich geworden.

 

  1. Apr. Amtliche Mitteilung zur Wahl der Kreistagsabgeordneten (NKB)

Die Stadt hatte 1763 Einwohnern (Zählung 1871) galt damit als Wahlbezirk und stellte einen Abgeordneten, in dem Fall den Bürgermeister Richter.

 

  1. Apr. Anordnung der Kirchenaufsichtsbehörde (MER C 48 II a Nr. 1707)

Die ordnete an, dass der Rendant der Kirchenkasse eine Kaution hinterlegen solle, die bei Unregelmäßigkeiten als Sicherheit diente. Dagegen verwahrte sich Pfarrer Bartold auf das Entschiedenste, denn der Rendant Dittmann sei unbescholten und könne von den 25 Talern, die er dafür jährlich bekam, keine Kaution leisten. 

 

  1. Apr. Verkauf des Hauses des Salzsieders Schmidt in der Lindenstraße (Nr. 18) (NKB)

 

  1. Apr. Zimmermeister Toepfer vermietet zwei hölzerne 2 Verkaufsstände (NKB)

Die mit Genehmigung der Badedirektion errichteten Verkaufsbuden an „frequenter Lage“ an der Promenade wurden von Andenkenhändlern und Posamtierern während der Badesaison gemietet.

 

  1. Apr. Wasserversorgungsvertrag mit der Dr. Wahn (MER C48Ii 784I).

Die Badeanstalt erhielt das Brauchwasser für die Wannen aus dem Brunnen neben der unteren Wasserkunst, die auch die  Pumpe antrieb.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen Kurzhals und der Badedirektion (MER C48 Ii 776 VIII).

Kurzhals beantragte die Überdachung der Sommerwirtschaft am Schwanenteich. Unter der Maßgabe, dass auch Badegäste Platz nehmen dürfen, auch wenn sie nichts verzehren, erhielt er die  Genehmigung.

 

  1. Mai Verkaufsanzeige der Witwe Hämmerling (NKB)

Umzugshalber verkaufte sie ihr Anwesen mit  6 Stuben, 9 Kammern, 2 Küchen und Garten an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 8).

 

  1. Mai Geschäftsanzeige von Bertold Koch (NKB)

„Einem hiesigen und auswärtigen Publikum zeige ich hiermit ergebenst an, daß ich am hiesigen Platz, in dem früheren Moths`schen Haus Lindenstraße 69 b ein Colonial-, Schnitt und Posamentierwarengeschäft verbunden mit Wein- und Frühstücksstube eröffnet habe.“

 

  1. Mai Selbstmord eines Ehepaares (NKB)

„Vor etwa 5 Tagen meldeten sich 2 schon betagte Leute, die sich als die Tanzlehrer Striegnitz`schen Eheleute legitimierten, beim Restaurateur Bechmann Lindenstr. 63 (An der Brücke 2), angeblich um sich einige Zeit der untergrabenen Gesundheit des Mannes wegen in Kösen aufzuhalten. Am heutigen Morgen fiel es dem Wirt auf, daß die Leute noch keinen Kaffee verlangt hatten, weshalb zweckentsprechende Recherchen angestellt und schließlich die beiden alten Leute in der verschlossenen Stube auf dem Sofa sitzend, entseelt vorgefunden wurden“. In ihrem Abschiedsbrief stand, daß durch die Krankheit des Mannes der Lebensunterhalt fehlt und kein anderer Ausweg bleibt, als sich mit Zyankali zu vergiften.

Das Ehepaar waren die letzten, die noch auf dem unteren Teil des Friedhofes bestattet wurden, weil es die Gemeinde als schlechtes Vorzeichen sah, die beiden auf dem inzwischen von der Landesschule erworbenen oberen Teil zu beerdigen.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Kgl. Regierung genehmigte der Stadt die Annahme des Wöleke`schen Legats. Die Witwe hatte im April 1868 der Stadt eine nennenswerte Summe vermacht, wogegen ihre Erben Einspruch erhoben. Nun hatte man sich dahingehend geeinigt, dass die Erben bei Annahme von 2000 Talern, die Schenkung nicht mehr anfechten würden.

 

  1. Mai Amtliche Bauanzeige der Ortspolizeibehörde (NKB).

„Die Herren Dr. Groddeck und v. Zedwitz beabsichtigen auf den ihnen gehörigen, in den hiesigen Weinbergen an der Ilske gelegenen Grundstück eine Feldziegelei, bestehend  aus 2 Feldöfen und den dazu gehörenden Trockenschuppen zu errichten“

Damit begann ein spekulatives Unternehmen das letztlich für die Hauptakteure im Chaos endete und das Ansehen des Bades erheblich schädigte.

Der Stettiner Kaufmann Marchand war bei seinem Kuraufenthalt in Anbetracht der teilweise völlig überholten öffentlichen und privaten Badeeinrichtungen auf die Idee gekommen, ähnlich wie in Ems, Pyrmont, Baden oder Kissingen ein „Modebad“ aufzubauen. Für das erforderliche  Kapital sollten private Anleger mit Renditeversprechen  gewonnen werden. Ähnliche Bestrebungen gab  es in Ilmenau und Liebenstein aber auch in Bibra.

Der Badeanstaltsbesitzer Dr. K. T. Groddeck und das Ehrenmitglied der Badedirektion Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz gründeten ein Comitè zur Errichtung eines „Modebades“ zwischen der Fränkenauer Hohle, der Ilske und den Vorderbergen. Dazu erwarb das Comitèe den „Kuchengarten“ von Teichgräber und  den  ehemaligen „Furcht`schen Kursaal“ sowie etliche Bauplätze an der Ilske und den Vorderbergen. Der Kursaal wurde sofort abgebrochen und im  Kuchengarten ein neuer Saal gebaut.

Inzwischen begab sich Marchand auf die Suche nach weiteren Geldgebern. Doch der Kaufmann erlag beim Besuch der Pariser Weltausstellung der Cholera.

Obwohl sich wegen zeitgleich einsetzenden „Gründerkrachs“ keine Geldgeber fanden, versuchten Groddeck und v. Zedtwitz das Vorhaben weiterzuführen. Ihnen gelang es, Mittel vom  Vorschussverein und einzelnen Einwohner zu erhalten, wofür sie Wechsel ausstellten und ihre eigenen Grundstücke mit Hypotheken belasteten. Als dann aber die Gläubiger die Rückzahlung verlangten, brach das Unternehmen zusammen. Groddeck und v. Zedtwitz standen vor dem finanziellen Ruin.

 

  1. Juni Vereinbarung zwischen der Badedirektion und Heyne (StaA Nmb. Nr. 348)

Nach der Absage von Seidenglanz kam wieder ein Vertrag mit Heyne jun. zustande. Darin wurden ein Mindestbesetzung mit 15 Musikern zu den Abonnements-Konzerten, das Honorar bei der  Rèunion mit 12 Talern, jede Stunde nach Mitternacht weitere drei Taler, bei Konzerten im Ort  pro Stunde auf 3 Taler, für die musikalische Begleitung zur Rudelsburg, der Buchenhalle und den Saalhäusern zwischen 16 und 22 Uhr 10 Taler, für weitere Konzerte außerhalb des Ortes 3 Taler die Stunde und für das Choralblasen am Gradierwerk 2 Taler vereinbart. Der Fuhrlohn wurde extra vergütet.  Darüber hinaus durfte Heyne auch bei privaten Gesellschaften aufspielen.

 

  1. Juni Wechsel im Verlag der Kösener Anzeiger-Zeitung.

Im Februar hatte die Fa. Mersalis & Werner die Druckerei Marschke übernommen und teilte nun das Ausscheiden von Mersalis mit. Emil Werner, der nebenher als Versicherungsvertreter tätig war, führte die Druckerei  allein weiter.

 

  1. Juli Verordnung der Ortspolizeibehörde (NKB)

„Jeder angesessene Einwohner, namentlich jeder Vermieter von Wohnungen an Kurgäste, ist verpflichtet, die  in oder an seiner Behausung  befindlichen  und benutzten Abtritte täglich einmal und die in oder an den Gehöften befindlichen Senk-, Dünger- und Abfallgruben sowie Abzugsgräben jeglicher Art wöchentlich zweimal zu desinfizieren. Bei Nichtbeachtung erfolgt  eine Geldbuße von 10 Silbergroschen bis 3 Taler oder verhältnismäßige Haft“.

 

  1. Juli Plan zur Erweiterung des Güterbahnhofs (WEI RBD Erfurt).

Der Bahnhof bestand aus dem Stationsgebäude, dem Personen-Perron und der Retirade, einem Lade-Perron und einem Güterschuppen mit zwei Anschlußgleisen. Dies reichte aber für den stetig  anwachsenden Güterumschlag von Holzwaren, Mühlenprodukten und landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus den  Domänen, Rittergütern und Ökonomien nicht mehr aus und die Thüringer Bahn verhandelte mit der Landesschule über den Kauf eines Teils der Fränkenauer Wiese für ein Rangiergleis mit Verladerampe.

 

  1. Aug. Die Kgl. Regierung genehmigt die Promenade zur „Katze“ (MER C48Ii 784I).

Auch der Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch zugestimmt. Nachdem der Ausbau der Promenade beschlossen war, baute der  Zimmermeister Töpfer auf den ihm gehörenden Ufergrundstücken mehrere Doppelhäuser (heute Rudelsburgpromenade 8 bis 17).

 

  1. Aug. Verkaufsauktion im „Mutigen Ritter“ (NKB)

„Das in Bad Kösen in schönster Lage belegene dem verstorbenen Generalarzt und Geh. Sanitätsrat  Dr. Friedrich Ferdinand Hauck gehörig gewesene, jetzt dessen Erbengemeinschaft gehörige Wohnhaus nebst Seitengebäude, Hausmannswohnung und einen schönen noch zwei Bauplätze abgebenden Garten soll aus freie Hand  meistbietend verkauft werden...“, wahrscheinlich die Fr. Ebert. Str. 22.

 

  1. Aug. Personalgesuch (NKB)

„Frau Geh. Rat Nicolovius, Lindenstr. 70 sucht ein Hausmädchen mit guten Zeugnisse das gut nähen und etwas schneidern kann.“ Die Ehefrau des preußischen Rechtswissenschaftlers und Hochschullehrers A. G. Nicolovius (1806-1890) hatte sich bei Dr. Rosenberger eingemietet.

 

  1. Sep. Badelisten (NKB).

In den Badelisten wurden 905 Nummern und 2.653 Badegäste geführt, darunter die Gräfin Sophie Hoym-Berlin, Frau Oberst Pandew-St. Petersburg, Frau General v. Dierke, Frau Staatsrätin Theophanu v. Chwolsow-St. Petersburg, Baronin v. Grotthuß-Dresden, Baron v. Tauchnitz-Leipzig, Hofrat v. Schreiber-St-Petersburg, Gräfin H. v. Schwerin-Berlin, Frl. v. Petersdorf-St. Diè, Rittmeister Freiherr v. Eickstedt-Dresden, Staatsrätin v. Carlsberg-St. Petersburg,  Baronin v. Dankelmann-Potsdam,  General Exz. v. Stein-Berlin, Mr. Hilmers-New York, Baron v. Schenk-Flechtingen, Frau Rittmeister  v. Lauben geb. v. Zedtwitz, Verlagsbuchändler Adolf Cohn-Berlin, Kgl. Kammerdame v. Neindorff, Oberst v. Seydlitz-Berlin, Graf  Raczynski-Erfurt, Baron v. Hagen-Meißen, Dr. phil Rachel-Freiberg, Oberst Gustav Bremer-Hannover, Graf Gustav v. Lambsdorff-Kurland, Baronin v. Braun-Naumburg, Kaiserl. Hofdame Gräfin v. Hohenthal-Berlin, Freifrau v. Strackwitz geb. v. Hohenthal, , Baronin Exz. v. Maltitz, Gräfin Bothmer, Baronin v. Rosenberg-Dresden,  Frau General v. Mordwinow-St. Petersburg, Baronin v. Einsiedel-Altenburg, Prof. Dr. Kellner-Erfurt, Salinendirektor Bergrat Freund-Schönebeck, Hofbibliothekar Dr. Sybel, Literaturhistoriker Prof. Dr. August Wilhelm Bohtz (1799-1880)-Göttingen.   

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Beschlossen wurde die Erhöhung der Gehälter der städtischen Angestellten, Bürgermeister Richter (500 auf 600 Mark), Kämmerer Silber (216 auf 260 Mark), Polizeisergeant Fürstenhaupt (144 auf 180 Mark), Nachtwächter Törpsch (60 auf 72 Mark), Nachtwächter Streuber (48 auf 60 Mark), Lehrer Zeiger (350 auf 375 Mark) Lehrer Giesler (225 auf 250 Mark)

 

  1. Okt. Verkaufsauktion (NKB)

„..sollen im Hoymschen Haus, Borlachstraße 4 die zum Nachlaß des verstorbenen Bäckermeisters Hämmerling  gehörigen Sachen, bestehend aus Möbeln, Haus- und Küchengerät auktionsweise gegen sofortige Bezahlung  versteigert werden“.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Kommission für die Einrichtung einer städtischen Gefängniszelle.

 

  1. Nov. Grundstücksversteigerung (NKB)

„Das in Bad Kösen an der Querstraße und dem Wege nach den Saalhäusern gelegene Schneidersche  Grundstück, bestehend aus Wohn- und Nebengebäuden, worin ca. 20 Jahre  die Färberei betrieben wurde, auch der angenehmen Lage wegen zur Sommerwohnung  passend, ca. 30 Wohn-, Schlaf-, Färberei-, Verkaufs und Wirtschaftsräume enthaltend. Besichtigung jederzeit durch Herrn Fr. Sträuber, Querstr. 98.“ Das Anwesen wurde 1852 erbaut und in den 1980er Jahren abgerissen (Schmettaustr. 1/3)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Vergütung für den „weiblichen Handarbeitsunterricht“ wurde auf jährlich 50 Mark bei 4 Stunden wöchentlich festgesetzt.

 

  1. Dez. Verkaufsanzeige der Windmühle auf der Rudelsburg (NKB)

Nach dem Brand in den 50iger Jahren hatte der Saalecker Schmiedemeister Bartold den Platz  vom Rittergutsbesitzer v. Schönburg gepachtet und 1872 eine neue Mühle mit Wohnhaus erbaut. Weil die beiden nahe gelegenen Rittergüter (Kreipitzsch, Stendorf) sowie Saaleck hier mahlen ließen, verlangte er 4.500 Taler.   

 

1874                 

 

  1. Jan. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Saalebrücke (StaA Nmb. Nr. 550)

Der Bauinspektor Werner sollte die Kosten die Verbreiterung der Brücke ermitteln und die  Stadtverordneten über die Gestaltung informieren. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB)

Beschlossen wurden die Mittel für die Einrichtung einer Arrestzelle, des Magistratsbüros, einer weiteren Lehrerwohnung und einer vierten Klasse in der Schule.

 

  1. Feb. Antrag des Magistrats bei der Bahndirektion (WEI RBD K 161/1).

Das Abwasser aus der Burgstraße sollte vor der Matthes`schen Fleischerei (Grüne Gasse 4) in den Flutkanal von der Mausa eingeleitet werden, der unter der Bahn zur Saale verlief und die   Bahnverwaltung für die Unterhaltung zuständig warm brauchte man deren Zustimmung.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Verpachtung eines Verkaufsstandes neben dem Schulhaus an die Modistin Anna Jacobi für 20 Taler. Die Neunummerierung sollte durchgehend für alle bebauten und unbebauten Grundstücke innerhalb des Stadtbezirks mit einheitlichen Schildern erfolgen. Die Stadtkasse sollte die Kosten für die Schildern vorschießen und dann auf die Hauswirte umlegen. Da aber die Stadtkasse leer war, wurde die Angelegenheit verschoben.

 

  1. Mär. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Weil es zum Himmel stank, mussten die sofortige Reinigung und die Reparatur des Abwasserkanals in der Borlachstraße erfolgen.

 

  1. Apr. Genehmigung der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 544)

Der Stadt wurde die Einleitung der Abwässer in den Abzugsgraben gestattet, mit der Auflage, dass die Stadt die Reinigung der Kaskade und des Kanals unter dem Gleiskörper übernimmt.  Allerdings kamen dann auch die Abwässer der Matthes`schen Fleischerei dazu, was mit erheblichen Geruchsbelästigungen verbunden war.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Dirigenten Heyne jr. (StaA Nmb. Nr. 348)

Neu aufgenommen war eine Konventionalstrafe, falls Heyne seinen Verpflichtungen nicht nachkäme. Überarbeitet wurde auch die Paragrafen 2 und 18 des Reglements der Badekapelle.

 

  1. Mai Eröffnung des „Hotels zum Preußischen Hof“ (NKB).

Neben der „Tanne“ (Gerstenbergkprom. 5), waren an der  Kleinen Promenade weiter Häuser entstanden, wie der „Preußische Hof“ (Gerstenbergkprom. 4) und das Struvesche Haus (Nr. 3) und die Nr. 1 bis 2. Diese Grundstücke entstanden durch Teilung der Grundstücke an der Borlachstraße (29, 31/33, 35, 37). In gleicher Weise wurden die Grundstücke Borlachstr. 4 bis 30 geteilt, womit die Wohnbebauung der Ostseite der Burgstraße (Nr. 1 bis 35) möglich wurde. 

 

  1. Juni Erstauflage des „Kösener Anzeigers (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Das Lokalblättchen  erschien zweimal wöchentlich und diente dem Magistrat als Amtsblatt.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

In Anbetracht leerer Kassen wurden alle städtischen Bauvorhaben auf das kommende Jahr verschoben.

 

  1. Juli Anzeige einer Privatlehrerin (NKB)

„Junge Damen werden in Pension genommen und können Unterricht in Sprachen, Handarbeiten und allen Beschäftigungen erhalten“. Therese Rüdiger, Burgstraße. 

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Name Rudelsburgpromenade für den Weg zur „Katze“.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Bau eines öffentlichen Trinkwasserbrunnens in der Burgstraße und die Anschaffung von Straßenschildern - weiße Schrift auf blauen Grund.

 

  1. Aug. Vermietungsanzeige von Louise Fournier (Borlachstr. 1) (NKB)

 

  1. Aug. Eine der ersten Ansichtskarten zeigt die Rudelsburg (NKB 1889)

Es war der Vorläufer der illustrierten Postkarten allerdings nicht die erste Ansichtskarte, wie oft behauptet. Die erste bekannte deutsche bebilderte Karte ist von 1866. Im Naumburger Verlag von Sieling erscheinen dann auch Postkarten mit dem legendären Rudelsburgwirt Samiel und dem „Himmelreich“.

 

  1. Sep. Ehrung am „Tag von Sedan“ (NKB)

Für ihre aufopfernde Krankenpflege während des Krieges 1870/71 wurde  Frl. Lonny v. Schmettau geehrt.

 

  1. Sep. „Die Saison in Kösen“ von Alex v. Schlieven (NKB)

„..und  die Berliner, Leipziger und Dresdener Familien? Sie wählen Kösen als den Ort ihrer Erholung (.) Die anmutigste Lage, die schönste würzigste Luft, die stärkende Kur des Brunnens und der Bäder, die vielen und doch einfachen Vergnügungen gestalten es ja zu einem wahren Paradies...“

 

  1. Sep. Bekanntmachung zu den Standesamtsbezirken (NKB)

Für den Amtsbezirk Stendorf wurden Bürgermeister Richter und beide Rastsschöffen kommissarisch eingesetzt. 

 

  1. Sep. Letzte Kurliste (NKB).

Diesmal waren es 830 Einträge, insgesamt 2.155 Badegäste, etwas weniger als im Vorjahr, was der ungünstigen Witterung geschuldet war, darunter der Theologe Prof. Delitzsch (1813-1890)-Leipzig, Frau Generalin v. Stein-Berlin, Baronin Else v. Rosenberg-Dresden, Oberst-Ltn. Kreyher-Berlin, Baronin v. Uckermann-Sondershausen, Staatsrätin Helene v. Mossoyedoff-St. Petersburg, Baron v. Stenglin-Berlin, Frau v. Hentzelt-St. Petersburg, Freifrau  Treusch von Buttler-Berlin, Baronin v. Vietinghoff-Scheel-Berlin, der Staatsrechtler Geh. Hofrat Prof. Dr. Haenel (1833-1918)-Leipzig, Wirkl. Geh.-Rat v. Koenen-Berlin  Graf Fürstenberg-Berlin, Gräfin Worcell-Dresden, Graf Keller-St. Petersburg, Baronin v. Eickstädt-Guben, Sophie Schroll geb. Wichern, Rauhes Haus bei Hamburg,  Baronin v. Feilitzsch-Dresden, Baronin v. Stein-Glatz, Frau General v. Rothmaler-Berlin, Prof. Dr.  Paul  du Bois-Reymond-Tübingen, Oberst.-Ltn. v. Falkenberg-Sorau, Gräfin v. Bünau-Dresden, Prof. Dr. phil. Fr. Lewitz-Königsberg,  Prof. Dr. Ulrici-Halle,  Baronin v. Maloite-Dresden, General v. Schmeling-Dresden.

 

  1. Okt. Beitrag zum Floßholzmarkt (NKB)

„Seit nach mindestens 200 Jahren und vielleicht noch länger war in Kösen alljährlich zur Osterzeit ein Handelsplatz für Bauhölzer etabliert, welche vom Oberland aus auf der Saale angeflößt worden. In den letzten Dezennien dieses Jahrhunderts war eben der Geschäftsverkehr  für diesen Handel so umfangreich und so bedeutend geworden, daß es für notwendig befunden wurde neben dem jährlich einmaligen  frühen Verkauf,  seit dem vorigen Jahr noch einen zweiten Meßmarkt einzuführen, welcher  auch zufriedenstellend abgehalten worden ist. Leider ist jedoch der zu Ostern  d. J. abgehaltene Holzmarkt der letzte gewesen, da die Flößer-Compagnie des Auslandes ihren Marktplatz nach Camburg verlegt hat. Wahrscheinlich haben die namentlich  in den letzten Jahren vorkommenden Frühjahrs-Hochwasser, welche die Hölzer wiederholt arg  verheert haben, hierzu Veranlassung gegeben oder aber, daß der bequemere und billigere Transport auf der über Großheringen neu erbauten Eisenbahn erhofft wird. Jedenfalls ist der Wegfall dieser Holzmesse für die Stadt Kösen nach mancher Seite hin als Verlust zu bezeichnen.“

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB)

Für den Bau eines städtischen Schlachthauses sollte ein Grundstück am Jochenberg von der Landesschule erworben werde. Dazu merkte man an „In Kösen wird die Erbauung eines Schlachthauses beabsichtigt und zwar auf städtische Kosten. Die Fleischer sollen dann im Wege der Polizeiverordnung verpflichtet werden, nicht mehr in ihren, sondern im öffentlichen Schlachthaus ihr Vieh schlachten.“

 

  1. Nov. Sitzung der Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 348)

Musikdirektor Heyne hatte einen Zuschuss beantragt, weil zu den Abonnementskonzerten wegen des schlechten Wetters weniger Besucher kamen. Dem wurde statt gegeben.

 

  1. Dez. „Instruction für die Geschäftsführung der Bade-Direction“ (StaA Nbg.)

Die seit 1864 geltende Vorschrift wurde aktualisiert. Die Badedirektion sollte einmal monatlich in der Saison (1. Mai bis 1.Oktober) zusammentreten. Für Beschlüsse reichte die einfache Mehrheit, bei gleicher Stimmenzahl entschied der Vorsitzende, dem auch ein Vetorecht zustand. Bei Angelegenheiten, die das persönliche Interesse von  Kommissionsmitgliedern betrafen, waren  diese von der Beratung und der Beschlussfassung ausgeschlossen. Der Badekassenrendant der auch für den Jahresbericht und den Haushaltsplan zuständig war, musste eine Kaution hinterlegen. Alle Kassenanweisungen bedurften einer zweiten Unterschrift.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Beantragung der Eingemeindung verschiedener Grundstücke an der Ilske und den Vorderbergen aus dem Gutsbezirk Altflemmingen, darunter auch Grundstücke des Comitès (Dr. Groddeck, v. Zedtwitz), sowie von Dr. Rosenberger, Christian Törpsch und dem Holzhändler A. Krüger.

 

  1. Dez. Versteigerung des Nachlasses des Kupferstechers Wibel (NKB)

 

  1. Dez. Mitteilung des Obersteueramts zum Brückengeld (StaA Nmb. Nr. 550)

Nach dem Gesetz vom 27. Mai über die Neuregelung der Chaussee- und Brückengeldabgabe stellt die Behörde fest, dass nach den Festlegungen vom 16. Juli und 04. August 1868 die Einwohner seit dem 1. Januar 1869 vom Brückengeld befreit sind, allerdings nach der Kabinettsorder vom 14. Februar 1832  auch vom Chausseegeld.

 

  1. Dez. Licitation zur Lieferung von Schwarzdorn (StaA Nmb. Nr. 4)

Gebraucht wurden 50 Schock (300 Stück) mit einer Länge von 7 Fuß (2,2 m). Der Anbieter  musste erklären, dass diese vom eigenen Grundstück stammten und sich verpflichten, die gesamte Menge bis  zum 23. Februar beim Gradiermeister Quarg abzuliefern. Der Preis wurde auf 1 Taler 20 Silbergroschen pro Schock festgelegt.

  

1875

 

  1. Jan. Dienstanweisung für den Kunstwärter Törpsch (StaA Nmb. Nr. 171).

Zu seinen Aufgaben gehörten die Wartung der Pumpen, der Kunstgestänge und der Röhrenfahrten, die Abgabe von Badesole an die Badewirte, die Sauberhaltung der Wellenbäder, und der Toilettenräume, der Außenanlagen und Wege sowie die Reinigung der Rechenanlagen. 

 

  1. Jan- „Große Schlittenfahrt nach Kösen“ (NKB)

Dazu luden die Naumburger Geschirrbesitzer ein. Treffpunkt war die Vogelwiese, Ziel der  „Mutige Ritter“.

 

  1. Jan. Anfrage des Magistrats bei der Kgl. Regierung (StaA Nmb. 550)

Der Gastwirt Weber und der Müller Roßner hatten sich beschwert, weil ihre Geschirrführer Brückengeld zahlen sollten und beriefen sich auf die Mitteilung des Obersteueramts, in der die Kabinettsorder von 1832 bestätigt wurde, wonach ortsansässige Geschirrführer von der Abgabe befreit sind. Dem Magistrat war die Order nicht bekannt, weshalb man sich an die Reg.- Abteilung d. Inneren wandte. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Für den Kanalbau in der Burgstraße wurde eine Kommission  (Siebold, Toepfer, Werner, Roßner, v. Zedtwitz) gebildet. Wegen des Grundstücks für das städtische Schlachthaus erklärte der Prokurator Schwimmer, dass ein Verkauf nur in Frage kommt, wenn die Kinder aus dem zur Domäne Fränkenau gehörenden Gesindehaus an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) in der Stadtschule aufgenommen werden. Das wurde einstimmig abgelehnt.

 

  1. Jan. Antrag zur Wasserversorgung (MER C48Ii Nr.782I).

Der Gasthof  und die Wahn`sche Badeanstalt bekamen ihr Wasser aus dem Brunnen auf dem ehemaligen Holzplatz der Saline. Als eine Erneuerung der Pumpe bekannt wurde, beantragten auch die privaten Hauseigentümer an der Naumburger Chaussee den Anschluss.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung an den Magistrat (StaA Nmb. 550)

„In Betreff des vom Magistrat erstatteten Berichts v. 5. d. M. wegen des an der Hebestelle in Koesen von den dortigen Einwohnern zu entrichtenden Brückengeldes sind wir mit der Königl. Steuer-Direktion zu Magdeburg in Verbindung getreten und übersenden dem Magistrat hierbei deren Schreiben v. 24. d. M. unter abschrftl. Beifügung der darin erwähnten Order v. 24. 2. 1832 nebst dem Verzeichnis sämtlicher Befreiungen, in welchen auch das Geschirr und Vieh aller Einwohner des Orts Koesen aufgeführt sind, Abschrift des Finanz-Ministerial-Reskripts v. 16. Juli 1868 worin bestimmt ist, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter Pforta und Eckartsberga oblegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der Koesener Brücke in Folge Chaussierung der darüber hin führenden Straße bedeutungslos geworden sei, weshalb ferner die in Rede stehenden frohndienstpflichtigen Ortschaften zur Entrichtung der Brückengeldabgabe angehalten werden sollen. Dem vorerwähnten Ministerialreskript liegt die Voraussetzung zum Grunde, daß Koesen früher Frohndienste zu der Brücke geleistet habe, und ist in Annahme seitens des Hauptsteueramtes zu Naumburg als zutreffend bezeichnet worden, weshalb die Kgl. Privinzial-Steuer-Direktion unterm 31. Dez. v. J. sich genötigt gesehen hat, die Heranziehung des Ortes Koesen zur Entrichtung der Brückengeldes zu verfügen, obgleich dieselbe in dem Schreiben vom 24. d. M. einräumt, daß ihr diese Verfügung nicht ganz zweifellos erscheint, weshalb es jetzt darauf ankomme, um bedingte Gewißheit darüber zu erlangen, ob Koesen zu den unmittelbaren Ortschaften des vormaligen Justiz-Amtes Pforta und Eckartsberga gehört hat, denen früher  die Verpflichtung zur Leistung von Frohndiensten  an der dortigen Brücke und welchen  aus diesem Grunde die Befreiung von der Brückengeldabgabe zugestanden war, eventuell fragt es sich, ob Koesen einen besonderen Rechtsgrund für die beanspruchte Befreiung nachzuweisen im Stande ist.“ 

Seit Gründung des Dorfes Neu-Kösen waren die Einwohner wegen der besonderen Rechtsstellung nicht zur Brückenfron verpflichtet, ebenso wie die Pächter der Landesschule.

 

  1. Feb. Beschluss des Kreisausschusses zur Eingemeindung (StaA Nmb. Amtsbl. 1875).

Das betraf die zum Gutsbezirk Altflemmingen gehörenden Weinberge zwischen der Fränkenauer Hohle über die Ilske und den Vorderbergen bis zu den Saalbergen. Die Parzellierung und Bebauung erfolgte in mehreren Abschnitten. Die Saalstraße Nr. 44 bis 53 wurde ab 1842, die Nr. 54  bis 62 ab 1860 und die Nr. 63 bis 76 ab 1870 mit Wohnungen bebaut.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Im Zuge der Bebauung der Ostseite der Burgstraße (Nr. 1 bis 35) sollte vor den Häusern ein kleiner Vorgarten  und auf der gegenüberliegenden Seite (Nr. 2 bis 16) ein Gehweg angelegt werden.

 

  1. Mär. Sitzung der Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 360)

„Frevlerhände“ hatten die Barriere an der kleinen Saale beim Weber`schen Gasthof zerstört. Als Ersatz sollte ein Holzgeländer errichtet und dahinter eine Weißdornhecke gepflanzt werden, die dann  die „ständiger Zerstörung anheimfallender Barriere“ ersetzen sollte.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Wegen der Differenzen zwischen den oberländischen und unterländischen Holzhändlern, erklärte die Flößergemeinde zu Kahla: „Verschiedene Umstände halber, namentlich auch wegen des unterhalb Camburg bestehenden Knotenpunktes der Thüringischen-, Saale-Unstrut- und Saale-Eisenbahn hat die privilegierte Floßgemeinde der oberen Saale nach erfolgter Genehmigung  der Behörden beschlossen, die bis jetzt alljährlich  in der Regel Sonntag Palmarum  in Kösen abgehaltene Floßmesse nach Camburg zu verlegen.“ Daraufhin erklärte der Ausschuß der vereinigten Holzhändler an der unteren Saale „Obgleich die sogenannte Floßkommune von Kahla die Absicht hat ihre bisher nach Kösen zum Verkauf gebrachten Hölzer nach Camburg  zu flößen, machen die Unterzeichneten dennoch bekannt, daß die Holzmesse im  Einverständnis mit den allergrößten Teil der oberländischen Verkäufer nach wie vor am Palmsonntag in Kösen abgehalten wird“. 

Allerdings mussten beide Messen wegen der Witterung auf die Woche nach Ostern verschoben werden.  In Camburg kamen in diesem Jahr lediglich 600 Flöße zum Verkauf, in den darauf folgenden Jahren waren es bis zu 5000 Flöße, die dann von den Aufkäufern nach und nach saaleabwärts geflößt wurden. Erst im Laufe der nächsten Jahre wurden bedeutendere Mengen auf die Saalebahn und in Unterneusulza auf die Thüringer bzw. Pfefferminzbahn verladen.

 

  1. Apr. Befragung von Einwohnern wegen des Brückengeldes (StaA Nmb. Nr. 550)

Der Ökonom Friedrich August Werner, geb. am 21. Juli 1796, erklärte, dass ihm seit frühester Jugend nicht bekannt sei, dass Geschirr haltende Einwohner Frondienste zur Brücke zu leisten hatten. 1820 habe er selbst die väterliche Wirtschaft übernommen (Stadtgut) und keine derartigen Dienste geleistet, wie auch die anderen Geschirr haltenden Einwohner. Der ehemalige Ortsrichter Christian Schleicher, der 1822 im Alter von 14 Jahren beim Brückeneinnehmer Döring in Diensten stand und seit 1847 Ortsrichter war, bestätigte die Erklärung Werners, dass die Einwohnerschaft weder zur Brückenfron, noch zur Brücken- oder Chausseegeldabgabe herangezogen wurde. 

 

  1. Apr. Umverlegung des Bachlaufs im unteren Park (WEI RBD).

Weil der im ehemaligen Ausstich angelegte Teich keinen natürlichen Zulauf hatte, verwandelte er sich im Sommer zur stinkenden Kloake. Um dem Übel abzuhelfen, beantragte die Badedirektion bei der Bahnverwaltung und der Landesschule die Genehmigung, von den über die Herrenwiese führenden Bach einen Zulauf zum Teich abzuzweigen und den Überlauf wieder in den Bach einzubinden. Wegen der Ergiebigkeit der Quelle auch in den heißen Sommermonaten war nun ein Austrocknen des Teiches nicht zu befürchten.  

 

  1. Apr. Geschäftsanzeigen (NKB)

Der neue Besitzer des Zeidler`schen Lokals hieß Groetzsch. Der dazugehörige Saal wurde bald zum beliebten Treffpunkt der hiesigen Vereine. Neben Konzerten und Bällen nutzten der Gerichtsvollzieher und der vereidigte Auktionator Wilhelm Becker den Raum für ihre Versteigerungen.

Die Witwe Mathilde Zeidler, ehemals Rost zeigte an „daß ich die von mir (.) in dem Großmannschen Haus (heute Lindenstr. 14) betriebene Restauration in mein eigenes, in der Lindenstraße 69 (heute Lindenstr. 7) vis à vis am Rathaus belegene Haus verlegt habe“

 

  1. Mai Wolkenbruch (NKB)

„So Ungeheurliches wissen denn doch die ältesten Leute sich nicht zu entsinnen. Was hat das Wetter aus Kösen gemacht. Schon  waren wir daran, uns für das Pfingstfest zu rüsten, jedes Stück Erde  war ein lieblicher Garten und nun, soweit  man sieht nur Schlamm und Pfützen. Aus der sog. Hohle von Fränkenau her wälzte sich ein Meer auf und herab, durchbrach die starken Mauern des Teichgräberschen Saales, füllt ihn fußhoch mit schlammigen Wasser, brach wieder durch und setzte Garten und Anlagen unter Lehm, entwurzelte alte Bäume und wälzte zentnerschwere Steinblöcke mit sich fort. Im Teichgräberschen Restaurations-Lokal saßen die Gäste beim Table d`hote, mit Zurücklassen ihrer Hüte hatten sie Not ihr Leben zu retten. Auch hier hatte das Wasser die Wände zerbrochen und schwemmte die Küchenutensilien, das Büffet in den Speisesaal hinein. Der Fleiß der beiden Gärtner Möller und Köhler war umsonst, ihre sorgfältig bearbeiteten Grundstücke sind  Schlammbecken geworden, die Treibhäuser eingestürzt, selbst die Wohngebäude und Stallungen unterwühlt. Der Schaden ist unberechenbar..“

 

  1. Mai Geschäftsanzeige von Dr. Wahn (NKB)

„Meine Bade-Anstalt habe ich eröffnet und es können nun Sool-, Fichtennadel-, Malz-, Eisen- u.a. Bäder von früh bis abends genommen werden.“

 

  1. Mai Geschäftsanzeige der Expedition des Kösener Anzeigers (NKB)

„Von dem in Kösen jeden Sommer zweimal wöchentlich herausgegebenen Bade-Journal erscheint die erste Nummer Ende dieses Monats. Da dieselbe das Verzeichnis sämtlicher anwesenden Badegäste  mit genauer Angabe der hiesigen Wohnung, sowie des Heimatortes enthält und das gelesenste Blatt in Kösen ist, laden wir ein geehrtes Publikum zu recht zahlreicher Benutzung ein“.

 

  1. Mai Mitteilung des Kgl. Hauptsteueramtes (StaA Nmb. Nr. 550)

„Den Magistrat benachrichtigen wir hierdurch ergebenst, daß in Folge höherer Entscheidung das Geschirr und Vieh der Einwohner der Stadt Koesen beim Passieren der dortigen Saalebrücke vom Brückengeld freigelassen wird. Die dortige Brückengeldhebestelle ist mit entsprechender Anweisung versehen.“

 

  1. Mai Ferdinande von Schmettau verstirbt (Ev. Sterberegister, Heimatbuch 1930).

Die Ikone der Befreiungskriege, die 1863 zur Ehrenstiftsdame ernannte und mit einer kleinen Rente bedachte Jungfrau wohnte seit 1861 bei ihrem Bruder Major a. D. Theodor von Schmettau und dessen Ehefrau Mathilde in der Saalstraße (Nr. 16). Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, gehörte aber zu einer der bekanntesten kurbrandenburgisch-preußischen Offiziersfamilien. So kommandierte Friedrich Wilhelm Carl v. Schmettau die 3. Divison in der Doppelschlacht von Jena-Auerstädt. Er wurde schwer verwundet, kam nach Weimar, zunächst in das Haus der Frau von Stein, dann in das Stadtschloss, wo er verstarb.  

 

  1. Juni Wolkenbruch (NKB)

„Von den Saalbergen herabkommend, überfluteten die Wassermassen abermals die Parterre-Räumlichkeiten, Keller und Gartenlokalitäten  des Restaurateurs Teichgräber und führten viele Gegenstände mit sich fort. Demnächst dürften wohl die Gärtner Möller und Köhler wieder sehr namhafte Verluste  durch die Verschlammung ihrer Gärten und die Vernichtung edler Pflanzen  erlitten haben (.) Eine ganz besondere Explosionsgefahr entstand für die unterhalb Kösen (in der Lengefelder Flur) gelegene Tänzersche Dampfziegelei, indem die Wasser sich in den Kalkbrennofen ergossen und dadurch  die unerwünschte  Löschung  des Kalksteins herbeiführten.“

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurden die Polizeiordnungen zur Grubenberäumung und Dungabfuhr sowie die Mittel für die Fertigstellung des Brunnens in der Burgstraße. Zur Kenntnis nahm man eine Verfügung der Kgl. Regierung zum Anbinden von Flößen. Außerdem wurden die Gelder für die neuen Hausnummernschilder bewilligt, deren ordnungsgemäße Anbringung über der Haustür von der Ortspolizei kontrolliert werden sollte. 

 

  1. Juni Baugenehmigung für den Wandelgang am Gradierwerk (StaA Nmb. Nr. 58).

Damit war nun auch die Freiluftinhalation bei ungünstigen Witterungsbedingungen möglich.

 

  1. Juni Aufstellung eines Briefkastens auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juli Genehmigung für zivile Konzerte des Militärmusikkorps (StaA Nmb. Nr. 348).

Heyne jun. inzwischen Kapellmeister des  4. Magdeburgischen Jägerbataillons in Naumburg  erhielt vom Kommandeur die Genehmigung, mit seiner Kapelle auch bei zivilen Veranstaltungen aufzutreten.

 

  1. Juli Meldung der Badedirektion (NKB)

„In Kösen weilen augenblicklich mehrere französische Familien, deren Häupter 1870/71 hier unfreiwillig aber gutes Quartier gehabt.“

 

  1. Aug. Jenny v. Gerstenbergk läßt sich nieder (GSA Wei 21/312, NKB)

Das Schreiben an den Oberbibliothekar der Jenaer Universität wurde auf der hiesigen Telegrafenstation aufgegeben und nur wenig später inserierte sie „Villa Gerstenbergk sucht ordentliches Mädchen vom Lande“.

Jenny v. Gerstenbergk wurde 1828 in Weimar geboren. Ihr Vater war der großherzogl.- weimarischen Regierungsrat Georg Friedrich Müller (1780-1838), der von seinem Onkel adoptiert wurde und sich nach ihm „von Gerstenbergk“  nannte. In Weimar war er seit 1813 mit   Johanna Schopenhauer (1768-1838) liiert, die einen „Literarischen Salon“ führte, wo  u. a. auch der Staatminister Goethe und dessen Frau Christine verkehrten. 1825 heiratete er Amalie v. Häseler, eine Tochter des Grafen A. F. v. Häseler, deren Mutter wiederum eine geborene Gräfin v. Beust auf Neu- und Bergsulza war. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Neben Jenny, die unverheiratet blieb, ihre Schwester Therese (geb. 1835) die 1858 den Grafen H. K. v. Helldorf auf Bergsulza heiratete.

 

  1. Aug. Veranstaltungsanzeigen (NKB)

Zum „Großen Gesangsfest mit dem Naumburger Sängerbund und der Stadtkapelle des Herrn Musikdirektors Seidenglanz“ auf der Rudelsburg lud Samiels Schwiegersohn Andrä ein. Auf dem „Himmelreich“, dessen Wirt Gehre sich nun „Petrus“ nannte, gab es ein Extrakonzert. Bei Hartmann dem Wirt der „Katze“ spielte die Kösener Badekapelle und im Kuchengarten eine Militärkapelle, wobei dem Publikum mitgeteilt wurde, „daß sämtliche Plätze unter der Kolonnade, sowie die zwei Reihen unmittelbar vor derselben stehenden runden Tische mit Stühlen an eine Gesellschaft abgegeben sind“.

 

  1. Aug. Anweisung des Ministers zur Verbreiterung der Brücke (StaA Nmb. Nr. 550)

„Die von der Kgl. Reg. unter dem 5. Mai d. J. anderweit vorgelegte Nachweisung der extraordinairen Bedürfnisse zu Wasserbauten für 1876 hat mir Veranlassung  gegeben, wegen Verbreiterung der Saalebrücke zu Kösen (.) mit dem Herrn Finanzminister in Verbindung zu treten. Nach dem Ergebnis desselben wird davon abzusehen sein, den auf 57.000 Mark bemessenen  Bedarf  für den (zuerst) gedachten Brückenbau in das Extraordinaire der Bau-Verwaltung für 1876 aufzunehmen. Da bei der Unterhaltung jener im Zuge der Halle-Weißenfels-Eckartsbergaer Chaussee belegenen Brücke nicht bloß Wasserbaufonds, sondern auch und zwar in Betreff der Fahrbahn derselben der Chaussee-Unterhaltungs-Fond beteiligt ist, der letztere Fonds  aber vom 1. Januar v. J. ab auf die Provinz übergeht, so wird von diesem Zeitpunkt ab ein Bau an der Brücke, welcher zugleich eine Verbreiterung der Fahrbahn bezweckt nicht ohne vorherige Kommunikation mit den künftigen Organen der Provinzial-Chaussee-Verwaltung in Angriff genommen werden können...“   

 

  1. Aug. „Physikalische Magie-Illusion“ im „Kursaal“ (NKB)

Die gestalteten der Magier Bessachini, Hofkünstler S. Maj. d. Kaisers, die Berlin-St. Petersburger-Konzert-Gesellschaft, Frl. Anna Schubert und Eugen Hildach-Konzertsänger aus Berlin sowie der Pianist Konstantin Sternberg-St. Petersburg.

 

  1. Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB).

Insgesamt wurden 2.094 Badegäste registriert, darunter der Schriftsteller, Journalist und Theaterdirektor in Meiningen und Berlin Paul Lindau (1839-1919), der Geh.-Justizrat Prof. Dr. A. Schmidt-Leipzig, Louise v. Katte geb. Gräfin v. Königsmarck-Potsdam, Mrs. Jared Chillenden-New York, Baron v. Ziegenhirt-Erfurt, Baron v. Wangenheim-Gotha, Oberstltn. v. Kühn-Wittenberg, Frl. W. u. C. Lerch-St. Petersburg, Bürgermeister Dr. Mascher-Hörde mit seinem Bruder Oberpostdirektor Mascher-Hersfeld, Kammermusiker Tuscek und dessen Ehefrau Kammersängerin Leopoldine (1821-1883)-Berlin, Frau General Exz. v. Stein, Kaufmann Dromdra-London, Carlo Saroldi-Italien, Miss Rekords-Philadelphia, Baronin v. Feilitzsch, Baronin v. Einsiedel, Verleger Hjalmar Eckrot-Schweden, Oberstltn. Schober, Rentier Charles Krook-Schweden, Baronin v. Borcke, Fr. General v. Stein-Kaminsky-Coburg, Bildhauer Stötzel-Potsdam, Gräfin Kamecke-Greiz, Prof. Dr. Häsler-Breslau,  Baron v. Riedesel-Naumburg, Mr. Wright-Amerika, Oberstltn. v. Wulffen-Loburg, General v. Gotsch-Merseburg.

 

  1. Sep. Verkauf des Fürstenhaupt`schen Wohnhauses, Saalstraße II-59 (Nr. 23) (NKB)

Allerdings fand sich kein Käufer, denn im April 76 erschien erneut eine Verkaufsanzeige. Dann erwarb es der Polizei- Sergeant Amelang

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Pächters der „Katze“ A. Waldhausen (NKB)

 

  1. Nov. Geschäftsbericht des Vorschußvereins (NKB)

Der Verein, gegr. 1861, hatte 225 Mitglieder, der Kassenumsatz betrug 606.000 Mark (die Talerwährung war per Reichstagsbeschluss aufgehoben) und die Einleger erhielten 13% Dividende.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB).

Insgesamt waren es 2055 Einwohnern, davon 871 Männer, darunter 831 Preußen, 33 sonst. Deutsche und 7 Ausländer. Von den  1.184 Frauen waren 1138 aus Preußen, 43 dem übrigen Deutschland und 3 Ausländerinnen. Es gab 554 Haushalte und 238 Wohnhäuser, 103 mehr als vor 20 Jahren. Das betraf die Dienstwohnungen der Saline, die von Privatleuten gekauft wurden (Salinenstr. Kukulauer Str.) und neu angebaute Häuser in der Grünen Gasse, der Saalstraße, der Parkstraße, an der Kleinen und der Rudelsburgpromenade.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige von A. Tilebein, Wirt der „Tanne“ (NKB)

„Die ergebenste Anzeige, daß ich durch Neubau meine Lokalitäten angemessen erweitert, auch neue Stallungen eingerichtet habe (.) Zur Unterhaltung der mich beehrenden Gäste habe ich ein neues französisches Billard aufgestellt, heizbare Kegelbahn und einen freundlichen Saal eingerichtet.“

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die in der Saale badenden Knaben gaben oftmals Anlass zu Beschwerden insbesondere der Damenwelt. Daher suchte man nach einem geeigneten Platz außerhalb der Ortslage. Der Prokurator hatte die Mündung des Scheitbaches vorgeschlagen. Die Mittel für die Einrichtung und die Aufsicht sollten durch Eintritt ausgeglichen werden. Weil man aber den Zahlungsunwillen gerade der ärmeren kinderreichen Familien kannte, nahm man davon wieder Abstand.

 

  1. Dez. Statut der Floßgemeinde zu Kahla (Stadtarchiv Jena, Abt. III Nr. 102).

 

1876

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadtverordneten Dr. Groddeck, Oberförster a. D. Leuschner, Rentier Siebold, Oberst a. D. von Zedtwitz, Maurermeister Werner, Kaufmann Heckenberg, Mühlenbesitzer Roßner, Zimmermeister Toepfer, San.-Rat Dr. Rosenberger, Postmeister Müller, Apotheker Gause und Schuhmachermeister Becker wählten Groddeck und Leuschner zum Ratsschöffen.

 

  1. Jan. Anzeige des Wirts Friedrich Andrä aus Schieben (NKB)

„Die Restauration auf der Rudelsburg ist seit dem 1. Januar dieses Jahres meinen Händen entzogen und durch neue Verpachtung in andere übergegangen. Bei meinem Abschied von der liebgewonnene Stätte an welcher ich so manchen Sommer, erst in Gemeinschaft mit meinem Schwiegervater Samiel und seit einem Jahrzehnt auf eigene Rechnung gewirtschaftet...“ Kurz darauf meldete die Zeitung „Im Vertrag mit dem neuen Pächter wurde geregelt, der Pächter übernimmt  während der Dauer der Pacht die Verpflegung des Wagner und verpflichtet sich, denselben stets liebevoll  und gut zu behandeln und demselben in der vorderen Stube der sog. Samiels-Höhle einen Ruheplatz einzurichten, sofern sich derselbe auf der Rudelsburg aufhält. Ferner ist dem Wagner eine jährliche Pension von 150 Mark vom Besitzer der Rudelsburg ausgesetzt...“

 

  1. Jan. Kaiserliche Kabinettsorder (NKB, Kurzeitung 17/1927, KöZ 107/1925)

Der 1866 von 80 Mitgliedern gegründeten Kriegerverein „König Wilhelm“ durfte das Vereinshaus auf dem Nikolausberg „Kaiser-Wilhelms-Burg“ nennen. Den Platz neben dem „Fähnchen“ hatte man von Thielitz erworben.  Der Verein löste sich 1917 auf, nachdem auch die letzten Teilnehmer der Kriege 1864, 1866 und 1870 verstorben waren.

 

  1. Feb. Geschäftsanzeige des Restaurateurs C. R. Landmann (NKB)

„Einem geehrten Publikum erlaube ich mir, hierdurch ergebenst anzuzeigen, daß ich von Nachmittag 4 Uhr an im gut beheizten Saal Konzert und Ball abhalten werde.“ Landmann hatte den neuen Kursaal samt dem Kurgarten von Groddeck und v. Zedtwitz gepachtet und komplett neu eingerichtet.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige des v. Mühlenfels`schen Hauses-Loreleyprom. 5 (NKB)

Allerdings fand sich zunächst kein Käufer und Mühlenfels bemühte sich um einen Mieter für seine „herrschaftliche Wohnung“.

 

              Gründung des Turnvereins (KöZ).

  1. Händler und B. Schimpfermann gehörten zum Vorstand des 30 Mitglieder zählenden Vereins. Zunächst traf man sich im Groetz`schen Saal wo im daneben liegenden Garten die ersten noch selbst gebauten Turngeräte aufgestellt wurden. Später war die „Katze“ das Vereinslokal.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Antrag Webers auf Überbauung des Weges an der kleinen Saale wurde mit 8 zu 3 Stimmen unter bestimmten Auflagen (Erhalt und Unterhaltung des Weges zu den Wellenbädern und zum Wehr) befürwortet. Dr. Groddeck, Apotheker Gause und Oberst v. Zedtwitz protestierten vergeblich.

 

  1. Mär. Benefizkonzerte (NKB)

Im Kurgarten wurde zu Gunsten des Kirchenbaufonds und im Gasthof zum Mutigen Ritter für die Hochwassergeschädigten von Schönebeck gesammelt.

 

  1. Mär. Anzeige „Die Rudelsburg ist wieder täglich geöffnet“ (NKB)

Neuer Pächter war Caspar Waldhausen, Sohn oder Bruder des „Katzen“-Wirts, der sich ebenfalls als „Samiel“ nannte. Der echte Samiel, Gottfried Wagner starb 1878 im Alter von 84 Jahren und wurde in Tultewitz beigesetzt. 

 

  1. Apr. Schreiben des Prokurators an die Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 360).

Der verlangte die Entfernung des Zaunes an der kleinen Saale zwischen dem Weberschen Gasthof und der kleinen Saale, den die Badedirektion 1874 zur Sicherheit der Besucher der Wellenbäder angelegt hatte. Die beschwerte sich daraufhin beim Provinzialschulkollegium.

 

  1. Apr. Extra-Konzert zur Holzmesse im „Mutigen Ritter (NKB)

In Kösen kamen rund 900 Flöße zum Verkauf, allerdings ebenso viel in Camburg, was der hiesigen Holzmesse erheblichen Abbruch tat.

 

  1. Apr. Osterkonzerte im Kurgarten, Rektorberg, Rudelsburg und Katze (NKB)

 

  1. Mai Aufführung des Stadttheaters Naumburg im Saal des Kurgartens (NKB)

 

  1. Mai Sitzung der Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 348)

In einer Anzeige erklärte Carl Julius Heyne sen. der seit der Absage von Seidenglanz die Kurkapelle wieder übernommen hatte „Aus Gesundheitsgründen sehe ich mich genötigt, die von mir seit vier Jahrzehnten geführte Direktion der Musik-Kapelle aufzugeben.“ Probeweise wurde der Ronneburger Dirigent Göring mit der Leitung der Badekapelle betraut. Heyne sen. verstarb im Dezember 1883.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Nach vorheriger Genehmigung der Oberbehörde wurde das im Kataster als Nr. 30 geführte sog. „Stadthaus“ in der Borlachstraße (heute Nr. 13) dem Klempner Krause für 6300 Mark verkauft.

 

  1. Juni Veranstaltungen zum Pfingstfest (NKB)

Im „Kurgarten“ spielte die Badekapelle, auf der Rudelsburg das Musikcorps des Jägerbataillons unter Leitung von Heyne jr., auf der „Kaiser Wilhelmsburg“ das Trompetencorps der Magdeburger Jäger, A. Waldhausen (Katze) und die Witwe Möllnitz (Rektorberg) luden zum Tanz  ein.

 

  1. Juni Erklärung des Prokurators (StaA Nmb. Nr. 360)

Der teilte mit, dass die Klage Weber wegen der Eigentumsrechte an dem Fahrweg zwischen Gasthof und kleiner Saale zugunsten der Landesschule entschieden wurde und dass diese die öffentliche Nutzung  bis auf Widerruf gestattet.

 

  1. Juli Kommers der Leipziger „American Society“ auf der Rudelsburg (NKB)

Anlass war der 100. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

 

  1. Juli Hochseilakt über der Saale (NKB)

Dazu wurde ein Schrägseil vom Krüger`schen Holzgeschäft über die Saale in 50 Fuß Höhe (15 m) gespannt. Der Eintritt kostete 20 Pfg. für Erwachsene und 10 Pfg. für Kinder, Equipagen bezahlten 3 Mark. Nach der Vorführung ging es im Festzug zum Kurgarten, wo die Badekapelle spielte.

 

  1. Juli Submission für einen „Fallkessel“ an der Eckartsbergaer Chaussee (NKB)

Um weitere Schäden durch die bei Unwettern auf der Fränkenauer Höhe durch die Hohle zu Tale stürzenden Wassermassen an der Chaussee, der Gemeindestraße, der Bahnunterführung und dem Mühlenweg zu vermeiden, sollte ein Absturzbauwerk an der Fränkenauer Hohle, ein Tunnel unter der Chaussee und ein gemauertes Gerinne mit Rückhaltebecken das Wasser in geordneten Bahnen zur Saale leiten.

 

  1. Juli C. F. Hugo übernimmt den „Rektorberg“ von der Witwe Möllnitz (NKB)

Allerdings endete die Pacht bereits zum Saisonende.

 

  1. Juli Vertrag mit dem Musikdirektor H. Göring (StaA Nmb. Nr. 348)

Göring sollte bis zum Saisonende mit der Badekapelle 5 Konzerte im Kurgarten, vier in der Katze, zwei  Promenadenkonzerte, jeweils ein Konzert in der Buchenhalle auf der Wilhelmsburg und der Johannisquelle und 5 Rèunions geben. 

 

  1. Aug. Verkaufsanzeige des Struveschen Wohnhauses (NKB)

Trotz bester Lage gegenüber vom Bahnhof neben dem „Preußischen Hof“ fand sich kein Interessent, so dass Struve davon Abstand nahm und einen Mieter für seine „herrschaftliche Wohnung“ suchte.

 

  1. Aug. Submission von Holzlieferungen zur Reparatur des Kunstgestänges (NKB)

Ausgeschrieben waren verschiedene Zuschnitte von splintfreien Eichenholz wie Pfosten, Säulen und Schwellen für die Erneuerung des Unterbaues und des Kunstkreuzes. Die Vergabe erfolgte durch den Kreisbaumeister im Auftrag der Kgl. Regierung zu Merseburg.

 

  1. Aug. Holzhändler Albert Krüger verkauft sein Haus (Naumburger Str. 11) (NKB)

Er hatte von der Landesschule den früheren Scheitholzplatz zwischen der Mühlwiese und der Krümme erworben und baute hier eine Villa (Parkstr. 2) samt Remise (Parkstr. 3).

 

  1. Sep. Versteigerung des Nachlasses der Witwe von Prof. Jacobi (NKB)

Die Villa „Jacobi“ erwarb dann die Kaiserin Auguste Victoria Stiftung und richtete hier ein Kinderheim ein.

 

      Sep. Kurliste (NKB)

In diesem Jahr wurden 2063 Gäste gezählt, im Stahlbad Bibra hielten sich lt. Kurlisten 102 Badegäste auf. Prominente Gäste waren der Historiker und Reichstagsabgeordneter Prof. Heinrich Treitzschke (1834-1896) und General Colmar von der Goltz (1843-1916) als Golz-Pascha Reorganisator der türkischen Armee. Außerdem Mrs. Chittenden-Amerika, Baron Wöhrmann-Livland, Baronin v. Borcke, Prediger Hinrich Wichern (1808-1881)-Hamburg, Graf v. Landretzki-Schlesien, Gräfin v. Pückler, Baronin v. Rosenberg-Dresden, Gebrüder Hana-Java, Hotelier L. Schöneburg-San Franzisko, Kgl. Hofschauspielerin Charlotte Schneider-Schwerin, General Graf v. Gneisenau-Magdeburg, Frau General Exz. v. Freihold, Frau General v. Rheinbaben-Berlin, General Freiherr v. Boße-Dresden, Baronin v. Wangenheim-Gotha, Buchhändler H. H. Reclam-Leipzig, Freiin v. Maltzahn-Schwerin, Konzertsängerin Louise v. Hennig-Berlin, Opernsänger Geist-Bremen, Freifrau v. Nordenflycht-Nordhausen, Frau General Exz. v. Stein, Frl. Hausmann Directrice der St. Annenschule nebst Frl. Justine Cholkin-Lichoschestwo-St. Petersburg, Hofjuwelier Godet-Berlin, Verlagsbuchhändler Dr. phil Hermann Padel-Berlin, Gräfin Claire d`Houssonville-Berlin, Carlo Savoldi-Turin, Frau General Kritter-Berlin, Baronin v. Roedern-Berlin, der Komponist F. Opitz-Berlin, Prof. Dr. Fr. Zander-Königsberg, Staatsrat Exz. Dr. Eduard v. Häffner-Riga, Baronin Exz. v. Maltitz-Weimar, Graf und Gräfin Henkel v. Donnersmarck, Freiherr v. Marittae St. Julien-Aschaffenburg, Baron v. Vietinghoff-Potsdam, Gräfin Wielopolska-Dresden, Hofschauspielerin Frieb-Blumauer-Berlin, W. Müller KuK Hofkapellmeister und Lehrer an der Hochschule für Musik-Berlin, Baronin v. Wohrmann-Kurland, Freiherr v. Seebach-Erfurt, Freiin v. Berg-Berlin, General Baron v. Budberg mit Tochter Baronin v. Wöhrmann-Livland, Frau General v. Sperling-Schwerin, Gräfin v. d. Groeben-Westpreußen, Frau Dr. Allihn-Köthen, Prof. Siebold-Manchester, Hauptmann v. Manstein-Hamburg.  

Zum Saisonabschluss spielte die Badekapelle im Kurgarten, Militärkapellen auf der Wilhelmsburg  und der Rudelsburg und Waldhausen lud zum „Bohnenfest“ mit Ball in die „Katze“ ein.  Der Wirt der Rudelsburg kündigte an,  die Restauration auch im Winter durchgängig zu öffnen.

 

  1. Sep. Anzeige für den Einbau eines Dampfkessels (NKB)

Der sollte in der neuen Brückner`schen Brauerei in der Saalstraße (Nr. 27) aufgestellt werden.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Zugestimmt wurde der unter Federführung des Landkreises festgelegten Grenze zwischen dem  Stadt und dem Gutsbezirks. Dabei ging es um den baupolizeilichen Geltungsbereich und die Unterhaltungspflicht der öffentlichen Straßen und Plätze, die der Landesschule gehörten und für die die Stadt ein Nießbrauchrecht hatte. Eingemeindet wurden der Jackenberg und die Vorderberge, die Übernahme des „Kommunikationsweges“ nach Lengefeld und des Wirtschaftsweges nach den Saalhäusern wegen nicht „absehbarer Kosten bei der Unterhaltung“ dagegen abgelehnt.

 

  1. Sep. Konkurs des Kurgartenpächters Landmann (NKB).

Nach nur einer Saison war Landmann am Ende. Im Dezember kamen bei einer sechs Tage dauernden Auktion das gesamte Inventar wie Gold- und Silbersachen, Uhren und Porzellan, Gläser, Zinn-, Kupfer-, Messing-, Blech- und Eisengeschirr, Wäsche, Betten, Hausgeräte, Möbel, Kleidung, Vorräte, Wein, Champagner, Likör, Essenzen, Kognak und viele andere Dinge unter den Hammer. Im Dezember 1877 fand im Grötz`schen Saal eine weitere Zwangsversteigerung statt.

 

  1. Okt. Danksagung für eine Kirchenbauspende (NKB)

Wie bereits im Vorjahr hatte eine unbekannte Wohltäterin 1500 Mark gespendet. Der Kirchenbaufond belief sich inzwischen auf 30.000 Mark und man hoffte, in nächster Zeit mit dem Bau beginnen zu können.

 

  1. Okt. Bergrat Friedrich August Backs verstirbt (Ev. Sterberegister, Röblitz, 1930).

Er verstarb an Altersschwäche. Zwei Jahre später errichtete die Stadt ihm zu Ehren einen Gedenkstein an der Promenade im unteren Kurpark.

Im März versteigerten dann die Erben den Nachlass in seiner letzten Wohnung im Scheufler`schen Haus Neue Straße 86 (Fr. Ebert Str. 13).

 

  1. Okt. Anzeige des Musikmeisters im Jäger-Bataillon Nr. 4 Heyne jr. (NKB)

„Auf Grund vielfacher Aufforderungen (.) beabsichtigt Unterzeichnete, diesen Winter sechs Abonnements-Konzerte mit Streichinstrumenten im Gasthof Zum mutigen Ritter zu geben“. Das erste fand im November statt.  

 

  1. Okt. Erklärung der Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 360)

Nach mehrmaliger Ermahnung durch den Prokurator, den Zaun entlöang der kleinen Saale wieder zu entfernen, teilte man mit, dass  dass der Zaun  „prevario“ d. h. „vorübergehend“ sei, bis die angepflanzte Hecke angewachsen war.

 

  1. Okt. Liste der Kösener Wahlmänner für das preußische Abgeordnetenhaus (NKB)

Geh.-Rat Förster, Rentier Fr. Heun, Amtsrat Jäger, Oberförster Leuschner, Dr. Raabe, Bürgermeister Richter, Rentier Heinrich Siebold und Zimmermeister Fr. Töpfer.

 

  1. Okt. Nachlassversteigerung beim Schuster Elsner, Neue Str. 107 (Nr. 4) (NKB)

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen für die Weihnachtstage (NKB)

August Hämmerling veranstaltete wieder eine Ausstellung verschiedener Kuchen, Lebkuchen und Stollen, der Naumburger Kaufmann J. G. Merzyn bot in seiner Kösener Dependance Spiel- und Schreibwaren sowie Toilettenartikel an, der Sattlermeister J. Scheufler warb für Lederwaren und die Handelsgesellschaft Ziehme & Apitzsch für Teppiche, Tisch-und Bettwäsche, Tuche, Schuhe und Schirme.

 

  1. Dez. Verhandlungen mit der Naumburger Gasanstalt (NKB).

Die Landesschule und der Magistrat verhandelten über einen Anschluss. Doch die vorhandenen   500 Brennstellen rechtfertigten weder die Gasleitung geschweige ein eigenes Gaswerk.

 

1877    

 

  1. Jan. Anzeige des Gastwirts Fr. Andrä (NKB)

„Den Besuchern Kösens aus Naumburg und Umgebung beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen, daß ich am ersten d. M. die Restauration auf der „Kaiser Wilhelmsburg“  übernommen habe und in derselben Weise zu führen gedenke, wie früher die auf der Rudelsburg“.

 

  1. Jan. Mitteilung des Kgl. Kreisgerichts (NKB)

„Die unter Nr. 19 des Firmen-Registers eingetragene Firma G. A. Scholvien zu Kösen ist auf den Kaufmann Ernst August Paul Scholvien übergegangen.“ Scholvien betrieb eine Soda- und Selterswasserfabrik nach Struveschen Patent.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Badedirektion wurde ein Darlehen von 8.000 Mark bewilligt, um eine Schuldverschreibung der Badedirektion beim Bankhaus Gebr. Niedlich-Berlin einzulösen, bei der sich Dr. Groddeck und v. Zedtwitz als Beauftragte der Badedirektion Geld geliehen hatte, allerdings ohne Genehmigung der Kgl. Regierung. Um die Angelegenheit zu vertuschen, beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Betrag aus der Stadtkasse vorzuschießen, um den vom Bankhaus angekündigten öffentlichen Verkauf der Papiere zu verhindern. Doch dazu kam es nicht mehr, denn inzwischen klagten auch andere Gläubiger auf Rückgabe der von Groddeck und v. Zedtwitz ausgestellten Wechsel.

 

  1. Feb. Eröffnung eines Feinmechanikergeschäfst in der Borlachstr. I-5 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Feb. Umzug zum Karneval (NKB, NTB, Jan. 1995).

Gleichzeitig erschien das Blatt „Narhalla - Das Leib- und Regierungsorgan Sr. närr. Hoheit Prinz Carneval II. von Kösen“.

 

  1. Feb. Versteigerung des Nachlasses der Witwe des Obertribunal-Rats Hoepner (NKB)

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige von Eduard Kormann (NKB).

„Dem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum erlaube ich mir die ergebenste Anzeige zu machen, daß ich mit heutigen Tage das Restaurant „Kurgarten“ neu eröffnet habe (.) In nächster Zeit werden Saal, Garten und Restaurant auf das Brillanteste mit Gas beleuchtet...“

 

  1. Mär. Schirow übernimmt die Badekapelle (StaA Nmb. Nr. 348)

Der 27jährige kam aus Eisleben, wo er die Berg- und Stadtkapelle dirigierte. Er blieb bis  1889.

 

  1. Mär. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

In Webers „Mutigen Ritter“ spielte das Musik-Corps der Weißenfelser Jäger unter Heyne jr. bei Andrä auf der „Kaiser Wilhelmsburg“ das Trompeten-Corps der reitenden Feldartillerie, bei Kormann im „Kurgarten“ die Badekapelle und in Waldhausens „Katze“ die Kapelle des Magdeburger Jägerbataillons. Die Witwe Möllnitz lud zum Gesellschaftstänzchen in den „Rektorberg“ ebenso der Wirt der Rudelsburg.

 

  1. Apr. Regulativ zur Hundesteuer (NKB)

Die ersetzte die seit 1852 geltende Verordnung. Ein Hund kostete 9 Mark jährlich, ausgenommen waren säugende Welpen, Hirten-, Zieh-, Ketten- und Fleischerhunde. Unterlassene Anmeldungen wurden mit 18 Mark, ersatzweise Haft, geahndet.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeige des Gastwirts Hermann Barth (NKB)

„Erlaube ich mir ergebenst anzuzeigen, daß ich das dem Bahnhof gegenüber gelegene Hotel „Preußischer Hof“ mit Restauration übernommen habe“.

 

  1. Mai Ballett-und Theateraufführung im Kursaal (NKB)

Im Juni konzertierte der Leipziger Orchester Verein und im Juli trat die schwedische Hofopernsängerin Frau Prof. Kirchbach begleitet von der Badekapelle auf. Veranstalter war die Badedirektion.

 

  1. Mai Anzeigen zum Himmelfahrtstag (NKB)

„Unterzeichneter (Waldhausen) empfiehlt den geehrten Herrschaften und Touristen sein in schönster Gegend  an der Saale romantisch gelegenes, aufs Neueste renovierte Restaurant nebst Gartenanlagen, Veranda, Tanzsalon und Gesellschaftszimmer „Zur Katze“ mit Überfahrt nach der Rudelsburg“.

Im „Kurgarten“ spielte die Badekapelle und auf der „Kaiser-Wilhelmsburg“ das Musik-Corps des Jägerbataillons.   

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Eingemeindung der Herrenwiese gegenüber vom Bahnhof, falls diese von der  Landesschule verkauft und die Bahnverwaltung keine Ansprüche erheben würde und die  Landesschule sollte von der Unterhaltspflicht  des dortigen Weges (heute Parkstraße) befreit werden, sofern dieser nicht bis an die Saale verlängert würde.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung im Gasthaus „Zur Tanne“ (NKB)

Da es sich hierbei um allerlei Gaststätteninventar und Zubehör handelte, sah sich Tilebein der Wirt der „Tanne“ zu einer öffentlichen Richtigstellung veranlasst „Sämtliche Gegenstände, welche verkauft werden sollen, sind aus der früheren Lungerhausen`schen Wirtschaft im „Hotel Preußischer Hof“ in Kösen“.

 

  1. Juni Eröffnung der Restauration von Gustav Nette (NKB)

„Einem geehrten Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich mit heutigen Tage in meinem Haus vis-à-vis der Post ein Cafè und Restaurant eröffnet habe“ (Lindenstr. 21)

 

  1. Juni Verkaufs- und Vermietungsanzeigen (NKB)

Heckenbergs Erben verkauften das Haus Neue Straße 106 (Fr. Ebert Str. 6) und Schmidt der Besitzer der Lindenstr. 54 (Nr. 18) suchte einen neuen Mieter für die frei gewordene Wohnung der Fr. Generalin von Waschersleben.

 

  1. Juli Genehmigung für Kollekten der Kirchengemeinde (MER C 48 II a Nr. 1707)

In den kommenden vier Jahren durfte bei Taufen und Hochzeiten bei den Angehörigen und Gästen zu Gunsten des Schulfonds, im August und September bei den Einwohnern für die Louisen-Stiftung und bei den Badegästen für den Kirchenbaufond gesammelt werden.

 

  1. Juli Zwangsversteigerungstermin für die Querstraße 97 (Schmettaustr. 3) (NKB)

Eigentümer des am 13. Oktober zur Versteigerung stehenden Anwesens waren Dr. Karl Theodor Groddeck und Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz. Weil sich kein Käufer fand, wegen der auf dem Haus liegenden Hypotheken, wurde der Termin vier Wochen später vom Kreisgericht aufgehoben.

Doch damit endete die Spekulation „Modebad“. Der Vorgang sorgte für erhebliches Aufsehen, waren doch zahlreiche Honoratioren und der Vorschussverein darin verwickelt. Allerdings vermied man es, hierüber öffentlich zu berichten. Auch später wurde dieser Skandal nur am Rande erwähnt, wie im Heimatbuch 1930 von Naumburger Stadtarchivars Fr. Hoppe und im Naumburger Kreisblatt von 1938. Allerdings lässt sich aus den folgenden Zwangsversteigerungen auf das wahre Ausmaß dieser Fehlspekulation schließen.

 

  1. Juli „Goldenes Jubiläum“ vom Wirt der Rudelsburg (NKB, NTB 1920, Nr. 213).

Noch 1819 wurde die Rudelsburg als „finsteres Totenhaus beschrieben“, doch ein Jahr später erlaubte der Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch seinem Knecht Gottlieb Wagner den Ausschank von Lichtenhainer Bier in der Ruine. Ab 1827 war Wagner genannt „Samiel“ dann ständig auf der Burg. Daher gab es ein Doppelkonzert mit dem Musik-Corps der Weißenfelser Unteroffiziersschule und dem Naumburger Stadtmusik-Corps.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des geprüften Buchrevisors Schneider (NKB)

„In Kösen, Villa „Waldfrieden“ finden junge Damen behufs wirtschaftlicher, geselliger und musikalischer Ausbildung unter sorgfältiger Gesundheits-und Erziehungspflege  eine empfohlene Pension, auf Wunsch wird auch vollständige kaufmännische Ausbildung für das Comptoir übernommen“. Die Villa „Waldfrieden“ auch „Waldschlößchen“ genannt und hinter dem Kurgarten gelegen, hatte Schneider von Groddeck/Zedtwitz gepachtet. 

 

  1. Aug. Meldung der Badedirektion (NKB)

„Geldbriefträger Klümer aus Berlin, der bekannterweise bei Ausübung seines Berufs von Räuberhand so übel zugerichtet wurde, befindet sich zum Zwecke seiner vollständigen Wiederherstellung in unserem Bade. Der Generalpostmeister Stephan hat dem pflichtgetreuen Beamten rasch und reichlich die Mittel zur Kur bewilligt.“ 

 

  1. Aug. Anzeige des Maurermeisters Werner (NKB)

„Zur Abfuhr von ca. 300 Kubikmetern Bruchsteinen aus den Fränkenauer Brüchen nach der Unter-Aue gegenüber Kohlmanns Berg, wollen sich geeignete Fuhrwerksbesitzer melden...“ 

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB)

Unter den Badegästen waren die Ehrenstiftsdame Frl. Ottilie v. Diericke-Dresden, die Kaufleute Gebrüder Hana-Java, Fr. Generalin v. Winning-Dresden, Baronin von Borcke, Baron v. Budberg-Kurland  und Generalleutnant von Budberg-Riga, Frau v. Lewinski geb. v. Sperling-Schwerin, Fr. v. Lettow-Vorbeck, Fr. Generalin v. Kalinowsky-Schlesien, Freiherr Walter v. Göthe-Weimar,  Fr. Generalin Exz. v. Stein, Ing. v. Froideville-Batavia, Prof. A. J. Streckenberg-Berlin, Verlagsbuchhändler Dr. phil. H. Pätel-Berlin, Freiherr v. Hahn-Kurland, Oberstltn. v. Gordon-Berlin, Hofjuwelier Godet-Berlin, Franz Freiherr Printz v. Buckau-Berlin, Fr. Generalin v. Poyda-Weimar,  Adolph Mantels-Buenos Aires, Fr. Generalin v. Freyhold-Erfurt, Fr. Baudirektor Dinin-Tula, Fr. Oberreg.-Rätin v. Leipziger-Magdeburg, Miß Anna Merhold-Milwaukee,  Gräfin Helene v. Schlieben-Lindenau, Baron v. Lüttichau-Dresden, Gräfin Henckel v. Donnersmarck mit Frl. v. Prittwitz geb. Gräfin v. Burghauß-Breslau, Frl. J. Bates-New York, Prof. Dr. Franz Praetorius-Berlin, Landschaftsmaler E. Seyffert-Berlin, Hofschauspielerin  Lejeun dit Jung-Meiningen, Baronin v. Häseler, Prof. Dr. Ludolf Krehl-Leipzig,  stud. jur. Clarence Cunningham-Charleston. Ingesamt war es nur 1797 Gästen deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Das Stahlbad Bibra meldete im gleichen Jahr dagegen 73 Badegäste.

 

  1. Sep. „Skating Rink“ im Kurgarten (NKB)

Kormann veranstaltete regelmäßige Rollschuhfahrten mit musikalische Begleitung, der „schönsten Belustigung der Neuzeit“, was gerade beim jüngeren Publikum gut ankam.

 

  1. Okt. Anzeige des Amtsgerichts zur Fa. Ziemer & Apitzsch (NKB)

Die unter der Nummer 164 eingetragen Firma wurde aufgelöst und dafür die Firmen von Friedrich Apitzsch als Nr. 652 und Hermann Ziehme als Nr. 651, beide mit Sitz in Kösen eingetragen. Gleichzeitig gab Apitzsch bekannt, dass er das Bekleidungsgeschäft gegenüber der (alten) Post allein weiterführen wird. Allerdings eröffnete das Kreisgericht am 11. Dezember das Konkursverfahren über das Privatvermögen der beiden. Nach der am 2. März stattfimndenden Gerichtsverhandlung, durfte Apitzsch sein Geschäft weiterführen. 

 

  1. Okt. W. Schleicher übernimmt den „Rektorberg“ von der Witwe Möllnitz (NKB)

Da jüngere Bürgerschützencorps wählte die Gastwirtschaft zum Vereinslokal.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Fleischers Friedrich Matthes (NKB)

„Da von jetzt ab wieder die Wurstfabrikation beginnt, mache meinen werten Kunden bekannt, daß der Fleischverkauf nur noch bis zum 14. Okt. stattfindet“.

 

  1. Okt. Verkauf der Herrenwiese (NKB)

Erwerber der zwischen „flößbaren Saalstrom und Bahnhof und für industrielle Zwecke besonders geeigneten“ Flächen waren die Holzhändler Gebr. Krüger, Fr. Töpfer, Graf & Döhler, Gebr. Gräfe  sowie der Gastwirt Weber.

 

  1. Nov. Sinfonie-Konzert der Badekapelle im Kurzhals`schen Saal (NKB)

Die auf 25 Mann verstärkte Kapelle unter Schirow spielte Haydns 11. Sinfonie, C. M. Webers Preciosa und Brahms  Ungarische Tänze. Der Eintritt kostete 50 Pfennige.

 

  1. Nov. Gustav Kirchhof lädt zum Schlachtfest im Bahnhofsrestaurant ein (NKB)

 

  1. Dez. Die Landesschule verpachtet die Kiesgrube am „Göttersitz“ (NKB).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurde das Statut der örtlichen Hilfskasse der Gesellen-, Gehilfen-, Fabrikarbeiter- und Baugewerbegesellen. 45 Mark wurden als Zuschuss für einen Gedenkstein für den Bergrat Backs bewilligt.

 

1878      

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Festgelegt wurde, dass bei einer Bebauung des Weges vom Bahnhof zur Saale (Parkstr.) ein Vorgarten anzulegen ist. Die städtische Lehmgrube am Jochenberg wurde dem Polizeisergeanten Fürstenhaupt auf drei Jahre verpachtet.

 

  1. Feb. Vorlesungsreihe zum Besten des Kirchenbaufonds im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Die Vortragenden waren Prof. Dr. Leo-Berlin, Prof. Dr. Spieß-Leipzig, Prof. Bäßler, geistl. Inspektor der Landesschule, Prof. Dr. Bernhardt-Erfurt.

 

  1. Feb. Vermietungsanzeige des Geh. Reg.-Rat Carl Lepsius (NKB)

„In meinem Haus beim Bahnhof in Kösen ist die Parterrewohnung zu vermieten“ annoncierte der Bruder des Ägyptologen Richard Lepsius.

 

  1. Feb. Dr. Groddeck legt sein Stadtverordnetenmandat nieder (Röblitz, 1930).

Bereits im Dezember 1876 war Bruno v. Zedtwitz ausgeschieden

 

  1. Feb. Theateraufführungen im Kursaal (NKB)

Eine Theatergesellschaft hatte den Saal gemietet und bot an vier Abenden in der Woche  ständig wechselnde Aufführungen.  

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des Inventars der Groddeck`schen Badeanstalt (NKB)

Von einem Beamten des Kreisgerichts wurden 22 Badewannen (15 aus Kupfer, 7 aus Porzellan) sowie weiteres Mobiliar versteigert. Am 21. März folgten 12 Toilettentische, 12 Apparate zur  Warmwasserbereitung und ein Dampfkessel. Am 4. 5. und 12. April sowie am 5. Juli versteigerte das Amtsgericht  im Groetz`schen Saal weiteres Inventar und am 29. Juli kam der zur Badeanstalt gehörende Garten (über 8000 m²) unter den Hammer.

 

  1. Mär. Anzeige des Mühlenbesitzers E. Roßner (NKB, BLK A. Nr. 686)

„Auf meinen Mühlenweg, welcher von der alten Chaussee nach der Amtsmühle zu Kösen führt, wird hiermit alles unbefugte Gehen, Reiten und Fahren verboten (.) Außer zum geschäftlichen Verkehr bleibt mein Mühlenweg durch Barrieren und Tür gesperrt...“

Roßner, dem der Weg seit 1866 gehörte, hatte von der Stadt die Beteiligung an den Unterhaltungskosten verlangt, weil viele Gespannführer den Weg nutzten, um zum Waschen an die Saale zu kommen. Da die Stadt ablehnte, versperrte Roßner die Zufahrt zunächst mit einem Damm und wandte sich dann auf Anraten des Regierungspräsidenten an das Amtsgericht, dass ihm die Berechtigung erteilte. 1880 begann der Streit erneut, der vor dem Kreisausschuss und dem Bezirksverwaltungsgericht ausgetragen und erst 1885 mit einem Vergleich beigelegt wurde.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Inventars des Gasthofs „Zum Adler“ (NKB)

 

  1. Apr. Übernahme des „Preußischer Hofs“ durch Max Blau (NKB)

Nach nur zwei Jahren verließ Blau den Ort.

 

  1. Apr. Vermietungsanzeigen (NKB)

Mieter suchten der Rentier Fr. Heun für sein Haus an der Chaussee, der Maurermeister W. Werner und W. Fuckel (An der kleinen Saale). Die Häufung von Vermietungsangeboten auch von „herrschaftlichen Wohnungen“ in bester Lage verweist darauf, dass durch den Rückgang von Badegästen die Vermietung an gut situierte Pensionäre lukrativer als die Saisonvermietung wurde.

 

  1. Apr. Sonder-Konzert zur Holzmesse im Kirchhof`schen Bahnhofsrestaurant (NKB)

 

  1. Apr. Anzeige vom Weinbergsbesitzer Wilhelm Bauer (NTB)

„Einem geehrten in- und auswärtigen Publikum zur ergebensten Anzeige, daß ich auf den schon seit 12 Jahren von geehrten Gönnern und Freunden gehegten Wunsch, in meinem über dem Kurgarten zu Kösen gelegenen Weinberg eine Restauration etabliert habe und selbige am ersten Osterfeiertag (21. 4.) zu eröffnen beabsichtige...“

 

  1. Mai Schreiben des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Nach dem Ausscheiden Groddecks aus der Badedirektion erstattete der Landrat der Kgl. Regierung Bericht. Dabei vermied er es aber auf die Umstände und den Zusammenbruch des Comitès einzugehen und beschränkte sich darauf, darauf hinzuweisen, dass die beiden Nachfolger (Rentier Siebold und Geh. Justizrat a. D. Förster) nicht direkt vom Gedeihen des Bades finanziell abhängen und man aber bei einer zukünftigen  Neubesetzung möglichst jüngere, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraute aber unabhängige Personen berücksichtigen sollte, auf pensionierte Beamte oder Offiziere könne man verzichten.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Zur Nutzung der unteren Wasserkunst zur Stromerzeugung wurde eine Kommission (Toepfer, Werner, Müller, Siebold) gebildet.

Außerdem wurde nun doch die Neunummerierung der Grundstücke beschlossen. Dazu teilte man das Stadtgebiet in drei Bezirke, in denen alle bebauten bzw. bebaubaren Parzellen mit einer Hausnummer versehen. Die 1. Abteilung umfasste den Stadtteil am linken Saaleufer südlich der Chaussee mit insgesamt 140 Grundstücken, wie der Lindenstr. 1-25, Borlachstr. 26-70, Grüne Gasse/Kleine Promenade 71-78 Bahnhof/Rudelsburgpromenade 79-100, Burgstr./ Fränkenauer Trift 101-128, südl. Eckartsbergaer Chaussee 129-134, Kurpark 135-140. Die 2. Abteilung umfasste das linke Saaleufer nördlich des Chaussedammes mit 76 Grundstücke, beginnend mit der Wilhelmsburg als Nr. 1, dann folgten Eckartsbergaer Chaussee 2-8, Neue Straße 9-30, Querstraße 31-40, Saalstraße 41-75 und die Saalhäuser als Nr. 76. Die 3. Abt. III war der Teil östlich der Saale mit 46 Grundstücken, Am rechten Saaleufer (Uferstr.) 1-6, An der kleinen Saale 7-16 (Naumburger Str.), Salinenstr. 17-23, Kukulauer Str. (R. Breitscheid- und K-Kruse Str.) 24-30, Am Wehrdamm (Loreleyprom.) 31-36, Am Solschacht 36-46.

Der Situationsplan von Töpfer & Frohwein (MER C 48 IX Nachtr. D Nr. 1) zeigt diese Nummerierung, allerdings waren hier bereits einige Grundstücke wieder geteilt. 

Um die Einheitlichkeit zu gewährleisten wurden die Hausnummern vom Magistrat bestellt und angebracht, und die Kosten an die Hauswirte weitergegeben.

 

  1. Mai Bekanntgabe einer weiteren Zwangsversteigerung (NKB)

Am 3. Sept. sollte das Dr. Groddeck und Oberst a. D. B. v. Zedtwitz gehörende „Grundstück, genannt der Kurgarten zu Kösen (.) bestehend aus Wohnhaus mit Hofraum und Garten, Wohn- und Stallgebäude, sowie Tanzsaal“ und das sog. „Waldschlößchen“ unter dem Hammer kommen.

 

  1. Mai Schreiben des Bürgermeisters an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr.782 I).

Durch die Zwangsversteigerung der Groddeck`schen Badeanstalt fehlte fast ein Drittel der Wannen. Um die bevorstehende Saison noch zu retten, erbot sich die Badedirektion, die Anstalt übergangsweise von einem Treuhänder betreiben zu lassen. Das Kreisgericht und Dr. Groddeck stimmten zu, zumal ihm versichert wurde, dass ihm keine Kosten entstehen werden, er im Haus wohnen bleiben und den Garten benutzen könne. Nach Abzug aller Betriebskosten einschließlich der Sole und des Rückkaufpreises der bereits versteigerten Objekte, sollte er am Ende der Saison den Überschuss erhalten. Auch mit der Erwerberin der Wannen, der Witwe v. Movath, gab es bereits einen Rückkaufvertrag. Doch die Kgl. Regierungsabteilung versagte dafür jegliche Zustimmung. Daraufhin wandte sich Richter persönlich an die Oberbehörde und versuchte zu erklären, warum diese Vereinbarungen abgeschlossen wurden. Nach dem Aus des „Comitès“ hätte das Ansehen des Bades ohnehin bereits gelitten und der Ausfall der Groddeck`schen Badeanstalt die „bequemste“ im Ort würde den gesamten Badebetrieb gefährden. Groddeck habe den „Manifestations-Eid“ geleistet, v. Zedtwitz seinen Wohnort nach Konstanz an den Bodensee verlegt, die Anstalt stand zur Versteigerung und das „Mobiliar-Vermögen“ war im Wege der „Execution verauktioniert“ worden. Zwar hoffte man auf einen Käufer für die  Badeanstalt, was aber bei der Höhe der abzulösenden Schulden sehr ungewiss sei. Daraufhin genehmigte die Kgl. Regierung die Verträge im Hinblick auf die Absicherung der diesjährigen  Saison „unter den (.) vorgetragenen Umständen sehen wir davon ab, den mit dem Dr. Groddeck (.) abgeschlossenen Vertrag weiter zu beanstanden.“

 

  1. Juni Wiedereröffnung der Groddeck`schen Badanstalt (MER C48Ii Nr. 782I).

Wider Erwarten hatte sich ein Interessent gefunden, allem Anschein nach ein honoriges Ehepaar namens Knorr. Er war Stabsarzt a. D. also auch fachlich geeignet. Die Badeanstalt und das Wohnhaus übernahm aber seine Ehefrau Luise Wilhelmine Knorr. Sowohl mit den Gläubigern als auch mit der Badedirektion gelang eine rasche Einigung. Erstere glaubten, wieder an ihr Geld zu kommen und verzichteten zunächst auf die Zwangsversteigerung und die Badedirektion samt Magistrat waren froh, die Anstalt nicht selbst zu betreiben.

Am 05. Juni teilte der Bürgermeister der Kgl. Regierung mit, dass der neue Besitzer über ein „nicht genanntes Kreditinstitut“ alle von der Badedirektion geleisteten Vorschüsse sowie die Wannen bezahlt habe, worauf diese den Soleliefervertrag mit  Frau Knorr genehmigte. Das „nicht genannte Institut“, der Wetzdorfer Kreditverein beteiligte sich auch an riskanten Unternehmen, wenn hohe Zinsen in Aussicht standen.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung eines Wohnhauses an der kleinen Promenade (NKB)

Das Anwesen (heute Gerstenbergkprom. 1) gehörte dem Schmiedemeisters J. Fr. L. Kindervater. Der Termin wurde dann aufgehoben und zur Aufhebung einer Eigentümergemeinschaft der verehelichten Alwine Emilie Bertha Kindvater und den Inhabern der Holzfirma  Friedrich Sänger und Friedrich Hertel anberaumt.

 

  1. Juni Memorandum des Kösener SC nach dem Attentat auf den Kaiser (NKB)

„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster Kaiser, König und Herr, Ew. Kaiserl. Majestät wollen huldvollst gestatten, daß die am heutigen Tage zur alljährlichen Zusammenkunft versammelten Vertreter des Kösener SC-Verbandes, welcher die Corps sämtlicher Universitäten des deutschen Vaterlandes vom äußersten Norden bis zum Fuß der Alpen repräsentieren dem Gefühl des tiefsten Schmerzes Ausdruck geben, darüber, daß abermals ein Verworfener es gewagt, Hand an Ew. Majestät geweihte Person zu legen. Mit dem Schmerzensgefühl beseelt die unterzeichnete Versammlung zugleich das Gefühl des Dankes gegen Gott, daß er Ew. Kaiserl. Majestät  aus schwerer Gefahr  gerettet, zum Heil und Frommen des deutschen Vaterlandes. Er schütze auch ferner Ew. Kaiserl. Majestät  und das ganze Kaiserl. und Königl. Haus. In tiefer Ergebenheit erstirbt Ew. Kaiserl. Majestät untertänigster Kösener SC-Verband.“ Der Vorort Straßburg das präsidierende Corps Rhenania.

 

  1. Juni Vermietungsanzeige für die v. Zedtwitz`sche Villa in der Saalstraße (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Für den Ausbau des Lengefelder Fahrweges vom Wapplerschen Grundstück am Jochenberg (heute Borlachstr. 51) zur Borlachstraße wurde eine Mindestbreite von 10 Metern  festgelegt.

 

  1. Juli Leserbrief eines Badegastes (NKB)

„Der reizend gelegene Badeort Kösen wird gewöhnlich die Berliner Kinderstube genannt, hier suchen und finden die Eltern skrophulöser Kinder, deren die Hauptstadt so viele zählt, Heilung und Genesung. Wie wenige können aber ihren Kindern diese Wohltat angedeihen lassen, denn abgesehen von den Reisekosten und dem Aufenthalt hierselbst, beträgt die Kurtaxe für jede Familie beinahe 20 Mark, ein Preis den Schreiber dieses noch in keinem Bade gefunden hat. Ich glaube, die löbliche Badedirektion von Kösen würde sich nicht allein den Dank vieler Eltern, die weniger  bemittelt sind, erwerben, sondern auch im Interesse des Badeorts selbst handeln, wenn sie die Kurtaxe ermäßigen und mit der Eisenbahn-Direktion sich in Verbindung setzte, um während der Saison von Berlin nach Kösen Billets mit sechswöchiger Gültigkeit  zu ermäßigten Preisen, wie dies nach Schlesien hin der Fall ist, zu verkaufen. Statt 2000 Badegästen würde Kösen vielleicht 6000 zählen und jedenfalls hätten die Bewohner davon mehr Nutzen, als daß durch die hohe Kurtaxe viele ferngehalten werden.“

Dazu schrieb der Kösener Richard Kumbruch: „Es bedarf einer eingehenden, gemeinschaftlichen Prüfung der Wirte wie der Gäste, um die Vorteile des Ortes in beiderseitigen Interesse nutzbar zu machen...“

 

  1. Juli Anzeige des Stabsarztes a. D. Dr. Knorr (NKB)

„Vom 21. d. M. bin ich täglich in dem früheren Dr. Groddeck`schen Haus zu sprechen...“

 

  1. Juli Ankündigung der Zwangsversteigerung des ehem. Kursaals (NKB)

Das gehörte zu ¾ Dr. Groddeck und zu ¼ Oberst v. Zedtwitz und kam am 20. Oktober unter den Hammer. Höchstbietender war der Kaufmann Berthold Koch, der in der Lindenstraße (7) ein Geschäft hatte und nebenher als Agent einer Feuerversicherungsgesellschaft  tätig war.

 

  1. Juli Stellenanzeige für eine Gesellschafterin (NKB)

„Gesucht wird sofort eine gebildete Person, die zuverlässig und im Häuslichen erfahren und die Bedienung einer Dame übernimmt, sowie gut lesen und schreiben kann. Näheres Kösen, Weinberg v. Gerstenbergk.“

 

  1. Juli Reichstagswahlen (NKB)

Kösen gehörte zum Wahlbezirk 8 im Reg. Bezirk Merseburg. Von den 235 abgegebenen Stimmen entfielen 67 auf den nationalliberalen Grafen Fleming auf Crossen, 164 auf den konservativen Reg.-Präsidenten v. Wurmb, zwei auf einen Unabhängigen und eine auf den Sozialisten W. Liebknecht.  

 

  1. Aug. Bekanntgabe der Ergebnisse der „Wilhelm Spende“ (NKB)

Eine deutschlandweite Sammlung für ein Nationaldenkmal, erbrachte in Kösen mit 2073 Einwohnern dank „gebefreudiger Badegäste“ einen ansehnlichen Betrag.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kosten der Kanalisation in der Burgstraße sollten zu 1/3 auf die Hauswirte umgelegt werden, falls die Zahlung verweigert würde, sollte der Kanal nicht zur Ausführung kommen.

 

  1. Aug. Jahresfest des Gustav-Adolf Vereins in der Buchenhalle (NKB)

Wie der alljährliche Missionsgottesdienst zog auch diese Veranstaltung hunderte von Gästen an.

 

  1. Aug. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Brückenerweiterung (StaA Nmb. Nr. 550).

Das Projekt lag beim Minister zur Genehmigung und sollte im nächsten Jahr zur Ausführung kommen.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung vom Kuchengarten (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadt bot 6.000 Mark für den „Kuchengarten“, weil „der Kuchengarten ist Kösen und Kösen ist der Kuchengarten“. Höchstbietender war dann aber der ehemalige Besitzer Gustav Teichmann.

 

  1. Sep. Gründung des jüngeren Schützenvereins (NKB).

Initiator war der Gastwirt Bruno Völkel. Im Gegensatz zur Schützengesellschaft 1832 wurden hier Uniformen getragen, um sich von den „Zylinderschützen“ unterscheiden. Seit 1889 nannte man sich „Bürgerschützencorps“ wählte den Kurgarten zum Vereinslokal und baute in der Ilske einen Schießstand.  

 

  1. Sep. Antrag des Prokurators bei der Badeverwaltung (StaA Nmb. Nr. 360)

Da die Eisenbahngesellschaft die Zufahrt zur Fränkenauer Wiese von der Grünen Gasse mit einer Barriere versperrt hatte, beantragte man die Überfahrt des Pächters zur Heuernte über das Koch`sche Ànwesen an der kleinen Promenade..

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Maurermeister Werner wurde mit dem Bau eines gemauerten Abzugkanals in der Burgstraße für 820 Mark beauftragt.

 

      Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Gegenüber dem Vorjahr war die Zahl der Badegäste (1875) wieder etwas gestiegen (Bibra meldete 65 Badegäste). Unter ihnen waren der Generalkonsul Dr. Blau-Odessa, Hofrat A. v. Schreiber-St. Petersburg, Baronin v. Borke, die Kaufleute Hana-Pekalong-Deventer, Geh. Obertribunalrat Dr. jur. Michels-Berlin, Frau Majorin v. Stuckradt-Frankfurt/O., Kammerherr Baron v. Göthe (1818-1885) der Enkel des Dichterfürsten aus Weimar, Oberstltn. v. Stupeck-Brandenburg,  Dr. phil. Franz Stöpel-Berlin, Gräfin v. Rozwadowska-Wiesbaden, Fürstin Galitzin-St. Petersburg, E. Engel-Newcastle, Frau Generalin v. Poyda-Weimar, Baronin v. Vietinghoff-Berlin, Mr. N. C. Miller-New York, Anna Begas-Rom, Baronin v. Eichstedt-St. Petersburg, Kaufmann C. Schröder-Lima, drei junge Damen aus den USA und Schottland unter der Aufsicht  einer Gesellschafterin, Baron v. Mansbach-Großenhain, Frau Generalin Gräfin v. Brühl geb. Gräfin v. Gneisenau.

 

  1. Okt. Anzeige einer Tanzschule im Groetz`schen Saal (NKB)

 

  1. Okt. Gottlieb Wagner, gen. Samiel verstirbt.

Sein Wunsch, ihn im  Gelände der Rudelsburg beizusetzen, wo er 50 Jahre die Schankwirtschaft betrieben hatte, wurde nicht erfüllt. Er wurde in Tultewitz beerdigt. Das NKB veröffentlichte am 12. Okt. einen Nachruf.

 

  1. Okt. Vereinbarung des Gastwirts Weber mit der Landeschule (BLK-A. Nr. 868).

Der verpflichtete sich zur Unterhaltung des Uferweges entlang der kleinen Saale vom Logierhaus bis zur westlichen Ecke des Gasthofs.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige von H. Vollandt (NKB)

„Einem geehrten Publikum von Kösen und Umgebung zeige ich hiermit ergebenst an, daß ich im hiesigen Ort im Laden des Herrn Hämmerling (früher Frl. Mänicke) ein Putz- und Modewarengeschäft eröffnet habe.“(Eckartsbergaer Straße 7)

 

  1. Nov. Anzeige des Amtsvorstehers von Stendorf (NKB)

„Der von Lengefeld  über die „Katze“ nach Kösen führende Wirtschaftsweg ist von jetzt ab für Lastfuhrwerke  bei einer Geldbuße von 1-9 Mark oder verhältnismäßiger Haft verboten. Der Kommunikationsweg führt über den Jackenberg.“

 

  1. Nov. Bekanntgabe der Zwangsversteigerung der Knorr`schen Badeanstalt (NKB)

Zum Aufruf kamen die Wohnhäuser Nr. 7 und 8 (Eckartsbergaer Str. 1 und 2) mit dem  Badehaus samt Kessel- und Maschinenhaus, Kohlenschuppen und Brunnen. Als Eigentümerin wurde  Luise Wilhelmine Knorr geb. Weikart, Ehefrau des Stabsarztes a.D. Dr. Knorr angegeben.

Demnach war nach Aufhebung der Zwangsversteigerung die Groddeckschen Badeanstalt in den Besitz der Frau Knorr mit notarieller Beurkundung übergegangen und die neue Besitzerin im Grundbuch eingetragen. Dagegen veröffentlichte das NTB am 12. Dez. eine Vermietungsanzeige ihres Ehemannes Dr. Knorr, über „das an der Eckartsbergaer Chaussee neben der großen Badeanstalt am Kurgarten belegene sog. „Englische Haus (.) wegen seiner Lage für Badevermietungen eines der gesuchtesten in Kösen“(Eckartsbergaer Str. 1).

 

  1. Nov. Handelsregistereintrag der Fa. Fr. Hädicke (NKB)

Hädicke und Geschäftsinhaber wie der Zigarrenfabrikant Hecklau, der Spielzeug-, Galanterie und Korbwarenhändler G. F. Rössler und der Bekleidungshändler Fr. Apitzsch  schalteten Anzeigen für das Weihnachtsgeschäft.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Vertagt wurde die Schlachthausangelegenheit und für den ausgeschiedenen Bruno v. Zedtwitz  Major von Schmettau zum Waisenrat ernannt.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige des Maurermeisters Lindemann (NKB)

„Einem geehrten Publikum von Kösen und Umgebung die ergebenste Anzeige, daß ich das Geschäft des Maurermeisters- und Kohlenhändlers W. Werner hierselbst auf eigene Rechnung weiterführen werden..“

Werner, der vom Groddeck-/Zedtwitz`schen Unternehmen stark betroffen war (offenen Forderungen aus dem Bau des neuen Kursaals) musste den Offenbarungseid (WER D 34/12/1699) leisten und legte am 09. Dezember sein Amt als Stadtverordneter nieder.

 

  1. Dez. 130 Einwohner gründen den Verein gegen das Bettlerunwesen (NKB)

 

  1. Dez. Veranstaltungsanzeigen zum Jahreswechsel (NTB)

Franz Kormann, dessen Pachtvertrag für den „Kurgarten“ zum Jahresende auslief, veranstaltete den letzten Rollschuhlauf mit Musik.  Wenig später wurde gegen ihn ein Konkursverfahren eingeleitet.

Außerdem spielte im „Mutigen Ritter“ die Kapelle der Weißenfelser Jäger, der Wirt vom Rektorberg lud zum „Gesellschaftstänzchen“ ein und die Kösener Liedertafel zum Konzert in den Kursaal.

 

1879

 

  1. Jan. Gesuch des Oberbergamtes bei der Königl. Regierung (MER C48 Ii 782).

Das OBA beschwerte sich, dass nach dem Erwerb der Hartung`schen Badeanstalt durch Dr. Wahn keine Freibäder an die noch lebenden ehemaligen Knappschaftsangehörigen abgegeben werden.

 

  1. Jan. „Humoristisches Konzert“ im Kursaal (NKB)

Die erste Veranstaltung des neuen Besitzers B. Koch war das Konzert des Kaiserl. Russ. Kammervirtuose M. Reichmann aus Wien.

 

  1. Jan. Eintragung des Vorschuss-Vereins in das Genossenschaftsregister (NKB)

Zweck des Vereins war die Kreditvergabe an gewerbetreibende Mitglieder aus Handwerk und Industrie. Zum Vorstand gehörten der Rentier Gustav Teichgräber, Kaufmann G. A. Scholvien und der Kaufmann J. Chr. Geyer. 

 

  1. Feb. Vorlesung im „Mutigen Ritter“ „Zum Besten des Kirchenbaufonds“ (NKB)

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für das Scholvien`sche Haus Borlachstr. I-29 (Nr. 3) (NKB)

Der Kaufmann hatte inzwischen das Wohnhaus Neue Straße II-23 erworben (Fr.-Ebert Str. 13)

 

  1. Feb. Übergabe der Gastwirtschaft „Zur Erholung“ (NKB)

Die Witwe Hofer verkaufte das Anwesen samt Restauration  an der Eckartsbergaer Chaussee dem Kaufmann Wilhelm Viehweg. Der handelte nebenher mit Flaschenbier und betätigte sich als  Personalvermittler für Landwirte und Restaurateure. 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Burgstraße I-106 (Nr. 14) (NKB)

Das gehörte der verehelichten Korbmachermeisterin Henriette Weber. Erwerber war der Postschaffner Kamprad, der das Haus später der Gemeinde verkaufte, die hier das Armen- und Siechenhaus einrichtete.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des Hauses An der kleinen Promenade I-77a (NKB)

Im Zuge der Erbauseinandersetzung der verehelichten Alwine Kindvater und den Kaufleuten Friedrich Sänger und Friedrich Härtel kam die heutige Gerstenbergkpromenade 6 an den Kaufmann F. A. Koch, der im August auch die  Borlachstraße I-50 (Nr. 25/27) erwarb und somit ein großes und durchgängiges Grundstück nahe am Bahnhof für seinen Landhandel besaß.

 

  1. Apr. Genehmigung der Kgl. Regierung (StaA Nmb. Nr. 348)

Musikdirektor Schirow hatte bei der Badedirektion 200 Mark als Zuschuss beantragt, weil die Einnahmen der Abonnementskonzerte der Badekapelle wegen der schlechten Besucherresonanz nicht ausreichten.

 

  1. Mai Tod des Geheimen Regierungsrats Carl Martin Lepsius (Ev. Sterbereg.)

Der in der Rudelsburgpromenade wohnende Bruder von Richard Lepsius wurde im Familienbegräbnis in Naumburg beigesetzt.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Varchmin`schen Hauses, Saalstr. 53-II (19) (NKB)

Bereits am 17. April wurde das gesamte Mobiliar der Witwe Auguste Amalie Henriette von Varchmin, geb. von Voigt versteigert. Ihr Mann der Garnisonsdirektor a. D. Premier-Leutnant Adolph von Varchmin, der 1876 verstarb, war kurze Zeit Mitglied des Badedirektorats.

 

  1. Mai Amtliche Bekanntgabe eines Bauvorhabens (NKB).

Die  Besitzer der Uferwiesen oberhalb des Wehres,  der Zimmermeister Fr. Töpfer, die Firma Graf & Döhler, die Fa. Sänger & Härtel sowie die Holzhändler A. und G. Krüger beantragten die Anlage eines Dammes zum Schutz ihrer Grundstücke.

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Freytag`schen Badeanstalt (MER C48 Ii 782).

Die Frau Staatsanwältin Freytag hatte das gegenüber vom Borlachschacht gelegene Anwesen (einst Wohnung der Kunst- bzw. Gradiermeister), von der Landesschule erworben und hier eine Pension  und drei Wannenbäder eingerichtet. Gegen die unliebsame Konkurrenz protestierten Dr.  Wahn, Dr. Rosenberger und Dr. Knorr.

 

  1. Mai Gründung der Wilhelm und Augusta Stiftung (NKB)

Anlässlich und zu Ehren der Goldenen Hochzeit des Kaiserpaares wurde aus den eingehenden Spenden ein Fond zur Unterstützung bedürftiger Einwohner begründet.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung des Götze`schen Hauses Saalstr. II-50 (Nr. 11) (NKB).

 

      Juni Geschäftsanzeigen zu den Pfingstfeiertagen (NKB).

Die Wirte Berthold Koch (Kursaal), Weber (Mutiger Ritter) C. Waldhausen (Rudelsburg) und A. Waldhausen (Katze), Kurzhals, Kirchhof (Bahnhofsrestauration), Schumann (Saalhäuser), Schleicher (Rektorberg), Groetz,  R. Braun (bisher Zeidlers Restauration), Winter (Börse), Blau (Preußischer Hof), Andrae (Kaiser Wilhelmsburg) und Tielebein (Tanne) warben um Gäste.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Forstverwaltung (NKB)

„Im Pfortaischen Forstdistrict Nicolausberg (unterhalb der Kaiser Wilhelmsburg) wird vielfach und namentlich dadurch gefrevelt, daß die Passanten, statt die geordneten Wege zu benutzen, sich an den Hängen zwischen den einzelnen Wegteilen herabgleiten lassen...“ Für Hinweise wurde eine Prämie von 10 Mark ausgesetzt.

 

  1. Juni Bürgerversammlung im Hotel Kurzhals (St.- A. Nr. 226, NKB).

Der Ruin von Groddeck und Zedtwitz sowie die folgenden Zwangsversteigerungen bewirkten einen spürbaren Rückgang an Badegästen. Um dem entgegenzuwirken und zur Verbesserung der „Badeverhältnisse“ sollte die Kurtaxe vermindert und dafür von den Vermieter eine Abgabe auf Grundlage der Beherbergungsnachweise erhoben und mit der Bahnverwaltung über eine Verlängerung der Geltungsdauer von verbilligten Rückfahrkarten sowie die Erweiterung auf Berlin verhandelt werden. Als Verhandlungsführer wurden Richard Kumbruch und Albert Krüger bestimmt.

Bislang wurden 558 Badegästen registriert, darunter zum wiederholten Male die Ehrenstiftsdame O. v. Diecke sowie die Baronin v. Borcke, außerdem der Prediger Wichern-Hamburg, Frau Prediger Baumann-Reval, R. v. d. Sand-Holland, Dr. Gregory-Amerika, Fr. Generalkonsul Blau-Odessa, Frl. Robiani-Riga, Frl. v. d. Marwitz-Fiedersdorf, Gräfin v. Seckendorf, Fr. v. Jagow geb. Gräfin v. Reichenbach, 2 Philosophiestudenten aus Amerika,  Fürst und Fürstin Galitzin-St. Peterburg, Fr. General Freydank-Dresden, Geh.-Oberreg. Rat v. Bötticher-Berlin. Im gleichen Zeitraum meldete das Stahlbad Bibra lediglich 42 Badegäste.

Für den Rest des laufenden Jahres wurden keine weiteren Badelisten veröffentlicht.

 

  1. Juni Schreiben des Bürgermeisters (MER C48 Ii 782).

Nach einer Beschwerde Dr. Wahns wegen des Soleliefervertrages mit der Freytag`schen Badeanstalt musste Richter Stellung nehmen. In dem Schreiben an die Kgl.-Regierung verwies er auf die ministerielle Erklärung von 1845 und das Regulativ von 1864, demzufolge die Freytag`sche Badeanstalt mit drei Wannen als Hausbadeanstalt gelte und nirgendwo festgelegt sei, dass diese keine Bäder an Fremde abgeben darf. Eine nennenswerte Konkurrenz für die übrigen drei großen Anstalten sei  nicht gegeben. Stattdessen sollte sich der Beschwerdeführer am Komfort der Freytag`schen Anstalt orientieren. Daher wäre die Beschwerde unzutreffend.

 

  1. Juli Agnes Senff verstirbt (NKB)

Sie war die Tochter des ehemaligen Salineninspektors und betrieb mit ihren Geschwistern im elterlichen Haus (Lindenstraße 3) eine kleine Pension.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung von 16 unbebauten Grundstücken (NKB).

Die Parzellen (204 bis 218 Kartenblatt 11) mit 700 bis 1000 m² Fläche gehörten ebenfalls Dr. K. T. Groddeck und Oberst B. v. Zedtwitz und lagen oberhalb der Saalstraße.

     

  1. Juli Hoffmann`sche Stiftung (Röblitz 1930)

Frl. Johanna Juliane Hoffmann vermachte ihrem Geburtsort 1443 Mark. Die Zinsen der Stiftung sollten als Schulgeld für Waisenkinder verwendet werden.

 

  1. Juli Antrag des Bürgermeister bei der Kgl. Regierung (MER C 48Ii 784 I).

Dr. Wahn hatte die Bezahlung der Badesole eingestellt, aus Verärgerung darüber, dass seine Beschwerde von der Kgl. Regierung abgewiesen wurde. Damit verstieß er gegen den Soleliefervertrag und die Badedirektion wurde angewiesen, Wahn zu verklagen.

 

  1. Aug. Antrag des Prokurators an die Badedirektion (StaA Nmb. Nr. 360)

Die Besitzerin der Freytag`schen Badeanstalt hatte bei ihm die Einleitung des Abwassers in den Abzugsgraben an der Kukulauer Straße beantragt, wurde aber an die Badedirektion verwiesen..

 

  1. Aug. Erster Einsatz eines Dampfpflugs auf dem Fischfeld (NKB)

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Werner`schen Besitzes (NKB)

Dazu gehörten das Stadtgut (Borlachstr. 2) samt Ackerland am Jochenberg, sowie sein Wohnhaus Rudelsburgpromenade I-91 (Nr. 17), das die Holzhändler Friedrich Hermann Döhler und Hermann Graf erwarben. Im Oktober 1880 wurden die restlichen  Baumaterialien versteigert.

 

  1. Sep. Wahl der Wahlmänner zum Abgeordnetenhaus (NKB).

Pastor emerit. Wahn, sein Sohn Dr. med. Wahn, Zimmermeister Töpfer, Hotelier Kurzhals, Postmeister Müller, Kaufmann Siebold, Rektor Zeiger und Kaufmann Apitzsch gehörten zum  liberalen Flügel.

 

  1. Sep. Hauptmann Paul von Hindenburg heiratet in Stettin Gertrud v. Sperling.

Gertrud war die Tochter des Generals Oskar v. Sperling (1824-1872), der 1871 in der Saalstraße (Nr. 29) ein Landhaus (Nr. 29) erworben hatte, wo auch die Verlobung stattfand und der spätere Generalfeldmarschall und Reichskanzler in den ersten Jahren öfters weilte. Seine Schwägerin Hedwig von Sperling war mit dem späteren Generalleutnant Georg v. Manstein verheiratet. Weil die Ehe kinderlos blieb, adoptierten sie den 10. Sohn aus der Ehe des befreundeten Generals Eduard von Lewinski, Fritz Erich von Lewinski. Der nannte sich nach seinen Adoptiveltern v. Manstein und stieg im 2. Weltkrieg zum Generalfeldmarschall auf. Die Sperlings und sein Eltern wurden im Familiengrab auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Auch Hindenburg selber hatte sich hier seine letzte Ruhestätte reserviert.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Stabsarzt a. D. Dr. Knorr (NKB)

„...habe ich in der früher Dr. Groddeckschen jetzt mir gehörigen Badeanstalt ein Sanatorium für Epileptische-, Nerven- und Frauenkrankheiten eröffnet (.) Die Badeanstalt ist auch für den Winter geöffnet...“.

Allerdings wohnte Dr. Groddeck beim Maurermeister Transchel in der Burgstraße I-111 (Nr. 10) und verließ 1880 den Ort. 

 

  1. Nov. Dienstantritt des Polizeisergeanten Amelang (MER C 48 Ih, Nr.921)

Der Nachfolger von Fürstenhaupt bekam 600 Mark Jahresgehalt, bei freier Wohnung und Feuerung, sowie garantierte Nebeneinkünfte von 200 Mark.

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Buchbinders Wolff (NKB)

„Hierdurch zeige ich ergebenst an, daß ich mein Verkaufsgeschäft von Papier, Galanteriewaren sowie sämtlichen Schulsachen in die Verkaufshalle an der Schule verlegt habe...“

 

  1. Dez. Die Stadt erwirbt das Gelände des Schulhofs (BLK-A. Nr. 875)

Der lag vor dem alten Friedhof, zwischen der „Börse“ und dem  Groetz`schen Saal, wo auch seit 1862 das Spritzenhaus mit dem von der Saline übernommenen Löschgerät stand. Als Preis wurde 1 Mark für den Quadratmeter vereinbart und die Stadt trat in den 1863 mit dem Bäckermeister Friedrich Hermann Franz Großmann geschlossenen Pachtvertrag. Am 12. August 1880 genehmigte das Ministerium für geistlichen Unterricht- und Medizinal-Angelegenheiten den Vertrag, der am 19. Okt. vor dem Kgl. Amtsgericht zu Naumburg beglaubigt wurde.

 

1880

 

  1. Jan. Versteigerung des Nachlasses des Frl. Zirkenbachs (NKB)

Nach ihrem Tod hatte man bei der zurückgezogen lebenden Dame 140.000 Mark eingenäht in der Wäsche gefunden. Bei der Versteigerung ihrer wenigen Habseligkeiten, drängten sich die Kauflustigen, in der stillen Hoffnung, im Ersteigerten auch noch etwas zu finden.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Zeidler`schen Restauration Lindenstraße 7 (NKB).

Erwerber war A. Waldhausen, der bisherige Pächter der „Katze“, dessen Vertrag auslief und von  Dix übernommen wurde.

 

  1. Jan. Dr. Wahn kündigt den Soleliefervertrag von 1872 (MER C 48Ii Nr. 782).

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (StaA Nmb. Nr. 226, NKB).

Nach heftigen Kontroversen wurde ein Zuschlag von 10% auf die Gebäudesteuer und 10 % auf  die klassifizierte Einkommenssteuer beschlossen. Über die sachgerechte Verwendung zur Hebung des Badeverkehrs wurde eine Kommission (Bürgermeister Richter,  Oberförster Leuschner, San.-Rat Dr. Rosenberger, P. Krüger, Gastwirt Haasenritter) berufen.

 

  1. Feb. Eisgang auf der Saale (NKB)

„Die Eisdecke auf der oberen Saale passierte in der vergangenen Nacht mit donnergleichen Getöse unsere Brücke, nachdem das Eis vor dieser zwischen der Roßnerschen Mühle und dem Heckenbergschen Haus einen „Schutz“ gebildet hat“ 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung im Saal des „Kurgartens“ (NKB)

Zum Verkauf kam Mobiliar, wobei die Art und Menge darauf schließen lässt, dass es sich um das von Kormann im Kurgarten zurückgelassene Inventar handelte. 

 

  1. Mär. Meldung vom Verein gegen das Bettelunwesen (NKB)

„In den letzten drei Monaten erhielten 1200 Personen eine Unterstützung (10 Pfg.) dennoch wurde die Bettelei nicht unterbunden...“

 

  1. Mär. Unwetter (NKB)

„...brachte uns die 7. Morgenstunde ein derartiges Unwetter, daß selbst ein nicht allzu ängstliches Gemüt an die Katastrophe des Jahres 1875 dachte.“

 

  1. Mär. Beginn des Kalksteinabbaus an der Ilske, unterhalb Fränkenau (KöZ 1925).

Paul Kersten (geb. 1848 in Dürrenberg) war Prokurist in dem 1876 in Dürrenberg von seinen beiden älteren Brüdern gegründeten Kalkwerk. Hier wurde Kalkstein aus Freyburg verarbeitet, der mit  Lastkähnen herangeschafft wurde. Weil es dabei zu viel Unwägbarkeiten gab, wurde P. Kersten beauftragt, weitere Lagerstätten zu erwerben, die möglichst nahe an der Eisenbahn lagen. Am 17. Februar schloss Kersten mit der Landesschule einen Vertrag zur Ausbeutung der ehemaligen Klostersteinbrüche bei Fränkenau. Allerdings war der Weg zur Bahn immer noch weit und die abgebauten Mengen konnten den Bedarf bei weitem nicht befriedigen. Daher kaufte Kersten den Steinbruch des Maurermeisters Werner am Äbtischen Holz und einen weiteren vom Rittergutsbesitzer von Stendorf am Himmelreich. Die Steine wurden von ortsansässigen Fuhrunternehmern (u.a. Pabst u. Bäßler) zur Bahnverladung gebracht. In den ersten drei Jahren wurden 2000 Doppelwaggons abgefertigt (s. Festschrift z. 25jährigem Betriebsjubiläum 1905).

 

  1. Mär. Leserbrief zur Badekapelle (NKB)

„In den Abonnementskonzerten bot Musikdirektor Herr Schirow trotz aller Schwierigkeiten, die sonst ein meist nicht zusammengeübtes Personal verursacht, das Beste, was alte und neue Komponisten geschrieben hatten (.) Möge sich unsere Stadt bereitfinden lassen, durch gewährte  Geldmittel diesen Künstler in die Lage zu bringen, daß er ohne pekuniäre Schwierigkeiten vorzügliche Kräfte zu einer trefflichen Badekapelle für die Saison bringen kann.“

 

  Umbau und Erweiterung  des Gasthofs „Mutiger Ritter“ (Heimatbuch 1930)

Nach Abbruch des alten Saals und dem Bau des Logierhauses ließ Weber die Ställe und Schuppen an der Ostseite abreißen. Im Erdgeschoss des Neubaus wurden Gesellschafträume, im Ober-und Dachgeschoß Gästezimmer eingerichtet. Auch der ursprüngliche Gasthof wurde aufgestockt. Der Verbinder zum Ostflügel hatte ein geräumiges Foyer mit Kamin und einen attraktiven Treppenaufgang. Durch die Gestängerösche wo sich nun ein Treppenaufgang befand gab es noch keine direkte Verbindung zum Logierhaus. Der „Mutiger Ritter“ war nun erstes Haus am Platz, auch wenn ein geräumiger Saal fehlte.

 

  1. Mär. Soleliefervertrag mit der Knorr`schen Badeanstalt (MER C 48Ii Nr.782/1).

Die Pauschale betrug 900 Mark und musste von der Kgl. Regierung genehmigt werden. Dabei teilte Bürgermeister Richter der Behörde mit, dass die Betreiberin im abgelaufenen Jahr keine Zahlung geleistet habe, weshalb die Kgl. Regierung die sofortige Kündigung des Solelieferungsvertrages anordnete. Um die Anstalt während der Saison offenzuhalten, unterlief der Bürgermeister die Anordnung und kündigte mit Zustimmung der Mehrheit der Stadtverordneten den Vertrag erst zum Saisonende.

 

  1. Apr. Versteigerung von landwirtschaftlichen Geräten bei Hämmerling (NKB)

Wegen Aufgabe der Landwirtschaft verkauften die Hämmerling`schen Erben u. a. Kutschen, Leiter- und Kastenwagen, Droschken, Chaisen, Pflüge, Eggen, Walzen und weiteres Zubehör.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Wohnhauses An der Chaussee I-132 (NKB).

Besitzer war der Glasermeister C. A. Hamann. Noch im gleichen Jahr wurde das Anwesen, dass ein Geschäftsmann aus Weißenfels erworben hatte, erneut zwangsversteigert.

Das Haus (Eckartsbergaer Str. 8) wurde in den 1960er Jahren abgerissen, hier befindet sich heute der Schulhof.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahn`schen Badeanstalt (MER C48Ii Nr.782/1).

Wegen der bevorstehenden Saison einigte man sich auf eine Pauschale von 682 Mark für die 18 Erwachsenen- und 3 Kinderwannen. Die Kosten für die Abgabe von Bädern an Knappschafts-angehörige und Ortsarme übernahm  die Badedirektion.

 

  1. Mai Pfingsttreffen des KSCV (NKB).

Diesmal wurde der 25jährige Gründungstag begangen. Wegen der zahlreichen Teilnehmer und den zu erwartenden Ansturm der Tagesbesucher hatte die Bahn die Zahl der Eisenbahnzüge verdreifacht.

 

      Mai Broschüre „Soolbad Kösen an der Thüringer Bahn“

Verfasser war Dr. Eydam, der sich zu Beginn des Jahres hier niedergelassen hatte.  Für die Behandlung von „Scrophulose, Hautkrankheiten, Störungen des Digestionsapparates, chronischen Erkrankungen der Sexualorgane, Frauenkrankheiten, Reizungen der Luftwege und Asthma“ die Freiluftinhalation am Gradierwerk, die Sole- und Wellenbäder, den Waldenburgschen Apparat, Elektrotherapie, Massagen, zum Trinken salinische und eisenhaltige Quellen, Molke, Kräutersäfte und Traubenkuren. Nicht nur die geschützte Lage, sondern auch der Salzgehalt der Sole, der den von Nauheim, Homburg und Kreuznach übertrifft, würden zum Kurerfolg beitragen.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurden die Einschulung eines nicht im Stadtbezirk wohnenden Knaben und die Erneuerung eines Ofens in einer Schulklasse. Darüber hinaus wurde ein Schreiben an die  Handelskammer genehmigt, in dem nochmals die Verbreiterung der Saalebrücke gefordert wurde. Weitere Tagesordnungspunkte betrafen ein Schreiben der Kgl. Regierung zur Zugehörigkeit des Bahnhofs zum Stadtbezirk, die Reinigung der „Localitäten“ auf dem Schulhof, eine Erklärung zur zukünftigen Nutzung des Platzes vor dem alten Friedhof, die Wahl der Mitglieder der Kommission zur Hebung des Badeverkehrs sowie der Antrag des Rendanten Stiller zur Aushändigung seiner Bestallungsurkunde. Im vertraulichen Teil wurde der Antrag Friedrich Toepfers zum Ankauf der vor seinem Grundstück stehenden Obstbäume befürwortet sowie die vom Gastwirt Weber zu zahlende Entschädigung für die Überbauung der Loreleypromenade festgelegt.

 

  1. Mai Revision der Knorr`schen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1)

Nach einer Anzeige beim Kreisarzt Hartmann über Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen die Gewerbeordnung besichtigten der Ob.-Reg. Rat Bötticher, der Landrat Barth und Dr. Hartmann die Anstalt und stellten fest, dass es hierfür keinerlei Anzeichen gab.

Inzwischen mehrten sich die Stimmen, die an der Seriosität des Ehepaares Knorr zweifelten, nachdem Badegäste aus Dresden geäußert hatten, dass die beiden bereits mit der sächsischen Gerichtsbarkeit Bekanntschaft gemacht hatten. Daraufhin beauftragte die Kgl. Regierung den  Landrat mit einer gründlichen Recherche.

Vier Tage später schrieb der Landrat: „Über den Lebenswandel des jetzigen Dirigenten der früheren Groddeckschen Badeanstalt zu Kösen Stabsarzt a. D. Knorr“. Der stammte aus der Nähe von Posen und war von 1856 bis 1862 beim 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiment   Assistenzarzt und in den Feldzügen 1866 und 1870 Stabsarzt  bei der Landwehr.  Nach  Auskunft  der Staatsanwaltschaft wurde das Ehepaar 1875 vom Kgl. Sächsischen Bezirksgericht in Dresden zu einer fünfmonatigen Haftstrafe wegen Betrugs verurteilt.  Knorr hatte bereits Berlin wegen Schulden verlassen und war auch in Magdeburg in das Visier von Ermittlungen geraten.

Im letzten Jahr wurde Knorr auf Grund mehrerer Anzeigen wegen Wechselbetrugs verhaftet. Aber nachdem Gustav Teichgräber der Staatsanwaltschaft eine Kaution in beliebiger Höhe angeboten hatte und der Strafanstaltsdirektor a. D. von Stuckrad, der Appellationsgerichtsrat a. D. v. Leipziger und andere Einwohner ihre Anzeige zurücknahmen, wieder entlassen und das  Verfahren eingestellt. „Man sieht daraus, bis in welche Kreise die Beteiligung am „Gründungsschwindel“ gedrungen war, und wie man sich nicht scheute, eine Persönlichkeit, deren Bleiben in Kösen offenbar dem Ruf des Bades Schaden bringen mußte, in Schutz zu nehmen, um sich seiner Tätigkeit bei der Fortführung der Groddeckschen Badeanstalt zu bedienen (.) Allein der Brauereibesitzer Brückner hatte 8.000 Mark auf Wechsel akzeptiert, nachdem Knorr bereits den Offenbarungseid geleistet hatte“ schrieb der Bürgermeister.

Das Gerücht, Frau Knorr würde honorige Herren empfangen, sich recht freizügig geben und dann ihren Gatten rufen, wies er als grundlos ab. Dagegen hielt er es für denkbar, dass Knorr versucht habe, auch von Schwerkranken Wechsel zu erschleichen.  Das Amtsgericht setzte nun die Termine für die Zwangsversteigerung fest, währenddessen die Ehefrau die Badeanstalt, die ja auf ihren Namen lief, bis Saisonende weiterführte.

Abschließend  forderte der Landrat erneut, dass bei einer Neubesetzung der „Kur-Commission“ jüngere Personen  gewonnen und man auf hochgestellte  pensionierte Beamte verzichten sollte.

 

  1. Mai Beschluss der zur Anschaffung neuer Turngeräte (StaA Nmb. Nr. 148).

 

  1. Mai Bericht zur Frequenz des Bades (NKB)

Die Kommission zur Hebung des Bades (Bmst. Richter, Dr. Rosenberger, Leuschner, Krüger, Haasenritter) meldete, dass bislang 50 Familien (100 Badegäste) im Ort weilten. Im Vorjahr waren es nur 38 Familien (95), 1878 46 Familien (106) und 1877 17 Familien (60). Erfreulich war auch, dass Kösen als Tagungsort gefragt war. Angesagt hatten sich 200 Mitglieder des Gesangsvereins die „Pauliner“ sowie die Dozenten der Universitäten Jena, Leipzig und Halle. 

Nach einem Jahr Pause erschien auch wieder das Kösener Bade-Journal, diesmal herausgegeben von der Naumburger Druckerei Heyner & Co. Allerdings wurde es 1883 wegen mangelnder Nachfrage wieder eingestellt. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (StaA Nmb. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774)

Um die Erschließung der Solequelle vor 150 Jahren würdig zu begehen, wurde ein Vorbereitungs-Komitee (W. Becker, Fr. Toepfer, G. Sträuber, E. Roßner, A. Haasenritter, Postmeister Müller, Rektor Zeiger, Bürgermeister Richter und A. Krüger) gebildet und  200 Mark aus dem städtischen Haushalt bewilligt. Der Gastwirt Weber wurde von der Verpflichtung zur Unterhaltung des Weges zum Wehrdamm bei einer einmaligen Zahlung von 300 Mark entbunden.

 

  1. Juni Beginn des organisierten Massentourismus (NKB).

Bei einer von einem Leipziger Reiseveranstalter zusammen mit der Eisenbahngesellschaft organisierten Tagesfahrt brachten 3 Sonderzügen mit jeweils 40 Wagen rund 3000 Tagesgäste.

„Der nicht gerade an Raumverschwendung leidende Bahnhof ist von einem großen Wagenpark befahren und es ist nur der umsichtigen Anordnung (.) des Vorstandes und sämtlicher Beamten zu verdanken, daß die Unmasse von Menschen ohne Unfall befördert wurde.“

 

  1. Juni Straßensammlung zur Finanzierung des Brunnenfestes (StaA Nmb. Nr. 498)

Insgesamt kamen 364 Mark zusammen, zwischen 30 Mark (Mühlenbesitzer Roßner) und  10 Pfg. Nachtwächter Sträuber)

 

  1. Juni Öffentliche Versteigerung im „Kurgarten“ (NKB)

Vom Gerichtsvollzieher wurden „die in unmittelbare Nähe desselben liegenden, früher Groddeck und v. Zedtwitzschen Feld- und Waldgrundstücke in schönster Lage“ versteigert.

Erwerber war der Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckrad, wie aus dem Bericht über den Sängertag hervorgeht.

 

  1. Juli 150 Jahrfeier der Erschließung der Solequelle (StaA Nmb. Nr. 498)

Am Sonntag früh spielte die Badekapelle am Gradierwerk Choralmusik, 14 Uhr begann der Umzug vom Markt zum Borlachschacht, hier fand der Festgottesdienst statt. Vor dem Kinderfest wurden die Brezeln verteilt. 20 Uhr wurde die Promenade illuminiert und an der Solekaskade bengalisches Feuer entzündet. Mit einem Feuerwerk und anschließenden Ball in einigen Gastwirtschaften endete der Tag. Am Montag  wurde 6 Uhr geweckt, für die Kinder gab es freies Karussellfahren, am Nachmittag das Fest für die Kurkinder, am Abend einen Lampionumzug und anschließend wieder Tanzveranstaltungen für die Erwachsenen.   

 

  1. Aug. 28. Gesangsfest des Sängerbundes an der Saale (NKB)

1200 Teilnehmer aus 20 Vereinen hatten sich angemeldet, Übernachtungen wurden für 1 Mark angeboten. „Dass tausende Zuhörer, die nicht Platz im „Kurgarten“ fanden schließlich am Nicolausberg  und  im Garten des Herrn v. Stuckradt sich des Genusses teilhaftig zu machen suchten, wer kann es ihnen verargen...“

 

  1. Aug. Abfischen des Schwanenteichs (NKB)

Hotelier Kurzhals meldete ein Schock Forellen, doch drei mitgefangene Hechte sowie die Fischotter hatten den Bestand erheblich dezimiert. Daher wurde im November ein Spezialist  für die Jagd auf Fischotter geholt, der bereits in der Ilm 15 Tier gefangen hatte.

 

  1. Aug. Auswertung des Brunnenfestes im Hotel Kurzhals (StaA Nmb. Nr. 498)

Das Geld hatte gereicht, zumal neben den Einwohnern und Badegästen auch ein Extrazug mit 30 Wagen einige hundert auswärtige Besucher brachte. Gut angenommen wurde auch der Festplatz, im Kurpark vor dem Hotel Kurzhals. Zukünftig sollte das Fest am gleichen Ort bei gleichen Ablauf stattfinden. Die Laternen und Lichtkaskaden wurden dem Magistrat zur Aufbewahrung übergeben, mit der Auflage, diese nicht für private Veranstaltungen zu verleihen. Der Nachtwächter Sträuber erhielt  3 Mark Extrazuwendung für den Nachtdienst während des Festes.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Festsetzung der Grenzen zwischen Stadt- und Gutsbezirk, ein an die Eisenbahnverwaltung zu richtendes Schreiben zur Abstellung verschiedener Übel und die Kostenübernahme zur Anfertigung der revidierten Gebäudesteuerrolle. Dann wurde über die  Einrichtung einer städtischen Sparkasse beraten.

 

  1. Aug. Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Unter Bezugnahme auf meine Annonce vom Jahr 1878 werde ich jede unbefugte Benutzung des Mühlenweges gesetzlich bestrafen lassen.“ 

 

  1. Aug. Zwangsversteigerung der Knorrschen Badeanstalt (NKB).

„Das der Ehefrau des  Dr. med. H. E. Knorr. Louise Wilhelmine Auguste, geb. Weickardt gehörende Grundstück, An der Eckartsbergaer Chaussee 7 II gelegene Wohnhaus mit 13 ar Hausgarten, Badehaus mit Kessel- und Maschinenhaus, Kohleschuppen und Brunnenanstalt..“ Der Termin wurde aufgehoben.

 

  1. Sep. Sedanfeier (NKB)

Am Vorabend spielten die Badekapelle und das Trommlerkorps der Bürgerschule den Zapfenstreich. Auf den umliegenden Höhen wurden Freudenfeuer entzündet, Rektor Zeiger hielt die Festrede und die Badedirektion veranstaltete ein kostenloses Konzert. Am Abend waren Gradierwerk, Solekaskade und die Davison Halle festlich illuminiert.

 

  1. Sep. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Eingemeindung eines Bauplatzes am Jackenberg, für ein städtisches  Schlachthaus. Bewilligt wurden die Mittel für die Reparatur des Kanals in der  Borlachstraße und die Einrichtung einer Bürgerwache vorgeschlagen.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Unter den  Badegästen waren die Generalin v. Sperling-Hamburg, der Kammermusiker Tuszek-Berlin, Fr. v. Stuckradt u. Frl. Amalie v. Maltzahn-Frankfurt/O., Verlagsbuchhändler Dr. phil. Engelmann-Leipzig, Geh. Reg.-Rat Prof. Feldt-Leipzig, Kpt.-Ltn. v. Sperling-Kiel, Baron v. Vietinghoff-Breslau, Fr. General Exz. v. Schimmelmann-Potsdam, Ob.-Ltn. Kreyer-Berlin, Ob.-Ltn. v. Hirschfeld-Breslau, Opernsängerin Rosa Müller-Amsterdam, Fr. General v. Poyda-Weimar, Fr. v. Gregorovius geb. Baronin v. Heyking-Braunsberg, Dr. Latimer-Süd-Carolina, Freherr v. Lindenau-Breslau , Prof. Cabanis-Berlin, Prof. Dr. Baur-Leipzig, Prof. Hag-Leipzig, Prediger J. Wichern-Hamburg. Insgesamt waren es 1773 Badegäste, besonders erwähnt wurde` die seit 30 Jahren fast ununterbrochen zur Kur kommende Baronin von Borcke.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des v. Zedwitz`schen Wohnhauses (NKB).

Zedtwitz war inzwischen verstorben, daher wurde das seinen Erben gehörende Anwesen Saalstr. 64 II (Saalstr. 28) bestehend aus Wohnhaus, Anbau, Holzung und dem „Schackwitzschen Garten“ aufgeboten. Der Name des Gartens geht auf einen im 18. Jahrhundert hier ansässigen Floßmeister zurück, dessen Sohn Johann Ehrenfried Zschackwitz (1669 in Kösen -1744 in Halle), zuletzt ordentlicher Professor für Reichsgeschichte und Recht in Halle und ein namhafter Heraldiker war.

Neuer Besitzer war der örtliche Vorschussverein e. G, der am 13. Oktober inserierte „Die früher v. Zedtwitzsche Villa ist von jetzt ab im ganzen oder geteilt zu vermieten.“ Offen bleibt ob der Verein Gläubiger war oder die Villa bei der Versteigerung erwarb. Letztlich kam die Villa in den Besitz der Familie v. Manstein. Die Ehefrau war eine Tochter des Generals v. Sperling, dem die daneben stehende Villa gehörte.

 

  1. Sep. Mitteilung über den Holzmarkt und den Umschlag des Floßholzes (NKB).

„Nachdem man sich in den beteiligten Kreisen geeinigt hat, die Holzmesse definitiv in Kösen zu belassen, ist man jetzt damit beschäftigt, einen Strang der Thüringer Bahn direkt an das Saaleufer zu führen. Derselbe wird den Weg zur „Katze“ durchschneiden und unmittelbar hinter dem Gebr. Gräfeschen Grundstück bei einem noch auszuwerfenden Hafen endigen, wo durch einen mächtigen Kran die Bergung ganzer Floßgelenke mit einem Male geschehen kann...“

Dieses Gleis kam nicht zur Ausführung, stattdessen wurde ein Kanal bis an die Bahn gebaut.

 

  1. Sep. Kösener Kirchliche Konferenz (NKB)

Zu der seit einigen Jahren regelmäßig abgehaltenen Konferenz kamen 60 Teilnehmer. Pfarrer Barthold sagte in seiner Begrüßungsrede, dass der hiesige Kirchenbaufond dank zahlreicher und namhafter Spenden inzwischen 50.000 Mark beträgt, dass man aber für einen Kirchenbau mindestens weitere 25.000 Mark braucht.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurden die Zahlungsmodalitäten für den Ankauf des Platzes vor dem alten Friedhof und der Statutenentwurf der Wilhelm- und Augusta Stiftung. Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen zur Verlegung des Fahrweges nach Lengefeld vom Jochenberg neben die Promenade zur „Katze“.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Hauses Querstraße 40 II (Schmettaustr. 4) (NKB)

Besitzer war der Büchsenmachermeister Kotte. Wenig später wurde auch das Wohnhaus  Querstraße 39 II (Schmettaustr. 1) zwangsversteigert.

 

  1. Nov. Todestag von Emilie Charlotte von Lewitzka, Jg. 1823 (Ev. Sterbereg.).

Die aus evangelischen schlesischen Adel stammende Jungfrau, Stiftsdame in Zehdenick, verstarb hier während eines Kuraufenthaltes.

 

  1. Nov. Submission zur Verbreiterung der Brücke (NKB)

Geplant war eine außen in die Brücke eingelassene Eisenkonstruktion von rund 70 Metern Länge  und einem Gewicht von 950 kg, bestehend aus 53 Säulen, 1 m lang und 33 mm im Quadrat, die 12 cm tief in die Brücke eingelassen und vergossen wurden. Für das Geländer wurden ca. 70 Meter  Rundeisen die auf die Säulen aufgebohrt und vernietet sowie Mitteriegel von 16 mm Durchmesser die durch die Säulen zu stoßen und zu vernieten waren ausgeschrieben. 18 eiserne Streben a 60 cm lang oben mittel Bohrungen festgeschraubt unten einzeln einzulochen und zu vergießen waren sollten die Konstruktion abstützen. Für eine derart leichte Konstruktion kam dann nur ein Bohlenbelag als Fußweg in Frage.

 

  1. Nov. Verpachtung des Hämmerling`schen Weinbergs (NKB)

Die Landeschule suchte für die nächsten 5 Jahre einen neuen Pächter für den Berg bei der Ziegelscheune.

 

  1. Nov. Dr. Wahn wird zum Sanitätsrat ernannt (NKB).

Sein Vater Pastor emer. wohnte in der Saalstraße 56 II (Nr. 20)

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB)

Die Stadt hatte 2.130 Einwohner, 100 mehr als im Vorjahr.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen für die Weihnachtseinkäufe (NKB)
  2. Hämmerling warb für seine obligatorische Kuchenausstellung, Robert Törpsch für Winterbekleidung, C. H. Zedel für Hüte und Pelzwaren, der Sattlermeister Sträuber für Koffer und Taschen, Kaufmann Siebold für Wein, Sekt und Spirituosen, F. C. Schleicher in der Borlachstraße (Nr. 21) für Kolonialwaren, Fr. Wolff für seine „Patent-Wäscherolle“ in der kleinen Promenade 73 I (Gerstenbergkprom. 7) und der Zimmermeister Struve für die von ihm erfundene Essenkopfplatte.

 

  1. Dez. Schreiben zur Knorr`schen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1).

Weil der Anweisung der Behörde, den Soleliefervertrag mit der Knorr`schen Badeanstalt vor Saisonbeginn zu kündigen, nicht nachgekommen und dies erst zum Saisonende veranlasst wurde, verlangte die Kgl. Regierung vom Badedirektorium eine Stellungnahme. Bürgermeister Richter erklärte zu seiner Rechtfertigung, dass die Kgl. Regierung die Kündigung ohne Angabe von Gründen angeordnet habe und er sich nicht von den Gerüchten leiten ließ, die über das Ehepaar im Umlauf waren. Die Kündigung zum Saisonende sei erfolgt, da er als Badedirektor nicht nur die Anweisungen seiner vorgesetzten Dienststelle zu erfüllen habe, sondern im Interesse des Bades handeln müsse. Die Einstellung der Solelieferung für die attraktivste und modernste Badeanstalt während der Saison,  hätte nur dazu geführt, dass etliche Gäste abgereist wären.

Den Vorwurf, dass er dem Drängen der Louise Knorr und anderer Einwohner nachgegeben hätte, wies er ab. Zwar habe der Vorstand des Hauptgläubigers des in „vollständigen Vermögensverfall geratenen“ Dr. Knorr, der Landwirtschaftliche Kreditverein Wetzdorf, der ein Hypothekendarlehen von 75.000 Mark ausgereicht hatte, der Gutsbesitzer Zweigler zu Mertendorf (bei Wetzdorf) vorgeschlagen, dass man die Frau Knorr entfernen und einer anderen Person die Anstalt übertragen würde, wenn ein neuer Soleliefervertrag zustande käme. Noch während dieser Anfrage habe er erfahren, dass die Großherzogliche Staatsanwaltschaft in Weimar gegen den Verein wegen dubioser Geldgeschäfte ermittelt (Am 10. August 1881 wurde das  Konkursverfahren eröffnet)

Dagegen habe ein zweiter Gläubiger auf die Zwangsversteigerung bestanden. Dabei handelte es sich um die Gattin des Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckradt, die Tochter des Kaufmanns Marchand, die das von ihrem Vater ausgereichte Hypothekendarlehen von 45.000 Mark geerbt hatte. v. Stuckradt hatte bereits den Groddeckschen Garten ersteigert und Richter äußerte die Hoffnung, dass dieser auch die Badeanstalt erwirbt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Wegen des zunehmenden Diebesunwesens wurde die Verstärkung der Nachtwachen beschlossen.

 

1881      

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Wie üblich wurden bei der ersten Sitzung des Jahres die (wieder)-gewählten Stadtverordneten eingeführt und die Kommissionen und Deputationen besetzt.  Beschlossen wurde eine Petition an das Haus der Abgeordneten, um das Projekt zur Verbreiterung der Saalebrücke zu beschleunigen.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782 Bd. 1)

Der Widerspruch der Frau Knorr gegen der Kündigung des Soleliefervertrages wurde  abgewiesen.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des „Kurgartens“ (NKB).

Erwerber war der ehemalige Besitzer Rentier Gustav Teichgräber, der auch das drei Tage später den größten Teil des vom Gerichtsvollzieher versteigerten Inventar übernahm, u. a. 200 Tafeln und Tische, 1200 Stühle, 48 Paar Rollschuhe, 1000 Teller, 350 Bierseidel, 400 Weingläser und eine vollständige Gasbeleuchtungsanlage mit Bassin, Gasometer und 12 Kandelabern.

So ausgestattet, eröffnete Teichgräber den Kurgarten wieder zur Saison bis zur Winterpause ab Oktober.

 

  1. Mär. Gründung der örtlichen Gesamt-Innung der Gewerbetreibenden (NKB)

 

  1. Mär. Beschluss des Vorstandes der Floßkommune an der oberen Saale (NKB)

Der Holzhändlerverein an der unteren Saale und die Floßkommune der oberen Saale hatten sich dahingehend verständigt, dass die große Holzmesse von diesem Jahr an, wie früher zu Palmarum in Kösen abgehalten wird. Maßgeblich beteiligt am Zustandekommen waren die hiesigen Holzhändler Gebr. Krüger, Graf & Döhler, Töpfer und Gebr. Gräfe auf deren Wiesen am Saaleufer oberhalb des Wehrdammes das Holz verkauft wurde.

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung des Barbiers und Heilgehilfen Emil Haacke (NTB)

Der hatte sich beim Sattlermeister Scheufler Lindenstr I-14 (Nr. 16) eingemietet, später verlegte er sein Geschäft in die Lindenstr. 8. Auch eine neue Fleischerei (Brendel) eröffnete in der Neuen Straße.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Rosenberger`schen Anstalt (MER C48i Nr.782/1).

Die Jahrespauschale für  die 8 Wannen betrug 360 Mark.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774).

Informiert wurde über den Protest der Thüringer Eisenbahnverwaltung über die Veranlagung des Bahnhofs zur Kommunalsteuer, beschlossen wurde die Regulierung und die Pflasterung der Gosse in der Lindenstraße.

 

  1. Apr. Konzert der Leipziger Couplet Sänger zum Holzmarkt in der „Katze“ (NKB)

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

Ball bzw. Konzert veranstalteten Andrä (Kaiser Wilhelmsburg), Schumann (Saalhäuser), Schleicher (Rektorberg) C. Waldhausen (Rudelsburg), Dix (Katze), Groetzsch, A. Waldhausen (Lindenstr. 7), Weber (Mutiger Ritter) und Viehweg (Erholung9 und Gustav Teichgräber kündigte die Wiedereröffnung des Kuchengartensgartens für den 15. Mai an.   

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung der Knorr`schen Badeanstalt (NKB).

Zur Versteigerung kamen die der Ehefrau Louise Wilhelmine Auguste Knorr gehörenden Grundstücke An der Eckartsbergaer Chaussee II-7, Wohnhaus mit Badehaus  und Kesselhaus und das Grundstück 8 II Wohnhaus samt Zubehör. 

Wegen der ungeklärten Rechtsverhältnisse im Zusammenhang mit dem Konkurs des Wetzdorfer Kreditvereins wurde der Termin erneut verschoben. 

 

  1. Mai Nachlassversteigerung Neue Str. 25 (Ebert-Str. 17) Frl. v. Puttkammer (NKB)

Dazu gehörten chinesischen und andere hochwertige Möbel, gutes Porzellan und Gläser.

 

  1. Mai Eröffnung der Badeanstalt „Villa Freytag“ (NKB)

Auch Dr. Wahn öffnete seine Anstalt und bat um rechtzeitige Voranmeldung von den Gästen, die nicht bei ihm logierten. 

 

  1. Mai Eröffnung von Tills Kolonialwarengeschäft, Burgstr. I-118 (Nr. 4) (NKB)

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Höroldschen Hauses Burgstr. I-116 (Nr. 9) (NKB).

 

  1. Mai Appell des Bürgermeisters an den Stadtverordnetenvorsteher (St.-A. Nr. 348)

Weil die erhoffte Besucherzahl bei den Abonnementskonzerten nicht erreicht wurde, konnten die Musiker nicht mehr bezahlt werden. Um die Kapelle aufrecht zu halten erging „die ernste Mahnung nicht nur an jeden einzelnen Bürger sondern auch an die maßgebenden Persönlichkeiten, opferwillig für die Förderung und Hebung der Badeangelegenheiten einzutreten...“ 

 

  1. Juni Pfingstfeiertage (NKB).

Mit Konzerten und Bällen warben G. Teichgräber (Kuchengarten), Schleicher (Rektorberg), Schumann (Saalhäuser) und  Andrä (Wilhelmsburg). C. Waldhausen brauchte nicht zu werben, denn der KSCV hatte die Rudelsburg  in Beschlag genommen.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Ortspolizeibehörde (NKB).

„Der Kaufmann Friedrich Uthpadel beabsichtigt in der Querstraße II-33 (Schmettaustr. 8), bislang dem Musikus Saalborn gehörig ein Schlachthaus anzulegen“.

 

  1. Juni Jahrestreffen der Dozenten von Jena, Halle und Leipzig (NKB)

 

  1. Juli Danksagung der Familie Röblitz zum Tod ihrer Tochter (NKB)

„Dank dem Herrn Stabsarzt a. D. Dr. Knorr für seine rastlosen Bemühungen am Krankenbett“. Demnach wohnte das Ehepaar Knorr weiterhin in der Stadt und Knorr betätigte sich auch als Arzt,  erst im Februar 1883 stand die Wohnung der Frau Dr. Knorr in der Borlachstraße (Nr. 50 oder 51) zur Neuvermietung an.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (StaA Nmb. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774).

Im vertraulichen Teil wurde Bürgermeister Richter beauftragt, bei v. Stuckrad anzufragen, ob und zu welchen Preis er den Garten der Stadt verkaufen würde.

 

  1. Juli. Bau einer Brauchwasserleitung nach Fränkenau (NKB).

Bislang wurde das Brauchwasser von der Saale mit dem Fuhrwerk angefahren. Nach dem Großbrand, der wegen fehlenden Wassers erheblichen Schaden anrichtete, entschloss sich die Schulverwaltung, eine Wasserleitung von der Saale auf die Höhe  zu verlegen. Dauui wurde in der Saalstraße ein mit Ochsen betriebener Göpel zum Betrieb der Druck-Pumpen eingerichtet. Die förderten das Wasser über eine 3 km lange Leitung und einem Höhenunterschied von rd. 100 Metern in einen außerhalb der Domäne am höchsten Geländepunkt befindlichen  Sammelbehälter.

 

  1. Aug. Bericht zu den Schulverhältnissen (NKB).

Die Stadtverordneten hatten der Gründung einer Gewerbeschule zugestimmt. Deren Besuch war für alle in einem Lehrverhältnis im Handwerk oder Gewerbe stehenden Jugendlichen Pflicht. Neben dem Magistrat beteiligten sich die Lehrmeister per Umlage an den Kosten. Der Fiskus bewilligte einen Zuschuss von 150 Mark jährlich.

Weil in der städtischen Schule 248 Kinder in drei Klassen von drei Lehrern unterrichtet wurden, hatte die Behörde die Einrichtung einer vierten Klasse und die Einstellung eines vierten Lehrers gefordert. Das jedoch lehnte die Stadtverordneten als unnötig ab, dafür sollte die dritte Klasse geteilt und jeweils am Vor- und Nachmittag vom vorhandenen Personal unterrichtet werden.

 

  1. Aug. Tödlicher Unfall in der Dampfziegelei (NKB)

Ein dort arbeitender Einwohner war in das Räderwerk der Maschine gekommen, er hinterließ Frau und vier unmündige Kinder.

 

      Sep. Letzte Badeliste (NKB)

Unter den Badegästen waren die Baronin v. Grotthyß und Baronesse v. Buttlar-Dresden, Ob.-Ltn. v. Wißmann-Wiesbaden, Freifrau v. Bussche-Ippenburg, Dr. phil Oscar v. Gebhardt-Göttingen, Mrs. Walter-Boston, Gräfin Dohna, Gen.-Ltn. v. Röhl-Berlin, Frl. Aimeè, Percy und Estelle du Bois-Reymond-Potsdam, Fr. v. Stuckradt, Gräfin v. Finckenstein-Potsdam, Baronin v. Kahlden-Altmark, Baron v. Pflug-Dortmund, Landschaftsmaler C. Seiffert,-Berlin, Prof. v. d. Goltz-Königsberg, Baron v. Heyking.Danzig, Fr. Rothacker-New York, Hofrat Dr. Richter-Saalfeld, Prof. Ulrici-Halle, O.-Landes Gerichtsrat Pietsch-Dresden, Fr. Dr. Schultze-Delitzsch-Potsdam, Baronin Maltitz-Weimar, Prof. Donders-Utrecht, Prof. Dr. E. Rubo-Berlin, Prof. Dr. Aug. Fr. Schultze-Straßburg, Rittmeister Freiherr v. Schlechting-Schlesien, General Graf Bothmer- München insgesamt 1846 Gäste.

 

  1. Sep. Bekanntmachung des Amtsgerichts (NKB)

Im Handelsregister wurde die Firma Berthold Koch gelöscht, stattdessen die Firma Berthold Koch Nachfolger eingetragen. Inhaberin war seine Ehefrau, die kurz danach ein „Colonialwaren und Delikatessengeschaft“ eröffnete.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Chausse I-131 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Okt. 50jähriges Berufsjubiläum des Apothekers Manasse Gause (NKB).

Gause, der 1845 die Konzession erhielt, bekam das Ehrendiplom des Pharmazeutischen Vereins.

 

  1. Okt. Beschluss der oberländischen Floßkommune zu Kahla (NKB).

Mit 72 gegen 57 Stimmen wurde beschlossen, ab dem kommenden Jahr die Kösener Holzmesse nicht mehr zu belegen, sondern die Messe in Camburg abzuhalten. Grund war die Verweigerung der erforderlichen Anbindeplätze bzw. zu hohe Gebühren seitens der Landesschule.

 

  1. Okt. Wahlversammlung der National-Liberalen Vereinigung (NKB).

Vor 60 Zuhörern stellte Graf Fleming das Parteiprogramm zur Reichstagswahl vor.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Beschlossen wurden die Anschaffung von Feuerlöschgerätschaften und die Einrichtung der städtischen Sparkasse zum 01. 01. 1884. Informiert wurde über ein Angebot der Firma Siemens und Halske, die untere Wasserkunst zur Stromerzeugung herzurichten, um die Straßenbeleuchtung zu betreiben.

 

1882

 

  1. Jan. Ausschreibung der Verpachtung der Pfortenser Steinbrüche (NKB).

Dies betraf die an die Lengefelder Flur grenzenden Steinbrüche am Äbtischen Holz.

 

  1. Jan. Konkursversteigerung (NKB)

An zwei Tagen hintereinander versteigerte der Gerichtsvollzieher im Gasthof „Tanne“ zahlreiches „elegantes Möblement“. Bereits im Dezember hatte er Unmengen an Geschirr, Kleinmöbeln, Gardinen u.a.m. im „Grötzschen“ Saal versteigert. Die stammten aus der Knorr`schen Badeanstalt und waren mit dem Darlehen des Wetzdorfer Kreditvereins angeschafft worden. Da über diesen nun ebenfalls der Konkurs eröffnet wurde, hatte deren  Konkursverwalter zunächst Forderungen gegenüber den Schuldner des Kreditvereins geltend gemacht und weil kein Bargeld vorhanden war, den Gerichtsbeschluss erwirkt, dass er sämtliches Inventar als Masse des Kreditvereins versteigern konnte.

 

  1. Jan. Ernst Roßner jun. wird Mitgesellschafter der väterlichen Mühle (NKB).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, StaA Nmb. Nr. 2 u. 550).

Nach der Neubesetzung der Stadtverordnetenämter (Schriftführer Dr. Raabe, Vertreter Postmeister Müller) und der Wahl des Zimmermeister Fr. Toepfer als Nachfolger des altershalber ausgeschiedenen Apotheker Gause wurden 85% Zuschlag zur klassifizierten Einkommenssteuer und 10% zur Gebäudesteuer zur Verbesserung der Infrastruktur beschlossen.

Weiterhin verpflichtete sich die Stadt gegenüber der Landesschule zum Unterhalt der Promenade vom Bahnhof zur „Katze“. Im vertraulichen Teil schlug v. Stuckrad vor, eine Aktiengesellschaft zur Hebung des Bades zu gründen und die fiskalischen Kuranlagen (Wellenbäder, Kurpark, Soleförderungs- und Gradieranlagen) als Sachkapital einzubringen.

Wegen der Brücke wurde eine Petition an das Abgeordnetenhaus verabschiedet, denn die „hat sich schon seit einer Reihe von Jahren dem wachsenden Verkehr wegen ihrer kaum 14-15 Fuß betragenden Breite für die Passage der Fußgänger als gefahrbringend erwiesen. Zwei auf derselben sich begegnenden Wirtschaftswagen können sich nicht ausweichen. Aber auch wenn nur ein Wagen die Brücke passiert, sind die Fußgänger, welche ausschließlich auf die Benützung der fast immer entweder staubigen oder rutschigen, nach beiden Seiten schräg angepflasterten Fahrbahn angewiesen sind, auf das äußerste gefährdet, wenn es ihnen nicht gelingt in den wenigen auf den Brückenpfeilern hergestellten Seitennischen notdürftigen Schutz zu finden. Diese Gefahr wird wesentlich vermehrt 1.) Durch die in unmittelbarer Nähe der Brücke stündlich vorüber brausenden Dampfzüge, welche nur zu oft ein Scheuwerden der Pferde veranlassen, 2.) Durch vermehrte Zufuhr landwirtschaftlicher  und gewerblicher Erzeugnisse nach und von dem Bahnhofe, weshalb nicht selten lange Reihen von Gespannen den Brückenraum einnehmen und für den Fußgänger jede Möglichkeit  ausschließen, die Brücke zu passieren, 3.) Durch den von Jahr zu Jahr wachsenden Fußgängerverkehr (Touristen, Kurgäste, vorzugsweise Kinder, Kirchgänger, Leichenzüge usw.). Die hierdurch in früheren Zeiten herbeigeführten Unglücksfälle haben wir bei unsern an die Kgl. Reg. gerichteten Gesuchen um Verbreiterung der Brücke zur Sprache gebracht und ist von dort aus, nach vorgängiger Untersuchung der Übelstände die Notwendigkeit des Erweiterungsbaues wiederholt anerkannt und die Ausführung desselben in den beiden hier in beglaubigter Abschrift beigefügten Reskripten und zwar durch das Ministerial-Reskript v. 17. August 1875 und die Benachrichtigung der Kgl. Regierung v. 1878 in Aussicht gestellt worden...“

Anfang Februar teilte die Kgl. Regierung mit „Das Haus der Abgeordneten ist in seiner Plenarsitzung am 7. Februar dem Beschluß der Budgetkommission beigetreten, die vom Magistrat eingebrachte Petition vom 8. Januar 1878 zur weiteren Erörterung im Plenum für nicht geeignet zu erachten; weil von den Vertretern der Kgl. Staatsregierung die Erklärung abgegeben, daß das Bedürfnis der Erweiterung der Saalebrücke in Kösen anerkannt wurde, die Ausführung für das Etatsjahr 1881/82 aber mit Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage habe ausgesetzt werden müssen, daß jedoch seitens des Arbeitsministeriums die Aufnahme einer entspr. Position in den Etat für das Jahr 182/83 von Neuen beantragt wurde...“ Im März bewilligte das Abgeordnetenhaus die Mittel für die Verbreoterung der „fiskalischen Saalebrücke“.

 

  1. Jan. Fischessen zum 10jährigen Bestehen der Kurzhals`schen Fischzucht (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde das Defizit der Badekasse, wie bisher aus der Stadtkasse auszugleichen.

 

  1. Jan. Öffentliche Fahndung nach dem Buchbinder K. Luckenbacher (NKB)

Der hatte sich dem Militärdienst durch unerlaubte Auswanderung entzogen und wurde in Abwesenheit zu 30 Mark Strafe, ersatzweise 6 Tagen Haft verurteilt.

 

  1. Feb. Eröffnung einer Torf- und Kohlenhandlung am Bahnhof (NKB)

 

  1. Feb. Veränderung in der Holzhändlerfirma Gebr. Gräfe (NKB)

Nach dem Tod  des Holzhändlers J. Fr. Gräfe wurde seine Witwe Wilhelmine Therese geb. Sänger als Inhaberin eingetragen, eine Tochter des Mitinhabers der Holzfirma Hertel & Sänger. Die Prokura erhielt Franz Alfred Gräfe. Die Firma bzw. die Familie war in Lengefeld ansässig, besaß aber in der Kösener Flur einen Holzplatz sowie ein Wohnhaus (Rudelsburgpromenade 18) samt Flußbadeanstalt.

 

  1. Feb. Konkursverkauf des Kredit- und Sparvereins Wetzdorf (NKB)

Dem Hauptgläubiger des ehemaligen Badehausbesitzers Knorr gehörten zwei Baustellen am Kurgarten mit dazugehörenden Weinberg sowie die Burgstr. I-106 und I-110 (heute Nr. 14 u. 16). 

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Dix der Wirt von der  „Katze“ hatte die Couplet-Sängergesellschaft aus Leipzig engagiert. Trotz der gleichzeitig stattfindenden Messe in Camburg kamen doch zahlreiche Flößer und Holzhändler.

 

  1. Apr. K. Luft übernimmt die „Erholung“ Eckartsbergaer Str. 12 (NKB).

Bruno hatte seinen Flaschenbierhandel sowie das 1878 gegründete Vermittlungsbüro im Haus des Schlossermeisters Hädicke am Schulplatz I-10 a (Lindenstr. 12) eingerichtet.

 

  1. Apr. Bericht des Bürgermeisters wegen des Solepreises (MER C48Ii Nr.782).

Wegen der Querelen beim Solepreis hatte v. Diest im August 1881 eine verbindliche und einvernehmliche Regulierung des Soleabgabepreises verlangt. Dem Badedirektor war es nach „langen, mühevollen Verhandlungen, bei denen  die Berücksichtigung der Interessen der Inhaber der ältesten hiesigen Badeanstalten, die Sanitätsräte Dr. Wahn und Dr. Rosenberger die größten Schwierigkeiten boten“ gelungen, vergleichbare Jahrespauschalen zu ermitteln. Der finanzielle  Aufwand für die Bereitstellung der Badesole betrug 2.690 Mark im Jahr. Davon fielen auf v.  Stuckradt mit 23 großen und 10 kleinen Wannen 1.200 Mark,  auf  Dr. Wahns mit 20 Wannen 750 Mark, auf Dr. Rosenberger mit 9 Wannen  390 Mark und auf die 4 Wannen der Freytagschen Anstalt 350 Mark. Die unterschiedlichen Beträge begründete Richter damit, dass die Freytagsche Badeanstalt wesentlich mehr Bäder abgebe und wie die v. Stuckradt wegen ihrer Ausstattung und der zeitgemäßen Therapie wesentlich besser angenommen würde, als die Anstalten von Wahn und Rosenberger. Dies wurde der Kgl. Regierung vorgelegt und am 20. Juni mit kleinen Korrekturen genehmigt.  

 

  1. Mai Die Thüringische Bahn wird vom preußischen Fiskus übernommen (NKB)

Das betraf auch die Saale-Bahn, die Saale-Unstrut-Bahn und weitere Strecken. Die bisherigen Anteilseigner wurden nach und nach ausgezahlt, die Aktiengesellschaften aufgelöst. Zur Verwaltung wurde die Reichsbahndirektion Erfurt eingerichtet und das gesamte Personal in den Staatsdienst übernommen.

 

  1. Mai Eröffnung der Stuckradt`schen und der Wahn`schen Badeanstalt (NKB)

„Von Montag steht das aufs feinste renovierte Bad mit Sool- und Fichtennadel-Inhalation (.) zur gefälligen Benutzung offen“ inserierte der Badeinspektor Fr. Röblitz.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-41 (Nr. 17) Moritz Koch (NKB).

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-17 (Nr. 1) Witwe Bösel (NKB).

 

  1. Mai Geschäftseröffnung Konditorei u. Cafè Robert Mücke (Lindenstr. 5) (NKB)

 

  1. Mai 10-Jahresfeier zur Einweihung des Gefallenendenkmals 1870/71 (NKB)

 

  1. Mai Konzerte zu den Pfingstfeiertagen (NKB)

Kaiser Wilhelms Burg (Andrä), Rektorberg (Schleicher) Rudelsburg (Waldhausen), Saalhäuser (Schumann), Grötzsch`sche Saal. 

 

  1. Juni Besuch des Oberregierungsrates v. Bötticher (MER C48Ii Nr. 782/1).

Bei einer Revision der Badeverwaltung hatten v.  Stuckradt und der Sanitätsrat Hartmann aus Naumburg die Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft vorgeschlagen, in der die  fiskalischen Badeeinrichtungen und die vier öffentlichen Privatbadeanstalten eingebracht und weitere Kapitalgeber gewonnen werden können. Während Dr. Wahn  prinzipiell einverstanden war,  scheitert das an den Preisvorstellungen von Dr. Rosenberger.

Die Einrichtung eines Kindergartens nach Fröbel`schen Vorbild für die Kinder der Badegäste lehnte der Magistrat ab, dagegen wollte sich die Badedirektion im Interesse der Gäste daran beteiligen, zumal eine tüchtige Kindergärtnerin, ein geeignetes Lokal und Spielplätze vorhanden waren. Bezüglich der Einrichtung einer städtischen Trinkwasserversorgung wurde die Nutzung der Quelle am Bahnhof oder die Niederbringung eines Brunnens erwogen. Dann ging es um die Unterbindung des „Schlepperunwesen“ vor dem Bahnhof und zum Schluss wurde vorgeschlagen, v. Stuckradt zum Ehrenmitglied der Badedirektion zu ernennen.

 

  1. Juni Teichgräber eröffnet den „neu dekorierten Kurgartensaal“ (NKB).

 

  1. Juni „Große Zwangsversteigerungs-Auktion“ im Grötz`schen Saal (NKB)

Diesmal waren es große Mengen an Hausrat, Maurer- und Gärtnergerätschaften.

 

  1. Juni „Raubtiermenagerie“ mit Dressur und Fütterung an der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juni Neuverpachtung der Bahnhofswirtschaft (NKB)

„Unterzeichner empfiehlt den geehrten Badegästen und durchreisenden Herrschaften seine anerkannt vorzügliche Küche, Rhein- und Moselwein, echt französische Rotweine,  sowie echtes Münchner  Kindl-Bräu und vorzügliches Lagerbier, Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, Extra-Diners werden aufs schnellste  und feinste sofort nach Bestellung serviert, Fisch als Forellen, Aal, Schleie sind stets vorrätig...“ 

 

  1. Juli Reskript der Kgl. Regierung zur Solepauschale (MER C48Ii 782/I).

Trotz der Genehmigung seitens der Behörde, verweigerte v. Stuckradt die Unterschrift unter dem Soleliefervertrag. Die Badedirektion wurde angewiesen, mit ihm darüber neu zu verhandeln. Auch die Witwe Freytag sah sich benachteiligt. Umgerechnet bezahlte sie 100 Mark  pro Wanne während  v. Stuckradt 35 Mark, Dr. Wahn 39 Mark und Dr. Rosenberger 48 Mark zahlte. Sie  beantragte die Reduzierung ihrer Pauschale.

 

  1. Juni Konzert der „Ratiborer uniformierten Musikschulen“ bei Kurzhals (NKB)

 

  1. Juli Basar zum Besten des Kirchenbaus (NKB).

Der Verkauf von „Dingen wohlhabender Damen“ brachte 1060 Mark, der Fond belief sich nun auf 48.000 Mark.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Lindenstr. I-22 (Nr. 24) Sattlermeister Nette (NKB)

 

  1. Aug. Festwoche zum 50jährigen Bestehen des Schützenvereins 1832 e.V. (NKB).

 

  1. Aug. Geschäftsverlegung des Schlossermeisters Kuppi sen. (NKB)

Der zog von der Lindenstr- I-23 (Nr. 25) in die Burgstr. I-106 (Nr. 14). Die Lindenstraße erwarb dann der Schlosser Schleifenheim

 

  1. Aug. Beginn der Installation einer elektrischen Straßenbeleuchtung (NKB)

Vorgesehen waren Bogenlichter System Schwerd-Scharnweber, vorzugsweise jedoch Glühlichter System Swan. Die privaten Interessenten sollten Glühlichter erhalten und falls die Kapazität des Generators am Wasserrad reichen würde, sollte auch Sägen und Drehbänke angeschlossen werden, um diese „nicht mehr mit menschlicher Kraft“ zu betreiben.

 

  1. Sep. Submission für den Bau eines Eiskellers für die Bahnhofswirtschaft (NKB)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Kostenumlage von 1/3 auf die Hauswirte Dittmann, Weise und Jürgens der Pflasterung des Weges von der Loreleypromenade zum Gradierwerk.

 

  1. Sep. Ernennung Rosenbergers zum „Geheimen Sanitätsrat“ (Röblitz Heimatbuch).

Anlässlich seines 50jährigen Jubiläums als Knappschafts- und Badearzt erhielt er das kaiserliche Patent „Geheimer Sanitätsrath“ Für die amtliche Beglaubigung hatte der Geehrte 1.50 Mark Stempelgebühr zu zahlen. Gleichzeitig erhielt er die Ehrenbürgerurkunde in Anerkennung seiner Verdienste um das Bad in den 48 Jahren seines Wirkens.

 

  1. Sep. Badeliste (NKB)

Unter den 1867 registrierten Badegästen waren zum wiederholten Mal der Kammermusiker Philipp Tuscek-Berlin, Miß Tayer-Boston, Baronin Maydall-Boston, Exz. Gen. d. Inf. Graf Neithardt v. Gneisenau, Edelstiftsdame v. Alvensleben-Berlin, Schriftstellerin Auguste Scheibe-Berlin, Reichsgerichtsrat Dr. v. Grävenitz-Leipzig, Baron v. Heyking-Danzig, Baronin v. Borke-Halle, Baronin Leyhuis-Holland, Gen.-Ltn. Freiherr von und zu Gilsa-Berlin, Prof. Dr. Arthur Richter-Halle, Frau General v. Poyda-Weimar, Mrs. Waterson-Yorkshire, Rittergutsbesitzer Baron v. Arnim, Carlos Kretschmar-St. Fè de Bogota, Frau Minister Exz. v. Puttkammer-Berlin, Obersteuermann Georg Rosenberger-Wilhelmshafen, Kaiserl. Russ. Hofopernsänger Smirnoff- St. Petersburg, Prof. F. R. Müller-Hull, Historienmaler Fr. Schaller-Berlin, Dr. phil. Salinger-Berlin, Hofrat Prof. Dr. med. W. Hankel-Leipzig, Baronin v. Busch-Ippenburg-Metz 

 

  1. Sep. Konzert des 6. Westgöta Inf.-Regiments-Stockholm im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Vermietungsanzeige Major a. D. v. Schmettau, Saalstr. II-53 (Nr. 16) (NKB)

 

  1. Sep. Hochwassermeldung (NKB)

„Abends 6 Uhr wies der Brückenpegel ein Wasserstand von 10 über 0 nach, heute Mittag drei volle Fuß, d.h. 13 über 0. In Lengefeld  stehen fast sämtliche  Häuser 3-4 Fuß hoch im Wasser.

 

  1. Okt. Wandertagung des Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erdkunde (NKB).

 

  1. Okt. Freigabe des Bahnhofsvorplatzes und der Ladestraße (NKB)

 

  1. Okt. Versteigerung der Eckartsbergaer Str. I-133 (Nr. 7) Schuster (NKB).

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner für das Abgeordnetenhaus (NKB)

Im Wahlbezirk I bewarben sich Bürgermeister Richter, Hotelbesitzer Kurzhals, Postmeister Müller, Zimmermeister Töpfer und Sattlermeister Sträuber, im Wahlbezirk II Hotelier Weber, Amtmann Jäger, Kaufmann Apitzsch und Kämmerer Dittmann. Von den 8 gewählten Wahlmännern gehörten 6 zum konservativen und 2 zum liberalen Lager.

 

  1. Okt. Anzeige des Pelzwarengeschäfts B. Mann-Borlachstr. I-41 (Nr. 15) (NKB)

 

  1. Okt. Geschäftsübergabe der Apotheke (NKB)

Nach dem Tod von Manasse  Gause verkaufte seine Witwe die Apotheke an C. Chop.

 

  1. Nov. Nachfrage des Magistrats wegen der Brücke (StaA Nmb. Nr. 550)

Der Landrat wurde gebeten, sich beim Minister dafür zu verwenden, dass die vom Abgeordnetenhaus bewilligten 75.000 Mark auch bestätigt werden.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-23 (Nr. 7) (NKB)

 

  1. Nov. Versteigerung des Reinhardt`schen Hauses Borlachstr. I-34 (Nr. 6) (NKB)

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Fleischermeisters Fr. Matthes (NKB)

„Von jetzt ab gibt es Fleischabfälle nur Dienstag, Schwarten und Schweinebeine nur Mittwoch, Schmer bei Entnahme von mindestens 10 Pfund in meiner Wurstfabrik.“

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung Lindenstr. I-10a (Nr. 12) Schlosser Hädicke (NKB).

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes Rosenberger (MER C48Ii Nr.776VIII).

Demnach hatte der Borlachschacht eine Salzkonzentration von 4,3%, die Johannisquelle von 2,2% und wurde unverdünnt als Trinkbrunnen genutzt. Der Mühlbrunnen wurde nicht erwähnt. Unter den 1.897 Badegäste waren 21 Ausländer. Der Rückgang war wohl der kalten und regnerischen Witterung und der Überschwemmung am 31. Juli geschuldet, von der die Wellenbäder und  die Johannisquelle betroffen waren. Dennoch blieb der Ort von den im Umland grassierenden Krankheiten wie Diphterie, Scharlach und Masern verschont.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige des Tischlermeisters Leopold Hädicke (NKB)

Der hatte seine Werkstatt im „früheren Schuster`schen Haus neben der Börse“, wohnte aber im elterlichen Haus Schulplatz 10 a (Lindenstraße 12). Die Nr. 10 b gehörte seinem Bruder Hermann. Hier befand sich auch seit 40 Jahren das Geschäft des Buchhändlers Merzyn.

  1. Viehweg der hier sein Flaschenbiergeschäft und seine Immobilien- und Personalvermittlung betrieb, zog zum Jahresende in die Borlachstraße I-43 (Nr. 14) neben dem Klempnermeister Krause.

 

  1. Dez. Leutnant v. Zehl übernimmt die Freytagsche Badeanstalt (MER C48Ii 782/I)

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen zu Weihnachten (NKB)

Gastwirt Weber teilte die Eröffnung der „neu eingerichteten und erweiterten Restaurations-Lokalitäten“ mit, Kaufmann H. Siebold warb für Wein und Spirituosen, E. Saalborn für Kurzwaren und Oberbekleidung, Robert Törpsch für Stoffe, G. Rössler für Spiel- und Korbwaren, E. Krause für Metall- und Hauhaltwaren und G. Sträuber für Lederwaren.  

 

  1. Dez. Schreiben der Badedirektion an die Kgl. Regierung (MER C48Ii 782/I).

Wegen der Einsprüche von v. Stuckradt und Fr. Freytag hatte die Badedirektion einen neuen Umlageschlüssel erarbeitet, dem nun alle im laufenden Jahr abgegebenen Bäder zu Grunde lagen und nach deren Verhältnis die Jahreskosten der Soleabgabe verteilt wurden. Die 2.690 Mark Gesamtkosten verteilten sich auf Dr. Wahn mit 4180 Vollbäder und 803 Mark, Dr. Rosenberger mit 2562 Vollbäder, 492 Mark, v. Stuckradt mit 5482 Vollbäder, 1053 Mark, Frau Freytag mit 1802 Vollbäder und 346 Mark. Darüber hinaus zahlte Stuckradt 47 Mark für den Bezug von Inhalationssole.

Der „Verein gegen das Bettelunwesen“ hatte binnen Jahresfrist 4.740 sog. „Fechtbrüder“ mit etwas Geld zum raschen Weiterziehen bewegt.

 

  1. Dez. Richtfest am Neubau des Schulhauses der Landesschule (NKB)

Vor den angetretenen Gewerken und den Honoratioren hielt der Gewerke- und Ratszimmermeister Fr. Töpfer den Richtspruch. Nach gemütlichen Beisammensein und der Übergabe einer Prämie von 300 Mark zogen die Arbeiter der Firmen Töpfer und Transchel unter „Vortritt der Badekapelle“ zurück nach Kösen.

 

  1. Dez. Tanzkurs und Anstandsunterricht im Saal „Zur Tanne“ (NKB)

 

  1. Dez. Öffentliche Bescherung von 14 armen Kindern (NKB)

Im Wartesaal des Bahnhofs überreichte der Pfarrer die gespendeten Geschenke, gesanglich umrahmt vom Männergesangsverein.

 

  1. Dez. Weihnachtskonzerte (NKB)

Im „Mutigen Ritter“ spielte die verstärkte Badekapelle, im Kurgarten konzertierte die Liedertafel, auf der Kaiser Wilhelmsburg traf sich der Verein „Germania“, der Wirt vom Rektorberg lud zum Ball und Kurzhals warb  mit Münchener Löwenbräu.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Informiert wurde, dass die Mittel für die Verbreiterung der Brücke bewilligt wurden. Für die beiden Nachtwächter wurden 15 Mark Gratifikation und die Anschaffung von Wachmänteln bewilligt und die Fuhren Dritter bei ausbrechenden Feuer sollten künftig bezahlt werden.  Dem Buchdrucker Schiller wurden 15 Mark vierteljährlich in Aussicht gestellt, wenn er den Kösener Anzeiger wieder drucken würde.

 

1883

 

  1. Jan. Apotheker Chop beginnt mit der Mineralwasserfabrikation (NKB)

 

  1. Jan. Kirchen-Statistik (NKB)

Die Gemeinde hatte 2.116 Mitglieder(1881: 2097), getauft wurden 67 Kinder, getraut 17 Paare, allerdings war 1874 die standesamtliche Trauung eingeführt worden, so dass nicht alle Ehen kirchlich geschlossen wurden. Verstorben waren 46 Mitglieder, die Stadtschule besuchten 263 Kinder.

 

  1. Jan. Bekanntgabe der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen (NKB)

Zugelassen waren der Kaufmann Apitzsch, der Stadtsekretär Törpsch und der Kaufmann B. Koch.

 

  1. Jan. Veröffentlichung der Ergebnisse der Viehzählung (NKB)

In den 94 viehbesitzenden Haushalten gab es 43 Pferde, 1 Esel, 29 Kühe, 2 Schafe, 189 Schweine, 54 Ziegen und 110 Bienenstöcke. Die Schafherde der Landesschule wurde dabei nicht erfasst.

 

  1. Jan. Schlachthaus in der Querstraße II-33 (Schmettaustr. 7) Uthpadel (NKB)

Wenige Tag später wurde auch die Errichtung eines Schlachthauses an der Naumburger Chaussee III-13 (Nr.2) öffentlich bekannt gemacht.

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Eingeführt bzw. wiedergewählt wurden Dr. Raabe, die Gastwirte Weber und Becker sowie der Rentner Apitzsch. Die Kassenrevision übernahmen Krüger und Becker, die Revision der Jahresrechnung Heckenberg, Krüger und Apitzsch. In die Klassensteuer-Kommission wurden gewählt Becker, Apitzsch, Schleicher, Vogel, Baer und Koch, in die Kommunalsteuerkommission Bgmstr. Richter, Weber, Krüger, Apitzsch, Schleicher  und Becker, die Kommission für Unterhaltung und Ordnung übernahm Siebold, das Beleuchtungswesen Leuschner und die Baudeputation bestand aus Siebold, Toepfer und Weber. Informiert wurde dass die Mittel für die Erweiterung der Saalebrücke bewilligt und im April mit den Arbeiten begonnen werden soll (St.-A. Nr. 360, 550). Für die obere Bauaufsicht war der Landesbaudirektor der Provinz Graf v. Wilzingerode  ernannt, die Bauleitung vor Ort wurde dem Kgl. Wasserbau-Inspektor Böes übertragen.

 

  1. Feb. Bericht zur Jahresversammlung des Sterbekassenvereins (NKB)

Dem 1849 gegründeten Verein gehörten 419 Mitglieder an. Der Monatsbeitrag betrug 25 Pfennige, von deren Zahlung 144 Mitglieder nach 20 jähriger Zugehörigkeit freigestellt waren. Ihnen stand ein Begräbnisgeld von 75 Mark zu, das mit 8 % verzinst wurde.

 

  1. Feb. Die Anschaffung einer Nationalfahne wird abgelehnt (MER C48Ii 776/VIII).

Das patriotische Vorhaben auf dem Gradierwerk den preußischen Adler weithin sichtbar wehen zu lassen, musste wegen fehlender Mittel bei allseitigem Bedauern aufgegeben werden.

 

  1. Feb. Neufestsetzung der Kurtaxe (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Kurtaxe wurde auf 9 Mark für eine Person, 12 Mark für zwei und 18 Mark für 3 bzw. 4 Personen, 20 Mark bei mehr als 4 Personen festgesetzt.  Kinder erhielten teilweise Ermäßigung, Dienstboten waren befreit. Ab Mitte August wurde die Taxe halbiert. Eine Reduzierung der Kurtaxe wurde im Hinblick auf den unausgeglichenen Haushalt und notwendige Investitionen abgelehnt.

 

  1. Feb. „Schwanenmord in Großheringen“ (NKB).

Die von der Badedirektion angeschafften Schwäne waren von einem Jäger, der sie angeblich für Gänse hielt, erlegt worden. Schwan galt als Jagdwild und wurde auch verzehrt, weshalb sie zum Verkauf angeboten wurden. Dem Jäger drohte eine Klage wegen dem der Badedirektion erwachsenen Schadens.  

 

  1. Feb. Terminbekanntgabe der diesjährigen Holzmessen (NKB).

Die Floßkommune zu Kahla als Vertreter der oberländischen Holzhändler erklärte, dass die Messe in Camburg am 14. April beginnt. Der unterländische Händlerverbund erklärte, dass die große Kösener Holzmesse wie bisher am Palmsonntag beginnt. Wegen eines Wintereinbruchs kamen aber nur 150 bis 200 Flöße an. Das Gros wurde nun im April erwartet.

 

  1. Mär. Bürgermeister Richter wird für weitere 12 Jahre gewählt (NKB).

Richter war neben seinen städtischen Funktionen auch stv. Amtsvorsteher in Stendorf. Als der dortige Amtsvorsteher verstarb wurde er vom Landrat zum kommissarischen Vorsteher ernannt.

 

  1. Mär. Festlegung zum Preis für die Badesole (MER C48Ii 784/1).

Zukünftig sollten grundsätzlich die Gesamtkosten aus dem Vorjahr im Verhältnis der abgegebenen Bäder aufgeteilt werden. Das setzte allerdings eine wahrheitsgemäße Meldung der Badehausbetreiber voraus und war nur schwer zu überprüfen.

 

  1. Mär. Geschäftsübergaben und Geschäftserweiterungen (NKB)

Die Bäckerei in der Querstraße (Nr. 1) übernahm Carl Schöppe. Der Bäcker Karl Baer (Borlachstr. 17) eröffnet eine Konditorei und G. Feller übernahm die „Tanne“ von seinem Schwiegervater Tilebein. Die Bahnhofsgaststätte  hatte Louis Danz gepachtet. An der Ecke Neue Straße/Querstraße öffnete ein Geschäft für Kleiderstoffe und im ehemaligen Bennemann`schen Anwesen (An der Brücke 2) eine Konditorei, die ab Januar 1884 von  C. te Bart übernommen wurde.

Der Kaufmann G. A. Scholvien eröffnet  eine Mineral-, Soda- und Selterswasserfabrik.

 

  1. Mär. Beschwerde Wahns bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 784/1).

Obwohl Dr. Wahn als Mitglied der Badekommission für diese Form der Umlageberechnung gestimmt hatte, beschwerte er sich nun darüber.

 

  1. Apr. Eröffnung der Badeanstalt am Gradierwerk (NKB)

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Sattlerei Gustav Soff Lindenstr. I-16 (Nr. 20) (NKB)

 

  1. Apr. Hotelier Kurzhals setzt 14.000 Jungforellen in den Schwanenteich (NKB).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Bildung einer Kommission zur Vorbereitung des städt. Wasserwerks.

 

  1. Mai Submission zur Erweiterung der fiskalischen Saalebrücke (NKB)

Der Umfang der Erd-, Mauerer und Zimmererarbeiten wurde mit 33.000 Mark beziffert.

 

  1. Mai Beschwerde des Bürgermeisters bei der Bahnverwaltung (StaA Nmb. Nr. 360)

Die Straße zwischen dem Bahnhof und dem Wärterhäuschen hatten die  schweren Fuhrwerke vom Kalkwerk völlig zerfahren. Wäre „nicht im Interesse der hiesigen Kurgäste nicht mit viel Aufwand die sog. Rudelsburgpromenade hergestellt worden, so würden die mit Extrazügen von Leipzig, Halle und anderen Städten nach Kösen kommenden Touristen kaum den vom Stationsgebäude nach der Rudelsburg über das Bahnhofsterrain führenden Fußweg passieren können“ schrieb Richter und forderte die Bahnverwaltung auf, den Weg in ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.

 

  1. Mai Pfingstfeiertage (NKB)

Nach Meldung der Bahnverwaltung trafen rund 5000 Fahrgäste ein. 3000 Besucher meldete die Rudelsburg, darunter 450 Angehörige des KSCV. Kritisiert wurde, dass die Waffenausstellung im Turm der Burg Saaleck seit 1872 für die Öffentlichkeit geschlossen war.

 

  1. Mai Revision der Badeanstalt durch die Kgl. Regierung (MER C48Ii 776/VIII).

Unter dem Vorsitz des Ob.-Reg. Rates v. Bötticher beschäftigte man sich mit der Einrichtung eines Kindergartens für Kinder von Kurgästen, der Trinkwasserversorgung der Stadt und dem Antrag mehrere Einwohner ein Vergnügungskomitee zu gründen. Unter Punkt 6 wurde lakonisch festgestellt, dass der „berüchtigte“ Dr. Groddeck die Stadt verlassen habe.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, StaA Nmb. Nr. 550).

Beschlossen wurde, dass bei der Verbreiterung der Brücke auf Kosten der Stadt, Röhren von  mind. 12 Zoll Durchmesser auf beiden Seiten der Brücke verlegt werden, die dann als Sole- bzw. Trinkwasserleitungen gedacht waren. 

 

  1. Juni Verbreiterung der Saalebrücke (NKB).

Bis auf einen wurden alle übrigen Bögen für die Durchfahrt von Flößen gesperrt.

 

  1. Juni Amtliche Festlegung von Laichschonrevieren (NKB)

Die sollten zwischen der Futtermauer und der Fähre an der Katze sowie zwischen dem Wehrdamm und der Eisenbahnbrücke eingerichtet werden. Etwaige Einsprüche der Fischereiberechtigten nahm der Reg.-Rat v. Hirschfeld vor Ort entgegen.

 

  1. Juni Nachruf für den Geh. Justizrat Förster (NKB)

Der war Präsident des Stadtgerichts in Stettin und war nach seiner Pensionierung hierher übergesiedelt, wo er sich als juristisches Mitglied der Badedirektion betätigte.

 

  1. Juli Versteigerung des Rittergutes Stendorf (NKB).

Veranlassung war die Auflösung der Erbengemeinschaft des Geh. Reg.-Rat K. J. L. W. Köhler-Berlin; Freiherr Fr. v. Feilitzsch-Weißenfels und Thusnelda v. Römer, geb. v. Feilitzsch-Neumark in Sachsen. Das Gut fiel an  Fr. v. Feilitzsch, dem späteren Landrat.

 

  1. Juli Anzeige des Zahntechnikers Karl Haacke Burgstr. I-106 (Nr. 14) (NKB)

Er bezeichnete sich als  „Erfinder und alleinigen Besitzer der schmerzlosen Zahlheilkunde“ die er ab 4 Mark auch bei Ratenzahlung offerierte.

 

  1. Juli Stellungnahme des Bürgermeisters (MER C 48Ii 776 VIII).

Der Hotelier Kurzhals hatte sich beschwert, dass die Badedirektion sein Haus als Spielstätte für die Kurkapelle nicht berücksichtigte, war aber damit abgewiesen worden. Richter begründete das damit, dass der Platz vor dem Hotel als Konzertplatz ungeeignet sei. Es hätten nur 100 Personen Platz, außerdem führte hier der Fahr- und Fußweg von der Mühle zum Bahnhof und die unmittelbare Nähe zur Bahn wäre äußerst störend.

Den „Kurgarten“ der für Konzerte ausreichend und attraktiven Platz hatte, könnte die Badedirektion überhaupt nicht nutzen, denn der alte und neue Besitzer (Teichgräber) dem man mit 1000 Taler beim Bau des Saales unter die Arme gegriffen habe, würde „bei allen denkbaren Gelegenheiten die  Mitglieder der Badedirektion und die Kurgäste rücksichtslos, um nicht zu sagen verletzend behandeln“. So nutzte man die „geschmackvollen Anlagen“ und  den „schön dekorierten Saal“ des „Mutigen Ritters“ für die Konzerte, auch wenn hier noch weniger Platz war. Weber stellte den Saal kostenlos zur Verfügung, während Teichgräber Miete und Beleuchtungskosten verlangte.  Dennoch seien im laufenden Jahr auch Konzerte im Kurgarten und bei Kurzhals gegeben worden.

Die Randnotiz des Reg.-Präsidenten besagt, dass er die Gründe zwar anerkenne, doch würde das Hotel stark frequentiert, läge an der „schönsten Promenade“ und die Badedirektion solle soweit keine gegenteiligen Äußerungen von Badegästen vorlägen, Konzerte im angemessenen Umfang hier abhalten.

 

  1. Juli Leserbrief zur Straßenbeleuchtung (NKB)

„Wir Kösner, gewöhnt im Dunkeln zu wandeln, kennen schon die gefährlichen Stellen und sind zufrieden, wenn uns im Winter des Abends der Schnee heimleuchtet...“  

 

  1. Juli „Prof. Bönings Zaubertheater“ tritt im Kursaal auf (NKB)

Demzufolge wurde der Saal zeitweise noch für Veranstaltungen genutzt.

 

  1. Juli Die Kgl. Regierung weist eine Beschwerde Roßners ab (MER C48Ii 776VIII).

Der Mühlenbesitzer hatte sich beschwert, dass die Badedirektion bei Hochwasser zum Schutz der Ufermauer zwischen den beiden Wasserrädern diese mit einem Bretteraufsatz versehen hätte. Nach Anhörung mehrerer Zeugen u.a. des früheren Kunstmeisters Törpsch wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen.

 

  1. Aug. Submission zur Generalinstandsetzung des Wehrdammes (NKB).

Für die Bagger-, Maurer- und Zimmererarbeiten sowie die Lieferung der Eisenteile waren 7500 Mark veranschlagt. Dazu wurde die Lieferung von 150 Tonnen Zement ausgeschrieben. Auftraggeber war die Landesschule Pforta.

Vor Beginn der Arbeiten erfolgte eine Bekanntmachung: „Behufs Ausführung einer Reparatur ist die rechte Hälfte des Kösner Wehres für den Floßbetrieb gesperrt (.) Die Flößer sind  für jeden Schaden verantwortlich, der dem Fangdamm und den Rüstungen entsteht. 

 

  1. Aug. Stellungnahme des Bürgermeisters (MER C48Ii 776 VIII).

Eine Einwohnerin hatte sich bei der Kgl. Regierung beschwert, dass sie nicht, wie bisher üblich eine Einladung zu den Rèunions der Badeverwaltung erhalten habe und daher nicht eingelassen wurde, obwohl die Familie aus wohlhabenden und standesgemäßen Bürgern bestehe. Die Begründung des Bürgermeisters war sinngemäß diese: „Die Einladungen von Einwohnern zu den Rèunions, die die Badedirektion für die Badegäste veranstalte, erfolge nur an diejenigen, die durch Stand und Stellung der besseren Gesellschaft zugerechnet werden können, und nicht jeder, der auf Grund seines Vermögens sich dazu zähle, sei geeignet, wenn der Bildungsgrad zu wünschen übrig ließe“. Die Regierung gab ihm darin Recht.

 

  1. Aug. Polizeiverordnung wegen der laufenden Brückenarbeiten (StaA Nmb. Nr. 550)

„Wegen des Umbaus der fiskalischen Straßen-Brücke über die Saale in Kösen ist die Fahrbahn derselben zurzeit derart eingeengt, daß ein Begegnen zweier Fuhrwerke auf der Brücke zu schweren Unfällen Veranlassung geben kann. Es haben sich deshalb die Wagenführer bevor sie auf die Brücke fahren zu überzeugen, daß ihnen auf derselben kein Fuhrwerk entgegen kommt und beim Fahren die größte Vorsicht zu beobachten, da die Brüstungsmauern größtenteils entfernt und durch Notbarrieren ersetzt sind.“

 

  1. Aug. Meldung über eine Lebensrettung (NKB)

Dr. Gerstel, Redakteur der Thür. Zeitung und ein Herr v. Pöppinghaus, die hier zur Kur weilten retteten den Gutsbesitzer Sch. aus Hassenhausen aus der Saale bei der „Katze“.

 

  1. Sep. Sedanfeier (NKB)

In Teichgräbers „Kurgarten“ spielten die Militärkapellen des 4. Thür. Infanteriereg. Nr. 72, des 7. Thür. Infanteriereg. Nr. 96 und das Musikkorps der Kgl. Unteroffiziersschule Weißenfels. 

 

  1. Sep. Mitteilung des Wirts der „Loreley“ A. Sträuber (NKB)

„Die Verlobung meiner Tochter H. mit E. Hutter ist aufgelöst“. Daraufhin erklärte der Verlobte: „Meine Verlobung mit der Schneiderin Hulda Friedrich aus der Loreley in Kösen ist von meiner Seite aufgehoben und werde den Grund später zur öffentlichen Kenntnis bringen“ Egmont Hutter Chef de cuisine. 

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-50 (Nr. 17) Nitschmann-Sulza (NKB)

 

  1. Sep. Letzte veröffentlichte Badeliste der Saison (NKB)

Unter den 1828 Badegästen waren der Schriftsteller Dr. Albert Fränkel-Leipzig, Fr. Gardini-Mailand, Frl. Claude-Valparaiso, Hr. Paul-Moskau, Rittmeister v. Bülow-Thalberg-Anklam, Geh.-Rat Baron v. Heyking-Danzig, der Ehrenbürger von Berlin  Kochann, Fr. Nadal de Mooyer-Puerto-Rico, Dr. phil. Pratsch, Redakteur der Börsenzeitung-Berlin, Ehrenstiftsdame Adelheid v. Alvensleben-Berlin, General v. Bulmerinq-Rußland, Fr. v. Hoeltzke Exz. Gemahlin der Kaiserl. Russ. Gesandten am großherzogl. Hof zu Weimar,  General-Konsul Vicomte de Fontenay-Leipzig, Mr. Henn-London, Prof. Dr. Theod. Ehrhard-Freiberg, Prof. Anners-Berlin, R. Grünberg-St. Petersburg, Konzertsängerin M. Niemeyer-Hamburg, General v. Bork-Postdam, Mr. Josaphat-London, Geh. Hofrat Prof. Dr. med. W. Hankel-Leipzig, H. A. Zechendorf-New York, Bgmstr. Dr. Mascher-Hörde, Stiftoberin v. Monbart-Stift Keppel, Oberst-Ltn. v. Schrötter-Merseburg.  

 

  1. Okt. Eröffnung einer privaten Kinderbewahranstalt (StaA Nmb. Nr. 383).

Die examinierte Kindergärtnerin Anna Rennecke aus Halle betreute 20 Kinder.

 

  1. Okt. Gründung der Fa. Gebr. Kersten (NKB, KöZ 1925).

Laut der Handelsregistereintrag Nr. 229 war Paul Kersten alleiniger Geschäftsführer und hielt  1/3 der Anteile, seine  Brüder Franz und Hermann behielten 2/3. Die Firma lag in der Lengefelder Flur, die zum Gericht des Rittergutes Kreipitzsch gehörte. Von Vorteil war die Nähe der Bahn. Man konzentrierte sich auf die Erschließung des unmittelbar angrenzenden Tagebaus und gab schon bald die Steinbrüche an der Fränkenauer Hohle und am Himmelreich auf. Man verkaufte den Kalkstein vorzugsweise für die Kalkbrennerei aber zunehmend auch an    Zuckerfabriken und chemische Betriebe.

 

  1. Okt. Generalversammlung des Pestalozzivereins der Provinz (StaA Nmb Nr.. 180).

Den ca. 1.000  avisierten Teilnehmern wurde ein reichhaltiges Programm geboten, allerdings  gab es bei der Bereitstellung von Betten erhebliche Probleme. Am Montag nach dem Empfang war eine Delegiertenversammlung im Hotel Kurzhals, am Abend geselliges Beisammensein im Kursaal. Am zweiten Tag traf sich der Pestalozzivereins im Kursaal, dazwischen wurden Ausflüge zur Rudelsburg  und der Wilhelmsburg angeboten. Am Abend gab es ein Fest im Kursaal. Am Mittwoch fanden die Delegiertenversammlungen statt, daneben Ausflüge zum Fischhaus  und Schulpforte. Am letzten Tag standen Ausflüge per Bahn nach Jena, Dornburg und Weimar  auf dem Programm. Die Stadt beteiligte sich mit einem Zuschuss von 672 Mark.

 

  1. Okt. Beschluss zum Bau eines Gotteshauses (NKB).

Obwohl sich im Kirchenbaufond erst 50.000 Mark angesammelt hatten und mindestens das Doppelte erforderlich war, sollte der „kirchenlose“ Zustand enden.  Immer wieder wurde von den Kurgästen kritisiert, dass es in einer  Stadt mit inzwischen 2.000 Einwohnern und jährlich  2000 Badegästen kein Gotteshaus gibt und man sich mit einem desolaten ehemaligen Zimmerer- und Tanzschuppen begnügen müsse. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Eine Anfrage des Gemeindekirchenrates wegen eines Bauplatzes neben dem Schulhaus wurde abschlägig beschieden. Genehmigt wurde die kommissarische Amtsführung von Stendorf durch den Bürgermeister.

 

  1. Nov. Die Nachtwächter erhalten Kontrolluhren (NKB).

Bezweifelt wurde allerdings, ob diese es schaffen, innerhalb einer Stunde den ihnen zugewiesenen Bereich abzulaufen, da sich das Stadtgebiet weiter ausgedehnt hatte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Der Fußweg von der Brücke vor dem Heckenberg`schen Grundstück bis zum Mühlweg sowie von der großen Promenade zum Haasenritter`schen Anwesen sollten gepflastert werden.

 

  1. Dez. Übergabe der verbreiterten Brücke (NKB, StaA Nmb. 550).

Anstelle der 1856 auf den Strompfeilern aufgesetzten Rondeaus, errichteten die  Firmen Toepfer und Werner eine Eisenkonstruktion für den Gehweg. Somit blieb die eigentliche Brücke dem Fuhrwerken vorbehalten. Zur Einweihung sagte Baumeister Boe: „Dem verehrlichen Magistrat und Stadtverordneten-Collegium gegenüber fühle ich die angenehme Verpflichtung im Namen der Arbeiter, Arbeitgeber und der Bauverwaltung meinen herzlichen Dank auszusprechen für die freigiebige Spende zur Bewirtung der Arbeiter bei Gelegenheit der Brückeneinweihung. Ich füge diesen allgemeinen Dank meinen persönlichen bei, für das freundliche Entgegenkommen seitens der Stadtverwaltung bei allen  die Bauleitung betreffenden Angelegenheiten und zugleich den Wunsch, daß der vom Staat geschaffene Bau dem Gemeinwesen Kösen zum Wohle gereichen möge“.

7 Jahre später verfingen sich bei einer Hochwasserwelle hunderte von Floßhölzern in dieser  Konstruktion verfingen und brachten die Brücke zum Einsturz.   

 

1884

 

  1. Feb. Geschäftseröffnung von P. Held, Naumburger Chaussee II-14 (Nr. 4) (NKB)

Held hatte den Laden von der Witwe des Kaufmanns Funkel übernommen und handelte mit Materialwaren, Tabak und Zigarren sowie mit Speise- und Viehsalz aus der Saline Louisenhall.

 

  1. Feb. Polizeiverordnung zum Floßbetrieb (NKB)

Wegen der Rammarbeiten an den Eisbrechern der Staatsbrücke durften die Flöße nur die beiden Bögen am linken Ufer passieren.

 

  1. Feb. Anpassung der Brückenauffahrt (StaA Nmb. Nr. 550)

Mit der Öffnung der Ladestraße für den öffentlichen Fahrverkehr stellte es sich heraus, dass die Auffahrt zur Brücke viel zu eng war. Daher sollte die Fahrstraße vor dem Heckenberg`schen Grundstück  von 3 auf 5 Meter verbreitert und der steile Anstieg verringert werden. Neben den Baukosten war auch der Erwerb eines Streifens vom Heckenberg`schen Anwesen erforderlich.

Die Kosten dafür sollte der Fiskus übernehmen, weil diese Engstelle die Folge des Baues des Bahndammes bzw. der Verbreiterung der Staatsbrücke sei. Auf einen entsprechenden Antrag erklärte der Landesbaudirektor, dass dafür keine Mittel aus dem Brückenbaufond  zur Verfügung stehen.

 

01.Mär. H. Lucas übernimmt den „Preußischen Hof“ von der Witwe Schmidt (NKB)

 

  1. Mär. Mitteilung des kaiserl. Postamtes (NKB)

Der Schalter wurde am Sonntag geöffnet und in der Saison auch der Telegraphendienst.

 

  1. Mär. Schreiben der Kgl. Regierung zur Ausgestaltung der Brücke (StaA Nmb. 550)

Dem Magistrat wurde mitgeteilt, dass 2.480 Mark für die Verblendung der Schutzböcke vor den Flusspfeilern bewilligt würden, die Installation von 6 Kandelabern aber nur bei finanzieller Beteiligung der Stadt möglich sei. Daraufhin erklärte sich der Magistrat bereit, die Anschaffung der Birnen und die Unterhaltung zu übernehmen

 

  1. Apr. Jahresbericht des Vorschussvereins (NKB)

Der 1872 gegründete Verein hatte 206 Mitglieder, ein Bilanzvermögen von 90.000  Mark und zahlte 1 % Dividende. Angemerkt wurde, „der Verein welcher in den letzten Jahren durch den finanziellen Zusammenbruch auswärtiger Spekulanten (Marchand) starke Verluste erlitten hat, kann nun als vollständig konsolidiert betrachtet werden“.

 

  1. Apr. Schreiben der Eisenbahnverwaltung an den Magistrat (StaA Nmb. Nr. 550)

Deren Antrag zur Beseitigung der „scharfen Ecke“ am Schrankenübergang  zu den Saalbergen, wo die Fuhrwerke rangieren mussten, wurde genehmigt, unter der Maßgabe, dass „1.) die Verbreiterung der südlichen Rampe von dem über die Bahn gehenden Übergang nach den Saalbergen, an Stelle des spitzen Winkels (.) ein stumpfwinkliger Anschluß mit bogenförmigen Übergang hergestellt wird und 2.) daß das dazu kostenlos zur Verfügung gestellte Gelände  von der Stadt übernommen wird.“

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Klempnerei Stichling-Lindenstr. I-8 (NKB)

 

  1. Apr. Verhandlung mit der Kindergärtnerin (MER C 48Ii 776 VIII).

Neben den 24 Kindern „wohlhabender Stände“ sollten auch Kinder der Badegäste betreut werden. Zur Betreuung würde auch die Schwester der Leiterin zur Verfügung stehen. Bei der am 21. Mai  abgehaltenen Revision des Badeanstalten (MER C48Ii 776VIII) erklärte der Vertreter der Kgl. Regierung. dass der Kindergarten wohlhabenden Kurgästen wegen der hygienischen Verhältnisse nicht zugemutet werden kann.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (MER C48Ii 784/1).

Festgesetzt wurde die Pauschale für die Lieferung der Badesole,  v. Stuckrad zahlte 1.142 Mark, Dr. Wahn 752 Mark, Zehl 451 Mark und Dr. Rosenberger 354 Mark. Auf dieser Sitzung kündigte Dr. Rosenberger an, dass er seine Anstalt altershalber schließen wird, falls sich kein Käufer findet.

 

  1. Mär. Gründungskongress des Thüringer Bäderverbandes in Erfurt (NKB 1893).

Neben den Vertretern der Solebäder Kösen, Sulza und Dürrenberg, waren die Stahlbäder Bibra, Lauchstädt und Rastenberg, das Schwefelbad Tennstädt, sowie Berka und Köstritz vertreten. Dr. Rosenberger wurde zur Ausarbeitung der Satzung hinzugezogen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Anschaffung von Torfballen zur Desinfektion der Schulaborte, der Apotheker Chop sollte die öffentlichen Trinkwasserbrunnen untersuchen und der Magistrat  Holzkohle zur Filtrierung anschaffen. In die Kommission zur Hebung des Badeverkehrs wurden Chop und Leutnant Zehl berufen und der Ankauf eines Landstreifens vom Heckenberg`schen Grundstück zur Verbreiterung der Brückenauffahrt genehmigt.

 

  1. Mai Quartalsversammlung der Gewerkemeister-Innung (NKB)

Die 1880 gegründete Innung hatte 76 Mitglieder, darunter auch mehrere Auswärtige und war seit 1881 Mitglied des Allg. Deutschen Handwerkerbundes.

 

  1. Juni Inbetriebnahme der Kersten`schen Drahtseilbahn (NKB, Festschrift 1905).

Um das Material vom Freirodaer Steinbruch zur Bahnverladung zu transportieren hatte Kersten  innerhalb von 4 Monaten eine Drahtseilbahn über die Saale und bis zu einem Anschlussgleis neben der „Katze“ gebaut. Die Bahn war 1200 Meter lang bei Spannweiten von 100 Metern und hatte ein Gefälle von 30 %. Die Anlage wurde allein durch die ins Tal gehenden beladenen Kübel angetrieben, die direkt in die bereitstehenden Waggons entleert wurden. Kersten suchte kräftige Arbeiter bei guten Lohn und dauerhafter Beschäftigung. Nebenher beförderten die Kübel auch die Leute und auch Kersten selbst, obwohl diese öfters abstürzten. Die Bahn zog zahlreiches Publikum an.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Niederschlagung von Steuer- und Schulgeldresten mehrerer Einwohner. Auch das rückständige Schulgeld mehrerer armer Familien wurde wegen Nichtbeitreibbarkeit  niedergeschlagen.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A: Nr. 776).

Genehmigt wurde das vom Oberpräsidenten bestätigte Sparkassenstatut, abgelehnt die Offerte des Prokurators, den Weg von der Schäferei  zur Therkorn`schen Schmiede der Stadt zur Anlage eine Promenade zu überlassen.

 

  1. Juni Entwürfe für den Kirchenbau (NKB).

Der Gemeindekirchenrat hatte Kaiser Wilhelm I. drei Entwürfe zur Begutachtung und Entscheidung vorgelegt und dabei auch auf die noch fehlenden Mittel hingewiesen. Unter den Entwürfen war auch der des Oberhofbaurates Stüler, der bereits König Friedrichi Wilhelm IV. vorgelegen hatte und von diesem eigenhändig ergänzt wurde.

 

  1. Juli Konzert der Kapelle des Kgl. Bayerischen 2. Fuß-Artillerie Reg. (NKB)

 

  1. Juli „Über das Bad Kösen“ ein Leserbrief in der Berliner Zeitung (NKB)

„Die Berliner Kinderstube (.) von Natur aus außerordentlich bevorzugt, hat sich aber seit 40 Jahren nur wenig vergrößert und verändert (.) Allen Vorzügen gegenüber den jüngeren Kurorten und Bädern hat sich Kösen nicht entwickelt. Die Bürgerschaft hat zu wenig getan, um den Badegästen außer was die Natur gemacht, andere Annehmlichkeiten zu bieten. Es fehlt an einem Kurhaus mit Komfort, einer Wandelhalle und noch nicht einmal zu einer Gasbeleuchtung hat man sich aufgeschwungen“

 

  1. Juli Genehmigung zur Verbreiterung der Brückenauffahrt (StaA Nmb. Nr. 550)

Der Landesausschuss bewilligte eine Beihilfe von 4.000 Mark unter der Maßgabe, dass der Bau nach dem Entwurf des Reg.-Baumeisters Bothe ausgeführt wird und die Stadt die dauerhafte Unterhaltung übernimmt. Am 25. 08. beschloss die Stadt die Beauftragung des Maurermeisters Werner, am 01. Oktober erfolgte die Bauabnahme und am 30. Oktober gab die Stadt ihre Verpflichtungserklärung ab, worauf am 27. November die Mittel freigegeben wurden. Nachfolgend beschwerte sich der Maurermeister Transchel wegen Nichtberücksichtigung seines Angebotes. Im Juni 1885 übernahm die Stadt die Verkehrsflächen am Knoten  Schrankenübergang/Brücke außer der Chaussee.

 

  1. Juni Beitritt der Fechtschule v. Assinant an die Reichsfechtschule (NKB).

 

  1. Juni Einreichung des Kirchenbauplanes bei Kaiser Wilhelm (NKB)

Eingereicht wurden drei Entwürfe des Kirchenbaumeisters Weiß aus Erfurt, die bereits König Friedrich Wilhelm IV. vorlagen und von ihm eigenhändig ergänzt wurden. Die Kosten wurden mit 80 bis 100.000 Mark angegeben, von denen der Kirchenbaufond dank der vielen Veranstaltungen zu Gunsten der Kirche ungefähr die Hälfte beisteuern konnte. Daher erwartete man neben  der „Allerhöchsten und Wohlwollenden“ Genehmigung auch ein ansehnliches „Gnadengeschenk“, für die noch fehlenden Mittel.

 

  1. Aug. Veröffentlich der amtlich festgestellten Höhenlage über NN (NKB)

Der Bahnhof lag bei 116 m, der Galgenberg 140 m, der Geiersberg 227 m, der Katerberg bei 217 m, der Nikolausberg bei 216 m, der Göttersitz bei 261 m, das Himmelreich bei 191 m, das Denkmal 1870/71  bei der Rudelsburg bei 208 m und der Ostturm von Burg Saaleck bei 172 m.

 

  1. Aug. Leserbrief zur Aufstellung eines freiwilligen Feuerwehr-Corps (NKB)

 

  1. Aug. Scharfschießen des Magdeburger Jägerbataillons Nr. 4 (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766, StaA Nmb. 550)

Die Eingemeindung der Bergschmiede und des Chaussee-Einnehmerhaus wurden abgelehnt.

 

  1. Sep. Konkurs des Bäckermeister Eduard Lützkendorf (NKB).

Das Verfahren endete durch Vergleich und Lützkendorf behielt sein Geschäft.

 

  1. Sep. Antrag des Badedirektion bei der Kgl. Regierung (NKB).

Beantragt wurde der Beitritt zum „Thüringer Bäderverband“.

Die Zeitung veröffentlichte in diesem Zusammenhang die Besucherzahlen der letzten 10 Jahre: 1874: 2.155, 1875: 1.729, 1876: 2.063, 1877: 1.825, 1878: 1.875, 1879: 1.641, 1880: 1.735, 1881: 1.846, 1882: 1.911 und  1883: 1.830.

 

  1. Sep. Festsetzung einer Zigeunertruppe (NKB).

Die hatte sich mit Gemüse und Kartoffeln aus den Gärten der Einwohner versorgt, wurde daraufhin in Pforte gestellt und nach Zahlung von Schadenersatz durfte „das Gesindel lustig weiterziehen“.

 

  1. Aug. Inkraftsetzung des Statuts der Ortskrankenkasse (NKB)

Per Reichsgesetz vom 15. Juni 1883 waren alle Städte ab einer bestimmten  Anzahl Lohn- und Gehaltsempfänger verpflichtet, eine Krankenkasse einzurichten. Das betraf alle im Stadtgebiet wohnenden Lohn- und Gehaltsempfänger, Heimarbeiter  sowie in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten soweit sie keinen eignen Grundbesitz hatten. Alle Arbeitgeber waren verpflichtet ihre Beschäftigten binnen drei Tagen zu melden.

Bei der konstituierenden Versammlung im Groetz`schen Saal wurden Mühlenbesitzer Roßner jr. Maurermeister Transchel, Zimmerpolier F. Kotte, Maurerpolier Fr. Ziegler, Zimmerpolier B. Thieme und Mälzer R. Becher in den Kassenvorstand gewählt. Dieser ermittelte den ortsüblichen durchschnittlichen Tagelohn: für den erwachsenen Mann über 16 Jahre 1,75 Mark, unter 16 Jahre 0,75 Mark, für die erwachsene Frau über 16 Jahre 0,90 Mark und unter 16 Jahre 0,60 Mark. 

 

  1. Okt. Geschäftsanzeigen (NKB)

Dazu gehörten der Bahnhofswirt Bechstein, der „Adler“ in der Lindenstr. 7 (Waldhausen), die Anzeige von Fr. Munkelt, der sein Geschäft im Haus des Schlossermeisters Schleifenheimer vis-a-vis vom Kurgarten (Eckartsbergaer Str. 7) eingerichtet hatte, der Schneidermeister G. Berg, Borlachstr. I-50 (Nr. 21) und der Fotograf Föppel in der Borlachstr. I-67 (Nr. 41)

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Erstmals seit 1876 waren es wieder über 2.000 Badegäste (2155), darunter die Baronin v. Dallwitz-Parchim, der Schriftsteller Anton Perls-Leipzig, Rittergutsbesitzer v. Bülow-Carnitz, Hofrätin Mathilde v. Chwolson-St. Peterburg, Baronin v. Bonsen-Dessau, Gräfin Götzen-Görlitz, Gen.-Major Exz. v. Bulmering-Wilna, Vicomtesse de Fonteray-Leipzig, Gräfin Plessen-Ivenack, Baron v. Heyking, General Dannhauer,  Gräfin v. Haslingen-Torgau, Frl. Manny-Luzern, Dr. jur van Soederwonde-Den Haag, Kgl. Preuß. Hofopernsänger P. Kalisch (1855-1946)-Leipzig, Pianist Joseph Weiß-Berlin,  General Exz. v. Borke-Potsdam, Kaufmann Beck-Barcelona, Gräfin von Ponnska-Polen, Gräfin Czapka-Romrod-Wilna, Baronin v. d. Goltz-Potsdam, Frl. Niemann-Pittsburg, Reichsgerichtsrat Dr. G. Freiesleben (geb. 1839)-Leipzig, Franz Jäger-Berlin, Frau Exz. Generalin v. Ribbentrob-Kassel, Baron v. Stoisch, Komm. des 2 Garde-Dragoner Reg. mit Gattin-Berlin, Prof. Johann Thomae (1848-1921)-Jena, Prof. Dr. theol. Möller-Kiel, Hinrich Wichern, Direktor des Rauhen Hauses-Hamburg, Freiherr von Rechenberg-Lübben,  Geh. Hofrat Prof. Dr. Ludolf-Kiel, Dr. theol. Karl Bertheau-Hamburg, Baronin v. Häseler, Frl. Devrient-Leipzig, und die Schriftstellerin Marie Mohr-Leipzig

 

  1. Okt. Todestag von Friedrich Carl Schleicher (Ev. Sterbereg.)

Dem Kaufmann gehörte die Borlachstraße (Nr. 19/21) wo er ein Kolonialwarenladen betrieb, der bis in die 1960er Jahr im Familienbesitz war.

 

  1. Okt. Wahlveranstaltungen in Vorbereitung der Reichstagswahlen (NKB).

Im Hotel Kurzhals sprach Landrat Barth von der national-konservativen Partei und im „Mutigen Ritter, ein Vertreter der Fortschrittspartei, der Rittergutsbesitzer Rohland aus Etzoldsheim.

Bei den Reichstagswahlen erhielt Barth 167 283 Wahlmännerstimmen, Rohland 65. Da keiner der beiden die absolute Mehrheit im Wahlkreis erreichte, wurde eine Stichwahl für den 12. November anberaumt. Dabei wurde Barth von den hiesigen kaisertreuen Wählern unterstützt, die sich auch eine gemeinsam inserierten, die Kaufleute Apitzsch, Haedicke, Mänicke, Panse und Till, Lederhändler Rodehaber, die Restaurateure Bechstein (Bahnhof), Feller (Preuß- Hof), Groetzsch, Kurzhals, A. Waldhausen und Weber, Handwerksmeister wie die Schuhmacher Böhme, Holzweißig, Lucas und Fielko, der Schneider Grube, Glaser Hemmann, Klempner Krause, Handelsgärtner Köhler, Schlosser Kuppi, Sattler Sträuber, Maurer Transchel, Zimmerer Töpfer, Tischler Vogel, Buchbinder Wolf, Oberförster Leuschner, Bürgermeister Richter, Oberpfarrer Wetzel, Pastor Barthold und Lehrer Gießler, Rentner Heyner,  pensionierte Militärs wie Oberstltn. a.D. Le Beaul de Nais,  Oberstltn. v. Neuendorff, Rittmeister Schmidt, Major a. D. v. Schmettau, Rittmeister Schach v. Wittenau, Direktor v. Stuckradt, Rechnungsrat Seeger, Ratssekretär Törpsch, Schachtmeister Törpsch und Dr. Weise. Bei der Stichwahl erhielt Barth 241 Stimmen, Rohland 96

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Für die Einrichtung einer weiteren Klasse sollte entweder das Büro des Magistrats oder eine der Lehrerwohnungen verwendet werden. Der Platz vor dem alten Friedhof wo das Spritzenhaus stand, wurde für ein weiteres Jahr an die Anlieger Großmann (Lindenstr. 14) und Radenacker (Kirchplatz 1)verpachtet.

Außerdem wurde die Genehmigung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung der Herrenwiese bekannt gegeben. Der gesamte Uferbereich war den Holzhändlern Gebr. A. und E. Krüger, den Zimmermeistern Fr. Töpfer und Franz Kotte verpachtet. Die Stadt übernahm die öffentliche Wege darunter die Rudelsburgpromenade. 

 

  1. Nov. "Commission zur Hebung des Badeverkehrs (MER C48Ii Nr. 776) .

Dargelegt wurden die Vorteile einer Mitgliedschaft in dem bereits 22 Mitglieder zählenden Verband. Das betraf die überregionale Verteilung der Bäderzeitung „Union“ sowie des Verbandsblatts des ärztlichen Vereins die den Jahresbeitrag von 56 Mark bei Weitem aufwiegen würde.  Bei einem Nichtbeitritt befürchtete man einen erheblichen Imageverlust für das bis dahin meistbesuchte thüringische Solebad.  Unterzeichner waren u. a. Krüger, Zehl, Postmeister Müller und A. Haasenritter. Daraufhin  genehmigte die Kgl. Regierung den Beitritt.

 

  1. Dez. Geburt von Franz Georg Freiherr von Rechenberg (Ev. Taufregister)

Er war der Sohn des Generalleutnants Georg Freiherr von Rechenberg.

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Erfreulicherweise hatte die Anzahl der Badegäste wieder die 2000er Grenze überschritten. Insgesamt wurden 2.173 Badegäste registriert unter denen die Berliner erneut am stärksten vertreten waren. Von den 54 Ausländern waren 24 aus Rußland, 14 aus Amerika und 3 aus Asien.

Die privaten Badeanstalten verbrauchten 14.570 Kubikfuß Sole für Bäder (ca. 480 m³). Außerdem wurden 475 Wellenbäder abgegeben. Zum Personal des Bades gehörten ein Kassenrendant, ein Gradierer, ein Kunstwärter und ein Bürodiener. Dr. Rosenberger verwies zum wiederholten Mal auf den „Mangel an zuverlässigen guten Trinkwasser“. In der ganzen Hauptstraße (Lindenstraße) gäbe es nur einen einzigen brauchbaren Brunnen, der sich noch dazu auf seinem eigenen Grundstück befindet, aber allen Anwohnern zur Verfügung steht. Alle übrigen Hausbrunnen wären durch Fäkalien der daneben liegenden Senkgruben kontaminiert, was zu Typhus führen könnte. Nachdrücklich forderte er eine umgehende Verbesserung, in Anbetracht der Konkurrenz vieler neuer Kur- und Badeorte.

Unter dem Titel „Soolbad Kösen in Thüringen - ein Auszug aus der Badeschrift Dr. Rosenbergers veröffentlichte die Badedirektion eine kleine Broschüre „Zur Mitgabe und Erinnerung für die Badegäste“. Sie informierte den Gast über die Anmeldung, Kurtaxe und Preise für Verpflegung, Unterkunft und Kurmittel.

 

  1. Dez. Die Treibjagd auf den Feldern des Schulgutes brachte 30 Hasen (NKB)

 

1885

 

  1. Jan. Kirchliche Statistik 1884 (NKB)

Die Einwohnerzahl betrug 2.298. Getauft wurden 48, konfirmiert  38 Kinder. Die Stadtschule zählte 279 Kinder. Es gab 21 Trauungen, 41 Sterbefälle und keine uneheliche Geburt.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Burgstr. I-122 (Nr.1) (NKB)

Das Haus gehörte der Ehefrau des Frisörs und Zahntechnikers Karl Haacke. 

 

  1. Jan Streik der Arbeiter der Kersten`schen Drahtseilbahn (NKB)

Grund war die Beitragspflicht zur Ortskrankenkasse (3 Pfg/Tag bei einem Tagelohn von 1,75 Mark). Nachdem die Wortführer  sofort entlassen wurden, fügten sich die übrigen.

 

  1. Mär. Gründungsversammlung des Feuerwehr-Corps (NKB, Röblitz 1930).

Bis zur Auflösung der Saline half deren Werkfeuerwehr auch bei Bränden im Dorf. Danach gab es eine Pflichtfeuerwehr, zu der alle Männer zwischen 20 und 60 Jahren verpflichtet waren, ausgenommen städtische Beamte, Pfarrer, Lehrer sowie Freikäufer. Die wurden einmal im Jahr zusammen gerufen um mit der Spritze und den Leitern zu üben. Ihre Verwendung bei Bränden war  schon wegen mangelnder Ausbildung und fehlender Einsatzbereitschaft nur bedingt möglich. Daher schlossen sich Interessierte zu freiwilligen Feuerwehren zusammen, zumeist Handwerker und Gewerbetriebende, die bei Bränden den größten Schaden zu fürchten hatten  Hier war es der  Badeanstaltsbesitzer Premierleutnant a. D. Zehl auf dessen Aufruf man sich im Groetz`schen Saal traf, wo sich 25 Einwohner bereit erklärten und den Apotheker Lagemann zum Vorsitzenden wählten. Doch zunächst fehlte das Geld für die Ausrüstung. „Solange sich nicht die Ortsbehörde ins Mittel schlägt, oder sich solche Herren an die Spitze stellen, welche die Sache vorläufig aus eigenen Barmitteln bestreiten, wird es wohl schwer halten, hier ein Feuerwehr-Corps zusammen zu bringen“ schrieb ein Leser im März im NKB . 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Zum Vorsitzenden wurde der Buchbinder Wolf gewählt. Der Haushalt 1885/1886 hatte ein Budget von 15.323 Mark. Zur Verbesserung der Stadtfinanzen wurde ein Zuschlag von 85 %  auf die Einkommenssteuer sowie von 10 % auf die Grundsteuer beschlossen. Bewilligt wurde ein Zuschuss von 100 Mark für den auf der Ostseite des Gradierwerks von der Badedirektion geplanten Musikpavillon sowie die Kosten für die Aufnahme im Thüringer Bäder-Verband.

 

  1. Feb. Einrichtung eines Verladegleises für Kalkstein und Holz (NKB)

Damit habe „eine der schönsten Straßen unseres Bades, die Rudelsburgpromenade erheblich gewonnen“, denn bisher wurde der Kalkstein von der Talstation der Drahtseilbahn zum Bahnhof transportiert und die Holzausschleppe ebenfalls vom Bahnhof an die „Katze“ verlegt. Die Verladestellen befanden sich zu der Zeit noch außerhalb des Stadtbezirks.

 

  1. Mär. Erklärung der Stadt- und Landfeuersozietät der Provinz Sachsen (NKB)

Unter der Maßgabe, dass das Feuerwehr-Corps den Grundsätzen der Sozietät bei Ausrüstung und Ausbildung nachkommt, eine städtische Feuerpolizeiordnung erstellt wird und das Corps dem Feuerwehrverband der Provinz beitritt, würden 30 % der Kosten der Ausrüstung beigesteuert.  

Daraufhin konstituierte sich das Corps am 21. März und wählte den Kgl. Konzess. Auktionator W. Becker zum Stellvertreter von Lagemann. Im April stellte sich das Corps erstmals der Öffentlichkeit vor.

 

  1. Feb. Ball der Liedertafel im Kursaal (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden die Einstellung eines Rendanten für die Stadtkasse und die Überlassung der städtischen Feuerspritze dem Feuerwehr-Corps zu Übungszwecken. Im Brandfall hatte allerdings noch der städtische Feuerkommissars Fr. Toepfer die Befehlsgewalt.

 

  1. Mär. Meldung zum Zustand der Straßenbeleuchtung (NKB)

Anstelle der geplanten elektrischen Lampen wurden die Gaslaternen von Petroleum auf Leuchtgas umgerüstet.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (MER C48Ii 776VIII).

Für den Bau eines Musikpavillons am Gradierwerk beantragte der Verein einen Zuschuss aus der Badekasse. Der Regierungspräsident genehmigte 100 Mark.

 

  1. Apr. R. Krause eröffnet ein Fotoatelier (NKB)

 

  1. Apr. Nr. 1, 1. Jahrgang der „Kösener Zeitung“ (StaA Nmb. Nr. 655)

Nach der Einstellung im Jahr 1883 wegen des zu geringen Abonnements, wagte der Heyne Verlag einen zweiten  Anlauf, der ebenso erfolglos blieb.

 

  1. Mai 25jähriges Bestehen der Kirchengemeinde (NKB).

Pastor Barthold ebenfalls seit 25 Jahren im Dienst wurde mit einer Festgabe geehrt.

 

  1. Mai Bestätigung der Veränderungen des Stadtbezirkes (NKB)

Nach Genehmigung des Regierungspräsidenten wurden aus dem Gutsbezirk Pforta und dem Gemeindebezirk Altflemmingen etliche öffentliche Straßen und Wege eingemeindet, die Fränkenauer Trift, Burgstr., Borlachstr., Grüne Gasse, die Saalstraße, die Promenade vom Bahnhof   bis Haus Nr. 53-II (Nr. 19), der Weg am Solschacht, die Salinenstraße sowie verschiedene Wege an der kleinen Saale, die Radinsel, die obere Parkanlage mit dem Gradierwerk, die „Große Promenade“, der Weg am Schwanenteich zum Bahnhof, sowie die Weinberge von Haasenritter, Streuber und Reiffart zwischen der Fränkenauer Hohle und der Ilske und die Weinberge von Frl. v. Gerstenbergk, Fr. A. Werner, W. A. Hertel, A. Hämmerling, K. Fr. Reinsperger und F. W. Wagner zwischen der Ilske und den Saalhäusern.  

 

  1. Mai Eröffnung der Glaserei Saalborn Borlachstr- I-41 (Nr. 19) (NKB)

 

  1. Mai Ankündigung des „Neuen Sommertheaters“ (NKB)

Die Naumburger Theatergesellschaft spielte dreimal wöchentlich im Saal der „Katze“

 

  1. Mai Kursaison (MER C48Ii 776VIII).

Das Kgl. Solbad wurde von den Reg.-Räten v. Bötticher und Hirschfeld einer Revision unterzogen, wobei auch die neue Musikhalle am Gradierwerk eingeweiht wurde. 

Gleichzeitig öffnete der prakt. Arzt J. Löffler das „Wilhelmsbad“ an der Eckartsbergaer Chaussee , dass er für 104.000 Mark von v. Stuckradt erworben hatte. In diesem Zusammenhang  wurden Dr. Löffler und v. Zehl zu Ehrenmitgliedern der Badedirektion  ernannt

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Antrag des Verschönerungsvereins, anstelle von Obstbäumen, Zierbäume entlang der Fahrwege zu pflanzen, wurde genehmigt, allerdings erst wenn die Obstbäume eingegangen waren.

 

  1. Mai Festkommers zum 30jährigen Bestehen des KSCV (NKB)

 

  1. Mai Bebauung des Schäfereifeldes (NKB)

Zimmermeister Fr. Töpfer hatte die Bauplätze von der Landesschule erworben und baute dann  15 Villen, die für kapitalkräftige pensionierte Beamte bzw. deren Witwen gedacht waren und wo neben dem eigenen Alterssitz auch Räumlichkeiten zur Vermietung an Badegäste vorhanden waren (heute das Quartier R.-Breitscheid-Str. -Flemminger Weg – Käthe Kruse Str.)

 

  1. Mai Angebotsabgabe zur Verpachtung der Domäne Kukulau (NKB)

Für die 235 Hektar Acker, 46 Hektar Wiese und Weide, 3 Hektar Garten und Hofraum und 8 Hektar Wald bot als einziger Bewerber der bisherige Pächter Premierleutnant Schulze 22.500 Mark (bisher 18.000 Mark) und bekam den Zuschlag für weitere 16 Jahre.

 

  1. Juni Badelisten (NKB)

Bisher wurden 551 Badegäste registriert, darunter Baron v. Varchmin-Fürstenwalde, Fr. Tromsoloff-Davos, Landrat Graf Honwald-Lübben, Kgl. Kammermusiker P. Tuszek-Berlin, Reichsgerichtsrat Lesser mit Sohn Dr. Lesser-Leipzig, Mr. Riley-England, Fr. Rebekka Benis-Konstantinopel.

 

  1. Juni Meldung über die Abreise der Gräfin Czapka-Romrod (NKB).

Die geschiedene Ehefrau des Großherzogs von Hessen wohnte seit einem Jahr hier, während ihr   Sohn  in Weimar studierte. Nun begab sie sich auf ihre Güter bei Warschau.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Eine Beteiligung an einer Pferdebahn zwischen Kösen und Naumburg wurde zurückgestellt, bis die Naumburger Bahn in Betrieb genommen sei.

 

  1. Juli Eröffnung der städtischen Sparkasse (NKB, MER C 48 Ih Nr. 309I-IV)

Im Dezember 1883 wurde der erste Entwurf eines Sparkassenstatuts bei der Behörde eingereicht, aber wegen zahlreicher Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben und unklarer Formulierungen abgelehnt. Erst am 24. Febr. d. J. erfolgte die Genehmigung und am 20. März beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Eröffnung. Die Kontrolle oblag einem Gremium unter der Leitung des Bürgermeisters, Kassenrendant wurde Dittmann übertragen, Kontrolleur der Stadtsekretär Törpsch. Die Sparkasse wurde in den Magistratsräumen in der städtischen Schule untergebracht. Die Mindesteinlage für Sparbücher betrug 1  Mark, maximal 300 Mark, in Ausnahmefällen bis 1500 Mar. Der Zins wurde mit 3 1/3 % festgelegt. Die Spareinlagen konnten in Staatspapieren angelegt, oder Darlehen für 4 bis 5 % Zinsen bei entsprechenden Sicherheiten an Private und für kommunale Vorhaben ausgereicht werden, wobei hier ab einer bestimmten Höhe die vorherige Genehmigung der Aufsichtsbehörden eingeholt werden musste. 

Im ersten Rechnungsjahr betrugen die Einnahmen aus Einlagen rd. 15.000 Mark, die Entnahmen rd. 5000 Mark, somit betrug der Bestand 10.000 Mark, hinterlegt in 57 Sparbücher. Problematisch in den ersten Jahren war der fehlende Tresor, was noch viel abschreckte, ihr Geld  anzulegen. 

 

  1. Juli Zeitungsmeldung zur Ausbaggerung der Saale (NKB).

Unterhalb der Brücke entfernte die Kgl. Wasserbauinspektion die Sandbänke, die die   Langholzflöße behinderten.

 

  1. Juli Schreiben des Kirchengemeinde die Badedirektion (MER C48Ii 776VIII).

Pfarrer Barthold beabsichtigte die Einrichtung einer „Ferienkolonie“ eine von der Kirche getragene  Wohlfahrtseinrichtung für kranke Kinder bedürftiger Familien aus den Großstädten. Die Kur sollte möglichst kostenfrei sein. Zwar sagten die Badedirektion und die Badeärzte die kostenlose Abgabe der Sole und der medizinische Betreuung zu, doch die Hauswirte verlangten  1,25 Mark pro Tag für Unterkunft und Verpflegung, weshalb das Vorhaben zunächst scheiterte.

 

  1. Aug. Bericht der Badedirektion zur „Ferienkolonie“ (MER C48Ii 776 VIII).

Auf Nachfrage teilte die Badedirektion der Kgl. Regierung mit, dass nicht allein die Forderung der Hauswirte die Ferienkolonie verhindert hätte, sondern eine Diphtherieepidemie bei der 6 einheimische Kinder verstarben.

Allerdings hielt man daran fest, wenn Mittel und Wege gefunden würden, um den Kindern kostenfreie Unterkunft und Verpflegung zu gewähren.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Genehmigt wurde die Polizeiverordnung zur Feuerwehr, abgelehnt wurde der Antrag des Ingenieurs Frohwein auf Beteiligung an der Pferdebahn. Allerdings war man bereit, eine Genehmigung zu erteilen, wenn die Bahn privat finanziert wird. In die Kommission für den Wasserleitungsbau wurden Toepfer, Krüger, Wolf, Leuschner und Heun berufen.

Der Magistrat gab abschließend bekannt, dass eine „ungenannten Person“ der Stadt ein Geschenk in Höhe von 12.000 Mark für den Bau einer Trauerhalle gemacht habe. Das Geschenk wurde angenommen und mit der Kirchengemeinde die erforderlichen Absprachen getroffen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde, der Name Friedrichstraße für den Fahrweg vom Raabe`schen Pädagogium zum Friedhof, nach dem Zimmermeister Toepfer der diesen Straßenzug mit Stadtvillen bebaut hatte. Angenommen wurde eine Spende von 500 Mark von Dr. Rosenberger zur Neuanlage eines Trinkwasserbrunnens auf dem Marktplatz, gegenüber seiner Badeanstalt.

 

  1. Nov. Neuverpachtung der „Katze“ (NKB)
  2. Dix pachtet die Restauration auf sechs Jahre vom Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch.

 

  1. Nov. Neuverpachtung der Gärten auf dem Aschedamm (NKB).

 

  1. Dez. Amtliche Volkszählung (NKB).

Es gab 257 bewohnte und 10 unbewohnte Häuser, 633 Haushalte und 3 Gemeinschaftsanstalten. Von den 2.337 Einwohnern waren 1.001 Männer und 1.336 Frauen.

Nach der Kirchenstatistik gab es 75 Geburten darunter kein uneheliches Kind, 73 Todesfälle und 20 Trauungen

 

               Jahresbericht Dr. Rosenbergers (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Qualität und der Chemismus der Solequellen hatten sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Zur Badedirektion gehörten vier ordentliche Mitglieder (Bgmstr. Richter, Dr. Rosenberger, die Ratsschöffen Oberförster Leuschner  und Kaufmann Siebold) und vier Ehrenmitglieder (v. Stuckradt, Dr. Wahn, Ltn. Zehl, Dr. Löffler)

2.023 Badegäste wurden registriert, darunter 55 Ausländer davon 22 Russen und 12 Österreicher. Gegen die Diphterie hätte die Verwaltung „medizinalpolizeiliche Anordnungen“ erlassen und Desinfektionsmaßnahmen angeordnet. Deren Erfolg sei aber sehr widersprüchlich, denn „Familien, deren Wohnungs- und Lebensverhältnisse … äußerst ungünstig erscheinen, von der Krankheit verschont (blieben), während in besser situierten Hausständen die größte Achtsamkeit, Sorge und Pflege einen schwierigen Ausgang nicht verhindern konnten.“

 

1886 

             

  1. Jan. Verpachtung der „Wilhelmsburg“ (NKB).

Neuer Pächter war B. Völkel, bisher Oberkellner im „Mutigen Ritter“. Der bisherige Pächter Andrä übernahm von Heinrich Lucas den „Preußischen Hof“.

In den anderen Gasthöfen und Restaurationen blieben die bisherigen Besitzer bzw. Pächter (Luft-Erholung, Dix-Katze, Weber-Mutiger Ritter, A. Waldhausen-Lindenstr. 7, Teichgräber-Kurgarten, Groetz, Schumann-Saalhäuser, Feller-Tanne, Bauer-Schöne Aussicht, Schleicher-Rektorberg, Bechmann-Bahnhofswirtschaft). C. Waldhausen der Wirt der Rudelsburg übernahm die Schülerspeisung in der Landesschule.

 

  1. Jan. Das erste Langholzfloß geht über das Wehr (NKB).

Ein Wintereinbruch bringt die Flößerei danach zum Erliegen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766).

Dabei ging es um die Spende für eine Trauerhalle, denn inzwischen kannte man die Wohltäterin, Therese Berbig geb. Streuber, verw. Heinicke, die in ihrem Haus Lindenstraße 25 eine kleine Pension betrieb. Bei der Beerdigung ihres Gatten im September des vorigen Jahres machte sich das Fehlen einer Trauerhalle unangenehm bemerkbar, doch der Kirchengemeinde fehlte einfach das Geld. Allerdings war die Stadt der Empfänger der zweckgebundenen Spende, die nun mit der Kirchengemeinde über die Erbauung und Nutzung der Halle verhandelte.

 

  1. Mär. Bau eines Trinkwasserbrunnens auf dem Markplatz neben der Schule (NKB)

Die wurde durch die Spende Dr. Rosenbergers möglich, allerdings sperrte er danach den Brunnen in Garten seiner Anstalt an der kleinen Promenade für die Öffentlichkeit.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, MER C48 Ih Nr. 920).

Beschlossen wurde die Einführung einer Biersteuer von 0,65 Pfennigen pro Hektoliter.  Dagegen protestierten die Gastwirte, Brauer und Verleger und riefen die Vermittlung des Landrates und des Bezirksausschusses an.

Beschlossen wurde auch ein Regulativ zur Gemeinde-Einkommenssteuer. Personen mit einem Einkommen unter 420 Mark/Jahr, die nicht der öffentlichen Armenpflege unterlagen, zahlten 0,5% des Einkommens, max. 1,50 Mark, alle anderen den gesetzlichen Höchstsatz. Die Genehmigung erteilte der Bezirksausschuss am 12. März.

Beschlossen wurde auch die Reparatur der Wohnung eines „geisteskranken“ Einwohners.

 

  1. Mär. Eröffnung des Bierhandels Panse-Burgstr. I-113 (Nr. 8) (NKB)

Panse hatte das Geschäft von Viehweg übernommen, der sich inzwischen in Weißenfels niedergelassen hatte und sich als Makler für Rittergüter, Mühlen, Fabriken, Gasthöfen und Villen sowie als Vermittler von Hypotheken und Darlehen betätigte. 

 

  1. Mär. Beschwerde Roßners bei der Polizeiverwaltung (StaA Nmb. Nr. 360)

Der Weg vom Hotel Kurzhals quer über die Mühlenwiese war Privatweg für den Müller und dessen „Mahlgäste“. Roßner verlangte die Beseitigung der Schäden, die durch die Fuhrwerke verursacht wurden, die den Bauplatz der Krügerschen Villa anfuhren.

 

  1. Apr. Eröffnung der Bäckerei Maul, Grüne Gasse I-74 (Nr. 2) (NKB)

 

  1. Apr. Ehrung für Sanitätsrat Dr. Rosenberger (NKBN).

Für seine Verdienste erhielt er den preußischen  Kronenorden 3. Klasse. Gleichzeitig war er  altershalber aus der Badedirektion ausgeschieden und hatte das Amt des Badearztes niedergelegt. Die Nachfolge trat  San.-Rat Dr. Wahn an.

 

  1. Apr. Vertrag mit Musikdirektor Schirow (StaA Nmb. Nr. 348)

Vereinbart wurden für Mai und September wöchentlich 4 Konzerte, in den übrigen Monaten an den Wochentagen jeweils 7 Konzerte, dazu kamen die von der Badedirektion veranstalteten Réunions, an Sonn- und Feiertagen ein Choral und die musikalische Umrahmung des Brunnenfestes. Dafür wurde eine Pauschale von 1.925 Mark vereinbart.

 

  1. Apr. Eröffnung einer Stellmacherei in der Burgstr. I-106 (Nr. 14) (NKB)

 

  1. Apr. Verhaftung von „Vogeldieben“ (NKB)

Trotz des Fangverbotes von Singvögeln wurde dieses einträgliche Geschäft weiter betrieben. Die waren nicht nur eine beliebte Speise, sondern wurden auch gern in Käfigen gehalten, wie in diesem Fall die Nachtigallen. 

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB)

Lediglich 200 Flöße kamen zu Verkauf, weshalb die Preise stiegen.  

 

  1. Mai Verkaufsanzeige für die Käserei an der Eckartsbergaer Chaussee (NKB)

 

  1. Mai Eröffnung eines Töchterpensionats, auch für Kurgäste (NKB)

 

  1. Mai Beschwerde der Markthändler (NKB)

Die Ortspolizei sollte das Hausiererunwesen während des Marktes unterbinden.

 

  1. Mai Anzeige zur Eröffnung der Rosenbergerschen Badeanstalt (NKB)

„Zeige ich hiermit ergebenst an, daß mir der Geheime San.-Rat Dr. Rosenberger den Betrieb seiner Badeanstalt für die diesjährige Saison übergeben hat.“ G. Zier. Der wohnte in der Burgstr. I-106 (Nr. 14) und betätigte sich als Personalvermittler und Immobilienmakler. 

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Im Mittelpunkt stand die Trinkwasserversorgung. Dazu sollte der Bedarf für den Haus und Badegebrauch, für Fontänen und die Berieselung der Straßen ermittelt werden. Für die Planung hatte sich ein Ingenieur beworben, der in Jena, Ruhla und Weißenfels bereits tätig war. Für die Voruntersuchungen wurden zunächst 100 Mark bewilligt.

Der Trinkwasserbrunnen  sollte möglichst im Bereich der Radinsel angelegt werden, weil man die Pumpen durch die untere Wasserkraft antreiben könnte. Beschlossen wurde die Nutzung der Gefängniszelle im Schulhaus als Waschküche für die Familien der Lehrer und des Polizeisergeanten.

 

  1. Mai Inspektion der Feuerwehr durch den Oberbrandinspektor (NKB 1910).

Nach der durch die Feuersozietät ermöglichten Anschaffung von Ausrüstung und Bekleidung, trat die Wehr erstmals in voller Montur an, allerdings noch mit einer völlig veralteten Spritze.

 

  1. Mai Errichtung einer Kinderheilstätte (MER C48Ii 766 VIII).

Nachdem der Plan für eine Ferienkolonie gescheitert war, schlug Dr. Löffler und v. Stuckradt, die sich zu einem Komitee zusammengefunden hatten, dem Reg.-Präsidenten die Einrichtung einer Kinderheilstätte für den Regierungsbezirk Merseburg vor. Nach dem Vorbild bereits bestehender Kinderheilanstalten war ein „festes Heim“ geplant, für die Anschaffung und Unterhaltung sollten Spendenaufrufe, Sammlungen und Wohltätigkeitsbasare genutzt werden. Dr. Löffler wollte die medizinische Betreuung kostenlos übernehmen.

 

  1. Juni Erste Vorstellung des Sommertheaters im Saal der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juni Revision der städtischen Badeeinrichtungen (MER C48Ii 766 VIII).

Dabei wurden die positiven Auswirkungen durch den Beitritt zum Thüringer Bäderverband hervorgehoben.

 

  1. Juni Plan einer Zahnradbahn zur Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juli Bericht des Bürgermeisters (MER C48Ii 776 VIII).

Der rechtfertigte sich wegen einer anonymen Beschwerde bei der Kgl. Regierung u.a. wegen des „geräuschvollen Treibens“ in den Lotteriebuden, der Geruchsbelästigung bei der Jaucheabfuhr aus den Sammelgruben und der musikalisch nicht überzeugenden Badekapelle.

 

  1. Juli Basar der „Damenwelt“ zum Besten des Kirchenbaufonds (NKB)

Der Verkauf bracht 900 Mark. Dazu kamen weitere 1000 Mark die eine russische Kurgastdame gespendet hatte. Damit ständen 2/3 der Baukosten aus dem Fond zu Verfügung  

 

  1. Juli Schwimmfest an der „Katze“ (NKB)

Die 30 Schwimmer, darunter zwei Kameruner, folgten einem Floß mit der Badekapelle.

 

  1. Aug. Treffen des „Sängerbundes an der Saale“ (NKB)

Zum 40-jährigen Bestehen war diesmal die Naumburger Claudius-Liedertafel  Gastgeber. Die „Sängerfahrt“ ging über den Knabenberg und die Buchenhalle zur „Katze“, wo sich die mit der Bahn eingetroffenen Frauen anschlossen, weiter zur Rudelsburg. Hier gab es den Festkommers mit Festtafel.

 

  1. Aug. Statut der „Gesamt-Innung geprüfter Gewerkemeister zu Kösen“ (priv).

Außer den Bäckern, die eine eigene Innung hatten, traten alle übrigen Handwerker  bei. Da sich der Innungsbezirk im Umkreis von 15 Kilometer erstreckte, konnten auch Meister aus anderen Orten beitreten, wenn dort keine eigene Innung bestand. So gehörten  auch Naumburger Handwerker zu den 89 Mitgliedern. Der Innungs-Vorstand bestand aus dem Obermeister Fr. Toepfer, dem Sattler G. Sträuber, den Maurermeistern Transchel und Hübner, den Buchbinder Wolf, den Schumacher W. Becker und dem Tischler Vogel. Das Statut wurde 1886 vom Bezirksausschuss genehmigt. 

 

  1. Aug. Schützenfest des älteren Schützencorps (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden 300 Mark für eine Ehrenpforte zum Handwerkertag und die Eingemeindung des Fahrweges vom Raabe`schen Pädagogium zum Pfarrhaus.

 

  1. Aug 1. Sommerfest der Feuerwehr im „Kurgarten“ (NKB).

Es spielte die verstärkte Badekapelle und das Sommertheater gab eine Vorstellung. Der Reinertrag sollte zum Bau des Steigerturms verwendet werden.

 

  1. Sep. Durchreise des Kronprinzen nach Süddeutschland (NKB).

 

  1. Sep. 4. Allgemeiner Deutscher Handwerkertag im „Kursaal“ (NKB).

Auf dem dreitägigen Kongress wurden Beschlüsse zur Bewahrung der handwerklichen Eigenständigkeit gefasst. Die 150 Delegierten wählten den Zimmermeister Toepfer zum 2. Obermeister.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Registriert wurden 2.225 Badegäste, 202 mehr als im Vorjahr und 88 mehr als das Bad Sulza gemeldet hatte, darunter Frl. Duclaux-Lausanne, Opernsängerin Helene Grätsch-Berlin, Miss Symons-Wadebridge, Felix Rosenberger-Hannover, Georg Rosenberger-Geestemünde, Mr. Hillingworth-Brooklyn, M. Schmidt-Cefingenieur der mexikanischen Esenbahn-Mexico, Baron v. Lüdinghausen, Prof. Dr. Theodor v. d. Goltz-Jena, Mrs. Griffith-London, Gräfin v. Breßler-Gotha, Mrs. Forbes-Schottland, Geh. San.-Rat Dr. Güterbock-Berlin, Baron v. Eichstedt-Cöslin, General v. Drygalski-Hannover, Baronin v. Esebeck, Fr. Lüling-Konstantinopel, n Baronin v. Steinfeld-Berlin, Ehrenstiftsdame Therese v. Bülow-Potsdam, Korvettenkapitän Freiherr v. Malzahn und Geh. Legationsrat v. Rammer-Berlin. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Sperrung des Werner`schen Privatweges von der Mausabrücke zum Stadtgut für Fuhrwerke. Abgelehnt wurde der Bauantrag für eine steinerne Brücke über den Schwanenteich und die Reparatur der hölzernen Brücke empfohlen.  Beschlossen wurde die Pflasterung des Platzes vor der Mälzerei (Loreleypr. 3a), weil aus dem Brunnenhaus am Wehrdamm der städtische Sprengwagen befüllt wurde.

 

  1. Nov. Ausschreibung der Neuverpachtung der 16 Parzellen am Aschedamm (NKB)

 

  1. Nov. Jahresbericht des der Kgl. Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Laut der „Balneologische Statistik“ waren unter den 2.225 Gäste 21 Russen, 10 Amerikaner, 10 Engländer und 11 Afrikaner. Abgegeben wurden 19.542 Solebäder, 1.158 Wasserbäder, 2.586 Wellenbäder und 1.249 Inhalationen am Gradierwerk. Dazu meldete das Wilhelmsbad 1.468 „warme Inhalationen“. 

 

  1. Dez. Neumann, Pächter der „Katze“ wirbt für den „neu dekorierten Saal“ (NKB)

 

  1. Dez. Anträge von Dr. Rosenberger und Paul Kersten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Dr. Rosenberger teilte der Kgl. Badedirektion mit, dass er die Badeanstalt aufgeben möchte und als  Ersatz würde Kersten anstelle der in die Jahre gekommenen Anstalt, auf seinem in unmittelbarer Nähe befindlichen Grundstück eine neue Anstalt bauen, wenn der Solevertrag auf ihn übertragen würde. Diese Anstalt trägt „allen Comfort und sonstigen Ansprüchen der Neuzeit innerlich und äußerlich Rechnung“ und die „äußere Facon“ würde von allen Seiten, besonders von der Eisenbahn gesehen werden. Das Abwasser sollte in einem gedeckten Abzugsgraben entlang der kleinen Promenade bis zum Bahndamm fließen,  an dem sich alle übrigen Grundstückseigentümer in der Lindenstraße anschließen könnten. Damit wäre auch die Geruchsbelästigung, die vom bisherigen offenen Fäkalgerinne ausging, beseitigt.

Kersten hatte das einst dem Bergrat Borlachgehörende Grundstück oberhalb der kleinen Promenade erworben. Die einzige Baulichkeit die es hier gab, war die  „Kellerei“. Hier wohnte zuletzt die am 16. Jan. 1882 verstorbene Susanne Amalie Fournier, geb. Gillet, Witwe eines Stettiner Kaufmanns, Hugenottin und mit der Gattin Dr. Rosenbergers weitläufig verwandt. Ihre gleichnamige Tochter zog nach dem Verkauf in die Salinenstraße 22 (Nr. 6) und verstarb am 5. Sept. 1895.

 

  1. Dez. Schreiben an den Reg.- Präsidenten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Als Vorsitzender der Badedirektion bat Bgmstr. Richter um die Genehmigung, der in den Schreiben von Dr. Rosenberger und dem Steinbruchbesitzer P. Kersten gemachten Vorstellungen. Sein Hauptargument, würde die Rosenberger`sche Anstalt geschlossen und wäre kein adäquater Ersatz vorhanden, würde das dem Bad erhebliche Einbußen bescheren.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (StaA Nmb. Nr. 226, BLK-A. Nr. 776).

Der Weg vom Bahnhof über die Herrenwiese zur Saale erhielt den Namen Parkstraße.

 

1887

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Häuser des Kaufmanns Paul Marchand (NKB)

Das betraf die Neue Straße 26 (Friedrich-Ebert Str. 15),  die 27 (Nr. 17) und 28 (Nr. 19). Letztere erwarb Paul Röblitz. Für den Garten unterhalb des Kurgartens bot der Magistrat 6.000 Mark, wurde aber von Teichgräber überboten. Allerdings verkaufte Teichgräber 1890 den Garten an Paul Kersten. 

 

  1. Jan. Genehmigung der Kersten`schen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782)

Das betraf den Soleliefervertrag und die Verlängerung der Soleleitung. Außerdem sollte die Badedirektion dafür sorgen, dass die Aufsicht durch einen Arzt erfolgt und die Anstalt nach den neuesten therapeutischen Gesichtspunkten eingerichtet wird. Für die Erwärmung des Badewassers war ein Dampfkessel vorgesehen und das Abwasser sollte in einen gedeckten Kanal in der kleinen Promenade eingeleitet werden

Nach den Plänen Baumeisters Hasse aus Halle wurde die „Alte Kellerei (1723 vom   Floßmeister Hartig gebaut, bis 1987 Lindenstr.  bzw. Karl-Marx Str. 19 b, dann  Borlachstr. 1) aufgestockt und mit einem zweigeschossiger Seitenflügel erweitert, wo die Pensionszimmer eingerichtet wurden. Für die Wannenabteilung (16 Badezellen mit 18 Wannen) und die Gesellschaftsräume entstand ein Neubau (Lindenstr. 19). Zwischen den beiden Gebäuden erstreckte sich terrassenartig bis zur kleinen Promenade eine Anlage. Das Sanatorium  war nach den modernsten therapeutischen Erkenntnissen eingerichtet und von der Bahn gut zu sehen. Bei der Eröffnung erhielt sie den Namen „Borlachbad“

 

  1. Jan. Verfügung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung (NKB Nr. 69).

Das betraf 102 bebaute und unbebaute Parzellen aus dem Gutsbezirk Pforte, die Grundstücke I-98 bis 100 (Borlachstr. 50-53), I-82 bis 91 (Rudelsburgprom. 8-15), I-79 (Hotel Kurzhals), I-138 (Krüger-Parkstr. 2), die  II-2 (Eckartsbergaer Str. 19) II-3 (Eckartsbergaer Str. 12), III-40 (Zehl`sches Badehaus- Rudolf-Breitscheid Str. 17), III- 9 (Badehaus Dr. Wahn-Naumburger Str. 13), III-10 (Superintendent Möller-Naumburger Str. 14), III-17 (Schuhmacher Fritzsche), III-18 (Rentier Zeitzschel), III-19 (Zimmerermeister Struve), III-20 (Kaufmann Siebold), III-21 (Witwe Meißner), III-22 (Rentier Heller), III-23 (Rentier Hoffmann), d. s. Salinenstr. 1 bis 7, III-10 (Villa Jacobi-R.-Breitscheid Str. 3), III-16 und III-24 (Kirchengemeinde) und III-25 (Dr. Raabe), d. s. Käthe Kruse Str. 1 bis 3.   

 

  1. Jan. Erster auswärtiger Einsatz der freiwilligen Feuerwehr (NKB 1910).

22 Mann beteiligten sich an der Brandbekämpfung eines Schafstalls in  Kukulau.

 

  1. Feb. Plan der Soleleitung für die Kersten`sche Badeanstalt (StA Nmb. Nr. 212)

 

  1. Feb. Der Knecht W. R. Judersleben wird mit Steckbrief gesucht (NKB).

Der hatte sich durch unerlaubte Auswanderung dem Militärdienst entzogen, was durchaus häufig vorkam. Diejenigen, denen man habhaft wurde, wurden hart bestraft.   

 

  1. Mär. Bruno Schmidt übernimmt die Restauration der Rudelsburg (NKB).

Der bisherige Wirt C. Waldhausen, hatte die Schulspeisung der Landesschule gepachtet.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Der Verein wollte mit eigenen Mitteln entlang der kleinen Promenade Bäume pflanzen.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Diesmal waren  es  500 bis 600 Flöße, anstatt der üblichen 1000 bis 1500 Stück.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu Ostern (NKB).

Bei den Inhabern und Pächtern der Gastwirtschaften gab es keine Veränderungen. Lediglich der Grötz‘sche Saal hatte einen neuen Besitzer (Wiesenack), der den Saal aber bereits im Oktober wegen Wegzugs verkaufte

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Ingenieur Henoch erhielt 100 Mark für die Vorplanung der städtischen Wasserversorgung. Mit der Ausführung wurde ein Weißenfelser Ingenieur beauftragt. Zur Unterbindung des Fangs von Wildvögeln wurden 5 Mark Belohnung für die Erfassung von „Nachtigallenfängern“ ausgelobt. Die Polizeiverwaltung sollte sich um die Instandsetzung der kleinen Promenade kümmern, die beim Bau der Kersten`sche Badeanstalt gelitten hatte. 

Gleichzeitig wurde die Namensgebung und die Hausnummerierung der Friedrichstraße beschlossen: Ohm (Nr. 57), Toepfer (Nr. 58), Hohorst (Nr. 59), v. Alvensleben (Nr. 60), Platzer (Nr. 61), Schilling (Nr. 62), Voigt (Nr. 63), Hänsgen (Nr. 64), Axthelm (Nr. 65), Biel (Nr. 66), Enge (Nr. 67), Trauerhalle (Nr. 68)- heute Käthe-Kruse Str.- 4 bis 12 und Flemminger Weg.

 

  1. Juni Antrag zur Instandsetzung des Weges hinter der Mälzerei (StaA Nmb. Nr. 360).

 

  1. Juli Arbeitsbesuch des Regierungspräsidenten v. Diest (NKB).

Bei der Besichtigung der fiskalischen Badeeinrichtungen forderte er die Verbesserung der Ortshygiene.

 

  1. Juli Einquartierung beim Manöver des 96. Infanterieregiments (NKB).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766)

Bewilligt wurden 2.500 Mark für die vom Ingenieur Pfeffer vorgeschlagenen Probebohrungen  nach Trinkwasser auf der Radinsel. Der Vorschlag Kerstens, die Pumpe mittels Dampfmaschine anzutreiben, wurde abgelehnt. Außerdem sollte Pfeffer prüfen, ob man die Quelle am Bahnhof zur Trinkwasserversorgung am linken Saaleufer verwenden könnte.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Die Kgl. Regierung wurde gebeten, bei der Bahnverwaltung vorzusprechen, um den Lärm bei der Bahnverladung einzudämmen. Darüber hatten sich die Beschwerden der Gäste gehäuft. Außerdem sollten die Jauche- und Dungfuhren der Domänen durch die Stadt am Tag untersagt werden.

 

  1. Sep. Ergänzung des Statuts der Ortskrankenkasse von 1884 (NKB)

Aufgenommen wurden alle Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft soweit das Jahreseinkommen 200 Mark nicht übersteigt.

 

  1. Sep. Reichspostminister Dr. Heinrich v. Stephan besichtigt die Poststelle (NKB).

Nach dem Stadtplan von Töpfer/Frohwein befand sie sich in der heutigen Lindenstraße 17. Weil die Räume in keiner Weise den Anforderungen der Reichspost entsprachen, wurde das Amt übergangsweise in der Lindenstraße 11 untergebracht. Das erforderliche Amtsmobiliar wurde im Januar ausgeschrieben. Parallel dazu erwog man einen Neubau, der aber wegen fehlender Mittel zurückgestellt wurde.

 

  1. Sep. Amtliche Warnung vor der Reblaus (Weinbaugesellschaft).

Der Schädling, der mit französischen Reben eingeschleppt wurde, hatte zunächst das Gebiet der  Unstrut befallen und breitete sich nun an der Saale  zwischen Jena und Weißenfels aus.  Da alle Bekämpfungsmittel versagten, wurde eine „Reblauskommission“ gebildet, um wirksame Gegenmaßnahmen zur weiteren Ausbreitung zu ergreifen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Inanspruchnahme des Amtsgerichtes zur Rückforderung von Unterstützungen aus der Armenkasse für die Emilie Kotte. Die hatte sie bekommen, obwohl ihre Mutter und ihr Onkel der Kohlenhändler Haase in erster Linie zur Unterstützung beizutragen hatten. Außerdem sollte der Magistrat bei der Bahnverwaltung die uneingeschränkte Benutzung der Ladestraße zwischen dem Mühlenweg und dem Bahnhof beantragen, denn die Promenade war für den öffentlichen Fahrverkehr gesperrt. Lediglich die Fuhrwerke von und zur Mühle durften fahren. Alle übrigen Fuhrwerke zum Bahnhof  benutzten die kleine Promenade.

Die Stadtverordneten nahmen den Senff`schen Nachlass an. Das Senff`sche Anwesen (Lindenstraße Nr. 3) erwarben die Geschwister Puttrich, Nachkommen des früheren Floßmeisters, die die kleine Pension weiter betrieben.  

 

  1. Okt. Postmeister Müller wird nach 40 Dienstjahren pensioniert (NKB).

Sein Nachfolger wurde Postmeister Eckleben.

 

      Okt. Baubeginn für den Kanal zum Holzwerk von Graf & Döhler (NKB).

Der begann unterhalb der Fähre am Gasthof „Zur Katze“ war 100 Meter lang, 8 bis 10 Meter breit und endete am Anschlussgleis. Im Zuge der Rudelsburgpromenade wurde ein eiserner Steg errichtet.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766)

Bewilligt wurden die Mittel für die Trinkwasserbohrung auf der Radinsel und den Ankauf der Parzelle, falls man fündig würde. Im Dezember stieß man auf eine Quelle, die aber wegen Verunreinigungen und geringer Ergiebigkeit nicht nutzbar war.

 

  1. Nov. Gründung des Verbandes Alter Corpsstudenten in München (Archiv VAC).

 

1888

 

  1. Jan. Ernennung von Dr. Risse zum Arzt der Ortskrankenkasse (NKB 1904).

Seine Praxis befand sich in der von ihm erworbenen Villa Viktoria (Lindenstr.15). Im November wurde er vom Landrat zum Kassenarzt der Landgemeinden Flemmingen, Kleinheringen, Kreipitzsch, Kukulau, Fränkenau, Lengefeld, Rödigen, Saaleck, Stendorf, Hassenhausen, Pomnitz, Punschrau, Ober- und Niedermöllern ernannt. 

 

  1. Jan. Kirchliche Jahresstatistik 1887 (NKB)

Demnach gab es 2.337 Einwohner, getraut wurden 16 Ehepaare, 40 Kinder konfirmiert, gestorben waren 47, davon 12 Kinder bis zu 1 Jahr und 15 zwischen 70 und 87 Jahren. Bei anteilmäßiger Anrechung der Badegäste hatte die Stadt im Vergleich zum übrigen Deutschland eine verhältnismäßig niedrige Sterberate.

Die Badedirektion meldete 2.138 Kurgäste (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Bürgermeister bittet aus gesundheitlichen Gründen um Entbindung von seinem Amt, was ihm zum 1. März auch bewilligt wird.

 

  1. Jan. Ortstermin wegen der Verlegung des Güterbahnhofs (NKB)

„Nichts hat die Einwohner so ernsthaft beschäftigt, wie das Vorhaben der Eisenbahn, die Betriebsanlagen in den Mittelpunkt der Stadt hineinzuschieben. Hiernach soll der Wiesengrund zwischen der kleinen Promenade und dem Bahndamm bis zu dessen Höhe  und fast die Hälfte der Wiese verschüttet werden, um 8 Schienengleise, Güterschuppen etc. anzulegen (.). man wird gewiß erkennen, daß mit der Durchführung dieses Planes  der Erwerb durch den Badeverkehr vernichtet wird“ Daraufhin verfasste der Magistrat eine Protestnote.

„Zur Entgegennahme der Erklärung fanden sich auf dem Bahnhof die Vertreter der Kgl. Regierung zu Merseburg, der Reichsbahndirektion Erfurt, der Badedirektion, der städtischen Behörden, der Landschule Pforta, der Landrat Barth  sowie ein Menge hiesiger Bürger ein (.) Von der Stadtbehörde und der Badedirektion  wurde ein motivierter Protest gegen die geplante Anlage den Herren Reg.-Vertretern übergeben (.) Von den einsichtsvollen Wohlwollen der Staatsbehörden darf man daher mit Sicherheit hoffen, daß diese Gefahr an unserm freundlichen Heilort vorübergeht…“

 

  1. Jan. Geschäftsanzeige des Tischlers Schimpfermann (NKB)

Der hatte sein Geschäft mit Sarglager in die Neue Straße 13 b verlegt. Demnach wurde das Grundstück nach 1880 geteilt, heute Fr. Ebert Str. 8 und 10.

 

  1. Jan. Vermietungsanzeige des Bäckers Hämmerling (NKB)

„Meine in der 1. Etage befindl. herrschaftl. Wohnung, seit 3 Jahren vom Freiherrn v. Rechenberg bewohnt, bestehend aus 6 zweifenstrigen und 3 einfenstrigen Zimmern, großer Küche, geräumigen Korridor und sonst Zubehör (.) ist zu vermieten, Preis 900 Mark.“

 

  1. Jan. Ergänzung des Statuts der Ortskrankenkasse (NKB)

„Familienmitglieder erhalten eine Kranken und Wöchnerinnen-Unterstützung sowie ein Sterbegeld...“

 

  1. Jan. Geschäftsanzeige der Anna Haasenritter (NKB)

„Daß ich die bisher betriebene Bäckerei und Restauration an Hr. Bäckermeister Häun käuflich abgetreten habe…“ (An der Brücke 2)

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung in der „Tanne“ (NKB)

Angeboten wurden 4.500 Zigarren, 196 Flaschen Rum, 42 Flaschen Kognak, 26 Flaschen Aromatique. Wenig später folgten die Faßware, mehrere 100 Flaschen Wein und sonstiges Gaststättenzubehör.

 

  1. Jan. Anzeige von Frl. Hartmann (NKB)

„In meinem Töchterpensionat finden Töchter der gebildeten Stände frdl. Aufnahme, Pflege der Gesundheit, Fortbildung in der Wissenschaft, Sprache und Musik – beste Referenzen“.

 

  1. Feb. B. Schmidt lädt zum „Pfannkuchenschlemmen“ auf die Rudelsburg (NKB)

Den Weg von der „Katze“ zur Burg hatte er der Bequemlichkeit wegen vom Schnee beräumt.

 

  1. Feb. Veröffentlichung der Fahrpreise mit der Bahn nach Naumburg (NKB)

Die einfache Fahrt mit dem Schnellzug kostete 80 Pfg. in der I. Klasse, 60 Pfg. in der II. und 40 Pfg. in der III. Klasse. Mit dem Personenzug waren es 70 Pfg. in der I. , 50 Pfg. in der II. und 0,40 Pfg. in der der III. Klasse.  Die für 2 Tage gültige Rückfahrkarte kostete in der II. Klasse 80 Pfg. und in der III. Klasse 50 Pfg. Sonntagsrückfahrkarten in der II. Klasse 2 Mark und 1,30 Mark in der III. Klasse.

Zum Saisonbeginn wurden „Badeabonnements“ für 30 Fahrten innerhalb von zwei Monaten zwischen dem 15. Mai und 15. September zugunsten „des persönlichen Verkehrs zwischen den Badegästen und ihren Familien“ angeboten.

 

  1. Mär. Beschwerde des Sparkassenkontrolleurs (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Bislang bekam Törpsch 25 Mark, die ihm entzogen wurden, da er diese Tätigkeit während seiner Arbeitszeit als städtischer Angestellter wahrnahm und im Gehalt mit abgegolten waren. Darüber beschwerte sich Törpsch bei der Oberbehörde.  

 

  1. Mär. Gründung eine Fördervereins (MER C48Ii 776 VIII).

Zweck des "Vereins zur Förderung der Interessen des Bades "war die  Hebung des Bades „indem er dessen Vorzüge in der Öffentlichkeit volle Anerkennung verschaffen, dagegen seine etwaigen Mißstände im Innern beseitigen sucht“. Die Einwohnerschaft wurde per Flugblatt zur Mitwirkung aufgerufen. Gründungsmitglieder waren u. a. Hämmerling, Kersten, Dr. Risse, Saalborn, Soff, Techow, Törpsch und Weber.

 

  1. Mär. Ein Hochwasser überflutet den Kurpark und die Saalstraße (NKB)

 

  1. Mär. Sitzung des Vereins zur Hebung des Badebetriebes (StaA Nmb. Nr. 226).

Die Herren Müller, Dr. Risse, Weber und Leuschner erklärten, dass neben den aufstrebenden  thüringischen Bädern und Luftkurorten, die mit umfangreichen Investitionen, überregionaler Werbung und intensive Kontakten zu den Ärzten in den Großstädten insbesondere die völlig unzureichende Infrastruktur zum Rückgang der Badegäste beigetragen habe. Da die örtlichen Besitzverhältnisse verwickelt und  damit größeren Investitionen im Wege stünden, sollte zunächst eine zusätzliche Abgabe erhoben werden, die ausschließlich der Hebung des Bades dient. Weitere Mittel sollten durch Kürzung der Gehälter und den Ausgaben des Magistrats erzielt und die Arbeiten an Wegen und Promenaden besser überwacht werden. Gefordert wurde die strenge  Kontrolle der Sauberkeit  durch die Orts-Polizei, die regelmäßige Besprengung der Straßen, die Vermeidung von Unterbrechungen der Soleförderung und Gradierung während der Saison, Verbesserung des Straßenbelags, Verstärkung der Badekapelle und Verbesserung des Repertoirs, Gewinnung der Aufmerksamkeit auswärtiger Ärzte und Verbesserung der hygienischen Bedingungen zur Verhinderung von Infektionskrankheiten.

   

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Kanalisierung und Pflasterung der Grünen Gasse wobei die 4 Hauswirte mit 15 Mark beteiligt werden sollten. Bürgermeister Rudolph wurden 900 Mark Pension bewilligt.

 

  1. Mär. Vertrag zur Nutzung des Mühlenweges (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Hotelier Kurzhals, die Badedirektion, die Eisenbahnverwaltung und der Mühlenbesitzer einigten sich auf die Verlegung des Mühlenweges.  Damit entfiel der Wagenverkehr von und zur Mühle vor dem Kurzhals`schen Hotel und der durfte auf dem freien Platz an der Nordseite eine Sommerhalle errichten und Konzerte veranstalten. Am 31. März erfolgte die Veröffentlichung im Amtsblatt.

 

  1. Mär. Gedächtnisfeier und Gottesdienst zum Tod Kaiser Wilhelm I. (NKB)

 

  1. Mär. Panse übernimmt die Bierhandlung , Burgstr. I-113 (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Apr. Kamprad, Hofmeister in Burkersroda baut die Eckartsbergaer Str. 10 (NKB)

 

  1. Apr. Konstituierende Versammlung des VAC in München (Handbuch KSCV).

Im Oktober erschien dann der Beitrag  „Die Rudelsburg und der Hohe Kösener“ in der Zeitschrift „Daheim“ (priv).

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Therkorn`schen Nachlasses (NKB).

Zur Auflösung der Erbengemeinschaft des ehemaligen Dürrenberger Schmiedemeisters wurde die  neben dem Borlachschacht gelegene Salinenschmiede, auch Bergschmiede  genannt  (Rudolf-Breitscheid Str. 10) und  der Weinberg genannt das „Eulengeschrei“ an der Ilske angeboten.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, StaA Nmb. Nr. 226/NKB)

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle mit einem Jahresgehalt von 1.800 Mark und 450 Mark für die Badedirektion.

 

  1. Apr. Regulativ zur Brau- und Biersteuer (MER C48 Ih Nr. 920)

Zur Verbesserung der Stadtfinanzen sollte ein Zuschlag von 50 % zur staatlichen Biersteuer und ein Zuschlag von 65 Pfg. für jeden Hektoliter auswärtigen Bieres, der im Stadtbezirk ausgeschenkt wurde, erhoben werden. Betroffen waren alle Schankbetriebe sowie die Bierhändler. Trotz deren massiven Widerstandes genehmigten die Behörden die Abgabe, die ab 1. Oktober erhoben wurde.

 

  1. Apr. Anzeige des Kgl. Eisenbahnbetriebsamtes (NKB)

„Nach dem Ableben des bahnamtlichen Rollfuhrunternehmers der Station Kösen ist die vertragsamtliche An- und Abfuhr der Eil- und Frachtgüter daselbst dem Rollfuhrunternehmer Oestreich übertragen worden…“

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Wegen ungünstiger Wasserverhältnisse waren wiederum nur 200 bis 250 Flöße eingetroffen.  Das Gros kam erst zur Johannismesse. Der neue Pächter der „Katze“ Naumann lud zum Konzert ein.

 

  1. Apr. Anzeige der Fa. Graf & Döhler (NKB)

„Die an unseren Floßgraben angeschlossene Verladestelle für Rundhölzer ist soweit  fertig (.) Die Vorteile sind bedeutend billigere Verladekosten (.) und die Stämme welche rein vom Schmutz werden direkt aus dem Wasser auf Schienen gehend zur Lowrys befördert …“ Damit entfiel die bisherige Pferdeschleppe zwischen der heutigen Rudelsburgpromenade 9 und 10, gegenüber dem neuen Ladeperron der Eisenbahn. 

Seit Jahresbeginn war die Firma im Stadtbezirk ansässig (Rudelsburgpromenade 17) und  besaß einen Holzplatz oberhalb der Krümme entlang der Herrenwiese (Parkstraße 12 bis 14, Rudelsburgpromenade 1 bis 3).  

 

  1. Apr. Anzeige des Handelsgärtners Möller (NKB)

„Hiermit untersage ich das Abladen von Asche, Schutt etc. ebenso das Zuleiten von Wasser auf mein Grundstück...“

 

  1. Mai Eröffnung der Badeanstalten (NKB)

Die Zehl`sche Badeanstalt am Gradierwerk hatte Maria Rössiger, die Wahnsche Badeanstalt, nunmehr  Germania-Bad, Jenny Wagner gepachtet.

 

  1. Mai Versammlung des Vereins zur Förderung der Interessen des Bades (NKB)

Man verwahrte sich gegen eine Zeitungsmeldung, wonach die Badedirektion den Sulzaer Badearzt Dr. Sänger als Badearzt nach Kösen berufen habe.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Man befasste sich mit dem Antrag des Verschönerungsvereins, am linken Saaleufer vom Hoffmann`schen  bis  zum Pönicke`schen Grundstück  einen Promenadenweg anzulegen, und dem Antrag des Vereins zur Förderung des Bades Anschlagsäulen am Marktplatz, an der Kreuzung Neue Straße-Querstraße und an der Saalebrücke neben der unteren Wasserkunst aufzustellen.

 

  1. Mai Schreiben des Magistrats an die Eisenbahnverwaltung (StaA Nmb. Nr. 226)

Badegäste, die sich schriftlich bei der Badedirektion anmeldeten, wurden am Bahnhof abgeholt und in die reservierten Quartiere gebracht.  Aber es kamen auch viele auf „Gut Glück“. Daher warteten auch immer Einwohner, Kutscher und Hausknechte mit Handkarren am Bahnhof auf das Eintreffen eines Zuges, um den Gast ein Quartier anzubieten. Doch dieser Service artete aus, wenn mehr „Schlepper“ am Bahnhof warteten, als Reisende ankamen. Dann entwickelte sich ein regelrechter Kampf um den Gast, der oft als Nötigung empfunden wurde. Um dieser Unsitte ein Ende zu machen, beantragte man bei der Bahnverwaltung die Aufstellung einer Informationstafel mit dem Verzeichnis aller Vermieter, damit sich die Ankommenden selbst ihr Quartier aussuchen könnten. Die Bahnverwaltung genehmigte das, aber das Schlepperunwesen konnte damit nicht unterbunden werden, denn für den Gepäcktransport musste man sich zwangsläufig auch eines  „Schleppers“ bedienen.

 

  1. Mai Versteigerung des Nachlasses der Witwe des Prof. Jacobi (NKB)

Die Villa Jacobi (R.-Breitscheid Str. 3) kaufte der Verein für die Kinderheilstätte.

 

  1. Mai Wahl des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 324)

In die engere Wahl von insgesamt 59 Bewerber kam der Premierleutnant Rudolph, der Oberbürgermeister von Naumburg Gockel und ein Dr. jur Straus aus Aichendorf. Die Letzteren hatten die  gleichen Stimmen, weshalb hier das Los entschied. In der Stichwahl bekam Rudolph 9 Stimmen und Straus 3.

 

  1. Juni J. Scheufler übernimmt die Fleischerei Neue Straße 22 (Nr. 13) (NKB)

 

  1. Juni Hochwasser (NKB)

Neben zahlreichen losgerissenen Floßhölzern hatte es auch die Gräfe`schen Badeanstalt (Rudelsburgprom. 18)  fortgerissen und vor die Brückenpfeiler getrieben.

 

  1. Juni Trauerfeier und Trauergottesdienst für Kaiser Friedrich III. (NKB)

Unter den Anwesenden war auch der als Badegast hier weilende Genremaler Max Liebermann (1847-1935), der hier die Anregung für sein Gemälde „Gedächtnisfeier für Kaiser Friedrich in Kösen“ erhielt (Stadtmuseum Berlin).

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Übernahme der beiden von Fr. Toepfer angelegten Trinkwasserbrunnen an der Kukulauer und der Friedrichstraße. Von der Kgl. Regierung sollte eine Anordnung erlassen werden, mit der Ökonomen und Domänenpächtern angehalten werden, Jauche, Dünger und andere übelriechenden Stoffen in der Saison nur von Mitternacht bis früh 6 Uhr durch die Stadt zu transportieren.

  

  1. Juni Geschäftseröffnung des Kunst- und Handelsgärtners B. Gärtner (NKB)

Die Filiale befand sich im Untergeschoss des neugebauten Logierhauses vom „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Amtsantritt des Bürgermeisters Albert Rudolph (Röblitz, 1930).

Von einem Premierleutnant d. L. (1858 - 1903) erhoffte man sich, dass nach den peinlichen Ereignissen des letzten Jahrzehnts  wieder für Ordnung und Moral gesorgt würde.

 

  1. Juli Erster Basar zum Besten der Kinderheilstätte (NKB)

 

  1. Juli Veröffentlichung der Kirchensteuersätze (NKB)

Die Synode der Kirchengemeinde Naumburg-Pforta hatte 2,5 % festgelegt. Basis war die Einkommens- und Klassensteuer der angeschlossenen Gemeinden, für Kösen waren das 13.683 Mark.

 

  1. Juli Spendenaufruf für die Einrichtung eines städtischen Krankenhauses (priv).

Pfarrer Barthold, Bürgermeister Rudolph, die Stadtverordneten Becker, Leuschner, Müller, Dr. Raabe, Siebold, Töpfer und Weber sen. sowie Roßner, Dr. Risse, San.-Rat Dr. Wahn und Weber jun. unterzeichneten den Aufruf.

 

  1. Aug. Polizeiverordnung zum Betrieb von Abort- und Abfallanlagen (NKB).

 

  1. Aug. Eröffnung der Kinderheilstätte (MER C48Ii Nr. 776 VIII, NKB).

Im Juli hatte der Vorstand der Kinderheilstätte (Landrat Barth und Gattin, Hauptmann a.D. von Stuckradt, Dr. med. Löffler, Frl. v. Gerstenbergk, Frl. Freytag) dem Oberregierungsrat von Bötticher eine Denkschrift übergeben. Darin wurde die Notwendigkeit für eine solche  Einrichtung für an „Scrophulose“ erkrankte Kinder begründet. Diese Krankheit, die bei der ärmeren Bevölkerung stark verbreitet war, lastete auch auf den städtischen Armenkassen. Daher war es vom „nationalökonomischen Standpunkt“ geboten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um „die Arbeitskraft, die der bürgerlichen Gesellschaft alljährlich durch vernachlässigte Scrophulose verloren geht“ zu erhalten.

Zu diesem Zweck habe man dank großzügiger Spenden ein „stattliches Haus mit großen, luftigen Räumen  in gesunder Lage“ für 40.000 Mark von den Jacobischen Erben erworben. 12 Betten „für die in dumpfen Hütten geborenen, mit karger Kost genährten Kinder“ gab es. Vom 1. Mai bis 15. September sollten drei Durchgänge für  jeweils 6 Wochen erfolgen. Die kostenlose medizinische Betreuung übernahm Dr. Löffler. Betreut wurden die  Kinder von Pflegerinnen. Die Kosten betrugen 60 Mark und wurden für Kinder aus  unbemittelten Familien aus Spenden aufgebracht, bemittelte Eltern zahlten 75 Mark, die vor Kurbeginn bei Frl. v. Gerstenbergk einzuzahlen waren. Aufgenommen wurden Mädchen und Jungen aller Konfessionen zwischen 3 und 14 Jahren, die an  Scrophulose, Rachitis und körperlicher Schwäche litten.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Nach der erfolglosen Abbohrung eines Trinkwasserbrunnens auf der Radinsel, sollte der Magistrat mit Weber bzw. der Landesschule über den Ankauf einer Parzelle hinter dem Köhler`schen Garten (Borlachstraße 34a) verhandeln, um hier eine weitere Bohrung niederzubringen. Wegen der Nähe der Quelle hielt man diesen Standort für geeignet. Doch wegen fehlender Mittel wurde die Sache vertagt und kam erst sieben Jahre später zur Ausführung.

 

  1. Aug. Musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung im Kursaal (NKB)

Zum Besten der Kinderheilstätte spielte die Badekapelle unter Leitung des Musikdirektors Schirow und unter Mitwirkung der Opernsängerin Schmidek-Harrison.  

 

  1. Sep. Kreisarztes Dr. Risse wird Ehrenmitglied der Badedirektion (NKB).

 

  1. Sep. Gründung der Fleisch- und Wurstfabrik der Gebrüder Matthes (NKB).

Als sich der Plan eines städtischen Schlachthauses zerschlug, errichteten die Gebrüder Matthes, die seit 1809 eine Hausschlachterei in der Grünen Gasse (4/5) betrieben, eine Fabrik.

 

  1. Sep. Pensionierung des 1. Lehrers der städtischen Schule K. Zeiger (NKB).

Als Nachfolger wurde der  Kantor Mönchheimer aus Steigra berufen. Zeiger war dann der Verfasser des „Rudelsburg-Albums“

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Auf Anordnung des Ministers sollte der Leipziger Apotheker Siebold die Trinkwasserbrunnen regelmäßig überprüfen. Darüber hinaus sollte eine Kommission  (Siebold, Müller, Toepfer, Dr. Risse, Dr. Löffler) einen geeigneten Standort für den Bau eines städtischen Krankenhauses vorschlagen. Dafür standen 4.297 Mark zur Verfügung, gesammelt vom Komitee für den Krankenhausbau.

 

  1. Sep. Beschluss zum Schulgeld (NKB)

Die beiden untersten Stufen der Klassensteuer sollte vom Schulgeld freigestellt werden, was der Stadtkasse jährlich 1000 Mark kostete. Dennoch genehmigte die Behörde den Beschluss.

 

  1. Sep. Herbsttruppenübung (NKB)

In der Stadt wurden der Stab und das 2. Bataillon des Infanterie-Reg. 71 sowie das 1. und 3. Bataillon. des Füsilier-Reg. Nr. 36 einquartiert

 

  1. Sep. Versammlung des Saale-Unstrut Bezirks des Dt. Kriegerbundes (NKB)

 

  1. Sep. Einweihung des Gedenksteins für den Herzog von Braunschweig (NKB)

Die Herzogl. Regierung von Braunschweig hatte 1.500 Mark gestiftet, um den von Herzog Karl-August von Sachsen-Weimar bereits 1808 errichteten Gedenkstein zu ersetzen. Den Entwurf dafür lieferte der Zimmermeister Fr. Toepfer, die Ausführung übernahmen der Maurermeister Werner und der Malermeister Leschke, die Bepflanzung der Handelsgärtner Köhler alle von hier. 

Zur Einweihung waren u. a. anwesend S. Exz. Graf v. Gneisenau, der herzogl. braunschweig. Ministerresident Freiherr von Cramm-Burgsdorf und Oberst v. Brandenstein.

 

  1. Sep. Außerordentliche Generalversammlung des Vorschussvereins (NKB)

Dabei wurde dem Kfm. Scholvien für seine 27jährige Tätigkeit als Rendant gedankt.

 

  1. Sep. Kosten für die Fußgängerbrücke über die kleine Saale (StaA Nmb. Nr. 360)

Den besten Preis bot der Maurermeister Werner. Der Prokurator genehmigte den Einbau eines Dammes in der kleinen Saale für die Bauzeit von 8 Tagen, unbeschadet etwaiger Ansprüche der Mühlenpächter in Pforte und Altenburg. Wegen finanzieller Probleme der Stadt wurde das Vorhaben erneut zurückgestellt.

 

  1. Sep. Ausschreibung für den Neubau eines Schafstalls in Kukulau (NKB)

 

  1. Sep. Grenzkorrektur des Therkorn`schen Grundstücks (StaA Nmb. Nr. 360)

Michael Therkorn bei der Erbauseinandersetzung die Salinenschmiede (R.-Breitscheid Str. 10) erworben, zu der auch eine Parzelle gehörte, die erst 1884 vom Erblasser erworben wurde. Hier standen noch einige zum Solschacht gehörende Schuppen und Ställe, deren Beseitigung er verlangte. Außerdem verlief über das Grundstück die Röhrenfahrt zu den Badehäusern. Er verlangte  deren Verlegung, bzw. einen angemessenen Grundstückstausch.

 

  1. Sep. Verkauf der Lengefelder Fähre und des Fährhauses (NKB)

Die gehörten dem Holzhändler Alfred Gräfe. Eine Woche später wurde das gesamte Inventar zwangsversteigert.

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Registriert wurden 2.253 Badegäste, 84 mehr als in Sulza gemeldet wurden. Neben Max Liebermann waren es General v. Unruhe-Berlin, Frau Lepsius-Naumburg, Major Graf Henckel v. Donnersmarck mit Gattin-Breslau, Fr. Exz. General v. Schmeltzer-Berlin, Konzertmeister Hermann Heber-Berlin, Frau Exz. v. Puttkammer-Berlin, Gräfin Schmettow, C. Seraphimoff-Bulgarien, der Theologe Prof. Freiherr v. d. Goltz (1835-1906)-Jena, Stiftsdame  C. v. Gaudy (1844-1929) und Ehrenstiftsdame Adelheid v. Alvensleben, Reichsgerichts-Senatspräsident Dr. Drechsler-Leipzig, Mr. C. Parker-New York,  die Stiftsdamen Frl. v. Herzberg und Frl. v. Schorlemmer-Charlottenburg, Bankier Lodovico Stein-Rom, Prof. Dr. Branco-Königsberg, Baronin v. Sternfeld. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurde eine Lohnerhöhung für die Laternenanzünder (Nachtwächter). Pro Lampe wurden nun 2,50 Mark anstelle  von 1,50 Mark gezahlt. Beschlossen wurde der Ankauf des Anwesens des Posthilfsboten Dagobert Kamprad für 16.800 Mark um hier ein das städtische Kranken- und Siechenhauseizurichten. Allerdings kam der kauf nicht zu Stande.

 

  1. Okt. Im „Mutigen Ritter“ werden Solewannen aufgestellt (NKB)

Ein bis zweimal wöchentlich konnten außerhalb der Saison auch Einwohner warme Wannenbäder nehmen. 

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner für die Wahlen zum preußischen Landtag (NKB).

In den beiden Urwahlbezirken kandidierten in der II. Klasse Zimmermeister Töpfer, Sattlermeister Sträuber, und Oberförster a. D. Leuschner, in der II. Klasse Rentier Heun, Kaufmann F. A. Koch und Dr. Rabe und in der I. Klasse Postmeister a. D. Müller, Hotelier Kurzhals und Direktor a. D. v. Stuckradt. Wahlbüros befanden sich im Hotel Kurzhals und im „Mutigen Ritter“ 

 

  1. Nov. Nachlassversteigerung in der Restauration „Zur Post“ (NKB)

Der Groetz`schen Saal gehörte nun dem Wirt Bruno Völkel, bislang Pächter der Restauration der „Wilhelmsburg“, der die Lokalität als „Post und Ratskeller“ führte. Versteigert wurde der Nachlass der Witwe des Appellations-Gerichtsrat  v. Leipziger, die lange Zeit hier gewohnt hatte.

 

  1. Nov. Stadtverordnetennachwahl (NKB)

Von den aufgestellten Kandidaten erhielt Paul Kersten die meisten Stimmen, auch wenn ein Anonymus inserierte „Von der Wahl von P. Kersten ist abzusehen...“

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Wegen der Anweisung der Behörden sollte die Schule um eine Klasse erweitert und zwei Lehrer eingestellt werden, was ein neues Schulhaus erforderte. Als Platz kam der alte Friedhof in Frage und die Stadtgemeinde bot der Kirchengemeinde das Grundstück der 1854 erbauten Schule als Bauplatz für die Kirche im Tausch gegen den alten Friedhof an.  Nachdem die Kirchengemeinde zugestimmt hatte, stimmte auch die Mehrheit der Stadtverordneten für diesen Tausch. Dazu schrieb ein Leser:

„Hätten die Kösener Stadtverordneten nicht besser im Interesse der Stadt gehandelt, wenn sie beschlossen hätten, das schöne neue Schulhaus stehen zu lassen und einen entsprechenden Anbau an dasselbe anzufügen, anstatt es wegzureißen, um die Kirche dorthin zu bauen, während die Kirche auf dem alten Friedhof errichtet werden konnte. 30.000 Mark würden dadurch dem Stadtsäckel erspart und die Kirche würde von dem Straßenverkehr weit weniger belästigt. Ein schönes Schulhaus ziert den Markt ebenso sehr als eine Kirche...“

 

  1. Dez. Kaufmann Albert Saalborn übernimmt das Geschäft J. G. Lehmann (NKB).

 

  1. Dez. Konzert zum Besten des Verschönerungsvereins im Kursaal (NKB)

Von den 80 Mark Reinertrag sollte eine Wettersäule für den Kurpark angeschafft werden.

 

  1. Dez. C. Pagels pachtet die Restauration der „Kaiser Wilhelmsburg“ (NKB).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Nach einigen Ergänzungen wurde der Plan für den Neubau der Schule angenommen. Das  Angebot der Landesfeuersozietät für die städtische Wasserleitung 2000 Mark beizusteuern, wenn die Einrichtung von Hydranten berücksichtigt wird war dann Anlass das Projekt eines städtischen Wasserwerkes wieder aufzunehmen, nachdem die bisherigen Versuche ergebnislos blieben, die Kosten für den Neubau von Brunnen in den Straßen sowie deren Unterhaltung immer weiter stiegen und die hygienische Situation des Bades alles andere als zuträglich war.

 

             Jahresbericht der Badedirektion (MER  C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Anzahl der Kurgäste betrug 2.253. Insgesamt wurden  21.223 Sole-, 2.065 Wasser -, 354 elektrische und 1.422 Wellenbäder verabreicht.

 

1889

 

  1. Jan. Standesamtliche Statistik 1888 (NKB)

Die Einwohnerzahl betrug 2.336, es gab 68 Geburten, 45 Sterbefälle und 20 Hochzeiten. Die Schule besuchten 306 Kinder.

 

  1. Jan. Anzeige des Bäckers Häun (NKB)

Der beabsichtigte, in seinem Eiskeller in der Saalstraße ein Schlachthaus einzurichten.

 

  1. Jan. Die Badedirektion bietet Düngegips (Dornstein) zum Verkauf an (NKB)

 

  1. Jan. Änderung im Firmenregister der Fa. Törpsch (NKB)

Der war im November als Nachfolger Dittmanns zum Stadtsekretär und Kassenrendant  ernannt worden und übergab nun offiziell seiner Gattin das Privatgeschäft, behielt aber die Prokura.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zur ersten Sitzung des Jahres wurden die neuen Stadtverordneten eingeführt und die städtischen Kommissionen besetzt. Anwesend waren die Ratsschöffen Leuschner und Siebold, sowie Sträuber, Wolf, Matthes, Kersten, Weber jun. Krüger und Dr. Raabe. Es fehlten Kurzhals, Müller und Toepfer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (StaA Nmb. Nr. 226, BLK-A. Nr. 324).

Genehmigt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 55.000 Mark für den Neubau der Schule. Der  Antrag Paul Kerstens, die fiskalischen Badeeinrichtungen und die Solequelle zu übernehmen und die  Genehmigung zur Salzherstellung zu beantragen, um aus den Überschüssen die Mittel für die notwendige Verbesserung des Bades zu erhalten, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

 

  1. Feb. Beschwerde des Gastwirts Weber (StaA Nmb. Nr. 226)

Verschiedene Hauswirte vermieteten nicht nur an Badegäste, sondern verköstigten sie auch. Allerdings ohne Konzession und ohne steuerliche Berücksichtigung. Außerdem waren sie eine unliebsame Konkurrenz für die Gastwirte. Weber forderte die Unterbindung  „im Interesse der Gewerbesteuereinnahme der Stadt“.

 

  1. Feb. Submission für den Neubau von Umkleideräumen am Gradierwerk (NKB)

 

  1. Feb. Großer Volks-Maskenball in der „Katze“ (NBK)

Es spielten die kostümierte Hauskapelle sowie eine „berühmte Zwergenkapelle mit ihrem Riesenkapellmeister“. Außerdem wurde das Stück „Die alte Weibermühle“ aufgeführt. Eine Woche später veranstaltete der Gesangsverein „Liedertafel“ einen Maskenball im Kurgarten.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 222, StaA Nmb. Nr. 342,)

Man beschloss den Umbau der unteren Wasserkunst zum E-Werk und dafür eine  Anleihe von 28.000 Mark.  Eine Kommission (Siebold, Toepfer, Kersten, Weber, Rudolph) sollte mit der Badedirektion die Übernahmemodalitäten für die Radstube aushandeln. Geplant war der Austausch bestehenden  56 Gaslaternen durch 106 Glühlampen und 12 Bogenlampen. Außerdem sollten sich Privatleute und Unternehmen anschließen, vorzugsweise, insbesondere die Badeanstalten, Hotels und Restaurationen. Den Auftrag für die Elektroinstallation erhielt die Fa. Wacker & Schuckert, Nürnberg, den Umbau der Wasserkunst der  Mühlenbaumeister Grunert zu Jena, der im April mit den Arbeiten begann.

 

  1. Mär. Ernennung von Toepfer und Struve zu Brandschutzsachverständigen (NKB)

 

  1. Apr. Vertrag zur Überlassung der Radkunst (StaA Nmb Nr. 4, BLK-A. Nr. 222).

Der auf 10 Jahre abgeschlossene Vertrag wurde am 29. April vom Regierungspräsidenten genehmigt. Dagegen protestierte die Landesschule, die sich übergangen fühlte und befürchtete, dass damit der kleinen Saale zu viel Wasser entzogen und diese austrocknen könnte.

 

  1. Apr. Beschwerde wegen des Güterumschlags (NKB)

„Tag und Nacht werden in fast ununterbrochener Folge Güterzüge expediert, Kohle, Hölzer, Rüben, Kalkstein, Heu aus oder eingeladen…“ Gefordert wurde die Verlegung des Güterbahnhofs außerhalb der Ortslage in Richtung Pforta. Eine Verlegung nach Lengefeld war wegen der Überflutungsgefahr nicht möglich.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Kinderheilstätte (MER C48II 766 VIII).

Die Badedirektion wurde angewiesen, für die Kinderwannen Badesole unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Im laufenden Jahr waren drei Durchgänge mit  jeweils 24 Kinder geplant. Nach dem Bau des Seitenflügels für die „Berliner Ferienkolonie“ waren es dann rund 200 Kinder in der Saison (St.-A. Nr. 284).

 

  1. Apr. Beschluss zum Kauf der kleinen Promenade (BLK-A. Nr. 669, StaA Nmb. 163).

1868 hatte die Stadt die „kleine Promenade“ gepachtet und als Zufahrt zum Bahnhof hergerichtet. Als nun die Neuverpachtung der Domäne Fränkenau bevorstand, wollte man diesen Weg der Landesschule abkaufen. Da die Stadtkasse leer war, erwarb die Badedirektion mit Genehmigung der Kgl. Regierung die Promenade.

 

  1. Apr. Öffentlicher Protest der Becker`schen Erben (NKB)

„Ohne unser Wissen und Wollen ist (.) das Haus Grüne Gasse 73 (Nr. 1) von Wilhelm Becker sen. (dem vereidigten Auktionator der Stadt) zum Verkauf angeboten worden. Wir Unterzeichnete protestieren hiermit  als Erbberechtigte  dagegen und erklären alle mit dem W. B. in Sachen des Hausverkaufs getroffenen Abmachungen für ungültig (.) gez. Bernhard Kotte, Wilhelmine Kotte geb. Becker, H. Mänicke, Therese Mänicke geb. Becker, Friedrich Becker.“  

 

  1. Apr. Schuljahresbeginn in der Raabe`schen Knaben-Erziehungsanstalt (NKB)

Das Pädagogium hatte Dr. phil. Karl Gehrke erworben.

 

  1. Mai Angebot der Fa. Ludwig Juncker & Co (StaA Nmb. Nr. 360)

Die in Rheydt ansässige Firma bot der Stadt eine Brücke der Fa. Rühmann & Törpsch aus Leipzig an, die bisher über die Bergisch-Märkische Eisenbahn führte. Da hier ein zweites Gleis gebaut wurde, musste die Brücke weichen. Verlangt wurden 1.800 Mark dazu kamen Kosten für die Demontage und den Transport. 

 

  1. Mai Anzeige eines Bademeisters, Masseurs und Krankenpflegers (NKB)

„Den verehrten Herrschaften von Kösen und Umgebung erlaube ich mir hierdurch höflichst anzuzeigen, daß mir die Bademeisterstelle im Borlachbad zu Kösen übertragen worden ist und zwar im Hinblick auf meine längere Tätigkeit bei Hr. Prof Dr. Nothnagel in Jena, bei Hr. Prof. Dr. Flechsing in Leipzig als Krankenpfleger, sowie auf meine dreijährige Tätigkeit als Bademeister und Masseur  im Schwefelbad  Langensalza unter Leitung des Kgl. Oberstabsarztes a. D. San. Rat Dr. Seifert.“

 

  1. Mai Zeitungsmeldung zu Plänen der Fa. Kersten (NKB)

„Die bekannte Fa. Kersten in Dürrenberg-Leipzig beabsichtigt in der Nähe unserer Wilhelmsburg zum Herabtransport dort gebrochener  Kalksteine eine doppelseitige Bremsbahn anzulegen. Da diese Bahn auch gleichzeitig gegen billiges Entgelt zur Beförderung von Personen auf und bergab dienen soll, so wird hierdurch eine hier längst gewünschte Einrichtung geschaffen…“ Der Plan kam nicht zur Ausführung.

 

  1. Mai Erhebliche Unwetterschäden in der Ilske und Schulpforte (NKB)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bei Therese Berbig blieb es in Anbetracht ihrer testamentarischen Verfügung weiterhin bei 3,50 Mark Klassensteuer, den Mehrbetrag übernahm die Kämmereikasse.

 

  1. Juni „Kösen und seine Umgebung“ Broschüre von Carl Techow (NKB)

 

  1. Juli W. Bauer eröffnet den neuen Saal der „Schönen Aussicht“ (NKB)

 

  1. Juli Eröffnungs-Vorstellung des Sommertheaters im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Eröffnung des Inhalatoriums im Kurpark (Heimatbuch 1930, StaA Nmb. 278).

Für die Bequemlichkeit der Gäste und zur Verbesserung der Attraktivität des Bades hatte man die Kgl. Regierung überzeugt, die Mittel für eine derartige Einrichtung zu bewilligen. Im April erfolgte die Submission für den eingeschossigen Fachwerkbau mit Lese- und Liegeraum und dem eigentlichen Inhalatorium. Die Kosten beliefen sich auf 10.000 Mark. Die Sole kam per Röhrenfahrt vom Borlachschacht. Nach dem Projekt des Bergmeisters Fürer wurde auf der 2 Fahrtenbühne ein Behälter aufgestellt, der von den  Saugpumpen befüllt wurde. Von hier aus wurde mit zwei eiserne Druckpumpen die Sole auf das Oberdeck des Gradierwerks gehoben. Die Pumpen wurden über das Gestänge von der oberen Radkunst betrieben. Der Höhenunterschied vom Oberdeck des Gradierwerks bis zu den Vernebelungsdüsen im Inhalatorium sorgte für einen Druck von fast 50 mWS. Die Leitung von 300 Metern Länge lag im Bett der Saale. Die Vernebelungsfontäne  kam von der Charlottenburger Fa. Ernst March und Söhne. Sie bestand aus einem auf Säulen ruhenden Becken von 2,4 Metern Durchmesser. In dessen Mitte erhob sich eine Säule mit Najaden und Löwenköpfen, aus deren Mäulern ein feiner Solestrahl in das Becken lief. Im Kapitell, das die Form einer flachen Schale hatte, waren  die Vernebelungsdüsen installiert. Gekrönt wurde das Ganze von einem Triton, dessen Mundstück die Fontäne erzeugte. Die Düsen lieferte die Firma Gebr. Körting, Hannover, wie aus dem regen Schriftverkehr mit der Badedirektion hervorgeht. Weiteres Mobiliar lieferten die Fa. Gebr. Thonet aus Wien. Mit dieser Ausstattung betrugen die Gesamtkosten rund 20.000 Mark.

Für die Betreuung wurde eine Badefrau mit einem Jahresgehalt von 75 Mark eingestellt.

Gleichzeitig wurde eine 142 Meter lange Wandelhalle am Gradierwerk in Betrieb genommen und eine  ansprechende Werbeschrift „Königliches Soolbad Kösen in Thüringen“ (MER C48Ii Nr. 776 VIII) veröffentlicht.

 

  1. Juli Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks (Heimatbuch 1930).

Innerhalb von sechs Monaten nach der Beschlussfassung hatte der Mühlenbaumeister in dier unteren Radstube ein Rad der Bauart „Zuppinger“ eingebaut. Die gebogenen Speichen mit einer vollflächigen Beplankung sorgten für die optimale Ausnutzung des Aufschlagwassers. Fertiggestellt waren der Gleichstrom-Generator, die Freileitung und die Anschlüsse von 400 privaten und 105 städtischen Brennstellen (Straßenbeleuchtung). Somit war Kösen die zweite deutsche Stadt, die die Straßenbeleuchtung mit elektrischem Strom aus Wasserkraft betrieb. Die Inbetriebnahme erfolgte zum Brunnenfest. Allerdings erwies sich nicht nur die elektrische Anlage sondern auch das Wasserrad als äußerst störanfällig.

 

  1. Juli Extra-Konzert im „Mutigen Ritter“ bei elektrischer Beleuchtung (NKB)

 

  1. Juli Meldung zur Kinderheilstätte (NKB)

Die Leitung hatte die Gräfin von Gneisenau, dazu kamen zwei Schwestern des Berliner Lazarus-Krankenhauses.

 

  1. Juli Konzert der Hof-Violinen-Solistin Sign. Teresina Tua im Kurgarten (NKB)

 

  1. Aug. Das jüngere Bürgerschützencorps nennt sich „Uniformiertes Corps“ (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Im vertraulichen Teil wurde beschlossen, die Begräbniskosten für den verstorbenen Ratsschöffen, Oberförster a. D. Leuschner von der Kämmereikasse zu übernehmen und Dr. Wahn die ärztliche Betreuung des städtischen Krankenhauses anzutragen.

 

  1. Aug. Dr. med. Carl Schütze lässt sich Arzt nieder (NKB)

Schütze (geb. 1861 in Gelsenkirchen) war der Sohn des Oberstabsarztes Dr. Christoph Ferdinand Schütze und seine Mutter geb. v. d. Heyden war ebenfalls Ärztin. Nach seiner Promotion war er als Schiffsarzt tätig. Seine Praxis richtete er im Borlachbad ein, dessen Leitung er von Dr. Risse übernahm, der als Kreiswundarzt und bestellter Arzt der Orts- und Gemeindekrankenkassen anderweit beschäftigt war. Am 18. August kaufte Schütze die Anstalt, nachdem die Badedirektion der Übertragung des Soleliefervertrages zugestimmt hatte.

 

  1. Aug. Die Kurtaxe wird der von Sulza angepasst (NKB)

 

  1. Aug. Versteigerung des Hauses Wehrdamm III-34 (Loreleypr. 6) (NKB)

 

  1. Sep. Wahl des Ratsschöffen Krüger in die Badedirektion (StaA. Nmb).

Diese bestand nun aus 8 Mitgliedern, Bürgermeister Rudolph (Vorsitzender), San.-Rat Dr. Wahn (Badearzt), Dr. Rosenberger, Dr. Risse, Dr. Löffler,  v. Stuckradt und dem Ratsschöffen Siebold.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Kirchengemeinde und der Magistrat hatten inzwischen die Verhandlungen zum  Tausch des alten Friedhofes gegen das Schulgebäude aufgenommen. Das Ergebnis wurde den Stadtverordneten zur Entscheidung vorgelegt. Doch die erklärten: „In Anbetracht, daß die Ausführung der elektrischen Beleuchtung den Erwartungen der Stadt nicht entsprochen hat und nicht abzusehen ist, wie weit die Stadt hierdurch noch belastet  wird, halten wir unterzeichnende Vertreter der Stadt es für angezeigt, sowohl den vorliegenden Vertrag als auch jede weitere Mehrbelastung der Stadt vor der Hand zu weisen. Die Verhandlungen zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde wegen Austauschs der zum Bau der neuen Kirche und Schule bestimmten Bauplätze sollen daher bis auf weiteres ausgesetzt werden.“ Hintergrund dieser Entscheidung waren nicht nur die exorbitanten Kosten (28.000 Mark bewilligt und 85.000 Mark Kosten nach Röblitz 1930?) sondern auch die häufigen Störungen.

Genehmigt wurden dann die Einstellung eines Nachtwächter und Hausmanns im Krankenhaus.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Insgesamt wurden 2.189 Badegäste registriert, darunter die Gräfin Luckner-Berlin, Baronin Diller-Weimar, Fr. Exz. General v. Grabowski-Bonn, Oberst a.D. v. Holtzendorff-Dresden, Frl. Fahrbach und Frl. Gorgensohn-Riga, Graf v. Eulenberg Kgl. Preuß.  Gesandter in Oldenburg, Hofkunsthändler Fr. Gurlitt, Fr. Schmid-Amsterdam, Kfm. Becker-Moskau, Gräfin v. Heuwald-Schloß Straubitz, Fr. Strokirk-Stockholm, Exz. Prof. Dr. Schoder-Berlin, Major Graf Henckel v. Donnersmarck-Breslau, Gräfin Finck von Finckenstein-Berlin, Student Alphonse-London, Baronin von Busche-Ippendorf-Dresden,  Prof. Dr. v. Otto-Wien, Frl. v. Puttkammer-Vevery, Kunstmaler Pascalides-Weimar, Fr. Exz. General v. Schlegel-Dresden,  Gräfin Armin-Zichow-Berlin, Komtesse zu Solms-Sonnenwald, Mrs. Oakes-Albany, Graf v. Rechteron-Limpurg-Osterbek, Konzertmeister Herm. Heber-Berlin, Schriftsteller Felix Philippi-München, Prof. Dr. Salkowski-Berlin, Geh.-Ob.-Reg.-Rat Dittmar-Frankfurt/O., Äbtissin v. Seydlitz-Kurzbach-Stift Tschirnau, Freifherr v. Hammerstein mit Gattin-Potsdam,  

 

  1. Sep. Fahnenweihe des Kriegervereins „ Kronprinz Friedrich Wilhelm“ (NKB).

Zum Ehrenpräsidenten wurde der pensionierte General v. Hänel gewählt

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Villa Meißner Salinenstr. III-21 (Nr. 5) (NKB)

 

  1. Sep. Vorstandswahl bei der Feuerwehr (NKB 1910).

Paul Kersten war wegen Differenzen mit seinem Vize, dem Malermeister Leschke zurückgetreten. Der wurde nun zum Kommandeur gewählt, E. Reichenbach zum Vize und  G. Noack zum Spritzenmeister.

 

  1. Sep. Grundsteinlegung für das Kaiser-Wilhelm Denkmal (NKB)

 

  1. Sep. Ergänzung des Statuts des Vorschussvereins (NKB)

Der Zweck des Vereins war der Betrieb von Bankgeschäften behufs gegenseitiger  Beschaffung der in Gewerbe und Wirtschaft nötigen Geldmittel auf gemeinschaftlichen Kredit. Dafür übernahm der Verein die unbeschränkte Haftung. Zum Vorstand gehörten Maurermeister Transchel, Uhrmachermeister Hertel und Kaufmann Scholvien.

 

  1. Okt. Neuverpachtung der Brückengeld-Einnahme für 5 Jahre (NKB)

Der Bieter konnte die Einnahme mit oder ohne dem Steueramtsgebäude an der Brücke über die kleine Saale an der Naumburger Chaussee aber mit einem 30 m² großer Bauplatz für das Einnahmehäuschen unmittelbar neben der Brücke pachten und hatte für die Einnahme 300 Mark Kaution zu hinterlegen. Der Pächter verzichtete auf das Amtsgebäude, in das der  Schuhmachermeister Holzweißig aus der Neustraße 13 b (Fr. Ebert-Str. 10) zog. 

 

  1. Okt. Auflösung des Kgl. Neben-Steueramtes (NKB)

Das wurde vor 100 Jahren noch von der kgl. sächsischen Regierung eingerichtet.  Besonders ärgerlich war dies für die zahlreichen hier wohnenden Staatspensionäre, die ihr Ruhestandsgeld nun von der Kreiskasse in Naumburg abholen mussten. Das betraf auch aus dem Ausland eingehende Pakete, die wegen der Erhebung der Einfuhrsteuer beim Hauptsteueramt abzuholen waren.

 

  1. Okt. Versammlung des Thüringer Bäderverbandes (in MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Als Vertreter der Kgl. Regierung nahm der Oberregierungsrat v. Bötticher teil. Die Badedirektion sorgte dafür „den Aufenthalt in Kösen auf das Angenehmste zu gestalten“  und hoffte „daß diese in jeder Hinsicht einen günstigen Eindruck gewonnen haben.“

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde nun doch der Bau Grundstückstausch mit der Kirchengemeinde. Damit war der Weg frei für den Neubau der Schule auf dem alten Gottesacker. Im Schulgebäude sollte auch die städtische Verwaltung (Polizei, Sparkasse) unterkommen. Der Bau sollte 1890 beginnen, vorausgesetzt, das Kgl. Konsistorium würde dem Bau der Kirche auf dem alten  Schulplatz zustimmen. Damit würde der unwürdige Zustand im  ehemaligen Zimmererschuppen der Saline   enden.

 

  1. Okt. Jahresbericht des Badearztes Dr. Wahn (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Zur Verbesserung der Freiluftinhalation am Gradierwerk hatte man in der Dornenwand Durchgänge geschaffen, den Wandelgang verbreitert, eine bequemen Treppe und Umkleidekabinen angelegt. Im Borlachschacht wurden eiserne Steigröhren anstelle der hölzernen installiert, das obere Kunstrad und das Gestänge instand gesetzt und die hölzerne Röhrenfahrt zum Wellenbad durch Porzellanröhren  ersetzt. Die Johannisquelle hatte nun einen „geschmackvollen eisernen Überbau“, mit Glasdach, welches aber vor mutwilliger Beschädigung mit einer Bretterverschalung geschützt werden musste. Neben dem Inhalatorium im Kurpark gab es eine „Wettersäule“. Von den Badegästen kamen 1.637 aus den preußischen Provinzen und 80 aus dem Ausland, darunter 25 Russen.

 

  1. Okt. Aufgabe zahlreicher Weinberge an Saale und Unstrut (Weinbaugesellschaft).

Am 10. Juli 1888 hatte die Kgl. Regierung eine Anordnung zur Bekämpfung der Reblaus erlassen und eine „Reblauskommission“ ins Leben gerufen. Sobald einzelne Lagen befallen waren,  mussten die Besitzer sämtliche Stöcke vernichten. Als das nicht half, wurden Maßnahmen mit  verheerenden Folgen angeordnet. Um die Brut der Reblaus zu vernichten wurden die Böden mit Petroleum und Kohlenwasserstoff behandelt. Auf dem so verseuchten Boden zeigte sich erst nach drei Jahren ein erstes Grün und nach weiteren 8 Jahren hatte sich der Boden so weit erholt, dass eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich war.

 

  1. Nov. Vertrag der Badedirektion mit dem Musikdirektor Heimbürge (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurde der Ankauf des Mobiliars der bisherigen Ortskrankenstube für das neue Krankenhaus. Informiert wurde über die Klage des Mühlenbaumeisters wegen offener Rechnungen, die der Magistrat wegen verschiedener Mängel noch zurück gehalten hatte.

 

  1. Dez. Konzert zu Besten der armen Kinder aus Lengefeld in der „Katze“ NKB)

 

  1. Dez. Geschäftliche Empfehlungen zum Weihnachtsfest (NKB)

Erhard Reeh (Herren-, Damen- und Kinderbekleidung) A. Krause (Fotoatelier), S. Schubert (Schuhe), G. Sträuber (Täschner- und Lederwaren), die Geschwister Kayser (Textilwaren), K. Müller (Tabak- und Schreibwaren), Franziska Techow (Puppen und Putzmacherartikel), A. Flemming (Oberbekleidung), W. Apitzsch und C. A. Scholvien (Tapeten und Farben), J. G. Lehmann Nachf. (Stoffe) und der Bäcker Hämmerling (Zucker und Naschwerk).

 

  1. Dez. 50jähriges Stiftungsfest des Männer-Gesangsvereins „Liedertafel“ (NKB)

 

  1. Dez. Resch-Saalstr. II-42 (Nr.3) bietet Klavier- und Gesangsunterricht an (NKB)

 

  1. Dez. Totalschaden der unteren Wasserkunst (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bei Kerzenschein wurde der Antrag von Weber, Kersten, Matthes, Wolf, Sträuber und Dittmann, abgelehnt, das defekte Wasserrad erst nach dem Urteil des Schiedsgerichts zu reparieren. Die Mehrheit beschloss eine Notreparatur auf Kosten der Kämmereikasse.

 

1890

 

  1. Jan. Jahresstatistik (NKB)

Es waren 2.458 Einwohner, 85 Geburten, 64 Sterbefälle, 10 Trauungen und 949 „Kommunikanten“ Angemerkt wurde, dass die Zunahme der Bevölkerung überwiegend dem Zuzug „älterer Leute der gebildeten Schichten“ zu verdanken war. 

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung eines unbebauten Grundstücks von P. Marchand (NKB)

 

  1. Jan. Todestag von Thekla Auguste von Pflugk geb. von Zedtwitz (Ev. Sterbereg.)

Die Witwe des Oberleutnants Fritz v. Pflugk, geb. 1810 in Udersleben war eine Schwester des Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde der Bau eines Trinkwasserbrunnens in der Lindenstraße. Dazu sollten die Anwohner 500 Mark beisteuern und die Stadt 350 Mark. Beschlossen wurden die Pflasterung der Gosse im südlichen (oberen) Bereich der Lindenstraße und die Verbreiterung der Fahrbahn. Außerdem sollte an der Hangseite ein zweiter Gehsteig angelegt wurde. Dann lehnte die Versammlung die Errichtung der von der Fa. Kersten geplanten  Kalkbrennöfen in der Lengefelder Flur unmittelbar an der Grenze zum Stadtbezirk ab. Wegen der befürchteten Rauchbelastungen  sollte der Magistrat beim Landrat bzw. dem Bezirksausschuss Einspruch erheben. Dafür stimmten Krüger, Siebold, Eckleben, Müller, Toepfer, Dittmann und Weber, dagegen war Kerstens Klientel Sträuber, Wolf und Matthes.  

 

  1. Feb. Maskenball des Gesangsvereins „Liedertafel“ im Kurgarten (NKB)

 

  1. Feb. Wählerversammlung vor den Reichstagswahlen (NKB)

Neben den „Freisinnigen“ trafen sich die national-liberal Konservativen im „Mutigen Ritter“

 

  1. Feb. Generalversammlung des Sterbekassenvereins gegr. 1849 (NKB)

Das Vermögen betrug 35.560 Mark. Von den 482 Mitgliedern waren 195 seit 20 Jahren dabei und vom Jahresbeitrag (3 Mark) freigestellt. Deren angesammelten Beiträge wurden mit 10 % verzinst, so dass ein Sterbegeld von bis zu 225 Mark gezahlt werden konnte. Der gute Gesundheitszustand der Bevölkerung zeigte sich, weil unter den 2.458 Einwohnern allein 60 Männer 70 Jahre und älter waren.

 

  1. Feb. Soleliefervertrag mit dem Borlachbad (StaA Nmb).

Für die 15 großen und 3 Kinderwannen wurde eine Jahrespauschale von 375 Mark vereinbart, dazu kamen 10 Pfg. für jedes abgegebene Erwachsenenbad und 5 Pfg. fürs Kinderbad. Vereinbart war die Abgabe von Freibädern an Ortsarme für 50 Pfg. zu Lasten der Badekasse bis zu einer Gesamtsumme von 150 Mark.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Nachdem die Reichsbahndirektion die öffentliche Nutzung der Ladestraße vom Schrankenübergang bei Hotel Apel bis zum Bahntunnel genehmigt hatte, erklärten die Stadtverordneten ihr Einverständnis diese zu unterhalten. Abgelehnt wurde jedoch die beabsichtigte Beseitigung dieses Schrankenübergangs (Station 52,0+80), obwohl sich die Bahnverwaltung bereit erklärt hatte, den Fahrweg von der Borlachstraße zum  Schrankenübergang an der Rudelsburgpromenade (Station 52,8+80) zu befestigen.

 

  1. Mär. Bauantrag für die „Wurstfabrik“ (NKB)

Das Grundstück „im Westen der Stadt Kösen, am sog. Jackenberg, welches von der verlängerten Burgstraße und der Fränkenauer Trift begrenzt wird und zum Amts- und Gutsbezirk Pforta gehörig ist“ hatten ihnen der Gastwirt Weber verkauft. Zur Fabrikanlage gehörten ein  Schlachthaus, Kühl- und Räucheranlagen, eine Dampfkesselanlage, Lager und Wagenremisen. An der Straßenseite entstand ein viergeschossiges Gebäude mit einer dekorativen Fassade für die Verwaltung und die Wohnungen der Inhaber. Im Hof wurde ein  Brunnen angelegt. Das Abwasser sollte in den von der Mausa zur Saale gehenden offenen Flutkanal eingeleitet werden, womit aber erhebliche Geruchsbelästigungen verbunden waren. Dazu kamen die von einem Schlachthof ohnehin ausgehenden Belastungen  und nicht zuletzt das Verkehrsaufkommen. Doch da sich in unmittelbarer Umgebung keine für den Badebetrieb wichtigen Einrichtungen befanden und die hier ansässige Bevölkerung zumeist den ärmeren Schichten angehörte und das Grundstück selbst noch zum Gutsbezirk gehörte, wurden seitens des Magistrats und der Stadtverordneten keine schwerwiegenden Bedenken dagegen geäußert.

 

  1. Mär. Vertrag mit Musikdirektor Fischenbeck (StaA Nmb Nr. 348, NKB)

Kapellmeister Schirow hatte sein Amt nach 12jährigen Dienst niedergelegt. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger war schwierig. Nachdem der Musikdirektor  H. Th. Henning  aus Nordhausen aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt hatte, wurde der Vertrag mit dem Köthener Musikdirektor geschlossen. Die Anzahl der Konzerte für die Badedirektion wurde belassen, wofür 2.000 Mark vereinbart waren. Fischenbeck war nun bemüht, möglichst viele Konzerte in den verschiedensten Lokalitäten zu geben und somit eine ausreichende Bezahlung seiner Musiker zu gewährleisten. 

Am 01. April spielte die „neuorganisierte aus 20 vorzüglichen Musikern bestehende Kapelle“ zum ersten Mal. Vorgesehen waren diesmal nicht nur Konzerte in der Saison sondern über das ganze Jahr.

 

  1. Mär. Genehmigung für einen Dampfkessel im Wilhelmsbad (StaA Nmb. Nr. 241).

 

  1. Mär. Versteigerung des Inventars der Restauration Lindenstr. 7 (NKB)

Nachfolger von C. Waldhausen war Otto Buchholz.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, 792, NKB))

Alle Interessenten, die sich für den Strombezug gemeldet hatten,  sollten bis zum 31. März die Hälfte der vereinbarten Jahrespauschale bezahlen. Bewilligt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 6.000 Mark für den chausseemäßigen Ausbau der Lindenstraße auf 400 Metern Länge von der Bahnunterführung bis zur  Borlachstraße einschl. eines Bürgersteigs. Ab dem 12. April war die Straße für Fuhrwerke gesperrt.  Gesperrt wurde gleichzeitig die Fränkenauer Hohle wegen Befestigungsarbeiten.

 

  1. Mär. Generalversammlung des Sparvereins (NKB)

Die Spareinlagen betrugen 273.000 Mark, der Jahresumsatz 2,1 Mio. Mark. Die Sparer erhielten 7 % Dividende.

 

  1. Mär. G. A. Scholvien pachtet den Versand der Johannis-Quelle (NKB)

Dieser „Kochsalz-Säuerling- bestes moussierendes diätetisches Tafelgetränk“ wurde allein in Naumburg von 4 Händlern vertrieben.

 

  1. Mär. Konzert der Thür. Sängergesellschaft zur Holzmesse in der „Katze“ (NKB)

Zur Messe wurden alle 600 Flöße verkauft.

 

  1. Apr. Hebamme E. Heilmann, Am Wehrdamm III-34 (Loreleypr. 5) (NKB)

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

Dazu luden ein: die Badekapelle in Teichgräbers „Kurgarten“ und Webers „Mutigen Ritter“, Schumann zum Tanz in den Saalhäusern, Schleicher zum Wurstauskegeln im Rektorberg, Pagels zum Extrakonzert auf der Kaiser Wilhelmsburg, Bauer zum Konzert auf der „Schönen Aussicht, Völkel schenkte in der „Post und Ratskelle“ weimarisches Bier aus und bei Schmidt auf der Rudelsburg spielte eine Militärkapelle. 

 

  1. Apr. Verkaufsanzeige der Neuen Str. II-29 (Fr. Ebert Str. 22) (NKB)

 

  1. Apr. Sitzung der Badedirektion (BLK-A. Nr. 669, 324, MER 48Ii 776 VIII).

Nachdem die Königliche Regierung der Badedirektion den Ankauf der kleinen Promenade untersagt hatte, bot man der Stadt den Verbindungsweg von der kleinen Promenade zur Lindenstraße zum Kauf an. Die Stadtverordneten bewilligten dann 1000 Mark für den Ankauf, was die Kgl. Regierung dann genehmigte.

 

  1. Apr. Auszeichnung eines Dienstmädchens durch den Bezirksausschuss (NKB)

Für ihren langjährigen Dienst beim Oberstltn. a. D. v. Neindorff erhielt Pauline Kette 60 Mark.

 

  1. Mai Otto Melzer pachtet den Kurgarten von Teichgräber (NKB).

 

  1. Mai Saisonbeginn (NKB)

Neben der Badeanstalt am Gradierwerk (M. Rössiger) und dem Germaniabad warb diesmal auch die Badedirektion für das „Kgl. Soolbad Kösen“ mit seinen „eleganten Badeanstalten, neuem Inhalatorium, Trink- und Wandelhalle, Wellenbädern, dem Institut für Schwedische Heilgymnastik und der Kaiserin Victoria-Auguste Kinderheilstätte“.

Das „Institut für Schwedische Heilgymnastik und Massage“ befand sich in der Lindenstraße I-13 (19). Direktor Koch behandelte alles von der Blutarmut bis zur Schlaflosigkeit und benutzte für die Übungen die Gymnastikhalle des Borlachbades.

 

  1. Mai Genehmigung zum Tausch des Friedhofsgeländes (NKB)

Die Kgl. Regierung zu Merseburg und das Kirchen-Konsortium genehmigten den Grundstückstausch zwischen der Stadt- und der Kirchengemeninde.

 

  1. Mai Benutzerordnung für die neue Fähre (NKB)

Die befand sich in der Verlängerung der Parkstraße gegenüber der Johannisquelle und war dem  Wirt der „Loreley“ Sträuber verpachtet, der sie vom 15. Mai bis 1. Oktober täglich von 6 bis 21 Uhr betrieb. Eine Fahrt kostete 5 Pfg. Befreit waren Militärpersonen, Reservisten, Rekruten und Landwehrleute, Beamte auf Dienstreisen, Polizisten und Steuerbeamte in Uniform sowie  Personen die nachweislich zur Brandbekämpfung eilten.

Weil sich die Anlagestelle kurz hinter der Krümme als hinderlich für die Flößerei erwies, wurde die Fähre später etwas weiter flussabwärts eingerichtet, nachdem man sich mit dem Holzhändler Krüger über einen Zugang über dessen Grundstück geeinigt hatte.

 

  1. Mai Bekanntmachung des stv. Landrats Freiherr v. Feilitzsch (NKB)

„Bei dem in diesem Jahr stattfindenden voraussichtlichen starken Verkehr zwischen Kösen und der Rudelsburg während der Pfingstfeiertage wird an Stelle der Personenfähre an der „Katze“ bei Lengefeld eine Floßbrücke errichtet. Diese im Interesse der Sicherheit erforderliche Maßnahme bedingt aber die Sperrung der Saale für den Floßverkehr vom 25. bis 28. d. M.  Es wird aber in ganz dringenden Fällen eine Vorrichtung an der Brücke dahin getroffen werden, dass auch Flöße nach vorheriger Meldung  bei dem Floßinhaber  die Durchfahrt gestattet werden kann.“

 

  1. Mai Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. (Handbuch KSCV; NKB).

An diesem Ereignis nahmen mehrere hundert Chargierte und ebenso viele Zuschauer teil. Eigens dafür hatte der Wirt der Rudelsburg große Zelte aufgebaut und zur musikalischen Umrahmung 2 Kapellen bestellt. Die Festrede hielt Weese, München-Jenenser Frankone. Allgemein bedauert wurde, dass Kaiser Wilhelm II. die avisierte Teilnahme abgesagt hatte.

Das Denkmal kostete insgesamt 30.000 Mark. Das Medaillon lieferte die Fa. Pirner & Franz-Dresden, der Entwurf stammte vom Dresdener Bildhauer Paul, die Architektur von Petzel-Dresden. Das Gerüst stellte Zimmermeister Toepfer, die Maurerarbeiten übernahmen die Meister Transchel und Werner- alle Kösen.

 

  1. Mai Antrag der Berliner Beamten Vereinigung (MER C48Ii 776VIII).

Die von ihnen beantragte Ermäßigung der Kurtaxe für ihre Mitglieder, wurde umgehend genehmigt. Daraufhin beantragte nun auch der preußische Beamtenverein eine Ermäßigung.

 

  1. Juni Eröffnung eines Bier- und Tabakladens in der Saalstr. II-52 (Nr. 16) (NKB).

 

  1. Juni Ankunft von 25 Mädchen der Berliner Ferienkolonie (NKB)

Die Kinder aus armen Familien wurden gruppenweise auf einige Familien aufgeteilt.

 

  1. Juni Meldung zum Borlachschacht (NKB)

„Nach sechsmonatiger Arbeit ist es der Kgl. Badedirektion gelungen, ein ganz neues Pumpwerk bis auf die Sohle der Solquelle niederzubringen. Dieses bergmännische Meisterstück habe den erhofften Erfolg weit übertroffen. Die Sole fließt in einer Mächtigkeit zu, daß in 24 Stunden 250.000 Liter gefördert werden können. Noch wichtiger ist der Stärkegehalt der Sole, welcher  sich so gesteigert hat, daß ohne ärztlich Anordnung Bäder nur verabfolgt werden dürfen, als mit einem Zusatz von höchstens 50 % Sole zu einem Wannenbad.“

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung des Grundstücks für die Matthes`sche Wurstfabrik.

 

  1. Juni Todestag von Constanze von Nicolovius (Ev. Sterberegister)

Die Witwe des Geh. Justizrates Heinrich von Nicolovius, geboren 1809 in Königsberg war die Schwiegertochter von Georg Heinrich Nicolovius (1767-1839) ein bekannter preußischer Beamte für Schul- und Kirchenangelegenheiten.

 

  1. Juni Antrag des Musikdirektors Fischenbeck (StaA Nmb. Nr. 348, 226)

Weil die prognostizierten Einnahmen ausblieben, um die vereinbarte Zahl der Musiker angemessen zu entlohnen, beantragte Fischenbeck 1.000 Mark Zuschuss, was die Badedirektion ablehnte.

Dagegen schlug Kersten vor, die beantragten 1.000 Mark aus der Stadtkasse zu zahlen, unter der Maßgabe, dass die nächsten Konzerte für die Einwohner kostenlos sind. Stattdessen sollten die Gastwirte 15 Pfg. je ausgeschenkten Liter und 25 Pfg. bei jeder Flasche Sekt an die Stadtkasse abführen. Dagegen protestierten die Gastwirte Andrae, Kurzhals, Kleinschmidt, Schleicher, Haun, Hämmerling Völkel, Melzer und Kettner. Letztlich bewilligte der Magistrat eine einmalige  Unterstützung von  300 Mark.

 

  1. Juni Konzession für den Hecklau`schen Tabakladen (MER C48Ii 776VIII).

Dazu wurde das Brückenhäuschen hergerichtet.

 

  1. Juni Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen besucht die Rudelsburg (NKB)

Auf Einladung des Sohnes des Rittergutsbesitzers von Kreipitzsch mit dem er zusammen beim Militär war, machte er in Begleitung seiner Gattin der Freifrau v. Heldrungen während seines Aufenthaltes in der zu Meiningen gehörenden Exklave  Camburg diesen Abstecher.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber (MER C48Ii 776VIII).

Die Stadt verpachtete ihm die Gestängerösche, die er auffüllen ließ und hier den Wintergarten als Verbindung zwischen dem eigentlichen Gasthof mit dem Logierhaus errichtete.

 

  1. Juni Militärkonzert des 7. Thür. Inf.-Reg. Nr. 98 im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Meldung zur Frequenz des Bades (NKB)

Derzeit waren 30 zehn- bis vierzehnjährige Mädchen der Berliner Ferienkolonie in der ehemaligen Kramer`schen Villa (Fr. Ebert Str. 22) untergebracht. Außerdem besuchten bisher 70 Schulklassen aus Pößneck, Jena, Weimar, Apolda, Weißenfels, Zeitz, Leipzig, Halle und Delitzsch  die Rudelsburg

 

  1. Juli Erste Vorstellung des Sommertheaters im Kurgarten (NKB)

Auf der „völlig neu dekorierten Bühne“ wurde das Lustspiel „Krieg und Frieden“ von G. v. Moser und  F. v. Schön unter der Leitung des Theaterdirektors Otto Winzer gezeigt.

 

  1. Juli Vermietungsanzeige für die Rudelsburgpromenade I-90 (NKB)

Der Auktionator Chr. W. Becker bot eine Wohnung an, die der Rittmeister Schach v. Wittenau seit 12 Jahre bewohnt hatte.

 

  1. Juli Mannschießen des älteren Schützenkorps auf der „Katze“ (NKB)

„Der sonnige Tag hatte wieder einmal Tausende mobil gemacht. Aus allen Gegenden der Windrose strömten Scharen per Bahn, Wagen, per pedes mit und ohne Proviant herbei (.) Die Katze, Rudelsburg, Kurgarten, Hotel zum Ritter waren von Fremden überfüllt...“

 

  1. Aug. Leserbrief zum Wellenbad (NKB)

„Das sonst so schöne und vielbesuchte Wellenbad in Kösen ist nicht mehr, es ist zu einem ganz gewöhnlichen Flußbad das einige mangelhaft eingerichtete Douchen besitzt, degradiert, der Preis aber erhöht worden (.) und doch sind ordentliche Wellenbäder erwünscht...“

 

  1. Aug. Inbetriebnahme einer Dampfsäge bei Graf & Döhler (NKB)

 

  1. Sep. Schlussrechnung der Pflasterarbeiten in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Nach der Abnahme durch den Chausseeaufseher berechnete der Bauunternehmer Große aus Breitenworbis nach Aufmaß zum Einheitspreis 6.565 Mark. Davon wurden als Sicherheit 300 Mark einbehalten.

 

  1. Sep. Mobiliarversteigerung wegen Wegzugs des Hr. v. Hartleben (NKB)

Das betraf die Einrichtung von 10 Zimmern einer herrschaftlichen Wohnung, sowie Hausrat wie Eisschränke, Porzellan und Glas. Wenig später wurde die Wohnung zur Vermietung angeboten mit Gartennutzung, Einliegerwohnung und Nebengelass (Fr.-Ebert Str. 19)

 

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Unter den 2.103 Badegästen waren u. a. Freiin v. Manteuffel, Baronin v. Brandenstein, Freifrau v. Esebek, Fr. Exz. General v. Puttkammer, Baron v. Sternfeldt-Berlin, General a.D. v. d. Groeben-Berlin, mit Sohn Prem.-Ltn. v. d. Groeben, Mrs. E. Keith-London, , Frau Gurlitt-Berlin, Gräfin v. Honwald auf Staupnitz, Fr. Exz. General v. Schmelzer-Berlin, Gen.-Major v. Stuckradt-Berlin, Freifrau v. d. Busche-Ippendorf-Dresden, Mrs. Sohns und Miss Sent-New York, Prof. Dr. L. Geiger-Berlin, Schriftsteller R. E. Franzos-Berlin, Miss Ewen-Dublin, Mr. Molvinger-Chikago, Baronin v. Riedesel-Langensalza, Prof. Dr. E. Taschenberg-Halle, Baronin v. Sternfeldt-Berlin,

Die Kinderheilstätte meldete 56 Kinder die an „Skrophulose“, Augen- und Ohren-, Gelenk- und Knochenerkrankungen, sowie Blutarmut litten.

 

  1. Sep. Mitteilung des Musikdirektors Fischenbeck (StaA Nmb. Nr. 348, NKB)

In Anbetracht des geringen Verdienstes hatte 7 Musiker die Badekapelle verlassen und die letzten Konzerte fielen aus. Dennoch wollte die Badedirektion den Vertrag mit Fischenbeck bei unveränderten Konditionen bis 1894 zu verlängern.  Aber darauf ging Fischenbeck, der in der Burgstr. I-122 (Nr. 1) wohnte, nicht ein. Am 1. Okt. erschien dann folgende Anzeige: Einem hochgeehrten Publikum von Naumburg und Umgebung zur geneigten Kenntnisnahme, daß ich am heutigen Tag mit meiner Kapelle von Kösen hierher übersiedele und in Verbindung mit dem hiesigen Orchesterverein mit einem Orchester von 30 tüchtigen Musikern unter dem Namen „Vereinigte Fischenbeck`sche Konzertkapelle Naumburg-Kösen“ meine Tätigkeit aufnehmen werde…“

Daraufhin wurde die Kapelle auch von hiesigen Restaurateuren engagiert, u. a. für die alljährlichen Abonnementskonzerte, verschiedene Bälle und Benfizkonzerte.  Allerdings löste sich diese Kapelle rasch wieder auf. Fischenbeck übernahm in der nächsten Saison wieder die Badekapelle, während der Naumburger Musikdirektor Müller mit der Naumburger Stadtkapelle die Abonnementskonzerte im „Kurgarten“ übernahm.

 

  1. Sep. Benefizvorstellung der Winzer`schen Theatergesellschaft (NKB)

Der Erlös sollte für ein Kriegerdenkmal verwendet werden, auf das sich die beiden Kriegervereine geeinigt hatten.

 

  1. Sep. Dramatische Abendvorstellung zum Besten der Kinderheilstätte (NKB)

 

  1. Sep. Wiedereröffnung des Rennecke`schen Kindergartens (NKB)

Die Leiterin der 1883 gegründete Einrichtung warb als „Fröbelscher Kindergarten“. Außerdem bot sie Handarbeitsunterricht sowie Weißnäherei an.  

 

  1. Okt. Neuverpachtung der Brückengeld-Einnahme (NKB)

„Entweder mit dem auf dem fiskalischen Grundstück befindlichen Steueramtsgebäude oder allein, jedoch mit Einschluß einer nach der Brücke zu gelegenen Spitze des Grundstücks und ein auf Kosten der Steuerverwaltung noch zu errichtenden Erheber-Häuschens, welches zum Aufenthalt des Erhebers nicht aber zur Familienwohnung genügt“. Offenbar wurde die letztjährige Verpachtung bereits nach nur kurzer Dauer beendet.  

 

  1. Okt. Anzeige des Fleischermeisters Fr. Matthes (NKB)

„..bringe ich zur gef. Kenntnis, daß ich im Ladengeschäft von jetzt an bloß gegen sofortige Zahlung verabfolge. Ausgeschlossen hiervon sind meine werten Kunden, mit denen ich in laufender Rechnung stehe...“

 

  1. Okt. Winterfahrplan (NKB)

Den Bahnhof passierten täglich in jeder Richtung 8 Personen- und 5 Schnellzüge. Die Fahrkarte nach Naumburg kostete im Schnellzug I. Klasse 70 Pfg. und im Personenzug I. Klasse 60 Pfg.   

 

  1. Okt Ehrung der Reichardt`schen Eheleute zur Goldenen Hochzeit (NKB)

Der Jubilar erhielt eine Prämie von 80 Mark für seine 25jährige Tätigkeit im Dienst des Badeortes, wie die Unterhaltung der Wanderwege und Ruheplätze.

 

  1. Okt. Inbetriebnahme einer Steinsäge mit Dampfantrieb im Kalkwerk (NKB)

Den Antrieb besorgte eine Mechanik, die an die Drahtseilbahn gekoppelt war und durch die talabwärts gehenden beladenen Loren genügend überschüssige Kraft  erzeugte.  Hergestellt wurden dünne Kalksteinplatten zur Verblendung von Bauten. Die wurden beim Bau der Lutherkirche, der Stadtschule, der Berbig`sche Kinderbewahranstalt, der Kersten`schen Villa, aber auch bei Kirchen in Magdeburg, Beichlingen, Vieselbach und Roßla verwendet. Die Technik wurde 1894 auf der Gewerbeausstellung in Erfurt ausgezeichnet. Die Abfälle wurden zu Steinmehl verarbeitet und der Landwirtschaft zum Kalken verkauft.       

Außerdem hatte Paul Kersten einen auf Ponton montierten Dampfbagger angeschafft, womit  Kies aus der Saale für die Kgl. Bahnverwaltung gefördert wurde. Außerdem schützte die Vertiefung des Flussbettes die Fundamente der Futtermauer vor Unterspülung und ermöglichte schließlich den Bootsverkehr zur Rudelsburg (Festschrift, KÖZ 1925). 

 

  1. Okt. Kirmes mit Ballmusik im „Helgoland“ (NKB)

So nannte der neue Eigentümer die ehemals zur Gräfeschen Fähre in Lengefeld gehörende Gastwirtschaft.

 

  1. Okt. Kaufvertrag über die kleine Promenade (BLK-A. Nr. 669)

Die Landesschule erhielt 500 Mark. Den Abzugsgraben hatte Kersten im Zusammenhang mit dem Bau des Borlachbades verrohrt und den Anliegern der Lindenstraße gestattet, sich ebenfalls anzuschließen. Am 10. Nov. genehmigte das Provinzialschulkollegium den Vertrag.

 

  1. Okt. Submission der Erd- und Maurerarbeiten für die städtische Schule (NKB)

Bei den folgenden Arbeiten wurden die noch vorhandenen Grabsteine sowie die zahlreichen Knochen auf den neuen Friedhof gebracht. Ebenfalls zur Submission kam der Abbruch des Spritzenhauses auf dem Platz vor dem alten Friedhof.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige von Fritz Heckenberg (NKB)

„...daß ich mein väterliches Material-, Colonial-, Destillations- und Seilerwarengeschäft, welches bisher mein Schwager geführt hat, selber übernehme...“. Heckenberg stellte dann sein Sortiment vorzugsweise auf Feinkost- und Fischwaren um und machte damit regelmäßig Werbung.

 

  1. Okt. Festkommers zum 90. Geburtstag des Gen.-Feldmarschalls v. Moltke (NKB)

Dem Organisationskomitee gehörten die Vorsitzenden der Kriegervereine König Wilhelm und Kronprinz Friedrich Wilhelm, Bäßler und Held sowie der Major a. D. v. Schmettau an.

 

  1. Okt. Anzeige des Schuhmachers Colditz Querstr. II-32 (Schmettaustr. 11) (NKB)

 

  1. Nov. Helene Julitz eröffnet das „Wiener Cafè“ Salinenstr. III-21 (Nr. 5) (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden 13.000 Mark für die Anschaffung von Akkumulatoren und  Batterien für das E-Werk auf der Radinsel, die bei Ausfall der Wasserkunst zur Notstromversorgung gebraucht wurden sowie weiteren 10.000 Mark für die beim Schulneubau angefallenen Mehrkosten, die Pflasterung des Gehwegs und Einbindung des Kanals in der Burgstraße.

 

  1. Nov. Hochwasser (StaA Nmb. Nr. 286, NKB).

Nach heftigen Regenfällen am Mittellauf von Saale und Ilm stieg das Wasser innerhalb weniger Stunden auf über 5 Meter über Normal. Die Flutwelle, für die Experten 1.300 m³/sek. errechneten, rissen das oberhalb des Wehrdammes liegende Bauholz und einige hundert Ölfässer mit sich. Diese stauten sich vor Brücke und erzeugten einen gewaltigen Druck.

„Um 3 bis 4 Uhr nachmittags breitete sich ein weiter See von Hämmerlings Gasthof (.) bis hinüber über die Saalstraße, die zwischenliegenden Häuser mit seinen Fluten umfassend. Von dieser Stelle bis nahe Großheringen erblickt man nichts als einen weiten  Wasserspiegel aus dem die Roßner`sche Mühle wie eine Insel ragt...“

Dann brachen die erst 1885 aufgeführten Eispfeiler, dann folgten die Strompfeiler und die Brücke stürzte ein. Die Mühle, das Holzwerk und die Gärtnerei Möller erlitten erhebliche Schäden. 16 mit Steinen beladene Bahnwaggons, die im Kalkwerk zum Versand bereit standen, wurden auf die Bahnbrücke gebracht und von dort aus in die Saale geschüttet, um die Pfeiler zu schützen. Die blieb dann auch unversehrt, ebenso wie das Inhalatorium und der Kurpark obwohl dieser völlig  überflutet wurde. 19 Wohngebäude standen unter Wasser, 40 Familien waren obdachlos. Wie durch ein Wunder waren keine Menschenleben zu beklagen.

Schlimmer traf es Lengefeld. Hier waren 15 der 54 Wohnhäuser eingestürzt und 68 Familien betroffen.

 

  1. Nov. Reg.-Präsident v. Diest und der Landrat besichtigen die Schäden (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, NKB)

Beschlossen wurde die Kostenübernahme für alle Aufräumungsarbeiten. 250 Mark wurden den Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr als Ersatz für die beim Einsatz beschädigten privaten Sachen bewilligt.

Es folgten Spendenaufrufe des Landrates und des Vaterländischen Frauenvereins von Naumburg, In der Folge fanden dann zahlreiche Sammlungen und Benefizveranstaltungen zugunsten der Hochwassergeschädigten statt, aus deren Erlösen rund 17% der gemeldeten Schäden von Privatleuten gedeckt wurden. 

 

  1. Nov. Anzeige der hochwassergeschädigten Unternehmen (NKB)

„Durch das Hochwasser sind von meinem Mühlengrundstück ca. 500 bis 600 große und kleine Ölfässer fortgeführt worden. Die Fischer, Schiffer und Uferbewohner welche derartige Fässer aufgefangen haben, werden gebeten, mich davon zu benachrichtigen. Bergelohn wird zugesichert, vor Verkauf wird gewarnt“ E. Roßner.

„Infolge des Hochwassers ist namentlich im oberen Lauf der Saale eine große Anzahl Flöße hinweggeschwemmt worden. Die obere Floßkommune hat deshalb den Antrag gestellt, die in den betreffenden Gemeinden längs der Saale angeschwemmten Floßhölzer aufzufangen“ Der Landrat

„Beim Hochwasser sind mir von meinen Zimmerplatz viele Hölzer fortgeschwemmt. Über etwaige Funde längs der Saaleufer bitte ich um gütige Mitteilung“. Fr. Toepfer

„Beim Hochwasser sind von meinem Grundstück etliche mit Namen gekennzeichnete Fässer fortgeschwemmt…“ Brückner, Brauereibesitzer, Saalstraße.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB)

Die Stadt hatte 2.463 Einwohner, 1.034 Männer und 1.429 Frauen. Seit der letzten Volkszählung hatte die Bevölkerung um 5 % zugenommen. 1809 waren es lediglich 370 Einwohner, demzufolge eine  Versechsfachung, gegenüber 1820 (637) eine Vervierfachung. Die Mehrzahl war evangelisch, lediglich 67 gaben an Katholiken zu sein, einer war Jude. Es gab 262 bewohnte und 11 unbewohnte Häuser mit 639 Haushalten.

 

  1. Dez. Anzeige des Hilfskomitees (NKB)

„Infolge unseres Aufrufs sind uns sowie den verschiedenen Lokalkomitees so reiche Gaben an Kleidungsstücken zugegangen, daß der Bedarf in dieser Hinsicht  gedeckt zu sein scheint (.) Gaben von Lebensmitteln und Geld sind nach wie vor sehr erwünscht. Wir bitten jedoch die angedachten Gaben nicht an einzelne herumziehende Bittsteller, sondern an das Komitee abzuführen, da von unberufener Seite  Mißbrauch mit dem Unglück anderer getrieben wird...“

 

  1. Dez. Bau einer Pontonbrücke (NKB, Hinsche 1930)

Eine Woche lang durften Fußgänger die Bahnbrücke benutzen, Verstorbene vom linken Ufer wurden im Eisenbahnwagen auf die andere Seite gebracht. Dann bauten Pioniere aus Magdeburg trotz Schneetreibens und starker Kälte innerhalb von 12 Stunden aus 17 Pontons eine 250 Fuß (77,5 m) lange Brücke, die auch von schweren Fuhrwerke befahren werden konnte. Eine zweite Brücke wurde zwischen Kleinheringen und Unterneusulza gebaut. Für deren Beaufsichtigung wurde hier eine Pioniereinheit einquartiert

 

  1. Dez. Stadtverordnetenwahl (NKB)

„Die Wähler Kösens, insbesondere die durch die Überschwemmung so sehr betroffenen Bewohner des linken Saaleufers werden hiermit nochmals auf die Stadtverordnetenwahl aufmerksam gemacht und gebeten, ihren bis jetzt so bewährten Vertretern wieder ihre Stimme zu geben und zwar in der I. Abt. Kfm. Siebold, in der II. Abt. Holzhändler A. Krüger und Mühlenbesitzer E. Roßner jun. und in der III. Abt. Buchbindermeister Wolff“.

 

  1. Dez. Leserbrief zum Bahnverkehr (NKB)

„Nachdem das Schlimmste  der bösen Stunden hinter uns liegt, welche die Hochflut erzeugt hat, bleibt uns die unabsehbare Folge dessen, was die Eisenbahn noch bringen kann. Auch diese war überschwemmt worden und in wieviel höheren Grade als bisher tritt der Schrecken des Schütterns namentlich der schwer beladenen Waggons auf, das mit jedem Vorbeisausen eines Zuges entsteht. Es ist im höchsten Grade beängstigend, wie sich das Schüttern namentlich in der Rudelsburgpromenade äußert, immer denkt man, es müsse ein Haus einstürzen. Und da das Rangieren der Frachtzüge besonders in der Nacht ausgeführt wird, so ist des Schreckens kein Ende. Möchten doch endlich die betreffenden Behörden sich dieser Angelegenheit annehmen...“

Daraufhin schrieb ein anderer Leser: „Nun läßt sich die Behörde nicht antreiben und ist es mit der Eile hier gar nicht nötig, da jetzt schon der Bahnhof gar nicht in der Stadt Kösen liegt, sondern es haben sich nur einige Häuser nachträglich an denselben angebaut...“

 

  1. Dez. Konferenz zur Schadensbilanz (NKB)

Mehrere Beamte der zuständigen Behörden an der Spitze der Reg.-Präsident v. Dienst, die vor Ort weilten, beobachteten auch die laufenden Sprengarbeiten an den eingestürzten Brückenpfeilern. Dabei wurde der Reg. Präsidenten von einem herausgesprengten Stein getroffen. Der Gesamtschaden im Landkreis wurde mit weit über einer Million Mark beziffert.

Das Hochwasser wurde durch ausgiebige Niederschläge bis zu 60 Liter im Einzugsbereich von Saale, Schwarz und Ilm hervorgerufen. Der Hochwasserscheitel lag 90 cm über dem der Thüringer Sintflut von 1661 und 110 cm über dem letzten Jahrhunderthochwasser von 1845. In der Folge wurde mit den übrigen Staatsverwaltungen entlang der Saale ein Hochwasserwarndienst und die Errichtung von Pegelstationen vereinbart. Letztendlich folgten dann die Überlegungen, durch Talsperren einen wirksamen Hochwasserschutz zu erreichen.

 

  1. Dez. Anzeige der Wirtin der „Katze“ (NKB)

„Um meinen verehrten Nachbarn und Bekannten den schadenfrohen Glauben zu nehmen, ich sei ausgeplündert worden, mache ich hiermit bekannt, daß ich meine Möbel nur nach Naumburg zur Reparatur geschickt habe, da sie mir durch das große Wasser ruiniert sind.“ 

 

  1. Dez. Bau einer hölzernen Notbrücke (NKB, Hinsche 1930).

Unter Leitung des Baurates Boe aus Naumburg begann der Schiffsbaumeister Röttig aus Nebra mit dem Bau der Notbrücke deren Kosten mit 14.000 Mark veranschlagt waren.

Als Notlösung für die durch den Brückeneinsturz zerrissene Elektroleitung wurde an beiden Ufern ein 12 Meter hoher Mast errichtet und eine Notleitung verlegt. Außerdem beschloss die Stadt die Anschaffung von Akkumulatoren, um Elektroenergie zu speichern.

 

  1. Dez. Bericht der Stadtsparkasse (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Spareinlagen beliefen sich auf rd. 90.000 Mark, die Zahl der Sparbücher betrug 234. Auch die ersten Hypothekendarlehen für den Hausbau wurden ausgereicht. Das betraf 9.000 Mark  für R. Eckardt (Parkstr. I-141), 10.000 Mark E. Salzwedel (Kukulauer Str. III-53), 5.000 Mark A. Quarg (Borlachstr. I-66), 6.500 Mark L. Luft (Neue Str. II-30) und 3.000 Mark K. Haase (Saalberge II-71). Die Kgl. Badedirektion nahm einen Kredit von 22.300 Mark für die Reparatur des Gradierwerkes, der Wellenbäder und des Inhalatoriums auf.

 

1891

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachricht 1890 (NKB)

Registriert wurden 66 Geburten, davon 4 uneheliche, 19 Eheschließungen, 43 Todesfälle und 36 von 213 Kindern wurden eingesegnet. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der neue Hausmann im städtischen Krankenhaus sollte anstelle eines Gehalts mietfrei wohnen und den Garten nutzen.

 

  1. Jan. Eröffnung der Tischlerei Neue Straße II-13 (Fr. Ebert Str. 6) (NKB)

 

  1. Jan. Übergabe der Notbrücke und Rückbau der Pontonbrücke (NKB)

 

  1. Jan. Kaisers Geburtstag (NKB)

Vormittags stellten sich die Kriegervereine zur Reveille auf, anschließend traf man sich zum  Festessen bei Kurzhals. Der Festkommers des älteren Kriegervereins fand auf der Wilhelmsburg und des jüngeren Vereins im Kursaal statt. Hier hielt Dr. Schütze den Festprolog. 

 

  1. Feb. Voruntersuchungen für den Brückenneubau (NKB)

Im Auftrag des Ministers für öffentliche Arbeiten prüfte ein Reg.-Baumeister die Verwendbarkeit der Pfeilerreste für den Bau der neuen Brücke. Beim nächsten Termin mit dem Reg.-Präsidenten v. Diest und weiteren höheren Beamten wurde festgelegt, dass die engen Durchfahrten beseitigt werden müssten. Während der Sprengung der Pfeiler wurde der zur Besichtigung der Einsturzstelle hier weilende Oberpräsident der Provinz Sachsen,  Exz. v. Pommern von einem Trümmerstück getroffen

Als das bekannt wurde, dass eine eiserne Brücke mit drei Pfeilern gebaut werden sollte, erhoben sich zahlreiche Stimmen, die wegen des Ortsbildes und der Historie eine Steinbrücke forderten. Andere forderten die Einstellung der Flößerei, weil die den Einsturz der Brücke verursacht habe. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

In Anbetracht leerer Kassen war eine weitere Anleihe erforderlich. 10.000 Mark Mehrkosten  beim Schulbau, 23.000 Mark Akkumulatoren-Batterien, 7.000 Mark Erwerb der kleinen Promenade und Pflasterung der Lindenstraße, 10.000 Mark Beseitigung des Hochwasserschäden summierten sich auf 50.000 Mark, wozu allerdings noch die Genehmigung der Aufsichtsbehörde ausstand.

Beigelegt wurde auch ein Streit mit dem Bürgermeister. Rudolph, dem das Grundstück  Borlachstraße  (Nr. 44) gehörte, durch das der Flutgraben von der Mausa zur Kaskade führte, hatte ohne Genehmigung seine Hausentwässerung angeschlossen und als Gegenleistung die Unterhaltung des über sein Grundstück führenden Grabens angeboten.

 

  1. Feb. Anzeige von Dr. Risse (NKB)

„Im Besitz der Koch`schen Original Lymphe gegen Tuberkulose gebe ich hierdurch bekannt, daß Kranke (Schwerkranke ausgeschlossen) im eigens dazu erworbenen Haus mit schönen luftigen Räumen unter Pflege einer geschulten Krankenschwester Aufnahme finden...“ 

Bei der „Lymphe“ handelte es sich um das 1890 von Robert Koch entwickelte  „Tuberkulin“, dass der Seuche mit hoher Todesrate Einhalt gebieten sollte, sich aber später als unwirksam erwies. Da die Kranken isoliert von der übrigen Bevölkerung untergebracht werden mussten, erwarb Risse ein Haus in den Saalbergen. 

 

  1. Feb. Neubau der Holzbrücke zum Wellenbad (StaA Nmb. Nr. 360).

Das betraf den 1871 gebauten und vom Hochwasser ebenfalls zerstörten Übergang über die kleine Saale.

 

  1. Feb. Außerordentliche Generalversammlung des Vorschussvereins (NKB)

Wegen seines Gesundheitszustandes wurde der Kassierer Kfm. Scholvien nach 27jähriger Tätigkeit entbunden und erhielt eine lebenslange Pension von 4 % der jährlichen Bruttoeinnahmen. 

 

  1. Mär. Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Hiermit fordere ich alle diejenigen auf, welche nach dem Hochwasser (.) Schutt und Baumaterialien auf meinem Feldgrundstück an der Saalstraße abgelegt haben, binnen acht Tagen diese Dinge zu entfernen, da ich sonst von den Bestimmungen des Feld-Polizei-Gesetzes Gebrauch machen werde...“

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden Mehrkosten von 6.000 Mark für die Verblendung der Schule mit Kalksteinplatten. Festgelegt wurde die Bauflucht in der Saalstraße und eine Entschädigung von 2 Mark, für die Anwohner, die einen Teil ihres Grundstücks für den Fußweg abgegeben mussten, was aber den Hochwassergeschädigten erlassen wurde.

Für die kostenlose Krankenpflege der Ortsarmen sollte eine Diakonissin des Berliner Lazarus-Krankenhauses gewonnen werden. Ihr sollte eine mietfreie Wohnung im städtischen Siechenhaus (Burgstr. 16) zur Verfügung gestellt werden.

 

  1. Mär. Maurermeister Gustav Transchel verstirbt im 47. Lebensjahr (NKB)

Die Anteilnahme beim Begräbnis des allseits beliebten Mannes war groß. Das Geschäft übernahm der Maurermeister Fr. Hübner aus Pforte.

 

  1. Mär. Polizeiverordnung zur Hundehaltung (NKB)

„Das Mitbringen von Hunden in Lokale, in welchen geselliger Verkehr stattfindet, sowie Bier- und Weinstuben ist verboten...“

 

  1. Mär. Holzmesse (NKB)

In Kösen und Camburg kamen 5.000 Flöße zum Verkauf.

 

  1. Apr. Gründung der Diakonissenstation (NKB)

Initiatorin war das Freifräulein Jenny v. Gerstenbergk, Ordensdame des Theresienordens sowie der Sohn des Begründers der Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der in Hamburg die Innere Mission der evangelischen Kirche und das „Rauhe Haus“ gründete. Sein Sohn, der Pfarrer Johannes Wichern hatte 1874 die Tochter Dr. Rosenbergers, Elisabeth (1844-1911) geheiratet und weilte hier regelmäßig zu Besuch.

Daneben waren Pfarrer Barthold, der Badearzt Dr. Schütze und die Johanniter-Schwester Constanze von Schmettau für eine kostenlose Armenpflege. Die Bevölkerung wurde zu  Sachspenden an Hausrat zur Ausstattung der Wohnung aufgerufen. Darüber hinaus wurde um  Geldspenden für den Unterhalt der Diakonissin gebeten. Insgesamt kamen so 577 Mark zusammen, wofür sich die Kirchengemeinde öffentlich bedankte. Die erste Diakonissin, Gertrud Karras, kam zunächst im städtischen Siechenhaus unter. Ebenso wie für die Kinderheilstätte fanden nun auch Benefizkonzerte für die Diakonie statt.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeigen (NKB)

Joseph Fieber eröffnete eine Bau- und Möbeltischlerei in der Saalstraße (heute Nr. 15). Fritz Ramdohr, Barbier und Friseur, verlegte sein Geschäft von der Lindenstraße 13 in das Heckenbergsche Anwesen An der Brücke I-136 (Nr. 2) und der Vorschussverein eröffnete seine Geschäftsstelle in der Querstraße II-39 (Nr. 1)  

 

  1. Apr. Quartalsversammlung der Gesamtinnung (NKB)

Dabei erhielten 19 Lehrlinge den Gesellenbrief und 26 Lehrlinge wurden eingeschrieben.

 

  1. Apr. Umverlegung der Soletransportleitungen zu den Badeanstalten (priv).

Beim Einsturz der Brücke waren auch die Soleleitungen zum Wilhelms- und Borlachbad gerissen. Da sich eine provisorische Leitung über die Holzbrücke nicht realisieren ließ, beantragten Dr. Schütze und Dr. Löffler den Anschluss an die vom Gradierwerk zum Inhalatorium führende Röhrenfahrt, was ihnen im Interesse des Badebetriebes auch bewilligt wurde.

 

  1. Apr. Veröffentlichung der Namen der ersten Rentenempfänger (NKB)

Nach Einführung der umstrittenen Pflichtversicherung für Lohnempfänger erhielten die ersten Berechtigten eine jährliche Rente, was einer Veröffentlichung wert war. In diesen Genuss kamen der Zimmergeselle Grenzdörfer (135 Mark) die Maurergesellen A. Pabst, A. Sachse und A. Schmidt (jeweils 163 Mark), wie auch die Handarbeiter Fr. Gräfe, Fr. Milsch, J. Chr. Heinicke und Chr. Hoye aus Lengefeld.

 

  1. Apr. Anzeige der Badedirektion (NKB)

„Die durch das Hochwasser-Katastrophe entstandenen Schäden an den Badeeinrichtungen werden bis zu Beginn der Saison vollständig und verbessert wieder hergestellt sein“ Ganz anders war es um die Straßen bestellt, worauf ein Leserbrief hinweist: „ Durch die Verlegung des Übergangs über die Saale sind die Verkehrsverhältnisse in Kösen ganz andere geworden. Der sehr beträchtliche Fuhrwerksverkehr auf der fiskalischen Kreischaussee wird infolgedessen am rechten Saaleufer auf einen Triftweg und am anderen Ufer durch die Neue und Querstraße gelenkt. Haben diese Wege zum Teil schon durch das Hochwasser gelitten, so sind sie jetzt durch diesen ungewohnten Verkehr in einen Zustand versetzt, der jeder Beschreibung spottet. Der fußtiefe Schlamm der Fahrwege überträgt sich auch auf die Fußwege, so daß es solchen Passanten, die nicht einen Wagen benutzen können, kaum möglich ist, durchzukommen...“

 

  1. Apr. Ehrung der Feuerwehr für den Einsatz beim Hochwasser (NKB 1910).

Das Korps erhielt von der Kgl. Regierung 200 Mark zur Ersatzbeschaffung von Ausrüstungsteilen und weitere 300 Mark für die Anschaffung einheitlicher Uniformen.

 

  1. Apr. Anzeige der Witwe Auguste Becker (NKB)

„Hiermit die ergebenste Mitteilung, daß ich die von meinem verstorbenen Mann betriebene Biergeschäft-Mälzerei am Wehrdamm in unveränderter Weise fortführen werde..“ Damit war das zum „Mutigen Ritter“ gehörende Brauhaus (Loreleypromenade 3,3a) gemeint, dass Weber verkauft hatte.

 

  1. Apr. K. Techow: Kösens elektrische Beleuchtung (NKB)

„Das Hochwasser (.) hatte mit der Brücke auch das Licht geraubt, indem es die Drahtverbindung  zwischen Alt- und Neu-Kösen zerstörte wurde auch die elektrische Beleuchtung, auch zuweilen das „Schmerzkind“ von Kösen genannt, und seine Rückwirkung auf die Taschen der Steuerzahler kopfschüttelnd in Erwägung gezogen, so erinnert man sich doch der Zeit, wo man es entbehren mußte (.) und von allen, die sich der elektrischen Beleuchtung erfreuen, ist wohl keiner, der ohne Not zur alten Beleuchtung zurückgreifen möchte.

Kösen ist nach dem Vorgang Schwabings in Bayern die zweite Stadt Deutschlands, die unternehmend genug war, sich in den Besitz einer totalen elektrischen Beleuchtung zu sehen. Ohne das Vorhandensein billiger Wasserkraft hätte man angesichts der hohen Kosten doch wohl Abstand von dem Plan nehmen müssen...“

 

  1. Apr. Gastspiel des Naumburger Stadttheaters im Kursaal im Kurgarten (NKB)

Es folgten regelmäßige Aufführungen, die mit einer ausführlichen Rezension gewürdigt wurden.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Inventars vom „Wiener Cafè“ (NKB)

Offenbar gelang es der Besitzerin, Helene Julitz-Frankfurt/Oder, den Termin abzuwenden, denn am 17. Mai inserierte sie, dass das Cafè geöffnet sei. Ein zweiter Termin (23. Juni) wurde auf den 11. August verschoben, kam aber auch nicht zustande.

Erst 1892 im Zuge der Zwangsversteigerung des dem Berliner Kaufmann F. Collin gehörenden Hauses (02. Februar) kam das Inventar am 10. und 28 März auf dem Platz vor dem Held`schen Grundstück unter den Hammer.

 

  1. Mai Pfingstfeiertage (NKB)

Die Bahn hatte mehrere Sonderzüge eingesetzt und die Ausflugslokale  Rudelsburg (Bruno Schmidt), die Katze (Naumann), Schöne Aussicht (Bauer), Rektorberg (Schleicher), Saalhäuser (Schumann), Himmelreich (G. Gräfe), Wilhelmsburg (Pagels) waren für den Besucheransturm gerüstet. Der Wirt der Loreley nahm die Fähre in Betrieb und bot Gondelfahrten zur „Katze“ an. 

Beim abendlichen Rückreiseverkehr reichten weder die Warteräume noch die Bahnsteige. Forderungen nach einer Vergrößerung wurden laut. 

 

  1. Mai Dr. Carl Schütze wird Ehrenmitglied der Badedirektion (StaA Nmb).

Dr. Risse war wegen Unstimmigkeiten mit dem Badediener ausgetreten und v. Stuckradt aus Altersgründen ausgeschieden.

 

  1. Juni Eröffnung einer Maschinenschlosserei in der Burgstr. 109 (Nr. 12) (NKB)

 

  1. Juni Bericht über den Schulneubau (NKB)

„Der Bau des neuen Schulgebäudes, welches zum 1. Oktober fertig werden sollte, schreitet nur langsam voran, so daß man schon davon Abstand genommen hat, sich auf den Umzug für dieses Jahr einzurichten. Wahrscheinlich wird er erst im Herbst 1892 erfolgen. Zu bedauern ist, daß damit auch der Bau einer neuen Kirche, welche an die Stelle des jetzigen Schul- und Rathauses erbaut werden soll, um ein volles Jahr verzögert wird…“ 

Der für Planung und Bauüberwachung zuständige Weißenfelser Architekt Meienberg bezifferte die Kosten inzwischen auf 64.400 Mark.

 

  1. Juni 15. Stiftungsfest des Turnvereins mit Fahnenweihe (NKB)

 

  1. Juni Versteigerung der Eisenkonstruktion der Brücke (NKB)

 

  1. Juli Basar zum Besten der Kinderheilstätte (NKB)

Organisatoren waren Frau Landrat von Feilitzsch, Frl. v. Stuckradt und Frl. von Alvensleben sowie der neu gegründete Jungfrauenverein. Der bestand aus 24 „Angehörigen des dienenden Standes“, die von der Diakonissin betreut wurden.

 

  1. Juli Eröffnung der neuen Matthes`schen Fleischverkaufsstelle (NKB)

Zuvor hatten die Brüder die bisherige Fleischerei Grüne Gasse (Nr. 4) zum Verkauf angeboten.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Rudelsburgpromenade 18 (NKB)

Die Fa. Gebr. Gräfe hatte infolge des Hochwassers Konkurs angemeldet. Da auch die Flussbadeanstalt den Fluten zum Opfer gefalle war und sich beim Wildbaden mehrere tödliche Badeunfälle ereigneten, wurde der Ruf nach einer städtischen Flussbadeanstalt laut.

 

  1. Juli Festlegung zum Neubau der Brücke (NKB)

Obwohl eine eiserne Brücke mit drei Bögen rund 120.000 Mark billiger war als eine steinerne vierbogige Brücke, entschied sich der Fiskus für die Letztere.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen wurde der chausseemäßige Ausbau der Neuen- und der Querstraße. Dafür wurden   5.400 Mark bewilligt.

 

  1. Aug. Statistik des Postbezirks Kösen (NKB)

Zu dem gehörten neben der Stadt auch die umliegenden Landgemeinden, mit insgesamt  4707 Einwohnern. 1890 wurden 238.000 Briefe aufgegeben und 261.000 empfangen. Bei den Paketen waren es 12.700 und 19.300, bei den Wertbriefen 1119 und 1197 und bei den Depeschen 3.430 und 3.524.

 

  1. Aug. Erlass des Ministeriums für Unterrichts-und Medicinal-Angelegenheiten

Der Königl. Regierung zu Merseburg wurden mitgeteilt, dass man beabsichtigt, das Bad der Stadt zu übertragen und diese aufgefordert, sich darüber gutachterlich zu äußern.

 

  1. Sep. Statut der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ (priv).

Nach der Genehmigung der Kaiserin, die Heilstätte nach ihr zu benennen, beschloss der Verein eine Satzung, die bei der Behörde zur Genehmigung der Gemeinnützigkeit eingereicht wurde. Das Grundvermögen bestand aus dem  Grundstück, das mit 39.000 Mark zu Buche stand, wovon 9.000 Mark als Anzahlung geleistet waren,  und einem Barvermögen von über 7.000 Mark. Die laufenden Kosten sollten aus den Beiträgen (30 Mark je Mitglied), den Aufnahmevergütungen und Erlösen aus Konzerten, Sammlungen und Basaren bestritten werden. Zum ersten Vorstand gehörten Bürgermeister Rudolph, Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckradt, Baurat a. D. v. Stuckradt, Dr. Löffler und Frl. Freytag.

 

  1. Sep. Eröffnung der neuen Werther`schen Gastwirtschaft in Lengefeld (NKB)

Die alte Wirtschaft hatte beim Hochwasser erheblichen Schaden erlitten und wurde an der Stelle errichtet, an der sie sich bis heutigen Tags befand.

 

  1. Sept. Badelisten (NKB)

Trotz der noch unübersehbaren Schäden und der ungünstigen Witterung kamen 2.235 Badegäste  40 mehr als 1890, darunter Fr. verw. Reichsbankpräsident Exz. v. Dechend-Berlin,  Dr. med A. Frankl-Ritter v. Hochwart-Wien, Gräfin v. Honwald auf Schloß Staupnitz, Exz. v. Grabowski-Berlin, Gräfin Basedow-geb. Gräfin Henkel von Donnersmark, Fr. v. Girgensohn-Riga, Fr. Staatsminister v. Puttkammer-Pommern, Geh.-Oberreg.-Rat und Senats-Präsident Delius, Baronin v. Schlotheim, Gräfin Finkenstein-Potsdam, Gräfin v. Bredow-Berlin. -

 

  1. Sep. Anzeige des Postmeisters a. D. Müller (NKB)

„..beabsichtige ich den Verkauf meines Hauses (des früheren Postgebäudes). Das Haus (.) eignet sich wegen seiner günstigen Lage (.) fast im Mittelpunkt  des Ortes eben sowohl zur geschäftl. Nutzung wie zu einem herrschftl. Ruhesitz...“ Ein Käufer fand sich aber erst 1899.

 

  1. Okt. Verkauf des Gießler`schen Hauses Burgstr. I-110 (Nr. 15) (NKB)

 

  1. Okt. Beschluss zur Eingemeindung des Bahnhofgeländes (BLK-A. Nr. 324).

 

  1. Okt. Ernennung des neuen Bezirksschornsteinfegermeisters (NKB)

Zum Nachfolger des verstorbenen Meisters ernannte der Reg.-Präsident Ernst Poppe. Zum Kehrbezirk gehörte neben der Stadt auch die Landgemeinden Altenburg und Flemmingen, die Kreisdörfer sowie die Gutsbezirke Kreipitzsch, Stendorf und Schulpforte mit den Vorwerken. Alle Essen mussten jährlich dreimal gekehrt werden, in bestimmten gewerblichen Betrieben sogar monatlich.

 

  1. Okt. Vermessungsarbeiten für den Ausbau der Kreisstraße nach Lengefeld (NKB)

 

              Ernst Roßner (1819 bis 1893) wird Ehrenbürger (Röblitz,1930).

Der Besitzer der Mühle wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt geehrt.

 

  1. Nov. Gründung des Konsum-Vereins im Saal der „Post“ (NKB).

In den vorausgegangenen Treffen hatten 38 Einwohner ihr Interesse an diesem Verein bekundet. Nun wurde ein provisorischer Vorstand gewählt und mit der rechtlichen Umsetzung beauftragt. Gleichzeitig wurde ein eigenes Ladengeschäft gesucht. Gegen den Verein gab es seitens der ortsansässigen Einzelhändler erheblichen aber erfolglosen Widerstand.

 

  1. Dez. Eröffnung der Richter`schen Materialhandlung Saal-/Querstraße (NKB)

 

  1. Dez. Hohe Gäste im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Auf der Fahrt nach Rudolstadt übernachteten hier der Fürst und die Fürstin von Schönburg-Waldenburg, die ihre Tochter zur Hochzeitsfeier mit dem Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt begleiteten. Sie bewunderten den neuen Wintergarten mit Dampfheizung und elektrischer Beleuchtung. 4 Tage später erfolgte die Eröffnung mit einem Konzert unter Lorbeer- und Oleanderbäumen, allerdings begleitet von einem heftigen Gewitter mit Hagelschauern.   

 

  1. Dez. Wahl Fr. Toepfers zum Feuerwehrhauptmann (NKB)

Malermeister Leschke war aus dem Korps ausgetreten und sein Vize hatte abgelehnt. Dank seiner guten Verbindungen erhielt er Geld von der Generaldirektion der Landesfeuersozietät für die Anschaffung eine  transportable Saug-Druck Spritze, Schlauchwagen, Schlauchbrücken, Leitern und ein Wasserwagen.

Als Ersatz für das alte Spritzenhaus, das dem Neubau der Schule weichen musste, kam ein neues Spritzenhaus auf den Hof des neuen Schulgebäudes.

 

  1. Dez. Tod von Jacob Heinrich v. Stuckradt, Jg 1820 (NKB)

Der Hauptmann a. D. Strafanstaltsdirektor a. D., Badehausbesitzer, Stadtverordneter und Mitglied der Badedirektion stand im 71 Lebensjahr. Er wurde  im Familienbegräbnis beigesetzt ebenso wie Major Heinrich v. Stuckradt (1808-1884), Generalmajor Ernst v. Stuckradt (1830-1892), Generalleutnant A. v. Stuckradt (1813-1895). Nach dem Tod seiner Ehefrau Mathilde  geb. Marchand (1826-1896) wurde die Villa Stuckradt (Friedrich Ebert Str. 17) verkauft.

 

  1. Dez. Techow kündigt den Druck des ersten Kösener Adressbuchs an (NKB)

 

               Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Die Schäden die das Hochwasser an den Badeeinrichtungen und im Stadtgebiet angerichtet hatten, konnten größtenteils  vor Saisonbeginn beseitigt werden, hatten aber ein großes Loch in die Badekasse gerissen.

Insgesamt 2.235 Badegäste wurden registriert, 40 mehr als 1890. Dazu kamen 1.968 Passanten, 600 mehr als im Vorjahr. Die  Kinderheilstätte hatte 194 Kinder aus den Ferienkolonien Berlin und Leipzig sowie 98 aus anderen Orten aufgenommen. Die chemische Zusammensetzung der Solequelle war unverändert, die Johannisquelle war gut frequentiert, allerdings fehlte eine Kabine für die Bedienung und warmes Wasser. Der Mühlbrunnen wurde wegen seiner  ungünstigen Lage kaum noch frequentiert. Insgesamt wurden 15.072 Solebäder, 990 Wellenbäder und 1.449 Inhalationskarten abgegeben.    

 

1892 

 

Jan. Geburt von Sylvester Eduard Carl Ferdinand Schütze (Ev. Taufregister)

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachrichten (NKB)

Die Stadt hatte 2512 Einwohner, es gab 327 Schulkinder, 48 Konfirmanten, 71 Taufen (davon 2 uneheliche Kinder), 16 Hochzeiten und 64 Todesfälle.

 

  1. Jan. Hermann Weber jun. übernimmt die Wahn`sche Badeanstalt (NKB).

1889 hatte San.-Rat Dr. Wahn die Anstalt einer Frau Wagner aus Leipzig verkauft, die diese unter dem Namen „Germaniabad“ zwei Jahre führte. Weber der inzwischen im „Mutigen Ritter ebenfalls einige Wannen betrieb, brachte die Anstalt auf den neuesten Stand und nannte sie „Ritterbad“ zusammen mit dem „Kurhaus-Hotel und Pension zum mutigen Ritter“ wieder erstes Haus am Platz.

Ein Leserbrief dazu „Ein allgemeiner Wunsch ist es, daß endlich auch einmal der Kurgarten diesem Streben nach zeitgemäßer Verschönerung und Komfort folgen wird...“

 

  1. Jan. „Cabinets Order“ zur Kinderheilstätte (priv).

Neben der Bestätigung der Satzung wurde der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ die Rechte einer juristischen Person verliehen und die Badedirektion angewiesen, dem Kinderheim die Badesole kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

  1. Feb. Der Vorschussverein verlegt die Geschäftsstelle in die Lindenstr. 1 (NKB)

Für Anleger wurde mit 4 % Zinsen geworben, 0,5% mehr als die städtische Sparkasse.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Wegen der Mehrkosten für die Schule (Kalksteinverkleidung) musste eine Anleihe in Höhe von 20.000 Mark bei der Sparkasse Naumburg aufgenommen werden.

 

  1. Mär. Stellungnahme der Kgl. Regierung zur Übertragung des Bades (StaA Nmb.).

Darin wurde auf die unzureichende Verwaltungsstruktur und die bedenkliche Kassenlage hingewiesen. Die zur Verbesserung der Infrastruktur aufgenommenen Kredite und Anleihen  überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Um der Stadt die freiwillige Übernahme des Bades schmackhaft zu machen, sollte der Fiskus der Stadt ein „Gnadengeschenk“ von 30.000 Mark in Aussicht stellen, womit das Haushaltsdefizit beseitigt werden könnte.

 

  1. Mär. Reeh verlegt sein Geschäft von der Lindenstr. 8 in die Lindenstr. 16 (NKB)

Bisher hatte sich hier der Sattlermeister G. A. Soff  eingemietet, der nun das eigene Haus bezog (Burgstr. 1). In der Lindenstraße 8 eröffnete Max Ranke ein Wollwarengeschäft. 

Neben dem Oberbekleidungsgeschäft von Reeh gab es zwei weitere Bekleidungsgeschäfte,  J. G. Lehmann Nachf. und Flemming im Struveschen Anwesen (Gerstenbergkprom. 3). Flemming, der in Naumburg eine florierendes Geschäft betrieb (Herrenstr. 13) kündigte den Räumungsverkauf seiner Filiale bis Ende April an. Weil sich dies aber hinzog, und die übrigen Geschäftsleute unlauteren Preiswettbewerb vermuteten, sah er sich Ende Mai veranlasst zu erklären: „Eine Zuführung von neuen Waren, wie von mancher Seite angenommen wird, findet nicht statt, es wird nur das dortige Lager geräumt“. Das zog sich aber bis August hin. Im September eröffnete die Witwe Fischer ein Posamenten-, Weiß- und Tapisseriewaren-Geschäft, das aber bereits im März 1893 wieder schloss. 

 

  1. Mär. Meldung zum Bau der Brücke (NKB)

Letztendlich hatte sich der Fiskus für den Bau einer vierbogigen steinernen Brücke entschieden und 3 Jahre Bauzeit veranschlagt. Mit der Bauleitung wurde der Kgl. Baurat Boè und der Kgl. Reg.-Baumeister Kniehahn betraut, mit der Bauausführung die Firma Reichenbach. Am 1. April erfolgte die erste Submission (Lieferung von 1.500 m³ Lehm für die Fangdämme), am 25. Juni wurde die Lieferung von 430 m³ Verbundsandstein vergeben, am 10. Aug. von 1.397 m³ Sandsteinquadern, am 8. Sep. von 500.000 Klinkersteinen, am 15. Sep. 1.000 m³ Bruchsteine. Zur Vermeidung von Unterspülungen wurden die Pfeiler auf Felsen gegründet und wegen der schwierigen Verhältnisse bei diesen Arbeiten auch Taucher eingesetzt.  

 

  1. Apr. Baugenehmigung für die Neue Str. 2 -Weinbergbesitzer Heinze (StaA Nmb.)

 

  1. Apr. Auftrag zur Pflasterung des Fußwegs in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Der Unternehmer Arnold aus Naumburg sollte innerhalb 8 Tage anfangen und nach 4 Wochen fertig die Arbeiten abschließen. Die Vertragsstrafe betrug 10 Mark für jeden weiteren Tag. Das Mosaikpflaster stellte die Stadt. Am 31. Mai erfolgte die Abnahme.  

 

  1. Apr. Gründung des „Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ (Archiv DHV).

Zu den 69 Balneologen, Badeärzten und Verwaltungsbeamten, die zur konstituierenden Sitzung in Leipzig zusammenkamen, gehörte auch der Besitzer des Borlachbades Dr. Karl Schütze. Neben  Kösen waren die thüringischen Bäder Rudolstadt, Liebenstein, Ilmenau, Salzungen, Köstritz und Berka vertreten.

 

  1. Mai Offizielle Eröffnung der Badesaison (NKB)

Fischenbeck gab das erste  Konzert mit der „neu organisierten Badekapelle, der Wirt der „Loreley“ nahm die Fähre an der Johannesquelle in Betrieb und bot Gondelfahrten zur „Katze“ an. Die Gastwirte Pagels (Wilhelmsburg), Buchholz (Lindenstr.7), Völkel (Post und Ratskeller), Schumann (Saalhäuser), Schmidt (Rudelsburg), Naumann (Katze), Kleinschmidt (Bahnhof), Schleicher (Rektorberg), Bauer (Schöne Aussicht) warben ebenfalls.

 

  1. Mai Beschluss des Kreisausschusses zum Bau der Straße nach Lengefeld (NKB)

Im März 1893 begannen die Arbeiten an der Grenze des Stadtbezirks. Für die Landstraße bis nach Großheringen musste viermal die Saale überbrückt und dreimal die Gleisanlage untertunnelt werden.

 

  1. Juni Fleischfabrikant Matthes wirbt für ein Bestellsystem (NKB)

Hier konnten Bestellungen eingeworfen werden, „um den hier weilenden hochgeehrten Badegästen alle möglichen Bequemlichkeiten im Verhältnis zur Großstadt zu bieten.“ 

 

  1. Juni Eröffnung des Sommertheaters im Theatersaal vom Kurgarten (NKB)

Diesmal gastierte die Gießener Stadt- und Hoftheatergesellschaft. Dazu kamen Weimarer und Darmstädter Künstler, wie der Hofschauspieler Hacker, der während seiner Kur  Gastvorstellungen gab. 

 

  1. Juli Generalversammlung des Vorschussvereins (NKB)

Es gab erhebliche Differenzen mit dem Vorsitzenden P. Kersten. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder waren zurückgetreten und erklärten, nur noch zur Verfügung zu stehen, wenn die unbeschränkte Haftung in eine beschränkte Haftung umgewandelt wird. Auslöser war der Konkurs des Naumburger Bankvereins,

 

  1. Juli Mitteilung des Ministeriums für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten.

Nach Rücksprache mit dem Finanzministerium wurde das Gnadengeschenk bewilligt, mit der Auflage, dass dieses zur Ablösung von Anleihen zu verwenden ist. Danach wäre der städtische Haushalt sehr wohl in der Lage aus den Einnahmen den laufenden Betrieb zu unterhalten und  eine Rücklage zu bilden. Durch die Besetzung der Badedirektion mit geeigneten Personen und die gegenseitige Kontrolle würde möglicher Missbrauch verhindern. Abschließend bemerkte der Verfasser, dass wenn die Stadt nicht auf die Vorschläge eingeht, das Bad eingestellt werden sollte.

Der Reg.-Präsident wurde angewiesen, eine entsprechende Beschlussfassung der Gemeinde herbeizuführen und mit dem Kgl. Provinzial-Schulkollegium bezüglich der von dieser Seite erforderlichen Zustimmung zur Übertragung der Rechte und Pflichten aus dem Auseinandersetzungsvertrag von 1861 auszuhandeln. 

 

  1. Juli Verpachtung des Rittergutes Kreipitzsch (NKB)

Der Besitzer Hauptmann E. von Schönberg hatte einen Notar aus Halle mit der Verpachtung von Kreipitzsch samt Rudelsburg und den Allodialgütern in Crölpa, Löbschütz, Roda und Kaatschen  auf 18 Jahre beauftragt. Der erste Termin wurde aufgehoben, bei einem zweiten Termin, kam das Rittergut für 24.000 Mark Jahrespacht an den Saubacher Gutsbesitzer Körner.

 

  1. Juli Thessa Klinkhammer gastiert mit „Cyprienne“ im Kurgarten (NKB)

Die Klinkhammer (1859-1934), eine namhafte Schauspielerin u. a. Thalia Theater Hamburg und Stadttheater Frankfurt-Main.

 

  1. Juli Der Basar zum Besten der Kinderheilstätte brachte über 2000 Mark (NKB)

Im laufenden Jahr wurden 98 Kinder im Haupthaus kostenlos betreut. Dazu kamen 120 Kinder der Berliner Ferienkolonie, die im Seitenflügel untergebracht waren.

 

  1. Juli Anordnung zur Landenteignung für die RBD Erfurt (NKB)

Für ein neues Rangiergleis in der Lengefelder Flur wurden verschiedene Flurstücke benötigt. Betroffen waren Parzellen vom Fleischer Matthes, den  Gebr. Kersten, der Fa. Graf & Döhler sowie Ökonom Fr. Hertel- Lengefeld.

 

  1. Aug. Schützenfest des älteren Schützencorps (NKB)

Schützenkönig war der Bahnhofswirt Kleinschmidt, Prinz der Gastwirt der „Tanne“ Feller. Bei dem Schützenfest des uniformierten Bürger-Schützencorps wurde der Tischlermeister Naumann Schützenkönig, Prinz der Wirt der „Erholung“ A. Till.

 

  1. Aug. Einweihung der neuen Schule (Festschrift).

Die bestand jetzt aus sechs Klassen mit insgesamt 327 Schülern. Allerdings gab es nur 4 Klassenräume, so dass der Unterricht am Vormittag und am Nachmittag stattfand. Außerdem befanden sich im Schulhaus drei Lehrerdienstwohnungen (de Maizier, Mönnigheim, Knechtel), im Dachgeschoß die Stuben des Schuldieners und des Polizeisergeanten, im Erdgeschoss die Diensträume des Sparkassenrendanten, des Kämmerers und des Magistrats, im Untergeschoss das Wachlokal und eine Arrestzelle unter der Freitreppe zum EG. Die Schuluhr hatte der Shakespeare-Forscher Prof. Dr. Leo, gespendet, der hier zur Kur weilte.

Anschließend erfolgte die Submission zum Abbruch der alten Schule einschließlich der Aborte und einiger Verkaufsbuden. Außerdem wurden alte Schulbänke und Tafeln zum Kauf angeboten.

 

  1. Aug. Submission für den Neubau des Schafstalls der Domäne Fränkenau (NKB)

 

  1. Aug. Schlachtenpotpourrie mit Schlachten-Feuerwerk im Kurgarten (NKB)

Zur Erinnerung an die Schlachten von Gravelotte und Mars la Tour 1870. Dazu spielte die Kapelle des Thür. Feld-Artillerie Reg. Nr. 19.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung der Saalstraße, ein Zuschuss von 500 Mark für die Erneuerung der oberen Wasserkunst und 200 Mark für den ersten allgemeinen Bädertag.

 

  1. Aug. Inbetriebnahme einer neuen Dampfsäge bei Graf & Döhler (NKB)

 

  1. Aug. Einsatz eines Dampfpflugs auf den Feldern des Schulgutes (NKB)

 

  1. Aug. Festsetzung der Sonntagsöffnungszeiten für Handel und Gewerbe (NKB)

Demnach durfte an den Sonntagen nur noch bis zu 5 Stunden geöffnet werden, während des Gottesdienstes blieben die Geschäfte geschlossen. Die vier Sonntage vor Weihnachten und der Brunnenfestsonntag blieben verkaufsoffen.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-59 (Nr. 33), Sophie Schröter (NKB)

 

  1. Sep. Baubeginn der Lutherkirche (Abriss der Geschichte der Kirchengemeinde).

Noch im Juni meinte ein besorgter Leser „Trotz aller Beschlüsse tauchen doch hier und da Gerüchte auf, darin gipfelnd, daß die neu zu erbauende Kirche nicht an dem ins Auge gefaßten Platz, wo jetzt Rathaus und Schule ist, sondern wieder außerhalb der Stadt errichtet werden soll. Das sollte man auf keinen Fall billigen. Schon lange Jahre  haben die Bewohner des linken Saaleufers das Opfer gebracht, eine halbe Stunde  weit zu laufen, um den Gottesdienst beiwohnen zu können. Eine Kirche muß das Zentrum einer Stadt bilden, wie es überall ist...“  

Die Leitung für den dreischiffigen Bau im neoklassizistischen Stil hatte der Architekt Fahro aus Halle, die Baukosten waren mit 100.000 Mark veranschlagt, lediglich die Hälfte brachte der seit 30 Jahren angesparte Kirchenbaufond.

 

  1. Sep. Todesanzeige von Lina Groddeck, geb. Koberstein (NKB)

Die Ehefrau des früheren Badearztes und die Mutter von Dr. Georg Groddeck, der z. Zt. als Assistenzarzt im Feld-Artillerie Reg. General-Feldzeugmeister (1. Brandenburger) Nr. 3 diente, stand im 67. Lebensjahr und wurde auf dem Charlottenburger Luisenkirchhof beigesetzt. 

 

  1. Sep. Verkauf des Inventars der „Katze“ (NKB)

Die Wirtin veranstaltete einen Abschiedsball mit Feuerwerk. Neuer Pächter war die Firma der Gebr. Kersten, die das „Vergnügungs-Etablissement zur Katze“ samt Fähre dem Kösener Otto Schwarze verpachtete.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Die Badelisten verzeichneten 2.058 Badegäste, darunter Miß Monroe-Schottland, Mrs. Gerichten-San Diego, Gräfin Medam-Berlin, Generalmajor v. Seelhorst, Baron Gregory-Berlin, Fr. Exz. General v. Schmelzer, Frau Ullmann, Frau Grünig und Frau v. Heimann, alle Rußland, General v. Auer-Königsberg, Frau Schleicher und Frau Brand-Odessa, Fr. Exz. v. Minkwitz-Altenburg, Major Graf Bruges, Gräfin v. Tyszkiewicz-Posen, Gräfin Röcken-Naumburg, Mrs. Forster-New York, Hofschauspieler Hacker, Herr von Liebermann-Berlin, Hofprediger Dr. Rogge-Potsdam sowie der Kaufmann Constantin Carl Corpus mit Gattin und Sohn aus St. Petersburg.

Demnach hatten die im August ausgebrochene Choleraepidemie und die angeordneten Einschränkungen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Frequenz der Badegäste.

Besonders erwähnt wurde die Gräfin Romrod, geboren 1854 in Warschau als Alexandrine Gräfin von Hutten-Czapka. Die war nach ihrer Trennung von ihrem Mann Kolemin, einem kaiserl. russischen Attachè  mit dem Großherzog von Hessen-Kassel eine morganantische Ehe eingegangen, die aber auf Drängen der herzogl. Familie wieder aufgelöst wurde. Während ihres Kuraufenthaltes lernte sie den kaiserl. russ. Botschaftssekretär v. Bacharacht kennen, den sie 1893 heiratete.

 

  1. Okt. Auftrag an Fr. Toepfer für den Neubau der Lengefelder Schule (NKB)

Die alte Schule am Dorfeingang war dem Hochwasser von 1890 zum Opfer gefallen.

 

  1. Okt. Prof. Friedrich Hieronymus Müller verstirbt (NKB)

Der Sohn des Philologen Hieronymus Müller (1785-1861) war Professor am Stiftsgymnasium Zeitz und wohnte seit seiner Pensionierung in der Borlachstraße.

 

  1. Okt. Räucherei im Matthes`schen Schlachthaus (Grüne Gasse 4) (NKB)

 

  1. Okt. Durchfahrt des Sonderzuges mit dem Kaiserpaar (NKB)

Diese nahmen an der Feier der Goldenen Hochzeit des Großherzogs von Weimar teil. Für Interessenten setzte die Bahn 2 Sonderzüge ein.

 

  1. Okt. 1. Bädertag des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ (Archiv DHV).

Das Wahl Kösens als Tagungsort ging wohl auf die Initiative von Dr. Schütze zurück. Dabei wurde die Satzung von den anwesenden 93 Balneologen, Badeärzten und Badedirektoren beschlossen, die bis 1999 in kaum veränderter Form bestand. Der Verein stellte dann verbindliche und allgemeingültige Rahmenbedingungen für die balneologischen und hygienischen Verhältnisse in den Bädern auf.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Therkorn`schen Nachlasses (NKB)

Dazu gehörten die ehemalige Bergschmiede (R.-Breitscheid Str. 10) und 14 Parzellen (Holzung, Acker, Garten) insgesamt 160 Ar an der Ilske dem sog. Eulengeschrei. Letztere wurden versteigert. Die Bergschmiede fand keinen Käufer, daher wurde ein neuer Termin im Jan. 93 anberaumt.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-28 (Nr. 1a, 3) Emma Leschke (NKB)

 

  1. Nov. Grundsteinlegung für die neue Saalebrücke (NKB).

In der Einladung für die Stadtverordneten hieß es: „ Nach einer Mitteilung des Reg.-Baumeisters Kniehahn hat der Herr Reg.-Präsident angeordnet, daß die Teilnehmer zu der (.) Grundsteinlegung der neuen Saalebrücke im Frack zu erscheinen haben.“

Im Beisein der Ratsschöffen Krüger und Siebold sowie der Stadtverordneten (Arendt, Dittmann, Kersten, Lucas, Müller, Roßner, Sträuber, Weber jun. Wolf, Toepfer, Dr. Löffler, Dr. Rosenberger, Dr. Schütze, Dr. Wahn) legten Reg.-Präsident v. Diest und  Landrat Freiherr v. Feilitzsch eine Kassette mit Urkunden in das mittlere Pfeilerfundament.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Fahrweg von der Lindenstraße zur Schule erhielt den Namen Schulstraße, der Weg von der Eckartsbergaer Chaussee zur Unterführung Kirchstraße. Den Hausbesitzern der Lindenstraße 16, 18 und 20 (F. A. Koch, C. A. Schmidt, J. Scheufler) die laut Grundbuch zur Unterhaltung der Mauer zum ehemaligen Friedhof, jetzt der Schule, verpflichtet waren, wurde die Löschung in Aussicht gestellt, wenn sie die dortigen Durchgänge zumauern würden.

 

  1. Dez. Wegen Niedrigwasser der Saale fällt die Stromversorgung aus (NKB)

 

  1. Dez. Oskar Barthel pachtet die Restauration der Kaiser Wilhelmsburg (NKB)

 

  1. Dez. Amtseinführung von Pastor Diederich (NKB, MER C 48 Iib 2028 I).

Nach 32 Dienstjahren verabschiedete der Ortsschulinspektor  den bisherigen Pfarrer Barthold und überreichte Diederich die Berufungsurkunde.

 

  1. Dez. Generalversammlung des Konsum-Vereins (NKB)

Beschlossen wurde die Eintragung als Genossenschaft mit beschränkter Haftung.

 

  1. Dez. Personenstandsmeldung (MER C48 IIb 2028 I)

Laut der Steuer und  Nahrungsverhältnisse gab es 3 Maurermeister, 4 Sandlieferanten, 9 Tischler, 3 Schneider, 13 Schuhmacher, 4 Sattler, 6 Fleischer, 7 Bäcker, 5 Ärzte, 8 Droschkenbesitzer und 3 Friseure. Insgesamt gab es 2.461 Einwohner in 644 Hauhalten und 292 schulpflichtige Kinder.

 

1893

 

  1. Jan. Jahresbericht des Vorschussvereins (NKB)

Die Bilanz wies 221.000 Mark aus. Der Verein hatte 199 Mitglieder, zum Vorstand gehörten Sträuber, Eckardt, Steinbeck und Milsch. Das Kontor war täglich von 9 bis 11 Uhr geöffnet. 

 

  1. Jan. Anzeige des Architekturbüros G. Mahrenholz, Lindenstr. I-23 (Nr. 25) (NKB)

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-46 (Nr. 8) Erb.-Gem. Vollmann (NKB)

 

  1. Jan. Antrag der Gemeinde Lengefeld (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Gemeindevertretung (Ortsrichter Hesselbarth, die Schöppen Milsch und Hering sowie die Räte Milsch, Penndorf, Gräfe, Reichenbecher, Hertel und Sänger) hatten beim Landrat die Genehmigung beantragt, bei der Sparkasse Kösen für ein Darlehen von 4000 Mark zu 4 % Zinsen für  den  Schulneubau und 2000 Mark für den Grundstückskauf für ein neues Armenhaus aufzunehmen. Dazu erklärte der Kreisausschuss „die 346 Einwohner zählende Gemeinde zumeist kleine Landwirte oder Arbeiter die bei der Eisenbahn, der Flöße, in der Ziegelei oder im Steinbruch beschäftigt und durch das Hochwasser hart getroffen waren, könnten sich am Wiederaufbau der gemeindeeigenen Liegenschaften nicht finanziell beteiligt werden.

 

  1. Jan. Submission für den Bau der Lehrgerüste zum Brückenbau (NKB)

Gebraucht wurden 500 m³ Fichtenholz, 5.400 kg Schmiedeeisen und 750 kg Bleiplatten. Am 01. Mai wurde die Lieferung von 400 m³ für die Brüstung und die Gesimse ausgeschrieben und am 25. Juli die Anfuhr von 378 m³ Pflasterkies und 150 m³ Pflastersteinen. 

 

  1. Feb. Anfrage des Reg.-Baumeisters betreff des Stadtwappens (StaA Nmb Nr. 550)

Der benötigte die heraldisch richtige Darstellung des Stadtwappens, das an der Brüstung der neuen  Brücke angebracht werden sollte.

 

  1. Feb. Inhaberwechsel bei der „Adler Drogerie“ in der Uferstr. 5 (NKB)

Bisheriger Inhaber des Drogen-, Farben- und Kolonialwarengeschäfts war P. Richter. Der neue Inhaber Hoefer war Apotheker bekam aber keine Konzession. Allerdings erweiterte er das Geschäft mit Gesundheitsangeboten, wie den   selbst hergestellten „Kösener Brustkaramellen“ und dem Mineralwasservertrieb. Außerdem war er Agent der Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für die Friedrichstr. III-62/63 (K.-Kruse Str. 10/11) (NKB)

Die gehörten einem Herrn aus Orbè in der französischen Schweiz wo er ein höheres Töchterpensionat betrieb. Allerdings fand sich zunächst kein Käufer.

 

  1. Feb. Oberstleutnant a. D. Helmuth Begas verstirbt. (Ev. Sterbereg. MZ 1993).

Begas, der 60 Jahre alt war, wohnte in der Fr. Ebert Str. 17. Sein Bruder, der Bildhauer Reinhold Begas (1831-1911, u.a. Berliner Neptunbrunnen) schuf das Relief für den Grabobelisken, der neben der Trauerhalle steht.

 

  1. Feb. Anzeige des Musikdirektors Fischenbeck (NKB)

„Ich habe die Kösener Badekapelle wieder übernommen und nehme Bestellungen in meiner Wohnung Burgstr. I-122 (Nr. 1) an.

 

  1. Feb. Sperrung des Weges nach Lengefeld nach Erdrutsch (NKB)

 

  1. Feb. Starker Eisgang (NKB).

Von der Krümme bis zur Rudelsburg hatte sich das Eis gestaut und übereinander geschoben.  Um die gerade erst fertig gestellten Brückenpfeiler zu schützen, sprengten  Pioniere die Eismassen, die dann beim Übergang über das Wehr zerbrachen. Damit konnten größere Schäden an der Brückenbaustelle und der Behelfsbrücke vermieden werden.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für die Villa Saalstr. II-42 (Nr. 3) (NKB)

Die bestand aus 25 Zimmern, aufgeteilt in 6 Logis sowie ein Gartengrundstück an der Saale mit einer Mineralwasser-Verkaufsbude.

 

  1. Feb. Bericht zur Arbeit der Diakonissin (NKB)

Im vergangenen Jahr leistete die Diakonissin 50 Tagespflegen (1891:14), 91 Nachtwachen (90), 1.888 Besuche in der Gemeindepflege (1239) und 283 Besuche zur privaten Pflege (411). Dazu kamen die Hilfe bei Operationen sowie die Nachtwachen im städt. Siechenhaus. Die Mittel dazu wurden allein durch Sammlungen, Basaren, Benefizkonzerten und privaten Spenden aufgebracht. Die Wohnung samt Heizung stellte die Stadt kostenlos. Unterstützung erhielt die Diakonissin vom Vaterländischen Frauenverein Naumburg und dann vom Kösener Frauenverein, der im  Herbst gegründet wurde, 100 Mitglieder zählte und sich der örtlichen Armenpflege widmete.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, NKB).

Die Anlieger der Lindenstraße sollten für die Pflasterung des Gehweges mit Mosaikpflaster eine Gebühr von 3 Mark pro Quadratmeter bezahlen. Außerdem wurde der Ersatz der bestehenden Obstbäume durch Linden beschlossen. Auch in der Neuen- und Querstraße sollten statt Obstbäumen geeignete andere Bäume gepflanzt werden.  

Der Antrag, ein Kirchenfenster mit den Wappen ortsansässiger Adelsfamilien, vorzusehen, wurde abgelehnt und dem Gemeindekircherat empfohlen „die Schenkung dahingehend abzuändern, daß solche nur angenommen werden solle, falls die Fenster lediglich bildliche Darstellungen enthalten. Die Versammlung hält diese Forderung aus prinzipiellen Gründen für durchaus erforderlich, um Mißstimmungen in der Bevölkerung für Jetzt und Später sowie ähnlichen Anerbieten vorzubeugen.“ 

 

      Mär.  Orgelbaumeister Emil Heerwagen lässt sich nieder (NTB 1993).

Der wurde am 5.12.1857 in Klosterhäseler als Sohn des Orgelbauers Wilhelm Heerwagen geboren, übernahm nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1875 als Achtzehnjähriger das Geschäft. Im Februar wurde das väterliche Anwesen in Klosterhäseler zwangsversteigert. Obwohl Heerwagen im Oktober 1892 öffentlich erklärt hatte: „mein Wohnsitz ist und bleibt Klosterhäseler“  verlegte er ihn auch wegen der besseren Bahnverbindung in die Borlachstraße. 1896 ging er nach Weimar, wo er am 28 Januar 1935 verstarb.   

 

  1. Mär. Die Badedirektion beteiligt sich an einer überregionalen Petition (NKB).

Der Reichstag wurde ersucht, in den Kurorten und Bädern den Handel mit Andenken auch an Sonntagen zu gestatten.

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige des Kaufmanns Karl Müller (NKB)

Der Inhaber des Garderoben und Hutgeschäftes in der Lindenstr. I-10 (Nr. 12)  verlegt sein Geschäft in die Lindenstraße 7 neben dem Buchholz`schen „Adler“.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Post- und Telegrafenhilfsstelle auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Apr. Völkel eröffnet seinen „neu dekorierten Ratskellersaal“ (NKB).

„Vom Malermeister Leschke stammte ein umlaufender Fries mit Bildern aus dem alltäglichen Leben, allerdings waren es Figuren des Pharaonenreichs, eine kunstsinnige und farbenfrohe Dekoration“.

 

  1. Apr. Frl. Rennecke zeigt die Wiedereröffnung ihres Kindergartens an (NKB)

Nebenher betätigte sie sich in ihrer Wohnung im Möllerschen Anwesen Neue Str. II-9 (Fr. Ebertstr. 2) als Hauswirtschaftslehrerin und Putzmacherin

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 669).

Dem Gastwirt der „Tanne“ Feller wurde die Benutzung der kleinen Promenade zur Materiallagerung beim Bau eines „Tanzsaales“ gestattet, wenn er 200 Mark Kaution hinterlegt.

 

  1. Apr. Ernennung eines Lokalbeobachters für den Weinanbau (NKB)

Zuständig für den Bereich Stendorf-Kösen-Saalberge war der Weinbergsbesitzer W. Schleicher.

 

  1. Apr. Erstes Konzert des Frauen-Gesang-Vereins (NKB)

 

  1. Mai Saisoneröffnung vom Ritterbad und der Badeanstalt am Gradierwerk (NKB)

Im Kurgarten spielte die Wiener Damenkapelle „Die Schwalben“.

 

  1. Mai Einweihung des Reliefs von Franz Kugler auf der Rudelsburg (NKB).

Damit erhielt der Dichter des Liedes „An der Saale hellem Strande“ eine bleibende Erinnerung. Die Plastik stammte vom Bildhauer Ernst Paul, der auch das Ernst Reuter Denkmal in Jena, das Kaiser Wilhelm Denkmal in Naumburg und den Kaiser Wilhelm Oblisken auf der Rudelsburg entwarf.

 

  1. Mai 25-jähriges Meisterjubiläum von Friedrich Toepfer (NKB)

Der umtriebige Unternehmer (Innungs-Obermeister, Feuerwehrkommandant, Stadtverordneter, Synodalrendant u.a.m.), schenkte seinen Arbeitern ein Sparbuch mit einer nennenswerten Summe, jeweils der bisherigen Dienstzeit angepasst. 

 

      Juni  350-Jahr Feier der Landesschule Pforte (NKB).

Für die 1.000 Gäste hatte Zimmermeister Toepfer ein Festzelt mit Bühne und Orchesterbalkon errichtet. Die Bewirtung übernahmen der Gasthofbesitzer Weber und der Konditor Furcht.

 

  1. Juni Verkaufsanzeige des Polizei-Sergeanten Amelang (NKB)

Nachdem er eine kostenlose Dienstwohnung im Schulhaus hatte, versuchte er sein zweistöckiges Haus mit großen Felsenkeller in der Saalstraße zu verkaufen. Allerdings fand sich kein Interessent, denn 1894 wurde das Anwesen erneut angeboten.

 

  1. Juni Eröffnung einer Massagepraxis in der Fr. Ebert. Str. 2 (NKB)

Der ehemalige Oberwärter und „alleinige Masseur“ der Kgl. Medizinischen Uniklinik zu Halle und seine Frau boten Massagen und schwedische Heilgymnastik an, auch Hausbesuche.

 

  1. Juni Beschluss des Bezirksausschusses zum Gemeindebezirk (NKB)

Sämtliche bislang zum Gutsbezirk gehörenden Parzellen innerhalb des Stadtbezirks, die zum Betriebsgelände der Kgl. Eisenbahn gehörten, kamen zum Stadtbezirk.

 

  1. Juni Erste Vorstellung des Sommertheaters im Melzer`schen Kurgarten (NKB)

 

  1. Juni Wiederverpachtung der 12 Gartenparzellen auf dem Aschendamm (NKB)

 

  1. Juni Reichstagswahl (NKB)

Im Vorfeld fanden Wählerversammlungen der konservativ-nationalen, der freisinnigen und der deutsch-sozialen Vereine statt. Bei der Wahl kamen die konservativ-nationalen Kandidaten auf 284 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen auf 47 und der Sozialdemokrat auf 72. Die nachfolgende Stichwahl gewann der konservative Kandidat mit 333 Stimmen. 

 

  1. Juli Konkurs des Restaurateurs Otto Buchholz (NKB)

Am 21. November kamen die beiden Grundstücke Lindenstraße 7 und Neue Straße II-20 (Nr. 11) unter den Hammer, wenig später auch sein Haus in der Naumburger Blumenstraße.

Die Restauration in der Lindenstr. 7, den „Adler“ übernahm der Flaschenbierhändler G. Matthees.

 

  1. Aug. Geh. Sanitätsrat Dr. Rosenberger verstirbt im Alter von 86 Jahren (NKB).

Neben seiner Witwe hinterließ er drei Töchter, Eugenie (1838-1931 Kösen), Magdalena (1848-1939 Kösen) und Elisabeth (1844-1911 Hamburg). Eugenie, die ihren Cousin den Kapitän Georg Rosenberger geheiratet hatte und inzwischen verwitwet war sowie Magdalena blieben im elterlichen Haus (Lindenstr. 11). In den Thüringer Saisonnachrichten erschien im September ein Nachruf und später wurde an der Rosenberger`schen Badeanstalt (Lindenstraße 9) eine Erinnerungstafel angebracht.

Nur ein Jahr später, am 16. August 1894 verstarb auch seine Ehefrau Julie, geb. du Bois Reymond.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zum Anschluss des linken Ufers sollte ein Elektrokabel in der Brücke verlegt werden, wofür bei der Stadtsparkasse ein Kredit in Höhe von 7.000 Mark aufgenommen wurde. Bezüglich des Kirchenfensters wurde nach Intervention des Landrates und des Pfarrers das  Gerstenbergk`sche Wappen genehmigt. 

 

  1. Aug. Submission der Tischlerarbeiten und des Kirchengestühls (NKB)

 

  1. Sep. Ed. Kayser übernimmt die Apotheke von C. Chop (NKB)

 

  1. Sep. Todestag von Mühlenbesitzer E. Roßner (Jg. 1819) (Ev. Sterbereg.).

Roßner, 1891 zum Ehrenbürger ernannt, war von 1871 bis 1876 Stadtverordneter. Die Mühle übernahm  sein gleichnamiger Sohn in alleinigen Besitz, nachdem noch im gleichen Jahr auch sein Bruder im 38. Lebensjahr verstarb.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

In den Badelisten waren 2.127 Gäste verzeichnet (davon 37 Ausländer), darunter die Freifrau v. Wirsing, Familie Corpus-St. Petersburg, Wirkl. u. Geh. Ob.-Reg.-Rat Cornelius-Berlin, Hofrat Prof. Dr. Richter-Jena, Geh.-Ob.-Reg.-Rat Boxius-Berlin, Frl. Schroeder-Buenos Aires, Fr. Sparrow-St. Petersburg, Gräfin v. Houwald-Staupnitz, Fr. Exz. Mathilde v. Wedell-Berlin, Freifrau Leukart-Berlin, Konteradmiral Aschmann, Fr. Exz. Gen.-Ltn. v. Dittmann-Erfurt, Mad. Drory-Marseille, Fr. Exz. v. Hollmann, Journalist W. Schweitzer-Poro Alegre, C. M. A. Byleveld-Haad, Prof. Dr. Kamerlingh-Ames-Leiden,  Fr. Exz. Gen. v. Schmeltzer, Fr. v. Wolffersdorf-Dresden, Mr. Loy-Lissabon, Mad. Humbert-Paris, Frl. v. Schorlemmer-Charlottenburg, Dr. Th. Will-St. Petersburg. Zu den Badegästen gehörten auch 252 Kinder der Kinderheilstätte und der Ferienkolonie.  

 

  1. Sep. Inbetriebnahme einer Dampfschrotmühle im Kersten`schen Werk (NKB)

Die Anlage wurde auf dem Platz zwischen der „Katze“ und der Bahn errichtet. Die Bauern auf der Freirodaer Höhe konnten das Getreide im dortigen Steinbruch abgeben, von wo es per Drahtseilbahn zur Mühle kam und wieder auf die Höhe transportiert wurde.

 

  1. Sep. Antrag des Kreisausschusses (StaA Nmb Nr. 550)

Im Zuge des weiteren Ausbaus der Straße nach Lengefeld übernahm der Landkreis von der Eisenbahnverwaltung die Ladestraße, womit die bisher der Stadt oblegene Unterhaltungspflicht entfiel.  Außerdem wurde beim Magistrat die kostenlose Überlassung des Teils der Gemeindestraße von der Mühle zur Brücke beantragt, dem dann die städtischen Gremien zustimmten.

 

  1. Okt. Einführung einer „Lustbarkeitssteuer“ (NKB)

Je nach Art der Veranstaltungen betrug die Gebühr 1 bis 15 Mark, letztere bei Maskenball länger als Mitternacht. Befreit waren die von der Badedirektion veranstalteten Rèunions, Tanzveranstaltungen auswärtiger geschlossener Gesellschaften und Veranstaltungen, bei denen hohes wissenschaftliches oder Kunstinteresse bestehen.

 

  1. Okt. Bekanntmachung des Kgl. Amtsregisters (NKB)

Die Gesellschaft Graf & Döhler wurde mit der Fa. Hermann Graf in Kösen verschmolzen, der Firmenname Graf & Döhler beibehalten.

 

  1. Okt. Einweihung des Schießstandes des Bürgerschützenkorps (NKB).

Der befand sich in der Ilske im Weinberg vom Kaufmann Hädicke. Die  Schützenfeste fanden wie bisher im „Kurgarten“ statt. 

 

  1. Okt. Wahlen zum preußischen Landtag (NKB)

Als Wahlmänner fungierten der Stadtrat a.D. Fischer, P. Kersten, F. A. Koch, Holzhändler A. Krüger, A. Matthes, Bürgermeister Rudolph und Fr. Toepfer.

 

  1. Nov. Gründung des Frauenvereins (NKB)

 

  1. Nov. Eröffnung eines von einer Frau betriebenen Damenfrisiersalons (NKB)

Der Laden befand sich im Erdgeschoss der Lindenstr.8. Außerdem betrieb hier der Zahnarzt Haake  ein „Atelier für künstliche Gebisse“.

 

  1. Nov. Versteigerung des Lehrgerüsts vom Brückenbau (NKB)

 

  1. Nov. Richtfest des Kirchturms (100 Jahre Lutherkirche, NKB)

Dabei wurde der Wetterhahn aufgesetzt und im Turmknopf neben der Gründungsurkunde verschiedene Dokumente und Münzen hinterlegt.

 

  1. Nov. Einweihung der Saalebrücke (StaA Nmb Nr 550, Heimatbuch 1930, NKB).

Unter den Ehrengästen waren der Minister für öffentliche Arbeiten Exz. Thielen, der Landrat Freiherr v. Feilitzsch, der Naumburger OB Kraatz, Justizrat Zimmermann (Schulpforte), Postdirektor Dresemann und Gymnasialdirektor Prof. Dr. Albrecht.  Der Programmablauf 1.) 12.47 Uhr Ankunft des Ministers, 2.) Zug vom Bahnhof zur Brücke (Anzug, Überrock), 3.) Übergabe seitens der Spezial-Bauverwaltung an den Minister 4.) Übergabe der Fahrbahn vom Minister an den Landeshauptmann 5.) Eröffnung und Besichtigung 6.) 14.30 Uhr Mittagessen im „Mutigen Ritter“, 7.) 18.00 Uhr Besuch des Festes der Arbeiter.  

Für die Benutzung der Staatsbrücke wurde eine Brückengeldeinnahme mit Schranke und Einnehmerbude eingerichtet und   verpachtet. Auf einer 1973 gefundenen Brückengeldtafel (s. LDZ) wurden folgende Gebühren erhoben: für Großvieh 10 Pfg./St., Jungtiere, Schafe Ziegen Schweine und Hunde 3 Pfg. ein Fuhrwerk oder eine Kutsche 10 Pfg. , Radfahrer 2 Pfg.  und Handkarren, Handschlitten u. dgl. 2 Pfg. Fußgänger brauchten nichts zu bezahlen. 

Am 28. Sep. 1895 veröffentlichte das „Centralblatt der Bauverwaltung“ einen ausführlichen Beitrag über den „Neubau der Straßenbrücke über die Saale in Kösen“

 

  1. Nov. Anweisung des Ministers für Medicinal-Angelegenheiten (StaA. Nmb 275).

Der Magistrat hatte für die Übernahme des Bades in die städtische Verwaltung um Aufstockung des Gnadengeschenks auf 40.000 Mark gebeten, was nach Rücksprache mit dem Finanzminister auch bewilligt wurde. Abgelehnt wurde die Bitte der Stadt, sich weiterhin „Königliches Soolbad“ zu nennen, sowie die Bitte, die Mitglieder der Badedirektion durch die Regierung zu ernennen. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der Staat vom Zeitpunkt der Übertragung von jeglicher Haftung  freigestellt und nur noch als Aufsichtsbehörde tätig ist.

 

       Dez.  Personenstandaufnahme (NKB).

Erfasst wurden 2.666 Einwohner in 763 Haushalten und 343 Schüler die von 4 Lehrern unterrichtet wurden. 41 Knaben besuchten das Pädagogium, 34 Mädchen die höhere Töchterschule. Es gab 75 Geburten, davon 5 uneheliche, und 51 Sterbefälle, darunter 20 im Kindesalter.

 

1894

  1. Jan. G. Steger übernimmt das Brauhaus (Loreleypromenade 3) (NKB)

Die bisherige Besitzerin die Witwe Becker zieht mit ihrem Flaschenhandel in das Therkorn`sche Haus (R.-Breitscheid Str. 10). Steger selbst handelte ebenfalls mit Flaschenbier (u. a. Kösener-Lager-Champagner-Weißbier) und übernahm  im Herbst die „Schöne Aussicht“ nachdem  der bisherige Wirt W. Bauer auf „unnatürlichen Weg“ aus dem Leben geschieden war.

 

  1. Jan. Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Unter den im abgelaufenen Jahr registrierten Badegästen waren  37 Ausländer. 14.091 Bäder aller Art wurden verabreicht und 1.125 Inhalationskarten verkauft. Dazu 22.000 Flaschen der Johannisquelle, 4.000 mehr als im Vorjahr. Die Kinderheilstätte meldete 225 Kinder, allein 120  von der  „Ferienkolonie“ Berlin.

Erwähnt wurde außerdem, dass der Hotelier Weber jun. das Germania-Bad (Ritterbad) vollständig neu eingerichtet habe und Dr. Löffler zwei Häuser erworben  (Fr. Ebert Str. 1 und Eckartsbergaer Str. 1) und zu Sanatorien für Nerven- und Frauenleiden eingerichtet hatte. Hier konnten auch kleinere Operationen durchgeführt werden. Das Borlachbad von Dr. Schütze  erfreute sich ebenfalls einer guten Frequenz. Der Verschönerungsverein hatte an der Johannesquelle eine kleine Trinkhalle errichtet.

Als während der Saison der Wasserstand der Saale einen Tiefpunkt erreichte, fielen das Wasserrad und damit die Stromversorgung aus. Zur Notversorgung wurde eine Lokomobile eingesetzt.

 

  1. Jan. Bürgerversammlung zum Erhalt des Gradierwerkes (NKB).

Wegen des maroden Zustandes und fehlender Mittel zur Instandsetzung erwog die Badedirektion den Teilabbruch des Gradierwerkes. Daraufhin kam es zu einer Bürgerversammlung im „Kurgarten“, wo die Kgl. Regierung mittels Petition aufgefordert wurde, in Anbetracht der bevorstehenden Übertragung des Bades an die Gemeinde, die Angelegenheit zurückzustellen. In diesem Zusammenhang schlug Kersten erneut vor, die Siedesalzherstellung zu beantragen, um aus dem Verkauf die Unterhaltung zu finanzieren.

 

  1. Jan. Ernennung von Dr. Risse zum Kassenarzt der Landgemeinden (NKB)

 

  1. Feb. „Narrenabend“ im Saal von Fellers „Tanne“ (NKB)

 

  1. Feb. Eintragung des Konsumvereins zur Erholung im Register (NKB)

Der Verein hatte 80 Mitglieder, Vorstandsvorsitzender war der Revisor A. Salzmann. Im März folgte der Konsumverein von Lengefeld.

3 Monate später erklärte A. Salzmann öffentlich: „Die Bekanntmachung des Kgl. Amtsgerichts bezügl. des Konsum-Vereins in Bad Kösen berichtige ich dahin, daß ich meines Amtes als Vorsitzender nicht enthoben worden bin, sondern dieses Amt (.) freiwillig aus besonderen Gründen niedergelegt habe...“  Allerdings waren die Differenzen zwischen Salzmann und dem Verein schwerwiegender, denn am 23. Juli folgte  eine weitere öffentliche Erklärung: „Infolge meines Vorgehens gegen den Kösener Konsum Verein ist es so weit gekommen, daß von einer vermutlich bestochenen Person fortgesetzt die gröbsten Beleidigungen und Verleumdungen gegen mich und meine Familie  öffentlich ausgestoßen werden und daß mich dieser Mensch heute, als ich im Begriff war, mit meiner Frau das Wellenbad zu besuchen, zum zweiten Mal gedroht hat, mich niederzuschlagen (.) Mit wurde infolgedessen (.) der Rückweg zu unserer Wohnung abgeschnitten (Am Wehrdamm) und ich bin genötigt, Maßregeln zu meiner Sicherheit zu treffen  (.) Die Zustände in meiner Untersuchungssache sind in Kösen unhaltbar...“   

 

  1. Mär. Gutachten zum Zustand des Wehrdammes (StaA Nmb. Nr. 550)

Zwar hatte das Hochwasser von 1890 keine nennenswerten Schäden verursacht, doch die letzte Generalsanierung lag nun auch schon 50 Jahre zurück.

 

  1. Mär. Erklärung des Aufsichtsrates des Vorschussvereins (NKB)

„Der Agent O. B. (gemeint ist der Restaurateur Otto Buchholz) in Kösen hat in einer Broschüre gegen die Beamten unseres Vereins die schwersten Anschuldigungen erhoben, die zugleich geeignet sind, den Kredit unseres Vereins zu schädigen. Wir sehen uns daher zu der Erklärung veranlaßt, daß bereits geeignete Schritte getan sind, um den Verbreiter dieser vollständig entstellten Tatsachen  zur Rechenschaft zu ziehen...“ Zwei Tage später erklärte Buchholz: „Der Agent O. B. wird die gegen die Beamten des Vorschuß-Vereins erhobenen, allerdings schweren Anschuldigungen zu vertreten wissen und nachweisen, daß er sich keineswegs um entstellte Tatsachen handelt. Er betrachtet das Verstecken hinter dem Aufsichtsrat bereits als ein  Sieg der gerechten Sache...“. Hintergrund war der Konkurs für den Buchholz den Vorschuß-Vereins verantwortlich machte.

 

  1. Mär. M. Quilitzsch übernimmt das Materialwarengeschäft Querstr. II-38 (NKB)

Das Haus wurde in den 1980er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

  1. Apr. Erneute Versteigerung der Friedrichstr. 62/63 (K- Kruse Str. 10/11) (NKB)

In jeder Haushälfte gab es 2 Wohnungen mit drei Zimmern, Küche, Keller, Boden und Garten. Der Erwerber war ein emerit. Pfarrer, der eine Wohnung bezog und die übrigen zur Vermietung anbot.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Straßenordnung v. 05. Jan. 1855 wurde dahingehend geändert, dass Hauswirte nur noch den Gehsteig und den Rinnstein reinigen mussten, die Straße übernahm die Stadt. Dem Kämmerer und Sparkassenrendanten Röblitz wurde die Dienstzeit ab dem 01. April als „pensionsfähig“ bewilligt.

 

  1. Mai Anzeige des Kaufmanns C. Müller (NKB)

„Einem geehrten Publikum die Nachricht, daß ich meine beiden Geschäfte nunmehr im Haus Lindenstraße 7 unter dem Namen „Carl Müllers Adler Bazar“ in dem großen 120 qm Bodenfläche haltenden Laden verlegt habe...“ Die Gaststätte „Adler“ blieb aber auch weiterhin bestehen.

 

  1. Mai Kongress von VAC und KSCV im „Mutigen Ritter“ (Handbuch KSCV).

Der KSCV führte seinen Delegiertentag durch und der VAC beschloss die Bildung eines „Gesamtausschusses“, dessen Vorsitz alle fünf Jahre zwischen den Bezirksverbänden wechselte. Den ersten Vorsitz übernahm Berlin, dessen AH vorschlugen, dem Reichskanzler von Bismarck (Hannoverae) anlässlich seines 80. Geburtstags ein Denkmal an der Rudelsburg zu setzen.  Erstmals gab es einen gemeinsamen Festkommers.

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des Leipziger Kaufmanns Geidner (NKB)

„Hierdurch beehre ich mich, einem hochgeehrten Publikum (.) die ergebene Mitteilung zu machen, daß ich in Bad Kösen am Eingang zur Großen Kurpromenade eine Filiale meines seit 20 Jahren in Leipzig bestehenden Geschäfts für Bijouteriewaren und Fächer in eleganten und originell ausgestatteter Verkaufsstelle eröffnen werde“.

 

  1. Mai Bericht des Regierungspräsidiums an den Minister (StaA Nmb. Nr. 275, 298).

Präsident v. Diest teilte mit, dass der Magistrat in Anbetracht des auf 40.000 Mark erhöhten „Gnadengeschenks“, die entsprechenden Beschlüsse zur Übernahme des Badebetriebes treffen werde. Dann bat er auch im Namen des Landrates v. Feilitzsch um die Beibehaltung der Bezeichnung „Königliches Bad“  um der Konkurrenz keine Argumente, die den Ruf des Bades schädigen in die Hand zu geben.  Die städtische Badedirektion sollte aus dem Bürgermeister als Vorsitzender, den beiden Ratsschöffen, zwei Stadtverordnete und vier Bürger, darunter zwei Ärzten bestehen. Wegen des herrschenden „kleinlichen Parteigetriebes“ und der Überwachung der sachgerechten Verwendung der Sole schlug der Landrat vor,  ihm  die Aufsicht zu übertragen.

Außerdem sollte die Kinderheilanstalt von der Stadt  auch zukünftig die Badesole kostenlos bekommen. Im Antwortschreiben des Ministeriums wurde beides abgelehnt und unmissverständlich erklärt, dass die Bezeichnung „Königliches Solbad“ nicht mehr erlaubt sei.

 

  1. Juni Anzeige des Fleischfabrikanten Matthes (NKB)

„Ich suche für den Herbst ein ordentliches Ehepaar zur Übernahme meines Gesellenhaushaltes für eigene Rechnung. Im Winter sind ca. 25-30, im Sommer 6-7 Leute zu versorgen und deren Wohnung in Ordnung zu halten. Für Betten etc. beanspruche ich die Hinterlegung von bis zu 1500 Mark…“

 

  1. Juli Eröffnung des Kolonialwarengeschäfts Dennhardt (Schmettaustr. 2) (NKB)

 

  1. Juli Eigentümerwechsel beim Hotel Kurzhals (NKB)

„Einem hochverehrten Publikum die ergebene Mitteilung, daß ich nach 48-jähriger Tätigkeit mein Geschäft an Herrn G. v. Einem abgegeben habe..“ Der Käufer, bisher Sekretär im Hospiz der Berliner Stadtmission, hatte 10.000 Mark bezahlt.

 

  1. Juli Aufruf des Frauenvereins zur inneren Ausschmückung der Kirche (NKB)

 

  1. Juli 2.000 Mark beim Wohltätigkeitsbasar für die Diakonissenstation (NKB)

 

  1. Juli Auflösung des Vertrages mit Musikdirektor Fischenbeck (StaA Nmb. 348)

Als der sich weigerte, ein Konzert im „Mutigen Ritter“ zu geben, wurde er entlassen. Bis zum Ende der Saison übernahm Konzertmeister Förster die Kurkapelle.

 

  1. Juli Veröffentlichung der Kirchensteuersätze (NKB)

Die Kreissynode hatte auf Vorschlag des Synodalrendanten (Zimmermeister Fr. Toepfer) die Steuer von bislang 2,5% auf 3,5% der Staatseinkommensteuer beschlossen. Das Steueraufkommen der Gemeinde betrug 16.962 Mark, die Kirchensteuer demzufolge 592 Mark.

 

  1. Aug. Tagung des Thüringer Ärztevereins (BLK-A. Nr. 324)

Initiator war Dr. C. Schütze, inzwischen Redakteur der Monatszeitschrift für Balneologie des ADBV.

 

  1. Sep. Einweihung der Lengefeld-Saalecker Brücke (NTB)

Damit war der Ausbau der Kreisstraße beendet und der Kommunikationsweg von Kösen nach Lengefeld über den Jochenberg und das Äbtische Holz wurde als öffentlicher Weg eingezogen.

 

  1. Sep. Bekanntgabe der Einquartierungen zum Herbstmanöver (NKB)

Unterzubringen und zu beköstigen waren für jeweils für 2 bis 3 Tage bis 220 Offiziere, 594 Mannschaften und 20 Pferde des 1. Bataillons des 96er Infanterieregiments samt Reg.-Stab.  

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Polizeiverordnung zur Herstellung von Straßen, Straßenkanälen und Rinnsteinen, außerdem die Übernahme des fiskalischen Bades auf eigene Rechnung bei Gewährung eines Geschenks von 40.000 Mark ab dem kommenden Jahr.

 

  1. Sep. Gründung der Kriegervereinsgruppe Bad Kösen (NTB 1936)

Unter dem Vorsitz des Gruppenführers Bürgermeister Rudolph schlossen sich die Vsreine Abtlöbnitz/Mollschütz, Altenburg, Flemmingen, Lengefeld, Lißdorf, Nieder- und Obermöllern, Roßbach, Saaleck, der Kontrollbezirk Hasenhausen und die beiden hiesigen Kriegervereine zusammen.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige der Kirchengemeinde (NKB)

Die suchte einen Käufer für das alte Gotteshaus auf dem 3150 m² großen Grundstück an der Friedrichstraße (K.-Kruse Str. 3).

 

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Unter den 2.264 gemeldeten Badegästen waren der Kaufmann Zietemann-Ehrenbürger v. Riga, Prof. Dr. Althaus-Berlin-Zehlendorf, Gräfin Leubelfing-Zoschen sowie der Staatsanwalt Graf Leubelfing-Saargemünd, Vizeadmiral Exz. v. Hollen-Berlin, Fr. Exz. v. Puttkammer-Berlin, Univ.-Prof. Gregory-Leipzig, Graf Henckel von Donnermarck, Oberstltn. v. Graetz-Breslau, Oberstltn. v. Vogel-Berlin, Prof. theol. Thayer-Cambridge, Miss Kee-Philadelphia, Kunstmaler A. Freystadt-Hannover, Hr. Schneider und Frl. Haak-Baku, Kgl.Tanzmeister Schachwitz-Babelsberg, Kgl. Baurat v. Stuckrad-Charlottenburg, Gräfin Houwald, Oberstltn. Graf v. Reichenbach- Kassel, Frl. Winkelmann-St. Petersburg  

 

  1. Sep. Versteigerung des Mühlenfels`schen Mobiliars in der Loreleyprom. 5 (NKB)

 

  1. Sep. Einweihung der Lutherkirche (NTB 1994, 100 Jahre Lutherkirche).

Nach dem Treffpunkt am alten Gotteshaus, wo die Gäste vom Superintendenten Professor Witte – Pforta begrüßt wurden, zog man unter Glockengeläut über die Brücke. Hier erfolgte die  Schlüsselübergabe, daran anschließend ein Festgottesdienst. Für das sich anschließende Festessen im „Mutigen Ritter“ wurde  ein Unkostenbeitrag von 2,50 Mark erhoben.

Die Orgel hatte der Zörbiger Orgelbaumeister W. Rühlmann gebaut, die Glasmalerei der Chorfenster  kamen vom Institut für Glasmalerei Franke & Dusberger, Naumburg, die drei Bronzeglocken waren der Gemeinde bereits 1873 von Kaiser Wilhelm geschenkt worden und waren aus französischer Beutegeschützen gegossen. Die kleine Orgel der alten Kirche kam dann in die Trauerhalle.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen mit der Landesschule über den Ausbau des Weges vom Pfarrhaus bis zum Pädagogium. Dem Bürgermeister wurde die Teilnahme an einem 14tägigen Kursus des Hygiene Instituts in Berlin bewilligt 

 

  1. Okt. Einkommensverhältnisse der Volksschullehrer (MER C 48 Iib 2028I)

Der 1. Lehrer Mönnigheim bekam 1.425 Mark ohne kirchliche Appidenzien, der 2. Lehrer Dietzsch, gleichzeitig Kantor und Küster  erhielt 1.360 Mark, der 3. Lehrer Knechtel 1.220 und der 4. Lehrer Braune 1.170 Mark. Alle hatten Anspruch auf kostenfreie Wohnung und Heizmaterial bzw. erhielten einen Zuschuss.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige der Witwe des Bäckermeisters Baer (NKB)

Sie wollte das Geschäft in der „bisher gewohnten Weise“ weiterführen. Die Baer`sche Bäckerei und die von Lützkendorf lagen sich in der Borlachstraße gegenüber (Nr. 12, Nr. 17) Außerdem gab es die Bäckerei von Förster in der Grünen Gasse sowie die von Häun, Hämmerling, Großmann und zwei weitere in der Schmettaustraße.

 

  1. Nov. Konkurs des Seilermeisters List-Saaleck (NKB)

Der hatte die Restauration im Lengefelder Fährhaus von Graf übernommen, scheiterte aber infolge der Kosten infolge des Hochwassers. Außerdem war die Konkurrenz hier groß (Kuntzes Gasthof  in Saaleck und Werthers Gasthof in Lengefeld).

 

  1. Nov. Wertgutachten für das Wohnhaus An der Brücke 2 (StaA. Nmb Nr. 550)

Durch den Neubau der Brücke war auch am rechten Ufer die Auffahrt und die Einmündung der Uferstraße erhöht worden. Das Erdgeschoß der Häuser lag nun unter dem Straßenniveau, weshalb Hauswirt Albert Beyer (Uferstr. 5) eine Entschädigung für die geringere Miete der Parterrewohnung verlangte.

 

  1. Dez. Wohltätigkeitskonzert für die Diakonissenstation in der Lutherkirche (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Von der Oberpostdirektion wurde der Antrag des Postamtes abgelehnt, Briefträgern in deren Familien Infektionskrankheiten auftraten, vom Dienst frei zustellen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

 

1895

 

  1. Jan. Statistische Meldung (NKB).

Es gab 2.745 Einwohner, 78 Geburten, 73 Todesfälle davon 4 unnatürliche, 10 Eheschließungen  wurden registriert. Die städtische Schule besuchten 343 Kinder, unterrichtet von 4 Lehrern, das Pädagogium von Dr. Gehrte 42 Knaben (4 Lehrer) und die höhere Töchterschule von Frau Vorwerck 34 Mädchen (3 Lehrer).

Die Diakonissenstation meldete 55 Tagespflegen, 88 Nachtwachen, 2822 Pflegebesuche, wobei die Diakonissin von 2 Johanniterschwestern inzwischen unterstützt wurde.

Im Vorjahr wurden die ersten Häuser an der Parkstraße (13 und 14) auf dem ehemaligen Holzplatz der Fa. Graf & Döhler erbaut.

 

  1. Jan. 1. Jahrgang der „Kösener Zeitung“ im Verlag C. A. E. Heyner (KöZ).

1892 beklagte sich ein Leser im NKB, „daß es Kösen noch nicht zu einem öffentlichen Blatt gebracht habe“. Nun bot Carl Heyner das vierseitige Blatt dreimal wöchentlich zum Verkauf an. Im zweimonatlichen Abonnement kostete sie 1.30 Mark, bei Postzustellung 1,50 Mark.

Allerdings blieb die Auflage gering und die erhofften Einnahmen aus den Zeitungsanzeigen der ortsansässigen Unternehmen blieben nahezu aus, denn die meisten inserierten im NTB, das einen wesentlich größeren Stammkundenkreis hatte. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde darüber, dass die Kirchengemeinde das Grundstück mit dem ehemaligen Zimmereischuppen der Saline dem Zimmerermeister Töpfer verkauft habe. Der wiederum verkaufte das Anwesen dem Pelzhändler Carl Corpus aus Sankt Petersburg, den er während dessen Kuraufenthalt kennengelernt hatte. Nach Abbruch der alten Gebäude und Neuvermessung errichtete Corpus eine Villa im Jugendstil, mit aufwändig gestalteten Gesellschaftsräumen, die schon bald als „Russenvilla“ bezeichnet wurde.

Außerdem bestätigte die Versammlung die unveränderte Erhebung der 1888 eingeführten Biersteuer.

 

  1. Jan. Anzeige des Restaurateurs Otto Buchholz (NKB, KöZ)

Die Differenzen mit dem Vorschuss-Verein waren wohl von ernster Natur, denn Buchholz erklärte öffentlich „Den Interessenten meiner Broschüre vom März v. J. zur gefälligen Erinnerung, daß ich die darin behauptete Tatsachen heute noch in vollem Umfang aufrecht erhalte.“

Buchholz wurde wegen Betrugs von der Strafkammer zu Naumburg zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil legte er Revision ein und wurde im Februar 1896 von der Strafkammer Halle, vor der er sich selbst verteidigte auf Grund seiner überzeugenden Darlegung und ohne Zeugenanhörung nach wenigen Minuten freigesprochen.

 

  1. Jan. Antrag des KSCV zur Errichtung des Bismarck-Denkmals (NKB)

Zum bevorstehenden 80. Geburtstag des hochverehrten Reichskanzlers bemühten sich zahlreiche Städte und Vereine um eine dauerhafte Würdigung seiner Verdienste. Meist waren es Aussichtstürme an prägnanten Stellen. Hier sollte es eine Bronzeplastik in Überlebensgröße sein. Dafür stellte  Rittergutsbesitzer v. Schönburg im Vorfeld der Rudelsburg da Grundstück zur Verfügung und spendierte einen Teil des Baumaterials. Auch Kaiser Wilhelm sagte einen „namhaften Geldbetrag“ aus seiner Privatschatulle zu.

Mit dem Entwurf wurde der österreichische Bildhauer Norbert Pfretschner (1850–1927) beauftragt. Der wurde in Berlin ausgebildet und hatte sich bereits mit dem Standbild des Kurfürsten Joachim Friedrich in der Siegesallee einen Namen gemacht. Später schuf er dann auch das Denkmal des Rudolstädter SC.

 

  1. Feb. Schlussrechnung zum Kirchenbau (NKB)

Die belief sich auf 120.000 Mark, ungefähr ein Viertel mehr als geplant. Die Innenausstattung (Kandelaber, Altarteppich, Altargefäße) sowie drei bunte Kirchenfenster im Wert von 10.000 Mark wurden mit Spenden finanziert. Um die Mehrkosten abzudecken musste ein Darlehen aufgenommen werden. 

 

  1. Feb. Major a. D. Ritter Carl Theodor v. Schmettau verstirbt (NKB)

Der Bruder von Ferdinande v. Schmettau starb im Alter von 86 Jahren. Er hinterließ seine  Gattin Mathilde geb. v. Pöppinghausen, mit der er 57 Jahre verheiratet war und die ihm 1908 im Alter von 92 Jahren folgte sowie die unverheirateten Töchter Constanze, Ferdinande und Leontine. Schmettau war 20 Jahre Kirchenältester gewesen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurden Änderungen der Gewerbe-, Lustbarkeits- und Hundesteuer sowie der Kurtaxordnung wegen der geänderten Bestimmungen des Kommunalabgabegesetzes. Dazu kam das Ortsstatut betr. der Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen. Der Etat 1895/96  sah 37.700 Mark für die Kämmerei, 10.640 Mark für die Schule, 1.900 Mark für die Armen- und 13.500 Mark für die Badekasse vor. Genehmigt wurden 400 Mark für einen Trinkwasserbrunnen in der Saalstraße.

 

  1. Feb. Großfeuer im Krankenhaus der Landesschule (NKB).

Erst am anderen Morgen war der Brand unter Kontrolle, das Krankenhaus vollständig zerstört, so dass es anschließend neu aufgebaut wurde. Für ihren Eifer bei der Bekämpfung des Brandes überreichte anschließend der Landrat v. Feilitzsch dem Corps die Dankschreiben der Kgl. Regierung und der General-Feuer-Sozietät sowie einen Betrag von 500 Mark für die Mannschaften. Der Kommandeur Fr. Toepfer und sein Vize E. Reichenbecher erhielten einen Ehrendolch.

 

  1. Feb. Therese Berbig verstirbt (Röblitz 1930, BLK-A. Nr. 324).

Bereits am 26. September 1885 hatte sie festgelegt „Nach meinem Tod soll innerhalb von neun Monaten der Stadtgemeinde 20.000 Mark für die Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt ausgezahlt werden, diese hat den Namen „Berbigsche Kinderbewahranstalt“ zu führen“ (BLK-A. Nr. 72). Darüber hinaus stiftete sie 5.000 Mark für die Armenfürsorge, 3.500 Mark für das Krankenhaus, 3.000 Mark für die Schule und 1.200 Mark für die Pflege ihres Grabes. Im Mai erklärte die Stadtverordnetenversammlung die Annahme, die Genehmigung der Kgl. Regierung wurde im November erteilt.

Im Jahr 1900 errichtete die Stadt unterhalb ihrer ehemaligen Wohnung (Lindenstraße 25) einen Gedenkstein und benannte eine  neu angelegte Straße nach ihr. 

 

  1. Feb. „Kilimane das Kaffernmädchen“ von der Wilhelmsburg (NKB, NTB 1990)

Sie stammte aus Port Natal in Südafrika und war die Spielkameradin der Enkelin des Badeanstaltsbesitzers v. Stuckradt. Dessen Sohn war dort als Regierungsbaurat tätig und brachte sie während eines Besuches bei seinen Eltern mit. Da er als Attachè nach Daressalam versetzt wurde, konnte er sie nicht mitnehmen und das kinderlose Ehepaar Barthel erklärte sich bereit, das Mädchen aufzunehmen. Die Neunjährige wurde am 27. August 1895 in der Lutherkirche auf den Namen Johanna Maria getauft. Nach den standesamtlichen Nachrichten heiratete sie hier am 21. April 1907 den Fleischer Johann Hermann Pfeiffer, wohnte da aber schon in Leipzig.

 

  1. Mär. Vertrag mit Musikdirektor A. Wernicke (NKB, StaA Nmb. Nr. 348)

Der am 22. April abgeschlossene Vertrag entsprach dem des Vorjahres,  die Anzahl der Musiker wurde mit mindestens 16 und das Honorar mit 2.000 Mark für sämtliche von der Badedirektion veranstalteten Konzerte vereinbart. Darüber hinaus durfte der Direktor mit der Kapelle auf eigene Rechnung beliebig viele Konzerte geben, wenn diese nicht mit den offiziellen Terminen zusammenfielen.

 

  1. Mär. Anzeige der Witwe des Flaschenbierhändlers Panse (NKB/KöZ)

„Durch den schnellen Tod meines Mannes bin ich gesonnen, mein Grundstück bestehend aus Restaurationsstube, Materialwarengeschäft, Biergeschäft nebst Pferd und drei Wagen sofort zu verkaufen“. Da sich kein Käufer fand, teilte die Witwe im März mit, dass sie das Geschäft in der Burgstr. (Nr. 8) weiterführt. Doch dann fand sich doch noch ein Nachfolger, der den Bierverlag am 28. April übernahm

 

  1. Mär. Vertrag zur Übertragung des Bades (MER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 5)

Zwischen dem preußischen Fiskus, vertreten durch die Königliche Regierung in Merseburg und dem Magistrat wurde die Übernahme des Bades zum 01. April vereinbart. Die Stadt erhielt ein  Gnadengeschenk von 40.000 Mark, alle für den Badebetrieb erforderlichen Grundstücke und Gebäude mit allen darauf ruhenden Lasten und Verpflichtungen. Damit überließ der Fiskus das Risiko der ohnehin in ständigen Geldverlegenheiten befindlichen Gemeinde, auch wenn ein Großteil der bestehenden Belastungen getilgt werden konnten. Nun musste der städtische Haushalt das Minus aus dem laufenden Betrieb ausgleichen und Rücklagen für Investitionen bilden, was den städtischen Haushalt zunehmend belastete. Das Provinzialschulkollegium Magdeburg als Vertreter der Landesschule genehmigte die Übertragung. Der Fiskus behielt nur noch die Eigentumsrechte an den Solequellen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Errichtung einer Stützmauer an der Ostseite der Borlachstraße und ein Zuschuss von 150 Mark für eine offizielle Feier anlässlich des 80. Geburtstages Bismarcks im Kurgarten.

 

  1. Mär. Floßaufseher Ed. Sänger ertrinkt in der Saale (NKB)

Seine Leiche wurde erst vier Wochen später in Weißenfels angetrieben.

 

  1. Mär. Ordnung über die Erhebung von Lustbarkeitssteuern (MER C48 Ih Nr. 920)

Besteuert wurden „Tanzbelustigungen“ je nachdem wann sie endeten, Kunstreitervorstellungen prozentual nach der Höhe des Eintritts, Konzert- und Theatervorstellungen mit 1 Mark, Gesangs- und Rezitationsvorträge mit 5 Mark, Einzelunterhaltungen mit Instrumenten je nach Dauer, gymnastische Übungen und Ballett mit 3 bis 5 Mark. Karussell-, Schieß- und Würfelbudenbesitzer zahlten pro Tag 3 Mark.

 

  1. Mär. Fackelzug und Kommers am Abend vor Bismarcks 80. Geburtstag (NKB)

 

  1. Apr. Einweihung des „Kunosteins“ an der Rudelsburg (StaA. Nmb Nr. 779).

Der Naumburger Kunoverein,  der älteste regionale Verein zur Heimatpflege, hatte den Findling zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers aufgestellt. Gleichzeitig wurde der „Kunoklamm“ die Erosionsrinne Schlucht zwischen der Rudelsburg und Burg Saaleck durch Stufen begehbar gemacht.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Postagentur auf der Rudelsburg (NKB).

Die Agentur, die die bisherige Posthilfsstelle ersetzte, stand auf dem Burghof.

 

20 Apr. Sperrung der Borlachstraße für Fuhrwerke wegen der Stützmauer (NKB)

 

  1. Mai Inkraftsetzung der Polizeiverordnung zur Hundesteuer (NKB)

 

  1. Mai Inbetriebnahme einer „Kalksteindrechslerei“ bei den Gebr. Kersten (NKB)

Damit wurden aus Kalksteinblöcken Säulen für Brüstungen und Geländer hergestellt. Einer der ersten Abnehmer war Paul Hämmerling, der nach der Übernahme des väterlichen Betriebes  die Landwirtschaft aufgab, die Scheune an der Naumburger Chaussee abbrechen ließ und an der Stelle ein Gartenlokal mit Säulenkolonnade errichtete.

 

  1. Mai Kursaisoneröffnung (NKB)

„Ritterbad“ und die Badeanstalt am Gradierwerk waren seit dem 1. Mai geöffnet. Carl Friedrich  Gastwirt der „Loreley“ bot Gondelfahrten zur Rudelsburg mit „leichten Booten eigener Produktion“ an. Das Kur-Hotel Kurzhals war festlich illuminiert, in Melzers „Kurgarten“ spielte die Badekapelle, ebenso im  „Kurhaus zu Mutigen Ritter“ wo auch die dortigen Sole-Wannen weiter betrieben wurden.

 

  1. Mai Anzeige des Fotografen Krause (NKB)

Der eröffnete sein Atelier in seinem neugebauten Haus (Rudelsburgpromenade 1) und suchte einen Mieter für das im gleichen Haus befindliche Ladengeschäft. Da sich kein Interessent fand, richtete er hier ein Galanterie- und Spielwarengeschäft ein. Krause war einer der ersten Fotografen, der das gerade erst entwickelte elektrische Blitzlicht anstelle von Magnesiumpulver verwendete. 

 

  1. Mai Neuverpachtung der Schulgüter Hechendorf und Voigtstedt (NKB)

Gesucht wurden Pächter für 15 Jahre. Für das Gut Voigtstedt bei Artern fand sich kein Bieter, weshalb es im Laufe des Jahres noch mehrmals angeboten wurde.

 

  1. Juni Berufs- und Gewerbezählung (NKB)

Demnach gab es 1349 Männer und 2062 Frauen, abzüglich der 560 Kurgäste waren es 2.856 dauerhaft Anwesende. Von den 734 Haushalten hatten 126 einen Gewerbeschein und 56 betrieben Landwirtschaft, die meisten davon waren Weinbergsbesitzer oder Handelsgärtner.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die ausgehandelte Vereinbarung zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde über den Bau der Trauerhalle. Die Stadt verpflichtete sich, die später anfallenden Reparaturen zu übernehmen und die Kirche gestattete der Stadt ein unbeschränktes Zugangsrecht.

 

  1. Juli Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“ im Mutigen Ritter (NKB)

In verschiedenen Rollen traten die Schauspielerin Thessa Klinkhammer (1859-1934), Elimar Griebeck vom Deutschen Volkstheater Berlin und  Aloisia Raupp (1864-1898) vom Hoftheater Coburg-Gotha auf.

 

  1. Juli Verkauf des Ziegler`schen Hauses Fränkenauer Trift I-123 (Nr. 14) (NKB)

 

  1. Juli Besuch einer Abordnung der Landesdirektoren (NKB)

Während ihrer Tagung in Merseburg besichtigte der preuß. Landwirtschaftsminister Freiherr v. Hammerstein, Reg.-Präsident Freiherr v. Stolberg-Wernigerode, der ehem. Reichtagspräsident Graf Stolberg-Stolberg, Geh.-Rat v. Lebetzkow, Landesrat Graf v. Wartensleben und weitere Honaratioren das Kalksteinwerk. Anschließend fand man sich zum Diner im „Mutigen Ritter ein.

 

  1. Juli Bazar zum Besten der Diakonissenstation (NKB)

Der brachte einen Erlös von 2.700 Mark. Außerdem spendete Kaufmann Corpus einen Ofenschirm für 150 Mark und Direktor Kersten spendierte ein Bild des Kaisers für 200 Mark.

 

  1. Juli Kerstens Pläne für die Schiffbarmachung der Saale bis Stendorf (NKB)

Die Vorteile, die Saale von der Roßbacher Fähre flussaufwärts schiffbar zu machen, hätten eine Reihe Vorteile argumentierte Kersten. Einmal würde der Transport von Massengütern wie Kalkstein, Bauholz und Zuckerrüben billiger als mit der Bahn. Allein für den Transport von Kalkstein wurde täglich ein Zug mit 40 Loren benötigt. Dazu würden die bereits laufende Ausbaggerung einer Fahrrinne und die Beseitigung der Sandbänke neben der Verbesserung für die Flöße auch dem Hochwasserschutz dienen. Dann könnte man auch einen regelmäßigen Dampferbetrieb zwischen dem „Mutigen Ritter und der Rudelsburg bzw. dem Himmelreich einrichten. Voraussetzung war aber neben der Fahrrinne eine Schleuse am Wehrdamm. Wegen der damit verbundenen Kosten wurde der Plan fallen gelassen. 

 

  1. Juli Die Badedirektion lädt ein zur „Italienischen Nacht“ (NKB)

Auf der Saale waren festlich illuminierte Kähne, die umliegenden Häuser waren illuminiert und am Gradierwerk prangte ein „riesiges W mit Krone und kleinen Flämmchen“. Dazu spielte die Badekapelle. Vier Wochen später folgte ein Wasserfest mit Bootskorso von der „Katze“ saaleabwärts. Daran beteiligten sich rund 300 Personen mit 5 Gondeln, die P. Kersten zur Verfügung stellte.  

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft 1832 an der „Katze“ (NKB)

Das Fest dauerte vier Tage und zog zahlreiche  Besucher an. 10 Tage später lud das Bürgerschützenkorps zum Mannschießen mit Rummel am „Kurgarten“ ein. Auch diese Veranstaltung dauerte vier Tage und war sehr gut besucht.

 

  1. Aug. Eröffnung der Fleischerei Leichsenring Lindenstr. I-18 (Nr. 22) (NKB)

Zwei Jahre später verlegte er das Geschäft in die Burgstraße I-113 (Nr. 8), wo es aber auch keinen langen Bestand hatte.

 

  1. Aug. Festgottesdienst zum 50. Jahrestag des Gustav-Adolf-Vereins (NKB)

 

  1. Aug. Eröffnung der Buchdruckerei Lange in der Lindenstr. I-13 (Nr. 13) (NKB)

Im Dezember wurde noch ein Papier- und Schreibwarengeschäft eröffnet. Auf der anderen Straßenseite befand sich die Druckerei Heyner zu der ebenfalls ein Papier- und Schreibwarengeschäft gehörte. Für beide Unternehmen gab es allerdings keine ausreichende Auftragslage.

 

  1. Aug. Beschwerde des Musikdirektors Wernicke (StaA Nmb. Nr. 348).

Weil „fremde“ Kapellen für die Gastwirte offensichtlich billiger zu haben waren als die Badekapelle und die einheimische Bevölkerung zumeist die von der Badedirektion kostenlos angebotenen Konzerte besuchte, fehlte es an ausreichend Einnahmen, um die Musiker  angemessen zu entlohnen. Die Badedirektion bewilligte nun eine Sonderzahlung von 300 Mark.

 

  1. Aug. Anzeige von P. Kersten (NKB)

„Mein Parkgrundstück neben dem Kurgarten beabsichtige ich zu parzellieren und wollten sich Interessenten auf Baustellen mit mir in Verbindung treten…“ Weil aber kein Verkauf zustande kam, baute Kersten hier seine eigene Villa (Schmettaustraße  14).

 

  1. Aug. „Statut der evangelischen Diakonissen-Station zu Kösen“ (priv).

Das Statut der für die Armen- und Krankenpflege eingerichteten Institution wurde von der Behörde genehmigt und der Vorstand, Pfarrer Diederich, Frl. Jenny von Gerstenbergk (ehrenhalber und auf Lebenszeit), Frl. Constanze von Schmettau, Generalleutnant v. Strantz und Dr. Schütze, bestätigt.

 

  1. Sep. Sedanfeier zum 25. Jahrestag (NKB)

Aus diesem Anlass hatten die Stadtverordneten 250 Mark bewilligt. Der Tag begann mit einem Festgottesdienst in der Buchenhalle, die Festrede am Gradierwerk hielt Exz. Gen.-Ltn. a. D. v. Strantz, danach folgte der Frühschoppen mit der Badekapelle im „Mutigen Ritter“. Am Nachmittag gab es Freikonzerte auf der Wilhelmsburg und im Kurgarten und am Abend ein Feuerwerk.

 

  1. Sep. Veröffentlichung der vom Landrat zugelassenen Jagdscheininhaber (NKB)

Dazu gehörten die Kaufleute K. Koch, O. Koch, Kittner und Hädicke, die Rentiers Rabenalt, Lucas und Teichgräber, der Musiker Kaufmann, der Monteur K. Kunze, die Holzhändler A. Gräfe und H. Sänger, die Restaurateure O. Melzer und M. Schumann, Hauptmann a. D. v. Stuckradt, Hegemeister Voigt sowie die Pächter der Rittergüter Kreipitzsch und Stendorf. 

 

  1. Sep. Übergabe des Bades (NKB).

Nachdem im Juli Kaiser Wilhelm II. an Bord seiner Yacht „Hohenzollern“ vor Stockholm den Vertrag unterzeichnet und das Gnadengeschenk aus seinem Dispositionsfond bei der Generals-Staatskasse bewilligt hatte, wurde er am 13. August vom Finanz-, dem Innen-  und dem Unterrichtsminister gegengezeichnet.

Die Übergabe vollzog der Reg.-Präsident Graf Stolberg-Wernigerode persönlich. Bürgermeister Rudolph, die Ratsschöffen Krüger und Siebold und der  Landrat v. Feilitzsch  unterzeichneten im „Geschäftslokal der Kgl. Badedirektion“ den Vertrag. Dann folgte die  Übergabe der Badekasse, der Badeakten, des Dienstsiegels und der Schlüssel. Danach wurden die übergebenen Anlagen besichtigt, der obere Solschacht mit Pumpwerk und Schachtgebäude,  die Gestänge zum und vom Solschacht, die beiden Wasserräder mit den Radhäusern, die Wellenbäder, das Umkleidekabinett, die beiden Fußgängerbrücken über die kleine Saale, das Gradierwerk mit Pumpenturm, die Inhalierhalle mit Garderobe, der Pavillon am Gradierwerk, die Davison-Halle, zwei Schuppen an der Friedhofsmauer, die Inhalierhalle mit der Soleleitung und der gusseisernen Musikpavillon im unteren Park. Nach der Kassenprüfung und der Bestätigung des Kassenjournals besichtigten der Regierungspräsident und der Landrat das Kalksteinwerk, während der Bürgermeister noch rasch ein Festessen im „Mutigen Ritter“ organisierte.

 

  1. Sep. Tod von Frl. Louise Fournier (Röblitz 1930, BLK-A. Nr. 324)

Sie vermachte der Stadt 500 Mark für die Armenpflege.

 

  1. Sep. Erweiterung des Güterbahnhofs (NKB)

Für die Anlage von Rangiergleisen an der Fränkenauer Wiese und  zum Kalkwerk waren im preußischen Staatsetat in den beiden kommenden Jahren 50.000 Mark vorgesehen.

 

  1. Sep. Umwandlung der Fa. Chr. Krüger in eine Gesellschaft (NKB)

In die Gesellschaft traten der Holzhändler Paul Krüger und der Kaufmann Albert Krüger ein. Am 28. Dezember eröffnete Christian Krüger ein Banken- und Wechselgeschäft.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

In die Badelisten hatten sich insgesamt 2170 Gäste eingetragen, darunter waren der Schriftsteller Dr. jur. A. R. Hermann-Frankfurt-Main, Mr. Singer-Chikago, Gräfin v. Tedlitz-Trützschler-Hohenwulsch, Gräfin Luckner-Dresden, Major Henckel v. Donnersmarck, Kfm Marx-Lissabon, Schriftsteller Dr. Albrecht-Berlin, Frau Corpus-St. Petersburg, Baronin v. Lüttitz-Geithain, Freifrau v. Minnigerode-Silkerode, Miss Newbold und mr, Koop-London, Md. Renaud-Verenet-Batavia, Bürgermeister a. D. Dr. phil. Mascher-Hoerde, Freiherr v. Borcke-Merseburg, W. Kleber-Amsterdam, Mr. Wynklop-New York, Oberstltn. v. Schmeling.

Die Kinderheilstätte samt Ferienkolonie meldete die Abgabe von 6000 kostenlosen Solebädern.

 

  1. Okt. Umwandlung der Fa. F. A. Koch in eine Gesellschaft (NKB)

Gesellschafter waren Friedrich Albert Koch sen. und Friedrich Otto Max Koch sen.

 

  1. Okt. Beschluss der Stadtverordneten zum Bau des Wasserwerks (NKB)

Bislang war man mit der Errichtung einer derartigen Anlage samt Leitungssystem wegen fehlender Mittel nicht vorangekommen. Nach wie vor gab es 8 öffentliche Trinkwasserbrunnen innerhalb des Stadtbezirks sowie zahlreiche private Brunnen, wobei die Wasserqualität oftmals zu wünschen übrig ließ. Doch nun hatte der Ärztekongress in Leipzig beschlossen, alle Bäder und Kurorte auszuschließen, die keine hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung vorweisen konnten. Nun war man aber dazu gezwungen und kurzfristig wurde Wasserleitungskommission mit dem Mühlenbesitzer Roßner, v. Stuckrad, Kfm. Wolff, Buchbinder Wolff und Kohlenhändler Fr. Becker, Dr. Risse, Wurstfabrikant Matthes, Holzhändler Graf, Maurermeister Hübner, Rentier Rabenalt und Kfm. Kittner  einberufen, um das Vorhaben voranzutreiben.

Die befasste sich zunächst mit der Offerte eines Ingenieurs, der die Anlage auf eigene Rechnung  bauen und sechs Jahre betreiben wollte. Die Stadt müsse nur eine jährliche Mindestabnahmemenge garantieren. Wegen der hohen Rückkaufsumme nahm man davon Abstand und beschloss, die Herstellung der Anlage öffentlich auszuschreiben und auf Kosten der Stadt zu betreiben. Das würde einen niedrigen Wasserpreis gewährleisten und der städtische Eigenverbrauch wäre kostenlos.

Als Standort für den Brunnen und das Wasserwerk war ein Grundstück in der Saalstraße vorgesehen, wo sich  die Pumpstation der Domäne Fränkenau befand (Saalstr. 9). 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden 1.144 Mark für die Verlegung einer neuen Soleleitung vom Gradierwerk zum Inhalatorium und die Verpachtung eines Platzes neben der neuen Schule für einen Verkaufsstand an Frau Großmann, die sich im Gegenzug verpflichtete, den Verkaufsstand vor dem Haus (Lindenstr. 14) zu entfernen. 

 

  1. Okt. Beschluss des Gemeindekirchenrates zu den Mehrkosten der Kirche (NKB)

Um den für die Mehrkosten von 35.000 Mark aufgenommenen Kredit zu refinanzieren, wurde die   Höhe der Kirchensteuer auf 15% der staatlichen Einkommenssteuer der steuerpflichtigen Gemeindemitglieder auf die Dauer von 40 Jahren festgesetzt.

Die Steuer war zwischen dem 28. Nov. bis 10. Dez. beim Rendanten Dittmann in dessen Wohnung zu bezahlen. Wer dem nicht nachkam, erhielt Besuch vom Kassenboten und mußte eine Gebühr zahlen. 

 

  1. Okt. Otto Neßmann übernimmt das Hotel Kurzhals (NKB).

Neßmann war früher Pächter des Bürgergartens in Naumburg und davor Inhaber des Hotels Preußischer Hof in Weimar.

 

  1. Okt. Gastwirt Hermann Weber sen. verstirbt im 73. Lebensjahr (NKB)

 

  1. Nov. Stiftung eines Kirchenfensters von Barthold Senff-Leipzig (NKB)

Anlässlich seines 80. Geburtstages stiftete der Neffe des ehemaligen Salinendirektors Erdmann Friedrich Senff, das Fenster in Erinnerung an seine Jugendtage in Kösen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, KöZ).

Beschlossen wurde, entsprechend den Bestimmungen Therese Berbigs aus den Geldern für die  Schule, die  Grabpflege und die Armenhilfe in jährlich zinsbaren Fonds und die Mittel für das Krankenhaus und die Kinderbewahranstalt fest anzulegen, bis geeignete Grundstücke zur Verfügung stünden.

 

  1. Nov. Jahresbericht der Badedirektion (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Der letzte Bericht an die Kgl. Regierung in Merseburg meldete 15.252 Solbäder, 2.226 Wasserbäder, 360 elektrische Bäder und 1.796 Wellenbäder. Dazu wurden 3.594 Inhalationskarten und 16.968 Flaschen mit Kohlensäure versetzte Sole der Johannisquelle verkauft.

 

  1. Dez. Allgemeine Volkszählung (NKB)

Die aller fünf Jahre stattfindende Zählung ergab 2.786 Einwohner (1.186 Männer, 1.600 Frauen).  Es gab 318 bewohnte Häuser, 600 Mehrpersonen- und 97 Einzelhaushalten sowie 16 Gemeinschaftsunterkünfte (Armenhaus, Krankenhaus, Internat etc.). Im Vergleich: Im Jahr 1820 waren es  662 Einwohnern und 98 Häuser.   

 

  1. Dez. Antrag der kaiserlichen Postverwaltung (BLK-A. Nr. 669).

Beantragt wurde die Einrichtung einer Postexpedition gegenüber vom Bahnhof.

 

  1. Dez. In der Saalstr. II-44 (Nr. 7) blüht eine 4 Meter hohe Yuccapflanze (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen die Badedirektion mit dem Bürgermeister (Richter), den beiden Ratsschöffen (Siebold, Krüger), drei  3 Stadtverordneten (Kersten, Dr. Gehrke, Müller) und dem Badearzt (Dr. Löffler) zu besetzen.

 

  1. Dez. Am Heiligabend erhängt sich der 68jährige Maurer A. Seyffarth (NKB)

Wegen längerer Verdienstlosigkeit sah er keinen Ausweg und hinterließ eine Frau und sechs noch unversorgte Kinder.

 

  1. Dez. Vollstreckung der Kirchensteuer (MER C 48 II a Nr. 1707)

Auf der Grundlage der von der Oberbehörde am 21. Oktober genehmigten Umlage der Mehrkosten des Kirchenbaus auf die steuerpflichtigen Gemeindemitglieder beantragte der  Gemeindevorstand die Stadt mit der Vollstreckung gegenüber denjenigen, die der Zahlung noch nicht nachgekommen waren. Dazu gehörte auch der Oberstleutnant a. D. Sänger, der sich darauf berief, als ehemaliger Militär nicht der Besteuerung durch die Kirchengemeinde seines Wohnortes zu unterliegen. Dem Antrag der Kirchengemeinde wurde stattgegeben, der Ortspolizei die  Vollstreckung übertragen und später auch auf die Bewohner von Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern erweitert, die zwar zum Gutsbezirk gehörten aber in Kösen eingepfarrt waren.

 

            Erweiterung des Friedhofes (Abriss der Geschichte der Kirchengemeinde)

 

1896

 

  1. Jan. Polizeiverordnung zur Flöße auf der Saale bis zur Roßbacher Fähre (NKB)

Der Großherzog von Weimar erließ nach Abstimmung mit den übrigen  Anrainern (Preußen, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt und Reuß) diese Anordnung, die die Breite, die Bemannung, das Verhalten im Unglücksfall und die Kennzeichnung der Bauholzflöße festlegte. Die Verordnung galt auf der Saale bis zur Unstrutmündung und hob alle seit 1819 getroffenen Bestimmungen auf (Stadtarchiv Jena Abt. III, Nr. 102), wie auch die  am 22. Juni 1872 erlassene und im Amtsblatt S. 156 veröffentlichte Verordnung. Die galt auf der Saale bis zur Mündung der Unstrut und ersetzte die  Verordnung vom 22. Juni 1872. Die Flöße durften nicht breiter als 8 Meter sein. Mindestens 2 Mann Besatzung waren vorgeschrieben bei 2 Gelenken mit Schneidholz und Mastbäumen, bei 3 Gelenken mit Schachtholz und Hängebäumen oder bei kurzen Gelenken mit Klöppeln, Pflöcken, Brettern oder Latten. Jedes Floß musste mit einer Tafel haben mit Angaben entspr. den Bestimmungen des Herzogl. Altenburgischen Steueramts zu Kahla. Flöße durften nur dort anlegen wo es Anbindepflöcke am Ufer gab. Außerdem wurde das Verhältnis zwischen den Flößern und den „Triebwerksbesitzern“ geregelt, deren Wehre mit Floßfahrten bzw. Schleusen versehen waren. Lose Floßhölzer galten nicht als Strandgut, sondern mussten gemeldet werden.

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (NKB/KöZ).

Demnach wurden 15 Ehen geschlossen, 37 Jungen und 43 Mädchen wurden geboren. Es gab 68 Todesfälle, darunter 27 Kinder im Alter bis 10 Jahren. Die Stadtschule besuchten 368 Kinder.

 

  1. Jan. Todestag Therese Emilie Senff (Sterbereg. Röblitz 1930).

Die Tochter des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr. vermachte der Stadt 1.200 Mark für den Bau eines Krankenhauses. Sie wurde im Senffschen Familienbegräbnis beigesetzt, wie  ihre Schwestern Agnes (1812-1879), ebenso wie ihre 1897 im Alter von 87 Jahren verstorbene Schwester Clara Louise.

 

  1. Jan. Ordnung betreffend die Erhebung einer Kurtaxe (MER C48 Ih Nr. 920, NKB)

In der Saison (Mai bis September) sollten Personen die sich länger als drei Tage zum Zwecke der Gesundheit aufhielten pro 1 Person 9 Mark, die Familie mit 2 Personen 12 Mark, mit 3 Personen 15 Mark, mit 4 Personen 18 Mark und über 5 Personen 20 Mark bezahlen. Kinder bis 2 Jahre waren befreit, 50% Ermäßigung gab es für die begleitenden Dienstboten sowie bedürftige Badegäste. Die Kurtaxe musste binnen 9 Tagen vom Gast bei der Badekasse entrichtet werden. Die Hauswirte wurden angewiesen, ihre kurtaxpflichtigen Gäste darauf  hinzuweisen und die Meldezettel umgehend einzureichen. Diese Ordnung galt mit wenigen Änderungen und Ergänzungen bis 1908.

Die Mitglieder der städtischen Badekommission waren der Bürgermeister (Rudolph), die beiden unbesoldeten Ratsschöffen (A. Krüger, H. Siebold), sowie weitere vier Stadtverordnete (P. Kersten, Baurat Mertens, Dr. Gehrke, Dr. Löffler)

 

  1. Jan. Vorlesungsreihe zum Besten der Diakonissenstation im Ritter (NKB)

Insgesamt waren es 4 Veranstaltungen, darunter Prof. Dr. Ritter-Weimar, mit einem Beitrag über  Novalis. Der Eintritt kostete 4 Mark für alle  Veranstaltungen.

 

  1. Jan. Berufung von Dr. Risse zum Kassen-Arzt (NKB).

Zu seinem Amtsbereich gehörten alle versicherungspflichtigen Lohnempfänger in Kösen, Kukulau, Fränkenau, Hassenhausen, Niedermöllern, Pomnitz, Flemmingen, Kreipitzsch, Kleinheringen, Lengefeld, Saaleck, Stendorf, Rödigen, Löbschütz, Schieben, Tultewitz, Freiroda, Heiligenkreutz und Crölpa.

 

  1. Jan. Einquartierung von 20 Offizieren der 8. Inf. Division (NKB)

 

  1. Jan. Eröffnung einer Milchhalle im Haus des Sattlers Scheufler (NKB, KöZ).

Hier boten die Domänen Kukulau und Fränkenau Milch an. Dazu sollte während der Saison täglich ein Milchwagen in die Stadt kommen.

 

  1. Jan. Generalleutnant a. D. v. Strantz erhält den Stern zum Kronenorden (NKB)

Anlass war der 25. Jahrestag der Schlacht vom Mont Valerie im Deutsch-Französischen Krieg, an dem der Geehrte teilgenommen hatte. Fr. Wilhelm Leberecht v. Strantz (geb. 1832) war der Sohn des Generals Ludwig von Strantz und dessen Frau Lucie geb. Gräfin v. Maltzahn. Nach 1871 war er Kommandeur des 79. Thüringischen Infanterieregiments und zuletzt Brigadekommandeur der 41. Inf. Brigade in Mainz, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz und dem Roten Adlerorden II. Klassen mit Eichenlaub.  1890 nach seiner Pensionierung ließ er sich hier nieder. Er starb 1909 und wurde auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt.

 

  1. Jan. „Volksmaskenball“ im Saale der „Tanne“ (NKB)

 

  1. Jan. Anzeige des Wurstfabrikanten Fr. Matthes (NKB)

„Da ich infolge günstiger Einkäufe des Öfteren in der Lage bin, meine Fleischwaren billiger verkaufen zu können, sind vom Kgl. Landratsamt infolge Verdächtigung Nachforschungen angestellt worden, ob in unserm Geschäft die nötige Kontrolle ausgeführt wird (.) Von welcher Seite dieses Mißtrauen kommt und genährt wird, liegt sehr wohl nahe. Ich kehre mich nicht daran, teile aber meinen werten Kundschaft mit, daß ich Rindfleisch nur aus öffentlichen Schlachthäusern beziehe, während die ausschließlich hier geschlachteten Schweine und anderes Kleinvieh vom Tierarzt Schumm-Naumburg untersucht werden“. Matthes hatte im Vorjahr 1.115 Schweine geschlachtet, damit konnte die Konkurrenz vor Ort (Bönicke, Leichsenring, Bermisch und Timmler) nicht mithalten, zumal sich die ärmere Bevölkerung kaum Fleisch- und Wurstwaren leisten konnte und sich mit Fleischabfällen und Innereien begnügte, die in der Matthes`schen Fleischfabrik natürlich auch billiger zu haben waren.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Bergschmiede Solschacht 43b (NKB).

Letzter Besitzer des ehemals Therkorn`schen und inzwischen völlig überalterten Anwesens (heute Rudolf-Breitscheid Str. 8 und 10) war der Schmiedemeister Wilhelm Schmidt.

 

  1. Jan. Siebold übernimmt das Hotel „Preußischer Hof“ (Gerstenbergkpr. 4) (NKB)

 

  1. Feb. Bäckermeister Lützkendorf stirbt im Alter von 54 Jahren (NKB)

Seine Witwe, die wie die Witwe Baer das Geschäft weiterführte, bat ihre Kundschaft, die offenen Rechnungen zu bezahlen.

 

  1. Feb. Der Brauereibesitzer Blaßnig erwirbt den „Kurgarten“ (KöZ)

 

  1. Feb. 50jährigen Bestehen des Lengefelder Chores in Werthers Lokal (NKB)

 

  1. Feb. Sitzung der Wasserleitungskommission (NKB/KöZ)

Die hatte nach fachlicher Beratung festgestellt, dass die geplante Wasserleitung von der Saalstraße aus für das gesamte Stadtgebiet unrentabel war. Stattdessen sollte zunächst nur das linke Ufer versorgt werden und die am rechten Ufer vorhandene Leitung aus dem Brunnen neben der unteren Wasserkunst beibehalten werden. Da dies lediglich 20.000 Mark kosten würde, stimmten die Hausbesitzer der Neu-, Quer- und Saalstraße zu, unter der Maßgabe, dass sich die übrigen Hausbesitzer links der Saale anschließen. Der Plan sollte von den Stadtverordneten beschlossen werden. Doch die lehnten ab und beharrten darauf, das  gesamte Stadtgebiet anzuschließen.

 

  1. Feb. Pläne für eine Dampfmolkerei (NKB)

Holliger, ein „Kapitalist“ aus Halle beabsichtigte im Stadtbezirk eine „Molken-, Kefir- und Sterilisieranstalt“ mit der modernsten Molkereitechnik  zu errichten. Da außerdem ein Stall für 12 Kühe geplant war, um auch frische Milch anzubieten, regte sich Widerstand wegen der damit verbundenen Lärm- und Geruchsbelästigungen. Letztlich wurde die Molkerei in der Saalstraße Nr. 27 eingerichtet. 

 

  1. Feb. Maskenball im Theatersaal des Kurgartens mit 700 Gästen (NKB)

 

  1. Feb. Baubeginn der Saaleck-Stendorfer Brücke (NKB)

 

  1. Mär. Konkurs des Druckereibesitzers Oskar Lange (NKB)

Lange hatte sich mit dem Kauf des Hauses (Lindenstr. 13) und der Einrichtung der Druckerei finanziell völlig überhoben und musste nach wenigen Monaten Konkurs anmelden. Zunächst wurde das gesamte Inventar der Druckerei sowie die Geschäftseinrichtung in der „Tanne“ zwangsversteigert und im Herbst kam das Haus unter dem Hammer.

 

  1. Mär. Anzeige der Fa. Gebr. Kersten (NKB)

„5000 Mark Belohnung sichern wir demjenigen zu, welcher uns den Verbrecher nachweist, der in der Nacht die Ketten unserer Baggermaschine losgekoppelt und somit die Maschine der Hochwasserflut zum Forttrieb übergeben hat...“

 

  1. Mär. Ausschreibung für den Gehweg und den Kanal in der Burgstraße (NKB)

Im April wurde dann die Straße für Fuhrwerke gesperrt.

 

  1. Mär. Frühjahrsmusterung der Wehrdienstpflichtigen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Von den 30 jungen Männern wurden 6 für die Reichsarmee als tauglich befunden, 3 für den Landsturm, 2 für die Ersatz-Reserve, 18 wurden ein Jahr zurückgestellt und einer als dauerhaft untauglich befunden,

 

  1. Mär. Zur diesjährigen Holzmessen kommen 450 Flöße zum Verkauf (KöZ)

 

  1. Mär. Geschäftsanzeigen (NKB).

Louise Krause eröffnete ein Geschäft für Klempnerwaren, Haus- und Küchengeräten in der Lindenstraße. In das bisherige Geschäft ihres Mannes Klempnermeister Eduard Krause im Rühlmann`schen Haus Borlachstraße I-33 (Nr. 4) eröffnete Auguste Munkelt ein Schnittwaren- und Posamentengeschäft und der Feinmechaniker E. Ulrich eröffnete seine Werkstatt An der Brücke 2.

 

  1. Apr. Emil Heerwagen präsentiert im Saal der „Tanne“ seine neue Orgel (NKB).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, Heimatbuch, NKB).

Beschlossen wurde die Aufnahme einer Anleihe von 70.000 Mark für das städtische Wasserwerk, allerdings unter der Maßgabe, dass möglichst noch ein privater Investor für den Bau und den Betrieb gefunden wird. Einigung gab es inzwischen über den Standort für den Brunnen und die  Pumpstation hinter dem Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49). Der Hochbehälter sollte oberhalb vom Fränkenauer Frönerhaus (Eckartsbergaer Str. 19) angelegt werden, da dessen Höhenlage auch die Versorgung des Stadtteils rechts der Saale ermöglichte. Den Antrieb der Pumpen besorgte das städtische E-Werk, für den Notfall sollte ein Benzinmotor angeschafft werden. Der Kubikmeter sollte 20 Pfennige kosten, die öffentlichen Badeanstalten zahlten einen Sonderpreis von 12 Pfennigen.

Beschlossen wurde auch die Eingemeindung der Fränkenauer Wiese, unter der Maßgabe, dass seitens der Landesschule die dortigen Bauplätze nur zur Bebauung mit Wohnhäusern und nicht mit Fabrikgebäuden verkauft werden. Damit sollte verhindert werden, dass die Ansiedlung weiterer Unternehmen entlang der Promenade unterbunden werden.

Bewilligt wurde außerdem eine Spende für den Bau des Völkerschlachtdenkmals  bei Leipzig.

 

  1. Apr. C. Friedrich beantragt die Errichtung eines Flussbades (NKB).

Der Gastwirt der „Loreley“ und Pächter der städtischen Fähre wollte nun unmittelbar neben dem Fähranleger eine Flussbadeanstalt einrichten. Auf dem Plan des Zimmermeisters Toepfer ist eine 27 x 11 Meter große Anlage zu sehen, die mit einem 3,5 Meter hohen Sichtschutz versehen ist. Dass eigentliche Becken (5 x 18 m) hatte ein Sprungbrett. Dazu kamen Umkleidekabinen und ein Kassenhäuschen. Zur Anlage gelangte man über eine  kleine Brücke. Die gesamte Konstruktion konnte nach der Badesaison abgebaut und zur Wiederverwendung eingelagert werden. 

 

  1. Apr. Anzeige des Kaiserl. Postamtes (NKB)

„Vom 1. Mai an findet die Auszahlung  der Unfallrenten, Invaliden- und Altersbezüge nicht mehr im Zimmer des Postvorstehers sondern am Postschalter statt“

 

  1. Apr. Änderung der Lehrerbesoldung (MER C 48 Iib 2028 I)

Das Grundgehalt wurde auf 1000 Mark festgesetzt und staffelte sich nach den Dienstjahren in Stufen von 100 Mark. Für das Heizmaterial wurden dem Hauptlehrer 90 Mark, den übrigen 75 Mark gewährt. Für die Dienstwohnung erhielt der Hauptlehrer 300 Mark, die unverheirateten Lehrer 200 Mark, die verheirateten 250 Mark. Der zweite Lehrer bekam für die Tätigkeit als Küster und Kantor  eine Zulage von der Kirchengemeinde von 294 Mark.

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Wernicke (StaA Nmb. Nr. 348)

Die Jahrespauschale wurde auf 3.000 Mark erhöht. Alle übrigen Klauseln nicht verändert.

 

  1. Mai Die Postagentur auf der Rudelsburg erhält eine Telegrafenstation (NKB).

Von Mai bis September war die Agentur an den Wochentagen von 8 bis 11 und 13 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen  von 8 bis 9 und 17 bis 18 Uhr geöffnet.

 

  1. Mai 15. Verbandstag der Glaserinnung Thüringen- Sachsen (NKB)

 

  1. Mai Dr. Wapler eröffnet eine homöopathische Praxis (NKB)

Die befand sich im väterlichen Haus Am Jochenberg 100 (Borlachstr. 49)

 

  1. Mai Die Brauerei Markranstädt inseriert das Gasthaus „Lengefelder Fähre“ (NKB)

Die hatte nach dem Konkurs des bisherigen Besitzers das Anwesen als Hauptgläubiger übernommen.

 

  1. Mai Praxiseröffnung von Dr. Riemann (Breitscheid Str. 9) (NKB)

 

  1. Mai Geburt von Hans Fischer-Kösen (Wikipedia).

Der Sohn des Prokuristen der Zementfabrik, war einer der Pioniere des Trick- und Werbefilms, manchmal auch der „deutsche Walt Disney“ genannt. 1921 gründete er in Leipzig eine eigene Produktionsfirma Dux-Film. Die beiden ältesten erhaltenen Filme „Der Kaiser der Sahara“ und „Die Prinzessin von Honolulu“ zeigt das Stadtmuseum Leipzig. Fischerkösen starb 1973. Sein Enkel Alexander Fischerkoesen (geb. 1968) und ist ein bekannter Kameramann (2008 und 2010 Grimme Preis) 

 

  1. Mai Carl Bernhardt übernimmt die Restauration „Adler“ (Lindenstr. 7) (NKB)

Nur fünf Monate später gab es wieder einen neuen Pächter (Ernst Jacobi), der sich aber auch nur bis zum Jahresende hielt.

 

  1. Mai Einweihung des Bismarckdenkmals (Das neue Blatt Nr. 39, NKB).

Unter den Ehrengästen war der Kgl. Bayr. Gesandte Exz. v. Lerchenfeld, der Kgl. Sächs. Gesandte Graf Hohenthal, Hofmarschall Graf Zeppelin, O.-Reg.-Rat v. Marwitz, der großherzogl.  Oberjägermeister v. Platow, hunderte Mitglieder vom KSCV und VAC, zahlreiche Honoratioren, Einwohner und Gäste. Der Festzug begann am Hotel Kurzhals, voran die Kapell des Inf.-Reg. Nr. 94 aus Weimar und führte dann über eine eigens zu diesem Anlass errichtete Floßbrücke an der „Katze“ zur Rudelsburg. Hier enthüllte Zimmermeister Fr. Töpfer sen. den  vom VAC finanzierten Bronzeguss des jungen Bismarck als Corpsstudent. Das Denkmal sorgte an den folgenden Wochenenden für einen Besucheransturm und wurde auch überregional insbesondere auch in Österreich als gelungen gewürdigt. In den nächsten beiden Jahren erhielt die Statue ein erhöhtes Postament, steinerne Ruhebänke sowie eine schmiedeeiserne Einfassung mit den Zeichen aller SC.

 

  1. Juni Baubeginn für das Verbindungsgleis zur Saalebahn (NKB)

Die Eisenbahnverwaltung hatte beschlossen, die Schnellzugverbindung Berlin-München von der Verbindung Zeitz-Gera-Probstzella auf die Route Naumburg-Jena zu verlegen, was eine Verkürzung von 28 km entsprach. Um das Umspannen in Großheringen zu vermeiden, bedurfte es einer direkten Einmündung von der Thüringer in die Saalebahn. Dazu wurden hinter Stendorf ein großes Brückenbauwerk über der Thüringer Bahn und eine Saalebrücke bei Kleinheringen errichtet und somit entstand das Großheringer Gleisdreieck.

 

  1. Juni Unwetter über Fränkenau (NKB).

Erneut ergossen sich die Wassermassen durch die Erosionsrinnen in die Stadt und richteten erhebliche Schäden im Stadtgut, dem Kirchplatz, der Lindenstraße und der Bahnunterführung an. Am Sonntag kamen die „Katastrophentouristen“ sehr zur Freude der Restaurateure. Der Magistrat gewährte den ärmeren Weinbergsbesitzern eine einmalige Hilfe von 300 Mark.

 

  1. Juni Erste Zirkusvorstellung auf der Wiese vor dem Bahnhof (NKB)

 

  1. Juli Darlehen für die Dorfgemeinden (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Für den Ausbau und die Verbreiterung der Landstraßen mussten die Dörfer die erforderlichen Parzellen innerhalb der Dorflage dem kostenlos dem Fiskus übereignen. Die Fächen mussten aber von den Anliegern erworben werden, weshalb die Gemeinden bei der hiesigen Sparkasse Darlehensanträge stellten, die dann mit Genehmigung der Aufsichtsbehördeausgereicht wurden, das betraf die Gemeinden Lengefeld (3.000 Mark) und Möllern (15.000 Mark). Punschrau erhielt ein Darlehen von 14.000 Mark, denn hier musste noch das Schulhaus erneuert werden und Pomnitz erhielt 12.000 Mark wovon noch das Kirchendach repariert wurde.

 

  1. Juni Gastwirt Friedrich Andrae verstirbt im Alter von 69 Jahren (NKB)

Andrae, hatte 1866 die Wirtschaft auf der Rudelsburg von seinem Schwiegervater Samiel übernommen, übernahm 1876 die Pacht der Wilhelmsburg und kaufte 1885 den Preußischen Hof.

 

  1. Juni Beginn der Bauarbeiten für die Trinkwasserleitung (NKB).

Mit dem Bau des Leitungsnetzes wurde eine Firma aus Halle beauftragt, mit dem 200 m³ fassenden Hochbehälter der Maurermeister Hübner und mit dem Brunnenbau die Fa. Anger-Nordhausen. Doch deren Bohrversuch am Waplerschen Grundstück erwies sich als Fehlschlag. Daraufhin brachte man eine weitere Bohrung gegenüber vom Blumemtritt`schen Haus (Borlachstr. 45) nieder und traf in 9 Metern Tiefe auf eine Quelle die 20 m³/Std. brachte, deutlich mehr als der geschätzte Tagesbedarf der Stadt von 100 m³.

Kritisiert wurde die Verlegung der Leitung durch die Saale, weil die Verlegung in der Brücke  einfacher zu bewerkstelligen und die Leitung bei Lecks leichter zugänglich war. Da die Brücke dem Fiskus gehörte, ließ sich das aber nicht realisieren.

Für ihren Hausanschluss zahlten die Hauswirte 9.50 Mark, die Anschlussleitung kostete 2.75 Mark/ Meter Bleirohr und er Wasserzähler 35 Mark. Dazu kamen die Installationskosten innerhalb des Hauses.

 

  1. Juni Kabinettsorder zur Diakonissenstation (NKB).

Kaiser Wilhelm II. verlieh der Diakonissenstation den Status einer  juristischen Person.. Die Beglaubigung erfolgte im  Juli durch den Geh.-Kanzleirat Reich. Damit durften Geschenke und Legate angenommen sowie Immobilien erworben werden, soweit die eigenen Mittel dazu reichten.

 

  1. Juni Zwangsverwaltung des „Kurgartens“ (NKB)

Nach der Einleitung des Konkursverfahrens über den Restaurateur Otto Melzer suchte  der vom Gericht eingesetzte Zwangsverwalter im Interesse der Gläubiger einen Pächter. Da sich niemand fand, übernahm Gustav Teichgräber Bewirtschaftung bis  Saisonende. 

 

  1. Juni Erste Floßfahrt für Gäste von Camburg nach der „Katze“ (NKB)

Die Fa. Graf  Döhler und die Fa. Gebr. Kersten hatten ein Floß gebaut, auf das 100 Personen samt Badekapelle passten und beabsichtigten, nun regelmäßige Ausflugsfahrten zu unternehmen.

 

  1. Juli Eröffnung des „Fröbelschen Kindergartens“ (Fr. Ebert Str. 2) (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Abgelehnt wurde die Einrichtung einer Stadtfernsprechanlage.

 

  1. Juli Polizeianordnung zur Langholzflöße (NKB)

Die kurz vor der Fertigstellung stehende Brücke zwischen Saaleck und Stendorf durfte nur am mittleren Brückenbogen passiert werden.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Parkwiese (St. A. Nr. 448)

Aus den seit 1894 geführten Rechnungen geht hervor, dass die Ausgaben 206 Mark und die Einnahmen 80 Mark betrugen. Um den auch künftig zu erwartenden Fehlbetrag zu decken, wurde ein jährlicher Zuschuss von 100 Mark bewilligt.

 

  1. Juli Pensionierung des Polizeisergeanten H. Amelang (MER C 48 Ih Nr. 921)

Amelang, seit 1879 im Dienst, hatte einen Schlaganfall erlitten. Da er sich nicht freiwillig pensionieren lassen wollte, wurde vom Amtsarzt seine Dienstuntauglichkeit festgestellt. Amelang, der erst 44 Jahre alt war und Frau und minderjährige Kinder zu versorgen hatte, lehnte die ihm von der Stadtverordnetenversammlung angebotene  Pension von 455 Mark ab, da sie nur ein Drittel seiner bisherigen Bezüge betrug. Doch bevor es zu einer Einigung kam, verstarb Amelang am 21. September.

 

  1. Juli Wolkenbruch über Fränkenau mit ähnlichen Schäden wie im Juni (NKB)

 

  1. Juli Konzert mit der Kgl. Opernsängerin Silvany (NKB).

Die Ungarin, eine Schülerin des Italieners Lamperti begleiteten der Tenor Ferry-New York und die Pianistin Mella Walter-Berlin.

 

  1. Juli 100. Geburtstag des ehemaligen Ortspolizisten Hering (NKB)

Hering, der inzwischen bei seinen  Kindern wohnte, war einer von fünf noch lebenden Teilnehmern der Befreiungskriege, an denen er als Landwehrschütze bei der Belagerung von Magdeburg und unter Wittgenstein  am Gefecht bei Möckern im April 1813 teilnahm. Nach seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst als Feldwebel wurde er 1834 als Gendarm der 4. Gendarmeriebrigade nach Kösen versetzt, wo er bis 1853 seinen Dienst versah.  Hering starb im März des Folgejahres. 

 

  1. Juli Eröffnung eines Wäsche- und Plättgeschäfts in der Lindenstr. I-13 (NKB)

 

  1. Aug. An den Abendzügen werden 3.000 Bahnreisende gezählt (NKB)

 

  1. Aug. Anzeige des Dekorationsmalers Ernst Koch (NKB)

„Um meinen Kunden und Gönnern über verschiedene an mich ergangene Anfragen Aufklärung zu geben, erlaube ich mir durch Gegenwärtiges öffentlich die Mitteilung zu machen, daß mein Vorgänger der Malermeister E. Leschke (Borlachstr. 43), von welchem ich Geschäft und Inventar käuflich übernommen  habe, nicht mehr imstande sein wird, hier irgendwelche Arbeiten für seine eigene Rechnung auszuführen oder ausführen zu lassen, da ihn der seinerseits unterzeichnete Kontrakt dem Recht entsprechend davon zurückhält. Herr Leschke wird auch nie als Gehilfe bei seiner Frau tätig sein können, sondern ist verpflichtet, mich von den einlaufenden Aufträgen zu unterrichten...“.

Zwei Monate später zeigte Koch an, dass er ein „Atelier für Dekorationsmalerei“ in seinem Haus Rudelsburgpromenade (16) eingerichtet habe.

 

  1. Aug. Bewilligung von Mitteln zur Instandsetzung des Gradierwerks (NKB)

Trotz knapper Kassen hatte man sich für den Erhalt der gesamten Anlage entschieden.

 

  1. Aug. „Kösen-historische Skizzen“ ein Beitrag zur Stadtgeschichte (NKB Nr. 201).

Der Verfasser der Lehrer W. Faust aus Auerstedt übernahm fast wörtlich die 1826 von Lepsius verfassten „Ortskunde“, wenn auch stark gekürzt.

 

  1. Aug. Tragödie an der Windlücke (NKB).

Ein Mann hatte seine Jugendliebe und sich selbst erschossen, weil sie einen anderen Mann geheiratet hatte, wie aus seinem Abschiedsbrief hervorging.

 

  1. Aug. „Geschichte des Kurgartens“ (NKB)

In zwei Beiträgen ging Carl Techow auch ausführlich auf die Groddeck- und von Zedtwitzsche Unternehmung in den 1870er Jahren und deren Folgen ein. Leider wurden diese Beiträge und zwar erst in neuerer Zeit aus dem im Naumburger Stadtarchiv aufbewahrten Jahrgangsbuch sorgfältig herausgetrennt und befinden sich möglicherweise noch immer in Privatbesitz.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde ein Jahresgehalt von 935 Mark für den neuen Polizeisergeanten, dazu 130 Mark für die Kontrolle der Biersteuer, 45 Mark Kleidergeld, 60 Mark für die Marktaufsicht und freie Wohnung. Für ausgeschiedene Unteroffiziersdienstgrade sollte die bisherige Dienstzeit bei der Pensionierung nicht angerechnet werden.

Bewilligt wurden weitere 15.000 Mark für die Wasserleitung. Dem Grundstückseigentümer Eckhard, durch dessen Grundstück die Wasserleitung zum anderen Saaleufer verlegt werden sollte, wurden 100 Kubikmeter Wasser jährlich als Entschädigung angeboten.

  

  1. Sep. Mannschießen des Bürgerschützencorps in der Ilske (NKB)

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Melzer`schen Immobilien (NKB)

Bereits am 14. Juli wurde das Gaststätteninventar versteigert. Nun folgten sein Wohnhaus sowie zwei Holzungen von 2070 bzw. 1260 m² an der Ilske. 

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Nach den Badelisten waren es 2111 Badegäste, darunter der Geh.-Ob.-Reg.-Rat Cornelius-Berlin, Exz. Vizeadmiral Freiherr v. Hollen mit Tochter und Erzieherin-Berlin, Miss Lampe-New York, Fr. Oberst Smirnoff-St. Petersburg, Baron v. Kirchbach-Berlin, Gräfin v. Houwald, Graf Henkel v. Donnersmarck mit Gattin, Baronin v. Kirchbach-Berlin, F. H. Krause-Omaha, Miss H. u. E. Werder-Hartford, Fr. v. Pöppinghausen, Fr. Gambaroff-Riga, Miss L. u. M. Baer-San Franzisco, Freifrau v. Richthofen-Leipzig, Gräfin v. Finckenstein-Potsdam, E. v. Langhoff-St. Petersburg.

Im Durchschnitt der letzten vier Jahre waren es jährlich 2.140 Kurgäste darunter 220 Patienten der Kinderheilstätte und der Ferienkolonie.

 

  1. Okt. Einweihung der Saaleck-Stendorfer Brücke (NKB).

 

  1. Nov. HR-Eintrag der „Fa. Kurhaus zum mutigen Ritter und Ritterbad“ (NKB).

 

  1. Okt. Versteigerung des Nachlasses des Oberstltn. a. D. Sänger (NKB)

Neben zahlreichen militärischen Ausrüstungsstücken wurden seine zahlreichen Bücher verkauft. Ein Käufer fand in einem mehrere 100 Mark Scheine.

 

  1. Okt. Bürgerversammlung zur „Kurgartenfrage“ (NKB, StaA Nmb. Nr. 60).

Die erneute Schließung des „Kurgartens“ erregte die Gemüter, wie aus einem Leserbrief v. 11. Sept. hervorgeht: „Man hört von diesem und jenem Projekt, Kauflustige  werden bereits genannt (.) Wir alten Kösener (.) hegen den Wunsch, daß dieser herrliche Fleck der Stadt erhalten bleiben möge (.) Da möchte ich mir nur einen Vorschlag erlauben, den auszuführen es nur des Gemeinsinns der Kösener und eines Griffes in  den Geldbeutel bedarf. Heutzutage schließen sich (.) aller Orten Gleichgesinnte zusammen, um  durch eine Beisteuer aus ihrem Vermögen gemeinsam ein Unternehmen lukrativ zu machen. Könnte das nicht auch hier bewerkstelligt werden (.).

Paul Kersten schlug der Versammlung vor, dass die Stadt den Kurgarten erwerben und als öffentliches Kurhaus nutzen sollte. Hier wäre auch genügend Platz für die Magistratsräume, um die dringend benötigten Klassenräume in der Schule frei zu bekommen. Außerdem könnte man im Garten ein kleines Gradierwerk errichten, um den Nachteil für die Hauswirte am linken Saaleufer aufzuheben. Zur Berieselung könnten die über die Brücke führenden Soleleitungen genutzt werden.

Das notwendige Grundkapital sollte von interessierten Anlegern aufgebracht werden. Kersten wurde beauftragt, diesen Plan in der Stadtverordnetenversammlung vorzutragen.

 

  1. Okt. 3 Kleinkinder sterben an einer Rauchvergiftung (NKB)

Nur wenige Tage zuvor war ein vierjähriges Mädchen auf die gleiche Art umgekommen. Im Januar 97 konnten 4 Kinder gerade noch gerettet werden. Ursache war immer das unbeaufsichtigte Hantieren mit dem Feuer.

 

  1. Okt. Verlegung der Trinkwasserleitung durch die Saale (NKB)

Nach siebenwöchiger Baggerarbeit und  zahlreichen Behinderungen wurde die 10 cm starke und 80 Meter lange Stahlrohrleitung im Flussbett unterhalb der Eisenbahnbrücke verlegt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 324).

Genehmigt wurde die Eingemeindung einiger Parzellen am Jackenberg und 5.000 Mark für die Neubedornung der Ostseite des Gradierwerks sowie die Erneuerung der Soleleitung.

Der Vorschlag Kerstens, den Kurgarten für 100.000 Mark zu kaufen und dort für weitere 100.000 Mark ein Kurhaus, ein Gradierwerk und das Rathaus zu bauen, wurde mit 9 zu 3 Stimmen abgelehnt.

 

  1. Nov. Verkaufsanzeige der Villa Stuckradt, Neue Str. 27 (Fr. Ebert Str. 17) (NKB)

Zur gleichen Zeit annoncierte P. Röblitz die von P. Kersten bewohnte „herrschaftl. 1. Etage“ in der Neuen Str. 26 (Schmettau Str. 13).

 

  1. Nov. Anzeige von Gustav Teichgräber zum Kurgarten (NKB)

„Das im Neubau begriffene Etablissement soll wegen vorgerückten Alters des Besitzers sehr preiswert bei wenig Anzahlung verkauft werden. Da der Bau voraussichtlich April fertiggestellt wird, sind bei baldiger Meldung zum Kauf, etwaige Wünsche bezügl. Ausführung noch zu berücksichtigen…“

 

  1. Dez. Wählerversammlung im Hotel Kurzhals und in der „Tanne“ (NKB)

Bei der letzten Nachwahl der Stadtverordneten, wurde die Richtigkeit der Wahllisten angezweifelt. Da betraf insbesondere die Wahl des Buchbindermeister Fr. Wolff aus der 3. Wählerabteilung. Der rief seine  Wähler auf, die Veranstaltungen zu besuchen und erklärte „er und seine Freunde (Kersten, Matthes, Graf) hätten auch genügend Material gegenüber denjenigen gesammelt, die sich als Richter  aufwerfen“. Er und seine Wähler blieben der Versammlung fern, die ihm eine Missbilligung aussprach. Daraufhin veröffentlichten Kersten und Wolf eine Erklärung:

„In der Versammlung (.) sind nicht 250 sondern 190 Personen zugegen gewesen, der Bürgermeister samt seinen Bürobeamten, Stadtverordneten 10 Köpfe, etwa 20 Köpfe aus der 1. und 2. Wählerabteilung, die für uns ebenso wenig in Betracht kommen, da sie unsere Wähler nicht sind. Ferner Söhne und Commis von Stadtverordneten, etwa 30 Köpfe, an die sechzig Wähler des nicht gewählten Kandidaten Schubert und 10 Haacksce Wähler. Der Rest waren Wolffsche Wähler, die sich den Spaß einmal ansehen wollten. Wer will uns  daher verdenken, wenn wir bei dieser Versammlung nicht erschienen sind, umso mehr, als von der Mehrzahl unserer Wähler beschlossen worden war, als Partei  nicht hinzugehen (.) Mehrere unserer Herren Kollegen haben unsere gegen sie gerichteten Angriffe scharf getadelt, aber nachzuweisen, daß sie auf Unwahrheit beruhen  ist ihnen nicht gelungen (.) Wir halten diese daher bis sie als unwahr erwiesen sind  aufrecht und werden  fortfahren unseren Mitbürgern  die Augen zu öffnen und diejenigen Personen weiter bezeichnen, deren Tätigkeit  für die städtischen Interessen wir nicht förderlich halten (.)  

Unsere Forderung ist und bleibt  aber die, daß der städtische Etat endlich nicht nur den Stadtverordneten übergeben, sondern auch der Bürgerschaft zugängig gemacht wird, damit unsere Wähler die Verwendung und Empfänger der städtischen Gelder ohne weitere klar und deutlich ersehen können.

Ferner müssen die städtischen Kollegien getrennt d.h. der Bürgermeister darf nicht länger Vorsitzender des Stadtverordneten-Kollegiums und seine beiden Ratsschöffen nicht zugleich Stadtverordnete sein. Erst dann sind im Stadtverordneten-Kollegium Beschlüsse möglich, die dem Willen der Bürger entsprechen und natürlich soll und muß ein Gradierwerk auf dem linken Saaleufer errichtet werden…“

Der Streit zwischen Kersten und seinem Anhang und dem Magistrat und einigen Stadtverordneten bestimmte in den folgenden Jahren die Lokalpolitik. Zeitweise eskalierte der Streit, so dass sich der Landrat, der Bezirksausschuss und  auch die Gerichte damit beschäftigten.

 

  1. Dez. Veranstaltungen zu den Feiertagen (NKB)

Im Hotel Kurzhals gastierten eine Alpen-Sänger und Schuhplattler-Gesellschaft, Bälle veranstalteten Barthel auf der „Kaiser Wilhelmsburg“, Steger auf der „Schönen Aussicht“, Völkel im „Ratskeller“, Schwarze in der „Katze“, Schleicher im „Rektorberg“ und Feller in der „Tanne“. 

 

  1. Dez. Ausstellung von Bildern des Kunstmalers E. Koch im Mutigen Ritter (NKB)

 

1897

 

  1. Jan. Die „Kösener Zeitung“ wird als Amtsblatt zugelassen (KöZ)

Für die Veröffentlichung der amtlichen Mitteilungen erhielt der Herausgeber eine Jahrespauschale von 150 Mark. Allerdings hob sich auch damit keineswegs die Anzahl der Abonnenten, so dass die Aufhebung der Pauschale seitens verschiedener Stadtverordneten gefordert wurde.

Gleichzeitig veröffentlichte der Verlag das neue Adressbuch zum Verkaufspreis von 1 Mark.

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (KöZ, NKB).

Die Einwohnerzahl betrug 2.786, davon 1.1815 Männer und 1.605 Frauen. 15 Ehen wurden geschlossen, 75 Kinder geboren (42 Knaben, 36 Mädchen) 55 Todesfälle, davon 17 Kinder unter 10 Jahren. Die städtische Schule besuchten 380 Kinder, das Gehrke`sche Institut 36 Knaben und die höhere Töchterschule 34 Mädchen.

 

  1. Jan. Erweiterung des Kersten`schen Dampfsägewerks (NKB)

Da sich dagegen Widerstand regte, erklärte Kersten: „Der Herr Gastwirt Weber, als auch der Bäckermeister Hämmerling sind bemüht, bei der Bürgerschaft Kösens Unterschriften zu sammeln zu einem Protest, welcher gegen die von uns in Lengefeld projektierte Kalkbrennerei gerichtet ist. Wir bitten daher die Bürgerschaft Kösens sich zur Unterschrift dieses Projektes nicht herzugeben da aus den Schornsteinen einer Kalkbrennerei neuester Konstruktion fast nicht eine Spur von Rauch entweicht. Tatsächlich kommt aus einem solchen Schornstein nicht der hundertste Teil von dem Rauch heraus als er aus einem Bäckerschornstein oder dem einer Badeanstalt (.) wie aus den Schornsteinen der Herren Weber und Hämmerling...“

Daraufhin veröffentlichte die Zeitung einen weiteren Leserbrief: „Durch den Kgl. Landrat Freiherrn v. Feilitzsch wurde im Naumburger Kreisblatt öffentlich bekannt gemacht, daß diejenigen welche Einwendungen gegen eine Kalkofenanlage der Herren Gebr. Kersten auf dem Gelände des Dampfsägewerkes erbauen wollen, dieses schriftlich oder mündlich anzutragen hätten.

Man sollte wohl annehmen, daß jeder Einwohner Kösens die Gefahr begreifen  würden, die eine solche Anlage für den Wohlstand Kösens als Stadt und Bad mit sich bringt und muß es deshalb sehr verwunderlich erscheinen, daß eine Anzahl hiesiger Bewohner auf Zumutung der Herren Gebr. Kersten und unter Annahme, daß diese  Anlage der Stadt Vorteile bringt, ihren Beifall zu einem solchen Bau durch Unterschrift gegeben hat.

Demgegenüber erlaube ich mir (.) auf die ungeheuren fast ruinierenden Nachteile einer solchen Anlage in der Nähe Kösens hinzuweisen. Eine industrielle Anlage und insbesondere die einer Kalkbrennerei, die nur einer kleinen Anzahl Arbeiter einen geringen Verdienst zu verschaffen imstande ist, kann unmöglich und unter keinen Umständen der Kösener Bevölkerung die Vorteile und Gewinne bieten, als die Frequenz des Bades tut. Es ist deshalb die Hochhaltung des Badeverkehrs für Kösen die größte Wichtigkeit, ja sogar eine Existenzfrage.

Als Nachteile sind zu erwähnen die Verunreinigung der Luft (Kalkstein sondert beim Verbrennen ca. 44% Kohlensäure ab). Durch die den Öfen entströmenden Gase, welche bei dem meist vorherrschenden West- und Südwestwinden sich über die Stadt, den Anlagen und umliegenden Weinbergen verbreiten und Niederschläge absondern, wird die Gesundheit der Menschen und das Wachstum der Pflanzen schwer beeinträchtigt, was bisher nebst unserer guten Saale die Anziehungskraft Kösens für die Besucher aus den Großstädten bildete (.)

Die Konkurrenz unseres Bades wird dies zum Nachteil Kösens ausnutzen und wird es voraussichtlich gar nicht lange dauern, daß die Zahl unserer Badegäste nicht mehr nach Tausenden sondern nur noch nach Hunderten sich beziffern wird...“

 

  1. Jan. Nachruf auf den E. Heinrich du Bois-Reymond (NKB)

Der Schwager von Dr. Rosenberger war im Dezember im Alter von 78 Jahren in Berlin verstorben. Er gilt als Begründer der experimentellen Elektrophysiologie und regte auch die Einrichtung des Solestrombades auf der Radinsel an. Fast jedes Jahr besuchte er hier seine Verwandten und das Grab seiner Eltern. Sein Vater Felix-Henri du Bois Reymond (1782-1864) hatte sich nach seiner Amtszeit als preußischer Gouverneur von Neuchatel-Schweiz zusammen mit seiner Ehefrau Minette Henry (gest. 1868), Tochter des Direktors der Kunstkammer des preuß. Königs und Enkelin des Kupferstechers und Vorsitzenden der Akademie der Künste zu Berlin Daniel Chodowiecki hier niedergelassen.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Dabei ging es um die Kersten`sche Kalkbrennerei. Ungeachtet der Petition der  Einwohner von Lengefeld und Saaleck, in der der Magistrat aufgefordert wurde, für die Anlage zu stimmen, lehnte die Mehrheit der Stadtverordneten im Hinblick auf die Luftbelastung das Vorhaben ab, so der Schuhmachermeister Becker, Schulvorsteher Dr. Gehrke, Kaufmann O. Koch, Ratsschöffe Krüger, Rentier Lucas, Postmeister a. D. Müller, Mühlenbesitzer Roßner, Ratsschöffe Siebold, Zimmermeister Töpfer, und Hotelbesitzer Weber. Dagegen legte Kersten Widerspruch ein, mit dem Hinweis, dass die Stadtverordneten nicht über Angelegenheiten beschließen können, die außerhalb des Stadtbezirks liegen.

 

  1. Jan. Enteignung von Grundstücken für die Erweiterung des Güterbahnhofs (NKB)

Das betraf aber nur unbebaute Grundstücke, darunter die des Uhrmachers Friedrich Hertel und  der Matthes`schen Erbengemeinschaft.

 

  1. Jan. Versteigerung des Gräfe`schen Hauses in Saaleck (NKB)

Neben der Witwe Amalie Therese Gräfe, geb. Graf, vertreten durch den Flößer Julius Gräfe waren das die Söhne Friedrich Karl und  der Wirt vom „Himmelreich“ Friedrich Gustav Gräfe, alle in Saaleck ansässig.

 

  1. Jan. Erlass einer neuen „Gottesacker-Ordnung“ (NKB)

 

  1. Jan. Festmahl zum Geburtstag des Kaisers im Hotel Kurzhals (NKB)

Die Teilnahme zu der das Festkomitee (Bgmstr. Rudolph, Pfarrer Diederich, Postmeister Eckleben, Kfm. Apitzsch, Matthes und Koch, Ökonom Bäßler, Zimmermeister Toepfer) aufrief kostete 8 Mark, womit die ärmere Bevölkerung ausgeschlossen blieb. In der „Tanne“ feierte der jüngere Kriegerverein Kronprinz Friedrich Wilhelm.

 

  1. Feb. Konzession für den Wirt vom Fährhaus Lengefeld (NKB)

Am 1. April übernahm F. A. Günther das Fährhaus und nannte es „Gastwirtschaft zur Saale“. Die Besonderheit war, dass die Biersteuer nicht an Lengefeld sondern an Saaleck zu zahlen war.

 

  1. Feb. Im „Preußischen Hof“ steht ein elektrisches Pianola mit Münzeiwurf (NKB)

 

  1. Feb. Erster Kinematograph im Hotel „Kurzhals“ (NKB)

An drei Tage fanden jeweils drei Vorstellungen mit „laufenden Bildern“ statt. Der 1. Platz kostete 50 Pfg. 

 

  1. Mär. Vertrag mit dem Provinzialschulkollegium (StaA Nmb. Nr. 360)

Die Landesschule überließ der Stadt einen Streifen in der Weniger Aue zur Anlage einer „Wandelbahn“ von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“ für 1,50 Mark/m². Im Gegenzug  verpflichtete sich die Stadt, umgehend die Eigentums- und Nutzungsrechte in der Loreleypromenade so zu ordnen, dass diese eingemeindet werden kann. Außerdem übernahm man die Unterhaltung des Saaleufers, sicherte den ungehinderten Zugang zur Weniger Aue und den Abhang des Rechenberges zu, duldete in der  Loreleypromenade den Forstverkehr der Schule und verzichtete auf das Jagdpachtgeld. Danach ersuchte die Badedirektion bei der Wasserbauinspektion die Genehmigung zum Bau eines Fußweges direkt am Ufer.

 

  1. Mär. Eröffnung eines Modegeschäfts in der Rudelsburgprom. I-81 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Mär. Veröffentlichung der Regularien der Orts-Dienstboten-Krankenkasse (KöZ)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Der Antrag Kerstens, der Kinderheilstätte für jedes Solebad 15 Pfg. für die gelieferte Sole zu berechnen, wurde zunächst mit dem Verweis auf die Barmherzigkeit und die gute Werbung der Anstalt abgewiesen.

 

  1. Mär. Gedenkfeier zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm I. (NKB)

Die Kinder hatten schulfrei und die Behördenöffnungszeiten öffneten wie an den Sonntagen. Die Gebr. Kersten hatten 500 Gäste, darunter sämtliche Beschäftigte in die „Katze“ eingeladen. Die Festrede hielt Dr. Karl Schütze und Paul Kersten lobte in seiner Ansprache die  Sozialgesetzgebung des Kaisers. Die Stadt veranstaltete ein Festessen im „Mutigen Ritter“ mit 130 Teilnehmern und am Abend trafen sich 300 Angehörige der Kriegervereine auf der Wilhelmsburg. Am anderen Tag gab es einen Frühschoppen, am Nachmittag ein Kinderfest wo jedes Kind 15 Pfg. und eine kleine Gabe erhielt. Den Tag beschloss ein Familienabend in der „Tanne“.  

 

  1. Mär. Zimmermeister Töpfer kauft das Feld der Försterei (KöZ)

Zwischen dem Gehrke`schen Institut und dem Friedhof links der Friedrichstraße sollten Stadtvillen gebaut werden.

 

  1. Mär. Übernahme der Werner`schen Ziegelei (NKB)

Für 3000 Mark erwarb sie der Lengefelder Ziegeleibesitzer Arnold.

 

  1. Apr. Der Chausseeeinnehmer Axthelm übernimmt den „Göttersitz“ (NKB).

 

  1. Apr. W. Kellner übernimmt die „Börse“ (Eckartsbergaer Str. 6) (NKB)

 

  1. Apr. Ortshebamme Ziege verstirbt im 70. Lebens- und 50. Dienstjahr (NKB)

Sie hatte über 3.000 Kinder zur Welt gebracht. Am 12. Juli 1898 ließ sich die Hebamme A. Blaufuß in der Querstr. 38 (Schmettaustr. 3)nieder.

 

  1. Mai Einrichtung einer Postagentur auf der Rudelsburg (KöZ)

Während der Saison wurde in Anbetracht des Besucherstroms die dortige Posthilfsstelle  als Postagentur mit Telegrafenbetrieb geführt. 

 

  1. Mai Eröffnung der renovierten Gastwirtschaft „Zum Adler“ (Lindenstr. 7) (NKB)

Inhaber war der Kaufmann Carl Müller, der im gleichen Haus den „Adler Bazar“ betrieb und für die Gastwirtschaft einen Geschäftsführer anstellte. Wenige Wochen zuvor hatte Müller in der Eckarstbergaer Str. 132 ein Schuhlager eröffnet.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Beschlossen wurde der Solepreis von 7,5 Pfg. für ein Wannenbad in der Kinderheilstätte und die probeweise Anstellung des Polizeisergeanten Richter. 

 

  1. Mai Pläne zur Erweiterung des Bahnhofs (NKB,WEI RBD K 161/5).

Geplant war eine Fußgängerunterführung am Schrankenübergang gegenüber vom Hotel Kurzhals, wobei der 2. Bahnsteig bis an die Unterführung verlängert werden sollte. Dazu musste die Landstraße vom Hotel Kurzhals bis zum Bahnhof verlegt und die Quelle überwölbt werden. Neben dem Leschke`schen Anwesen (Borlachstr. 43) war eine Fußgängerbrücke über die Bahn geplant danach sollte der Schrankenübergangs am Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49) eingezogen werden.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (KöZ)

Während der Saison gab es wöchentlich wieder zwei Markttage von 6 bis 11 Uhr.

 

  1. Mai Veröffentlichung der ersten Badeliste (KöZ)

Der Herausgeber wies darauf hin, dass die Badeliste aus Kostengründen nicht als Extrablatt der  Kösener Zeitung beigelegt werden kann, sondern in der Zeitung abgedruckt wird.

 

  1. Mai Fassung des Mühlbrunnens (KöZ)

Die Stadtverordneten Müller und Becker beantragten die Fassung und den Bau einer Röhrenfahrt zur Inhalationshalle, um hier das eisenhaltige Wasser auszuschenken.

 

  1. Mai E. Friedrich erhält erneut den Zuschlag für die Pacht der Fähre (KöZ,NKB)

Weil im Vorfeld der Wiesenbesitzer den Zugang zur bisherigen Anlegestelle verboten hatte, genehmigte Krüger die Verlegung der Anlegestelle rund 100 Meter saaleabwärts auf seinen Holzplatz. Am 1. Juni eröffnete Friedrich dann noch die Sommerwirtschaft gegenüber der „Loreley“.

 

  1. Mai Rittertag der Johanniter der Provinz Sachsen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Anwesend waren neben Ordenskommendator General Graf v. Wartensleben und der Ehren-Kommendator Minister v. Wedel, der Ober-Präsident der Provinz von Pommer-Esche, Landesdirektor Graf v. Witzingerode, Reg.-Präsident Freiherr v. d. Esche, Graf zu Stolberg-Wernigerode, Landrat Freiherr v. d. Schulenburg (Kölleda), Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Landrat Graf Kuno v. Stolberg (Roßla) Graf Zech, Graf zu Waldeck-Pyrmont, General v. Trotha, Freiherr v. Eller-Eberstein,  Freiherr v. Münchhausen, Legations-Rat v. Tümpling.

 

  1. Juni Inbetriebnahme der Trinkwasserleitung (Röblitz, StaA Nmb Nr. 144 /Nr. 60).

In der im Februar erlassenen Gebührenordnung wurde neben den Pflichten der Abnehmer auch der Abgabepreis mit 20 Pfg./Kubikmeter und die Zählergebühr festgeschrieben. Im Pumpenhaus (Borlachstr. 48) wurde das Lager für die Ersatzteile und die Wasserzähler sowie die Wohnung für den Maschinenwärter eingerichtet und der übrige Landstreifen an der Bahn mit 80 Obstbäume bepflanzt, deren Behang jährlich meistbietend verpachtet wurde.

 

  1. Juni Hofmarschall Graf v. Zeppelin übernachtet im Hotel Kurzhals (KöZ)

 

  1. Juni Wiedereröffnung des „Park Hotels im Kurgarten“ (NKB)

„Die Hotel- und Restaurationsräume sind durch den großen Umbau und durch Neueinrichtung aufs Beste und praktischste verändert, so daß sie alle Anforderungen an ein neuzeitliches Hotel in jeder Hinsicht erfüllen“ erklärte der aus Lübeck stammende neue Besitzer Heinrich Hey vor den  Pfingstfeiertagen.

 

  1. Juni Verkaufsanzeige für das Vogel`sche Haus Borlachstr. 19 (NKB)

 

  1. Juni Verlegung der Fuchstaufe in die „Katze“ (KöZ)

Weil sich der Wirt der Rudelsburg weigerte, die Burg während der Fuchstaufe für die Öffentlichkeit zu schließen, zog die Studentenschaft kurzerhand zur „Katze“.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung der Häuser Parkstr. Nr. 13 und 14 (NKB)

Die beiden Häuser gehörten einer Frau Herbst aus Berlin. Meistbietender mit 23.700 Mark war Schenker.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544/NKB).

Beraten wurde über einen Vertragsentwurf mit der Landesschule. Die wollte östlich der Friedrichstraße weitere Baugrundstücke ausweisen, die nach dem Verkauf an Bauwillige eingemeindet werden sollten. P. Kersten war der Ansicht, dass man keine neuen Häuser brauche, da zahlreiche Wohnungen links der Saale leer stehen. Außerdem unterstellte er dem Zimmermeister Toepfer persönliche Vorteilsnahme, nicht ganz zu Unrecht, denn dieser hatte als Bauunternehmer seine Finger im Spiel. Problematisch war der Vertragsentwurf ohnehin, denn bis zur Eingemeindung unterlag das Bebauungsgebiet den baupolizeilichen Vorschriften des Gutsbezirks, die hinter der städtischen Bauordnung zurückstanden (Ausführung der Straßen- und Fußwege, sowie der Kanalisation, Fassadengestaltung, Vorgärten etc.). Außerdem sicherte sich die Landesschule nicht nur die Erbpachten sondern auch die beim Bauantrag fälligen Gebühren. Zugestimmt wurde nur der Eingemeindung der östlichen Seite der Friedrichstraße vom Gehrke`schen Institut bis an den Flemminger Fußweg.

Außerdem hatte sich die Stadt gegenüber den Oberbehörden verpflichtet, bis zum 1. April 1898 die leidige Schulproblematik zu lösen. Die ging inzwischen soweit, dass Schüler „wegen Platzmangel nicht versetzt wurden“. Die Suche nach einem passenden Objekt für die städtischen Behörden hatte oberste Priorität.

 

  1. Juni Die Stadtsparkasse erhöht den Zinssatz auf Spareinlagen auf 3,5% (NKB)

 

  1. Juli 2000 Mark bringt der Bazar zu Gunsten der Diakonissenstation (NKB)

 

  1. Juli Inventarversteigerung des Ökonomen Bässler, Borlachstr. (Nr. 32) (NKB)

 

  1. Juli Erste Vorstellung des „Neuen Kurgarten-Theaters“ (NKB)

Bereits nach der ersten Vorstellung trennte sich das Ensemble von seinem Direktor. Die verbliebenen 5 Mitglieder nannten sich „Theater-Republik“ und wählten den Schauspieler v. Schiffner zum Direktor. Bis zum 19. September wurde jede Woche ein anderes Schau- bzw. Lustspiel aufgeführt. Das abwechslungsreiche und qualitativ gute Programm brachte gute Einnahmen und das Ensemble um v. Schiffner erklärte sich bereit, auch in der kommenden Saison das Kurgartentheater zu bespielen.

 

  1. Juli Grundsteinlegung für das neue Postgebäude (NKB).

Drei Monate zuvor hatte der Apoldaer Bauunternehmer Ehrhardt in Abstimmung mit der Kaiserl. Post das Haus des Buchdruckers Lange (Lindenstr. 13) aus der Konkursmasse erworben und den Mietern gekündigt. Da sich ein Umbau für die Belange der Post (Schalterräume, Expedition, Telegrafenamt, Wohnungen für die Beamten) nicht  realisieren ließ, wurde das Anwesen vom Maurermeister J. A. Werner abgerissen und ein neues Amtsgebäude nach den Vorgaben der Post gebaut. Der Bezug war für den 1. April 1898 geplant.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Parkwiese (NKB)

Schleicher hatte den „Rektorberg“ geschlossen und bewirtschaftete die Festwiese, außerdem luden die Wirte vom  „Preußischen Hof“, der „Tanne“ und dem „Kurgarten“ zum Brunnenfestball ein.

 

  1. Aug. Extrakonzert im „Kurhaus mutiger Ritter“ (NKB)

Die Stadtkapelle begleitete den „weltberühmten schwarzen Stabstrompeter Mr. Valerie Brown vom 10. Kavallerieregiment Texas (in Uniform)“.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Genehmigt wurde die Überlassung einer Parzelle zwischen den Grundstück Leschke (Borlachstr. 43) und dem städtischen Wasserwerk für die neue Fußgängerbrücke über die Eisenbahn mit der Maßgabe, dass diese wieder die Unterhaltung der Kaskade und des Kanals übernimmt und den Anschluss weiterer Entwässerungskanäle sowie den Überlauf des Brunnens vom Wasserwerk gestattet.

 

  1. Aug. Brand beim Zigarrenfabrikanten Hecklau (Grünen Gasse 3) (NKB).

Wohnhaus und Hinterhaus brannten nieder, dazu das Warenlager des Konsumvereins und vier Wohnungen armer Familien. Neben der Kösener Spritze waren die von Fränkenau, Lengefeld, Hassenhausen, Kreipitzsch und Saaleck  vor Ort. Dank des Hydranten der neuen Wasserleitung gelang es, die Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Allerdings waren nun einige arme Familien obdachlos geworden und der Magistrat bat die Bevölkerung um Spenden.

 

  1. Aug. Kuraufenthalt von Johanna von Sydow (Hollbachsches Fremdenbuch)

Die Berlinerin (Jg. 1850) war eine viel gelesene Autorin, deren Beiträge von überregionalen Zeitungen veröffentlicht wurden.

Der Wirt Hollbach war gelernter Koch, der zusammen mit seinen Schwestern Marie und Minna sowie seinen Kindern Paul und Lieschen die ehemalige Berbigsche Pension, heute Lindenstraße 26 betrieb, die wegen ihrer guten und preiswerten Küche bekannt war und vorzugsweise von Gästen aus Berlin aufgesucht wurde. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, StaA Nmb. 145)

Wegen der Dringlichkeit, Amtsräume für die städtische Verwaltung zu finden, nahm man nun das Angebot der Rosenbergerschen Erben an und erwarb die frühere Badeanstalt (Lindenstr. 9) für 44.000 Mark. Dafür wurde ein Darlehen bei der Landesfeuersozietät mit 3,5% Zinsen und 1% Tilgung aufgenommen. Der Kaufvertrag kam am 1. Nov. zustande

Im Besitz der Rosenbergerschen Töchter blieb die Lindenstr. I-12 a (Nr. 11),  Jenny Eugenie Louise Auguste, die mit ihrem Cousin dem Kapitän Otto Georg Benno Rosenberger verheiratet war und die unverheiratete Magdalena. Erstere verfasste hier die Vita der Familie ihrer Mutter (du Bois-Reymond). Sie starb 1931. Magdalena veröffentlichte unter dem Pseudonym Rose Berger Gedichte und Feuilletons. Sie starb 1939 und wurde wie ihre Schwester und der Schwager auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Das Haus nannten sie Villa „Fallen Anker“.

Ein Jahr später ließen die Geschwister, zu denen noch der Bruder Otto Felix in Hannover und Elisabeth Concordia, verheiratet mit dem Direktor des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn Dr. Wichern gehörten, einen verloren gegangenen Hypothekenpfandbrief ihres Onkels dem Reg. Rat Professor E. Du Bois Reymond aufrufen.

 

  1. Sep. Beschluss der Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

„Die Wahl mehrerer Kassenärzte geschah auf das Drängen der Majorität der Anwesenden. Diese Ansicht der Notwendigkeit konnte weder vom eifrig dagegen sprechenden Kassenarzt noch vom Vorsitzenden aufgehalten werden...“ unterzeichnet hatten Fr. Matthes und  Graf & Döhler.

Auf der nächsten Sitzung sollte die freie Arztwahl der zugelassenen Kassenärzte bei gleichzeitiger Erhöhung der Beiträge beschlossen werden, denn „der Friede der zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Kösens noch nie getrübt war, darf auf keinen Fall dadurch gestört werden, daß man den Arbeitnehmern den berechtigten Wunsch der freien Arztwahl versagt“. Dennoch fand der Beschluss keine Mehrheit und Dr. Risse blieb alleiniger Kassenarzt der Stadt.

 

  1. Sep. Vorführung der Hydranten vor den Kreisdirektoren der Feuersozietät (NKB)

Übungsobjekte waren die Apotheke, die Häun`sche Bäckerei (An der Brücke 2) und das neue Logierhaus vom „Mutigen Ritter“.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Insgesamt waren es 2.148 Badegäste, prominentester Gast war I. Durchlaucht Prinzessin Eleonore Louise Reuß jüngere Linie (1860 bis 1917), die 1907 den bulgarischen Zaren heiratete, mit Gefolge und Bedienung hier weilte. Außerdem der General-Superintendent Textor-Magdeburg, Hr. Erlenbeck-St. Petersburg, Gräfin Kamecke-Weimar, Exz. Kammergerichtspräsident Drenkmann-Berlin, Alexandrine v. Bornhaupt-Riga, Fr. Exz. v. Biebahn-Berlin, Gräfin Werder-Güstrow, Mr. u. Mrs. Brigelow-Boston, Graf Guido Henckel v. Donnersmarck mit Gattin- Breslau, Maler Paul Schulze-Naumburg und Gattin-München, Kfm. Stettner mit Familie-Guadalajara-Mexiko, Prof. Dr. A. Althaus-Berlin, Malerin Marie Galle-Berlin, Baronin v. Bülow-Dieskau, Bildhauer Ernst Goldstein-Berlin, Maler C. v. Kalkreuth-Berlin, Busso Asseburg-Brasilien, RA Louis Mon-Madrid, Frau v. Mangold mit den Comtessen und Grafen v. Schwerin, Konteradmiral Barandon-Berlin, Frl. v. Luczinska-Warschau, Gräfin Fink v. Finckenstein mit Tochter Baronin v. Hammerstein, Baronin v. Stern-Kochberg, Frl. v. Langsdorff u. Frl. v. Ungern-Sternberg-St. Petersburg, General v. Lynecker-Berlin, Maler Ludwig Bartning-München.

In der Kinderheilstätte wurden 133 und in der Ferienkolonie 120 Kinder in vier Durchgängen behandelt.

 

  1. Sep. Versteigerung des Inventars der „Erholung“ wegen Wegzug (NKB)

 

  1. Okt. Eröffnung des Friseurgeschäfts Otto Kotte, Burgstr. I-107 (Nr. 19) (NKB)

 

  1. Okt. H. Trölzsch übernimmt die Fleischerei in der Borlachstr. I-35 (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Okt. Pächterwechsel auf der „Wilhelmsburg“ (NKB).

Nach dem Tod des bisherigen Wirts O. Barthel hatte der Kriegerverein die Pacht neu ausgeschrieben. Der neue Pächter Fr. Kaufmann kam aus Berlin.

 

  1. Okt. Vermietungsofferte in der Villa Röblitz (Fr. Ebert Str. 19) (NKB)

Angeboten wurden 2 herrschaftliche Wohnungen im Hochparterre bzw. 1. OG mit jeweils 7 bis 8 Zimmern, 3 Balkonen, dazu ein „Fichtenpark“ und ein Garten.

 

  1. Okt. Letzte Veranstaltung in Heys Kurgarten (NKB)

Bereits im September wurde bekannt, dass Hey aufhört. Am 04. Oktober versteigerte der Gerichtsvollzieher 6 Fässer Löwenbräu, 2 Haustelefonstationen mit 12 Nummern, eine elektrische Beleuchtung samt Batterien. Am 11. Okt. folgte ein „freiwilliger Verkauf“ von hochwertigen Mobiliar, Restaurationseinrichtungen und Geschirr sowie Gartenlokalzubehör durch den vereidigten Auktionator W. Becker.

Am 17. Okt. erschien eine Anzeige „Das Geschäft hat im Auftrag des Zwangsverwalters seinen Fortgang“ O. Naumann.

Erneut wurden Stimmen laut, die die Übernahme des Kurgartens seitens der Stadt und die Umwandlung in ein  öffentliches Kurhaus forderten. 

 

  1. Okt. Einbruch beim Kaufmann Schuster (Eckartsbergaer Str. 9) (NKB)

Der Fall erregte Aufsehen, weil es mehrere Täter waren, die Ehefrau betäubt wurde und die Beute sowie der Schaden beträchtlich waren.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Beschlossen wurden die Lehrer-Gehälter, der Hauptlehrer erhielt 1.200 Mark, der 2. Lehrer, der zusätzlich die Stelle des Kantors ausübte ebenfalls 1.200 Mark. Die übrigen Lehrer erhielten 1.050 Mark. Dazu gab es für alle eine Alterszulage von 150 Mark und freie Wohnung bzw. einen Mietzuschuss  (270 Mark für verheiratete und 200 für ledige Lehrer), soweit keine Dienstwohnung gestellt wurde. Lehrerinnen bekamen 800 Mark, 100 Mark Alterszulage und  eine Mietzulage von 200 Mark. 

 

  1. Nov. Radfahrerkurs im Kurgarten (NKB)

 

  1. Dez. Allgemeine Viehzählung (NKB)

In 129 der 296 bewohnten Häuser gab es Viehzeug, 56 Pferde, 26 Kühe, 4 Schafe (ohne die Herde der Landesschule), 237 Schweine, 55 Ziegen, 57 Gänse, 29 Enten, 819 Hühner. 

 

  1. Dez. Verlobung von Ernst Toepfer mit Henriette Hämmerling (NKB)

 

  1. Dez. Vermisstenmeldung (NKB)

„Seit Anfang dieser Woche wird ein älteres Ehepaar von hier vermißt (.) Der Ehemann, Inhaber eines größeren Etablissements hier, war gestern nach Naumburg vor Gericht geladen, aber nicht erschienen, weshalb das Gericht beschlossen hat, ihn zwangsweise vorführen zu lassen. Der Verschwundene hat vor seiner Abreise die Verwaltung seines Besitztums einem Verwandten übertragen und seinen Anwalt geschrieben, er werde sich jeder menschlichen Rechenschaft entziehen...“

Das hochbetagte Teichgräber`sche Ehepaar stand vor dem Konkurs und waren mit  unbekannten Ziel Kösen verreist.

Am 4. Januar meldete die Zeitung „Das Teichgräbersche Ehepaar wurde am Silvesternachmittag tot in der Donau bei Wien mit Stricken aneinander gebunden geborgen. Nachdem sie Kösen verlassen hatten, waren sie am 26. Dezember in einem Wiener Hotel untergekommen, hatte drei Tage lang Wien erkundet und sich am 29. Dezember zur Heimreise abgemeldet...“ Das Ehepaar wurde offenbar in Wien beigesetzt.  

Das tragische Ende des Restaurateurs, der das Debakel des Groddeck-v. Zedtwitz`schen Konkurses und der nachfolgenden Pächter überstanden hatte, sorgte für erhebliches Aufsehen, nicht nur bei den Gläubigern. Das Konkursverfahren über den Teichgräber`schen Nachlass wurde am 07. Januar eröffnet, am 28. Januar fand die Gläubigerversammlung statt.

 

1898 

 

  1. Jan. Statistik 1897 (NKB, KöZ)

Unter den 2786 Einwohnern gab es 74 Geburten und 62 Sterbefälle, darunter der Besitzer vom Rektorberg Wilhelm Schleicher (67 J.) und O. Barthel der Wirt der „Wilhelmsburg“(39 J.) sowie 26 Eheschließungen. 375 Kinder besuchten die Stadtschule, 29 Knaben das Gehrke`sche Institut und 45 Mädchen die höhere Töchterschule.

Die Kaiserin August Viktoria Kinderheilstätte meldete 133 Kinder in 3 Durchgängen und dazu 120 Kinder der Berliner Ferienkolonie.

 

  1. Jan. Die Diakonissin verlegt ihre Wohnung in die Neue Straße (NKB)

Wegen der Ansteckungsgefahr musste sie ihre Stube im städtischen  Krankenhaus aufgeben, zumal sie durch die Pflege der dortigen Insassen  gebunden war. 

 

  1. Jan. Verkaufsanzeige der Gebr. Kersten (NKB)

„Unsere zwischen Kösen und der „Katze“ gelegenen Grundstücke welche an den Eisenbahnkörper und an der neuen Chaussee Kösen-Großheringen angrenzen und mit Eisenbahngleis verbunden sind, beabsichtigen wir zu verkaufen. Die eventuell erforderlichen Baulichkeiten, Speicher usw. werden auf Wunsch von uns übernommen. Auch kann der Käufer (Pächter) unsere Schrot- und auch projektierte Mahlmühle mit benutzen, ebenso unsere Lastenfuhren und Drahtseilbahn, um die Verbindung mit den auf dem Plateau liegenden Ortschaften herzustellen...“   

 

  1. Jan. Todestag von Cäcilie Redtel (Sterbereg./NKB)

Die Tochter vom Bergrat Backs war mit dem Geh. Oberberg- und Baurat August Heinrich Redtel verheiratet. Ihr Sohn August (1849-1875) war als Schüler in Pforte Nietzsche´s „Unterer“, die  Tochter Anna mit dem  späteren Philosophen befreundet (s. Nietzsches Schriftwechsel) 

 

  1. Jan. Der Besitzer der Lengefelder Ziegelei Max Arnold verstirbt (KöZ)

Er galt als der letzte noch lebende Schüler vom Turnvater Jahn.

 

  1. Feb. Silberne Hochzeit von Fritz und Auguste Ohm geb. Hohorst (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 544)

Auf der ersten Sitzung des Jahres wurden der Schriftführer Weber, sein Stellvertreter Roßner und die Kassenrevisoren Krüger und Koch bestimmt. Gewählt wurden als Mitglieder der Baudeputation: Siebold, Töpfer, Krüger Roßner, der Wegebaukommission: Siebold, Müller, Töpfer, Weber, Becker, Röblitz, der Armen-Kommission: Pfarrer Diederichs, Dr. Schütze, Müller, Töpfer, Becker, Kfm. Apitzsch, Röblitz, Ökonom Bäßler, Schumacher Schubert, Gärtner Köhler, der Sanitätskommission: Dr. Risse, Dr. Schütze, Dr. Löffler, Dr. Riemann, Rößler, der Badedirektion: Bgm. Rudolph, Krüger, Siebold, Baurat a. d. Mertens, Dr. Löffler, Dr. Gehrke, Roßner.

 

  1. Feb. 25jähriges Firmenjubiläum der Holzhändler Graf & Döhler (KöZ)

 

  1. Feb. Anzeige des Teichgräber`schen Nachlassverwalters (NKB)

Zum Verkauf standen das Wohnhaus mit Hausgarten, der angrenzende Weinberg, Garten, Feld und Gehölz, insgesamt 1,5 Hektar „ausreichend für drei Baustellen“.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung in der Villa „Rothe“ Kukulauer Str. III-51(NKB)

Verkauft wurde die Einrichtung von  32 Zimmern und am 1. Mai wurde „das neu und komfortabel eingerichtete“ Pensionshaus (R. Breitscheid Str. 9) wieder eröffnet.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-23 (Nr. 7) (NKB, KöZ)

Die Löwesche Villa erwarb die Hauptgläubigerin Fr. Körner-Leipzig für 300 Mark bei einer Hypothekenschuld von 24.000 Mark.

 

  1. Mär. Schankkonzession für das Gasthaus „Zur Erholung“ (StaA Nmb).

Der Besitzer Landwirt Steinbeck verpachtete die Schankwirtschaft an Völker, bevor er sie 1899 selber übernahm. Als er wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Landwirtschaft aufgeben musste, wurde das Anwesen aufgeteilt, in die Grundstücke Eckartsbergaer Str. 12 12 a. 12b und 12c  Die Nr. 12 b erwarb der Kaufmann Timmler, die Nr. 12 c der Kaufmann W. Becker, der hier kurz vor dem 1. WK ein zweigeschossiges Lagerhaus baute. Die Nr. 12 (Käsefabrik) und 12 a („Erholung“) behielt Oskar  Steinbeck. Nach seinem Tod 1918 übernahm sein Sohn Walter die „Erholung“. 1935 hieß der Gastwirt Hermann  Klenzig, nach dessen  Tod 1937 übernahmen dessen Witwe bzw. die Tochter die Wirtschaft. Seit 1941 hieß der Pächter Müller.

 

  1. Mär. Eröffnung eines Feinkostgeschäfts in der Lindenstr. I-18 (Nr. 20) (NKB)

 

  1. Mär. Submission für den Umbau und Erweiterung des Bahnhofs (KöZ)

Neben der Verlängerung der Bahnsteige wurde nun auch eine Fußgängerunterführung unm,ittelbar neben den Schrankenübergang angelegt. Dazu wurde die Straße verlegt, weshalb die Veranda am Hotel Kurzhals verlegt werden musste.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der „Kurgartens“ (NKB)

Neue Besitzerin war Henriette Hey, die Ehefrau des bisherigen Besitzers, die den Zuschlag bei 35.500 Mark bekam. Am 19. Mai öffnete sie die Gastwirtschaft wieder.

 

  1. Mär. Ehrenbürgerschaft für Freiherr v. Feilitzsch (BLK-A. Nr. 544, ).

In vertraulicher Sitzung wurde die Ernennung des Fürstlich Schaumburg-Lippesche Staatsministers, Besitzer des Rittergutes Stendorf und  Landrat des Kreises Naumburg für sein Engagement bei der Übertragung des Bades auf die Stadt beschlossen.

 

  1. Apr. Eröffnung des Kaiserlichen Postamtes in der Lindenstraße 13 (NKB)

Drei Monate später wurde eine Unfallmeldestelle eingerichtet und Notfalltelegramme konnten auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten aufgegeben werden.

 

  1. Apr. Umzug des „Fröbelsche Kindergarten“ in die Lindenstraße I-12a (11) (NKB)

 

  1. Apr. Umwandlung der Fa. Gebr. Kersten in eine Aktiengesellschaft (NKB)

Zur „Sächsisch-Thüringischen AG für Kalksteinverwertung“ gehörten die Steinbrüche bei Freiroda, das Dampfsägewerk in Lengefeld sowie die Steinbrüche bei Balgstädt. Die Aktienmehrheit sowie die Geschäftsführung behielten die Brüder Kersten. Vorsitzender des Aufsichtsrates war der Erfurter Bankdirektor P. Blanchart. Dessen Kreditinstitut stellte auch das erforderliche Kapital für die Erweiterung des Lengefelder Werks, wo eine  Anlage zur Herstellung von Hydraulik-Kalk  und ein Zementwerk geplant waren. 

 

  1. Apr. Zur Holzmesse kamen lediglich 300 Flöße zum Verkauf (NKB)

 

  1. Apr. Sanierung der Rudelsburg (NKB)

Unter fachlicher Aufsicht der „Historischen Kommission der Provinz Sachsen“ begann  der Umbau des Rittersaales, der Neubau der Gaststube mit Obergeschoss, Gästezimmern und  Verbindungsgang zum Turm, der eine neue Treppe erhielt. Die Ausführung hatte der Zimmermeister Toepfer, die Fertigstellung war zu Pfingsten vorgesehen. 

 

  1. Apr. Der Magistrat bezieht die Geschäftsräume in der Lindenstr. (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung der Rudelsburgprom. I-92 (Nr. 18) (NKB)

Im Juli wurde der Besitzer Holzhändler Gräfe wegen unübersichtlicher Buchführung seiner in Konkurs gefallenen Firma zu drei Tagen Gefängnis verurteilt.

 

  1. Mai Rudolf Eckardt pachtet die städtische Fähre für 110 Mark Jahrespacht (NKB)

Der bisherige Pächter C. Friedrich erweiterte daraufhin seine „Lustfahrten mit Vergnügungsbooten“ und eröffnete am 7. Juni die renovierte  Restauration „Zur Loreley“. 

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-45/46 (Nr. 19, 21) (NKB)

Zur Auflösung der Erbengemeinschaft hatte der Vormund des noch minderjährigen Fr. E. Schleicher die Versteigerung der Häuser sowie des Warenbestandes beantragt. Erwerber war Carl Schleicher sen., der am 25. Mai das Ladengeschäft wieder eröffnet.

 

  1. Mai Geschäftsanzeigen (NKB)

Eröffnung der Schuhmacherei von Karl Fielko, Borlachstr. I-34 (Nr. 6), der Geithnersche Wein- und Frühstücksstube in der Querstraße II-31 (Schmettaustr. 12) und im Hecklauschen Haus Grüne Gasse I-74a (Nr. 2) öffnete das Photoatelier „Thuringia“. Letzteres übernahm im Herbst der „Großherzogl. Weimarischer Hofphotograph“ Friedrich Hertel.

 

  1. Mai Veröffentlichung der ersten Kurliste der Saison (KöZ)

Bis 13 Mai wurden 132 Badegäste registriert, darunter die Prinzessinnen I. Durchlaucht Victoria Feodora (1889-1918) und Luise Adelheid (1890-1951) Reuß jüngere Linie. Wenig später besuchte der Erbprinz von Reuß-Gera seine Kinder.

Mit Saisonbeginn hatte der Wirt vom „Mutigen Ritter“ den Wagenpark durch einen Jagdwagen, einen Omnibus und eine Eselequipage vergrößert.

 

  1. Mai Kabinettsorder (Handbuch KSCV).

Dem VAC wurden die Rechte einer juristischen Person verliehen. Zum VAC gehörten 35 Bezirksverbände mit 3000 Mitgliedern.

 

  1. Mai Am Pfingstsonntag treffen 6000 Besucher mit der Bahn ein (KöZ)

 

  1. Juni Konzession für einen Theaterunternehmer (MER C 48 Ii Nr.776 IX).

Nachdem sich v. Schiffner, der bisherige Direktor der Theater-Republik abgesetzt hatte, blieben  die um ihre Gage betrogene Schauspieler und Einwohner zuück, die im guten Glauben dem Direktor Geld für die Kaution geliehen hatten.

Damit das Sommertheater weitergeführt weren konnte, erteilte die Badedirektion dem Merseburger Theaterunternehmer F. W. Bennecke die Erlaubnis „Schauspiele, Lustspiele und Possen“ aufzuführen. Die  Kaution von 1.500 Mark musste bar oder in Reichs-Papieren bei der örtlichen Polizeiverwaltung hinterlegt werden.  Am 17. Juni fand die erste Vorstellung statt.   

 

  1. Juni Wählerversammlung zur Reichstagswahl in der „Tanne“ (NKB)

Hier stellte sich der gemeinsame Kandidat der konservativen, der national-liberalen Vereinigung sowie des Bundes der Landwirte der Rittergutsbesitzer Dippe-Plotha vor. Dippe erhielt dann 227 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen 45 und der Sozialdemokrat Thiele 75. Die  anschließende Stichwahl gewann Dippe mit 309 Stimmen, 133 bekamen die Sozialdemokraten. Die Wahlbeteiligung wurde mit ca. 65 % angegeben

 

  1. Juni Anzeige der Malschule Prof. Schultze-Naumburg (NKB)

Während seines Sommeraufenthaltes bot er vom Juli bis Oktober Malkurse an.

 

  1. Juni Ausflug von 300 Beamten des Reichsgerichts Leipzig zur Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juni Erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Rathaus (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde der Abgabepreis von 50 Pfennig pro Hektoliter  für Badesole  an private und auswärtige Interessenten.   

 

  1. Juni Militärkonzert im Kurgarten (NKB)

Es spielte die 42 Mann starke Kapelle des Kgl. Bayerischen 6. Inf.-Regiments. „ Da dieses große Konzert nur unter Aufwendung großer Unkosten zu bewerkstelligen ist, so bitten Unterzeichnete ein hochverehrtes Publikum und anwesende Kurgäste um recht zahlreichen Besuch“ erklärten die Wirtsleute.

 

  1. Juni Arbeitsbesuch des Regierungs-Präsidenten Freiherr v. d. Recke (NKB)

 

  1. Juli Militärkonzert im Kurgarten (NKB)

Es spielte das Trompetercorps des schleswig-holsteinischen Ulanen-Regiments Nr. 15.

 

  1. Juli Militärkonzert im Kurhaus „Mutiger Ritter“ (NKB)

Es spielte das Trompetercorps der reitenden Abteilung des Kgl. Sächsischen I. Feld-Artillerie-Reg. Nr. 12 in historischen Uniformen und mit historischen Feldtrompeten.

 

  1. Juli Konzert des Wiener Damen-Orchesters im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Apotheker J. Hoefer übernimmt die Adler-Drogerie von seinem Vater (NKB)

Neben dem Hauptgeschäft in der Uferstr. 5, gab es eine Filiale im Struveschen Haus (Gerstenbergkpromenade 3) die dann im neu gebauten Hecklauschen Haus (Grüne Gasse 3) unterkam. Zur gleichen Zeit übernahm O. Becker die Germania-Drogerie, Lindenstr. 8.

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft auf der „Katze“ (NKB)

Für die drei Tage dauernde Festivität, zu der man zahlreiche Gäste erwartete, hatte der Verein ein mit Azethylen betriebene Gaslampen beleuchtetes Segeltuchzelt  aufgestellt.

 

  1. Juli Schankerlaubnis für den Hausdiener E. Abrecht, Burgstr. 8 (StaA Nmb).

 

  1. Juli Gastspiel im Kurgarten-Theater (KöZ)

Zwei Solotänzerinnen vom Korps du Ballet des Großherzogl. Hoftheaters Weimar traten auf.

 

  1. Juli Konzert mit dem Thomas Koschat-Quintett-Leipzig im "Ritter" (NKB)

 

  1. Juli Extra-Konzert mit der Naumburger Stadtkapelle im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Vorstellung von „Bliemchens Badereise nach Kösen“ im Ratskeller (NKB)

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB, StaA Nmb Nr. 348)

Aus diesem Anlass veranstalteten der Kurgarten und die Tanne einen Brunnenfestball. Auf der Festwiese im Park standen die Bewirtschaftungszelte von Hämmerling, der Witwe Schleicher (Rektorberg) und Siebold (Preußischer Hof). Die musikalische Umrahmung hatte die Badekapelle. Zuvor hatte der Musikdirektor Wernicke mit dem Magistrat eine Sonderzahlung von 100 Mark ausgehandelt, unter der Maßgabe, dass die Musiker im schwarzen Rock mit Zylinder auftreten.

 

  1. Juli Extra Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Juli Musikalisch-deklamatorischer Abend im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Juli Bauerlaubnis für die Eckartsbergaer Str. Nr. 15 (StaA Nmb).

Nach Aufgabe der Weinlage am Nikolausberg verkauften die Besitzer ihre zwischen dem Steinbeckschen Anwesen (Nr. 12) und dem Fränkenauer Fronhaus (Nr. 19) gelegenen Grundstücke.  Ein erster Entwurf für die Bebauung stammte vom Zimmermeister Fr. Toepfer, der dann auch zwei Grundstücke erwarb und hier das Rote Schlößchen (Nr. 17 und 18) baute.

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Kammermusikabend im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Mannschießen des Bürgerschützencorps im Kurgarten (NKB)

Für die dreitägige Veranstaltung warb man mit guter Bewirtung und  Schaustellern um zahlreichen Besuch.

 

  1. Aug. Sonderkonzert der Naumburger Stadtkapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Vereinsfest des Verschönerungsvereins in den Saalhäusern (NKB)

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle mit Brillantfeuerwerk im Kurgarten (NKB)

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Italienische Nacht mit Potpourri und Walzerabend im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Bau einer Lachsaufstiegstreppe im Mühlenwehr (NKB)

 

  1. Sep. Abschiedskonzert der sich auflösenden Badekapelle im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Vertrag mit der Thüringer Bahn (WEI RBD K161/6).

Im Zuge des Ausbaus der Kreisstraße nach Lengefeld  sollte hinter dem Gasthaus „Zur Katze“ anstelle des Schrankenüberganges am Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49) ein neuer Schrankenübergang gebaut werden, an dem sich die Bahnverwaltung mit 22.000 RM beteiligte. Den nicht mehr benötigten Fahrweg unterhalb des Jochenberges kaufte die Thüringisch Sächsische AG für Kalksteinverwertung und baute hier Betriebswohnungen (Borlachstr. 50 und 51).

Zuvor wurde die Rudelsburgpromenade vom Bahnhof bis an den Schienenübergang wegen Pflasterarbeiten für den Verkehr gesperrt (KöZ). 

 

  1. Sep. Konzert des Thüringer Solisten Quartetts im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Eröffnung der Bäckerei Ganzeberg, Querstr. II-34 (Schmettaustr. 5) (NKB)

 

  1. Sep. Ende der Kursaison (NKB)

Nach den Badelisten waren es diesmal 2.404 Gäste und damit fast 300 mehr als im Vorjahr, darunter die Söhne des Erbprinzen von Reuß jüngere Linie, Prinz Heinrich XLIII. und Heinrich XLV, der Hofopernsänger Boldt-Hamburg, die Schriftstellerin Frieda Goldstein-Berlin, Freiherr v. Bodewills-Berlin, Bildhauer B. Goldstein-Berlin, Gen.-Ltn. Exz. v. Papperitz-Berlin,  Dr. Franke mit Gemahlin-Mexico, Major Graf Henkel v. Donnersmarck mit Gattin-Breslau, Frau Lueder-New York, Kunstmaler L. Barning-München, Fr. Eisenschmidt-Baku, Prof. Dr. Arthur Schultze-New York, Privat-Dozent Dr. Minor-Moskau, k.u.k. Rittmeister Anton v. Chavanne-Krakau, Verlagsbuchhändler Dr. phil. Troschel-Berlin, Fr. Exz. Präsident Stötzel-Berlin, Gräfin Schwerin-Anklam, Frl. Bieler-Paris, Mr. Jong mit Familie-New York, Pablo Garcia-Bilbao, C. Lueder-New York, Exz. Präsident v. Jebens-Berlin, Baroneß v. Lingk-Breslau,  Prof. Dr. Marseille-Cambridge, Oberste J. u. R. Tschirschky-Berlin, Oberstltn. v. Reppert-Bismarck-Stendal, Exz. v. Lindeiner-Wilden-Berlin, Freiherr v. Forstner-Wülfrath.    

 

  1. Okt. Kunstmeister Christian Friedrich August Törpsch verstirbt (NKB)

Törpsch (Jg. 1816) wurde in Dürrenberg als Salineneleve ausgebildet. Die  anstrengende und vielseitige Ausbildung hat er in einem über zwei Jahre geführten Tagebuch festgehalten (St.-A. Nr. 173). Er durchlief alle zur Saline gehörenden Einrichtungen wie Bauhof, Siedekot, Gradierung und Pumpenturm. Im Siedekot musste er Salzlasten tragen, bei der Gradierung war Schichtdienst zu leisten. Zum theoretischen Teil, den er als Autodidakt bewältigen musste, gehörten Modellbau, Geometrie, Arithmetik, Kalligraphie und Deutsche Sprache. Dazu kamen Vorträge über Mechanik, Zimmererkunst und technisches Vokabular. An bestimmten Sonntagen und an den Feiertagen besuchte er seinen Heimatort und ging regelmäßig in die Kirche zu Pforte. Er verfasste eine Abhandlung zur Salzwerkskunde (St.-A. Nr. 11), mit der er seine Lehrzeit abschloss. Zwischen 1835 und 1840 wurde er als Unterbeamter auf der Saline eingestellt. 1849 stand er in der Kösener Lohnliste neben Zedel als Gradiermeister.  Nach der Einstellung der Saline und der Versiedung der letzten Solevorräte wurde er vom Badedirektorat übernommen. Zu seinen Aufgaben gehörten die Soleförderung, deren Gradierung und die Abgabe an die Badewirte sowie der Betrieb der Wellenbäder, wie aus seiner Dienstinstruktion von 1874 hervor geht. Nach dem  Verzeichnis  des Salzdeputats von 1860 hatte Törpsch 5 Kinder. Seine Ehefrau war nur 14 Tage vor ihm, im Alter von 75 Jahren verstorben.  

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner zum preußischen Landtag (NKB)

Alle 11 Wahlmänner (Ökonom Bäßler, Auktionator Becker, Kfm. Fischer, Bankier A. Krüger, Direktor Paul Kersten, Kfm. O. Koch, Wurstfabrikant A. Matthes, Rentier Rabenalt, Bgmstr. Rudolph, Weinbergsbesitzer Schumann, Gastwirt Weber) vertraten das konservativ-national-liberale Kartell.

 

  1. Okt. Molkereibesitzer Holliger kauft den Rektorberg der Witwe Schleicher (NKB)

 

  1. Okt. Gastspiel des Dreyfuß-Ensembles-Halle im Kurgarten-Theater (NKB)

 

  1. Nov. H. Genth übernimmt die Köhlersche Handelsgärtnerei (Burgstr. 29) (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Die Versammlung beschloss den Verzicht auf das Vorkaufsrecht für einen Streifen der Weberschen Wiese am Bahnhof zur Verbreiterung der Kreisstraße. Zugestimmt wurde dem Antrag des Pächters vom Hotel Kurzhals, Neßmann, den Weg vom Schrankenübergang zur Promenade über das Hotelgelände für die Öffentlichkeit zu sperren.

 

  1. Nov. Max Schumann erlegt einen Adler von 2,5 Meter Flügelspannweite (KöZ)

 

  1. Nov. Konzert der „ Ungarischen Damenkapelle Esterhazy“ bei Kurzhals (NKB)

 

  1. Nov. Abbohrung eines Trinkwasserbrunnen in der Weniger Aue (NTB)

Das Wasser wurde in den Hochbehälter auf der Kukulauer Höhe gepumpt und diente der Versorgung der Domäne.

 

  1. Nov. Wiederentdeckung des Überlaufstollens des Wildwasserschachts (NKB).

Bei der Auffüllung einer Bodensenke in der Loreleypromenade entdeckten Arbeiter den Überlaufstollen unter der Mälzerei (Loreleyprom. 3a). 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Der Einspruch wegen der Errichtung von zwei Zementöfen in der Thüringisch-Sächsischen AG zur Kalksteinverwertung wurde aufgehoben, nachdem der Bezirksausschuss die Genehmigung auf Widerruf erteilt hatte und Kersten zugesichert hatte, dass sich die Staubbelastung in engen Grenzen halten würde. Außerdem wurde das „Ausklingeln“ von Bekanntmachungen durch den Polizeisergeanten eingestellt.

 

  1. Dez. Bruno Schmidt wirbt für das neue Winterlokal auf der Rudelsburg (NKB)

 

1899

 

  1. Jan. Statistik (NKB).

Im vergangenen Jahr wurden 13 Ehen geschlossen und 76 Kinder davon 8 unehelich geboren. Es   gab 50 Sterbefälle darunter 14 Kinder. Die Stadtschule besuchten 390 Schüler, unterrichtet von  5 Lehrern. Die höhere Knabenschule (Dr. Gehrke) besuchten 56 Jungen, die höhere Töchterschule (Vorwerk) 52 Mädchen.     

 

            Einrichtung der Staatlichen Weinbauverwaltung (Weinbaugesellschaft).

Zur Wiederbelebung des Weinbaues richtete der Fiskus in Zscheiplitz bei Freyburg die erste Rebschule ein und übertrug die Leitung dem Weinbauinspektor A. Bebber, einem erfahrenen Önologen. Eine zweite entstand in Pödelist, die später nach Naumburg verlegt wurde. Geprüft wurden die Rebsorten auf Eignung auf unterschiedlichen Böden (Buntsandstein-Muschelkalk) und die Resistenz gegen die Reblaus. Damit begann nach und nach die Aufrebung der Steillagen an Saale und Unstrut.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Beschlossen wurde, den Weg von der Neuen Straße zur Schlunkschen Villa (Villa Eden) und dem Kurgarten „Bergstraße“ zu nennen, die Trennung des Amtes des 2. Lehrers von dem des Küsters, die Zusammenlegung der Verwaltung des städtischen Elektrizitäts- und des Wasserwerks sowie die Anschaffung von Stromzählern. Die dafür erforderlichen 5.000 Mark sollten dem Krankenhausbaufond entnommen und mit 15% verzinst werden. Die Refinanzierung erfolgte durch die Zählergebühren.

 

  1. Jan. Erlass einer neuen Gottesackerordnung der Kirchengemeinde (NKB)

In der Folge wurden die Inhaber von Erbbegräbnisstätten auf dem unteren Teil aufgefordert die Pachten binnen vier Wochen zu verlängern, ansonsten würden diese an die Gemeinde fallen. Das betraf u. a. die Familienbegräbnisse von Therkorn, Graeser, v. Neindorff und Schlunk. 

 

  1. Jan. Beisetzung der Witwe des Generals v. Sperling (NKB)

Anwesend waren ihre Schwiegersöhne General d. Infanterie v. Lewinski, General v. Hindenburg und General v. Mannstein sowie der jüngste Sohn Oberst Kurt v. Sperling.  Später kamen dann auch die sterblichen Überreste ihres Mannes, dem einstigen Generalstabschef des Manteufelschen Armeekorps dorthin.

 

  1. Feb. 800 Gäste beim Maskenball des Gesangsvereins Liedertafel (NKB)

Zwei Tage zuvor veranstaltete der Gesangsverein Anakreon sein Narrenfest im Ratskellersaal.

 

  1. Feb. Kreisausschuss genehmigt den Bau der Zementfabrik (BLK-A. Nr. 72, NKB)

„Um die Bedenken der Gemeinden Kösen und Lengefeld wegen der möglichen Vermehrung der Belastungen durch die Arbeiter der Zementfabrik zu zerstreuen hat die Thür.-Sächs. AG zur Kalksteinverwertung von der Landesschule einen Teil des Äbtischen Holzes erworben, um hier Wohnungen für ca. 100 Arbeiter zu errichten“.   

 

  1. Feb. Brand des Theatersaals vom Kurgarten (NKB).

Trotz des Einsatzes der Spritzen von Pforta und Lengefeld sowie der Feuerwehren von Freiroda und Saaleck brannte der Theatersaal mit der Bühne völlig nieder. Die Brandursache war das  eiserne Rauchrohr des Ofens, das nicht in eine Esse sondern durch die hölzerne Außenwand führte. Lediglich die Restauration mit dem kleinen Saal blieb verschont und bereits 2 Tag veranstaltete der Pächter Hey wieder eine „Ballmusik“.

 

  1. Feb. Hermann Matthies übernimmt die Badekapelle (StaA Nmb. Nr. 348, NKB)

Das Probekonzert war zur Zufriedenheit ausgefallen und so kam es zum Vertragsabschluss mit dem Naumburger Musikdirektor, wobei diesmal nicht vereinbart wurde, dass er vorzugsweise die ehemaligen Musiker der Badekapelle einstellen muss.

Die vereinigten sich zur „Kösener Stadtkapelle“ und veröffentlichten im April eine Anzeige „Das unterzeichnete Musikkorps stellt sich hierdurch mit seiner 15 bis 18 Mann starken Kapelle den Herren Gastwirten, Vereinen, Kooperationen für alle vorkommenden Fälle (.)unter Garantie einer tadellosen Konzert-, Tanz- und Tafelmusik ergebenst zur Verfügung ...“

Daraufhin erklärte Matthies „Einem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich von der Hohen Behörde (.) zum Musikdirektor der Badekapelle ernannt wurde, und infolgedessen (.) meine Tätigkeit mit einer 30 Mann starken Musik-Kapelle aufnehme...“

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Beschlossen wurde die Anpassung der städtischen Stromversorgungsanlagen an die Vorschriften des Verbandes. Damit allen Abnehmer die gleiche Stromstärke unabhängig von der Entfernung vom E-Werk zur Verfügung steht, musste die Anlage von Reihen- auf Parallelschaltung umgestellt werden.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Str. II-6 (Nr. 5) (NKB).

Da sich bislang kein Interessent für das Teichgräber`sche Wohnhaus gefunden hatte, wurde es nun zwangsversteigert. Zuvor sah sich der Konkursverwalter Naumann veranlasst, öffentlich zu  erklären „Nach mir eingegangenen Mitteilungen besteht das Gerücht, daß zu dem zur Gustav Teichgräberschen Konkursmasse gehörenden Hausgrundstück „Waldschlößchen“ genannt, kein freier Zugang bestünde. Ich gebe hiermit die Erklärung, daß das Wegerecht für dieses Grundstück tatsächlich besteht und im Grundbuch eingetragen ist“. Daraufhin erwarb ein Musikdirektor aus  Naumburg das Waldschlößchen für 8.200 Mark.

 

  1. Mär. Inbetriebnahme einer Solefontäne vor der Inhalationshalle (NKB)

 

  1. Mär. Maurermeister Wilhelm Werner verstirbt im 71. Lebensjahr (NKB)

Zu den Bauten, an denen er maßgeblich beteiligt war, gehörten die Kirche, die Schule, der Erweiterungsbau vom „Mutigen Ritter“ und die Villa Corpus.  Die Erbengemeinschaft (Witwe, 7 Kinder) bevollmächtigten den ältesten Sohn zur Weiterführung des Baugeschäftes A. E. Werner.

 

  1. Apr. Die Witwe Barthel erwirbt die „Wilhelmsburg“ (NKB).

Sie zahlte dem Kriegerverein Kaiser Wilhelm 33.000 Mark, der nun in der Lage war, die auf dem Vereinslokal lastenden Schulden abzulösen und die Kreditgeber aus den eigenen Reihen abzufinden. Die Witwe heiratete den Restaurateur Seidig, der dann die Bewirtschaftung übernahm.

 

  1. Apr. Die „Lengefelder Fähre“ wechselt für 17.000 Mark den Besitzer (NKB)

 

  1. Apr. Platzgebühr für Süßigkeits-Automaten im öffentlichen Bereich (NKB)

Damit sollte der Naschhaftigkeit der Kinder Einhalt geboten werden.

 

  1. Apr. R. Colditz eröffnet sein Schuhgeschäft in der Lindenstraße 6 (NKB)

In folgenden Jahr verkaufte er sein bisheriges Domizil Querstraße I-58 (Nr. 3)

 

  1. Apr. Generalversammlung der Sächs.-Thür. AG zur Kalksteinverwertung (NKB)

Beschlossen wurden die Auszahlung einer Dividende von 8 % sowie  die Erhöhung des Kapitals auf 1,5 Mio. Mark wegen des geplanten Baus des Zementwerkes. Außerdem sollte in Freiroda eine Kalkbrennerei mit  15 Kammern und einer 50 Meter hohe Esse gebaut werden.

 

  1. Apr. Der ehemalige Lehrer Zeiger stirbt im 75. Lebensjahr (NKB)

Zeiger stellte das „Rudelsburg-Album“ mit Gedichten aus dem Fremdenbuch der Jahre 1826 bis 1879 zusammen.

 

  1. Apr. Fertigstellung der Kreisstraße Kösen-Großheringen (NKB).

Baubeginn war der 12. Oktober des Vorjahres. Gebaut wurde den Winter über, um rechtzeitig vor Saisonbeginn fertig zu sein. Im Juni erfolgte die Vermessungsabnahme.

 

  1. Mai Eröffnung der Bahnstrecke Bad Kösen – Camburg (KöZ)

Damit gab es nun eine eingleisige direkte Verbindung mit der Saalebahn und erübrigte das Umsteigen in Unterneusulza.

 

  1. Mai Probefahrt des Motorboots (NKB, BLK A. Nr. 879).

Am 09. März erteilte die  Kgl. Wasserbaudirektion Carl Friedrich die Genehmigung zum Betrieb eines Motorbootes und zur Einrichtung von Anlegestellen an der „Loreley“, neben der Fähre zur Johannesquelle, dem „Kuhloch“ und dem Kunoklamm. Das Holzboot das Friedrich noch kaufte und „Loreley“ nannte war 12 Meter lang und 2,2 Meter breit, fasste 30-40 Personen und wurde von einem 4 PS starken Daimler-Petrol-Benzinmotor angetrieben. Täglich gab es 7 Fahrten im 2-Stunden Takt, an den Sonn- und Feiertagen 8 Fahrten.

 

  1. Mai Eröffnung eines Herrenbekleidungsgeschäftes in der Lindenstraße 8 (NKB)

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Saalstr. 62 (Nr. 26), Louis Spannholtz (NKB)

 

  1. Mai Veranstaltungen zu den Pfingstfeiertagen (NKB)

Zur Saisoneröffnung spielte in der „renovierten 380 m² großen Konzert- und Festkolonnade“ im Hey`schen Kurgarten die Badekapelle. Außerdem luden die Wirte der Rudelsburg, der Tanne, vom Rektorberg, der Schönen Aussicht und vom Hotel Kurzhals zum Konzert ein. Trotz ungünstiger Witterung meldete der Wirt der „Katze“ 3.000 verkaufte Bratwürste. 

 

  1. Mai Verpachtung der Burg Saaleck (NKB)

Die zum Rittergut Stendorf gehörende Burg pachtete der Privatdozent Dr. Weber-Leipzig, der im noch einigermaßen erhaltenen Ostturm eine Sommerwohnung einrichten wollte. Gegen die von ihm vorgesehenen neuen Fensteröffnungen wurde protestiert, weil  dies den historischen Anblick verändern würde.

 

  1. Mai. Verlegung des Ramdohr`schen Friseurladens (NKB)

An „frequenter Stelle“ gegenüber der Häunschen Bäckerei zwischen der Straßenunterführung zur Lindenstraße und dem Fußgängertunnel zur Saalstraße lehnte sich das Fachwerk an die Mauer des Bahndammes.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Genehmigt wurde der Antrag der Reichspost auf Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle und die Einstellung eines dritten Nachtwächters.

 

  1. Juni 25jähriges Dienstjubiläum des Weichenstellers Reichenbach (NKB)

 

  1. Juni Beschwerde des Kapellmeisters Franz Schulze (StaA Nmb. Nr. 348, NKB)

Weil einige Gastwirte die „Kösener Stadtkapelle“ engagiert hatten beschwerte sich der Musikdirektor Matthies beim Bürgermeister, worauf dieser der Stadtkapelle weitere Konzerte untersagte. Daraufhin beschwerte sich deren Leiter Schulze unter Verweis auf die Entscheidungsfreiheit der Gastwirte an den Landrat und erklärte öffentlich „Wir fühlen uns veranlaßt, darauf hinzuweisen, dass die Kapelle aus dem alten Kösener Stamm besteht (.) Wenn wir uns daher den Herren Wirten und Vereinen (.) hierdurch  nochmals empfehlen, so sind wir überzeugt, daß wir die Erwartungen unserer Herren Auftraggeber nicht enttäuschen werden...“

  

  1. Juni Übergabe der Fußgängerunterführung am Hotel Kurzhals (NKB).

 

  1. Juni Eröffnung der Friedrich`schen Badeanstalt an der Johannisquelle (NKB)

 

  1. Juni Besucheransturm auf der Rudelsburg (NKB)

Acht Vereine waren mit eigener Kapelle angereist, darunter allein 500 Mann des Thüringer Sängerbundes. Die Gaststätten waren übervoll und sogar das Pfingstwochenende wurde  überboten.

 

  1. Juni Kfm. Karl Koch tritt für Albert Koch in die Fa. F. A. Koch ein (NKB)

 

  1. Juni Tod von Stabsarzt a. D. Dr. Fr. Weise im Alter von 80 Jahren (NKB)

Der hatte sich 1882 hier niedergelassen und das „Logierhaus am Gradierwerk“, später "Thüringer Haus" betrieben.

 

  1. Juni Sommer-Ausflug der Ortsgruppe Leipzig ehemaliger Fürstenschüler (NKB)

Dazu gehörten neben den Portensern, die St. Afraner (Meißen) und die Grimmenser mit Ehegattin. 

 

  1. Juni Tod des Oberstleutnants Eugen Cäsar Waldemar v. Neindorff (Sterbereg.)

Der Stammbaum derer von Neindorff reicht zurück bis ins Hochmittelalter, wo sie zum  Hofstaat Heinrich des Löwen gehörten. v. Neindorff, Ehrenritter des Johanniterordens war seit 1878 hier ansässig und hinterließ eine nicht unbedeutende Antiquitätensammlung.

 

  1. Juni Eröffnung des Süßwarengeschäfts Rudelsburgprom. I-81 (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Juni Tod des Zimmermeister Friedrich Toepfer im 59. Lebensjahr (NKB).

Der gebürtige Kölledaer hatte sich 1868 niedergelassen. Seit 1872 war der einer Freimaurerloge angehörende Töpfer Kirchenältester und Kassierer der Kreissynode, seit 1874 Stadtverordneter, seit 1881 Obermeister der Gesamtinnung und seit 1891 Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr. Der Veteran der Krieg 1866 und 1870 war Ehrenmitglied beider Kriegervereine und hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Ortsbildes. Dazu gehören rund 30 Villen in der K.-Kruse-, der R.-Breitscheid-, der Eckartsbergaer Straße und in der Rudelsburgpromenade, sowie die Beteiligung an der Errichtung der Denkmälern auf der Rudelsburg und dem Gedenkstein für den Herzog von Braunschweig. Die Immobilien fielen an die Erbengemeinschaft, die Firma übernahm sein Sohn Ernst.

 

  1. Juni „Riesen-Pracht-Feuerwerk“ anschließend Konzert im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Eröffnung eines Musikautomatenladens in der Rudelsburgpromenade (NKB)

Der Inhaber übernahm auch das „Kaiser-Panorama“ eine wöchentlich wechselnde Schau von Bildern  aus fernen Ländern.

 

  1. Juli 2.500 Mark zum Besten der Diakonissenstation im Kurgarten (NKB)

Dazu hatte die Kaiserin, die die Großherzogswitwe von Weimar und die Herzogin v. Mecklenburg-Schwerin Gaben beigesteuert.  Wenige Tage später folgte ein Extrakonzert zum Besten der Kinderheilstätte im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Zwischenhalt des Präsidenten des japanischen Herrenhauses (NKB)

Auf der Rückfahrt vom Besuch des Großherzogs von Sachsen-Weimar speiste Fürst Atsumaro Konoye im „Mutigen Ritter“ zu Mittag.

 

  1. Juli Ehrenbürger v. Feilitzsch schenkt der Stadt ein Ölbild mit dem Kaiser (NKB)

Gemalt vom Bückeburger Hofmaler H. Schwiering (1860-1949), einem Schüler der Düsseldorfer Schule.

 

  1. Juli Verkauf des Kurgartens (NKB)

Erwerber war der Pächter der „Katze“ O. Schwarze, dessen Zeitpachtvertrag auslief. Der Kaufpreis betrug 46.000 Mark. Obwohl die Übergabe erst am 1. Oktober erfolgen sollte, begann Schwarze umgehend mit dem Wiederaufbau des im Frühjahr abgebrannten Theatersaals.

 

  1. Juli Konzert des Ensembles „Queen Victoria“ aus England bei Kurzhals (NKB)

 

  1. Aug. Dr. Schütze erwirbt das Haus vom Postmeister Müller (Lindenstr. 17) (NKB)

Er zahlte 27.000 Mark und wollte ein Sanatorium für Nervenleidende einrichten. Da er im gleichen Jahr zum Generalsekretär des Allg. Deutschen Heilbäderverbandes gewählt wurde, nahm er davon Abstand, richtete hier seinen Wohnsitz ein und übergab die „Ökonomie seiner Anstalt einer bewährten Dame“.

 

  1. Aug. Verpachtungsanzeige für die „Katze“ mit der Fähre (NKB).

Der Rittergutsbesitzer Hauptmann v. Schönburg hatte das Anwesen der Sächs. Thür. AG zur Kalksteinverwertung in Dauerpacht gegeben, die nun ihrerseits anstelle von O. Schwarze einen Unterpächter suchte. Die Jahrespacht betrug 4.500 Mark und außerdem wurde ein umfangreicher Ausbau angekündigt. 

 

  1. Aug. Zwischenstopp der Automobilfernfahrt Paris – St. Petersburg (NKB)

Die Teilnehmer mit Fahrzeugen der Fa. Dietrich & Comp. Lunèville übernachteten im Mutigen Ritter.

 

  1. Aug. Ausschreibung der Pacht der Bahnhofswirtschaft (NKB)

Die Bahnverwaltung entschied sich für den Erfurter Emrich, der das Doppelte der bisherigen Pacht  geboten hatte (1500 Mark), obwohl auch Gebote mit dem Fünffachen abgegeben wurden. 

 

  1. Aug. Sitzung des Schöffengerichts zur „Kösener Stadtkapelle“ (StaA Nmb. 348)

Nachdem der Bürgermeister die Bezeichnung „Stadtkapelle“ untersagt und ein weiteres Auftrittsverbot angeordnet hatte, klagte Schulze vor dem Amtsgericht. Daraufhin ordnete das Gericht die Vorladung der von Schulze benannten 14 Musiker und einen Musiksachverständigen an, um die Eignung der Kapelle festzustellen, die der Bürgermeister vehement bestritt.

 

  1. Aug. Bekanntmachung des Pfortaer Amtsverwalters (NKB)

„Die Maul- und Klauenseuche  unter den im Fränkenauer Göpelhaus zu Kösen untergebrachten Ochsen ist erloschen“. Demnach bestand noch immer der Ochsengöpel in der Saalstraße, mit dem das Wasser zur Domäne gepumpt wurde.

 

  1. Aug. 60jähriges Vereinsjubiläum der „Liedertafel“ im Kurgarten (NKB).

Die Gründung erfolgte im „Haasenritterschen Etablissement“, das auch unter dem neuen Besitzer Häun Vereinslokal geblieben war. Die im Beisein von 1.300 Gästen geweihte Vereinsfahne, bestand aus schwerer Seide, zeigte die Germania und den Spruch „Im Liede stark, deutsch bis ins Mark – 1839-1899“.

 

  1. Aug. Erschließung einer Solequelle am Buchholz (NKB)

Bei einer Tiefbohrung bis zum Zechstein stieß man bei 623 Metern auf eine 24grädige, gesättigte Salzsole, die Landgrafenquelle“. Die Stadtverwaltung erwog daraufhin die Einrichtung eines Bades und im dortigen „Waldschlößchen“ wurde das erste Brunnenfest begangen.

 

  1. Aug. Wahl des Feuerwehrkommandeurs (NKB 1910, Festschrift d. FFW).

Nachdem Ernst Töpfer ablehnte, wurde der Kaufmann K. Koch gewählt. Ein Jahr später erklärte Toepfer sich dann doch bereit.

 

  1. Sep. Beschluss zur Halbierung der Kurtaxe zur Belebung der Frequenz (NKB)

 

  1. Sep. Die Stadtverordneten beschließen eine Versicherung der FFW-Leute (NKB)

 

  1. Sep. Explosion eines Lokomotiven-Kessels (NKB)

Das geschah kurz nach der Ausfahrt, glücklicherweise ohne Personenschaden. Bereits nach 40 Minuten war eine Ersatzlok aus Naumburg eingetroffen und die Weiterfahrt konnte erfolgen. 

 

  1. Okt. Curt Jahn-Halle pachtet die „Katze“ samt Fähre für 4.500 Mark (NKB)

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden die Erhebung von Gebühren für die baupolizeiliche Prüfung und Genehmigung von Bauanträgen und der Beitritt zum Städteverband der Provinz Sachsen.

Der zurückgetretene Ratsschöffe Heinrich Siebold (geb. 1820), der 1862 von Eschwege zuzog und sich seit 1868 als Stadtverordneter, Ratsschöffe, Kirchenältester und Mitglied der Badedirektion  betätigte, wurde zum Stadtältesten ernannt, doch nur 4 Tage später verstarb er.

 

  1. Okt. Der Arzt Ernst-Dresden erwirbt die Körnersche Villa (Salinenstr. 7) (NKB)

Er bezahlte 32.000 Mark und richtete ein Sanatorium für Naturheilmethoden mit Pensionsbetrieb ein.

 

  1. Okt. Letzte Badeliste der Saison (NKB).

Demnach waren es 2.552 Badegäste, 1.984 Passanten und 290 Kinder in der Kaiserin Auguste Viktoria Kinderheilstätte. Das Bad Sulza meldete 2.212 Badegäste. Namhafte Gäste waren S. Erlaucht Graf Otto v. Stolberg-Roßla und  auch in diesem Jahr die Tochter des Erbprinzen Reuß jüngere Linie Louise Adelheid. Im Juni reiste unter dem Pseudonym Fr. Rittergutsbesitzerin Gräfin v. Grabow I. Kgl. Hoheit Herzogin Friederike Wilhelmine Alexandrine v. Mecklenburg-Schwerin, geb. Prinzessin v. Preußen  mit ihren drei Enkeln, den Prinzen Heinrich XXXVII, XXXVIII, und XLII Reuß j. L. samt Gefolge und Dienerschaft an. Sie nahm Quartier im Haus Rheingold. Hierher besuchten sie auch ihre Neffen, die Herzöge Adolf Friedrich und Heinrich.

Außerdem waren anwesend der Direktor der Provinzial-Hebammen-Anstalt Dr. med Max Langerhans mit Gattin-Celle, Fr. Milick und Kfm. Ecklund-St. Petersburg, Dr. H. v. Hopfen-Lichterfelde, Prof. Dr. Grafenhain-Karlsruhe, Hofrat Lesky-Kötzschenbroda, Freiherr v. Neurath-Stuttgart, Prof. Dr. Koch-Berlin, Dr. med. Paul Hampel-Riga, Stiftsdame Gräfin Elisabeth von Brühl-Greiz, Hüttendirektor Max Ehrhardt-Rothenburg a.d. Saale, Oberstltn. v. Etzdorff-Charlottenburg, Frl. v. Holtinger-Bel Air bei Vervey, Miß Morgan mit den Kindern des Grafen Bernsdorff-Berlin, Freifrau v. Salmuth-Naumburg, Freiherr A. v. Siepold-Schloß Leipheim, Mr. Spearman Hauptmann der British Army-London, Baronin v. Walderen-Rengers mit Familie und Bedienung-Berlin, Gräfin v. Trotha mit Tochter und Bedienung-Berlin, Baron von Senff zu Pilsach-Neidschütz, Freiin Senff zu Pilsach-Berlin, Graf Erich und Gräfin Elisabeth v. Reischach-Breslau, Eugenie Brand-Moskau, Prof. Dr. Carl Steffen-Leipzig, Gräfin Dohna-Berlin, Graf Henkel v. Donnersmark, Frl. v. Lieven-Mitau, Schriftsteller Dr. Rethwisch-Berlin, Dr. Löffler mit Familie-Mexiko, Prof. Dr. Milewski-Berlin, Frl. Douchin-Lodz, Freiherr Walter v. Seckendorff-San Colombano, Geh. Hofrat Dr. Rudolf v. Gottschall-Leipzig, Fr. Staatsrat v. Rougemont, geb. Freiin v. Stein-Lausnitz, Fr. v. Helldorf-Drackendorf, Generalarzt Dr. Sellerbeck-Berlin, Mdm. La Combe-Lausanne.

 

  1. Okt. Nichtöffentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 544)

Dabei ging es um die Verlängerung der Amtszeit des Bürgermeisters, die im kommenden Jahr auslief. Dabei stimmten von den 10 anwesenden Stadtverordneten nur 2 für eine Verlängerung.  Weil ein Ratsschöffenamt nicht besetzt und der zweite Ratsschöffe (Krüger) fehlte, erhob Rudoph Einspruch. Seine Beschwerde beim Landrat hatte Erfolg, die Abstimmung wurde für ungültig erklärt.

 

  1. Okt. v. Schönburg genehmigt die Anlage eines Wanderweg zur Rudelsburg (NKB)

Der verlief nun durch den Wald und der bisher von den Spaziergängern genutzte Weg unterhalb des Hanges gesperrt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Als Nachfolger von Heinrich Siebold  wurde der Kaufmann Otto Koch von Landrat von Dalwigk als Ratsschöffe vereidigt: „Ich Otto Koch schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß nachdem ich zum Ratsschöffen der Stadtgemeinde Kösen gewählt worden bin, ich Sr. Kgl. Majestät, von Preußen meinem allergnädigsten Herrn untertänig, treu und gehorsam sein werde und alle mir vermöge meines Amtes obliegenden Pflichten nach meinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott helfe.“.

 

  1. Nov. Bauvorhaben (NKB)

Weber richtete im Obergeschoss des Ritterbades Pensionszimmer ein und errichtete anstelle der Stallungen den Ostflügel des „Mutigen Ritters“ mit Versammlungsräumen und Gästezimmern. Auch die Sächs.-Thüring. AG für Kalksteinverwertung wollte die „Feldwirtschaft zur Katze“ mit einem Saal und Zimmern erweitern. Schwarze errichtete am „Kurgarten“ einen neuen Theatersaal und Nessmann vom „Hotel Kurzhals“ errichtet eine neue Veranda auf der Parkseite.

Anstelle der Wasserräder wurden moderne Francisturbinen an der Mühle eingebaut (Roßner 1932).

 

  1. Nov. Albert Krüger wird zum Stadtältesten ernannt (Röblitz,1930).

Der Holzhändler (Jg. 1836) war 27 Jahre  als Stadtverordneter und Ratsschöffe tätig. Er starb im März 1900 in Meran.

 

  1. Nov. Der Leiter des Pädagogiums Dr. K. Gehrke verstirbt mit 52 Jahren (NKB)

Im Dezember erklärte seine Witwe „Ich erlaube mir zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, daß unser Institut und Schule, nachdem die Kgl. Regierung die Leitung desselben Herrn Gymnasiallehrer Sachse, dem langjährigen Mitarbeiter meines Mannes übertragen hat, in unveränderter Weise weitergeführt  wird“.

 

  1. Nov. Generalversammlung des Sterbekassenvereins (NKB)

Der Verein hatte inzwischen 650 Mitglieder und ein Vermögen von 43.000 Mark.  Das Eintrittsalter wurde auf 50 Jahre angehoben, das Sterbegeld von 75 Mark ab dem 9. Jahr der Mitgliedschaft gewährt.

 

  1. Nov. Verkaufsanzeige für das „Waldschlößchen“ (NKB)

Nach nur wenigen Monaten zeigt der Musikdirektor Müller den Verkauf des Anwesens mit 11 Zimmern, Pferdestall und Wagenremise wegen Wegzugs. Im Oktober 1900 meldet das NKB den Verkauf für 20.000 Mark.

 

  1. Dez. Die Treibjagd zwischen Fränkenau und Pomnitz bringt 86 Hasen (NKB)

 

           Internationale Postkartenausstellung in Nizza (LDZ v. 12.8.1970).

Die erste  Ansichtskarte mit der Rudelsburg erhielt für die künstlerische Gestaltung eine Silbermedaille.

 

  1. Dez. Postmeister a. D. K. Müller wird Ehrenbürger (Röblitz, 1930).

Müller (geb. 1820 in Freyburg, gest. 1901), der erste Postmeister, war 30 Jahre ununterbrochen als Stadtverordneter und verschiedenen anderen Ämtern tätig.

 

1900

 

  1. Jan. Gewerbeanzeigen (NKB).

Timler eröffnete eine Fleischerei in der Borlachstr. I-70 (Nr. 40), Fritz Bobe übernahm die Heublein`sche Fleischerei, An der kleinen Saale II-13 (Naumburger Str. 2), A. Förster die Bäckerei in der Grünen Gasse (Nr. 2) und Otto Lützkendorf die Bäckerei seines Onkels in der Borlachstr. (Nr. 17). Die Praxis des im Alter von 48 Jahren verstorbenen Zahntechnikers Haacke (Lindenstraße. 8) übernahm Emil Heese. Neuer Pächter der „Katze“ war Kurt Jahn.

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachrichten (NKB)

Im vergangenen Jahr gab es 81 Geburten und 79 Todesfälle, allein im Mai waren es 9 Kinder unter 10 Jahren aber auch der langjährige Pfarrer Wilhelm Barthold. Es wurden 16 Ehen geschlossen, darunter die zwischen Georg August Ludwig Henkel, Oberlehrer zu Pforta und Anna  Louise Wahn.

Die Stadtschule besuchen 392 Kinder.

 

  1. Jan. Inbetriebnahme der Fernsprecheinrichtung (NKB)

Die ersten Verbindungen gab es mit Naumburg, Pforta, der Rudelsburg und Saaleck.

 

  1. Jan. Zauberschau bei Kurzhals mit einem Spiritisten aus St. Petersburg (KöZ)

 

  1. Jan. Abnahme der neuen Bahnhofsanlagen (KöZ)

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Wiederholt wurde die Abstimmung über eine zweite Amtszeit für den Bürgermeister. Von den 12 Stadtverordneten waren 11 anwesend, die geschlossen gegen Rudolph stimmten. Die Stelle des Bürgermeisters sollte mit einem Gehalt von 2.600 Mark ausgeschrieben werden, wogegen der Landrat Einspruch erhob und der Bezirksausschuss das Gehalt auf 3000 Mark und entweder freie Wohnung in der Belle Etage im Rathaus oder eine Mietzuschuss von 500 Mark festlegte. Rudolph zwar noch im Amt, blieb den Stadtverordnetensitzungen fern. Sein Vertreter der Ratsschöffe Rabenalt verlangte aber eine Pauschalvergütung, was die Stadtverordneten rundweg ablehnten, da das Schöffenamt ein Ehrenamt sei. Nachdem der Landrat eingegriffen hatte, einigte man sich auf die Vergütung der ihm effektiv entstandenen und belegbaren Ausgaben (z. B. Reisekosten).

Befürwortet wurde der Antrag von C. Friedrich die Fähre an der Johannisquelle fünf Jahre lang für 100 Mark jährlich zu pachten.

 

  1. Feb. P. Friedrich beginnt mit dem Bau seiner Bootswerkstatt (NTB)

Dazu hatte er einen Streifen des Krügerschen Grundstückes erworben.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Die Toepfer`schen Erben hatten der Stadt die Brunnen in der Friedrich- und Kukulauer Straße angeboten. Eine Annahme wurde erwogen, falls keine finanziellen Forderungen damit verbunden wären.

 

  1. Mär. Musterung der Gestellungspflichtigen (KöZ)

8 Mann wurden für den Landsturm, 5 für die Infanterie, 1 für die Gardeinfanterie, 2 für die Pioniere, 1 für die Fußartillerie, 1 für die fahrende Artillerie und 2 als Ersatzreserve für tauglich befunden. 14 Mann wurden für ein Jahr zurückgestellt und 4 als untauglich ausgemustert.

 

  1. Mär. Der Rennecke`sche Kindergarten begeht das 25jährige Bestehen (NKB)

 

  1. Mär. Öffentliche Stadtverordnetensitzung (KöZ)

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Stelle des Bürgermeisters mit einem Jahresgehalt von 2.600 Mark und freier Wohnung im Rathaus. Dagegen legte die Kgl. Regierung ein Gehalt von 3.000 Mark fest.

 

  1. Apr. Übergabe des Schmettau`schen Hauses an die Diakonissen (NKB, Röblitz).

Bereits im Februar schrieb Jenny v. Gerstenbergk der Oberin des Eisenacher Mutterhauses, dass „betreffs des fraglichen Hauses (.) der erste Anfang dazu gemacht werde“. Nun übergaben Leontine und Constanze v. Schmettau, die Nichten von Ferdinande von Schmettau im Beisein der Oberin des Lazaruskrankenhauses zu Berlin Ordensdame Gräfin Herzberg und Landrat v. Dalwigk das Haus in der Saalstraße (Nr. 6) der Diakonie. Neben der Wohnung der Diakonissin gab es ein  Vereinszimmer, wo der Jungfrauenverein zu „belehrender Geselligkeit mit Gesang und Vorlesen guter Schriften“ zusammen kam. Es gab Kurse fürs Nähen und Stricken, Weihnachtsfeiern und Konfirmandenunterricht fanden statt. Einige Stuben standen erholungsuchenden auswärtigen Lazarus-Schwestern zur Verfügung.

  

  1. Apr. Einführung des kollegialen Magistrats (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Nach dem aktualisierten Ortsstatut schieden die beiden unbesoldeten Ratsschöffen aus der Stadtverordnetenversammlung aus. Dafür rückten zwei neue Mitglieder nach, die dann einen   Stadtverordnetenvorsteher (Roßner) und einen Stellvertreter (Dr. Löffler) wählten. Damit sollte der Einfluss des Parlaments auf die Verwaltung gestärkt werden.

 

  1. Apr. Eigentümer und Inhaberwechsel (KöZ, NKB)
  2. Maul erwarb die Röblitz`sche Villa in der neuen Straße und A. E. Werner verkaufte sein Baugeschäft an Erich Blumentritt.

 

  1. Apr. Stiftung von Kirchenfenstern (NKB)

Zum Gedenken an ihre verstorbenen Angehörigen stifteten die Familie Kumbruch und die Familie des Holzhändlers Albert Krüger die Fenster mit Glasmalerei.

 

  1. Apr. Einsegnung der Killy Manno (NKB, KöZ)

Das Pflegekind der Witwe Barthel, verh. Seidig erhielt den Namen Johanna Maria Manno.

 

  1. Apr. Goldenes Dienstjubiläum S. Exz. Gen.-Ltn. v. Strantz (NKB)

Strantz diente von 1850 bis 1873 beim 1. Schlesischen Jägerbataillion Nr. 5, wurde im Deutsch-Französischen Krieg zum Hauptmann befördert und erhielt das Eiserne Kreuz, 1873 stand er als Major beim Badischen Inf.-Reg. Prinz Wilhelm Nr.112, war 1874 Kommandeur des Mecklenb. Jägerbataillons Nr. 14, 1883 Oberst und Kommandeur des Thür. Inf. Reg Nr. 96 in Altenburg, wurde 1888 zum Generalmajor  befördert und kommandierte  die Inf.-Brigade Mainz. 1890 wurde er in den Armeestab versetzt, und nahm 1891 seinen Abschied.

 

  1. Mai Am Wehrdamm werden zahlreiche Lachse gesichtet (NKB)

Wenige Monate später wurde von den Behörden der Einbau von Lachstreppen an Wehren angeordnet, wogegen die Wassermüller protestierten. 

 

  1. Mai Inbetriebnahme des Motorbootes „Rudelsburg (I)“ (B. Schwarz)

Wegen der starken Nachfrage hatte Friedrich kurzerhand selbst mit dem Bootsbau begonnen. Der erste Eigenbau maß 10,1 x 2,1 m und wurde ebenfalls von einem 4,5 PS starken Daimler-Otto-Motor abgetrieben.

 

  1. Mai Landung eines Gasballons der Militär-Luftfahrtabteilung (NKB)

 

  1. Mai Erstes Gastspiel des Naumburger Stadttheaters im „Kurgarten“ (NKB)

„Erlaube mir mein Lokal allen Gesellschaften und Vereinen zur Abhaltung  von Sommer-Vergnügen bestens zu empfehlen. Großer schattiger Garten, zugfreie Kolonnaden, Billardzimmer, Kegelbahn sowie neuer Saal mit Theaterbühne..“ Bereits im Februar wurde der nach dem Brand neu aufgebaute Saale baupolizeilich für die Geburtstagsfeier des Kaisers freigegeben.

 

  1. Mai Änderung der Gesellschafter der Fa. Christian Krüger oHG (NKB)

Nach dem Tod von Albert Krüger zahlte Paul Krüger dessen Witwe Marie und die Tochter Klara verh. Thomsen aus und war nun alleiniger Inhaber.

 

  1. Mai Besuch des bayerischen Gesandten Graf von Lerchenfeld bei Kurzhals (KöZ)

 

  1. Mai Saisonbeginn (KöZ)

Der „Mutigen Ritter“ war nun: „mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet (.) sämtliche Häuser mit Wasserleitung, elektrischen Licht, genügender Anzahl Zimmer, Restaurationsräume und Säle mit Zentralheizung“. Ebenfalls modernisiert und erweitert war das „Ritterbad“. 

 

  1. Mai Veranstaltungsreigen (NKB)

John der neue Wirt der „Katze“ hatte das Trompeter-Corps des Kgl. Feld-Artillerie Reg. Nr. 55 für zwei Extra-Konzerten verpflichtet, und zeigte an „Einem geehrten Publikum (.) halte ich meine schattigen Gartenlokalitäten bestens empfohlen, großer Saal, geschützte Veranda, und Fähre zum direktesten und schönsten Weg nach der Rudelsburg“. Hier traf sich der Thüringer Alte Herren Verband der Turnerschaften an den deutschen Hochschulen zum Frühlingsfest.

Völkel veranstaltete im Ratskeller einen Ball und in Holligers „Rektorberg“ trafen sich 200 Sozialdemokraten, die meisten aus Naumburg zu einer öffentlichen Volksversammlung, wo der Reichstagsabgeordneten Thiele-Halle zum Kulturkampf im 19. Jahrhundert sprach.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Musikdirektor Moritz Hermann aus Halle (StaA Nmb 348)

Man hatte sich für ihn unter den 170 Bewerbern entschieden, da er zunächst die bisherigen Vereinbarungen (2.000 Mark für die von der Badedirektion veranstalteten Konzerte und Musiken mit bis zu 20 Musikern) akzeptierte. Zur Steigerung der Einnahmen der Kapelle waren Konzerte und Tanzmusiken gestattet. Allerdings war es den Gastwirten freigestellt, welche Kapellen sie für ihre eigenen Veranstaltungen engagierten. Das waren zumeist Militärkapellen der nahe gelegenen Garnisonen  (Naumburg, Weißenfels, Weimar) die oftmals preisgünstiger und musikalisch besser waren. 

Nur einen Monat später erklärte der Kapellmeister „Meine Mitglieder der Badekapelle haben am heutigen Tage beschlossen, für den Preis von 2.000 Mark nicht mehr zu spielen...“, umgerechnet bekamen die Musiker lediglich 75 Pfennige pro Konzert. Daraufhin erhöhte die  Badedirektion die Pauschale auf 3.000 Mark.

 

  1. Juni Eröffnung der Flussbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade (StaA Nmb).

Carl Friedrich hatte die Anlage an der Johannisquelle der Stadt verkauft, die sie zwischen dem Stichkanal zum Holzwerk von Graf & Döhler und dem Gräfeschen Grundstück wieder aufbaute.

 

  1. Juni Das Motorboot bleibt am Seil der Katzenfähre hängen (NKB)

Fast wäre das vollbesetzte Boot gekentert. Ein Woche später gab der Wirt einer öffentliche Erklärung ab „Da die während des Hochwassers auf der Saale verkehrenden Motorboote direktionslos gegen meine Fähranstalt angetrieben kamen und eins davon kenterte (.) und dadurch meinen Fährbetrieb mit gefährdete, war ich im Interesse der Sicherheit des Publikums gezwungen, diesen einige Tage einzustellen. Nachdem nun endlich die Motorboote seitens der Strompolizei angehalten worden sind, ihre lebensgefährliche Fahrtgeschwindigkeit wenigstens dann einzustellen, wenn sie talwärts an meiner Fähre vorüber fahren, habe ich mit dem heutigen Tag den Fährbetrieb wieder eröffnet…“

 

  1. Juni Beschluss des KSCV zur Erneuerung des Kaiser-Wilhelm Denkmals (NKB)

Die Witterung hatte das Denkmal stark mitgenommen, so dass man einen neuen Obelisken plante und dafür 36.000 Mark bereitstellte.

 

  1. Juni Explosion im Kurgarten (NKB)

Bei der Demontage des Behälters für das Azethylengas der Beleuchtungsanlage entzündete sich der im Tank vorhandene Rest. Dabei kamen die Männer ums Leben.

 

  1. Juni Ernennung von Dr. Pahnke zum Superintendenten der Diözese (KöZ)

Pahnke wurde am Anfang des Jahres als geistlicher Inspektor der Landesschule eingeführt.

 

  1. Juli Festspiel anlässlich des 30. Jahrestages des Deutsch-Franz. Krieges (NKB)

An 6 Tagen zeigten rund 100 Angehörige der beiden Kriegervereine samt deren Familien begleitet von der Badekapelle an mehreren Tagen im Kurgartensaal verschiedene Szenen des Krieges

 

  1. Juli Graf & Döhler produzieren Stab- und Parkettfußboden (NKB)

 

  1. Juli Großherzog Carl Alexander besucht Jenny v. Gerstenbergk (NKB)

Beide kannten sich aus der Zeit als Jennys Vater Georg Friedrich Müller genannt v. Gerstenbergk (1778-1838) zum Gefolge des großherzoglichen Hofs gehörte. Jenny, die sich hier niedergelassen hatte, besaß noch eine kleine Wohnung in Weimar und besuchte den großherzoglichen  Hof. Beide hatten eine enge Verbindung zur Goethes Schwiegertochter und dessen Enkeln. 

Nachdem der letzte Enkel Walther Wolfgang verstorben war und in seinem Testament festgelegt hatte, dass der schriftliche Nachlass der Familie v. Goethe dem Großherzogtum zufallen sollte (Grundstock des vom Großherzog und seiner Gattin eingerichteten Goethe-Schiller-Archivs), schrieb der Großherzog 1897 an J. v. Gerstenbergk „Das Testament Walther v. Goethes hat mit dem Augenblick, da es bekannt wurde in Weimar ein neues Leben erweckt. Ich kann  es nicht besser charakterisieren (.) als ob die Seele des größten deutschen Dichters, die Seele Goethes wieder eingezogen ist in dieser Stadt“. Jenny, die sich schriftstellerisch betätigte, überzeugte den Großherzog, seine Erinnerungen an die Enkel Goethes ihr zur Veröffentlichung zu überlassen und ihr zu erlauben, Einsicht in den Nachlass zu nehmen. Nach etlichen Schwierigkeiten mit dem Verlag und dem nach ihrer Ansicht zu geringen Honorar erschien 1901 „Ottilie v. Goethe und ihre Söhne Walther und Wolfgang in Briefen und persönlichen Erinnerungen“. Im gleichen Jahr verstarb der  Großherzog, der letzte Repräsentant des „silbernen Zeitalters“Weimars.

 

  1. Juli Ausschreibung für das Verwaltungsgebäude der Sächsisch.-Thür. AG (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Abgelehnt wurde der Antrag der Landesschule, den Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber über den Uferstreifen am „Mutigen Ritter“ entlang der kleinen Saale zu übernehmen.

Der ausgeschiedene Bürgermeister Rudolph, der nach Halle in den Militärverwaltungsdienst wechselte, verlangte die Vergütung seiner Stelle für das 3. Quartal, da er sein Amt am 4. Juli angetreten habe und es daher auch erst an diesem Tag endet. Das lehnten die Stadtverordneten ab, weshalb Rudolph klagte und vor Gericht Recht bekam.

Außerdem wurde festgelegt, dass die Restaurateure die Tage an denen die Badekapelle bei ihnen spielt, selbst bestimmen könnten, wenn sie eine Gebühr von 10 Mark zahlen.

 

  1. Juli Zwischenstopp des Schahs von Persien bei der Durchreise (KöZ)

Wegen einer Überholung hielt der Zug mit dem Schah, der die Zeit für einen Spaziergang in Begleitung eines Bahnbediensteten nutzte. 

 

  1. Juli Sattlermeister Karl Gustav Sträuber verstirbt im Alter von 63 Jahren (NKB)

Nachdem ein freiwilliger Verkauf des Nachlasses scheiterte, wurden im Oktober die seine seinen beiden Häuser zwangsversteigert. Die Lindenstraße 23 erwarb Zimmermeister Kotte für 14.100 Mark, die Lindenstr. 27 der Vorschußverein für 20.000 Mark.

 

  1. Aug. Aufstellung eines Phonographen in der Sommerhalle des Bahnhofs (NKB)

Auf der Erzgebirgsausstellung in Zwickau erhielt der von Richard Fischer-Kösen konstruierte Apparat eine Silbermedaille.

 

  1. Aug. Kur I. Kgl. Hoheit Herzogin Alexandrine Mathilde v. Württemberg (NKB)

Die Tochter des Herzogs Eugen und der Prinzessin Helene v. Hohenlohe-Langeberg (1829-1913) war Äbtissin des Stifts Oberstenfeld b. Marburg und hatte sich mit Gefolge im Mutigen Ritter einlogiert. 

 

  1. Aug. Freigabe der „Kuhlochbrücke“ (KöZ)

Damit war die durchgängige Straßenverbindung nach der Landesgrenze fertiggestellt.

 

  1. Aug. Zwischenaufenthalt des Fürsten Atsumaro Konoe (1863-1904) (NKB)

Auf der Rückfahrt von Weimar übernachtete der Präsident des japanischen Herrenhauses und Gesandter des Tenno mit seiner Gattin im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Aug. Verkauf des Bibraer Badeanstalt (NKB)

Weil die Teilhaber der Aktiengesellschaft zur Hebung des Badebetriebes wegen fehlender Gewinne nicht mehr bereit waren, das Bad finanziell zu unterstützen, verkaufte der Vorstand die Einrichtung (10 Badezellen, Dampfheizung, Wohnhaus und Kurgarten). Erwerber war die Stadtgemeinde Bibra, die vor der Entscheidung stand, entweder das Bad eingehen zu lassen oder die Kosten auf den Steuerzahler umzulegen. Doch auch danach war der Betrieb des Stahlbades im Vergleich zu  den benachbarten Solbädern unbedeutend. 

 

  1. Aug. Inbetriebnahme des Zementwerkes (NKB)

Für den Bau des Zementwerkes hatte man 100 Arbeiter aus Italien angeworben, die nun wieder in die Heimat zurückkehrten. Für die Produktion suchte die Sächs.-Thür. AG für Kalksteinverwertung 100 Arbeiter „bei guten Lohn“. Die bezogen dann die beiden kasernenartigen zweigeschossige Gebäude, wo vorher die Italiener untergebracht waren.  Jedes verfügte über 9 beheizbare Schlafsäle für jeweils 20 Mann, beheizbare Waschräume, zwei Krankenstuben, ein Arztzimmer und eine Kantine.  Das Frühstück kostete  10 Pfg. das Mittagessen 40 Pfg. und das Abendbrot 15 Pfg. dazu kamen 10 Pfg. für die Übernachtung, mithin 75 Pfg. pro Tag, gemessen am Verdienst und den sonstigen Lebenshaltungskosten galt das in der damaligen Zeit als „Wohlfahrtseinrichtung“.  

Am 04. Oktober wurde der erste Zementwaggon abgefertigt (NTB 1925). Gleichzeitig begann die Erschließung des Tagebaus am Äbtischen Holz. Der Wald wurde gerodet, das  Holz meistbietend verkauft.

 

  1. Sep. Ausschreibung der Stelle des Badewärters (NKB, KöZ)

Er war zuständig für das Gradierwerk, den Borlachschacht, die Wasserräder, die Wellenbäder und die Röhrenfahrten.  Das Jahresgehalt betrug 800 Mark zusätzlich freie Wohnung.

 

  1. Sep. Der Rennecke`sche Kindergarten zieht in die Uferstr. 5 (NKB)

 

  1. Sep. Groetz`sche Stiftung (NKB)
  2. Groetz-Gera, die seit 26 Jahren regelmäßig zur Kur kam, stiftete 500 Mark für das städt. Krankenhaus.

 

  1. Sep. Experimental-Vortrag über Röntgenstrahlen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Stadtverordneten lehnten die Verlegung der Reichstelegrafenleitung in der Lindenstraße und der Borlachstraße ab und votierten für die Verlegung in der unbefestigten kleinen Promenade, zumal von hier aus das Postamt und der Bahnhof gleichermaßen erreichbar waren. Außerdem sollten die Arbeiten möglichst nicht  während der Saison erfolgen.

Außerdem beschlossen der Magistrat (Rabenalt, Koch) und die Stadtverordneten (Roßner, W. Becker, M. Schumann, Ohm, Fr. Wolf, Hädicke, Hämmerling, Dr. Löffler, H. Weber, P. Kersten) das der Aufsichtsbehörde vorzulegende neue Sparkassenstatut. Inzwischen waren 1503 Sparbücher hinterlegt, darunter 19 Stück mit Einlagen zwischen 3.000 und 10.000 Mark.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-52 (Nr. 15) Böttcher Bönicke (NKB)

Den Zuschlag bekam der Naumburger Kaufmann O. Toepfer für 12.000 Mark. Allerdings  überstiegen die Forderungen das vorhandene Vermögen und das Gericht ordnete die Einstellung des Verfahrens mangels Masse an.

 

  1. Sep. Einstellung des Motorbootverkehrs wegen widrigen Wassers (NKB)

 

  1. Okt. A. Piper übernimmt die Vorwerk`sche höhere Töchterschule (NKB)

Gleichzeitig erwarb der Architekt Schneider-Weimar das Waldschlößchen.

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzten Badeliste der Saison (NKB)

 Insgesamt wurden 4.770 Besucher gemeldet, davon rund  2.400 Badegäste, darunter Frl. Gabaroff und Frl. Tamascheff-Tiflis, Kgl. Dänischer Generalkonsul Koch-Stralsund, K. Luckenbacher-New York, Fr. Major Lucas-Galizien, Freiherr v. Seydlitz und Gemahlin geb. Freiin v. Knobelsdorff,  Gräfin v. Montault, Siegfried Graf zu Eulenburg, Baronin v. Esebeck-Liebenwerda, Privatier v. Wedel-Florenz, Hofjuwelier Werner-Berlin, T. Amplett-Kiew, General-Ltn. Lademann-Neubabelsberg, Journalist Lykke-Kopenhagen, Graf Baudissin-Dessau, Exz. Baronin v. Vietinghoff-Scheel-Kurland,  General-Ltn. v. Pfuhlstein-Rochsburg, Hr. Fourmereau-Vevey, Prof. Dr. phil K. Bauer-Hildesheim, Herr Oberst und Frl. E. Ackermann-Riga, Fr. Fuchslocher mit Tochter-Osorno-Chile, Frau Prof. v. Szymanowska-Warschau, Charlotte v. Ribbeck auf Ribbeck, Fraufrau v. Bülow-Leipzig, Freiin Senff v. Pilsach-Sandow, die Witwe des ehem. Ober-Präsidenten der Provinz v. Boetticher, Geheimrat Prof. Dr. Fick-Würzburg, Mdm. Fronnent und Beckhout-La Haye, Porträtmaler Joseph Michael-Berlin, Reichsgerichtsrat v. Bülow-Leipzig, General v. Sperling-Wiesbaden, Major v. Helldorf-Wolmirstedt.  

Besonders hervorgehoben wurde die Anwesenheit des Chefs des Kgl. Preuß Berg-, Hütten- und Salinenwesens, Ministerialdirektor und Oberberghauptmann Friedrich Freund, der Sohn des ehemaligen Rendanten der Kösener Saline.   

In einer Zeitungsmeldung hieß es außerdem „Die amtliche Badesaison hat zwar mit dem 30. September ihr Ende erreicht. In Rücksicht auf die Anwesenheit  einer Anzahl Kurgäste wird aber immer noch Gelegenheit zu Bädern gegeben. Ebenso ist die Lese-und Inhalierhalle bis auf weiteres geöffnet. Ein recht empfindlicher Mangel an kleinen und mittleren Wohnungen macht sich  hier geltend und drückt besonders das Beamtentum (Lehrer, Bahn, Post). Zu den Sätzen des fiskalischen Wohngeldes von 300 Mark für Beamte und 180 Mark für Unterbeamte sind auch nicht annähernd Wohnungen zu verschaffen. Selbst einfache Arbeiterfamilien können zu letzteren Preisen sich nicht unterbringen. Dagegen sind herrschaftliche Quartiere unschwer zu haben…“

 

  1. Okt. Ausschreibung für 100 Schock (6000 St.) Dornwellen (NKB)

 

  1. Okt. Beschluss zur Errichtung eines Denkmals für Therese Berbig (NKB)

Sie hatte 12.000 Mark für den Bau der Leichenhalle gegeben und der Stadt weitere 36.000 Mark  vermacht. Das Geld wurde als Stiftungskapital für die Bürgerschule, das Armenhaus, das Krankenhaus, zum Bau einer Kinderbewahranstalt sowie ihre Grabpflege angelegt.

In der Sitzung legt der Schuhmachermeister und vereidigte Auktionator Wilhelm Becker nach 25 Jahren sein Mandat als Stadtverordneter nieder.

 

  1. Nov. Postmeister Eckleben geht in den Ruhestand (NKB)

Nachfolger wurde der Postmeister Weber.

 

  1. Nov. G. Bernhardt übernimmt Geitners Weinstube (Schmettaustr. 12) (NKB)

Die nannte sich nun „Altdeutsche Bier- und Frühstücksstube“.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (KöZ. BLK-Ar. Nr. 544, NKB)

Genehmigt wurde der Anschluss des  Rathauses an das Fernsprechnetz, die Pflasterung der Fußwege in der Borlach- und Burgstraße mit Mosaikpflaster, der Bebauungsplan für den Jochenberg und die Verabschiedung eines Schreibens an die Thüringer Bahn betr. des Weiterbestandes des eingezogenen Schrankenübergangs am Waplerschen Haus (Borlachstr. 49).

 

  1. Nov. Bürgerversammlung zur Stadtverordnetenwahl im Kurgarten (KöZ)

Paul Kersten begründete die hohe Verschuldung der Stadt in der Amtszeit des Bürgermeisters Rudolph, infolge der Kredite für die Trinkwasser- und Stromversorgung.

 

  1. Nov. Straßensperrung wegen der Verlegung der Reichstelegrafenleitung (NKB)

Das betraf den Abschnitt von der Saalebrücke zum Heckenberg`schen Haus unter der Bahnunterführung bis zum Puttrich`schen Anwesen (Lindenstr. 3).

 

  1. Nov. Kaufantrag an die Bahndirektion (BLK-A. Nr. 294)

Entlang der gegenüber vom städtischen Wasserwerk errichteten Häuser (Borlachstr. 44-46) sollte der Fahrweg entsprechend den baupolizeilichen Vorschriften auf 16 Meter verbreitert werden. Dazu brauchte man einen Landstreifen sowie die Genehmigung den von der Mausebrücke  kommenden Flutkanal zu überbauen. Obwohl dafür keine Genehmigung erteilt wurde, veranlasste der Magistrat die Verrohrung.

 

  1. Dez. Volks-, Vieh und Obstbaumzählung (NKB, KöZ)

Nach dem endgültigen Ergebnis gab es 2.901 Einwohner, 1.234 Männer und 1.667 Frauen. Es gab 343 bewohnte und 7 unbewohnte Häuser, 653 Haushalte mit zwei und mehr Personen und 109 Einzelhaushalte, davon 17 mit Männern und 92 mit Frauen, sowie 10 Gasthöfe und sonstige Anstalten. Der überwiegende Teil der Einwohner war evangelisch. Lediglich 57 waren katholisch und 7 gehörten sonstigen christlichen Religionen an.

In 219 Haushalten wurde Vieh gehalten, 57 Pferde, 15 Esel, 28 Kühe, 2 Schafe, 245 Schweine, 38 Ziegen, 758 Stück Federvieh, 145 Bienenvölker sowie 9.122 Obstbäume.

 

  1. Dez. Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 544, NKB, KöZ).

Dabei ging es um eine Baugenehmigung für den Neubau des Wohnhauses Borlachstraße 3, die der Magistrat ohne vorherige Absprache mit der Baudeputation erteilt hatte und sich darauf berief, dass die Genehmigung neuerdings die Königl. Kreisbau-Inspektion erteilt. Dennoch beharrte die  Baudeputation, darauf, dass bei Einhaltung der Gebäudeflucht die Einengung der Straße für Fuhrwerke und Passanten eine Gefahr darstellt. Weil der Streit eskalierte, beendete der Stadtverordnetenvorsteher Roßner die Sitzung wegen „ungehörigen Tons“ und verlegte sie auf den 8. Dezember.  

 

  1. Dez. Rentier Friedrich Heun verstirbt (Sterbereg. Röblitz, 1930).

Heun wurde 1814 in Teuditz bei Dürrenberg geboren. Sein Großvater Bergrat Friedrich Wilhelm Heun (1741-1812) war Vizedirektor der kursächsischen Salinen und Besitzer des Rittergutes Teuditz.  Sein Vater Heinrich Georg Heun, geb. 1787 war ein Schüler von J. B. Trommsdorf, mit dem er die chemische Fabrik in Teuditz betrieb. 1819 pachtete er die chemische Fabrik der Saline Kösen und eröffnete 1829 die erste öffentliche Warmbadeanstalt (Eckartsbergaer Str. 3). 

Friedrich Heun pachtete nach seinem Chemiestudium in Wien und Gießen bei Liebig 1842 die chemische Fabrik der Saline bis zu deren Einstellung. Er war von 1876 bis 1886 Stadtverordneter und wohnte in der Borlachstr. 43, wo er sich in seinem Laboratorium mit chemischen Studien beschäftigte.

In seinem Testament vermachte er der Stadt 18.000 Mark für die Schule und 3.000 Mark für das Krankenhaus. Dagegen legten die nicht bedachten Erben beim Bezirksausschuss Widerspruch ein.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Zum Erhalt des Pädagogiums nach dem plötzlichen Tod von Dr. Gehrke am 23. 11. 1899 im Alter von 51 Jahren, wurde im vertraulichen Teil beschlossen, potentielle Interessenten die Unterstützung der Stadt beim Erwerb und der Weiterführung in Aussicht zu stellen. In Gegenzug sollte die Witwe Gehrke eine notariell beglaubigte Zusicherung abgeben, dass sie nur an einen Interessenten verkauft, der das Pädagogium weiterführt.

Beschlossen wurde außerdem, dem Ratsschöffen Rabenalt den nachgewiesenen Aufwand als stellvertretender Bürgermeister zu vergüten, eine Pauschalierung wurde abgelehnt. Entsprechend der Auflage der Oberbehörde wurde nun 3000 Mark Gehalt für den neuen Bürgermeister bewilligt.

 

1901

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachrichten (NKB, KöZ)

Es wurden 21 Ehen geschlossen, darunter die des Zimmermeister Ernst August Toepfer mit Julie Henriette Auguste Hämmerling und der Bootsbauer Karl Friedrich heiratete  Therese Poppendieck. Es gab 80 Geburten und 75 Todesfälle, darunter einer der letzten Unterbeamten der Saline, Gradiermeister August Quarg (78), Kfm. Fr. Matthes, der Direktor der Fa. Fr. Matthes Erben (42)  Vally Freiin v. Stein-Lausnitz,  der ehemalige Schularzt Geh. Rat Dr. Zimmermann, der seit 1883 im Schmettau`schen Haus wohnte, aber auch viele Kinder, allein im September waren es 7 Kleinkinder im ersten Lebensjahr. Die Stadtschule meldete 400 Schüler, das Gehrke`sche Institut 40 Knaben und die Vorwerk`sche/Piper`sche Töchterschule 58 Schüler. 

 

  1. Jan. Festkommers zum 200. Gründungstag des Königreichs Preußen (NKB)

 

  1. Jan. Eisgang auf der Saale (NKB)

Das aufbrechende Eis türmte sich an der „Katze“ mehrere Meter hoch und staute die Saale die über die Ufer trat und die „Katze“ überflutete. Eine zweite Eisbarriere bildete sich am Kunoklamm.

 

  1. Jan. Gutachten zur Solequelle Bergrat Prof. Beyschlag (Solequellen IHU 1992).

Weil sich die Konzentration der Sole des oberen Schachtes ständig verschlechterte, hatte der Magistrat den Präsidenten der Preußischen Geologischen Landessanstalt beauftragt, Vorschläge zur qualitativen und quantitativen Verbesserung der Solezuflüsse zu erstellen. Beyschlag erklärte, ohne sich vor Ort näher mit der Angelegenheit zu befassen, dass der Gewinnungshorizont ausgelaugt und keine Verbesserung möglich sei. Er empfahl die Niederbringung einer Tiefbohrung in das Röt  bzw. in den Zechstein auf dem linken Saaleufer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (KöZ)

Um das Amt des Bürgermeisters bewarben sich 13 Juristen, 28 amtierende Bürgermeister, 22 Offiziere und 67 Beamte.

 

  1. Feb. Generalversammlung des Sterbekassenvereins (NKB)

Der Verein hatte 631 Mitglieder und ein Vereinsvermögen von 44.4500 Mark.

 

  1. Feb. Aufgebot für einen verloren gegangenen Hypothekenbrief (NKB)

Die Erben des Inhabers waren die Ehefrau des Uhrmachers Hertel, geb. Baumbach, der Holzhändler C. Fr. Hertel und die Ehefrau des Konditors J. G. Landmann geb. Saalborn. Die Hypothek war im Grundbuch der Hausgrundstücke II-12 und II-21 eingetragen (Naumburger Str. 1, Salinenstr. 5)

 

  1. Feb. Auftritt des Wanderpredigers G. Nagel in Bernhardts Weinstube (KöZ)

Der „Naturmensch“ Nagel (1874-1952), mit langen Locken und zu jeder Jahreszeit barfuß und im Büßerhemd unterwegs, lockte zahlreiche Neugierige an.

 

  1. Feb. Die Saale ist wieder zugefroren (NKB)

„Der Weg auf der zugefrorenen Saale zur Rudelsburg ist gangbar“ meldete der dortige Wirt und der Pächter der Loreley Kuhnt eröffnete die Eisbahn vor seinem Restaurant.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für die Villa „Corpus“ (K.-Kruse Str. 2) (NKB)

1904 meldete dann die Kösener Zeitung, dass Corpus in Rußland verstorben war und die Villa inzwischen für 175.000 Mark an einen Herrn R. aus Berlin verkauft wurde.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Vorgestellt wurde die Offerte des Sächsisch-Thüringischen Dampfkessel-Vereins Halle zur Revision der elektrischen Anlagen. Wegen fehlender Wartung zeigten der Generator und die Akkumulatoren erheblichen Verschleiß und drohten gänzlich auszufallen.

Beschlossen wurden 400 Mark für den Gedenkstein an Therese Berbig und 200 Mark für eine Gedenktafel für Heun.

Informiert wurde, dass das Pädagogium für 70.000 Mark verkauft werden soll und sich ein Pfarrer aus Rudersdorf beworben habe.

 

  1. Feb. Änderung der Gesellschafterliste der Fa. Fr. Matthes Erben (NKB)

Nach dem Tod von August Matthes wurden seine Witwe und die minderjährigen Töchter Johanna und Elsa als persönlich haftende Gesellschafter eingetragen. Im Dezember verkauften sie ihre Anteile an einen Kaufmann aus Leipzig. Im April 1902 starb dann auch der Firmengründer Friedrich Matthes.

 

  1. Mär. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (NKB)

Dabei wurde die Ernennung des Rektors der Landesschule  Prof. Dr. Muff, des Prokurators  Justizrat Zimmermann und des Forstassessors Zuckschwert zu Ehrenmitgliedern beschlossen.  Die nahmen an und gestatteten dem Verein die Pflanzung der „Bismarckeiche“ auf dem Geiersberg, nachdem der Plan hier einen „Bismarckturm“ zu errichten, nicht realisiert werden konnte. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544 KöZ)

Von den 130 Bewerbern wurde Otto Lünzner (Jg. 1853) aus Sömmerda einstimmig gewählt. Er war zuvor Bürgermeister in Weißensee und Kindelbrück. Seine Einführung erfolgte durch Landrat Dalwigk am 22. April.

Im vertraulichen Teil wurde beschlossen, dem derzeitigen Interessenten für das Pädagogium den Verzicht nahe zu legen und einen anderen Interessenten zu suchen. Erkundigungen hatten ergeben, dass er dafür nicht geeignet war.

Die Intervention hatte Erfolg, denn die Schule übernahm ab 1. April der Oberlehrer Geiling aus Wippra. 

 

  1. Apr. Ausschreibung der Unterführung zwischen den Bahnsteigen (NKB).

 

  1. Apr. Eröffnung des Motorbootverkehrs und der Fähre (NKB)

 

  1. Apr. Baugenehmigung für die Eckartsbergaer Straße 17/18 (StaA Nmb.).

Bauherrin war Eugenie Toepfer, eine Tochter des Zimmermeisters Friedrich Toepfer, die auf dem  aufgelassenen Weinberg das sog. „Rotes Schlößchen“ baute. Der Entwurf stammte von ihrem Vater.

 

  1. Apr. Ausschreibung für die Reinigung der Wanderwege (NKB)

 

  1. Apr. Auszeichnung für 25 Jahre treue Dienste durch den Kreisausschuss (NKB)

60 Mark bekam das Dienstmädchen der Witwe des Oberstleutnants Mente.

 

  1. Mai Saisoneröffnung mit dem ersten Promenadenkonzert der Kurkapelle (KöZ)

Die Fa. Scholvien pachtete für 5 Jahre die Ausgabe und den Flaschenvertrieb der Johannisquelle und der Mühlenbesitzer Roßner hatte dem Apotheker Höfer, Inhaber der Adler Drogerie den Flaschenvertrieb des eisenhaltigen Mühlbrunnens gestattet.

 

  1. Mai Geschäftsanzeige der Bierbrauerei G. Brückner (Saalstr. 27) (NKB)

 

  1. Mai E. Timler eröffnet esine Fleischerei in der Saalstr. II-52 (Nr. 14) (NKB)

Im Oktober öffnete der Max Arnold eine Fleischerei in der Naumburger Str. 2.

 

  1. Mai Sanitätsrat Dr. Johann Christian August Wahn verstirbt (StaA Nmb Nr. 280).

Das Ehrenmitglied der Badedirektion, Badearzt und Inhaber der ehemaligen Hartung`schen Badeanstalt  (Jg. 1824) vermachte der Stadt 1.000 Mark für arme Schulkinder.

Nur eine Woche später verstarb auch seine siebzigjährige Schwester Charlotte.

 

  1. Mai Pachtausschreibung der Domäne Kukulau (NKB)

Die Landesschule sucht ab 1902 für 18 Jahre einen neuen Pächter für das Gut und zwei Höfe in Heiligenkreuz. Als Sicherheit hatte der Pachtinteressent ein disponibles Vermögen von 140.000 Mark nachzuweisen. Allerdings meldete sich zum ersten Termin kein Interessent. Nicht einmal der derzeitige Pächter Amtmann Schmidt gab ein Angebot ab. Beim zweiten Termin im August fand sich dann ein Pachtinteressent, der Oberleutnant Brandt-Halle, der am 1. Oktober die Pacht antrat.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule. Demnach waren alle Lehrjungen und Lehrmädchen der örtlichen Handwerks- und Gewerbebetriebe zum Besuch verpflichtet. Den Unterricht hielten die Lehrer der Stadtschule in den Abendstunden, die  Kosten wurden auf die Lehrherren umgelegt.

Bezüglich der Abgabe von Badesole wurde festgelegt, dass diese nur an ortsansässige Badewirte für Bäder an im Haus wohnende Badegäste bzw. Einwohner mit einem Attest abgegeben wird und dafür eine Mark pro Hektoliter zu zahlen sind.

Die Kurkarte für Einheimische, die auch zum Besuch der Freikonzerte berechtigte, wurde für Einzelpersonen auf 4 Mark und für Familien auf 6 Mark erhöht, um den städtischen Zuschuss in den defizitären Badebetrieb zu reduzieren.

 

  1. Mai Konvent des Johanniterordens der Provinz Sachsen im Mutigen Ritter (NKB)

Der Kommendator Exz. Gen. d. Kavallerie Graf Wartensleben konnte u. a. den Minister Exz. v. Wedel, Freiherrn v. Recke, Graf Schulenburg auf Vitzenburg, Graf Zech-Burkersroda, Durchl. Fürst v. Stolberg-Roßla, General v. Krosigk begrüßen. 

 

  1. Mai Feier zum 10. Jahrestag der Gründung der Diakonissenstation (NKB)

 

  1. Mai Jenny v. Gerstenbergk kauft das Grundstück Saalberge 3 (BLK-A. Nr. 72).

Der Molkereibesitzer Alwin Holliger, Inhaber des „Rektorbergs“ und seine Ehefrau Anna Antonie geb. Schiedt verkauften Jenny v. Gerstenbergk den oberen Teil ihres Grundstücks in den Hinterbergen (Saalberge 3). Für die rd. 10.000 qm zahlte sie 11.000 Mark, die sie für ihre „Erinnerungen an Goethe“ erhalten hatte.  Im Vertrag, den der Stadtinspektor Röblitz beurkundete, erhielt sie das Wegerecht über das Hollinger`sche Grundstück.

Jenny v. Gerstenbergk bezog dann das zur Dauernutzung hergerichtete Weinberghäuschen. Später wohnten hier auch ihre Hauswirtschafterin und der Gärtner. Außergewöhnlich war ihr Wunsch, hier beerdigt zu werden. Landrat Dalwig, Bürgermeister Lünzner und letzlich auch der Pfarrer und die Kirchengemeinde stimmten in Anbetracht ihrer Reputation am Weimarer Hof und ihrer Verdienste um die Diakonissenstation und die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte zu. 

 

  1. Mai Verpachtung des Brückenhauses (StaA Nmb Nr. 550)

Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag des Kaufmanns Hecklau einen Verkaufsstand einzurichten, unter der Maßgabe, dass er „ein ordentlicher und zuverlässiger Mann sei“. Doch  Hecklau, der bislang in der Saison neben dem Wellenbad einen Andenkenhandel betrieb, hatte den Offenbarungseid geleistet und das Gewerbe seiner Ehefrau überlassen.

 

  1. Mai Erste Vorstellung des Naumburger Stadttheaters im Kurgartensaal (NKB)

Verbunden damit war die Einweihung des vom Dekorationsmaler Koch „kunstvoll gemalten Saals“.

 

  1. Juni Ausfall der Soleversorgung (StaA Nmb. Nr. 394, 414).

Grund war die defekte gusseiserne Röhrenfahrt vom Schacht zum Gradierwerk. Damit fielen die Freiluftinhalation und des Inhalatorium aus. Die Versorgung der öffentlichen Badeanstalten und der privaten Badewirte war nicht betroffen, allerdings sank erneut die Konzentration der Sole erheblich ab.

 

  1. Juni Auslegung der Kirchensteuerlisten beim Rendanten Knechtel (NKB)

Jeder „Staatssteuerpflichtige“ zahlte Kirchensteuer, deren prozentuale Höhe bezogen auf die Staatssteuer von der Kreissynode festgelegt wurde. Hier betrug der Steuersatz nicht die sonst üblichen 3,5 % sondern 16 % wegen der Tilgung der Mehrkosten für den Neubau der Lutherkirche.  Die Steuer wurde beim Rendanten bezahlt. Allerdings mussten die Säumigen mehrmals gemahnt werden und wer dann noch nicht kam, bei dem meldete sich der städtische Vollzugsbeamte.

 

  1. Juni 55. Treffen der Dozenten der Universitäten Jena, Halle und Leipzig (KöZ)

 

  1. Juni Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Str. II-6 (Nr. 5) (NKB)

Der derzeitige Besitzer vom „Waldschlößchen“ Baumeister Schneider war verstorben und das Anwesen wurde zur Auflösung der Erbengemeinschaft zwangsversteigert. Zum Termin am 30. Dezember gab ein „Herr aus Buttstädt“ mit 16.200 Mark das höchste Gebot ab, das aber keine Berücksichtigung fand und ein weiterer Termin anberaumt wurde.

 

  1. Juni Öffnung der städtischen Flußbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade (KöZ)

Die Aufsicht hatte der Holzhändler Alfred Gräfe, der es aber nicht so genau nahm, denn es häuften sich die Beschwerden über nackt badende Knaben.

 

  1. Juni Schließung des Schrankenübergangs am Waplerschen Grundstück (KöZ)

Der Magistrat reichte daraufhin eine Beschwerde beim Minister ein.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Den Kaufantrag für einen Weg von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“ hatte die Landesschule abgelehnt, dafür aber die Wiese zwischen dem Friedhof und dem Gradierwerk zur Anlage eines Parks angeboten. Beschlossen wurde der Erwerb eines Streifens vor dem Köttnitz`schen Anwesen (Borlachstr. 38) zur Verbreiterung der Borlachstraße. Der Soleabgabepreis wurde auf 75 Pfennige pro Hektoliter gesenkt, bei strenger Kontrolle der privaten Badewirte  und der Anordnung, dass eine ordnungsgemäße Abgabe von Solebädern nur in den größeren öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Wilhelmsbad, Ritterbad) gewährleistet ist.

  

  1. Juni 100 „Selbstfahrer“ der Rallye Paris – Berlin passieren die Brücke (NKB)

 

  1. Juli Prinz Friedrich Heinrich v. Preußen (1874-1941) im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Er gehörte zum Corps Borussia Bonn im KSCV.

 

  1. Juli 25. Stiftungsfest des Turnvereins (NKB)

 

  1. Juli Schuhmacher Jordan eröffnet sein Geschäft in der Borlachstr. (Nr. 10) (NKB)

 

  1. Juli Wohltätigkeitsbasar zum Besten der Diakonissenstation (NKB)

Erneut hatten die Kaiserin Auguste-Victoria, Pauline Erbgroßherzoginwitwe von Sachsen Weimar und die Herzogin  Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin persönliche Dinge beigesteuert.

 

  1. Juli Eröffnung der „Elektrischen-Licht-Heil-Anstalt“ in der Salinenstr. 7 (NKB)

Der Therapie erwies sich als Fehlschlag und der Betreiber Dr. Ernst, Lehrer für Naturheilkunde schloss das „Kurhauses“.

 

  1. Juli 25. Sommertreffen Alter Corpsstudenten auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juli Veranstaltungen zum Brunnenfest (NKB)

Vor dem Hotel Kurzhals gab es eine Musik- und Tanzschau mit 50 Männern, Frauen und Kindern einer Togo- und Singhalesen Truppe und im Kurgartensaal führte das Fürstl. Theaters Rudolstadt die Operette „Die Geisha-eine japanische Teehausgeschichte“ auf.  

 

  1. Juli Praxiseröffnung von San.-Rat Dr. Surminski in der Naumburgerstr. 10 (NKB)

Gleichzeitig wurde er mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Genehmigt wurde die Einstellung des Mechanikers Max Buchholz für die Überwachung vom  Elektrizitäts- und Wasserwerk. Angenommen wurde ein Geldgeschenk der Frau Geh. Regierungsrätin Simon geb. Senff aus Berlin, womit15 Jahre lang die Pflege der Gräber ihrer hier beerdigten Geschwister finanziert werden sollte, der verbleibende Rest fiel an die Stadt. 

 

  1. Aug. „Ode an Kösen“ ein Poem von Walter Heichen-Kösen (NKB)

 

  1. Aug. Gemeinschaftsausflug des Eisenbahnbeamtenvereins Halle (NKB)

In zwei Sonderzüge mit jeweils 40 Wagen kamen 2.850 Eisenbahner mit ihren Familien. Unter Vorantritt der mitgebrachten Kapelle ging es zur „Katze“ wo es einen Imbiss gab. Dann brachte die Lastenfähre der Sächs. Thür. AG mit 7 Überfahrten jeweils 400 Personen an das andere Ufer  wo es zur Rudelsburg ging. Nach der Besichtigung der Burg und der Denkmäler ging es in gleicher Weise zurück. Am nächsten Sonntag kam dann die andere Hälfte des Vereins.   

 

  1. Aug. Eröffnung der Buchhandlung Max Tobias, Lindenstr. 18 (NKB)

 

  1. Sep. Tagung des Handlungsgehilfenverbandes Ostthüringen (KöZ)

 

  1. Sep. Sommerfest mit Korso des Radfahrervereins „Rudelsburg“ (NKB)

 

  1. Sep. Veröffentlichung des Ortsstatuts der gewerblichen Fortbildungsschule (KöZ)

 

  1. Sep. Antrag des Musikdirektors Hermann (StaA Nmb. Nr. 348)

Weil die Einnahmen in der Saison nicht ausreichten, die Familien seiner Musiker auch über den Winter zu bringen, verlangte er eine finanzielle Unterstützung. Der Antrag wurde abgelehnt ebenso die Verlängerung des Vertrages.   

 

  1. Sep. Polizeiverordnung zum Frisör-und Barbiergewerbe (KöZ)

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzte Badeliste der Saison (NKB)

Laut Statistik waren es 2.394, darunter langjährige Badegäste wie Frl. v. Neindorff-Berlin, die 40 Jahre lang ununterbrochen zur Kur kam, sowie  Antonie Krötsch-Gera (27 Jahre) und Frau Dr. Frankenberg-Berlin (21 Jahre). Ihnen bereiteten die Badekapelle und das Badedirektorium einen festlichen Empfang.

Weitere Badegäste waren Graf Posaldowsky-Dresden, Landrat v. Cossel-Jüterbog, Graf  Bylandt-Rheydt-Potsdam, Antoinette Gräfin  v. Montault, Baronin Esebeck-Liebenburg, Freifrau v. Stein zu Nord- und Ostheim-Kassel, Fr. Heyne-New York, Fr. General v. Smirnoff-St. Petersburg, Baronin v. Pöllnitz-Bonn, M. Slotnik-erblicher Ehrenbürger von St. Petersburg, Instrumentenmacher Th. Blüthner-Leipzig, der Histologe Univers.-Prof. Dr. med. Siegmund Mayer (1842-1910)-Prag, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Otto N. Witt (1853-1913) Technische Hochschule Berlin, Edle v. Chavaune-Dresden, Freifrau v. Weiler-Freiburg, Kirchenmusiker Prof. Wagner (1846-1928)-Wien, Mdm. Weller-La Haye, Bezirksamtmann von Daressalam a. D. Kurt Georg v. Strantz (1861-1908), General v. Manstein-Straßburg, Oberst-Ltn. Sombart-Wiesbaden, Oberst-Ltn. Lindenwein-Berlin, Geh. Ober-Reg.-Rat A. Kayser, General Jacobi

 

  1. Okt. Gastspiel des Berliner Bunten Theaters im Kurgartensaal (NKB)

Danach fanden regelmäßige Varietè-Veranstaltungen mit wechselnden Programm statt.

 

  1. Okt. Eintrag im Hollbachschen Fremdenbuch (B. Reinsberger-priv.).

„Kösen du liebliche Stadt am Ufer der rauschenden Saale, vielen der leidenden Welt hast Kräftigung du schon gespendet! So auch uns beiden, die wir unter Hollbachs gastlichem Dache, Hollbach der hier weit und breit ein Herrscher der Küche genannt wird, über sechs Wochen an Zeit im Frohsinn und Eintracht  gehauset, einer von langer Gestalt, der andere kurz und behäbig.

Rudelsburg grüßten wir froh und Saaleck hochragend in Lüften. Naumburg betraten wir auch, das nicht von Prokop ward belagert, jenem der kühn wie ein Leu die wilden Hussiten befehligt, und das gerettet nur ward durch  tapferen Schulmeisters Kühnheit. Heringen suchten wir auf, das trostlos und öd uns vorkam.

Auch lenkten wir unsern Schritt nach dem Jünglingsgefängnis Schulpforte. O, wie bewegten das Herz in der Brust uns die armen Pennäler. Sprichwort wie zeigst du die wahr: wo die Pflicht ruft, schweigt das Herz. Uns rufet jetzt das Gebot, zu streben nach heim`schen Penaten. Hollbach und Kösen lebt wohl! Wir rufen euch donnernd ein Heil zu

Willy Wagner stud. phil,         Walther Neidholdt, Primaner                        Berlin   

 

  1. Okt. Gründung des Hausbesitzervereins (NKB)

Innerhalb weniger Tage waren 68 Hauseigentümer eingetreten. Eine der ersten Forderungen war die baldmöglichste Umbenennung der Straßen und die Einführung einer straßenweisen Hausnummerierung.

 

  1. Nov. Polizeiverordnung des Amtsvorstehers von Schulpforte (NKB)

„Das Abladen von Schutt in der Ausschachtung auf dem Grundstück am rechten Saaleufer unterhalb der Eisenbahnbrücke ist der Stadt und den Einwohnern widerruflich gestattet“. Bedingung war, die Schuttberge soweit einzuebnen, dass sie nicht das umliegende Gelände überragten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB; BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden die Übernahme des Flussbetts vom Wehrdamm bis zur Grenze des Gutsbezirks in die städtische Zuständigkeit, der Abschluss eines Pachtvertrages über die Wiese zwischen dem Friedhof und dem Gradierwerk und ein Kaufantrag für den Rechenberg bis zur Johannisquelle (ca. 2-3 Hektar) für 100 Mark. Dagegen wurde das Kaufangebot für die Fränkenauer Wiese abgelehnt. Für die Bebauung der Parzellen zwischen der Burgstraße und der Chaussee wurde die Breite des Verbindungsweges auf  14 Meter, die der übrigen Wege auf 12 Meter festgelegt. Bewilligt wurden 15.000 Mark zur Wältigung der Solschächte, um die Verschlechterung der Sole zu beseitigen. Eingebürgert wurde der kaiserliche Bezirksamtmann v. Strantz. Außerdem wurde die auf 24 Uhr festgelegte Polizeistunde nach dem Protest der Gastwirte auf 1 Uhr gelegt 

 

  1. Nov. Carl August von Mühlenfels stirbt mit 74 Jahren (Ev. Sterbereg.)

Bekannt wurde seine aus dem Rheinland stammende Schwiegertochter Hedwig geb. Rathgeber (geb. 1874). Die begleitete ihren Mann der als Militär-Instrukteur nach Chile ging. Dort zerbrach die Ehe, sie zog zu ihren Schwiegereltern in die Loreleypromenade 5. Unter dem Pseudonym Helene von Mühlau schrieb sie die  Romane „Das Liebeserlebnis der Ellinor Fandor“, „Frau Dr. Breuer“ und „Das Witwenhaus“ (veröffentl. im NKB 1908)  in dem sie ihre Kösener Zeit verarbeitete (NTB 1923). H. v. Mühlenfels zog dann nach Friedenau, wo sie 1923 verstarb. Das Wohnhaus kam dann in den Besitz des Lehrers Posse aus Hassenhausen.

 

  1. Nov. Besichtigung der Weidenanpflanzung an der Krümme (NKB)

Die Strompolizei hatte die Entfernung der Bäume verlangt und die Landesschule im Hinblick auf den Verkauf der Weidenruten abgelehnt. Weil die Differenzen zwei Staatsbehörden betraf, besichtigten der Oberpräsident der Provinz Dr. v. Boetticher, Reg.-Präsident  v. d. Recke und Landrat v. Dalwigk die Örtlichkeiten. Die Landesschule erhielt einen finanziellen Ausgleich und pflanzte Schwarzerlen an.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Nach einem Jahr hatte man sich mit den Erben Heuns geeinigt. Jeweils 500 Mark erhielten  Anna sowie Margarethe Heun in Zwenkau, Helene Krumsdorf, geb. Heun in Leipzig und die drei Kinder der verstorbenen Clara Mossdorf geb. Heun. Nachdem die Erben auf weitere Forderungen verzichteten, durfte die Stadt das Heunsche Legat annehmen.

Für die Teilnahme an den Tagungen des ADHV in Colberg und des Thüringer Bäderverbandes in Friedrichroda wurden Bürgermeister Lünzner und Dr. Schütze die Reisekosten bewilligt. 

 

  1. Dez. Ball zur Einweihung der „neu erbauten Lokalitäten“ auf der „Katze“ (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (StaA Nmb. Nr. 226, BLK-A. Nr. 544, NKB).

Die Magistratsvorlage 914 von Dr. Schütze, die Einrichtung einer Kinderheilstätte zu gestatten, wurde einstimmig abgelehnt. Eine derartige Anstalt und die potentielle Gefahr die davon ausgeht, würden die Badegäste abschrecken.

Genehmigt wurde die Bebauung des Gartens zwischen der Neuen Straße, der Chaussee, der Schlunk`schen und der Heinze`schen Villa, unter der Maßgabe, dass hinter den Hausgrundstücken in der Neuen Straße ein 10 Meter breiter Weg bleibt, davon zwei Meter als Privatweg für Paul Kersten. Doch der Bezirksausschuss lehnte den Plan ab.

 

  1. Dez. 40jähriges Dienstjubiläum der Hebamme R. Wächtler (NKB)

Von der Kaiserin erhielt sie die Verdienstmedaille und der Magistrat überreichte eine Prämie von  60 Mark. 

 

1902

 

  1. Jan. Verpachtungsanzeige für das Fischhaus samt der Fischerei die Fähre (NKB)

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (NKB).

Es gab 52 Geburten (darunter allein im Februar 5 uneheliche Kinder), 58 Sterbefälle (in den Monaten September und Oktober allein 14 Kinder unter einem Jahr) aber auch bekannte Einwohner wie der erste Postmeister Fr. C. A. Müller (87 Jahre) und der Dichter Prof. Dr. phil. Emil Böcker. Außerdem wurden 11 Paare getraut. Die Stadtschule besuchten 404 Kinder.

 

  1. Jan. Bürgerversammlung wegen der Soleschächte (KöZ)

Dabei plädierte Direktor Paul Kersten für die Wältigung des unteren Schachtes und Gastwirt Weber für die des oberen Schachtes. Letztlich wurde die Stadt aufgefordert, einen Gutachter hinzuzuziehen und die notwendigen Mittel bereitzustellen.

 

  1. Jan. Winterfahrplan der Eisenbahn (NKB)

In Richtung Großheringen verkehrten täglich 7 Personen- und 5 Schnellzüge, in der Gegenrichtung war es ein Zug mehr.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ, StaA Nmb 211; NKB).

Zur Feststellung der Ursachen des dauerhaften Konzentrationsabfalls der Sole, was im schlimmsten Fall das „Aus“ des Bades bedeutet hätte, wurde der Bergmeister Bazcko aus Eisleben als Gutachter hinzugezogen. Anders als Prof. Beyschlag war für ihn nicht die Auslaugung des Solehorizontes, sondern die desolaten Verzimmerung der Schächte, wo immer mehr Wildwasser einströmte ursächlich. Bazcko schlug vor, den Stollenmund im unteren Schacht zu vermauern und den Schacht von der Sohle her 10 Meter hoch mit Steinen, einer drei Meter starken Tonschicht und einer 4 Meter starken Betonschicht dauerhaft zu verwahren. Dazu war die Wältigung beider Schächte bis zur Sohle  erforderlich. Die Kosten bezifferte er auf 60.000 Mark. Die Stadtverordneten bewilligten die Aufnahme eines Darlehens bei der Sparkasse Naumburg, unter der Maßgabe, dass der Stadthaushalt den Kapitaldienst leisten kann und keine Steuererhöhungen dafür erforderlich sind.

Da sich der 1860 aufgelassene untere Schacht auf dem Gelände des Mutigen Ritters befand, gestattete Weber die Arbeiten, unter der Maßgabe, dass diese bis zum Saisonbeginn abgeschlossen und der Platz wieder hergerichtet wird.  Weil die Leistung des städtischen E-Werkes für die benötigten Pumpen nicht reichte, verhandelte man mit der Bahnverwaltung über die Anmietung einer Lokomobile. Gleichzeitig beauftragte der unter Zeitdruck stehende Magistrat eine Firma die Wältigung mit den vorhandenen Pumpen zu beginnen. 

 

  1. Jan. Feier zum 35jährigen Bestehen des König Wilhelm Kriegervereins (NKB)

 

  1. Jan. Eröffnung der Glaserei Besser, Burgstr. 8 (KöZ)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bewilligt wurden 5.000 Mark für den Bau von Bedürfnisanstalten am Gradierwerk und im untewren Kurpark.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des „Waldschlößchens“ (NKB)

Für  20.500 Mark kam das Anwesen an eine Leipzigerin.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Abgelehnt wurde der Antrag des Domänenpächters Brand, die 4 schulpflichtigen Kinder aus Kukulau in der Stadtschule einzuschulen. Die mussten wie die Kinder der Domäne Pforte nach Flemmingen, während die Kinder der Domäne Fränkenau nach Hassenhausen gingen. Der Antrag der Diakonissenstation auf Befreiung von der Grund- und Gebäudesteuer wurde genehmigt. Dem  Badediener wurde  gestattet, sich als Gästeführer zu betätigen, allerdings war es ihm bei sofortiger Entlassung verboten, sich für die  Vermittlung von Gästen von den Wirten honorieren zu lassen. Außerdem wurden die Baufluchten für den Jochenberg (hinterer Teil der Burgstraße) festgesetzt und  auf Anweisung der Oberbehörde ein Sparkassenkontrolleur für 1200 Mark eingestellt werden.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (StaA Nmb Nr. 348, BLK-A. Nr. 544).

Bei der Widerbesetzung des Dirigenten der Badekapelle hatte Kersten den Musikdirektor Wernicke und eine Erhöhung des Honorars auf 4.000 Mark vorgeschlagen. Das wurde abgelehnt und beschlossen, mit dem Musikdirektor Herzog aus Erfurt, der zuvor ein Probekonzert gegeben hatte, einen Vertrag über 3.200 Mark für eine 16 Mann starke Kapelle abzuschließen.

 

  1. Mär. Einweihung Nessmanns „Sommer-Salon“ am Hotel Kurzhals (NKB)

 

  1. Mär. Fund von 4 Kupfertafeln vom Neubau des unteren Gradierhauses (NKB)

Bereits 1891 wurde beim Bau der Saalebrücke eine Tafel gefunden, die anlässlich der Beendigung der Arbeiten zur Neuaufteilung der Fälle am unteren Gradierwerk in den Jahren 1822-1826 angefertigt wurden. Sie enthielten die Namen der damaligen Lokaldirektion sowie die Baukosten und die Preise für das Getreide. Die Tafeln wurden der Stadt zur Aufbewahrung übergeben, gingen aber im Laufe der Zeit verloren.

 

  1. Mär. Zusammenstoß zweier Güterzüge im Bahnhof (NKB)

Ursache war ein von unbekannter Hand verstelltes Einfahrtsignal.

 

  1. Mär. A. Müller übernimmt den Posamentenladen-Borlachstr. 4 (NKB)

 

  1. Mär. Veranstaltungen zum Osterfest (NKB)

Im Kurgarten fand eine „Große Elite-Varietè- und Spezialitätenvorstellung mit Äquilibristen, Humoristen, russischen Tänzern, Instrumentalisten, Duettisten, Feuer-Dämonen und Drahtseilakrobatik“ statt, in der „Katze“ ein Frühschoppen mit Orchestrion-Konzert und ein Gastspiel der Varietè-Gesellschaft Leipzig  und in der „Tanne“ ein Abendveranstaltung mit der Leipziger Sängergesellschaft.

 

  1. Apr. Holliger öffnet den renovierten „Rektorberg“ als „Palmengarten“ (NKB)

 

  1. Apr. Beendigung der Arbeiten an den Solschächten (KöZ)

Demnach hatte man eine Wildwassereinbruchstelle in 85 Metern Tiefe im oberen Schacht verschlossen und in 100 Metern Tiefe auf eine 5,5%ige Solequellequelle gestoßen, die dauerhaft austrat und die nun auf das Gradierwerk gepumpt wurde. Im unteren Schacht hatte man in 105 Metern Tiefe ein Gewölbe eingebaut und eine Füllung eingebracht. Damit glaubte man die Ursachen für die Verschlechterung der Sole des oberen Schachts behoben zu haben.

 

  1. Apr. Goldene Hochzeit des Kohlenhändlers Haase –Gerstenbergkprom. 6 (NKB)

Zu den Gratulanten gehört auch die Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG von der er seit 1849 die begehrten „Naßpreßsteine“ für den Hausbrand bezog. Mit dieser Firma verhandelte auch zur damaligen Zeit die Lokaldirektion der Saline, um die aufwändige Kohlenstreicherei einzustellen.

 

  1. Apr. Saisonauftakt (NKB)

Zuerst öffneten die Solebadeanstalt im „Mutigen Ritter“ und die Badeanstalt am Gradierwerk (Bahse). Das Friedrich`sche Fähr- und Motorbootunternehmen hatte eine neue Anlegestellen an der „Katze“ errichtet und die Anlage des Parks zwischen dem Friedhof und dem Gradierwerk wurde beendet. Hier gab es nun die Teiche mit der Grotte und dem kleinen Wasserfall und dazu ein Umgestaltung Pavillon im chinesischen Stil, den Herr Paul Kersten gestiftet hatte. 

 

  1. Apr. Inbetriebnahme der Druckwasserleitung zur Rudelsburg (NKB)

 

  1. Mai Sommerfahrplan der Eisenbahn (NKB)

In Richtung Naumburg verkehrten an den Sonn- und Feiertagen 12 Personen- und 7 Schnellzüge, unter der Woche waren es drei weniger.

 

  1. Mai Eröffnung des Materialwarengeschäfts Borlachstr. I-60 (Nr. 32) (NKB)

Bereits ein Jahr später wurde das Konkursverfahren eröffnet

 

  1. Mai. Tagung von 250 Mitgliedern der Deutschen Kolonialgesellschaft (NKB)

 

  1. Juni Bekanntmachung der Unterländischen Holzhändlercompanie (NKB)

Der Vorsitzende H. Graf-Kösen warnte eindringlich vor dem unbefugten Betreten der am Ufer festgemachten Flöße und von der Wasserbauinspektion bestraft wurde. 

 

  1. Mai Konferenz des Deutschen Jagdschutzvereins im Mutigen Ritter (NKB)

Die 60 Teilnehmer unter dem Vorsitz des Fürsten Ernst v. Stolberg-Wernigerode präsentierten  eine ansehnliche Trophäenschau.

 

  1. Mai Herzog Joh. A. von Mecklenburg (1857-1920) auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Genehmigt wurde die Übernahme des Flussbettes vom Wehr bis zum Stichkanal am Holzwerk von Graf & Döhler in die Zuständigkeit der Stadt.

 

  1. Juni Bau der Villa von Schultze-Naumburg in Saaleck (NKB)

Paul Schultze (Jg. 1869) hatte nach dem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe zunächst in München und ab 1897 in Berlin gewirkt, wo er mit den „Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk“ sowie der Berliner Sezession Kontakte hatte. Saaleck lernte er bei seinem Kuraufenthalt kennen. Er erwarb das unwirtliche Grundstück unterhalb der Burg von der Dorfgemeinde Saaleck und begann mit dem Bau eines großzügigen Anwesens. Darin kam zunächst eine Lehrstätte für Malerei unter, nachdem er als Professor an die großherzogl. Kunstschule zu Weimar berufen wurde. Nebenher begann er mit der Arbeit an der neunbändigen  „Kulturarbeit".

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Der Magistrat teilte mit, dass die beauftragte Firma die Arbeiten an den Solschächten beendet hätte. Allerdings konnte man sie nicht bezahlen, weil die Sparkasse Naumburg in Anbetracht des desolaten Haushalts das Darlehen abgelehnt hatte. Die vereinbarten 34.600 Mark konnte der städtische Haushalt nicht aufbringen. Die Versammlung verlangte, dass nun diejenigen haftbar  gemacht werden sollten, die der Firma den Auftrag ohne  eine verbindliche Finanzierungzusage erteilt hatten. 

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft 1832 auf der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB)

 

  1. Aug. Mannschießen des Bürgerschützencorps im Kurgarten (NKB)

 

  1. Aug. Konkurs des Besitzers vom „Göttersitz“ Wilhelm Dix (NKB)

Zunächst ordnete der Zwangsverwalter an „Ich verbiete hiermit jedermann, die Wegschaffung  von Inventar, Früchten oder Sand...“. Im Februar 1903 wurde die „Göttersitzwirtschaft“ ausgeschrieben. Es gab zwei Bieter, Seibeck aus Wilsdorf und Karl aus Naumburg, die allerdings nicht zum Zuge kamen, denn es folgte im April die Zwangsversteigerung des „in der Gemarkung Pforta liegenden Wohnhauses auf den Saalbergen mit Hof, Garten und Acker insgesamt 122 Ar“.  

 

  1. Aug. Konkurs des Restaurateurs der „Katze“ (NKB)

„Der Gastwirtschafts- sowie Fährbetrieb wird in unveränderter Form fortgeführt“ meldete der vom Konkursverwalter eingesetzte Geschäftsführer. Kurz darauf wurde Curt Jahn  wegen Verdacht auf  Unterschlagung und Veruntreuung verhaftet. Auch stellte sich heraus, dass Jahn den  Warenbestand und das Inventars zu seiner Schwiegermutter nach Halle gebracht hatte.

Im September wurde ein Gläubigerausschuss gebildet (Heyner, Heckenberg), der die Konkursmasse mit 7.465 Mark bezifferte dem Forderungen von 13.345 Mark gegenüberstanden.

 

  1. Aug. Anordnung der Militärverwaltung (NKB)

Zu den bevorstehenden Korpsmanövern hatte die Stadt einen Einspänner und 4 Zweispänner für die Versorgung des Biwaks bei Naumburg zu stellen. Die Fuhrwerke mussten mit Ladezeug, Laterne und einer Schreibtafel versehen sein. Die Vergütung betrug je nach Zeitdauer bis 18 Mark. Bei schlechter Witterung sollte das Biwak aufgelöst und die Truppen in Quartier gelegt werden. Für Kösen wären das 3.500 Mann und 66 Pferde gewesen, aber das Wetter hielt.

 

  1. Aug. Tourenfahrt Berlin-Frankfurt des Deutschen Automobilclubs (NKB)

 

  1. Aug. Einweihung des Bismarckturms oberhalb von Altenburg (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NKB, BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Errichtung einer Ehrenpforte für die Teilnehmer des Leipziger Ärztekongresses, die Einrichtung einer Freibank, um das Preismonopol der ortsansässigen Fleischer zu begrenzen und die versuchsweise Einführung der „Winterkur“. Außerdem sollte der zukünftige Strombedarf aller Haushalte, Firmen und Einrichtungen ermittelt werden, um dann über eine tragbare Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerkes zu befinden. 

 

  1. Sep. Kirchenuhr und Bahnhofsuhr werden synchronisiert (NKB)

 

  1. Sep. Besitzerwechsel (KöZ)

Frau Giersch kaufte das Biel`sche Haus in der Friedrichstraße und der Zimmermeister Hänsgen verkaufte die Burgstraße 8 dem Zimmermeister K. Julich für 13.500 Mark.

 

  1. Sep. Erbohrung einer Solequelle im Naumburger Dechantengrund (NKB).

Bei einer Tiefbohrung traf man auf eine Quelle mit einem Mineralgehalt von 26 %, einer Schüttung von 30 m³/Tag und einem hohen Gehalt an kohlensauren Gasen. Die „Ilsenquelle“ konnte ein „Bad Naumburg“ ermöglichen, was zu erheblicher Aufregung im Bad Kösen erregte.

 

  1. Sep. Statut der Berbigschen Stiftung (BLK-A. Nr. 72)

Zur ordnungsgemäßen Verwaltung der Mittel wurde festgelegt: „Das Kapital wird zur Errichtung einer Kleinkinderschule im eigenen Gebäude unter dem Namen „Berbigsche“ verwandt. Bis dieses Kapital durch Zinszuwachs die nötige Höhe erreicht hat, um den Neubau zu schaffen, wird die Kleinkinderschule mit Genehmigung des Testamentsvollstreckers in Naumburg eingemietet“.

     

  1. Sep. Herzogin Mathilde von Württemberg logiert im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Sep. Ausschreibung der Verpachtung der „Katze“ (NKB)

Am 15. Oktober übernahm A. Buchheim die Pacht, dem nach einem Jahr Fritz Burkhardt folgte. Neuerdings gehörten aber die Fähre und die Fischerei nicht zur Pacht, sondern wurden separat verpachtete. Der ältere Schützenverein beabsichtigte, den Vereinssitz in den Palmengarten-Rektorberg zu verlegen und in das Schützenhaus sollte der Pächter der Fähre einziehen.

 

  1. Sep. Anzeige des Magistrats zur Ermittlung des Strombedarfs (KöZ)

Um sicher zu stellen, dass die Investitionskosten für die Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerkes aus der Mehrabnahme refinanzierbar sind, sollten die Interessenten ihren Bedarf anmelden verbunden mit einer Abnahmeverpflichtung.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (StaA Nmb Nr. 226)

Beschlossen wurde die Entsendung von Dr. Schütze und Bürgermeister Richter zur Jahreshauptversammlung des  ADHV in Bad Nauheim. Schütze reiste auf eigene Kosten, Richter wurden 65 RM bewilligt.

 

  1. Okt. Letzte Badeliste der Saison (NKB, KöZ)

Die Gesamtzahl von Badegästen und Passanten wurde mit 5.206 angegeben, eine deutliche Zunahme in den letzten 10 Jahren, 1892 waren es 4.044.

Unter den Gästen waren die Gräfinnen Karoline, Anna und Wilhelmine v. Hertzberg-Naumburg, der Bildhauer Gustav Malmquist (1856-1926)-Stockholm, die Schriftsteller M. Teofaneff und D. Jurekoff-Leipzig, Edelfrau v. Kotzebue-Estland, Konservatorist A. Eugene Baron-New York, Maler Karl Techow-Berlin, Hr. v. Wedel-Florenz, Freifrau v. Rossing-Coburg, Stiftsdame Gräfin Bernsdorff-Mecklenburg, Landschaftsmaler Prof. Hagen (1842-1919)-Weimar, Konteradmiral Oscar v. Schuckmann (1851-1920), der Direktor des Kgl. Sächs. Kunstmuseums Dresden Dr. phil K. Kötschau (1868-1949), Fr. Wueshoff-New York, F. W. De Tombe-Haag, Opernsänger Hermann Boldt, Hofschauspieler B. W. Christians-Berlin, Baronin v. Stein-Rittergut Wehrda, Exz. Fr. v. Köthe-Altenburg, Mdm. Andemars-Genf, Geh. Justizrat  Landgerichtsdirektor Stieler v. Heydekampf-Stendal mit Töchtern, Schriftssteller H. Suck-Berlin, Konzertsängerin Elsa Brachnagel, Frl. Stepanowa mit den Kindern des Komm.-Rat Dattan-Wladiwostok, Malerin Marie Galle-Berlin, Graf u. Komteß Oriola-Dresden, Wirkl. Geh. O.-Reg. Rat Dr. Schneider nebst Gesellschafterin, I. v. Horn-Chikago, Exz. General v. Smirnoff-St. Petersburg, Baronin v. Lützow-Nizza,  Frl. Berkhout u. Miss Roe-Haag, Exz. Fr. v. Kcewski, Baroneß v. Lingk-Breslau, Gräfin v. Schlieffen-Prüzen, Baronin v. Klüchtzner-Dresden, Miss Cunliff-England und die Freifrau Clara v. Stein-Lausnitz, die Gattin des herzogl.-sächs. Kammerherrn Otto Freiherr v. Brandenstein-Hoym (1829-1902) .

Trotz des hochrangigen Publikums klagte ein Leser des NKB „Während der verflossenen Saison wurden die verschiedensten Kunstgenüsse geboten, aber leider zu minderwertigen, wie z.B. zu einem erbärmlichen Zigeunerkonzert drängeln sich die Menschen zuhauf (.) während sie bei wirklich künstlerischen Darbietungen (.) durch Abwesenheit glänzen...“

 

  1. Nov. Ball zum 1. Jahrestag der Kasino-Gesellschaft (KöZ)

 

  1. Nov. Besichtigung der Zementfabrik (NKB)

Der Reg.-Präsident v. d. Recke und die Dezernenten der Gewerbeaufsichtsämter erklärten, dass das Werk „absolut rauch- und staubfrei“ arbeitet und daher als mustergültig geltend kann.

 

  1. Nov. Genehmigung zur Überwölbung des Flutkanals (BLK-A. Nr. 294)

Obwohl die Bahnverwaltung das eigenmächtige Handeln der Stadt heftig kritisierte,  verkaufte sie die dafür benötigte Fläche für 3 Mark pro m².

 

  1. Nov. Veröffentlichung der Floß-Polizei-Verordnung von 1896 (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB, KöZ)

Diesmal stand die völlig unzureichende Straßenbeleuchtung auf der Tagesordnung. Weil die Mittel für eine grundlegende Erneuerung fehlten, wurde vorgeschlagen, die Anwohner um Spenden für 8 Glühlichtlampen zu bitten.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-52 (Nr. 14) Fr. A. Thiersch (NKB)

 

  1. Nov. C. Engelhardt bietet wöchentliche Botengänge nach Leipzig an (NKB)

 

  1. Dez. A. Schelter übernimmt die „Weinstube“ in der Schmettaustr. 12 (NKB)

 

  1. Dez. Amtliche Viehzählung (NKB)

In 112 Haushalten wurden 57 Pferde, 28 Rinder, 5 Schafe und 299 Schweine gehalten.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Da das erste Gewölbe nicht die erhoffte Wirkung hatte und die Wildwassereinbrüche im oberen Teil des unteren Schachtes immer stärker wurden, schlug der Berginspektors Busch-Tackau vor ein zweites Gewölbe bei 60 Metern Tiefe einzubringen. Die Kosten bezifferte er auf 4.000 Mark, weil die Wältigung des Schachts weniger aufwändig war. Der Magistrat sollte die Arbeiten umgehend beauftragen. Außerdem bewilligte man 600 Mark für die Vorbereitung einer neuen Solebohrung.

Bestätigt wurden die Statuten der Heunschen-, Berbigschen und Senffschen Stiftung  und die Anstellung eines 6. Lehrers ab April 1903.

 

  1. Dez. Bauvertrag zur Verwahrung des Solschachts (StaA Nmb Nr. 211).

Die Fa. Blumentritt sollte umgehend beginnen und innerhalb von 6 Wochen die Arbeiten abschließen. Die Vertragssumme belief sich auf  4.400 Mark, die Kosten für die Wasserhaltung sollt die  Badekasse übernehmen.

 

  1. Dez. Brand im Reeh`schen Bekleidungsgeschäft-Lindenstraße 20 (NKB)

 

  1. Dez. Wohltätigkeitskonzert der Casino Gesellschaft im Kurgarten (NKB)

 

 

1903

 

  1. Jan. Neuverpachtung der Speisewirtschaft der Kgl. Landesschule (NKB)

Gleichzeitig wurde ein Käufer für den „Mons omnium sanctorum“ gesucht.

 

  1. Jan. Brand der Hänsgen`schen Zimmerei in der Parkstraße (NKB)

Im Einsatz waren auch die Wehren von Lengefeld, Saaleck, Tultewitz und Almrich.

 

  1. Jan. Ausgabe des NKB bei Fr. Gundermann, Borlachstr. 34 (Nr. 6) (NKB)

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachrichten 1902 (NKB).

Es gab 95 Geburten und 21 Eheschließungen, darunter die von Professor Johannes Friedrich Klaeber mit Charlotte Wahn, der Tochter des Badehausbesitzers, der Schauspieler W. R. J. K. Stoffregen-Düsseldorf und die Schauspielerin A. C. H. B. Kunert-Kösen, Korvettenkapitän K. W. Schaumann-Wilhelmshafen und V. L. v. Saint-Paul-Kösen.

Unter den 55 Toten waren der langjährige Rendant Dittmann (80 J) und  der Kapitän a. D. Georg Rosenberger  (54 J.) Georg Rosenberger (Jg. 1838) war der Sohn  des Kreisarztes von Königsberg Otto Christian Rosenberger (1771-1841) und dessen Ehefrau Magdalena geb. Hamann (1774-1849). Er fuhr seit 1862 zur See, machte 1875 das Kapitänspatent und übernahm 1889 das Vollschiff „Regulus“ einen Überseefrachter. 1889 heiratete er seine 10 Jahre ältere Cousine Eugenie Rosenberger, die Tochter des hiesigen Badearztes, die ihn ab 1892 auf seinen Fahrten begleitete. 1897 beendete er den aktiven Dienst und ließ sich mit seiner Ehefrau in der Lindenstraße  Nr. 11 nieder, in der Villa „Fallen Anker“ (s. a. Susanne Schramm „Kapitänsfrauen auf großer Fahrt“ in Deutsches Schifffahrtsarchiv 20, 1997 S. 183 ff.) 

Die städtische Schule besuchten 407 Kinder, die Knabenschule von Oberlehrer Geiling 50 und  ebenso viele Mädchen die höhere Töchterschule von Frl. Piper. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Für die Verwahrung des Solschachtes sollte ein Darlehen bei der Stadtsparkasse aufgenommen werden. Für die Badekapelle wurden 3200 Mark bewilligt und die Badedirektion beauftragt, darüber mit dem Musikdirektor Herzog-Erfurt einen Vertrag abzuschließen. Außerdem sollte die  kleine Promenade eingezäunt werden, um das unberechtigte Betreten der Fränkenauer Wiese zu unterbinden.

 

  1. Jan. Festessen zum Geburtstag des Kaisers (NKB).

Wenige Tage zuvor erschien eine Anzeige des Magistrats „Zum Geburtstag S. M. findet (.) im Kurgarten ein Festessen statt. Das Gedeck kostet 2 Mark. Die Einwohnerschaft wird gebeten, sich zahlreich an dieser Feier zu beteiligen“ 

Daraufhin erklärte ein „Komitee“ „Um irrigen Gerüchten entgegen zu treten, wird bekannt gegeben, daß am Geburtstag S. M. des Kaisers außer dem Festessen im Kurgarten auch ein solches im Kurhaus „Mutiger Ritter“ stattfindet.   

Letztlich waren es drei Festessen, denn 12 „Unparteiische“ versammelten sich im „Ratskeller“. Zu den beiden anderen kamen jeweils 80 Teilnehmer. 

 

  1. Feb. Suspendierung des Bürgermeisters Lünzner (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Auf einer Sondersitzung informierte der Landrat Freiherr v. Dalwigk, dass auf Anordnung der Königl. Regierung der Bürgermeister mit sofortiger Wirkung suspendiert und ein Regierungsreferendar das Amt übernimmt. Grund war eine nachträgliche Ergänzung im Protokollbuch des Magistrats, die als Urkundenfälschung zur Erlangung eines persönlichen Vorteils (Anschluss der Wohnung des Bürgermeisters an das elektrische Stromnetz) gewertet wurde. Am 16. März kam die Angelegenheit vor das Amtsgericht, dass Lünzner aus Mangel an Beweisen freisprach. Damit war die Suspension aufgehoben. Allerdings untersagte der Reg-Präsident zunächst die Aufnahme der Amtstätigkeit, wegen eines ungeklärten Verwaltungsvorganges, hob diese aber am 25. April wieder auf und Lünzner wurde noch am gleichen Tag vom Landrat wieder eingeführt.

 

  1. Feb. Ausschreibung der Überdachung der Bahnsteige (NKB)

Dafür stellte die Bahnverwaltung 56.000 Mark bereit. Die Arbeiten wurden im Herbst beendet.

 

  1. Feb. Anzeige des Gastwirts O. Nessmann (NKB)

„Den geehrten Herrschaften von Naumburg, Kösen und Umgebung teile ich hierdurch mit, daß ich den Betrieb vom Hotel Kurzhals nicht mehr führe. Durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen ist das Hotel zu einem derartigen Preis verkauft, daß mein Ruin herbeigeführt werden muß, ich aber mich des Betrugs nicht schuldig machen wollte, deshalb habe ich es meinen Hypotheken-Gläubigern, Kurzhals-Erben zurückgegeben“

Allerdings bestanden die Erben auf die Rückzahlung der Hypothekenschuld, so dass das Hotel zwangsversteigert wurde. Das Höchstgebot von 85.000 Mark gab Carl Apel ab.

Ein Jahr später verkaufte Nessmann sein Wohnhaus „Bahnhofslage mit großen Garten passend für Geflügelzucht“ für 9.000 Mark (Bahnhofstr. 4)

 

  1. Feb. Beisetzung des Generalmajor a. D. Carl Rudolf Jacobi (NKB)

Er war ein Sohn des Professors für Mathematik an der Landesschule, dessen Anwesen diee Villa Jacobi (R. Breitscheid Str. 3) die Stiftung der Kinderheilstätte erwarb.

 

  1. Feb. Kanonenböller und Illumination des Gradierwerks (NKB).

Der Einbau des Gewölbes im unteren Schacht war beendet, wenn auch nicht in der gewünschten   Tiefe, sondern schon bei 45 Metern unter der Hängebank. Dass der Verschluss funktionierte, zeigte  die nachfolgende chemische Analyse der Sole des oberen Schachtes. Der Jenaer Chemiker Dr. Jul. Herz ermittelte einen konstanten Gehalt von 5,47 % (LHASA MER C 48Ii Nr. 776 IX). Die bei dieser Gelegenheit untersuchte Probe der Johannisquelle ergab  1,5 % NaCl.

 

  1. Mär. Verabschiedung des Bezirksamtmannes a. D. v. Strantz (NKB)

Strantz, der nach seiner Dienstzeit in Daressalam hier als Privatier lebte und seit 1901 Stadtverordneter war, ging als Bürgermeister nach Bad Grund.

 

  1. Mär. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390, NKB)

Der Verein mit 185 Mitgliedern unter dem Vorsitz des Mühlenbesitzers Roßner, beschloss die Bepflanzung des Hanges gegenüber vom Borlachbad, die Höhersetzung des Gedenksteines für T. Berbig, die Anlage eines Weges von der großen Promenade zur Inhalierhalle und den Ausbau der Wanderwege an der Ilske und zum Himmelreich. Da Letztere nicht zum Stadtbezirk gehörten, sollte der Magistrat die entsprechenden Genehmigungen von der Landesschule einholen. Der wurde darüber hinaus gebeten, entlang der Kukulauer-, der Linden- und der Borlachstraße sowie am Bahnhof Bäume anzupflanzen.

 

  1. Apr. Die städtische Schule wird „siebenstufig“ (NKB).

Die rund 400 Kinder der Altersstufen 6 bis 13 wurden von sechs Lehrern unterrichtet.

 

  1. Apr. Geschäftsübernahmen und Neueröffnungen (NKB)

Reinhardt, langjähriger Werkführer bei P. Hämmerling übernahm die Brot-, Weiß - und Kuchenbäckerei und Otto Schoppe die Konditorei unter der Maßgabe den Namen „Hämmerling“ über mehrere Jahrzehnte beizubehalten.

Der Friseur Otto Kotte zog  von der Burgstraße in die Borlachstr. 30, D. Fischer eröffnete eine Fleischerei in der Burgstraße 2, der Handelsgärtner Genth einen Blumenladen in der Lindenstraße 8 und H. Peter ein Installationsgeschäft in der Schmettaustr. 7. Außerdem zeigte der Apotheker Dr. Billing die Übernahme der Hoeferschen Adler-Drogerie (Uferstr.5) an,  die nach wenigen Wochen dem Apotheker Apetz überließ.  

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Bei der Prüfung des städtischen Haushaltes wurde eine Überschreitung der Kämmerei- und der Badekasse von 18.000 Mark festgestellt. Zur Feststellung der Verantwortlichen wurde eine Kommission gebildet. Beschlossen wurden Verhandlungen mit der Landesschule zum Ankauf der Fränkenauer Wiese und über die Auflösung der Gesamtinnung von Kösen und Umgebung informiert. Deren Aufgaben (Gesellen- und Meisterprüfungen) übernahmen nun die Fachinnungen des Landkreises bzw. die Handwerkskammern.

 

  1. Apr. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

Der gehörten inzwischen 361 Männer und 78 Frauen an. Das Vereinsvermögen betrug 9.400 Mark, die Einnahmen im letzten Jahr 5.500 Mark, die Ausgaben für ärztliche Behandlungen, Arzneien, Kuren, Kranken- und Sterbegeld 4.200 Mark. 

 

  1. Mai Zwangsversteigerungen (NKB)

Auf der „Katze“ kam die Konkursmasse des ehemaligen Pächters Jahn unter den Hammer und am Hotel Kurzhals wurde der von Nessmann auf eigene Kosten errichtete „Sommer-Salon“  auf Abbruch versteigert, nachdem Apel den Ankauf abgelehnt hatte.

 

  1. Mai Saisoneröffnung mit der Badekapelle unter Kapellmeister Herzog(NKB)

Die spielte nun erstmals in dem von Paul Krüger gestifteten im chinesischen Stile erbauten Musikpavillon am Gradierwerk.

Diesmal bekam Carl Friedrich mit seinem Motorbootverkehr Konkurrenz aus der eigenen Familie. Sein Bruder Otto hatte das Motorboot „Ekkehardt“ von einem Leipziger Unternehmer gepachtet, und in „Saalecksburg“ umbenannt.  1907 übersiedelte er mit dem Boot nach Weißenfels.

 

  1. Mai Verhandlung des Schöffengerichts (NKB)

Verurteilt wurden ein Botenfuhrmann aus Kösen zu 1 Monat Gefängnis, seine Ehefrau zu 10 Tagen Gefängnis und die Tochter zu 5 Tagen Gefängnis wegen Misshandlung eines Arbeiters. Zwei andere Arbeiter aus Kösen wurden wegen Misshandlung zu je 2 Monaten Gefängnis verurteilt.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Erneut ging es um die unzureichende Leistung des städt. Elektrizitätswerks. Eine Erweiterung war in Anbetracht des desolaten Haushaltes und des erfolglosen Versuchs von den Einwohnern eine schriftliche Abnahmeverpflichtung zu erlangen, nicht finanzierbar. Um zumindest den Grundbedarf zu gewährleisten, wurden der Anschluss privater Elektromotoren und das Aufladen von Akkumulatoren verboten. 

 

  1. Mai 350 Jahr-Feier der Landesschule (NKB)

 

  1. Mai Schreiben an den Magistrat (BLK-A. Nr. 544)

Die Stadtverordneten Dr. Löffler und der Mühlenbesitzer Roßner drohten mit der Niederlegung ihre Ämter, wenn die Stadtverordneten Kersten und Wolf wegen mehrfachen unentschuldigten Fehlens nicht mit einer Geldstrafe belegt werden. Außerdem erklärte der Stadtverordnetenvorsteher Roßner, dass er sich bis Ende Juni auf Reisen befinde und  demzufolge keine Sitzungen stattfinden können.

 

  1. Mai Gründung einer dritten Schützengesellschaft (NKB)

Wegen der Differenzen zwischen dem Direktor der Schützengesellschaft 1832, T. Siebold,  Wirt des „Preußischen Hofes“ und dem Direktor des Zementwerkes P. Kersten hatte letzterer in seiner Eigenschaft als „Hausherr“ dem Verein die Benutzung des Schießstandes an der „Katze“ untersagt. Daraufhin  verklagte Siebold und seine Anhänger den Eigentümer der „Katze“ Rittergutsbesitzer v. Schönberg und den Pächter die Zementfabrik.  Daraufhin gründete einige  Vereinsmitglieder die „Schützengesellschaft auf der Katze“. 

 

  1. Juni Kongress der Johanniter der Provinz Sachsen im Mutigen Ritter (NKB)

Der Kommendator  Gen. d. Kav. v. Wartensleben begrüßte unter den Teilnehmern Gen.-Ltn. Graf v. Asseburg, den Minister im Kgl. Haus v. Wedel, Hofmarschall Graf Keller, Graf v. d. Schulenburg-Emden, Prinz Heinrich v. Schönburg-Droyßig, Staatsminster Freiherr v. Feilitzsch-Bückeburg, den Geh. Staatsrat v. Holleben-Rudolstadt u.a.

 

  1. Juni Beschwerde von Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 544)

In Abwesenheit des Vorsitzenden hatte der Stadtverordnete Wolf als Ältester zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen. Die Sitzung fiel aus, weil einige Stadtverordneten aus Protest gegen das eigenmächtige Vorgehen Wolfs fernblieben und somit keine Beschlussfähigkeit bestand. Daraufhin lud Wolf für den 13. Juni erneut ein, mit dem Hinweis, dass diesmal auch ohne die Mehrheit der Stadtverordneten Beschlüsse von den Anwesenden gefasst werden können. Auf der am 17. Juni anberaumten Sitzung an der nur 5 Stadtverordnete teilnahmen, genehmigten  Lünzner und die Stadtverordneten Kersten, Wolf und Naumann die Etatsüberschreitung, die durch die missglückte Wältigung des Solschachtes entstanden waren. Daraufhin beschwerten sich die übrigen Stadtverordneten beim Regierungspräsidenten. Weil auch der Landrat erhebliche Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Beschlusses äußerte, wurde er kassiert.

  

  1. Juni Reichstagswahlen (NKB)

In der „Tanne“ hatten zwei Wählerversammlungen stattgefunden. Obwohl der Kandidat der konservativen Vereine als auch der Kandidat der Freisinnigen gegen die Sozialdemokratie polemisierten, erhielt deren Kandidat 128 Stimmen, der  konservativ-nationalliberale Kandidat 112 und der freisinnige Kandidat 202. 

 

  1. Juni Jahresfest des Provinzialvorstandes des Gustav-Adolph-Vereins (NKB)

 

  1. Juni Planung eines Corpshauses (NKB)

Der Vorstand des KSCV verhandelte mit Saalecker Landwirten wegen des Ankaufs eines Grundstückes unterhalb der Rudelsburg. 

 

  1. Juli Verkaufsanzeige der Voigt`schen Villa in den Saalbergen (Nr. 15) (NKB)

Das herrschaftliche Anwesen mit „Loggia, Terrassen, eigener Wasserleitung und Gasanlage, Bad, Garten, verglasten Pavillon, einer Ruine, Wintergarten, bewaldeten Hang mit Aussichtsturm und vielen Sitzplätzen“ wurde für 30.000 Mark angeboten.

Im Mai 1904 kaufte Dr. Risse das Anwesen für 16.500 Mark und verkaufte es dann dem Musikdirektor Hohenstein.

 

  1. Juli Generalversammlung des Konsum-Vereins in der Mälzerei (NKB)

 

  1. Juli Mannschießen der „Kösener Schützengesellschaft auf der Katze“ (NKB)

Nach Veröffentlichung der Anzeige erklärte der Direktor der Schützengesellschaft 1832: „Auf Grund verschiedener Anzeigen, in denen der Vorstand der „Kösener Schützengesellschaft auf der Katze“ zum Kösener Mannschießen einladet, fühlen wir uns veranlaßt zu erklären, daß die Einladung nicht von uns, der Kösener Schützengesellschaft 1832 ausgeht, welche seit 1840 das Mannschießen auf der Katze abhält, sondern von einer neuen Gesellschaft, welche auf Veranlassung des Direktors des Zementwerkes erst kürzlich gegründet wurde..“

Daraufhin erklärte der Vorsitzende des neuen Vereins „Es ist richtig was der erste Direktor  der Schützengesellschaft 1832, Herr Gastwirt Th. Siebold (.) annonciert, nämlich, daß eine Gesellschaft bestehend aus 7 Gastwirten und noch einigen 10 Sterblichen das Mannschießen auf der „Katze“ nicht abhält. Es hat sich aber auf der „Katze“  eine Gesellschaft von ca. 50 Männern gebildet, die in geordneten Verhältnissen leben und sich von dem Herrn Ersten Direktor  nicht mehr nach seiner Gastwirtschaft kommandieren lassen. Die Mitglieder der neuen Schützengesellschaft haben daher dem Besitzer der „Katze“ besser gefallen  und den Herrn Direktor S. die fernere Benutzung seines Schießstandes verboten. Um aber unter allen Umständen sein Häuflein Schützen  in seiner Gastwirtschaft bewirten und ab und zu auch  einmal schießen zu lassen, wollte sich der Herr Erste Direktor  unter allen Umständen den Schießstand  auf der „Katze“ erhalten...“

Die Klage der Schützengesellschaft 1832 wegen dem Entzug ihres Schießstandes wurde vom Landgericht im August dahingehend beschieden, dass die Klage gegen den Besitzer der „Katze“, Freiherrn v. Schönburg abgewiesen wird, dagegen aber die Pächterin der „Katze“, die Sächs.-Thüring. AG für Kalksteinverwertung sich jeglicher Störungen der Benutzung des Schießstandes seitens der Schützengesellschaft 1832 zu enthalten habe und dieser den Schaden durch den „gewaltsamen Entzug“ der Anlage zu ersetzen habe. 

Nach entsprechender finanziellen Einigung verzichtete die Schützengesellschaft 1832 auf diesen  Schießstand und errichtete einen neue Anlage am Rektorberg.

Das Mannschießen der neuen Schützengesellschaft selbst zog viele Besucher an, nicht zuletzt weil erstmals ein ganzer Ochse am Spieß gebraten wurde, den der Direktor des Zementwerkes P. Kersten spendiert hatte.

 

  1. Juli Erkundungsreise zur Vorbereitung des Kaisermanövers (NKB)

Zum Generalstab des IV. Armeekorps gehörten der komm. General v. Hindenburg, die Divisionschefs Gen. v. Prittwitz, Gen. Baron v. Ardenne, die Brigadechefs Gen. d. Art. Kühn, Gen. d. Kav. v. Tresckow, Gen.- d. Inf. Held und Fähndrich.

 

  1. Juli Vortrag und Ausstellung zur Reformbekleidung im Mutigen Ritter (NKB)

 

  1. Aug. Mannschießen und Festumzug zur 25-Jahrfeier der Bürgerschützen (NKB).

 

  1. Aug. Ortsstatut zur Klasseneinteilung bei Einquartierungen (StaA Nmb Nr. 171)

Grundlage für die  Zahl der vom Hauswirt aufzunehmenden Soldaten, war an die Gebäudesteuer gebunden, je 8 Mark einen Mann. Mussten mehr als 1.200 Militärpersonen untergebracht werden, wurden auch Mieter mit eigenem Hausstand belegt.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Bürgermeister Lünzner, der wegen gesundheitlicher Probleme beurlaubt war, ließ sich vom  Ratsschöffen Krüger vertreten. Obwohl die Stadtverordneten Kersten, Wolf und Dr. Schütze fehlten, war man beschlussfähig und hob den vom Landrat bemängelten Beschluss zum Nachtragshaushalt auf.

 

  1. Aug. Wohltätigkeitskonzert der Kasino Gesellschaft (NKB)

Dabei kamen zu Gunsten der Hochwassergeschädigten in Schlesien 170 Mark zusammen.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Bei der Wahl des zweiten Ratsschöffen stimmten 7 für den Gastwirt Weber jun. Die Beschwerde von Kersten und Wolf beim Regierungspräsidenten wegen „unzulässiger Manipulation der Mehrheiten, um Beschlußfähigkeit herzustellen“ wurde von der Königl. Regierung abgewiesen.

 

  1. Sep. 71. Mannschießen der Schützengesellschaft 1832 (NKB).

Das Schießen fand auf dem neuen Schießstand am Rektorberg statt, wo ein 22 Morgen großes Feld als Festwiese hergerichtet war. Der Besitzer der Saalhäuser gestattete die kostenfreie Nutzung der Fähre. Doch bereits im Vorfeld gab es wegen des Festzuges erheblichen Ärger. Die Schützengesellschaft hatte die beiden Kriegervereine zum Festzug eingeladen, allerdings fanden einige Mitglieder die Rahmenbedingungen als ehrenrührig und veröffentlichten eine Erklärung:   „Nächsten Sonntag wird in Kösen nun glücklicherweise auch noch ein drittes Mannschießen abgehalten und zwar auf dem Rektorberg von einem Rest der Schützengesellschaft 1832, die bisher auf der Katze ihr Schießen abhielt, aber denen von Herrn Hauptmann v. Schönburg  der Schießplatz entzogen wurde, nachdem sie erfolglos einen Prozeß gegen ihn angestrengt hatten (.) Die Zahl der Gesellschaft ist nun keine so große, daß sie einen ansehnlichen Umzug durch die Stadt veranstalten kann. Da das Bürgerschützencorps die Teilnahme am Umzug abgelehnt hatte, wollten die im Volksmund genannten Zwillingsschützen einen Umzug per Landauer veranstalten. Dagegen hat niemand etwas einzuwenden (.) Daß die Gesellschaft aber an die beiden Kösener Kriegervereine  das Ansinnen gestellt hat, sich an diesem Umzug  zu beteiligen und natürlich per pedes, während die wenigen Herren im Landauer fahren, ist dann doch eine starke Zumutung, die auch nicht dadurch gemindert wird, daß jedes Mitglied vom Verein Kronprinz Friedrich Wilhelm 4 Glas Bier gratis bekommt  und nur 50 Pfg. Tanzgeld  bezahlen soll, aber auch nur dann, wenn er sich am Umzug beteiligt. Der ältere Kriegerverein König Wilhelm hat daher auch das Ansinnen der Zwillingsschützen abgelehnt und fordert die Kameraden des Kriegervereins Prinz Friedrich Wilhelm auf, sich ebenfalls nicht an diesem Umzug nicht zu beteiligen“. 

Daraufhin erklärte die Schützengesellschaft 1832 „Als Antwort auf das Inserat im NKB teilen wir mit, daß der Verfasser des von Anfang bis zu  Ende unwahren Pamphlets wie ja nicht anders zu erwarten war, Herr Paul Kersten, Direktor  des Zementwerkes ist. Das Urteil über diese Handlungsweise überlassen wir den Lesern und unseren Mitbürgern.“ Daraufhin erklärte Friedrich Wolf, Schriftführer des älteren Kriegervereins „Die im NKB an die Mitglieder des Kriegervereins Kronprinz Friedrich Wilhelm gerichtete Aufforderung, sich nicht am Auszug der Schützengesellschaft 1832 zu beteiligen, geht von mir und verschiedenen anderen Kameraden beider Kriegervereine aus. Alles dort gesagte können wir beweisen und halten daher daran fest..“.  

Trotzdem war das dreitägige Fest ein voller Erfolg, zumal es noch mit dem Sedantag zusammenfiel, denn etliche Mitglieder des Vereins „Kronprinz Fr. Wilhelm“ an der Spitze die Generäle a. D.  v. Strantz und Stieler v. Heydekampf, die Kriegervereine aus Naumburg  und Eckartsberga, mehrere Stadtverordnete, viele Badegäste, Passanten und Einwohner zogen durch die Stadt zum Rektorberg. Schützenkönig wurde der Tischlermeister Schimpfermann, Kronprinz der Gastwirt Siebold.

 

  1. Sep. Schwerer Unfall am Schrankenübergang (NKB).

Ein Motorwagen, der von Weimar kommend zum Kaisermanöver unterwegs war, durchbrach die Schranke an der Eckartsbergaer Chaussee. Drei Insassen blieben unverletzt, einer verstarb. Der durchfahrende Schnellzug riss ein Stück des in die Gleise ragenden Schrankenbaumes mit. Kurz zuvor hatte der Schnellzug mit dem König von Sachsen den Schrankenübergang in der Gegenrichtung passiert. 

Der Unfall passierte in den Abendstunden und wurde auf die unzureichende Beleuchtung des Überganges zurückgeführt. Darüber hinaus wurde die Beleuchtung der Straßen insbesondere auch der vielbefahrenen Chaussee wegen der völlig unzureichenden Leistung des städtischen E-Werkes kritisiert, zumal beim Kaisermanöver zahlreiche Militäreinheiten auch in der Nacht durchzogen.

 

  1. Sep. Letztes Abonnementskonzert der Badekapelle (NKB)

Unter Leitung des Direktors Herzog waren es in dieser Saison 201 Kur- und 10 Abonnementskonzerte, dazu kamen 14 Vergnügungs- und Tanzveranstaltungen der Badedirektion, der Kommers des KSCV, das Gustav-Adolph Fest, der Diakonissenbasar, das Brunnenfest und die drei Mannschießen.

Die Badedirektion wurde ermächtigt mit Herzog einen Vertrag für die kommende Saison auszuhandeln. Die Pauschale betrug 3200 Mark für 16 Musiker.     

 

  1. Sep. Kur des Freiherrn von Schönaich mit Familie (Hollbachs Fremdenbuch)
  2. Schönaich (1866-1954) wurde später zum Generalmajor befördert und war Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft.

 

  1. Sep. Wettfahrt nach Eckartsberga des Radfahrer-Clubs „Rudelsburg“ (NKB)

Der schnellste Fahrer brauchte für die Strecke von 25 km 61 Minuten.

 

  1. Okt. Verlegung des Vereinslokals des Konsumvereins in die Borlachstr 33 (NKB).

 

  1. Okt. Wechsel in der Leitung des Pädagogiums (NKB).

Neuer Direktor des Gehrke`schen Instituts war Rektor Freymark, der bisher in Erfurt eine höhere Handelsschule  leitete. Neben den Gymnasialklassen VI bis IIIb  zur Vorbereitung zum Besuch der Kgl. Landesschule, bot er Vorbereitungsklassen für Real- und Handelsschulen sowie den einjährigen Freiwilligen Dienst an.

 

  1. Okt. Neuverpachtung der Rudelsburg (NKB)

Der bisherige Wirt Bruno Schmidt hatte die Pacht gekündigt, weshalb der Rittergutsbesitzer v. Schönburg die Bewirtschaftung ausgeschrieben hatte. Das höchste Gebot mit 8.500 Mark gab der Pächter des Naumburger Schützenhauses Adolf Büchner ab. Dazu musste er das Inventar übernehmen und bis zu 25.000 Mark Barmittel als Sicherheit nachweisen.

 

  1. Okt. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

„Unser Bad hat auch in dieser Saison seine altbewährte Anziehungskraft wieder bewiesen, denn sein Besuch ist trotz der Zeiten Ungunst ein überreichlicher, die Einnahmen aus der Kurtaxe haben bisher eine Höhe erreicht, wie kaum zuvor“ schrieb das NKB bereits im Juli.

Ende September hieß es „Trotz der zu Neige gehenden Saison haben wir noch immer Badegäste, die sich sehr wohl bei uns fühlen. Das herrliche Wetter lockt sie förmlich zu einem Bummelleben in Wald und Flur. So ist Kösen wenn es in manchem Bade schon ungastlich wird, zu einer Nachkur wie geschaffen. Das haben auch Künstler wie Dawinson (Kgl. sächs. Hofschauspieler), Helmerding (Karl Helmerding 1822-1899, Berliner Volksschauspieler), Franzos (Karl Emil Franzos 1848-1904, öster. Schriftsteller) und Adami (Fr. Wilhelm Adami 1816-1893, Schauspieler) wohl gewußt.“

In diesem Jahr waren unter den Gästen Prof. Dr. Bringmann-Leipzig, General v. Manstein (1844-1913) zuletzt Kommandeur d. 85. Inf.-Brigade mit Familie-Straßburg, G. Genth mit Familie-Transvaal, Gräfin Caroline v. Hertzberg-Berlin, Ida v. Hindeburg (geb. 1851)-Neudeck, die Gattin des Regierungspräsidenten v. Boetticher, die während ihres Kuraufenthaltes im Alter von 58 Jahren verstarb), Magister Jacobi-St. Petersburg, Ingenieur A. Dulac-Paris, Stiftsdame Gräfin L. Bernsdorff-Mecklenburg, Oberst a. D. v. Mach-Dresden, M. v. Wedel mit Bedienung (Florenz), Geh. Justizrat Stieler v. Heydekampf (Stendal), Mrs. Waters mit Söhnen-Goldendale, Graf Waldemar u. Comtesse v. Oriola-Dresden, Adolph v. Roque-Wien, Prof. Dr. Prätorius-Halle, Frl. Gavrilenko u. Bedienung-Kiew, Oberst-Ltn. Karl Boeckh-Jena, Freifrau Anna v. Stein-Kassel, Prof. Karlbaum-Berlin, Baronin v. Friesen-Rötha.

 

  1. Okt. Wilhelm Becker übernimmt das Geschäft vom Buchbinder Fr. Wolf (NKB)

 

  1. Okt. Wintervergnügen des Beamten-Gesangsverein (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Nach dem plötzlichen Tod des Bürgermeisters Lünzner am 18. Oktober im Alter von 50 Jahren wurde die Stelle für 3.000 Mark und einem Mietzuschuss von 500 Mark ausgeschrieben. Als Nachfolger für den ausgeschiedenen Ratsschöffen Krüger wurde Hermann Weber gewählt.

 

  1. Nov. Bekanntgabe der Wahlmänner zur Wahl des preuß. Landtages (NKB)

In den beiden Wahlbezirken traten an in der I. Abt. Mühlenbesitzer Roßner, Dr. Risse, Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf, Rentier Schmidt, in der II. Abteilung Kfm. O. Koch, Kfm. T. Siebold, Rentier Hämmerling  und in der III. Abt. Maurermeister Blumentritt, Zimmermeister E. Toepfer, Stellmachermeister Schlichting und Rentier Brückner. Wahllokale waren der „Ratskeller“ und der „Mutige Ritter“. Alle 11 Bewerber nahmen Partei für die konservativen sowie nationalliberalen Kandidaten und wurden gewählt. 

 

  1. Dez. Erlass der Polizei-Verwaltung (StaA Nmb).

Bei der Kontrolle der Einhaltung der im November erlassenen Polizeiverordnung zur Unterhaltung der Straßen und Wege hatte man festgestellt, dass einige Hausbesitzer die Abwässer ihrer neu installierten Wasserklosett  direkt in den öffentlichen Kanal ließen, was zu Verstopfungen und üblen Gerüchen führte. Daher wurden alle Hausbesitzer angewiesen mit den WC-Anlagen auch eine Dreikammergrube einzubauen und nur deren Überlauf anzuschließen. Bei Trockenklosetts blieb es bei den üblichen Sammelgruben.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Für das Amt des Bürgermeisters wurde Dr. Beyendorff einstimmig gewählt und als Nachfolger für den ausgeschiedenen Stadtverordnetenvorsitzenden Roßner erhielt Dr. Risse die notwendige Mehrheit. 

 

1904

 

  1. Jan. Statistik (KöZ)

Im abgelaufenen Jahr gab es 72 Geburten (davon 4 uneheliche), 22 Hochzeiten und 46 Verstorbene. Die Stadtschule meldete 406 Schüler, das Freydanksche Pädagogium 53 Knaben und 6 Lehrer und die Pipersche Töchterschule 42 Kinder mit 3 Lehrerinnen.

 

  1. Jan. Extrakonzert der Sulzaer Stadtkapelle im „Kurgarten“ (NKB)

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NKB, BLK-A. Nr. 294).

Anstelle von Dr. Risse wurde T. Siebold zum Stadtverordnetenvorsteher und Exz. v. Heydekampf in die Badekommission gewählt. Kersten lehnte die Wahl zum Vorsitzenden der Hoch-, Tief- und Wegebaukommission wegen fehlender Kooperation mit dem Magistrat ab.

Der hatte seinerzeit ohne Rücksprache die Baugenehmigung für das Blumentritt`sche Haus (Borlachstr. 45) erteilt, obwohl dabei ein Teil des Fahrweges überbaut wurde. Die Fläche fehlte, um die lt. Polizeiverordnung erforderliche Breite der Straße einzuhalten. Stattdessen sollte auf der anderen Seite ein Streifen von der Bahnverwaltung erworben werden. Weil dafür kein Geld eingeplant war, hatte der Magistrat der Bahnverwaltung angeboten, die Unterhaltung der Kaskade zu übernehmen. Obwohl es zu keiner Vereinbarung kam, wurde das Grundstück der Bahnverwaltung bei der Fahrbahnverbreiterung einbezogen, worauf diese auf den Kaufpreis von 639 Mark bestand. Dafür wollte Kersten den Magistrat in Regress nehmen.

 

  1. Jan. Amtseinführung des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 600, NKB, Röblitz 1930).

Dr. R. Beyendorff aus Dessau war mit Jahrgang 1876 der jüngste Bürgermeister Deutschlands. Nach der Einführung durch den Landrat und dem Amtseid erklärte der Stadtverordnetenvorsteher Siebold: „Ihr soeben abgegebenes Gelübde haben wir mit wachen Augen und Ohren in uns aufgenommen und wir sehen nun in der Hoffnung auf bessere Zeiten ihren Taten entgegen, Taten die allein nur das Ziel haben mögen, das Wohl der Stadtgemeinde (.) die offenen Gräben zwischen den  zerstrittenen Parteien zu schließen und sich mit allen Kräften der Entwicklung des Bades zu widmen. (.) Nehmen sie von uns die Versicherung, daß wir bereit sind, in treuer Mitarbeit, ihnen zur Seite zu stehen...“

An dem nachfolgenden Festessen, für das ein Unkostenbeitrag von 2,50 Mark erhoben wurde, nahmen 100 Personen teil. 

 

  1. Feb. Eigentümerwechsel beim Rektorberg (NTB, KöZ)

Holliger verkaufte den „Palmengarten“ für 36.000 Mark an A. Osang aus Merseburg und zog selbst nach Merseburg. Osang eröffnete das Lokal am 1. Mai nun unter dem Namen „Schützenhaus“. Ende Mai stand das Lokal erneut zum Verkauf und wurde im  Oktober zwangsversteigert.  Das Anwesen mit Wohnhaus, Hof, Garten, 1 Hektar Gehölz und 2 Hektar Wiese erwarb der Gastwirt B. Bahn für 36.500 Mark.

 

  1. Feb. Eröffnung der Bedachungsfirma H. Fritzsche, Fränkenauer Trift 124 (NKB)

„Ich werde bemüht sein, alle in mein Fach schlagenden Arbeiten in Gemeinschaft meines Vaters (Naumburg, Michaelisstr.) sorgsam auszuführen…“

 

  1. Feb. Veröffentlichung der neuen Hundehalter-Verordnung (KöZ)

Die bisherige Steuerfreiheit für den ersten Hofhund wurde aufgehoben, ausgenommen waren Hunde zur Bewachung (Hirten) und für das Gewerbe (Fleischer, Ziehhunde)

 

  1. Feb. Übergang des ersten Floßes über den Wehrdamm (KöZ)

 

  1. Feb. Mitteilung des Vorstandes der Ortskrankenkasse (NKB).

Der im November 1903 neu gewählte Vorstand hatte vom Apotheker einen Hinweis bekommen und daraufhin einen gerichtlich vereidigten Sachverständigen mit der Prüfung der vom Kassenarzt Dr. Risse ausgestellten Rezepte beauftragt. Dabei stellte es sich heraus, dass von 500 ausgestellten Rezepten 416 nicht in der  Apotheke, sondern in der Adler-Drogerie eingelöst wurden und nach Ansicht des Gutachters auch einige Verschreibungen überteuert waren.

Daraufhin informierte der Vorstand die Aufsichtsbehörden, Bürgermeister, Landrat und Regierungspräsidenten und erstattete Anzeige, enthob den Kassenarzt seines Amtes und berief San.-Rat Surminski, Dr. Schütze und Dr. Löffler als Kassenärzte.

Daraufhin wandte sich Dr. Risse mit einer Gegendarstellung an die Öffentlichkeit: „Diese Enthebung entbehrt jeden gesetzlichen Grundes (.) Sie ist in einem in Kösen verbreiteten gedruckten Zirkular  unter beleidigenden, völlig unwahren Angaben veröffentlicht (.)  Dagegen habe ich die Einleitung eines Strafverfahrens wegen der mich verleumderisch veröffentlichten  Beleidigung veranlaßt. Die Enthebung von meiner Stellung als Kassenarzt erkläre ich für völlig ungerechtfertigt und bitte deshalb alle Mitglieder der Ortskrankenkasse nach wie vor im Krankheitsfall sich vertrauensvoll an mich zu wenden...“

 

  1. Feb. Verordnung zur Einrichtung eines städtischen Freibank (KöZ)

 

  1. Feb. Veröffentlichung der Verordnung über die Einquartierungslasten (KöZ)

 

  1. Feb. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (NKB)

Zum Vorsitzenden wurde Exz. Stieler v, Heydekampf gewählt. Eine Kostenbeteiligung an der städtischen Werbung für das Bad lehnte der Verein ab.

 

  1. Feb. Generalversammlung der Sterbe- und Begräbniskasse (NKB)

Das Vermögen des 594 Mitglieder zählenden Vereins betrug über 80.000 Mark. Die Bespannung des Leichenwagens wurde dem Spediteur Pabst übertragen und für die Beisetzung von Ortsarmen eine Gebühr von 2 Mark festgesetzt, die die Armenkasse übernahm.

 

  1. Feb. Verpachtungsanzeige für 2 Verkaufsbuden am „Mutigen Ritter“ (KöZ)

Die wurden an Händler während der Saison vermietet, ein Antrag des Gastwirts Weber auf Übernahme wurde abgelehnt.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600; NKB).

Der Vorsteher Siebold begrüßte den neuen Bürgermeister als „Dirigent des Magistrats“. Die ersten Punkte der Tagesordnung (Bewilligung von 300 Mark für die Herrichtung des Magistratszimmers für Eheschließungen und die Beantragung der Anpassung der im Gutsbezirk geltenden Bauvorschriften für Wohnbauten, die dann eingemeindet werden) konnten einvernehmlich erledigt werden. Informiert wurde über die Errichtung einer Rampe anstelle der Treppen von der großen Promenade zum Bahnhof

Doch dann ging es um den Nachtragshaushalt für die 1902 vom Magistrat ohne Zustimmung der Stadtverordneten veranlassten Mehrausgaben (Erweiterung der Inhalierhalle, des E-Werkes, Werbung etc.) in Höhe von 35.000 Mark.  Um Steuererhöhungen zu vermeiden, schlug Beyendorff die Aufnahme einer Anleihe von 50.000 Mark vor. Damit sollte der Haushalt 1902 ausgeglichen und notwendige Investitionen wie die Sanierung der Soleförderanlagen finanziert werden. Ein zweiter Vorschlag kam vom Direktor Kersten. Die Stadt sollte aus der Sole wieder Salz produzieren. Möglich wären jährlich 35.000 Zentner, deren Verkaufserlös das Haushaltsdefizit egalisieren würde, womit Anleihen oder Steuererhöhungen entfielen.

 

  1. Mär. Benefiz-Konzert für die hilfsbedürftigen Konfirmanden in der „Post“ (NKB)

 

  1. Mär. Holliger verkauft die Molkerei (Saalberge 1) an Alwin Knüppel (NKB)

 

  1. Mär. Veröffentlichung des Ortsstatuts zum Feuerlöschwesen (KöZ)

Neben der Freiwilligen Feuerwehr bestand immer noch die städtische Pflichtfeuerwehr, zu der alle männlichen Einwohner verpflichtet waren. Da es zahlreiche Ausnahmen und den Freikauf gab, blieben zumeist die gesunden Männer der ärmeren Bevölkerungsschichten.

 

  1. Mär. Erklärung des Vorstandes der Ortskrankenkasse (NKB)

Der rechtfertigte die Amtsenthebung von Dr. Risse und wies die Mitglieder darauf hin, dass seine Inanspruchnahme und die von ihm ausgestellten Rezepte nicht bezahlt werden.

Doch weil die Maßnahmen Amtsenthebung des Kassenarztes laut Satzung nur mit Stimmenmehrheit der Mitgliederversammlung möglich war, hatte der Vorsitzende der Ortskrankenkasse sein Amt niedergelegt. Dann hatte der frühere Besitzer der Adlerdrogerie, ebenfalls ausgebildeter Apotheker, allerdings ohne Konzession, erklärt, dass zahlreiche Heilmittel auch für den Verkauf in Drogerien zugelassen und dort preisgünstiger als in konzessionierten Apotheken sind und demzufolge der Ortskrankenkasse gar kein finanzieller Schaden entstanden sein kann.

Außerdem hatte die Staatsanwaltschaft die Anzeige gegen Dr. Risse ab- und den Vorstand auf den Weg der Zivilklage hingewiesen.

Bei der außerordentlichen Generalversammlung am 13. März wurde mit 257 von 370 Stimmen eine Resolution angenommen „Die Generalversammlung spricht dem Vorstand ihre Mißbilligung an einer die Mitglieder so nahe berührenden Angelegenheit, die die Enthebung des von der Versammlung gewählten Kassenarztes von seinem  Amt vorgenommen zu haben, ohne daß vorher die Generalversammlung  gehört wäre und behält sich vor, ggf. wegen der hierbei entstehenden finanziellen Belastungen der Kasse,  den Vorstand in Regreß zu nehmen...“

Daraufhin wurde  Dr. Risse fristgemäß zum 1. Juli gekündigt. Allerdings klagte Dr. Risse auf das Weiterbestehen seines Vertrages und Schadensersatz.

 

  1. Mär. Revision der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule (NKB)

Es gab 77 Schüler in drei aufsteigenden Klassen, die von Lehrern der Stadtschule unterrichtet wurden. Der jeweils Klassenbeste erhielt zum Ende des Schuljahres ein Buchgeschenk.

 

  1. Mär. Pachtausschreibung des Gutes in der Landesschule (NKB)

Gesucht wurde ab dem 01.07.1905 auf 18 Jahre ein Pächter für  die 420 Hektar Land, davon 312 Hektar Acker, der Rest Weideland. Der Pachtinteressent musste 235.000 Mark Vermögen nachweisen.  

 

  1. Mär. Ankündigung für das Sommertheater (NKB)

Der Theaterdirektor O. Nitzsche aus Bad Lauterberg mit einem Ensemble von 15 Personen hatte Interesse bekundet. Weil es zu keinem Vertrag kam, gastierte dann das Naumburger Stadttheater.

In diesem Zusammenhang wurde auch wieder die Forderung nach einer eigenen Kurkapelle erhoben, um nicht jedes Jahr einen neuen Musikdirektor zu verpflichten.

 

  1. Mär. Feierliche Schulentlassung von 19 Jungen und 30 Mädchen (NKB)

 

  1. Apr. Gründung der Saalecker Werkstätten GmbH (Schriftenreihe Stiftung 1999).

Im Gefolge des „Deutschen Bundes Heimatschutz“ gründete deren Vorsitzender Prof. Paul Schultze-Naumburg mit Fritz Koegel ein Architekturbüro für Haus- und Gartenbau, Mobiliar- und Innendekoration. Im Gegensatz zur Moderne des Bauhauses sah man sich dem traditionellen naturnahen Bauen und Wohnen verbunden. Im Oktober fand die erste Ausstellung von Mobiliar und Einrichtungsgegenständen statt, die in den Saalecker Werkstätten entstanden waren.

Fritz Koegel (geb. 1860), war eigentlich ein Literaturwissenschaftler und bearbeitete das  Gesamtwerk von Friedrich Nietzsche, dass seit 1896  in 12 Bänden vom Weimarer Nietzsche Archiv herausgegeben wurde. Im Juni begann man mit dem Bau seines Wohnhauses unterhalb der Burg Saaleck nach einem Entwurf von Schulze-Naumburg, deren Fertigstellung Koegel nicht mehr erlebte, denn er verstarb bereits im Oktober.

 

  1. Apr. Eigentümer- und Pächterwechsel (NKB).

Carl Möller überträgt die Handelsgärtnerei seinem Sohn Max. Hieronymus Drese aus Löbschütz pachtete die „Katze“ und H. Born übernahm das Rüdiger`sche Materialwarengeschäft Borlachstr. 32 (Nr. 7).

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Anstelle der vom Bürgermeister geforderten Erhöhung der Gebäudesteuer von 100 auf 150 %  wurde die Erhebung einer Immobilien-Umsatzsteuer von 1% vom Verkaufswert beschlossen. Da deren finanzielles Ergebnis in keiner Weise zur finanziellen Stabilisierung beitrug, lehnte sie der  Bürgermeister ab.

 

  1. Apr. Konkursverfahren über die Materialwarenhändlerin Thekla Hoppe (KöZ)

Die hatte nach dem Tod ihres Mannes das Geschäft in der Burgstraße.

 

  1. Apr. Fossilienfunde in der Arnold`schen Lehmgrube in Lengefeld (NKB)

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK- A. Nr. 600, NKB).

Erneut stand die Sanierung des städtischen Haushaltes im Mittelpunkt. Weil die Erhöhung der Gebäudesteuer abgelehnt wurde, schlug der Magistrat einen Zuschlag auf die Kurtaxe vor. Den sollten die Vermieter allein zahlen, private Vermieter 33 %, gewerbliche Vermieter 10 %. Sollte auch dies von den Stadtverordneten abgelehnt werden, wurde Bei ein 100%iger Zuschlag auf die direkte Steuer angekündigt. Das führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen dem  Bürgermeister und dem Vorsteher Siebold, wobei Beyendorff persönlich angegriffen wurde und daraufhin  mit den Ratsschöffen Krüger und Weber die Versammlung verließ.

Die Stadtverordneten beschlossen daraufhin die Einsetzung einer Kommission (Wolf, Roßner, Naumann, Siebold, Hämmerling) um weitere Alternativen zur Vermeidung von Steuern zu prüfen

 

  1. Apr. Bauabnahme der Körner`schen Villa, Berbigstr. 1 (StaA Nmb).

 

  1. Apr. Dr. Schütze verkauft das „Borlachbad“ (NKB)

Neuer Besitzer war der Berliner Arzt Dr. Max Lewinson.

 

  1. Apr. Bekanntmachung der Bade-Verwaltung (KöZ)

„Die Spielplätze und Bänke in den Parkanlagen sowie am Gradierwerk sind ausschließlich für die Kurgäste bestimmt. Personen, die nicht im Besitz einer Kurkarte sich befinden, sind daher zur Benutzung jener Einrichtungen nicht befugt…“

 

  1. Mai Weber kauft die Villa Schlunck (Ebert. Str. 24) für 37.500 Mark (NKB)

 

  1. Mai Satzung der Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte (BLK-A. Nr. 843)

Das Vermögen der Stiftung bestand aus dem Hauptgebäude mit Seitengebäude, Wandelhalle und Garten (Versicherungswert 80.000 Mark), der Ausstattung im Wert von 18.750 Mark und rund 4.000 Mark Barvermögen. Der Zweck „armen, kranken und schwächlichen Kindern Solbäder, ärztliche Hilfe, Wohnung und Verpflegung zu gewähren.“ hatte sich nicht geändert.  Aufgenommen wurden Kinder von 3 bis 14 Jahren mit Scrophulose, englischer Krankheit, Blutarmut  und mangelhafter Ernährung für sechs Wochen. Auch die von den Eltern erhobenen Beiträge waren gleich geblieben. Zu Vorstand gehörten: Superintendent Dr. phil. Zschimmer, Landrat Freiherr von Dalwigk, Dr. med. Joseph Löffler, Pfarrer Ernst Johannes Diederichs und Kaufmann Otto Koch. Die Änderungen wurden am 12. Juli  vom Reg.-Präsidenten Freiherr v. d. Recke genehmigt.

 

  1. Mai Apotheker Steuer-Berlin übernimmt die Burgapotheke (KöZ)

 

  1. Mai Anordnung der Ortspolizeibehörde (NKB)

Die Verkäufer von Spirituosen wurden angewiesen, „ortsbekannten notorischen Säufern keine geistigen Getränke zu verabreichen“.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Jahresbilanz 1904 des Vorschussvereins (NKB)

Das Vermögen betrug 146.000 Mark und die 136 Mitglieder erhielten eine Dividende von 4%.  

 

  1. Mai Einführung von Kursaisonkarten für die Bevölkerung (KöZ)

Die Karte für Teilnehmer an den Reunions der Badeverwaltung kostete 6 Mark für die Einzelperson und 10 Mark für Familien, für Nichtteilnehmer 4 bzw. 6 Mark. Einwohner, die an Kurgäste vermieteten bezahlten das Doppelte.

 

  1. Mai Öffentliche Stellungnahme des Vorstehers Siebold (BLK-A. Nr. 2)

Die Stadtverordneten hatten sich nun durchgerungen, zur Finanzierung des Fehlbetrags im Nachtraghaushalt eine Anleihe von 35.000 Mark aufzunehmen, wobei deren Tilgung auf 24 Jahre gestreckt werden sollte, um die Finanzierung aus dem planmäßigen Haushalt zu ermöglichen. Diesen Beschluss gegen den er sich wehrte, reichte Beyendorff bei der vorgesetzten Behörden zur Prüfung ein und teilte dem Stadtverordnetenvorsteher mit, dass der Magistrat bis zur Entscheidung über diesen Beschluss den Sitzungen fernbleiben werde. Die Kösener Zeitung berichtete darüber und Siebold, der sich angegriffen  fühlte erklärte öffentlich „Die Kösener Zeitung, welche den Titel Organ der städtischen Behörden führt, bringt in dem Leitartikel meine Besprechung über die Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten, welche neben Wahrem auch Unrichtiges enthält. Da es wohl im Interesse der Verwaltung liegt, derartigen Auslassungen mit Entschiedenheit entgegenzutreten, frage ich hierdurch an, was der Magistrat in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt, damit ich meine Maßnahmen danach einrichten kann...“ 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 2, NKB)

Außer dem Magistrat fehlte die Mehrzahl der Stadtverordneten, so dass man nicht beschlussfähig war. Bei der nächsten Sitzung fehlten erneut etliche Stadtverordnete, allerdings war diese lt. Städteordnung nun doch beschlussfähig und sprach dem Vorsteher Siebold eine Missbilligung aus. Eine Mehrheit plädierte sogar für die Amtsniederlegung. Dagegen protestierte Siebold, weil die Versammlung nicht von ihm, sondern vom Stellvertreter einberufen wurde und die Beschlüsse demzufolge nichtig wären. 

 

  1. Juni Revision der Fähren durch Ortspolizei und Strommeisterei (StaA Nmb 550)

 

  1. Juni Ausschreibung der Dienststelle des Badedieners (NKB)

Zu dessen Aufgaben gehörten die Besorgung des Lesezimmers im Inhalatorium, die Fremdenführungen und die Einziehung der Kurtaxe. Außerhalb der Saison wurde er mit Handarbeiten weiterbeschäftigt. Der Tagelohn betrug 2 Mark, dazu kamen diverse  Nebeneinnahmen.

 

  1. Juni Festkommers zum 50jährigen Bestehen des Kösener SC (NKB)

1855 von 21 SC von 7 Universitäten gegründet, zählte er inzwischen 2.696 Mitglieder. Die Festrede hielt Dr. Wilhelm Fabricius,  Starkenburgiae, Guestphaliae Jena, Teutoniae und Guestphaliae Marburg.

Im Mittelpunkt stand der Bau eines Corpshaus auf dem Gelände der Schäferei, worüber mit der  Landesschule verhandelt wurde. Für die Kosten von 250.000 Mark sollte jedes aktive Mitglied fünf Jahre jährlich 10 Mark beisteuern.

 

  1. Juni Gründung der Kösener Bäckerzwangsinnung (KöZ)

 

  1. Juni Betriebsausflug des Vereins der Eisenbahner der RBD Leipzig (NKB)

Mit zwei Sonderzügen trafen 2.400 Bahnbeamte mit ihren Familien ein.

 

  1. Juni Beginn des Tonabbaus in Mertendorf (NKB)

Die Sächs.-Thüring. AG zur Kalksteinverwertung errichtete hier eine ähnliche Seilbahn wie im Freirodaer Steinbruch. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Die in Abwesenheit des Magistrat gefassten Beschlüsse wurden dem Bürgermeister schriftlich übermittelt und soweit sie den geltenden Rechtsnormen entsprachen, von Beyendorff bestätigt.

 

  1. Juni Ausflug der Beamten des Reichsgerichts Leipzig (NKB)

Mit einem Sonderzug trafen 300 Personen ein. Die zogen zunächst zur Rudelsburg und anschließend gab es ein Diner im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Holzhändler Gräfe übernimmt die Aufsicht über die Badeanstalt (KöZ)

 

  1. Juli Bekanntmachung der Ortskrankenkasse (NKB)

Für die Kassenmitglieder wurden San.-Rat Dr. Surminski, Dr. Schütze und Dr. Lewinson für den gekündigten  Dr. Risse zugelassen.

 

  1. Juli Ehrung der Köchin Friederike Lier (NKB)

Für 40 Jahre ununterbrochene Dienste bei der Familie  des Oberstltn. Mente überreichte ihr der Bürgermeister ein von der Kaiserin gestiftetes goldenes Kreuz.

 

  1. Juli Mannschießen der „Zementschützengesellschaft“ auf der „Katze“ (NKB)

Dabei wurde der mit Unterstützung vom Zementwerk neu gebaute Schießstand eingeweiht. Für die  viertägigen Veranstaltung fand im Festzelt  eine Varietèveranstaltung mit der Konzertsängerin Elly de Lorme, dem Musikclown Ludwig Mayo, der Spitzen- und Verwandlungstänzerin Lucie Ravello, dem Humorist Undra, den 3 Claeres - Pantomime am Doppelreck und Mdm. Lafayette mit einer „Tableaux chromoplastiques“ statt.

Wegen des „ihm in so hohen Maße entgegengebrachten Wohlwollens“ engagierte der Wirt der „Katze“ die Truppe auch am darauffolgenden Wochenende. Es gab drei öffentliche Vorstellungen sowie eine Gratisvorstellung für die Beschäftigten der Zementfabrik.

 

  1. Juli Verleihung des Ehrenzeichens für treue Dienst an Franz Kotte (NKB)

Der war seit 35 Jahren in der Fa. Fr. Toepfer beschäftigt und von Beginn an Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft 1832 e.V. am „Rektorberg“ (NKB)

Gleich am ersten Tag beschlagnahmte die Polizei die Mannscheibe, nachdem ein Einwohner angezeigt hatte, dass diese ihm ähnlich sieht. Von der Staatsanwaltschaft wurde sie später wieder zurückgegeben.

 

  1. Juli Abschlussreise der Kriegsakademie Potsdam (NKB)

53 Offiziere, 9 Unteroffiziere, 82 Mannschaften und 85 Pferde unter dem Kommando des Oberstltn. Freiherr v. Seckendorf, darunter auch S. Kgl. Hoheit Prinz Joachim Albrecht von Preußen mussten in Hotels und Privathäusern untergebracht werden.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Roßnerschen Wiese (NKB)

Nach vielen Hin und Her hatte man sich dafür entschieden, den Festplatz aus dem Kurpark zu verlegen. Beim Umzug beteiligten sich nun auch die Vereine (Radfahrer, Turner, Liedertafel, Schützenvereine und Freiwillige Feuerwehr).

 

  1. Aug. Eröffnung der Villa „Quisisana“ in der Salinenstraße 7 (NKB, KöZ).

Hier richtete er ein Heim zur Aufnahme  für „Kinder besserer Stände, deren Eltern ihre Kinder nicht begleiten können“ ein. Das Heim verpachtete er dann an die Oberin L. Eißengarthen. In seiner Villa „Victoria“ (Lindenstraße 15) hatte er neben seiner Praxis das  Sanatorium „Victoria“ eingerichtet.

 

  1. Aug. Besitzerwechsel beim „Lengefelder Fährhaus“ (NKB)

Der „Kuno-Vater“ O. Wolfram verkaufte das Gasthaus für 25.000 Mark, betrieb aber zunächst die Erfrischungshalle unterhalb der Rudelsburg weiter. Im nächsten Jahr erwarb er die Sieboldsche Villa, Rudelsburgpromenade 9.

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Den Beschluss der Stadtverordneten, die Tilgung der Anleihe auf 24 Jahre zu strecken, hatte der Bezirksausschuss verworfen und eine vierjährige Tilgung festgelegt. Wollte man diesen Betrag aufbringen, müsste die Einkommenssteuer um 20% und die Realsteuer um 40% erhöht werden.

Den übrigen Beschlüsse fanden die Zustimmung des Bürgermeisters, so die Aufhebung einer Anordnung, dass bestimmte Veranstaltungen nur von Badegästen besucht werden konnten, weil dies dem  Ansehen des Bades schadet und des Verbots der Benutzung der großen Promenade während der Konzerte. Außerdem bestätigten die Stadtverordneten eine die Polizeianordnung, nach der die Hausbesitzer verpflichtet wurden, die Straße vor ihrem Grundstück zu sprengen und baten den Bürgermeister, sich bei der Militärverwaltung dafür einzusetzen, dass in der Hochsaison keine Einquartierungen erfolgen.

 

  1. Aug. Extrakonzert des Musikcorps „Großherzog von Sachsen-Weimar“ (NKB)

 

  1. Aug. Schützenfest des Bürgerschützencorps am „Kurgarten“ (NKB)

 

  1. Aug. Der Wasserstand der Saale erreicht einen Tiefststand (NKB, KöZ)

Wegen der außergewöhnlichen Trockenheit war der Wasserstand rapide gesunken. Nun kam überhaupt kein Wasser mehr über das Wehr. Die Wasserräder fielen aus und somit auch die Pumpen für die Sole- und die Trinkwasserversorgung. Als Notlösung stellte das Zementwerk eine Dampflokomobile, die in den nächsten 78 Tagen den Generator des E-Werks antrieb. Den Dank  der Stadtverordneten für die kostenlose Bereitstellung der Maschine,  lehnte Kersten unter Verweis auf die nach seiner Meinung ungerechtfertigte Behandlung als Stadtverordneter, ab.

Ein Bild des Fotographen Krause mit der Badekapelle und dem Bürgerschützenkorps auf dem Wehr erinnert an diesen Dürresommer.

 

  1. Aug. Verabschiedung des Prokurators der Landesschule (NKB)

Der Stammtisch im „Mutigen Ritter“ bei dem er seit 1875 täglicher Gast war, schenkte ihm zu  diesem Anlass einen Lehnstuhl aus Hirschgeweih.

 

  1. Aug. Schreiben Siebolds an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

„Den Empfang Ihres Schreibens vom 23. August an die Stadtverordnetenversammlung bestätigend, nehme ich hiermit Gelegenheit zu erklären, daß es mir weder als Stadtverordneter noch als  einfacher Bürger in den Sinn kommen kann, nach den mit dem Magistrat gemachten Erfahrungen, irgendetwas von dem zurückzunehmen, was ich über das Vorgehen des Magistrats namentlich seines Dirigenten gegen mich gesagt habe. Mein Ausfall, wie Sie sich auszudrücken belieben, hat mir mit Recht meine Handlung untermauert, über die die öffentliche Meinung und jedes Ehrengericht den Stab bricht.“

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Wegen der vom Bezirksausschuss angeordneten Tilgungsfrist und der damit verbundenen Steuererhöhung, hatten etliche steuerpflichtige Pensionäre erklärt, ihren Wohnsitz aufzugeben. Daraufhin beschlossen die Stadtverordneten eine Beschwerde beim Regierungspräsidenten

Weiterhin hatte der Bürgermeister signalisiert, wieder an den Sitzungen teilzunehmen, wenn der Vorsteher die Ausfälle gegen ihn zurück nimmt und  den Vorsitz seinem Stellvertreter überlässt.

 

  1. Sep. Kuraufenthalt Johanna von Sydows (Hollbachs Fremdenbuch)

In ihrer Begleitung war Olga von Studnitz, Stiftsdame  von Tschirnau in Oberschlesien

 

  1. Sep. Sedanfeier (NKB)

Ziel des obligatorischen Ausflugs der Schulkinder waren die Saalhäuser. Die Verpflegung bezahlte die Heun`sche Stiftung. Die Belegschaft der Zementfabrik feierte in der „Katze“ und der Kriegerverein Kronprinz Friedrich Wilhelm im Kurgarten. Die Festansprache hielt General Stieler v. Heidekampf, der an der Schlacht bei Sedan teilgenommen hatte. 

 

  1. Sep. Verhandlung des Schöffengerichts in der Klagesache Kayser-Dr. Risse (KöZ)

Der Apotheker hatte Dr. Risse wegen Beleidigung verklagt. Vor Gericht behauptete Risse, dass der Apotheker einige der von ihm ausgestellten Rezepte eigenhändig verändert hätte. Das Gericht vertagte sich, weil Risse Beweise vorlegen und Kayser als Zeuge geladen werden sollte. 

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

In diesem sehr heißen Sommer wurden 2.728 Badegäste und 2.973 Passanten (Aufenthalt bis zu 5 Tagen) gezählt, die „der Gluthitze der Großstädte entflohen“. Das Gros der Badegäste stellten wiederum die Berliner (790) gefolgt von Leipzigern (486). Abgegeben wurden 18.500 Solbäder.  Dank der Ergiebigkeit der Brunnen und der Bereitstellung einer Lokomobile für den Antrieb der Pumpen reichte das Wasser auch zum Sprengen der staubigen Straßen.

Unter den Badegästen waren J. Sumelius-Tammerfors, Fr. v. Nickisch-Rosenegk m. Familie-Chikago, Fr. A. v. Kostoff m. Kindern-St. Petersburg, Fr. v. Malaeff m. Kind-St. Petersburg, Fr. Sawitzky m. Kind-Riga, Baronin v. Heintze-Berlin, Prof. Dr. Simon m. Familie-Berlin, Graf v. Bredow-Friedenau, Landrat Freiherr v. Bodenhausen-Wittenberg, Oberstltn. Birkenstock-Dresden, Baron v. Borries-Kupferdreh, Fr. Oedekoven m. Tochter-New York, Baroness v. Laffert-Dersenow, Freiherr v. Lingk-Breslau, Freifrau v. Friesen-Dresden, Dr. A. Freiherr v. Spinette-Klagenfurt, Oberbürgermeister Dr. Westphal-Friedenau.

 

  1. Sep. M. Arnold übernimmt die Fleischerei Borlachstr. I-35 (Nr. 8) (NKB)

Im Januar 1905 erwarb Arnold auch das Anwesen bei einer Zwangsversteigerung.

 

  1. Sep. Auguste Kumbruch verstirbt nach einem Treppensturz (NKB)

Dabei erlitt sie lebensgefährliche Verbrennungen durch ausgelaufenes Petroleum aus einer Lampe. Ihre Mutter Juliane Sophia stiftete ihr zum Gedenken 3.000 Mark für die Einrichtung eines Operationszimmers im städtischen Krankenhaus.

 

  1. Okt. Verurteilung des Dienstmädchens von Paul Kersten (KöZ)

Emma Langrock wurde wegen Diebstahl von 3000 Mark in Kassenscheine aus einer Kassette zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Scheine erhielt Kersten wieder zurück.

 

  1. Okt. Frl. Witschel aus Groß-Lichterfelde übernimmt die Töchterschule (NKB)

Im August verstarb die bisherige Leiterin Piper plötzlich und bis zum Schuljahresende übernahm Frau Gehrke die Leitung. Da Kuratorium entschied für Frl. Witschel, die nach der amtlichen Bestätigung zusammen mit ihrer Schwester Sophie die Anstalt im „Waldschößchen“, Eckartsbergaer Str. 5 übernahm.

 

  1. Okt. Ausstellung von Mobiliar der Saalecker Werkstätten in Kunzes Lokal (KöZ)

 

  1. Okt. Dr. Wagner eröffnet die Praxis Friedrichstr. III-59 (Kruse Str. 17) (NKB)

Er folgte damit dem Badearzt San.-Rat Dr. Surminski der nach Wiesbaden gewechselt war.

 

  1. Okt. Verhandlung vor dem Bezirksausschuss (BLK-A. Nr. 600)

Zur Klärung der Differenzen zwischen dem Magistrat und dem Stadtverordnetenvorsteher  wurden mehrere Stadtverordnete vorgeladen. Falls diese nicht erschienen, würde nach Aktenlage entschieden.

 

  1. Okt. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB).

Das von der Ortskrankenkasse angerufene ärztliche Ehrengericht stellte fest „Eine  Verschreibung von Medikamenten an die Drogerie kann vom Apotheker nicht angefochten werden, da dies den Beschlüssen der Ortskrankenkasse hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit entspricht, soweit derartige Medikamente in beiden Einrichtungen gehandelt werden...“ Damit war der Grund zur Amtsenthebung gegenstandslos und Dr. Risse musste im vollen Umfang rehabilitiert werden. Für die sich daraus ergebenden Kosten sollte der Vorstand, der die Amtsenthebung veranlasst hatte, haften. Das gefiel aber nicht jeden, wie ein „bescheidene Anfrage“ zeigt.

„Ist es wahr, 1. daß in der Generalversammlung von Arbeitgebern Freibier an die Arbeitnehmer verabfolgt wurde, 2. soll Dr. Risse wieder  als Arzt der Kasse angestellt werden, obwohl er die verklagt hat, 3. soll er wieder Kassenarzt werden, selbst wenn er mit seiner Klage abgewiesen wird und das Gericht entscheidet, daß er mit Recht sofort entlassen worden ist? Warum wartet man nicht mit der Anstellung bis die Sache entschieden ist, 4. Warum läßt der Kassen-Vorstand das Gutachten (.) nach welchen Dr. Risse mit dem Drogisten Höfer gegen die pekuniären Interessen des Vereins und der erkrankten Arbeiter verstoßen haben soll, nicht endlich durch Druck vervielfältigen?“

 

  1. Okt. Auflösung des Konsum-Vereins „Erholung“ (NKB).

Das Vereinslokal war die „Mälzerei“ (Loreleyprom. 3), wo das Bier für den Eigenbedarf seiner 280 Mitglieder für einen geringeren Preis abgegeben wurde. Daraufhin beantragte und erhielt der bisherige Wirt R. Eckhardt eine uneingeschränkte Schankkonzession, doch dann verpachtete der Eigentümer Brauereibesitzer Brückner die Räume an Gustav Noack, der hier die Gaststätte „Zum Wehrdamm“ und einige Pensionszimmer einrichtete.

 

  1. Okt. Bekanntmachung der Polizeiverwaltung (NKB)

Weil immer mehr Klosett-Anlagen installiert und in einigen Fällen die Fäkalien zusammen mit den Spülabwässern direkt in das öffentliche Netz geleitet wurden, kam es immer häufiger zu  Verstopfungen. Daher sollte der Baurat Trampe die Einhaltung der 1894 erlassenen Anordnung prüfen, dass für Wasserklosetts Dreikammergruben vorgeschrieben waren, deren Überlauf in die Kanäle geführt werden darf.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB).

Weil der Vorsteher der Aufforderung des Bürgermeisters nicht nachkam, die Wahl des Beisitzers vorzunehmen und dies mit der Weigerung des Bürgermeisters an der Sitzung teilzunehmen  begründete, drohte ihm der Regierungspräsident 150 Mark Strafe an, worauf die Wahl stattfand.

 

  1. Nov. Anzeige des Direktors der „neu organisierten Kur-Kapelle“ (NKB)

Als Nachfolger des Musikdirektors Herzogs wurde E. Brandt, ehemaliger Waldhornist in der Kapelle des 4. Jäger-Bat. und Mitglied des Deutschen Musikdirektorenvereins gewählt, der sich  den Gastwirten und Vereinen empfahl. Am 3. Dezember fand das erste Konzert der neu formierten Kapelle statt.

 

  1. Nov. Pachtversteigerung (NKB)

Die Landesschule suchte für 6 Jahre Pachtinteressenten für 15 Hektar parzellierten Acker zwischen dem Fußweg und dem Fahrweg zu den Saalhäusern.

 

  1. Nov. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

Anwesend waren 14 Arbeitgeber mit 146 Stimmen und 78 Arbeitnehmer mit 156 Stimmen, die mit großer Mehrheit den Vertrag mit Dr. Risse als bestehend anerkannten und die Verträge mit Dr. Schütze und Dr. Lewinson für nichtig erklärten.

 

  1. Nov. Polizeianordnung zur Änderung der Hausnummern (NKB, KöZ)

Damit wurde die straßenweise Nummerierung eingeführt, neue Straßen benannt bzw. umbenannt und Häuser neu zugeordnet.

Die Straße A an der Villa Corpus wurde nach Therese Berbig benannt. Die Friedrichstraße begann nun am Pfarrhaus, die Kukulauer Straße am „Mutigen Ritter“, der Verbindungsweg zwischen beiden entlang der Friedhofs war die Flemminger Straße mit lediglich 2 Grundstücke die Verlängerung (Straße B) war der Pfaffenstieg mit lediglich 2 unbebaute Grundstücke. Die neu benannte Bahnhofstraße hatte 3 Grundstücke, die Schulstraße wurde zum Kirchplatz mit 2 Grundstücken, lediglich 1 Grundstück gab es Im Park (Villa Krüger), in der Bergstraße (Villa Weber), in der Ilske (Schöne Aussicht) und Auf dem Nikolausberg (Wilhelmsburg).

Die Häuser „An der kleinen Saale rechtes Ufer“ waren nun die Naumburger Straße 1 bis 14, die Straße „Am rechten Saaleufer“ die Uferstraße 1 bis 5, die Häuser „Am Wehrdamm“ die Loreleypromenade 1 bis 8. Vier Grundstücke an der Fränkenauer Trift kamen zum Fränkenauer Weg (heute 2-8), zwei Häuser zur Lindenstraße (heute wieder Fränkenauer Weg 14/12). Die Grüne Gasse wurde bis zur Burgstraße verlängert und die Burgstraße bis zum Jochenberg.

Die Anordnung trat 1905 in Kraft allerdings hielt sich die alte Bezeichnung noch längere Zeit. 

 

  1. Nov. Öffentliche Appelle zur Ergänzungswahl von Stadtverordneten (NKB)

Die Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten wegen des städtischen Haushaltes spielten dabei natürlich die Hauptrolle.

In einem Aufruf an die Wähler der III. Abteilung hieß es: „Mitbürger wählt die Stadtverordneten, die nicht persönlichen und Sonderinteressen dienen, sondern für die Wahrung und das Wohl der Mitbürger  rücksichtslos eintreten und vor allen Dingen sich verpflichten, eine Steuererhöhung, wie sie der Magistrat vorschlägt (40% Real- und 20% Einkommenssteuer) energisch zu bekämpfen“ unterzeichnet u. a. vom Photographen Krause, Maurermeister Blumentritt, Bahnhofswirt Ermisch und Fabrikant Haussner.

Nach der am gleichen Abend stattfindenden Bürgerversammlung im Kurgarten wo sich die Kandidaten Siebold und Gibhardt vorstellten, erschein ein weiterer Aufruf „Den Wählern der III. Abteilung, denen daran liegt, daß endlich die von dem Herrn Siebold vom Zaune gebrochenen Streitigkeiten mit dem Bürgermeister unterbleiben, worunter das Wohl der Stadt so arg leidet, geben ihre Stimme dem Tischlermeister Naumann und dem Schneidermeister Troll. Die erste Abteilung von welcher Herr Siebold gewählt ist, hat denselbigen bezüglich einer Wiederwahl auch fallen gelassen. Warum soll die III. Abteilung  den Kandidaten wählen? Ferner will auch der Kontrolleur des Vorschußvereins,  Herr Gibhardt auch als Stadtverordneter in die III. Abteilung gewählt werden. Dieser Herr ist aber kaum nach Kösen gezogen und bläst dessen ungeachtet schon in das Horn des Herrn Siebold… “ 

Daraufhin meldete sich ein einzelner Wähler zu Wort „Als seinerzeit die Schulden für Rechnung der Stadt gemacht wurden, die jetzt eine Steuererhöhung nach sich ziehen, hat sich weder Herr Siebold noch Herr Gibhardt verweigert. Im Gegenteil, beide haben alles Mögliche aufgeboten, um die Wiederwahl des Herrn Buchdruckermeisters Wolf zu verhindern, welcher  damals gegen das von Herrn Weber vorgeschlagenen Schuldenmachen protestierte (.) Die Schulden sind da und müssen bezahlt werden (.) Hoffentlich sind die beiden Herren, namentlich Herr Gibhardt als Vorstand des Vorschußvereins, ein paar Finanzgenies, daß sie der Kösener Bürgerschaft Vorschläge machen, wie die Schulden bezahlt werden, ohne Steuererhöhungen...“

In der III. Abteilung bekam Naumann 93 Stimmen, Siebold 83. in der I. Abteilung gewann der Postmeister Eckleben, der aber ablehnte und dafür Schumann, der Besitzer der Saalhäuser gewählt folgte. Die Wahlbeteiligung lag bei 50%.

 

  1. Dez. Amtliche Viehzählung (NKB)

Von den 305 Wohngrundstücken waren 85 als Gehöft registriert, dazu kamen 105 viehbesitzende Haushalte mit insgesamt 61 Pferden, 24 Kühen, 224 Schweinen und 39 Ziegen.        

 

  1. Dez. Auswertung des Weihnachtsgeschäftes (NKB)

„Das Weihnachtsgeschäft ist nach dem Urteil der daran Beteiligten recht flau gewesen (.) Die Hauptschuld  aber trägt die geringe Beherzigung  des allerorten ertönenden Mahnrufes „Kaufe am Ort“. Manche Enttäuschung mag das von außen Bezogene in diesen Tagen hervorgerufen haben, mit dem stillen Vorwurf, das hättest du auch in Kösen ebenso gut oder besser haben können. Viel Geld ist auch nach Naumburg gewandert, so daß wir ein bißchen Neid empfinden könnten, doch wir trösten uns mit dem Gedanken, daß das jetzt gut angelegte Kapital (.) im Sommer mit Zinsen zu uns zurück fließen wird...“

 

1905

 

  1. Jan. Jahresstatistik (NKB)

Die Einwohnerzahl betrug 2.974, von denen 2887 zur evangelischen Gemeinde gehörten. Es gab 87 Geburten, 22 Eheschließungen und 54 Sterbefälle, darunter auch wieder viele Kinder. Die städtische Schule besuchten 404 Schüler, das Pädagogium 43 und die höhere Töchterschule 34.

Ab diesem Jahr wurden die amtlichen Mitteilungen der Stadt auch wieder im Naumburger Kreisblatt veröffentlicht, da Heyners Kösener Zeitung nur wenige Abonnenten hatte.

 

  1. Jan. Informationsveranstaltung der Polizeiverwaltung zum Arbeitsschutz (NKB)

Bei einer Kontrolle der Gewerbebetriebe hatten sich erhebliche Mängel und Zuwiderhandlungen ergeben. Die Arbeitgeber wurden vom Bürgermeister über die geltenden Vorschriften belehrt, damit diese sich in Zukunft nicht mehr auf Unkenntnis berufen könnten.

 

  1. Jan. Musterungsanordnung des Magistrats (NKB)

Bislang wurde die Musterung vom Landrat angeordnet, wobei sich neben den wehrpflichtigen Einwohnern auch die der umliegenden Landgemeinden stellen mussten. Nun war die Stadt eigenständiger Musterungsbezirk und für die Eintragung in die Stammrollen zuständig. Zu erscheinen hatten alle sich im Stadtbezirk aufhaltenden Männer des Jahrganges 1885 sowie diejenigen Militärdienstpflichtigen, über deren Dienstverpflichtung noch nicht entschieden wurde. Für das Erscheinen  waren neben den Eltern bzw. Vormündern auch die Lehrherren verantwortlich. Bei unentschuldigten Versäumens drohten 30 Mark Geldstrafe, ersatzweise Haft.

 

  1. Jan. Amtliche Bekanntmachungen des Magistrats (NKB)

Das betraf die Räum-und Streupflicht der Hauswirte und die Festsetzung der Tage mit verlängerten Geschäftsöffnungszeiten bis 22 Uhr. Die Inhaber wurden ermahnt, ihre Angestellten auch an solchen Tagen nicht länger als 10 Stunden ununterbrochen zu beschäftigen. Außerdem wurde die Art und Weise der Beleuchtung von Gespannen und Fuhrwerken vom Einbruch der Dämmerung bis zum Morgengrauen angeordnet.

 

  1. Jan. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

Um dem  Wunsch nachzukommen, die Ladenöffnungszeiten auch im Winterhalbjahr bis 20 Uhr zu gestatten, sollte eine Befragung aller Geschäftsinhaber erfolgen. Da die erforderliche 2/3 Mehrheit zustande kam, wurde der Antrag beim Bezirksausschuss eingereicht, der diesen dann auch genehmigte.

 

  1. Jan. Erster Vortrag zum Besten der Diakonissenstation (NKB)

Wie in den Jahren zuvor fanden vier derartige Veranstaltungen statt. Zu den Referenten gehörten der Gen.-Majors Oberg „Ein Blick in Thüringens Vergangenheit“ und der Diakon Buger „Johann Hinrich Wichern - ein Kinderfreund“. Der Erlös kam der Diakonie zu Gute.

 

  1. Jan. Freigabe der Schlittschuhbahn auf der Saale bis zur Krümme (NKB)

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Da statt Siebolds dessen Stellvertreter Hämmerling einlud, war diesmal auch Bürgermeister Dr. Beyendorff anwesend. Allerdings musste die Bestätigung der Ergänzungswahl verschoben werden, weil es  eine  Beschwerden wegen angeblich fehlerhafter Wahllisten gab, die erst geprüft werden mussten.

 

  1. Jan. Festessen des Magistrats zu Kaisers Geburtstag (NKB)

60 Honoratioren nahmen trotz der Differenzen und eines Unkostenbeitrags von 3 Mark daran teil, was die Zeitung zu der Anmerkung veranlasste „Beim Anblick der vielen Menschen dachte wohl mancher, wann wird kommen der Tag, wo Einigkeit Kösen umschlingt?“

 

  1. Jan. Nichtöffentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Um Steuererhöhungen zu vermeiden, wurde als Kompromiss eine 12-jährige Tilgungsfrist für die Anleihe beim Bezirksausschuss beantragt, wobei man auf deutlich höhere Einnahmen der Badekasse spekulierte. 

Die Stadtverordneten lehnten den Antrag des Magistrats ab, einen Rechtsstreit mit der Landesschule einzustellen. Dabei ging es um das Gelände des unteren Schachtes, das der Landesschule seit dem Rezess von 1861 gehörte und diese es dem Gasthofbesitzer Weber verkauft hatte. Allerdings gab es kein im Grundbuch eingetragenes Zugangsrecht für die Stadt zum aufgelassenen unteren Solschacht, was sich aber erst im Zusammenhang mit dessen Verwahrung als unbedingt erforderlich herausgestellt hatte. Weber gewährte zwar der Stadt ein Zugangsrecht  während der Arbeiten, lehnte aber eine nachträgliche Eintragung im Grundbuch ab. Daraufhin hatte die Stadt die Landesschule auf nachträgliche Eintragung des Zugangsrechtes verklagt und diese wiederum die Stadt, wegen unerlaubten Betretens des unteren Schachtes. Nun sollte der Magistrat mit dem Minister verhandeln, dass die Klage der Landesschule gegen die Stadt zurückgenommen und eine einvernehmliche Regelung über den Zugang getroffen wird.

 

  1. Jan. Denkschrift des Bürgermeisters (StaA Nmb Nr. 60).

Die Verbindlichkeiten der Stadt von rd. 391.000 Mark überstiegen das städtische Vermögen von 273.000 Mark und auch eine zwangsweise Steuererhöhung hätte nur wenig zur Konsolidierung beigetragen. Eine der Hauptursachen war der defizitäre Badebetrieb und „für Investitionen bestünden keine finanziellen Spielräume und man müsse den städtischen Badebetrieb aufgeben, was zumindest den städtischen Haushalt auf Dauer konsolidieren würde“. Beyendorff schlug vor, diesen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Das dazu erforderliche Kapital bezifferte er auf 500.000 Mark, um die Badeeinrichtungen umfassend zu modernisieren, damit diese mit der in- und ausländischen Konkurrenz mithalten könnten. Neben Terrainwegen, Sportplätzen, einem Luft- und Sonnenbad fehlte ein Kurmittelhaus, das es inzwischen in allen besseren Bädern gab. Auch die örtliche Infrastruktur müsste verbessert werden, vornehmlich die Kanalisation, die Straßen und die allgemeine Ortshygiene. Es herrschten unter dem Strich „vorsündflutliche Verhältnisse“. Die Stadt sollte sich an der AG mit einer  Sacheinlage der zum Badebetrieb gehörenden Immobilien und Grundstücke im Wert von 75.000 Mark beteiligen. Das Gros sollten die Aktionäre aufbringen, wobei es vornehmlich diejenigen sein müssten, die vom Badebetrieb profitierten. Außerdem sollte ein renommierter, namhafter  Mediziner die Leitung des Bades übernehmen.  

Doch die Leistungsträger lehnten es ab, sich in irgendeiner Weise finanziell daran zu beteiligen.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der „Tanne“ (NKB).

Dabei bot der Inhaber der Gürth- Brauerei-Weißenfels, 51.700 Mark, und verpachtete sie an Erwin Kühn. Im April 1906 erwarb  Christian Koch die Lokalität für 64.000 Mark.

 

  1. Feb. H. Strobel übernimmt die Tierarztpraxis von Zschernitz (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600, NKB))

Als Stadtverordneter wurde der Generalleutnant a. D. Exz. Arthur Stieler v. Heydekampf eingeführt. Dann wurde die Eingemeindung der bisher zum Gemeindebezirk Alt-Flemmingen gehörenden bebauten Grundstücke in den Saalbergen (Reinhardt, Zwingenberg, Törsch, Dr. Risse, Sträuber, Kotte, Spindler, Weber)  sowie das zum Gutsbezirk Pforta gehörenden Georgenholz über dem letzten Weinberg unterhalb vom Göttersitz und der Rabenwald vor dem Thränhardt`schen Weinberg beschlossen. Die 24 Bewohner zählten bereits zur Einwohnerschaft. Allerdings verblieben die Saalstraße und der Weg zu den Saalhäusern beim Gutsbezirk Pforta, doch die Stadt hatte das Niessbrauchsrecht und wurde daher von den Anliegern wegen des schlechten Zustandes ständig kritisiert. Um die Wege zu verbreitern und auszubauen brauchte man aber neben der Genehmigung der Landesschule auch einen Streifen Land, für dessen Erwerb aber keine Mittel vorhanden waren.

 

  1. Feb. Das Wintertheater im Kurgarten zeigt das Stück „Tromulus“ (NKB)

„Es ging dem Direktor Zahn (Breslauer Novitäten-Theater) bei redlichen Bemühen und tüchtigen Leistungen seiner Mitglieder nicht besser als seinen Vorgänger, der im Sommer trotz meisterhaften Spiels nicht im Stande war, die Theaterunlust Kösens zu überwinden“ meinte der Rezensent des NKB.

 

  1. Feb. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB).

Das Gremium beschloss, Dr. Risse dass ihm zustehende Gehalt nachzuzahlen und ihn allein als Kassenarzt weiterhin zu verpflichten, um ihn zur Rücknahme der gegen die Ortskrankenkasse anhängigen Klage zu bewegen. Gegen die Aufhebung ihrer auf drei Jahre abgeschlossenen Verträge hatten Dr. Schütze und Dr. Lewinson nunmehr Klage eingereicht. Außerdem sollten   der bislang  entstandene finanzielle Schaden  des Vereins  gegenüber dem ehemaligen Vorstand geltend gemacht werden

 

  1. Feb. „Das Kösener Salzwerk“ ein Beitrag von Carl Techow (NKB)

 

  1. Feb. Übung der Pflichtfeuerwehr (NKB)

Generell waren alle männlichen Einwohner zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr zum Löschdienst verpflichtet, was auch nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr nicht aufgehoben wurde. Ausnahmen davon regelte der §6 des Ortsstatuts vom 5. 12. 1903. Befreit waren Staatsbeamte, geistliche- und Kirchenbeamte, Lehrer der öffentlichen Schulen, Ärzte, Apotheker, Bahnbedienstete, Kranke mit Attest sowie die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr sowie Arbeitnehmer die sich nur zweitweise in der Stadt aufhielten. Darüber hinaus konnte sich jeder für 3 Mark freikaufen, die Stellung eines Stellvertreters war unzulässig.

In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Festlegung der Spritzenbespannung. Bei Feuer in der Stadt waren es Brauereibesitzer Brückner (Saalstr. 27), Ökonom Petzold (Borlachstr. 2), Fabrikbesitzer Roßner und  Ökonom Steinbrück (Eckartsbergaer Straße 12),  bei auswärtigen Feuer Kurhausbesitzer Weber und Spediteur Pabst (Borlachstr. 20).

 

  1. Mär. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

Der Bezug von Glühbirnen und Armaturen bis zu einem Wert von 15 Mark sowie Arbeiten an der elektrischen Anlage in den Privathäusern hatte ausschließlich über das städtische E-Werk zu erfolgen. Bei Zuwiderhandlungen drohte die Abtrennung vom Netz. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Beschlossen wurde der Verkauf einer Fläche am Wasserwerk an die Sächsisch-Thüringische AG für Kalksteinverwertung für deren Anschlussgleis. Zur Konsolidierung des Haushaltes sollte der Preis für Badesole auf 1,20 Mark der Kubikmeter  angehoben werden. Für ein Wannenbad in einer 500 Liter fassenden Wanne brauchte man 250 Liter und somit kostete die Sole für ein Bad 30 Pfennige, wogegen die Badewirte protestierten. Außerdem wurde der neue 5-Jahrespachtvertrag mit C. Friedrich für die Fähre von 100 auf 110 Mark erhöht und die Übernahme eines bei der letztjährigen Feuerwehrübung verunglückten Arbeiters in den städtischen Dienst sowie die Zahlung seines Dienstausfalles genehmigt.

 

  1. Mär. Beilegung des Streites mit der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 294).

Nach Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten, hatte sich die Stadt bereit erklärt, den von der Eisenbahnverwaltung festgesetzten Kaufpreis zu bezahlen und war somit Eigentümer des Fl.-St.  653/55 gegenüber der  Borlachstraße 43-45.

 

  1. März. 25jähriges Geschäftsjubiläum von Direktor P. Kersten (Festschrift).

Kerstens Verdienste zum Wohle des Ortes und der Einwohner wurden gewürdigt. Hauptnutznießer war aber die Landesschule, die mehrere hunderttausend Mark für den Verkauf von land- und forstwirtschaftlich kaum nutzbaren Flächen bekam. Mit den Lengefelder Bauern und dem Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch bestanden langfristige Pachtverträge, darunter auch über die „Katze“ und die Fähre. Außerdem hatte das Werk zahlreiche Beschäftigte, von denen wiederum die Landwirte und Geschäftsleute der Umgebung profitierten. Ebenso profitierte die Kgl. Eisenbahnverwaltung und der Güterbahnhof zählte inzwischen zu einer der bedeutendsten Versandstationen zwischen Halle und Frankfurt.

  

  1. Mär. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (BLK-Ar. Nr. 2, NKB)

Der Magistrat hatte dem Verein das Plakatierwesen entzogen und damit für Verstimmung  gesorgt. Um weiteren Unmut vorzubeugen und die Gründe näher zu erläutern, nahm im Auftrag des Bürgermeisters der Ortspolizist an der Versammlung teil. Dabei erklärte der Vorsitzende Exz. Stieler v. Heydekampf, dass der Entzug eine „geradezu ungeheuerliche Maßnahme einen privaten Verein gegenüber“ wäre und drohte, sein Amt als Stadtverordneter niederzulegen. Beyendorff wurde aufgefordert, die Verfügung aufzuheben, dem Verein das Plakatierwesen sowie die uneingeschränkte und kostenlose Benutzung der Anschlagsäulen zu belassen. Außerdem forderten Siebold, Wolff, Roßner, Ohm, Hämmerling, Kersten, Schumann und Toepfer, dass Beyendorff die „verletzenden Passagen“ in dem Schreiben an den Verein zurückzunehmen soll, andernfalls würden sie sich beim Regierungspräsidenten  beschweren. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Weil der Bürgermeister eine finanzielle Beteiligung der Stadt am Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen wegen der Haushaltslage abgelehnt hatte, kam es zu einer heftigen Kontroverse zwischen dem Vorsteher Siebold und Beyendorff, worauf letzterer die Versammlung verließ. Daraufhin wurde ihm „die einstimmige  Entrüstung“ ausgesprochen, weil dieses Verfahren „geeignet ist nicht nur die durch unser Collegium vertretenen Rechte der Gemeinde zu verletzen, sondern auch die patriotische Gesinnung der Bürger zu verdächtigen.“ Statt der 60 Mark wurden  nun 30 Mark beschlossen, und eine Beschwerde über den Bürgermeister beim Reg.-Präsidenten eingereicht.

 

  1. Mär. Verpachtungsanzeige für die Sommerwirtschaft am Gradierwerk (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB).

Bei einer obligatorischen Kontrolle der Bahnanlagen wurde der Bahnhof zwar zur Eisenbahnstation 1. Klasse eingestuft, dagegen an den Pfeiler der Unterführung zur Lindenstraße allerdings erhebliche Schäden festgestellt. Daraufhin ließ die Bahnverwaltung zur  Sicherheit die Durchfahrt bei jeder Zugüberfahrt sperren.  Bei rund 100 Zugfahrten pro Tag war das ein  ernstes Hindernis für den öffentlichen Verkehr. Daher sollte die  Bahnverwaltung die Pfeiler umgehend erneuern und die Durchfahrt von derzeit 6,25 auf  mindestens 10,75 Meter verbreitern. Außerdem sollten die Lokführer ihr minutenlanges Pfeifen bei der Ein- und Ausfahrt aus dem Bahnhof unterlassen, die Abwässer des Bahnhofs nicht mehr in den Schwanenteich gelassen und  der Kohlenbahnhof außerhalb der Stadt eingerichtet werden. 

Um die Einnahmen der Badekasse zu erhöhen, wurden die Jahreskarten, die zum Besuch der Kurkonzerte berechtigten, für die Einwohner auf 6 Mark angehoben.

 

  1. Mär. Bekanntmachung für die Pensionsinhaber (NKB)

Die Badedirektion hatte aus Kostengründen die Aufstellung von Strandkörben auf der Wiese am Gradierwerk abgelehnt, gestattete jedoch den Vermietern für eine Gebühr von 3 Mark eigene Strandkörbe für ihre Gäste auf zugewiesenen Plätzen aufzustellen.

Wegen des 50jährigen Stiftungsfestes und dem zu Pfingsten erwarteten Besucheransturms, sollten alle freien Betten gemeldet werden.

 

  1. Apr. Prof. Posseldt übernimmt die Leitung der höheren Knabenschule (NKB)

Seit bekannt geworden war, dass Rektor Freydank eine Berufung an die höhere Knabenschule Bacharach angenommen hatte, bemühte sich das Kuratorium um einen geeigneten Nachfolger. Obwohl die Stadtverordneten eine Subventionierung der Schule ablehnten, und in der Töchterschule eine „Knabenvorschule“ eingerichtet wurde, wurde Posseldt der aus Herzberg/Elster kam vom Kuratorium bestätigt und erhielt auch umgehend die staatliche Zulassung, wodurch der nahtlose Weiterbetrieb der „Höheren Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben“  gesichert war.

Bei seinem Wegzug verkaufte Freydank das von ihm angeschaffte Inventar und einen Käfig mit 17 Hühnern und einen Hahn.

 

  1. Apr. Veröffentlichung der Hebesätze der kommunalen Steuern (NKB)

Bezogen auf die Staatssteuer der steuerpflichtigen Einwohner waren das auf die Grund-, Gebäude- und Gewerbe-Steuer  150 %, auf die Betriebssteuer 50% und auf die Einkommenssteuer 100%. Die Steuerlisten konnten im Rathaus eingesehen und die Steuern mussten vierteljährlich gezahlt werden.

 

  1. Apr. Wiedereröffnung des Bernhardt`schen Restaurants (Schmettaustr. 12) (NKB)

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung der Hänsgen`schen Zimmerei (Parkstr. 10/11) (NKB)

Höchstbietender mit 21.500 Mark war der Rentier Fressel (Leipzig) mit 21.500 Mark.

 

  1. Apr. Regulativ der örtlichen Dienstboten-Krankenkasse (NKB)

Für eine im Voraus zu zahlende Gebühr erlangte jede Dienstbotenherrschaft die Berechtigung zur unentgeltlichen Kur und Verpflegung der in ihren Diensten stehenden erkrankten Dienstboten im städtischen Krankenhaus.

 

  1. Apr. Öffentliche unentgeltliche Impfung in der Stadtschule (NKB)

Das betraf alle Kinder des Jahrganges 1904. Eltern die ihre Kinder privat von  Dr. Risse und Dr. Schütze impfen ließen, mussten dies mit dem Impfausweis nachweisen. Kam man der Impfpflicht nicht nach, drohten 50 Mark Geldstrafe, ersatzweise Haft.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Der kommissarische Landrat Freiherr von Dalwigk ermahnte das Gremium, die Differenzen mit dem Magistrat im Interesse der Stadt  einvernehmlich und möglichst bald zu beenden.

 

  1. Mai Schiller-Gedächtnisfeier im Kurgarten (NKB)

Der Erlös von 40 Mark sollte zur Anpflanzung einer Schiller-Eiche im Kurpark verwendet werden.

Zwei Tage später traten hier die  „Zugspitzler - naturgetreue Gebirgs- und Nationalschuhplattler, Tänzer, Sänger und Instrumentalisten“ auf.

 

  1. Mai Bekanntmachung der Polizeiverwaltung (NKB)

Die Eltern wurden darauf hingewiesen, das Spielen auf den Straßen im Interesse der Sicherheit der Kinder und der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu unterbinden. Dafür stand der Spielplatz neben der Kirche zur Verfügung. Untersagt war allerdings die Benutzung der für Kurgastkinder eingerichteten Spielplätze am Gradierwerk und im Kurpark.

 

  1. Mai 25-jähriges Dienstjubiläum des Badedieners Wilhelm Becker (NKB).

Wenige Tage später beging sein Vater, der Schuhmachermeister und vereidigte Auktionator Wilhelm Becker sen. (Borlachstr. 13) das 50jährige Meisterjubiläum. 

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, Denkschrift).

Dabei ging es um eine Nachforderung des Maurermeisters Blumentritt für den Gewölbeeinbau im unteren Solschachts. Hier war man der Ansicht, dass Blumentritt den Klageweg beschreiten sollte.

Im Verfahren mit der Landesschule wegen des Zugangsrechtes zum unteren Schacht sollte die  Klage zurückgenommen werden, wenn der Gastwirt Weber der Stadt ein notariell gesichertes Zugangsrecht einräumt. Aufrechterhalten wurde der Rechtsstreit mit der  Landesschule wegen der öffentlichen Nutzung des Weges zwischen dem „Mutigen Ritter“ und der kleinen Saale.

Außerdem wurde eine zeitweise Kommission (Kersten, Roßner, Siebold, Stieler v. Heydekamp, Töpfer) gebildet, die die Verkehrsverhältnisse analysieren und Vorschläge zur Beseitigung der Missstände erarbeiten sollte. 

 

  1. Mai Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

Auf Druck der Stadtverordneten hatte der Magistrat die Sperrung der Großen Promenade während der Kurkonzerte aufgehoben „Zur Vermeidung von Mißverständnissen wird darauf hingewiesen, daß eine allgemeine Sperrung (.) nicht besteht. Wir ersuchen jedoch, während der Konzerte die Promenade  nur in sauberer Kleidung zu betreten.“

 

  1. Mai „Vom Kösener Bad“ ein Beitrag von C. Techow (NKB)

 

  1. Mai Eröffnung der Fluß-Badeanstalt in der Rudelsburgpromende (NKB)

Die war täglich von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Am Dienstag- und Freitagvormittag durften ausschließlich Damen baden. Minderbemittelte Einwohner erhielten Freikarten, die zum Besuch des Bades an den Sonnabenden ab 14 Uhr berechtigten. Gleichzeitig wurde das „Wildbaden“ unter Strafe gestellt.

 

  1. Mai Schreiben von Dr. Schütze an die Badedirektion (St.-A.).

Der wandte sich gegen den Vorschlag der Badeverwaltung, ein Sonnenbad auf dem Oberdeck des Gradierwerkes einzurichten und empfahl, die „Sonnenterrasse“ des Borlachbades. Das wurde abgelehnt aber wegen seiner nachvollziehbaren Begründung wählte man dann einen geschützten Platz an der  Nordseite des Friedhofes.

 

  1. Mai Parade zum 20jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr (NKB)

Sieben Kameraden, die von Beginn an dabei waren, wurden ausgezeichnet.

 

  1. Mai Rittertag des Johanniterordens (NKB)

Der fand im zweijährigen Wechsel mit Thale statt. Unter dem Vorsitz des Kommandators Exz. Graf v. Wartensleben auf Carow kamen Graf v. d. Schulenburg-Heßler auf Vitzenburg, Major Kammerherr v. Alvensleben, Staatsminister Freiherr v. Feilitzsch, Graf v. Arnim-Brandenstein, Landrat Freiherr  v. Schele, Graf v. Houssonville, Staatsanwalt Freiherr v. Erffa, Graf v. Wartensleben auf Rogäsen, Prinz v. Schönburg-Waldenburg-Droyßig zusammen.

 

  1. Juni Veröffentlichung der Konzertzeiten der Badeverwaltung (NKB)

Am Montag, Donnerstag und Freitag gab es ein Konzert am Gradierwerk und eins an der Promenade, am Dienstag nur am Gradierwerk. Am Mittwoch gab es ein Konzert am Gradierwerk und eins im Mutigen Ritter, Zutritt im Promenadenanzug. Am Sonnabend folgte dem Konzert am Gradierwerk eine Rèunion im Mutigen Ritter bei der Gesellschaftsanzug vorgeschrieben war.  Der Besuch auch der Konzerte im Freien war nur Kurkarteninhabern  erlaubt.

 

  1. Juni Hauptversammlung des evangelischen „Eisenacher Verbandes“ (NKB)

 

  1. Juni Festkommers zur 50-jährigen Gründung des KSCV (NKB).

 

  1. Juni Stadtverordnetensitzung (NKB)

Dabei wurde die 1903 beschlossene Ergänzung der Straßenordnung vom  05. Juni 1855 hinsichtlich der Reinigungspflicht der Straße seitens der Hauseigentümer wieder zurückgenommen und wieder der städtischen Verwaltung übertragen. 

 

  1. Juni Denkschrift zur örtlichen Verkehrssituation (priv).

Der vollständige Titel lautete „Über den nachteiligen Einfluß, der Kösen durchschneidenden Eisenbahn und der Art ihres Betriebes auf den sonstigen Verkehr und die Entwicklung dieser Stadt und ihres Bades“.

Die Schrankenübergänge waren bei 8 bis 10 Zugdurchfahrten pro Stunde tagsüber teilweise nur noch 2 bis 3 Minuten geöffnet, denn der Schrankenwärter musste neben den beiden Schranken auch noch die Unterführung bei den Zugdurchfahrten sperren. Auch die Schranken am Bahnhof waren wegen des  Rangierverkehrs (13.000 Waggons pro Jahr vom  Kalkwerk, 900 von der Mühle, diverse Kohlewagen und der Umschlag landwirtschaftlicher Güter) oftmals geschlossen. 3.000 Fuhren wurden jährlich von der  Mühle zum Bahnverladung gebracht.  Im Herbst kamen mehrere hundert Gespanne mit Rüben dazu. Die Fa. Koch schlug jährlich 140.000 Zentner landwirtschaftliche Güter um, die Firmen Becker und Haase 100.000 Zentner Kohle. Dabei kam es zu langen Staus auf der Brücke, der Eckartsbergaer Chaussee und vornehmlich in der Bahnhofsstraße. Die war der Hauptzugang zur Verladestelle an der Fränkenauer Wiese, denn die Grüne Gasse war zu steil und die kleine Promenade nicht befestigt. Auch die Unterführung im Zuge der Lindenstraße war wegen ihrer Enge und Unübersichtlich nicht für Fuhrwerke geeignet. Also benutzten die meisten den Schrankenübergang an der Brücke, auch wenn an der Spitzkehre längere Gespanne insbesondere  Holzfuhren rangieren mussten.

Die Lösung des Problems sah man in der Beseitigung der drei Schrankenübergänge. Dazu sollte der Chausseedamm zwischen dem Kurgarten und der Brücke abgerissen, die Unterführung verbreitert und die Bahnhofstraße ein Stück weit  abgesenkt werden. Somit wäre ein bequeme und ungehinderte Passage für den außer- und innerörtlichen Fahr und Fußgängerverkehr möglich. Am nördlichen Ende der kleinen Promenade sollte der Bahndamm untertunnelt und die Promenade bis zur hinteren Borlachstraße verlängert und von da aus eine Kunststraße über den Jochenberg zur Eckartsbergaer Chaussee angelegt werden, womit ein Teil der von den Kreisdörfern kommenden Fuhren nicht mehr durch die Stadt müssten.

 

  1. Juni 5. Stiftungsfest mit Fahnenweihe des Radfahrerclubs „Rudelsburg“ (NKB)

 

      Juni  Kur der Schriftstellerin Nataly v. Knobelsdorff (1860-1939) (NKB).

Unter dem Pseudonym einer Baronin v. Branken auf Schloß Greifen in Österreich  hatte sie sich in der Villa Körner (Berbigstr. 1) mit ihren drei Kindern eingemietet. Unter ihrem Mädchennamen Nataly von Eschstruth verfasste sie zahlreiche triviale  Frauenromane und Novellen, die sich einer großen Beliebtheit erfreuten. Vor ihrer Abreise zur Großherzogin v. Mecklenburg gestattete sie ihrem Vermieter das Haus künftig Villa Eschstruth zu nennen. 

 

  1. Juni Termine zur Kassierung der Wasser- und Lichtrechnungen (NKB)

Der Ratsdiener verteilte die Rechnungen an die Hauswirte und sollte sofort die Beträge  kassieren. Wer nicht bezahlen konnte, wurde von der Versorgung abgetrennt.

 

  1. Juli Neuordnung der Landpostverbindungen (NKB)

Von Montag bis Sonnabend verkehrten zwei Landposten mit Personenbeförderung zwischen Kösen und Klosterhäseler und eine nach Hassenhausen. Am Sonntag war es eine Post nach Klosterhäseler.

 

  1. Juli Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 600)

Grund war die dringliche Anfrage: „Warum beseitigt der Magistrat nicht sofort die Vergiftungsgefahr des städtischen Leitungswassers, obwohl demselben diese Gefahr hinlänglich bekannt ist“. Bei einem Wolkenbruch hatten die vom „Jochenberg herab stürzenden Tagewässer, welche Felddünger mit sich führen, sich in den Brunnen ergossen und den Brunnen und den Hochbehälter verschlammt“. Kurzfristig sollte der Brunnenhals erhöht und das Wasser auf Nitrat, organische Substanzen und pathogene Keime überprüft werden.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Abgelehnt wurde die Zulassung der Domänenpächter von Kukulau, Fränkenau und Pforta zur  Freibank. Man befürchtete neben einer Schädigung der ortsansässigen Fleischer auch um den Ruf des Bades, wenn zu viel des als schlechter geltenden Fleisches zum Verkauf käme.

Wenig später wurde allerdings der Gutspächter von Pforta zur Freibank zugelassen.

 

  1. Juli Bazar zum Besten der Diakonissenstation (NKB)

Die zahlreichen Gaben, darunter KPM-Porzellan  aus dem Besitz der Herzogin Johann Albrecht von Preußen, brachten einen Erlös von 2.400 Mark.

 

  1. Juli Mannschießen des Schützencorps auf der Katze (NKB)

Erneut wurde die drei Tage dauernde Veranstaltung groß aufgezogen. Neben der Kinderbelustigung und einem Feuerwerk trat das Thüringer Varietè-Ensemble „Germania“ auf

4 Wochen später fand das Mannschießen der Bürgerschützen im Kurgarten statt und weitere 14 Tage später das Schießen des Schützencorps 1832 am Rektorberg. 

 

  1. Juli Beschwerde des Magistrats wegen der Ferienregelung (MER C Iib 2028 II)

Grund war ein Erlass, dass die Schulferien vom Landrat festgelegt werden, weil Kösen zu den Landgemeinden zählte. Das wäre ein Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung zumal es kaum Landwirte gab. Die Beschwerde wurde abgewiesen, weil auch Kinder der Domäne Fränkenau die Schule besuchten.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (NKB).

Auf der Tagesordnung stand der Bericht der Kommission zur Verkehrssituation in der Stadt. Die Stadtverordneten stimmten zu und beauftragten den Magistrat mit der weiteren Veranlassung. Wegen der Kosten lehnte Bürgermeister Beyendorff ab

 

  1. Juli Brunnenfest (priv).

Der Festplatz war wieder die Wiese vor dem Kurmittelhaus, weil man die von Roßner geforderten 100 Mark Platzmiete für seine Wiese nicht zahlen wollte. Der musikalische Auftakt am Sonntagmorgen erfolgte an der Davison-Halle, am Nachmittag der Festzug zum Borlachschacht und am Montagvormittag traf man sich zum Bürgerfrühstück, am Nachmittag war Kinderfest  und am Abend der Lampionumzug.

 

  1. Juli Handelsgärtner G. Genth kauft das v. Neidthardtsche Haus Saalstr. 16 (NKB)

Zum Jahresende setzte er sich zur Ruhe, seinen Betrieb in der Grünen Gasse hatte der Berliner Gärtner A. Zipfel für 25.000 Mark erworben. Am 3. Dezember 1906 verstarb die bisherige Besitzerin Editha v. Neindorff geb. v. Grandville.

 

  1. Juli Wohltätigkeitskonzert der Kurkapelle zu Gunsten des Bades (NKB)

Dabei traten auf die Opernsängerin Frl. Hedwig Boche-Berlin und der Komponist und Sänger Wolfgang Riedel-Berlin (1884-1954)

 

  1. Aug. 95. Geburtstag des Geh. Sanitätsrates Dr. Carl August Zimmermann (NKB).

Zimmermann, ein Sohn des Dürrenberger Knappschaftsarztes war zunächst in Berlin tätig  und ab 1856 bis zu seiner Pensionierung 1882 Schularzt in Pforte.

 

  1. Aug. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

Das Landgericht hatte am 10.07. geurteilt, dass die mit Dr. Lewinson und Dr. Schütze am 25. Juni 1904 abgeschlossenen Verträge für die Dauer der Vertragszeit weiterbestehen, die ausgesprochene Aufhebung damit gegenstandslos sei. Die Mitglieder beschlossen mehrheitlich, den Verzicht auf Berufung und die Erstellung eines Rechtsgutachtens zur Haftbarmachung des ehemaligen Vorstandes.

 

  1. Aug. Bürgerversammlung im Kurgarten (NKB)

Wegen der Differenzen mit dem Magistrat hatten 6 Stadtverordnete ihr Mandat niedergelegt, von der I. Abt. Dr. Schütze, Rentier Hämmerling, Weingutsbesitzer Schumann, Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf, von der II. Abt. Vizefeldwebel Ohm und von der III. Abt. Paul Kersten.  Am Vortag der Ersatzwahl hatten sie eingeladen, um der Einwohnerschaft ihre Gründe darzulegen.

Nicht anwesend war der Magistrat (Beyendorff, Krüger, Weber), dafür aber der Landrat Freiherr von Schele, der für die bevorstehende Ersatzwahl einen neuen Wahlvorstand ernannte.

Dem Magistrat wurde vorgeworfen, er handelte nicht zum Wohle der Stadt, weil er bislang die Wahl von zwei weiteren Schöffen, die Trennung der Polizeiverwaltung vom Amt des Bürgermeisters und eine Neuordnung der Badeverwaltung abgelehnt hatte. Der Hauptvorwurf richtete sich gegen die geplante Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft, weil dadurch der Einfluss der Stadtverordneten völlig unterbunden würde.

Inzwischen war bekannt geworden, dass die von Beyendorff vorgeschlagene Aktiengesellschaft  den „Mutigen Ritter“ übernehmen und dessen Besitzer Weber 200.000 Mark bekommen sollte. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats war Beyendorff im Gespräch und das Bankhaus Krüger sollte die Finanzierung übernehmen. Da alle drei Beteiligten den Magistrat bildeten, vermutete man ein Komplott gegen die Interessen der Allgemeinheit.

Die Mehrheit der Anwesenden lehnte das Vorhaben ab und die Stadtverordneten, die ihr Mandat niedergelegt hatten, erklärten mehrheitlich, sich zur Ersatzwahl zu stellen.  

 

  1. Aug. Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Noch am Vormittag rief ein Flugblatt die Wähler der III. Abteilung auf, gegen die „Despotengelüste  Einzelner“ (P. Kersten, Fr. Wolf, T. Siebold) und für die Kandidaten Emrich, Haußner und Seiffert zu stimmen, weil die die „Gesamtinteressen unserer lieben Vaterstadt und des idyllischen Bades“ vertreten würden.

Die Wahlbeteiligung hielt sich in Grenzen. Von den 284 Wahlberechtigten der III. Klasse erschienen nur 114, die für Kersten (108), Wolf (109) und Siebold (109) stimmten. In der II. Klasse waren es von 48 nur 19. Lediglich in der I. Klasse beteiligten sich von den 11 Wahlberechtigten 10, die den Konditor Hämmerling wieder wählten. Neu hinzu kamen Seiffert und Haußner und zwischen Emrich und Dr. Schütze kam es zur Stichwahl.

 

  1. Aug. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

Der Glasermeister Faust, der als einziger eine elektrische Säge- und Hobelmaschine betrieb, hatte durfte mit Genehmigung des Magistrats, die Maschine für eine Gebühr von 1,50 bzw. 2 Mark pro Stunde auch anderen ortsansässigen Handwerkern zu vermieten.

 

  1. Sep. Otto Scheidig übernimmt das Restaurant, Schmettaustr. 12 (NKB)

Sein Nachfolger A. Horn nannte das Lokal „Lindenhof“ und ein Jahr später war Carl Merker neuer Inhaber. 

 

  1. Sep. Saisonende (NKB)

Diesmal zog sich die Nachsaison noch bis in den Oktober hinein. Kritisiert wurde der nur mäßige Besuch des von auswärtigen Truppen bespielten Sommertheaters im Kurgarten. Dennoch wagte der Direktor Chalons noch einen Versuch mit einem Wintertheater, diesmal mit mehr Erfolg. 

Unter den 4.974 Badegästen waren Miss Paxton und Miss Theodore v. Roma-Rumänien, Frl. Marlonski, Fr. Gerassimoff und Frl. Belarski-St. Petersburg, Ferdinand Schulze gen. Tibus-Shanghai, Freifrau v. Rössing-Bamberg, La Altesse Prinzess J. Galinski mit Sohn-Rumänien, Baron v. Borries-Kupferdreh, Isodor Leczynski-San Franzisko, H. v. Drewitz-Yokohama, Dr. phil. Lagerborg-Helsingfort, Maler J. Lienau-Landsberg,  Baronin v. Meerheimb-Gnemern, Fabrikant P. Richter mit Tochter-Tenafly-USA, Gutsbesitzer R. v. Thunen-Durban, Dr. Kock-Amsterdam, Fr. Exz. v. Höpfner-Berlin, Gräfin Bernstorff-Mecklenburg, Musikdirektor Ludwig Gellert,-Frankfurt/Main, Oberstltn. Boeckh-Jena, Kunstmaler Otto Jeremias-Berlin, Fr. Exz. General v. Pohlen-Leipzig, Fr. Exz. General v. Lindequist-Berlin,  Oberstltn. Freiherr v. Busche-Dresden, Generalarzt Knoevenagel-Weimar, Opernsänger Tewenzow-Nikolajew, General Exz. v. Kunhardt-Berlin.

Einer der Badegäste, der Kaiserl. Kapitänleutnant Reinhold Schmidt-Großwilmersdorf heiratete die Tochter des Mühlenbesitzers Martha Roßner und erwarb die ehemalige Stuckradt`sche Villa (Friedrich Ebert Str. 17).

 

  1. Okt. Körner und Rabenalt übernehmen die Krügersche Holzhandlung (NKB).

Dazu gehörte der neben dem Krügerschen Anwesen (Parkstraße 10) befindliche Lagerplatz. Einen Landstreifen in direkter Verlängerung des Weges vom Bahnhof zur Fähre nach der Johannesquelle übernahm die Stadt. die Krümme Später verkaufte sie die Wiese ebenfalls der Stadt. Krüger widmete sich nun gänzlich seinen Bankgeschäften und überließ den Rest der Uferwiesen seiner Tochter   Henriette, die im Mai Dr. phil Friedrich Ernst Deutsch geheiratet hatte

Noch im gleichen Jahr legte er nach nur zwei Jahren sein Amt als Ratsschöffe nieder. 1917 wurde er vom Landrat zum kommissarischen Bürgermeister berufen.

 

  1. Okt. Otto Koch kauft das Struvesche Anwesen, Gerstenbergkpromenade 9 (KöZ)

 

  1. Okt. Zustimmung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung (KöZ)

Das betraf die bis dahin bereits bebauten Grundstücke in den Saalbergen H. Reinhardt Nr. 13, W. Zwingenberg Nr. 14,  Dr. Risse Nr. 15, H. Sträuber Nr. 16, Fr. Kotte Nr. 17, B. Spindler Nr. 18, Hertel Nr. 19 und H. Weber Nr. 20 (Hausnummern nach der bis in die 1970er Jahren gültigen Nummerierung).

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Der Altersvorsitzende Roßner vereidigte die neu- bzw. wiedergewählten Stadtverordneten, deren Ordnungsmäßigkeit von Kersten und Wolf anzweifelt wurden und Siebold beantragte sogar, die Wahl für ungültig zu erklären. Doch dafür gab es keine Mehrheit. Dann kam es erneut wegen der finanziellen Probleme zu Kontroversen. Die Steuerkraft der Stadt betrug 35.866 Mark, die Schulden 400.000 Mark. Lt. Gesetz durften die Schulden nur das 10 fache der Steuerkraft betragen, demnach war die Stadt überschuldet.

 

  1. Okt. Fräulein Rosenberger stiftet eine Erinnerungstafel für ihren Vater (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Dabei wurde ein Dringlichkeitsantrag verabschiedet, dass man wegen der Beeinträchtigungen der Eisenbahn eine Deputation zur Eisenbahnverwaltung nach Erfurt, notfalls nach Berlin entsenden sollte. Beschlossen wurde die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Jochenberg, zumal in der Verlängerung der Burgstraße bereits die ersten Häuser gebaut wurden (Nr. 33, 35). Der Magistrat lehnte das aber wegen fehlender Haushaltmittel ab. Einen finanziellen Zuschuss gab es dann aber für die Beteiligung an einer Ausstellung im Kaiserin Friedrich Haus zu Berlin.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der Floßordnung vom 12.12. 1895 (NKB)

 

  1. Nov. Antrag des Lehrerkollegiums auf Gehaltszulage (MER C 48 Iib 2028 II)

Beantragt wurden 150 Mark Zulage zum Grundgehalt, 10 Mark Alterszulage für alle sechs Lehrer, sowie die Erhöhung der Mietentschädigung von 270 auf 350 Mark, für die beiden Lehrer, die keine  Beamtenwohnung hatten. Als Grund wurde die Teuerung bei Lebensmitteln und Mieten angegeben. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die Teuerung vorübergehend sei, die Lehrer Nebenverdienst hätten und die Vorteile in einem Badeort angestellt zu sein, die vorhandenen  Nachteile aufwiegen.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891)

Erfasst wurden 355 bewohnte Häuser (1900: 332), 12 unbewohnte Häuser (9), 10 sonstige Gebäude (11). Es gab 697 Zwei- und Mehrpersonenhaushalte (1900: 656) 114 Einzelhaushalte (109). Im Ort anwesend waren 1318 Männer (1900: 1234) und 1672 Frauen (1667). 2.898 Einwohner waren evangelisch, 85 katholisch und 5 Juden.

Besonders erwähnt die Freifrau v. Rechenberg (Saalstr. 28), Frau Oberstleutnant Begas (Saalstr. 4) und die Villa „Heller“ (Salinenstr. 6). Die Villa Freytag (Neue Str. 17) wechselte für 42.000 Mark ihren Besitzer.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600).

Im vertraulichen Teil wurde über den Kauf aller in Laßpacht und Nießbrauch befindlichen öffentlichen Flächen von der Landesschule beraten, angesichts des zu erwartenden Kaufpreises aber zunächst nicht weiter verfolgt.

 

  1. Dez. Ermittlungen gegen den Polizeisergeanten A. Richter (MER C 48 Ih Nr. 922)

Richter  hatte in der  „Tanne“ die Einhaltung der Polizeistunde kontrolliert. Da er aber in Zivil war, wurde dem nicht nachgekommen, worauf es mit einem der Gäste zu Handgreiflichkeiten kam, woraufhin er diesen vom hinzukommenden Nachtwächter arretieren ließ. Der Inhaftierte erstattete daraufhin Anzeige wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Da alle Zeugen gegen Richter aussagten, wurde er zu 2 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. Dazu kam ein Disziplinarverfahren, das wegen einiger anderer Verfehlungen mit der Dienstenthebung endete, obwohl der Bürgermeister in Anbetracht der vier minderjährigen Kinder um Nachsicht bat. Die Angelegenheit wurde im Oktober vom preußischen Justizminister entschieden. Der teilte dem Innenminister mit: „Mit Rücksicht auf die erschwerenden Umstände habe ich davon abgesehen, auch nur den Erlaß der Geldstrafe zu befürworten (.) und den ersten Staatsanwalt in Naumburg beauftragt, den Verurteilten auf sein Immediatsgesuch (.) ablehnend zu bescheiden. Gleichzeitig habe ich jedoch den genannten 1. Staatsanwalt angewiesen, bei der Strafvollstreckung auf die bedrängte wirtschaftliche Lage der Familie (.) tunliche Rücksicht zu nehmen.“ Daraufhin wandte sich Richter an das Oberverwaltungsgericht, dass aber im Februar 1908 das Urteil bestätigte.  

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 2).

Dr. Schütze wurde zum Ratsschöffen gewählt und eine „Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung“ beschlossen.

 

  1. Dez. Bau einer Schutzhütte am „Vogelherd“ (NKB)

 

1906    

  1. Jan. Jahresstatistiken (NKB)

Es gab 83 Geburten, davon 3 uneheliche, 56 Todesfälle, darunter Else von Weller die Tochter des Generalltn. v. Strantz mit 38 Jahren und 22 Eheschließungen, darunter die vom Dachdeckermeister H. Fritzsche mit Marie geb. Heilmann.

In der Stadtschule unterrichteten 6 Lehrer 418 Kinder, die Knabenschule war nach dem Rektorwechsel nur mäßig besucht, 10 Knaben und 2 Lehrer, die Töchterschule meldete 32 Mädchen  und 9 Vorschulknaben bei 3 Lehrern. 

Im Postamt der Stadt kamen 455.000 Postsachen an, 492.000 wurden aufgegeben. Auf der Rudelsburg, dem kleinsten Postort im Oberpostbezirk Halle mit 11 Einwohnern waren es 2.200 empfangene und  98.800  aufgegebene Postsendungen.

Die Diakonissenstation meldete 262 Pflegetage bei Bedürftigen, 2.666 Hausbesuche bei 264 Familien, 59 Nachtwachen und 47 Tagespflegen. Dazu betreuten die Diakonissen den  Jungfrauenvereins sowie die Strick- und der Nähschule.                

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Kaufmann Theodor Siebold, seit 1903 Stadtverordneter und ein kritischer aber auch recht selbstgefälliger Gegenspieler des Magistrats wurde mehrheitlich zum Stadtverordnetenvorsteher wieder gewählt. Informiert wurde, dass der Bezirksausschuss dem Tilgungsplan der städtischen Schulden genehmigt habe, womit man bis 1934 schuldenfrei würde.

Dann wurden die städtischen Kommissionen und deren Vorsitzende gewählt, Beyendorff für die Bau-, Licht- und Wasser-, Finanz-, Rechts- und Einkommenssteuerkommission, zum Vorstand der städtischen und der Fortbildungsschule sowie als Kurator der Sparkasse. 1. Ratsschöffe Dr. Schütze übernahm die Bade-, Park-, Armen- und Gesundheitskommission. 

 

  1. Jan. Bekanntmachung der Ortspolizeibehörde (NKB)

Den Hausbesitzern, welche bisher die festgestellten feuer- und gesundheitspolizeilichen Mängel nicht abgestellt hatten und dem binnen 14 Tagen nicht nachkamen, drohten empfindliche Geldstrafen, ersatzweise Haft.

 

  1. Jan. Neufestsetzung der Tarife der Brückengelderhebungsstelle (NKB)

Ab dem 1. März zahlten Fuhrwerke und Schlitten zur Personenbeförderung und  Lastenfuhrwerke mit mehr als 100 kg 5 Pfg. je Zugtier, unbeladen 3 Pfg. Für unangespannte Tiere waren je Pferd, Maulesel und Maultier 2 Pfg, mit oder ohne Last bzw. Reiter und von Rind oder Esel 1 Pfg. zu zahlen.

Kraftwagen für den Personen- und Lastentransport mit Gummireifen über 4 Sitzplätzen  oder beladen zahlten 10 Pfg, bis zu 4 Sitzplätzen oder unbeladen 5 Pfg. Kraftwagen ohne Gummireifen über 4 Sitzplätze oder beladen zahlten 15 Pfg. unbeladen 8 Pfg.

Vom Brückengeld befreit waren Fahrzeuge des Kgl. Hauses Hohenzollern, Militär auf Übungs- oder Kriegszügen, Gendarmerie und Geistliche mit dienstlichen Auftrag, Kirchen und Leichenfuhren der Parochie, Staatsfuhren, Reichspost bzw. in deren Auftrag fahrende Privatunternehmer, Feuerwehr- und Notstandsfuhren, Armen- und Arrestantenfuhren, sowie die „ Einwohner der Stadt Kösen, von der Landesschule Pforta deren Beamte, sowie die zur Landesschule gehörenden Vorwerken Kukulau, Fränkenau und Pforta“.

 

  1. Jan. Festessen anlässlich des Geburtstages des Kaisers (NKB)

Zur Veranstaltung des Magistrats im Kurgarten war die Teilnahme der Vereine erwünscht. Die zweite Feier mit Festessen fand im Mutigen Ritter statt und auf der Katze feierte  die Belegschaft der Zementfabrik in Anwesenheit des Landrates. 

 

  1. Feb. Bestellung des Stadtsekretärs Ferdinand Röblitz zum Standesbeamten (NKB)

Im Oktober bot er seine Villa (Friedrich-Ebert-Str. 19) zum Verkauf an.

 

  1. Feb. Bestellung von Armenpflegern (NKB)

Für den 1. Bezirk (Linden-, Burg-, Eckartsbergaer Str.) wurde Kaufmann Hädicke, für den 2. Bezirk (Borlach-, Parkstr. Rudelsburgpr.) Buchbinder Wolf, für den 3. Bezirk (Neu-, Quer- Saalstr.) Schuhmachermeister Fr. Schubert und für den 4. Bezirk (rechts der Saale) der Bäckermeister Hämmerling bestellt.  

 

  1. Feb. Begutachtung des Borlachschachtes (NKB)

Demnach betrug die Temperatur der Sole 14° Reaumur und der Salzgehalt 5,5%. Die Pumpen  förderten 240 m³ in 24 Stunden. Die Schachtverzimmerung war dicht, ließ keinen Wildwasserzufluss zu. Erneut wurde vorgeschlagen die Sole zu Versieden und mit dem Erlös aus dem Salzverkauf die Mittel zur Verbesserung des Bades zu bekommen.

 

  1. Feb. Ausschreibung der Neuverpachtung der Johannisquelle für 6 Jahre (NKB)

 

  1. Feb. Generalversammlung der Sterbe- und Begräbniskasse (NKB)

Der Verein hatte 597 Mitglieder und ein Vermögen von 54.100 Mark.

 

  1. Feb. Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr (NKB)

Zimmermeister E. Toepfer wurde zum Hauptmann und Bauunternehmer Reichenbach zum Stellvertreter für weitere drei Jahre wieder gewählt.

 

  1. Feb. Fackelzug zur silbernen Hochzeit des Kaiserpaares (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600)

Die Versammlung stimmte der Aufhebung des Dienstvertrages mit Beyendorff zu, dessen Bewerbung in Steglitz bei Berlin als besoldeter Gemeindesyndikus erfolgreich war, nicht zuletzt wegen der ständigen Reibereien und wohl auch auf Anraten des Landrates. Im März bestätigte die Kgl. Preuß. Regierung zu Potsdam seine Wahl.

In der nachfolgenden nichtöffentlichen Sitzung wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle mit einem Jahresgehalt von 3.000 Mark und 500 Mark Mietzuschuss beschlossen.

 

  1. Feb. Schreiben des Bergrats Engelcke an das OBA in Halle (MER Rep. F 23 I/21).

Der Magistrat hatte den Chef des Salzamtes Dürrenberg beauftragt, ein Gutachten zur Einrichtung einer Fabrikationsanlage für  Badesalz zu  erstellen. Er stellte fest, dass die Badesalzfabrikation durchaus möglich und rentabel sei, denn mit den vorhandenen Pumpen und dem Gradierwerk, dass inzwischen in drei Fälle eingeteilt war, könnten wöchentlich 70 Zentner Badesalz in einer kleinen Pfanne gesotten werden.

Zur Herstellung von  Siedesalz müsste die Pumpenleistung deutlich gesteigert und eine Siedeanlage neu aufgebaut werden. Auch durch den Zukauf von Steinsalz, das aufgelöst zur Erhöhung der Konzentration der gradierten Sole zugegeben wird, wäre der Betrieb nicht rentabel. Allein für die Herrichtung der Betriebsanlagen wären 700.000 Mark erforderlich.

Nach Rücksprache mit der Bergbehörde genehmigte die der Stadt die Herstellung von Badesalz und Mutterlauge und auch einer geringen Menge Siedesalz, was lediglich Werbezwecken diente. 

 

  1. Mär. Veranstaltung des Radfahrerclubs „Rudelsburg“ (NKB)

Es gab einen Lichtbildervortrag des Weltenbummlers Schwiershausen, der mit dem Fahrrad in 5 Jahren alle Erdteile durchfahren hatte.

 

  1. Mär. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (NKB)

Von den 187 Mitgliedern waren lediglich 30 anwesend. Die beschlossen, die Pflege der von ihnen angelegten Anlagen im Stadtbezirk der Badekommission zu übertragen. Dagegen wollte man verschiedene Wanderwege am Nikolaus-, Kater-, Geiers- und Saalberg anlegen sowie den (alten) Napoleonstein instand setzen und den Trinkbrunnen vor der Kinderheilstätte zu einem Springbrunnen umfunktionieren.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Nachdem die Differenzen mit dem Gastwirt Weber wegen des Zugangsrechtes zum unteren Schacht ausgeräumt und dieser sich auch bereit erklärt hatte, die Vergrößerung der Zahl der Ratsschöffen zu befürworten, wurde er selbst zum Ratsschöffen gewählt.

 

  1. Mär. Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahnverwaltung (NKB)

Dem Fuhrunternehmer Pabst wurde die An- und Abfuhr von Eil- und Frachtgütern für den Ortsbezirk Pforta zum Bahnhof übertragen und die dafür genehmigten Gebühren veröffentlicht.

 

  1. Mär. Verbreiterung der Eisenbahnunterführung an der Lindenstraße (KöZ)

 

  1. Mär. Musterung der Militärpflichtigen des Stadtbezirks (NKB)

Von den 43 Jungen wurden 6 zur Infanterie, 1 zur Garde-Infanterie, 1 zur fahrende Artillerie, 1 für Pioniere, 1 für Infanterie-Ersatz-Reserve und 4 für die Landwehr als tauglich befunden und in die Militärstammrollen eingeschrieben, 3 waren dauern untauglich und 26 wurden zurückgestellt.

 

  1. Mär. Aufenthalt von Edvard Munch (V. Wahl, Jena als Kunststadt, Leipzig 1988)

Munch (1863-1944) der bedeutendste norwegische Maler, war auf Einladung der Schwester des verstorbenen Philosophen von Friedrich Nietzsche nach Weimar gekommen, und ließ sich wegen eines Nervenleidens in der Nervenheilanstalt von Dr. Lehmann in der heutigen K.-Kruse Straße 16/18 behandeln. Umstritten ist, ob er dort  Quartier nahm oder bei der Familie Puttrich  (Lindenstraße 3) wohnte.  Fest steht, dass er im „Mutigen Ritter“ einen atelierartigen Raum angemietet hatte, wo ihn Elisabeth Förster-Nietzsche, besuchte, um mit ihm die in Auftrag gegebenen Porträts ihres Bruders zu besprechen. Munch hielt sich mehrfach aber lediglich einige Tage bis 1907 hier auf, galt daher als Passant und wurde in der Badeliste namentlich nicht erfasst. Hier malte er das Bild „Park in Kösen“, das das Ritterbad zeigt (Belvedere Galerie Wien) und die Bilder „Neuschnee auf der Promenade“ und „Kinder auf der Straße“ (Munch Museum Oslo).  (Quelle: „E. Munchs Thüringer Aufenthalt“ in „Jena als Kunststadt“, V. Wahl, Seemann Verlag Leipzig 1888, NTB 1993).

 

  1. Mär. Listen für Steuerpflichtige bis 900 Mark Jahresverdienst (NKB)

 

  1. Mär. Eröffnung des Konkursverfahrens gegen Dr. Max Lewinson (NKB)

Er und sein Ehefrau Thekla waren bereits nach Schöneberg verzogen. Neben dem  Borlachbad gehörte ihnen auch das Wohnhaus (Lindenstr. 17), dass als erstes unter dem Hammer kam. Bei der Zwangsversteigerung am 7. August war Dr. Schütze mit 21.200 Mark Höchstbietender.

 

  1. Mär. E. Hamel erhält die Schankkonzession für den „Preußischen Hof“ (NKB).

Hamel war bislang Buffetier im „Mutigen Ritter“ und hatte das Anwesen von Oswald Becker erworben. Die Eröffnung war am 1. April.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (NKB/ BLK -A Nr. 600)

Auf der Tagesordnung stand der Haushalt für 1906, der mit einem Minus von 34.000 Mark, d. s. 11 Mark pro Kopf der Bevölkerung  abschloss. Das Einsparpotential war gegenüber den zu tätigen Ausgaben für die Verbesserung des Bades und der Infrastruktur gering, es blieben nur die Erhöhungen der Gebühren und Abgabepreise für Strom und Wasser und eine höhere Kurtaxe. Weil sich die Diskussion hinzog, wurde die Sitzung auf den 30. März vertagt.

Durch Landrat Freiherr v. Scheele wurde dann auf Anweisung des Regierungspräsidenten der Regierungsreferendar Tellemann kommissarisch eingeführt, weil sich die Ratschöffen Weber und Dr. Schütze weigerten, die Vertretung für Beyendorff zu übernehmen. Im Hinblick auf den Haushaltsentwurf wurden die Stadtverordneten vom Landrat darauf hingewiesen, dass auch eine „Zwangsetatisierung“ denkbar wäre.

 

  1. Mär. Verabschiedung Beyendorffs (NKB)

1908 wurde er Gemeindevorsteher in Lankwitz (bis 1918), wo er sich um die dortige Gartenstadt verdient machte. 2003 wurde im Lankwitzer Kurfürstenviertel eine Straße der Rudolf-Beyendorff-Ring nach ihm benannt.

 

  1. Mär. Einweihung der Drahtseilbahn zur Arnold`schen Dampfziegelei (NKB)

Die Ziegelei war seit 25 Jahre im Besitz der Familie, die sie vergrößert und auf Dampf umgerüstet hatte. Ähnlich wie die Bahn vom Freirodaer Steinbruch zum Zementwerk wurde nun auch Material aus der am Äbtischen Holz gelegenen Lehmgrube antransportiert.

Dem Ziegeleibesitzer gehörte auch die Lindenstraße 27.

 

  1. Apr. Neueröffnung des Reeh`schen Herrenkonfektionsgeschäfts (NKB)

Das befand sich gegenüber vom Bahnhof an der kleinen Promenade (Gerstenbergkprom. 3). Das bisherige Geschäft im Koch`schen Anwesen (Lindenstraße 20) übernahm der Schneidermeister Fr. Schlegelmilsch.

 

  1. Apr. Das Postamt wird höher gestuft und ein Postdirektor eingesetzt (NKB)

Die Briefzustellung erfolgt nun zweimal am Vormittag.

 

  1. Apr. O. Wolfram eröffnet in der Rudelsburgpromenade 9 ein Lokal (NKB)

In der Sieboldschen Villa hatte der bisherige Inhaber vom Lengefelder Fährhaus das „Cafè  Paradies“ eingerichtet und betrieb nebenher einen Wein-, Zigarren- und Delikatessenhandel sowie den  Ausschank am Kunoklamm.

Im Winter 1908 rettete er einen kleinen Jungen, der im Eis der Saale eingebrochen war.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB/BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Einholung von Preisangeboten für die Erneuerung des Glasdaches der Johannisquelle und die Erneuerung der inzwischen veralteten Inhalationsanlage sowie den Verkauf der nicht mehr benötigten städtischen Trinkwasserbrunnen. Die Anschaffung eines Fäkalienwagens wurde wegen fehlender Mittel abgelehnt.

 

  1. Apr. Unfall eines Gespannes in der Fränkenauer Hohle (NKB)

Dabei gingen die Pferde eines Gespanns der Domäne Fränkenau durch und kamen erst an der Mühle zum Stehen. Eine Frau mit Kind konnte sich noch rechtzeitig retten, der Kutscher, ein 13jähriger Junge erlitt schwere Verletzungen und kam ins Krankenhaus. Einwohner forderten, die Hohle für Gespanne zu sperren.

 

  1. Apr. Schuljahresbeginn (NKB)

Wegen der geringen Nachfrage warb Prof. Posseldt mit „individuellen Unterricht in kleinen Klassen, Förderung Zurückgebliebener, für Auswärtige gute Pension, gewissenhafte sittliche und körperliche Pflege, Gewöhnung an gründliches und selbstständiges Arbeiten…“

Letztlich wurden nur 13 Knaben eingeschult, in der höheren Töchterschule waren es 47 einschl. der Vorschule und die städtische Schule meldete 429 Kinder, darunter nun auch Kinder aus Fränkenau. 

In der untersten von drei Klassenstufen der gewerblichen Fortbildungsschule wurden 68 Lehrlinge. zwischen 18 und 20 Uhr und an den Sonntagen von Lehrern der städtischen Schule unterrichtet.

 

  1. Apr. Nichtöffentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600).

Dabei wurde der § 1 des Ortsstatuts geändert und lautete nun „Der kollegiale Gemeindevorstand wird von fünf Mitgliedern, bestehend aus dem Bürgermeister und vier Ratsschöffen gebildet“, d. h. zu den Ratsschöffen Weber und Dr. Schütze, wurden im September E. Roßner und G. Saalborn gewählt, die von Bäckermeister Seifert und Kaufmann Haußner als Stadtverordnete ersetzt wurden.

 

  1. Apr. Einweihung des erweiterten Schützenhauses des Bürgerschützencorps (NKB)

Der Vorsitzende und Hauptmann Kfm. Hädicke begrüßte die Ehrenmitglieder Kfm. O. Koch, Bankier P. Krüger und den Handelsgärtner Genth und gab einen geschichtlichen Überblick. 1878 gründeten 25 Einwohner das Corps, dass sich zur Unterscheidung „Jüngerer Schützenverein“ nannte, 1879 fand das erste Mannschießen und die Fahnenweihe statt und 1889 erfolgte die Umbenennung in „Bürgerschützencorps“. 1893 wurde der Schießstand vom Kurgarten in die Ilske verlegt, der Kurgarten blieb aber Vereinslokal.  

 

  1. Mai Bekanntmachung des Magistrats (KöZ)

„In unserer Stadt bestehen von der Badeverwaltung bzw. vom Magistrat eingerichtete Spielplätze und zwar für die Kinder der Kurgäste am Gradierwerk, für die Kinder hiesiger Einwohner auf dem Kirchplatz. Wir nehmen Veranlassung darauf hinzuweisen, daß das Spielen größerer Kinderscharen auf den Straßen (.) im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht geduldet werden kann…“

 

  1. Mai Wahl des Bürgermeister (NKB/BLK-A. Nr. 600)

Insgesamt gab es 102 Bewerber von denen 5 zur persönlichen Vorstellung eingeladen wurden. Es erschienen dann nur drei Bewerber, darunter der Stadtverordnetenvorsteher Siebold. Im ersten Wahlgang schied ein  Bewerber aus und im 2. Wahlgang erhielt der Intendantur-Assessor und Reserveoffizier d. Landwehr Dr. Kretschmar 7 Stimmen, sein Kontrahent Siebold 5 Stimmen.

 

  1. Mai Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

Von den Mitgliedern (412 Männer und 155 Frauen) waren 3 Arbeitgeber mit 27 Stimmen und 5 Arbeiter mit 10 Stimmen anwesend. Weil das ärztliche Ehrengericht ein Verfahren gegen die Kassenärzte abgelehnt hatte und Dr. Lewinson nach Berlin übergesiedelt war, sollte mit Dr. Schütze über ein günstigeres Honorar für die Behandlung der Kassenmitglieder verhandelt werden. Die Haftbarmachung des ehemaligen Vorstandes stand hier nicht mehr zur Debatte.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (BLK-A. Nr. 390, KöZ).

Regierungsreferent Tellemann, Dr. Schütze, Direktor Kersten, Fabrikant Roßner, Zimmermeister Töpfer, Buchdruckermeister Wolf, Kaufmann Siebold und Gastwirt Weber befassten sich mit dem Antrag des Verschönerungsvereins bezüglich der in den vergangenen Jahren auf eigene Kosten gepflanzten Bäume und Hecken, der Beete, Schutzhütten, Bänke und Wegweiser. Die befürwortete die gewünschte Übernahme der Pflege, vorbehaltlich der Zustimmung des Magistrats.

Gleichzeitig wurde eine weitere Schutzhütte auf dem Wanderweg vom Kurgarten zum Göttersitz in der Ilske eingeweiht.

 

  1. Mai Erste Badeliste der Saison (NKB)

Verkauft wurden die Listen im Verlag Sieling gedruckten Listen von Frau Gundermann-Borlachstr. 6 und Franziska Techow-Lindenstraße 1. 

 

  1. Mai Verkaufsanzeige der Saalstr. 29 - Erbengemeinschaft Brandt (NKB)

Die neue Besitzerin Fr. Oberförster Pflüger beantragte dann den Anschluss an die städtische Wasserleitung.

 

  1. Mai Verkaufsanzeige der „Ersten Thür. Zigarrenfabrik-Kösen“ (NKB)

„Wegen der Steuer, die am 1. Juli in Kraft tritt, verkaufe ich um mein Lager zu verkleinern 500.000 Stück Zigaretten in Kartons zu 100 Stück zu en Gros Preisen per 100 Stück von 50 Pfg.

 

  1. Mai Stiftungsfest des Automobilclubs Halle im Mutigen Ritter (NKB)

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (KöZ)

Genehmigt wurde der Vertrag mit Frau Gräfe zur Aufsicht der städtischen Badeanstalt und die Stadtverordneten Töpfer und Emrich zur Kontrolle bestimmt. Zugestimmt wurde der Verpachtung des rechten Saaleufers vom Mühlenfels`schen Haus (Loreleyprom. 5) bis zum Friedrich`schen Anwesen zur Anlage einer Motorbootlandungsstelle für 1 Jahr und 25 Mark Jahrespacht an C. Friedrich.  

 

  1. Mai Amtseinführung des Bürgermeisters Felix Kretschmar (Röblitz, 1930).

Kretschmar (Jg. 1875) stammte aus Leopoldshall (OT v. Bernburg) und wurde für 12 Jahre gewählt. Bei der Verabschiedung des kommissarischen Bürgermeisters erklärte Paul Kersten „noch nie habe ich mich in meiner 18jährigen Tätigkeit  als Stadtverordneter  so wohl gefühlt wie bei Tellemann“.

Beschlossen wurde die Verpachtung der Flussbadeanstalt an Frau Gräfe und die Verpachtung der Bootsanlagestelle an C. Friedrich sowie die Übernahme der Wettersäule und der Lauben vom Verschönerungsverein.

 

  1. Mai Schumann (Saalhäuser) pachtet für 375 Mark die Jagd im Stadtbezirk (NKB)

Im November meldet das NKB, dass Schumann hier einen Steinadler erlegt habe.

 

  1. Juni Erste Aufführung des Albert`schen Kurtheaters im Kurgarten (NKB)

Unter der Direktion des Hofschauspielers Ernst Albert wurde „Othello“ von Shakespeare gegeben. Es folgten wöchentlich zwei wechselnde Aufführungen (Drama, Lustspiel) sowie eine Kindervorstellung und gelegentliche Benefizvorstellungen. Regelmäßig veröffentlichte das NKB die Rezensionen.

 

  1. Juni „Einmaliges Elite Konzert“ in Apels Hotel, ehem. Kurzhals (NKB)

Es spielte das Trompetercorps des Kgl. Bayer. 6. Chevaulegers-Regiment Prinz Albrecht v. Preußen aus Bayreuth. 

 

  1. Juni Einquartierung eines Kommandos des 4. AK (NKB)

Untergebracht und beköstigt wurden 26 Offiziere, 3 Unteroffiziere, 41 Soldaten und 48 Pferde. Die Kosten wurden den Quartiergebern anhand der Einquartierungslisten erstattet.

 

  1. Juni Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600/NKB)

Alle 12 Stadtverordneten waren anwesend, dazu der Bürgermeister und beide Ratsschöffen. Man beschloss den Ankauf des Abflussgrabens des Schwanenteichs vom Bankier Krüger, die Ergänzung der Solelieferverträge mit den 4 größeren Badeanstalten durch eine Mindestabnahmeklausel. Die  Aufwartefrau der Wellenbäder sollte angewiesen werden, den Mitglieder und Beauftragten des Magistrats Bescheidenheit und Gehorsam entgegenzubringen.

 

  1. Juni Extrakonzert der Unteroffiziersschule Weißenfels im Mutigen Ritter (NKB)

 

  1. Juni Ausflug der Delegierten des 34. Deutschen Ärztetages in Halle (NKB).

200 Teilnehmer trafen mit einem Sonderzug ein und begaben sich zum Frühschoppen auf die Rudelsburg, wo sie von Dr. Schütze begrüßt wurden. Nach der Rückkehr durch die Buchenhalle wurden Gradierwerk, Solschacht und Gestänge besichtigt. Abschließend folgte ein gemeinsames Abendessen im „Mutigen Ritter“ bevor man durch die illuminierte Promenade mit Musikbegleitung der Badekapelle zum Bahnhof zog.

 

  1. Juli 30. Stiftungsfest des Turnvereins auf der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juli Klempner Krause übergibt sein Geschäft (Borlachstr. 4) an Fritz Ertle (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde, dass das Brunnenfest künftig an drei Tagen (Sonntag bis Dienstag) stattfinden, der Wasserfall in Betrieb gesetzt,  die Motorboote illuminiert und der Salzgehalt der Schachtsole öffentlich bestimmt werden soll. Dem Bürgermeister sollte als Hochzeitsgeschenk auf Kosten der Stadt die Lichtleitung installiert werden. Die Lampen musste er selber besorgen. 

 

  1. Juli Stellenausschreibung für einen Hilfspolizisten bzw. Nachtwächter (NKB)

Geboten wurde ein Jahresgehalt von 750 Mark und freie Wohnung, bevorzugt wurde ein ehemaliger Militär. Neben den eigentlichen Dienstobliegenheiten hatte er das Magistratsbüro zu reinigen.

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB)

Der Schachtmeister Pilling befuhr den Schacht und bestimmte dann die dort geschöpfte Sole auf deren Gehalt.

 

  1. Juli Wohltätigkeitskonzert für den Neubau des Armen- und Krankenhauses (NKB)

 

  1. Aug. „Picknick am Vogelherd“ (KöZ)

Dazu hatte die Badeverwaltung eine „Zigeunerkarawane“ engagiert, die heimatliche Tänze aufführt. Außerdem den Sänger Wolfers und den Rezitator Börries.

 

  1. Aug. Ehrung des gefallenen Marineartilleristen Fritz Seyffarth (NKB)

Der war bei einem Rohrkrepierer getötet worden. Seine Mutter erhielt ein Gedenkblatt mit einer Widmung des Kaisers.

 

  1. Aug. Nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. 600, NKB, KöZ).

Dabei wurden  wichtige Beschlüsse gefasst:

„Das jetzige Armenhaus (Burgstr. 16) soll abgerissen und an dessen Stelle die Kleinkinderbewahranstalt  errichtet werden. Das jetzige Krankenhaus (Burgstr. 14) soll zum Armenhaus umgewandelt werden. Der Neubau des Krankenhauses soll in dem oberen Teil des jetzigen Krankenhausgartens  an der Fränkenauer Trift in die Wege geleitet werden...“

 „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Angebot der Diakonissen-Anstalt v. 19. a. c. welches von dem Vorstand unterzeichnet ist und beschließt, daß das lt. Kaufvertrag zwischen der Stadt Kösen und Fr. H. L. Arndt geb. Thiele erworbene Hausgrundstück (Vertrag v. 01. 08. a. c) mit allen Rechten und Pflichten wie es die Stadt von Fr. Arndt erworben hat, zu übernehmen, mit der Bedingung, daß bei Auflassung hypothekarisch eingetragen wird, daß niemals ein Krankenhaus auf diesem Grundstück errichtet werden darf (.) Die Übertragung soll damit von Fr. Arndt auf die Diakonissen-Anstalt möglichst binnen 8 Tagen erfolgen. Die St. V. V. beschließt, das Angebot der Fr. Arndt vom 19. 08. a. c. ihre Rentenansprüche von 1.000 Mark auf 800 Mark zu reduzieren, anzunehmen, welches aus dem Kaufvertrag v. 1. Aug. resultieren“.

Die Übergabe des Grundstücks  Neue Straße 22 (Fr.-Ebert Str. 22)  zog sich wegen der noch einzuholenden Genehmigungen der vorgesetzten Behörde bzw. des Mutterhauses noch fast ein Jahr hin. Indessen starb Luise Arndt im Mai 1906, damit war die Leibrente hinfällig.

 

  1. Aug. Großherzogin Mathilde v. Württemberg logiert im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. P. Kersten übernimmt das Kreistagsmandat von Beyendorff (NKB)

Er verpflichtete sich zum Verzicht, wenn Kretschmar eingebürgert war.

 

  1. Aug. Letzte Vorstellungen des Sommertheaters (NKB)

Aufgeführt wurden Nestroys Posse „Lumpazi-Vagabundus“ und Sundermanns Schauspiel „Johannisfeuer“.

 

  1. Sep. „Großes japanisches Kinderfest“ im Bahns Rektorberg (NKB)

Der Hauptpreis für Erwachsenen war eine japanische Zimmereinrichtung und bei den Kindern ein Papagei.

 

  1. Sep. Tagung des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins im Ritter (NKB)

 

  1. Sep. Bekanntmachung der Polizeiverwaltung (NKB)

Aufgehoben wurden alle Ausnahmeregelungen von der in der Polizeiverordnung v. Sept. 1901 festgelegten Polizeistunde 24 Uhr.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB, KöZ)

Gemeldet wurden 2634 Badegäste, darunter der Kfm. Susin m. Ehefrau-Moskau, Kfm. Getzoff-Rostow, Fr. v. Nickisch-Rosenegk m. Kind-Chikago, Frau Großkaufmann Menuchen-Charkow, Fr. Sanitätsrat Steimer geb. v. d. Groeben-Berlin, Eisenbahn-Direktionspräsident Haßengier-Kattowice, Gen.-Major z. D. v. Kunhardt-Berlin, Dr. Bobowitsch und Dr. Gelebowitsch-Kiew, Baronin v. Korff-Wiesbaden, Baronin v. d. Horst-Berlin. Stud. Ing. Tomin-Kowno, Frl. Fanny Kaufmann-Grodno, Schriftstellerin Henriette Hirschberg, Gen.-Ltn. Exz. v. Reiß-Berlin, Universitätsdozent Dr. A. Marcuse-Lichterfelde, Baronin  Nadine v. Foelkersam u. Familie (Mitau), Frau General Exz. v. Smirnoff m. Tochter-St. Petersburg, M. Clemens-Chikago, Prof. Dr. Heinrich Schuth-Altona, Fr. Haseneck-Conventos Rio Grande, Generaloberarzt Dr. Hünermann-Glogau, Prof. Dr. C. Färber-Berlin,  Frl. Heyne u. Kinder des Kammerherrn v. Marschall-Altengottern, Fabrikbesitzer Loß-Riga, Baron H. G. v. Borries-Essen, Baronesse v. Korff-Berlin, G. Kleffel- Kammerrat im Finanzministerium Schwerin, Graf E. Dohna-Berlin, Lion u. Lista v. Moltke-Paris, Bankdirektor Kohn m. Familie-Irkutsk, Kfm. Arendt m. Familie-St. Petersburg, Fr. Eugenie Lautenburg m. Kind-Moskau, Geschwister Rappaport- Lodz, Graf Reichenbach m. Tochter-Berlin, Fr. v. Scheidt-Rybnik, Hr. Orchis de Caitro-Brüssel, Gräfin v. Baudissin-Dessau, Fr. v. Radloff-St. Petersburg, Prof. Fick-Prag, Oberstltn. Freiherr v. Buschen m. Gemahlin-Dresden, Fr. General Smirnoff m. Tochter-St. Petersburg 

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NKB, KöZ)

Behandelt wurde der Antrag der Landesschule, bis zu 30 Arbeiterkinder der Domänen Kukulau Fränkenau und Pforta kostenfrei einzuschulen. Sollte es zu keiner einvernehmlichen Regelung kommen, drohte die Landesschule, mit dem Bau neuer Fronhäuser am Rand des Stadtbezirks In Anbetracht dessen, dass die Klassenzimmer bereits jetzt nicht reichten und auch ein weiterer Lehrer erforderlich wäre, wurde beschlossen, zunächst probeweise 12 Kinder für ein Jahr aufzunehmen, wenn die Landesschule die Mehrkosten trägt und das Arbeiterhaus in der Eckartsbergaer Straße abreißt. Daraufhin bot die Landesschule an, das Anwesen der Stadt für 17.000 Mark zu verkaufen.

 

  1. Okt. Dr. med. C. Rieger eröffnet seine Praxis in der Lindenstr. 7 (NKB)

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-Nr. 600)

Beschlossen wurden der Verbleib im Thüringer Bäderverband und 80 Mark für den  Fernsprechanschluss in der Wohnung des Bürgermeisters. Zur Kenntnis gegeben wurde eine Mitteilung der „Unterstützungskasse für im Feuerlöschdienst Verunglückte“. Die übernahm einen Teil der Kurkosten für einen Arbeiter, der bei der Pflichtübung der städtischen Feuerwehr verunglückt war.

 

  1. Okt. Eröffnung einer Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung Grüne Gasse 3 (NKB)

 

  1. Okt. Einweihung des Denkmals für 1806 in Hassenhausen (NKB, KöZ)

Für die auswärtigen Gäste verkehrten zwei Sonderzüge von Weißenfels nach Großheringen. Von da ging es mit dem Wagen auf die Höhe. An der Feierlichkeit nahm in Vertretung des Kaisers General-Feldmarschall v. Hahnke teil. Weitere Ehrengäste waren die komm. Generale des 4. AK v. Hindenburg und des 1. AK Freiherr v. d. Goltz, Staatsminister v. Boetticher, General-Ltn. Leszynski, Generalmajor v. Weller, Reg.-Präsident Freiherr v. d. Recke, Minister Freiherr v. d. Recke sowie Generalmajor z. D. v. Schmettau, Gräfin v. Schmettau, Oberstltn. v. Schmettau und die Schwestern  v. Schmettau die Nachkommen des bei Auerstädt gefallenen Divisionskommandeurs  Graf Friedrich Wilhelm v. Schmettau (1743-1806), außerdem die Urenkelin von Scharnhorst und die Enkelin des Adjutanten des Herzogs v. Braunschweig v. Kleist.

Dazu hatte sich 116 Kriegervereine der Bezirke Saale-Unstrut-Elster, Eckartsberga, Sachsen-Weimar, Merseburg-Halle, Sangerhausen und Erfurt mit 1882 Teilnehmern und 100 Fahnen eingefunden.

Einen Tag später besuchten der Generalfeldmarschall Graf von Häseler zusammen mit dem Kammerherrn von Gerstenbergk auf Bergsulza und den Kgl. Prinzen auf dem Rückweg von der Einweihung des Denkmals in Vierzehnheiligen Hassenhausen.

 

  1. Okt. Vertrauliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 3)

Weil das Borlachbad zur Zwangsvollstreckung stand, erwog der Magistrat erneut die Umwandlung des Kurbetriebes in eine Aktiengesellschaft. Die könnte das Borlachbad erwerben,  die Stadt die ihr gehörenden Kureinrichtungen einbringen und auch die Übernahme des Ritterbades wäre möglich. Die notwendigen Mittel sollten private Investoren aufbringen.

 

  1. Okt. Verkauf eines Teilstücks der Saalstraße 6 (NKB)

Die Schwestern v. Schmettau verkauften für 5000 Mark der Diakonissenstation den Bauplatz für ein Schwesternheim.

 

  1. Okt. Neuausschreibung der Stelle des Musikdirektors der Badekapelle (NKB)

Weil der bisherige Musikdirektor Brand nach Bad Königstein ging, wurde ein neuer Kapellmeister bei einer Saisonpauschale von 4.000 Mark für die öffentlichen Konzerte der Badedirektion und einem „ausgiebigen Nebenverdienst“ für die 20-Mann Kapelle.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Aufstockung des Brunnenhauses vom Wasserwerk in der Borlachstraße, um  Lagerflächen und eine Wohnung für den Techniker zu schaffen. Für die   Kinderbewahranstalt sollte der Berbigschen Stiftung der 650 m² großen Garten unterhalb vom Rathaus an der kleinen Promenade für 1.000 Mark angeboten werden, eine willkommene Einnahme für den desolaten Haushalt. Das Angebot der Landesschule zum Ankauf des Fronhauses wurde abgelehnt, obwohl es „am Eingang der Stadt, dieser nicht gerade zur Zierde gereicht“ 

 

  1. Nov. Entdeckung eines prähistorischen Gräberfeldes im Äbtischen Holz (NKB)

 

  1. Nov. Königlicher Besuch (NKB).

Großes Interesse erregten der Thronfolger Johann Georg von Sachsen und seine  Gemahlin  Prinzessin Maria von Sizilien und Bourbon die mit Gefolge von Stuttgart kommend am Bahnhof empfangen und zum „Mutigen Ritter“ geleitet, wo sie zu Abend aßen, übernachteten und am anderen Tag weiter nach Dresden reisten. 

 

  1. Nov. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

Mit beiden Kassenärzten (Dr. Risse und Dr. Schütze) sollte ein einheitliches Behandlungshonorar von 4 Mark je Kassenmitglied ausgehandelt werden.

 

  1. Nov. Stadtverordneten-Ergänzungswahl (priv).

Nachdem der Mühlenbesitzer Roßner zum Schöffen gewählt wurde, musste ein Stadtverordneter gewählt nachrücken.  P. Kersten und der Buchbinder Wolf warben mit einem Flugblatt unter den Wählern der 2. Klasse für den Bahnhofswirt Emrich. Dieser habe sich nicht an den „nichtswürdigen Stänkereien und Intrigen gegen den neugewählten, arbeitsfreudigen Bürgermeister“ beteiligt, lebt in geordneten Verhältnissen und habe „reges Interesse am Emporblühen des Bades“. In der 3. Abteilung wurde mit einem Flugblatt für den Maurermeister Blumentritt geworben, dessen Unabhängigkeit ein Garant für die Weiterentwicklung des Bades wäre. Er würde verhindern „dass große industrielle Unternehmen sich in der Nachbargemeinde niederlassen, die der Stadt die reichen Steuern vor der Nase wegnehmen und mit ihren rauchenden Schornsteinen die Luft verpesten und die Badegäste zum Nachteil des kleinen Mannes vertreiben“.  

 

  1. Dez. Außerordentliche Viehzählung (NKB)

Von den 315 Wohnhäusern waren 85 mit Viehbestand, sowie 101 viehbesitzende Haushalte mit insgesamt 70 Pferden, 26 Rindern, 4 Schafen und 296 Schweinen.

 

  1. Dez. Gründung eines Ausschusses für die Straßenbahn Naumburg-Kösen (KöZ)

Da der Naumburger Bahnhof abgelegen war und der Verkehr zwischen beiden Städten immer mehr zunahm, sollte eine Linie vom Ostbahnhof bis zu Hämmerling gebaut werden. Für den Abschnitt bis zur Kadettenanstalt sollte die Stadt Naumburg für die Kreditzinsen bürgen für den Rest die Stadt Kösen. Das wurde abgelehnt, da Naumburg von der Bahn wesentlich mehr Vorteile hätte als Kösen.

 

  1. Dez. Leserbrief aus Bad Kösen (NKB)

„So soll es nun zum Ereignis werden, die Straßenbahn von Naumburg nach Kösen. Einsender bedauert es, daß sie nicht schon jetzt besteht zur Zeit der hohen Fleischpreise, dann könnte man wenigstens auf bequeme Weise seinen Bedarf an Fleisch- und Wurstwaren in Naumburg decken.

 

  1. Dez. Wahl der Schuldeputation (MER C48 Iib 2028 II)

Die bestand aus drei Stadtverordneten (Kfm. Siebold, Kfm. Haußner, Rentier Ohm), drei sachkundigen Einwohner (Prof. Dr. Posseldt, Hauptlehrer Mönnigmeier, Postmeister  a.D. Eckleben) sowie dem Pfarrer Diederichs.

 

  1. Dez. Dringliche Stadtverordnetensitzung (NKB)

Ein Eilantrag zum Ankauf der Fränkenauer Wiese wurde abgelehnt aber eine Bebauung des neben der Wiese gelegenen „ehemals eisenbahn-fiskalischen Dreiecks zwischen der kleinen Promenade und der Gleisanlage mit villenartigen Häusern“ befürwortet.

 

  1. Dez. Terminfestsetzung zur Zwangsversteigerung des Borlachbades (NKB)

Seit der Eröffnung des Konkursverfahrens gegen das Ehepaar Dr. Lewinson wurde das Bad von dem gerichtlich eingesetzten Rentier Hämmerling verwaltet. Der rechnete bis Saisonende noch 611 Bäder für Erwachsene, 220 Kinderbäder sowie 834 ermäßigte Bäder ab.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (NKB, BLK-A. Nr. 600).

Obwohl die Schulkommission empfohlen hatte zumindest die Kinder aus dem Fronhaus an der Eckartsbergaer Chaussee einzuschulen, wurde dies nochmals zurückgestellt, bis mit der Landesschule eine Gesamtlösung zustande käme.

Abgelehnt wurde ein Erlass der Polizeiverwaltung, die Grüne Gasse nur noch in einer Richtung zu befahren. Die Geschirrführer sollten anhalten und sich davon überzeugen, ob die Fahrbahn frei sei und dann Schritt fahren.

 

1907

 

  1. Jan. Jahresstatistik 1906 (NKB, BLK-A. Nr. 820)

Es gab 84 Geburten (7 uneheliche), 16 Trauungen  (10 kirchliche) und 62 Sterbefälle, darunter der Sattlermeister Johann Friedrich Scheufler (83 J). Während seines Kuraufenthaltes verstarb der Kaiserl. Russ. Kammersänger H. Wöckel ( 50 J).         

Nach einer Aufstellung der Badeverwaltung wurden in den letzten 10 Jahren durchschnittlich  9.700 Solebäder für Erwachsene und 3.600 für Kinder, 1.330 Solebäder zu ermäßigten Preisen und 1.700 Wasserbäder in den öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Ritterbad, Wilhelmsbad, Kaiserin-Auguste-Viktoria).   

 

  1. Jan. Franz Kotte erwirbt das Heunsche Haus Eckartsbergaer Str. 3 (NKB)

 

  1. Jan. Albin Beer übernimmt den Laden von Apitzsch, Naumburger Str. 10 (NKB)

Vor fünfzig Jahre hatte Apitzsch sen. zusammen mit einem Kompagnon das Kolonialwaren-, Wein-, Zigarren- und Tapetengeschäft in der Lindenstraße 21 eröffnet.

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Weil es der städtische Haushalt auf der Tagesordnung stand, dauerte die Sitzung von 9 bis 18 Uhr, mit einer zweistündigen Mittagspause. Bezüglich der Fränkenauer Schülern sollte sich die Landesschule verpflichten, über kurz oder lang die Schäferei zu entfernen, keine weiteren Arbeiterhäuser im Stadtbezirk zu errichten und die uneingeschränkte Nutzung der Wanderwege zu erlauben. Dann wäre man bereit, in den nächsten 40 Jahren bis zu 35 Kinder unentgeltlich einzuschulen.

Außerdem wurde der Druck eines Werbeplakates mit „einer lichten Frauengestalt, die auf einem Tableau Kösener Ansichten zeigt“ beschlossen. Geplant waren 10.000 Stück zum Verkaufspreis von 35 Pfennigen.

 

  1. Jan. A. Kuppi verstirbt nach der Rettung eines Kindes aus der Saale (NKB)

Dieses Unglück machte viele betroffen und auf Anregung seiner Vereinskameraden der Freiwilligen Feuerwehr und des Radfahrerclubs fand im März ein Wohltätigkeitskonzert statt. Dabei kamen 700 Mark zusammen. Für 290 Mark wurde eine Gedenktafel angeschafft, der Rest zur Grabpflege verwendet. Kuppis Mutter kam dann ins Armenhaus, weil seine Schwester, nach dem Konkurs ihres Mannes, dem Dekorationsmaler Mahr, für ihren Unterhalt nicht aufkommen konnte. 1911  bewilligte dann die Carnegie-Stiftung, die sich derartiger Fälle annahm, der Mutter eine lebenslange Rente von 50 Mark monatlich.

 

  1. Jan. Öffentliches Festessen zum Geburtstag des Kaisers (NKB)

Zu diesem Ereignis sollte Einigkeit demonstriert werden, denn die Einladung unterzeichneten der Bürgermeister, der 1. Ratsschöffen Dr. Schütze und der stv. Stadtverordnetenvorsteher und Obermeister der Bäckerinnung Seiffert, der Ortsschulinspektor Pfarrer Diederichs, Postdirektor Dittrich, Oberbahnhofsvorsteher und Vorsitzender des Eisenbahnervereins Weymann, Hauptlehrer Mönningheim,  Fr. Wolf, Stadtverordneter und Vorsitzender des Kriegervereins „König Wilhelm“, E. Reichenbach stv. Branddirektor und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr, die Vorsitzenden des Bürgerschützencorps und der Kösener Schützengesellschaft auf der Katze, die Vorsitzenden der Gesangsvereine Anakreon  und Liedertafel, der Harmonie-Gesellschaft, der Kasino-Gesellschaft, des Radfahrervereins, des Turnvereins und des Stenographenvereins sowie der Direktor der Sächsisch-Thür. Kalkstein-AG . 

Einzig der Stadtverordnetenvorsteher und Vorsitzende des Schützenvereins 1832 Siebold gehörte nicht zu den Einladenden.

 

  1. Feb. Stellenausschreibung des Magistrats (NKB)

Gesucht wurden Bürolehrlinge, denen je nach Leistung auch eine kleine Vergütung in Aussicht gestellt wurde.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des Borlachbades (NKB)

Da sich kein Bieter fand, wurde ein neuer Termin für den 29. April anberaumt.

 

  1. Feb. Hzgin Johann Albrecht von Mecklenburg besucht J. v. Gerstenbergk (NKB)

Danach besuchte sie die Familie v. Strantz in der Friedrich Str. 6 (K.-Kruse Str. 6).

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Der Magistrat lehnte den Verkauf des Rathausgartens an die Berbig`sche Stiftung ab. Das Angebot gegenüber der Landesschule wurde auf die kostenlose Einschulung von 20 Kindern reduziert, wenn sich die Landesschule verpflichtet, auf eine dauerhafte oder nur zeitweilige Unterbringung ihrer Bediensteten im Stadtgebiet verzichtet.

 

  1. Feb. Generalversammlung des Verschönerungsvereines (NKB)

Nachdem die Stadtverordneten die Herrichtung eines Waldgottesdienstplatzes am Nikolausberg ähnlich wie in der Buchenhalle befürwortet hatten, wollte man den Wanderweg vom Steinbeck`schen Anwesen (Eckartsbergaer Str. 12) bis zur Ilske als Promenadenweg herrichten.

 

  1. Feb. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung (NKB)

Nach Ansicht des Magistrats war die die Sicherheit der Stadt am Tag und in der Nacht unzureichend weil nur ein Nachtwächter und ein Polizeisergeant, der nebenher als Magistrats- und Kassenbote beschäftigt war, zur Verfügung standen. Auf die für 400 Mark angebotene Stelle des Hilfspolizisten hatte sich kein Bewerber gemeldet. Daher sollten zwei Polizeisergeanten und anstelle eines Polizeisekretärs ein Polizeikommissar eingestellt werden. Der Antrag wurde mit 6 zu 4 Stimmen abgelehnt. 

 

  1. Mär. Verwaltungsbericht des Bürgermeisters zur Stadtverordnetensitzung (NKB)

Nach der Eingemeindung der Grundstücke in den Saalbergen gab es in der Stadt 377 Wohnhäuser mit 813 Haushalten und Anstalten. Von der Gesamtbevölkerung (1.318 Männer, 1.672 Frauen) waren lediglich 85 Katholiken und 5 Juden. Das freiwillige Feuerwehrcorps hatte 43 Mitglieder, die städtische Pflichtfeuerwehr gehörten 184 Einwohner.

Eigentum der Stadt waren das Rathaus, die Schule, das Pumpenhaus vom Wasserwerk, das Armen- und Krankenhaus, die Inhalieranstalt, die untere Wasserkunst mit E-Werk, das obere Radhaus mit Gestänge, Solschacht und Gradierwerk sowie die Trauerhalle. 

Das Wasserrad leistete 35 PS, der Benzinmotor für den Notfall 16 PS. Die Leistung der Dynamomaschine betrug 40 KW, die der Akkumulatoren 12 KW. Die Spannung des Netzes betrug lediglich 150 Volt. Angeschlossen waren 15 Bogenlampen der Straßenbeleuchtung und 1.138 Brennstellen in den Häusern. An die Trinkwasserleitung waren 271 Häuser angeschlossen.

Das Gradierwerk war in drei Fälle eingeteilt, wobei die bis 9% angereicherte Sole des 2. Falls zu den Badeanstalten und der Inhalierhalle kam. Im letzten Jahr wurden 16.078 Solbäder, 1.585 Wasserbäder, 3.077 Wellenbäder, 1.567 sonstige Bäder sowie 5.114 Inhalationen verabreicht. Dazu kamen 21.380 verkaufte Flaschen Johannisquelle. Die Zahl der Badegäste betrug 2.629, die der Passanten 2.745. Die Kinderheilstätte meldete 180 Kinder. Im Krankenhaus wurden 35 Personen untergebracht. Die Ortskrankenkasse hatte 541 Mitglieder, die Dienstbotenkasse 36. 

 

  1. Mär. Ausschreibung der Abfuhr der Abortgruben (NKB)

Nachdem die Anschaffung eines Fäkalwagens wegen fehlender Mittel abgelehnt wurde, suchte man einen Unternehmer für die „pneumatische Entleerung und geruchslose Abfuhr“, wofür ihm die Stadt eine Handdruckpumpe bereitstellte.

 

  1. Mär. Gründung der Ortsgruppe Reichsverband gegen Sozialdemokratie (NKB)

Vorsitzender war Exz. Stieler v. Heydekapmf sein Stellvertreter Prof. Posseldt. Der Jahresbeitrag  betrug 1 Mark. Innerhalb von 14 Tagen traten 200 Mitglieder bei.

 

  1. Mär. Antrag des Kukulauer Domänenpächters Wolf (BLK-A. Nr. 3)

Das betraf die Aufnahme seiner Arbeiterkinder in die Stadtschule. Zunächst war es der Sohn des Gärtners, später wären es  6 bis 10 Kinder.

 

  1. Mär. Beschwerde der Mieter der Salinenstr. 6 (BLK-A. Nr. 3)

Weil im Nachbarhaus der Musikdirektor Hohenstein mit der Kurkapelle probte, wurde die  Ortspolizeibehörde aufgefordert, derartige Belästigungen  zu unterbinden. Daraufhin erwarb Hohenstein für 32.000 Mark die Villa von Dr. Risse in den Saalbergen 15.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. 600, NKB).

Im vorderen Teil der kleinen Promenade sollten bis zu 20 Villen gebaut und der hintere Teil der Fränkenauer Wiese entlang der Bahngleise für den gewerblichen Verkehr genutzt werden. Wegen der städtischen Bauvorschriften und der zu erhebenden Gebühren sollte vor Baubeginn die Eingemeindung erfolgen.

Beschlossen wurde die Beauftragung der Fa. Körting AG zu, Einbau einer neuen Inhalationsanlage im Wert von 12.000 Mark, wobei eine Ratenzahlung und die Fertigstellung zum  10. Mai vereinbart werden sollten.

 

  1. Mär. Ausschreibung der Stelle des Schuldieners (NKB)

Geboten wurden 200 Mark Jahreslohn und freie Wohnung, gesucht wurde auch ein „durchaus nüchterner und zuverlässiger Bewerber mit guter Handschrift“ für ein Jahresgehalt von 710 Mark als  Magistratsbote/Vollzugsbeamter  sowie ein Polizeisergeant mit einem Anfangsgehalt von 850 Mark und einer Alterszulage im dreijährigen Rhythmus, bei freier Wohnung bzw. Mietzuschuss und 150 Mark Kleidergeld. Von den zahlreichen Bewerbern entschied man sich für den Sergeanten Marks.

 

  1. Mär. C. Müller eröffnet ein Herrenbekleidungsgeschäft in der Lindenstr. 7 (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Lange Wartezeiten bei den vier öffentlichen Warmbadeanstalten sorgten immer wieder für Unmut unter den Badegästen und oftmals wurde der Wunsch geäußert wegen der Bequemlichkeit gleich im Quartieren zu baden. Zunächst musste man aber in Erfahrung bringen, wieviel Anschlusswillige dazu bereit und welche Abnahmemenge zu erwarten waren.

 

  1. Mär. A. Richter eröffnet in der Borlachstr. 4 einen Tabakladen (NKB)

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

„Die Herren Kersten, Naumann, Seiffert, Wolff verlassen vor Eintritt der Tagesordnung die Versammlung, ebenfalls der Hr. Bürgermeister, weil die St.V.V. die Herren Kretschmar und Kersten wegen den in der Sitzung vom 18. März  gebrauchten Bemerkungen gegen außerhalb des Kollegiums stehende Personen, die als ungehörig und  als einen erheblichen Verstoß gegen die Ordnung bezeichnet, nachträglich zur Ordnung rief. Beide Herren protestierten gegen den Ordnungsruf und erklärt Hr. Kersten das Vorgehen des Vorstehers als Vertrauensbruch. Die Sitzung wurde, da nur noch 6 St.V. anwesend sind, geschlossen“ gez. Heckenberg. 

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Kretschmar und Kersten erklärten eingangs, dass keine Beleidigung beabsichtigt war und Siebold nahm den Ordnungsruf zurück. Dann folgte die Haushaltsberatung. Der Badeetat schloss mit einem Minus von 11.100 Mark, das aus den Überschüssen des E-Werkes  ausgeglichen werden sollte. Dessen Einnahmen könnten deutlich höher liegen, wenn bei der ohnehin nur mit 150 Volt betriebenen Freileitung die Erdschlüsse beseitigt würden. Man brauchte nur einen Leiter an den Wasserhahn legen und erhielt den Strom kostenfrei, meinte einer der Stadtverordneten.

Auch der Etat des Wasserwerks wies ein Minus aus. Der Grund waren die Kosten für den Benzinmotor, der dann in Betrieb genommen wurde, wenn durch Niedrigwasser die Leistung  des Wasserrades abfiel. Preisgünstiger wäre eine Dampfmaschine, allerdings kostete deren Anschaffung 6000 Mark, die nicht vorhanden waren. Im Übrigen war man mit der Leistung des Wasserwerkes zufrieden. Bei einem Tagesverbrauch von 60 l/Kopf  könnte man bis zu 6.000 Personen versorgen. Die Pumpen brachten 400 m³ am Tag, das Reservoir fasste 240 m³.   

Das Oberbergamt hatte die Versiedung von Sole zur Herstellung und Vertrieb von Badesalz (15 Pfg/kg) und Mutterlauge (18 Pfg./kg) bis zu einer Gesamtmenge von 2.250 kg jährlich genehmigt und weil der Gastwirt Weber über eine kleine Siedepfanne verfügte, wurde er mit der Versiedung betraut. Einen Antrag Webers, den unteren Solschacht wieder zu wältigen, lehnte die Behörde allerdings ab.

 

  1. Apr. Antrittskonzert der Kurkapelle unter Hohenstein im „Kurgarten“ (NKB)

 

  1. Apr. Aufhebung des Zwangsversteigerungstermins des Borlachbades (NKB)

Die am 7. April gegründete Firma „Dr. Karl Schützes Sanatorium Borlachbad zu Bad Kösen GmbH“ mit einem Stammkapital von 100.000 Mark erwarb das Bad aus der Lewinsonschen Konkursmasse. Als Geschäftsführerin wurde Frau verw. Amtsgerichtsrat Elisabeth Bachoven  geb. Kuhnert zu Bad Kösen im Handelsregister eingetragen, die die Anstalt am 2. Juli. eröffnete. Hauptgesellschafter Dr. Schütze übernahm wieder die ärztliche Leitung.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600)

Beim Umbau der Inhalationsanlage zeigten sich erhebliche Schäden am Gebäude. Wegen der Kürze der Zeit beauftragte der Bürgermeister die Firmen von Blumentritt und Toepfer mit den notwendigen Arbeiten, wobei eine Vertragsstrafe von 30 Mark für jeden Tag über den Fertigstellungstermin 10. Mai vereinbart war. Da er dafür nicht die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung eingeholt hatte, wurde er vom Vorsteher gerügt.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Beschlossen wurde die Zusammenlegung von Park- und Badekommission.

Bezüglich der Bebauung der kleinen Promenade wurde nochmals die vorherige Eingemeindung gefordert, um die Bauflucht, die Breite der Fahrbahn und die Anschlüsse von Borlachstraße und Grüner Gasse an den dortigen Kanal festzulegen. Bezüglich der Einschulung der Fränkenauer Kinder wurde der Landesschule angeboten, mehr als 20 Kinder aufzunehmen, wenn für diese die üblichen 34 Mark Schulgeld bezahlt würden, was die Landesschule ablehnte.

 

  1. Mai Der Bahnhof erhält die amtliche Bezeichnung „Station Bad Kösen“ (NKB).

Ein Jahr später wurde die Höherstufung wieder zurück genommen.

 

  1. Mai Bekanntgabe der Badeverwaltung (NKB)

Alle Einwohner der Nachbargemeinden und Gutsbezirke im Umkreis von 7 km erhielten die gleichen Vergünstigungen bei der Inanspruchnahme von Kurangeboten wie die Ortsansässigen.

 

  1. Mai Konzert zu Himmelfahrt auf der Rudelsburg (priv).

Es spielte das Musikkorps  des 2. Thüringische Feld-Artillerie-Regiments Nr. 55.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NKB)

Der Vorschlag Ohms, eine Soleleitung an die sich jeder anschließen könnte, auf Kosten der Stadt zu verlegen, wurde wegen der Kosten (20.000 Mark) einstimmig abgelehnt. Ein Antrag Kerstens, jedem Bürger zu gestatten, auf eigene Kosten eine derartige Rohrleitung zu errichten wurde mit 8 zu 4 Stimmen abgelehnt. Der Antrag von Dr. Risse, diese Angelegenheit von einer Kommission prüfen zu lassen, wurde mit 7 zu 5 Stimmen angenommen. Beschlossen wurde eine Verringerung Soleabgabepreis um 15 Pfennig für den Hektoliter für diejenigen, die ihre Sole am Schacht abholen. Sollte der Magistrat nicht zustimmen, wollte man sich beim Bezirksausschuss beschweren.

Beschlossen wurde auch eine neue Kurtaxordnung, die am folgenden Tag in Kraft trat und die vom 7. Januar 1897 ersetzte. Neben neuen Preisen waren nun auch alle auswärtigen Besucher ab dem 3. Tag ihres Aufenthaltes (bislang ab dem 7. Tag) kurtaxpflichtig, Kinder unter 3 Jahren waren befreit, Kinder bis 10 Jahre zahlten die Hälfte. (MER C48 Ih Nr. 920).

Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass die Kurtaxkarten beim Besuch der Veranstaltungen der Badedirektion (Konzerte, Rèunions) mitzuführen sind und dies nunmehr auch kontrolliert wird.

 

  1. Mai Erste Vorstellung des Sommertheaters im Kurgarten (NKB)

Direktor Ernst Albert, Hofschauspieler und Oberregisseur des Kaiserl. Stadttheaters Bromberg der bereits im Vorjahr für gutbesuchte Aufführungen gesorgt hatte, brachte zum Auftakt das Kleist`sche Schauspiel „Käthchen von Heilbronn“ und das Lustspiel „Renaissance“.

 

  1. Mai Eröffnung der Mahr`schen Kunstanstalt für Dekorationsmaler (NKB)

Der Inhaber heiratete eine Woche später Bertha Hedwig Kuppi, die Schwester des verunglückten  Schlossermeisters  und  zog in das Haus seiner Schwiegermutter (Lindenstr. 25). Im Juli 1910 war Mahr zahlungsunfähig und das Inventar wurde zwangsversteigert.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Gaststätte „Rektorberg“ (NKB)

Wilhelm Richter hatte erst im Dezember 1906 den „Rektorberg“ von B. Bahn erworben und war kurz darauf verstorben. Neuer Besitzer war C. Heinrich, der sich aber auch nicht lange hielt, denn im Mai 1909 übernahm J. Hofmann-Möckern die Gastwirtschaft.

 

  1. Mai Vorschlag der „Soleleitungskommission“ (BLK-A. Nr. 3)

Jedem Hausbesitzer könnte für eine jährliche Gebühr auf eigene Kosten eine Soleleitung legen. Für die Verbraucherfassung wären geeignete Zähler erforderlich.

 

  1. Mai Johannitertagung im Mutigen Ritter (NKB)

Kommandantor Exz. Graf v. Wartensleben begrüßte den Minister des Kgl. Hauses  Exz. v. Wedel, Gen.-Major v. Krosigk, Freiherr v. d. Recke-Mansfeld, Oberpräsident Exz. v. Wilmowski-Berlin, Gen.-Ltn. Exz. Pabst v. Ohain und weitere namhafte Mitglieder.

 

  1. Juni Neuausschreibung des Schulgutes Memleben für die nächsten 8 Jahre (NKB)

 

  1. Juni Zuverlässigkeitsfahrt Dresden-Eisenach-Mannheim (NKB)

Rund 200 Automobile der verschiedensten Hersteller passieren die Brücke.

 

  1. Juni Auftritt der 200 Sänger des Leipziger Kirchenchores (NKB)

 

  1. Juni Berufs- und Betriebszählung (NKB).

Am Stichtag gab es 806 Haushalte, 3.799 Personen befanden sich im Ort, davon 800 Kurgäste. 158 Inhaber von Landwirtschaftskarten und 260 von Gewerbeerlaubnisscheinen wurden erfasst.

Kurz darauf wurde die Erfassung aller bestehenden und im Bau befindlichen Wohngebäude sowie der Mieten angeordnet in Vorbereitung der für 1910 geplanten Neuordnung der Gebäudesteuerveranlagung.

 

  1. Juni Ausschreibung der Stelle des Badedieners (NKB)

Die Stelle war von Mai bis September befristet Zu den Aufgaben gehörten die Kassierung der Kurtaxe, die Bedienung des Lesezimmers am Inhalatorium, die Kontrolle der Kurkarten bei den Konzerten der Badedirektion und die Hilfe bei der Quartiersuche. Dafür gab es 75 Mark monatlich sowie 2%  Courtage von der eingebrachten Kurtaxe.

Der bisherige langjährige Badediener Wilhelm Becker war gesundheitshalber ausgeschieden und starb noch im Dezember.

 

  1. Juni Konzert der Zigeunerkapelle Rakoczy im Mutigen Ritter (NKB)

Mit dabei der Violinen-Virituose Primas und die Flammentänzerin Mdm. Bierut. Am Vortag spielte die Militärkapelle des Inf.-Reg. 94 aus Weimar

 

  1. Juni Eröffnung des umgebauten Inhalatoriums (NKB)

Mit einem Monat Verspätung wurde die Körting`sche Inhalationsanlage in Betrieb genommen. Neu war die Art der Solezerstäubung. Bisher nutzte man dafür den natürlichen Druck der sich aus der Höhendifferenz vom Gradierwerk zu den Zerstäubungsdüsen ergab. Nun sorgte ein Kompressor dafür, dass die Sole wesentlich feiner suspendiert aus den Düsen kam. Dazu gehörte ein ausgeklügeltes Heizungs- und Lüftungssystem. Der Inhalationsnebel wurde mittels eines elektrisch angetriebenen Exhaustors abgezogen, womit auch jegliche Staubentwicklung vermieden wurde und die Zuluft durchlief einen Wärmetauscher. Der Austausch erfolgte 8 Mal pro Stunde. Für die Bedienung brauchte man aber einen Maschinenmeister. Die Anlage war ganzjährig nutzbar und die derzeit noch wenig verbreitete „temperierte Trockeninhalation“ verbesserte den Ruf des Bades. 

 

  1. Juni Aufführung des Sommertheaters für die Belegschaft der Zementfabrik (NKB)

Gezeigt wurde das Lustspiel „Der Raub der Sabinerinnen“ wobei der Theaterdirektor Albert persönlich den Theaterdirektor Striese gab, übrigens zum 300. Mal.

 

  1. Juni Verkaufsanzeige für die Villa „Waldfrieden“ - Eckartsbergaer Str. 5 (NKB)

Nach dem Tod des Besitzer, wollten die Erben das Anwesen, in dem die höhere Töchterschule untergebracht war, zunächst aus freier Hand verkaufen. Doch dann folgte die Zwangsversteigerung zur Auflösung der Erbengemeinschaft.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Chaussee I-3 b (Nr. 13) (NKB)

Eigentümer war der Kaufmann und Stadtverordnete Gustav v. Hohorst und bebaut war der  aufgelassene Weinberg unterhalb der Kaiser Wilhelmsburg lediglich mit einem Schuppen.

Hohorts besaß auch eine  Villa in der Friedrichstraße (K.-Kruse Str. 11) auf der noch eine Hypothek zu Gunsten des Zimmermeisters Töpfer lag. Als v. Hohorst im November 1906 in Naumburg verstarb, und über den Nachlass der Konkurs eröffnet wurde, machte die Witwe Toepfers ihren Anspruch auf die Hypothek geltend und übernahm das Haus, dass ihr Ehemann gebaut hatte. erhielt.

 

  1. Juni Stadtverordnetensitzung (NKB, BLK-A. Nr. 3)

Weil das Wilhelmsbad und das Borlachbad sowie das Inhalatorium erst mehrere Wochen nach Saisonbeginn zur Verfügung standen, gab es zahlreiche Beschwerden, daher setzte man die Erhebung der Kurtaxe bis Mitte Juni aus. Der Verkauf von Parzellen an der kleinen Promenade an Gewerbetreibende wurde akzeptiert, wenn diese nicht das Badeleben beeinträchtigten und die Landesschule die Abwasserkanäle der Grünen Gasse und der Borlachstraße an die Kanalisation anschließt.

Außerdem wurde darüber informiert, dass die Königl. Regierung die Übertragung des Arndt`schen Hauses an die Diakonissenanstalt und den Verkaufspreis von 8 Mark/m²  für den Rathausgarten genehmigt hatte.

 

  1. Juli H. Trömel übernimmt die „Adler-Drogerie“ Uferstr. 5 (NKB)

 

  1. Juli Vertrauliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Behandelt wurde der Antrag vom Direktor Kersten, die Grundstücke der Zementfabrik einzugemeinden. Auf Antrag wurde die Geheimhaltung aufgehoben und die Prüfung der Eingemeindung von ganz Lengefeld beschlossen.

 

  1. Juli Kronprinz Friedrich Wilhelm v. Preußen logiert im Mutigen Ritter (NKB).

Im Rahmen einer Stabsübung waren der persönliche Adjutant v. Stülpnagel und weitere 33 Offiziere sowie  eine größere Anzahl Mannschaften der Garde du Corps anwesend.

 

  1. Juli Bezirksturnfestes des Nordthüringer Turngaus (BLK-A. Nr. 3, NKB).

700 Teilnehmer aus 22 Vereinen trafen sich an der „Katze“ zu sportlichen Freiübungen. Nach dem Mittagessen zog man zum Festplatz. Am Nachmittag heulte die Sirene. Im Grundstück des Bankiers Krüger brannten zwei Holzschuppen, die Flammen gefährdeten das daneben liegende Inhalatorium. Mit Hilfe der Turner konnte ein Übergreifen verhindert werden.

 

  1. Juli Die Badeverwaltung veranstaltet eine Floßpartie (NKB)

In Großheringen kam ein 200 m langes Floß auf die Saale und brachte fast 700 Gäste samt der Badekapelle bis zur Katze. Für die Hinfahrt hatte die Bahn einen Sonderzug bereitgestellt.

 

  1. Juli Gutachten zum Zustand des städtischen Stromnetzes (BLK-A. Nr. 3)

Das war in einem „äußerst vernachlässigten“ Zustand.  Die Akkumulator-Batterien waren defekt, die Isolatoren durch ausgelaufene Säure zerfressen, in die Freileitungen war das Geäst der Straßenbäume gewachsen, alle 1889 gesetzten Holzmasten waren verfault, das Porzellan der Isolatoren zerbrochen, die 200 Sicherungsisolatoren oxydiert, die Straßenlampen verrostet, durchhängende Freileitungen berührten sich bei Wind, bei den Hausanschlüssen fehlten die Sicherungen, durch Erdschlüsse war der Stromverlust hoch. Eine grundlegende Erneuerung war dringend geboten, wollte man zukünftig nicht im Dunkeln sitzen. Doch wegen der schwierigen Haushaltslage war das derzeit nicht machbar.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (NKB)

Die Stadtverordneten beschlossen mit 8 zu 4 Stimmen die unentgeltliche Aufnahme von 20 Arbeiterkindern aus Fränkenau. Darüber hinaus wäre Schulgeld zu zahlen. Zwar lehnte die Landesschule erneut ab, erklärte aber, keine weiteren Arbeiterfamilien in den Fronhäusern unterzubringen. Weil eine Einigung nicht zustande kam, wurde die Sache dem Bezirksausschuss vorgelegt.

 

  1. Aug. Zeugenvernehmung des Ehrenrates des Bezirksoffizierscorps (NKB)

Zwei Stadtverordnete der „Opposition“ hatten öffentlich behauptet, Bürgermeister Kretschmar habe sich bei einer Veranstaltung im „Kurgarten“ mit einer Dame in eine Kammer eingeschlossen und sei dort zudringlich geworden. Daraufhin hatte sich Kretschmar als Reserveoffizier selbst beim Offiziersehrenrat angezeigt. Der bestellte 20 Zeugen zur Vernehmung ein und stellte fest, dass die „Gerüchte böswillig erfunden und nichts Wahres enthielten“.

Daraufhin zeigte Kretschmar die Stadtverordneten Haußner (StV. 1905-1924) und Körner (StV. 1906-1908) bei der Staatsanwaltschaft an.

Nun bemühte sich Haußner seinerseits Zeugen zu gewinnen, wie der Brief einer Dame aus Forst vom 04. September zeigt. „Auf Ihr wertes Schreiben teile ich Ihnen mit, daß sich der Herr Kretschmar mir gegenüber seiner Zeit im Inhalatorium höflich benommen hat, möchte aber, da ich voraussichtlich Bad Kösen im kommenden Jahr wieder aufsuchen werde, mit betreffenden Herrn keine Auseinandersetzung haben“ (BLK-A. Nr. 3).

 

  1. Sep. Letzte Vorstellung des Kurtheaters mit „Minna von Barnhelm“ (NKB).

Das Theaterensemble bestehend aus 7 Herren  und 2 Damen brachte es in der Saison auf 50 Vorstellungen,  davon 24 Erstaufführungen. Im Winterhalbjahr mussten sich alle ein neues Engagement suchen.

 

  1. Sep. Handgreifliche Auseinandersetzung im „Rektorberg“ (NKB)

Daran beteiligt waren der Magistratsbote und der Nachtschutzmann. Beide wurden vom Dienst suspendiert.

 

  1. Sep. Polizeiverordnung zur Beleuchtung von Fluren und Treppen (NKB)

 

  1. Sep. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 3, NKB)

Die Hausbesitzer Rutschmann, Kniesche, Toepfer, Meissner, Eckhardt, Weise, Ohm  und Dittmann  hatten sich beim Bezirksausschuss beschwert, weil der Magistrat die von der Solekommission empfohlene „Zuführung der Soleleitung wird jeden Bewohner von Bad Kösen unter Zugrundelegung einer zivilrechtlichen Vereinbarung“ abgelehnt hatte. Sie verlangten die Aufhebung der Ablehnung zumal diese unrechtmäßig sei, weil zwei der Ratsschöffen öffentliche Badeanstalten besitzen (Weber, Dr. Schütze). Nach der Städte-Ordnung dürfen alle Einwohner öffentliche Gemeindeanstalten benutzen, worunter auch die Soleförderung falle. Zudem besteht ein Bedürfnis der Badegäste in der Unterkunft zu baden und nicht erst „große Toilette“ zu machen, um eine der öffentlichen Anstalten aufzusuchen. Im Übrigen müsse der Gleichheitsgrundsatz gelten. Der Magistrat stelle sich somit gegen das Gemeinwohl zu Gunsten der vier Badeanstalten, obwohl allgemein bekannt ist, dass es lange Wartezeiten und zu wenig Wannen gibt.

Der Bezirksausschuss sah sich in diesem Fall als nicht zuständig und der Magistrat blieb bei seiner Ablehnung, weil die bestehenden öffentlichen Badeanstalten geschädigt und derartige Bäder der Kontrolle der Badekommission entzogen würden. Außerdem habe jeder die Möglichkeit, die Sole am Schacht abzuholen bzw. aus Mutterlauge oder Badesalz häusliche Bäder in ausreichender Menge zu bereiten.

 

  1. Sep. Badeliste (NKB)

Unter den 3.105 Badegästen waren S. D. Prinz Wilhelm zu Wied-Charlottenburg, Kaiserl. Bezirksamtmann Fritz Adau-Kamerun, Prof. Dr. Bringmann-Leipzig, Freiherr v. Gienauth-Oevallit, Prof. B. L. Gellert u. Familie-Oevallit, M. Hamark m. Kind  und Dr. P. Hampeln-Riga,  Kammerherr v. Alvensleben-Rusteburg, Gen.-Ltn. v. Baginski m. Familie-Seeben, Baron v. Bülow-Beyernaumburg, Kammerherr v. Bila-Hainrode, Staatsminister a. D. v. Helldorf-Drackendorf, Graf Leon u. Komtesse Lila v. Moltke-Paris mit Erzieherin u. Kammerfrau, Frl. E. Magner-St. Petersburg, Victoria v. Nickisch-Rosenegk m. Kindern u. Bedienung-Chikago, Graf Reichenbach-Berlin, Buchhändlersgattin M. Reclam m. Kind u. Bedienung-Leipzig, Direktorsgattin v. Radloff m. Familie-St. Petersburg, Kap.-Ltn- Freiherr v. Stroubeck-Kassel,  Baronessen Jua u. Meta v. Groeben-Weimar, Mary Hannark m. Kind-Riga, Kfm. Podnebenow m. Gattin-Charkow, Gräfin Anna v. Schwerin-Bockrau, Frl. v. Hostau-Raab, Rosel Breul-Davos, Schwester M. v. Buckleschell u. H. Crull m. Tochter-St. Petersburg, Gen.-Major a. D. v. Kunhardt-Berlin, Landrat Freiherr v. Schele m. Gattin-Naumburg, Baronin Exz. v. Ungern-Sternberg u. Flr. v. Carlsburg-Ussascha, Ing. Scan m. Kind-Zuda, Gräfin Anne Horn-Stockholm, Oberstltn. v. Rohrscheidt-Glogau, Frl. Ulmer-Paris, Graf v. Bernsdorff-Angelow, Schriftsteller Prof. Dr. A. Ohorn-Chemnitz, Gräfin v. Bernstein-Mecklenburg, Frl. Pearson-Leamington, Fr. Exz. v. Lewinski m. Tochter-Schlesien, Fr. Renth-Witkowo, Fr. Otte-Rio de Janeiro, Freiherr v. Gemminger m. Frau-Altenburg, geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ludwig Günther-Verlin, D. Hildesheim m. Tochter-London, Rechtsanwalt v. Kaelbrandt m. Tochter-Riga, Freiherr v. Schlotheim m. Gattin-Berlin, Baronesse v. Laugk-Breslau, Oberstltn. v. Maunz-Charlottenburg. 

Dazu kamen weitere 2.954 Passanten. Die städtischen Badeeinrichtungen meldeten 16.700 Solebäder und 8.500 Inhalationen.  

 

  1. Okt. Durchl. Fürst Henckel v. Donnersmarck besucht J. v. Gerstenbergk (NKB)

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung der Rudelsburgpromenade 14 (NKB)

Erwerber war ein Leipziger Kaufmann, der bisherige Besitzer Kfm. E. A. Fischer behielt aber seinen Wohnung.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Dabei ging es um den Verkauf des städtischen Wasser- und Elektrowerkes an eine Berliner Firma, die dafür ein Gaswerk errichten wollte. Im anschließenden nichtöffentlichen Teil entschied man sich gegen dieses Angebot, dass zwar interessant war, aber die Stadt dann auf der noch offenen Restschuld von 53.000 Mark sitzen blieb.

 

  1. Okt. Bürgerversammlung zur „Wandelhalle“ am Rechenberg bei Apels (NKB)

Zur Bequemlichkeit der Badegäste sollte am oberen Hang von der Davison-Halle 100 Meter in südlicher Richtung ein 6 Meter breiter, überdachter Wandelgang gebaut werden, hatte ein Kreis von Interessenten vorgeschlagen. Allerdings schieden sich bei der Finanzierung die Geister, denn der Magistrat erklärte, weder Haushaltmittel bereitzustellen, noch Steuererhöhungen oder Anleihen aufzunehmen. Einzig freiwillige Beiträge von den am Badewesen profitierenden Einwohnern kämen in Frage. Demgegenüber erklärte die Versammlung, die Halle wäre im Interesse des Bades, also auch mit Mitteln der Stadt herzustellen und beauftragte den Magistrat, mit der Landesschule über den Ankauf des Geländes zu verhandeln.

 

  1. Nov. Ausschreibung der Pacht des Fischhauses auf 12 Jahre (NKB)

Dazu gehörten der Ausschank und die Fähre. Gesucht wurde ein Pächter, der auf eigene Kosten die Gastronomie erweitern würde.

 

  1. Nov. Gebührenordnung für die städtische Leichenhalle (MER C 48 Ih Nr. 920)

Die Aufbewahrung der Leiche kostet 2 Mark/Tag, die Leichenfeier 5 Mark und die Aufbahrung   8 Mark.

 

  1. Nov. 1. Sinfoniekonzert der Badekapelle unter Hohenstein (NKB)

Die Kapelle war auf 42 Musiker verstärkt, dazu eine Harfensolistin des Gewandhausorchesters.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (NKB; BLK-A. Nr. 3)

Eine Anfrage auf Ausrichtung des nächsten Thüringer Bädertages wurde mit Verweis auf leere Kassen abgelehnt. Der Antrag der Pensionsbesitzer Rutschmann (R. Breitscheid Str. 9) Kniesche (R. Breitscheid Str. 13) und Ohm (Käthe Kruse Str 4/5) auf Anlegung einer Soleleitung auf eigene Kosten wurde von der Kommission befürwortet, allerdings erneut vom Magistrat abgelehnt.

 

  1. Nov. Ausschreibung für die Lieferung von 63 Schock Dornwellen (NKB)

 

  1. Dez. Ausquartierung mehrerer Familien durch die Ortspolizei (NKB)

Weil ihre Unterkünfte den sanitätspolizeilichen Vorschriften nicht entsprachen wurden 7 Familien mit 30 Kinder auf die Straße gesetzt. Darunter auch die 4 Familien mit 17 Kindern aus dem städtischen Armenhaus, das abgerissen werden sollte. Weil aber bezahlbarer Wohnraum generell fehlte, wurden die Familien in provisorische Notunterkünften einquartiert.

 

  1. Dez. Kontrolle des Rettungseinrichtungen auf Gewässern (BLK-A. Nr. 879).

Das betraf auch die Badeanstalt von Gräfe in der Rudelsburgpromenade, die Fähre, die Gondelstation und die Wintereisbahn von K. Friedrich sowie die Fähre an den Saalhäusern (Schumann). Die Fähre an der „Katze“ gehörte zum Gerichtsbezirk von Kreipitzsch, die am Fischhaus zum Gutsbezirk Pforte. 

 

  1. Dez. F. Faust kauft die „Schöne Aussicht“ für 35.000 Mark (NKB).

Der bisherige Besitzer Steger war im August im Alter von 43 Jahren verstorben. Faust verstarb ebenfalls kurz darauf, und  im April 1908 übernahm sein Sohn Paul die Gaststätte.

 

  1. Dez. Beschlussvorlage des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 3)

Der beantragte für den Bebauungsplan „Jochenberg“, die „baldmöglichste Enteignung des zwischen den Grundstücken Blumentritt (Nr. 45) und Haußner (Nr. 44) liegenden Verbindungswegs von der Borlachstraße zur Burgstraße, als eine im öffentliche Interesse dringend gebotene Entscheidung, weil hier der Verbindungsweg zum Jochenberg entstehen sollte.“

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Bekannt gegeben wurde, dass die Kgl. Landesschule den Landverkauf zur Anlage der Wandelhalle abgelehnt hatte, wegen der nicht geklärten Aufnahme der Kinder aus Fränkenau in die städtische Schule. Beschlossen wurde die Eingemeindung von bebauten Grundstücken an der kleinen Promenade (F. A. Koch, Papst, Becker u. Blaufuß) und die vom  Bgm. Kretschmar und P. Kersten vorgeschlagene Eingemeindung der Zementfabrik der Kommission zur weiteren Beratung überwiesen.

 

             Wilhelm Bröker verlegt seinen Wohnsitz nach Kösen (Wikipedia).

Der 1848 in Berlin geborene Bröker studierte in Berlin Holzschnitt und kam über die Lithographie zur Malerei, vorzugsweise der Landschaftsmalerei. Er war seit 1870 auf den Ausstellungen der Berliner Akademie vertreten und Mitglied der dortigen Künstlervereinigung.  Einige seiner Bilder sind im Besitz der Nationalgalerie.

 

1908

 

  1. Jan. Jahresstatistik 1908 und Verwaltungsbericht (NKB)

Das Stadtgebiet umfasste 158,7 ha und hatte 546 Wohn- und Gewerbegebäude. Davon waren 272 Häuser an das Trinkwasserleitung angeschlossen. Die Stadt hatte 3.014 Einwohner, 899 Männer, 1.255 Frauen und 860 Kinder unter 14 Jahren. Das städtische Krankenhaus hatte 8 Betten und hatte über das Jahr 36 Männer und 8 Frauen aufgenommen.

136 Gewerbetreibende zahlten zusammen 3.515 Mark Gewerbesteuern, 35 Gewerbetreibende waren gegenüber dem Kreis steuerpflichtig. Die Poststelle registrierte 492.000 eingegangene und 451.000 aufgegebene Briefsendungen in den 12 Briefkästen des Stadtbezirks. Die Bahnverwaltung meldete 201.000 verkaufte Fahrkarten. An der 7-klassigen Stadtschule  unterrichteten 6 Lehrer die 393 Kinder, in der Posseldt`sche Knabenschule waren es 3 Lehrer und 20 Knaben und in der Witschel`schen Schule 47 Kinder. Der Magistrat kam 55 und die Stadtverordnetenversammlung  28mal zusammen. Am E-Werk waren 15 Bogen- und 1.188 Glühlampen angeschlossen, sowie 1 privater E-Motot.

Es gab 74 Geburten, davon 5 uneheliche, 28 Hochzeiten und 48 Todesfälle, darunter der  Glasermeister Faust sen. (57 J.). der seit 1887 hier ansässige Buchhändler und Ortschronist Carl Techow (61 J.) und die Fr. verwitwete Geh.-Reg.-Rat Clara Simon geb. Senff, die Schwiegertochter des früheren Salineninspektors.  

 

  1. Jan. Stundenplan der gewerblichen Fortbildungsschule (NKB)

 

  1. Jan. Eisfest auf dem Schwanenteich mit Konzert und Illumination (KöZ)

 

  1. Jan. Einweihung des Hospiz der Diakonissenstation (Lazarus-Brief 1991, NKB).

Die Gräfin v. Hertzberg, Oberin des Berliner Mutterhauses übergab in Anwesenheit der an diesem Tag bei Jenny v. Gerstenbergk weilenden Großherzogin Johann Albrecht v. Mecklenburg und weiterer Honoratioren die Leitung des Hauses an Schwester Auguste. Aufgenommen wurden „alleinstehende, pflegebedürftige, altersschwache und genesende Damen“ zeitweilig oder dauern. Das Zimmer kostete zwischen 3 und 5 Mark, zwei Zimmer 6 Mark. Darin eingeschlossen waren die Verpflegung (5x am Tag), Heizung und Beleuchtung, die Reinigung der Bettwäsche und Handtücher sowie die Pflege durch die Schwester. Durch Miete nicht gedeckte Kosten sollten aus der Gerstenbergk`schen Stiftung ausgeglichen werden. Anstelle von Schwester Auguste, trat als Gemeindepflegerin Schwester Karoline und Schwester Marie übernahm die Armen- und Krankenpflege. Am 19. Januar trafen die ersten 4 Bewohnerinnen ein.

Vorstandsvorsitzender war Dr. theol. Johannes Wichern (1845-1914), der ehemalige Leiter des  Rauhen Hauses in Hamburg. Der wohnte seit 1901 mit seiner Ehefrau, einer Tochter des Badearztes Rosenberger im Töpferschen Haus Friedrichstr. 18.

 

  1. Jan. Bau der Villa neben dem Kögel-Haus unterhalb von Burg Saaleck (NKB)

Der Entwurf stammte von Prof. Schulze-Naumburg die Bauausführung hatte Maurermeister Blumentritt.

 

  1. Jan. Veröffentlichung der überarbeiteten Kurtaxordnung (NKB, KöZ)

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Eine Anfrage des Ratsschöffen Dr. Schütze wegen der angeblich vom Bürgermeister veranlassten  Änderung der Wahllisten wurde vom Stadtverordnetenvorsteher Siebold nicht zugelassen, worauf  Schütze die Versammlung verließ. Die Stadtverordneten Kersten und Wolf warfen Siebold daraufhin Terrorismus und Anmaßung vor, weshalb sie ermahnt wurden und nun ebenfalls die Versammlung verließen.

 

  1. Feb. Generalversammlung des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Der Verein sagte zu den 175 Mark übersteigenden Teil der Kosten der Pflege der Waldwege und Bänke zu übernehmen.

 

  1. Feb. Einsturz des 1883 gebauten Steigerturms (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Auf der Tagesordnung stand u.a. die Beseitigung der Schrankenübergänge. Dabei wurde der Vorschlag der Eisenbahndirektion, die Chaussee in die Lindenstraße einmünden zu lassen und so den gesamten Verkehr durch die inzwischen verbreiterte Unterführung zu leiten, abgelehnt. Außerdem müsse man noch die bei Starkregen sich über die Hohle talwärts ergießenden Wassermassen berücksichtigen.  Vorgeschlagen wurde die Erweiterung der Unterführung bis zum  Fußgängertunnel wobei dann genügend Platz für die Straßen, den Fußweg und den Kanal wäre. Dies wollte man mit der Eisenbahndirektion auf einer für den 20. Feb. anberaumten Konferenz im Bahnhof vorschlagen. 

 

  1. Feb. E. Timler übernimmt die Fleischerei von Bermich (Schmettaustr.7) (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Erneut gerieten der Bürgermeister und der Vorsteher heftig aneinander. Kretschmar verließ daraufhin die Versammlung, die Stadtverordneten Kersten, Wolf, Naumann und Seiffert gingen ebenfalls, damit war man beschlussunfähig. Die Sitzung wurde für den 9. März neu angesetzt und dort beschlossen die anwesenden Stadtverordneten, dass Magistratsvorlagen nur auf die Tagesordnung zu bringen sind, wenn diese im Original beim Vorsteher vorlägen. Das lehnte der Magistrat ab, weil dies bislang einvernehmlich so gehanhabt wurde.  

 

  1. Mär. Stellenausschreibung für die Parkanlagen, Lohn: 1,50 Mark/Tag (NKB)

 

  1. Mär. Erste Vorstellung des Kurgarten-Theaters (KöZ)

Direktor E. Albrecht brachte das Stück „Die Rabensteinerin“ von Wildenbruch. Es folgten Aufführungen mit verschiedenen Sudermann-Stücken. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Der Bezirksausschuss hatte die geforderte Entfernung der das Ansehen der Stadt schädigenden Arbeiterhäuser als Voraussetzung für die kostenlose Aufnahme  der Fränkenauer Kinder als unzulässig abgewiesen. Vorgeschlagen wurde der Stadt von der Landesschule  17 Kindern kostenlos einzuschulen, wenn diese die Häuser freiwillig entfernt.

Bewilligt wurden 200 Mark für die Planung einer Pneumatischen Kammer neben dem Inhalatorium, der  Beitritt zum Heimatschutzbund und der Anschluss des Blaufuß`schen Hauses (Gerstenbergkprom. 12) an die Trinkwasserleitung, wenn der Eigentümer dies selbst bezahlt.

Abgelehnt wurde die Errichtung einer Gasanstalt für 145.000 Mark weil die Erweiterung des städtischen E-Werks nur die Hälfte kostete. Zurückgestellt wurde der Neubau des Krankenhauses, weil aus den diversen Stiftungen lediglich 25.000 Mark zusammenkamen, der Voranschlag aber 35.000 Mark beträgt.

 

  1. Mär. Polizeiverordnung zur Wohnraumbeschaffenheit (KöZ).

Die Polizeiverwaltung in Verbindung mit der Gesundheitskommission durfte unter Vorlage ihrer Legitimation die Wohnungen hinsichtlich des baulichen, hygienischen- und feuerpolizeilichen Zustandes kontrollieren und  Auflagen zur Mängelbeseitigung erteilen.

In den Geltungsbereich fielen alle Wohnungen mit drei oder weniger Zimmern (sog. herrschaftl. Wohnungen mit vier und mehr Zimmern waren ausgeschlossen), alle Wohnungen, wo sich Schlafgänger gegen Entgelt aufhielten, alle zur gewerbsmäßigen Beherbergung dienenden Wohnungen, alle Schlafgelasse der beim Dienstherren wohnenden Bediensteten, Lehrlinge oder Arbeiter.

Pro Person sollte der Luftraum eines Wohnraumes 20 m³ (Schlafstuben 10 m³) betragen, pro Kind bis 10 Jahre 5 m³. Räume unter 15 m³ waren als Schlafstube nicht zulässig und bei Kindern über 14 Jahren sollten sie nach Geschlecht getrennte Abteile haben.      

 

  1. Mär. "Modernes Wohnen" der Saalecker Werkstätten im Kurgarten (NKB).

 

  1. Mär. Öffentlicher Protest der Gastwirte (NKB).

„Wie verlautet soll in den Kellerräumen des Hotels „Mutiger Ritter“ an der Loreleypromenade von Herrn Weber eine Bier- und Speisewirtschaft eröffnet werden. Da bereits in nächster Umgebung sich noch 4 Lokale befinden, ferner das Schankwirtschaftsgewerbe von vielen Hausbesitzern und Wohnungsvermietern ohne Konzession gewerbsmäßig betrieben wird, wäre es sehr empfehlenswert, daß der Löbliche Magistrat zu Kösen den Konzessionserweiterungsantrag für dieses Lokal kurz anlehnt, indem absolut kein Bedürfnis für ein Lokal an dieser Stelle vorliegt...“

 

  1. Mär. Wechsel der Leiterin der „Dr. Karl Schütze Borlachbad GmbH“ (NKB)

Schwester Rose Lude löste Frau verw. Amtsgerichtsrat Bachoven ab.

 

  1. Mär. Gauturntag des Nordostthüringer Turngaus im Mutigen Ritter (NKB)

Anwesend waren die Delegierten von 127 Vereinen, mit 6.800 Mitgliedern. 

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Landrat Freiherr v. Schele sollte im Streit zwischen Magistrat und Stadtverordneten wegen der Besetzung der Schuldeputation vermitteln. Doch gleich zu Beginn gerieten Kretschmar und der Vorsteher in Streit, worauf der Bürgermeister die Versammlung verließ, ohne das Erscheinen des Landrates abzuwarten.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Postagentur in Saaleck (NKB)

Im Winter gehörten Kreipitzsch, Stendorf und die Rudelsburg zum Zustellbereich, im Sommer lediglich Saaleck. Werktags verkehrten zwei Landposten, am Sonntag eine, sowie eine Bahnpost bis zur Rudelsburg. 

 

  1. Apr. H. Kleinschmidt aus Kösen pachtet das „Himmelreich“ (NKB).

 

  1. Apr. Bezugsfertigkeit der Villa „Bauer“ (R.-Breitscheid Str. 10) (NKB)

 

  1. Apr. Hugo Ehrhardt übernimmt die Schlachterei Naumburger Str. 2 (NKB)

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Da Kretschmar in seiner Eigenschaft als Kurdirektor einige Anordnungen getroffen hatte, ohne Rücksprache mit der Badekommission wurde die Einstellung eines Badekommissars gefordert. Allerdings scheiterte das an den Finanzen und Kretschmar versprach eine bessere Kommunikation.

 

  1. Apr. Kaufmann Friedrich Heckenberg verstirbt im Alter von 39 Jahren (NKB)

Weil sein Sohn Fritz noch minderjährig war, führte die Witwe das florierende Geschäft (Delikatessen, Südfrüchte und Seefische) An der Brücke 3  weiter.

 

  1. Apr. 80. Geburtstag der Ordensdame Jenny v. Gerstenbergk (NKB)

 

  1. Apr. Eröffnung des Motorbootverkehrs (NKB, B. Schwarz)

In der Vorsaison verkehrte das Boot  täglich 6mal zwischen der Villa „Marie“ (Loreley) und der Rudelsburg. Zum Saisonbeginn wurde das Motorboot „Kösen“ in Dienst gestellt.

 

  1. Apr. Einführung einer Saisonkurkarte für Ortsansässige (NKB)

Die berechtigte zum Lösen verbilligter Bade- und Inhalierkarten, zum Aufenthalt am Gradierwerk, zur Benutzung der Johannisquelle, den Aufenthalt in den Parkanlagen und in der Lesehalle und zum unentgeltlichen Besuch an den Veranstaltungen der Badeverwaltung. Sie galt für die ganze Familie einschl. deren Besucher und wurde kontrolliert.

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung des Schuhmachers H. Jordan, Borlachstr. 10 (NKB)

 

  1. Apr. Inbetriebnahme des 2. Gleises zur Saalebahn (NKB)

 

  1. Apr. Einweihung des Promenadenweges am Nikolausberg (KöZ)

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (NKB)

Eine Eingemeindung der restlichen unbebauten Fränkenauer Wiese hatte die Landesschule abgelehnt, ebenso die Einbindung des Kanals aus der Borlachstraße und der Grüne Gasse in den Kanal der kleinen Promenade, was man dem Bürgermeister angekreidete. Währenddessen hatte der Bezirksausschuss die bereits beschlossene Eingemeindung der bebauten Parzellen  an der kleinen Promenade genehmigt. Genehmigt wurden 1.000 Mark für die Verlängerung der Wandelhalle am Gradierwerk.

 

  1. Mai Bekanntmachung des Gemeindekirchenrates (NKB)

Die Kirchensteuer (16% der Staatseinkommenssteuer wegen der Mehrkosten des Kirchenbaues) wurden nicht mehr an der Haustür kassiert, sondern sind vierteljährlich bei der Stadtkämmerei einzuzahlen.

 

  1. Mai 50-jähriges Dienstjubiläum der Köchin Friederike Mente (NKB)

 

  1. Mai Dr. A. Zimmermann verstirbt im Alter von 98 Jahren (NKB)

Er wurde am 12. Aug. 1810 als Sohn des Dürrenberger Salinenarztes geboren und folgte seinem Vater 1843 in diesem Amt. 1856 ging er als Arzt an die Landesschule. 1883 wurde er pensioniert nahm seinen Wohnsitz in Kösen.

 

  1. Mai Eröffnung einer Wandelhalle am Gradierwerk (NKB).

Anstatt der Wandelhalle am Hang des Rechenberges hatte man diese unmittelbar am Gradierwerk, errichtet. Gleichzeitig stellte der  Baurat Schmidt den Plan für ein Luft- und Sonnenbad vor. Das bestand aus zwei mit Sichtschutz versehene Abteilungen samt Umkleidekabinen für Damen und Herren. Dazu kam in massives Gebäude für die Kasse, das Stuhllager und einer Massagekabine. 

 

  1. Mai Unwetter auf der Fränkenauer Höhe und den Saalbergen (NKB).

Der Hagel vernichtete fast die gesamten Fruchtansätze bei Obst und Wein. Die Fränkenauer Hohle und der Weg zu den Saalhäusern mussten wegen des angeschwemmten Gerölls gesperrt werden. Ein weiteres Unwetter am 8. Juni traf erneut die Saalberge, wo sich Schlamm und Geröll bis 2 Meter hoch auftürmten. Zur Linderung der Not der  ärmeren Anlieger wurde zu Spenden aufgerufen. Doch am 17. Juni folgte ein weiteres Unwetter. Diesmal waren neben den Saalbergen die Borlachstraße und die kleine Promenade von den vom Jochenberg und dem Mausgraben herabstürzenden Wasser- und Schlammmassen betroffen.

 

  1. Mai Tagesausflug von 1.500 Mitgliedern des Leipziger Eisenbahnervereins (KöZ)

 

  1. Mai Eröffnung der „Ritterklause“ im Untergeschoss vom „Mutigen Ritter“ (KöZ)

 

  1. Juni Landtagswahl (NKB).

Kösen mit 2.990 „Seelen“ hatte zwei Wahlbezirke und stellte 11 Wahlmänner, in der I. Abt. Bankier Krüger, Dr. Risse, Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf, Rentier Genth, in der II. Abt. Kfm. O. Koch, Uhrmacher Hertel, Rentier Hämmerling und in der III. Abt. die Maurermeister Blumentritt und Reichenbach, Zimmermeister Töpfer und Stellmachermeister Scherling. Alle stimmten für die Kandidaten der national-konservativ-liberalen Wählervereinigung. Die Wahllokale waren die Post und das Cafè Hämmerling. Wahlberechtigt waren alle selbstständigen Preußen ab dem vollendeten 24. Lebensjahr im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte, seit mindestens sechs Monaten ansässig und nicht auf öffentliche Unterstützung angewiesen.

 

  1. Juni Abgeordnetentag des KSCV (NKB)

Die 400 Teilnehmer zogen in Begleitung der Kurkapelle zur Kranzniederlegung an den Denkmälern auf der Rudelsburg.

 

  1. Juni Tagung des Städteverbandes der Provinz Sachsen im Mutigen Ritter (NKB)

Die Stadtverordnetenversammlung hatte 400 Mark bewilligt und somit erhielt jeder Teilnehmer ein Festabzeichen, ein Prospekt samt Stadtplan und Fotografie und eine Kurkarte.

 

  1. Juni E. Koch wird Großherzogl. Weimar. Hofdekorationsmaler (NKB)

 

  1. Juni Gustav-Adolph-Gottesdienst in der Waldkirche am Nicolausholz (NKB)

 

  1. Juni Besprechung mit den Eltern der Schüler der Höheren Töchterschule (NKB)

Pfarrer Diederichs informierte über die am 3. August anberaumte Zwangsversteigerung des Villa „Waldfrieden“ durch die Erben des verstorbenen Besitzers (R. Franke-Weimar) und über die Verhandlungen mit einer geeigneten Nachfolgerin für Frl. Witschel, um die  Schule in bisheriger Form im Ort zu behalten.

 

  1. Juni O. Schwarzes „Kurgarten“ erhält den Telefonanschluss Nr. 30 (NKB)

 

  1. Juli Festsetzung der „Läutegebühren“ der Kirchenglocken (NKB)

Bei Beerdigungen kostete es 6 Mark (Gemeindemitglieder mit einem Einkommen unter 900 Mark zahlten 3 Mark), bei Taufen 3 Mark und bei Trauungen 12 Mark. 

 

  1. Juli Ortsbesichtigung der Unwetterschäden in den Saalbergen (KöZ)

Treffpunkt war das „Pumpenhäuschen der Domäne Fränkenau gegenüber dem Knüppelschen Anwesen, Saalberge 1“. Demnach die Landesschule statt des Göpels in der Saalstraße  einen Brunnen abgeteuft und ein Pumpwerk errichtet, allerdings noch ohne elektrischen Antrieb.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (NKB)

Beschlossen wurde eine Anleihe von 12.000 Mark für die Mehrkosten beim Umbau des Inhalatoriums. Allerdings musste dazu noch die Genehmigung des Bezirksausschusses beantragt werden. Außerdem hatte die Kgl. Regierung angeordnet, binnen Jahresfrist mit dem Bau eines den derzeitigen Vorschriften  entsprechenden Krankenhauses zu beginnen.

 

  1. Juli Kirchenkonzert zu Gunsten der Unwettergeschädigten (NKB)

Lehrer Knechtel gleichzeitig Organist spielte das Präludium und die Fuge von Bach, Dr. Schütze und Dr. Wichern sangen  Lieder u.a. das Bußlied „Caroline“ von Beethoven, begleitet vom Reg. Rat Theune auf dem Cello.

 

  1. Juli Ann Tracy Morgan übernachtet im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Die jüngste Tochter (1873-1952) des amerikanischen Großindustriellen J. P. Morgan (1837-1913) und die Schriftstellerin Elisabeth Marbury (1856-1933) legten auf der Automobil-Fahrt von Berlin nach Wiesbaden einen Stopp ein. Beide befanden sich auf einer Studienreise durch Europa und besichtigten Wohlfahrtseirichtungen.

 

  1. Juli Anzeige des Besitzers der Villa „Rheingold“ (NKB)

„Empfehle meine neue, mit allen Comfort und Centralheizung auf das modernste eingerichtete Wannen-Bade-Anstalt“. Allerdings musste Kniesche die Sole mit Tankwagen am Schacht abholen. Weil die Sole dabei die Kohlensäure verlor, hätten die daraus bereiteten Bäder nicht die gewünschte Wirkung, meinten die Badeanstaltsbesitzer, die die Sole über eine Röhrenfahrt erhielten.

 

  1. Juli Verhandlung der Strafkammer des Kgl. Landgerichts Naumburg (NKB, KöZ).

In der Verleumdungsklage des Bürgermeisters gegen Haußner und Körner wurden rund 40 Zeugen gehört. Auf Grund deren Aussagen wurden Haußner zu 2 Monaten Gefängnis und Körner zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Ihre Berufungsklage vor dem Reichsgericht Leipzig wurde im Februar 1909 abgewiesen. Daraufhin wandten sie sich an den Kaiser und baten um einen Gnadenakt. Mit Allerhöchster Verfügung wurde im August 1909 Haußners Haftstrafe in eine Geldstrafe von 300 Mark umgewandelt und Körners Geldstrafe auf 50 Mark reduziert.

 

  1. Juli 40. Jahrestag der Entdeckung der Johannisquelle (NKB)

Bereits im Oktober 1867 hatten Wanderer in unmittelbarer Nähe zwei salzhaltige Quellen entdeckt, die Angelegenheit wurde aber nicht weiter verfolgt.

 

  1. Juli Erstführung der „Rabensteinerin“ im Burghof der Rudelsburg (NKB).

Für Wildenbruchs Mittelalterstück war dies die passende Kulisse. Die Aufführung war ein derartiger Erfolg, dass es von nun an regelmäßig aufgeführt wurde und ein überregionales Publikum anzog. Wegen des zahlreichen Publikums wurde an den Abenden auch mit den Motorbooten gefahren.

 

  1. Juli Änderung der Gebührensatzung von 1897 für den Friedhof (NKB)

Das Reihengrab für Erwachsene kostete 2 bis 6 Mark/Jahr, Einwohner der untersten Steuerstufe zahlten die Hälfte. Familienbegräbnisse kosteten 90 Mark für 30 Jahre, Einzelgräber 60 Mark. Ortsfremde zahlen das Doppelte.

 

  1. Aug. Erklärung der Stadtbehörden zu den Schienenübergängen (NKB)

Die Stadt Bad Kösen kann unter der Maßgabe, dass der Stadt keine Kosten entstehen, in die Beseitigung der Schrankenübergänge einwilligen. Vorgeschlagen wurde:

Die Bahnunterführung an der Lindenstraße ist derartig zu verlängern, und zwar hinter dem Haus Hertel beginnend bis in die Nähe der Eisenbahnbrücke, daß die vier Hauptstraßen bequem darunter durchzuführen sind, so die Saalstraße, wobei Ankäufe des Möller`schen Grundstücks nötig sind, die Eckartsbergaer Straße, die auf das Niveau der Lindenstraße hinab geführt werden muss, unter Wegfall des Dammes, die Lindenstraße auf dem derzeitigen Niveau und die Verbindung hinter dem Hertel`schen Haus zur Fränkenauer Wiese und der kleinen Promenade.

Der Bahnübergang am Hotel Apel wird durch eine Unterführung ersetzt und da die Grüne Gasse für den Verkehr nicht geeignet ist, sollte in Verlängerung  der kleinen Promenade eine Trasse bis zur Fußgängerbrücke in der Borlachstraße neu gebaut werden.

Hier sollte später die Erschließungsstraße über den Jochenberg zur Eckartsbergaer Straße anschließen, womit der gesamte Fahrverkehr von und zum Bahnhof aus der Kernstadt verlagert wird.

 

  1. Aug. Spendenaufruf für den Wiederaufbau des verunglückten Zeppelin Z 2 (NKB)

 

  1. Aug. Der Konsum-Verein kauft die Burgstr. 31 für 13.000 Mark (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Vor der Sitzung hatte der Magistrat den Stadtverordneten eine Denkschrift zur Eingemeindung der Zementfabrik zukommen lassen. Darin wurden die Vorteile erläutert, die der Stadt dadurch  entstehen. Das betraf insbesondere die Steuern (bis zu 16.000 Mark aus Grund-, Gewerbe-, Einkommensteuern) die auf absehbare Zeit den städtischen Haushalt deutlich verbessern und eine Belastung der Bevölkerung ausschließen würden. Als Entschädigung für die Gemeinde Lengefeld, die der Eingemeindung zustimmen müsste, wären 2000 Mark für Schule und Armenlasten erforderlich.

Allerdings war der Stadtverordnetenvorsteher Siebold ein entschiedener Gegner dieser Pläne und hatte diesen Gegenstand aus formalen Gründen nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Als sich daraufhin der Streit eskalierte, verließen Kersten, Dr. Schütze und der Buchbinder Wolf die Versammlung, die nun beschlussunfähig war.    

Zu seiner Rechtfertigung erklärte Siebold öffentlich:

„Als Abwehr der beleidigenden Angriffe und Verdächtigungen zur Aufklärung  der Vorkommnisse in der Stadtverordnetensitzung und um der Bürgerschaft die Möglichkeit zu geben, sich über den Sachverhalt ein eigens Urteil zu bilden, übergebe ich folgenden Schriftwechsel, sowie den beschluß der Stadtverordnetensitzung v. 3. März. d. J. der Öffentlichkeit.

„Wir überreichen ergebenst eine Vorlage über Eingemeindung  der zur Landgemeinde Lengefeld gehörenden Grundstücke auf welchen die Anlagen der Sächsisch-Thüringischen AG für Kalksteinverwertung errichtet sind, zur gefälligen Beratung und Beschlußfassung“                

Bad Kösen, den 03. 08. d. J.              gez. Kretschmar

„Zum Schreiben v. 3. 8. teile dem Magistrat ergebenst mit, daß ich die Angelegenheit der Eingemeindung (.) vorläufig  nicht zur Beratung bringen werde. Die Stadtverordneten-Versammlung hat am 18. Dez. 1907 einstimmig beschlossen, die Eingemeindung  (.) wird abgelehnt. Der Magistrat hat zu diesem Beschluß (.) bis heute noch nicht Stellung genommen und mitgeteilt, daß die Beschlußfassung (.) vorläufig ausgesetzt ist (.) Außerdem ist aus den bisher zugegangenen Akten  nicht ersichtlich, wer diesen Antrag eingebracht hat...

Bad Kösen, den 05. 08. d. J.              Siebold

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Erneut stand die Eingemeindung des Zementwerkes auf der Tagesordnung und erneut entspann sich ein heftiges Wortgefecht zwischen dem Bürgermeister und dem Vorsteher. Daraufhin verließ P. Kersten gemeinsam mit seinen Parteigängern die Sitzung, die somit beschlussunfähig war.

Siebold berief eine dringende öffentliche Sitzung für den nächsten Tag ein, die dann prinzipiell beschlussfähig war. Und folgerichtig sprachen die fünf anwesenden Stadtverordneten (Dr. Risse, Blumentritt, Ohm, Körner, Haußner) Siebold ihr Vertrauen aus und lehnten einstimmig die Eingemeindung ab.

Im Anschluss und in Beantwortung der Sieboldschen Veröffentlichung erklärte der Stadtverordnete P. Kersten:

„Siebolds Auffassung, daß er lt. Beschluß v. 03. März autorisiert sei, nur solche Magistrats-Vorlagen auf die Tagesordnung zu setzen und zur Beratung zu bringen, wenn ihm dazu das Magistratsoriginal vorliegt, ist unzutreffend, als Siebold in den seitherigen Sitzungen 62 Magistratsvorlagen auf die Tagesordnung gesetzt hat, bei denen kein Original vorlag. Ausgerechnet im Punkt Eingemeindung  beruft er sich darauf…“ Siebold würde „unter dem Deckmantel als ginge es in der Stadtverordnetensitzung aus, zwei offenbar wahrheitswidrige Anzeigen gegen seinen siegreichen Rivalen Bürgermeister Kretschmar loslassen (.) Eine größere Willkür eines Stadtverordnetenvorstehers zum Schutz seiner Privatinteressen (.) hat es wohl außerhalb Kösen im preußischen Staat noch nicht wieder gegeben. Daher sollte er sein Amt als Vorsteher übertragen“

Das ließ Siebold natürlich nicht auf sich sitzen und erklärte:

„Der Herr StV. Kersten hat durch seine Einsendung (.) den durchschlagenden Beweis erbracht, daß es doch nicht so leicht sein  muß, die Städteordnung richtig auszulegen (.) ja selbst nach 20jähriger Amtstätigkeit...“

Darauf wieder Kersten:

„Herr Siebold wagt nicht die Stirn eines ehrlichen Kämpfers zu bieten, sondern floh in diese jämmerliche Schanze vom 3. März, welche offenbar einzig und allein  auf Siebolds Betreiben von seinen blinden Gefolgsmännern geschaffen werden sollte, um unsern Hr. Bgmstr. Knüppel in den Weg zu legen, denn Hr. Siebold braucht selbst die Bürgermeisterstelle zu seiner Existenz. Wovon soll er auf Dauer leben? Nachdem Hr. Geschäftsagent Siebold unsern Hr. Bgmstr. bereits vergeblich wegen angeblicher Urkundenfälschung (Wählerlisten) denunziert hatte (.) Nachdem Hr. Siebold  ferner in seiner maßlosen  Überhebung  den Bgmstr. bei der Regierung  als völlig unfähigen Menschen angeschwärzt hatte (das gleiche Stück hat er sich schon gegen Bgmstr. Beyendorff geleistet) hat er jetzt allen (.) die Krone aufgesetzt und folgendes bei der jgl. Regierung angezeig „Das verleumderische Gerücht gegen unsern Bgmstr. wegen dessen Verbreitung Haußner und Körner mit Gefängnis bzw. Geldstrafe bestraft worden sind, haben überhaupt niemals existiert (.) Diese verleumderische Beleidigung sind dem Bgmstr. in die Hände gefallen, weil der Landrat v. Schele seine diesbezüglichen Akten an das Strafgericht ausliefern mußte“. (Daraufhin erklärte der Landrat, dass er keine Akten dem Strafgericht übergeben habe).

Aber Kersten teilte noch weiter aus „Mit Herrn Dr. Risse (.) rechne ich bezüglich seiner Häuserspekulationen, die sich mit seinen Pflichten als Stadtverordneter nur schwer vereinbaren, noch besonders ab...“

 

  1. Sep. Letzte Saisonvorstellung des Kurtheaters (NKB).

Im Kurgarten wurden 48 Aufführungen, davon 19 Erstaufführungen, wie Shakespeares „Richard III.“ gegeben, dazu kamen 4 Vorstellungen im Burghof der Rudelsburg, eine in der Landesschule und Freivorstellungen zum Brunnenfest, zur Zeppelinspende, zur Tagung des Städtebundes und zur Sedanfeier.

Im Winterhalbjahr suchten sich die Mitglieder ein Engagement, der Direktor ging an das Stadttheater in Lübeck.

 

  1. Sep. „Der Kommunalkonflikt aus der Sicht auswärtiger Blätter“ (KöZ)

„Das gespannte Verhältnis zwischen den hiesigen städtischen Körperschaften hat einen neuen Strafprozess gezeitigt, der vom Bürgermeister Kretschmar anhängig ist und sich gegen den Stadtverordneten Siebold wegen wissentlich falscher Anschuldigungen richtet. Aus den Akten des Prozesses  gegen die Stadtverordneten Haußner und Körner wegen Beleidigung des Bürgermeisters, der bekanntlich mit der Verurteilung der Genannten endigte, ist bekannt geworden, daß Siebold eine Anzeige an den Landrat Freiherr v. Schele gerichtet hat, in der Bürgermeister Kretschmar beschuldigt wird, das ganze Gerücht, das zu dem ersten Prozeß geführt hat, selbst erfunden und daraufhin eine ehrengerichtlich Untersuchung beim Kgl. Bezirkskommando gegen sich beantragte, um eine glänzende Rechtfertigung zu erzielen. Die ganze Sache habe er deshalb in Szene gesetzt, um das Mitgefühl der breiten Masse zu erwerben…“

 

  1. Sep. Arbeitsbesuch des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Exz. Hegel (NKB)

 

  1. Sep. Goldene Hochzeit des Ehepaares v. Strantz (NKB)

Wegen des Todes des Sohnes und der Tochter war nur eine Feier im engsten Kreis geplant. Dennoch gratulierten dem General und seiner Ehefrau geb. Gräfin v. Reichenbach in ihrer Wohnung in der Friedrichstr. 6 I. Kgl. Hoheit Herzogin Mathilde Alexandrine v. Württemberg, die sich mit den Hofdamen Clementine v. Strantz und der Gräfin Anna v. Schwerin-Bohrau sowie etlichen Bediensteten  im „Mutigen Ritter“ einlogiert hatte sowie I. Kgl. Hoheit Großherzogin Marie v. Mecklenburg, S. Kgl. Hoheit Prinzregent v. Braunschweig, I. Durchl. Erbprinzessin v. Reuß und deren Schwestern Clementine und Elisabeth sowie I. Durchl. Prinzessin von Solms und S. Durchl. Prinz Biron v. Kurland.

 

  1. Sep. Ende der Kursaison (NKB).

Registriert wurden  3.350 Kurgäste (1907: 3.100), darunter Prof. Dr. Ludwig Diels-Marburg, Landgerichtsrat Prof. Dr. jur. H. Fürstenau-Berlin, Prof. Dr. Geseke m. Gemahlin u. Gesellschafterin-Naumburg, Gräfin Dohna-Waldenburg, Freiherr v. Hodenberg m. Familie-Gohlis, Beatrice Maxwell-Oxford, Harley Maud-Cumberland, Gräfin Bassewitz-Behr m. Kindern-Mecklenburg, Stiftsvorsteherin Bugel-Bouremouth, Oberst Fr. Boeckh-Berlin, Kfm. W. Schmidt-Kairo, Graf v. Baßewitz-BehrLützow,  Fr. v. Joch-Laggert m. Tochter und v. Fr. Fock-Paps-Riga , Baron v. Bülow m. Familie-Kiel, Jenny v. Westernhagen-Darmstadt, Schauspielerin Elise Eckert-Bromberg, Hofschauspielerin M. Ernst m. Mutter-Dessau, Frl. Holbe u. Frl. Salikoff m. Bed.-St. Petersburg, Eisenbahn-Präsident Angelo Salingy m. Gemahlin, Tochter u. Begl.-Bukarest, Künstler K. Haekell m. Sohn-Chikago, Major Frejherr v. Imhoff-Rudolstadt, Univ.-Prof. Dr. med. Fick-Prag, Baronesse v. Leffert-Mechingen, RA Hermann-Chikago, Prof. Dr. phil Praetorius-Halle, Z. Rocklin m. Frau-Tiflis, Freiin v. Lingk-Breslau.  Die Kurtaxeinnahme betrug 12.400 Mark.

 

  1. Okt. R. Kramer übernimmt die Knüppel`sche Molkerei, Saalberge 1 (NKB)

 

  1. Okt. Die Leitung der höheren Töchterschule übernimmt Frl. Possart (NKB)

Die neue Besitzerin der „Villa Waldfrieden“, war Agnes Oberdörster geb. Franke, die bei der Erbauseinandersetzung 12.300 Mark geboten hatte. Sie übernahm den Mietvertrag mit der Töchterschule. Die neue Leiterin, war eine Tochter des Berliner Kunstmalers Possart (1837-1928) und beabsichtigte neben der Schule die Einrichtung eines Mädchenpensionats. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Weil die reguläre Sitzung am 29. Sep. nicht beschlussfähig war, hatte Siebold erneut einberufen. Dazu erschienen lediglich vier Stadtverordnete, deren Beschlüsse nach Städteordnung  rechtskräftig waren. 

 

  1. Okt. „Über Inhalationen und das neue Inhalatorium-Patent Körting“ (NKB).

Dr. Schütze hatte diesen Beitrag bereits im Fachblatt des ADBV veröffentlicht. Er schilderte die  vorteilhafte Wirkung der temperierten Rauminhalation gegenüber der kalten Zerstäubung im Freien, wo die Umgebungsluft durch die Verdunstung stark abkühlte dadurch  Erkältungen begünstigte, was bei der Rauminhalation ausgeschlossen sei. Dazu würde der mit dem Kompressor erzeugt Druck die Sole so fein zerstäuben, dass ihr fast vollständig die flüssigen Bestandteile entzogen wurden und die Aerosole bis in die Lungenbläschen eindringen konnten. Durch die  Kombination von Lüftungs- und Heizungssystem wäre nun auch eine ganzjährige Nutzung möglich.    

 

  1. Okt. Die Bahnverwaltung informiert über die Planung für ein drittes Gleis (KöZ)

 

  1. Okt. Bedarfsabfrage wegen der Kapazitätserweiterung des E-Werks (NKB)

Alle Hauswirte und Gewerbetreibenden sollten nicht nur ihren zukünftigen Bedarf an Licht- und Kraftstrom angeben sondern sich auch zur Abnahme verpflichten, um die Refinanzierung der Erweiterung des E-Werkes sicher zu stellen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Der Bürgermeister schlug vor, die Erschließungstraße für den Jochenberg von der Borlachstraße zur Eckartsbergaer Chaussee in einer Breite von 18 Metern auszuführen und die Bauflucht 5 Meter einzurücken, damit Platz für Vorgärten bleibt. Allerdings hatte er hier die Straßengräben nicht berücksichtigt, die für die Ableitung der Wassermassen bei Unwetter unbedingt gebraucht wurden. Daher sollte der Plan überarbeitet werden.

 

  1. Okt. Studie zur Erweiterung des städtischen E-Werkes (StaA Nmb Nr. 550).

Wegen der ständigen Ausfälle und der geringen Leistungsfähigkeit hatte ein Ingenieur ein Gutachten erstellt. Demnach könnte bei einer Erhöhung des Wehrdammes um 18 cm und dem Einbau von Francisturbinen in den beiden Radhäusern die Leistung von derzeit 70 PS auf 277 PS erhöht werden, ohne das Aufschlagwasser für die Mühle zu verringern. Für die Bewässerung der kleinen Saale müsste der Einfall verbreitert und die Untergerinne bis hinter die Bahnbrücke verlängert werden. Vorteilhaft wäre auch, dass beim Umbau der oberen Wasserkunst, die untere Wasserkunst weiter betrieben werden kann. Dagegen müsste das Kunstgestänge abgehängt und die Schachtpumpen übergangsweise von einer Lokomobile angetrieben werden. Insgesamt würde das 114.000 Mark kosten, deutlich weniger als ein separates Heizwerk mit Dampfturbine, dessen jährliche Betriebskosten mindestens doppelt so hoch wären. Zu berücksichtigen wäre außerdem, dass die am Oberlauf der Saale geplanten Talsperren einen wesentlich konstanteren Wasserzulauf  gewährleisten würden.

 

  1. Okt. Mitteilung der Kgl. Wasserbaudirektion zum Wehraufsatz (StaA Nmb 550)

Zur Verbesserung des Zuflusses für das städtische E-Werk hatte die Stadt einen Aufsatz auf dem Wehrdamm errichtet und erst im Nachgang die Genehmigung beantragt, mit der Begründung, dass sich die Wehrkrone gesenkt habe und die Ufer von den Anwohnern als Ablageplätze benutzt werden, womit der Zulauf zur kleinen Saale behindert sei. Die Behörde erklärter, dass sie dafür nicht zuständig sei, weil „die Saale von der Unstrutmündung aufwärts kein öffentlicher, sondern ein privater Fluß ist und nicht der Kgl. Wasserbauverwaltung sondern der Ortspolizeibehörde unterliegt (Gesetz v. 1843). Diese ist daher auch dafür zuständig, daß die Anwohner keinen Abfall und Schutt am Ufer lagern, der z. B. den Zufluß der kleinen Saale behindert“. 

 

  1. Nov. Ausschreibungsanzeige für das Luft- und Sonnenbad am Gradierwerk (KöZ)

 

  1. Nov. Ein Erdstoß mit Zentrum im Vogtland (KöZ)

Auch hier klapperte das Geschirr im Schrank und Türen sprangen auf.

 

  1. Nov. Das Lokal „Rudelsburg“ erhält die Gast- und Schankkonzession (NKB).

Zunächst hatte der Kreisausschuss wegen zahlreicher Einsprüche die  Genehmigung verweigert, daraufhin klagte der Inhaber erfolgreich vor dem Bezirksausschuss.            

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Diesmal kam es wegen der Geschäftsordnung zu verbalen Attacken zwischen dem Magistrat und  dem Stadtverordnetenvorsteher. Dadurch blieb keine Zeit die Tagesordnung abzuarbeiten und die Sitzung wurde auf den 17. November vertagt und dabei die Einrichtung einer befristeten Stelle eines Polizeikommissars und die Verhandlung mit der Landesschule zum Erwerb eines Landstreifens zur Verbreiterung des Weges in den Saalbergen beschlossen, die Mittel für die Erneuerung der Akkumulatoren wurden bewilligt, die Beschlussfassung  zur Erweiterung des E-Werkes vertagt.

 

  1. Nov. Gebührenordnung für die städtische Leichenhalle (NKB)

 

  1. Nov. Vorstandssitzung des Hausbesitzervereins (NKB).

Weil es dabei um den Neubau eines Inhalatoriums sowie die Niederbringung einer neuen Solequelle ging, bestand Kersten auf die Zulassung der Presse, worauf einige Vorstandsmitglieder die Sitzung verließen. Verlesen wurde das Gutachten von Prof. Beyschlag, wonach  die Solebohrung im unteren Kurpark am aussichtsreichsten wäre. Weil im Überflutungsbereich der Saale kein Kurmittelhaus errichtet werden könnte, sollte die Stadt den „Mutigen Ritter“ und die Schäferei erwerben und hier ein Kurzentrum einrichten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Dabei brachte Kersten den Vorschlag bezüglich des Kurzentrums aus der Bürgerversammlung ein, worauf der  Bürgermeister erklärte, dass der Erwerb, der Neu- bzw. Umbau rund 800.000 Mark kosten würde und dafür der städtische Haushalt keinerlei Spielraum hätte.

Auch der Antrag die Verlegung von Soleleitungen für einzelne Interessenten (Rutschmann, Kniesche, Ohm) wohlwollend zu prüfen, lehnte der Bürgermeister ab, zumal der Bezirksausschuss der Beschwerde der Badeanstaltsbesitzer (Weber, Bahse, Dr. Schütze; Dr. Löffler) wegen der vom Magistrat beabsichtigten Erhöhung des Solepreises von 15 auf 75 Pfg./Hektoliter stattgegeben hatte. 

 

  1. Nov. Ausschreibung der Stelle eines Magistratsboten/Vollzugsbeamten (NKB)

Geboten wurden 850 Mark Jahresgehalt freie Wohnung und Feuerung allerdings ohne Pensionsberechtigung. Der Bewerber sollte „unbestraft, nüchtern, zuverlässig und verheiratet sein, eine gute Handschrift haben. Zu den Dienstobliegenheiten gehörte die Reinigung und Heizung der Magistratsräume wobei hier die Ehefrau „in gesundheitlicher Beziehung befähigt sein muß“. 

 

  1. Nov. Stadtverordneten-Ersatzwahlen (NKB).

In der I. Abt. wurden Brauereidirektor Rutschmann und Schneider Troll, in der II. Abteilung Landwirt Genth und Rentier Gibhardt und in der III. Abt. Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf und Postmeister i. R. Eckleben gewählt. Bei der Ergänzungswahl der Ratsschöffen löste Siebold Dr. Schütze ab, Roßner wurde wiedergewählt.

 

  1. Dez. Außerordentliche Viehzählung (NKB)

In 79 von 316 Wohnhäusern sowie 79 Haushalten wurde Vieh gehalten, 60 Pferde, 21 Rinder, 6 Schafe und 204 Schweine.

 

  1. Dez. Studie zum Zustand des städtischen E-Werkes (BLK-A. Nr. 670)

Das Ergebnis war ernüchternd. Die tatsächliche Leistung des Wasserrades betrug nur noch 18 PS, der Reservemotor brachte es auf 13 PS. Die Akkumulatoren fielen wegen  Erdschluss ständig aus. Versorgt wurden 140 Birnen der Straßenbeleuchtung, 350 Birnen  in Privathäusern von einst 1.100, 25 Birnen in städtischen Einrichtungen von ehemals 60, ein 6 PS Motor beim Glaser Faust und ein 15 PS Motor im Inhalatorium, der aber nur tagsüber in Betrieb war. Der prognostizierte Bedarf betrug 700 Lampen in den Privathäusern, 9  Straßenlampen, 10 Motorenbetriebe mit 55 PS und 200 Anschlüsse für Kraftzwecke insgesamt 150 PS, wofür die Wasserkraftanlage nicht mehr reichte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Schwerpunkt war die „Erweiterung des Elektrizitätswerks“.

Die  Stadtverordneten favorisierten den Neubau einer Dampfanlage gekoppelt mit der modernisierten Wasserkraftanlage. Die Dampfanlage sollte auf der  Fränkenauer Wiese errichtet werden, wegen der zentralen Lage, was den Spannungsverlust durch lange Freileitungen verminderte, und nahe an der Bahn wegen der Anfuhr von Brennstoff.  Die Kosten wurden auf 115.000 Mark beziffert, wofür eine Anleihe mit 4 % Verzinsung bei der Landesversicherungsanstalt aufgenommen werden sollte. Weitere Kosten entstünden durch den Ankauf der Wiese von der Landesschule und die Beschaffung von Brennstoff und Bedienungspersonal. Der Abgabepreis sollte bei der Beleuchtung nicht mehr als 25 Pfg/KWh und bei Kraftstrom 30 Pfg/KWh betragen, und eine gestaffelte Grundgebühr von 25 Mark bei einer Lampe bis 6 Mark ab 21 Lampen.  Daher sollte der Bedarf ermittelt und mit den Stromkunden verbindliche Abnahmemengen vereinbart werden, um die laufenden Betriebskosten und die Refinanzierung zu gewährleisten. Ein Beschluss kam nicht zu Stande, da 8 Stadtverordnete fehlten.

Die übrigen Punkte wie die Reparatur der Wasserradwelle der oberen Wasserkunst oder deren Ersatz durch eine Turbine, um die Pumpen im Solschacht elektrisch anzutreiben, der Bau der Pneumatischen Kammer, die Errichtung eines Sonnenbades und die Erweiterung der Wandelhalle am Gradierwerk wurden vertagt.   

 

1909

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldungen und Verwaltungsbericht des Magistrats (NKB)

Im vergangenen Jahr gab es 74 Geburten, davon 5 uneheliche, 28 Eheschließungen und 48 Todesfälle, darunter der Berg- und Hüttendirektor Heinrich Puttrich (81 Jahre), dessen Töchter Marie, Martha und Rosa in der Lindenstr. 3 eine Pension betrieben, der Kohlenhändler Haase (85) und dessen Ehefrau (81), Dagobert Kamprad (81 J), der Maurer K. Fr. Schmidt (48 J) der sieben unmündige Kinder hinterließ. Außerdem die  Schwägerin von Ferdinande v. Schmettau, Mathilde v. Schmettau geb. v. Pöppinghaus im Alter von 93 Jahren. Sie hinterließ drei unverheiratete Töchter Konstanze, Ferdinande und Leontine.

Das Stadtgebiet umfasste 159 Hektar, 16 Hektar mehr als 1898. Die Anzahl der Wohn- und Geschäftsgebäude der höheren Steuerklasse betrug 555, dazu 387 Nebengebäude und 56 steuerfreie kommunale Gebäude (u. a. Rathaus, Gradierwerk, Solschacht, Schule, Friedhofskapelle). Die Einwohnerzahl betrug 2.993, 914 Männer, 1.274 Frauen und 805 Kinder unter 14 Jahren. Unter den in 4 Steuerklassen eingeteilten 136 Betrieben waren  35 Gast- bzw. Schankwirtschaften. 15 Almosenempfänger  waren auf die städtische Armenpflege angewiesen. Das Stadtgebiet hatte zwei Polizeibezirke mit jeweils einem Tagesbeamten und 2 Nachtwächtern. Im Laufe des Jahres fanden 42 Vereinsfeiern, 64 öffentliche Bälle, 50 Theatervorstellungen, 10 Konzerte und 7 Volksfeste mit Schaustellern statt.

In der Stadtschule unterrichteten 6 Lehrer 393 Kinder, die Knabenschule von Prof. Posseldt besuchten 20 Knaben (3 Lehrer) und die höhere Töchterschule von Frl. Possart 47 Kinder.

Gab es 1899 4536  Kurfremden(Kurgäste und Passanten) so waren es jetzt 8.850. Die Kurtaxe stieg von 8.806 Mark auf 13.374 Mark und der Erlös aus Kurmitteln von 5.644 Mark auf 9.940 Mark.

 

  1. Jan. Herzogin Johann Albrecht v. Mecklenburg besucht J. v. Gerstenbergk (NKB)

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Die Sitzordnung war wegen der erhöhten Zahl der Magistratsmitglieder und Stadtverordneten geändert worden. Der Magistrat bestand aus dem Bürgermeister (Kretschmar) und vier  unbesoldeten Schöffen (Siebold, Weber jun,  Roßner, Saalborn). Die 18 Stadtverordneten wählten Dr. Löffler zum Stadtverordnetenvorsteher und die Mitglieder der Kommissionen. Die Magistratsvorlagen zur Beseitigung der Schrankenübergänge, zum Bau der Naumburg-Kösener Straßenbahn und die Anstellung eines Stadtgärtners wurden in die Kommissionen verwiesen.

 

  1. Jan. B. Koch lädt ein in den renovierten Saal der „Tanne“ ein (NKB)

 

  1. Jan. Beschwerde des Magistrats beim Innenministerium (MER C 48 Iib 2028 II)

Grund war eine Verfügung, den Schriftverkehr mit den Oberbehörden zunächst beim Landrat einzureichen.  Dadurch würde die städtische Selbstverwaltung beeinträchtigt. Die Beschwerde wurde abgewiesen.  

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NKB).

Die Rechtmäßigkeit der Wahl einiger Kommissionsmitglieder wurde angezweifelt, weshalb es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien kam.

Beschlossen wurden die Reparatur der Wasserradwelle am E-Werk und die Anschaffung einer Reservewelle sowie die Ausbetonierung der Sohle des Schwanenteichs. Beiden Beschlüsse lehnte der Magistrat wegen fehlender Mittel ab.

 

  1. Feb. Erlass des Innenministeriums zur Stadtsparkasse (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Stadtverordneten hatten die vom Magistrat beantragte Einstellung eines zweiten Kassenbeamten abgelehnt und beschlossen, die Sparkasse von der städtischen Kasse zu trennen und zwei „kautionsfähigen“ Einwohnern zu übertragen. Die Aufwandsentschädigung sollte 30 - 50 % des Reingewinns betragen, was der Magistrat ablehnte. Daraufhin kam die Angelegenheit auf dem Behördenweg bis ins Innenministerium, das vom Landrat eine Stellungnahme einholte. Der  erklärte, dass ein derartiger Beschluss „nur dem in die Kösener verworrenen Parteiverhältnisse Eingeweihten erklärbar“ wäre. „Wie bekannt bestehen in Kösen zwei Parteien, eine national-liberal-konservativ unter der Führung S. Exz. Generalleutnant a. D. Stieler v. Heydekampf und eine freisinnige  unter der Führung des Fabrikdirektors Kersten. Die Parteien verhalten sich wie 2:1, der Bürgermeister gehört zur Partei Kerstens, während die Majorität des Magistrats zwar zur Gegenpartei gehört, sich aber oft vom Bürgermeister zu Beschlüssen bestimmen läßt, die eigentlich gegen die Parteiinteressen sind . Der z. Zt. wegen Majestätsbeleidigung vorbestrafte Direktor Kersten ist ein rücksichtsloser Mensch, dem  m. E.  jedes Mittel zur Erzwingung  seiner Zwecke recht ist.“  Als aber der Bürgermeister zur Erleichterung seiner Aufgaben einen weiteren Beamten einstellen wollte „geschah das Unerwartete, die beiden feindlichen Parteien lehnten mit wenigen Ausnahmen die Magistratsvorlage ab und die Partei Kerstens versuchte nun die Sparkasse in die Hände zweier ihrer Parteigenossen zu bringen.“

Wegen fehlender rechtlichen Grundlage wurde der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aufgehoben.

Seit Gründung waren die Einlagen von 10.000 auf fast 700.000 Mark, die Zahl der Sparbücher von 54 auf 2004 gestiegen. Waren im ersten Geschäftsjahr 10.000 Mark in Wertpapieren angelegt so waren es jetzt 237.000 Mark, weitere 400.000 Mark waren als Hypotheken oder  Darlehen ausgereicht.

 

  1. Feb. Versammlung der Ortsgruppe des Handlungsgehilfenverbandes (NKB)

Diskutiert wurden Nutzen und Nachteil der 1908 eingeführten Ladenschlusszeit von 20 Uhr für die Bediensteten.

 

  1. Feb. Inbetriebnahme der elektrischen Beleuchtung in der Landesschule (NKB)

Anlässlich des Primanerballs wurde als erstes Objekt der Turnsaal an die Zentrale im Mühlengebäude angeschlossen. Damit endete nach 30 Jahren die Zeit der Gasbeleuchtung. 

 

  1. Feb. Vorschlag zum Umbau der oberen Wasserkunst (NKB).

Da erhebliche Bedenken sowohl wegen einer Fremdversorgung als auch wegen eines mitten im Ort gelegenen Kohlekraftwerks bestanden, stand erneut die Nutzung des oberen Wasserrades zur Stromerzeugung auf der Tagesordnung. Voraussetzung wäre die Abkopplung des Gestänges und die Umstellung der Soleförderung auf Elektroantrieb eine weitere Erhöhung des Wehraufsatzes und die Verbreiterung des Einfalls der kleinen Saale, um den beiden Wasserrädern mehr Aufschlagwasser zuzuführen. Erstmals kam auch der Vorschlag, an der Mündung der kleinen Saale eine größere Turbinenanlage und ein Überlandwerk für Kösen, Schulpforte, Roßbach und Altenburg zu errichten.

 

  1. Feb. Veröffentlichung und Inkraftsetzung der Freibankverordnung (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Beschlossen wurde die Anstellung eines Polizeikommissars mit vierteljährlicher Kündigungsfrist und ohne Pensionsanspruch und nochmals die Reparatur der Wasserradwelle. Zur Verbesserung der Ordnung wurde der Magistrat beauftragt, die „Wagenburgen“ vor den Gaststätten zu verhindern, die Straßenreinigung wieder selbst besorgen, die Fa. Matthes Erben  anzuweisen, das Aschelager hinter ihrer Räucherkammer zu entfernen, strengere Strafen bei Verunreinigungen der öffentlichen Straßen und Plätze auszusprechen, die Reinigung der Abzugskanäle regelmäßig  durchzuführen und bei der Bahnverwaltung zu intervenieren, dass keine Abwässer vom Bahnhof  in den Schwanenteich kommen. Dagegen sollten der Bau der Wandelhalle und der pneumatischen Kammern zurückgestellt werden.  

 

  1. Feb. Generalversammlung des Sterbekassen- und Begräbnisvereins (NKB)

Von den 575 Mitgliedern waren inzwischen 271 vom Beitrag freigestellt. Das Vereinsvermögen betrug 58.600 Mark, davon waren 54.000 Mark in Hypotheken und der Rest bei der städtischen Sparkasse gut verzinst angelegt.

 

  1. Feb. Alpenfest im Restaurant „Rudelsburg“ (Rudelsburgprom. 9) (NKB)

 

  1. Jan. Jahresbilanz der Diakonissenstation (NKB)

Die Gemeindeschwester rechnete 71 Nachtwachen, 60 Tagespflegen, 4011 Krankenbesuche darunter auch in Lengefeld und Saaleck, und 400 Tagespflegen im Hospiz ab. 50 Mädchen  besuchten wöchentlich für 2 Stunden die Strickschule in der Diakonissenstation, 22 Frauen trafen sich zweimal wöchentlich beim Nähverein. Damit sich die Einrichtung trug, wurden alljährlich vier Benefiz-Vorträge gehalten sowie ein Wohltätigkeitsbazar durchgeführt. Darüber hinaus war man auf Spenden und Kollekten angewiesen.

Das im vorigen Jahr eröffnete Hospiz verzeichnete 30 Aufnahmen vorwiegend erholungsbedürftige ältere Schwestern des Berliner Mutterhauses, wobei sich die Einrichtung selber tragen musste.

 

  1. Mär. Todestag Exz. General-Leutnant Friedrich Leberecht von Strantz (Sterbereg.)

Noch im Januar wurde ihm per kaiserlicher Kabinettsorder  in Anerkennung treuer Dienste und Tapferkeit vor Weißenburg, Wörth und Sedan die Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Jägerbataillons v. Neumann (1. Schlesisches) Nr. 5 erteilt. Die Familie v. Strantz gehörte zum alten brandenburgischen Adel. Sein Vater war ebenfalls Gen.-Ltn. Seine Mutter eine geb. Gräfin v. Maltzahn, gesch. Gräfin v. Haugwitz. Von Strantz (Jg. 1832) war verheiratet mit Clementine geb. Gräfin v. Reichenbach (1838-1924). Die älteste Tochter Klementine (geb. 1859) war die Hofdame der Herzogin v. Württemberg, der Sohn Kurt (1861-1908) Bezirksamtmann von Daressalam und dann Bürgermeister von Bad Grund. Die Tochter Elsa (Jg. 1867) war mit Major Hans v. Weller verheiratet, die jüngste Tochter Hedwig (geb. 1872) ledig.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Erneut kam es wegen eines anderen Vorgangs zum Eklat.

Beim Stammtisch im „Mutigen Ritter“ waren missbilligende Äußerungen zu den örtlichen Verhältnissen gefallen, die dem Bürgermeister hinterbracht wurden. Daraufhin verfasste Kretschmar ein Mahnschreiben an die Beteiligten, worauf der Ratsschöffe Weber den Landrat informierte und dieser anwies, die bewussten Briefe von der Post zurück zu holen.  

Dieser Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung und „die besonderen Kösener Verhältnisse“, wurden dann im preußischen Landtag behandelt. Der Abgeordnete Fischbeck (Freisinnige Volkspartei) erklärte „Ganz unglaublich ist es, daß der Naumburger Landrat es wagte, den Ratsschöffen und den Stadtsekretär zu beauftragen, amtliche Verfügungen des Bürgermeisters, die schon zur Post gegeben waren, hinter dem Rücken des Bürgermeisters von der Post zurück zu holen. Ebenso unglaublich ist es, als der Bürgermeister daraufhin den Schöffen mit einem Verweis und den Stadtsekretär mit 9 Mark Geldstrafe bestrafte, der Reg.-Präsident diese Strafverfolgung  aufhob, sich den Bürgermeister an den Bahnhof bestellte und ihn (.) vor allem Publikum anherrschte, er sei wohl nicht richtig im Kopfe“.

Der Bürgermeister hatte sich daraufhin beim Minister beschwert, der übergab die Sache dem Oberpräsidenten der Provinz, dieser wieder dem Reg. Präsidenten und letztlich habe der Landrat den Bürgermeister aufgefordert „fleißig den „Mutigen Ritter“ zu besuchen, denn die Kommunalpolitik werde in der Hauptsache dort am Stammtisch gemacht“, da der Besitzer  Ratsschöffe war. Daraufhin hatte Kretschmar die Angelegenheit öffentlich gemacht, worauf sich ein Einwohner zu Wort meldete.

„Wer in Kösen ist noch nicht angegriffen worden, der nicht auf der Seite der Partei „Lengefeld“ (Kersten) steht? (.) Die als falsch bezeichneten Angriffe gegen den verstorbenen Bürgermeister Lünzner, die mit einem freisprechenden Urteil der Kgl. Strafkammer endeten. Die maßlosen Angriffe des Herren Siebold und Genossen gegen den früheren Bürgermeister Dr. Beyendorff (.) Dieselbe Kritik hat sich Herr Siebold in einer Denunziation gegen unsern jetzigen Bürgermeister erlaubt. Nur Herr Dr. Beyendorff und Hr. Kretschmar haben es mit 33 bzw. 34 Jahren immerhin etwas weiter gebracht  als der ewige Bürgermeister-Kandidat Siebold mit 52 Jahren. Die Verleumdungen unseres Hr. Bürgermeister seitens der Anhänger des Hr. Siebold, die StV Haußner und Körner, endgültig als ungerechtfertigt festgestellt durch das Reichsgerichtsurteil. Vom bevorstehenden Strafprozeß wegen abermaliger schmutziger  Angriffe unseres Hr. Bürgermeistes durch einen StV. und dessen Freunde, will ich hier noch nicht vor der Zeit reden (.) Die illegalen Wahlen der städtischen Kommissionen welche auf den Sitzungen im „Blutigen Ritter“ abgehalten werden, wobei die Minorität einfach majorisiert wird, weil da der dirigierende Chef zugegen war. Warum man nicht auch ins Cafè „Rudelsburg“ geht, wo man vielleicht neben guten Rat auch fesche Damenbedienung findet (.) Ebenso wie der „Blutige“ müßten auch andere Lokale von dieser legal-illegalen Kommission besucht werden. Die ungeheuerlichen Übergriffe der einseitig beratenen Oberbehörde- wer hat sie veranlaßt, die Freunde des „Blutigen“? 89 Denunziationen allein gegen unsern jetzigen Bürgermeister - wer hat sie veranlaßt? Die unerhörten Benachteiligungen anderer, welche es nicht mit dem „Blutigen“ halten, zugunsten dieses und seiner Freunde...“

 

  1. Mär. Wohltätigkeitskonzert für die Flutopfer in der Altmark (NKB)

Der wurde von der Badekapelle und den Gesangsvereinen Anakreon und Liedertafel  gestaltet. Einen Tag später fand das alljährliche Benefiz-Konzert des Kirchen- und des Schulchores zu Gunsten armer Konfirmanden im Saal der „Post“ statt.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (NKB)

6 Mitglieder beantragten eine Petition an den Landtag wegen der  Wahl von Weber und Siebold zu unbesoldeten Ratsschöffen. Nach der Städteordnung wären beide  nicht wählbar. Weil aber die meisten Verordneten fehlten, war die Versammlung nicht beschlussfähig. Die folgende Sondersitzung an der erneut lediglich dieselben 6 Stadtverordneten anwesend waren, beschloss dann erwartungsgemäß den Antrag.

 

  1. Mär. Ortstermin am Wehrdamm (StaA Nmb Nr. 550)

Teilnehmer waren der Baurat Weber von der Wasserbaubehörde, Direktor Kracht, Stadt Naumburg, Bürgermeister Kretschmar, Ratsschöffe Weber, Prokurator Irmer, Mühlenbesitzer Roßner, der Altenburger Müller, der Fischereipächter Mende und der Holzhändler Graf. Vorgeschlagen wurde, den Wehraufsatz mit einem beweglichen Mittelteil zum Durchlassen der Flöße zu versehen. 

 

  1. Mär. Bekanntgabe der Polizeiverwaltung (NKB)

Alle privaten Logierhausbesitzer die Kurfremde beherbergten und bewirteten, hatten eine Konzession für die gewerbsmäßige Beherbergung und Schankbetrieb zu beantragen. 

 

  1. Apr. Lokaltermin der Baupolizei am Hausgrundstück Parkstraße 12 (NKB).

Der Neubau von Amalie Kranert hatte drei Vollgeschosse und  eine Mansarde. Vorgeschrieben waren in der Parkstraße lediglich zwei Vollgeschosse  und eine Mansarde. Man beließ es aber bei einer Geldstrafe, untersagte ihr aber den Weiterbau des dritten Geschosses am Seitenflügel.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB, BLK-A. Nr. 670).

Zu Beginn der Sitzung erklärte der Bürgermeister, die Ratsschöffen Siebold und Weber erst ins Amt einzuführen, wenn die Oberbehörde entschieden habe, worauf Siebold den Sitzungssaal verließ. 3 Wochen später wies der Reg.-Präsident dann die Einführung an und Sielbold war als 1. Ratsschöffe zugleich Stellvertreter des Bürgermeisters.

Dann befasste man sich mit den Angeboten der Überlandzentralen Camburg und Vitzenburg. Nach längerer Diskussion entschied man sich für das Angebot von Camburg. Ausschlaggebend waren die Nähe und der Preis von 15 Pfennig/kWh. Aber Camburg lieferte Wechselstrom, der umgewandelt oder das städtische Gleichstromnetz umgestellt werden mußte. Letzteres verursachte höhere Kosten, zumal noch die Erneuerung der  Freileitungen und Masten erforderlich war.

Kersten, entschiedener Gegner der Fremdversorgung, zumal Camburg ebenfalls auf die Wasserkraft angewiesen war, forderte erneut den Umbau der oberen Wasserkunst, weil beide Anlagen den Bedarf decken könnten. Die historische Technik könne zu Anschauungszwecken erhalten bleiben.  Eine Entscheidung wurde erneut vertagt.

Dagegen wurde der Magistrat beauftragt, die Planung und Kostenermittlung für die Pneumatischen Kammern zu veranlassen. Der Erwerb des Geländes für das Licht- und Sonnenbad nördlich vom Friedhof und die veranschlagten Baukosten von 6.000 Mark wurden genehmigt.

Wegen der Einschulung der Fränkenauer Kinder gab es bisher 16 Beschlüsse des Magistrats und 11 der Stadtverordnetenversammlung, die sich teilweise völlig widersprachen. Der Bezirksausschuss hatte nun erklärt, wenn keine Einigung erzielt werden könne, müsse man die Sache auf sich beruhen lassen.

 

  1. Apr. Besichtigung des städtischen Armenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Neben der Gesundheitskommission kamen der Kreisarzt MR. Dr. Steinkopf, Baurat Schmidt, Polizei-Kommissar Schipke, Bgm. Kretschmar und Schöffe Siebold und stellten fest, dass der 100jährige Bau nicht für den Aufenthalt  von Menschen geeignet sei. Beleuchtung, Raumhöhen und Beheizung entsprächen nicht den bescheidensten Anforderungen. Nach Reichenbachs Grundriß  betrug die Grundfläche des eingeschossigen Anwesens an der Fränkenauer Trift (Burgstr. 16) lediglich 91 m² samt Hof und Schuppen. Den Platz teilten sich 20 Personen aller Altersgruppen.  Diese sollten in dem daneben stehenden städtischen Krankenhaus (Burgstr. 14) untergebracht werden, dass aber lediglich für fünf Männer und drei Frauen Platz bot (Im Jahresdurchschnitt wurden 25 Männer und 8 Frauen aufgenommen, die  Männer durchschnittlich 15 Tage, die Frauen 20 Tage). Allerdings drängte der Landrat auf einen Neubau und auch der ADHV drohte damit, dem Bad den Weiterbetrieb zu untersagen, wenn es kein angemessenes Krankenhaus gab.

Zwar standen rund 27.200 Mark (14.400 Mark Senffsche Stiftung, 5.100 Mark Berbigsche Stiftung, 3.400 Mark Kumbruchsche Stiftung, 720 Mark Heunsche Stiftung, 3.500 Mark Krankenhausbaufond) zur Verfügung, allerdings reichte das nicht und außerdem war man sich immer noch nicht über den Standort einig.

 

  1. Apr. Anweisung der Polizeiverwaltung zu Beginn der Kursaison (NKB).

Wegen zahlreicher Nachfragen öffneten die städtischen Badeeinrichtungen bereits zu Ostern und die Badewirte wurden aufgefordert sich anzuschließen. Die Hauswirte sollten die Zimmerlisten einreichen und dafür Sorge tragen, dass die Kurfremden umgehend beim Amt anzumelden sind. Die eigentliche Kursaison begann wie üblich in den ersten Maitagen.

Die tägliche Soleförderung betrug 60.000 Liter, deren größter Teil auf das inzwischen in vier Fälle eingeteilte Gradierwerk gehoben und bis zu 20% gradiert wurde.

Der positiven Entwicklung der Besucherfrequenz (1905: 2600 Kurgäste, 5300 Passanten, 1906: 2800 Kurgäste, 5800 Passanten, 1907: 3100 Kurgäste, 6200 Passanten, 1908 3400 Kurgäste, 9300 Passanten) war man mit einigen Verbesserungen nachgekommen. Dazu gehörten rund 300 Meter Inhalationswandelgänge direkt vor der Dornenwand, eine gedeckte Wandelhalle unterhalb der Gradierwand und das mit der temperierten Trockeninhalation ausgestattete Inhalatorium. Dazu sollte das Licht- und Sonnenbad fertiggestellt und bei positiven Resultaten bei der Radioaktivität der Schachtsole ein Emanatorium entstehen.

Neuerungen gab es in der Badeanstalt im „Mutigen Ritter“, wo neben elektrischen Bädern, auch  Licht-, Lohtannin-, Heißluft und Dampfbäder angeboten wurden, sowie die Indienststellung  des Motorboots „Vorwärts“.

Stolz verwies die Badedirektion auf eine Bemerkung des preußischen Kronprinzen während einer Stabsübung 1908: „Wenn ich gewußt hätte, wie schön Bad Kösen ist, so hätte ich andere Dispositionen getroffen, um hier länger bleiben zu können..“

 

  1. Apr. Bäcker Seiffert (Schmettaustr. 1) erhält die Schankkonzession (NKB)

 

  1. Apr. Neues Schuljahr in der höheren Mädchenschule (NKB).

Zum Kollegium gehörten neben der Vorsteherin Margarethe Possart, zwei wissenschaftliche Lehrerinnen, ein Lehrer für Mathematik und Naturkunde sowie eine Handarbeitslehrerin. Zuvor hatte Pastor Diederich als Vorstand die Eltern zusammengerufen und diese gebeten, sich finanziell am Erhalt der Schule zu beteiligen.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

In Anbetracht des desolaten Zustandes der viel begangenen großen Promenade wurde der Antrag zur sofortigen Befestigung auf einer Länge von 300 Metern und einer Breite von 2 Metern  mit Mosaikpflaster gestellt.  Die Fertigstellung sollte 20 Tage nach Zuschlagserteilung erfolgen.

 

  1. Apr. Vortrag eines Reichstagsabgeordneten der Liberalen in der „Tanne“ (NKB)

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Endgültig abgelehnt wurde der Umbau der oberen Wasserkunst und der Magistrat beauftragt, mit dem Überlandwerk Camburg einen Vertrag auszuhandeln.

Dann ging es um das Angebot der Kontinental Eisenbahngesellschaft Berlin zum Bau der 8 km langen elektrischen Straßenbahn Naumburg-Kösen. Die Finanzierung sollte eine Aktiengesellschaft übernahmen an der die beiden Städte und die Eisenbahngesellschaft zu je einem Drittel beteiligt sind. Das wurde abgelehnt und eine Beteiligung von 1/12 vorgeschlagen. Außerdem hatte die Landesschule die Verpachtung der benötigten Grundstücke verweigert „weil dadurch der klösterliche, idyllische  Charakter verloren geht...“

 

  1. Mai Einsatz eines Schulzuges von Camburg nach Naumburg (NKB).

Der war vorzugsweise für die höheren Klassen in Naumburg gedacht, wurde aber nur wenig genutzt und bald darauf eingestellt.

 

  1. Mai Bekanntmachung der Polizeiverwaltung zur Hundehaltungsordnung (NKB)

„Das Mitbringen von Hunden in Lokale in denen geselliger Verkehr stattfindet, sowie in Bier- und Weinlokalen und das Umherlaufenlassen von Hunden ohne Aufsicht oder unangeknüpft, das Mitbringen von Hunden in die Parkanlagen, in die Parkwiese und am Gradierwerk (auch das Mitführen von Hunden an der Leine), das Herausführen von Hunden aus den Gehöften auf öffentliche Straßen und Plätze zur Verrichtung  ihrer Bedürfnisse ist verboten..“ Geldstrafen bis 30 Mark ersatzweise Haft wurden als Strafe angedroht. Dagegen protestierten etliche Hundehalter. 

 

  1. Mai Urteil des Landgerichts im Streit wegen der Urheberschutzrechte (NKB)

Bgm. Kretschmar und Musikdirektor Hohenstein waren vom Schutzverein wegen Vergehen gegen das Urheberrecht von Kompositionen verklagt worden. Ihre Verteidiger beriefen sich darauf, dass die Kapelle von der Stadt subventioniert würde und daher kein Unternehmen im wirtschaftlichen Sinn sei. Das sah das Gericht anders, verurteilte beide zur Nachzahlung, verbunden mit einer Geldstrafe und das Reichgericht lehnte eine Berufung ab. Die Zahlung übernahm dann die Kämmereikasse.

 

  1. Mai Öffentliche Erklärung der Besitzerin der Villa „Rheingold“ (NKB)

„Genau wie im ersten Jahr der Errichtung einer Badeanstalt im Kurhaus „Villa Rheingold“ geht es auch in diesem Jahr wieder mit der Verdächtigung und Schädigung  dieser aufs komfortabelste eingerichteten Anstalt: Die hier verabreichten Bäder sollen keine vollwertigen Solebäder sein! 

Diese Behauptungen sind unwahr und entspringen unlauteren Motiven, denn sonst wären alle Bäder , welche in Privathäusern verabreicht werden, die gezwungen sind, ihre Sole gleichfalls per Fuhrfaß heran zu fahren, weil sie keine Röhrenfahrt haben, auch nicht vollwertig. Daß man der Badeanstalt diese aus Eigennutz bisher verweigert hat und diese die Sole selber fahren muß und den Betrieb dadurch erschwert, sind richtig (.) im Übrigen sind die verabreichten Bäder gleichwertig. Wer fernerhin das Gegenteil behauptet, wird ohne Nachsicht wegen Schädigung und unlauteren Wettbewerb verfolgt...“ schrieb Frau Kniesche. 

 

  1. Mai Ausschreibung für den Fahrweg entlang der kleinen Promenade (NKB)

Während die kleine Promenade, also der Fußweg, der Stadt gehörte, gehörte der Fahrweg  der  Landesschule, die im Zuge der Bebauung den Fahrweg befestigen ließ. Danach erfolgte die Eingemeindung der Fahrstraße. 

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Borlachstr. 43 (NKB)

Eigentümerin war die Ehefrau des Malermeisters Leschke. Der Termin wurde aufgehoben und 1910 erfolgte eine erneute Zwangsversteigerung, bei der der Malermeister das Haus selbst wieder erwarb.

 

  1. Mai Fr. Ramdohr eröffnet das Zahnlabor Neue Str. 4 (Fr. Ebert Str. 4) (NKB)

 

  1. Mai 4. Saison des Kurtheaters von E. Albert (NKB)

Zum Auftakt am Pfingstsonntag gab es den Schwank „Die gelbe Gefahr“ am Pfingstmontag das Lustspiel „Herr Zickendrahts Pensionäre“, am Donnerstag das Lustspiel „Moral“, gefolgt von  Grillparzers  Schauspiel „Die Jüdin von Toledo“. Am 11. Juni wurde im Burghof der Rudelsburg  Wildenbruchs „Rabensteinerin“ aufgeführt. Wenig später beging der Direktor sein 30jähriges Bühnenjubiläum.

 

  1. Juni Johannitertag der Balley der Provinz Sachsen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Am gleichen Wochenende trafen mit einem Sonderzug die Teilnehmer der Hauptversammlung des Dt. Drogistenverbandes in Halle ein, weitere 500 Teilnehmer an der Jahresversammlung der Kreisvereine des Gaues Thüringen im Reichsverband der Handlungsgehilfen und rund 200 Alte Herren der Coburger Landsmannschaft. Eine Woche später fand das Rudelsburgfest der Pauliner und Friderizianer aus Halle, Leipzig und Jena statt, gefolgt vom Treffen der studentischen Gesangsvereine Arian-Leipzig, Johannes-Jena und Salier-Halle. 

 

  1. Juni Stadtverordnetensitzung (NKB, BLK-A. Nr. 381).

Auf eindringliches Anraten des anwesenden Regierungskommissars wurde der Vertrag über die Einschulung der Fränkenauer Kinder beschlossen. Die Stadt verpflichtete sich, 17 Kinder aus dem Vorwerk Fränkenau 26 Jahre lang unentgeltlich in der Stadtschule aufzunehmen, soweit auch die ortsansässigen Kinder kostenfrei unterrichtet würden. Ab 18 Kindern, musste ein  „Fremdschulgeld“ gezahlt werden. Die Landesschule verpflichtete sich, in die Fronhäuser im Stadtbezirk keine Arbeiter mehr unterzubringen und dies auch im Grundbuch einzutragen. Den Vertrag genehmigten das Kgl. Provinzial-Schulkollegium und die Kgl.-Regierungsabt. für Kirchen- und Schulwesen im September.

 

  1. Juni Hauptversammlung der Fleischer-Vereine der Provinz Sachsen (NKB)

 

  1. Juni Hämmerlings Konditorei erhält den Telefonanschluss Nr. 56 (NKB)

 

  1. Juni Stadtverordnetensitzung (NKB)

In Anbetracht des drohenden Ausfalls der Stromversorgung wegen des niedrigen Wasserstandes der Saale, wurde der Magistrat aufgefordert, die Verhandlungen mit der Überlandzentrale zu beschleunigen. Beschlossen wurde die Umlage der Kosten für den Kanal in der Parkstraße auf die Anlieger. 

 

  1. Juni Ausschreibung der Bewirtschaftung der Brunnenfestwiese (NKB)

Vorgesehen waren zwei Schankwirtschaftsbetriebe, möglichst beide mit Konditoreibetrieb, und einem Zelt  von 100 m² Grundfläche.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (NKB)

Einstimmig wurde die Annahme einer Schenkung der Sächs.-Thür. AG beschlossen. Der Doppelpavillon aus Kunstsandstein, ein Exponat der Bauausstellung in Leipzig und ausgezeichnet mit der Staatsmedaille des Herzogtums Sachsen-Meiningen sollte auf der Ostseite der Parkwiese neben dem Inhalatorium aufgestellt und zum Ausschank von Brunnensole eingerichtet werden.  

Auf Anfrage genehmigte dann der Herzog Georg von Sachsen-Meiningen die Namensgebung weil das Ausgangsmaterial aus den Steinbrüchen von Freiroda kam, die zum Herzogtum gehörten.

 

  1. Juli Insolvenz des Kaufmanns Kramme (NKB)

Zum Zwangsverwalter der Molkerei in den Saalbergen 1 wurde der ehemalige Inhaber A. Knüppel vom Amtsgericht bestellt. Der eröffnete dann eine Verkaufsstelle in der Lindenstraße und erwarb auch das Anwesen bei der  Zwangsversteigerung im Februar 1910 für 16.900 Mark.

 

  1. Juli Erweiterung des Postzustellbereichs (NKB)

Das betraf den Fahrweg von den Saalhäusern bis zur Verbindungsstraße Altenburg- Möllern.

 

  1. Juli Bismarckfeier am Gradierwerk (NKB)

Es spielten die Badekapelle und die Kapelle der Kgl. Unteroffiziersschule Weißenfels sowie das Trommlercorps des Thür. Infanterie-Regiments Nr. 96.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (NKB)

Der vom Magistrat mit der Landesschule ausgehandelte Pachtvertrag für das Gelände zwischen Friedhof und Gradierwerk (2 Hektar, 300 Mark) wird abgelehnt und in den Ausschuss verwiesen.

 

  1. Aug. Verdingungsanzeige für das Luft- und Sonnenbad (NKB)

10 Tage später wurden die Ergebnisse bekannt gegeben: Erd- und Maurerarbeiten:  1. Reichenbach, 2. Blumentritt/ Zimmererarbeiten: 1. Kotte, 2. Toepfer /Dachdecker: 1. Fritzsche, 2. Filz/ Tischler 1. Schimpfermann 2. Naumann/ Schlosser  1. Thieme, 2. Ziehm/ Glaser 1. Faust/ Maler 1. Zippließ, 2. Koch, 3. Flint. Alle außer Ziehm waren aus der Stadt.

 

  1. Aug. Anordnung des Regierungspräsidenten (NKB)

Nachdem sich die Mehrzahl der Geschäftsinhaber für eine Änderung der Verfügung vom 12. Juli 1905 bezüglich der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen hatte, wurde die Schließzeit von 20 Uhr in den Wintermonaten auf die Monate September und März erweitert.

 

  1. Aug. Inbetriebnahme einer Dampfdreschmaschine im Zementwerk (NKB)

Das Getreide wurde bei Anlieferung sofort gedroschen und Korn und Stroh konnten wieder mitgenommen werden.

 

  1. Aug. Eröffnung des Malergeschäfts Karl Flint-Eckartsbergaer Str. 17 (NKB)

 

  1. Aug. Gründung des Postunterbeamtenvereins, Vorsitzender K. Sieblist (NKB)

 

  1. Aug. Frau Weißenborn erwirbt die Villa „Eschstruth“ Berbigstraße 1 (NKB)

 

  1. Aug. „Lambertz Dampfkarussell mit Berg- u. Talbahn“ in der „Katze“ (NKB)

 

  1. Aug. Abschiedsvorstellung des Kurtheaters (NKB)

„Für das große Wohlwollen, welches meinen künstlerischen Bestrebungen entgegengebracht wurde, sage ich zugleich im Namen meines Personals herzinnigsten Dank. Ich bin stolz darauf, daß das Bad Kösener Kurtheater bis weit über die Grenzen Thüringens hinaus so glänzende Anerkennung gefunden und das Interesse für das mir so lieb gewordene Kösen gefördert hat“ E. Albert. Die letzte Aufführung „Der Traum eines Kösener Backfischs“ stammte aus der Feder des Direktors.

 

  1. Sept. Letzte Badeliste der Saison (NKB).

Innerhalb von 10 Jahren war die Anzahl der Kurgäste und Passanten von 4.536 auf 10.629 gestiegen, die Kurtaxeinnahmen von 8.806 auf 15.720 Mark und bei den Kurmitteln wurden  14.045 Mark gegenüber 5.644 Mark im Jahr 1899 eingenommen. Beklagt wurden die starke Lärmbelästigung durch den Zugverkehr und der ungepflegte Zustand  der Parkanlage.

Unter den rund 5000 Badegästen waren Baronin Exz. v. Luedinghaus-Wolff-Hannover, Freifrau v. Berg-Schöneberg, Freifrau v. Bredenfeld-Leipzig, A. Reichert-Bialystok, Frl. Junica de Saligny-Bukarest, Comtesse Silvia v. Wedel u. Gesellschafterin Miß Broadhart-Weimar, Eleonore Gräfin und Burggräfin zu Dohna-Schlobritten, Oberst v. Rohrscheid-Gumbinnen, Konsul Weber mit Familie-Montevideo, Kgl. Hoheit Herzogin Alexandrine Mathilde v. Württemberg mit Hofdame Frl. v. Strantz und Bedienung,  Edler von Bachmann m. Familie-Riga, Cecilie Edgren-Mexiko, Freiherr v. Hardenberg m. Familie-Leipzig, Mrs. Vorhaus-New York, Baronin v. Hammerstein-Loxton, Major Senfft v. Pilsach-Wurzen,  Gen.-Major v. Eschenburg-Lübeck,  Freifrau Exz. v. Ungern-Sternberg-Dresden, Freifrau v. d. Busch-Hoddenhausen m. Kind-Freiberg, Gräfin v. Hohnstein-Bayern, Gräfin-Bernstorff-Mecklenburg, Gräfin Rothkirch-Trach m. Sohn-Schloß Boberstein, Gen.-Major Dasekoff m. Fam.-St. Peterburg, Freifrau Eugenie Pfeilitzer-Frank und Frau Dr. med. A. v. Schabanoff, Präsidentin der russ. Frauenvereine-St. Petersburg, S. Gawrilenko-Kiew, Baroness v. Laffert-Medingen, Komtesse v. Posadowsky-Berlin, Baroneß v. Lingk-Breslaus, Baroness v. Bischoffshausen-Bollendorf mit Gesellschafterin, Kammergerichtsrat v. Drenckmann m. Frau und Kind-Berlin, Äbtissin v. Stein-Nordheim-Karlsruhe und Baronin v. Vitzthum m. Begleitung-Dresden.   

Außerdem Ottilie Graf, geb. Marezoll, die Urenkelin des Direktors der Leipziger Kunstakademie und Zeichenlehrer Goethes Prof. Oeser und die  Ehefrau des Architekten Reichsgraf  Friedrich Franz v. Hochberg, Freiherr zu Fürstenstein, die hier eine Tochter entband.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Der Antrag des Druckers Heyne auf Erhöhung des städtischen Zuschusses für die Veröffentlichung der amtlichen Bekanntmachungen wurde abgelehnt, weil der Leserkreis des Kösener Anzeiger zu klein sei und der Verlag durch den Verkauf von inzwischen 150 Nummern des Badejournals ausreichend Einnahmen hätte.

Für die Reinigung der kleinen Saale vom Wehrdamm bis zur Grenze des Stadtbezirks wurden 1800 Mark und für die Zuleitung der Johannisquelle und des Mühlbrunnens zur Trinkhalle 600 Mark bewilligt, sowie dem nachverhandelten Pachtvertrag über die Wiese zwischen Friedhof und Gradierwerk zugestimmt. 

 

  1. Sep. Eröffnung eines Putzwarengeschäfts in der Schmettaustr. 9 (NKB)

 

  1. Sep. W. Pabst (Borlachstr. 20) übernimmt den Kohlehandel (NKB)

 

  1. Sep. Konkurs des Schuhmachermeisters Karl Fielko (NKB)

 

  1. Okt. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

Für Hinweise auf die Verursacher von Beschädigungen an der Brücke wurden 100 Mark ausgelobt.

 

  1. Okt. Inkrafttreten des neuen Statuts der gewerblichen Fortbildungsschule (NKB)

 

  1. Okt. Eröffnung der Bauschlosserei Weinseis, Gerstenbergkprom. 1 (NKB)

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Im Vorfeld trafen sich Kersten und sein Anhang und ob man den Bürgermeister mit 1.500 Mark pensionieren sollte oder den 1. Ratsschöffen Siebold mit einer Einmalzahlung von 5.000 Mark zum Wegzug zu bewegen.

Weil das Inhalatorium der Nachfrage nicht gerecht wurde, wurde der Bau eines neuen Inhalatoriums mit Pneumatischen Kammern und Gesellschaftsräumen erwogen. Man rechnete mit Kosten von 175.000 Mark und berief dazu eine Fach-Kommission (Dr. Löffler, Dr. Wagner, Dr. Risse, Maurermeister Blumentritt, Bankier Krüger)

 

  1. Okt. Vorschlag des Bürgermeisters zum Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72)

Nach der Umquartierung der Bewohner und dem Abbruch des Armenhauses (Burgstr. 16) sollte hier die  Kinderbewahranstalt gebaut werden. Somit könne man das Vermächtnis von Therese Berbig erfüllen und die Anstalt käme dorthin, wo es die meisten Kinder aus unbemittelten Arbeiterfamilien gab.

Als Standort für das neue Krankenhaus, schlug er ein „sonniges Plätzchen inmitten eines Fichtenwaldes an der Eckartsbergaer Chaussee“ vor, weit genug von der Stadt, um der Ansteckungsgefahr bei Epidemien. Allerdings gehörte der Wald der Landesschule mit der man über einen Ankauf verhandeln müsse.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Genehmigt wurde die Verlegung der Arrestzelle aus dem Schulhaus in das Rathaus und die Kosten zur Anschaffung von 100 Solewaagen, damit die Badegäste den Solegehalt in den öffentlichen und privaten Bädern selbst überprüfen könnten. Bewilligt wurde auch die Übertragung der Fäkalienabfuhr an den Pfortaer Domänenpächter.

 

  1. Nov. Bericht über die Saalecker Werkstätten (NKB)

„Die Anlagen des Hr. Prof. Schultze-Naumburg erfahren eine Erweiterung, die dem Ort wieder eine Verschönerung bringt. Er hat die Gehöfte von Gehre und Matthes gekauft, die Wohnhäuser umgebaut  und die Gärten in einen großen Park verwandelt. Nach der zur Rudelsburg führenden Dorfstraße wird eine 3 Meter hohe Mauer aufgeführt (.) Ferner steht Prof. Schultze-Naumburg mit der Gemeinde in Verhandlung, das Armenhaus zu kaufen und dafür an anderer Stelle ein neues zu bauen...“

 

  1. Nov. Bürgermeister Kretschmar wird zum Kreistagsabgeordneten gewählt (NKB)

 

  1. Nov. Öffentliche Erklärung von Paul Kersten (NKB)

Zuvor veröffentlichte die Zeitung eine Anzeige „Vieler Bürger“: „Herr Kersten hat ein Flugblatt herausgegeben über die geheime Anstellung eines zweiten Bürgermeisters. Wir bitten ihn, in einer öffentlichen Versammlung die Bürger Kösens über diese geheimen Vorgänge noch ausführlicher  aufzuklären“. Daraufhin gab Kersten bekannt „Selbstverständlich hätte ich eine öffentliche Bürgerversammlung einberufen, wenn es dabei geblieben wäre, die Anstellung des Herrn Siebold als 2. Bürgermeister von Kösen in geheimer Sitzung zu beraten und zu beschließen. Am 18. d. M. wird nunmehr  in öffentlicher Sitzung  hierüber beraten werden, so daß jetzt jeder Bürger sich informieren kann, welche Stadtverordneten für die Anstellung  des Hr. Siebold stimmen werden. Meine Freunde und ich hoffen, daß selbst die Herren v. Heydekampf, Weber und Genossen jetzt nicht mehr dafür stimmen werden und alle diesbezüglichen Bestrebungen ein für alle Mal erdrückt sind...“

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Die Untersuchung der Radioaktivität der Brunnensole hatte ergeben, dass der Gehalt ein Radium-Emanatorium ermöglicht, eine moderne und gefragte Behandlungsmethode. Dazu wären ein Neubau mit den Inhalationsräumen, pneumatischen Kammern, dem Emanatorium und Gesellschaftsräume erforderlich.

Der Antrag Kerstens, die Dränageleitung in der Großen Promenade  wegen des Grundwasserstandes tiefer zu legen, kam zu spät, die Arbeiten waren bereits erledigt. 

 

  1. Dez. Bruch der Wasserradwelle des städtischen E-Werkes (NKB).

Weil die Leistung des Benzinmotors für die Notversorgung nicht reichte, wurde die Straßenbeleuchtung abgestellt. Bei der dann eiligst einberufenen Stadtverordnetensitzung kam es  im Schein der Petroleumlampen zu heftigen Auseinandersetzungen wer daran die Schuld habe. Schließlich bot Kersten seine Lokomobile an, und drängte erneut auf den Einbau einer Turbine im oberen  Radhaus. Der Not gehorchend, ging der Magistrat darauf ein. Zwei Tage später war die  Lokomobile an den Generator angeschlossen, die Pumpen vom Wasserwerk und die Straßenbeleuchtung funktionierten wieder.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Diesmal kam es zu Auseinandersetzungen wegen der von der Kgl. Regierung angemahnten Anpassung der Gehälter der städtischen Beamten (Rendant, Stadtsekretär, Kassenkontrolleur, Polizeikommissar, zwei Polizeisergeanten, Kalkulator, Registrator, Vollzugsbeamter, zwei Schutzmänner). Der Stadtverordnete Wolf meinte, dass es  wünschenswert wäre, wenn der Reg.-Präsident das Rezepte mitschickt, wie die Gemeinden dafür die Mittel aufbringen kann und weiter „Von einem Vergleich mit den Postbeamten und den Bahnbeamten kann keine Rede sein, die braucht wahrlich niemand zu beneiden. Sie müssen bei Wind und Wetter ihren Dienst versehen, sie stehen mit einem Bein im Grabe und mit dem anderen im Zuchthaus, der Magistratsbeamte findet ein hübsch gelüftetes Büro und da macht er sein Arbeit (.) Ich habe einen Beamten gekannt, bei dem der Mensch erst beim Beamten anfing. Gibt man dem Beamten 12,40 Mark am Tag (.) was verdient dagegen der Arbeiter? Er muß arbeiten von früh bis spät arbeiten und die Lebensmittel genauso teuer bezahlen  wie der Beamte, der wenn es ihm nicht mehr passt, sich pensionieren läßt…“.

  1. Kersten „Ich bin entschieden für Gehaltserhöhungen, aber so, daß die Hälfte entlassen wird und die übrigen kriegen das Gehalt mit (.) Was haben wir denn für Schreibtischbeamte, sie kommen mit 14 Jahren her, dann werden sie älter und dicker, dann wollen sie heiraten. Sie sind dann Schreibtischbeamte, mehr machen sie nicht, aber sie wollen mehr haben (.)“

Tatsache war aber auch, dass man im Vergleich mit anderen Städten bezogen auf die Einwohnerschaft einen ansehnlichen Verwaltungsapparat hatte, allerdings lag das am städtischen Badebetrieb. 

 

  1. Dez. Erklärung „Mehrere Hausfrauen“ (NKB)

Die antworteten auf eine Werbeanzeige hiesiger Bäckerinnung zur Weihnachtsbäckerei „Seit hunderten von Jahren ist es Mode, daß eine jede Hausfrau ihr Mehl entnimmt, wo es ihr beliebt und trotzdem sind die Stollen geraten, auch wenn das Mehl nicht vom Bäcker war. Ist doch das Mehl der Geschäftsleute dasselbe wie das der Bäcker, welches doch auch nur von den drei größeren Mühlen aus Kösen und Umgebung bezogen wird. Eine viel größere Weihnachtsfreude könnten uns die Bäcker bereiten, wenn sie ihre Weißwaren größer backen würden, denn seit dem Oktober ist das Mehl viel billiger geworden...“

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (NKB)

Der Antrag des Straßenfiskus zum Bau eines „Brückengelderhebungshauses“ neben der „Hohenzollernhalle“ als Witterungsschutz für den ständig präsenten Einnehmer wurde genehmigt.

Dann wurde die Rechnungen der Stiftungen (Senff, Wilhelm-Augusta, Hoffmann, Berbig) vorgelegt. Die Berbigsche Stiftung belief sich auf 43.000 Mark, davon zweckgebunden 29.000 Mark für die Kinderbewahranstalt.

Im nichtöffentlichen Teil wurden die Beauftragung eines Sachverständigen zur Erschließung einer  Solequelle und 6.000 Mark Jahreshonorar für die Kurmusik 1910 beschlossen.

 

  1. Dez. Umfirmierung der Wurstfabrik (NKB)

Die Fa. Friedrich Matthes Erben GmbH übernahm die in Liquidation befindlichen Friedrich Matthes Erben oHG. Das Stammkapital stellte mit 48.000 Mark die oHG als Sacheinlage und 2.000 Mark waren Forderungen der Witwe Matthes an die oHG. Die Fleischverkaufsstelle wurde geschlossen.

 

1910

 

  1. Jan. K. Schneider pachtet die Häun`sche Restauration An der Brücke 2 (NKB)

 

  1. Jan. Statistik und Verwaltungsbericht (NKB)

Es gab 52  Todesfälle, darunter der letzte no