Das Solbad Kösen - Kaiserreich - Weimarer Republik - Drittes Reich

  1. Das Solbad Kösen - Kaiserreich - Weimarer Republik - Drittes Reich

 

1868

 

  1. Feb. Meldung über eine Lebensrettung (NKB)

Beim Spielen war ein Junge in die Saale gefallen und wurde von einem schwimmkundigen Knaben aus dem eiskalten Wasser gezogen. Der erhielt vor versammelter Schule die Rettungsmedaille, die er aber erst mit 18 Jahren tragen durfte. Außerdem bekam er  drei Taler. 

 

  1. Feb. Konferenz zum Kurpark (MER C48Ii Nr. 776V).

Der Vorsitzende der Badekommission Landrat von Danneil und der Regierungspräsident Rothe begutachteten den Plan des Ehrenmitgliedes der Badedirektion Rittergutsbesitzer Schmidt. 

 

  1. Mär. Feier zum Geburtstag des Königs (NKB)

Wegen Differenzen unter den Honoratioren gab es zwei Feiern. Dabei lud das „Comitèe“  zum Soupèr zum Preis von 7 Silbergroschen 10 Pfennigen im Teichgräberschen Saal ein. „Nach dem Soupèr findet Ball statt und werden junge Herren und Damen, auch wenn dieselben nicht beim Soupèr beteiligt gewesen, zu recht zahlreicher Teilnahme  eingeladen“. Die andere Feier veranstaltete der König Wilhelm Verein in der ehemaligen Rost`schen Restauration, inzwischen nach ihrem Besitzer Carl Zeidler der Zeidlersche Saal genannt. Auch auf der Rudelsburg gab es eine Feier, zu der der neue Wirt der Rudelsburg Andrä, Samiels Schwiegersohn, einlud.

 

  1. Mär. Todestag von Johann Christoph Nette (Sterbereg.)

Der Sattlermeister (von 1832 bis 1844 Ortsrichter) besaß die Lindenstraße 21.

 

  1. Apr. Konzert im Bahnhof zur Holzmesse (NKB)

Neuer Pächter war W. Bechmann. Ihm gehörte das Haus An der Brücke Nr. 2.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag für die Groddecksche Badeanstalt (MER C48Ii Nr.782 Bd.1).

Basis für die Berechnung war das Volumen seiner 21 Wannen, das Mischungsverhälniss und die voraussichtliche Zahl der abgegebenen Bäder. Dafür wurde  eine Saisonpauschale von 300 Talern festgelegt, zahlbar in vier Raten. Die Badedirektion behielt sich die Kontrolle der Anstalt und die sofortige Aussetzung der Lieferung bei Verstößen oder Zahlungsverzug vor.

 

  1. Apr. Vermächtnis der Albertine Charlotte Louise Wölecke (MER C 48 II a Nr. 1707)

Sie stiftete der Kirchengemeinde 200 Taler für den Friedhof und der Stadt 100 Taler für die Schule und zur Unterstützung armer Frauen, die Louisen-Stiftung.   

 

  1. Mai „Exzess“ der Schullehrer (MER C 48 II b Nr. 2028)

Eine Bagatelle (Katzenkot im Treppenhaus) führte zu einer handfesten Prügelei zwischen den in der Schule wohnenden Lehrern Hesse und den Brüdern Geßner. Der Lärm drang bis zu den Markthändlern, die den Polizeidiener und den Schöppen riefen. Der Vorfall sprach sich herum und am 8. Mai erschien der Landrat v. Danneil persönlich und vernahm die Beteiligten. Auch die  Kgl. Regierung entsandte einen Assessor, der die Zeugen erneut vernahm.   

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des Konditors Lehmann (NKB)

„...daß ich mein Geschäft an die Chaussee den Kuchengarten gegenüber verlegt habe..“. Diese frequente Lage versprach reichlich Gäste, trotz der unmittelbaren Nachbarschaft zu Teichgräbers Kuchengarten und den Etablissements von Kunitz und Zeidler.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Badedirektion (NKB)

„3 Taler Belohnung werden hiermit demjenigen zugesichert, welcher die Urheber der häufig vorkommenden Baumfrevel in der Umgebung  des Orts, sowie  die Beschädigungen an den dort aufgestellten Bänken und Tischen so zur Anzeige bringt, daß sie zur gerichtlichen Anzeige  gezogen werden können“

 

  1. Juni Anzeige des Badearztes Hofrat Dr. med Pauli (NKB)

„Solchen welche meinen Rat in meiner Wohnung wünschen, treffen mich in der Lindenstraße 66“ (Lindenstr. 1). Der pensionierte Pauli hatte sich im ehemals Baumbachschen Haus eingemietet. 1869 wurde das gesamte Mobiliar wegen Wegzug oder Tod verkauft.  

 

  1. Juni Entdeckung der Johannesquelle (NKB).

Zwei Kurgäste stießen an dem zu dieser Zeit noch unwegsamen Saaleufer an der Krümme auf eine Mineralquelle.

Einige Wochen später schrieb der Badearzt Pauli im NTB „Über Kösens neu entdeckte Heilquellen“. „Das Wasser schmeckt angenehm und wirkt gelinde eröffnend, die Tätigkeit der Absorptionsorgane verändert die krankhafte  Säftebildung auf  eine naturgemäße  Weise, in dem es die Verdauung ordnet, die Blutbildung verbessert, die Absonderung der Schleimhäute der Verdauungsorgane, der Luftwege, der Leber, Nieren und Harnwege gesundheitsgemäßer gestaltet..“ Die chemische Analyse von Prof. Dr. Reichardt aus Jena ergab einen Gehalt von 1,6 bis 1,7 Gramm fester Bestandteile, hauptsächlich Kochsalz. Der Kreisphysikus Dr. Hartmann veröffentlichte die Ergebnisse in einer Broschüre, aus deren Erlös eine Brunnenfassung mitfinanziert werden sollte.

 

  1. Juni Übergabe der Kukulauer Wiese (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Anwesend waren der Prokurator Schwimmer, der Domänenpächter von Kukulaus Amtsrat Jäger, der Domänenpächter von Fränkenau Amtmann Wernicke, Dr. Rosenberger als Vertreter der Badedirektion, der Pachtmüller Roßner und der Schulförster Voigt.  Auf der bisher zu Kukulau gehörenden Wiese östlich des Eisenbahndammes (11 Morgen) sollte der Kurpark entstehen.  Die Badedirektion verpflichtete sich zur Unterhaltung des quer über die Wiese verlaufenden Mühlenwegs, dagegen verpflichtet sich der Müller, die öffentliche Nutzung nicht zu behindern. Die Wiese auf der Westseite des Bahndammes unterhalb der Dorfstraße verblieb bei der Domäne Fränkenau.

 

  1. Juli Anweisung an den Prov.-Steuer-Direktor zur Brückengelderhebung (St.-A. Nr. 550)

„Unter Bezugnahme auf den Erlaß vom 25. Juli 1864 die Brückengeld-Erhebung an der Saalebrücke bei Kösen betreffend, eröffne ich Euer Hochwohlgeboren, daß der Herr Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in den abschrftl. beigefügten  Schreiben v. 3. v. M. sich nunmehr auf Grund der dargestellten Ermittlungen dahin ausgesprochen hat, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter zu Pforte und Eckartsberga obgelegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der gedachten Brücke gegenwärtig bedeutungslos geworden ist.  Unter diesen Umständen erscheint es gerechtfertigt, die betreffenden Ortschaften fortan zur Entrichtung der Brückengeldabgabe  anzuhalten, da denselben kein besonderer Rechtstitel für die bisher genossene Befreiung zur Seite steht, letztere vielmehr ausschließlich in der ehemaligen sächsischen Gerichtsverfassung ihren Grund hat.

Bei der anderweiten Regelung des Brückengeld-Tarifs im Jahr 1832 ist zwar ausgesprochen, daß diejenigen Passanten, welchen die Befreiung rechtlich zugestanden habe, auch ferner befreit bleiben sollen. Es unterliegt jedoch keinen Bedenken, daß hiermit nur solche Befreiungen gemeint sind, welche auf einen gültigen speziellen Titel beruhen, nicht aber solche, die aus früheren allgemeinen Landeseinrichtungen, namentlich aus der Gebietsverfassung abgeleitet werden.

Euer Hochwohlgeboren wollen deshalb das Erforderliche veranlassen, damit die in Rede stehenden 21 Ortschaften von einen Ihrerseits zu bestimmenden Termin ab zur Entrichtung der Brückengeldabgabe herangezogen werden und gleichzeitig dafür Sorge tragen, daß den Ortschaften diese Anordnung in geeigneter Weise vor deren Ausführung zur Kenntniß gebracht werde. Mit Rücksicht hierauf empfiehlt es sich, die Frist nicht zu kurz zu bemessen. Es bleibt Ihnen überlassen, der Kgl. Regierung zu Merseburg eine entsprechende Mitteilung zu machen und derselben einheimstellen, durch die zuständigen Landraths-Ämter auf eine angemessene Belehrung der betreffenden Ortschaften über die Begründung der getroffenen Anordnung hinwirken zu lassen.

Was die der Landesschule Pforta, beziehungsweise deren Beamten und Vorwerken zustehende Befreiung anlangt, so ist die Voraussetzung, daß dieselbe sich auf die früher geleisteten Brückenbaudienste gründet, nicht zutreffend. Nach den früheren Verhandlungen ist vielmehr zu vermuten, daß diese Befreiung auf der Eigenschaft der genannten Landesschule als Grund- und Gerichtsherr beruhe. In Berücksichtigung der früher erfolgten ausdrücklichen Anerkenntnis der in Rede stehenden Befreiung ist für jetzt deren Fortdauer nicht zu beanstanden.

Der Finanzminster v. d. Heydt.“

 

  1. Aug. Missionsgottesdienst des Gustav-Adolf-Vereins in der Buchenhalle (NKB)

Teilnehmer war der unter dem Pseudonym Adolph Violet de Chevalier in den Kurlisten geführte Berliner Landschaftsmaler Adolph  Menzel (1815-1905, 1898 geadelt). Der Gottesdienst gab die Anregung für das Gemälde „Gedenkgottesdienst in der Buchenhalle“ (Preuß. Kunstsammlung).  Menzel und der Germanist  Franz Kugler („An der Saale hellem Strande), waren dann die Verfasser einer Lebensbeschreibung  König Friedrich II., die noch 100 Jahre später als Volkslesebuch in fast keinen bürgerlichen Haushalt fehlte.

 

  1. Aug. Geschäftsanzeige der „Tanne am Bahnhof“ (NKB)

Tilebein, der ehemalige Salzsteuer-Einnehmer war der erste, der an der kleinen Promenade gegenüber vom Bahnhof  ein Haus baute und  darin eine Gastwirtschaft einrichtete. 

 

  1. Aug. 18. Sängerfest des „Sängerbundes an der Saale“ (NZ).

Nach der Ankunft wurden die Teilnehmer im „Kuchengarten“ begrüßt. Nach allgemeiner Stärkung ging der Zug um 11 Uhr zur „Katze“ wo die alten Herrschaften zurückblieben und nur die Jüngeren  zur Rudelsburg zogen, wo „der greise Burgward Samiel Gambrinus in Strömen fließen ließ“. 3 Uhr am Nachmittag trafen man in der Buchenhalle zusammen, wo das eigentliche Konzert stattfand, bei dem rund 5.000 Teilnehmer und Gäste gezählt wurden. 5 Uhr nachmittags erfolgte der Einzug  „unter Vorantritt der Festjungfrauen in das mit Ehrenpforten, Fahnen, Girlanden und Kränzen so freundlich geschmückte Kösen“. Im „Kuchengarten“ spielte die „Regimentsmusik“ und für diejenigen die an dem abendlichen Festmahl teilnahmen und den fahrplanmäßigen Zug nach Halle nicht schafften, stellte die thüringische Eisenbahn einen Extrazug.    

  

  1. Aug. Verleihung des Stadtrechts (Mascher).

Mit „Allerhöchster Order“ wurde der Landgemeinde Kösen gemäß der Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 das Stadtrecht verliehen. Kösen, nun die jüngste Stadt Preußens und Deutschlands, hatte keinerlei kommunales Vermögen, war aber von einem Tag zum anderen für die Polizei, die Schule. die Infrastruktur und das Gewerbe zuständig.

 

  1. Aug. Amtliche Bekanntmachung (NKB).

Die Einwohner wurden wegen der anhaltenden Trockenheit angewiesen, die Wege vor ihren Häusern täglich zu bewässern.

 

  1. Aug. Anzeige des Kaufmanns G. A. Geyer jun. (NKB)

„Hiermit erlaube ich mir, einem hochgeehrten Publikum Kösens und Umgebung die ergebenste Anzeige  zu machen, daß ich das Geschäft  des Herrn A. Schleicher hierselbst übernommen habe“ (Borlachstraße 8).

 

  1. Sep. Erlass des Landrates zum Brückengeld (NKB)

„Die Gemeinden der Ämter Pforta und Eckartsberga sind mit Rücksicht auf die denselben in früheren Zeiten obgelegene Frondienstpflicht hinsichtlich des Baues und der Reparaturen der Kösener Saalebrücke  von Entrichtung  des Brückengeldes daselbst  bisher befreit gewesen. Da jedoch im Jahr 1810 die Naumburg-Eckartsbergaer Straße zur Staats-Chaussee erhoben worden ist und von diesem Zeitpunkt ab die erwähnten Frondienstleistungen aufgehört haben, so ist in Anbetracht, daß die fragliche Brücke einen integrierenden Teil der Chaussee darstellt und demgemäß aus dem Chausseeunterhaltungsfond in Stand gehalten wird, die auf keinem Privilegium bestehende Brückengeldfreiheit aber demnach nur als ein Gegenäquivalent für Frondienste zugestanden war, seitens des Hr. Finanzministers  angeordnet worden, daß die Befreiung  der oben erwähnten Gemeinden vom Brückengeld bei der Kösener Saale-Brücke  ab dem 1. Jan. 1869 aufhört..“  

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB).

Prominenester unter den  1.987 Gästen war mit der Nr. 353 Theodor Fontane (1819 bis 1898). Außerdem weilten hier der Kaiserl. Russ. Kammerherr General v. Ratmanoff-St. Petersburg, Baronin v. Rüxleben-Nordhausen, Gutsbesitzer Michailoff-Rastowloff, Frl. Natalie v. Pashkoff-Saratow, Exz. Frau Staatsrätin v. Philosophoff-Dresden, Baronin v. Häseler-Weimar, Joseph v. Pikarski-Missouri, Baronin v. Stein-Reuden, Gräfin v.Pückler-Schlesien, Frau  Polizeipräsidentin v. Wurmb-Berlin, Schriftsteller R. Rösler (Julius Mühlfeld 1840-1881)-Köthen, Frau Godet (Hofjuwelier Godet & Sohn)-Berlin, Durchl. Prinzessin  v. Schönburg-Waldenburg,  Baron v. Dannenberg-Tiefensee, Baronin v. Werther, General v. Borcke, Mrs. Parson-New Haven, Landschaftsmaler Adolph Beck-Berlin, Gräfin v. Bredow-Berlin, Kammerherr Freiherr v. Brincken-Gebesee, General v. Lewaldt-Königsberg, Baron v. Lüdringhausen-Kurland, Colonel A. Bliss Charge de Officiers der Vereinigten Staaten, Exz. Frau Ministerin v. Geylo-Braunschweig,  Landrat Baron v. Richthofen-Melsungen, Prof. Dr. Carl Otto Lehrstuhl f. Theologie Universität Wien, Baronin v. Wullfen-Elbing, Porträtmaler A. Burghardt-Wittenberg, Geh.-Rat OB v. Krausnick-Berlin, Reverend Theodore B. Lynan-Baltimore, Dr. Paul du Bois-Reymond-Heidelberg, Baronin v. Baligand-Dessau, Major a. D. v. Blücher, Rat im preuß. Kriegsministerium,  Baronin v. d. Goltz-Berlin, Gräfin v. Seydewitz-Torgau,  Pianistin Frl. Stavenecker-Leipzig, Prof. Dr. Felix v. Niemeyer (1820 bis 1871) Leibarzt des Königs von Würrtemberg, der Philosoph Hermann Ulrici (1806-1884), Prof. Dr. D. A. W. Bohtz- Göttingen, Baron v. Rheinsberg-Leipzig, Baronesse v. Brummau-Weimar.

 

  1. Okt. Geschäftseröffnung des Webermeisters Ernst Saalborn (NKB)

Neben seinem Wanderhandel verkaufte er Strickgarn, Wolle, Zwirn und Nadlerwaren in der Neuen Straße 99 (Schmettaustr. 11)

 

  1. Nov. Beschluss zur Gestaltung des unteren Kurparks (MER C48Ii Nr. 776V).

Die Badedirektion hatte sich für die einfache und daher preiswerte Variante des Rittergutsbesitzers Schmid entschieden. Die symmetrischen Wegeführung endete auf ein mit Blumen bepflanzes Rondell. Auf Hecken wurde wegen der versteckspielenden Kinder verzichtet. Statt dessen sollten Bäume gepflanzt werden, vor allem Platanen. Um die Pacht zu finanzieren konnte der jährliche Wiesenwuchs verpachtet werden.

 

  1. Nov. Wahl der Stadtverordnetenversammlung (Mascher).

Entsprechend der Bevölkerungszahl wurden 12 Stadtverordneten nach der preußischen Klassenwahl gewählt: in Abt. I Hotelier Weber, Kaufmann A. Krüger, Brauereibesitzer Schultz, Kaufmann Siebold, in Abt. II Apotheker Gause, Restaurateur Teichgräber, Kaufmann Geyer, Maurermeister Werner, in Abt. III Badearzt Dr. Groddeck, Tischlermeister Vogel, Bäckermeister Haasenritter und Postvorsteher Müller. Kommissarischer Gemeindevorsteher war Geyer sen.

Zur Abt. I (Kösen-Süd) gehörte das Dorf Neu-Kösen mit der Eckartsbergaer und der Bahnhofstraße, zur Abteilung II (Kösen-Nord) das Viertel nördlich der Eckartsbergaer Chaussee und zur Abt. III  der Teil rechts der Saale.

Nach der Wahl wurde über die Einführung eines ständigen Wochenmarktes, die  Einrichtung eines Krankenhauses und einer Sparkasse, sowie die Erarbeitung eine Konzeption für die zukünftige Entwicklung beraten.

Darüber hinaus wurden die Anwesenden informiert, dass die Amtsdörfer anstelle der Brückenfron ein Brückengeld zahlen sollten.  

 

              „Alterthümer und Kunstdenkmale des Cistercienserklosters St. Marien zu Pforte...“ 

Verfasser der im Sieling Verlag veröffentlichten Broschüre war Wilhelm Paul Corssen (1820-1875), seit 1856 Lateinlehrer an der Landesschule  und mit deren Geschichte bestens vertraut. Er setzte  die von C. P. Lepsius begründete wissenschaftliche Erforschung der Heimatgeschichte fort.

 

  1. Dez. Gründung des Männergesangsvereins „Anakreon“.

 

  1. Dez. Beschwerde der Badeverwaltung (MER C 48 Li Nr. 776)

Der Pächter der Domäne Kukulau hatte den Wald zwischen der Buchenhalle und der „Katze“ abgeholzt, was die Badedirektin  heftig kritisierte.

 

  1. Jan. Silvesterball des König Wilhelm Vereins im Teichgräberschen Saal (NKB)

 

1869

 

  1. Jan. Inkraftsetzung der neuen Brückengeldordnung (St.-A. 550).

 

  1. Jan. Veranstaltungen im Zeidlerschen Saal (NKB)

Grimmers Kunsttheater zeigte verschiedene Lustspiele und Possen. Grimmer bezeichnete sich als „Mechanikus,“ das Theater war demzufolge ein Puppenspieltheater und damit auch etwas für den kleinen Geldbeutel.  

 

  1. Jan. Konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung (Mascher).

Beschlossen wurde die Ausschreibung der  Stelle des Bürgermeisters mit einem  Jahresgehalt von 500 Talern.

 

  1. Feb. Baugenehmigung für die Soleleitung zur Rosenbergerschen Anstalt (St.-A).

Nach Dr. Groddeck erhielt auch Dr. Rosenberger die Erlaubnis, auf eigene Kosten eine gußeiserne Röhrenfahrt vom oberen Schacht zu verlegen.

 

  1. Feb. Konzert zum Stiftungstag des König Wilhelm Krieger Vereins (NKB).

 

  1. Feb. Bekanntmachung der Badedirektion zur Johannesquelle (NKB).

„Johannes-Brunnen kann von jetzt ab täglich von Morgens 6 Uhr bis Abends 5 Uhr an der Quelle verabreicht werden“. Demzufolge gab es auch einen Weg zum Brunnen. Kurz danach begann auch der Flaschenvertrieb. 

 

  1. Feb. Verpachtung der Chausseegeld-Einnahmestelle (NKB).

Der Bewerber musste „dispositionsfähig“ sein und  bei Gebotsabgabe eine Kaution von 200 Talern hinterlegen. Das Kgl. Hauptsteueramt bezifferte die durchschnittliche Jahreseinnahme auf 1.000 Taler.

 

  1. Feb. Fr. Sträuber eröffnet die „Loreley“ (NKB).

Sträuber hatte den „Felsenkeller“neben dem ehemaligen Rechenwärterhaus erworben, den der Floßmeister Hartig vor 100 Jahren angelegt hatte. Den hier einkehrenden Badegästen erzählte  Sträuber, dass er die Quelle entdeckt habe.

 

  1. Mär. Ernennung des neuen Feuerpolizeikommissars (NKB).

Nachfolger Struves wurde Zimmermeister Fr. Toepfer. Toepfer hatte von der Landesschule einen Streifen entlang der Saale erworben und an „frequentester Lage“ gegenüber vom Bahnhof  seine Zimmereiwerkstatt  samt Holzhandlung eingerichtet (Rudelsburgpromenade 6/7).  

 

  1. Mär. Wahl des ersten Bürgermeisters (Mascher; NKB).

Dr. Heinrich Anton Mascher (geb. 1824 in Könnern), bisher Kreissekretär und stellvertretender Landrat  von Naumburg wurde einstimmig gewählt.

 

  1. Mär. Vokal und Instrumentalkonzert in Zeidlers Restauration (NKB).

Der Gesangsverein Anakreon veranstaltete im „neudekorierten Saal“ eine Konzert dessen Erlös für bedürftiger Kinder gedacht war.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachung des Landrates (NKB)

„Der Mühlenbesitzer Ernst Roßner zu Kösen beabsichtigt, die ihm gehörige in Kösen unter Nr. 65 des Katasters an der Saale befindliche Mahlmühle umzubauen.“ Begründete Einsprüche mussten binnen 14 Tagen beim Landrat angezeigt werden. Geplant war der Einbau von  Turbinen anstelle der Wasserräder sowie der Neubau eines viergeschossigen Mühlengebäudes mit  angrenzenden Wohn- und Verwaltungsgebäude (Roßner 1932).

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Fa. Fr. Sänger & Hertel (NKB).

Der Sitz der Holzhandelsfirma war in Lengefeld, unmittelbar an der Grenze des Stadtbezirks.

 

  1. Apr. Öffentliche Anzeige (NKB)

„In der Prozeßsache des Bäckermeisters Hermann Franke als Vormund des Kaufmannslehrling Moritz Völkel in Kösen wider des Klempnermeisters Julius Dost in Kösen, Verklagter, hat die Kammer für Injuriensachen beim Kgl. Kreisgericht zu Naumburg für Recht erkannt, daß der Verklagte der wörtlichen öffentlichen Beleidigung und vorsätzlichen Mißhandlung des Moritz Völkel schuldig und deshalb  mit 1 Taler Geldbuße, welche im Unvermögensfall 1 Tag Gefängnis substituiert, zu bestrafen, dem Moritz Völkel die Befugnis zu erteilen, binnen vier Wochen nach Rechtskraft dieses Erkenntnisses den Tenor desselben durch Einrückung  in das hiesige Kreisblatt  auf Kosten des Verklagten öffentlich bekannt zu machen...“     

 

  1. Mai Meldung des Bade-Inspektor Baudouin zur Saisoneröffnung (NKB)

 

  1. Mai Das Provinzialschulkollegium genehmigt die Fassung der Johannesquelle (St.-A.).

 

  1. Mai Pfingstfeiertage (NKB).

Kunitz lud im Kursaal zum „Table de hòte“ ein, Teichgräber im „Kuchengarten“ zum Konzert,  wobei er darauf hinwies, dass bei ungünstiger Witterung das Konzert im Theatersaal stattfindet, im „Mutigen Ritter“ (Weber) gab es ein Abendkonzert, in der „Katze“ (Wölbeling) Tanzmusik mit der Badekapelle, in den Saalhäusern (Schumann) ein „Tänzchen“, Samiel lud zum Militärkonzert auf die Rudelsburg ein und Tilebein von der „Tanne“ warb mit einer neuen Kegelbahn.

Die Thüringer Eisenbahn setzte zur Erleichterung des Pfingsverkehrs Sonderzüge ein, dazu hielten zwei Schnellzüge. Außerdem wurden in der Pfingstwoche Rückfahrkarten verkauft, die zur „einmaligen ununterbrochenen Rückfahrt in allen Personenzügen der II. und IV. Klasse“ berechtigten. Zwischen Naumburg und Kösen verkehrte an den Sonn- und Konzerttagen wieder ein Pferdeomnibus,  

 

  1. Mai Todestag der Eva Eleonore Clementine von Zedtwitz geb. v. Klafs (Sterbereg.)

Mit Jahrgang 1802 war sie wohl die Mutter des Oberst a. D. Bruno von Zedtwitz und die Schwägerin des früheren Oberfloßkommissar. Namensgeber der Familie war das fränkische Dorf Zedtwitz bei  Feilitzsch in der Nähe von Hof. Von dort stammte auch der Rittergutsbesitzer von Stendorf und spätere Landrat Freiherr v. Feilitzsch.    

 

  1. Mai Amtliche Bekanntmachung des Landrates (NKB).

„Mit dem Wiederbeginn der Saison bringe ich die bestehende Vorschrift, wonach binnen der ersten 24 Stunden nach dem Einzug eines Fremden die desfallsige Meldung des Hauswirts erfolgen muß, zur sorgfältigen Beachtung in Erinnerung“. Außerdem wurden die Gastwirte und Restaurateure darauf hingewiesen, dass sie die Preislisten amtlich bestätigen und gut sichtbar aushängen mussten. Dies und die Einhaltung der Meldepflicht sollte von der Badedirektion regelmäßig geprüft werden.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit Dr. Rosenberger (MER C48li Nr. 782 Bd. 1)

Der hatte ebenso wie Dr. Groddeck die Pauschalierung der jährlichen Solelieferung beantragt und sollte für seine sieben Wannen 140 Talern in vier Raten zahlen.

 

  1. Juni Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Zu meinem Mühlenbau suche ich, da der einzige Maurermeister heute (.) bei mir Streik (nicht dessen Gesellen) gemacht hat, auf lange Zeit und bei gutem Lohn 10 bis 12 Maurergesellen, Konkurrenz kann hier nur wahrhaft Gutes schaffen...“

 

  1. Juni Schreiben des Landrates an die Regierung in Merseburg (MER C48Ii Nr. 782 Bd. 1).

Die Kommanditgesellschaft Hartung & Co. Hatte ebenfalls die Pauschalierung der Solelieferung beantragt. Doch für Danneil war das problematisch, zumal die die Anstalt ohnehin nur die Hälfte bezahlt,  und abzusehen war, dass sich Dr. Rosenberger und Dr. Groddeck beschweren würden. 

 

  1. Juni Geschäftsanzeigen (NKB).

Botenfuhren mit dem Handwagen nach Naumburg bot F. Wagner aus Naumburg an, Aufträge nahm Madam Ellinger an der Naumburger Chaussee gegenüber dem Kaufmann Heckenberg entgegen. „Banquets und Kränze bindet billig und schön G. Köhler, Handelsgärtner zu Kösen in der Dorfstraße“ (Borlachstr. 44) . Außerdem bot der Berliner Zahnarzt Schulze seine Dienste an, der sich wie schon der Hofrat Pauli bei Baumbach eingemietet hatte. 

 

  1. Juli Amtseinführung des Bürgermeisters (NKB).

Der Bürgermeister und die beiden unbesoldeten Ratsschöffen Dr. Groddeck und Kaufmann Siebold bildeten den Magistrat. Neben der allgemeinen städtischen Verwaltung gehörten die Finanzen, die Ortspolizei als untere Rechtsbehörde einschl. der Baupolizei zum Dienstbereich. Der Magistrat hatte die von den gewählten Stadtverordneten beschlossenen Maßnahmen auf Gesetzeskonformität und Finanzierbarkeit zu prüfen. War beides gegeben, wurden sie in den Haushalt eingestellt, andernfalls hatte der Magistrat ein Vetorecht, Streitfälle wurden dem Bezirksausschuss zur Entscheidung vorgelegt.

Mit seiner Einführung verlegte Mascher auch seinen Wohnsitz nach Kösen, zunächst wohnte er zur Miete beim Musikdirektor Heyne (Lindenstraße 26).

In seiner Denkschrift „Kösen als jüngste Stadt Preußens und Deutschlands“ stellte er mit Blick in die Zukunft fest 1. Die Bürger sollten sich klar werden, dass mit dem  Bürgerrecht das Vertrauen und die Treue  zur Obrigkeit wieder hergestellt und befestigt würde, wankende Ordnung und gestörter Frieden wieder hergestellt werden. 2. Die städtische Verfassung eine freie, geregelte und humane sowie energische Kommunalverfassung erfordert. 3. Die Einrichtung einer effektiven örtlichen Polizeiverwaltung, die nun vom Bürgermeister wahrgenommen wird. 4. die Vertretung auf dem Kreistag durch einen Abgeordneten. 5. die angemessene Vertretung der Stadt in der Badedirektion, zunächst in Personalunion verbunden mit der Badepolizei, wenn möglich aber die Übertragung des Bades auf die Gemeinde. 6. die Einrichtung eines regelmäßigen Bürodienstes durch Anstellung eines Expeditionsgehilfen. 7. Der Anschluss der Volksschule an ein Institut, dass es allen Bürgern gestattet, ihre Kinder ohne unerschwinglich zu sein, den bestmöglichen Unterricht zu gewähren. 9. die geordnete Wohnbebauung entsprechend den wirtschaftlichen Interessen der Stadt. 10. die Einrichtung einer Darlehenskasse anstelle der Spar- und Vorschussvereine  11. die Einrichtung von Jahrmärkten nur wenn diese passend und vorteilhaft wären 12. Gründung eines Verschönerungsvereins.    

Der Erlös der Denkschrift bildete den Grundstock für einen  Rathausbaufond.

Mascher ein typischer Verwaltungsbeamter erließ eine Vielzahl von Verfügungen und Erlassen mit der die Zustände des Bades verbessert und das Eigenleben der Bade- und Hauswirte, der Restaurateure und Gastwirte in geordnete Bahnen gelenkt werden sollten. 

 

  1. Juli Sitzung des Brunnenfestausschusses (St.-A. Nr. 447)

10 Tage vor dem Fest trafen sich die Badedirektion (Landrat v. Danneil, Dr. Rosenberger, Rittergutsbesitzer Oberamtmann Schmidt), der Magistrat, Pastor Barthold,  die Lehrer Zeiger, Greßler I und II, der Bergrat Backs und der Stadtverordnetenvorsteher Postmeister Müller und legten das Programm  fest. 

 

  1. Juli Antrag zur Einrichtung einer Flussbadeanstalt (St.-A.).

Die Badeanstalt am Fischhaus war den Schülern der Landesschule vorbehalten. Die anderen Flußbäder in Altenburg, Naumburg und Grochlitz waren zu weit entfernt. Da öffentliche Badeanstalten ausschließlich von Knaben aufgesucht wurden, was sich nicht allgemeiner Beliebtheit erfreute, sollte die städtische Anstalt an die Mündung des Scheitbachs kommen. Zwar stimmte die Landesschule dem zu, doch weil die Kosten für den Auf- und Abbau und die Aufsicht nur durch Eintrittsgeld gedeckt würden, blieb die Sache liegen. Es blieb beim wilden Baden der nur dürftig bekleideten Knaben und die Beschwerden der Kurgäste wurden in  Kauf genommen.

 

  1. Juli Versteigerungsanzeige der Hartungschen Badeanstalt (NKB).

„Ich bin beauftragt, das in Kösen bei Naumburg belegene der Commanditgesellschaft Hartung & Co. gehörige Etablissement von 5 Morgen Areal mit Badehaus, das 23 Badezellen, 11 Zimmer, 13 Kammern, 2 Küchen enthält, Dampfbad, Maschinen- und Kesselhaus, Nebengebäude, Wagenremise, Park-und Gartenanlagen meistbietend am 19. Oktober an Ort und Stelle zu verkaufen“ Justizrat Franz.  

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB).

Der Festzug mit den Lehrern, der Schuljugend, dem Magistrat und den Stadtverordneten, der Schützengilde, dem Kriegerverein, den Turnvereinen und dem Badedirektorat zog unter Glockengeläut vom Markt zum Solschacht, wo der Pfarrer die  Festrede hielt. Dann bekamen die Kinder die obligatorischen Brezeln. Am Abend gab es oberhalb der Johannisquelle, auf der Rudelsburg und auf dem Nikolausberg Feuerwerk. Am Montagnachmittag spielte die Badekapelle im Kuchengarten (Eintritt 1¼ Sgr.) mit anschließenden Souper für die  Honoratioren. Dafür sollten 12 Silbergroschen in Vorkasse erhoben werden, weshalb sich nur wenige meldeten und das Essen ausfiel.

 

  1. Juli „Die Floßzölle an der Saale“ (NKB)

Zwischen Harra und Kösen wurden insgesamt 57 verschiedene Abgaben erhoben. Daher forderte der Verfasser im Interesse des Erhalt des Handels mit Floßholz vom Bundesrat des Zollvereins alle staatlichen Wasserzoll- und Wasserwegegeleite sowie alle Abgaben von  Kommunen und Privatleuten aufzuheben, insoweit diese nicht für die Anlage und Unterhaltung von Anlagen verwendet werden, die den Flößern zu Gute kamen. Schäden an Anlagen und Ufer sollten nicht mehr pauschal, sondern im Einzelfall und nach vorheriger unabhängiger Begutachtung abgegolten werden.

 

  1. Juli Bekanntmachungen der Ortspolizeibehörde (NKB)

„Um das Feuerlöschwesen der hiesigen Stadt zu regeln, haben wir eine Nachweisung derjenigen Einwohner im Alter zwischen 16 und 60 Jahren die nach hiesiger Feuerlöschordnung verpflichtet sind, ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechenden Dienst bei einer Feuersbrunst zu übernehmen, aufgestellt..“

„Die Bewohner unserer Stadt setzen wir davon in Kenntnis, daß uns von der Kgl. Regierung die Befugnis erteilt worden ist, Paßkarten auszustellen“. Beim Vorzeigen brauchten Einwohner kein Chausseegeld bezahlen, wenn sie zu Fuß unterwegs waren. Bei den Badegästen reichte die Kurkarte.  

 

  1. Aug. Danksagung des Magistrats (NKB)

„Mehrere von den hier wohnenden Badegästen haben am gestrigen Abend zum Besten des hiesigen Hospitals  ein Konzert veranstaltet, welches den reichen Ertrag von 43 Talern geliefert hat“. Einer der Mitwirkenden war der Musikdirektor Gustav Reichardt (1797-1884) aus Berlin.  

 

  1. Aug. Bekanntmachungen des Landrates (NKB)

„Die mir seit längerer Reihe von Jahren anvertraut gewesene Leitung der Badeverwaltung zu Kösen ist auf mein Ansuchen dem Herrn Bürgermeister als jetzigen Vorsitzenden der Badedirektion übertragen worden, während die Kgl. Regierung mich zu ihrem ständigen Kommissarius  für das Bad Kösen ernannt hat.“ 

 

  1. Aug. „Aus und über Kösen (NKB)

„Nr. 12 des Bademoniteurs liegt bereits vor (.) Diese 12. Wochenausgabe der während der Saison 1869 anwesenden Kurgäste meldet als bis zum 30. Juli angekommen 1871 Kurgäste. Rechnet man dazu die „Gäste auf Besuch“, sowie die sonstigen Badesteuerscheuen, die natürlich alle ungedruckt bleiben, so wird man nicht zu hoch greifen mit der Angabe, daß jetzt schon mindestens 2.200 Sommerwohner hier eingekehrt sind“. Das reichte natürlich nicht, um sich in die Reihe der Luxusbäder zu stellen, was aber vom Verfasser positiv vermerkt wurde.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Neben der Besetzung der städtischen Kommissionen für Feuer-, Sanitäts-, Kassen-, Bau- und Schulwesen standen die Vermietung von Wohnungen im Armenhaus, die Bepflanzung der Eckartsbergaer Chaussee mit Bäumen, der Verkauf des alten und der Neubau eines neuen Armen- bzw.  Krankenhauses auf dem Programm. Beschlossen wurde die Umbenennung von Straßen  (Dorfstraße in Borlachstraße und Petersiliengasse in Burgstraße).  Das Verbot zum Befahren der „sogenannten Grünen Gasse“ vom 17. August 1864 wurde aufgehoben.

 

  1. Aug. Schreiben des Camburger an den Kösener Bürgermeister (BLK-A. Nr. 879).

Die Pläne für den Bau der Saalebahn von Unterneusulza über Jena nach Saalfeld standen kurz vor der Umsetzung. Als Umsteigestation war Unterneusulza vorgesehen, doch da es sinnvoll war, bereits in Naumburg oder Kösen von der Thüringer- auf die Saalebahn zu wechseln, sollte   zwischen Klein- und Großheringen ein Anschlussgleis verlegt und der Saalebahn AG die Benutzung der Gleise der Thüringer Bahn erlaubt werden. Der Magistrat wurde gebeten, sich im Interesse des Besucherverkehrs dafür zu einzusetzen.       

 

  1. Aug. Stellenausschreibung für die Stadtkämmerei-Rendantenstelle (NKB).

 

  1. Aug. Bestellung von Straßenkommissaren (NKB)

„Um die öffentlichen Einrichtungen (Straßen, Wege, Anlagen etc.) in sicherheits-, ordnungs- und gesundheitspolizeilicher Hinsicht, sowie  im wirtschaftlichen Interesse“ zu erhalten wurden  vier Quartiere und Verantwortliche festgelegt. Für die Borlach- und Burgstraße sowie die Grüne Gasse war Tischlermeister Vogel zuständig, für die Lindenstraße, die Chaussee sowie die Promenaden links der Saale der Apotheker Gause, Teichgräber für die Neue-, Quer- und Saalstraße und den Nikolausberg und A. Krüger für den Teil rechts der Saale. 

 

  1. Sep. Gartenfest und italienische Nacht im Kuchengarten (NKB).

 

  1. Sep. Antrag auf ganzjährige Abhaltung des Marktes (St.-A. Nr. 488).

Innerhalb von 20 Jahren war die Zahl der Einwohner von 1.200 auf 1.800 und die der Badegäste von 300 auf 2.000 gestiegen. Eine Folge war die Verdichtung der Wohnbebauung zu Lasten der Hausgärten. Um dem Mangel an Gemüse, Obst und anderen landwirtschaftlichen und gewerblichen Erzeugnissen abzuhelfen, sollte der Wochenmarkt nicht nur während der Badesaison sondern ganzjährig abgehalten werden. Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag am 27. Oktober.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeigen (NKB)

„Ein schöner Gasthof in Kösen in einer der vorteilhaftesten und schönsten Lagen, mit schönen Garten, Kolonaden, Anlagen, Kegelbahn und sehr viel Ausspannung ist unter annehmbaren Bedingungen zu verkaufen“.

Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um die ehemalige Rost`sche Restauration in der Lindenstraße 69, die der Bürgermeister Mascher kaufte.

„Ein durchgängig massives, elegantes, neu gebautes Haus mit 7 heizbaren Stuben, 6 Küchen, Keller, einen großen Gemüse und Grasgarten an einer der gangbarsten Straßen in welchem jetzt ein Kaufmannsgeschäft betrieben wird, zu verkaufen“ das ehemalige  Starklop`sche nunmehr Dittmannsche Anwesen an der Naumburger Chaussee (Nr.10).

 

  1. Sep. Regulativ über das städtische Armenwesens (NKB)

Zur Armendeputation wurden gewählt Dr. Groddeck, Pfarrer Barthold, San.-Rat Dr. Rosenberger, Restaurateur Teichgräber, Apotheker Gause, Bäckermeister Hämmerling, Tischlermeister Stöpel, Zimmermeister Struve, Brauereibesitzer Schulz und die Kaufleute Schmidt und Geyer.

 

  1. Sep. Bekanntmachung des Magistrats (NKB)

„..ist der Ortspolizeibehörde der An- und Abzug des Gesindes und der Hausoffizianten von den Dienstherrschaften und die Annahme und Entlassung von Gesellen, Gewerbsgehilfen und Lehrlingen  von den Handwerksmeistern, Fabrik- und anderen Unternehmern binnen 24 Stunden nach dem Anziehen und dem Abziehen bzw. Entlassung anzuzeigen...“

 

  1. Sep. Geschäftsanzeige des Kaufmanns Schröter (NKB)

Eröffnet wurde ein Geschäft für Damen und Herrenbekleidung in der Borlachstraße 2 (heute 3)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Gastwirt Weber wurde zum Einquartierungs-Kommissar sowie die Mitglieder der Klassensteuerveranlagungskommission  ernannt. Weil sich niemand für die Stelle des Kämmerers beworben hatte, wurde das Salär von 125 auf 180 Taler angehoben.

 

  1. Sep. Wahl des Schulvorstandes (NKB).

Dazu gehörten der Bürgermeister, der Pfarrer der Maurermeister Werner, die Kaufleute Mothes und Koch und der Post-Vorsteher Müller.

 

  1. Sep. Bekanntgabe der Feuerstättenschau (NKB).

Die Hausbesitzer mussten die Kontrolle ihrer Feuerstätten dulden und hatten den Auflagen umgehend nachzukommen.

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB).

Unter den 2.056 auch Taxe zahlenden Gästen waren Frau General v. Trotha-Berlin, Frau Lankowsky und Frau Nelli-St. Petersburg, Baron v. Koenig-Lausigk, Exz. Baron v. Maltitz mit Gattin und Nichte Gräfin Bothmar-Weimar, Freiherr Ferdinand v. Funk-Danzig, Freiin Geraldine v. Gall-Kassel,  General v. Richthofen, Baronin v. Rüxleben, Frau Bankier Chessin-St. Petersburg, Exz. Frau General Bulmerincq, Kaufmann Hirsch-Savannah, Baronin v. Korff mit Baronesse v. Lüdinghausen, Frl. Nicolai-St. Petersburg, Exz. v. Tastischeff Adjutant des russ. Kaisers mit Gattin, Oberbürgermeister Groddeck-Stettin, Exz. Geh.-Rat Heß-Gotha, Baron v. Transch-Livland, Baronin v. Hundelshausen-Hessen, Frau Captain Dent-London, Collegien-Rat A. v. Lankersky-St. Petersburg, Exz. Frau General v. Falkenstein-Königsberg, Hofsängerin Anna Böhm-Berlin, Rittergutsbesitzer v. Bismarck-Briest, Freiherr v. Wangenheim-Gotha, Baronin v. Könitz-Gotha, Freiherr v. Geyso-Dresden, Freifrau v. Werthern-Bachra, Freiherr von Feilitzsch-Kassel, General und Senator v. Uhite-Warschau, Solotänzer Toni Stullmüller-Berlin, Paul v. Smitten-Tiflis, Exz. Frau Staatsrätin v. Philosophoff, Gräfin Stillfried-Rattonitz-Potsdam,  Oberstleutnant v. Wolframsdorff-Saalfeld, Exz. Frau General v. Strantz, Baron v. Einsiedel-Altenburg, Landrat Graf v. d. Schulenburg-Angern, Baronin v. Häseler-Gößnitz, Geh.-Hofrat Prof. Dr. Hankel-Leipzig, Prof. Dr. Wegele-Würzburg, Prof. Dr. Fritsche-Leipzig, Prof. Emil du Bois-Reymond-Berlin und sein Bruder Prof. Dr. Paul du-Bois-Reymond, Prof. Dr. A. W. Bohtz-Göttingen, Gräfin v. Hohenthal-Püchau-Dresden und Gräfin v. Hohenthal-Dölkau, Baronin v. Borstell-Berlin  und unter dem Pseudonym Adolph von Chevalier der Maler Adolph Menzel.

 

  1. Okt. Verkaufsanzeige des Haus- und Badewirts Fr. Stehfest (NKB).

„Meine in besten Zustand befindlichen Bade-Utensilien bestehend aus 4 Badewannen (1 große neue kupferne, 3 größere hölzerne mit eisernen Reifen) einen großen eisernen Kessel mit Vorwärmer, Sole- und Wasserreservoir, kupfernen Rohrleitungen, Messinghähnen und allem Zubehör..“ 

 

  1. Okt. Gründung des Verschönerungsvereins (Röblitz, Heimatbuch 1930, BLK-A. Nr. 390).

Zum Vorstand gehörten der Oberst a. D. v. Zedtwitz, der 1. Lehrer Zeiger, der Mühlenbesitzer Roßner, der ehemalige Ortsrichter Schleicher und der Drogist Struve. Zweck des Vereins lt. Statut war die Verschönerung der öffentlichen Promenaden und Plätze in der Stadt und der nächsten Umgebung und die Erhaltung der vorhandenen Werke der Natur und der Kunst. Am Ende des Jahres zählte der Verein 92 Mitglieder, darunter Hämmerling, Großmann, Papst und Dr. Rosenberger. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Beschlossen wurde die Aufstellung von zwei Laternen links und rechts der Brücke und am Winterschen Grundstück (Eckartsbergaer Str. 5) sowie der Bau eines Trinkwasserbrunnens am Borlachschacht.

 

  1. Okt. Anordnung der Ortspolizeiverwaltung (NKB).

„Der von der Querstraße nach der Neuen Straße zwischen dem Möllerschen Garten und dem Eisenbahn- bzw. Chausseedamm sich hinziehende Fußweg eignet sich  nur zur Benutzung  für Fußgänger. Daher ordnen wir an, das Fahren mit Wagen und Schubkarre sowie das Reiten ist verboten. Zuwiderhandlungen verfallen einer Geldbuße von 5 Silbergroschen bis 3 Taler, bei Unvermögen 1 bis 3 Tage Gefängnis...“

 

  1. Okt. Gründung des „Lokal-Saale-Bahn-Comitees“ (BLK-A. Nr. 879)

Zur Hebung des hiesigen Badeverkehrs sollte sich das Komitee um eine direkte Anbindung an die Saaletalbahn und die Saale-Unstrut Bahn von Unterneusulza nach Straußfurt bemühen. Dazu besuchte man Sulza und Eckartsberga und forderte dann, dass beide Linien die Thüringer Bahn bis Kösen benutzen sollten.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 148, BLK-A. Nr. 686)

Das Ministerium hatte am 18. Februar das Turnen zum obligatorischen Unterricht erklärt und Zeiger, der 1. Lehrer der städtischen Schule schlug vor, den Schulgarten für „Frei- und Ordnungsübungen“ herzurichten. Die Einzäunung kostete 136 Taler und die Turngeräte (1 Klettergerüst, 1 Reck, 1 Barren) 33 Taler. Außerdem wurde die Pflasterung der Gemeindestraße vom Mühlenweg zur Lindenstraße unter der Bahnbrücke hindurch und des Weges am Kunstgestänge beschlossen.

 

  1. Nov. Bestellung des Schuhmachermeisters Becker zum amtlichen Auktionator (NKB).

Nicht zum Aufgabenkreis gehörten gerichtlich angeordnete Zwangsversteigerungen. Auktionslokal, soweit diese nicht an Ort und Stelle stattfanden, war der Zeidlersche Saal.  

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Auf der Tagesordnung standen die Anschaffung von Feuerlösch- und Leichengerät und eine Klage des Zimmermeisters Neubauer gegen die Stadt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kgl. Regierung sollte die Grenzen zwischen dem Stadtbezirk und dem Gutsbezirk der Landesschule festlegen und die erforderlichen Pläne und Vermessungen beauftragen.

 

  1. Dez. Neubesetzung der Badedirektion (NKB).

Nach dem Ausscheiden des  Ortsrichters Schleicher wurden die  Ratsschöffen  Dr. Groddeck und Siebold zu ordentlichen Mitgliedern und der Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz zum Ehrenmitglied ernannt. Bruno und Helene (1840-1878) v. Zedtwitz wohnten in den Hinterbergen neben dem Felsenkeller der Brücknerschen Brauerei (Saalstraße 28).

 

  1. Dez. Spendenaufruf des Landrates für den Erhalt der Rudelsburg (NKB).

Im Jahr 1868 war Teile der Außenmauern  eingestürzt. Weil weitere Abbrüche drohten, hatte sich die Kgl. Regierung an das Kgl. Kultusministerium um finanzielle Hilfe gewandt. Der Antrag wurde vom preußischen Staatskonservator Ferdinand v. Quast unterstützt. In der Begründung hieß es:„…an sich zeichnet sich die Rudelsburg durch ihre fortifikatorische  Anlage nicht minder wie durch malerische Schönheit aus und (ich) kann daher dem Antrage der Kgl. Regierung um Bewilligung der Summe zur Erhaltung beistimmen“ Das Ministerium lehnt ab und daraufhin  bat der Landrat v. Danneil um Spenden „um das allmähliche Verschwinden jener Zierde einer der schönsten Gegenden Norddeutschlands zu verhüten“. Geld kam von der Badedirektion und der  Direktion der Thüringer Eisenbahn und der Rittergutsbesitzer lieferte Bauholz, Sand, Kalk und Steine.

 

1870

 

  1. Jan. Konferenz der Holzhändler (NKB).

In der „Katze“ berieten die Holzhändler über die Modifizierung der Floßordnung auf der Saale.

 

  1. Jan. Verpachtung des Gemeindejagdbezirks (NKB)

 

  1. Jan. Amtliche Festlegung des Stadtwappens (NKB).

„Nach den übereinstimmenden Beschlüssen der beiden städtischen Behörden erhält das Wappen der hiesigen Stadt den Saalstrom dem das alte untergegangene Slawendorf Cusene seine Entstehung  und die Saalebrücke, das älteste Bauwerk der Stadt, welches es jetzt möglich gemacht hat, daß neben der früheren Saline auf dem rechten Saalufer, ein Dorf Kösen auf dem linken Saalufer, also zwei Ortschaften entstehen konnten, die eine ländliche Kommune und seit dem 1. Juli v. J. eine Stadtgemeinde bilden. Über der Brücke schwebt  der preußische Adler  zum ewigen Gedenken an die Erhebung des Dorfes zur Stadt unter preußischer Herrschaft. Das Stadtsiegel besteht aus dem Stadtwappen mit der Umschrift „Siegel der Stadt Kösen“. Die Stadtfarben sind die des norddeutschen Bundes schwarz-weiß-rot.“

 

  1. Jan. Beschluß zum Ankauf des Fürstenhauptschen Anwesens (BLK-A. Nr. 686)

Für die städtische Verwaltung sollte das zum Verkauf stehende Anwesen erworben werden. Allerdings überstieg der Kaufpreis und die Kosten für die Herrichtung die finanziellen Möglichkeiten, so daß man davon Abstand nahm. 

 

  1. Feb. Sitzung der Badekommission (St.-A. Nr. 360)

Ein salomonischer Spruch beendete den Streit um die Bezahlung eines Schutzgeländers vor dem Heckenberg`schen Grundstück. Das hatte der damalige Ortsvorsteher Geyer 1868 in Auftrag gegeben, als der Fußweg von der großen Promenade zur Brücke gepflastert wurde. Doch weder die Stadtverordneten noch die Chausseebaubehörde wollten die Rechnung bezahlen. Als der Zimmermeister Neubauer mit einer Klage drohte, bezahlte die Badedirektion das Geländer.

 

  1. Feb. Statistik des Telegrafenamtes (NKB)

Im vergangenen Jahr wurden 1500 eingehende und die gleiche Zahl aufgegebener Depeschen registriert, eine Verdreifachung seit 1864.

 

  1. Feb. Sitzung des Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

Teichgräber hatte im letzten Jahr den Naumburger Stadtmusikus Seidenglanz für die Konzerte im Kuchengarten engagiert, weshalb sich der Direktor der Badekapelle Carl Julius Heyne bei der Badedirektion beschwerte. Denn in dem Vertrag war vereinbart worden, dass die hiesigen  Restaurateure angehalten sind, bei den von ihnen veranstalteten Konzerten und Tanzmusiken, vorzugsweise die Badekapelle zu engagieren.

Teichgräber rechtfertigte sich damit, dass durch mangelnde Disziplin und fehlendes Können der Kapelle der Ruf des Bades gelitten habe. Das gab Heyne zu und die Badedirektion legte für die nächste Saison fest, dass Heyne jedes Konzert mit mindestens 16 Musiker besetzt (4-5 Violinen, 1 Viola, 1 Cello, 1 Kontrabaß, 1-2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten, 1 Posaune, 1-2 „Janitscharentrommeln“) und der Magistrat sollte dies beaufsichtigen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Für erhebliche  Unruhe sorgte der Antrag des Gastwirts Weber, der anstelle des „Saalbaus“ an der kleinen Saale ein geräumiges Logierhaus errichten wollte. Dazu hatte er von der Landesschule auch ein Stücke des Weges zum Wehrdamm erworben, der dann überbaut und für die Öffentlichkeit nicht mehr nutzbar wäre.

 

  1. Feb. Amtl. Bekanntmachung zur Einquartierung (NZ).

„Die Schätzung der bequartierbaren Quartiere hat ergeben, daß in den bequartierfähigen 198 Häuser 2 Generale, 13 Stabsoffiziere, 35 Rittmeister und Offiziere, 670 Mannschaften und 140 Pferde untergebracht werden können“. Im Jahr 1856 waren es in 156 Häusern (einschl. der Dienstwohnungen)  2 Generäle, 8 Stabsoffiziere, 10 Offiziere, 400 Mannschaften und 30 Pferde . 

 

  1. Feb. Konferenz zur Saale-Unstrut- und Saalebahn in Weimar (BLK-A. Nr. 879)

Die Vertreter der Thüringer Bahn AG, der Oberingenieur der Saalebahn und die der Städte und des Bahnkomitees kamen überein, dass Unterneusulza der Vereinigungs- und Umsteigepunkt der drei Bahnlinien wird. Von der Saalebahn, die 1874 in Betrieb gehen sollte, könnte man dann direkt von Naumburg nach Jena als auch von Jena nach Weimar gelangen. Später würde dann auch die Verbindung mit der geplanten Saale-Unstrut Bahn von Naumburg über Artern nach Straußfurt über die „Pfefferminzbahn“ von Unterneusulza über Kölleda-Sömmerda folgen. 

 

  1. Feb. Erklärung der Mitglieder der Kurkapelle (St.-A. Nr. 348)

„Wir Unterzeichnende, bisherige Mitglieder der hiesigen Badekapelle erkennen von heute ab Herrn Bruno Heyne, Sohn des seit 1837 bis dato gewesenen Dirigenten Carl Julius Heyne als seinen Nachfolger resp. unseren weiteren Direktoren und räumen ihm obengemäß alle Rechte und Pflichten ein, so weit sie die Königliche Badedirektion evt. die Magistratur anordnet und versichern ihm unserer musikalischen sowie moralische Pünktlichkeit.“ Unterschrieben hatten Carl Julius Heyne, P. G. Geyer sen, August Otto, Ernst Höfer, August Matthes, Constantin Matthes, Ernst Saalborn, Karl Braune, Adalbert Hafermann, Ernst Otto und Friedrich Reinhardt.

Bruno Heyne erließ dann ein „Reglement für die Bad- und Stadtkapelle Kösen“ die damit der  Aufsicht der Badedirektion und des Magistrats unterlag. Die 24 Paragrafen regelten die Rechte und Pflichten der Mitglieder, insbesondere deren  Bezahlung und der Einhaltung der Disziplin. Außerdem wurde eine Pensionskasse eingerichtet. 

 

  1. Feb. Verkaufsauktion im Badehaus (NKB)

Im Auftrag von Dr. Wahn verkaufte der Badediener Baudouin das gesamte alte Mobiliar. Pünktlich zum Saisonbeginn öffnete die Anstalt mit neuer Einrichtung und  besseren Service.

 

  1. Feb. Submission für den Bau von Abzugsgräben in der Neuen- und Querstraße (NKB).

 

  1. Feb. Fr. Sträuber lädt zur winterlichen Belustigung ein (NKB)

„Große Eis- und Schlittenfahrt vom Wehr ab an der Loreley vorüber nach der Johannisquelle, dabei großer Pfannkuchenschmaus und Konzert der Badekapelle, abends Feuerwerk auf dem Eis. Für gute Speisen sowie  warme Getränke und ein  Töpfchen Bier ist bestens gesorgt.“

 

  1. Mär. Protokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 V,St.-A. Nr. 348).

Die Badedirektion (Bürgermeister Richter, die Ratsschöffen Siebold und Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger,  Oberst a. D. v. Zedtwitz) befasste sich mit der Beschwerde des ausgeschiedenen  Ehrenmitglieds Rittergutsbesitzer Schmidt, weil sein Plan zum Kurparks aufgehoben werden sollte. Der wurde in der Öffentlichkeit  als „unzweckmäßig und unschön“  kritisiert.

Der Wirt der Loreley sollte den  Besuchern der Johannisquelle die Benutzung seines Aborts gestatten bis eine öffentliche Bedürfnisanstalt eingerichtet sei. Außerdem wurde ein  Zuschuss  für den Ausbau des Fußweges zu den Saalhäusern genehmigt und die Werbung für die örtlichen Heilmittel in mehreren überregionalen Zeitschriften beschlossen.

 

  1. Mär. Tod von Karl August Koberstein (Sterbereg.)

Ab 1820 war er als Adjunktus und seit 1824 Professor an der Landesschule, Fr. Nietzsche und K. Fr. Lepsius gehörten zu seinen Schülern. Überregional bekannt wurde er im Zusammenhang mit der Volksversammlung in der Buchenhalle im Revolutionsjahr 1848 und als Alterspräsident der Kösener Vogelweiden. Im NKB hieß es „Gestern fand in Pforta die Beerdigung des für so unendlich viele zu früh schlafen gegangenen Prof. Koberstein  statt. Nachmittags 4 Uhr setzte sich der lange Zug  vom Trauerhaus, der Wohnung  seines Schwiegersohnes Dr. Groddeck, aus in Bewegung...“

 

  1. Mär. Amtliche Verfügung zur Plakatierung (NKB).

„Um die Plakatierung zu regeln, werden an den belebtesten Straßen als Borlachstraße in der Nähe des Brunnens, am Bahnhof beim Kurzhals`schen Hotel, unter dem Eisenbahntunnel, an der Ecke Neue- und Querstraße, am Kunstrad, an der Wahnschen, Groddeckschen und  Rosenbergerschen  Badeanstalt, Anzeigekästen aufgestellt“ Der Aushang nichtamtliche Anzeigen war bei einer Gebühr gestattet. Hauswirte durften an ihren Häusern plakatieren, soweit es die eigene Werbung betraf.

 

  1. Mär. Vertrag zwischen der Landesschule und dem Verschönerungsverein (St.-A).

Der Verein erhielt die Erlaubnis, den Hang zwischen dem Wernerschen Stadtgut und der alten Heerstraße als Parkanlage zu gestalten. Terrassen und Wege wurden angelegt, Flieder und Schneebeeren sowie Platanen und die Borlachkastanie gepflanzt. Die Gelder kamen aus der Badekasse.

 

  1. Mär. Geburt von Ernst Hertel. (Kirchenregister)

Der Sohn des Apothekers promovierte 1895 in Jena zum Dr. med., erhielt 1910 die Professur für Augenheilkunde an der Universität Straßburg, wirkte in Berlin und Leipzig. Hier leitete er die  Universitätsaugenklinik bis 1935. 1929 wurde er Mitglied der Leopoldina. Nach ihm wurden das  Verfahren der  Exophtalmometrie und die Stilling-Hertelsche Farbtafel benannt. Er starb 1943 in Leipzig

 

  1. Mär. Jahresstatistik 1870 (St.-A. Nr. 418)

Demnach gab es in der Stadt 3 Bäcker, 2 Konditoren, 2 Gärtner, 3 Barbiere, 6 Badeaufseher, 2 Glaser, 1 Maurermeister, 2 Zimmermeister, 1 Schornsteinfegermeister, 2 Stellmacher, 1 Grob-und Nagelschmied, 4 Schlosser, 1 Klempner, 1 Uhrmacher, 3 Seiler, 1 Förster, 9 Schuhmacher, 3 Sattler und Polsterer, 8 Schneider, 4 Weber, 1 Putzmacherin, 3 Böttcher, 3 Korbmacher, 3 Buchbinder, 1 Kupferstecher, 1 Musikmeister, 3 Fleischer, 1 Müller, 1 Brauer und 1 Brennmeister. Die Jahresausgaben einer vierköpfigen Arbeiterfamilie lagen bei 175 Talern (Lebensmittel 100, Wohnung 24, Brennmaterial 10, Kleidung 16, Miete 5, Hausrat 4, Abgaben 16). Die Wochenlöhne betrugen bei einem Handwerksgesellen 1 bis 2 Taler, ein Knecht erhielt jährlich 40 bis 50 Taler, die Magd 18 bis 40 Taler (bei freier Unterkunft und Kost), ein Bauwerksgehilfe verdiente am Tag 20 bis 22 Silbergroschen, ein Gartenarbeiter 20, ein Handarbeiter 15 und die Frauen 10 bis 12 Silbergroschen. Angemerkt wurde, dass sich die Lage der arbeitenden Klasse in den letzten sieben Jahren in Folge der steigenden Frequenz des Bades und des Zuzugs bemittelter Personen wesentlich verbessert hatte.  

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Bewilligt wurden die Mittel für einen Trinkwasserbrunnen vor dem Pfarrhaus. Dagegen wurde  das von Weber beantragte Logierhaus abgelehnt.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeige des Mühlenbesitzer Rossner (NKB)

„Nach Beendigung des Neubaus meiner Kunstmühle  erlaube ich mir, meine Fabrikate Gries, feine Weizen- und Roggenmehle, Weizen-und Roggenkleie  zur gefälligen Abnahme zu empfehlen. Meine Ölfabrik  behält ihren ursprünglichen Fortgang.“

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen der Badedirektion und Teichgräber (St.-A. Nr. 348).

Teichgräber erklärte sich bereit, für die im „Kuchengarten“ stattfindenden Abonnementskonzerte  der Badedirektion zu verpflichten und durfte dafür den Eintritt behalten, da diese Konzerte durch den Pauschalvertrag zwischen Badedirektion und dem Kapellmeister abgegolten waren.  Für seine Sonderkonzerte durfte er auswärtige Kapellen  engagieren.

 

  1. Apr. Protokoll der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776V).

Der Garteninspektor Niemeyer aus Magdeburg wurde mit der Planung des Parks beauftragt.

 

  1. Mai Bekanntgabe des Magistrats (NKB).

„Ab 1. d. M. wird unser Büro in das der hiesigen Stadt gehörige am Markt sub. Nr. 62 (Schule) belegene Haus verlegt, woselbst von diesem Zeitpunkt ab die Steuern regelmäßig in den ersten 8 Tagen des Monats in Empfang genommen werden.“

 

  1. Mai Amtliche Bekanntmachung zum Saisonbeginn (NKB)

Die Vermieter, Gastwirte und Restaurateure wurden darauf hingewiesen, ihr Preisverzeichnis dem Magistrat zur Genehmigung vorzulegen und wenn diese mit dem Stadtsiegel versehen waren, an ihren Häusern, in den Zimmern und Gasträumen  gut sichtbar auszuhängen. 

 

  1. Mai Erstes Abonnementskonzert der Badekapelle (NKB)

Die Konzerte fanden dreimal wöchentlich im Kuchengarten statt. Das Abonnement kostete 1 Taler für Einzelpersonen, und 1 ½ Taler für Familien. An der Tageskasse bezahlten Herren 2 ½ Silbergroschen, Damen die Hälfte.

 

  1. Mai Anordnung der Polizeiverwaltung (NKB)

„Im gesundheits- und straßenpolizeilichen Interesse und bei trockener und heißer Witterung  wird zur Vermeidung der Staubbelastung angeordnet: Die Badedirektion hat auf eigene Kosten täglich  die Fahrwege der Hauptstraßen zu besprengen, jeder Grundstückseigentümer wird verpflichtet, den Bürgersteig vor Haus, Garten und Gehöft von 5 bis 8 Uhr gründlich zu sprengen.“

 

  1. Juni Goldene Hochzeit des Maurermeisters und Stadtverordneten W.Werner (NKB)

Die Werners hatten 4 Kinder und  17 Enkel. Zunächst spielte Badekapelle vor dem Wernerschen Gehöft (Borlachstr. 2), das Schützenkorps schoß Salut und Pfarrer Barthold überreichte dann die  Prachtbibel mit der eigenhändigen Unterschrift der Witwe Königs Friedrich Wilhelm IV.

 

  1. Juni Einrichtung eines Baufonds zur Erhaltung der Rudelsburg (NKB)

Dazu hatte sich ein Central Comitèe zur Erhaltung der Burg gegründet, an der Spitze der Leipziger Philologe Prof. Dr. F. A. Eckstein (1810-1885). Weitere namhafte Mitglieder waren Prof. Dr. Blomeyer (1830-1889) ebenfalls Leipzig, der Architekt und Kunsthistoriker Dr. O Mothes (1828-1903) der dann die Arbeiten auf der Burg leitete, der Leipziger Universitätsrichter F. A. Heßler (1824-1905), der Schriftsteller Dr. F. Hoffmann (1813-1888), der Direktor des Leipziger Stadttheaters Dr. H. Laube (1806-1884) und der Mediziner Prof. Dr. Reclam (1821-1887) ebenfalls aus Leipzig. Ausgelegt wurde eine Spendenliste „Bitte für eine schöne Alte“ in die sich jeder mit seinem Beitrag eintrug. Auf der ersten Seite eine Gedicht von Hoffmann „Hoch unsere Rudelsburg“.

 

  1. Juni Erlass zur Meldepflicht der Quartiergeber (NKB)

„Da es für die Hauswirte, wie für die ankommenden Badegäste notwendig ist, daß stets eine genaue Übersicht der leer stehenden Wohnungen vorhanden sei, so wird von der Kgl. Badeverwaltung eine Quartierliste angelegt werden, in welche jeder Hauswirt die von ihm vermieteten Wohnungen nebst Zubehör und Zeit, für welche die Quartiere vermietet werden sollen, eintragen zu lassen verpflichtet ist. Jeder Hauswirt ist ebenfalls verbunden die eingetragene Wohnung sobald diese besetzt werden, abzumelden oder ganz streichen zu lassen. Diese Bestimmung ist bisher unausgeführt geblieben, was mit einer Menge Unzuträglichkeiten verbunden ist“.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadtverordneten plädierten dafür, das bei der zum 1. Oktober vorgesehenen  Neuverpachtung der Chausseegeldeinnahme die Hebestelle vor die Brücke verlegt werden sollte. Zur Vorbereitung und Kontrolle der städtischen Bauvorhaben wurde der Zimmermeister Struve zum Rathaustechniker ernannt.

 

  1. Juni Fackelzug zum „Tauftag“ der Johannisquelle (NKB).

 

  1. Juni Bericht des Bürgermeisters (MER C48Ii 784I).

Nach einer Überprüfung der Badeanstalten erklärte der Kreisarzt San.-Rat Hartmann, dass die  kleinen Anstalten wegen mangelnder Hygiene und fehlendem Komfort sofort geschlossen werden müssen. Mascher lehnte ab, und verwies darauf, dass es dem Publikum überlassen sein sollte, welchen Standard sie sich leisten wollten.

 

  1. Juli Missionsgottesdienst in der Buchenhalle (NKB)

 

  1. Juli Proklamation der altthüringischen Ritterschaft im „Mutigen Ritter“ (NKB).

Noch während der Tagung kam die Nachricht, dass nach der französischen Kriegserklärung die allgemeine Mobilmachung folgte. „Die heute  zur Vollziehung  von Provinzial-Landtagswahlen in Kösen versammelten ritterlichen Stände Altthüringens bringen E. Majestät ein begeistertes  Lebehoch und stehen zu Allerhöchsdemselben mit Gut und Blut jetzt und immerdar...“

 

  1. Juli Aufruf der patriotischen Frauen (NKB).

Frl. v. Schmettau, Frau Rosenberger, Frau Bgmstr. Mascher und Frl. Senff riefen die Einwohner zu Sachspenden wie Unterwäsche und Verbandszeug auf.

 

  1. Aug. Gründung des Komitee zur Beköstigung durchreisender verwundeter Krieger (NKB)

Vorsitzender war der Major  a. D. v. Schmettau. 

 

  1. Aug. Öffentliche Kritik am Hilfskomitee (NKB)

„Als am Mittwoch zweimal Verwundete vom Kriegsschauplatz Kösen passierten, war niemand von dem Frauenverein am Bahnhof zugegen. Die bereits gesammelten Vorräte waren verschlossen und so konnten den braven Kriegern keine Erfrischungen sondern nur Geld gereicht werden. Als am Nachmittag  wieder Verwundete auf dem Bahnhof anhielten war es eine Freude  mit anzusehen, wie denselben von vielen edlen Bewohnern Kösens Erfrischungen reichlichst gereicht wurden“  Der Halt von Verwundetenzügen  wäre nicht angekündigt worden, versuchte sich das Komitee zu rechtfertigen.

 

  1. Aug. Danksagung der Sängerin Anna Wogitzka (NKB)

„Herrn Muskdirektor Schulze, Herrn Kammervirtuosen Schröder, den Herren Orchester-Dirigenten Seidenglanz und Heyne sowie den Violinisten Martin Löffler sowie sämtlichen Herren Orchestermitgliedern sage ich hiermit  für die mir gewährte so bereitwillige  Unterstützung  bei dem Konzert zum besten hilfbedürftiger Frauen und Kinder von Soldaten meinen aufrichtigen Dank“.  

  

               Eröffnung einer  „Höheren Lehr- u. Erziehungsanstalt für Knaben“ (NKB).

Die Landesschule hatte die ehemalige Wohnung des „Salinen-Dirigenten“ an Dr. Raabe verkauft, der hier ein Pädagogium einrichtete, wo Knaben auf den Besuch der Landesschule vorbereitet wurden. Für Auswärtige gab es Zimmer und Verpflegung. 

 

  1. Sep. Patriotisches Vokal- und Instrumental-Konzert im Kuchengarten (NKB)

Derartige Veranstaltungen zur Unterstützung des „Vereins zur Erquickung der kranken und verwundeten Krieger“ und der Frauen und Kinder von Landwehr- und Reserve-Soldaten fanden bis Kriegsende regelmäßig statt.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Auf Anfrage wurde mitgeteilt, dass die Einquartierungsregularien auch im Kriegsfall gelten und  Lazaretträume im Anwesen der Frau Knorr (Friedrich-Ebert-Str. 22) sowie im städtischen Armenhaus (Burgstraße 16) zur Verfügung stehen.

 

  1. Okt. Letzte Badeliste des Jahres (NKB, St.-A. Nr. 583).

Wegen des Krieges kamen nur 1.591 Personen, ein Viertel weniger als in den letzten Jahren, was der Badekasse erhebliche Einbußen bescherte. Prominente Kurgäste waren der Berliner Kirchenmusikdirektor Prof. Emil Naumann (1834-1901), der Bildhauer Alexander Calandrelli (1834-1903)  Professsor und Senatsmitglied der Akademie der Künste (Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III), sowie Fr. General Exz. v. Diericke-Görlitz, Baronin v. Borke, Baronin v. Nolde-Kurland, Exz. Geh.-Rat Heß-Gotha,  OB. Groddeck,  Baronin v. Wimpfen-Berlin, Prof. Dr. Fritzsche-Leipzig, Baronin v. Schlabrendorff-Leipzig, Fr. General Exz. v. Strantz, Historienmaler Naumann-Berlin, Fr. General Exz. v. Bellgarde-St. Petersburg, Fr. Oberst-Ltn. v. Hülsen geb. v. Clausewitz,  Miß Callaway-London, Baronin v. Maltitz,  Graf und Gräfin v. Oeynhausen-Hamburg, Baronin v. Einsiedel-Altenburg, Baronin v. Forstner-Liegnitz,  Prof. Dr. Bormann-Stralsund, Bildhauer Julius Moser (1805-1879), Geh. Reg. Rat Prof Ratzeburg ((1801-1871), Fr. General Exz. v. Tastischeff-St. Petersburg,  Baronin v. Schenck-Flechtingen, Bildhauer Stötzel-Potsdam,  Baronin v. Baligand-Dessau,

Außerdem waren 200 gefangene französische Offiziere bei Privatleuten einquartiert und durften  sich frei im Ort bewegen.

 

  1. Okt. Vertrag zur Instandsetzung des Eiswehres (MER C48Ii Nr, 776V).

Als Rechtsnachfolger der Saline übernahm die Badedirektion die Hälfte der Instandsetzungskosten.

 

  1. Okt. Verkaufsanzeige der Wölekeschen Erben (NKB)

„..beabsichtigen wir, die hierselbst in schönster Lage  befindliche Villa, von der aus man eine herrliche Aussicht  auf das Saaletal genießt, zu verkaufen. Im Erdgeschoß 5 Stuben, 2 Kammern, Küche, Speise- und Badekammer, Veranda, im 1. Geschoß 4 Stuben, 2 Kammern, und Küche, Bodenkammern, Holz-und Torfgelaß, Garten ca. 2 Morgen  mit 4 Terrassen und Gewächshaus“.

Dabei dürfte es sich um die spätere Villa „Viktoria“ (Lindenstr. 15) handeln.

 

  1. Okt Bericht über Kriegsauszeichnungen (NKB)

„Von den Kriegern die die kleinste und jüngste Stadt Europas (Bad Kösen) mit gerechten Stolz zu den ihrigen zählt, sind bis jetzt schon 8 Personen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet  worden, natürlich während des Feldzuges: General v. Sperling, Chef des Generalstabes der früheren Steinmetzschen Armee, Herr v. Sperling ist in Kösen ansässig, wo auch seine Familie verweilt, Major v. Schorlemmer, Sohn der Frau Major v. Schorlemmer in Kösen, Prem.-Ltn. v. Below, Sohn des verstorbenen Oberst und Ritter des Eisernen Kreuzes  1. Kl. v. Below in Kösen, Prem.-Ltn. Gebrüder  Paul und Hugo Schmidt, Söhne des Rittergutsbesitzers Schmidt in Kösen, Prem.-Ltn. v. Zedtwitz, im 72. Inf.-Reg., Sohn von Oberst a. D. v. Zedtwitz in Kösen ansässig und wohnhaft und Prem.-Ltn. Carl Jacobi im 4. Art. Reg.- Sohn des Prof. Jacobi in Kösen ansässig. Außerdem sollen noch mehrere nicht dem Offiziersstande angehörende Kösener zur Dekorierung  mit dem Eisernen Kreuz bereits vorgeschlagen worden sein“. 

 

  1. Nov. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB)

„Das Publikum hat über das dem Brauereibesitzer Brückner hierselbst  gehörige  an der Saaluferstraße belegene Felsenkellergrundstück (Saalstraße 27) nach den über dem letzteren liegenden  Kartoffelländern unberechtigter Weise einen Weg gebahnt. Da der Brückner den Weg jetzt durch  Aufstellung  von Warnzeichen geschlossen hat, so warnen wir vor weiterer unbefugter Benutzung  dieses Weges.“

 

  1. Nov. Nachwahl von Stadtverordneten (NKB)

Anstelle von Teichgräber, Vogel, Siebold und dem Brauereibesitzer Schulz wurden Mühlenbesitzer Roßner, Zimmermeister Struve, Kaufmann Moths und Konditor Hämmerling gewählt. 

 

  1. Nov. Eintragung in die Militärstammrollen (NKB)

Auch für die Erfassung der Wehrpflichtigen war nun der Magistrat zuständig. Alle gestellungspflichtigen Jahrgänge 1846 bis 1851, ob Lehrling, Geselle oder Dienstmann hatte sich im Büro des Bürgermeisters zu melden, wobei die Jahrgänge 1846 bis 1849 ihren Gestellungsschein mitbringen mussten. Derartige Musterungen fanden zweimal im Jahr statt.

 

  1. Nov. Antrag auf Erweiterung des neuen Friedhofes (St.-A.).

Wegen der steigenden Einwohnerzahl, darunter viele Pensionäre, die dann hier ihre letzte Ruhestätte fanden, war der neue Gottesacker hinter dem Gradierwerk bereits überbelegt, weshalb sich eine Erweiterung erforderlich machte.

 

  1. Dez. Bekanntmachung des Magistrats zur Einquartierung (NKB)

„Da die hier belegene Schäferei der Kgl. Landesschule nach hoher Verfügung zum hiesigen Einquartierungsrayon nicht gehört und eine große Anzahl von hiesigen Hauswirten ihre Stallräume eingezogen hat, so ist von uns eine Revision der zur Aufnahme von Pferden geeigneten Räume vorgenommen worden, welche ergeben hat, daß hier nur  60 Pferde untergebracht werden können.“

 

  1. Dez. Antrag der Badedirektion auf Ausgleich der Badekasse (MER C 48 Ii)

Das Ausbleiben vieler Gäste bescherte der Badkasse ein Minus. Vorsorglich beantragte die Direktion einen Zuschuss von 200 Talern, was von der Kgl. Regierung mit dem Verweis auf  Sparmaßnahmen abgelehnt wurde.

 

1871

 

  1. Jan. Aufruf des Komitees zur Betreuung von Kriegsteilnehmern (NKB)

Nach der Danksagung für die bisher geleisteten Spenden „richten wir an die Bewohner der hiesigen Stadt und der benachbarten Ortschaften die dringende Bitte, in ihrer patriotischen Werktätigkeit um so weniger einhalten zu wollen, als die Fortsetzung  des Kampfes täglich längere Züge  von Verwundeten und Kranken der Erquickung  besonders bedürftiger  Krieger hier durchführt...“ gez. Dr. Mascher, Dr. Groddeck, Siebold, v. Schmettau, Frau Freitag.

 

  1. Jan. Amtliche Bekanntmachung zur Reichstagswahl (NKB)

„..daß Kösen einen einzigen Wahlbezirk bildet, daß die Wahl im Gasthof „Mutiger Ritter“ stattfindet und daß wir zum Wahlvorsteher den Hr. Ratsschöffen Siebold und zu dessen Stellvertreter Hr. Apotheker Gause ernannt haben.“

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Sondersteuer für „Luxushunde“ von 1 Taler und 10 Silbergroschen, sowie die Besteuerung öffentlicher Lustbarkeiten.

 

  1. Feb. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB)

„Senkgruben, die zur Aufnahme übelriechender Stoffe dienen und Latrinengruben dürfen ohne Genehmigung der Polizeibehörde nicht angelegt oder verändert werden. Dergleichen Gruben müssen entweder überwölbt  oder so dicht mit Erde bedeckt werden, daß dadurch die Verbreitung  übler Gerüche oder die Verpestung der Luft verhindert wird. Die bereits vorhandenen Senkgruben müssen längstens 3 Monate nach  Publikation dieser Verordnung in der Weise hergestellt werden. Jede Übertretung  dieser  Bestimmungen zieht eine  Geldstrafe von 3 Talern, im Unvermögensfall verhältnismäßige  Gefängnisstrafe nach sich...“  

 

  1. Feb. Anweisung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 360)

Der Rittergutsbesitzer Schmidt hatte in seiner Zzeit als Ehrenmitglied der Badedirektion 1868 den Maurermeister Werner beauftragt, über einen Erosionsgraben am Weg vom Nikolausholz zur Ilske eine steinerne Brücke zu bauen. Diese sollte aus rohen unbehauenen Steinen mit einer Erdfüllung aufgeführt werden und 30 Taler kosten. Werner verwendete jedoch Hausteine und berechnete 78 Taler gegenüber der Badedirektion. Die lehnte wegen der fehlenden Genehmigung ab und verwies Werner mit seiner Forderung direkt an Schmidt.   

 

  1. Mär. Anzeige der Kgl. Badedirektion (NKB)

Angeboten wurde Düngegips (Dornstein vom Gradierhaus) für 8 Silbergroschen und die Verpachtung der Grasnutzung  im  unteren Kurpark.  Die Anzeige wiederholte sich in den nachfolgenden Jahren.

 

  1. Mär. Vokal- und Instrumentalkonzert an der Lengefelder Fähre (NKB)

Dazu hatte Friedrich Gräfe den Lengefelder Gesangsverein, den Kösener Verein Anakreon und  die Badekapelle versammelt. Der Ertrag diente patriotischen Zwecken.

 

  1. Mär. Prüfung der Badekasse (MER C 48 Ii 782)

Weil die Badekasse leer war, und die Kgl. Regierung einen Zuschuss verweigerte, hatte die Badedirektion den Zahlungsverkehr eingestellt. Nach erneuter Prüfung wurden die fehlenden Mittel aus dem Staatshaushalt bewilligt.

 

  1. Mär. Bekanntmachung des Komitees (NKB)

„Das Kgl. Hohe General-Kommando der Provinz Sachsen hat die Güte gehabt, dem hiesigen Verein zur Erquickung  durchreisender  Krieger  eine Mitrailleuse  zu  überweisen. Dieselbe  ist im Gasthof „Zum mutigen Ritter“ zur Ansicht aufgestellt und der durch ein Eintrittsgeld erwachsene Geldbetrag soll zur Erquickung der noch immer in großer Anzahl hier durch passierender  Krieger  verwendet werden..“ Das Beutegeschütz kam dann später zur Rudelsburg.

 

  1. Mär. Patriotische Theateraufführung im Kuchengarten (NZ).

Die „Liebhaber Theatergesellschaft“ lud zu einer theatralischen Abendunterhaltung zum Besten der heimkehrenden Krieger ein.

 

  1. Mär. Vertrag zur Unterhaltung des Eiswehres (St.-A. Nr. 164)

Obwohl Rechtsnachfolger des Salinenfiskus lehnte die Badedirektion die Beteiligung an den  Kosten zur Unterhaltung des Eiswehres ab. Durch Vermittlung des Bauinspektors Werner vereinbarte man eine Kostenteilung bei der bevorstehenden Reparatur. Das Eiswehr blieb gemeinschaftliches Eigentum, eigenmächtige Veränderungen wären unzulässig. Die Aufsicht über den Ein- und Ausbau sowie die Einlagerung der Eispfähle übernahm der Kreisbaubeamte. 

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C 48Ii 782 Bd 1).

Die Jahrespauschale betrug 400 Taler. Außerdem wurde er von der Verpflichtung entbunden, Freibäder für ehemalige Salinenarbeiter und Ortsarme abzugeben.

 

  1. Apr. Leserbrief zum Floßholzmarkt (NKB)

„Die Holzmesse am hiesigen Ort versprach vor einiger Zeit noch eine leidliche zu werden. Günstige Witterung ermöglichte das rechtzeitige Heranflößen der Bauhölzer und Bretter, die Saale war durch das Tauwetter nicht so stark angeschwollen, daß sie das Flößen gehemmt hätte. Der noch zur rechten Zeit eingetretene so günstige Friedensschluß hätte der Geschäftswelt und  dem baulustigen Publikum neuen Mut gemacht. Und doch war das Geschäft auf der Messe ein  sehr  mäßiges. Es fehlte  nicht an Hölzern (.) waren doch  immerhin  mehr als  1300 Flöße  am Markt...“ 

 

  1. Apr. Erstausgabe des „Kösener Anzeigers“ (NKB).

Herausgeber des „Unterhaltungs- und Anzeigenblattes für Kösen und Umgebung“ war der K. Maschke bis 1874) dann versuchte es Th. Hering, der 1880 das Blatt wegen zu geringer Abnahme einstellte, obwohl der Magistrat für die amtlichen Bekanntmachungen einen jährlichen Zuschuss gewährte.

 

  1. Apr. Theodor Fontane: „Wanderungen durch Frankreich 1871“

Auf der Fahrt von Berlin nach Paris, zu seinem dort stationierten Sohn, schrieb er: „Eine Stunde später fuhren wir in die sächsisch-thüringische Ebene ein (.) bis die Burgen „an der Saale hellem Strande“ uns freundlich grüßten. Kösen war noch intakt: Jung-Berlin, die ganze Armee der kranken Augenwimpern, fehlte noch..“ Damit meinte er die vielen Berliner Kinder, die hier Heilung suchten.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachungen der Polizei und der Badeverwaltung (NKB).

„Niemand darf sein Vieh außerhalb geschlossener Höfe oder anderer eingefriedeter Plätze  unbeaufsichtigt und laufen lassen. Wer solches tut, ist mit einer Geldstrafe  von 5 Silbergroschen bis  3 Taler  zu bestrafen..“

„Das Herannahen der Badesaison steigert die Anforderungen an die Bade- und Ortspolizei-Verwaltung  nach allen Seiten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese Andeutung genügen wird, allen Bewohnern des hiesigen Kurorts, insbesondere aber die Besitzer der Bade- und Trinkanstalten sowie die Hauswirte in ihrem eigene Interesse zur genauesten Beachtung  aller in  Betracht kommenden polizeilichen  Vorschriften zu vermögen und uns der unangenehmen  Pflicht zu überheben, Unterlassungen und Übertretungen derselben durch polizeiliche Strafen ahnden zu lassen..“

 

  1. Apr. Danksagung des „Vereins zur Erquickung der Kösen passierenden Krieger“ (NZ).

„...erlaubt sich nach erfolgten Abschluß seiner Wirksamkeit dem Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit, von welchem  es gegen die geehrten Bewohner unserer Stadt (.) durchdrungen ist.“

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Turnunterricht (St.-A. Nr. 148)

Dem Lehrer Zeiger wurden 15 Taler zusätzlich bewilligt, allerdings mussten die jedes Jahr neu beantragt werden.

 

  1. Mai Bekanntmachung der Bade-Direktion (NKB).

„Nach Maßgabe der Kgl. Regierung wird festgelegt: Die Badesaison wird vom 1. Mai bis Ende September gerechnet, wer innerhalb dieser Saison länger als sieben aufeinanderfolgende Tage in Kösen verweilt, ohne glaubhaft machen zu können, daß er solchen Aufenthalt zu anderen besonderen Zwecken als zur Kräftigung  seiner Gesundheit  genommen habe, wird als Kurgast betrachtet (.) In das nach erfolgter Meldung jedem Fremden seitens der Kgl. Bade-Direktion vorzulegende Bade-Journal hat jeder Kurgast seinen Namen, Stand, Wohnort und die zu ihm gehörenden Personen einzutragen und gleichzeitig  seine Beitrag zur Badekasse zu entrichten“ Die Taxe betrug  3 Taler je Familie und  1 Taler 15 Silbergroschen für Einzelpersonen.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle, da Dr. Mascher nach Hörde wechselte. Als Jahresgehalt wurden 500 Taler und weitere 180 Taler für das Badedirektorat geboten. Die Veröffentlichungen erfolgten in der Hallischen, der Magdeburgischen, der Naumburgischen und der National-Zeitung

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung des Magistrats zur Kriegssondersteuer (NKB)

„Nach einem von den Kreisbehörden gefaßten Beschluß hat die Stadt Kösen zur weiteren Deckung der Kriegsleistungen, insbesondere zur ferneren  Zahlung an Unterstützungen an die hilfsbedürftigen Familien einberufener Reservisten und Wehrleuten die Summe von 6175 Talern zu zahlen. Die Summe ist mit einem Male zu entrichten und wird am 1. 2. und 3. Juli erhoben. Die steuerpflichtigen Einwohner setzen wir hierdurch in Kenntnis, daß der Betrag dieser  Kriegssteuer den dreifachen Betrag der einmonatlichen Klassen- oder klassifizierten Einkommenssteuer gleicht..“

 

  1. Juli Anzeige zur Neuverpachtung der Therkornschen Bergschmiede (NKB)

 

  1. Juli Kriegerfest aus Anlass des Friedensschlusses mit Frankreich (NKB).

Das fiel mit dem Brunnenfest zusammen „Auch unser Städtchen feierte in recht angenehmer und heiterer Weise sein Kriegerfest. Die Krieger versammelten sich auf der neuen Promenade (Gerstenbergkprom.), zogen  von hier aus, die Badekapelle an der Spitze durch die Borlach- und Lindenstraße nach der Schule. Hier angekommen, wurden sie von mehreren hierzu ausgewählten Damen reich bekränzt. Es schlossen sich nun die Turner, das Fest-Komitee, die jungen Damen und einige Mitglieder des Schützenvereins  an. Derselbe zog nun über die Brücke  nach der in der Nähe des Badehauses stehenden Friedenseiche woselbst der Bürgermeister  eine Ansprache hielt. Nachdem der Zug seinen Weg fortgesetzt hatte, bewegte sich derselbe zum Kuchengarten, wo ein heiteres Festessen sie an die Tafel fesselte. Ein stark besuchter Ball im Teichgräberschen Saal bildete den Schluß des Festes.“  

Später wurden dann auch die Friedenssteine an der Fränkenauer Hohle oberhalb der „Schönen Aussicht“ aufgestellt, zum Gedenken an die Jahre 1815, 1864, 1866 und 1871.

 

  1. Juli Verkaufsanzeigen von Louis Schulze und der Witwe Lindig (NKB).

„Das Haus Nr. 97 nebst Seitengebäuden in der Querstraße gelegen (Schmettaustr. 3), bestehend aus 6 Stuben, 5 Kammern, 2 Küchen, Waschhaus, eine Niederlage, Torfstall, Keller, schönen Hof mit separaten Eingang, großer Boden- vorzügliche Geschäftslage für Fleischerei  passend..“

„Veränderungshalber bin ich gesonnen, mein im Bad Kösen unmittelbar an der Leipzig- Frankfurter-Chaussee gelegenes Gasthaus  „Zum Adler“ zu verkaufen. Die Wirtschaftsgebäude bestehen in einem massiven Wohnhaus mit 8 Stuben, 7 Kammern, 3 Küchen  2 Kellern, Wagen-u. Holz-Remise, Stallung und Waschhaus..“ (Eckartsbergaer Str. 8- um 1970 abgebrochen)

 

  1. Juli Amtseinführung von Bürgermeister Richter (NKB)

Richter, Jg. 1831, stammte aus Hedersleben und bisher Bürgermeister in Bleicherode, war einer von 28 Bewerbern, darunter 3 Offiziere, 5 Juristen und 6 Bürgermeister. Er bekleidete das Amt bis 1888 und starb hier 1892.

 

  1. Juli Meldung zum Hochwasser (NKB)

„Das Hinwegräumen des durch die große Überschwemmung nach der hiesigen Saalebrücke getriebenen Langholzes ist beendet. Es hatten sich im ganzen 2.300 Stämme  angehäuft, deren Herausschaffung  die Summe von 370 Taler kostete...“ An den Brückenpfeilern entstand kein nennenswerter Schaden.

 

      Aug. Verkauf des Kursaals (NKB)

„Der hiesige Kursaal ist in diesen Tagen unter wesentlich erhöhten Preis an einen rennomierten Traileur aus Bad Homburg verkauft worden“.

 

  1. Aug. Plan für den Solefall an der Loreleypromende (NKB)

„In Kösen wird jetzt ernstlich der Plan ventiliert, Springbrunnen, Kaskaden und Giesbäche aus reiner Sole herzustellen, in der doppelten Absicht, der romantischen Landschaft einen neuen Zauber zu verleihen und gleichzeitig  dadurch augenfällig  zu begründen, wie unbegründet alle die Gerüchte sind, welche Neid und Leichtfertigkeit  bezüglich der Qualität und Quantität  der dortigen Badesole fortgesetzt verbreiten. Der künstliche „Rheinfall an miniature“ würde vom Gradierwerk ab über der Berghang an der Louisenhalle herabrauschen, unterwegs im Muschelbecken aufgefangen werden und dann in verschiedene Wassergarben zerteilt in die Saale fließen. 

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige des Bürgermeisters Dr. Mascher (NKB)

„Ich beabsichtige mein Haus mit Balkon an der frequentesten Straße von Kösen gelegen, zu verkaufen. Es enthält 20 Stuben, 6 Kammern, 3 Küchen, Küchenstube, gute Kellerräume, Vordergarten mit 2 Verandas, geräumigen Hof und Stallungen, Badeeinrichtungen mit 3 Badezellen. Es würde sich sehr gut zur Konditorei oder Gastwirtschaft eignen...“ 

Weil sich kein Käufer fand, wurde das Anwesen geteilt. Die Witwe Rost erwarb die Nr. 69 (Lindenstr. 5), die Nr. 69 b der Kaufmann Moths (Lindenstr. 7).

 

  1. Sep. Sitzung der Badekommission (St.-A. Nr. 360)

Beschlossen wurde der Bau einer neuen hölzernen Brücke über die kleine Saale zu den Wellenbäder auf der Radinsel. Nach der Begutachtung durch den Königl. Kreisbau-Inspektor Schmidt wurde der Zimmermeister Töpfer beauftragt eine Holzbrücke von 29 ½ Fuß Länge, 8 ½ Fuß Breite für 401 Taler zu errichten. Die alte Brücke wurde abgerissen und der Polizeisergeant sollte das Material meistbietend verkaufen. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Berichtet wurde über den Stand der Verhandlungen zwischen dem Prokurator und  der Kirchengemeinde unter Federführung der Kgl. Regierung wegen der Erweiterung des Friedhofs.  Dann wurde eine Kanalbau-Kommission gebildet.

 

  1. Sep. Tagung des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Altertumsforscher (NKB).

Am letzten Tag besuchten die Teilnehmer die Rudelsburg, wo Baurat Mothes und Rittergutsbesitzer v. Schönburg über die laufenden Sanierungsarbeiten und den im Bau befindlichen Rittersaal informierten. Bewundert wurde die Mitrailleuse vor der Burg. Nach der Besichtigung einer Waffensammlung in der Saalecksburg endete der Tag bei einem Souper im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Sep. 2. Verkaufsanzeige für das Wöleke`sche Wohnhaus (NKB)

Demnach hatte sich bisher kein Käufer gefunden, und die Erben dem Geh.-Justizrat Bielitz mit dem Verkauf beauftragt.„Der Unterzeichnete ist beauftragt das den Erben der Witwe Albertine Charlotte Louise Wöleke, geb. Weber gehörige zu Kösen in der Lindenstraße belegene herrschaftlich eingerichtete Wohnhaus mit Lustgarten, Terrassen und Gemüsegarten von 2 Morgen aus freier Hand zu verkaufen“.

 

  1. Sep. Anzeige des Sattlermeisters Nerre (NKB)

„Meinen werten Kunden die ergebene Anzeige, daß ich mein Geschäft (bisher nahe Hämmerlings Konditorei) nunmehr in das Haus des Salzsieders Schmidt Lindenstr. 54 (Nr. 20) gegenüber der Post verlegt habe“.

 

     Okt.  Badelisten (NKB).

2.575 Badegäste wurden registriert, rund 800 Personen mehr als die Bevölkerung. Rechnet man die Saison von Mitte Mai bis Mitte September so waren es pro Monat rund 600 Gäste. Damit stieß die Infrastruktur des Ortes an ihre Grenzen, sowohl bei den Unterkünften und der Versorgung als auch den Kuranwendungen und der Unterhaltung.

Neben dem gutbürgerlichen Publikum kamen zahlreiche Adlige, Künstler und Intellektuelle, darunter Baronin v. Borke mit Frau Rittmeiser v. Below geb. v. Borke, Major v. Schorlemmer-Stettin, Frau General Exz. v. Strantz, Gräfin Sophie v. Hoyen-Berlin, Baronin v. Saurma-Jeltsch-Brandenburg, Baronin v. Keltsch-Pieschen, Prof. Dr. Herbst-Magdeburg, Generalarzt Dr. Berger-Berlin, Frau Edle v. Planitz-Berlin, Freifrau v. Langene-Kittlitz, Prof. Dr. Scheele-Merseburg, Bernhardt Wolff-Berlin (1811-1879, Wolffsches Telegrafenbüro), Baronin v. Nordenflycht-Neustrehlitz, Baronin v. Berlepsch-Seebach, Baronin v. Troschke-Pommern, Graf Max v. Bothmer-Mecklenburg, Gräfin v. Schwerin-Wildenhof, Frl. v. Neindorff-Berlin Hofdame des kgl. Prinzen Karl, Kgl. Hofschauspieler  Sieglist-Berlin, Frau General Exz. v. Bresobrasoff und Herr v. Bresobrasoff Page des Kaisers v. Rußland, Reg.-Rat Prof. Dr. Ratzeburg (1801-1872, Philologe)-Berlin, Gräfin v. Pückler-Rogau, Schriftsteller Lohmeyer-Berlin, Durchl. Prinzessin v. Waldenburg, Generalarzt der Marine Dr. Steinburg-Berlin, Verlagsbuchhändler Carl Barthol-Berlin, Baronin v. Bilzingsleben-Haynrode, Baronin v, Werthern, Verlagsbuchhändler  Dr. Landau-Berlin, Graf Henkel v. Donnersmarck, Oberst.-Ltn. v. Schramm-Berlin, Hofschauspieler Ernst Possart (1841-1921)-München, General Exz. v. Roehl-Berlin, Gräfin v. d. Asseburg,-Neudeck, Baronin v. Rennenkapf-Rußland, Miß Burleigh-Oldfield-London, Baronin v. Berlepsch,  Topograph Theodor Delius-Berlin,  Baron v. Budberg-Livland, Baronin v. Hackwitz-Rostock, Prof. Steinhardt (1801-1872, Philologe)-Halle, Geh.-San. Rat Witus-Berlin, Prof. Hugo Eisenhardt-Halle, Baron v. Nolken-Livland,  Prof. Hermann Ulrici (1806-1884-Philologe)-Halle, Geh.-Reg.Rat v. Beust-Bautzen, Prof. Dr. Lazarus-Berlin,  Prof. Dr. du Bois-Reymond-Freiburg und sein Bruder Prof. Emil du Bois-Reymond, Prof. Dr. Schirmer-Greifswald, Geh. Komm. Rat Litfaß (1816-1874, Verleger  und  Kgl. Hof-Buchdrucker, Litfaß-Säule) -Berlin

Eine weite Anreise hatten drei japanische Gäste, eine Dame und ein Kaufmann aus New York sowie Captain  Lawrence Campbell-Craignish aus Indien. Aber auch zwei einfache Soldaten der Naumburger Garnison gehörten dazu.

 

  1. Okt. Anzeige des Kgl. Hauptsteueramtes (NKB)

„Das am rechten Ufer der Saale in dem Badeort belegene Floßzoll- und Steueramts-Etablissement soll nach erfolgter Aufhebung des Floßzolls und der infolge derselben eingetretenen Vereinigung des Steueramts  mit der Chausseegeldhebestelle zu Kösen mit höherer Genehmigung an den Meistbietenden verkauft werden. Dasselbe befindet sich in guten baulichen Zustand, enthält drei Stuben, 4 Kammern, Küche, Hofstall und Keller und eignet sich seiner guten Lage halber für Privatleute, welche in  angenehmer Lage wohnen wollen..“ Dabei handelte es sich um das Anwesen „Überm Wehrdamm  133“ (Loreleyprom. 6).

 

  1. Okt. Schreiben des Bauinspektors Werner (MER C48Ii Nr. 776 V).

Werner meldete die Fertigstellung des Eiswehres. Weil er zur besseren Handhabung beim Setzen und Ziehen der Eispfähle einen Steg installiert hatte, über dem man zu den Wellenbädern gelangen konnte, erhob die Badedirektion Einspruch. Der Steg wurde mit einer Tür versehen und nur für Flößer geöffnet.    

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Aufstellung einer Gaslaterne in der Burgstraße und den Restaurateuren gestattet,  Lampen auf eigene Kosten aufzustellen.

 

  1. Nov. Auftrag für die Anlage des Kurparkes (MER C 48li Nr. 776 V).

Garten-Inspektor Niemeyer wurde mit der gestaltung des Kurparks beauftragt und dafür 1.200 Taler bewilligt. Dabei sollte der sog. Ausstich vor dem Kurzhals`schen Hotel der beim Bahnbau zur Erdgewinnung diente, als Teich hergerichtet werden.

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige von Albin Koch (NKB)

„Nachdem ich das hier gelegene „Hotel zum Cursaal“ von Herr Wilhelm Kunitz käuflich übernommen habe, empfehle ich solches einen hochgeehrten auswärtigen Publikum unter Zusicherung  guter Speisen und Getränke, prompter Bedienung und billigen Preisen..“

 

  1. Nov. Konferenz zur Festlegung des Gemeindebezirks (NKB)

„..fand in hiesiger Bahnhofsrestauration eine Konferenz zwischen dem Herrn Geheimrat v. Danneil, Prokurator Schwimmer aus Pforta und den Mitgliederen  des hiesigen Magistrats  statt, in welcher die Verhandlungen wegen Feststellung  der Grenzen des städtischen Weichbildes ihren Anfang nahm. Da das Besitztum  der Landesschule Pforta an vielen Stellen in den Stadtbezirk hinein schneidet, und wenn wir recht unterrichtet sind, die Straßen der Stadt eigentlich Eigentum  der Landesschule  sind, so haben sich namentlich bezüglich der Ausübung der (bau-)polizeilichen Funktionen oft arge  Unannehmlichkeiten  und Schwierigkeiten  eingestellt. Die Abgrenzung eines bestimmten möglichst abgerundeten Polizeibezirks hiesiger Stadt soll die Übelstände beseitigen und eine bequeme und geordnete Ausübung der beiderseitigen Polizeifunktionen ermöglichen“.

 

  1. Nov. Neuberechnung des Solepreises (MER 48CIi Nr. 782/1).

Nach einer Beschwerde von Dr. Rosenberger und Dr. Groddeck sollte Rosenberger mit 8 Wannen und 66 Kubikfuß Inhalt 150 Taler zahlen, Groddeck für 21 Wannen mit 156 Kubikfuß Inhalt 300 Taler und Wahns für 24 Wannen mit 208 Kubikfuß Inhalt 400 Taler, 50 Taler mehr als zunächst vereinbart.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB).

Im Stadtbezirk einschl der Saalhäuser wohnten 1.780 Einwohner. Es gab 223 Wohnhäuser und 461 Haushalte. Pforta zählte 419 Einwohner, einschl. der Schüler, 15 mehr als 1867. In Kukuklau waren es 30 (+12) und in Fränkenau 19(+1).

 

  1. Dez. Genehmigung der Mittel für die Brücke zum Wellenbad (MER C48Ii Nr. 776V).

 

1872

 

  1. Jan. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Bei den Verhandlungen mit der Landesschule wegen der Vergrößerung des Friedhofes hatte diese der Kirchengemeinde den für sie nutzlosen „Ascheberg“ zwischen dem Scheitbach und der kleinen Saale angeboten und der Gemeindekirchenrat wegen des geringen Preises angenommen. Das wiederum lehnten die meisten Stadtverordneten ab, weil das Gelände völlig ungeeignet war und beauftragten den Magistrat die Kirchengemeinde davon zu überzeugen, neben dem Friedhof am Gradierwerk 2 Morgen Land vom Schäfereifeld zu erwerben.

 

  1. Jan. Festsetzung der Kostenumlage beim Kanalbau (BLK-A. Nr. 792)

Für die Finanzierung der Abwasserkanäle wurde die Umlage von einem Drittel auf die Hauswirte beschlossen. Davon waren betroffen waren alle Hauswirte in der Borlachstraße sowie die Hauswirte Geyer (Lindenstraße Nr. 12), Großmann (Nr. 14), Scheuffler (Nr. 16), Schmidt (Nr. 18), Koch (Nr. 20 u. 21), Sträuber (Nr. 22), Schmidt (Nr. 24) und Heyne (Nr. 25). Die Abwässer der Häuser auf der anderen Straßenseite liefen in einen offenen Kanal zur Kukulauer Wiese.

 

  1. Feb. Vermächtnis des Appellationsgerichtsrats Otto Friedrich Senff (Röblitz, Heimatbuch).

Der Sohn des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr., der nach dem Besuch der Landesschule eine juristische Laufbahn eingeschlagen hatte, vermachte der Stadt 6.000 Mark für das städtisches  Armen- und Siechenhaus. Das Geld wurde in einer Stiftung angelegt.

 

  1. Feb. Sitzung der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 V).

Beschlossen wurde die Beteiligung an den Kosten der Kanalisation, da „die Beseitigung der offen liegenden Gossen und Ausflüsse zur Erzielung einer gesunden Luft ein erstes Bedürfnis für unseren Badeort“ ist. Allerdings musste man dafür die Genehmigung der Kgl. Regierung einholen.

 

  1. Feb. Meldung zum Güterverkehr der Eisenbahn (NKB)

„In Folge  des in Buttstädt  abgehaltenen Pferdemarktes wurden auf hiesiger Station 149 Pferde und 17 Fohlen verladen, welche in 22 Waggons Beförderung fanden. Hiervon gingen  die meisten  nach Sachsen...“

 

  1. Feb. Meldung zur Langholzflöße (NKB)

„Die Sorgen, welche auf den Holzhändlern und den Bauholz-Konsumenten seit einiger Zeit lasten, werden jetzt schwinden und dem Vertrauen auf bessere Zukunft Platz machen, denn heute passierten die ersten Bauholzflöße von Kahla herunter das hiesige Wehr...“

 

  1. Feb. Vorbereitung für das Gefallenendenkmal der Corpsstudenten (NKB)

„Am gestrigen Tage fand auf der Rudelsburg eine Zusammenkunft der Herren statt, welche bei Aufstellung  des Denkmals für die in Frankreich gefallenen Studenten am lebhaftesten interessiert sind (.) Als Aufstellungsort wurde die vor dem Eingange zur Burg sich befindende erhöhte Bergkuppe definitiv festgestellt  und die Konstruktion  des Denkmals selbst auf das Genaueste beraten und zur Entscheidung geführt...“  Die Bauarbeiten begannen am 18. März.

 

  1. Feb. Ausschreibung für den Kanalbau (BLK-A. Nr. 686, NKB).

Gesucht wurde der Mindestbietende für die veranschlagten 548 Taler, das waren der Maurermeister Werner für die Lindenstraße und der Maurermeister Transchel für die  Borlachstraße.

 

  1. Mär. Antrag der Badedirektion bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 776V).

Beantragt wurde die Genehmigung für ein Darlehen von 200 Talern wegen der Beteiligung an den Kosten zur Verbesserung des Bades und ein weiteres Darlehen von 700 Talern für den Kauf eines gußeisernen Musikpavillons im Kurpark. Den hatte Ferdinand Lesseps bei der Einsiedelschen Eisengießerei in Lauchhammer als Geschenk für den Vizekönig von Ägypten anlässlich der Eröffnung des Suezkanals bestellt, aber nicht  abgeholt. Als man ihn der Badedirektion zum Kauf anbot, hatte Oberst a. D. von Zedtwitz das Geld vorgeschossen, allerdings ohne die Zustimmung der Kgl. Regierung einzuholen.

Doch die verlangte eine Begründung für den ungenehmigten Erwerb eines zwar attraktiven aber sehr teuren Musikpavillons.

 

  1. Mär. Großfeuer in der Domäne Fränkenau (NKB)

„Gestern Abend 8 Uhr versetzte Feuerlärm und die Sturmglocke unser Städtchen in große Aufruhr. Hinter dem Fähnchenberg sah man die blutroten Rauchsäulen hoch und breit aufsteigen, auf dem Gut Fränkenau war Feuer ausgebrochen. Dasselbe war über dem Kuhstall entstanden und legte letztern  mit noch mehreren kleinen Ställen in Schutt und Asche. Auch die an der Südseite liegenden zwei großen Scheunen wurden vom Feuer erfaßt  und brannten vollständig nieder (.) Über das Entstehen des Brandes ist noch nichts ermittelt, doch vermutet man stark absichtliche Brandstiftung (.) Der Verlust an Getreide und Futtervorräten ist ziemlich bedeutend. Das Vieh blieb unversehrt“.

Fränkenau hatte keinen Brunnen, es gab nur Regenwasserzisternen. Trinkwasser wurde mit dem Fuhrwerk aus Kösen geholt. Der verheerende Brand führte dazu, dass sich die Landesschule veranlasst sah, eine  Brauchwasserleitung zu bauen.

 

  1. Mär. Ball des König-Wilhelm-Krieger-Vereins am Geburtstag des Kaisers im Kursaal (NKB)

 

  1. Mär. Bekanntmachung der Badedirektion (NKB)

„Die von uns auf dem Teich in der neuen Parkanlage hier ausgesetzten Schwäne empfehlen  wir recht dringend dem Schutz des Publikums. Das Töten oder Verheimlichen dieser Schwäne wird bei namhafter Strafe geahndet werden..“

 

  1. Mär. Submission der Kgl. Bauinspektion (NKB).

Das betraf die  Aufstellung von Anbindepfählen für Langflöße an der Saale zwischen Saaleck und den Saalhäusern und die Lieferung von Pflastersteinen für den Ausbau der Chaussee. Die  Unterlagen konnten in der Chausseegeldhebestelle an der Brücke eingesehen werden. 

 

  1. Mär. Holzmesse (NKB)

„An Langholzflößen waren 1350 am Markt, also 500 weniger als im vorigen Jahr. Es hat dies namentlich seinen Grund in dem niedrigen Wasserstand wodurch es unmöglich war, mit dem Heranflößen der Hölzer so zeitig als in früheren Jahren anzufangen...“

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1).

Dabei blieb es bei der ursprünglichen Pauschale, dafür waren für die Mitglieder der Badedirektion, pensionierte Salinenbeamten und Knappschaftsangehörige sowie die Ortsarmen bei Vorlage eines ärztlichen Attests  die Bäder in der Wahnschen Anstalt kostenlos.

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Karl Hermann Seidenglanz (St.-A. Nr. 348)

Weil die Badedirektion auch mit der Leistung des Kapellmeister Heyne jun. unzufrieden war, wurde die Stelle ausgeschrieben. An seine Stelle trat der Naumburger Kapellmeister Seidenglanz, dem auferlegt wurde, zunächst die bisherigen Musiker zu berücksichtigen, soweit sie geeignet waren. Die Gesamtstärke bei Konzerten sollte 16 Mann betragen. Seidenglanz durfte nebenher seinen Verpflichtungen bei der Naumburger Kirchenmusik nachgehen, soweit  sich kein Nachteil ergibt. Teichgräber  erklärte: „Betreffs der in meinen Locale während der nächste Saison abzuhaltenden Concerte und sonstiger musikalischer Aufführungen bin ich damit einverstanden, daß das zwischen der Königl. Badedirektion und mir unterm 21. April getroffene Abkommen auch bei Übernahme der Direction des Herrn Seidenglanz über die hiesige Badekapelle seine volle Gültigkeit hat.“  

Am 24. Mai begannen dann die Abonnements-Konzerte der Badekapelle im Kuchengarten.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die städtischen Verkaufsbuden an der kleinen Saale sollten in dieser Saison für 10 Taler verpachtet werden, falls sich dafür kein Interessent fand, blieben sie geschlossen.

 

  1. Mai Einweihung des Denkmals für die gefallenen Corpsstudenten (NKB).

Samiel hatte in Erwartung der zahlreichen Gäste ein großes Festzelt errichtet. Zur gleichen Zeit veröffentlichte der Lehrer Karl Zeiger bei Sieling das „Rudelsburg-Album“ eine Sammlung von Liedern und Gedichten aus dem Fremdenbuch der Burg.

 

  1. Juni Der Konditor A. Furcht eröffnet eine „Commanditè“ im Kuchengarten (NKB)

Mit dem von Furcht im „Kuchengarten“ eingerichteten Verkaufsstand verstärkte sich die Konkurrenz für den neuen Besitzer des „Kursaals“.

 

  1. Juni Verpachtung der Fischerei auf der Saale (NKB)

Das betraf die Fischerei des Rittergutes Kreipitzsch zwischen der Rudelsburg und dem Wehr.

 

  1. Juni Erlass zur Hundehaltung (NKB).

Erneut wurden die Hundehalter darauf hingewiesen, dass außerhalb vom Grundstück Beißkörbe vorgeschrieben sind, ausgenommen Schäfer- und Jagdhunde.

 

  1. Juli Dank der Königl. Regierung für Spenden zur Erhaltung der Rudelsburg (NKB).

„Die Restauration der Burgruine auf der Rudelsburg hat nah und fern eine so erfreuliche Teilnahme gefunden, daß es gelungen ist, die durch den Lauf der Zeit und der Stürme im Dezember 1868 an den Giebelwänden und äußern Mauern hervorgerufenen Beschädigungen  auszubessern und dieses ehrwürdige Denkmal mittelalterlicher Baukunst nicht nur vor dem Verfall zu bewahren, sondern auch in denjenigen Zustand  wieder herzustellen, in welchen es unsern Tagen überkommen ist.“

Spender waren u. a. Kaiser Wilhelm I. Der ein „Gnadengeschenk“ von 280 Talern gab, die  Badedirektion gab 50 Taler, die Thüringer Eisenbahn 100, die  Landesschule 50, das präsidierenden Corps „Brunsviga“ zu Göttingen 66, der Rittergutsbesitzer Schmidt 50 und ein Göttinger Student namens Zickwolf sogar 228 Taler. Dazu kamen der Erlös des Spendenaufrufs des Landrats. Die fachliche Aufsicht bei den Sicherungsarbeiten hatten der Regierungs-Baurat Treuding und der Bauinspektor Werner aus Naumburg.

 

  1. Juli Künstler-Konzert im „Hotel zum Kursaal“ (NKB)

Es gastierten die Kgl. Preuß. Hofopernsängerin Marie Deetz (1825-1893) und die junge Pianstin Malwine Brèe (1851-1937), eine  Schülerin von Liszt. Der Eintritt kostete 1 Taler pro Sitzplatz.

 

  1. Sep. Beschluss der Badedirektion zum Gehaltsantrag des Badedieners (MER C 48 li 776 V)

Neben seinem Fixum wurde ihm eine Provision bei der Kassierung der Kurtaxe von 1 Silbergroschen bei Einzelgästen bzw. 2  Silbergroschen. bei Familien ab der kommenden Saison bewilligt. Dank dieser Regelung ging die Zahl „kurtaxscheuer“ Badegäste  deutlich zurück.

 

  1. Sep. Kauf eines Landstreifens vom Bahnhof zur „Katze“ (MER C48Ii Nr.776 V).

Die Badedirektion erwarb von den Landwirten Judersleben und Bäßler den Weg bis zur Lengefelder Flurgrenze, zur Umgestaltung als Promenade .

 

      Okt. Badestatistik der diesjährigen Saison (NZ).

2.529 Kurgäste waren anwesend, darunter der Ägyptologe Georg Ebers (1837-1898), Ihre Durchlaucht die Fürstin von Hatzfeld und Exzellenz General Gustav v. Alvensleben (1803-1881), Generaladjutant Wilhelms I. die Baronin v. Borke, Oberst v. Fedoroff aus Orel, Baron v. Langen-Kittlitz, Gräfin Schulenburg, der Jurist Prof. Dr. Heffter (1796-1880), die Tochter des früheren Bürgermeisters Antonie Mascher aus Hörde, Mrs. Isham aus Chikago, Frau Hofrat Strauch-St. Petersburg, Baronin v. Loewen-Dresden, Baron v. Eckstädt-Naumburg, Hofrat Prof. Saizeff aus Kasan, Baronin v. Eschwege-Fritzlar, Baronin v. Bock-Nordhausen, Freiher v. Friesen mit Gattin, Freifrau v. Billing-Berlin, Prof. Dr. Fritzsche-Leipzig, , Kausmann Isaak Warschauer-Detroit, Baronin v. Nolde-Kurland, Prof. Dr. Carl Lucae, Rektor der Universität Marburg, Freiherr v. Wangenheim-Potsdam, Prof. Dr. Julius Kühn-Halle, Baron v. d. Goltz-Berlin, Baronin v. Maltitz-Weimar, Prof. H. Pierson-Leipzig, der Philologe Louis Brandt-Berlin, Schriftsteller Johann Trojan (1837-1915)-Berlin, der Hofbibliothekar Sybel,  Prof. Dr. G. Bippard-Prag, der Jurist Georg Nicolovius (1806-1890)-Berlin,  Kammerdame Frl. v. Neundorff und die Freifrau Exz. v. Schleinitz-Berlin.

Während seines Kuraufenthaltes verstarb der Philologe Prof. Dr. Steinhardt, von 1824 bis 1866 Lehrer in Pforta. Unter den Badegäste war auch der Kaufmann Johann Georg Heinrich Phillip Marchand, Teilhaber der Firma Müller & Marchand, dem größten Geschäftshaus in Stettin. 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Eisenbahnverwaltung hatte dem Magistrat den Kauf  der Ladestraße von der Unterführung bis zum Bahnhof angeboten. Die Stadt hätte dann die Möglichkeit, diesen Fahrweg für die öffentliche Benutzung freizugeben, so dass der gesamte Fuhrverkehr von und zum Bahnhof nicht mehr durch die Linden- bzw. Borlachstraße und Fuhrwerke zur Mühle nicht mehr über die große Promenade fahren mussten. Der lehnte wegen leerer Kassen ab.

 

  1. Nov. Anzeige des Badekommissars Rüdiger (St.-A. Nr. 360).

Schüler der Stadtschule oder des Pädagogiums hatten die Maulbeerhecke an der Promenade zerstört.

 

1873

 

  1. Jan. Eröffnung einer „Amtlichen Verkaufsstelle“ für Postwertzeichen (KÖZ)

 

  1. Jan. Bekanntgabe der allgemeinen Viehzählung (NKB)

Im Stadtgebiet gab es 41 Pferde, 4 Esel, 36 Kühe, 208 Schweine und 59 Ziegen, die meisten davon hatte der Pachtschäfer, der Pachtmüller und der Gastwirt. Außerdem gab es 170 Bienenstöcke. Die Schafherde wurde bei der Ökonomie der Landesschule geführt, insgesamt 985 Tiere, die Hälfte gehörten zur Kösener Schäferei. Schafherden gab es auch in Kukulau (420) und Fränkenau (485) dazu Kühe (71/56) und Schweine (95/61). 

 

  1. Jan. Gründung der Holzhandelsfirma Graf & Döhler (NKB)

Die Firma übernahm das Firmengrundstück von Sänger & Härtel in der Lengefelder Flur, sowie einen Holzplatz oberhalb der Krümme.

 

  1. Jan. Genehmigung der Kgl. Regierung (St.-A.).

Das betraf die dem Badediener im Nachgang bewilligte eine Provision von 41 Talern für die  mühsame Kassierung der Badetaxe. Die Badedirektion wurde angewiesen, den Betrag in der Jahresabrechnung 1872 unter „unvorhergesehene Ausgaben“ zu verbuchen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, 550)

Die Kgl. Regierung hatte die Mittel für den seitlichen Anbau von Fußwegen an der Brücke bewilligt, weil „die Benutzung für Fußgänger lebensgefährlich“ und die 5 Rondeaus, die vor Jahren angebaut wurden, die Sicherheit nur unwesentlich verbesserten und bei Damen Schwindel erzeugten. Die Fahrbahn sollte dann 15 Fuß (5 Meter) und die Brüstungshöhe 2 Fuß, 5 Zoll (0,8 Meter) betragen.

 

  1. Feb. Submission für die Sommerhalle am Bahnhof (NKB)

Neben dem Stationsgebäude hatte der Bahnhofswirt seine Sommerwirtschaft eingerichtet, die nun weichen musste, weshalb er die hölzerne Veranda samt Kolonnade verkaufte.

 

  1. Mär. Antrag des Musikdirektors Seidenglanz (St.-A. Nr. 348)

Der forderte für die diesjährige Saison mindesten 5.000 Taler, um die vom Deutschen Musikerverband vorgegebenen Tarife zu zahlen. Weil die Badedirektion  sagte Seidenglanz ab.

 

  1. Mär. Subhastation und Nachlaßversteigerung (NKB)

Die Reinhardtschen Erben verkauften ihr Wohnhaus (Borlachstraße 6) mit dem bis zur Burgstraße reichenden Garten, auf dem nach Teilung des Grundstückes die Burgstr. 5 gebaut wurde. Im Höroldschen Haus (Borlachstr. 12) wurde der Nachlaß der Witwe von Schorlemmer versteigert. Albertine Amalie Louise Henriette von Schorlemer (Jg. 1802) war am 30. August des Vorjahres verstorben. Sie stammte aus der altpreußischen Familie v. Oppen, war mit dem  Major Wilhelm von Schorlemer, ebenfalls alter brandenburgischer Adel, verheiratet.

 

  1. Mär. Verleihung der Kriegsgedenkmünze (NKB)

Für die freiwillige Pflege von Verwundeten und Kranken des letzten Krieges bkam sie der Wundarzt Buchholz, Nagelschmiedemeister Rüdiger, Chirurg Haack, Major a. D. Theodor v. Schmettau und dessen Gattin geb. v. Pöppinghausen, Frau Bahnhofsinspektor Baumgarten, Frl. Adelheid und Elisabeth v. Below und Frau W. L. F. Schmidt,

 

  1. Mär. Spende des Kronprinzen-Kommers für den Erhalt der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Hauswirten, die sich weigerten, die Kostenumlage für den Kanal zu bezahlen, drohte ein  Strafgeld. Außerdem wurde eine Kommission berufen, die Vorschläge zur Nummerierung der Häuser machen sollte, denn die bisher gebräuchlichen durchgehende Nummerierung  war unübersichtlich und entsprach nicht mehr den Vorgaben.

 

  1. Apr. Amtliche Mitteilung zur Wahl der Kreistagsabgeordneten (NKB)

Die Stadt hatte 1763 Einwohnern (Zählung 1871) galt damit als Wahlbezirk und stellte einen Abgeordneten, in dem Fall den Bürgermeister Richter.

 

  1. Apr. Anordnung der Kirchenaufsichtsbehörde (MER C 48 II a Nr. 1707)

Die ordnete an, dass der Rendant der Kirchenkasse eine Kaution hinterlegen solle, die bei Unregelmäßigkeiten als Sicherheit diente. Dagegen verwahrte sich Pfarrer Bartold auf das Entschiedenste, denn der Rendant Dittmann sei unbescholten und könne von den 25 Talern, die er dafür jährlich bekam, keine Kaution leisten. 

 

  1. Apr. Verkauf des Hauses des Salzsieders Schmidt in der Lindenstraße (Nr. 18) (NKB)

 

  1. Apr. Zimmermeister Toepfer vermietet zwei hölzerne 2 Verkaufsstände (NKB)

Die mit Genehmigung der Badedirektion errichteten Verkaufsbuden an „frequenter Lage“ an der Promenade wurden von Andenkenhändlern und Posamtierern während der Badesaison gemietet.

 

  1. Apr. Wasserversorgungsvertrag mit der Dr. Wahn (MER C48Ii 784I).

Die Badeanstalt erhielt das Brauchwasser für die Wannen aus dem Brunnen neben der unteren Wasserkunst, die auch die  Pumpe antrieb.

 

  1. Apr. Vereinbarung zwischen Kurzhals und der Badedirektion (MER C48 Ii 776 VIII).

Kurzhals beantragte die Überdachung der Sommerwirtschaft am Schwanenteich. Unter der Massgabe, dass auch Badegäste Platz nehmen dürfen, auch wenn sie nichts verzehren, erhielt er die  Genehmigung.

 

  1. Mai Verkaufsanzeige der Witwe Hämmerling (NKB)

Umzughalber verkaufte sie ihr Anwesen mit  6 Stuben, 9 Kammern, 2 Küchen und Garten an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 8).

 

  1. Mai Geschäftsanzeige von Bertold Koch (NKB)

„Einem hiesigen und auswärtigen Publikum zeige ich hiermit ergebenst an, daß ich am hiesigen Platz, in dem früheren Moths`schen Haus Lindenstraße 69 b ein Colonial-, Schnitt und Posamentierwarengeschäft verbunden mit Wein- und Frühstücksstube eröffnet habe.“

 

  1. Mai Meldung über den Selbstmord eines Ehepaares (NKB)

„Vor etwa 5 Tagen meldeten sich 2 schon betagte Leute, die sich als die Tanzlehrer Striegnitz`schen Eheleute legitimierten, beim Restaurateur Bechmann Lindenstr. 63 (An der Brücke 2), angeblich um sich einige Zeit der untergrabenen Gesundheit des Mannes wegen in Kösen aufzuhalten. Am heutigen Morgen fiel es dem Wirt auf, daß die Leute noch keinen Kaffee verlangt hatten, weshalb zweckentsprechende Recherchen angestellt und schließlich die beiden alten Leute in der verschlossenen Stube auf dem Sofa sitzend, entseelt vorgefunden wurden“. In ihrem Abschiedsbrief stand, daß durch die Krankheit des Mannes der Lebensunterhalt fehlt und kein anderer Ausweg bleibt, als sich mit Zynkali zu vergiften.

Das Ehepaar waren die letzten, die noch auf dem unteren Teil des Friedhofes bestattet wurden, weil es die Gemeinde als schlechtes Vorzeichen sah, die beiden auf dem inzwischen von der Landesschule erworbenen oberen Teil zu beerdigen.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Kgl. Regierung genehmigte der Stadt die Annahme des Wöleke`schen Legats. Die Witwe hatte im April 1868 der Stadt eine nennenswerte Summe vermacht, wogegen ihre  Erben Einspruch erhoben. Nun hatte man sich dahingehend geeinigt, dass die Erben bei Annahme von 2000 Talern, die Schenkung nicht mehr anfechten würden.

 

  1. Mai Amtliche Bauanzeige der Ortspolizeibehörde (NKB).

„Die Herren Dr. Groddeck und v. Zedwitz beabsichtigen auf den ihnen gehörigen, in den hiesigen Weinbergen an der Ilske gelegenen Grundstück eine Feldziegelei, bestehend  aus 2 Feldöfen und den dazu gehörenden Trockenschuppen zu errichten“

Damit begann ein spekulatives Unternehmen das letztlich für die Hauptakteure im Chaos endete und das Ansehen des Bades erheblich schädigte.

Der Stettiner Kaufmann Marchand war bei seinem Kuraufenthalt in Anbetracht der teilweise völlig überholten öffentlichen und privaten Badeeinrichtungen auf die Idee gekommen, ähnlich wie in Ems, Pyrmont, Baden oder Kissingen ein „Modebad“ aufzubauen. Für das erforderliche  Kapital sollten private Anleger mit Renditeversprechen  gewonnen werden. Ähnliche Bestrebungen gab  es in Ilmenau und Liebenstein aber auch in Bibra.

Der Badeanstaltsbesitzer Dr. K. T. Groddeck und das Ehrenmitglied der Badedirektion Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz gründeten ein Comitè zur Errichtung eines „Modebades“ zwischen der Fränkenauer Hohle, der Ilske und den Vorderbergen. Dazu erwarb das Comitèe den „Kuchengarten“ von Teichgräber und  den  ehemaligen „Furchtschen Kursaal“ sowie etliche Bauplätze an der Ilske und den Vorderbergen. Der Kursaal wurde sofort abgebrochen und im  Kuchengarten ein neuer Saal gebaut.

Inzwischen begab sich Marchand auf die Suche nach weiteren Geldgebern. Doch der Kaufmann erlag beim Besuch der Pariser Weltausstellung der Cholera.

Obwohl sich wegen zeitgleich einsetzenden „Gründerkrachs“ keine Geldgeber fanden, versuchten Groddeck und v. Zedtwitz das Vorhaben weiterzuführen. Ihnen gelang es, Mittel vom  Vorschussverein und einzelnen Einwohner zu erhalten, wofür sie Wechsel ausstellten und ihre eigenen Grundstücken mit Hypotheken belasteten. Als dann aber die Gläubiger die Rückzahlung verlangten, brach das gesamte Unternehmen in sich zusammen. Groddeck und v. Zedtwitz standen vor dem persönlichen Ruin.

 

  1. Juni Vereinbarung zwischen der Badedirektion und Heyne (St.-A. Nr. 348)

Nach der Absage von Seidenglanz kam wieder ein Vertrag mit Heyne jun. zustande. Darin wurden ein Mindestbesetzung mit 15 Musikern zu den Abonnements-Konzerten, das Honorar bei den  Rèunions mit 12 Talern, jede Stunde nach Mitternacht weitere drei Taler, bei Konzerten im Ort  pro Stunde auf 3 Taler, für die musikalische Begleitung zur Rudelsburg, der Buchenhalle und den Saalhäusern zwischen 16 und 22 Uhr 10 Taler, für weitere Konzerte außerhalb des Ortes 3 Taler die Stunde und für das Choralblasen am Gradierwerk 2 Taler vereinbart. Der Fuhrlohn wurde extra vergütet.  Darüber hinaus durfte Heyne auch bei privaten Gesellschaften aufspielen.

 

  1. Juni Wechsel im Verlag der Kösener Anzeiger-Zeitung.

Im Februar hatte die Fa. Mersalis & Werner die Druckerei Marschke übernommen und teilte nun das Ausscheiden von Mersalis mit. Emil Werner, der auch als Versicherungsvertreter tätig war, führte die Druckerei  allein weiter.

 

  1. Juli Verordnung der Ortspolizeibehörde (NKB)

„Jeder angesessene Einwohner, namentlich jeder Vermieter von Wohnungen an Kurgäste, ist verpflichtet, die  in oder an seiner Behausung  befindlichen  und benutzten Abtritte täglich einmal und die in oder an den Gehöften befindlichen Senk-, Dünger- und Abfallgruben sowie Abzugsgräben jeglicher Art wöchentlich zweimal zu desinfizieren. Bei Nichtbeachtung erfolgt  eine Geldbuße von 10 Silbergroschen bis 3 Taler oder verhältnismäßige Haft“.

 

  1. Juli Plan zur Erweiterung des Güterbahnhofs (WEI RBD Erfurt).

Der Bahnhof bestand aus dem Stationsgebäude, dem Personen-Perron und der Retirade, einem Lade-Perron und einem Güterschuppen mit zwei Anschlußgleisen. Dies reichte aber für den stetig  anwachsenden Güterumschlag von Holzwaren, Mühlenprodukten und landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus den  Domänen, Rittergütern und Ökonomien nicht mehr aus und die Thüringer Bahn verhandelte mit der Landesschule über den Kauf eines Teils der Fränkenauer Wiese für ein Rangiergleis mit Verladerampe.

 

  1. Aug. Die Kgl. Regierung genehmigt die Promenade zur „Katze“ (MER C48Ii 784I).

Auch der Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch zugestimmt. Nachdem der Ausbau der Promenade beschlossen war, baute der  Zimmermeister Töpfer auf dem ihm gehörenden Ufergrundstücken die Wohnhäuser Rudelsburgpromenade 7 bis 17.

 

  1. Aug. Verkaufsauktion im „Mutigen Ritter“ (NKB)

„Das in Bad Kösen in schönster Lage belegene dem verstorbenen Generalarzt und Geh. Sanitätsrat  Dr. Friedrich Ferdinand Hauck gehörig gewesene, jetzt dessen Erbengemeinschaft gehörige Wohnhaus nebst Seitengebäude, Hausmannswohnung und einen schönen noch zwei Bauplätze abgebenden Garten soll aus freie Hand  meistbietend verkauft werden...“, wahrscheinlich die Fr. Ebert. Str. 22.

 

  1. Aug. Personalgesuch (NKB)

„Frau Geh. Rat Nicolovius, Lindenstr. 70 sucht ein Hausmädchen mit guten Zeugnisse das gut nähen und etwas schneidern kann.“ Die Ehefrau des preußischen Rechtswissenschaftlers und Hochschullehrers A. G. Nicolivius (1806-1890) wohnte bei Dr. Rosenberger.

 

  1. Sep. Badelisten (NKB).

In den Badelisten wurden 905 Nummern und 2.653 Badegäste geführt, darunter die Gräfin Sophie Hoym-Berlin, Frau Oberst Pandew-St. Petersburg, Frau General v. Dierke, Frau Staatsrätin Theophanu v. Chwolsow-St. Petersburg, Baronin v. Grotthuß-Dresden, Baron v. Tauchnitz-Leipzig, Hofrat v. Schreiber-St-Petersburg, Gräfin H. v. Schwerin-Berlin, Frl. v. Petersdorf-St. Diè, Rittmeister Freiherr v. Eickstedt-Dresden, Staatsrätin v. Carlsberg-St. Petersburg,  Baronin v. Dankelmann-Potsdam,  General Exz. v. Stein-Berlin, Mr. Hilmers-New York, Baron v. Schenk-Flechtingen, Frau Rittmeister  v. Lauben geb. v. Zedtwitz, Verlagsbuchändler Adolf Cohn-Berlin, Kgl. Kammerdame v. Neindorff, Oberst v. Seydlitz-Berlin, Graf  Raczynski-Erfurt, Baron v. Hagen-Meißen, Dr. phil Rachel-Freiberg, Oberst Gustav Bremer-Hannover, Graf Gustav v. Lambsdorff-Kurland, Baronin v. Braun-Naumburg, Kaiserl. Hofdame Gräfin v. Hohenthal-Berlin, Freifrau v. Strackwitz geb. v. Hohenthal, , Baronin Exz. v. Maltitz, Gräfin Bothmer, Baronin v. Rosenberg-Dresden,  Frau General v. Mordwinow-St. Petersburg, Baronin v. Einsiedel-Altenburg, Prof. Dr. Kellner-Erfurt, Salinendirektor Bergrat Freund-Schönebeck, Hofbibliothekar Dr. Sybel, Literaturhistoriker Prof. Dr. August Wilhelm Bohtz (1799-1880)-Göttingen.   

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Beschlossen wurde die Erhöhung der Gehälter der städtischen Angestellten, Bürgermeister Richter (500 auf 600 Mark), Kämmerer Silber (216 auf 260 Mark), Polizeisergeant Fürstenhaupt (144 auf 180 Mark), Nachtwächter Törpsch (60 auf 72 Mark), Nachtwächter Streuber (48 auf 60 Mark), Lehrer Zeiger (350 auf 375 Mark) Lehrer Giesler (225 auf 250 Mark)

 

  1. Okt. Verkaufsauktion (NKB)

„..sollen im Hoymschen Haus, Borlachstraße 4 die zum Nachlaß des verstorbenen Bäckermeisters Hämmerling  gehörigen Sachen, bestehend aus Möbeln, Haus- und Küchengerät auktionsweise gegen sofortige Bezahlung  versteigert werden“.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde eine Kommission für die Einrichtung einer städtischen Gefängniszelle.

 

  1. Nov. Grundstücksversteigerung (NKB)

„Das in Bad Kösen an der Querstraße und dem Wege nach den Saalhäusern gelegene Schneidersche  Grundstück, bestehend aus Wohn- und Nebengebäuden, worin ca. 20 Jahre  die Färberei betrieben wurde, auch der angenehmen Lage wegen zur Sommerwohnung  passend, ca 30 Wohn-, Schlaf-, Färberei-, Verkaufs und Wirtschaftsräume enthaltend. Besichtigung jederzeit durch Herrn Fr. Sträuber, Querstr. 98..“ Das Anwesen wurde 1852 erbaut und in den 1980er Jahren abgerissen (Schmettaustr. 1/3)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Vergütung für den „weiblichen Handarbeitsunterricht“ wurde auf jährlich 50 Mark bei 4 Stunden wöchentlich festgesetzt.

 

  1. Dez. Verkaufsanzeige der Windmühle auf der Rudelsburg (NKB)

Nach dem Brand in den 50iger Jahren hatte der Saalecker Schmiedemeister Bartold den Platz  vom Rittergutsbesitzer v. Schönburg gepachtet und 1872 eine neue Mühle mit Wohnhaus erbaut. Weil die beiden nahe gelegenen Rittergüter (Kreipitzsch, Stendorf) sowie Saaleck hier mahlen ließen, verlangte er 4.500 Taler.   

 

1874                 

 

  1. Jan. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Saalebrücke (St.-A. Nr. 550)

Der Bauinspektor Werner sollte die Kosten die Verbreiterung der Brücke ermitteln und die  Stadtverordneten über die Gestaltung informieren. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB)

Beschlossen wurden die Mittel für die Einrichtung einer Arrestzelle, des Magistratsbüros, einer weiteren Lehrerwohnung und einer vierten Klasse in der Schule.

 

  1. Feb. Antrag des Magistrats bei der Bahndirektion (WEI RBD K 161/1).

Das Abwasser aus der Burgstraße sollte vor der Matthes`schen Fleischerei (Grüne Gasse 4) in den Flutkanal von der Mausa eingeleitet werden, der unter der Bahn zur Saale verlief und die   Bahnverwaltung für die Unterhaltung zuständig warm brauchte man deren Zustimmung.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Verpachtung eines Verkaufsstandes neben dem Schulhaus an die Modistin Anna Jacobi für 20 Taler. Die Neunummerierung sollte durchgehend für alle bebauten und unbebauten Grundstücke innerhalb des Stadtbezirks mit einheitlichen Schildern erfolgen. Die Stadtkasse sollte die Kosten für die Schildern vorschießen und dann auf die Hauswirte umlegen. Da aber die Stadtkasse leer war, wurde die Angelegenheit verschoben.

 

  1. Mär. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Weil es zum Himmel stank, musste die sofortige Reinigung und die Reparatur des Abwasserkanals in der Borlachstraße erfolgen.

 

  1. Apr. Genehmigung der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 544)

Der Stadt wurde die Einleitung der Abwässer in den Abzugsgraben gestattet, mit der Auflage, dass die Stadt die Reinigung der Kaskade und des Kanals unter dem Gleiskörper übernimmt.  Allerdings kamen dann auch die Abwässer der Matthesschen Fleischerei dazu, was mit erheblichen Geruchsbelästigungen verbunden war.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Dirigenten Heyne jr. (St.-A. Nr. 348)

Neu aufgenommen war eine Konventionalstrafe,  falls Heyne seinen Verpflichtungen nicht nachkäme. Überarbeitet wurde auch die Paragrafen 2 und 18 des Reglements der Badekapelle.

 

  1. Mai Eröffnung des „Hotels zum Preußischen Hof“ (NKB).

Der „Preußische Hof“ (Gerstenbergkprom. 4), das Struvesche Haus (Nr. 3) und die „Tanne“ waren die ersten Häuser an der kleinen Promenade gegenüber vom Bahnhof. Die Grundstücke entstanden durch Teilung der Borlachstraße 29, 31/33 und 35. Das gleicher erfolgte in der  Borlachstraße (Nr.4 bis Nr.30) was die Bebauung der Ostseite der Burgstraße ermöglichte (Nr. 1 bis 35). 

 

  1. Juni Gründung des „Kösener Anzeigers (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Das Lokalblättchen  erschien zweimal wöchentlich und diente dem Magistrat als Amtsblatt.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

In Anbetracht leerer Kassen wurden alle städtischen Bauvorhaben auf das kommende Jahr verschoben.

 

  1. Juli Anzeige einer Privatlehrerin (NKB)

„Junge Damen werden in Pension genommen und können Unterricht in Sprachen, Handarbeiten und allen Beschäftigungen erhalten“. Therese Rüdiger, Burgstraße. 

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Name Rudelsburgpromenade für den Weg zur „Katze“.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde der Bau eines öffentlichen Trinkwasserbrunnens in der Burgstraße und die Anschaffung von Straßenschildern - weiße Schrift auf blauen Grund.

 

  1. Aug. Louise Fournier vermietet Pensionszimmer in der heutigen Borlachstr. 1 (NKB)

 

  1. Aug. Eine der ersten Ansichtskarten zeigt die Rudelsburg (NKB 1889)

Es war der Vorläufer der illustrierten Postkarten allerdings nicht die erste Ansichtskarte, wie oft behauptet. Die erste bekannte deutsche bebilderte Karte ist von 1866. Im Naumburger Verlag von Sieling erscheinen dann auch Postkarten mit dem legendären Rudelsburgwirt Samiel und dem „Himmelreich“.

 

  1. Sep. Ehrung am Sedantag (NKB)

Für ihre aufopfernde Krankenpflege während des Krieges 1870/71 wurde  Frl. Lonny v. Schmettau geehrt.

 

  1. Sep. „Die Saison in Kösen“ von Alex v. Schlieven (NKB)

„..und  die Berliner, Leipziger und Dresdener Familien? Sie wählen Kösen als den Ort ihrer Erholung (.) Die anmutigste Lage, die schönste würzigste Luft, die stärkende Kur des Brunnens und der Bäder, die vielen und doch einfachen Vergnügungen gestalten es ja zu einem wahren Paradies...“

 

  1. Sep. Bekanntmachung zu den Standesamtsbezirken (NKB)

Für den Amtsbezirk Stendorf wurde Bürgermeister Richter und die beiden Rastsschöffen kommissarisch eingesetzt. 

 

  1. Sep. Letzte Kurliste (NKB).

Diesmal waren es 830 Einträge, insgesamt 2.155 Badegäste, etwas weniger als im Vorjahr, was der ungünstigen Witterung geschuldet war, darunter der Theologe Prof. Delitzsch (1813-1890)-Leipzig, Frau Generalin v. Stein-Berlin, Baronin Else v. Rosenberg-Dresden, Oberst-Ltn. Kreyher-Berlin, Baronin v. Uckermann-Sondershausen, Staatsrätin Helene v. Mossoyedoff-St. Petersburg, Baron v. Stenglin-Berlin, Frau v. Hentzelt-St. Petersburg, Freifrau  Treusch von Buttler-Berlin, Baronin v. Vietinghoff-Scheel-Berlin, der Staatsrechtler Geh. Hofrat Prof. Dr. Haenel (1833-1918)-Leipzig, Wirkl. Geh.-Rat v. Koenen-Berlin  Graf Fürstenberg-Berlin, Gräfin Worcell-Dresden, Graf Keller-St. Petersburg, Baronin v. Eickstädt-Guben, Sophie Schroll geb. Wichern, Rauhes Haus bei Hamburg,  Baronin v. Feilitzsch-Dresden, Baronin v. Stein-Glatz, Frau General v. Rothmaler-Berlin, Prof. Dr.  Paul  du Bois-Reymond-Tübingen, Oberst.-Ltn. v. Falkenberg-Sorau, Gräfin v. Bünau-Dresden, Prof. Dr. phil. Fr. Lewitz-Königsberg,  Prof. Dr. Ulrici-Halle,  Baronin v. Maloite-Dresden, General v. Schmeling-Dresden.

 

  1. Okt. Beitrag zum Floßholzmarkt (NKB)

„Seit nach mindestens 200 Jahren und vielleicht noch länger war in Kösen alljährlich zur Osterzeit ein Handelsplatz für Bauhölzer etabliert, welche vom Oberland aus auf der Saale angeflößt worden. In den letzten Dezennien dieses Jahrhunderts war eben der Geschäftsverkehr  für diesen Handel so umfangreich und so bedeutend geworden, daß es für notwendig befunden wurde neben dem jährlich einmaligen  frühen Verkauf,  seit dem vorigen Jahr noch einen zweiten Meßmarkt einzuführen, welcher  auch zufriedendstellend abgehalten worden ist. Leider ist jedoch der zu Ostern  d. J. abgehaltene Holzmarkt der letzte gewesen, da die Flößer-Compagnie des Auslandes ihren Marktplatz nach Camburg verlegt hat. Wahrscheinlich haben die namentlich  in den letzten Jahren vorkommenden Frühjahrs-Hochwasser, welche die Hölzer wiederholt arg  verheert haben, hierzu Veranlassung gegeben oder aber, daß der bequemere und billigere Transport auf der über Großheringen neu erbauten Eisenbahn erhofft wird. Jedenfalls ist der Wegfall dieser Holzmesse für die Stadt Kösen nach mancher Seite hin als Verlust zu bezeichnen.“

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686, NKB)

Für den bau eines städtischen Schlachthauses sollte ein Grundstück am Jochenberg von der Landesschule erworben werden, weshalb die Zeitung anmerkte „In Kösen wird die Erbauung eines Schlachthauses beabsichtigt und zwar auf städtische Kosten. Die Fleischer sollen dann im Wege der Polizeiverordnung verpflichtet werden, nicht mehr in ihren, sondern im öffentlichen Schlachthaus ihr Vieh schlachten.“

 

  1. Nov. Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

Musikdirektor Heyne hatte einen Zuschuss beantragt, weil zu den Abonnementskonzerten wegen des schlechten Wetters weniger Besucher kamen. Dem wurde statt gegeben.

 

  1. Dez. „Instruction für die Geschäftsführung der Königlichen Bade-Direction“(St.-A.)

Die seit 1864 geltende Vorschrift wurde aktualisiert. Die Badedirektion sollte einmal monatlich in der Saison (1. Mai bis 1.Oktober) zusammentreten. Für Beschlüsse reichte die einfache Mehrheit, bei gleicher Stimmenzahl entschied der Vorsitzende, dem auch ein Vetorecht zustand. Bei Angelegenheiten, die das persönliche Interesse von  Kommissionsmitgliedern betrafen, waren  diese von der Beratung und der Beschlussfassung ausgeschlossen. Der Badekassenrendant der auch für den Jahresbericht und den Haushaltsplan zuständig war, musste einen Kaution hinterlegen. Alle Kassenanweisungen bedurften einer zweiten Unterschrift.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Beantragung der Eingemeindung verschiedener Grundstücke an der Ilske und den Vorderbergen aus dem Gutsbezirk Altflemmingen , darunter auch Grundstücke des Comitees (Dr. Groddeck, v. Zedtwitz), sowie von Dr. Rosenberger, Christian Törpsch und dem Holzhändler A. Krüger.

 

  1. Dez. Versteigerung des Nachlasses des am 14. 03. verstorbenen Kupferstechers Wibel (NKB)

 

  1. Dez. Mitteilung des Provinzial-Obersteueramts zum Brückengeld (St.-A. Nr. 550)

Nach dem Gesetz vom 27. Mai über die Neuregelung der Chaussee- und Brückengeldabgabe stellt die Behörde fest, dass nach den Festlegungen vom 16. Juli und 04. August 1868 die Einwohner seit dem 1. Januar 1869 vom Brückengeld befreit sind, allerdings nach der Kabinettsorder vom 14. Februar 1832  auch vom Chausseegeld.

 

  1. Dez. Licitation zur Lieferung von Schwarzdorn (St.-A. Nr. 4)

Gebraucht wurden 50 Schock (300 Stück) mit einer Länge von 7 Fuß (2,2 m). Der Anbieter  mußte erklären, dass diese vom eigenen Grundstück stammten und sich verpflichten, die gesamte Menge bis  zum 23. Februar beim Gradiermeister Quarg abzuliefern. Der Preis wurde auf 1 Taler 20 Silbergroschen pro Schock festgelegt.

  

1875

 

  1. Jan. Dienstanweisung für den Kunstwärter Törpsch (St.-A. Nr. 171).

Zu seinen Aufgaben gehörten die Wartung der Pumpen, der Kunstgestänge und der Röhrenfahrten, die Abgabe von Badesole an die Badewirte, die Sauberhaltung der Wellenbäder, und der Toilettenräume, der Außenanlagen und Wege sowie die Reinigung der Rechenanlagen. 

 

  1. Jan- „Große Schlittenfahrt nach Kösen“ (NKB)

Dazu luden die Naumburger Geschirrbesitzer ein. Treffpunkt war die Vogelwiese, Ziel der  „Mutige Ritter“.

 

  1. Jan. Anfrage des Magistrats bei der Kgl. Regierung (St.-A. 550)

Der Gastwirt Weber und der Müller Roßner hatten sich beschwert, weil ihre Geschirrführer Brückengeld zahlen sollten und beriefen sich auf die Mitteilung des Obersteueramts, in der die Kabinettsorder von 1832 bestätigt wurde, wonach ortsansässige Geschirrführer von der Abgabe befreit sind. Dem Magistrat war die Order nicht bekannt, weshalb man sich an die Reg.- Abteilung d. Inneren wandte. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Für den Kanalbau in der Burgstraße wurde eine Kommission  (Siebold, Toepfer, Werner, Roßner, v. Zedtwitz) gebildet. Wegen des Grundstücks für das städtische Schlachthaus erklärte der Prokurator Schwimmer, dass ein Verkauf nur in Frage kommt, wenn die Kinder aus dem zur Domäne Fränkenau gehörenden Gesindehaus an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) in der Stadtschule aufgenommen werden. Das wurde einstimmig abgelehnt.

 

  1. Jan. Antrag zur Wasserversorgung (MER C48Ii Nr.782I).

Der Gasthof  und die Wahnsche Badeanstalt bekamen ihr Wasser aus dem Brunnen auf dem ehemaligen Holzplatz der Saline. Als eine Erneuerung der Pumpe bekannt wurde, beantragten auch die privaten Hauseigentümer an der Naumbuger Chaussee den Anschluss.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung an den Magistrat (St.-A. 550)

„In Betreff des vom Magistrat erstatteten Berichts v. 5. d. M. wegen des an der Hebestelle in Koesen von den dortigen Einwohnern zu entrichtenden Brückengeldes sind wir mit der Königl. Steuer-Direktion zu Magdeburg in Verbindung getreten und übersenden dem Magistrat hierbei deren Schreiben v. 24. d. M. unter abschrftl. Beifügung der darin erwähnten Order v. 24. 2. 1832 nebst dem Verzeichnis sämtlicher Befreiungen, in welchen auch das Geschirr und Vieh aller Einwohner des Orts Koesen aufgeführt sind, Abschrift des Finanz-Ministerial-Reskripts v. 16. Juli 1868 worin bestimmt ist, daß die früher den unmittelbaren Ortschaften der Justizämter Pforta und Eckartsberga oblegene Frohndienstpflichtigkeit in Betreff der Koesener Brücke in Folge Chaussierung der darüber hin führenden Straße bedeutungslos geworden sei, weshalb ferner die in Rede stehenden frohndienstpflichtigen Ortschaften zur Entrichtung der Brückengeldabgabe angehalten werden sollen. Dem vorerwähnten Ministerialreskript liegt die Voraussetzung zum Grunde, daß Koesen früher Frohndienste zu der Brücke geleistet habe, und ist in Annahme seitens des Hauptsteueramtes zu Naumburg als zutreffend bezeichnet worden, weshalb die Kgl. Privinzial-Steuer-Direktion unterm 31. Dez. v. J. sich genötigt gesehen hat, die Heranziehung des Ortes Koesen zur Entrichtung der Brückengeldes zu verfügen, obgleich dieselbe in dem Schreiben vom 24. d. M. einräumt, daß ihr diese Verfügung nicht ganz zweifellos erscheint, weshalb es jetzt darauf ankomme, um bedingte Gewißheit darüber zu erlangen, ob Koesen zu den unmittelbaren Ortschaften des vormaligen Justiz-Amtes Pforta und Eckartsberga gehört hat, denen früher  die Verpflichtung zur Leistung von Frohndiensten  an der dortigen Brücke und welchen  aus diesem Grunde die Befreiung von der Brückengeldabgabe zugestanden war, eventuell fragt es sich, ob Koesen einen besonderen Rechtsgrund für die beanspruchte Befreiung nachzuweisen im Stande ist.“ 

Die Einwohnerschaft von Kösen war auf Grund der besonderen Rechtsverhältnisse seit Bestehen des Dorfes zu keiner Zeit zur Brückenfron verpflichtet.

 

  1. Feb. Beschluss des Kreisausschusses zur Eingemeindung (St.-A. Amtsblatt 1875).

Das betraf die zum Gutsbezirk Altflemmingen gehörenden Weinberge zwischen der Fränkenauer Hohle über die Ilske und den Vorderbergen bis zu den Saalbergen. Die Parzellierung und Bebauung erfolgte in mehreren Abschnitten. Die Saalstraße Nr. 44 bis 53 wurde ab 1842, die Nr. 54  bis 62 ab 1860 und die Nr. 63 bis 76 ab 1870 mit Wohnungen bebaut.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Im Zuge der Bebauung der Ostseite der Burgstraße (Nr. 1 bis 35) sollte vor den Häusern ein kleiner Vorgarten  und auf der gegenüberliegenden Seite (Nr. 2 bis 16) ein Gehweg angelegt werden.

 

  1. Mär. Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 360)

„Frevlerhände“ hatten die Barriere an der kleinen Saale beim Weber`schen Gasthof zerstört. Als Ersatz sollte ein Holzgeländer errichtet und dahinter eine Weißdornhecke gepflanzt werden, die dann  die „ständiger Zerstörung anheimfallender Barriere“ ersetzen sollte.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Nachdem die Differenzen zwischen den oberländischen und unterländischen Holzhändlern eskalierten, erklärte die Flößergemeinde zu Kahla „Verschiedene Umstände halber, namentlich auch wegen des unterhalb Camburg bestehenden Knotenpunktes der Thüringischen-, Saale-Unstrut- und Saale-Eisenbahn hat die privilegierte Floßgemeinde der oberen Saale nach erfolgter Genehmigung  der Behörden beschlossen, die bis jetzt alljährlich  in der Regel Sonntag Palmarum  in Kösen abgehaltene Floßmesse nach Camburg zu verlegen.“ Daraufhin erklärte der Ausschuß der vereinigten Holzhändler an der unteren Saale „Obgleich die sogenannte Floßkommune von Kahla die Absicht hat ihre bisher nach Kösen zum Verkauf gebrachten Hölzer nach Camburg  zu flößen, machen die Unterzeichneten dennoch bekannt, daß die Holzmesse im  Einverständnis mit den allergrößten Teil der oberländischen Verkäufer nach wie vor am Palmsonntag in Kösen abgehalten wird“. 

Allerdings mussten beide Messen wegen der Witterung auf die Woche nach Ostern verschoben werden. 

 

  1. Apr. Befragung von Einwohnern wegen des Brückengeldes (St.-A. Nr. 550)

Der Ökonom Friedrich August Werner, geb. am 21. Juli 1796, erklärte, dass ihm seit frühester Jugend nicht bekannt sei, dass Geschirr haltende Einwohner Frondienste zur Brücke zu leisten hatten. 1820 habe er selbst die väterliche Wirtschaft übernommen (Stadtgut) und keine derartigen Dienste geleistet, wie auch die anderen Geschirr haltenden Einwohner. Der ehemalige Ortsrichter Christian Schleicher, der 1822 im Alter von 14 Jahren beim Brückeneinnehmer Döring in Diensten stand und seit 1847 Ortsrichter war, bestätigte die Erklärung Werners, dass die Einwohnerschaft weder zur Brückenfron, noch zur Brücken- oder Chaussegeldabgabe herangezogen wurde. 

 

  1. Apr. Umverlegung des Bachlaufs im unteren Park (WEI RBD).

Weil der im ehemaligen Ausstich angelegte Teich keinen natürlichen Zulauf hatte, verewandelte er sich im Sommer zur stinkenden Kloake. Um dem Übel abzuhelfen, beantragte die Badedirektion bei der Bahnverwaltung und der Landesschule die Genehmigung, von den über die Herrenwiese führenden Bach einen Zulauf zum Teich abzuzweigen und den Überlauf wieder in den Bach einzubinden. Wegen der Ergiebigkeit der Quelle auch in den heißen Sommermonaten war nun ein Austrocknen des Teiches nicht zu befürchten.  

 

  1. Apr. Geschäftsanzeigen (NKB)

Der neue Besitzer des Zeidlerschen Lokals hieß Groetzsch. Der dazugehörige Saal wurde bald zum beliebten Treffpunkt der Kösener Vereine. Neben Konzerten und Bällen nutzten der Gerichtsvollzieher und der vereidigte Auktionator Wilhelm Becker den Raum für ihre Versteigerungen.

Die Witwe Mathilde Zeidler, ehemals Rost zeigte an „daß ich die von mir (.) in dem Großmannschen Haus (heute Lindenstr. 14) betriebene Restauration in mein eigenes, in der Lindenstraße 69 (heute Lindenstr. 7) vis à vis am Rathaus belegenen Haus verlegt habe“

 

  1. Mai Wolkenbruch (NKB)

„So Ungeheurliches wissen denn doch die ältesten Leute sich nicht zu entsinnen. Was hat das Wetter aus Kösen gemacht. Schon  waren wir daran, uns für das Pfingstfest zu rüsten, jedes Stück Erde  war ein lieblicher Garten und nun, soweit  man sieht nur Schlamm und Pfützen. Aus der sog. Hohle von Fränkenau her wälzte sich ein Meer auf und herab, durchbrach die starken Mauern des Teichgräberschen Saales, füllt ihn fußhoch mit schlammigen Wasser, brach wieder durch und setzte Garten und Anlagen unter Lehm, entwurzelte alte Bäume und wälzte zentnerschwere Steinblöcke mit sich fort. Im Teichgräberschen Restaurations-Lokal saßen die Gäste beim Table d`hote, mit Zurücklassen ihrer Hüte hatten sie Not ihr Leben zu retten. Auch hier hatte das Wasser die Wände zerbrochen und schwemmte die Küchenutensilien, das Büffet in den Speisesaal hinein. Der Fleiß der beiden GärtnerMöller und Köhler war umsonst, ihre sorgfältig bearbeiteten Grundstücke sind  Schlammbecken geworden, die Treibhäuser eingestürzt, selbst die Wohngebäude und Stallungen unterwühlt. Der Schaden ist unberechenbar..“

 

  1. Mai Geschäftsanzeige von Dr. Wahn (NKB)

„Meine Bade-Anstalt habe ich eröffnet und es können nun Sool-, Fichtennadel-, Malz-, Eisen- u.a. Bäder von früh bis abends genommen werden.“

 

  1. Mai Geschäftsanzeige der Expedition des Kösener Anzeigers (NKB)

„Von dem in Kösen jeden Sommer zweimal wöchentlich herausgegebenen Bade-Journal erscheint die erste Nummer Ende dieses Monats. Da dieselbe das Verzeichnis sämtlicher anwesenden Badegäste  mit genauer Angabe der hiesigen Wohnung, sowie des Heimatortes enthält und das gelesenste Blatt in Kösen ist, laden wir ein geehrtes Publikum zu recht zahlreicher Benutzung ein ..“

 

  1. Mai Mitteilung des Königl. Hauptsteueramtes (St.-A. Nr. 550)

„Den Magistrat benachrichtigen wir hierdurch ergebenst, daß in Folge höherer Entscheidung das Geschirr und Vieh der Einwohner der Stadt Koesen beim Passieren der dortigen Saalebrücke vom Brückengeld freigelassen wird. Die dortige Brückengeldhebestelle ist mit entsprechender Anweisung versehen.“

 

  1. Mai Todestag von Ferdinande von Schmettau (Sterbereg, Heimatbuch 1930).

Die Ikone der Befreiungskriege, die 1863 als Ehrenstiftsdame ernannte und mit einer kleinen Rente bedachte Jungfrau wohnte seit 1861 bei ihrem Bruder Major a. D. Theodor von Schmettau und dessen Ehefrau Mathilde in der Saalstraße (Nr. 16). Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, gehörte aber zu einer der bekanntesten kurbrandenburgisch-preußischen Offiziersfamilien. So kommandierte Friedrich Wilhelm Carl v. Schmettau die 3. Divison in der Doppelschlacht von Jena-Auerstädt. Er wurde schwer verwundet, kam nach Weimar, zunächst in das Haus der Frau von Stein, dann in das Stadtschloss, wo er verstarb.  

 

  1. Juni Wolkenbruch (NKB)

„Von den Saalbergen herabkommend, überfluteten die Wassermassen abermals die Parterre-Räumlichkeiten, Keller und Gartenlokalitäten  des Restaurateurs Teichgräber und führten viele Gegenstände mit sich fort. Demnächst dürften wohl die Gärtner Möller und Köhler wieder sehr namhafte Verluste  durch die Verschlammung ihrer Gärten und die Vernichtung edler Pflanzen  erlitten haben (.) Eine ganz besondere Explosionsgefahr entstand für die unterhalb Kösen (in der Lengefelder Flur) gelegene Tänzersche Dampfziegelei, indem die Wasser sich in den Kalkbrennofen ergossen und dadurch  die unerwünschte  Löschung  des Kalksteins herbeiführten.“

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurde die Polizeiordnung zur Grubenberäumung und Dungabfuhr sowie die Mittel für die Fertigstellung des Brunnens in der Burgstraße. Zur Kenntnis nahm man eine Verfügung der Kgl. Regierung zum Anbinden von Flößen. Außerdem wurden die Gelder für die neuen Hausnummernschilder bewilligt, deren ordnungsgemäße Anbringung über der Haustür von der Ortspolizei kontrolliert werden sollte. 

 

  1. Juni Genehmigung für den Bau eines Wandelgangs am Gradierwerk (St.-A. Nr. 58).

Damit war nun auch die Freiluftinhalation bei ungünstigen Witterungsbedingungen möglich.

 

  1. Juni Aufstellung eines Briefkastens auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juli Genehmigung für zivile Konzerte des Militärmusikkorps (St.-A. Nr. 348).

Heyne jun. inzwischen Kapellmeister des  4. Magdeburgischen Jägerbataillons in Naumburg  erhielt vom Kommandeur die Genehmigung, mit seiner Kapelle auch bei zivilen Veranstaltungen aufzutreten.

 

  1. Juli Meldung der Badedirektion (NKB)

„In Kösen weilen augenblicklich mehrere französische Familien, deren Häupter 1870/71 hier unfreiwillig aber gutes Quartier gehabt.“

 

  1. Aug. Jenny v. Gerstenbergk läßt sich nieder (GSA Wei 21/312, NKB)

Das Schreiben an den Oberbibliothekar der Jenaer Universität wurde auf der hiesigen Telegrafenstation aufgegeben und nur wenig später inserierte sie „Villa Gerstenbergk sucht ordentliches Mädchen vom Lande“.

Jenny v. Gerstenbergk wurde 1828 in Weimar geboren. Ihr Vater war der großherzogl.- weimarischen Regierungsrat Georg Friedrich Müller (1780-1838), der von seinem Onkel adoptiert wurde und sich nach ihm „von Gerstenbergk“  nannte. In Weimar war er seit 1813 mit   Johanna Schopenhauer (1768-1838) liiert, die einen „Literarischen Salon“ führte, wo  u. a. auch der Staatminister Goethe und dessen Frau Christine verkehrten. 1825 heiratete er Amalie v. Häseler, eine Tochter des Grafen A. F. v. Häseler, deren Mutter wiederum eine geborene Gräfin v. Beust auf Neu- und Bergsulza war. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Neben Jenny, die unverheiratet blieb, ihre Schwester Therese (geb. 1835) die 1858 den Grafen H. K. v. Helldorf auf Bergsulza heiratete.

 

  1. Aug. Veranstaltungsanzeigen (NKB)

Zum „Großen Gesangsfest mit dem Naumburger Sängerbund und der Stadtkapelle des Herrn Musikdirektors Seidenglanz“ auf der Rudelsburg lud Samiels Schwiegersohn Andrä ein. Auf dem „Himmelreich“, dessen Wirt Gehre sich nun „Petrus“ nannte, gab es ein Extrakonzert. Bei Hartmann dem Wirt der „Katze“ spielte die Kösener Badekapelle und im Kuchengarten eine Militärkapelle, wobei dem Publikum mitgeteilt wurde, „daß sämtliche Plätze unter der Kolonnade, sowie die zwei Reihen unmittelbar vor derselben stehenden runden Tische mit Stühlen an eine Gesellschaft abgegeben sind“.

 

  1. Aug. Anweisung des Handelsministeriums zur Verbreiterung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

„Die von der Kgl. Reg. unter dem 5. Mai d. J. anderweit vorgelegte Nachweisung der extraordinairen Bedürfnisse zu Wasserbauten für 1876 hat mir Veranlassung  gegeben, wegen Verbreiterung der Saalebrücke zu Kösen (.) mit dem Herrn Finanzminister in Verbindung zu treten. Nach dem Ergebnis desselben wird davon abzusehen sein, den auf 57.000 Mark bemessenen  Bedarf  für den (zuerst) gedachten Brückenbau in das Extraordinaire der Bau-Verwaltung für 1876 aufzunehmen. Da bei der Unterhaltung jener im Zuge der Halle-Weißenfels-Eckartsbergaer Chaussee belegenen Brücke  nicht bloß Wasserbaufonds, sondern auch und zwar in Betreff der Fahrbahn derselben der Chaussee-Unterhaltungs-Fond beteiligt ist, der letztere Fonds  aber vom 1. Januar v. J. ab auf die Provinz übergeht, so wird von diesem Zeitpunkt ab ein Bau an der Brücke, welcher zugleich eine Verbreiterung der Fahrbahn bezweckt nicht ohne vorherige Kommunikation mit den künftigen Organen der Provinzial-Chaussee-Verwaltung in Angriff genommen werden können...“   

 

  1. Aug. „Physikalische Magie-Illusion“ im „Kursaal“ (NKB)

Die gestalteten der Magier Bessachini, Hofkünstler S. Maj. d. Kaisers, die Berlin-St. Petersburger-Konzert-Gesellschaft, Frl. Anna Schubert und Eugen Hildach-Konzertsänger aus Berlin sowie der Pianist Konstantin Sternberg-St. Petersburg.

 

  1. Sep. Letzte Kurliste der Saison (NZ).

Insgesamt wurden 2.094 Badegäste registriert, darunter der Schriftsteller, Journalist und Theaterdirektor in Meiningen und Berlin Paul Lindau (1839-1919), der Geh.-Justizrat Prof. Dr. A. Schmidt-Leipzig, Louise v. Katte geb. Gräfin v. Königsmarck-Potsdam, Mrs. Jared Chillenden-New York, Baron v. Ziegenhirt-Erfurt, Baron v. Wangenheim-Gotha, Oberstltn. v. Kühn-Wittenberg, Frl. W. u. C. Lerch-St. Petersburg, Bürgermeister Dr. Mascher-Hörde mit seinem Bruder Oberpostdirektor Mascher-Hersfeld, Kammermusiker Tuscek und dessen Ehefrau Kammersängerin Leopoldine (1821-1883)-Berlin, Frau General Exz. v. Stein, Kaufmann Dromdra-London, Carlo Saroldi-Italien, Miss Rekords-Philadelphia, Baronin v. Feilitzsch, Baronin v. Einsiedel, Verleger Hjalmar Eckrot-Schweden, Oberstltn. Schober, Rentier Charles Krook-Schweden, Baronin v. Borcke, Fr. General v. Stein-Kaminsky-Coburg, Bildhauer Stötzel-Potsdam, Gräfin Kamecke-Greiz, Prof. Dr. Häsler-Breslau,  Baron v. Riedesel-Naumburg, Mr. Wright-Amerika, Oberstltn. v. Wulffen-Loburg, General v. Gotsch-Merseburg.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige des Fürstenhaupt`schen Wohnhauses, Saalstraße II-59 (Nr. 23) (NKB)

Allerdings fand sich kein Käufer, denn im April 76 erschien erneut eine Verkaufsanzeige. Dann erwarb es der Polizei- Sergeant Amelang

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Pächters der „Katze“ A. Waldhausen (NKB)

 

  1. Nov. Geschäftsbericht des Vorschußvereins (NKB)

Der Verein, gegr. 1861, zählte 225 Mitglieder, der Kassenumsatz betrug 606.000 Mark (die Talerwährung war per Reichstagsbeschluß aufgehoben) und die Einleger erhielten 13% Dividende.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB).

Insgesamt waren es 2055 Einwohnern, davon 871 Männer, darunter 831 Preußen, 33 sonst. Deutsche und 7 Ausländer. Von den  1.184 Frauen waren 1138 aus Preußen, 43 dem übrigen Deutschland und 3 Ausländerinnen. Es gab 554 Haushalte und 238 Wohnhäuser, 103 mehr als vor 20 Jahren. Das betraf die Dienstwohnungen der Saline, die von Privatleuten gekauft wurden (Salinenstr. Kukulauer Str.) und neu angebaute Häuser in der Grünen Gasse, der Saalstraße, der Parkstraße, an der Kleinen und der Rudelsburgpromenade.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige von A. Tilebein, Wirt der „Tanne“ (NKB)

„Die ergebenste Anzeige, daß ich durch Neubau meine Lokalitäten angemessen erweitert, auch neue Stallungen eingerichtet habe (.) Zur Unterhaltung der mich beehrenden Gäste habe ich ein neues französisches Billard aufgestellt, heizbare Kegelbahn und einen freundlichen Saal eingerichtet..“

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die in der Saale badenden Knaben gaben oftmals Anlaß zu Beschwerden insbesondere der Damenwelt. Daher suchte man nach einem geeigneten Platz außerhalb der Ortslage. Der Prokurator hatte die Mündung des Scheitbaches vorgeschlagen. Die Mittel für die Einrichtung und die Aufsicht sollten durch Eintritt ausgeglichen werden. Weil man aber den Zahlungsunwillen gerade der ärmeren kinderreichen Familien kannte, nahm man davon wieder Abstand.

 

  1. Dez. Statut der Floßgemeinde zu Kahla (Stadtarchiv Jena, Abt. III Nr. 102).

 

1876

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadtverordneten Dr. Groddeck, Oberförster a. D. Leuschner, Rentier Siebold, Oberst a. D. von Zedtwitz, Maurermeister Werner, Kaufmann Heckenberg, Mühlenbesitzer Roßner, Zimmermeister Toepfer, San.-Rat Dr. Rosenberger, Postmeister Müller, Apotheker Gause und Schuhmachermeister Becker wählten Groddeck und Leuschner zum Ratsschöffen.

 

  1. Jan. Anzeige des Wirts Friedrich Andrä aus Schieben (NKB)

„Die Restauration auf der Rudelsburg ist seit dem 1. Januar dieses Jahres meinen Händen entzogen und durch neue Verpachtung in andere übergegangen. Bei meinem Abschied von der liebgewonnene Stätte an welcher ich so manchen Sommer, erst in Gemeinschaft mit meinem Schwiegervater Samiel und seit einem Jahrzeuhn auf eigene Rechnung gewirtschaftet...“ Kurz darauf meldete die Zeitung „.im Vertrag mit dem neuen Pächter wurde geregelt, der Pächter übernimmt  während der Dauer der Pacht die Verpflegung des Wagner und verpflichtet sich, denselben stets liebevoll  und gut zu behandeln und demselben in der vorderen Stube der sog. Samiels-Höhle einen Ruheplatz einzurichten, sofern sich derselbe auf der Rudelsburg aufhält. Ferner ist dem Wagner eine jährliche Pension von 150 Mark vom Besitzer der Rudelsburg ausgesetzt...“

 

  1. Jan. Kaiserliche Kabinettsorder (NKB, Kurzeitung 17/1927, KÖZ 107/1925)

Der 1866 von 80 Mitgliedern gegründeten Kriegerverein „König Wilhelm“ durfte das Vereinshaus auf dem Nikolausberg „Kaiser-Wilhelms-Burg“ nennen. Den Platz neben dem „Fähnchen“ hatte man von Thielitz erworben.  Der Verein löste sich 1917 auf, nachdem auch die letzten Teilnehmer der Kriege 1864, 1866 und 1870 verstorben waren.

 

  1. Feb. Geschäftsanzeige des Restaurateurs C. R. Landmann (NKB)

„Einem geehrten Publikum erlaube ich mir, hierdurch ergebenst anzuzeigen, daß ich von nachmittag 4 Uhr an im gut beheizten Saal Konzert und Ball abhalten werde.“ Landmann hatte den neuen Kursaal samt dem Kurgarten von Groddeck und v. Zedtwitz gepachtet und komplett neu eingerichtet.

 

  1. 02. Verkaufsanzeige des v. Mühlenfels`schen Hauses-Loreleyprom. 5 (NKB)

Allerdings fand sich zunächst kein Käufer und Mühlenfels bemühte sich um einen Miter für seine „herrschaftliche Wohnung“.

 

              Gründung des Turnvereins (KÖZ).

  1. Händler und B. Schimpfermann gehörten zum Vorstand des 30 Mitglieder zählenden Vereins. Zunächst traf man sich im Groetzschen Saal wo im daneben liegenden Garten die ersten noch selbst gebauten Turngeräte aufgestellt wurden. Später war die „Katze“ das Vereinslokal.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Antrag Webers auf Überbauung des Weges an der kleinen Saale wurde mit 8 zu 3 Stimmen unter bestimmten Auflagen (Erhalt und Unterhaltung des Weges zu den Wellenbädern und zum Wehr) befürwortet. Dr. Groddeck, Apotheker Gause und Oberst v. Zedtwitz protestierten vergeblich.

 

  1. Mär. Benefizkonzerte (NKB)

Im Kurgarten wurde zu Gunsten des Kirchenbaufonds und im Gasthof zum Mutigen Ritter für die Hochwassergeschädigten von Schönebeck gesammelt.

 

  1. Mär. Anzeige „Die Rudelsburg ist wieder täglich geöffnet“ (NKB)

Neuer Pächter war Caspar Waldhausen, Sohn oder Bruder des „Katzen“-Wirts, der zunächst auch als „Samiel“ warb. Der echte Samiel, Gottfried Wagner starb 1878 im Alter von 84 Jahren und wurde in Tultewitz beigesetzt. 

 

  1. Apr. Schreiben des Prokurators an die Badedirektion (St.-A. Nr. 360).

Der verlangte die Entfernung des Zaunes an der kleinen Saale zwischen dem Weberschen Gasthof und der kleinen Saale, den die Badedirektion 1874 zur Sicherheit der Besucher der Wellenbädern angelegt hatte. Die beschwerte sich daraufhin beim Provinzialschulkollegium.

 

  1. Apr. Extra-Konzert zur Holzmesse im „Mutigen Ritter (NKB)

In Kösen kamen rund 900 Flöße zum Verkauf, allerdings ebensoviel in Camburg, was der hiesigen Holzmesse erheblichen Abbruch tat.

 

  1. Apr. Osterkonzerte im Kurgarten, Rektorberg, Rudelsburg und Katze (NKB)

 

  1. Mai Aufführung des Stadttheaters Naumburg im Saal des Kurgartens (NKB)

 

  1. Mai Sitzung der Badedirektion (St.-A. Nr. 348)

In einer Anzeige erklärte Carl Julius Heyne sen. der seit der Absage von Seidenglanz die Kurkapelle wieder übernommen hatte „Aus Gesundheitsgründen sehe ich mich genötigt, die von mir seit vier Jahrzehnten geführte Direktion der Musik-Kapelle aufzugeben.“ Probeweise wurde der Ronneburger Dirigent Göring mit der Leitung der Badekapelle betraut. Heyne sen. verstarb im Dezember 1883.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Nach vorheriger Genehmigung der Oberbehörde wurde das im Kataster als Nr. 30 geführte sog. „Stadthaus“ in der Borlachstraße (heute Nr. 13) dem Klempner Krause für 6300 Mark verkauft.

 

  1. Juni Veranstaltungen zum Pfingstfest (NKB)

Im „Kurgarten“ spielte die Badekapelle, auf der Rudelsburg das Musikcorps des Jägerbataillons unter Leitung von Heyne jr., auf der „Kaiser Wilhelmsburg“ das Trompetencorps der Magdeburger Jäger, A. Waldhausen (Katze) und die Witwe Möllnitz (Rektorberg) luden zum Tanz  ein.

 

  1. Juni Erklärung des Prokurators (St.-A. Nr. 360)

Der teilte mit, dass die Klage Weber wegen der Eigentumsrechte an dem Fahrweg zwischen Gasthof und kleiner Saale zugunsten der Landesschule entschieden wurde und dass diese die öffentliche Nutzung  bis auf Widerruf gestattet.

 

  1. Juli Kommers der Leipziger „American Society“ auf der Rudelsburg (NKB)

Anlaß war der 100. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

 

  1. Juli Hochseilakt über der Saale (NKB)

Dazu wurde ein Schrägseil vom Krügerschen Holzgeschäft über die Saale in 50 Fuß Höhe (15 m) gespannt. Der Eintritt kostete 20 Pfg. für Erwachsene und 10 Pfg. für Kinder, Equipagen bezahlten 3 Mark. Nach der Vorführung ging es im Festzug zum Kurgarten, wo die Badekapelle spielte..

 

  1. Juli Submission für einen „Fallkessel“ an der Eckartsbergaer Chaussee (NKB)

Um weitere Schäden durch die bei Unwettern auf der Fränkenauer Höhe durch die Hohle zu Tale stürzenden Wassermassen an der Chaussee, der Gemeindestraße, der Bahnunterführung und dem Mühlenweg zu vermeiden, sollte ein Absturzbauwerk an der Fränkenauer Hohle, ein Tunnel unter der Chaussee und ein gemauertes Gerinne mit Rückhaltebecken das Wasser in geordneten Bahnen zur Saale leiten.

 

  1. Juli C. F. Hugo übernimmt den „Rektorberg“ von der Witwe Möllnitz (NKB)

Allerdings endete die Pacht bereits zum Saisonende.

 

  1. Juli Vertrag mit dem Musikdirektor H. Göring (St.-A. Nr. 348)

Göring sollte bis zum Saisonende mit der Badekapelle 5 Konzerte im Kurgarten, vier in der Katze, zwei  Promenadenkonzerte, jeweils ein Konzert in der Buchenhalle auf der Wilhelmsburg und der Johannisquelle und 5 Rèunions geben. 

 

  1. Aug. Verkaufsanzeige des Struveschen Wohnhauses (NKB)

Trotz bester Lage gegenüber vom Bahnhoff neben dem „Preußischen Hof“ fand sich kein Interessent, so dass Struve davon Abstand nahm und einen Mieter für seine „herrschaftliche Wohnung“ suchte.

 

  1. Aug. Submission von Holzlieferungen zur Reparatur des Kunstgestänges (NKB)

Ausgeschrieben waren verschiedene Zuschnitte von splintfreien Eichenholz wie Pfosten, Säulen und Schwellen für die Erneuerung des Unterbaues und des Kunstkreuzes. Die Vergabe erfolgte durch den Kreisbaumeister im Auftrag der Kgl. Regierung zu Merseburg.

 

  1. Aug. Holzhändler Albert Krüger verkauft sein Haus (Naumburger Str. 11) (NKB)

Er hatte von der Landesschule den früheren Scheitholzplatz zwischen der Mühlwiese und der Krümme erworben und baute hier eine Villa (Parkstr. 2) samt Remise (Parkstr. 3).

 

  1. Sep. Versteigerung des Nachlasses der Witwe von Prof. Jacobi (NKB)

Die Villa „Jacobi“ erwarb dann die Kaiserin Auguste Victoria Stiftung und richtete hier ein Kinderheim ein.

 

      Sep. Kurliste (NKB)

In diesem Jahr wurden 2063 Gäste gezählt, im Stahlbad Bibra hielten sich lt. Kurlisten 102 Badegäste auf. Prominente Gäste waren der Historiker und Reichstagsabgeordneter Prof. Heinrich Treitzschke (1834-1896) und General Colmar von der Goltz (1843-1916) als Golz-Pascha Reorganisator der türkischen Armee. Außerdem Mrs. Chittenden-Amerika, Baron Wöhrmann-Livland, Baronin v. Borcke, Prediger Hinrich Wichern (1808-1881)-Hamburg, Graf v. Landretzki-Schlesien, Gräfin v. Pückler, Baronin v. Rosenberg-Dresden, Gebrüder Hana-Java, Hotelier L. Schöneburg-San Franzisko, Kgl. Hofschauspielerin Charlotte Schneider-Schwerin, General Graf v. Gneisenau-Magdeburg, Frau General Exz. v. Freihold, Frau General v. Rheinbaben-Berlin, General Freiherr v. Boße-Dresden, Baronin v. Wangenheim-Gotha, Buchhändler H. H. Reclam-Leipzig, Freiin v. Maltzahn-Schwerin, Konzertsängerin Louise v. Hennig-Berlin, Opernsänger Geist-Bremen, Freifrau v. Nordenflycht-Nordhausen, Frau General Exz. v. Stein, Frl. Hausmann Directrice der St. Annenschule nebst Frl. Justine Cholkin-Lichoschestwo-St. Petersburg, Hofjuwelier Godet-Berlin, Verlagsbuchhändler Dr. phil Hermann Padel-Berlin, Gräfin Claire d`Houssonville-Berlin, Carlo Savoldi-Turin, Frau General Kritter-Berlin, Baronin v. Roedern-Berlin, der Komponist F. Opitz-Berlin, Prof. Dr. Fr. Zander-Königsberg, Staatsrat Exz. Dr. Eduard v. Häffner-Riga, Baronin Exz. v. Maltitz-Weimar, Graf und Gräfin Henkel v. Donnersmarck, Freiherr v. Marittae St. Julien-Aschaffenburg, Baron v. Vietinghoff-Potsdam, Gräfin Wielopolska-Dresden, Hofschauspielerin Frieb-Blumauer-Berlin, W. Müller KuK Hofkapellmeister und Lehrer an der Hochschule für Musik-Berlin, Baronin v. Wohrmann-Kurland, Freiherr v. Seebach-Erfurt, Freiin v. Berg-Berlin, General Baron v. Budberg mit Tochter Baronin v. Wöhrmann-Livland, Frau General v. Sperling-Schwerin, Gräfin v. d. Groeben-Westpreußen, Frau Dr. Allihn-Köthen, Prof. Siebold-Manchester, Hauptmann v. Manstein-Hamburg.  

Zum Saisonabschluss spielte die Badekapelle im Kurgarten, Militärkapellen auf der Wilhelmsburg  und der Rudelsburg und Waldhausen lud zum „Bohnenfest“ mit Ball in die „Katze“ ein.  Der Wirt der Rudelsburg kündigte an,  die Restauration auch im Winter durchgängig zu öffnen.

 

  1. Sep. Anzeige für den Einbau eines Dampfkessels (NKB)

Der sollte in der neuen Brücknerschen Brauerei in der Saalstraße (Nr. 27) aufgestellt werden.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Zugestimmt wurde der unter Federführung des Landkreises festgelegten Grenze zwischen dem  Stadt und dem Gutsbezirks. Dabei ging es um den baupolizeilichen Geltungsbereich und die Unterhaltungspflicht der öffentlichen Straßen und Plätze, die der Landesschule gehörten und für die die Stadt ein Nießbrauchsrecht hatte. Eingemeindet wurden der Jackenberg und die Vorderberge, die Übernahme des „Kommunikationsweges“ nach Lengefeld und des Wirtschaftsweges nach den Saalhäusern wegen nicht „absehbarer Kosten bei der Unterhaltung“ dagegen abgelehnt.

 

  1. Sep. Konkurs des Kurgartenpächters Landmann (NKB).

Nach nur einer Saison war Landmann am Ende. Im Dezember kamen bei einer sechs Tage dauernden Auktion das gesamte Inventar wie Gold- und Silbersachen, Uhren und Porzellan, Gläser, Zinn-, Kupfer-, Messing-, Blech- und Eisengeschirr, Wäsche, Betten, Hausgeräte, Möbel, Kleidung, Vorräte, Wein, Champagner, Likör, Essenzen, Kognak und viele andere Dinge unter den Hammer. Im Dezember 1877 fand im Grötzschen Saal eine weitere Zwangsversteigerung statt.

 

  1. Okt. Danksagung für eine Kirchenbauspende (NKB)

Wie bereits im Vorjahr hatte eine unbekannte Wohltäterin 1500 Mark gespendet. Der Kirchenbaufond belief sich inzwischen auf 30.000 Mark und man hoffte, in nächster Zeit mit dem Bau beginnen zu können.

 

  1. Okt. Bergrat Friedrich August Backs verstirbt (Sterbereg. Röblitz, 1930).

Er verstarb an Altersschwäche. Zwei Jahre später errichtete die Stadt ihm zu Ehren einen Gedenkstein an der Promenade im unteren Kurpark.

 

  1. Okt. Anzeige des Musikmeisters im Jäger-Bataillon Nr. 4 Heyne jr. (NKB)

„Auf Grund vielfacher Aufforderungen (.) beabsichtigt Unterzeichneter, diesen Winter sechs Abonnements-Konzerte mit Streichinstrumenten im Gasthof zum mutigen Ritter zu geben“. Das erste fand im November statt.  

 

  1. Okt. Erklärung der Badedirektion zur Abzäunung an der kleinen Saale (St.-A. Nr. 360)

Nach mehrmaliger Ermahnung durch den Prokurator wurde erklärt, dass der Zaun  „prevario“ d. h. „vorübergehend“ sei, bis die angepflanzte Hecke angewachsen war.

 

  1. Okt. Liste der Kösener Wahlmänner für das preuß. Abgeordnetenhaus (NKB)

Geh.-Rat Förster, Rentier Fr. Heun, Amtsrat Jäger, Oberförster Leuschner, Dr. Raabe, Bürgermeister Richter, Rentier Heinrich Siebold und Zimmermeister Fr. Töpfer.

 

  1. Okt. Nachlaßversteigerung beim Schuhmachermeister Elsner, Neue Str. 107 (Nr. 4) (NKB)

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen für die Weihnachtstage (NKB)

August Hämmerling veranstaltete wieder eine Ausstellung verschiedener Kuchen, Lebkuchen und Stollen, der Naumburger Kaufmann J. G. Merzyn bot in seiner Kösener Dependance Spiel- und Schreibwaren sowie Toilettenartikel an, der Sattlermeister J. Scheufler warb für Lederwaren und die Handelsgesellschaft Ziehme & Apitzsch für Teppiche, Tisch-und Bettwäsche, Tuche, Schuhe und Schirme.

 

  1. Dez. Verhandlungen mit der Naumburger Gasanstalt (NKB).

Die Landesschule und der Magistrat verhandelten über einen Anschluss. Doch die vorhandenen   500 Brennstellen rechtfertigten weder die Gasleitung geschweige ein eigenes Gaswerk.

 

1877    

 

  1. Jan. Anzeige des Gastwirts Fr. Andrä (NKB)

„Den Besuchern Kösens aus Naumburg und Umgebung beehre ich mich hierdurch ergebenst anzuzeigen, daß ich am ersten d. M. die Restauration auf der „Kaiser Wilhelmsburg“  übernommen habe und in derselben Weise zu führen gedenke, wie früher die auf der Rudelsburg“

 

  1. Jan. Mitteilung des Kgl. Kreisgerichts (NKB)

„Die unter Nr. 19 des Firmen-Registers eingetragene Firma G. A. Scholvien zu Kösen ist auf den Kaufmann Ernst August Paul Scholvien übergegangen.“ Scholvien betrieb eine Soda- und Selterswasserfabrik nach Struveschen Patent.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686).

Der Badedirektion wurde ein Darlehen von 8.000 Mark bewilligt, um eine Schuldverschreibung der Badedirektion beim Bankhaus Gebr. Niedlich-Berlin einzulösen.  Dr. Groddeck und v. Zedtwitz hatten sich namens der Badedirektion Geld geliehen ohne Genehmigung der Kgl. Regierung. Um die Angelegenheit zu vertuschen, beschloß die Stadtverordnetenversammlung den Betrag aus der Stadtkasse vorzuschießen, um dem vom Bankhaus angekündigten öffentlichen Verkauf der Papiere zu verhindern. Doch dazu kam es nicht mehr, denn inzwischen klagten auch andere Gläubiger auf Rückgabe der zugunsten von Groddeck und v. Zedtwitz ausgestellten Wechsel.

 

  1. Feb. Geschäftseröffnung des Feinmechanikers A. Brendel, Borlachstr. I-5 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Feb. Umzug zum Karneval (NKB, NTB, Jan. 1995).

Gleichzeitig erschien das Blatt „Narhalla - Das Leib- und Regierungsorgan Sr. närr. Hoheit Prinz Carneval II. von Kösen“.

 

  1. Feb. Versteigerung des Nachlasses der Witwe des Geh. Obertribunal-Rats Hoepner (NKB)

 

  1. Mär. Nachlaßversteigerung des Geh. Bergrats Backs (NKB)

Die erfolgte in seiner Miet-Wohnung im Scheuflerschen Haus Neue Straße 86 (Fr. Ebert Str. 13).

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige von Eduard Kormann (NKB).

„Dem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum erlaube ich mir die ergebenste Anzeige zu machen, daß ich mit heutigen Tage das Restaurant „Kurgarten“ neu eröffnet habe (.) In nächster Zeit werden Saal, Garten und Restaurant auf das Brillanteste mit Gas beleuchtet...“

 

  1. Mär. Dirigent der Badekapelle wird Schirow (St.-A. Nr. 348)

Der 27jährige kam aus Eisleben, wo er die Berg- und Stadtkapelle dirigierte. Er blieb bis  1889.

 

  1. Mär. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

In Webers „Mutigen Ritter“ spielte das Musik-Corps der Weißenfelser Jäger unter Heyne jr. bei Andrä auf der „Kaiser Wilhelmsburg“ das Trompeten-Corps der reitenden Feldartillerie, bei Kormann im „Kurgarten“ die Badekapelle und in Waldhausens „Katze“ die Kapelle des Magdeburger Jägerbataillons. Die Witwe Möllnitz lud zum Gesellschaftstänzchen in den „Rektorberg“ ebenso der Wirt der Rudelsburg.

 

  1. Apr. Regulativ zur Hundesteuer (NKB)

Die ersetzte die seit 1852 geltende Verordnung. Ein Hund kostete 9 Mark jährlich, ausgenommen waren säugende Welpen, Hirten-, Zieh-, Ketten- und gewerbl. Fleischerhunde. Unterlassene Anmeldungen wurden mit 18 Mark, ersatzweise Haft, geahndet.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeige des Gastwirts Hermann Barth (NKB)

„Erlaube ich mir ergebenst anzuzeigen, daß ich das dem Bahnhof gegenüber gelegene Hotel „Preußischer Hof“ mit Restauration übernommen habe..“

 

  1. Mai Anzeige des Schuhmachermeisters C. Fielko-Querstraße 91 (Schmettaustr. 10) (NKB)

 

  1. Mai Ballett-und Theateraufführung im Kursaal (NKB)

Im Juni konzertierte der Leipziger Orchester Verein und im Juli trat die schwedische Hofopernsängerin Frau Prof. Kirchbach begleitet von der Badekapelle auf. Veranstalter war die Badedirektion.

 

  1. Mai Anzeigen zum Himmelfahrtstag (NKB)

„Unterzeichneter (Waldhausen) empfiehlt den geehrten Herrschaften und Touristen sein in schönster Gegend  an der Saale romatisch gelegenes, aufs Neueste renovierte Restaurant nebst Gartenanlagen, Veranda, Tanzsalon und Gesellschaftszimmer „Zur Katze“ mit Überfahrt nach der Rudelsburg“.

Im „Kurgarten“ spielte die Badekapelle und auf der „Kaiser-Wilhelmsburg“ das Musik-Corps des Jägerbataillons.   

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Beschlossen wurde die Eingemeindung der Herrenwiese gegenüber vom Bahnhof, falls diese von der  Landesschule verkauft und die Bahnverwaltung keine Ansprüche erheben würde und die  Landesschule sollte von der Unterhaltspflicht  des dortigen Weges (heute Parkstraße) befreit werden, sofern dieser nicht bis an die Saale verlängert würde.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung im Gasthaus „Zur Tanne“ (NKB)

Da es sich hierbei um allerlei Gaststätteninventar und Zubehör handelte, sah sich Tilebein der Wirt der „Tanne“ zu einer öffentlichen Richtigstellung veranlaßt „Sämtliche Gegenstände, welche verkauft werden sollen, sind aus der früheren Lungerhausen`schen Wirtschaft im „Hotel Preußischer Hof“ in Kösen..“

 

  1. Juni Eröffnung der Restauration von Gustav Nette (NKB)

„Einem geehrten Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich mit heutigen Tage in meinem Haus vis-à-vis der Post ein Cafè und Restaurant eröffnet habe“ Nette gehörte die heutige Lindenstr. 21, die Poststelle befand sich in der heutigen Lindenstr. 17.

 

  1. Juni Verkaufs- und Vermietungsanzeigen (NKB)

Heckenbergs Erben verkauften das Haus Neue Straße 106 (Fr. Ebert Str. 6) und Schmidt der Besitzer der Lindenstr. 54 (Nr. 18) suchte einen neuen Mieter für die frei gewordene Wohnung der Fr. Generalin von Waschersleben.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung eines Wohnhauses in der Grünen Gasse (NKB)

Die Bebauung der Grünen Gasse ( heute Nr. 1 bis 4) erfolgte in den 1860er Jahren. Die Bauplätze entstanden durch Teiluung der Grundstücke Borlachstraße 35 und 37.

 

  1. Juli Genehmigung für Kollekten der Kirchengemeinde (MER C 48 II a Nr. 1707)

In den kommenden vier Jahren durfte bei Taufen und Hochzeiten bei den Angehörigen und Gästen zu Gunsten des Schulfonds, im August und September bei den Einwohnern für die Louisen-Stiftung und bei den Badegästen für den Kirchenbaufond gesammelt werden.

 

  1. Juli Ankündigung der Zwangsversteigerung der Querstraße 97 (Schmettaustr. 3) (NKB)

Eigentümer des am 13. Oktober zur Versteigerung stehende Anwesens waren Dr. Karl Theodor Groddeck und Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz. Weil sich kein Käufer fand, der die auf dem Haus liegenden Hypotheken übernahm, wurde der Termin vier Wochen später vom Kreisgericht aufgehoben.

Doch damit begann der Niedergang des Unternehmens „Modebad“. Der Vorgang sorgte für erhebliches Aufsehen, waren doch zahlreiche Honoratioren und der Vorschussverein darin verwickelt. Allerdings vermied man es, hierüber öffentlich zu berichten. Auch später wurde dieser Skandal nur am Rande erwähnt, wie im Heimatbuch 1930 von Naumburger Stadtarchivars Fr. Hoppe und im Naumburger Kreisblatt von 1938. Allerdings läßt sich aus den nun folgenden Zwangsversteigerungen auf das wahre Ausmass dieser Fehlspekulation schließen.

 

  1. Juli „Goldenes Jubiläum“ der Bewirtschaftung der Rudelsburg (NKB).

Der Wirt veranstaltete ein Doppelkonzert mit dem Musik-Corps der Weißenfelser Unteroffiziersschule und dem Naumburger Stadtmusik-Corps.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des geprüften Buchrevisors Schneider (NKB)

„In Kösen, Villa „Waldfrieden“ finden junge Damen behufs wirtschaftlicher, geselliger und musikalischer Ausbildung unter sorgfältiger Gesundheits-und Erziehungspflege  eine empfohlene Pension, auf Wunsch wird auch vollständige kaufmännische Ausbildung für das Comptoir übernommen“. Die Villa „Waldfrieden“ auch „Waldschlößchen“ genannt und hinter dem Kurgarten gelegen, hatte Schneider von Groddeck/Zedtwitz gepachtet. 

 

  1. Aug. Meldung der Badedirektion (NKB)

„Geldbriefträger Klümer aus Berlin, der bekannterweise bei Ausübung seines Berufs von Räuberhand so übel zugerichtet wurde, befindet sich zum Zwecke seiner vollständigen Wiederherstellung in unserem Bade. Der Generalpostmeister Stephan hat dem pflichtgetreuen Beamten rasch und reichlich die Mittel zur Kur bewilligt.“ 

 

  1. Aug. Anzeige des Maurermeisters Werner (NKB)

„Zur Abfuhr von ca. 300 Kubikmetern Bruchsteinen aus den Fränkenauer Brüchen nach der Unter-Aue gegenüber Kohlmanns Berg, wollen sich geeignete Fuhrwerksbesitzer melden...“ 

 

      Sep. Letzte Kurliste der Saison (NKB)

Unter den Badegästen waren die Ehrenstiftsdame Frl. Ottilie v. Diericke-Dresden, die Kaufleute Gebrüder Hana-Java, Fr. Generalin v. Winning-Dresden, Baronin von Borcke, Baron v. Budberg-Kurland  und Generalleutnant von Budberg-Riga, Frau v. Lewinski geb. v. Sperling-Schwerin, Fr. v. Lettow-Vorbeck, Fr. Generalin v. Kalinowsky-Schlesien, Freiherr Walter v. Göthe-Weimar,  Fr. Generalin Exz. v. Stein, Ing. v. Froideville-Batavia, Prof. A. J. Streckenberg-Berlin, Verlagsbuchhändler Dr. phil. H. Pätel-Berlin, Freiherr v. Hahn-Kurland, Oberstltn. v. Gordon-Berlin, Hofjuwelier Godet-Berlin, Franz Freiherr Printz v. Buckau-Berlin, Fr. Generalin v. Poyda-Weimar,  Adolph Mantels-Buenos Aires, Fr. Generalin v. Freyhold-Erfurt, Fr. Baudirektor Dinin-Tula, Fr. Oberreg.-Rätin v. Leipziger-Magdeburg, Miß Anna Merhold-Milwaukee,  Gräfin Helene v. Schlieben-Lindenau, Baron v. Lüttichau-Dresden, Gräfin Henckel v. Donnersmarck mit Frl. v. Prittwitz geb. Gräfin v. Burghauß-Breslau, Frl. J. Bates-New York, Prof. Dr. Franz Praetorius-Berlin, Landschaftsmaler E. Seyffert-Berlin, Hofschauspielerin  Lejeun dit Jung-Meiningen, Baronin v. Häseler, Prof. Dr. Ludolf Krehl-Leipzig,  stud. jur. Clarence Cunningham-Charleston. Ingesamt war es nur 1797 Gästen deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Das Stahlbad Bibra meldete im gleichen Jahr dagegen 73 Badegäste.

 

  1. Sep. „Skating Rink“ im Kurgarten (NKB)

Kormann veranstaltete regelmäßige Rollschuhfahrten mit musikalische Begleitung, der „schönsten Belustigung der Neuzeit“, die beim jüngeren Publikum gut ankamen.

 

  1. Okt. Anzeige des Amtsgerichts zur Fa. Ziemer & Apitzsch (NKB)

Die unter der Nummer 164 eingetragen Firma wurde aufgelöst und dafür die Firmen von Friedrich Apitzsch als Nr. 652 und Hermann Ziehme als Nr. 651, beide mit Sitz in Kösen eingetragen. Gleichzeitig gab Apitzsch bekannt, daß er das Bekleidungsgeschäft gegenüber der Post (Lindenstr. 18) allein weiterführen wird. Allerdings eröffnete das Kreisgericht am 11. Dezember das Konkursverfahren über das Privatvermögen der beiden einstigen Partner. Am 2. März erfolgte die Verhandlung und Apitzsch behauptete den Laden. 

 

  1. Okt. Wilhelm Schleicher übernimmt den „Rektorberg“ von der Witwe Möllnitz (NKB)

Da jüngere Bürgerschützencorps wählte die Gastwirtschaft zum Vereinslokal.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Fleischers Friedrich Matthes (NKB)

„Da von jetzt ab wieder die Wurstfabrikation beginnt, mache meinen werten Kunden bekannt, daß der Fleischverkauf nur noch bis zum 14. Okt. stattfindet..“

 

  1. Okt. Verkauf der Herrenwiese (NKB)

Erwerber derzwischen „flößbaren Saalstrom und Bahnhof und für industrielle Zwecke besonders geeigneten“ Fläche waren die Holzhändler Gebr. Krüger, Fr. Töpfer und Graf & Döhler, Gebr. Gräfe  sowie der Gastwirt Weber.

 

  1. Nov. Sinfonie-Konzert der Badekapelle im Kurzhalsschen Saal (NKB)

Die auf 25 Mann verstärkte Kapelle unter Schirow spielte Haydns 11. Sinfonie, C. M. Webers Preciosa und Brahms  Ungarische Tänze. Der Eintritt kostete 50 Pfennige.

 

  1. Nov. Gustav Kirchhof lädt zum Schlachtefest im Bahnhofsrestaurant ein (NKB)

 

  1. Dez. Pforta verpachtet die Kiesgrube am „Göttersitz“ (NKB).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Genehmigt wurde das Satut der örtlichen Hilfskasse der Gesellen-, Gehilfen-, Fabrikarbeiter- und Baugewerbegesellen. 45 Mark wurden als Zuschuss für einen Gedenkstein für den Bergrat Backs bewilligt.

 

1878      

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Festgelegt wurde, dass bei einer Bebauung des Weges vom Bahnhof zur Saale (Parkstr.) ein Vorgarten anzulegen ist. Die städtische Lehmgrube am Jochenberg wurde dem Polizeisergeanten Fürstenhaupt auf drei Jahre verpachtet .

 

  1. Feb. Vorlesungsreihe zum Besten des Kirchenbaufonds im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Die Vortragenden waren Prof. Dr. Leo-Berlin, Prof. Dr. Spieß-Leipzig, Prof. Bäßler-geistl. Inspektor der Landesschule, Prof. Dr. Bernhardt-Erfurt.

 

  1. Feb. Vermietungsanzeige des Geh. Reg.-Rat Carl Lepsius (NKB)

„In meinem Haus beim Bahnhof in Kösen ist die Parterrewohnung zu vermieten“ annoncierte der Bruder des Ägyptologen Richard Lepsius.

 

  1. Feb. Dr. Groddeck legt sein Stadtverordnetenmandat nieder (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Bereits im Dezember 1876 war Bruno v. Zedtwitz ausgeschieden

 

  1. Feb. Theateraufführungen im Kursaal (NKB)

Eine Theatergesellschaft hatte den Saal gemietet und bot an vier Abenden in der Woche  ständig wechselnde Aufführungen.  

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des Inventars der Groddeck`schen Badeanstalt (NKB)

Von einem Beamten des Kreisgerichts wurden 22 Badewannen (15 aus Kupfer, 7 aus Porzellan) sowie weiteres Mobiliar versteigert. Am 21. März folgten 12 Toilettentische, 12 Apparate zur  Warmwasserbereitung und ein Dampfkessel. Am 4. 5. und 12. April sowie am 5. Juli versteigerte das Amtsgericht  im Groetzschen Saal weiteres Inventar und am 29. Juli kam der zur Badeanstalt gehörende Garten (über 8000 m²) unter den Hammer.

 

  1. Mär. Anzeige des Mühlenbesitzers E. Roßner (NKB, BLK A. Nr. 686)

„Auf meinen Mühlenweg, welcher von der alten Chaussee nach der Amtsmühle zu Kösen führt, wird hiermit alles unbefugte Gehen, Reiten und Fahren verboten (.) Außer zum geschäftlichen Verkehr bleibt mein Mühlenweg durch Barrieren und Tür gesperrt...“

Roßner, dem der Weg seit 1866 gehörte, hatte von der Stadt die Beteiligung an den Unterhaltungskosten verlangt, weil die ortsansässigen Gespannführer hier zur Saale fuhren um ihre Wagen und die Pferde zu waschen. Da die Stadt dies ablehnte, versperrte Roßner die Zufahrt zunächst durch einen Damm. Auf Anraten des Regierungspräsident ging Roßner vor gericht, dass ihm recht gab. 1880 begann der Streit erneut, der vor dem Kreisausschuss und dem Bezirksverwaltungsgericht ausgetragen und erst 1885 mit einem Vergleich beigelegt wurde.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Inventars des Gasthofs „Zum Adler“ (NKB)

 

  1. Apr. Übernahme des „Preußischer Hofs“ durch Max Blau (NKB)

Nach nur zwei Jahren verließ Blau den Ort.

 

  1. Apr. Vermietungsanzeigen (NKB)

Mieter suchten der Rentier Fr. Heun für sein Haus an der Chaussee, der Maurermeister W. Werner und W. Fuckel (An der kleinen Saale). Die Häufung von Vermietungsangeboten auch von „herrschaftlichen Wohnungen“ in bester Lage verweist darauf, dass durch den Rückgang von Badegästen die Vermietung an gut situierte Pensionäre lukrativer als die Saisonvermietung wurde.

 

  1. Apr. Sonder-Konzert zur Holzmesse im Kirchhofschen Bahnhofsrestaurant (NKB)

 

  1. Apr. Anzeige vom Weinbergsbesitzer Wilhelm Bauer (NTB)

„Einem geehrten in- und auswärtigen Publikum zur ergebensten Anzeige, daß ich auf den schon seit 12 Jahren von geehrten Gönnern und Freunden gehegten Wunsch, in meinem über dem Kurgarten zu Kösen gelegenen Weinberg eine Restauration etabliert habe und selbige am ersten Osterfeiertag (21. 4.) zu eröffnen beabsichtige...“

 

  1. Mai Schreiben des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Nach dem Ausscheiden von Dr. Groddecks aus der Badedirektion erstattete der Landrat der Kgl. Regierung Bericht. Dabei vermied er es aber auf die Umstände und den Zusammenbruch des Comitees einzugehen und beschränkte sich darauf, darauf hinzuweisen, dass die beiden Nachfolger (Rentier Siebold und Geh. Justizrat a. D. Förster) nicht direkt vom Gedeihen des Bades finanziell abhängen und man aber bei einer zukünftigen  Neubesetzung möglichst jüngere, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraute aber unabhängige Personen berücksichtigen sollte, auf pensionierte Beamte oder Offiziere könne man verzichten.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Zur Nutzung der unteren Wasserkunst zur Stromerzeugung wurde eine Kommission (Toepfer, Werner, Müller, Siebold) gebildet.

Außerdem wurde nach einigen vergeblichen Anläufen die Umnummerierung der Grundstücke beschlossen. Das Stadtgebiet wurde in drei Bezirke eingeteilt in denen alle bebauten Parzellen durchnummeriert wurden. Zur Abteilung I gehörte der Stadtteil am linken Saaleufer südlich der Chaussee mit insgesamt 140 Grundstücken beginnend mit der Lindenstr. 1-25, Borlachstr. 26-70, Grüne Gasse/Kleine Promenade 71-78 Bahnhof/Rudelsburgpromenade 79-100, Burgstr./ Fränkenauer Trift 101-128, südl. Eckartsbergaer Chaussee 129-134, Kurpark 135-140. Zur Abteilung II gehörte das linke Saaleufer nördlich des Chaussedammes mit 76 Grundstücke, die Nr. 1 war die Wilhelmsburg, dann folgten Eckartsbergaer Chaussee 2-8, Neue Straße 9-30, Querstraße 31-40, Saalstraße 41-75, die Saalhäuser hatten die Nr. 76. Zur Abt. III östlich der Saale gehörten 46 Grundstücke, Am rechten Saaleufer (Uferstr.) 1-6, An der kleinen Saale 7-16 (Naumburger Str.), Salinenstr. 17-23, Kukulauer Str. (R. Breitscheid- und K-Kruse Str.) 24-30, Am Wehrdamm (Loreleyprom.) 31-36, Am Solschacht 36-46.

Der Situationsplan von Töpfer & Frohwein (MER C 48 IX Nachtr. D Nr. 1) zeigt diese Nummerierung, allerdings waren hier bereits einige Grundstücke wieder geteilt. 

Um die Einheitlichkeit zu gewährleisten wurden die Schilder von der Stadt angeschafft und angebracht, die Kosten auf die Hauswirte umgelegt.

 

  1. Mai Bekanntgabe einer weiteren Zwangsversteigerung (NKB)

Am 3. Sept. sollte das Dr. Groddeck und Oberst a. D. B. v. Zedtwitz gehörende „Grundstück, genannt der Kurgarten zu Kösen (.) bestehend aus Wohnhaus mit Hofraum und Garten, Wohn- und Stallgebäude, sowie Tanzsaal“ und das sog. „Waldschlößchen“ unter dem Hammer kommen.

 

  1. Mai Schreiben des Bürgermeisters an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr.782 I).

Durch die Zwangsversteigerung der Groddeckschen Badeanstalt fehlte fast ein Drittel der Wannen. Um die bevorstehende Saison noch zu retten, erbot sich die Badedirektion, die Anstalt übergangsweise von einem Treuhänder betreiben zu lassen. Das Kreisgericht und Dr. Groddeck stimmten zu, zumal ihm versichert wurde, dass ihm keine Kosten entstehen werden, er im Haus wohnen bleiben und den Garten benutzen könne. Nach Abzug aller Betriebskosten einschließlich der Sole und des Rückkaufpreises der bereits versteigerten Objekte, sollte er am Ende der Saison den Überschuß erhalten. Auch mit der Erwerberin der Wannen, der Witwe v. Movath, gab es bereits einen Rückkaufvertrag. Doch die Kgl. Regierungsabteilung versagte dafür jegliche Zustimmung. Daraufhin wandte sich Richter persönlich an die Oberbehörde und versuchte zu erklären, warum diese Vereinbarungen abgeschlossen wurden. Nach dem Aus des „Comitèes“ hätte das Ansehen des Bades ohnehin bereits gelitten und der Ausfall der Groddeckschen Badeanstalt die „bequemste“ im Ort würde den gesamten Badebetrieb gefährden. Groddeck habe den „Manifestations-Eid“ geleistet, v. Zedtwitz seinen Wohnort nach Konstanz an den Bodensee verlegt, die Anstalt stand zur Versteigerung und das „Mobiliar-Vermögen“ war im Wege der „Execution verauktioniert“ worden. Zwar hoffte man auf einen Käufer für die  Badeanstalt, was aber bei der Höhe der abzulösenden Schulden sehr ungewiß sei. Daraufhin genehmigte die Kgl. Regierung die Verträge im Hinblick auf die Absicherung der diesjährigen  Saison „unter den (.) vorgetragenen Umständen sehen wir davon ab, den mit dem Dr. Groddeck (.) abgeschlossenen Vertrag weiter zu beanstanden.“

 

  1. Juni Geschäftsanzeige des Schumachermeisters Fielko Querstr. II-39 (NKB)

 

  1. Juni Wiedereröffnung der Groddeck`schen Badanstalt (MER C48Ii Nr. 782I).

Wieder Erwarten hatte sich doch noch ein privater Interessent gefunden, allem Anschein nach ein honoriges Ehepaar namens Knorr. Er war Stabsarzt a. D. also auch fachlich geeignet. Die   Badeanstalt und das Wohnhaus übernahm aber seine Ehefrau Luise Wilhelmine Knorr. Sowohl mit den Gläubigern als auch mit der Badedirektion kam eine Einigung zustande. Die Ersteren, weil sie glaubten, wieder an ihr Geld zu kommen, verzichteten zunächst auf die Zwangsversteigerung und  die Badedirektion an der Spitze der Bürgermeister waren froh, die Anstalt nicht selbst zu betreiben. Umgehend wurde der  Solevertrag abgeschlossen.

Als am 05. Juni der Bürgermeister der Kgl. Regierung mitgeteilt hatte, dass der neue Besitzer über ein „nicht genanntes Kreditinstitut“ alle von der Badedirektion geleisteten Vorschüsse sowie die Wannen bezahlt habe, erteilte diese die Genehmigung. Das Institut, der Wetzdorfer Kreditverein, beteiligte sich auch an riskanten Unternehmen, wenn hohe Zinsen in Aussicht standen.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung eines Wohnhauses an der kleinen Promenade (NKB)

Das Anwesen (heute gerstenbergkprom. 1) gehörte dem Schmiedemeisters J. Fr. L. Kindervater . Der Termin wurde dann aufgehoben und zur Aufhebung einer Eigentümergemeinschaft der verehelichten Alwine Emilie Bertha Kindvater und den Inhabern der Holzfirma  Friedrich Sänger und Friedrich Hertel anberaumt.

 

  1. Juni Memorandum des Kösener SC nach dem Attentat auf den Kaiser (NKB)

„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster Kaiser, König und Herr, Ew. Kaiserl. Majestät wollen huldvollst gestatten, daß die am heutigen Tage zur alljährlichen Zusammenkunft versammelten Vertreter des Kösener SC-Verbandes, welcher die Corps sämtlicher Universitäten des deutschen Vaterlandes vom äußersten Norden bis zum Fuß der Alpen repräsentieren dem Gefühl des tiefsten Schmerzes Ausdruck geben, darüber, daß abermals ein Verworfener es gewagt, Hand an Ew. Majestät geweihte Person zu legen. Mit dem Schmerzensgefühl besselt die unterzeichnete Versammlung zugleich das Gefühl des Dankes gegen Gott, daß er Ew. Kaiserl. Majestät  aus schwerer Gefahr  gerettet, zum Heil und Frommen des deutschen Vaterlandes. Er schütze auch ferner Ew. Kaiserl. Majestät  und das ganze Kaiserl. und Königl. Haus. In tiefer Ergebenheit erstirbt Ew. Kaiserl. Majestät untertänigster Kösener SC-Verband.“ Der Vorort Straßburg das präsidierende Corps Rhenania.

 

  1. Juni Vermietungsanzeige für die v. Zedtwitz`sche Villa in der Saalstraße (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Für den Ausbau des Lengefelder Fahrweges vom Wapplerschen Grundstück am Jochenberg (heute Borlachstr. 51) zur Borlachstraße wurde eine Mindestbreite von 10 Metern  festgelegt.

 

  1. Juli Leserbrief eines Badegastes (NKB)

„Der reizend gelegene Badeort Kösen wird gewöhnlich die Berliner Kinderstube genannt, hier suchen und finden die Eltern skrophulöser Kinder, deren die Hauptstadt so viele zählt, Heilung und Genesung. Wie wenige können aber ihren Kindern diese Wohltat angedeihen lassen, denn abgesehen von den Reisekosten und dem Aufenthalt hierselbst, beträgt die Kurtaxe für jede Familie beinahe 20 Mark, ein Preis den Schreiber dieses noch in keinem Bade gefunden hat. Ich glaube, die löbliche Badedirektion von Kösen würde sich nicht allein den Dank vieler Eltern, die weniger  bemittelt sind, erwerben, sondern auch im Interesse des Badeorts selbst handeln, wenn sie die Kurtaxe ermäßigen und mit der Eisenbahn-Direktion sich in Verbindung setzte, um während der Saison von Berlin nach Kösen Billets mit sechswöchiger Gültigkeit  zu ermäßigten Preisen, wie dies nach Schlesien hin der Fall ist, zu verkaufen. Statt 2000 Badegästen würde Kösen vielleicht 6000 zählen und jedenfalls hätten die Bewohner davon mehr Nutzen, als daß durch die hohe Kurtaxe viele ferngehalten werden.“

Dazu schrieb der Kösener Richard Kumbruch: „Es bedarf einer eingehenden, gemeinschaftlichen Prüfung der Wirte wie der Gäste, um die Vorteile des Ortes in beiderseitigen Interesse nutzbar zu machen...“

 

  1. Juli Anzeige des Stabsarztes a. D. Dr. Knorr (NKB)

„Vom 21. d. M. bin ich täglich in dem früheren Dr. Groddeckschen Haus zu sprechen...“

 

  1. Juli Ankündigung der Zwangsversteigerung des Geländes des ehem. Kursaals (NKB)

Das gehörte zu ¾ Dr. Groddeck und zu ¼ Oberst v. Zedtwitz und kam am 20. Oktober unter den Hammer.

 

  1. Juli Stellenanzeige für eine Gesellschafterin (NKB)

„Gesucht wird sofort eine gebildete Person, die zuverlässig und im Häuslichen erfahren und die Bedienung einer Dame übernimmt, sowie gut lesen und schreiben kann. Näheres Kösen Weinberg v. Gerstenbergk.“

 

  1. Juli Reichstagswahlen (NKB)

Kösen gehörte zum Wahlbezirk 8 im Reg. Bezirk Merseburg. Von den 235 abgegebenen Stimmen entfielen 67 auf den nationalliberalen Grafen Fleming auf Crossen, 164 auf den konservativen Reg.-Präsidenten v. Wurmb, zwei auf einen Unabhängigen und eine auf den Sozialisten W. Liebknecht.  

 

  1. Aug. Bekanntgabe der Ergebnisse der „Wilhelm Spende“ (NKB)

Eine deutschlandweite Sammlung für ein Nationaldenkmal, erbrachte in Kösen mit 2073 Einwohnern dank „gebefreudiger Badegäste“ einen ansehnlichen Betrag.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Die Kosten der Kanalisation in der Burgstraße sollten zu 1/3 auf die Hauswirte umgelegt werden, falls die Zahlung verweigert würde, sollte der Kanal nicht zur Ausführung kommen.

 

  1. Aug. Jahresfest des Gustav-Adolf Vereins in der Buchenhalle (NKB)

Wie der alljährliche Missionsgottesdienst zog auch diese Veranstaltung hunderte von Gästen an.

 

  1. Aug. Mitteilung der Kgl. Regierung zur Brückenerweiterung (St.-A. Nr. 550).

Das Projekt lag beim Minister zur Genehmigung und sollte im nächsten Jahr zur Ausführung kommen.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Kuchengartens und des Waldschlößchens (BLK-A. Nr. 686).

Die Stadt hatte 6000 Mark für den „Kuchengarten“ geboten, weil „der Kuchengarten ist Kösen und Kösen ist der Kuchengarten“, kam aber nicht zum Zuge. Höchstbietender war der Kaufmann Berthold Koch, der in der Lindenstraße (7) ein Geschäft hatte und nebenher als Agent einer Feuerversicherungsgesellschaft  tätig war. Das „Waldschlößchen“ erwarb der ehemalige Besitzer Gustav Teichmann.

 

  1. Sep. Gründung des Kösener Bürger-Schützenkorps (NZ).

Da das ältere Schützengesellschaft von 1832 keine Handwerker zuließ, gründeten diese ein eigenes Korps. Mit einer Uniform wollte man sich von den „Zylinderschützen“ unterscheiden. 

 

  1. Sep. Antrag des Prokurators bei der Badeverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Da die Eisenbahngesellschaft die Zufahrt zur Fränkenauer Wiese von der Grünen Gasse mit einer Barriere versperrt hatte, sollte der Pächter das Heu über das Kochsche Ànwesen an der kleinen Promenade abfahren.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Maurermeister Werner wurde mit dem Bau eines gemauerten Abzugskanal in der Burgstraße für 820 Mark beauftragt.

 

      Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Gegenüber dem Vorjahr war die Zahl der Badegäste (1875) wieder etwas gestiegen (Bibra meldete 65 Badegäste). Unter ihnen waren der Generalkonsul Dr. Blau-Odessa, Hofrat A. v. Schreiber-St. Petersburg, Baronin v. Borke, die Kaufleute Hana-Pekalong-Deventer, Geh. Obertribunalrat Dr. jur. Michels-Berlin, Frau Majorin v. Stuckradt-Frankfurt/O., Kammerherr Baron v. Göthe (1818-1885) der Enkel des Dichterfürsten aus Weimar, Oberstltn. v. Stupeck-Brandenburg,  Dr. phil. Franz Stöpel-Berlin, Gräfin v. Rozwadowska-Wiesbaden, Fürstin Galitzin-St. Petersburg, E. Engel-Newcastle, Frau Generalin v. Poyda-Weimar, Baronin v. Vietinghoff-Berlin, Mr. N. C. Miller-New York, Anna Begas-Rom, Baronin v. Eichstedt-St. Petersburg, Kaufmann C. Schröder-Lima, drei junge Damen aus den USA und Schottland unter der Aufsicht  einer Gesellschafterin, Baron v. Mansbach-Großenhain, Frau Generalin Gräfin v. Brühl geb. Gräfin v. Gneisenau.

 

  1. Okt. Anzeige einer Tanzschule im Groetzschen Saal (NKB)

 

  1. Okt. Gottlieb Wagner, gen. Samiel verstirbt.

Sein Wunsch, ihn im  Gelände der Rudelsburg beizusetzen, wo er 50 Jahre die Schankwirtschaft betrieben hatte, wurde nicht erfüllt. Er wurde in Tultewitz beerdigt. Das NKB veröffentlichte am 12. Okt. einen Nachruf.

 

  1. Okt. Vereinbarung des Gastwirts Weber mit der Landeschule (BLK-A. Nr. 868).

Der verpflichtete sich zur Unterhaltung des Uferweges entlang der kleinen Saale vom Logierhaus bis zur westlichen Ecke des Gasthofs.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige H. Vollandt (NKB)

„Einem geehrten Publikum von Kösen und Umgebung zeige ich hiermit ergebenst an, daß ich im hiesigen Ort im Laden des Herrn Hämmerling (früher Frl. Mänicke) ein Putz- und Modewarengeschäft eröffnet habe.“(Eckartsbergaer Straße 7)

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung des Hauses des Zimmermeisters Neubauer Burgstr. I-23 (NKB).

 

  1. Nov. Anzeige des Amtsvorstehers von Stendorf (NKB)

„Der von Lengefeld  über die „Katze“ nach Kösen führende Wirtschaftsweg ist von jetzt ab für Lastfuhrwerke  bei einer Geldbuße von 1-9 Mark oder verhältnismäßiger Haft verboten. Der Kommunikationsweg führt über den Jackenberg.“

 

  1. Nov. Veröffentlichung des Zwangsversteigerungstermins der Knorrschen Badeanstalt (NKB)

Zum Aufruf kamen die Wohnhäuser Nr. 7 und 8 (Eckartsbergaer Str. 1 und 2) mit dem  Badehaus samt Kessel- und Maschinenhaus, Kohlenschuppen und Brunnen, die der Luise Wilhelmine Knorr geb. Weikart, Ehefrau des Stabsarztes a.D. Dr. Knorr gehörten.

Nachdem der erste Zwangsversteigerungstermin der Groddeckschen Badeanstalt aufgehoben und offensichtlich inzwischen ein regulärer Eigentumsübergang stattgefunden hatte, bestimmte das Amtsgericht eine erneute Versteigerung. Die Gründe dafür bleiben im Dunklen. 

Trotzdem inserierte Dr. Knorr am 12. Dezember im NTB „das an der Eckartsbergaer Chaussee neben der großen Badeanstalt  am Kurgarten belegene  sog. „Englische Haus (.) wegen seiner Lage  für Badevermietungen eines der gesuchtesten in Kösen“ zur Vermietung steht.

 

  1. Nov. Handelsregistereintrag der Fa. Fr. Hädicke (NKB)

Hädicke und Geschäftsinhaber wie der Zigarrenfabrikant Hecklau, der Spielzeug-, Galanterie und Korbwarenhändler G. F. Rössler und der Bekleidungshändler Fr. Apitzsch  schalteten Anzeigen für das Weihnachtsgeschäft.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 686)

Vertagt wurde die Schlachthausangelegenheit und für den ausgeschiedenen Bruno v. Zedtwitz  Major von Schmettau zum Waisenrat ernannt.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige des Maurermeister Lindemann (NKB)

„Einem geehrten Publikum von Kösen und Umgebung die ergebenste Anzeige, daß ich das Geschäft des Maurermeisters- und Kohlenhändlers W. Werner hierselbst auf eigene Rechnung weiterführen werden..“

Werner, der vom Groddeck-/Zedtwitz`schen Unternehmen stark betroffen war (offenen Forderungen aus dem Bau des neuen Kursaals) musste den Offenbarungseid (WER D 34/12/1699) leisten und legte am 09. Dezember sein Amt als Stadtverordneter nieder.

 

  1. Dez. 130 Einwohner gründen den Verein gegen die Hausbettelei (NKB)

 

  1. Dez. Konzert im Kursaal mit der Kösener Liedertafel (NKB)

Franz Kormann, dessen Pachtvertrag zum Jahresende auslief veranstaltete im „Kurgarten“ den letzten Rollschulauf mit Musik und verließ den Ort. Wenig später eröffnete das Amtsgericht gegen ihn ein Konkursverfahren.

Außerdem spielte im „Mutigen Ritter“ die Kapelle der Weißenfelser Jäger und der Wirt vom Rektorberg lud zum „Gesellschaftstänzchen“ ein.

 

1879

 

  1. Jan. Gesuch des Oberbergamtes bei der Königl. Regierung (MER C48 Ii 782).

Das OBA beschwerte sich, dass nach dem Erwerb der Hartungschen Badeanstalt durch Dr.  Wahn keine Freibäder an die verbliebenen ehemaligen Knappschaftsangehörigen verabreicht werden.

 

  1. Jan. „Humoristisches Konzert“ im „Kursaal“ (NKB)

Die erste Veranstaltung des neuen Besitzers B. Koch war das Konzert des Kaiserl. Russ. Kammervirtuose M. Reichmann aus Wien.

 

  1. Jan. Eintragung des Vorschuss-Vereins in das Genossenschaftsregister (NKB)

Zweck des Vereins war die Kreditvergabe an gewerbetreibende Mitglieder aus Handwerk und Industrie. Zum Vorstand gehörten der Rentier Gustav Teichgräber, Kaufmann G. A. Scholvien und der Kaufmann J. Chr. Geyer. 

 

  1. Feb. Vorlesungsreihe im „Mutigen Ritter“ „Zum Besten des Kirchenbaufonds“ (NKB)

 

  1. Feb. Verkaufanzeige für das Scholvien`sche Haus Borlachstraße I-29 (Nr. 3) (NKB)

Der Kaufmann hatte inzwischen das Wohnhaus Neue Straße II-23 erworben (Fr.-Ebert Str. 13)

 

  1. Feb. Übergabe der Gastwirtschaft „Zur Erholung“ (NKB)

Die Witwe Hofer verkaufte das Anwesen samt Restauration  an der Eckartsbergaer Chaussee dem Kaufmann Wilhelm Viehweg. Der handelte nebenher mit Flaschenbier und betätigte sich als  Personalvermittler für Landwirte und Restaurateure. 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Burgstraße I-106 (Nr. 14) (NKB)

Das gehörte der verehelichten Korbmachermeisterin Henriette Weber. Erwerber war der Postschaffner Kamprad, der das Haus später der Gemeinde verkaufte, die hier das Armen- und Siechenhaus einrichtete.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des Wohnhauses An der kleinen Promenade I-77a (NKB)

Im Zuge der Erbauseinandersetzung der verehelichten Alwine Kindvater und den Kaufleuten Friedrich Sänger und Friedrich Härtel kam die heutige Gerstenbergkpromenade 6 an den Kaufmann F. A. Koch, der im August auch die  Borlachstraße I-50 (Nr. 25/27) erwarb und somit ein großes und durchgängiges Grundstück nahe am Bahnhof für seinen Landhandel besaß.

 

  1. Apr. Genehmigung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 348)

Musikdirektor Schirow hatte bei der Badedirektion 200 Mark als Zuschuss beantragt, weil die Einnahmen der Abonnementskonzerte der Badekapelle wegen der schlechten Besucherresonanz nicht ausreichten.

 

  1. Mai Tod des Geheimen Regierungsrats Carl Martin Lepsius (Sterbereg.)

Der in der Rudelsburgpromenade wohnende Bruder von Richard Lepsius wurde im Familienbegräbnis in Naumburg beigesetzt.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Varchmin`schen Wohnhauses, Saalstr. 53 II (Nr. 19) (NKB)

Bereits am 17. April wurde das gesamte Mobiliar der Witwe Auguste Amalie Henriette von Varchmin, geb. von Voigt versteigert. Ihr Mann der Garnisonsdirektor a. D. Premier-Leutnant Adolph von Varchmin, der 1876 verstarb, war kurze Zeit Mitglied des Badedirektorats.

 

  1. Mai Amtliche Bekanntgabe eines Bauvorhabens (NKB).

Die  Besitzer der Uferwiesen oberhalb des Wehres,  der Zimmermeister Fr. Töpfer, die Firma Graf & Döhler, die Fa. Sänger & Härtel sowie die Holzhändler A. und G. Krüger beantragten die Anlage eines Dammes zum Schutz ihrer Grundstücke.

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Freytagschen Badeanstalt (MER C48 Ii 782).

Die Frau Staatsanwältin Freytag hatte das ehemalige, gegenüber vom Borlachschacht gelegene Anwesen (einst Wohnung der Kunst- bzw. Gradiermeister), von der Landesschule erworben und hier eine Pension  und drei Wannenbäder eingerichtet. Gegen die unliebsame Konkurrenz protestierten Dr.  Wahn, Dr. Rosenberger und Dr. Knorr.

 

  1. Mai Gründung der Wilhelm und Augusta Stiftung (NKB)

Anläßlich und zu Ehren der Goldenen Hochzeit des Kaiserpaares wurde aus den eingehenden Spenden ein Fond zur Unterstützung bedürftiger Einwohner begründet.

 

  1. Juni Zwangsversteigerung des Götze`schen Hauses Saalstraße II-50 (Nr. 11) (NKB).

 

      Juni Pfingstfeiertage (NKB).

Berthold Koch (Kurgarten), Weber (Mutiger Ritter) C. Waldhausen (Rudelsburg) und A. Waldhausen (Katze) waren es Kurzhals, Kirchhof (Bahnhofsrestauration), Schumann (Saalhäuser), Schleicher (Rektorberg), Groetz,  R. Braun (bisher Zeidlers Restauration), Winter (Börse), Blau (Preußischer Hof), Andrae (Kaiser Wilhelmsburg) und Tielebein (Tanne) warben für ihre Restaurationen.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Forstverwaltung (NKB)

„Im Pfortaischen Forstdistrict Nicolausberg (unterhalb der Kaiser Wilhelmsburg) wird vielfach und namentlich dadurch gefrevelt, daß die Passanten, statt die geordneten Wege zu benutzen, sich an den Hängen zwischen den einzelnen Wegteilen herabgleiten lassen...“ Für Hinweise wurde eine Prämie von 10 Mark ausgesetzt.

 

  1. Juni Bürgerversammlung im Hotel Kurzhals (St.- A. Nr. 226, NKB).

Der Ruin von Groddeck und Zedtwitz sowie die folgenden Zwangsversteigerungen bewirkten einen spürbaren Rückgang an Badegästen. Um dem entgegenzuwirken und zur Verbesserung der „Badeverhältnisse“ sollte die Kurtaxe vermindert und dafür von den Vermieter eine Abgabe auf Grundlage der Beherbergungsnachweise erhoben und mit der Bahnverwaltung über eine Verlängerung der Geltungsdauer von verbilligten Rückfahrkarten sowie die Erweiterung auf Berlin verhandelt werden. Als Verhandlungsführer wurden Richard Kumbruch und Albert Krüger bestimmt.

Wie bisher wurden im NKB auch die Badelisten für Mai und Juni veröffentlicht. Zu den bis dahin registrierten 558 Badegästen befanden sich nun schon zum wiederholten Male die Ehrenstiftsdame O. v. Diecke sowie die Baronin v. Borcke. Außerdem kamen der Prediger Wichern-Hamburg, Frau Prediger Baumann-Reval, R. v. d. Sand-Holland, Dr. Gregory-Amerika, Fr. Generalkonsul Blau-Odessa, Frl. Robiani-Riga, Frl. v. d. Marwitz-Fiedersdorf, Gräfin v. Seckendorf, Fr. v. Jagow geb. Gräfin v. Reichenbach, 2 Philosophiestudenten aus Amerika,  Fürst und Fürstin Galitzin-St. Peterburg, Fr. General Freydank-Dresden, Geh.-Oberreg. Rat v. Bötticher-Berlin. Im gleichen Zeitraum meldete das Stahlbad Bibra lediglich 42 Badegäste.

In den folgenden Monaten wurden keine Badelisten veröffentlicht.

 

  1. Juni Schreiben des Bürgermeisters (MER C48 Ii 782).

Nach einer Beschwerde Dr. Wahns wegen des Soleliefervertrages mit der Freytagschen Badeanstalt musste Richter Stellung nehmen. In dem Schreiben an die Kgl.-Regierung verwies er auf die ministerielle Erklärung von 1845 und das Regulativ von 1864, demzufolge die Freytagsche Badeanstalt mit drei Wannen als Hausbadeanstalt gelte und nirgendwo festgelegt sei, dass diese keine Bäder an Fremde abgeben darf. Eine nennenswerte Konkurrenz für die übrigen drei großen Anstalten sei  nicht gegeben. Statt dessen sollte sich derBeschwerdeführer am Komfort der Freytagschen Anstalt orientieren. Daher wäre die Beschwerde unzutreffend.

 

  1. Juli Agnes Senff verstirbt (NKB)

Sie war die Tochter des ehemaligen Salineninspektors und betrieb mit ihren Geschwistern im elterlichen Haus (Lindenstraße 3) eine kleine Pension.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung des Kurgartens (NKB).

Allerdings wurde der Termin aufgehoben und Berthold Koch behielt zunächst den  „Kurgarten“ samt „Kursaal“.

  

  1. Juli Zwangsversteigerung von 16 unbebauten Grundstücken (NKB).

Die Parzellen (204 bis 218 Kartenblatt 11) mit 700 bis 1000 m² Fläche gehörten ebenfalls Dr. K. T. Groddeck und Oberst B. v. Zedtwitz und lagen oberhalb der Saalstraße.

     

  1. Juli Hoffmann`sche Stiftung (Röblitz 1930)

Frl. Johanna Juliane Hoffmann vermachte ihrem Geburtsort 1443 Mark. Die Zinsen der Stiftung sollten als Schulgeld für Waisenkinder verwendet werden.

 

  1. Juli Antrag des Bürgermeister bei der Kgl. Regierung (MER C 48Ii 784 I).

Dr. Wahn hatte die Bezahlung der Badesole eingestellt, aus Verärgerung darüber, dass seine Beschwerde von der Kgl. Regierung abgewiesen wurde. Damit verstieß er gegen den Soleliefervertrag und die Badedirektion wurde angewiesen, Wahn zu verklagen.

 

  1. Aug. Antrag des Prokurators an die Badedirektion (St.-A. Nr. 360)

Die Besitzerin der Freytagschen Badeanstalt hatte bei ihm die Einleitung des Abwassers in den Abzugsgraben an der Kukulauer Straße beantragt, wurde aber an die Badedirektion verwiesen..

 

  1. Aug. Erster Einsatz eines Dampfpflugs auf dem Fischfeld (NKB)

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Wernerschen Besitzes (NKB)

Dazu gehörten das Stadtgut (Borlachstr. 2) samt dem Ackerland am Jochenberg. Wenig später folgte auch sein Wohnhaus Rudelsburgpromenade I-91 (Nr. 17), das die Holzhändler Friedrich Hermann Döhler und Hermann Graf erwarben. Im Oktober 1880 wurden die restlichen  Baumaterialien versteigert.

 

  1. Sep. Wahl der Wahlmänner zum Abgeordnetenhaus (NKB).

Pastor emerit. Wahn, sein Sohn Dr. med. Wahn, Zimmermeister Töpfer, Hotelier Kurzhals, Postmeister Müller, Kaufmann Siebold, Rektor Zeiger und Kaufmann Apitzsch gehörten zum  liberalen Flügel.

 

  1. Sep. Hauptmann Paul von Hindenburg heiratet in Stettin Gertrud v. Sperling.

Gertrud war die Tochter des Generals Oskar v. Sperling (1824-1872), der 1871 in der Saalstraße (Nr. 29) ein Landhaus (Nr. 29) erworben hatte, wo auch die Verlobung stattfand und der spätere Generalfeldmarschall und Reichskanzler in den ersten Jahren öfters weilte. Sein Schwägerin Hedwig von Sperling war mit dem späteren Generalleutnant Georg v. Manstein verheiratet. Weil die Ehe kinderlos blieb, adoptierten sie den 10. Sohn aus der Ehe des befreundeten Generals Eduard von Lewinski, Fritz Erich von Lewinski. Der nannte sich nach seinen Adoptiveltern v. Manstein und stieg im 2. Weltkrieg zum Generalfeldmarschall auf. Die Sperlings und sein Eltern wurden im Familiengrab auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Auch Hindeburg selber hatte sich hier seine letzte Ruhestätt reserviert.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Stabsarzt a. D. Dr. Knorr (NKB)

„...habe ich in der früher Dr. Groddeckschen jetzt mir gehörigen Badeanstalt ein Sanarium für Epileptische-, Nerven- und Frauenkrankheiten eröffnet (.) Die Badeanstalt ist auch für den Winter geöffnet...“. Eingetragene Eigentümerin war allerdings seine Gattin, wie aus den amtlichen Veröffentlichungen hervorgeht.

Dr. Groddeck wohnte nun beim Maurermeister Transchel in der Burgstraße I-111 (Nr. 10) und verließ 1880 den Ort. 

 

  1. Nov. Dienstantritt des Polizeisergeanten Amelang (MER C 48 Ih, Nr.921)

Der Nachfolger von Fürstenhaupt bekam 600 Mark Jahresgehalt, bei freier Wohnung und Feuerung, sowie garantierte Nebeneinkünfte von 200 Mark.

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Buchbinders Wolff (NKB)

„Hierdurch zeige ich ergebenst an, daß ich mein Verkaufsgeschäft von Papier, Galanteriewaren sowie sämtlichen Schulsachen in die Verkaufshalle an der Schule verlegt habe...“

 

  1. Dez. Die Stadt erwirbt das Gelände des Schulhofs (BLK-A. Nr. 875)

Der lag vor dem alten Friedhof, zwischen der „Börse“ und dem  Groetzschen Saal, wo auch seit 1862 das Spritzenhaus mit dem von der Saline übernommenen Löschgerä stand. Als Preis wurde 1 Mark für den Quadratmeter vereinbart und die Stadt trat in den 1863 mit dem Bäckermeister Friedrich Hermann Franz Großmann geschlossenen Pachtvertrag. Am 12. August 1880 genehmigte das Ministerium für geistlichen Unterricht- und Medizinal-Angelegenheiten den Vertrag, der am 19. Okt. vor dem Kgl. Amtsgericht zu Naumburg beglaubigt wurde.

 

1880

 

  1. Jan. Versteigerung des Nachlasses des Frl. Zirkenbachs (NKB)

Nach ihrem Tod hatte man bei der zurückgezogen lebenden Dame 140.000 Mark eingenäht in der Wäsche gefunden. Bei der Versteigerung ihrer Habseligkeiten, drängten sich die Kauflustigen, in der stillen Hoffnung, im Ersteigerten auch noch etwas zu finden.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Zeidlerschen Restauration Lindenstraße 7 (NKB).

Erwerber war A. Waldhausen, der bisherige Pächter der „Katze“. Die übernahm Dix.

 

  1. Jan. Dr. Wahn kündigt den Soleliefervertrag von 1872 (MER C 48Ii Nr. 782).

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (St.-A- Nr. 226, NKB).

Nach heftigen Kontroversen wurde ein Zuschlag von 10% auf die Gebäudesteuer und 10 % auf  die klassifizierte Einkommenssteuer beschlossen. Über die sachgerechte Verwendung zur Hebung des Badeverkehrs wurde eine Kommission (Bürgermeister Richter,  Oberförster Leuschner, San.-Rat Dr. Rosenberger, P. Krüger, Gastwirt Haasenritter) berufen.

 

  1. Feb. Eisgang auf der Saale (NKB)

„Die Eisdecke auf der oberen Saale passierte in der vergangenen Nacht mit donnergleichen Getöse unsere Brücke, nachdem das Eis vor dieser zwischen der Roßnerschen Mühle und dem Heckenbergschen Haus eine „Schutz“ gebildet hat“ 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung im Saal des „Kurgartens“ (NKB)

Zum Verkauf kam Mobiliar, wobei die Art und Menge darauf schließen läßt, dass es sich um das Inventar des Kurgartens handelt. 

 

  1. Mär. Meldung vom Verein gegen das Bettelunwesen (NKB)

„In den letzten drei Monaten erhielten 1200 Personen eine Unterstützung (10 Pfg.) dennoch wurde die Bettelei nicht unterbunden...“

 

  1. Mär. Unwetter (NKB)

„...brachte uns die 7. Morgenstunde ein derartiges Unwetter, daß selbst ein nicht allzu ängstliches Gemüt an die Katastrophe des Jahres 1875 dachte..“

 

  1. Mär. Beginn des Kalksteinabbaus an der Ilske, unterhalb Fränkenau (KÖZ 1925).

Paul Kersten (geb. 1848 in Dürrenberg) war Prokurist in dem 1876 in Dürrenberg von seinen beiden älteren Brüder gegründeten Kalkwerk. Hier wurde Kalkstein aus Freyburg verarbeitet, der mit  Lastkähnen herangeschafft wurde. Weil es dabei zuviel Unwägbarkeiten gab, wurde P. Kersten beauftragt Lagerstätten aufzusuchen und wenn möglich zu erwerben, die möglichst nahe an der Eisenbahn lagen. Am 17. Februar schloss Kersten mit der Landesschule einen Vertrag zur Ausbeutung der ehemaligen Klostersteinbrüche bei Fränkenau. Allerdings war der Weg zur Bahn immer noch weit und die abgebauten Mengen konnten den Bedarf bei weitem nicht befriedigen. Daher kaufte Kersten den Steinbruch des Maurermeisters Werner am Äbtischen Holz und einen weiteren vom Rittergutsbesitzer von Stendorf am Himmelreich. Die Steine wurden von ortsansässigen Fuhrunternehmern (u.a. Pabst u. Bäßler) zur Bahnverladung gebracht. In den ersten drei Jahren wurden 2000 Doppelwaggons abgefertigt (s. Festschrift z. 25jährigem Betriebsjubiläum 1905).

 

  1. Mär. Leserbrief zur Badekapelle (NKB)

„In den Abonnementskonzerten bot Musikdirektor Herr Schirow trotz aller Schwierigkeiten, die sonst ein meist nicht zusammengeübtes Personal verursacht, das Beste, was alte und neue Komponisten geschrieben hatten (.) Möge sich unsere Stadt bereit finden lassen, durch gewährte  Geldmittel diesen Künstler in die Lage zu bringen, daß er ohne pekuniäre Schwierigkeiten vorzügliche Kräfte zu einer trefflichen Badekapelle für die Saison bringen kann.“

 

  Umbau und Erweiterung  des Gasthofs „Mutiger Ritter“ (Heimatbuch 1930)

Nach Abbruch des alten Saals und dem Bau des Logierhauses ließ Weber die Ställe und Schuppen an der Ostseite abreißen. Im Erdgeschoss des Neubaus wurden Gesellschafträume, im Ober-und Dachgeschoß Gästezimmer eingerichtet. Auch der ursprüngliche Gasthof wurde aufgestockt. Der Verbinder zum Ostflügel hatte ein geräumiges Foyer mit Kamin und einen attraktiven Treppenaufgang. Durch die Gestängerösche wo sich nun ein Treppenaufgang befand gab es noch keine direkte Verbindung zum Logierhaus. Der „Mutiger Ritter“ war nun erstes Haus am Platz, auch wenn ein geräumiger Saal fehlte.

 

  1. Mär. Soleliefervertrag mit der Knorrschen Badeanstalt (MER C 48Ii Nr.782/1).

Die Pauschale betrug 900 Mark und musste von der Kgl. Regierung genehmigt werden. Dabei teilte Bürgermeister Richter der Behörde mit, dass die Knorr im abgelaufenen Jahr keine Zahlung geleistet habe, weshalb die Kgl. Regierung die sofortige Kündigung des Solelieferungsvertrages anordnete. Um die Anstalt während der Saison offenzuhalten, unterlief der Bürgermeister die Anordnung und kündigte mit Zustimmung der Mehrheit der Stadtverordenten den Vertrag erst zum Saisonende.

 

  1. Apr. Versteigerung von landwirtschaftlichen Geräten bei Hämmerling (NKB)

Wegen Aufgabe der Landwirtschaft verkauften die Hämmerlingschen Erben u. a. Kutschen, Leiter- und Kastenwagen, Droschken, Chaisen, Pflüge, Eggen, Walzen und weiteres Zubehör.

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Wohnhauses An der Chaussee 132 I (NKB).

Besitzer war der Glasermeister C. A. Hamann. Noch im gleichen Jahr wurde das Anwesen, dass ein Geschäftsmann aus Weißenfels erworben hatte, erneut zwangsversteigert.

Das Haus (Eckartsbergaer Str. 8) wurde in den 1960er Jahren abgerissen, hier befindet sich heut der Schulhof.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Wahnschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr.782/1).

Wegen der bevorstehenden Saison einigte man sich auf eine Pauschale von 682 Mark für die 18 Erwachsenen- und 3 Kinderwannen. Die Kosten für die Abgabe von Bädern an Knappschafts-angehörige und Ortsarme übernahm  die Badedirektion.

 

  1. Mai Pfingsttreffen des KSCV (NKB).

Diesmal wurde der 25jährige Gründungstag begangen. Wegen der zahlreichen Teilnehmer und den zu erwartenden Ansturm der Tagesbesucher hatte die Bahn die Zahl der Eisenbahnzüge verdreifacht.

 

      Mai Broschüre „Soolbad Kösen an der Thüringer Bahn“

Verfasser war Dr. Eydam, der sich zu Beginn des Jahres hier niedergelassen hatte.  Für die Behandlung von „Scrophulose, Hautkrankheiten, Störungen des Digestionsapparates, chronischen Erkrankungen der Sexualorgane, Frauenkrankheiten, Reizungen der Luftwege und Asthma“ die Freiluftinhalation am Gradierwerk, die Sole- und Wellenbäder, den Waldenburgschen Apparat, Elektrotherapie, Massagen, zum Trinken salinische und eisenhaltige Quellen, Molke, Kräutersäfte und Traubenkuren. Nicht nur die geschütze Lage sondern auch der Salzgehalt der Sole, der den von Nauheim, Homburg und Kreuznach übertrifft, würden zum Kurerfolg beitragen.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Einschulung eines nicht im Stadtbezirk wohnenden Knaben und die Erneuerung eines Ofens in einer Schulklasse. Darüber hinaus wurde ein Schreiben an die  Handelskammer genehmigt, in dem nochmals die Verbreiterung der Saalebrücke gefordert wurde. Weitere Tagesordnungspunkte betrafen ein Schreiben der Kgl. Regierung zur Zugehörigkeit des Bahnhofs zum Stadtbezirk, die Reinigung der „Localitäten“ auf dem Schulhof, eine Erklärung zur zukünftigen Nutzung des Platzes vor dem alten Friedhof, die Wahl der Mitglieder der Kommission zur Hebung des Badeverkehrs sowie der Antrag des Rendanten Stiller zur Aushändigung seiner Bestallungsurkunde. Im vertraulichen Teil wurde der Antrag Friedrich Toepfers zum Ankauf der vor seinem Grundstück stehenden Obstbäume befürwortet sowie die vom Gastwirt Weber zu zahlende Entschädigung für die Überbauung der Loreleypromenade festgelegt.

 

  1. Mai Revision der Knorrschen Badeanstalt (MER C48Ii Nr. 782/1)

Nach einer Anzeige beim Kreisarzt Hartmann über Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen die Gewerbeordnung besichtigten der Ob.-Reg. Rat Bötticher, der Landrat Barth und Dr. Hartmann die Anstalt und stellten fest, dass es hierfür keinerlei Anzeichen gab..

Inzwischen mehrten sich die Gerüchte über das Ehepaar Knorr. Dresdener Badegäste hatte darauf hingewiesen, dass dieses bereits mit der sächsischen Gerichtsbarkeit Bekanntschaft gemacht habe. Daraufhin beauftragte  die Kgl. Regierung den  Landrat mit einer gründlichen Recherche.

Vier Tage später schrieb der Landrat: „Über den Lebenswandel des jetzigen Dirigenten der früheren Groddeckschen Badeanstalt zu Kösen Stabsarzt a. D. Knorr“. Der stammte aus der Nähe von Posen und war von 1856 bis 1862 beim 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiment   Assistenzarzt und in den Feldzügen 1866 und 1870 Stabsarzt  bei der Landwehr.  Nach  Auskunft  der Staatsanwaltschaft wurde das Ehepaar 1875 vom Kgl. Sächsischen Bezirksgericht in Dresden zu einer fünfmonatigen Haftstrafe wegen Betrugs verurteilt.  Knorr hatte bereits Berlin wegen Schulden verlassen und war auch in Magdeburg in das Visier von Ermittlungen geraten.

Im letzten Jahr wurde Knorr auf Grund mehrerer Anzeigen wegen Wechselbetrugs verhaftet. Aber nachdem Gustav Teichgräber der Staatsanwaltschaft eine Kaution in beliebiger Höhe angeboten hatte und der Strafanstaltsdirektor a. D. von Stuckrad, der Appellationsgerichtsrat a. D. v. Leipziger und andere Einwohner ihre Anzeige zurücknahmen, wieder entlassen und das  Verfahren eingestellt. „Man sieht daraus, bis in welche Kreise die Beteiligung am „Gründungsschwindel“ gedrungen war, und wie man sich nicht scheute, eine Persönlichkeit, deren Bleiben in Kösen offenbar dem Ruf des Bades Schaden bringen mußte, in Schutz zu nehmen, um sich seiner Tätigkeit bei der Fortführung der Groddeckschen Badeanstalt zu bedienen (.) Allein der Brauereibesitzer Brückner hatte 8.000 Mark auf Wechsel akzeptiert, nachdem Knorr bereits den Offenbarungseid geleistet hatte“ schrieb der Bürgermeister.

Das Gerücht, Frau Knorr würde honorige Herren empfangen, sich recht freizügig geben und dann ihren Gatten rufen, wies er als grundlos ab. Dagegen hielt er es für denkbar, dass Knorr versucht habe, auch von Schwerkranken Wechsel zu erschleichen.  Das Amtsgericht setzte nun die Termine für die Zwangsversteigerung fest, währenddessen die Ehefrau die Badeanstalt, die ja auf ihren Namen lief, bis Saisonende weiterführte.

Abschließend  forderte der Landrat erneut, dass bei einer Neubesetzung der „Kur-Commission“ jüngere Personen  gewonnen und man auf hochgestellte  pensionierte Beamte verzichten sollte.

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordneten zur Anschaffung neuer Turngeräte (St.-A. Nr. 148).

 

  1. Mai Bericht zur Frequenz des Bades (NKB)

Die Kommission zur Hebung des Bades (Bgmst. Richter, Dr. Rosenberger, Leuschner, Krüger, Haasenritter) meldete, dass bislang 50 Familien (100 Badegäste) im Ort weilten. Im Vorjahr waren es nur 38 Familien (95), 1878 46 Familien (106) und 1877 17 Familien (60). Erfreulich war auch, dass Kösen als Tagungsort frequentiert wurde. Angesagt hatten sich 200 ein Sangesverein die „Pauliner“ sowie die Dozenten der Universitäten Jena, Leipzig und Halle. 

Nach einem Jahr Pause erschien auch wieder das Kösener Bade-Journal, diesmal herausgegeben von der Naumburger Druckerei Heyner & Co. Allerdings wurde es 1883 wegen mangelnder Nachfrage wieder eingestellt. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774)

Um die Erschließung der Solequelle vor 150 Jahren würdig zu begehen, wurde ein Vorbereitungs-Komitee (W. Becker, Fr. Toepfer, G. Sträuber, E. Roßner, A. Haasenritter, Postmeister Müller, Rektor Zeiger, Bürgermeister Richter und A. Krüger) gebildet und  200 Mark aus dem städtischen Haushalt bewilligt. Der Gastwirt Weber wurde von der  Verpflichtung der Unterhaltung des Weges zur Wehrdamm bei einer einmaligen Zahlung von 300 Mark entbunden.

 

  1. Juni Beginn des organisierten Massentourismus (NKB).

Bei einer von einem Leipziger Reiseveranstalter zusammen mit der Eisenbahngesellschaft organisierten Tagesfahrt brachten 3 Sonderzügen zu je 40 Wagen rund 3000 Tagesgäste.

„Der nicht gerade an Raumverschwendung leidende Bahnhof ist von einem großen Wagenpark befahren und es ist nur der umsichtigen Anordnung (.) des Vorstandes und sämtlicher Beamten zu verdanken, daß die Unmasse von Menschen ohne Unfall befördert wurde.“

 

  1. Juni Straßensammlung zur Finanzierung des Brunnenfestes (St.-A. Nr. 498)

Insgesamt kamen hierbei 364 Mark zusammen, Roßner gab 30 Mark, Sträuber 10 Pfg.

 

  1. Juni Öffentliche Versteigerung im „Kurgarten“ (NKB)

Vom Gerichtsvollzieher wurden „die in unmittelbare Nähe desselben liegenden, früher Groddeck und v. Zedtwitzschen Feld- und Waldgrundstücke in schönster Lage“ versteigert.

Erwerber war der Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckrad, wie aus dem Bericht über den Sängertag hervorgeht.

 

  1. Juli 150 Jahrfeier der Erschließung der Solequelle (St.-A. Nr. 498)

Am Sonntag früh spielte die Badekapelle am Gradierwerk Choralmusik, 14 Uhr beagnn der Umzug vom Markt zum Borlachschacht, hier fand der Festgottesdienst statt. Vor dem Kinderfest wurden die Brezeln verteilt. 20 Uhr wurde die Promenade illuminiert und an der Solekaskade bengalisches Feuer entzündet. Mit einem Feuerwerk und anschließenden Ball in einigen Gastwirtschjaften endete der Tag. Am Montag  wurde 6 Uhr geweckt, für die Kinder gab es freies Karussellfahren, am Nachmittag das Fest für die Kurkinder, am Abend einen Lampionumzug und anschließend wieder Tanzveranstaltungen für die Erwachsenen.   

 

  1. Aug. 28. Gesangsfest des Sängerbundes an der Saale (NKB)

1200 Teilnehmer aus 20 Vereinen hatten sich angemeldet, Übernachtungen wurden für 1 Mark angeboten. „Dass tausende Zuhörer, die nicht Platz im „Kurgarten“ fanden schließlich am Nicolausberg  und  im Garten des Herrn v. Stuckradt sich des Genusses teilhaftig zu machen suchten, wer kann es ihnen verargen...“

 

  1. Aug. Abfischen des Schwanenteichs (NKB)

Hotelier Kurzhals meldete ein Schock Forellen, doch drei mitgefangene Hechte sowie die Fischotter hatten den Bestand erheblich dezimiert. Daher wurde im November ein Spezialist  für die Jagd auf Fischotter geholt, der bereits in der Ilm 15 Tier gefangen hatte.

 

  1. Aug. Auswertung des Brunnenfestes im Hotel Kurzhals (St.-A. Nr. 498)

Das Geld hatte gereicht, zumal neben den Einwohnern und Badegästen auch ein Extraszug mit 30 Wagen einige hundert auswärtige Besucher brachte. Gut angenommen wurde auch der Festplatz, im Kurpark vor dem Hotel Kurzhals. Zukünftig sollte das Fest am gleichen Ort bei gleichen Ablauf stattfinden. Die Laternen und Lichtkaskaden wurden dem Magistrat zur Aufbewahrung übergeben, mit der Auflage, diese nicht für private Veranstaltungen zu verleihen. Der Nachtwächter Sträuber erhielt  3 Mark Extrazuwendung für den Nachtdienst während des Festes.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Festsetzung der Grenzen zwischen Stadt- und Gutsbezirk, ein an die Eisenbahnverwaltung zu richtendes Schreiben zur Abstellung verschiedener Übel und die Kostenübernahme zur Anfertigung der revidierten Gebäudesteuerrolle. Dann wurde über die  Einrichtung einer städtischen Sparkasse beraten.

 

  1. Aug. Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Unter Bezugnahme auf meine Annonce vom Jahr 1878 werde ich jede unbefugte Benutzung des Mühlenweges gesetzlich bestrafen lassen..“ 

 

  1. Aug. Zwangsversteigerung der Knorrschen Badeanstalt (NKB).

„Das der Ehefrau des  Dr. med. H. E. Knorr. Louise Wilhelmine Auguste, geb. Weickardt gehörende Grundstück, An der Eckartsbergaer Chaussee 7 II gelegene Wohnhaus mit 13 ar Hausgarten, Badehaus mit Kessel- und Maschinenhaus, Kohleschuppen und Brunnenanstalt..“ Der Termin wurde aufgehoben.

 

  1. Sep. Sedanfeier (NKB)

Am Vorabend spielten die Badekapelle und das Trommlerkorps der Bürgerschule den Zapfenstreich. Auf den umliegenden Höhen wurden Freudenfeuer entzündet. Am Tag hielt Rektor Zeiger die Festrede und die Badedirektion veranstaltete ein kostenloses Konzert. Am Abend waren Gradierwerk, Solekaskade und die Davison Halle festlich illuminiert.

 

  1. Sep. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurde die Eingemeindung eines Bauplatzes am Jackenberg, für ein städtisches  Schlachthaus. Bewilligt wurden die Mittel für die Reparatur des Kanals in der  Borlachstraße und die Einrichtung einer Bürgerwache vorgeschlagen.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Unter den  Badegästen waren die Generalin v. Sperling-Hamburg, der Kammermusiker Tuszek-Berlin, Fr. v. Stuckradt u. Frl. Amalie v. Maltzahn-Frankfurt/O., Verlagsbuchhändler Dr. phil. Engelmann-Leipzig, Geh. Reg.-Rat Prof. Feldt-Leipzig, Kpt.-Ltn. v. Sperling-Kiel, Baron v. Vietinghoff-Breslau, Fr. General Exz. v. Schimmelmann-Potsdam, Ob.-Ltn. Kreyer-Berlin, Ob.-Ltn. v. Hirschfeld-Breslau, Opernsängerin Rosa Müller-Amsterdam, Fr. General v. Poyda-Weimar, Fr. v. Gregorovius geb. Baronin v. Heyking-Braunsberg, Dr. Latimer-Süd-Carolina, Freherr v. Lindenau-Breslau , Prof. Cabanis-Berlin, Prof. Dr. Baur-Leipzig, Prof. Hag-Leipzig, Prediger J. Wichern-Hamburg. Insgesamt waren es 1773 Badegäste, besonders erwähnt wurde  eine Dame, die seit 30 Jahren fast ununterbrochen zur Kur weilte, die Baronin von Borcke.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des v. Zedwitz`schen Wohnhauses (NKB).

Zedtwitz war inzwischen verstorben, daher wurde nun das seinen Erben gehörende Anwesen Saalstr. 64 II (Saalstr. 28) bestehend aus Wohnhaus, Anbau, Holzung und dem „Schackwitzschen Garten“ aufgeboten. Der Name des Gartens geht auf einen im 18. Jahrhundert hier ansässigen Floßmeister zurück, dessen Sohn Johann Ehrenfried Zschackwitz (1669 in Kösen -1744 in Halle), zuletzt ordentlicher Professor für Reichsgeschichte und Recht in Halle und ein namhafter Heraldiker war.

Neuer Besitzer war der örtliche Vorschussverein e. G, der am 13. Oktober inserierte „Die früher v. Zedtwitzsche Villa ist von jetzt ab im ganzen oder geteilt zu vermieten..“ Offen bleibt ob der Verein Gläubiger war oder die Villa bei der Versteigerung erwarb. Letztlich kam die Villa in den Besitz der Familie v. Manstein. Die Ehefrau war eine Tochter des Generals v. Sperling, dem die daneben stehende Villa gehörte.

 

  1. Sep. Mitteilung über den Holzmarkt und den Umschlag des Floßholzes (NKB).

„Nachdem man sich in den beteiligten Kreisen geeinigt hat, die Holzmesse definitiv in Kösen zu belassen, ist man jetzt damit beschäftigt, einen Strang der Thüringer Bahn direkt an das Saaleufer zu führen. Derselbe wird den Weg zur „Katze“ durchschneiden und unmittelbar hinter dem Gebr. Gräfeschen Grundstück bei einem noch auszuwerfenden Hafen endigen, wo durch einen mächtigen Kran die Bergung ganzer Floßgelenke mit einem Male geschehen kann...“

Dieses Gleis kam nicht zur Ausführung, statt dessen wurde ein Kanal bis an die Bahn gebaut.

 

  1. Sep. Kösener Kirchliche Konferenz (NKB)

Zu der seit einigen Jahren regelmäßig abgehaltenen Konferenz kamen 60 Teilnehmer. Pfarrer Barthold sagte in seiner Begrüßungsrede, dass der hiesige Kirchebaufond dank zahlreicher und namhafter Spenden inzwischen 50.000 Mark beträgt, dass man aber für einen Kirchenbau mindestens weitere 25.000 Mark braucht.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Beschlossen wurden die Zahlungsmodalitäten für den Ankauf des Platzes vor dem alten Friedhof und der Statutenentwurf der Wilhelm- und Augusta Stiftung. Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen zur Umverlegung des Fahrweges nach Lengefeld vom Jochenberg neben die Promenade zur „Katze“.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Wohnhauses Querstraße 40 II (Schmettau Str. 4) (NKB)

Besitzer war der Büchsenmachermeister Kotte. Wenig später wurde auch das Wohnhaus  Querstraße 39 II (Schmettaustr. 1) zwangsversteigert.

 

  1. Nov. Todestag von Emilie Charlotte von Lewitzka, Jg. 1823 (Sterbereg.).

Die aus evangelischen schlesischen Adel stammende Jungfrau, Stiftsdame in Zehdenick, verstarb hier während eines Kuraufenthaltes.

 

  1. Nov. Submission zur Verbreiterung der Brücke (NKB)

Geplant war eine außen in die Brücke eingelassene Eisenkonstruktion von rund 70 Metern Länge  und einem Gewicht von 950 kg, bestehend aus 53 Säulen, 1 m lang und 33 mm im Quadrat, die 12 cm tief in die Brücke eingelassen und vergossen wurden. Für das Geländer wurden ca. 70 Meter  Rundeisen die auf die Säulen aufgebohrt und vernietet sowie Mitteriegel von 16 mm Durchmesser die durch die Säulen zu stoßen und zu vernieten waren ausgeschrieben. 18 eiserne Streben a 60 cm lang oben mittel Bohrungen festgeschraubt unten einzeln einzulochen und zu vergießen waren sollten die Konstruktion abstützen. Für eine derart leichte Konstruktion kam dann nur ein Bohlenbelag als Fußweg in Frage.

 

  1. Nov. Verpachtung des Hämmerlingschen Weinbergs (NKB)

Die Landeschule suchte für die nächsten 5 Jahre einen neuen Pächter für den Berg bei der Ziegelscheune.

 

  1. Nov. Dr. Wahn wird zum Sanitätsrat ernannt (NKB).

Sein Vater Pastor emer. wohnte in der Saalstraße 56 II (Nr. 20)

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB)

Die Stadt hatte 2.130 Einwohner, 100 mehr als im Vorjahr.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen für die Weihnachtseinkäufe (NKB)
  2. Hämmerling warb für seine obligatorische Kuchenausstellung, Robert Törpsch für Winterbekleidung, C. H. Zedel für Hüte und Pelzwaren, der Sattlermeister Sträuber für Koffer und Taschen, Kaufmann Siebold für Wein, Sekt und Spirituosen, F. C. Schleicher in der Borlachstraße (Nr. 21) für Kolonialwaren, Fr. Wolff für seine „Patent-Wäscherolle“ in der kleinen Promenade 73 I (Gerstenbergkprom. 7) und der Zimmermeister Struve für die von ihm erfundene Essenkopfplatte.

 

  1. Dez. Schreiben des Bürgermeisters an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782/1).

Weil der Anweisung der Behörde, den Soleliefervertrag mit der Knorrschen Badeanstalt vor Saisonbeginn zu kündigen, nicht nachgekommen und dies erst zum Saisonende verfügt wurde, verlangte die Kgl. Regierung vom Badedirektorium eine Stellungnahme. Bürgermeister Richter erklärte zu seiner Rechtfertigung, dass die Kgl. Regierung die Kündigung ohne Angabe von Gründen angeordnet habe und er sich nicht von den Gerüchten leiten ließe, die über das Ehepaar im Umlauf waren. Die Kündigung zum Saisonende sei erfolgt, da er als Badedirektor nicht nur die Anweisungen seiner vorgesetzten Dienststelle zu erfüllen habe, sondern im Interesse des Bades handeln müsse. Die Einstellung der Solelieferung für die attraktivste und modernste Badeanstalt während der Saison,  hätte nur dazu geführt, dass etliche Gäste abgereist wären.

Den Vorwurf, dass er dem Drängen der Louise Knorr und anderer Einwohner nachgegeben hätte, wies er ab. Zwar habe der Vorstand des Hauptgläubigers des in „vollständigen Vermögensverfall geratenen“ Dr. Knorr, der Landwirtschaftliche Kreditverein Wetzdorf, der ein Hypothekendarlehen von 75.000 Mark ausgereicht hatte, der Gutsbesitzer Zweigler zu Mertendorf (bei Wetzdorf) vorgeschlagen, dass man die Frau Knorr entfernen und einer anderen Person die Anstalt übertragen will, wenn ein neuer Soleliefervertrag zustande käme. Noch während dieser Anfrage habe er erfahren, dass die Großherzogliche Staatsanwaltschaft in Weimar gegen den Verein wegen dubioser Geldgeschäfte ermittelt (Am 10. August 1881 wurde das  Konkursverfahren eröffnet)

Dagegen habe ein zweiter Gläubiger auf die Zwangsversteigerung bestanden. Dabei handelte es sich um die Gattin des Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckradt, die Tochter des Kaufmanns Marchand, die das von ihrem Vater ausgereichte Hypothekendarlehen von 45.000 Mark. v. Stuckradt hatte bereits den Groddeckschen Garten ersteigert und Richter äußerte die Hoffnung, dass dieser auch die Badeanstalt erwirbt.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Wegen des zunehmenden Diebesunwesens wurde die Verstärkung der Nachtwachen beschlossen.

 

1881      

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 774)

Wie üblich wurden bei der ersten Sitzung des Jahres die (wieder)-gewählten Stadtverordneten eingeführt und die Kommissionen und Deputationen besetzt.  Beschlossen wurde eine Petition an das Haus der Abgeordneten, um das Projekt zur Verbreiterung der Saalebrücke zu beschleunigen.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782 Bd. 1)

Der Widerspruch der Frau Knorr gegen der Kündigung des Soleliefervertrages wurde  abgewiesen.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des „Kurgartens“ (NKB).

Erwerber war der ehemalige Besitzer Rentier Gustav Teichgräber, der auch das drei Tage später den größten Teil des vom Gerichtsvollzieher versteigerten Inventar übernahm, u. a. 200 Tafeln und Tische, 1200 Stühle, 48 Paar Rollschuhe, 1000 Teller, 350 Bierseidel, 400 Weingläser und eine vollständige Gasbeleuchtungsanlage mit Bassin, Gasometer und 12 Kandelabern.

So ausgestattet, eröffnete Teichgräber den Kurgarten wieder zur Saison bis zur Winterpause ab Oktober.

 

  1. Mär. Gründungsversammlung der örtlichen Gesamt-Innung aller Gewerbetreibenden (NKB)

 

  1. Mär. Beschluss des Vorstandes der Floßkommune an der oberen Saale (NKB)

Der Holzhändlerverein an der unteren Saale und die Floßkommune der oberen Saale hatten sich dahingehend verständigt, dass die große Holzmesse von diesem Jahr an, wie früher zu Palmarum in Kösen abgehalten wird. Maßgeblich beteiligt am Zustandekommen waren die hiesigen Holzhändler Gebr. Krüger, Graf & Döhler, Töpfer und Gebr. Gräfe auf deren Wiesen am Saaleufer oberhalb des Wehrdammes das Holz verkauft wurde.

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung des Barbiers und Heilgehilfen Emil Haacke (NTB)

Der hatte sich beim Sattlermeister Scheufler Lindenstr I-14 (Nr. 16) eingemietet, später verlegte er sein geschäft in die Lindenstr. 8. Auch eine neue Fleischerei (Brendel) eröffnete in der Neuen Straße.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Rosenberger`schen Anstalt (MER C48i Nr.782/1).

Die Jahrespauschale für  die 8 Wannen betrug 360 Mark.

 

  1. Apr. Stadtverordenetensitzung (BLK-A. Nr. 774).

Informiert wurde über den Protest der Thüringer Eisenbahnverwaltung über die Veranlagung des Bahnhofs zur Kommunalsteuer, beschlossen wurde die Regulierung und die Pflasterung der Gosse in der Lindenstraße.

 

  1. Apr. Konzert der Leipziger Couplet Sänger zum Holzmarkt in der „Katze“ (NKB)

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

Ball bzw. Konzert gab es bei Andrä (Kaiser Wilhelmsburg), Schumann (Saalhäuser), Schleicher (Rektorberg) C. Waldhausen (Rudelsburg), Dix (Katze), Groetzsch, A. Waldhausen (Lindenstr. 7), Weber (Mutiger Ritter) und Viehweg (Erholung). Teichgräber kündigte die Eröffnung des Kurgartens für den 15. Mai an.   

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung der Knorrschen Badeanstalt (NKB).

Zur Versteigerung kamen die der Ehefrau Louise Wilhelmine Auguste Knorr gehörenden Grundstücke An der Eckartsbergaer Chaussee 7 II Wohnhaus mit Badehaus  und Kesselhaus und das Grundstück 8 II Wohnhaus samt Zubehör. 

Wegen der ungeklärten Rechtsverhältnisse im Zusammenhang mit dem Konkurs des Wetzdorfer Kreditvereins wurde der Termin erneut verschoben. 

 

  1. Mai Nachlassversteigerung Neue Str. 25 (F. Ebert-Str. 17) Frl. v. Puttkammer (NKB)

Dazu gehörten chinesischen und andere hochwertige Möbel, gutes Porzellan und Gläser.

 

  1. Mai Eröffnung der Badeanstalt „Villa Freytag“ (NKB)

Auch Dr. Wahnsche öffnete seine Anstalt und bat um rechtzeitige Voranmeldung von den Gästen, die nicht bei ihm logierten. 

 

  1. Mai Eröffnung von Tills Kolonialwarengeschäft, Burgstr. I-118 (Nr. 4) (NKB)

 

  1. Mai Zwangsversteigerung des Höroldschen Hauses Burgstraße I-116 (Nr. 9) (NKB).

 

  1. Mai Appell des Bürgermeisters an den Stadtverordnetenvorsteher (St.-A. Nr. 348)

Weil die erhoffte Besucherzahl bei den Abonnementskonzerten nicht erreicht wurde, konnten die Musiker nicht mehr bezahlt werden. Um die Kapelle aufrecht zu halten erging „die ernste Mahnung nicht nur an jeden einzelnen Bürger sondern auch an die maßgebenden Persönlichkeiten, opferwillig für die Förderung und Hebung der Badeangelegenheiten einzutreten...“ 

 

  1. Juni Pfingstfeiertage (NKB).

Mit Konzerten und Bällen warben G. Teichgräber (Kurgarten), Schleicher (Rektorberg), Schumann (Saalhäuser) und  Andrä (Wilhelmsburg). C. Waldhausen brauchte nicht zu werben, denn der KSCV hatte die Rudelsburg  in Beschlag genommen.

 

  1. Juni Amtliche Bekanntmachung der Ortspolizeibehörde (NKB).

„Der Kaufmann Friedrich Uthpadel beabsichtigt in der Querstraße 33 II (Schmettaustr. 8), bislang dem Musikus Saalborn gehörig ein Schlachthaus anzulegen“.

 

  1. Juni Jahrestreffen der Professoren und Dozenten von Jena, Halle und Leipzig (NKB)

 

  1. Juli Danksagung der Familie Röblitz zum Tod ihrer Tochter (NKB)

„Dank dem Herrn Stabsarzt a. D. Dr. Knorr für seine rastlosen Bemühungen am Krankenbett“ . Demnach behielt das Ehepaar Knorr hier ihren Wohnsitz, und erst im Februar 1883 wurde die Wohnung der Frau Dr. Knorr in der Borlachstraße (Nr. 50 oder 51) zur Neuvermietung angeboten.

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 774).

Im vertraulichen Teil wurde Bürgermeister Richter beauftragt, bei v. Stuckradt anfragen, ob und zu welchen Preis er den Garten der Stadt verkaufen würde.

 

  1. Juli. Bau einer Brauchwasserleitung nach Fränkenau (NKB).

Bislang wurde das Brauchwasser sobald die Zisternen leer waren von der Saale mit dem Fuhrwerk geholt. Nach dem Großbrand, der wegen fehlenden Wassers erheblichen Schaden anrichtete, entschloss sich die Schulverwaltung eine Wasserleitung von der Saale auf die Höhe  zu verlegen. In der Rudelsburgpromenade (9/10) wurde ein Göpel zum Betrieb der Pumpen eingerichtet.. Die förderten das Wasser über eine 3 km lange Leitung und einem Höhenunterschied von rd. 100 Metern in einen außerhalb der Domäne am höchsten Geländepunkt befindlichen  Sammelbehälter.

 

  1. Aug. Bericht zu den Schulverhältnissen (NKB).

Die Stadtverordneten hatten der Gründung einer Gewerbeschule zugestimmt. Deren Besuch war für alle in einem Lehrverhältnis im Handwerk oder Gewerbe stehenden Jugendlichen Pflicht. Neben dem Magistrat beteiligten sich die Lehrmeister per Umlage an den Kosten. Der Fiskus bewilligte einen Zuschuss von 150 Mark jährlich.

Weil in der städtischen Schule 248 Kinder in drei Klassen von drei Lehrern unterrichtet wurden, hatte die Behörde die Einrichtung einer vierten Klasse und die Einstellung eines vierten Lehrers gefordert. Das jedoch lehnte die Stadtverordneten als unnötig ab, dafür sollte die dritte Klasse geteilt und jeweils am Vor- und Nachmittag vom vorhanden Personal unterrichtet werden.

 

  1. Aug. Tödlicher Unfall in der Dampfziegelei (NKB)

Ein dort arbeitender Einwpohner war in das Räderwerk der Maschine gekommen, er hinterließ Frau und vier unmündige Kinder.

 

      Sep. Letzte Badeliste (NKB)

Unter den Badegästen waren die Baronin v. Grotthyß und Baronesse v. Buttlar-Dresden, Ob.-Ltn. v. Wißmann-Wiesbaden, Freifrau v. Bussche-Ippenburg, Dr. phil Oscar v. Gebhardt-Göttingen, Mrs. Walter-Boston, Gräfin Dohna, Gen.-Ltn. v. Röhl-Berlin, Frl. Aimeè, Percy und Estelle du Bois-Reymond-Potsdam, Fr. v. Stuckradt, Gräfin v. Finckenstein-Potsdam, Baronin v. Kahlden-Altmark, Baron v. Pflug-Dortmund, Landschaftsmaler C. Seiffert,-Berlin, Prof. v. d. Goltz-Königsberg, Baron v. Heyking.Danzig, Fr. Rothacker-New York, Hofrat Dr. Richter-Saalfeld, Prof. Ulrici-Halle, O.-Landes Gerichtsrat Pietsch-Dresden, Fr. Dr. Schultze-Delitzsch-Potsdam, Baronin Maltitz-Weimar, Prof. Donders-Utrecht, Prof. Dr. E. Rubo-Berlin, Prof. Dr. Aug. Fr. Schultze-Straßburg, Rittmeister Freiherr v. Schlechting-Schlesien, General Graf Bothmer- München insgesamt 1846 Gäste.

 

  1. Sep. Bekanntmachung des Amtsgerichts (NKB)

Im Handelsregister wurde die Firma Berthold Koch gelöscht, statt dessen die Firma Berthold Koch Nachfolger eingetragen. Inhaberin war seine Ehefrau, die kurz danach ein „Colonialwaren und Delikatessengeschaft“ eröffnete.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Chausse I-131 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Okt. 50jähriges Berufsjubiläum des Apothekers Manasse Gause (NKB).

Gause, der 1845 die Konzession erhielt, bekam das Ehrendiplom des Pharmazeutischen Vereins.

 

  1. Okt. Beschluss der oberländischen Floßkommune zu Kahla (NKB).

Mit 72 gegen 57 Stimmen wurde beschlossen, ab dem kommenden Jahr die Kösener Holzmesse nicht mehr zu belegen, sondern die Messe in Camburg abzuhalten. Grund war die Verweigerung der erforderlichen Anbindeplätze bzw. zu hohe Gebühren.

 

  1. Okt. Wahlversammlung der National-Liberalen Partei (NKB).

Vor 60 Zuhörern stellte Graf Fleming das Parteiprogramm zur Reichstagswahl vor.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Beschlossen wurde die Anschaffung von Feuerlöschgerätschaften und die Einrichtung der städtischen Sparkasse zum 01. 01. 1884. Informiert wurde über ein Angebot der Firma Siemens und Halske, die untere Wasserkunst zur Stromerzeugung herzurichten und die städtische Straßenbeleuchtung damit zu betreiben.

 

1882

 

  1. Jan. Ausschreibung der Verpachtung der Pfortenser Steinbrüche (NKB).

Dies betraf die an die Lengefelder Flur grenzenden Steinbrüche am Äbtischen Holz.

 

  1. Jan. Konkursversteigerung (NKB)

An zwei Tagen hintereinander versteigerte der Gerichtsvollzieher im Gasthof „Tanne“ zahlreiches „elegantes Möblement“. Bereits im Dezember hatte er Unmengen an Geschirr, Kleinmöbeln, Gardinen u.a.m. im „Grötzschen“ Saal versteigert. Die stammten aus der Knorrschen Badeanstalt und waren mit dem Darlehen des Wetzdorfer Kreditvereins angeschafft worden. Da über diesen nun ebenfalls der Konkurs eröffnet wurde, hatte deren  Konkursverwalter zunächst Forderungen gegenüber den Schuldner des Kreditvereins geltend gemacht und weil kein Bargeld vorhanden war, den Gerichtsbeschluss erwirkt, dass er sämtliches Inventar als Masse des Kreditvereins versteigern konnte.

 

  1. Jan. Ernst Roßner jun. wird Mitgesellschafter der väterlichen Mühle (NKB).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, St.-A. Nr. 2 St.-A. 550).

Nach der Neubesetzung der Stadtverordnetenämter (Schriftführer Dr. Raabe, Vertreter Postmeister Müller) und der Wahl des Zimmermeister Fr. Toepfer als Nachfolger des altershalber ausgeschiedenen Apotheker Gause wurden 85% Zuschlag zur klassifizierten Einkommenssteuer und 10% zur Gebäudesteuer zur Verbesserung der Infrastruktur beschlossen.

Weiterhin verpflichtete sich die Stadt gegenüber der Landesschule zum Unterhalt der Promenade vom Bahnhof zur „Katze“. Im vertraulichen Teil schlug v . Stuckrad vor, eine Aktiengesellschaft zur Hebung des Bades zu gründen und die fiskalischen Kuranlagen (Wellenbäder, Kurpark, Soleförderungs- und Gradieranlagen) als Sachkapital einzubringen.

Wegen der Brücke wurde eine Petition an das Abgeordnetenhaus verabschiedet, denn die „..hat sich schon seit einer Reihe von Jahren dem wachsenden Verkehr wegen ihrer kaum 14-15 Fuß betragenden Breite für die Passage der Fußgänger als gefahrbringend erwiesen. Zwei auf derselben sich begegnenden Wirtschaftswagen können sich nicht ausweichen. Aber auch wenn nur ein Wagen die Brücke passiert, sind die Fußgänger, welche ausschließlich auf die Benützung der fast immer entweder staubigen oder rutschigen, nach beiden Seiten schräg abgepflasterten Fahrbahn angewiesen sind, auf das äußerste gefährdet, wenn es ihnen nicht gelingt in den wenigen auf den Brückenpfeilern hergestellten Seitennischen notdürftigen Schutz zu finden. Diese Gefahr wird wesentlich vermehrt 1.) Durch die in unmittelbarer Nähe der Brücke stündlich vorüber brausenden Dampfzüge, welche nur zu oft ein Scheuwerden der Pferde veranlassen, 2.) Durch vermehrte Zufuhr landwirtschaftlicher  und gewerblicher Erzeugnisse nach und von dem Bahnhofe, weshalb nicht selten lange Reihen von Gespannen den Brückenraum einnehmen und für den Fußgänger jede Möglichkeit  ausschließen, die Brücke zu passieren, 3.) Durch den von Jahr zu Jahr wachsenden Fußgängerverkehr (Touristen, Kurgäste, vorzugsweise Kinder, Kirchgänger, Leichenzüge usw.). Die hierdurch in früheren Zeiten herbeigeführten Unglücksfälle haben wir bei unsern an die Kgl. Reg. gerichteten Gesuchen um Verbreiterung der Brücke zur Sprache gebracht und ist von dort aus, nach vorgängiger Untersuchung der Übelstände die Notwendigkeit des Erweiterungsbaues wiederholt anerkannt und die Ausführung desselben in den beiden hier in beglaubigter Abschrift beigefügten Reskripten und zwar durch das Ministerial-Reskript v. 17. August 1875 und die Benachrichtigung der Kgl. Regierung v. 1878 in Aussicht gestellt worden...“

Anfang Februar teilte die Kgl. Regierung mit „Das Haus der Abgeordneten ist in seiner Plenarsitzung am 7. Februar dem Beschluß der Budgetkommission beigetreten, die vom Magistrat eingebrachte Petition vom 8. Januar 1878 zur weiteren Erörterung im Plenum für nicht geeignet zu erachten; weil von den Vertretern der Kgl. Staatsregierung die Erklärung abgegeben, daß das Bedürfnis der Erweiterung der Saalebrücke in Kösen anerkannt wurde, die Ausführung für das Etatsjahr 1881/82 aber mit Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage habe ausgesetzt werden müssen, daß jedoch seitens des Arbeitsministeriums die Aufnahme einer entspr. Position in den Etat für das Jahr 182/83 von Neuem beantragt wurde...“ Im März bewilligte das Abgeordnetenhaus die Mittel für die „fiskalischen Saalebrücke“.

 

  1. Jan. Fischessen zum 10jährigen Bestehen der Kurzhals`schen Fischzucht (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde das Defizit der Badekasse, wie bisher aus der Stadtkasse auszugleichen.

 

  1. Jan. Öffentliche Vorladung des Buchbinders K. Luckenbacher (NKB)

Der hatte sich dem Militärdienst durch unerlaubte Auswanderung entzogen und wurde in Abwesenheit zu 30 Mark Strafe, ersatzweise 6 Tagen Haft verurteilt.

 

  1. Feb. Eröffnung einer Torf- und Kohlenhandlung von Völker & Ziegler am Bahnhof (NKB)

 

  1. Feb. Veränderung in der Holzhändlerfirma Gebr. Gräfe (NKB)

Nach dem Tod  des Holzhändlers J. Fr. Gräfe wurde seine Witwe Wilhelmine Therese geb. Sänger als Inhaberin eingetragen, eine Tochter des Mitinhabers der Holzfirma Hertel & Sänger. Die Prokura erhielt Franz Alfred Gräfe. Die Firma bzw. die Familie war in Lengefeld ansässig, besaß aber in der Kösener Flur einen Holzplatz sowie ein Wohnhaus (Rudelsburgpromenade 18) samt Flußbadeanstalt..

 

  1. Feb. Konkursverkauf des landwirtschaftl. Kredit- und Sparvereins Wetzdorf (NKB)

Dem Hauptgläubiger des ehemaligen Badehausbesitzers Knorr gehörten zwei Baustellen am Kurgarten mit dazugehörenden Weinberg sowie die Burgstr. I-106 und I-110 (heute Nr. 14 u. 15). 

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Dix der Wirt von der  „Katze“ hatte die Couplet-Sängergesellschaft aus Leipzig engagiert. Trotz der gleichzeitig stattfindenden Messe in Camburg kamen doch zahlreiche Flößer und Holzhändler.

 

  1. Apr. Karl Luft übernimmt von Viehweg die „Erholung“ Eckartsbergaer (NKB).

Bruno hatte seinen Flaschenbierhandel sowie das 1878 gegründete Vermittlungsbüro im Haus des Schlossermeisters Hädicke am Schulplatz I-10 a (Lindenstr. 12) eingerichtet.

 

  1. Apr. Bericht des Bürgermeisters an den Regierungspräsidenten (MER C48Ii Nr.782).

Wegen der Querelen beim Solepreis hatte v. Diest im August 1881 eine verbindliche und einvernehmliche Regulierung des Soleabgabepreises verlangt. Dem Badedirektor war es nach „langen, mühevollen Verhandlungen, bei denen  die Berücksichtigung der Interessen der Inhaber der ältesten hiesigen Badeanstalten, die Sanitätsräte Dr. Wahn und Dr. Rosenberger die größten Schwierigkeiten boten“ gelungen, vergleichbare Jahrespauschalen zu ermitteln. Der finanzielle  Aufwand für die Bereitstellung der Badesole betrug 2.690 Mark im Jahr. Davon fielen auf v.  Stuckradts 23 große und 10 kleine Wannen 1.200 Mark,  auf  Dr. Wahns 20 Wannen 750 Mark, auf Dr. Rosenbergers 9 Wannen  390 Mark und auf die 4 Wannen der Freytagschen Anstalt 350 Mark. Die unterschiedlichen Beträge begründete Richter, dass die Freitagsche Badeanstalt wesentlich mehr Bäder abgeben und wie die v. Stuckradt wegen ihrer Ausstattung und der zeitgemäßen Therapie wesentlich besser angenommen würde, als die Anstalten von Wahn und Rosenberger. Dies wurde der Kgl. Regierung vorgelegt unnd am 20. Juni mit kleinen Korrekturen genehmigt.  

 

  1. Mai Die Thüringische Bahn wird Kgl. Preußische Staatsbahn (NKB)

Neben der eigentlichen Thüringischen Bahn betraf das die Saale-Bahn, die Saale-Unstrut-Bahn und weitere Strecken. Die bisherigen Anteilseigner wurden nach und nach ausgezahlt, die Aktiengesellschaften aufgelöst. Zur Verwaltung wurde die Reichsbahndirektion Erfurt eingerichtet und das gesamte Personal in den Staatsdienst übernommen.

 

  1. Mai Eröffnung des Wilhelmbades und der Dr. Wahn`schen Badeanstalt (NKB)

„Von Montag steht das aufs feinste renovierten Bades mit Sool- und Fichtennadel-Inhalation (.) zur gefälligen Benutzung offen“ inserierte der vom Inhaber v. Stuckradt eingestellte Badeinspektor Fr. Röblitz.

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-41 (Nr. 17) Ökonom Moritz Koch (NKB).

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-17 (Nr. 1) Witwe Bösel (NKB).

 

  1. Mai Geschäftseröffnung Konditorei u. Cafè Robert Mücke (Lindenstr. 5) (NKB)

 

  1. Mai 10-Jahresfeier zur Einweihung des Gefallenendenkmals 1870/71 des KSCV (NKB)

 

  1. Mai Konzerte zu den Pfingsfeiertagen (NKB)

Kaiser Wilhelms Burg (Andrä), Rektorberg (Schleicher) Rudelsburg (Waldhausen), Saalhäuser (Schumann), Grötzsch. 

 

  1. Juni Besuch des Oberregierungsrates v. Bötticher (MER C48Ii Nr. 782/1).

Bei einer Revision der Badeverwaltung hatten v.  Stuckradt und der Sanitätsrat Hartmann aus Naumburg die Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft angesprochen, in der die  fiskalischen Badeeinrichtungen und die vier öffentlichen Privatbadeanstalten eingebracht un d weitere Kapitalgeber gewonen werden können. Während die Gespräche mit Dr. Wahn  positiv verliefen, hatte Dr. Rosenberger zu hohe Preisvorstellungen.

Die Einrichtung eines Kindergartens nach Fröbelschen Vorbild für die Kinder der Badegäste lehnte der Magistrat ab dagegen wollte sich die Badedirektion im Interesse der Gäste daran beteiligen, zumal eine tüchtige Kindergärtnerin, ein geeignetes Lokal und Spielplätze vorhanden waren. Bezüglich der  Trinkwasserversorgung wurde die Nutzung der Quelle am Bahnhof oder die Niederbringung eines Brunnens erwogen. Dann ging es um die Unterbindung des „Schlepperunwesen“ vor dem Bahnhof und zum Schluss wurde vorgeschlagen, v. Stuckradt zum Ehrenmitglied der Badedirektion zu ernennen.

 

  1. Juni Teichgräber eröffnet den „neu dekorierten Kurgartensaal“ (NKB).

 

  1. Juni „Große Zwangsversteigerungs-Auktion“ im Grötzschen Saal (NKB)

Diesmal waren es große Mengen an Hausrat, Maurer- und Gärtnergerätschaften.

 

  1. Juni „Raubtiermenagerie“ mit Dressur und Fütterung an der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juni Neuverpachtung der Bahnhofswirtschaft (NKB)

„Unterzeichner empfiehlt den geehrten Badegästen und durchreisenden Herrschaften seine anerkannt vorzügliche Küche, Rhein- und Moselwein, echt französische Rotweine,  sowie echtes Münchner  Kindl-Bräu und vorzügliches Lagerbier, Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, Extra-Diners werden aufs schnellste  und feinste sofort nach Bestellung serviert, Fisch als Forellen, Aal, Schleie sind stets vorrätig...“ 

 

  1. Juli Reskript der Kgl. Regierung zur Solepauschale (MER C48Ii 782/I).

Trotz der Genehmigung seitens der Behörde, verweigerte v. Stuckrad die Unterschrift unter dem Soleliefervertrag. Die Badedirektion wurde angewiesen, mit ihm darüber neu zu verhandeln. Auch die Witwe Freytag sah sich benachteiligt. Umgerechnet bezahlte sie 100 Mark  pro Wanne während  v. Stuckradt 35 Mark, Dr. Wahn 39 Mark und Dr. Rosenberger 48 Mark zahlte. Sie  beantragte die Reduzierung ihrer Pauschale.

 

  1. Juni Konzert mit den Ratiborer uniformierten Musikschulen bei Kurzhals (NKB)

 

  1. Juli Basar zum Besten des Kirchenbaus (NKB).

Der Verkauf von „Dingen wohlhabender Damen“ brachte 1060 Mark, der Fond belief sich nun auf 48.000 Mark.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Lindenstr. I-22 (Nr. 24) Sattlermeister Gottlob Nette (NKB)

 

  1. Aug. Festwoche zum 50jährigen Bestehen des älteren Schützenvereins 1832 e.V. (NKB).

 

  1. Aug. Geschäftsverlegung des Schlossermeisters Kuppi (NKB)

Der zog von der Lindenstr- I-23 (Nr. 25) in die Burgstr. I-106 (Nr. 14). Das erstere erwarb dann der Schlosser Schleifenheim

 

  1. Aug. Beginn der Installation einer elektrischen Straßenbeleuchtung (NKB)

Vorgesehen waren Bogenlichter System Schwerd-Scharnweber, vorzugsweise jedoch Glühlichter System Swan. Die privaten Interessenten sollten Glühlichter erhalten und falls die Kapazität des Generators am Wasserrad reichen würde, sollte auch Sägen und Drehbänke angeschlossen werden, um diese „nicht mehr mit menschlicher Kraft“ zu betreiben.

 

  1. Sep. Submission für den Bau eines Eiskellers für die Bahnhofswirtschaft (NKB)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Kostenumlage von 1/3 auf die Hauswirte Dittmann, Weise und Jürgens der Pflasterung des Weges von der Loreleypromenade zum Gradierwerk.

 

  1. Sep. Ernennung Rosenbergers zum „Geheimen Sanitätsrat“ (St.-A, Röblitz Heimatbuch).

Anlässlich seines 50jährigen Jubiläums als Knappschafts- und Badearzt erhielt er das kaiserliche Patent „Geheimer Sanitätsrath“ Für die amtliche Beglaubigung hatte der Geehrte 1.50 Mark Stempelgebühr zu zahlen. Gleichzeitig erhielt er die Ehrenbürgerurkunde in Anerkennung seiner Verdienste um das Bad in den 48 Jahren seines Wirkens.

 

  1. Sep. Badeliste (NKB)

Unter den 1867 registrierten Badegästen waren zum wiederholten Mal der Kammermusiker Philipp Tuscek-Berlin, Miß Tayer-Boston, Baronin Maydall-Boston, Exz. Gen. d. Inf. Graf Neithardt v. Gneisenau, Edelstiftsdame v. Alvensleben-Berlin, Schriftstellerin Auguste Scheibe-Berlin, Reichsgerichtsrat Dr. v. Grävenitz-Leipzig, Baron v. Heyking-Danzig, Baronin v. Borke-Halle, Baronin Leyhuis-Holland, Gen.-Ltn. Freiherr von und zu Gilsa-Berlin, Prof. Dr. Arthur Richter-Halle, Frau General v. Poyda-Weimar, Mrs. Waterson-Yorkshire, Rittergutsbesitzer Baron v. Arnim, Carlos Kretschmar-St. Fè de Bogota, Frau Minister Exz. v. Puttkammer-Berlin, Obersteuermann Georg Rosenberger-Wilhelmshafen, Kaiserl. Russ. Hofopernsänger Smirnoff- St. Petersburg, Prof. F. R. Müller-Hull, Historienmaler Fr. Schaller-Berlin, Dr. phil. Salinger-Berlin, Hofrat Prof. Dr. med. W. Hankel-Leipzig, Baronin v. Busch-Ippenburg-Metz 

 

  1. Sep. Konzert des Kgl. 6. Westgöta Inf.-Regiments aus Stockholm im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Vermietungsanzeige Major a. D. v. Schmettau Saalstr. II-53 (Nr. 19) (NKB)

 

  1. Sep. Hochwassermeldung (NKB)

„Abends 6 Uhr wies der Brückenpegel ein Wasserstand von 10 über 0 nach, heute Mittag drei volle Fuß, d.h. 13 über 0. In Lengefeld  stehen fast sämtliche  Häuser 3-4 Fuß hoch im Wasser.

 

  1. Okt. Wanderversammlung des Thüringisch-Sächsischen Vereins für Erdkunde (NKB).

 

  1. Okt. Freigabe des Bahnhofsvorplatzes und der Ladestraße (NKB)

 

  1. Okt. Versteigerung der Eckartsbergaer Straße I-133 (Nr. 7) EG Mehlhändler Schuster (NKB).

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner für das Abgeordnetenhaus (NKB)

Im Wahlbezirk I bewarben sich Bürgermeister Richter, Hotelbesitzer Kurzhals, Postmeister Müller, Zimmermeister Töpfer und Sattlermeister Sträuber, im Wahlbezirk II Hotelier Weber, Amtmann Jäger, Kaufmann Apitzsch und Kämmerer Dittmann. Von den 8 gewählten Wahlmännern gehörten 6 zum konservativen und 2 zum liberalen Lager.

 

  1. Okt. Anzeige des Pelzwarengeschäfts von B. Mann-Borlachstr. I-41 (Nr. 15) (NKB)

 

  1. Okt. Geschäftsübergabe der Apotheke (NKB)

Nach dem Tod von Manasse  Gause verkaufte seine Witwe die Apotheke an C. Chop.

 

  1. Nov. Nachfrage des Magistrats wegen der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Der Landrat wurde gebeten, sich beim Minister dafür zu verwenden, dass die vom Abgeordnetenhaus bewilligten 75.000 Mark auch bestätigt werden.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-23 (Nr. 7) Rittergutsbesitzer Krahmer (NKB)

 

  1. Nov. Versteigerung des Reinhardtschen Nachlasses Borlachstr. I-34 (Nr. 6) (NKB)

 

  1. Nov. Geschäftsanzeige des Fleischermeisters Fr. Matthes (NKB)

„Von jetzt ab gibt es Fleischabfälle nur Dienstag, Schwarten und Schweinebeine nur Mittwoch, Schmeer bei Entnahme von mindestens 10 Pfund in meiner Wurstfabrik..“

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung Lindenstr. I-10a (Nr. 12) Schlossermeister Karl Hädicke (NKB).

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes Rosenberger (MER C48Ii Nr.776VIII).

Demnach hatte der Borlachschacht eine Salzkonzentration von 4,3%, die Johannisquelle von 2,2% und wurde unverdünnt als Trinkbrunnenn genutzt. Der Mühlbrunnen wurde nicht erwähnt. Unter den 1.897 Badegäste waren 21 Ausländer. Der Rückgang war wohl der kalten und regnerischen Witterung und der Überschwemmung am 31. Juli geschuldet, von der die Wellenbäder und  die Johannisquelle betroffen waren. Dennoch blieb der Ort von den im Umland grassierenden Krankheiten wie Diphterie, Scharlach und Masern verschont.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige des Tischlermeisters Leopold Hädicke (NTB)

Der hatte seine Werkstatt im „früheren Schusterschen Haus neben der Börse“, wohnte aber im elterlichen Haus Schulplatz 10 a (Lindenstraße 12). Die Nr. 10 b gehörte seinem Bruder Hermann. Hier befand sich auch seit 40 Jahren das Geschäft des Buchhändlers Merzyn.

  1. Viehweg der hier sein Flaschenbiergeschäft und seine Immobilien- und Personalvermittlung betrieb, zog zum Jahresende in die Borlachstraße I-43 (Nr.14) neben dem Klempnermeister Krause.

 

  1. Dez. Premierleutnant v. Zehl übernimmt die Freytagsche Badeanstalt (MER C48Ii 782/I)

 

  1. Dez. Geschäftsanzeigen zu Weihnachten (NKB)

Gastwirt Weber teilte die Eröffnung der „neu eingerichteten und erweiterten Restaurations-Lokalitäten“ mit, Kaufmann H. Siebold warb für Wein und Spirituosen, E. Saalborn für Kurzwaren und Oberbekleidung, Robert Törpsch für Stoffe, G. Rössler für Spiel- und Korbwaren, E. Krause für Metall- und Hauhaltwaren und G. Sträuber für Lederwaren.  

 

  1. Dez. Schreiben der Badedirektion an die Kgl. Regierung (MER C48Ii 782/I).

Wegen der Einsprüche von v. Stuckradt und Fr. Freytag hatte die Badedirektion einen neuen Umlageschlüssel erarbeitet, dem nun alle im laufenden Jahr abgegebenen Bäder zu Grunde lagen und nach deren Verhältnis die Jahreskosten der Soleabgabe verteilt wurden. Die 2.690 Mark Gesamtkosten verteilten sich auf Dr. Wahn mit 4180 Vollbäder und 803 Mark, Dr. Rosenberger mit 2562 Vollbäder, 492 Mark, v. Stuckrad mit 5482 Vollbäder, 1053 Mark, Frau Freytag mit 1802 Vollbäder und 346 Mark. Darüber hinaus zahlte Stuckradt 47 Mark für den Bezug von Inhalationssole.

Der „Verein gegen das Bettelunwesen“ hatte binnen Jahresfrist 4.740 sog. „Fechtbrüder“ mit etwas Geld zum raschen Weiterziehen bewegt.

 

  1. Dez. Richtfest am Neubau des Schulhauses zu Pforta (NKB)

Vor den angetretenen Gewerken und den Honoratioren hielt der Gewerke- und Ratszimmermeister Fr. Töpfer den Richtspruch. Nach gemütlichen Beisammensein und der Übergabe einer Prämie von 300 Mark zogen die Arbeiter der Firmen Töpfer und Transchel unter „Vortritt der Badekapelle“ zurück nach Kösen.

 

  1. Dez. Tanzkurs und Anstandsunterricht im Saal „Zur Tanne“ (NKB)

 

  1. Dez. Öffentliche Bescherung von 14 armen Kindern (NKB)

Im Wartesaal des Bahnhofs überreichte der Pfarrer die gespendeten Geschenke, gesanglich umrahmt vom Männergesangsverein.

 

  1. Dez. Weihnachtskonzerte (NKB)

Im „Mutigen Ritter“ spielte die verstärkte Badekapelle, im Kurgarten konzertierte die Liedertafel, auf der Kaiser Wilhelmsburg traf sich der Verein „Germania“, der Wirt vom Rektorberg lud zum Ball und Kurzhals warb  mit Münchener Löwenbräu.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Informiert wurde, dass die Mittel für die Verbreiterung der Brücke bewilligt wurden. Für die beiden Nachtwächter wurden 15 Mark Gratifikation und die Anschaffung von Wachmänteln bewillligt und die Fuhren Dritter bei ausbrechenden Feuer sollten künftig bezahlt werden.  Dem Buchdrucker Schiller wurden 15 Mark vierteljährlich in Aussicht gestellt, wenn er den Kösener Anzeiger wieder drucken würde.

 

1883

 

  1. Jan. Apotheker Chop beginnt mit der Mineralwasserfabrikation (NTB)

 

  1. Jan. Statistik der Kirchengemeinde (NTB)

Zu der gehörten 2116 Seelen (1881: 2097). getauft wurden 67 Kinder, getraut 17 Paare, gestorben waren 46 Mitglieder, die Stadtschule besuchten 263 Kinder.

 

  1. Jan. Bekanntgabe der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen (NKB)

Zugelassen waren der Kaufmann Apitzsch, der Stadtsekretär Törpsch und der Kaufmann B. Koch.

 

  1. Jan. Veröffentlichung der Ergebnisse der Viehzählung (NKB)

In den 94 viehbesitzenden Haushalten gab es 43 Pferde, 1 Esel, 29 Kühe, 2 Schafe, 189 Schweine, 54 Ziegen und 110 Bienenstöcke. Die Schafherde der Landesschule wurde dabei nicht erfasst.

 

  1. Jan. Plan eines Schlachthauses in der Querstraße II-33 (Schmettaustr. 7) Uthpadel (NKB)

Wenige Tag später wurde auch die Errichtung eines Schlachthauses an der Naumburger Chaussee III-13 (Nr.2) öffentlich bekannt gemacht.

 

  1. Jan. Konstituierende Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Eingeführt bzw. wiedergewählt wurden Dr. Raabe, die Gastwirte Weber und Becker sowie der Rentner Apitzsch. Die Kassenrevision übernahmen Krüger und Becker, die Revision der Jahresrechnung Heckenberg, Krüger und Apitzsch. In die Klassensteuer-Kommission wurden gewählt Becker, Apitzsch, Schleicher, Vogel, Baer und Koch, in die Kommunalsteuerkommission Bgmstr. Richter, Weber, Krüger, Apitzsch, Schleicher  und Becker, die Kommission für Unterhaltung und Ordnung übernahm Siebold, das Beleuchtungswesen Leuschner und die Baudeputation bestand aus Siebold, Toepfer und Weber. Informiert wurde dass die Mittel für die Erweiterung der Saalebrücke bewilligt und im April mit den Arbeiten begonnen werden soll (St.-A. Nr. 360, 550). Für die obere Bauaufsicht war der Landesbaudirektor der Provinz Graf v. Wilzingerode  ernannt, die Bauleitung vor Ort wurde dem Kgl. Wasserbau-Inspektor Böes übertragen.

 

  1. Feb. Rechenschaftsbericht zur Jahresversammlung des Sterbekassenvereins (NKB)

Dem 1849 gegründeten Verein gehörten 419 Mitglieder an. Der Monatsbeitrag betrug 25 Pfennige, von deren zahlung 144 Mitglieder nach 20 jähriger Zugehörigkeit freigestellt waren. Ihnen stand ein Begräbnisgeld von 75 Mark zu, dass mit 8 % verzinst wurde.

 

  1. Feb. Die Anschaffung einer Nationalfahne wird abgelehnt (MER C48Ii 776/VIII).

Das patriotische Vorhaben auf dem Gradierwerk den preußischen Adler weithin sichtbar wehen zu lassen, musste wegen fehlender Mittel bei allseitigem Bedauern aufgegeben werden.

 

  1. Feb. Neufestsetzung der Kurtaxe (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Kurtaxe wurde auf 9 Mark für eine Person, 12 Mark für zwei und 18 Mark für 3 bzw. 4 Personen, 20 Mark bei mehr als 4 Personen festgesetzt.  Kinder erhielten teilweise Ermäßigung, Dienstboten waren befreit. Ab Mitte August wurde die Taxe halbiert. Eine Reduzierung der Kurtaxe wurde im Hinblick auf den unausgeglichenen Haushalt und notwendige Investitionen abgelehnt.

 

  1. Feb. „Schwanenmord in Großheringen“ (NKB).

Die von der Badedirektion angeschafften Schwänen waren von einem Jäger, der sie angeblich für Gänse hielt, erlegt worden. Schwan galt als Jagdwild und wurde auch verzehrt, weshalb sie zum Verkauf angeboten wurden. Dem Jäger drohte eine Klage wegen dem der Badedirektion erwachsenen Schadens .  

 

  1. Feb. Termionisierung der diesjährigen Holzmessen (NKB).

Die Floßkommune zu Kahla als Vertreter der oberländischen Holzhändler erklärte, dass die Messe in Camburg am 14. April beginnt. Der unterländische Händlerverbund erklärte, dass die große Kösener Holzmesse wie bisher am Palmsonntag beginnt. Wegen eines Wintereinbruchs kamen aber nur 150 bis 200 Flöße an. Das Gros wurden nun im April erwartet.

 

  1. Mär. Bürgermeister Richter wird für weitere 12 Jahre gewählt (NKB).

Richter war neben seinen städtischen Funktionen auch stv. Amtsvorsteher in Stendorf. Als der dortige Amtsvorsteher verstarb wurde er vom Landrat zum kommissarischen Vorsteher ernannt.

 

  1. Mär. Festlegung zum Preis für die Badesole (MER C48Ii 784/1).

Zukünftig sollten grundsätzlich die Gesamtkosten aus dem Vorjahr im Verhältnis der abgegebenen Bäder aufgeteilt werden. Das setzte allerdings eine wahrheitsgemäße Meldung der Badehausbetrieber voraus und war nur schwer zu überprüfen.

 

  1. Mär. Geschäftsübergaben und Geschäftserweiterungen (NKB)

Die Bäckerei in der Querstraße (Nr. 1) übernahm Carl Schöppe. Der Bäcker Karl Baer (Borlachstr. 17) eröffnet eine Konditorei und G. Feller übernahm die „Tanne“ von seinem Schwiegervater Tilebein. Die Bahnhofsgaststätte  hatte Louis Danz gepachtet. An der Ecke Neue Straße/Querstraße öffnete ein Geschäft für Kleiderstoffe und im ehemaligen Bennemannschen Anwesen eine Konditorei, die ab Januar 1884 von  C. te Bart übernommen wurde.

Der Kaufmann G. A. Scholvien eröffnet  eine Mineral-, Soda- und Selterswasserfabrik.

 

  1. Mär. Beschwerde Wahns bei der Kgl. Regierung (MER C48Ii 784/1).

Obwohl Dr. Wahn als Mitglied der Badekommission für diese Form der Umlageberechnung gestimmt hatte, beschwerte er sich nun darüber.

 

  1. Apr. Eröffnung der Badeanstalt am Gradierwerk (NKB)

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Sattlerei Gustav Soff Lindenstr. I-16 (Nr. 20) (NKB)

 

  1. Apr. Hotelier Kurzhals setzt 14.000 Jungforellen in den Schwanenteich (NKB).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Bildung einer Kommission zur Vorbereitung des städt. Wasserwerks.

 

  1. Mai Submission zur Erweiterung der fiskalischen Saalebrücke (NKB)

Der Umfang der Erd-, Mauerer und Zimmererarbeiten wurde mit 33.000 Mark beziffert.

 

  1. Mai Beschwerde des Bürgermeisters bei der Bahnverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Die Straße zwischen dem Bahnhof und dem Wärterhäuschen hatten die  schweren Fuhrwerke vom Kalkwerk völlig zerfahren. Wäre „nicht im Interesse der hiesigen Kurgäste nicht mit viel Aufwand die sog. Rudelsburgpromenade hergestellt worden, so würden die mit Extrazügen von Leipzig, Halle und anderen Städten nach Kösen kommenden Touristen kaum den vom Stationsgebäude nach der Rudelsburg über das Bahnhofsterrain führenden Fußweg passieren können“ schrieb Richter und forderte die Bahnverwaltung auf, den Weg in ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.

 

  1. Mai Pfingsfeiertage (NKB)

Nach Meldung der Bahnverwaltung trafen rund 5000 Fahrgäste ein. 3000 Besucher meldete die Rudelsburg, darunter 450 Angehörige des KSCV. Kritisiert wurde, dass die Waffenausstellung im Turm der Burg Saaleck seit 1872 für die Öffentlichkeit geschlossen war.

 

  1. Mai Revision der Badeanstalt durch die Kgl. Regierung (MER C48Ii 776/VIII).

Unter dem Vorsitz des Ob.-Reg. Rates v. Bötticher beschäftigte man sich mit der Einrichtung eines Kindergartens für Kinder von Kurgästen, der Trinkwasserversorgung der Stadt und dem Antrag mehrere Einwohner ein Vergnügungskomitee zu gründen. Unter Punkt 6 wurde lakonisch festgestellt, dass der „berüchtigte“ Dr. Groddeck die Stadt verlassen habe.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, St.-A. Nr. 550).

Beschlossen wurde, dass bei der Verbreiterung der Brücke auf Kosten der Stadt, Röhren von  mind. 12 Zoll Durchmesser auf beiden Seiten der Brücke verlegt werden, die dann als Sole- bzw. Trinkwasserleitungen gedacht waren. 

 

  1. Juni Verbreiterung der Saalebrücke (NKB).

Bis auf eine Durchfahrt wurden alle übrigen Bögen für die Flößer gesperrt.

 

  1. Juni Amtliche Festlegung von Laichschonrevieren (NKB)

Die sollten zwischen der Futtermauer und der Fähre an der Katze sowie zwischen dem Wehrdamm und der Eisenbahnbrücke eingerichtet werden. Etwaige Einsprüche der Fischereiberechtigten nahm der Reg.-Rat v. Hirschfeld vor Ort entgegen.

 

  1. Juni Nachruf für den Geh. Justizrat Förster (NKB)

Der war Präsident des Stadtgerichts in Stettin und war nach seiner Pensionierung hierher übergesiedelt, wo er sich als juristisches Mitglied der Badedirektion betätigte.

 

  1. Juli Versteigerung des Rittergutes Stendorf zur Auflösung einer Erbengemeinschaft (NKB).

Dazu gehörten der Geh. Reg.-Rat K. J. L. W. Köhler-Berlin; Freiherr Fr. v. Feilitzsch-Weißenfels und Thusnelda v. Römer, geb. v. Feilitzsch-Neumark in Sachsen. Das Gut fiel an  Fr. v. Feilitzsch, dem späteren Landrat.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Zahntechnikers Karl Haacke Burgstr. I-106 (Nr. 14) (NKB)

Er bezeichnete sich als  „Erfinder und alleinigen Besitzer der schmerzlosen Zahlheilkunde“ die er ab 4 Mark auch bei Ratenzahlung offerierte.

 

  1. Juli Stellungnahme des Bürgermeisters (MER C 48Ii 776 VIII).

Der Hotelier Kurzhals hatte sich beschwert, dass die Badedirektion sein Haus als Spielstätte für die Kurkapelle nicht berücksichtigte, war aber damit abgewiesen worden. Richter begründete das damit, dass der Platz vor dem Hotel als Konzertplatz ungeeignet sei. Es hätten nur 100 Personen Platz, außerdem führte hier der Fahr- und Fußweg von der Mühle zum Bahnhof und die unmittelbare Nähe zur Bahn wäre äußerst störend.

Den „Kurgarten“ der für Konzerte ausreichend und attraktiven Platz hatte, könnte die Badedirektion überhaupt nicht nutzen, denn der alte und neue Besitzer (Teichgräber) dem man mit 1000 Taler beim Bau des Saales unter die Arme gegriffen habe, würde „bei allen denkbaren Gelegenheiten die  Mitglieder der Badedirektion und die Kurgäste rücksichtslos, um nicht zu sagen verletzend behandeln“. So nutzte man die „geschmackvollen Anlagen“ und  den „schön dekorierten Saal“ des „Mutigen Ritters“ für die Konzerte, auch wenn hier noch weniger Platz war. Weber stellte den Saal kostenlos zur Verfügung, während Teichgräber Miete und Beleuchtungskosten verlangte.  Dennoch seien im laufenden Jahr auch Konzerte im Kurgarten und bei Kurzhals gegeben worden.

Die Randnotiz des Reg.-Präsidenten besagt, dass er die Gründe zwar anerkenne, doch würde das Hotel stark frequentiert, läge an der „schönsten Promenade“ und die Badedirektion solle soweit keine gegenteiligen Äußerungen von Badegästen vorlägen, Konzerte im angemessenen Umfang hier abhalten.

 

  1. Juli Leserbrief zur Straßenbeleuchtung (NKB)

„Wir Kösner, gewöhnt im Dunkeln zu wandeln, kennen schon die gefährlichen Stellen und sind zufrieden, wenn uns im Winter des Abends der Schnee heimleuchtet...“  

 

  1. Juli „Prof. Bönings Zaubertheater“ tritt im Kursaal auf (NKB)

Demzufolge wurde der Saal zeitweise noch für Veranstaltungen genutzt.

 

  1. Juli Die Kgl. Regierung weist eine Beschwerde Roßners ab (MER C48Ii 776VIII).

Der Mühlenbesitzer hatte sich beschwert, dass die Badedirektion bei Hochwasser zum Schutz der Ufermauer zwischen den beiden Wasserrädern diese mit einem Bretteraufsatz versehen hätte. Nach Anhörung mehrerer Zeugen u.a. des früheren Kunstmeisters Törpsch wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen.

 

  1. Aug. Submission zur Generalinstandsetzung des Wehrdammes (NKB).

Für die Bagger-, Maurer- und Zimmererarbeiten sowie die Lieferung der Eisenteile waren 7500 Mark veranschlagt. Dazu wurde die Lieferung von 150 Tonnen Zement ausgeschrieben. Auftraggeber war die Landesschule Pforta.

Vor Beginn der Arbeiten erfolgte eine Bekanntmachung: „Behufs Ausführung einer reparatur ist die rechte Hälfte des Kösner Wehres für den Floßbetrieb gesperrt (.) Die Flößer sind  für jeden Schaden verantwortlich, der dem Fangdamm und den Rüstungen entsteht. 

 

  1. Aug. Stellungnahme des Bürgermeisters zu einer Beschwerde (MER C48Ii 776 VIII).

Eine Einwohnerin hatte sich bei der Kgl. Regierung beschwert, dass sie nicht, wie bisher üblich eine Einladung zu den Rèunions der Badeverwaltung erhalten habe und daher nicht eingelassen wurde, obwohl die Familie aus wohlhabenden und standesgemäßen Bürgern bestehe. Die Begründung des Bürgermeisters war sinngemäß diese: „Die Einladungen von Einwohnern zu den Rèunions, die die Badedirektion für die Badegäste veranstalte, erfolge nur an diejenigen, die durch Stand und Stellung der besseren Gesellschaft zugerechnet werden können, und nicht jeder, der auf Grund seines Vermögens sich dazu zähle, sei geeignet, wenn der Bildungsgrad zu wünschen übrig ließe“. Die Regierung gab ihm darin Recht.

 

  1. Aug. Polizeiverordnung wegen der laufenden Brückenarbeiten (St.-A. Nr. 550)

„Wegen des Umbaus der fiskalischen Straßen-Brücke über die Saale in Kösen ist die Fahrbahn derselben zur Zeit derart eingeengt, daß ein Begegnen zweier Fuhrwerke auf der Brücke zu schweren Unfällen Veranlassung geben kann. Es haben sich deshalb die Wagenführer bevor sie auf die Brücke fahren zu überzeugen, daß ihnen auf derselben kein Fuhrwerk entgegen kommt und beim Fahren die größte Vorsicht zu beobachten, da die Brüstungsmauern größtenteils entfernt und durch Notbarrieren ersetzt sind.“

 

  1. Aug. Meldung über eine Lebensrettung (NKB)

Dr. Gerstel, Redakteur der Thür. Zeitung und ein Herr v. Pöppinghaus, die hier zur Kur weilten retteten den Gutsbesitzer Sch. aus Hassenhausen aus der Saale bei der „Katze“.

 

  1. Sep. Sedanfeier (NKB)

In Teichgräbers „Kurgarten“ spielten die Militärkapellen des 4. Thür. Infanteriereg. Nr. 72, des 7. Thür. Infanteriereg. Nr. 96 und das Musikkorps der Kgl. Unteroffiziersschule Weißenfels. 

 

  1. Sep. Mitteilung des Wirts der „Loreley“ A. Sträuber (NKB)

„Die Verlobung meiner Tochter H. mit E. Hutter ist aufgelöst“. Daraufhin erklärte der Verlobte: „Meine Verlobung mit der Schneiderin Hulda Friedrich aus der Loreley in Kösen ist von meiner Seite aufgehoben und werde den Grund später zur öffentlichen Kenntnis bringen“ Egmont Hutter Chef de cuisine. 

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-50 (Nr. 17) Rentier Nitschmann-Sulza (NKB)

 

  1. Sep. Letzte veröffentlichte Badeliste der Saison (NKB)

Unter den 1828 Badegästen waren der Schriftsteller Dr. Albert Fränkel-Leipzig, Fr. Gardini-Mailand, Frl. Claude-Valparaiso, Hr. Paul-Moskau, Rittmeister v. Bülow-Thalberg-Anklam, Geh.-Rat Baron v. Heyking-Danzig, der Ehrenbürger von Berlin  Kochann, Fr. Nadal de Mooyer-Puerto-Rico, Dr. phil. Pratsch, Redakteur der Börsenzeitung-Berlin, Ehrenstiftsdame Adelheid v. Alvensleben-Berlin, General v. Bulmerincq-Rußland, Fr. v. Hoeltzke Exz. Gemahlin der Kaiserl. Russ. Gesandten am großherzogl. Hof zu Weimar,  General-Konsul Vicomte de Fontenay-Leipzig, Mr. Henn-London, Prof. Dr. Theod. Ehrhard-Freiberg, Prof. Anners-Berlin, R. Grünberg-St. Petersburg, Konzertsängerin M. Niemeyer-Hamburg, General v. Bork-Postdam, Mr. Josaphat-London, Geh. Hofrat Prof. Dr. med. W. Hankel-Leipzig, H. A. Zechendorf-New York, Bgmstr. Dr. Mascher-Hörde, Stiftoberin v. Monbart-Stift Keppel, Oberst-Ltn. v. Schrötter-Merseburg.  

 

  1. Okt. Eröffnung einer privaten Kinderbewahranstalt (St.-A. Nr. 383).

Die examinierte Kindergärtnerin Anna Rennecke aus Halle betreute 20 Kinder.

 

  1. Okt. Gründung der Fa. Gebr. Kersten (NKB, KÖZ 1925).

Laut der Handelsregistereintrag Nr. 229 war Paul Kersten alleiniger Geschäftsführer und hielt  1/3 der Anteile, seine  Brüder Franz und Hermann behielten 2/3. Die Firma lag in der Lengefelder Flur, die zum Gericht des Rittergutes Kreipitzsch gehörte. Von Vorteil war die Nähe der Bahn. Man konzentrierte sich auf die Erschließung des unmittelbar angrenzenden Tagebaus und gab schon bald die Steinbrüche an der Fränkenauer Hohle und am Himmelreich auf. Man verkaufte den Kalkstein vorzugsweise für die Kalkbrennerei aber zunehmend auch an    Zuckerfabriken und chemische Betriebe.

 

  1. Okt. Generalversammlung des Pestalozzivereins der Provinz Sachsen (St.-A. Nr. 180/NKB).

Den ca. 1.000  avisierten Teilnehmern wurde ein reichhaltiges Programm geboten, allerdings  gab es bei der Bereitstellung von Betten erhebliche Probleme. Am Montag nach dem Empfang war eine Delegiertenversammlung im Hotel Kurzhals, am Abend geselliges Beisammensein im Kursaal. Am zweiten Tag traf sich der Pestalozzivereins  im Kursaal, dazwischen wurden Ausflüge zur Rudelsburg  und der Wilhelmsburg angeboten. Am Abend gab es ein Fim Kursaale. Am Mittwoch fanden die Delegiertenversammlungen statt, daneben Ausflüge zum Fischhaus  und Schulpforte. Am letzten Tag standen Ausflüge per Bahn nach Jena, Dornburg und Weimar  auf dem Programm. Die Stadt beteiligte sich mit einem Zuschuss von 672 Mark.

 

  1. Okt. Beschluss zum Bau eines Gotteshauses (NKB).

Obwohl sich im Kirchenbaufond erst 50.000 Mark angesammelt hatten und mindestens das Doppelte erforderlich war, sollte der „kirchenlosen“ Zustand enden.  Immer wieder wurde von den Kurgästen kritisiert, dass es in einer  Stadt mit inzwischen 2.000 Einwohnern und jährlich  2000 Badegästen kein Gotteshaus gibt und man sich mit einem desolaten ehemaligen Zimmerer- und Tanzschuppen begnügen müsse. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Eine Anfrage des Gemeindekirchenrates wegen eines bauplatzes neben dem Schulhaus wurde abschlägig beschieden. Genehmigt wurde die kommissarische Amtsführung von Stendorf durch den Bürgermeister.

 

  1. Nov. Die Nachtwächter erhalten Kontrolluhren (NKB).

Bezweifelt wurde allerdings, ob diese es schaffen, innerhalb einer Stunde den ihnen zugewiesenen Bereich abzulaufen, da sich das Stadtgebiet weiter ausgedehnt hatte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Der Fußweg von der Brücke vor dem Heckenbergschen Grundstück bis zum Mühlweg sowie von der großen Promenade zum Haasenritterschen Anwesen sollten gepflastert werden.

 

  1. Dez. Übergabe der verbreiterten Brücke (NKB, St.-A. 550).

Anstelle der 1856 auf den Strompfeilern aufgesetzten Rondeau, errichteten die  Firmen Toepfer und Werner eine Eisenkonstruktion für den Gehweg. Somit blieb die eigentliche Brücke dem Fuhrwerken vorbehalten. Zur Einweihung sagte Baumeister Boe: „Dem verehrlichen Magistrat und Stadtverordneten-Collegium gegenüber fühle ich die angenehme Verpflichtung im Namen der Arbeiter, Arbeitgeber und der Bauverwaltung meinen herzlichen Dank auszusprechen für die freigiebige Spende zur Bewirtung der Arbeiter bei Gelegenheit der Brückeneinweihung. Ich füge diesen allgemeinen Dank meinen persönlichen bei, für das freundliche Entgegenkommen seitens der Stadtverwaltung bei allen  die Bauleitung betreffenden Angelegenheiten und zugleich den Wunsch, daß der vom Staat geschaffene Bau dem Gemeinwesen Kösen zum Wohle gereichen möge“.

7 Jahre später verfingen sich bei einer Hochwasserwelle hunderte von Floßhölzern in dieser  Konstruktion verfingen und brachten die Brücke zum Einsturz.   

 

1884

 

  1. Feb. Geschäftseröffnung von Paul Held, Naumburger Chaussee II-14 (Nr. 4) (NKB)

Held hatte den Laden von der Witwe des Kaufmanns Funkel übernommen und handelte mit Materialwaren, Tabak und Zigarren sowie mit Speise- und Viehsalz aus der Saline Loisenhall.

 

  1. Feb. Polizeiverordnung zum Floßbetrieb (NKB)

Wegen der Rammarbeiten an den Eisbrechern der Staatsbrücke durften die Flöße nur die beiden Bögen am linken Ufer passieren.

 

  1. Feb. Anpassung der Brückenauffahrt (St.-A. Nr. 550)

Mit der Öffnung der Ladestraße für den öffentlichen Fahrverkehr stellte es sich heraus, dass die Auffahrt zur Brücke viel zu eng war. Daher sollte die Fahrstraße vor dem Heckenbergschen Grundstück  von 3 auf 5 Meter verbreitert und der steile Anstieg verringert werden. Neben den Baukosten war auch der erwerb eines Streifens vom Heckenberg`schen Anwesen erforderlich.

Die Kosten dafür sollte der Fiskus übernehmen, weil diese Engstelle die Folge des Baues des Bahndammes bzw. der Verbreiterung der Staatsbrücke seien. Auf einen entsprechenden Antrag erklärte der Landesbaudirektor, dass dafür keine Mittel aus dem Brückenbaufond  zur Verfügung stehen.

 

01.Mär. Heinrich Lucas übernimmt den „Preußischen Hof“ von der Witwe Schmidt (NKB)

 

  1. Mär. Mitteilung des kaiserl. Postamtes (NKB)

Der Schalter wurde am Sonntag geöffnet und in der Saison auch der Telegraphendienst.

 

  1. Mär. Schreiben der Kgl. Regierung zur Ausgestaltung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Dem Magistrat wurden mitgeteilt, dass für 2480 Mark die Verblendung der Schutzböcke vor den Flußpfeilern bewilligt werden, die Installation von 6 Kandelabern aber nur mit einer finanziellen Beteiligung der Stadt möglich sei. Daraufhin eingte man sich, dass die Stadt die Kosten für das Leuchtmittel und die Unterhaltung übernimmt.

 

  1. Apr. Jahresbericht des Vorschußvereins (NKB)

Der 1872 gegründete Verein hatte 206 Mitglieder, ein Bilanzvermögen von 90.000  Mark und zahlte 1 % Dividende. Angemerkt wurde, dass der Verein „welcher in den letzten Jahren durch den finanziellen Zusammenbruch auswärtiger Spekulanten (Marchand und das Comitee) starke Verluste erlitten hatte, kann nun als vollständig konsolidiert betrachtet werden“.

 

  1. Apr. Schreiben der Eisenbahnverwaltung an den Magistrat (St.-A. Nr. 550)

Deren Antrag zur Beseitigung der „scharfen Ecke“ am Schrankenübergang  zu den Saalbergen, wo die Fuhrwerke rangieren mussten, wurde genehmigt unter der Maßgabe, dass „1.) die Verbreiterung der südlichen Rampe von dem über die Bahn gehenden Übergang nach den Saalbergen, an Stelle des spitzen Winkels (.) ein stumpfwinkliger Anschluß mit bogenförmigen Übergang hergestellt wird und 2.) daß das dazu kostenlos zur Verfügung gestellte Gelände  von der Stadt übernommen wird.“

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung der Klempnerei Stichling-Lindenstr. I-8 (NKB)

 

  1. Apr. Verhandlung der Badedirektion mit der Kindergärtnerin (MER C 48Ii 776 VIII).

Neben den 24 Kindern „wohlhabender Stände“ sollten auch Kinder der Badegäste betruet werden. Zur Betreuung würde auch die Schwester der Leiterin zur Verfügung stehen. Bei der am 21. Mai  abgehaltenen Revision des Badeanstalten (MER C48Ii 776VIII) erklärte der vertreter der Kgl. Regierung. dass der Kindergarten wohlhabenden Kurgästen wegen der hygienischen Verhältnisse nicht zugemutet werden kann.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (MER C48Ii 784/1).

Festgesetzt wurde die Pauschale für die Lieferung der Badesole,  v. Stuckrad 1.142 Mark, Dr. Wahn 752 Mark, Zehl 451 Mark und Dr. Rosenberger 354 Mark. Auf dieser Sitzung kündigte Dr. Rosenberger die Schließung seiner Anstalt an, falls sich kein Käufer findet.

 

  1. Mär. Gründungskongress des Thüringer Bäderverbandes in Erfurt (NKB 1893).

Auch eine Abordnung der Stadt und der Badedirektion nahmen daran teil und Dr. Rosenberger beteiligte sich ab der Ausarbeitung der Satzung.

Auch die Konkurrenz aus den Stahlbädern Bibra, Lauchstädt und Rastenberg, den Solbädern Sulza und Dürrenberg, dem Schwefelbad Tennstädt, Berka und Köstritz war vertreten.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Anschaffung von Torfballen zur Desinfektion der Schulaborte, der Apotheker Chop sollte die öffentlichen Trinkwasserbrunnen untersuchen und der Magistrat  Holzkohle zur Filtrierung anschaffen. In die Kommission zur Hebung des Badeverkehrs wurde Chop und Leutnant Zehl berufen und der Ankauf des Streifens vor dem Heckenbergschen Grundstück genehmigt.

 

  1. Mai Graf & Döhler verlegen den Firmensitz in die Rudelsburgprom. I-91 (Nr. 17) (NKB)

 

  1. Mai Quartalsversammlung der Gewerksmeister-Innung (NKB)

Die 1880 gegründete Innung hatte 76 Mitglieder, darunter auch mehrere Auswärtige und war seit 1881 Mitglied des Allg. Deutschen Handwerkerbundes.

 

  1. Juni Inbetriebnahme der Kerstenschen Drahtseilbahn (NKB, Festschrift).

Um das Material vom Freirodaer Steinbruch zur Bahnverladung zu transportieren hatte Kersten  innerhalb von 4 Monaten eine Drahtseilbahn über die Saale und bis zu einem Anschlussgleis neben der „Katze“ gebaut. Die Bahn war 1200 Meter lang bei Spannweiten von 100 Metern und hatte ein Gefälle von 30 %. Die Anlage wurde allein durch die ins Tal gehenden beladenen Kübel angetrieben, die direkt in die bereitstehenden Waggons entleert wurden. Kersten suchte kräftige Arbeiter bei guten Lohn und dauerhafter Beschäftigung. Nebenher beförderten die Kübel auch die Leute und auch Kersten selbst, obwohl diese öfters abstürzten. Die Bahn zog zahlreiches Publikum an.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Niederschlagung von Steuer- und Schulgeldresten mehrere Einwohner . Die Nichtzahlung von  Schulgeld seitens der ärmeren Familien war an der Tagesordnung und wurde zumeist wegen Nichtbeitreibbarkeit  niedergeschlagen.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A: Nr. 776).

Genehmigt wurde das vom Oberpräsidenten bestätigte Sparkassenstatut, abgelehnt die Offerte des Prokurators, den Weg von der Schäferei  zur Therkornschen Schmiede der Stadt zur Anlage eine Promenade zu überlassen.

 

  1. Juni Entwürfe für den Kirchenbau (NKB).

Der Gemeindekirchenrat hatte Kaiser Wilhelm I. drei Entwürfe zur Begutachtung und Entscheidung zugesandt, nicht ohne auf die noch fehlenden Mittel hinzuweisen. Unter den Entwürfen war auch der des Oberhofbaurates Stüler, der bereits König Friedrich Wilhelm IV. Vorgelegen hatte und von diesem eigenhändig ergänzt wurde.

 

  1. Juli Konzert der Kapelle des Kgl. Bayerischen 2. Fuß-Artillerie Reg. im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli „Über das Bad Kösen“ ein Leserbrief in der Berliner Zeitung (NKB)

„Die Berliner Kinderstube (.) von Natur aus außerordentlich bevorzugt, hat sich aber seit 40 Jahren nur wenig vergrößert und verändert (.) Allen Vorzügen gegenüber den jüngeren Kurorten und Bädern hat sich Kösen nicht entwickelt. Die Bürgerschaft hat zu wenig getan, um den badegästen außer was die natur gemacht, andere Annehmlichkeiten zu bieten. Es fehlt an einem Kurhaus mit Komfort, einer Wandelhalle und noch nicht einmal zu einer Gasbeleuchtung hat man sich aufgeschwungen“

 

  1. Juli Genehmigung zur Verbreiterung der Brückenauffahrt (St.-A. Nr. 550)

Der Landesausschuss bewilligte eine Beihilfe von 4.000 Mark unter der Maßgabe, dass der Bau nach dem Entwurf des Reg.-Baumeisters Bothe ausgeführt wird und die Stadt die dauerhafte Unterhaltung übernimmt. Am 25. 08. beschloss die Stadt die Beauftragung des Maurermeisters Werner, am 01. Oktober erfolgte die Bauabnahme und am 30. Oktober gab die Stadt ihre Verpflichtungserklärung ab, worauf am 27. November die Mittel freigegeben wurden. Nachfolgend beschwerte sich der Maurermeister Transchel wegen Nichtberücksichtigung seines Angebotes. Im Juni 1885 übernahm die Stadt die Verkehrsflächen am Knoten  Schrankenübergang/Brücke außer der Chaussee.

 

  1. Juni Anschluss der Fechtschule des Hauptmann v. Assinant an die Reichsfechtschule (NKB).

 

  1. Juni Einreichung des Kirchenbauplanes bei Kaiser Wilhelm (NKB)

Eingereicht wurden drei Entwürfe des Kirchenbaumeisters Weiß aus Erfurt, die bereits König Friedrich Wilhelm IV. vorlagen und von ihm eigenhändig ergänzt wurden. Die Kosten wurden mit 80 bis 100.000 Mark angegeben, von denen der Kirchenbaufond dank der vielen Veranstaltungen zu Gunsten der Kirche ungefähr die Hälfte beisteuern konnte. Daher erwartete man neben  der „Allerhöchsten und Wohlwollenden“ Genehmigung auch ein ansehnliches „Gnadengeschenk“, für die noch fehlenden Mittel.

 

  1. Aug. Veröffentlich der amtlich festgetellten Höhenlage über NN (NKB)

Der Bahnhof lag bei 116 m, der Galgenberg 140 m, der Geiersberg 227 m, der Katerberg bei 217 m, der Nikolausberg bei 216 m, der Göttersitz bei 261 m, das Himmelreich bei 191 m, das Denkmal 1870/71  bei der Rudelsburg bei 208 m und der Ostturm von Burg Saaleck bei 172 m.

 

  1. Aug. Leserbrief zur Aufstellung eines freiwilligen Feuerwehr-Corps (NKB)

 

  1. Aug. Scharfschießen des Magdeburger Jägerbataillons Nr. 4 am Galgenberg (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766, St.-A. 550)

Die Eingemeindung der Bergschmiede und des Chaussee-Einnehmerhaus wurden abgelehnt.

 

  1. Sep. Konkurs des Bäckermeister Eduard Lützkendorf (NKB).

Das Verfahren endete durch Vergleich und Lützkendorf behielt sein Geschäft.

 

  1. Sep. Antrag des Badedirektion bei der Kgl. Regierung (NKB).

Beantragt wurde der Beitritt zum „Thüringer Bäderverband“.

Die Zeitung veröffentlichte in diesem Zusammenhang die Besucherzahlen der letzten 10 Jahre: 1874: 2.155, 1875: 1.729, 1876: 2.063, 1877: 1.825, 1878: 1.875, 1879: 1.641, 1880: 1.735, 1881: 1.846, 1882: 1.911 und  1883: 1.830.

 

  1. Sep. Festsetzung einer Zigeunertruppe (NKB).

Die hatte sich mit Gemüse und Kartoffeln aus den Gärten der Einwohner versorgt, wurde daraufhin in Pforte gestellt und nach Zahlung von Schadenersatz durfte „das Gesindel lustig weiterziehen“.

 

  1. Aug. Inkraftsetzung des Statuts der Ortskrankenkasse (NKB)

Per Reichsgesetz vom 15. Juni 1883 waren alle Städte ab einer bestimmten  Anzahl Lohn- und Gehaltsempfänger verpflichtet, ein Krankenkasse einzurichten. Das betraf alle im Stadtgebiet wohnenenden Lohn- und Gehaltsempfänger, Heimarbeiter  sowie in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten soweit sie keinen eignen Grundbesitz hatten. Alle Arbeitgeber waren verpflichtet ihre beschäftigten binnen drei tagen zu melden.

Bei der konstituierenden Versammlung im Groetzschen Saal wurden Mühlenbesitzer Roßner jr. Maurermeister Transchel, Zimmerpolier F. Kotte, Maurerpolier Fr. Ziegler, Zimmerpolier B. Thieme und Mälzer R. Becher  zum Kassenvorstand gewählt. Dieser ermittelte den ortsüblichen durchschnittlichen Tagelohn: für den erwachsenen Mann über 16 Jahre 1,75 Mark, unter 16 Jahre 0,75 Mark, für die erwachsene Frau über 16 Jahre 0,90 Mark und unter 16 Jahre 0,60 Mark. 

 

  1. Okt. Geschäftsanzeigen (NKB)

Dazu gehörten die des Bahnhofswirts Bechstein, des Restarateurs des „Adlers“ in der Lindenstr. 7 (Waldhausen), die Anzeige von Fr. Munkelt, dass er sein Geschäft im Haus des Schlossermeisters Schleifenheimer vis-a-vis vom Kurgarten (Eckartsbergaer Str. 7) eingerichtet habe, des Schneidermeister G. Berg, Borlachstr. I-50 (Nr. 21) und des Fotografen Föppel in der Borlachstr. I-67 (Nr. 41)

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzten Badelise (NKB)

Erstmals seit 1876 waren es wieder über 2000 Badegäste (2155), darunter die Baronin v. Dallwitz-Parchim, der Schriftsteller Anton Perls-Leipzig, Rittergutsbesitzer v. Bülow-Carnitz, Hofrätin Mathilde v. Chwolson-St. Peterburg, Baronin v. Bonsen-Dessau, Gräfin Götzen-Görlitz, Gen.-Major Exz. v. Bulmering-Wilna, Vicomtesse de Fonteray-Leipzig, Gräfin Plessen-Ivenack, Baron v. Heyking, General Dannhauer,  Gräfin v. Haslingen-Torgau, Frl. Manny-Luzern, Dr. jur van Soederwonde-Den Haag, Kgl. Preuß. Hofopernsänger P. Kalisch (1855-1946)-Leipzig, Pianist Joseph Weiß-Berlin,  General Exz. v. Borke-Potsdam, Kaufmann Beck-Barcelona, Gräfin von Ponnska-Polen, Gräfin Czapka-Romrod-Wilna, Baronin v. d. Goltz-Potsdam, Frl. Niemann-Pittsburg, Reichsgerichtsrat Dr. G. Freiesleben (geb. 1839)-Leipzig, Franz Jäger-Berlin, Frau Exz. Generalin v. Ribbentrob-Kassel, Baron v. Stoisch, Komm. des 2 Garde-Dragoner Reg. mit Gattin-Berlin, Prof. Johann Thomae (1848-1921)-Jena, Prof. Dr. theol. Möller-Kiel, Hinrich Wichern, Direktor des Rauhen Hauses-Hamburg, Freiherr von Rechenberg-Lübben,  Geh. Hofrat Prof. Dr. Ludolf-Kiel, Dr. theol. Karl Bertheau-Hamburg, Baronin v. Häseler, Frl. Devrient-Leipzig, und die Schriftstellerin Marie Mohr-Leipzig

 

  1. Okt. Todestag von Friedrich Carl Schleicher (Sterbereg.)

Der Kaufmann wohnte in der Borlachstraße  (Nr. 19/21) hatte dort ein Kolonialwarenhandlung, die bis in die 1960er Jahr im Familienbesitz war.

 

  1. Okt. Wahlveranstaltungen in Vorbereitung der Reichstagswahlen (NKB).

Im Hotel Kurzhals sprach Landrat Barth von der national-konservativen Partei und im „Mutigen Ritter, ein Vertreter der Fortschrittspartei, der Rittergutsbesitzer Rohland aus Etzoldsheim.

Bei den Reichstagswahlen erhielt Barth 167 283 Wahlmännerstimmen, Rohland 65. Da keiner der beiden die absolute Mehrheit im Wahlkreis erreichte, wurde eine Stichwahl für den 12. November anberaumt. Dabei wurde Barth von den hiesigen kaisertreuen Wählern unterstützt, die sich auch eine gemeinsam inserierten, die Kaufleute Apitzsch, Haedicke, Mänicke, Panse und Till, Lederhändler Rodehaber, die Restaurateure Bechstein (Bahnhof), Feller (Preuß- Hof), Groetzsch, Kurzhals, A. Waldhausen und Weber, Handwerksmeister wie die Schuhmacher Böhme, Holzweißig, Lucas und Fielko, der Schneider Grube, Glaser Hemmann, Klempner Krause, Handelsgärtner Köhler, Schlosser Kuppi, Sattler Sträuber, Maurer Transchel, Zimmerer Töpfer, Tischler Vogel, Buchbinder Wolf, Oberförster Leuschner, Bürgermeister Richter, Oberpfarrer Wetzel, Pastor Barthold und Lehrer Gießler, Rentner Heyner,  pensionierte Militärs wie Oberstltn. a.D. Le Beaul de Nais,  Oberstltn. v. Neuendorff, Rittmeister Schmidt, Major a. D. v. Schmettau, Rittmeister Schach v. Wittenau, Direktor v. Stuckradt, Rechnungsrat Seeger, Ratssekretär Törpsch, Schachtmeister Törpsch und Dr. Weise. Bei der Stichwahl erhielt Barth 241 Stimmen, Rohland 96

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Für die Einrichtung einer weiteren Klasse sollte entweder das Büro des Magistrats oder eine der Lehrerwohnungen verwendet werden. Der Platz vor dem alten Friedhof wo das Spritzenhaus stand ,wurde für ein weiteres Jahr an Großmann und Radenacker verpachtet.

Außerdem wurde die Genehmigung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung der Herrenwiese aus dem Gutsbezirk veröffentlicht. Der größte Teil entlang der Saale gehörte den Holzhändlern Gebr. A. und E. Krüger sowie den Zimmermeistern Fr. Töpfer und Franz Kotte. Die Stadt erhielt die öffentliche Wege darunter die Rudelsburgpromenade. 

 

  1. Nov. Schreiben der „Commission zur Hebung des Badeverkehrs“ (MER C48Ii Nr. 776) .

Dargelegt wurden die Vorteile einer derartigen Mitgliedschaft in dem bereits 22 Mitglieder zählenden Verband. Das betraf die überregionale Verteilung der Bäderzeitung „Union“ sowie des Verbandsblatts der ärztlichen Vereins die den Jahresbeitrag von 56 Mark bei Weitem aufwiegen würde.  Bei einem Nichtbeitritt befürchtete man einen erheblichen Imageverlust für das bis dahin meistbesuchte thüringische Solebad.  Unterzeichner waren u. a. Krüger, Zehl, Postmeister Müller und A. Haasenritter. Daraufhin  genehmigte die Kgl. Regierung den Beitritt.

 

  1. Dez. Geburt von Franz Georg Freiherr von Rechenberg (Taufregister)

Er war der Sohn des Generalleutnants Georg Freiherr von Rechenberg.

 

  1. Dez. Jahresbericht des Badearztes (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Erfreulicherweise hatte die Anzahl der Badegäste wieder die 2000er Grenze überschritten. Insgesamt wurden 2.173 Badegäste registriert unter denen die Berliner erneut am stärksten vertreten waren. Von den 54 Ausländern waren 24 aus Rußland, 14 aus Amerika und 3 aus Asien.

Die privaten Badeanstalten verbrauchten 14.570 Kubikfuß Sole für Bäder (ca. 480 m³). Außerdem wurden 475 Wellenbäder abgegeben. Zum Personal des Bades gehörten ein Kassenrendant, ein Gradierer, ein Kunstwärter und ein Bürodiener. Dr. Rosenberger verwies zum wiederholten Mal auf den „Mangel an zuverlässigen guten Trinkwasser“. In der ganzen Hauptstraße (Lindenstraße) gäbe es nur einen einzigen brauchbaren Brunnen, der sich noch dazu auf seinem eigenen Grundstück befindet, aber allen Anwohnern zur Verfügung steht. Alle übrigen Hausbrunnen wären durch Fäkalien der daneben liegenden Senkgruben kontaminiert, was zu Typhus führen könnte. Nachdrücklich forderte er eine umgehende Verbesserung, in Anbetracht der Konkurrenz vieler neuer Kur- und Badeorte.

Unter dem Titel „Soolbad Kösen in Thüringen - ein Auszug aus der Badeschrift Dr. Rosenbergers veröffentlichte die Badedirektion eine kleine Broschüre „Zur Mitgabe und Erinnerung für die Badegäste“. Sie informierte den Gast über die Anmeldung, Kurtaxe und Preise für Verpflegung, Unterkunft und Kurmittel.

 

  1. Dez. Bei der Treibjagd auf den Pfortaischen Feldern wurden 30 Hasen erlegt (NKB)

 

1885

 

  1. Jan. Kirchliche Statistik 1884 (NKB)

Die Einwohnerzahl betrug 2.298. Getauft wurden 48, konfirmiert  38 Kinder. Die Stadtschule zählte 279 Kinder. Es gab 21 Trauungen, 41 Sterbefälle und keine uneheliche Geburt.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Burgstr. I-122 (Nr.1) (NKB)

Das Haus gehörte der Ehefrau des Frisörs und Zahntechnikers Karl Haacke. 

 

  1. Jan Streik der Arbeiter der Kerstenschen Drahtseilbahn (NKB)

Grund war die Beitragspflicht zur Ortskrankenkasse (3 Pfg/Tag bei einem Tagelohn von 1,75 Mark). Nach sofortiger Entlassung einiger Arbeiter kam eine gütliche Einigung zustande, meldete die Zeitiung.

 

  1. Mär. Gründungsversammlung des Feuerwehr-Corps (Archiv der FFW, NKB, Röblitz 1930).

Auf Initiative des Badeanstaltsbesitzer Premierleutnant a. D. Zehl traf man sich im Groetzschen Saal, wo sich 25 Einwohner bereit fanden und den Apotheker Lagemann zum Vorsitzenden wählten. Doch zunächst fehlte das Geld für die Ausrüstung. „Solange sich nicht die Ortsbehörde ins Mittel schlägt, oder sich solche Herren an die Spitze stellen, welche die Sache vorläufig aus eigenen Barmitteln bestreiten, wird es wohl schwer halten, hier ein Feuerwehr-Corps zusammen zu bringen“ schrieb ein Leser im März im NKB .  

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NKB)

Zum Vorsitzenden wurde der Buchbinder Wolf gewählt. Der Haushalt 1885/1886 hatte ein Budget von 15.323 Mark. Zur Verbesserung der Stadtfinanzen wurde ein Zuschlag von 85 %  auf die Einkommenssteuer sowie von 10 % auf die Grundsteuer beschlossen. Bewillligt wurde ein Zuschuss von 100 Mark für den auf der Ostseite des Gradierwerks von der Badedirektion geplanten Musikpavillon sowie die Kosten für die Aufnahme im Thüringer Bäder-Verband.

 

  1. Feb. Einrichtung eines Anschlussgleises zur Verladung von Kalkstein und Holz (NKB)

Damit habe „eine der schönsten Straßen unseres Bades, die Rudelsburgpromenade erheblich gewonnen, denn das frühere Verladen der Kalksteine (von der Drahseilbahn) auf den mit dieser Straße parallel verlaufenden Güterbahnhof war sehr störend. Außerdem wird nun die Holzausschleppe und die damit verbundene Langholzverladung  (.) auch nach außerhalb der Stadt (nach der „Katze) verlegt“. 

 

  1. Mär. Erklärung der Stadt- und Landfeuersozietät der Provinz Sachsen (NKB)

Unter der Maßgabe, dass das Feuerwehr-Corps nach den Grundsätzen der Sozietät bezügl. Ausrüstung und Ausbildung, eine städtische Feuerpolzeiordnung erstellt und das Corps  dem Feuerwehrverband der Provinz beitritt, würden 30% der Kosten der Ausrüstung beigesteuert.  

Daraufhin konstituierte sich das Corps am 21. März und wählte den Kgl. Konzess. Auktionator W. Becker zum Stellvertreter von Lagemann. Am 7. Apr. zeigte sich das Corps in Uniform und Ausrüstung erstmals der Öffentlichkeit.

 

  1. Feb. Ball der Liedertafel im Kursaal (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden die Einstellung eines Rendanten für die Stadtkasse und die Überlassung der städtischen Feuerspritze dem Feuerwehr-Corps zu Übungszwecken. Im Brandfall hatte allerdings noch der städtische Feuerkommissars Fr. Toepfer die Befehlsgewalt.

 

  1. Mär. Meldung zum Zustand der Straßenbeleuchtung (NKB)

Anstelle der geplanten elektrischen Lampen wurde die Gaslaternen von Petroleum auf Leuchtgas umgerüstet.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (MER C48Ii 776VIII).

Für den Bau eines Musikpavillons am Gradierwerk beantragte der Verein einen Zuschuss aus der Badekasse. Der Regierungspräsident genehmigte 100 Mark.

 

  1. Apr. R. Krause eröffnet ein Photoatelier (NKB)

 

  1. Apr. Nr. 1, 1. Jahrgang der „Kösener Zeitung“ (St.-A. Nr. 655)

Nach der Einstellung im Jahr 1883 wegen des zu geringen Abonnements, wagte der Heyne Verlag einen zweiten  Anlauf, allerdings ebenso erfolglos.

 

  1. Mai 25jähriges Bestehen der Kirchengemeinde (NKB).

Pastor Barthold ebenfalls seit 25 Jahren im Dienst wurde mit einer Festgabe geehrt.

 

  1. Mai Bestätigung der Veränderungen des Stadtbezirkes (NKB)

Nach Genehmigung des Regierungspräsidenten wurden aus dem Gutsbezirk Pforta und dem Gemeindebezirk Altflemmingen einige öffentliche Straßen und Wege in den Stadtbezirk übernommen, die Fränkenauer Trift, Burgstr., Borlachstr, Grüne Gasse, die Saalstraße von der Bahn  bis Haus Nr. 53-II (Nr. 19), der Weg am Solschacht, die Salinenstraße sowie verschiedene Wege an der kleinen Saale, die Radinsel, die obere Parkanlage mit dem Gradierwerk, die „Große Promenade“, der Weg am Schwanenteich vom Bahnhof, sowie die Weinberge von Haasenritter, Streuber und Reiffart zwischen der Fränkenauer Hohle und der Ilske und die Weinberge von Frl. v. Gerstenbergk, Fr. A. Werner, W. A. Hertel, A. Hämmerling, K. Fr. Reinsperger und F. W. Wagner zwischen der Ilske und den Saalhäusern.  

 

  1. Mai Eröffnung der Glaserei Saalborn Borlachstr- I-41 (Nr. 19) (NKB)

 

  1. Mai Ankündigung des „Neuen Sommertheaters“ (NKB)

Die Naumburger Theatergesellschaft spielte dreimal wöchentlich im Saal der „Katze“

 

  1. Mai Kursaison (MER C48Ii 776VIII).

Das Kgl. Solbad wurde von den Reg.-Räten v. Bötticher und Hirschfeld einer Revision unterzogen, wobei auch die neue Musikhalle am Gradierwerk eingeweiht wurde. 

Gleichzeitig öffnete der prakt. Arzt J. Löffler das „Wilhelmsbad“ an der Eckarstbergaer Chaussee, dass er für 104.000 Mark von v. Stuckrad erworben hatte. In diesem Zusammenhang  wurden Dr. Löffler und v. Zehl zu Ehrenmitgliedern der Badedirektion  ernannt

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Antrag des Verschönerungvereins, anstelle von Obstbäumen Zierbäume entlang der Fahrwege zu pflanzen wurde genehmigt, allerdings erst wenn die Obstbäume eingegangen waren.

 

  1. Mai Festkommers zum 30jährigen Bestehen des KSCV (NKB)

 

  1. Mai Bebauung des Schäfereifeldes (NKB)

Zimmermeister Fr. Töpfer hatte die Bauplätze von der Landesschule erworben und baute dann  15 Villen, die für kapitalkräftige pensionierte Beamte bzw. deren Witwen gedacht waren und wo neben dem eigenen Alterssitz auch Räumlichkeiten zur Vermietung an Badegäste vorhanden waren (heute das Quartier R.-Breitscheid-Str. -Flemminger Weg – Käthe Kruse Str.)

 

  1. Mai Angebotsabgabe zur Verpachtung der Domäne Kukulau (NKB)

Für die 235 Hektar Acker, 46 Hektar Wiese und Weide, 3 Hektar Garten und Hofraum und 8 Hektar Wald bot als einziger Bewerber der bisherige Pächter Premierleutnant Schulze 22.500 Mark (bisher 18.000 Mark) und bekam den Zuschlga für weitere 16 Jahre.

 

  1. Juni Badelisten (NKB)

Bisher wurden 551 Badegäste registriert, darunter Baron v. Varchmin-Fürstenwalde, Fr. Tromsoloff-Davos, Landrat Graf Honwald-Lübben, Kgl. Kammermusiker P. Tuszek-Berlin, Reichsgerichtsrat Lesser mit Sohn Dr. Lesser-Leipzig, Mr. Riley-England, Fr. Rebekka Benis-Konstantinopel.

 

  1. Juni Meldung über die Abreise der Gräfin Czapka-Romrod (NKB).

Die geschiedene Gattin des Großherzogs von Hessen wohnte seit einem Jahr hier, während ihr   Sohn  in Weimar studierte. Nun begab sie sich auf ihre Güter bei Warschau.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Eine Beteiligung an einer Pferdebahn zwischen Kösen und Naumburg wurde zurückgestellt, bis die Naumburger Bahn in Betrieb genommen sei.

 

  1. Juli Eröffnung der städtischen Sparkasse (NKB, BLK-A. Nr. 776, MER C 48 Ih Nr. 309I-IV)

Im Dezember 1883 wurde der erste Entwurf eines Sparkassenstatuts bei der Behörde eingereicht, aber wegen zahlreicher Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben und unklarer Formulierungen abgelehnt. Erst am 24. Febr. d. J. erfolgte die Genehmigung und am 20. März beschloß die Stadtverordnetenversammlung die Eröffnung. Die Kontrolle oblag einem Gremium unter der Leitung des Bürgermeisters, Kassenrendant wurde Dittmann übertragen, Kontrolleur der Stadtsekretär Törpsch. Die Sparkasse wurde in den Magistratsräumen in der städtischen Schule untergebarcht. Die Mindesteinlage für Sparbücher betrug 1  Mark, maximal 300 mark, in Ausnahmefällen bis 1500 Mar. Der Zins wurde mit 3 1/3 % festgelegt. Die Spareinlagen konnten in Staatspapieren angelegt, oder Darlehen für 4 bis 5 % Zinsen bei entsprechenden Sicherheiten an Private und für kommunale Vorhaben ausgereicht werden, wobei hier ab einer bestimmten Höhe die vorherige Genehmigung der Aufsichtsbehörden eingeholt werden mußte. 

Im ersten Rechnungsjahr betrugen die Einnahmen aus Einlagen rd. 15.000 Mark, die Entnahmen rd. 5000 Mark, somit verfügte die Sparkasse über einen Bestand von 10.000 Mark und verzeichnete 57 Sparbücher. Problematisch in den ersten Jahren war der fehlende Tresor, was noch viel abschreckte, ihr Geld  anzulegen. 

 

  1. Juli Zeitungsmeldung zur Ausbaggerung der Saale (NKB).

Unterhalb der Brücke entfernte die Kgl. Wasserbauinspektion die Sandbänke, die die   Langholzflöße behinderten.

 

  1. Juli Schreiben des Kirchengemeinde die Badedirektion (MER C48Ii 776VIII).

Pfarrer Barthold beabsichtigte die Einrichtung einer „Ferienkolonie“ eine von der Kirche getragene  Wohlfahrtseinrichtung für kranke Kinder bedürftiger Familien aus den Großstädten. Die Kur sollte möglichst kostenfrei sein. Zwar sagten die Badedirektion und die Badeärzte die kostenlose Abgabe der Sole und der medizinische Betreuung zu, doch die Hauswirte verlangten  1,25 Mark pro Tag für Unterkunft und Verpflegung, weshalb des Vorhaben zunächst scheiterte.

 

  1. Aug. Bericht der Badedirektion zur „Ferienkolonie“ (MER C48Ii 776 VIII).

Auf Nachfrage teilte die Badedirektion der Kgl. Regierung mit, dass nicht allein die Forderung der Hauswirte die Ferienkolonie verhindert hätte, sondern eine Diphtherieepidemie bei der 6 einheimische Kinder verstarben.

Allerdings hielt man daran fest, wenn Mittel und Wege gefunden würden, um den Kindern kostenfreie Unterkunft und Verpflegung zu gewähren.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Genehmigt wurde die Polizeiverordnung zur Feuerwehr, abgelehnt wurde der Antrag des Ingenieurs Frohwein auf Beteiligung an der Pferdebahn. Allerdings war man bereit, eine Genehmigung zu erteilen, wenn die Bahn privat finanziert wird. In die Kommission für den Wasserleitungsbau wurden Toepfer, Krüger, Wolf, Leuschner und Heun berufen.

Der Magistrat gab abschließend bekannt, dass eine „ungenannten Person“ der Stadt ein Geschenk in Höhe von 12.000 Mark für den Bau einer Trauerhalle gemacht habe. Das Geschenk wurde angenommen und mit der Kirchengemeinde die erforderlichen Absprachen getroffen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde, der name Friedrichstraße für den Fahrweg vom Raabeschen Pädagogium zum Friedhof, nach dem Zinmmermeister Toepfer der hier die Villen erbaut hatte. Angenommen wurde ein Geschenk Rosenbergers von 500 Mark zur Neuanlage eines Trinkwasserbrunnens auf dem Marktplatz, gegenüber seiner Badeanstalt.

 

  1. Nov. Neuverpachtung der „Katze“ (NKB)
  2. Dix pachtet die Restauration für weitere sechs Jahre vom Rittergutsbesitzer zu Kreipitzsch.

 

  1. Nov. Neuverpachtung der Gärten auf dem Aschedamm (NKB).

 

  1. Dez. Amtliche Volkszählung (NKB).

Es gab 257 bewohnte und 10 unbewohnte Häuser, 633 Haushalte und 3 Gemeinschaftsanstalten. Von den 2.337 Einwohnern waren 1001 Männer und 1336 Frauen.

Nach der Kirchenstatistik gab es 75 Geburten darunter kein uneheliches Kind, 73 Todesfälle und 20 Trauungen

 

               Jahresbericht Dr. Rosenbergers (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Qualität und der Chemismus der Solequellen hatten sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Zur Badedirektion gehörten vier ordentliche Mitglieder (Bgmstr. Richter, Dr. Rosenberger, die Ratsschöffen Oberförster Leuschner  und Kaufmann Siebold) und vier Ehrenmitglieder (v. Stuckrad, Dr. Wahn, Ltn. Zehl, Dr. Löffler)

2.023 Badegäste wurden registriert, darunter 55 Ausländer davon 22 Russen und 12 Österreicher. Gegen die Diphterie hätte die Verwaltung „medizinalpolizeiliche Anordnungen“ erlassen und Desinfektionsmaßnahmen angeordnet. Deren Erfolg sei aber sehr widersprüchlich, denn „Familien, deren Wohnungs- und Lebensverhältnisse … äußerst ungünstig erscheinen, von der Krankheit verschont (blieben), während in besser situierten Hausständen die größte Achtsamkeit, Sorge und Pflege einen delateren Ausgang nicht verhindern konnten.“

 

1886 

             

  1. Jan. Verpachtung der „Wilhelmsburg“ (NKB).

Neuer Pächter war B. Völkel, bisher Oberkellner im „Mutigen Ritter“. Der bisherige Pächter Andrä übernahm von Heinrich Lucas den „Preußischen Hof“.

In den anderen Gasthöfen und Restaurationen blieben die bisherigen Besitzer bzw. Pächter (Luft-Erholung, Dix-Katze, Weber-Mutiger Ritter, A. Waldhausen-Lindenstr. 7, Teichgräber-Kurgarten, Groetz, Schumann-Saalhäuser, Feller-Tanne, Bauer-Schöne Aussicht, Schleicher-Rektorberg, Bechmann-Bahnhofswirtschaft). C. Waldhausen der Wirt der Rudelsburg übernahm die Schülerspeisung in der Landesschule.

 

  1. Jan. Das erste Langholzfloß passierte das Wehr (NKB).

Der Wintereinbruch bringt die Flößerei  danach wieder zum Erliegen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766).

Dabei ging es um die Sende für eine Trauerhalle. Inzwischen war die Spenderin bekannt, Therese Berbig geb. Streuber, verw. Heinicke, die in ihrem Haus Lindenstraße 25 eine kleine Pension betrieb. Bei der Beerdigung ihres Gatten im September des vorigen Jahres fehlte eine  angemessene Trauerhalle, denn die Kirchengemeinde war finanziell dafür nicht in der Lage. Allerdings überließ sie die Spende der Stadt und der Magistrat mußte nun mit der Kirchengemeinde darüber in Verhandlung treten.

 

  1. Mär. Bau eines neuen Trinkwasserbrunnens auf dem Markplatz neben der Schule (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NZ, MER C48 Ih Nr. 920).

Beschlossen wurde die Einführung einer Biersteuer von 0,65 Pfennigen pro Hektoliter.  Dagegen protestierten die Gastwirte, Brauer und Verleger und riefen die Vermittlung des Landrates und des Bezirksausschusses an.

Beschlossen wurde auch ein Regulativ zur Gemeinde-Einkommenssteuer. Personen mit einem Einkommen unter 420 Mark/Jahr, die nicht der öffentlichen Armenpflege unterlagen, zahlten 0,5% des Einkommens, max. 1,50 Mark, alle anderen den gesetzlichen Höchstsatz. Die Genehmigung erteilte der Bezirksausschuss am 12. März.

Beschlossen wurde auch die Reparatur der Wohnung eines „geisteskranken“ Einwohners.

 

  1. Mär. Eröffnung des Flaschenbierhandels von E. Panse-Burgstr. I-113 (Nr. 8) (NKB)

Panse hatte das Geschäft von Viehweg übernommen, der sich inzwischen in Weißenfels niedergelassen hatte und sich als Makler für Rittergüter, Mühlen, Fabriken, Gasthöfen und Villen sowie von Hypotheken und Darlehen betätigte. 

 

  1. Mär. Beschwerde Roßners bei der Polizeiverwaltung (St.-A. Nr. 360)

Der Mühlenweg vom Hotel Kurzhals quer über die Mühlenwiese war Privatweg für den Müller und dessen „Mahlgäste“. Roßner verlangte die Beseitigung der Schäden die von Fuhrwerken zum Bauplatz der Krügerschen Villa angerichtet hatten.

 

  1. Apr. Eröffnung der Bäckerei Maul, Grüne Gasse I-74 (Nr. 2) (NKB)

 

  1. Apr. Ehrung für Sanitätsrat Dr. Rosenberger (St.-A.).

Rosenberger hatte altershalber seine Amt als Badearzt und Mitglied der Badedirektion niedergelegt und erhielt wegen seiner langjährigen Verdienste den preußischen  Kronenorden 3. Klasse. Die Nachfolge trat  San.-Rat Dr. Wahn an.

 

  1. Apr. Vertrag mit Musikdirektor Schirow (St.-A. Nr. 348)

Vereinbart wurden für Mai und September wöchentlich 4 Konzerte, in den übrigen Monaten an den Wochentagen jeweils 7 Konzerte, dazu kamen die von der Badedirektion veranstalteten Réunions, an Sonn- und Feiertagen ein Choral und die musikalische Umrahmung des Brunnenfestes. Dafür wurde eine Pauschale von 1.925 Mark vereinbart.

 

  1. Apr. Eröffnung einer Stellmacherei in der Burgstr. I-106 (Nr. 14) (NKB)

 

  1. Apr. Verhaftung von „Vogeldieben“ (NKB)

Trotz des Fangverbotes von Singvögeln wurde diese einträgliche Geschäft weiter betrieben. Die waren nicht nur eine beliebte Speise, sondern wurden auch gern in Käfigen gehalten, nwie in diesem Fall die Nachtigallen. 

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB)

Lediglich 200 Flöße kamen zu Verkauf, weshalb die Preise stiegen.  

 

  1. Mai Verkaufsanzeige für eine 15 Jahre alte Käserei an der Eckartsbergaer Chaussee (NKB)

 

  1. Mai Eröffnung eines Töchterpensionats, auch für Kurgäste (NKB)

 

  1. Mai Beschwerde der Markthändler (NKB)

Die Ortspolizei sollte das Hausiererunwesen während des Marktes unterbinden.

 

  1. Mai Anzeige zur Eröffnung der Rosenbergerschen Badeanstalt (NKB)

„Zeige ich hiermit ergebenst an, daß mir der Geheime San.-Rat Dr. Rosenberger den Betrieb seiner Badeanstalt für die diesjährige Saison übergeben hat.“ G. Zier. Der wohnte in der Burgstr. I-106 (Nr. 14) und betätigte sich als Personalvermittler und Immobilienmakler. 

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776, NTB).

Im Mittelpunkt stand die Trinkwasserversorgung. Dazu sollte der Bedarf für den Haus und Badegebrauch, für Fontänen und die Berieselung der Straßen ermittelt werden. Für die Planung hatte sich ein Ingenieur beworben, der in Jena, Ruhla und Weißenfels bereits tätig war. Für die Voruntersuchungen wurden zunächst 100 Mark bewilligt. Geplant war ein Trinkwasserbrunnen  auf der Radinsel. Sollte man hier ein Trinkwasserquelle erschließen, könnte die Stadt die untere Wasserkunst erwerben und damit die Brunnenpumpen antreiben.

Beschlossen wurde die Nutzung der Gefängniszelle im Schulhaus als Waschküche für die Familien der Lehrer und des Polizeisergeanten.

 

  1. Mai Inspektion der Feuerwehr durch den Oberbrandinspektor (NZ 1910).

Nach Überwindung finanzieller Probleme bei der Anschaffung von Ausrüstung und Bekleidung, trat die Wehr erstmals in voller Montur an, allerdings noch mit einer völlig veralteten Spritze.

 

  1. Mai Errichtung einer Kinderheilstätte (MER C48Ii 766 VIII).

Nachdem der Plan für eine Ferienkolonie gescheitert war, schlug Dr. Löffler und v. Stuckradt, die sich zu einem Komitee zusammengefunden hatten, dem Reg.-Präsidenten die Einrichtung einer Kinderheilstätte für den Regierungsbezirk Merseburg vor. Nach dem Vorbild bereits bestehender Kinderheilanstalten war ein „festes Heim“ geplant, für die Anschaffung und Unterhaltung sollten Spendenaufrufe, Sammlungen und Wohltätigkeitsbasare genutzt werden. Dr. Löffler wollte die medizinische Betreuung kostenlos übernehmen.

 

  1. Juni Erste Vorstellung des Sommertheaters im Saal der „Katze“ (NKB)

 

  1. Juni Revision der städtischen Badeeinrichtungen (MER C48Ii 766 VIII).

Dabei wurden die positiven Auswirkungen durch den Beitritt zum Thüringer Bäderverband hervorgehoben.

 

  1. Juni Plan einer Zahnradbahn zur Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juli Bericht des Bürgermeisters (MER C48Ii 776 VIII).

Der rechtfertigte sich wegen einer anonymen Beschwerde bei der Kgl. Regierung u.a. wegen des „geräuschvollen Treibens“ in den Lotteriebuden, der Geruchsbelästigung bei der Jaucheabfuhr aus den Sammelgruben und der musikalisch nicht überzeugenden Badekapelle.

 

  1. Juli Basar der „Damenwelt“ zum besten des Kirchenbaufonds (NKB)

Der Verkauf bracht 900 Mark. Dazu kamen weitere 1000 Mark die eine russische Kurgastdame gespendet hatte. Damit ständen 2/3 der Baukosten aus dem Fond zu Verfügung  

 

  1. Juli Schwimmfest an der „Katze“ (NKB)

Die 30 Schwimmer, darunter zwei Kameruner, folgten einem Floß mit der Badekapelle.

 

  1. Aug. Treffen des „Sängerbundes an der Saale“ (NKB)

Anläßlich des 40-jährigen Bestehens war die Naumburger Claudius-Liedertafel  Gastgeber. Die „Sängerfahrt“ ging über den Knabenberg und die Buchenhalle zur „Katze“, wo sich die mit der Bahn eingetroffenen Frauen anschlossen, weiter zur Rudelsburg. Hier gab es den Festkommers mit Festtafel.

 

  1. Aug. Statut der „Gesamt-Innung geprüfter Gewerksmeister zu Kösen“ (priv).

Außer den Bäckern, die eine eigene Innung hatten, traten alle übrigen Handwerker  bei. Da sich der Innungsbezirk im Umkreis von 15 Kilometer erstreckte, konnten auch Meister aus anderen Orten beitreten, wenn dort keine eigene Innung bestand. So gehörten  auch Naumburger Handwerker zu den 89 Mitgliedern. Der Innungs-Vorstand bestand aus dem Obermeister Fr. Toepfer, dem Sattler G. Sträuber, den Maurermeistern Transchel und Hübner, den Buchbinder Wolf, den Schumacher W. Becker und dem Tischler Vogel. Das Statut wurde 1886 vom Bezirksausschuß genehmigt. 

 

  1. Aug. Schützenfest des älteren Schützencorps (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurden 300 Mark für eine Ehrenpforte zum Handwerkertag und die Eingemeindung des Fahrweges vom Raabeschen Pädagogium zum Pfarrhaus.

 

  1. Aug 1. Sommerfest der Feuerwehr im „Kurgarten“ (NKB).

Es spielte die verstärkte Badekapelle und das Sommertheater gab eine Vorstellung. Der Reinertrag war für den Bau eines Steigerturms gedacht.

 

  1. Sep. Durchreise des Kronprinzen nach Süddeutschland (NKB).

 

  1. Sep. 4. Allgemeiner Deutscher Handwerkertag im „Kursaal“ (NKB).

Auf dem dreitägigen Kongress wurden Beschlüsse zur Bewahrung der handwerklichen Eigenständigkeit gefasst. Die 150 Delegierten wählten den Zimmermeister Toepfer zum 2. Obermeister.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Registriert wurden 2225 Badegäste, 202 mehr als im Vorjahr und 88 mehr als in Sulza, darunter Frl. Duclaux-Lausanne, Opernsängerin Helene Grätsch-Berlin, Miss Symons-Wadebridge, Felix Rosenberger-Hannover, Georg Rosenberger-Geestemünde, Mr. Hillingworth-Brooklyn, M. Schmidt-Cefingenieur der mexikanischen Esenbahn-Mexico, Baron v. Lüdinghausen, Prof. Dr. Theodor v. d. Goltz-Jena, Mrs. Griffith-London, Gräfin v. Breßler-Gotha, Mrs. Forbes-Schottland, Geh. San.-Rat Dr. Güterbock-Berlin, Baron v. Eichstedt-Cöslin, General v. Drygalski-Hannover, Baronin v. Esebeck, Fr. Lüling-Konstantinopel, n Baronin v. Steinfeld-Berlin, Ehrenstiftsdame Therese v. Bülow-Potsdam, Korvettenkapitän Freiherr v. Malzahn, Geh. Legationsrat v. Rammer-Berlin. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Beschlossen wurde die Sperrung des Wernerschen Privatweges von der Mausabrücke zum Stadtgut für Fuhrwerke. Abgelehnt wurde der Bauantrag für eine steinerne Brücke über den Schwanenteich und die Reparatur der hölzernen Brücke empfohlen.  Beschlossen wurde die Pflasterung des Platzes vor der Mälzerei (Loreleypr. 3a), weil hier aus dem Brunnenhaus der städtische Sprengwagen befüllt wurde.

 

  1. Nov. Ausschreibung der Wiederverpachtung der 16 Gartenparzellen am Aschedamm (NKB)

 

  1. Nov. Jahresbericht des der Kgl. Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Laut der „Balneologische Statistik“ waren unter den 2.225 Gäste 21 Russen, 10 Amerikaner, 10 Engländer und 11 Afrikaner. Abgegeben wurden 19.542 Solebäder, 1.158 Wasserbäder, 2.586 Wellenbäder und 1.249 Inhalationen am Gradierwerk. Dazu kamen in der Löfflerschen Badeanstalt 1.468 „warme Inhalationen“. 

 

  1. Dez. Neumann, neuer Pächter der „Katze“ warb für mit einem „neu dekorierten Saal“ (NKB)

 

  1. Dez. Anträge von Dr. Rosenberger und Paul Kersten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Dr. Rosenberger teilte der Kgl. Badedirektion mit, dass er die Badeanstalt aufgeben möchte. Als Ersatz würde Kersten anstelle der in die Jahre gekommenen Anstalt, auf seinem in unmittelbarer Nähe befindlichen Grundstück eine neue Anstalt bauen, wenn der Solevertrag auf ihn übertragen würde. Diese Anstalt trägt „allen Comfort und sonstigen Ansprüchen der Neuzeit innerlich und äußerlich Rechnung“und die „äußere Facon“ würde von allen Seiten, besonders von der Eisenbahn gesehen werden. Das Abwasser sollte in einem gedeckten Abzugsgraben entlang der kleinen Promenade bis zum Bahndamm fließen,  an dem sich alle übrigen Grundstückseigentümer in der Lindenstraße anschließen könnten. Damit wäre auch die Geruchsbelästigung, die vom bisherigen offenen Fäkalgerinne ausging, beseitigt.

Kersten hatte das frühere Borlachschen Anwesen an der Ostseite der Lindenstraße erworben. Dazu gehörte auch die „Kellerei“. Die gehörte der am 16. Jan. 1882 verstorbenen Susanne Amalie Fournier, geb. Gillet, Witwe eines Stettiner Kaufmanns, Hugenottin und mit der Gattin Dr. Rosenbergers weitläufig verwandt. Ihre gleichnamige Tochter zog nach dem Verkauf in die Salinenstraße 22 (Nr. 6) und verstarb am 5. Sept. 1895.

 

  1. Dez. Schreiben des Bürgermeisters an den Reg.- Präsidenten (MER C48Ii Nr. 782/1).

Als Vorsitzender der Badedirektion bat Richter um die Genehmigung der in den Schreiben von Dr. Rosenberger und dem Steinbruchbesitzer P. Kersten gemachten Vorstellungen. Würde die Rosenbergersche Anstalt geschlossen und wäre kein adäquater Ersatz vorhanden, würde das dem Bad erhebliche Einbußen bescheren.

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 776).

Der Weg vom Bahnhof entlang der Herrenwiese zur Saale erhielt den Namen Parkstraße.

 

1887

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Häuser des Kaufmanns Paul Marchand (NKB)

Die Neue Straße 26 (Schmettaustr. 14) erwarb ….. die Nr. 27 (Fr. Ebert Str. 17) …. und Nr. 28 (Fr. Ebertstr. 19) Paul Röblitz. Für den Garten unterhalb des Kurgartens bot der Magistrat 6000 Mark, wurde aber von Teichgräber überboten.  

 

  1. Jan. Genehmigung der Kgl. Regierung zum Bau der Kerstenschen Badeanstalt (St.-A).

Neben dem Solevertrag und der Verlängerung der Soleleitung sollte die Badedirektion dafür sorgen, dass die Aufsicht durch einen Arzt erfolgt und die Anstalt nach den neuesten therapeutischen Gesichtspunkten eingerichtet wird. Für die Erwärmung des Badewassers war eine Dampkessel vorgesehen und für das Abwasser ein gedeckter Kanal in der kleinen Promenade.

 

  1. Jan. Verfügung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung (NKB Nr. 69).

Betroffen waren 102 bebaute und unbebaute Parzellen, davon aus dem Gutsbezirk Pforte die Grundstücke Nr. 98-100 (Borlachstr. 50-53), Nr. 82-91 (Rudelsburgprom. 8-15), Nr. 79 (Hotel Kurzhals), Nr. 138 (Krüger-Parkstr. 2). In derAbteilung II Nr. 2 (Eckartsbergaer Str. 19) und 3 (Eckartsbergaer Str. 12). In der Abteilung III Nr. 40 (Zehl`sches Badehaus- Rudolf-Breitscheid Str. 17), Nr. 9 (Badehaus Dr. Wahn-Naumburger Str. 13), Nr. 10 (Superintendent Möller-NaumburgerStr. 14) Nr. 16 (Pfarrhaus), 17 (Schuhmacher Fritzsche), 18 (Rentier Zeitzschel), 19 (Zimmerermeister Struve), 20 (Kaufmann Siebold), 21 (Witwe Meißner), 22 (Rentier Heller), 23 (Rentier Hoffmann) 10 (Jacobi) alles Salinenstraße 1 bis 8, sowie Nr. 24 (Kirchengemeinde- K.-Kruses Str. 2) und 25 (Dr. Raabe-K.-Kruse Str. 3).   

 

  1. Jan. Erster auswärtiger Einsatz der freiwilligen Feuerwehr (NKB 1910).

22 Mann beteilgten sich an der Brandbekämpfung eines Schafstalls in  Kukulau.

 

  1. Feb. Plan der Solezu- und Ableitung für die Kerstensche Badeanstalt (St.-A. Nr. 212)

 

  1. Feb. Der Knecht W. R. Judersleben wird mit Steckbrief gesucht (NKB).

Der hatte sich durch unerlaubte Auswanderung dem Militärdienst entzogen, was durchaus häufig vorkam. Diejenigen, denen man habhaft wurde, wurden hart bestraft.   

 

  1. Mär. Bruno Schmidt übernimmt die Restauration der Rudelsburg (NKB).

Sein Vorgänger C. Waldhausen, hatt die Schulspeisung der Landesschule gepachtet.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Der Verein wollte mit eigenen Mitteln entlang der kleinen Promenade Bäume pflanzen.

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Diesmal waren  es  500 bis 600 Flöße, anstatt der üblichen 1000 bis 1500 Stück.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu Ostern (NKB).

Bei den Inhabern und Pächtern der Gastwirtschaften gab es keine Veränderungen. Lediglich der Grötz‘sche Saal hatte einen neuen Besitzer, der sich aber auch nur ein Jahr hielt.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Der Ingenieur Henoch erhielt 100 Mark für seine Voruntersuchungen für eine städtische Wasserversorgung. Mit der Ausführung wurde ein Weißenfelser Ingenieur beauftragt. Zur Unterbindung des Fangs von Wildvögeln wurden 5 Mark Belohnung für die Erfassung von „Nachtigallenfängern“ ausgelobt. Die Polizeiverwaltung sollte sich um die Instandsetzung der kleinen Promenade kümmern, die bei den Bauarbeiten an der Kerstensche Badeanstalt gelitten hatte. 

 

  1. Juni Weber verlangt die Instandsetzung des Weges hinter der Mälzerei (St.-A. Nr. 360).

 

      Juni  Namensgebung  der  „Friedrichstraße“ (Käthe Kruse Straße) (NKB).

An den fertiggestellten Häusern wurden die Hausnummern angebracht: Ohm (Nr. 57), Toepfer (Nr. 58), Hohorst (Nr. 59), v. Alvensleben (Nr. 60), Platzer (Nr. 61), Schilling (Nr. 62), Voigt (Nr. 63), Hänsgen (Nr. 64), Axthelm (Nr. 65), Biel (Nr. 66), Enge (Nr. 67), Trauerhalle (Nr. 68).

 

  1. Juli Arbeitsbesuch des Regierungspräsidenten v. Diest (NKB).

Nach der Besichtigung der fiskalischen Badeeinrichtungen forderte er die  Verbesserung der Ortshygiene.

 

  1. Juli Einquartierung beim Manöver des 96. Infanterieregiments (NKB).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766, NZ)

Bewilligt wurden 2.500 Mark für die vom Ingenieur Pfeffer vorgeschlagenen Probebohrungen  nach Trinkwasser auf der  Radinsel. Der Vorschlag Kerstens, die Pumpe mittels Dampfmaschine anzutreiben, wurde abgelehnt. Außerdem sollte Pfeffer prüfen, ob man die Quelle am Bahnhof zur Trinkwasserversorgung am linken Saaleufer verwenden könnte.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776)

Die Kgl. Regierung wurde gebeten, bei der Bahnverwaltung vorzusprechen, um den Lärm bei der Bahnverladung einzudämmen. Darüber hatten sich die Beschwerden der Gäste gehäuft. Außerdem sollten die Jauche- und Dungfuhren der Domänen durch die Stadt am Tag untersagt werden.

 

  1. Sep. Ergänzung des Statuts der Ortskrankenkasse von 1884 (NKB)

Aufgenommen wurden alle Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft soweit das Jahreseinkommen 200 Mark nicht übersteigt.

 

  1. Sep. Reichspostminister Dr. Heinrich v. Stephan besichtigt die Poststelle (NKB).

Nach dem Stadtplan von Töpfer/Frohwein befand sie sich in der heutigen Lindenstraße 17. Weil die Räume in keiner Weise den Anforderungen der Reichspost entsprachen, wurde das Amt übergangsweise in der Lindenstraße 11 untergebracht. Das erforderliche Amtsmobiliar wurde im Januar ausgeschrieben. Paralle dazu erwog man einen Neubau, der aber wegen fehlender Mittel zurückgestellt wurde.

 

  1. Sep. Amtliche Warnung vor der Reblaus (Weinbaugesellschaft).

Der Schädling, der mit französischen Reben eingeschleppt wurde, hatte zunächst das Gebiet der  Unstrut befallen und breitete sich nun an der Saale  zwischen Jena und Weißenfels aus.  Da alle Bekämpfungsmittel versagten, wurde eine „Reblauskommission“ gebildet, um wirksame Gegenmaßnahmen zur weiteren Ausbreitung zu ergreifen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 776).

Beschlossen wurde die Inanspruchnahme des Amtsgerichtes zur Rückforderung von Unterstützungen aus der Armenkasse für die Emilie Kotte. Die hatte sie bekommen, obwohl ihre Mutter und ihr Onkel der Kohlenhändler Hase in erster Linie zur Unterstützung beizutragen hatten. Außerdem sollte der Magistrat bei der Bahnverwaltung die uneingeschränkte Benutzung der Ladestraße zwischen dem Mühlenweg und dem Bahnhof beantragen. Die Promenade war für den öffentlichen Fahrverkehr gesperrt. Lediglich die Fuhrwerke von und zur Mühle durften fahren. Alle übrigen Fuhrwerke zum Bahnhof  benutzten die kleine Promenade.

Die Stadtverordneten nahmen den Senffschen Nachlass an. Das Senffsche Anwesen (Lindenstraße Nr. 3) erwarben die Geschwister Puttrich, Nachkommen des früheren Floßmeisters, die die kleine Pension weiter betrieben.  

 

  1. Okt. Postmeister Müller wird nach 40 Dienstjahren pensioniert (NKB).

Sein Nachfolger wurde Postmeister Eckleben.

 

      Okt. Bau des Kanals von der Saale zum Holzwerk von Graf & Döhler (NKB).

Der begann unterhalb der Fähre am Gasthof „Zur Katze“ war 100 Meter lang, 8 bis 10 Meter breit und ging bis zum Bahngleis. Für die Rudelsburgpromenade gab es eine eiserne Brücke.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 766)

Bewilligt wurden die Mittel für die Bohrungen auf der Radinsel und den den Ankauf einer Parzelle für den Trinkwasserbrunnen. Im Dezember stieß man auf eine eine Quelle, die aber wegen Verunreinigungen und geringer Ergiebigkeit nicht nutzbar war.

 

  1. Nov. Gründung des Verbandes Alter Corpsstudenten in München (Archiv VAC).

 

               Bau der Kerstenschen Warmbadeanstalt (MER  C48 Ii Nr.782).

Nach den Plänen Baumeisters Hasse aus Halle wurde die „Alte Kellerei (1723 vom   Floßmeisters Hartig gebaut, bis 1987 Lindenstr.  bzw. Karl-Marx Str. 19b, dann  Borlachstr. 1) aufgestockt und mit einem zweigeschossiger Seitenflügel erweitert, wo die Pensionszimmer eingerichtet wurden. Für die Wannenabteilung (16 Badezellen mit 18 Wannen) und die Gesellschaftsräume entsstand ein Neubau (Lindenstr. 19). Zwischen den beiden Gebäuden erstreckte sich terrassenartig bis zur kleinen Promenade eine Anlage. Das Sanatorium  war nach den modernsten therapeutischen Erkenntnissen eingerichtet und von der Bahn gut zu sehen. Bei der Eröffnun erhielt sie den Namen „Borlachbad“

 

             Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Demnach waren es 2.138 Kurgäste. 

 

1888

 

  1. Jan. Ernennung von Dr. Risse zum Arzt der Ortskrankenkasse (NKB1904).

Seine Praxis befand sich zunächst in der Villa Viktoria (Lindenstr.15). Im November wurde er vom Landrat zum Kassenarzt der Landgemeinden Flemmingen, Kleinheringen, Kreipitzsch, Kukulau, Fränkenau, Lengefeld, Rödigen, Saaleck, Stendorf, Hassenhausen, Pomnitz, Punschrau, Ober- und Niedermöllern ernannt. 

 

  1. Jan. Kirchliche Jahresstatistik 1887 (NKB)

Demnach gab es 2337 Einwohner, getraut wurden 16 Ehepaare, 40 Kinder konfirmiert. Sterbefälle gab es 47, davon 12 Kinder bis zu 1 Jahr und 15 zwischen 70 und 87 Jahren. Bei anteilmäßger Anrechung der Badegäste hatte die Stadt im Vergleich zum übrigen Deutschland eine verhältnismäßig niedrige Sterberate.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Bürgermeister bittet aus gesundheitlichen Gründen um Entbindung von seinem Amt, was ihm zum 1. März auch bewilligt wird.

 

  1. Jan. Ortstermin wegen der Verlegung des Güterbahnhofs (NKB)

„Nichts hat die Einwohner so ernsthaft beschäftigt, wie das Vorhaben der Eisenbahn, die Betriebsanlagen in den Mittelpunkt der Stadt hineinzuschieben. Hiernach soll der Wiesengrund zwischen der kleinen Promenade und dem Bahndamm bis zu dessen Höhe  und fast die Hälfte der Wiese verschüttet werden, um 8 Schienengleise, Güterschuppen etc. anzulegen (.). man wird gewiß erkennen, daß mit der Durchführung dieses Planes  der Erwerb durch den Badeverkehr vernichtet wird“ Daraufhin verfasste der Magistrat eine Protestnote.

„Zur Entgegennahme der Erklärung fand im Bahnhof ein Termin statt, zu welchem Vertreter der Kgl. Regierung zu Merseburg, der Eisenbahndirektion Erfurt, der Badedirektion, der städtischen Behörden, der Landschule Pforta, der Hr. Landrat Barth  sowie ein Menge hiesiger Bürger sich eingefunden hatten (.) Von der Stadtbehörde und der Badedirektion  wurde ein motivierter Protest gegen die geplante Anlage den Herren Reg.-Vertretern übergeben (.) Von den einsichtsvollen Wohlwollen der Staatsbehörden darf man daher mit Sicherheit hoffen, daß diese Gefahr an unserm freundlichen Heilort vorübergeht..“

 

  1. Jan. Geschäftsanzeige des Tischlers Schimpfermann (NKB)

Der hatte sein Geschäft mit Sarglager in die Neue Staße 13 b verlegt. Demnach wurde das Grundstück nach 1880 geteilt, heute Fr. Ebert Str. 8 und 10.

 

  1. Jan. Vermietungsanzeige des Bäckers Hämmerling (NKB)

„Meine in der 1. Etage befindl. herrschaftl. Wohnung, seit 3 Jahren vom Freiherrn v. Rechenberg bewohnt, bestehen aus 6 zweifenstrigen und 3 einfenstrigen Zimmern, großer Küche, geräumigen Korridor und sonst Zubehör (.) ist zu vermieten, Preis 900 Mark.“

 

  1. Jan. Ergänzung des Statuts der Ortskrankenkasse (NKB)

„Familienmitglieder erhalten eine Kranken und Wöchnerinnen-Unterstützung sowie ein Sterbegeld..“

 

  1. Jan. Geschäftsanzeige der Anna Haasenritter (NKB)

„Daß ich die bisher betriebene Bäckerei und Restauration an Hr. Bäckermeister Häun käuflich abgetreten habe..“ (An der Brücke 2)

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung in der „Tanne“ (NKB)

Angeboten wurden 4500 Zigarren, 196 Flaschen Rum, 42 Flaschen Kognak, 26 Flaschen Aromatique an. Wenig später folgten die Faßware, mehrere 100 Flaschen Wein und sonstiges Gaststättenzubehör.

 

  1. Jan. Anzeige von Frl. Hartmann (NKB)

„In meinem Töchterpensionat finden Töchter der gebildeten Stände frdl. Aufnahme, Pflege der Gesundheit, Fortbildung in der Wissenschaft, Sprache und Musik – beste Referenzen“.

 

  1. Feb. Bruno Schmidt lädt zum „Pfannkuchenschlemmen“ auf der Rudelsburg ein (NKB)

Für die Gäste hatte er den Weg von der „Katze“ zur Burg vom Schnee beräumt.

 

  1. Feb. Veröffentlichung der Fahrpreise mit der Bahn nach Naumburg (NKB)

Die einfache Fahrt mit dem Schnellzug kostete 80 Pfg. in der I. Klasse, 60 Pfg. in der II. und 40 Pfg. in der III. Klasse. Mit dem Personenzug waren es 70 Pfg. in der I. , 50 Pfg. in der II. und 0,40 Pfg. in der der III. Klasse.  Die für 2 Tage gültige Rückfahrkarte kostete in der II. Klasse 80 Pfg. und in der III. Klasse 50 Pfg. Sonntagsrückfahrkarten in der II. Klasse 2 Mark und 1,30 Mark in der III. Klasse.

Zum Saisonbeginn wurden „Badeabonnements“ für 30 Fahrten innerhalb von zwei Monaten zwischen dem 15. Mai und 15. September zugunsten „des persönlichen Verkehrs zwischen den Badegästen und ihren Familien“ angeboten.

 

  1. Feb. Tanzunterricht im Groetzschen Saal (NKB)

Inhaber war Wiesenack, der den Saal aber bereits im Oktober wegen Wegzugs verkaufte.

 

  1. Mär. Beschwerde des Sparkassenkontrolleurs (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Bislang bekam Törpsch 25 Mark, die ihm nun verweigert wurden, da er dieses Amt während seiner Arbeitszeit als städtischer Angestellter wahrnahm. Darüber beschwerte sich Törpsch bei der Oberbehörde.  

 

  1. Mär. Gründung des „Vereins zur Förderung der Interessen des Bades“ (MER C48Ii 776 VIII).

Zweck des Vereins war die  Hebung des Bades „indem er dessen Vorzüge in der Öffentlichkeit volle Anerkennung verschaffen, dagegen seine etwaigen Mißstände im Innern beseitigen sucht“. Die Einwohnerschaft wurde per Flugblatt zur Mitwirkung aufgerufen. Gründungsmitglieder waren u. a. Hämmerling, Kersten, Dr. Risse, Saalborn, Soff, Techow, Törpsch und Weber.

 

  1. Mär. Ein Hochwasser überflutet den Kurpark und die Saalstraße (NKB)

 

  1. Mär. Sitzung des Vereins zur Hebung des Badebetriebes (St.-A. Nr. 226).

Die Herren Müller, Dr. Risse, Weber und Leuschner erklärten, dass neben den aufstrebenden  thüringischen Bädern und Luftkurorten, die mit umfangreichen Investitionen, überregionaler Werbung und intensive Kontakten zu den Ärzten in den Großstädten insbesondere die völlig unzureichende Infrastruktur zum Rückgang der Badegäste beigetragen habe. Da die örtlichen Besitzverhältnisse verwickelt und  damit größeren Investitionen im Wege stünden, sollte zunächst eine zusätzliche Abgabe erhoben werden, die ausschließlich der Hebung des Bades dient. Weitere Mittel sollten durch Kürzung der Gehälter und den Ausgaben des Magistrats erzielt und die Arbeiten an Wegen und Promenaden besser überwacht werden. Gefordert wurde die strenge  Kontrolle der Sauberkeit  durch die Orts-Polizei, die regelmäßige Besprengung der Straßen, die Vermeidung von Unterbrechungen der Soleförderung und Gradierung während der Saison, Verbesserung des Straßenbelags, Verstärkung der Badekapelle und Verbesserung des Repertoirs, Gewinnung der Aufmerksamkeit auswärtiger Ärzte und Verbesserung der hygienischen Bedingungen zur Verhinderung von Infektionskrankheiten.

   

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Kanalisierung und Pflasterung der Grünen Gasse. Dazu sollten die Hauswirte mit 15 Mark beteiligt werden. Bürgermeister Rudolph wurden 900 Mark Pension bewilligt.

 

  1. Mär. Vertrag zwischen Kurzhals und der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Kurzhals, die Badedirektion, die Eisenbahnverwaltung und der Mühlenbesitzer einigten sich auf eine Umverlegung des Mühlenweges.  Da der Wagenverkehr von und zur Mühle entfiel, konnten  auf dem Platz an der Nordseite des Kurzhalsschen Hotels, wo auch eine Sommerhalle stand,  Konzerte stattfinden. Am 31. März erfolgte die Veröffentlichung im Amtsblatt.

 

  1. Mär. Gedächtnisfeier und Gottesdienst zum Tod Kaiser Wilhelm I. (NKB)

 

  1. Mär. Panse übernimmt die Flaschenbierhandlung v. Viehweg, Burgstr. I-113 (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Apr. Kamprad, Hofmeister in Burkersroda baut das Haus Eckartsbergaer Str. 10 (NKB)

 

  1. Apr. Konstituierende Versammlung des VAC in München (Handbuch KSCV).

Im Oktober erschien dann der Beitrag  „Die Rudelsburg und der Hohe Kösener“in der Zeitschrift „Daheim“ (priv).

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung des Therkornschen Nachlasses (NKB).

Zur Auflösung der Erbengemeinschaft des Dürrenberger Schmiedemeisters kamen die neben dem Borlachschacht gelegene Salinenschmiede, auch Bergschmiede  genannt  (Rudolf-Breitscheid Str. 10) und  ein  das „Eulengeschrei“ genannter Weinberg an der Ilske unter den Hammer.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, St.-A. Nr. 226/NKB)

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle mit einem Jahresgehalt von 1.800 Mark und 450 Mark für die Badedirektion.

 

  1. Apr. Regulativ zur Brau- und Biersteuer (MER C48 Ih Nr. 920)

Zur Verbesserung der Stadtfinanzen sollte ein Zuschlag von 50 % zur staaliche Biersteuer und ein Zuschlag von 65 Pfg. für jeden Hektoliter auswärtigen Bieres, der im Stadtbezirk ausgeschenkt wurde, erhoben werden. Betroffen waren alle Schankbetriebe sowie die Bierhändler. Trotz deren massiven Widerstandes genehmigten die Behörden die Abgabe, die ab 1. Oktober erhoben wurde.

 

  1. Apr. Anzeige des Kgl. Eisenbahnbetriebsamtes (NKB)

„Nach dem Ableben des bahnamtlichen Rollfuhrunternehmers der Station Kösen die vertragsamtliche An- und Abfuhr der Eil- und Frachtgüter daselbst dem Rollfuhrunternehmer Oestreich übertragen worden..“

 

  1. Apr. Holzmesse (NKB).

Wegen ungünstiger Wasserverhältnisse waren wiederum nur 200 bis 250 Flöße eingetroffen.  Das Gros kam erst zur Johannismesse. Der neue Pächter der „Katze“ Naumann lud zum üblichen Konzert ein.

 

  1. Apr. Anzeige der Fa. Graf & Döhler (NKB)

„Die an unseren Floßgraben angeschlossene Verladestelle für Rundhölzer ist soweit  fertig (.) Die Vorteile sind bedeutend billigere Verladekosten (.) und die Stämme welche rein vom Schmutz werden direkt aus dem Wasser auf Schienen gehend zur Lowrys befördert ..“ Damit entfiel die bisherige Pferdeschleppe zum Bahnhof. Die übrigen einheimischen Holzhändler benutzten die Ausschleppe zwischen der heutigen Rudelsburgpromenade 9 und 10, gegenüber dem neuen Ladeperron der Eisenbahn. 

Zum Jahreswechsel hatte die Firma ihren Sitz von Lengefeld nach Kösen in die Rudelsburgpromenade 17 verlegt. Außerdem besaß sie einen Holzplatz, wo heute die Häuser  Parkstraße 12 bis 14 sowie die Rudelsburgpromenade 1 bis 3 stehen. . 

 

  1. Apr. Anzeige des Handelsgärtners Möller (NKB)

„Hiermit untersage ich das Abladen von Asche, Schutt etc. ebenso das Zuleiten von Wasser auf mein Grundstück...“

 

  1. Mai Eröffnung der Badeanstalten (NKB)

Die Badeanstalt am Gradierwerk gehörte Maria Rössiger, die Wahnsche Badeanstalt nunmehr  Germania-Bad einer Jenny Wagner.

 

  1. Mai Versammlung des Vereins zur Förderung der Interessen des Bades (NKB)

Man verwahrte sich gegen eine Zeitungsmeldung, wonach die Badedirektion den Sulzaer Badearzt Dr. Sänger als Badearzt nach Kösen berufen habe.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Man befaßte sich mit dem Antrag des Verschönerungsvereins, am linken Saaleufer vom Hoffmanschen  bis  zum Pönicke`schen Grundstück  einen Promenadenweg anzulegen, und dem Antrag des Vereins zur Förderung des Bades Anschlagsäulen am Marktplatz, an der Kreuzung Neue Straße-Querstraße und an der Saalebrücke neben der unteren Wasserkunst aufzustellen.

 

  1. Mai Schreiben des Magistrats an die Eisenbahnverwaltung (St.-A. Nr. 226)

Badegäste die sich schriftlich bei der Badedirektion anmeldeten, wurden am Bahnhof abgeholt und in die reservierten Quartiere gebracht.  Aber es kamen auch viele auf „Gut Glück“ . Daher warteten auch immer Einwohner, Kutscher und Hausknechte mit Handkarren am Bahnhof auf das Eintreffen eines Zuges, um den Gast ein Quartier anzubieten. Doch dieser Service artete aus, wenn mehr „Schlepper“ am Bahnhof warteten, als Reisende ankamen. Dann entwickelte sich ein regelrechter Kampf um den Gast, der oft als Nötigung empfunden wurde. Um dieser Unsitte ein Ende zu machen, beantragte man bei der Bahnverwaltung die Aufstellung einer Informationstafel mit dem Verzeichnis aller Vermieter, damit sich die Ankommenden selbst ihr Quartier aussuchen könnten. Die Bahnverwaltung genehmigte das, aber das Schlepperunwesen konnte damit nicht unterbunden werden, denn für den Gepäcktransport mußte man sich zwangsläufig auch eines  „Schleppers“ bedienen.

 

  1. Mai Versteigerung des Nachlasses der Witwe des Prof. Jacobi (NKB)

Die Villa Jacobi (R.-Breitscheid Str. 3) kaufte der Verein für die Kinderheilstätte

 

  1. Mai Wahl des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 324)

In die engere Wahl von insgesamt 59 Bewerber kamen der Premierleutnant Rudolph, der Oberbürgermeister von Naumburg Gockel und ein Dr. jur Straus aus Aichendorf. Die Letzteren hatten die  gleichen Stimmen, weshalb hier das Los entschied. In der Stichwahl bekam Rudolph 9 Stimmen und Straus 3.

 

  1. Juni J. Scheufler übernahm die Fleischerei in der Neuen Straße 22 (Nr. 13) (NKB)

 

  1. Juni Hochwasser (NKB)

Neben zahlreichen losgerissenen Floßhölzern lagen auch die Hölzer der Gräfe`schen Badeanstalt (Rudelsburgprom. 18)  vor den Brückenpfeilern.

 

  1. Juni Trauerfeier und Trauergottesdienst für Kaiser Friedrich III. (NKB)

Unter den Anwesenden war auch der als Badegast hier weilende Genremaler Max Liebermann (1847-1935), der hier die Anregung für sein Gemälde „Gedächtnisfeier für Kaiser Friedrich in Kösen“ erhielt (Stadtmuseum Berlin).

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Übernahme der beiden von Fr. Toepfer angelegten Trinkwasserbrunnen an der Kukulauer und der Friedrichstraße. Von der Kgl. Regierung sollte eine Anordnung erlassen werden, mit der Ökonomen und Domänenpächtern angehalten werden, Jauche, Dünger und andere übelriechenden Stoffen in der Saison nur von Mitternacht bis früh 6 Uhr durch die Stadt zu transportieren.

  

  1. Juni Geschäftseröffnung des Kunst- und Handelsgärtners B. Gärtner (NKB)

Die Filiale befand sich im Untergeschoss des neugebauten Logierhauses vom „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Amtsantritt des Bürgermeisters Albert Rudolph (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Von einem Premierleutnant d. L. (1858 - 1903) erhoffte man sich, dass nach den peinlichen Ereignissen des letzten Jahrzehnts  wieder für Ordnung und Moral gesorgt würde.

 

  1. Juli Erster Basar zum Besten der Kinderheilstätte (NKB)

 

  1. Juli Veröffentlichung der Kirchensteuersätze (NKB)

Die Synode der Kirchengemeinde Naumburg-Pforta hatte 2,5 % festgelegt. Basis war die Einkommens- und Klassensteuer der angeschlossenen Gemeinden, für Kösen waren das 13.683 Mark.

 

  1. Juli Spendenaufruf für die Einrichtung eines städtischen Krankenhaus (priv).

Pfarrer Barthold, Bürgermeister Rudolph, die Stadtverordneten Becker, Leuschner, Müller, Dr. Raabe, Siebold, Töpfer und Weber sen. sowie Roßner, Dr. Risse, San.-Rat Dr. Wahn und Weber jun. unterzeichneten den Aufruf.

 

  1. Aug. Polizeiverordnung zum Betrieb von Abort- und Abfallanlagen (NZ).

 

  1. Aug. Eröffnung der Kinderheilstätte (Mer C48Ii Nr. 776 VIII, NKB).

Im Juli hatte der Vorstand der Kinderheilstätte (Landrat Barth und Gattin, Hauptmann a.D. von Stuckradt, Dr. med Löffler, Frl. v. Gerstenbergk, Frl. Freytag) dem Oberregierungsrat von Bötticher eine Denkschrift übergeben. Darin wurde die Notwendigkeit für eine solche  Einrichtung für an „Scrophulose“ erkrankte Kinder begründet. Diese Krankheit, die bei der ärmeren Bevölkerung stark verbreitet war, lastete auch auf den städtischen Armenkassen. Daher war es vom „nationalökonomischen Standpunkt“ geboten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um „die Arbeitskraft, die der bürgerlichen Gesellschaft alljährlich durch vernachlässigte Scrophulose verloren geht“ zu erhalten.

Zu diesem Zweck habe man Dank großzügiger Spenden ein „stattliches Haus mit großen, luftigen Räumen  in gesunder Lage“ für 40.000 Mark von den Jacobischen Erben erworben. 12 Betten „für die in dumpfen Hütten geborenen, mit karger Kost genährten Kinder“ gab es. Vom 1. Mai bis 15. September sollten drei Durchgänge für  jeweils 6 Wochen erfolgen. Die kostenlose medizinische Betreuung übernahm Dr. Löffler. Betreut wurden die  Kinder von Pflegerinnen. Die Kosten betrugen 60 Mark und wurden für Kinder aus  unbemittelten Familien aus Spenden aufgebracht, bemittelte Eltern zahlten 75 Mark, die vor Kurbeginn bei Frl. v. Gerstenbergk einzuzahlen waren. Aufgenommen wurden Mädchen und Jungen aller Konfessionen zwischen 3 und 14 Jahren, die an  Scrophulose, Rachitis und körperlicher Schwäche litten.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Nachdem sich der Trinkwasserbrunnen auf der Radinsel nicht realisieren ließ, sollte der Magistrat mit Weber bzw. der Landesschule über den Ankauf einer Parzelle hinter dem Köhlerschen Garten (Borlachstraße 34a) verhandeln, wo ein neuer Brunnen abgeteuft und das Wasserwerk errichtet werden sollten. Wegen der hier austretenden Quelle hielt man diesen Standort für geeignet und nicht zuletzt konnte der nahe gelegen Nikolausberg für einen Hochbehälter genutzt werden, dem mit natürlichen Druck das gesamte bebaute Stadtgebiet versorgt werden konnte. 

Außerdem sollte die untere Wasserkunst zum E-Werk umgebaut werden, so dass dieses den Antrieb der für die Wasserversorgung erforderlichen Pumpen besorgen konnte.

 

  1. Aug. Musikalisch-deklamatorische Abendunterhaltung im Kursaal (NKB)

Diese Veranstaltung zum Besten der Kinderheilstätte gestalteten die Badekapelle mit dem Musikdirektor Schirow und der Opernsängerin Schmidek-Harrison.  

 

  1. Sep. Ernennung des Kreiswundarztes Dr. Risse zum Ehrenmitglied der Badedirektion (NKB).

 

  1. Sep. Gründung der Fleisch- und Wurstfabrik der Gebrüder Matthes (NKB).

Als sich der Plan eines städtischen Schlachthauses zerschlug, errichteten die Gebrüder Matthes, die seit 1809 eine Hausschlachterei in der Grünen Gasse (4/5) betrieben, eine Fabrik.

 

  1. Sep. Pensionierung des 1. Lehrers der städtischen Schule K. Zeiger (NKB).

Nachfolger wurde der  Kantor Mönchheimer aus Steigra.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Auf Anordnung des Ministers sollte der Leipziger Apotheker Siebold die Trinkwasserbrunnen regelmäßig überprüfen. Darüber hinaus sollte eine Kommission  (Siebold, Müller, Toepfer, Dr. Risse, Dr. Löffler) einen geeigneten Standort für den Bau eines städtischen Krankenhauses vorschlagen. Dafür standen 4.297 Mark zur Verfügung, gesammelt vom Komitee für den Krankenhausbau.

 

  1. Sep. Beschluss zum Schulgeld (NKB)

Die beiden untersten Stufen der Klassensteuer sollte vom Schulgeld freigestellt werden, was der Stadtkasse jährlich 1000 Mark kostete. Dennoch genehmigte die Behörde den Beschluss.

 

  1. Sep. Herbsttruppenübung (NKB)

In der Stadt wurden der Stab und das 2. Btl. des Inf.-Reg. 71 sowie das 1. und 3. Btl. des Füsilier-Reg. Nr. 36 einquartiert

 

  1. Sep. Delegiertenversammlung des Saale-Unstrut Bezirks des Dt. Kriegerbundes (NKB)

 

  1. Sep. Einweihung des Gedenksteins für den Herzog von Braunschweig (NKB)

Die Herzogl. Regierung von Braunschweig hatte 1500 Mark gestiftet, um den von Herzog Karl-August von Sachsen-Weimar errichteten Gedenkstein zu ersetzen. Den Entwurf dafür lieferte der Zimmermeister Fr. Toepfer, die Ausführung übernahmen der Maurermeister Werner und der Malermeister Leschke, die Bepflanzung der Handelsgärtner Köhler alle von hier. 

Zur Einweihung waren u. a. anwesend S. Exz. Graf v. Gneisenau, der herzogl. braunschweig. Ministerresident Freiherr von Cramm-Burgsdorf und Oberst v. Brandenstein.

 

  1. Sep. Außerordentliche Generalversammlung des Vorschussvereins (NKB)

Dabei wurde dem Kfm. Scholvien für seine 27jährige Tätigkeit als Rendant gedankt.

 

  1. Sep. Kostenvoranschlag für die Fußgängerbrücke über die kleine Saale (St.-A. Nr. 360)

Die Schäden waren so offensichtlich, dass man sich für die vom Maurermeister Werner offerierte Variante 1 aussprach. Der Prokurator genehmigte den Einbau eines Dammes in der kleinen Saale für die Bauzeit von 8 Tagen und unbeschadet etwaiger Ansprüche der Müller in Pforte und Almrich. Wegen finanzieller Probleme der Stadt wurde das Vorhaben erneut zurückgestellt.

 

  1. Sep. Ausschreibung für den Neubau eines Schafstalls für 600 Tiere in Kukulau (NKB)

 

  1. Sep. Grenzkorrektur des Therkornschen Grundstücks (St.-A. Nr. 360)

Michael Therkorn war nach der Erbauseinandersetzung alleiniger Besitzer der Salinenschmiede (R.-Breitscheid Str. 10). Zu Grundstück gehörte auch eine Parzelle, die erst 1884 vom Erblasser erworben wurde. Hier standen noch einige zum Solschacht gehörende Schuppen und Ställe, deren Beseitigung er verlangte. Außerdem verlief hier noch die Röhrenfahrt zu den Badehäusern. Er verlangte  deren Umverlegung, bzw. einen angemessenen Grundstückstausch zur Begradigung der Grenzen. 

 

  1. Sep. Verkauf der Lengefelder Fähre und des Fährhauses (NKB)

Die gehörten dem Holzhändler Alfred Gräfe, geschäftsansässig in der heutige Rudeklsburgpromenade 18. Eine Woche später wurde das gesamte Inventar zwangsversteigert.

 

  1. Okt. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Registriert wurden 2253 Badegäste, 84 mehr als in Sulza. Neben M. Liebermann kamen General v. Unruhe-Berlin, Frau Lepsius-Naumburg, Major Graf Henckel v. Donnersmarck mit Gattin-Breslau, Fr. Exz. General v. Schmeltzer-Berlin, Konzertmeister Hermann Heber-Berlin, Frau Exz. v. Puttkammer-Berlin, Gräfin Schmettow, C. Seraphimoff-Bulgarien, der Theologe Prof. Freiherr v. d. Goltz (1835-1906)-Jena, Stiftsdame  C. v. Gaudy (1844-1929) und Ehrenstiftsdame Adelheid v. Alvensleben, Reichsgerichts-Senatspräsident Dr. Drechsler-Leipzig, Mr. C. Parker-New York,  die Stiftsdamen Frl. v. Herzberg und Frl. v. Schorlemmer-Charlottenburg, Bankier Lodovico Stein-Rom, Prof. Dr. Branco-Königsberg, Baronin v. Sternfeld. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewillligt wurde eine Lohnerhöhung für die Laternenanzünder (Nachtwächter). Pro Lampe wurden nun 2,50 Mark anstelle  von 1,50 Mark gezahlt. Beschlossen wurde der Ankauf des Anwesens des Posthilfsboten Dagobert Kamprad (Burgstraße 14) für 16.800 Mark und die Herrichtung als  Kranken- und Siechenanstalt.

 

  1. Okt. Im „Mutigen Ritter“ werden Bäder abgegeben (NKB)

Ein bis zweimal wöchentlich konnten Einwohner außerhalb der Saison warme Wannenbäder nehmen. 

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner für die Wahlen zum preuß. Landtag (NKB).

In den beiden Urwahlbezirken kandidierten in der II. Klasse Zimmermeister Töpfer, Sattlermeister Sträuber, und Oberförster a. D. Leuschner, in der II. Klasse Rentier Heun, Kaufmann F. A. Koch und Dr. Rabe und in der I. Klasse Postmeister a. D. Müller, Hotelier Kurzhals und Direktor a. D. v. Stuckradt. Wahlbüros befanden sich im Hotel Kurzhals und im „Mutigen Ritter“ 

 

  1. Nov. Nachlaßversteigerung in der Restauration „Zur Post“ (NKB)

Den ehemals Groetz`schen Saal hatte Bruno Völkel übernommen, bislang Pächter der Restauration der „Wilhelmsburg“ und die Lokalität „Zur Post“ genannt. Versteigert wurde der Nachlass der Witwe des Appellations-Gerichtsrat  v. Leipziger, die lange Zeit hier gewohnt hatte.

 

  1. Nov. Stadtverordnetennachwahl (NKB)

Von den aufgestellten Kandidaten erhielt Paul Kersten die meisten Stimmen, auch wenn ein Anonymus inserierte „Von der Wahl von P. Kersten ist abzusehen...“

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Wegen der Anweisung der Behörden sollte die Schule um eine Klasse erweitert und zwei Lehrer eingestellt werden, was ein neues Schulhaus erforderte. Als Platz kam der alte Friedhof in Frage und die Stadtgemeinde bot der Kirchengemeinde das Grundstück der 1854 erbauten Schule als Bauplatz für die Kirche im Tausch gegen den alten Friedhof an.  Nachdem die Kirchengemeinde zugestimmt hatte, stimmte auch die Mehrheit der Stadtverordenten für diesen Tausch. Dazu schrieb ein Leser:

„Hätten die Kösener Stadtverordneten nicht besser im Interesse der Stadt gehandelt, wenn sie beschlossen hätten, das schöne neue Schulhaus stehen zu lassen und einen entsprechenden Anbau an dasselbe anzufügen, anstatt es wegzureißen, um die Kirche dorthin zu bauen, während die Kirche auf dem alten Friedhof errichtet werden konnte. 30.000 Mark würden dadurch dem Stadtsäckel erspart und die Kirche würde von dem Straßenverkehr weit weniger belästigt. Ein schönes Schulhaus ziert den Markt ebensosehr als eine Kirche...“

 

  1. Dez. Der Kaufmann Albert Saalborn übernimmt das Geschäft J. G. Lehmann Nachf. (NKB).

Außerdem wurde die Arnold`sche Dampfziegelei in Lengefeld unmittelbar an der Kösener Flurgrenze im Register eingetragen.

 

  1. Dez. Konzert zum Besten des Verschönerungsvereins im Kursaal (NKB)

Von den 80 Mark Reinertrag sollte eine Wettersäule für den Kurpark angeschafft werden.

 

  1. Dez. C. Pagels pachtet die Restauration der „Kaiser Wilhelmsburg“ (NKB).

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Nach einigen Ergänzungen wurde der Plan für den Neubau der Schule angenommen. Das  Angebot der Landesfeuersozietät für die städtische Wasserleitung 2000 Mark beizusteuern, wenn die Einrichtung von Hydranten berücksichtigt wird war dann Anlass das Projekt eines städtischen Wasserwerkes wieder aufzunehmen, nachdem die bisherigen Versuche ergebnislos blieben, die Kosten für den Neubau von Brunnen in den Straßen sowie deren Unterhaltung immer weiter stiegen und die hygienische Situation des Bades alles andere als zuträglich war.

 

             Jahresbericht der Badedirektion (MER  C48 Ii Nr. 776 VIII).

Die Anzahl der Kurgäste betrug 2.253. Insgesamt wurden  21.223 Sole-, 2.065 Wasser -, 354 elektrische und 1.422 Wellenbäder verabreicht.

 

1889

 

  1. Jan. Standesamtliche Statistik 1888 (NKB)

Die Einwohnerzahl betrug 2336, es gab 68 Geburten, 45 Sterbefälle und 20 Hochzeiten. Die Schule besuchten 306 Kinder.

 

  1. Jan. Anzeige des Bäckers Häun (NKB)

Der beabsichtigte, in seinem Eiskeller in der Saalstraße ein Schlachthaus einzurichten.

 

  1. Jan. Die Badedirektion bietet Düngegips (Dornstein) zum Verkauf an (NKB)

Wie jedes Jahr wurden die ausgewechselte Bedornung angeboten.

 

  1. Jan. Änderung im Firmenregister der Fa. Törpsch (NKB)

Der war im November als Nachfolger Dittmanns zum Stadtsekretär und Kassenrendant  ernannt worden und übergab daher offiziell seiner Gattin das Privatgeschäft, behielt aber die Prokura.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zur ersten Sitzung des Jahres wurden die neuen Stadtverordneten eingeführt und die städtischen Kommissionen besetzt. Anwesend waren die Ratsschöffen Leuschner und Siebold, sowie Sträuber, Wolf, Matthes, Kersten, Weber jun. Krüger und Dr. Raabe. Es fehlten Kurzhals, Müller und Toepfer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 324).

Genehmigt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 55.000 Mark für den Neubau der Schule. Der  Antrag Paul Kerstens, die fiskalischen Badeeinrichtungen und die Solequelle zu übernehmen und die  Genehmigung zur Salzherstellung zu beantragen, um aus den Überschüssen die Mittel für die notwendige Verbesserung des Bades zu erhalten wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

 

  1. Feb. Beschwerde des Gastwirts Weber (St.-A. Nr. 226)

Verschiedene Hauswirte vermieteten nicht nur an Badegäste, sondern verköstigten sie auch. Allerdings ohne Konzession und ohne steuerliche Berücksichtigung. Außerdem waren sie eine unliebsame Konkurrenz für die Gastwirte. Weber forderte die Unterbindung  „im Interesse der Gewerbesteuereinnahme der Stadt“.

 

  1. Feb. Submission für den Neubau von Umkleideräumen am Gradierwerk (NKB)

 

  1. Feb. Großer Volks-Maskenball in der „Katze“ (NBK)

Es spielten die kostümierte Hauskapelle sowie die „berühmte Zwergenkapelle mit ihrem Riesenkapellmeister“. Außerdem wurde das Stück „Die alte Weibermühle“ aufgeführt. Eine Woche später veranstaltete der Gesangsverein „Liedertafel“ einen Maskenball im Kurgarten.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 222, St.-A. Nr. 342, Röblitz 1930).

Beschlossen wurde der Umbau der unteren Wasserkunst zum E-Werk und die Aufnahme einer   Anleihe von 28.000 Mark.  Eine Kommission (Siebold, Toepfer, Kersten, Weber, Rudolph) soltte mit der Badedirektion die Übernahmemodalitäten der unteren Wasserkunst aushandeln. Die bisher in der Stadt stehenden 56 Gaslaternen sollten durch 106 Glülampen und 12 Bogenlampen ersatzt werden. Außerdem bestand die Anschlussmöglichkeit auch für Privatleute und Unternehmen, insbesondere die Badeanstalten, Hotels und Restaurationen. Den Auftrag für die Elektroinstallation erhielt die Fa. Wacker & Schuckert, Nürnberg. Den Umbau der Wasserkunst übernahm der  Mühlenbaumeister Grunert zu Jena, der im April mit den Arbeiten begann.

 

  1. Mär. Ernennung von Fr. Toepfer und A. Struve zu Brandschutzsachverständigen (NKB)

 

  1. Apr. Vertrag zur Überlassung der unteren Radkunst (St.-A. Nr. 4, BLK-A. Nr. 222).

Der auf 10 Jahre abgeschlossene Vetrag wurde am 29. April vom Regierungspräsidenten genehmigt. Dagegen protestierte die Landesschule, die sich übergangen fühlte und befürchtete, dass der kleinen Saale zuviel Wasser entzogen und trocken fallen könnte.

 

  1. Apr. Beschwerde wegen des Güterumschlags (NKB)

„Tag und Nacht werden in fast ununterbrochener Folge Güterzüge expediert, Kohle, Hölzer, Rübenr. Kalkstein, Heu  aus oder eingeladen..“ Gefordert wurde die Verlegung des Güterbahnhofs außerhalb der Ortslage in Richtung Pforta. Eine Verlegung nach Lengefeld war wegen der Überflutungsgefahr nicht möglich.

 

  1. Apr. Soleliefervertrag mit der Kinderheilstätte (MER C48II 766 VIII).

Die Badedirektion wurde angewiesen, für die hier eingerichteten Wannen die Badesole unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Im laufenden Jahr waren drei Durchgänge mit  jeweils 24 Kinder geplant. Nach dem Bau des Seitenflügels für die „Berliner Ferienkolonie“ waren es dann rund 200 Kinder in der Saison (St.-A. Nr. 284).

 

  1. Apr. Beschluss zum Ankauf der kleinen Promenade (BLK-A. Nr. 669, 324, St.-A. 163).

1868 hatte die Stadt die „kleine Promenade“ gepachtet und als Zufahrt zum Bahnhof hergerichtet. Als nun die Neuverpachtung der Domäne Fränkenau bevorstand, wollte man diesen Weg der Landesschule abkaufen. Da die Stadtkasse leer war, erwarb die Badedirektion mit Genehmigung der Kgl. Regierung die Promenade.

 

  1. Apr. Öffentlicher Protest der Becker`schen Erben (NKB)

„Ohne unser Wissen und Wollen ist (.) das Haus Grüne Gasse 73 (Nr. 1) von Wilhelm Becker sen. (dem vereidigten Auktionator der Stadt) zum Verkauf angeboten worden. Wir Unterzeichnete protestieren hiermit  als Erbberechtigte  dagegen und erklären alle mit dem W. B. in Sachen des Hausverkaufs getroffenen Abmachungen für ungültig (.) gez. Bernhard Kotte, Wilhelmine Kotte geb. Becker, H. Mänicke, Therese Mänicke geb. Becker, Friedrich Becker.“  

 

  1. Apr. Schuljahresbeginn in der Raabe`schen Knaben-Erziehungsanstalt (NKB)

Das Pädagogium hatte Dr. phil Karl Gehrke erworben.

 

  1. Mai Angebot der Fa. Ludwig Juncker & Co-Mechanische Werkstätten (St.-A. Nr. 360)

Die in Rheydt ansässige Firma bot der Stadt eine Brücke der Fa. Rühmann & Törpsch aus Leipzig an, die bisher über die Bergisch-Märkische Eisenbahn führte. Da hier ein zweites Gleis geplant war, musste die Brücke weichen. Verlangt wurden 1.800 Mark dazu kamen Kosten für die Demontage und den Transport. 

 

  1. Mai Anzeige des Bademeisters, Masseurs und Krankenpflegers A. Welsche (NKB)

„Den verehrten Herrschaften von Kösen und Umgebung erlaube ich mir hierdurch höflichst anzuzeigen, daß mir die Bademeisterstelle im Borlachbad zu Kösen übertragen worden ist und zwar im Hinblick auf meine längere Tätigkeit  bei Hr. Prof Dr. Nothnagel in Jena, bei Hr. Prof. Dr. Flechsing in Leipzig als Krankenpfleger, sowie auf meine dreijährige Tätigkeit als Bademeister und Masseur  im Schwefelbad  Langensalza unter Leitung des Kgl. Oberstabsarztes a. D. San. Rat Dr. Seifert.“

 

  1. Mai Zeitungsmeldung zu Plänen der Fa. Kersten (NKB)

„Die bekannte Fa. Kersten in Dürrenberg-Leipzig beabsichtigt in der Nähe unserer Wilhelmsburg zum Herabtransport dort gebrochener  Kalksteine  eine doppelseitige Bremsbahn anzulegen. Da diese Bahn auch gleichzeitig gegen billiges Entgelt zur Beförderung von Personen auf und bergab dienen soll, so wird hierdurch eine hier längst gewünschte Einrichtung geschaffen..“ Der Plan kam nicht zur Ausführung.

 

  1. Mai Erhebliche Schäden an der Ilske und in Schulpforte durch ein Unwetter (NKB)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bei Therese Berbig blieb es in Anbetracht ihrer testamentarischen Verfügung weiterhin bei 3,50 Mark Klassensteuer, den Mehrbetrag übernahm die Kämmereikasse.

 

  1. Juni „Kösen und seine Umgebung“ im Verlag von Carl Techow (NKB)

 

  1. Juli W. Bauer eröffnet den neuen Saal der „Schönen Aussicht“ (NKB)

 

  1. Juli Eröffnungs-Vorstellung des Sommertheaters im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Eröffnung des Inhalatoriums im Kurpark (Hinsche, Heimatbuch, St.-A. 278).

Für die Bequemlichkeit für die Gäste und zur Verbesserung der Attraktivität des Bades hatte man die Kgl. Regierung davon überzeugen können, die Mittel für eine derartige Einrichtung zu bewilligen. Im April erfolgte die Submission für den eingeschossigen Fachwerkbau mit Lese- und Liegeraum und dem eigentlichen Inhalatorium, wofür 10.000 Mark geplannt waren. Die Sole kam vom Borlachschacht. Auf Empfehlung des Bergmeisters Fürer förderten zwei eiserne Druckpumpen die Sole von der 2. Fahrt in einen Behälter auf dem Oberdeck des Gradierwerks den Antrieb besorgte die obere Wasserkunst über das Gestänge. Der Höhenunterschied vom Gradierwerk zu den Vernebelungsdüsen im Inhalatorium gewährte einen Druck von fast 50 mWS. Die Leitung von 300 Metern Länge lag im Bett der Saale. Die Vernebelungsfontäne  kam von der Charlottenburger Fa. Ernst March und Söhne. Sie bestand aus einem auf Säulen ruhenden Becken von 2,4 Metern Durchmesser. In dessen Mitte erhob sich eine Säule mit Najaden und Löwenköpfen, aus deren Mäulern ein feiner Solestrahl in das Becken lief. Im Kapitell, das die Form einer flachen Schale hatte, waren  die Vernebelungsdüsen installiert. Gekrönt wurde das ganze von einem Triton, dessen Mundstück die Fontäne erzeugte. Die Düsen lieferte die Firma Gebr. Körting, Hannover, wie aus dem regen Schriftverkehr mit der Badedirektion hervorgeht. Das übrige Mobiliar lieferten die Gebr. Thonet aus Wien. Mit dieser Ausstattung betrugen die Gesamtkosten rund 20.000 Mark.

Für die Betreuung wurde eine Badefrau mit einem Jahresgehalt von 75 Mark eingestellt.

Gleichzeitig wurde eine 142 Meter lange Wandelhalle am Gradierwerk in Betrieb genommen und eine  ansprechende Werbeschrift „Königliches Soolbad Kösen in Thüringen“ (MER C48Ii Nr. 776 VIII) veröffentlicht.

 

  1. Juli Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks (Röblitz, Heimatbuch).

Innerhalb von sechs Monaten nach der Beschlussfassung hatte der Mühlenbaumeister die Wasserkunst mit einem Rad der Bauart „Zuppinger“ ausgerüstet. Die gebogenen Speichen mit einer vollflächigen Beplankung gewährten die optimale Ausnutzung des Aufschlagwassers. Fertiggestellt waren der Gleichstrom-Generator die Freileitung und die Anschlüsse von 400 privaten und 105 Brennstellen der Straßenbeleuchtung. Somit war Kösen die zweite deutsche Stadt, die die Straßenbeleuchtung mit elektrischem Strom aus Wasserkraft betrieb. Die Inbetriebnahme erfolgte zum Brunnenfest. Allerdings erwies sich die Anlage als äußerst störanfällig.

 

  1. Juli Extra-Konzert im „Mutigen Ritter“ bei elektrischer Beleuchtung (NKB)

 

  1. Juli Meldung zur Kinderheilstätte (NKB)

Die Leitung hatte die Gräfin von Gneissenau, dazu kamen zwei Schwestern des Berliner Lazarus-Krankenhauses.

 

  1. Juli Konzert der Hof-Violin-Solistin Sign. Teresina Tua im Kurgarten (NKB)

 

  1. Aug. Das jüngere Bürgerschützencorps v. 1879 nennt sich „Uniformiertes Corps“ (NKB)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Im vertraulichen Teil wurde beschlossen, die Begräbniskosten für den verstorbenen Ratsschöffen, Oberförster a. D. Leuschner von der Kämmereikasse zu übernehmen und Dr. Wahn die ärztliche Betreuung des städtischen Krankenhauses anzutragen.

 

  1. Aug. Dr. med Carl Schütze läßt sich als Arzt nieder (NKB)

Schütze (geb. 1861 in Gelsenkirchen) war nach seiner Promotion als Schiffsarzt tätig und weit herum gekommen. Seine Praxisräume befanden sich im Borlachbad, dessen Leitung er von Dr. Risse übernahm, der als Kreiswundarzt und bestellter Arzt der Orts und Gemeindekrankenkassen anderweit beschäftigt war. Gemäß der Genehmigung musste aber ein Arzt die Aufsicht über das Borlachbad haben. Am 18. August kaufte Schütze die Anstalt, nachdem die Badedirektion der Übertragung des Soleliefervertrages zugestimmt hatte.

 

  1. Aug. Die Kurtaxe wird gesenkt und der von Sulza angepasst (NKB)

 

  1. Aug. Versteigerung des Schürholz`schen Hauses Wehrdamm III-34 (Loreleypr. 6) (NKB)

 

  1. Sep. Wahl des Ratsschöffen Krüger in die Badedirektion.

Diese bestand nun aus 8 Mitgliedern, Bürgermeister Rudolph (Vorsitzender), San.-Rat Dr. Wahn (Badearzt), Dr. Rosenberger, Dr. Risse, Dr. Löffler,  v. Stuckradt und dem Ratsschöffen Siebold.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Kirchengemeinde und der Magistrat hatten inzwischen die Verhandlungen zum  Tausch des alten Friedhofes gegen das Schulgebäude aufgenommen. Das Ergebnis wurde den Stadtverordneten zur Entscheidung vorgelegt. Doch die erklärten: „In Anbetracht, daß die Ausführung der elektrischen Beleuchtung den Erwartungen der Stadt nicht entsprochen hat und nicht abzusehen ist, wie weit die Stadt hierdurch noch belastet  wird, halten wir unterzeichnende Vertreter der Stadt es für angezeigt, sowohl den vorliegenden Vertrag als auch jede weitere Mehrbelastung der Stadt vor der Hand zu weisen. Die Verhandlungen zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde wegen Austauschs der zum Bau der neuen Kirche und Schule bestimmten Bauplätze sollen daher bis auf Weiteres ausgesetzt werden.“ Hintergrund dieser Entscheidung waren nicht nur die exorbitanten Kosten (28.000 Mark bewilligt und 85.000 Mark Kosten nach Röblitz 1930 ?) sondern auch die häufigen Störungen.

Genehmigt wurden dann die Einstellung des Schornsteinfeger Popp als Nachtwächter und Hausmann für das Krankenhaus.

 

  1. Sep. Letzte Badeliste der Saison (NKB)

Bislang wurden 2189 Badegäste registriert, darunter die Gräfin Luckner-Berlin, Baronin Diller-Weimar, Fr. Exz. General v. Grabowski-Bonn, Oberst a.D. v. Holtzendorff-Dresden, Frl. Fahrbach und Frl. Gorgensohn-Riga, Graf v. Eulenberg Kgl. Preuß.  Gesandter in Oldenburg, Hofkunsthändler Fr. Gurlitt, Fr. Schmid-Amsterdam, Kfm. Becker-Moskau, Gräfin v. Heuwald-Schloß Straubitz, Fr. Strokirk-Stockholm, Exz. Prof. Dr. Schoder-Berlin, Major Graf Henckel v. Donnersmarck-Breslau, Gräfin Finck von Finckenstein-Berlin, Student Alphonse-London, Baronin von Busche-Ippendorf-Dresden,  Prof. Dr. v. Otto-Wien, Frl. v. Puttkammer-Vevery, Kunstmaler Pascalides-Weimar, Fr. Exz. General v. Schlegel-Dresden,  Gräfin Armin-Zichow-Berlin, Komtesse zu Solms-Sonnenwald, Mrs. Oakes-Albany, Graf v. Rechteron-Limpurg-Osterbek, Konzertmeister Herm. Heber-Berlin, Schriftsteller Felix Philippi-München, Prof. Dr. Salkowski-Berlin, Geh.-Ob.-Reg.-Rat Dittmar-Frankfurt/O., Äbtissin v. Seydlitz-Kurzbach-Stift Tschirnau, Freifherr v. Hammerstein mit Gattin-Potsdam,  

 

  1. Sep. Fahnenweihe des Kriegervereins „ Kronprinz Friedrich Wilhelm“ (NKB).

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Meißnerschen Villa Salinenstr. III-21 (Nr. 5) (NKB)

Zum Ehrenpräsidenten wurde der pensionierte General v. Hänel gewählt.

 

  1. Sep. Vorstandswahl bei der Feuerwehr (NZ 1910).

Paul Kersten war wegen Differenzen mit seinem Vize, dem Malermeister Leschke zurückgetreten. Der wurde nun zum Kommandeur gewählt, E. Reichenbach zum Vize und  G. Noack zum Spritzenmeister.

 

  1. Sep. Grundsteinlegung für das Kaiser-Wilhelm Denkmal an der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Sep. Ergänzung des Statuts des Vorschußvereins (NKB)

Der Zweck des Vereins war der betrieb von Bankgeschäften behufs gegenseitiger  Beschaffung der in Gewerbe und Wirtschaft nötigen Geldmittel auf gemeinschaftlichen Kredit. Dafür übernahm der Verein die unbeschränkte Haftung. Zum Vorstand gehörten Maurermeister Transchel, Uhrmachermeister Hertel und Kaufmann Scholvien.

 

  1. Okt. Neuverpachtung der Brückengeld-Einnahme für 5 Jahre (NKB)

Der Bieter konnte die Einnahme mit oder ohne dem Steueramtsgebäude an der Brücke über die kleine Saale an der Naumburger Chaussee aber mit einem 30 m² großer Bauplatz für das Einnahmehäuschen unmittelbar neben der Brücke pachten und hatte für die Einnahme 300 Mark Kaution zu hinterlegen. Der Pächter verzichtete auf das Amtsgebäude, in das der  Schuhmachermeister Holzweißig aus der Neustraße 13 b (Fr. Ebert-Str. 10) zog. 

 

  1. Okt. Auflösung des Kgl. Neben-Steueramtes (NKB)

Das wurde noch von der kgl. sächsischen Regierung vor 100 Jahren eingerichtet.  Besonder ärferlich war dies für die zahlreichen hier wohnenden Staatspensionäre, die ihr Ruhestandsgeld nun von der Kreiskasse in Naumburg abholen mussten. Das betraf auch aus dem Ausland eingehende Pakete, die wegen der Erhebung der Einfuhrsteuer beim Hauptsteueramt abzuholen waren.

 

  1. Okt. Mitgliederversammlung des Thüringer Bäderverbandes (in MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Als Vertreter der Kgl. Regierung nahm der Oberregierungsrat v. Bötticher teil. Die Badedirektion sorgte dafür „den Aufenthalt in Kösen auf das Angenehmste zu gestalten“  und hoffte „daß diese in jeder Hinsicht einen günstigen Eindruck gewonnen haben.“

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde nun doch der Bau Grundstückstausch mit der Kirchengemeinde. Damit war der Weg frei für den Neubau der Schule auf dem alten Gottesacker. Im Schulgebäude sollte auch die städtische Verwaltung (Polizei, Sparkasse) unterkommen. Der Bau sollte 1890 beginnen, vorausgesetzt, das Kgl. Konsistorium würde dem Bau der Kirche auf dem alten  Schulplatz zustimmen. Damit würde der unwürdige Zustand im  ehemaligen Zimmererschuppen der Saline   enden.

 

  1. Okt. Jahresbericht des Badearztes Dr. Wahn (MER C48 Ii Nr. 776 VIII).

Zur Verbesserung der Freiluftinhalation am Gradierwerk gab es nun Durchgänge, eine verbreiterten Wandelgang, eine bequemen Treppe und Umkleidekabinen. Im Borlachschacht wurden eiserne Steigröhren anstelle der hölzernen installiert, das obere Kunstrad und das Gestänge instand gesetzt und die hölzerne Röhrenfahrt zum Wellenbad durch Porzellanröhren  ersetzt. Die Johannisquelle hatte nun einen „geschmackvollen eisernen Überbau“, mit Glasdach, welches aber vor mutwilliger Beschädigung mit einer Bretterverschalung geschützt werden mußte. Neben dem Inhalatorium im Kurpark gab es eine „Wettersäule“. Von den Badegästen kamen 1.637 aus den preußischen Provinzen und 80 aus dem Ausland, darunter 25 Russen.

 

  1. Okt. Aufgabe zahlreicher Weinberge an Saale und Unstrut (Weinbaugesellschaft).

Am 10. Juli 1888 hatte die Kgl. Regierung eine Anordnung zur Bekämpfung der Reblaus erlassen und eine „Reblauskommission“ ins Leben gerufen. Sobald einzlne Lagen befallen waren,  mussten die Besitzer sämtliche Stöcke vernichten. Als das nicht half, wurden Maßnahmen mit  verheerenden Folgen angeordnet. Um die Brut der Reblaus zu vernichten wurden die Böden mit Petroleum und Kohlenwasserstoff behandelt. Auf dem so verseuchten Boden zeigte sich erst nach drei Jahren ein erstes Grün und nach weiteren 8 Jahren hatte sich der Boden so weit erholt, dass eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich war.

 

  1. Nov. Vertrag der Badedirektion mit dem Naumburger Musikdirektor Heimbürge (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurde der Ankauf des Mobiliars der bisherigen Ortskrankenstube für das neue Krankenhaus. Informiert wurde über die Klage des Mühlenbaumeister wegen offener Rechnungen, die der Magistrat wegen verscheidener Mängel noch zurück gehalten hatte.

 

  1. Dez. Konzert zu Besten der armen Kinder aus Lengefeld in der „Katze“ NKB)

 

  1. Dez. Geschäftliche Empfehlungen zum Weihnachtsfest (NKB)

Erhard Reeh (Herren-, Damen- und Kinderbekleidung) A. Krause (Photoatelier), S. Schubert (Schuhe), G. Sträuber (Täschner- und Lederwaren), die Geschwister Kayser (Textilwaren), K. Müller (Tabak- und Schreibwaren), Franziska Techow (Puppen und Putzmacherartikel), A. Flemming (Oberbekleidung), W. Apitzsch und C. A. Scholvien (Tapeten und Farben), J. G. Lehmann Nachf. (Stoffe) und der Bäcker Hämmerling (Zucker und Naschwerk).

 

  1. Dez. 50jähriges Stiftungsfest des Männer-Gesangsvereins „Liedertafel“ (NKB)

 

  1. Dez. A. Resch offeriert Klavier- und Gesangsunterricht in der Saalstr. II-42 (Nr.3) (NKB)

 

  1. Dez. Totalschaden der unteren Wasserkunst (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bei Kerzenschein wurde der Antrag von Weber, Kersten, Matthes, Wolf, Sträuber und Dittmann, abgelehnt, das defekte Wasserrad erst nach dem Urteil des Schiedsgerichts zu reparieren. Die Mehrheit beschloss eine Notreparatur auf Kosten der Kämmereikasse.

 

              Teichgräber verkauft den unteren Teil des Kurgartens an Paul Kersten (KÖZ).

Kersten gestattete ein Übergangsrecht von der Querstraße (Schmettaustraße) zum Kurgarten.

 

1890

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (NKB)

Im Vorjahr waren es 2458 Einwohner, 85 Geburten, 64 Sterbefälle, 10 Trauungen und 949 „Kommunikanten“ Angemerkt wurde, dass die Zunahme der Bevölkerung überwiegend dem Zuzug „älterer Leute der gebildeten Schichten“ zu verdanken war. 

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung eines unbebauten Grundstücks von P. Marchand (NKB)

 

  1. Jan. Todestag von Thekla Auguste von Pflugk geb. von Zedtwitz (Sterbereg.)

Die Witwe des Oberleutnants Fritz v. Pflugk, geb. 1810 in Udersleben war eine Schwester des Oberst a. D. Bruno v. Zedtwitz.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde der Bau eines Trinkwasserbrunnens in der Lindenstraße. Dazu sollten die Anwohner 500 Mark beisteuern und die Stadt 350 Mark. Beschlossen wurde die Pflasterung der Gosse im südlichen (oberen) Bereich der Lindenstraße und die Verbreiterung der Fahrbahn. Außerdem sollte an der Hangseite ein zweiter Gehsteig angelegt wurde. Dann lehnte die Versammlung die Errichtung der von der Fa. Kersten geplanten  Kalkbrennöfen in der Lengefelder Flur unmittelbar an der Grenze zum Stadtbezirk ab. Man befürchtete erhebliche Rauchbelastungen. Daher sollte der Magistrat beim Landrat bzw. dem Bezirksausschuss Einspruch erheben. Dafür waren Krüger, Siebold, Eckleben, Müller, Toepfer, Dittmann und Weber, dagegen das Kerstensche Klientel Sträuber, Wolf und Matthes.  

 

  1. Feb. Maskenball des Gesangsvereins „Liedertafel“ im Kurgarten (NKB)

 

  1. Feb. Wählerversammlung vor den Reichstagswahlen (NKB)

Neben den „Freisinnigen“ tafen sich die national-liberal Konservativen im „Mutigen Ritter“

 

  1. Feb. Generalversammlung des Sterbekassenvereins gegr. 1849 (NKB)

Das Vermögen betrug 35.560 Mark. Von den 482 Mitgliedern waren 195 seit 20 Jahren dabei und vom Jahresbeitrag (3 Mark) freigestellt. Deren angesammelten Beiträge wurden mit 10 % verzinst, so daß ein Sterbegeld von bis zu 225 Mark gezahlt werden konnte. Akls Nachweis für den guten Gesundheitszustand der Bevölkerung wurde  darauf hingewiesen, dass von den 2458 Einwohnern 60 Männer 70 Jahre und älter waren.

 

  1. Feb. Soleliefervertrag mit dem Borlachbad (St.-A).

Für 15 große und 3 Kinderwannen betrug die Jahrespauschale 375 Mark, dazu kamen 10 Pfg. für jedes Erwachsenenbad und 5 Pfg. fürs Kinderbad. Vereinbart war die Abgabe von Freibädern an Ortsarme für 50 Pfg. zu Lasten der Badekasse bis zu einer Gesamtsumme von 150 Mark.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Bahnverwaltung hatte die öffentliche Nutzung der Ladestraße zwischen der Bahn und der Promenade genehmigt und die Stadt erklärte sich bereits, diese vom Tunnel bis zum Bahnhof zu unterhalten. Die Bahnverwaltung plante die Beseitigung des Schrankenübergangs an der Grünen Gasse (Station 52,0+80) und die Befestigung des Fahrweg im hinteren Teil der Borlachstraße bis zum Schrankenübergang an der Rudelsburgpromenade (Station 52,8+80)

 

  1. Mär. Bauantrag für die „Wurstfabrik“ (St.-A./NKB)

Das Grundstück „im Westen der Stadt Kösen, am sog. Jackenberg, welches von der verlängerten Burgstraße und der fränkenauer Trift begrenzt wird und zum Amts- und Gutsbezirk Pforta gehörig ist“ hatten sie vom Gastwirt Weber abgekauft. Zur Fabrikanlage mit ihren U-förmigen Grundriß gehörten ein  Schlachthaus, Kühl- und Räucheranlagen, eine Dampfkesselanlage, Lager und Wagenremisen. Die Front der Fabrik bildete ein viergeschossiges Gebäude mit einer dekorativen Fassade für die Verwaltung und die Wohnungen der Inhaber. Im Hof wurde ein  Brunnen angelegt. Das Abwasser sollte in den von der Mausa zur Saale gehenden offenen Flutkanal eingeleitet werden, womit aber erhebliche Geruchsbelästigungen verbunden waren. Dazu kamen die von einem Schlachhof ohnehin ausgehenden Belastungen  und nicht zuletzt das Verkehrsaufkommen. Doch da sich in unmittelbarer Umgebung keine für den Badebetrieb wichtigen Einrichtungen befanden und die hier ansässige Bevölkerung zumeist den ärmeren Schichten angehörte und das Grundstück nicht zum Stadtbezirk gehörte, hielten sich die Vorbehalte für dieses Vorhaben in Grenzen.

 

  1. Mär. Vertrag mit Musikdirektor Fischenbeck (St.-A. Nr. 348, NKB)

Kapellmeister Schirow hatte sein Amt nach 12jährigen Dienst niedergelegt. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger war schwierig. Nachdem der Musikdirektor  H. Th. Henning  aus Nordhausen aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt hatte, wurde der Vertrag mit dem Köthener Musikdirektor geschlossen. Die Anzahl der Konzerte für die Badedirektion wurde belassen, wofür 2.000 Mark vereinbart waren. Fischenbeck war nun bemüht, möglichst viele Konzerte in den verschiedensten Lokalitäten zu geben und somit eine ausreichende Bezahlung seiner Musiker zu gewährleisten. 

Am 01. April spielte die „neuorganisierte aus 20 vorzüglichen Musikern bestehende Kapelle“ zum ersten Mal. Vorgesehen waren diesmal nicht nur Konzerte in der Saison sondern über das ganze Jahr.

 

  1. Mär. Genehmigung für den Einbau neuer Dampfkessel im Wilhelmsbad (St.-A. Nr. 241).

 

  1. Mär. Schließung und Versteigerung des Inventars der Restauration Lindenstr. 7 (NKB)

Die Nachfolge von C. Waldhausen trat Otto Buchholz an.

 

  1. Mär. Sperrung der Fränkenauer Hohle wegen Wegebauarbeiten (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, 792, NKB))

Alle Anschließer an das E-Werk sollten bis zum 31. März die Hälfte der vereinbarten Jahrespauschale bezahlen. Bewilligt wurde die Aufnahme einer Anleihe von 6.000 Mark für den chausseemäßigen Ausbau der Lindenstraße auf 400 Metern Länge von der Bahnunterführung bis zur  Borlachstraße einschl. eines Bürgersteigs. Ab dem 12. April war die Straße für Fuhrwerke gesperrt. 

 

  1. Mär. Generalversammlung des Sparvereins (NKB)

Die Spareinlagen betrugen 273.000 Mark, der Jahresumsatz 2,1 Mio. Mark. Die Sparer erhielten 7 % Dividente.

 

  1. Mär. G. A. Scholvien übernimmt den Versand der Johannis-Quelle (NKB)

Dieser „Kochsalz-Säuerling- bestes moussierendes diätetisches Tafelgetränk“ wurde allein in Naumburg von 4 Händlern vertrieben.

 

  1. Mär. Konzert der Thür. Sängergesellschaft zur Holzmesse in der „Katze“ (NKB)

Zur Messe wurden alle 600 Flöße verkauft.

 

  1. Apr. Anzeige der Hebamme E. Heilmann, Am Wehrdamm III-34 (Loreleypr. 5) (NKB)

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB)

Dazu luden ein: die Badekapelle in Teichgräbers „Kurgarten“ und Webers „Mutigen Ritter“, Schumann zum Tanz in den Saalhäusern, Schleicher zum Wurstauskegeln im Rektorberg, Pagels zum Extrakonzert auf der Kaiser Wilhelmsburg, Bauer zum Konzert auf der „Schönen Aussicht, Völkel bot weimarisches Bier in der „Post“an und bei Schmidt auf der Rudelsburg spielte eine Militärkapelle. 

 

  1. Apr. Verkaufsanzeige der Neuen Str. II-29 (Fr. Ebert Str. 22) (NKB)

 

  1. Apr. Sitzung der Badedirektion (BLK-A. Nr. 669, 324, MER 48Ii 776 VIII).

Nachdem die Königliche Regierung der Badedirektion den Ankauf der kleinen Promenade untersagt hatte, bot man der Stadt den Verbindungsweg von der kleinen Promenade zur Lindenstraße zum Kauf an. Die Stadtverordneten bewilligten dann 1000 Mark für den Ankauf, was die Kgl. Regierung dann genehmigte.

 

  1. Apr. Auszeichnung eines Dienstmädchens durch den Bezirksausschuss (NKB)

Für ihren langjährigen Dienst beim Oberstltn. a. D. v. Neindorff erhielt Pauline Kette 60 Mark.

 

  1. Mai Otto Melzer pachtet den Kurgarten von Teichgräber (NKB).

 

  1. Mai Saisonbeginn (NKB)

Neben der Badeanstalt am Gradierwerk (M. Rössiger) und dem Germaniabad warb diesmal auch die Badedirektion für das „Kgl. Soolbad Kösen“ mit seinen „eleganten Badeanstalten, neuem Inhalatorium, Trink- und Wandelhalle, Wellenbädern, dem Institut für Schwedische Heilgymnastik und der Kaiserin Victoria-Auguste Kinderheilstätte“ .

Das „Institut für Schwedische Heilgymnastik und Massage“ befand sich in der Lindenstraße I-13 (19). Direktor Koch behandelte alles von der Blutarmut bis zur Schlaflosigkeit und benutzte für die Übungen die Gymnastikhalle des Borlachbades.

 

  1. Mai Konsistorium und Kgl. Regierung bestätigen den Tausch des alten Friedhofs (NKB)

 

  1. Mai Benutzerordnung für die neue Fähre (NKB)

Die befand sich in der Verlängerung der Parkstraße gegenüber der Johannisquelle und gehörte dem Wirt der „Loreley“ Sträuber. Die Fähre wurde vom 15. Mai bis 1. Oktober täglich von 6 bis 21 Uhr betrieben, eine Fahrt kostete 5 Pfg.. Befreit waren Militärpersonen, Reservisten, Rekruten und Landwehrleute, Beamte auf Dienstreisen, Polizisten und Steuerbeamte in Uniform sowie  Personen die nachweislich zur Brandbekämpfung eilten.

Allerdings klagte der Holzhändler A. Krüger gegen diesen Standort. Schließlich einigte man sich auf einen Platz etwas weiter flußabwärts.

 

  1. Mai Bekanntmachung des stv. Landrats Freiherr v. Feilitzsch (NKB)

„Bei dem in diesem Jahr stattfindenden voraussichtlichen starken Verkehr zwischen Kösen und der Rudelsburg während der Pfingstfeiertage wird an Stelle der Personenfähre an der „Katze“ bei Lengefeld eine Floßbrücke errichtet. Diese im Interesse der Sicherheit erforderliche Maßnahme bedingt aber die Sperrung der Saale für den Floßverkehr vom 25. bis 28. d. M.  Es wird aber in ganz dringenden Fällen eine Vorrichtung an der Brücke dahin getroffen werden, dass auch Flöße nach vorheriger Meldung  bei dem Floßinhaber  die Durchfahrt gestattet werden kann.“

 

  1. Mai Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. (Handbuch KSCV; NKB).

An diesem Ereignis nahmen mehrere hundert Chargierte und ebensoviele Zuschauer teil. Eigens dafür hatte der Wirt der Rudelsburg große Zelte aufgebaut und zur musikalischen Umrahmung Kapellen bestellt. Die Festrede hielt Weese, Münchener-Jenenser Frankone. Allgemein bedauert wurde, dass Kaiser Wilhelm II. die avisierte Teilnahme abgesagt hatte.

Das Denkmal kostete insgesamt 30.000 Mark. Das Medaillon lieferte die Fa. Pirner & Franz-Dresden, der Entwurf stammte vom Dresdener Bildhauer Paul, die Architektur von Petzel-Dresden. Das Gerüst stellte Zimmermeister Toepfer, die Maurerarbeiten übernahmen die Meister Transchel und Werner- alle Kösen.

 

  1. Mai Antrag der Berliner Beamten Vereinigung (MER C48Ii 776VIII).

Die von ihnen beantragte Ermäßigung der Kurtaxe für ihre Mitglieder, wurde umgehend genehmigt. Daraufhin beantragte nun auch der preußische Beamtenverein eine Ermäßigung .

 

  1. Juni Eröffnung des Flaschenbier- und Zigarrengeschäfts in der Saalstr- II-52 (Nr. 16) (NKB).

 

  1. Juni Ankunft von 25 Mädchen der Berliner Ferienkolonie (NKB)

Die Kinder aus armen Familien wurden gruppenweise auf einige Familien aufgeteilt.

 

  1. Juni Meldungzum Borlachschacht (NKB)

„Nach 6monatiger Arbeit ist es der Kgl. Badedirektion gelungen, ein ganz neues Pumpwerk bis auf die Sohle der Solquelle niederzubringen. Dieses bergmännische Meisterstück habe den erhofften Erfolg weit übertroffen. Die Sole fließt in einer Mächtigkeit zu, daß in 24 Stunden 250.000 Liter gefördert werden können. Noch wichtiger ist der Stärkegehalt der Sole, welcher  sich so gesteigert hat, daß ohne ärztlich Anordnung Bäder nur verabfolgt werden dürfen, als mit einem Zusatz von höchstens 50 % Sole zu einem Wannenbad.“

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung des Grundstücks für die Matthes`sche Wurstfabrik.

 

  1. Juni Todestag von Constanze von Nicolovius (Sterberegister)

Die Witwe des Geh. Justizrates Heinrich von Nicolovius, geboren 1809 in Königsberg war die Schwiegertochter von Georg Heinrich Nicolovius (1767-1839) ein bekannter preußischer Beamte für Schul- und Kirchenangelegenheiten.

 

  1. Juni Antrag des Musikdirektors Fischenbeck (St.-A. Nr. 348)

Weil die prognostiziertten Einnahmen nicht reichten, um die vereinbarte Zahl der Musiker angemessen zu entlohnen, beantragte Fischenbeck 1000 Mark Zuschuss, die Badedirektion lehnte ab.

 

  1. Juni Konzession für Hecklau`schen Zigarrenladen an der Brücke (MER C48Ii 776VIII).

 

  1. Juni Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen besucht die Rudelsburg (NKB)

Auf Einladung des Sohnes des Rittergutsbesitzers von Kreipitzsch mit dem er zusammen beim Militär war, machte er in Begleitung seiner Gattin der Freifrau v. Heldrungen während seines Aufenthaltes in der zu Meiningen gehörenden Exklave  Camburg diesen Abstecher.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber (dto).

Die Stadt verpachtete ihm die Gestängerösche, die er auffüllen ließ und hier den Wintergarten als Verbindung zwischen dem eigentlichen Gasthof mit dem Logierhaus errichtete.

 

  1. Juni Militärkonzert des 7. Thür. Inf.-Reg. Nr. 98 im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Meldung zur Frequenz des Bades durch Kinder (NKB)

Demnach waren 30 zehn- bis vierzehnjährige Mädchen der Berliner Ferienkolonie in der ehemaligen Kramerschen Villa (Fr. Ebert Str. 22) untergebracht. Außerdem besuchten bisher 70 Schulklassen aus Pößneck, Jena, Weimar, Apolda, Weißenfels, zeitz, Leipzig, Halle und Delitzsch  die Rudelsburg

 

  1. Juli Erste Vorstellung des Sommertheaters im Kurgarten (NKB)

Auf der „völlig neu dekorierten Bühne“ wurde das Lustspiel „Krieg und Frieden“ von G. v. Moser und  F. v. Schön unter der Leitung des Theaterdirektors Otto Winzer gezeigt.

 

  1. Juli Vermietungsanzeige für die Rudelsburgpromenade I-90 (NKB)

Der Auktionator Chr. W. Becker bot eine Wohnung an, die der Rittmeister Schach v. Wittenau seit 12 Jahre bewohnt hatte.

 

  1. Juli Schreiben des Magistrats an den Kapellmeister Fischerbeck (St.-A. Nr. 226).

In Anbetracht der geringen Besucherfrequenz schlug Kersten vor, die vom Kapellmeister Fischerbeck beantragten 1000 Mark aus der Stadtkasse zu zahlen, unter der Maßgabe, dass die nächsten Konzerte für die Einwohner kostenlos sind. Statt dessen sollten die Gastwirte 15 Pfg. je ausgeschenkten Liter und 25 Pfg. bei jeder Flasche Sekt an die Stadtkasse abführen. Dagegen protestierten die Gastwirte Andrae, Kurzhals, Kleinschmidt, Schleicher, Haun, Hämmerling Völkel, Melzer und Kettner. Letzlich bewilligte der Magistrat eine einmalige  Unterstützung von  300 Mark.

 

  1. Juli Mannschießen des älteren Schütznekorps auf der „Katze“ (NKB)

„Der sonnige Tag hatte wieder einmal Tausende mobil gemacht. Aus allen Gegenden der Windrose strömten Scharen per Bahn, Wagen, per pedes mit und ohne Proviant herbei (.) Die Katze, Rudelsburg, Kurgarten, Hotel zum Ritter waren von Fremden überfüllt...“

 

  1. Aug. Leserbrief zum Wellenbad (NKB)

„Das sonst so schöne und vielbesuchte Wellenbad in Kösen ist nicht mehr, es ist zu einem ganz gewöhnlichen Flußbad das einige mangelhaft eingerichtetet Douchen besitzt, degradiert, der preis aber erhöht worden (.) und doch sind ordentliche Wellenbäder erwünscht...“

 

  1. Aug. Inbetriebnahme einer Dampfsäge bei Graf & Döhler (NKB)

 

  1. Sep. Schlußrechnung über die Pflasterarbeiten in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Nach der Abnahme durch den Chausseeaufseher berechnete der Bauunternehmer Große aus Breitenworbis nach Aufmaß zum Einheitspreis 6.565 Mark. Davon wurden als Sicherheit 300 Mark einbehalten.

 

  1. Sep. Mobiliarversteigerung wegen Wegzugs des Hr. v. Hartleben (NKB)

Das betraf die Einrichtung von 10 Zimmern einer herrschaftlichen Wohnung, sowie Hausrat wie Eisschränke, Porzellan und Glas. Wenig später wurde die Wohnung zur Vermietung angeboten mit Gartennutzung, Einliegerwohnung und Nebengelass (Fr.-Ebert Str. 19)

 

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Unter den 2103 Badegästen waren u. a. Freiin v. Manteuffel, Baronin v. Brandenstein, Freifrau v. Esebek, Fr. Exz. General v. Puttkammer, Baron v. Sternfeldt-Berlin, General a.D. v. d. Groeben-Berlin, mit Sohn Prem.-Ltn. v. d. Groeben, Mrs. E. Keith-London, , Frau Gurlitt-Berlin, Gräfin v. Honwald auf Staupnitz, Fr. Exz. General v. Schmelzer-Berlin, Gen.-Major v. Stuckradt-Berlin, Freifrau v. d. Busche-Ippendorf-Dresden, Mrs. Sohns und Miss Sent-New York, Prof. Dr. L. Geiger-Berlin, Schriftsteller R. E. Franzos-Berlin, Miss Ewen-Dublin, Mr. Molvinger-Chikago, Baronin v. Riedesel-Langensalza, Prof. Dr. E. Taschenberg-Halle, Baronin v. Sternfeldt-Berlin,

Die Kinderheilstätte meldete 56 Kinder die an „Skrophulose“, Augen- und Ohren-, Gelenk- und Knochenerkrankungen, sowie Blutarmut litten.

 

  1. Sep. Mitteilung des Musikdirektors Fischenbeck (St.-A. Nr. 348, NKB)

In Anbetracht des geringen Verdienstes hatte 7 Musiker die Badekapelle verlassen und die letzten Konzerte fielen aus. Dennoch erklärte die Badedirektion den Vertrag mit Fischenbeck bei unveränderten Konditionen bis 1894 zu verlängern.  Aber darauf ging Fischenbeck, der in der Burgstr. I-122 (Nr. 1) wohnte, nicht mehr ein. Am 1. Okt. erschien dann folgende Anzeige: Einem hochgeehrten Publikum von Naumburg und Umgebung zur geneigten Kenntnisnahme, daß ich am heutigen Tag mit meiner Kapelle von Kösen hierher übersiedele und in Verbindung mit dem hiesigen Orchesterverein mit einem Orchester von 30 tüchtigen Musikern unter dem Namen „Vereinigte Fischenbeck`sche Konzertkapelle Naumburg-Kösen“ meine Tätigkeit aufnehmen werde..“

Daraufhin wurde die Kapelle auch von hiesigen Restaurateuren engagiert, u. a. für die alljährlichen Abonnementskonzerte, verschiedene Bälle und Benfizkonzerte.  Allerdings löste sich diese Kapelle rasch wieder auf. Fischenbeck spielte in der nächsten Saison wieder mit der Badekapelle, während er Naumburger Direktor Müller mit der Naumburger Stadtkapelle die Abonnementskonzerte im „Kurgarten“ gestaltete.

 

  1. Sep. Benefizvorstellung der Winzerschen Theatergesellschaft im Kurgarten (NKB)

Der Erlös sollte für ein Kriegerdenkmal verwendet werden, darauf hatten sich die beiden Kriegervereine geeinigt.

 

  1. Sep. Dramatische Abendvorstellung zum Besten der Kinderheilstätte im Kursaal (NKB)

 

  1. Sep. Wiedereröffnung des Rennecke`schen Kindergartens (NKB)

Die Leiterin bezeichnete die 1883 gegründete Einrichtung als „Fröbelschen Kindergarten“. Außerdem bot sie Handarbeitsunterricht sowie Weißnäherei an.  

 

  1. Okt. Neuverpachtung der Brückengeld-Einnahme (NKB)

„Entweder mit dem auf dem fiskalischen Grundstück befindlichen Steueramtsgebäude oder allein, jedoch mit Einschluß einer nach der Brücke  zu gelegenen Spitze des Grundstücks und ein auf Kosten der Steuerverwaltung noch zu errichtenden Erheberhäuschens, welches zum Aufenthalt  des Erhebers nicht aber zur Familienwohnung genügt“. Offenbar war die letztjährige Verpachtung nach nur kurzer Dauer beendet worden.  

 

  1. Okt. Anzeige des Fleischermeisters Fr. Matthes (NKB)

„..bringe ich zur gef. Kenntnis, daß ich im Ladengeschäft von jetzt an bloß gegen sofortige Zahlung verabfolge. Ausgeschlossen hiervon sind meine werten Kunden, mit denen ich in laufender Rechnung stehe...“

 

  1. Okt. Winterfahrplan (NKB)

Den Bahnhof passierten täglich in jeder Richtung 8 Personen- und 5 Schnellzüge. Die Fahrkarte nach Naumburg kostete im Schnellzug I. Klasse 70 Pfg. und im Personenzug I. Klasse 60 Pfg.   

 

  1. Okt Ehrung der Reichardt`schen Eheleute zur Goldenen Hochzeit (NKB)

Der Jubilar erhielt eine Prämie von 80 Mark für seine 25jährige Tätigkeit im Dienst des Badeortes, wie die Unterhaltung der Wanderwege und Ruheplätze.

 

  1. Okt. Inbetriebnahme einer Steinsäge mit Dampfantrieb im Kerstenschen Werk (NKB)

Zum Antrieb wurde die Drahlseilbahn genutzt, deren überschüssige Kraft über eine entsprechende Verbindung die Säge antrieb. Hergestellt wurden dünne Kalksteinplatten zur Verblendung von Bauten. Die wurden beim Bau der Lutherkirche, der Stadtschule, der Berbigsche Kinderbewahranstalt, der Kerstensche Villa, aber auch bei Kirchen in Magdeburg, Beichlingen, Vieselbach und Roßla verwendet. Die Technik wurde 1894 auf der Gewerbeausstellung in Erfurt ausgezeichnet. Die Abfälle wurden zu Steinmehl verarbeitet und der Landwirtschaft zum Kalken verkauft.       

Außerdem hatte Paul Kersten einen auf Ponton montierten Dampfbagger angeschafft, womit  Kies aus der Saale für die Kgl. Bahnverwaltung gefördert wurde. Außerdem schützte die Vertiefung des Flußbettes die Fundamente der Futtermauer vor Unterspülung und war schließlich die Voraussetzung für den Bootsverkehr zur Rudelsburg (Festschrift, KÖZ 1925). 

 

  1. Okt. Kirmes mit Ballmusik im „Helgoland“ (NKB)

So nannte der neue Eigentümer die ehemals zur Gräfeschen Fähre in Lengefeld gehörende Gastwirtschaft.

 

  1. Okt. Kaufvertrag über die kleine Promenade (BLK-A. Nr. 669)

Die Landesschule erhielt 500 Mark. Den Abzugsgraben hatte Kersten im Zusammenhang mit dem Bau des Borlachbades verrohrt und den Anliegern der Lindenstraße gestattet, sich ebenfalls anzuschließen. Am 10. Nov. genehmigte das Provinzialschulkollegium den Vertrag.

 

  1. Okt. Submission der Erd- ud Maurerarbeiten für die städtische Schule (NKB)

Bei den folgenden Arbeiten wurden die noch vorhandenen Grabsteine sowie die zahlreichen Knochen auf den neuen Friedhof gebracht. Ebenfalls zur Submission kam der Abbruch des Spritzenhauses auf dem Platz vor dem alten Friedhof.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige von Fritz Heckenberg (NKB)

„...daß ich mein väterliches Material-, Colonial-, Destillations- und Seilerwarengeschäft, welches bisher mein Schwager geführt hat, selber übernehme...“. Heckenberg geschäft bot vor allem ein reichhaltiges Sortiment an Fischwaren an und machte damit regelmäßig Werbung.

 

  1. Okt. Festkommers zum 90. Geburtstag des Generalfeldmarschalls v. Moltke (NKB)

Zum Organsisationskomitee gehörten die Vorsitzenden der Kriegervereine König Wilhelm und Kronprinz Friedrich Wilhelm, Bäßler und Held sowie der Major a. D. v. Schmettau.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige des Schuhmachers R. Colditz Querstr. II-32 (Schmettaustr. 11) (NKB)

 

  1. Nov. Helene Julitz eröffnet das „Wiener Cafè“ in der Salinenstr. 21 (Nr. 5) (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden 13.000 Mark für die Anschaffung von Akkumulatoren und  Batterien für das E-Werk, die bei Ausfall des Rades der Notstromversorgung dienten sowie weiteren 10.000 Mark für die beim Schulneubau angefallenen Mehrkosten, die Pflasterung des Gehwegs und Einbindung des Kanals in der Burgstraße.

 

  1. Nov. Hochwasser (St.-A Nr. 286, NKB, Zeitzeugenberichte).

Nach heftigen Regenfällen am Mittellauf von Saale und Ilm stieg das Wasser innerhalb weniger Stunden auf über 5 Meter über Normal. Die Flutwelle, für die Experten 1.300 m³/sek. errechneten, riss das oberhalb des Wehrdammes liegende Bauholz und einige hundert Ölfässer mit sich. Diese stauten sich vor Brücke und erzeugten einen gewaltigen Druck.

„Um 3 bis 4 Uhr nachmittags breitete sich ein weiter See von Hämmerlings Gasthof (.) bis hinüber über die Saalstraße, die zwischenliegenden Häuser mit seinen Fluten umfassend. Von dieser Stelle bis nahe Großheringen erblickt man nichts als einen weiten  Wasserspiegel aus dem die Roßnersche Mühle wie eine Insel ragt...“

Dann brachen die erst 1885 aufgeführten Eispfeiler, dann die Strompfeiler worauf die Brücke einstürzte. Die Mühle, das Holzwerk und die Gärtnerei Möller erlitten erhebliche Schäden. 16 mit Steinen beladene Bahnwaggons, die im Kalkwerk zum Versand bereit standen, wurden zum Schutz der Pfeiler der Eisenbahnbrücke eingebaut, die dadurch unversehr blieb. Fast unversehrt blieben aber auch das Inhalatorium und der Kurpark obwohl dieser völlig  überflutet wurde. 19 Wohngebäude standen unter Wasser, 40 Familien obdachlos. Wie durch ein Wunder waren keine Menschenleben zu beklagen.

Schlimmer traf es Lengefeld. Hier waren 15 der 54 Wohnhäuser eingestürzt und 68 Familien betroffen.

 

  1. Nov. Reg.-Präsident v. Diest und der Landrat besichtigen die Schäden (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, NKB)

Beschlossen wurde die Kostenübernahme für alle Aufräumungsarbeiten. 250 Mark wurden den Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr bewilligt.

Es folgten Spendenaufrufe des Landrates und des Vaterländischen Frauenvereins von Naumburg,. Es folgten Missionsbasare und Benefizkonzerte deren Erlös zur Linderung der Not der Hochwassergeschädigten diente.  

 

  1. Nov. Anzeige der hochwassergeschädigten Unternehmen (NKB)

„Durch das Hochwasser sind von meinem Mühlengrundstück ca. 500 bis 600 große und kleine Ölfässer fortgeführt worden. Die Fischer, Schiffer und Uferbewohner welche derartige Fässer aufgefangen haben, werden gebeten, mich davon zu benachrichtigen. Bergeloh wird zugesichert, vor Verkauf wird gewarnt“ E. Roßner.

„Infolge des Hochwassers ist namentlich im oberen Lauf der Saale eine große Anzahl Flöße hinweggeschwemmt worden. Die obere Floßkommune hat deshalb den Antrag gestellt, die in den betreffenden Gemeinden längs der Saale angeschwemmten Floßhölzer aufzufangen“ Landrat

„Beim Hochwasser sind mit von meinen Zimmerplatz viele Jölzer fortgeschwemmt. Über etwaige Funde längs der Saaleufer bitte ich um gütige Mitteilung“. Fr. Toepfer

„Beim Hochwasser sind von meinem Grundstück etliche mit Namen gekennzeichnete Fässer fortgeschwemmt..“ Brückner Brauereibesitzer, Saalstraße.

In der Folge fanden dann zahlreiche Sammlungen und Benefizveranstaltungen zugunsten der Hochwassergeschädigten statt, aus deren Erlösen rund 17% der gemeldeten Schäden von Privatleuten gedeckt wurden. 

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB)

Die Stadt hatte 2.463 Einwohner, 1034 Männer und 1429 Frauen. Seit der letzten Volkszählung war das eine Zunahme von 5 %., seit 1809 (370 Einwohner) hatte sich die Anzahl versechsfacht, gegenüber 1820 (637) vervierfacht. Die Mehrzahl war evangelisch, dazu kamen 67 Katholiken und ein Jude. Es gab 262 bewohnte und 11 unbewohnte Häuser mit 639 Haushalten.

 

  1. Dez. Anzeige des Hilfskomitees (NKB)

„Infolge unseres Aufrufs sind uns sowie den verschiedenen Lokalkomitees so reiche Gaben an Kleidungsstücken zugegangen, daß der Bedarf in dieser Hinsicht  gedeckt zu sein scheint (.) Gaben von Lebensmitteln und geld sind nach wie vor sehr erwünscht. Wir bitten jedoch die angedachten Gaben nicht an einzelne herumziehende Bittsteller onderrn an das Komitee abzuführen, da von unberufener Seite  Mißbrauch mit dem Unglück anderer getrieben wird...“

 

  1. Dez. Bau einer Pontonbrücke (NKB, Hinsche. Heimatbuch 1930)

Eine Woche lang war der Verkehr zwischen den Stadtteilen unterbrochen, Fußgänger durften die Bahnbrücke benutzen, Verstorbene vom linken Ufer wurden im Eisenbahnwagen auf die andere Seite gebracht. Pioniere aus Magdeburg bauten trotz Schneetreibens und starker Kälte innerhalb von 12 Stunden aus 17 Pontons eine 250 Fuß (77,5 m) lange Brücke, die auch für schwere Fuhrwerke offen stand. Eine weitere Brücke wurde zwischen Kleinheringen und Unterneusulza über die Saale gebaut.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenwahl (NKB)

Im Vorfeld erfolgte eine Aufruf: „Die Wähler Kösens, insbesondere die durch die Überschwemmung so sehr betroffenen Bewohner des linken Saaleufers werden hiermit nochmals auf die Stadtverordnetenwahl aufmerksam gemacht und gebeten, ihren bis jetzt so bewährten Vertretern wieder ihre Stimme zu geben und zwar in der I. Abt. Kfm. Siebold, in der II. Abt. Holzhändler A. Krüger und Mühlenbesitzer E. Roßner jun. und in der III. Abt. Buchbindermeister Wolff“.

 

  1. Dez. Leserbrief zum Bahnverkehr (NKB)

„Nachdem das Schlimmste  der bösen Stunden hinter uns liegt, welche die Hochflut erzeugt hat, bleibt uns die unabsehbare Folge dessen, was die Eisenbahn noch bringen kann. Auch diese war überschwemmt worden und in wieviel höheren Grade akls bisher tritt der Schrecken des Schütterns namentlich der schwer beladenen Waggons auf, das mit jedem Vorbeisausen eines Zuges entsteht. Es ist im höchsten Grade beängstigend, wie sich das Schüttern namentlich in der Rudelsburgpromenade äußert, immer denkt man, es müsse ein Haus einstürzen. Und da das Rangieren der Frachtzüge besonders in der Nacht ausgeführt wird, so ist des Schreckens kein Ende. Möchten doch endlich die betreffenden Behörden sich dieser Angelegenheit annehmen...“

Daraufhin schrieb ein anderer Leser: „..nun läßt sich die Behörde nicht antreiben und ist es mit der Eile hier garnicht nötig, da jetzt schon der Bahnhof garnicht in der Stadt Kösen liegt, sondern es haben sich nur einige Häuser nachträglich an denselben angebaut...“

 

  1. Dez. Konferenz zur Schadensbilanz (NKB)

Mehrere Beamte der zuständigen Behörden an der Spitze der Reg.-Präsident v. Dienst, die vor ort weilten, beobachteten auch die laufenden Sprengarbeiten an den eingestürzten Brückenpfeilern. Dabei wurde der Reg. Präsidenten von einem herausgesprengten Stein getroffen. Der Gesamtschaden im Landkreis wurde mit weit über einer Million Mark beziffert.

Das Hochwasser selber sei durch ausgiebige Niederschläge bis zu 60 Liter im Einzugsbereich von Saale, Schwarz und Ilm hervorgerufen worden. Die Hochwasserscheitel lag nich 90 cm über dem der Thüringer Sintflut von 1661 und 110 cm über dem letzten Jahrhunderhochwasser von 1845. Letztendlich war das Hochwasser der Auslöser für die Planungen der Saaletalsperren.

 

  1. Dez. Anzeige der Wirtin der „Katze“ (NKB)

„Um meinen verehrten Nachbarn und Bekannten den schadenfrohen Glauben zu nehmen, ich sei ausgeplündert worden, mache ich hiermit bekannt, daß ich meine Möbel nur nach Naumburg zur Reparatur geschickt habe, da sie mir durch das große Wasser ruiniert sind..“ 

 

  1. Dez. Bau einer hölzernen Notbrücke (NKB, Hinsche Heimatbuch 1930).

Unter Leitung des Baurates Boe aus Naumburg begann der Schiffsbaumeister Röttig aus Nebra mit dem Bau der Notbrücke deren Kosten mit 14.000 Mark veranschlagt waren.

Bis zu deren Fertigstellung blieb die Pontonbrücke für deren Betrieb eine Pioniereinheit einquartiert wurde. Zur Wiederherstellung der elektrischen Leitung vom E-Werk wurden beiderseits der Saale 12 Meter hohe Masten errichtet. Außerdem beschloss die Stadt die Anschaffung von Akkumulatoren, um überschüssige Elektroenergie zu speichern.

 

  1. Dez. Bericht der Stadtsparkasse (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Spareinlagen beliefen sich auf rd. 90.000 Mark die Zahl der Sparbücher betrug 234. Auch die ersten Hypothekendarlehen für den Hausbau wurden ausgereicht und besichert. 9.000 Mark  für R. Eckardt (Parkstr. 141), 10.000 Mark E. Salzwedel (Kukulauer Str. 53), 5.000 Mark A. Quarg (Borlachstr. 66), 6.500 Mark L. Luft (Neue Str. 30) und 3.000 Mark K. Haase (Saalberge 71). Die Kgl. Badedirektion hatte Kredite von 22.300 Mark für die Reparatur des Gradierwerkes, der Wellenbäder und des Inhalatoriums aufgenommen.

 

1891

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachricht 1890 (NKB)

Registriert wurden 66 Geburten, davon 4 uneheliche, 19 Eheschließungen, 43 Todesfälle und 36 von 213 Kindern wurden eingesegnet. 

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der neue Hausmann im städtischen Krankenhaus sollte anstelle eines Gehalts mietfrei wohnen und den Garten nutzen.

 

  1. Jan. Eröffnung der Niepoldschen Tischlerei Neue Straße 13 (Fr. Ebert Str. 6) (NKB)

 

  1. Jan. Übergabe der Notbrücke (NKB)

Nach dem Abbau der Pontonbrücke sprengten die Pioniere die restlichen Pfeiler der eingestürzten steinernen Brücke.

 

  1. Jan. Visite des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen Exz. v. Pommern (NKB)

Zusammen mit dem Landrat v. Feilitzsch und dem Bürgermeister besichtigte er die Brückeneinsturzstelle. Dabei traf ihm ein Trümmerstück von den laufenden Sprengarbeiten. In der Folge vereinbarten die Anliegerstaaten einen Hochwasserwarndienst und die Errichtung von Pegelstationen.

bsp]

  1. Jan. Kaisers Geburtstag (NKB)

Vormittags stellten sich die Kriegervereine zur Reveille auf, anschließend traf man sich zum  Festessen bei Kurzhals. Der Festkommers des älteren Kriegervereins fand auf der Wilhelmsburg und des jüngeren Vereins im Kursaal statt. Hier hielt Dr. Schütze den Festprolog. 

 

  1. Feb. Voruntersuchungen für den Brückenneubau (NKB)

Im Auftrag des Ministers f. öffentl. Arbeiten prüfte ein Reg.-Baumeister die Verwendbarkeit der Pfeilerreste für die neue Brücke. Beim nächsten Termin mit dem Reg.-Präsidenten v. Diest und weiteren höheren Beamten wurde festgelegt, dass die engen Durchfahrten beseitigt werden müssten und somit auch eine eiserne Brückenkonstruktion mit drei Pfeilern möglich wäre.

Als das bekannt wurde, erhoben sich zahlreiche Stimmen, die wegen des Ortsbildes eine Steinbrücke forderten. Andere forderten die Einstellung der Flößerei, weil die den Einsturz der Brücke verursacht habe. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

In Anbetracht leerer Kassen war eine weitere Anleihe erforderlich. 10.000 Mark Mehrkosten  beim Schulbau, 23.000 Mark Akkumulatoren-Batterien, 7.000 Mark Erwerb der kleinen Promenade und Pflasterung der Lindenstraße, 10.000 Mark Beseitigung des Hochwasserschäden summierten sich auf 50.000 Mark., wozu allerdings noch die Genehmigung der Aufsichtsbehörde ausstand.

Beigelegt wurde auch ein Streit mit dem Bürgermeister. Rudolph, dem das Grundstück  Borlachstraße  (Nr. 44) gehörte, durch das der Flutgraben von der Mausa zur Kaskade führte, hatte ohne Genehmigung seine Hausentwässerung angeschlossen und als Gegenleistung die Unterhaltung des über sein Grundstück führenden Grabens angeboten.

 

  1. Feb. Anzeige von Dr. Risse (NKB)

„Im Besitz der Koch`schen Original Lymphe gegen Tuberkulose gebe ich hierdurch bekannt, daß Kranke (Schwerkranke ausgeschlossen) im eigens dazu erworbenen Haus mit schönen luftigen Räumen unter Pflege einer geschulten Krankenschwester Aufnahme finden...“ 

Bei der „Lymphe“ handelte es sich um das 1890 von Robert Koch entwickelte  „Tuberkulin“, dass der Seuche mit hoher Todesrate Einhalt gebieten sollte, sich aber später als unwirksam erwies. Da die Kranken isoliert von der übrigen Bevölkerung untergebracht werden mussten, erwarb Risse eine Haus in den Saalbergen. 

 

  1. Feb. Neubau der Holzbrücke zum Wellenbad (St.-A. Nr. 360).

Das betraf den 1871 gebauten und vom Hochwasser ebenfalls zerstörten Übergang über die kleine Saale.

 

  1. Feb. Außerordentliche Generalversammlung des Vorschußvereins (NKB)

Wegen seines Gesundheitszustandes wurde der Kassierer Kfm. Scholvien nach 27jähriger Tätigkeit entbunden und erhielt eine lebenslange Pension von 4 % der jährlichen Bruttoeinnahmen. 

 

  1. Mär. Anzeige des Mühlenbesitzers Roßner (NKB)

„Hiermit fordere ich alle diejenigen auf, welche nach dem Hochwasser (.) Schutt und Baumaterialien auf meinem Feldgrundstück an der Saalstraße abgelegt haben, binnen acht Tagen diese Dinge zu entfernen, da ich sonst von den Bestimmungen des Feld-Polizei-Gesetzes Gebrauch machen werde...“

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden Mehrkosten von 6.000 Mark für die Verblendung der Schule mit Kalksteinplatten. Festgelegt wurde die Bauflucht in der Saalstraße und eine Entschädigung von 2 Mark, für die Anwohner, die einen Teil ihres Grundstücks für den Fußweg abgegeben mussten, was aber den Hochwasssergeschädigten erlassen wurde.

Für die kostenlose Krankenpflege der Ortsarmen sollte eine Diakonissin des Berliner Lazarus-Krankenhauses gewonnen werden. Ihr sollte eine mietfreie Wohnung im städtischen Siechenhaus (Burgstr. 16) zur Verfügung gestellt werden.

 

  1. Mär. Maurermeister Gustav Transchel verstirbt im 47 Lebensjahr (NKB)

Die Anteilnahme beim Begräbnis des allseits beliebten Mannes war groß. Das Geschäft übernahm der Maurermeister Fr. Hübner aus Pforte.

 

  1. Mär. Polizeiverordnung zur Hundehaltung (NKB)

„Das Mitbringen von Hunden in Lokale , in welchen geselliger Verkehr stattfindet, sowie Bier- und Weinstuben ist verboten...“

 

  1. Mär. Holzmesse (NKB)

In Kösen und Camburg kamen 5000 Flöße zum Verkauf.

 

  1. Apr. Einrichtung der Diakonissenstation (NKB)

Initiatorin war das Freifräulein Jenny v. Gerstenbergk, Ordensdame des Theresienordens sowie der Sohn des Begründers der Diakonie Johann Hinrich Wichern (1808-1881), der in Hamburg die Innere Mission der evangelischen Kirche und das Rauhe Haus gründete. Sein Sohn der Pfarrer Johannes Wichern hatte 1874 die Tochter Dr. Rosenbergers, Elisabeth (1844-1911) geheiratet und kam regelmäßig zu Besuch.

Daneben engagierten sich Pfarrer Barthold, der Badearzt Dr. Schütze und die Johanniter-Schwester Constanze von Schmettau für eine kostenlose Armenpflege. Die erste Diakonissin, Gertrud Karras, kam zunächst im städtischen Siechenhaus unter. Die Bevölkerung uwurde zu  Sachspenden an Hausrat zur Ausstattung der Wohnung aufgerufen. Darüber hinaus wurde um  Geldspenden für den Unterhalt der Diakonissin gebeten. Insgesamt kamen so 577 Mark zusammen, wofür sich die Kirchengemeinde öffentlich bedankte. Ebenso wie für die Kinderheilstätte fanden nun auch Benefizkonzerte für die Diakonie statt.

 

  1. Apr. Geschäftsanzeigen (NKB)

Joseph Fieber eröffnete eine Bau- und Möbeltischlerei in der Saalstraße (heute Nr. 15). Fritz Ramdohr, Barbier und Friseur, verlegte sein Geschäft von der Lindenstraße 13 in das Heckenbergsche Anwesen An der Brücke I-136 (Nr. 2) und der Vorschussverein eröffnete seine Geschäftsstelle in der Querstraße II-39 (Nr. 1) 

 

  1. Apr. Quartalsversammlung der Gesamtinnung (NKB)

Dabei erhielten 19 Lehrlinge den Gesellenbrief und 26 Lehrlinge wurden eingeschrieben.

 

  1. Apr. Umbindung der Soletransportleitungen der Badeanstalten.

Vom Einsturz der Brücke waren auch die Soleleitungen von Dr. Löffler und Dr. Schütze betroffen. Vor Saisonbeginn wollten sie sich an die Leitung vom Gradierwerk zum Inhalatorium anschließen, zumal hier auch der Druck wesentlich besser war.

 

  1. Apr. Veröffentlichung der Namen der ersten Rentenempfänger (NKB)

Nach Einführung der umstrittenen Pflichtversicherungen für Lohnempfänger erhielten die ersten Berechtigten eine jährliche Rente, was einer Veröffentlichung wert war. In diesen Genuss kamen der Zimmergeselle Grenzdörfer (135 Mark) die Maurergesellen A. Pabst, A. Sachse und A. Schmidt (jeweils 163 Mark), wie auch die Handarbeiter Fr. Gräfe, Fr. Milsch, J. Chr. Heinicke und Chr. Hoye aus Lengefeld.

 

  1. Apr. Anzeige der Badedirektion (NKB)

„Die durch das Hochwasser-Katastrophe entstandenen Schäden an den Badeeinrichtungen werden bis zu Beginn der Saison vollständig und verbessert wieder hergestellt sein“ Ganz anders war es um die Straßen bestellt, worauf ein Leserbrief hinweist: „ Durch die verlegung des Übergangs über die Saale sind die Verkehrsverhältnisse in Kösen ganz andere geworden. Der sehr beträchtliche Fuhrwerksverkehr auf der fiskalischen Kreischaussee wird infolgedessen am rechten Saaleufer auf einen Triftweg und am anderen Ufer durch die Neue und Querstraße gelenkt. Haben diese Wege zum Teil schon durch das Hochwasser gelitten, so sind sie jetzt durch diesen ungewohnten Verkehr in einen Zustand versetzt, der jeder Beschreibung spottet.  Der fußtiefe Schlamm der Fahrwege überträgt sich auch auf die Fußwege. So daß es solchen Passanten, die nicht einen Wagen benutzen können, kaum möglich ist, durchzukommen...“

 

  1. Apr. Ehrung der Feuerwehr für den Einsatz beim Jahrhunderthochwasser (NZ 1910).

Das Korps erhielt von der Kgl. Regierung 200 Mark zur Ersatzbeschaffung von Ausrüstungsteilen und weitere 300 Mark für die Anschaffung einheitlicher Uniformen.

 

  1. Apr. Anzeige der Witwe Auguste Becker (NKB)

„Hiermit die ergebenste Mitteilung, daß ich die von meinem verstorbenen Mann betriebene Biergeschäft-Mälzerei am Wehrdamm in unveränderter Weise fortführen werde..“ Damit war das zum „Mutigen Ritter“ gehörende Brauhaus (Loreleypromenade 3,3a) gemeint, dass Weber verkauft hatte.

 

  1. Apr. K. Techow: Kösens elektrische Beleuchtung (NKB)

„Das Hochwasser (.) hatte mit der Brücke auch das Licht geraubt, indem es die Drahtverbindung  zwischen Alt- und Neu-Kösen zerstörte wurde auch die elektrische Beleuchtung, auch zuweilen das „Schmerzkind“ von Kösen genannt, und seine Rückwirkung auf die Taschen der Steuerzahler kopfschüttelnd in Erwägung gezogen, so erinnert man sich doch der Zeit, wo man es entbehren mußte (.) und von allen, die sich der elektrischen Beleuchtung erfreuen, ist wohl keiner, der ohne Not zur alten Beleuchtung zurückgreifen möchte.

Kösen ist nach dem Vorgang Schwabings in Bayern die zweite Stadt Deutschlands, die unternehmend genug war, sich in den Besitz einer totalen elektrischen beleuchtung zu sehen. Ohne das Vorhandesein billiger Wasserkraft hätte man angesichts der hohen Kosten doch wohl Abstand von dem Plan nehmen müssen...“  .

 

  1. Apr. Gastspiel des Naumburger Stadttheaters im Kursaal im Kurgarten (NKB)

Es folgten regelmäßige Aufführungen, die mit einer ausführlichen Rezension gewürdigt wurden.

 

  1. Mai 1. Termin der Zwangversteigerung des Inventars des „Wiener Cafès“ (NKB)

Offenbar gelang es der Besitzerin, Helene Julitz-Frankfurt/Oder, den Termin abzuwenden, denn am 17. Mai inserierte sie, dass das Cafè geöffnet sei. Ein zweiter Termin (23. Juni) wurde auf den 11. August verschoben, kam aber auch nicht zustande.

Erst 1892 im Zuge der Zwangsversteigerung des dem Berliner Kaufmann F. Collin gehörenden Hauses (02. Februar) kam das Inventar am 10. und 28 März auf dem Platz vor dem Heldschen Grundstück unter den Hammer.

 

  1. Mai Pfingsfeiertage (NKB)

Die Bahn hatte mehrere Sonderzüge eingesetzt und die Ausflugslokale  Rudelsburg (Bruno Schmidt), die Katze (Naumann), Schöne Aussicht (Bauer), Rektorberg (Schleicher), Saalhäuser (Schumann), Himmelreich (G. Gräfe), Wilhelmsburg (Pagels) waren für den Besucheransturm gerüstet. Der Wirt der Loreley nahm die Fähre in Betrieb und bot Gondelfahrten zur „Katze“ an. 

Beim abendlichen Rückreiseverkehr reichten weder die Warteräume noch die Bahnsteige. Forderungen nach einer Vergrößerung wurden laut. 

 

  1. Mai Dr. Carl Schütze wird zum Ehrenmitglied der Badedirektion ernannt (St.-Ar.).

Dr. Risse war wegen Unstimmigkeiten mit dem Badediener ausgetreten und v. Stuckradt aus Altersgründen ausgeschieden und starb noch im Dezember.

 

  1. Juni Eröffnung der Bau- und Maschinenschlosserei in der Burgstr. 109 (Nr. 12) (NKB)

 

  1. Juni Bericht über den Schulneubau (NKB)

„Der Bau des neuen Schulgebäudes, welches zum 1. Oktober fertig werden sollte, schreitet nur langsam voran, so daß man schon davon Abstand genommen hat, sich auf den Umzug für dieses Jahr einzurichten. Wahrscheinlich wird er erst im Herbst 1892 erfolgen. Zu bedauern ist, daß damit auch der Bau einer neuen Kirche, welche an die Stelle des jetzigen Schul- und Rathauses erbeut werden soll, um ein volles Jahr verzögert wird..“ 

Der für Planung und Bauüberwachung zuständige Weißenfelser Architekt Meienberg bezifferte die Kosten inzwischen auf 64.400 Mark.

 

  1. Juni 15. Stiftungsfest des Turnvereins mit Fahnenweihe (NKB)

 

  1. Juni Versteigerung der Eisenkonstruktion der Brücke (NKB)

 

  1. Juli Basar zum Besten der Kinderheilstätte (NKB)

Organisatoren waren Frau Landrat von Feilitzsch, Frl. v. Stuckrad und Frl. von Alvensleben sowie der neu gegründete Jungfrauenverein. Der bestand aus 24 „Angehörigen des dienenden Standes“, die von der Diakonissin betreut wurden.

 

  1. Juli Eröffnung der neuen Matthes`schen Fleischverkaufsstelle (NKB)

Zuvor hatten die Brüder die bisherige Fleischerei Grüne Gasse (Nr. 4) zum Verkauf angeboten.

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Rudelsburgpromenade 18 (NKB)

Die Fa. Gebr. Gräfe hatte infolge des Hochwassers Konkurs angemeldet. Da auch die Flußbadeanstalt den Fluten zum Opfer gefalle war und sich beim Wildbaden mehrere tödliche Badeunfälle ereigneten, wurde der Ruf nach einer städtischen Flußbadeanstalt laut.

 

  1. Juli Festlegung zum Neubau der Brücke (NKB)

Obwohl eine eiserne Brücke mit drei Bögen rund 120.000 Mark billiger war als eine steinerne vierbogige Brücke, entschied sich der Fiskus für die Letztere.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen wurde der chausseemäßige Ausbau der Neuen- und der Querstraße. Dafür wurden   5.400 Mark bewilligt.

 

  1. Aug. Statistik des Postbezirks Kösen (NKB)

Zu dem gehörten neben der Stadt auch die umliegenden Landgemeinden, mit insgesamt  4707 Einwohnern. 1890 wurden 238.000 Brief aufgegeben und 261.000 empfangen. Bei den Paketen waren es 12.700 und 19.300, bei den Wertbriefen 1119 und 1197 und bei den Depeschen 3.430 und 3.524.

 

  1. Aug. Erlass des Ministeriums für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten (St.-A.).

Der Königl. Regierung zu Merseburg wurden mitgeteilt, dass man beabsichtigt, das Bad der Stadt zu übertragen und diese aufgefordert sich zur Durchführbarkeit zu äußern.

 

  1. Sep. Statut der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ (priv).

Nach der Genehmigung der Kaiserin, die Heilstätte nach ihr zu benennen, beschloss der Verein eine Satzung, die bei der Behörde zur Genehmigung der Gemeinnützigkeit eingereicht wurde. Das Grundvermögen bestand aus dem  Grundstück, das mit 39.000 Mark zu Buche stand, wovon 9.000 Mark als Anzahlung geleistet waren,  und einem Barvermögen von über 7.000 Mark. Die laufenden Kosten sollten aus den Beiträgen (30 Mark je Mitglied), den Aufnahmevergütungen und Erlösen aus Konzerten, Sammlungen und Basaren bestritten werden. Zum ersten Vorstand gehörten Bürgermeister Rudolph, Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Strafanstaltsdirektor a. D. v. Stuckrad, Baurat a. D. v. Stuckrad, Dr. Löffler und Frl. Freytag.

 

  1. Sep. Eröffnung der neuen Wertherschen Gastwirtschaft in Lengefeld (NKB)

Die alte Wirtschaft hatte beim Hochwasser erheblichen Schaden erlitten und wurde an der heutigen Stelle neu errichtet.

 

  1. Sept. Badelisten (NKB)

Trotz der noch unübersehbaren Schäden und der ungünstigen Witterung kamen 2.235 Badegäste  40 mehr als 1890, darunter Fr. verw. Reichsbankpräsident Exz. v. Dechend-Berlin,  Dr. med A. Frankl-Ritter v. Hochwart-Wien, Gräfin v. Honwald auf Schloß Staupnitz, Exz. v. Grabowski-Berlin, Gräfin Basedow-geb. Gräfin Henkel von Donnersmark, Fr. v. Girgensohn-Riga, Fr. Staatsminister v. Puttkammer-Pommern, Geh.-Oberreg.-Rat und Senats-Präsident Delius, Baronin v. Schlotheim, Gräfin Finkenstein-Potsdam, Gräfin v. Bredow-Berlin. -

 

  1. Sep. Anzeige des Postmeisters a. D. Müller (NKB)

„..beabsichtige ich den Verkauf meines Hauses (des früheren Postgebäudes). Das Haus (.) eignet sich wegen seiner günstigen Lage (.) fast im Mittelpunkt  des Ortes ebensowohl zur geschäftl. Nutzung wie zu einem herrschftl. Ruhesitz...“ Ein Käufer fand sich aber erst 1899.

 

  1. Okt. Verkauf des Gießlerschen Hauses Burgstr. 110 (Nr. 15) (NKB)

 

  1. Okt. Beschluss zur Eingemeindung des Bahnhofgeländes (BLK-A. Nr. 324).

 

  1. Okt. Ernennung des neuen Bezirksschornsteinfegermeisters (NKB)

Für den verstorbenen Schöppe ernannte der Reg.-Präsident Ernst Poppe. Zum Kehrbezirk gehörte neben der Stadt auch die Landgemeinden Altenburg und Flemmingen, die Kreisdörfer sowie die Gutsbezirke Kreipitzsch, Stendorf und Schulpforte mit den Vorwerken. Alle Essen mussten jährlich dreimal gekehrt werden, in bestimmten gewerblichen Betrieben sogar monatlich.

 

  1. Okt. Vermessungsarbeiten für den Ausbau der Straße nach Lengefeld und Saaleck (NKB)

 

              Ernst Roßner (1819 bis 1893) wird Ehrenbürger (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der Besitzer der Mühle wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt geehrt.

 

  1. Nov. Gründung des Konsum-Vereins im Saal der „Post“ (NKB).

In den vorausgegangenen Treffen hatten 38 Einwohner ihr Interesse an diesem Verein bekundet. Nun wurde ein provisorischer Vorstand gewählt und mit der rechtlichen Umsetzung beauftragt. Gleichzeitig wurde ein eigenes Ladengeschäft gesucht. Gegen den Verein gab es seitens der ortsansässigen Einzelhändler erheblichen aber erfolglosen Widerstand.

 

  1. Dez. Eröffnung der Richterschen Materialhandlung Ecke Saal-/Querstraße (NKB)

 

  1. Dez. Fürstliche Gäste im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Auf der Fahrt nach Rudolstadt übernachtete hier die Fürsten von Schönburg-Waldenburg, die ihre Tochter zur Hochzeitsfeier mit dem Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt begleiteten. Sie bewunderten den neuen Wintergarten mit Dampfheitung und elektrischer Beleuchtung. 4 Tage später erfolgte die Eröffnung mit einem Konzert unter Lorbeer- und Oleanderbäumen, allerdings begleitet von einem heftigen Gewitter mit Hagelschauern.   

 

  1. Dez. Wahl Fr. Toepfers zum Feuerwehrhauptmann (NKB)

Malermeister Leschke war aus dem Korps ausgetreten und sein Vize hatte abgelehnt. Dank seiner guten Verbindungen erhielt er Geld von der Generaldirektion der Landesfeuersozität für die Anschaffung eine  transportable Saug-Druck Spritze, Schlauchwagen, Schlauchbrücken, Leitern und ein Wasserwagen.

Als Ersatz für das alte Spritzenhaus, dass dem Neubau der Schule weichen mußte, kam ein neues Spritzenhaus auf den Hof des neuen Schulgebäudes.

 

  1. Dez. Todestag von Jacob Heinrich v. Stuckrad, Jg 1820 (NKB)

Der Hauptmann a. D. Strafanstaltsdirektor a. D., Badehausbesitzer, Stadtverordneter und Mitglied der Badedirektion stand im 71 Lebensjahr. Er wurde  im Familienbegräbnis beigesetzt ebenso wie Major Heinrich v. Stuckrad (1808-1884), Generalmajor Ernst v. Stuckrad (1830-1892), Generalleutnant A. v. Stuckrad (1813-1895). Nach dem Tod seiner Ehefrau Mathilde  geb. Marchand (1826-1896) wurde die Villa Stuckrad (Friedrich Ebert Str. 17) verkauft.

 

  1. Dez. Techow kündigt den Druck des ersten Kösener Adressbuchs an (NKB)

 

               Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr.776 VIII).

Die Schäden die das Hochwasser an den Badeeinrichtungen und im Stadtgebiet angerichtet hatten, konnten größtenteils  vor Saisonbeginn beseitigt werden, hatten aber ein großes Loch in die Badekasse gerissen.

Insgesamt 2.235 Badegäste wurden registriert, 40 mehr als 1890. Dazu kamen 1.968 Passanten, 600 mehr als im Vorjahr. In der  Kinderheilstätte wurden 194 Kinder aus den Ferienkolonien Berlin und Leipzig sowie 98 weitere Kinder aufgenommen. Die chemische Zusammensetzung der Solequelle war unverändert, die Johannisquelle war gut frequentiert, wobei hier eine Kabine für die Bedienung und warmes Wasser wünschenswert wären. Der Mühlbrunnen wurde wegen seiner  ungüstigen Lage kaum noch frequentiert. Insgesamt wurden 15.072 Solebäder, 990 Wellenbäder und 1449 Inhalationskarten abgegeben.  

 

1892 

 

Jan. Geburt von Sylvester Eduard Carl Ferdinand Schütze (Taufregister)

 

  1. Jan. Standesamtliche Nachrichten (NKB)

Die Stadt hatte 2512 Einwohner, es gab 327 Schulkinder, 48 Konfirmanten, 71 Taufen (davon 2 uneheliche Kinder), 16 Hochzeiten und 64 Todesfälle.

 

  1. Jan. Hermann Weber jun. übernimmt die ehemals Hartungsche Badeanstalt (NKB).

1889 hatte San.-Rat Dr. Wahn die Anstalt einer Frau Wagner aus Leipzig verkauft, die diese unter dem Namen „Germaniabad“ zwei Jahre führte. Weber unterzog die Einrichtung einer umfangreichen Modernisierung und eröffnete sie unter dem Namen „Ritterbad“. Der Gasthof firmierte nun als „Kurhaus-Hotel und Pension zum mutigen Ritter“

Ein Leserbrief dazu „Ein allgemeiner Wunsch ist es, daß endlich auch einmal der Kurgarten diesem Streben nach zeitgemäßer Verschönerung und Komfort folgen wird...“ .

 

  1. Jan. „Cabinets Order“ zur Kinderheilstätte (priv).

Neben der Bestätigung der Satzung wurde der „Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte“ die Rechte einer juristischen Person verliehen. Gleichzeitig wurde die Badedirektion angewiesen, dem Kinderheim die Badesole kostenlos zur Verfügung zu stellen.

 

  1. Feb. Der Vorschussverein verlegt die Geschäftsstelle in die Lindenstr. 1 (NKB)

Für Anleger wurde mit 4 % Zinsen geworben, 0,5% mehr als die städtische Sparkasse.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Wegen der Mehrkosten für die Schule (Kalksteinverkleidung) und dem Straßenbau musste eine Anleihe in Höhe von 20.000 Mark bei der Sparkasse Naumburg aufgenommen werden.

 

  1. Mär. Stellungnahme der Kgl. Regierung zur Übertragung des Bades (St.-A.).

Darin wurde auf die unzureichende Verwaltungsstruktur und die bedenkliche Kassenlage hingewiesen. Die Belastungen durch die zur Verbesserung der Infrastruktur aufgenommenen Kredite und Anleihen  überstiegen den städtischen Haushalt. Daher sollte der Stadt ein    „Gnadengeschenk“ von 30.000 Mark in Aussicht gestellt werden, unter der Maßgabe, damit den  größten Teil der Verbindlichkeiten abzulösen.

 

  1. Mär. Kfm. Reeh verlegt sein Geschäft von der Lindenstr. 8 in die Lindenstr. 16 (NKB)

Bisher war hier der Sattlermeister G. A. Soff  eingemietet, der mit seinem Geschäft das eigene Haus bezog (Burgstr. 1). In dere Lindenstraße 8 eröffnete Max Ranke ein Wollwarengeschäft. 

Neben dem Oberbekleidungsgeschäft von Reeh gab es zwei weitere Bekleidungsgeschäfte,  J. G. Lehmann Nachf. und von Flemming im Struveschen Anwesen (Gerstenbergkprom. 3). Flemming, der in Naumburg eine florierendes Geschäft betrieb (Herrenstr. 13) kündigte den Räumungsverkauf seiner Filiale bis Ende April an. Weil sich dies aber hinzog, und die übrigen Geschäftsleute unlauteren Preiswettbewerb vermuteteten, sah er sich Ende Mai veranlasst zu erklären: „Eine Zuführung von neuen Waren, wie von mancher Seite angenommen wird, findet nicht statt, es wird nur das dortige Lager geräumt“. Das zog sich aber bis August hin. Im September eröffnete die Witwe Fischer ein Posamenten-, Weiß- und Tapisseriewaren-Geschäft, dass aber bereits im März 1893 wieder schloß.. 

 

  1. Mär. Meldung zum Bau der Brücke (NKB)

Für den Bau der vierbogigen steineren Brücke waren 3 Jahre Bauzeit veranschlagt. Die Bauleitung hatten der Kgl. Baurat Boè un der Kgl. Reg.-Baumeister Kniehahn. Die Bauausführung übernahm die Firma Reichenbach. Am 1. April erfolgte die erste Submission (Lieferung von 1500 m³ Lehm für die Fangdämme), am 25. Juni wurde die Lieferung von 430 m³ Verbundsandstein vergeben, am 10. Aug. von 1397 m³ Sandsteinquadern, am 8. Sep. von 500.000 Klinkersteinen, am 15. Sep. 1000 m³ Bruchsteine. Zur Vermeidungen von Unterspülungen wurden die 5 Pfeiler auf Felsen gegründet. Wegen  Schwierigkeiten wurden Taucher eingesetzt.  

 

  1. Apr. Baugenehmigung für die Fr.- Ebert Str. 23 -Weinbergbesitzer W. Heinze (St.-A.)

 

  1. Apr. Auftrag zur Pflasterung der Fußwege in der Lindenstraße (BLK-A. Nr. 792)

Der Unternehmer Arnold aus Naumburg hatte binnen 8 Tage anzufangen und sollte innerhalb 4 Wochen fertig sein. Die Vertragsstrafe betrug 10 Mark für jeden Tag darüber. Das Mosaikpflaster stellte die Stadt. Am 31. Mai erfolgte die Abnahme.  

 

  1. Apr. Gründung des „Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ (Archiv DHV).

Zu den 69 Balneologen, Badeärzten und Verwaltungsbeamten, die zur konstituierenden Sitzung in Leipzig zusammenkamen, gehörte auch der Besitzer des Borlachbades Dr. Karl Schütze. Neben  Kösen waren als die thüringischen Bäder Rudolstadt, Liebenstein, Ilmenau, Salzungen, Köstritz und Berka vertreten.

 

  1. Mai Offizielle Eröffnung der Badesaison (NKB)

Melzer veranstaltete zusammen mit Fischenbeck ein Konzert der „neu organisierten Badekapelle und der Wirt der „Loreley“ nahm die Fähre an der Johannesquelle in Betrieb und bot Gondelfahrten zur „Katze“ an und die übrigen Wirte erwarteten zahlreiche Gäste - Pagels (Wilhelmsburg), Buchholz (Lindenstr.7), Völkel (Post), Schumann (Saalhäuser), Schmidt (Rudelsburg), Naumann (Katze), Kleinschmidt (Bahnhof), Schleicher (Rektorberg), Bauer (Schöne Aussicht)

 

  1. Mai Beschluss des Kreisausschusses zum Ausbau der Chaussee nach Lengefeld (NKB)

Im März 1893 begannen die Arbeiten an der Kösen/Lengefelder Flurgrenze. Im Verlauf der Trasse nach Saaleck/Stendorf bzw. nach Großheringen wurden drei Saalebrücken und drei Bahntunnel gebaut.

 

  1. Juni Aufstellung von drei Briefkästen durch den Fleischfabrikanten Matthes (NKB)

Hier konnten Bestellungen eingeworfen werden, „um den hier weilenden hochgeehrten Badegästen alle möglichen Bequemlichkeiten im Verhältnis zur Großstadt zu bieten.“ 

 

  1. Juni Eröffnung des Sommertheaters im Theatersaal vom Kurgarten (NKB)

Diesmal war es eine Gießener Stadt- und Hoftheatergesellschaft die hier auftrat. Dazu kamen Weimarer und Darmstädter Künstler, wie der Hofschauspieler Hacker, der während seiner Kur  Gastvorstellungen gab. 

 

  1. Juli Generalversammlung des Vorschussvereins (NKB)

Es gab erhebliche Differenzen mit dem Vorsitzenden dem Kalkwerksdirektor P. Kersten. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder waren zurückgetreten und erklärten dem Verein nur noch zur Verfügung zu stehen, wenn die unbeschränkte Haftung in eine beschränkte Haftung umgewandelt wird. Auslöser war der Konkurs des Naumburger Bankvereins,

 

  1. Juli Mitteilung des Ministeriums für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten (St.-A.).

Nach Rücksprache mit dem Finanzministerium wurde das Gnadengeschenk bewilligt, mit der Auflage, dass dieses zur Ablösung von Anleihen zu verwenden ist. Danach wäre der städtische Haushalt sehr wohl in der Lage aus den Einnahmen den laufenden Betrieb, die Anlagen zu unterhalten und  eine Rücklage zu bilden. Durch die Besetzung der Badedirektion mit geeigneten Personen und die gegenseitige Kontrolle würde möglicher Missbrauch verhindern. Abschließend bemerkte der Verfasser, dass wenn die Stadt nicht auf die Vorschläge eingeht, des fiskalische Bad eingestellt werden sollte.

Der Reg.-Präsident wurde angewiesen, eine entsprechende Beschlussfassung der Gemeinde herbeizuführen und mit dem Kgl. Provinzial-Schulkollegium bezüglich der von dieser Seite erforderlichen Zustimmung zur Übertragung der Rechte und Pflichten aus dem Auseinandersetzungsvertrag von 1861 auszuhandeln. 

 

  1. Juli Verpachtung des Rittergutes Kreipitzsch (NKB)

Der Besitzer Hauptmann E. von Schönberg hatte einen Notar aus Halle mit der Verpachtung von Kreipitzsch samt Rudelsburg und den Allodialgütern in Crölpa, Löbschütz, Roda und Kaatschen  auf 18 Jahre beauftragt. Der erste Termin wurde aufgehoben, bei einem zweiten Termin, kam das Rittergut für 24.000 Mark Jahrespacht an den Saubacher Gutsbesitzer Körner .

 

  1. Juli Gastspiel von Thessa Klinkhammer mit „Cyprienne“ im Saal des Kurgartens (NKB)

Die Klinkhammer (1859-1934) war eine bekannte Schausspielerin u. a. Thalia Theater Hamburg und Stadttheater Frankfurt-Main.

 

  1. Juli Der Basar zum Besten der Kinderheilstätte brachte über 2000 Mark (NKB)

Im laufenden Jahr wurden 98 Kinder im Haupthaus kostenlos betreut. Dazu kamen 120 Kinder der Berliner Ferienkolonie, die im Seitenflügel untergebracht waren.

 

  1. Juli Anordnung zur Enteignung von Land für die Gleiserweiterung (NKB)

Für die Anlage eines weiteren Gleises am Bahnhof wurden Parzellen in der Flur Lengefeld benötigt. Davon betroffen waren der Fleischer Matthes, die Gebr. Kersten, Graf & Döhler sowie Fr. Hertel aus Lengefeld.

 

  1. Aug. Schützenfest des älteren Schützencorps (NKB)

Schützenkönig war der Bahnhofswirt Kleinschmidt, Prinz der Gastwirt der „Tanne“ Feller. Bei dem Schützenfest des uniformierten Bürger-Schützencorps wurde der Tischlermeister Naumann Schützenkönig, Prinz der Wirt der „Erholung“ A. Till.

 

  1. Aug. Einweihung der neuen Schule (Festschrift).

Die hatte nun sechs Klassen, allerdings standen nur vier für die 327 Schüler zur Verfügung, weshalb der Unterricht am Vormittag und am Nachmittag stattfand. Dafür gab es drei Lehrerdienstwohnungen (de Maizier, Mönnigheim, Knechtel). Im Dachgeschoß befanden sich die Stuben des Schuldieners und des Polizeisergeanten, im Erdgeschoss die Diensträume des Sparkassenrendanten, des Kämmerers und des Magistrats, im Untergeschoss das Wachlokal und eine Arrestzelle unter der Freitreppe zum EG.

Nach dem Einzugs des Magistrats in die neuen Räume, wurde aus der Völkel`schen „Post“ der  „Ratskeller“.

 

  1. Aug. Submission für den Abbruch der alten Schule (NKB)

Zum eigentlichen Schulgebäude gehörten die Räume des Magistrats, die Aborte und einige Verkaufsbuden. Außerdem wurden alte Schulbänke und Tafeln angeboten.

 

  1. Aug. Submission für den Neubau des Schafstalls in der Domäne Fränkenau (NKB)

 

  1. Aug. Schlachtenpotpourrie mit Schlachten-Feuerwerk im Kurgarten (NKB)

Zur Erinnerung an die Schlachten von Gravelotte und Mars la Tour 1870. Dazu spielte die Kapelle des Thür. Feld-Artillerie Reg. Nr. 19.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Eingemeindung der Saalstraße, ein Zuschuss von 500 Mark für die Erneuerung der oberen Wasserkunst und 200 Mark für den ersten allgemeinen Bädertag.

 

  1. Aug. Inbetriebnahme einer neuen Dampfsäge bei Graf & Döhler (NKB)

 

  1. Aug. Einsatz von Dampfflügen auf den Feldern des Schulgutes (NKB)

 

  1. Aug. Festsetzung der Sonntagsöffnungszeiten für Handel und Gewerbe (NKB)

Demnach durfte an den Sonntagen nur noch bis zu 5 Stunden geöffnet werden, während des Gottesdienstes blieben die Geschäfte geschlossen. Die vier Sonntage vor Weihnachten und der Brunnenfestsonntag blieben verkaufsoffen.

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung der Borlachstr. 59 (Nr. 33), Sophie Schröter, geb. Törpsch (NKB)

 

  1. Sep. Baubeginn für die Lutherkirche (Abriß der Geschichte der Kirchengemeinde).

Noch im Juni meinte ein besorgter Leser „Trotz aller Beschlüsse tauchen doch hier und da Gerüchte auf, darin gipfelnd, daß die neu zu erbauende Kirche nicht an dem ins Auge gefaßten Platz, wo jetzt Rathaus und Schule ist, sondern wieder außerhalb der Stadt errichtet werden soll. Das sollte man auf keinen Fall billigen. Schon lange Jahre  haben die Bewohner des linken Saaleufers das Opfer gebracht, eine halbe Stunde  weit zu laufen, um den Gottesdienst beiwohnen zu können. Eine Kirche muß das Zentrum einer Stadt bilden, wie es überall ist...“  

Die Leitung für den dreischiffigen Bau im neoklassizistischen Stil hatte der Architekt Fahro aus Halle, die Baukosten waren mit 100.000 Mark veranschlagt, rund die Hälfte brachte der seit 30 Jahren angesparte Kirchenbaufond.

 

  1. Sep. Todesanzeige von Lina Groddeck, geb. Koberstein (NKB)

Die Gattin des ehemaligen Badearztes und die Mutter von Dr. Georg Groddeck, z. Zt. Assistenzarzt im Feld-Artillerie Reg. General-Feldzeugmeister (1. Brandenburger) Nr. 3 stand im 67. Lebensjahr und wurde auf dem Charlottenburger Luisenkirchof beigesetzt. 

 

  1. Sep. Verkauf des Inventars der „Katze“ (NKB)

Die Wirtin veranstaltete einen Abschiedsball mit Feuerwerk. Neuer Pächter war die Firma der Gebr. Kersten, der es in erster Linie um die Fähre für die Arbeiter ging. Das „Vergnügungs-Etablissement zur Katze“ pachtete der Kösener Otto Schwarze.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Die Badelisten verzeichneten 2058 Badegäste, darunter Miß Monroe-Schottland, Mrs. Gerichten-San Diego, Gräfin Medam-Berlin, Generalmajor v. Seelhorst, Baron Gregory-Berlin, Fr. Exz. General v. Schmelzer, Frau Ullmann, Frau Grünig und Frau v. Heimann, alle Rußland, General v. Auer-Königsberg, Frau Schleicher und Frau Brand-Odessa, Fr. Exz. v. Minkwitz-Altenburg, Major Graf Bruges, Gräfin v. Tyszkiewicz-Posen, Gräfin Röcken-Naumburg, Mrs. Forster-New York, Hofschauspieler Hacker, Herr von Liebermann-Berlin, Hofprediger Dr. Rogge-Potsdam sowie der Kaufmann Constantin Carl Corpus mit Gattin und Sohn aus St. Petersburg.

Demnach hatte die im August ausgebrochene Choleraepedemie und die angeordneten Einschränkungen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Frequenz der Badegäste.

Besonders erwähnt wurde die Gräfin Romrod, 1854 in Warschau als Alexandrine Gräfin von Hutten-Czapka geboren, hatte sie sich von ihrem Mann Kolemin, kaiserl. russischer Attachèe scheiden lassen und war mit dem Großherzog von Hessen-Kassel eine morganantische Ehe eingegangen, die aber auf Drängen der Verwandschaft wieder aufgelöst wurde. Während ihres Kuraufenthaltes lernte sie den kaiserl. russ. Botschaftssekretär v. Bacharacht kennen, der sie 1893 heiratete.

 

  1. Okt. Auftrag an Fr. Toepfer für den Neubau der Lengefelder Schule (NKB)

Die alte Schule am Dorfeingang war dem Hochwasser von 1890 zum Opfer gefallen.

 

  1. Okt. Prof. Friedrich Hieronymus Müller verstirbt (NKB)

Der Sohn des Philologen Hieronymus Müller (1785-1861) war Professor am Stiftsgymnasium Zeitz und wohnte seit seiner Pensionierung in der Borlachstraße.

 

  1. Okt. Eröffnung einer Räucherei im alten Matthes`schen Schlachthaus (Grüne Gasse 4) (NKB)

 

  1. Okt. Durchfahrt des Sonderzuges mit dem Kaiserpaar (NKB)

Diese fuhren zur Feier der Goldenen Hochzeit des Großherzogs von Weimar. Für Besucher dieses Ereignisses setzte die Bahn 2 Sonderzüge ein.

 

  1. Okt. 1. Bädertag des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes“ (Archiv DHV).

Dr. Schütze hatte zur ersten öffentlichen Jahresversammlung nach Kösen eingeladen. Hier wurde die Satzung von den anwesenden 93 Balneologen, Badeärzten und Badedirektoren beschlossen, die die bis 1999 in kaum veränderter Form bestand. Der Verein legte dann allgemeingültige Rahmenbedingungen für die balneologischen und hygienischen Verhältnisse in den Bädern fest.

 

  1. Okt. Zwangsversteigerung des Therkornschen Nachlasses (NKB)

Dazu gehörten die ehemalige Bergschmiede (R.-Breitscheid Str. 10) und 14 Parzellen (Holzung, Acker, Garten) insgesamt 160 Ar an der Ilske dem sog. Eulengeschrei. Letztere wurden versteigert. Die Bergschmiede fand keinen Käufer, daher wurde ein neuer Termin im Jan. 93 anberaumt.

 

  1. Nov. Zwangsversteigerung der Borlachstr. 28 (Nr. 1a, 3) Emma Leschke (NKB)

 

  1. Nov. Grundsteinlegung für die Saalebrücke (NKB).

In der Einladung für die Stadtverordneten hieß es: „ Nach einer Mitteilung des Reg.-Baumeisters Kniehahn hat der Herr Reg.-Präsident angeordnet, daß die Teilnehmer zu der  (.) Grundstein-legung der neuen Saalebrücke im Frack zu erscheinen haben.“

Im Beisein der Ratsschöffen Krüger und Siebold sowie der Stadtverordneten (Arendt, Dittmann, Kersten, Lucas, Müller, Roßner, Sträuber, Weber jun. Wolf, Toepfer, Dr. Löffler, Dr. Rosenberger, Dr. Schütze, Dr. Wahn) legten Reg.-Präsident v. Diest und  Landrat Freiherr v. Feilitzsch eine Kassette mit Urkunden in das mittlere Pfeilerfundament.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Der Fahrweg von der Lindenstraße zur Schule erhielt den Namen Schulstraße, der Weg von der Eckartsbergaer Chaussee zur Unterführung Kirchstraße. Den Hausbesitzer der Lindenstraße 15-17 (F. A. Koch, C. A. Schmidt, J. Scheufler) die laut Grundbuch zur Unterhaltung der an die Schule angerenzenden Mauer verpflichtet waren, wurde die Löschung in Aussicht gestellt, wenn sie ihre dortigen Durchgänge zumauern würden.

 

  1. Dez. Wegen Niedrigwasser der Saale fällt die Stromversorgung aus (NKB)

 

  1. Dez. Oskar Barthel pachtet die Restauration der Kaiser Wilhelmsburg (NKB)

 

  1. Dez. Amtseinführung von Pastor Diederich (NKB, MER C 48 Iib 2028 I).

Sein Vorgänger Barthold hatte es auf 32 Dienstjahre gebracht. Wie er erhielt er die Berufungsurkunde als Ortsschulinspektor

 

  1. Dez. Generalversammlung des Konsum-Vereins (NKB)

Beschlossen wurde die Eintragung als Genossenschaft mit beschränkter Haftung.

 

  1. Dez. Submission für den Ausbau der Kreischaussee nach Lengefeld (NKB)

         

               Personenstandsmeldung 1892

Demnach gab es 3 Maurermeister, 4 Sandlieferanten, 9 Tischler, 3 Schneider, 13 Schuhmacher, 4 Sattler, 6 Fleischer, 7 Bäcker, 5 Ärzte, 8 Droschkenbesitzer und 3 Friseure.

2.461 Einwohner in 644 Hauhalten und 292 Schulkinder wurden im Nachweis der Steuer- und Nahrungsverhältnisse der Schulgemeinde erfasst (MER C48 IIb 2028 I)

 

1893

 

  1. Jan. Jahresbericht des Vorschußvereins (NKB)

Die Bilanz wies auf der Aktiva und Passivaseite 221.000 Mark aus. Der Verein hatte 199 Mitglieder, zum Vorstand gehörten Sträuber, Eckardt, Steinbeck und Milsch. Das Kontor war täglich von 9 bis 11 Uhr geöffnet. 

 

  1. Jan. Geschäftsanzeige des Architekturbüros G. Mahrenholz, Lindenstr. I-23 (Nr. 25) (NKB)

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Saalstr. II-46 (Nr. 8) Erb.-Gem. Vollmann (NKB)

 

  1. Jan. Antrag der Gemeinde Lengefeld (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Gemeinde (Ortsrichter Hesselbarth, die Schöppen Milsch und Hering sowie die Räte Milsch, Penndorf, Gräfe, Reichenbecher, Hertel und Sänger) hatten beim Landrat die Genehmigung bei der Sparkasse Kösen für ein Darlehen von 4000 Mark zu 4 % Zinsen für  den  Schulneubau und 2000 Mark für den Grundstückskauf für ein neues Armenhaus beantragt. Als Begründung für die Genehmigung erklärte der Kreisauschuß: die 346 Einwohner zählende Gemeinde zumeist kleine Landwirte oder bei der Eisenbahn, die bei der Flöße, in der Ziegelei oder im Steinbruch beschäftigt waren und durch das Hochwasser hart getroffen, könnten sich am Wiederaufbau der gemeindeeigenen Anwesen finanziell nicht beteiligen.

 

  1. Jan. Submission für den Bau der Lehrgerüste (NKB)

Das betraf 500 m³ Fichtenholz, 5.400 kg Schmiedeeisen 750 kg Bleiplatten. Am 01. Mai wurde die Lieferung von 400 m³ für die Brüstung und die Gesimse ausgeschrieben und am 25. Juli die Anfuhr von 378 m³ Pflasterkies und 150 m³ Plastersteinen vom Bahnhof. 

 

  1. Feb. Anfrage des Reg.-Baumeisters betreff des Stadtwappens (St.-A. Nr. 550)

Der bat die heraldisch richtige Darstellung des Stadtwappens, das an der Brüstung der neuen  Brücke angebracht werden sollte.

 

  1. Feb. Eröffnung der Hoeferschen „Adler Drogerie“ Uferstr. 5 (NKB)

Bisheriger Inhaber des Drogen-Farben- und Kolonialwarengeschäft war P. Richter. Hoefer, der eigentlich Apotheker war, aber keine Konzession hatte,  stellte „Kösener Brustkaramellen“ her, betätigte sich am Mineralwasservertrieb und war Agent der Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für die Häuser Friedrichstraße 62/63 (Krusestr. 10/11) (NKB)

Die gehörten einem Herrn aus Orbe in der französischen Schweiz wo es ein höheres Töchterpensionat gab, das hier für den Besuch warb. Allerdings fand sich zunächst kein Käufer.

 

  1. Feb. Oberstleutnant a. D. Helmuth Begas verstirbt. (Sterbereg. MZ 1993).

Begas, der 60 Jahre alt war, wohnte in der Fr. Ebert Str. 17. Sein Bruder, der Bildhauer Reinhold Begas (1831-1911, u.a. Berliner Neptunbrunnen) schuf das Relief für den Grabobelisken, der neben der Trauerhalle steht.

 

  1. Feb. Anzeige des Musikdirektors Fischenbeck (NKB)

„Ich habe die Kösener Badekapelle wieder übernommen und nehme Bestellungen in meiner Wohnung Burgstr. I-122 (Nr. 1) an.

 

  1. Feb. Sperrung des Fußweges über den Jackenberg nach Lengefeld wegen Erdrutsch (NKB)

 

  1. Feb. Starker Eisgang (NKB).

Von der Krümme bis zur Rudelsburg hatte sich das Eis angestaut und übereinander geschoben.  Um Schäden von den Brückenpfeilern abzuwenden, versuchten Pioniere die Eismassen zu sprengen. Beim Übergang über das Wehr brachen die Schollen. Die Brückenbaustelle und auch die Behelfsbrücke erlitten keine größeren Schäden.

 

  1. Feb. Verkaufsanzeige für die Villa Saalstr. II-42 (Nr. 3) (NKB)

Die bestand aus 25 Zimmern, aufgeteilt in 6 Logis sowie ein Gartengrundstück an der Saale mit einer Mineralwasser-Verkaufsbude.

 

  1. Feb. Bericht zur Arbeit der Diakonissin (NKB)

Im vergangenen Jahr leistete die Diakonissin 50 Tagespflegen (1891:14), 91 Nachtwachen (90), 1888 Besuche in der Gemeindepflege (1239) und 283 Besuche zur privaten Pflege (411). Dazu kamen die Hilfe bei Operationen sowie die Nachtwachen im städt. Siechenhaus. Die Mittel kamen aus  Sammlungen, Basaren, Benefizkonzerten und privaten Spenden. Die Wohnung samt Heizung stellte die Stadt kostenlos. Unterstützung erheilt die Diakonissin vom Vaterländischen Frauenverein Naumburg und dann vom Kösener Frauenverein, der im  Herbst gegrü+ndet wurde, 100 Mitglieder zählte ud sich der örtlichen Armenpflege widmete.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, NKB).

Für die Anlieger an der Lindenstraße wurden für das Mosaikpflaster des Gehweges eine finanzielle Beteiligung von 3 Mark pro Quadratmeter beschlossen. Außerdem sollten anstelle der Obstbäume Linden gepflanzt werden. Im Zuge der Pflasterarbeiten sollten die regelos angepflanzten Obstbäume in der Neuen- und Querstraße entfernt und dafür eine Alleebpflanzung erfolgen.

Der Antrag, ein Kirchenfenster mit den Wappen ortsansässiger Adelsfamilien, vorzusehen, wurde abgelehnt und dem Gemeindekircherat empfohlen: „die Schenkung dahingehend abzuändern, daß solche nur angenommen werden solle, falls die Fenster lediglich bildliche Darstellungen enthalten. Die Versammlung hält diese Forderung aus prinzipiellen Gründen für durchaus erforderlich, um Mißstimmungen in der Bevölkerung für Jetzt und Später sowie ähnlichen Anerbieten vorzubeugen.“ 

 

      Mär.  Emil Heerwagen läßt sich in der Borlachstraße nieder (NTB 1993).

Der Orgelbaumeister, am 5.12.1857 in Klosterhäseler als Sohn des Orgelbauers Wilhelm Heerwagen geboren, übernahm nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1875 als Achtzehnjähriger das Geschäft. Im Februar wurde das väterliche Anwesen in Klosterhäseler zwangsversteigert. Obwohl Heerwagen im Oktober 1892 öffentlich erklärt hatte: „mein Wohnsitz ist und bleibt Klosterhäseler“  verlegte er ihn auch wegen der besseren Bahnverbindung hierher. 1896 ging er nach Weimar, wo er am 28 Januar 1935 verstarb.   

 

  1. Mär. Die Kgl. Badedirektion beteiligt sich an einer überregionalen Petition (NZ).

Der Reichstag wurde ersucht, in den Kurorten und Bädern den Handel mit Andenken auch an Sonntagen zu gestatten.

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige des Kaufmanns Karl Müller (NKB)

Der Inhaber des Garderoben und Hutgeschäftes in der Lindenstr. I-10 (nr. 12)  eröffnete in der Lindenstraße 7 neben dem Buchholzschen „Adler“ eine Filiale.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Posthilfs- und Telegrafenhilfsstelle auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Apr. Eröffnung des „neu dekorierten Ratskellersaals“ von Völkel (NKB).

Vom Malermeister Leschke stammte ein umlaufender Fries mit Bildern aus dem alltäglichen Leben, allerdings waren es Figuren des Pharaonenreich, eine kunstsinnige und farbenfrohe Dekoration.

 

  1. Apr. Frl. Rennecke zeigt die Wiedereröffnung ihres Kindergartens an (NKB)

Nebenher betätigte sie sich in ihrer Wohnung im Möllerschen Anwesen Neue Str. II-9 (Fr. Ebertstr. 2) als Hauswirtschaftslehrerin und Purtzmacherin

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 669).

Dem Gastwirt der „Tanne“ Feller wurde die Benutzung der kleinen Promenade zur Materiallagerung beim Bau eines „Tanzsaales“ gestattet, wenn er 200 Mark Kaution hinterlegt.

 

  1. Apr. Ernennung eines Lokalbeobachters für den Weinanbau (NKB)

Zuständig für den Bereich Stendorf-Kösen-Saalberge war der Weinbergsbesitzer W. Schleicher.

 

  1. Apr. Erstes Konzert des Frauen-Gesang-Vereins (NKB)

 

  1. Mai Saisoneröffnung vom Ritterbad und der Badeanstalt am Gradierwerk (NKB)

Im Kurgarten spielte die Wiener Damenkaplle „Die Schwalben“.

 

     Mai   Reliefs von Franz Kugler auf der Rudelsburg, Bildhauer Ernst Paul.

 

  1. Mai 25-jähriges Meisterjubiläum von Friedrich Toepfer (NKB)

Der umtriebige Unternehmer (Innungs-Obermeister, Feuerwehrkomandant, Stadtverordneter, Synodalrendant u.a.m.), schenkte seinen Arbeitern ein Sparbuch mit einer nennenswerten Summe, jeweils der bisherigen Dienstzeit angepasst. 

 

      Juni  350-Jahr Feier der Landesschule Pforte (NKB).

Für die 1.000 Gäste hatte Zimmermeister Toepfer ein Festzelt mit Bühne und Orchesterbalkon errichtet. Die Bewirtung übernahmen der Gasthofbesitzer Weber und der Konditor Furcht.

 

  1. Juni Verkaufsanzeige des Polizei-Sergeanten Amelang (NKB)

Nachdem er eine kostenlose Dienstwohnung im Schulhaus hatte, versuchte er sein zweistöckiges Haus mit großen Felsenkeller in der Saalstraße zu verkaufen. Allerdings fand sich kein Interessent, denn 1894 stand das Anwesen immer noch zum Verkauf.

 

  1. Juni Eröffnung einer Massagepraxis im Möllerschen Anwesen (Fr. Ebert.Str. 2) (NKB)

Der ehemalige Oberwärter und „alleinige Masseur“ der Kgl. Medizinischen Uniklinik zu Halle und seine Frau boten Massagen und schwedische Heilgymnastik an, auch Hausbesuche.

 

  1. Juni Beschluss des Bezirksausschsses zum Gemeindebezirk (NKB)

Sämtliche bislang zum Gutsbezirk gehörenden Parzellen innerhalb des Stadtbezirks, die zum Betriebsgelände der Kgl. Eisenbahn gehörten, kamen zum Stadtbezirk.

 

  1. Juni Erste Vorstellung des Sommertheaters im Melzerschen Kurgarten (NKB)

 

  1. Juni Wiederverpachtung der 12 Gartenparzellen auf dem Aschendamm (NKB)

 

  1. Juni Reichtstagswahlen (NKB)

Im Vorfeld fanden Wählerversammlungen der konservativ-nationalen, der freisinnigen und der deutsch-sozialen Vereine statt. Bei der Wahl erhielten die konservativ-nationalen Kandidaten 284 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen 47 und der Sozialdemokrat 72. Dier nachfolgende Stichwahl gewann der konservative Kandidat mit 333 Stimmen. 

 

  1. Juli Konkurs des Restaurateurs Otto Buchholz (NKB)

Am 21. November kamen die beiden Grundstücke Lindenstraße 7 und Neue Straße II-20 (Nr. 11) unter den Hammer, wenig später auch sein Haus in der Naumburger Blumenstraße.

Die Restauration in der Lindenstr. 7, den „Adler“ übernahm der Flaschenbierhändler G. Matthees.

 

  1. Aug. Geh. Sanitätsrat Dr. Otto Th. Rosenberger verstirbt im Alter von 86 Jahren (NKB).

Neben seiner Witwe hinterließ er drei Töchter, Eugenie (1838-1931 Kösen), Magdalena (1848-1939 Kösen) und Elisabeth (1844-1911 Hamburg). Eugenie, mit ihrem Cousin dem Kapitän Georg Rosenberger verheiratet und inzwischen verwitwet, und Magdalena blieben im elterlichen Haus. In den Thüringer Saisonnachrichten erschien im September ein Nachruf und später wurde an der Rosenbergerschen Badeanstalt (Lindenstraße 9) eine Erinnerungstafel angebracht.

Nur ein Jahr später (am 16. August 1894) folgte ihm seine Ehefrau Julie, geb. du Bois Reymond.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Zum Anschluss des linken Ufers sollte ein Elektrokabel in der Brücke verlegt werden, wofür bei der Stadtsparkasse ein Kredit in Höhe von 7.000 Mark aufgenommen wurde. Bezüglich des Kirchenfensters wurde nach Intervention des Landrates und des Pfarrers das  Gerstenbergk`sche Wappen genehmigt. 

 

  1. Aug. Submission der Tischlerarbeiten und des Kirchengestühls (NKB)

 

  1. Sep. Ed. Kayser übernimmt die Apotheke von C. Chop (NKB)

 

  1. Sep. Todestag von Mühlenbesitzer E. Roßner (Jg. 1819) (Sterbereg.).

Roßner, seit 1891 Ehrenbürger war von 1871 bis 1876 Stadtverordneter. Die Mühle übernahm  sein gleichnamiger Sohn in alleinigen Besitz, nachdem noch im gleichen Jahr auch sein Bruder im 38. Lebensjahr verstarb.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

In den Badelisten waren 2127 Gäste verzeichnet (davon 37 Ausländer), darunter die Freifrau v. Wirsing, Familie Corpus-St. Petersburg, Wirkl. u. Geh. Ob.-Reg.-Rat Cornelius-Berlin, Hofrat Prof. Dr. Richter-Jena, Geh.-Ob.-Reg.-Rat Boxius-Berlin, Frl. Schroeder-Buenos Aires, Fr. Sparrow-St. Petersburg, Gräfin v. Houwald-Staupnitz, Fr. Exz. Mathilde v. Wedell-Berlin, Freifrau Leukart-Berlin, Konteradmiral Aschmann, Fr. Exz. Gen.-Ltn. v. Dittmann-Erfurt, Mad. Drory-Marseille, Fr. Exz. v. Hollmann, Journalist W. Schweitzer-Poro Alegre, C. M. A. Byleveld-Haad, Prof. Dr. Kamerlingh-Ames-Leiden,  Fr. Exz. Gen. v. Schmeltzer, Fr. v. Wolffersdorf-Dresden, Mr. Loy-Lissabon, Mad. Humbert-Paris, Frl. v. Schorlemmer-Charlottenburg, Dr. Th. Will-St. Petersburg. Zu den Badegästen gehörten auch 252 Kinder der Kinderheilstätte und der Ferienkolonie.  

 

  1. Sep. Inbetriebnahme einer Dampfschrotmühle im Kersten`schen Werk (NKB)

Die Anlage wurde auf dem Platz zwischen der „Katze“ und der Bahn errichtet. Die Bauern auf der Freirodaer Höhe konnten das Getreide im dortigen Steinbruch abgeben, von wo es per Drahtseilbahn zur Mühle kam und wieder auf die Höhe transportiert wurde.

 

  1. Sep. Antrag des Kreisausschusses (St.-A. Nr. 550)

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Straße nach Lengefeld hatte sich der Landkreis mit der Eisenbahnverwaltung über die Übernahme der Ladestraße verständigt. Nun wurde beim Magistrat angefragt, ob man das Stück Gemeindestraße von der Mühle zur Brücke dem Kreis kostenlos überlassen würde.

 

  1. Okt. Einführung einer „Lustbarkeitssteuer“ (NKB)

Je nach Art der Veranstaltungen betrug die Gebühr 1 bis 15 Mark, letztere bei Maskenball länger als Mitternacht. Befreit waren die von der Badedirektion veranstalteten Rèunions, Tanzveranstaltungen auswärtiger geschlossener Gesellschaften und Veranstaltungen, bei denen hohese wissenschaftliches oder Kunstinteresse bestehen.

 

  1. Okt. Bekanntmachung des Kgl. Amtsregisters (NKB)

Die Gesellschaft Graf & Döhler wurde mit der Fa. Hermann Graf in Kösen zusammengelegt, der Firmenname Graf & Döhler beibehalten.

 

  1. Okt. Einweihung des Schießstandes des Bürgerschützenkorps (NKB).

Der befand sich in der Ilske im Weinberg vom Kaufmann Hädicke. Die  Schützenfeste fanden im „Kurgarten“ statt. 

 

  1. Okt. Wahlen zum preuß. Landtag (NKB)

Als Wahlmänner fungierten der Stadtrat a.D. Fischer, P. Kersten, F. A. Koch, Holzhändler A. Krüger, A. Matthes, Bürgermeister Rudolph und Fr. Toepfer.

 

  1. Nov. Geschäftseröffnung einer Friseuse (NKB)

Der Laden befand sich im Erdgeschoss der Lindenstr.8. Außerdem betrieb hier der Zahnarzt Haake  ein „Atelier für künstliche Gebisse“.

 

  1. Nov. Versteigerung des Lehrgerüsts vom Brückenbau (NKB)

 

  1. Nov. Richtfest des Kirchturms (100 Jahre Lutherkirche, NKB)

Dabei wurde der Wetterhahn aufgesetzt und im Turmknopf neben der Gründungsurkunde verschiedene Dokumente und Münzen hinterlegt.

 

  1. Nov. Einweihung der Saalebrücke (St.-A. 550, Heimatbuch 1930, NKB).

Unter den Ehrengästen waren der Minister für öffentliche Arbeiten Exz. Thielen, der Landrat Freiherr v. Feilitzsch, der Naumburger OB Kraatz, Justizrat Zimmermann (Schulpforte), Postdirektor Dresemann und Gymnasialdirektor Prof. Dr. Albrecht.  Der Programmablauf 1.) 12.47 Uhr Ankunft des Ministers, 2.) Zug vom Bahnhof zur Brücke (Anzug, Überrock), 3.) Übergabe seitens der Spezial-Bauverwaltung an den Minister 4.) Übergabe der Fahrbahn vom Minister an den Landeshauptmann 5.) Eröffnung und Besichtigung 6.) 14.30 Uhr Mittagessen im „Mutigen Ritter“, 7.) 18.00 Uhr Besuch des Festes der Arbeiter.  

Für die Benutzung der Staatsbrücke wurde eine Brückengeldeinnahme mit Schranke und Einnehmerbude eingerichtet und   verpachtet. Auf einer 1973 gefundenen Brückengeldtafel (s. LDZ) wurden folgende Gebühren erhoben: für Großvieh 10 Pfg./St., Jungtiere, Schafe Ziegen Schweine und Hunde 3 Pfg., ein Fuhrwerk oder eine Kutsche 10 Pfg. , Radfahrer 2 Pfg.  und Handkarren, Handschlitten u. dgl. 2 Pfg. Fußgänger brauchten nichts zu bezahlen. 

 

  1. Nov. Schreiben des Ministeriums für Unterricht- u. Medicinal-Angelegenheiten (St.-A. 275).

Der Magistrat hatte für die Übernahme des Bades in die städtische Verwaltung um Aufstockung des Gnadengeschenks auf 40.000 Mark gebeten, was nach Rücksprache mit dem Finanzminister auch bewilligt wurde. Abgelehnt wurde die Bitte der Stadt, sich weiterhin „Königliches Soolbad“ zu nennen, sowie die Bitte, die Mitglieder der Badedirektion durch die Regierung zu ernennen. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der Staat vom Zeitpunkt der Übertragung von jeglicher Haftung  freigestellt und nur noch als Aufsichtsbehörde tätig ist.

 

       Dez.  Personenstandaufnahme (NKB).

Erfasst wurden 2.666 Einwohner in 763 Haushalten und 343 Schüler die von 4 Lehreren unterrichtet wurden. 41 Knaben besuchten das Pädagogium, 34 Mädchen die höhere Töchterschule.  75 Geburten, davon 5 uneheliche, standen 51 Sterbefälle gegenüber, darunter aber auch 20 Kinder.

 

1894

  1. Jan. Die Mälzerei (Loreleypromenade 3a) übernimmt G. Steger (NKB)

Die bisherige Besitzerin die Witwe Becker zieht mit ihrem kleinen Flaschenhandel in das Therkornsche Haus (R.-Breitscheid Str. 10).Steger selbst handelteebenfalls mit Flaschenbier (u. a. Kösener-Lager-Champagner-Weißbier) und übernahm  im Herbst die „Schöne Aussicht“ nachdem  der bisherige Wirt W. Bauer auf „unnatürlichen Weg“ aus dem Leben geschieden war.

 

            Neuauflage der „Kösener Zeitung“ Verlag C. A. E. Heyner (NKB).

Noch  1892 beklagte sich ein Leser im NKB, „daß es Kösen noch nicht zu einem öffentlichen Blatt gebracht habe“. Nun erschien nach mehrjähriger Unterbrechung wieder eine städtisches Amtsblatt, daher auch vom Magistrat bezuschußt. Es erschien dreimal wöchentlich und kostete bei vierteljährlichen Bezug 1.30 Mark, bei Postzustellung 1,50 Mark. Wegen dem Zuschuß und der Überheblichkeit des Herausgebers folgten hitzige Kontroversen zwischen Heyner und verschiedenen Stadtverordneten, insbesondere Paul Kersten und dessen Parteigängern.

 

  1. Jan. Jahresbericht der Badedirektion (MER C48Ii Nr. 776 VIII).

Unter den im abgelaufenen Jahr registrierten Badegästen waren  37 Ausländer. 14.091 Bäder aller Art wurden verabreicht und 1125 Inhalationskarten verkauft. Dazu 22.000 Flaschen der Johannisquelle, 4000 mehr als im Vorjahr. Die Kinderheilstätte meldete 225 Kinder, allein 120  der  „Ferienkolonie“ Berlin.

Erwähnt wurde außerdem, dass der Hotelier Weber jun. das Germania-Bad (Ritterbad) vollständig neu eingerichtet habe und Dr. Löffler zwei Häuser erworben  (Fr. Ebert Str. 1 u. Eckartsbergaer Str. 1) und zu Sanatorien für Nerven- und Frauenleiden eingerichtet hatte. Auch kleinere Operationen konnten durchgeführt werden. Das Borlachbad von Dr. Schütze  erfreute sich ebenfalls einer guten Frequenz. Der Verschönerungsverein hatte an der Johannesquelle eine kleine Trinkhalle errichtet.

Als während der Saison der Wasserstand der Saale einen Tiefpunkt erreichte, fiel das  Wasserrad und damit die Stromversorgung aus. Als Notlösung wurde eine Lokomobile eingesetzt.

 

  1. Jan. Bürgerversammlung zum Erhalt des Gradierwerkes (NKB).

Wegen des maroden Zustandes und fehlender Mittel erwog die Badedirektion den Teilabbruch des Gradierwerkes. Daraufhin kam es zu einer Bürgerversammlung im „Kurgarten“, wo die Kgl. Regierung mittels Petition aufgefordert wurde, in Anbetracht der möglichen Übertragung des Bades an die Gemeinde, die Angelegenheit zurückzustellen. In diesem Zusammenhang schlug Kersten erneut die beantragung der Siedesalzherstellung vor, um aus dem Verkauf die Unterhaltung zu finanzieren.

 

  1. Jan. Ernennung von Dr. Risse zum Kassenarzt der umliegenden Landgemeinden (NKB)

 

  1. Feb. „Narrenabend“ im Saal von Fellers „Tanne“ (NKB)

 

  1. Feb. Eintragung des Konsumvereins zur Erholung im Genossenschaftsregister (NKB)

Der Verein hatte 80 Mitglieder, Vorstandsvorsitzender war der Revisor A. Salzmann. Im März folgte der Konsumverein von Lengefeld.

3 Monate später erklärte A. Salzmann öffentlich: „Die Bekanntmachung des Kgl. Amtsgerichts bezügl. des Konsum-Vereins in Bad Kösen berichtige ich dahin, daß ich meines Amtes als Vorsitzender nicht enthoben worden bin, sondern dieses Amt (.) freiwillig aus besonderen Gründen niedergelegt habe...“  Allerdings waren die Differenzen zwischen Salzmann und dem Verein schwerwiegender, denn am 23. Juli folgte  eine weitere öffentliche Erklärung: „Infolge meines Vorgehens gegen den Kösener Konsum Verein ist es soweit gekommen, daß von einer vermutlich bestochenen Person fortgesetzt die gröbsten Beleidigungen und Verleumdungen gegen mich und meine Familie  öffentlich ausgestoßen werden und daß mich dieser Mensch heute, als ich im Begriff war, mit meiner Frau das Wellenbad  zu besuchen, zum zweiten Mal gedroht hat, mich niederzuschlagen (.) Mit wurde infolgedessen (.) der Rückweg zu unserer Wohnung abgeschnitten (Am Wehrdamm) und ich bin genötigt, Maßregeln zu meiner Sicherheit zu treffen  (.) Die Zustände in meiner Untersuchungssache sind in Kösen unhaltbar...“   

 

  1. Mär. Gutachten zum Zustand des Wehrdammes (St.-A. Nr. 550)

Zwar hatte das Hochwasser von 1890 keine nenneswerten Schäden verursacht, doch die letzte Generalsanierung lag nun auch schon 50 Jahre zurück.

 

  1. Mär. Erklärung des Aufsichtsrates des Vorschußvereins (NKB)

„Der Agent O. B. (gemeint ist der Restaurateur Otto Buchholz) in Kösen hat in einer Broschüre gegen die Beamten unseres Vereins die schwersten Anschuldigungen erhoben, die zugleich geeignet sind, den Kredit unseres Vereins zu schädigen. Wir sehen uns daher zu der Erklärung veranlaßt, daß bereits geeignete Schritte getan sind, um den Verbreiter dieser vollständig entstellten Tatsachen  zur Rechenschaft zu ziehen...“ Zwei Tage später erklärte Buchholz: „Der Agent O. B. wird die gegen die Beamten des Vorschuß-Vereins erhobenen, allerdings schweren Anschuldigungen zu vertreten wissen und nachweisen, daß er sich keineswegs um entstellte Tatsachen handelt. Er betrachtet das Verstecken hinter dem Aufsichtsrat bereits als ein  Sieg der gerechten Sache...“.  Hintergrund war wohl der Konkurs für den Buchholz die Bediensteten des Vorschuß-Vereins verantwortlich machte.

 

  1. Mär. Max Quilitzsch übernimmt das Materialwarengeschäft in der Querstr. II-38 (NKB)

Das Geschäft in der Schmettaustr. 3 bestand bis in die 1940er Jahre, das Haus wurde in den 1980er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

  1. Apr. Erneute Versteigerung der Friedrichstr. 62/63 (K- Kruse Str. 10/11) (NKB)

Jede Haushälfte hatte 2 Wohnungen mit drei Zimmern, Küche, Keller, Boden und Garten. Erwerber war ein emerit. Pfarrer, der eine Wohnung bezog undd die übrigen zur Vermietung anbot.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Die Straßenordnung v. 05. Jan. 1855 wurde dahingehend geändert, dass Hauswirte nur noch den Gehsteig und den Rinnstein reinigen mussten, die Straßenreinigung von der Stadt. Dem Kämmerer und Sparkassenrendanten Röblitz wurde die Anrechnung seiner Dienstzeit ab dem 01. April als „pensionsfähig“ bewilligt.

 

  1. Mai Anzeige des Kaufmanns C. Müller (NKB)

„Einem geehrten Publikum die Nachricht, daß ich meine beiden Geschäfte nunmehr im Haus Lindenstraße 7 unter dem Namen „Carl Müllers Adler Bazar“ in dem großen 120 qm Bodenfläche haltenden Laden verlegt habe...“

Müllers „Adler Bazar“, in der bisherigen Restauratiuon „Zum Adler“ bestand bis in die 1920er Jahre, ist aber nicht zu verwechseln mit der Hoeferschen Adler-Drogerie, Uferstr. 5.  

 

  1. Mai Gemeinsamer Kongress von VAC und KSCV im „Mutigen Ritter“ (Handbuch KSCV).

Der KSCV führte seinen Delegiertentag durch und der VAC beschloss die Bildung eines „Gesamtausschusses“, dessen Vorsitz alle fünf Jahre zwischen den Bezirksverbänden wechselte. Den ersten Vorsitz übernahm Berlin, dessen AH vorschlugen, dem Reichskanzler von Bismarck (Hannoverae) anläßlich seines 80. Geburtstags ein Denkmal an der Rudelsburg zu setzen.  Ersmals gab es einen gemeinsamen Festkommers.

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des Leipziger Kaufmanns Geidner (NKB)

„Hierdurch beehre ich mich, einem hochgeehrten Publikum (.) die ergebene Mitteilung zu machen, daß ich in Bad Kösen am Eingang zur Großen Kurpromenade eine Filiale meines seit 20 Jahren in Leipzig bestehenden Geschäfts für Bijouteriewaren und Fächer in eleganten und originell ausgestatteter Verkaufsstelle eröffnen werde“. Allerdings war dies ein Saisongeschäft.

 

  1. Mai Bericht des Regierungspräsidiums an den Minister (St.-A. Nr. 275, 298).

Präsident v. Diest teilte mit, dass der Magistrat in Anbetracht des auf 40.000 Mark erhöhten „Gnadengeschenks“, die entsprechenden Beschlüsse zur Übernahme des Badebetriebes treffen werde. Dann bat er auch im Namen des Landrates v. Feilitzsch um die Beibehaltung der Bezeichnung „Königliches Bad“  um der Konkurrenz keine Argumente, die den Ruf des Bades schädigen in die Hand zu geben.  Die städtische Badedirektion sollte aus dem Bürgermeister als Vorsitzender, den beiden Ratsschöffen, zwei Stadtverordnete und vier Bürger, darunter zwei Ärzten bestehen. Wegen des herrschenden „kleinlichen Parteigetriebes“ und der Überwachung der sachgerechten Verwendung der Sole schlug der Landrat vor,  ihm  die Aufsicht zu übertragen.

Außerdem sollte die Kinderheilanstalt weiterbestehen und die Stadt  auch zukünftig die Badesole kostenlos liefern. Im Antwortschreiben des Ministeriums wurde beides abgelehnt und unmißverständlich erklärt, dass die Bezeichnung „Königliches Solbad“ nicht mehr erlaubt sei.

 

  1. Juni Anzeige des Fleischfabrikanten Matthes (NKB)

„Ich suche für den Herbst ein ordentliches Ehepaar zur Übernahme meines Gesellenhaushaltes für eigene Rechnung. Im Winter sind ca. 25-30, im Sommer 6-7 Leute zu versorgen und deren Wohnung in Ordnung zu halten. Für Betten etc. beanspruche ich die Hinterlegung von bis zu 1500 Mark..“

 

  1. Juli Eröffnung des Dennhardt`schen Kolonialwarengeschäfts (Schmettaustr. 2) (NKB)

 

  1. Juli Eigentümerwechsel beim Hotel Kurzhals (NKB)

„Einem hochverehrten Publikum die ergebene Mitteilung, daß ich nach 48-jähriger Tätigkeit mein Geschäft an Herrn G. v. Einem abgegeben habe..“ Der Käufer, bisher Sekretär im Hospiz der Berliner Stadtmission, hatte 10.000 Mark bezahlt.

 

  1. Juli Aufruf des Frauenvereins zur inneren Ausschmückung der Kirche (NKB)

 

  1. Juli Der Wohltätigkeitsbasar für die Diakonissenstation brachte über 2000 Mark (NKB)

 

  1. Juli Auflösung des Vertrages mit Musikdirektor Fischenbeck (St.-A. Nr. 348)

Als der sich weigerte, ein Konzert im „Mutigen Ritter“ zu geben, wurde er entlassen. Bis zum Ende der Saison leitete Konzertmeister Förster die Kurkapelle.

 

  1. Juli Veröffentlichung der Kirchensteuersätze (NKB)

Die Kreissynode hatte auf Vorschlag des Synodalrendanten (Zimmermeister Fr. Toepfer) die Steuer von bislang 2,5% auf 3,5% der Staatseinkommensteuer beschlossen. Das Steueraufkommen von Kösen betrug 16.962 Mark, die Kirchensteuer demzufolge 592 Mark.

 

  1. Aug. Kirchliche Nachrichten (NKB)

Das betraf Zeiten für Beichte und Abendmahl, daher bestand hier eine kleine katholische Gemeinde.

 

  1. Aug. Tagung des Thüringer Ärztevereins (BLK-A. Nr. 324)

Initiator war Dr. C. Schütze, inzwischen Redakteur der Monatszeitschrift für Balneologie des ADBV.

 

  1. Sep. Einweihung der Lengefeld-Saalecker Brücke (NTB)

Damit war der Ausbau der Kreisstraße beendet und der Kommunikationsweg von Kösen nach Lengefeld über den Jochenberg und das Äbtische Holz wurde als öffentlicher Weg eingezogen.

 

  1. Sep. Bekanntgabe der Einquartierungen zum Herbstmanöver (NKB)

Unterzubringen und zu beköstigen waren für jeweils für 2 bis 3 Tage bis 220 Offiziere, 594 mannschaften und 20 Pferde des 1. Bataillons des 96er Infanterieregiments samt Reg.-Stab.  

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die Polizeiverordnung zur Herstellung von Straßen, Straßenkanälen und Rinnsteinanlagen, außerdem die Übernahme des fiskalischen Bades auf eigene Rechnung bei Gewährung eines Geschenks von 40.000 Mark ab dem kommenden Jahr.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige der Kirchengemeinde (NKB)

Die suchte einen Käufer für das alte Gotteshaus auf dem 3150 m² großen Grundstück.

 

  1. Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB)

Unter den 2264 gemeldeten Badegästen waren Kaufmann Zietemann-Ehrenbürger v. Riga, Prof. Dr. Althaus-Berlin-Zehlendorf, Gräfin Leublfing-Zoschen sowie der Staatsanwalt Graf Leublfing-Saargemünd, Vizeadmiral Exz. v. Hollen-Berlin, Fr. Exz. v. Puttkammer-Berlin, Univ.-Prof. Gregory-Leipzig, Graf Henckel von Donnermarck, Oberstltn. v. Graetz-Breslau, Oberstltn. v. Vogel-Berlin, Prof. theol. Thayer-Cambridge, Miss Kee-Philadelphia, Kunstmaler A. Freystadt-Hannover, Hr. Schneider und Frl. Haak-Baku, Kgl.Tanzmeister Schachwitz-Babelsberg, Kgl. Baurat v. Stuckrad-Charlottenburg, Gräfin Houwald, Oberstltn. Graf v. Reichenbach- Kassel, Frl. Winkelmann-St. Petersburg  

 

  1. Sep. Versteigerung des Mühlenfeldschen Mobiliars in dessen Haus Loreleyprom. 5 (NKB)

 

  1. Sep. Einweihung der Lutherkirche (Röblitz Heimatbuch, NTB 1994, 100 Jahre Lutherkirche).

Nach der Fest-Ordnung (St.-A.) traf man sich am alten Gotteshaus, wo die Gäste vom Superintendenten Professor Witte – Pforta begrüßt wurden. Dann zog man unter Glockengeläut über die Brücke. Hier erfolgte die  Schlüsselübergabe, daran anschließend ein Festgottesdienst . Für das sich anschließende Festessen im „Mutigen Ritter“ wurde  ein Unkostenbeitrag von 2,50 Mark erhoben.

Die Orgel hatte der Zörbiger Orgelbaumeister W. Rühlmann gebaut, die Glasmalerei der Chorfenster  kamen vom Institut für Glasmalerei Franke & Dusberger, Naumburg, die drei Bronzeglocken waren der Gemeinde bereits 1873 von Kaiser Wilhelm geschenkt worden und stammten von  französischer Beutegeschützen. Die kleine Orgel der alten Kirche kam dann in die Trauerhalle.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde über den Stand der Verhandlungen mit der Landesschule über den Ausbau des Weges vom Pfarrhaus bis zum Pädagogium. Dem Bürgermeister wurde die Teilnahme an einem 14tägigen Kursus des Hygiene Institut in Berlin bewilligt 

 

  1. Okt. Einkommensverhältnisse der Volksschullehrer (MER C 48 Iib 2028I)

Der 1. Lehrer Mönnigheim bekam 1.425 Mark ohne kirchliche Appidenzien, der 2. Lehrer Dietzsch, gleichzeitig Kantor und Küster  erhielt 1.360 Mark, der 3. Lehrer Knechtel 1.220 und der 4. Lehrer Braune 1.170 Mark. Alle hatten Anspruch auf kostenfreie Wohnung und Heizmaterial bzw. erhielten einen Zuschuss.

 

  1. Okt. Geschäftsanzeige der Witwe des Bäckermeisters Baer (NKB)

Sie wollte das Geschäft in der „bisher gewohnten Weise“ weiterführen. Die Baer`sche Bäckerei und die von Lützkendorf lagen sich in der Borlachstraße gegenüber (Nr. 12, Nr. 17) Außerdem gab es die Bäckerei von Förster in der Grünen Gasse sowie die von Häun, Hämmerling, Großmann und Seiffert.

 

  1. Nov. Konkurs des Seilermeisters List-Saaleck (NKB)

Der hatte die Restauration im Lengefelder Fährhaus nach Graf übernommen, scheiterte aber infolge der Nachfolgekosten durch das Hochwasser. Außerdem war die Konkurrenz hier groß ( Kuntze`schen Gasthof  in Saaleck und Werthers Gasthofs in Lengefeld).

 

  1. Nov. Gutachten zur Wertminderung des Wohnhauses an der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Durch den Neubau der Brücke war auch am rechten Ufer die Auffahrt und die Einmündung der Uferstraße erhöht worden. Das Erdgeschoß der Häuser lag nun unter dem Straßenniveau, weshalb Hauwirt Albert Beyer (Uferstr. 5) eine Entschädigung für Mietminderung der Parterrewohnung verlangte.

 

  1. Dez. Wohltätigkeitskonzert für die Diakonissenstation in der Lutzerkirche (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Von der Oberpostdirektion wurde der Antrag des Postamtes abgelehnt, Briefträgern in deren Familien Infektionskrankheiten herrschten, vom Dienst frei zustellen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

 

1895

 

  1. Jan. Statistische Meldung (NKB).

Es gab 2.745 Einwohner, 78 Geburten, 73 Todesfälle davon 4 unnatürliche, 10 Eheschließungen  wurden registriert. Die städtische Schule besuchten 343 Kinder, unterrichtet von 4 Lehrern, das Pädagogium von Dr. Gehrte 42 Knaben (4 Lehrer) und die höhere Töchterschule von Frau Vorwerck 34 Mädchen (3 Lehrer).

Die Diakonissenstation meldete 55 Tagespflegen, 88 Nachtwachen, 2822 Pflegebesuche, wobei die Diakonissin von 2 Johanniterschwestern inzwischen unterstützt wurde.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Informiert wurde darüber, dass die Kirchengemeinde den Gebetsschuppen dem Zimmerermeister Töpfer verkauft habe. Nach Änderung der Grundstücksgrenzen entlang des Fahrweges  verkaufte Toepfer das Anwesen dem Pelzhändler Carl Corpus aus Sankt Petersburg, der  mehrmals mit seiner Familie hier zur Kur weilte. Nach Abbruch des Gebetsaales, dem ehe,maligen Zimmereischuppen der Saline errichtete Corpus eine Villa im Jugendstil, mit aufwändig gestalteten Gesellschaftsräumen, die schon bald als „Russenvilla“ bezeichnet wurde.

Außerdem bestätigte die Versammlung die unveränderte Erhebung der 1888 eingeführten Biersteuer.

 

  1. Jan. Anzeige des Restaurateurs Otto Buchholz (NKB)

Die Differenzen mit dem Vorschuss-Verein waren wohl von ernster Natur, denn Buchholz erklärte öffentlich „Den Interessenten meiner Broschüre vom März v. J. zur gefälligen Erinnerung, daß ich die darin behauptete Tatsachen heute noch in vollem Umfang aufrecht erhalte.“

Anschließend wurde Buchholz wegen Betrugs zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil legte er erfolgreich Revison ein und wurde vom Landgericht freigesprochen.

 

  1. Jan. Antrag des KSCV zur Errichtung des Bismarck-Denkmals an der Rudelsburg (NKB)

Anläßlich des 80. Geburtstages des allgemein hochverehrten Reichskanzlers bemühten sich zahlreiche Städte und Vereine um eine dauerhafte Würdigung seiner Verdienste. Meist waren es Aussichtstürme an prägnanten Stellen. Hier sollte es eine Bronzeplastik in Überlebensgröße sein, und Rittergutsbesitzer v. Schönburg stellte das Grundstück und Baumaterial kostenlos zur Verfügung. Auch Kaiser Wilhelm sagte dann einen „namhaften Geldbetrag“ aus seiner Privatschatulle zu.

Mit dem Entwurf wurde der österreischische Bildhauer Norbert Pfretschner (1850 – 1927) beauftragt. Der wurde in Berlin ausgebildet und hatte sich bereits mit dem Standbild des Kurfürsten Joachim Friedrich in der Siegesallee einen Namen gemacht. Später schuf er dann auch das Denkmal des Rudolstädter SC.

 

  1. Feb. Schlußrechnung zum Kirchenbau (NKB)

Insegsamt waren es 120.000 Mark, ungefähr ein Viertel mehr als geplant, für die ein Darlehen aufgenommen werden musste.. Die Innenausstattung (Kandelaber, Altarteppich, Altargefäße) sowie drei bunte Kirchenfenster im Wert von 10.000 Mark kamen aus Spenden 

 

  1. Feb. Major a. D. Ritter Carl Theodor v. Schmettau verstirbt (NKB)

Der Bruder von Ferdinande v. Schmettau starb im Alter von 86 Jahren. Er hinterließ seine  Gattin Mathilde geb. v. Pöppinghausen, mit der er 57 Jahre verheiratet war und die ihm 1908 im Alter von 92 Jahren folgte sowie Constanze, Ferdinande und Leontine. Schmettau war 20 Jahre Kirchenältester gewesen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurden Änderungen der Gewerbe-, Lustbarkeits- und  Hundesteuer sowie der Kurtaxordnung wegen der geänderten Bestimmungen des Kommunalabgabegesetzes. Dazu kam das Ortsstatut betr. der Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen. Der Etat 1895/96  sah 37.700 Mark für die Kämmerei, 10.640 Mark für die Schule, 1.900 Mark für die Armen- und 13.500 Mark für die Badekasse vor. Genehmigt wurden 400 Mark für einen Trinkwasserbrunnen in der Saalstraße.

 

  1. Feb. Brand des Krankenhauses in der Landesschule (NKB).

Erst am anderen Morgen war der Brand unter Kontrolle, das Krankenhaus vollständig zerstört, so dass es anschließend neu aufgebaut wurde. Für ihren Eifer bei der Bekämpfung des Brandes überreichte anschließend der Landrat v. Feilitzsch dem Corps die Dankschreiben der Kgl. Regierung und der General-Feuer-Sozietät sowie einen Betrag von 500 Mark für die Mannschaften. Der Kommandeur Fr. Toepfer und sein Vize E. Reichenbecher erhielten einen Ehrendolch.

 

  1. Feb. Therese Berbig verstirbt (Röblitz Heimatbuch 1930, BLK-A. Nr. 324).

Bereits am 26. September 1885 hatte sie festgelegt „Nach meinem Tod soll innerhalb von neun Monaten der Stadtgemeinde 20.000 Mark für die Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt ausgezahlt werden, diese hat den Namen „Berbigsche Kinderbewahranstalt“ zu führen“ (BLK-A. Nr.72). Darüber hinaus stiftete sie 5.000 Mark für die Armenfürsorge, 3.500 Mark für das Krankenhaus, 3.000 für die Schule und 1.200 Mark für die Pflege ihres Grabes. Im Mai erklärte die Stadtverordnetenversammlung die Annahme, die Genehmigung der Kgl. Regierung wurde im November erteilt.

Im Jahr 1900 errichtete die Stadt unterhalb ihrer ehemaligen Wohnung (Lindenstraße 25) einen Gedenkstein und benannte eine  neu angelegte Straße nach ihr. 

 

  1. Feb. „Kilimane das Kaffernmädchen“ auf der Wilhelmsburg (NKB, NTB v. 14.07.1990)

Sie stammte aus Port Natal in Südafrika und war die Spielkameradin der Enkelin des Badeanstaltsbesitzers v. Stuckrad. Dessen Sohn war dort als Regierungsbaurat tätig und brachte sie während eines Besuches bei seinen Eltern mit. Da er als Attachè nach Daressalam versetzt wurde, konnte er sie nicht mitnehmen und das kinderlose Ehepaar Barthel erklärte sich bereit, das Mädchen aufzunehmen. Die Neunjährige wurde am 27. August 1895 in der Lutherkirche auf den Namen Johanna Maria getauft.

 

  1. Mär. Erneuerung des Vertrages mit Musikdirektor A. Wernicke (NKB, St.-A. Nr. 348)

Der am 22. April abgeschlossene Vertrag entsprach dem des Vorjahres,  die Anzahl der Musiker wurde mit mindestens 16 und das Honorar mit 2000 Mark für sämtliche von der Badedirektion veranstalteten Konzerte vereinbart. Darüber hinaus durfte der Direktor mit der Kapelle auf eigene Rechnung beliebig viele Konzerte geben, wenn diese nicht mit den offiziellen Terminen zusammenfielen.

 

  1. Mär. Anzeige der Witwe des Flaschenbierhändlers Panse (NKB)

„Durch den schnellen Tod meines Mannes bin ich gesonnen, mein Grundstück bestehend aus Restaurationsstube, Materialwarengeschäft, Biergeschäft nebst Pferd und drei Wagen sofort zu verkaufen“. Da sich kein Käufer fand, teilte die Witwe im März mit, dass sie das Geschäft in der Burgstr. (Nr. 8) weiterführt.

 

  1. Mär. Vertrag zur Übertragung des Bades (MER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 5)

Zwischen dem preußischen Fiskus, vertreten durch die Königliche Regierung in Merseburg und dem Magistrat wurde die Übernahme des Bades zum 01. April vereinbart. Die Stadt erhielt ein  Gnadengeschenk von 40.000 Mark, alle für den Badebetrieb erforderlichen Grundstücke und Gebäude mit allen darauf ruhenden Lasten und Verpflichtungen. Damit überließ der Fiskus das Risiko der ohnehin in ständigen Geldverlegenheiten befindlichen Gemeinde, auch wenn ein Großteil der bestehenden Belastungen getilgt werden konnten. Nun mußte der städtische Haushalt ein Minus aus dem laufenden Betrieb ausgleichen und Mittel für Investitionen bereitstellen, was dann zu immer größeren Belastungen führte. Das Provinzialschulkollegium Magdeburg als Vertreter der Landesschule genehmigte die Übertragung. Der Fiskus behielt nur noch die Eigentumsrechte an den Solequellen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde die Errichtung einer Stützmauer an der Ostseite der Borlachstraße und ein Zuschuß von 150 Mark für eine offizielle Feier anläßlich des 80. Geburtstages Bismarks im Kurgarten.

 

  1. Mär. Floßaufseher Ed. Sänger ertrinkt in der Saale (NKB)

Seine Leiche wurde erst vier Wochen später in Weißenfels angetrieben.

 

  1. Mär. Ordnung über die Erhebung von Lustbarkeitssteuern (MER C48 Ih Nr. 920)

Besteuert wurden „Tanzbelustigungen“ je nachdem wann sie endeten, Kunstreitervorstellungen prozentual nach der Höhe des Eintritts, Konzert- und Theatervorstellungen mit 1 Mark, Gesangs- und Rezitationsvorträge mit 5 Mark, Einzelunterhaltungen mit Instrumenten je nach Dauer, gymnastische Übungen und Ballett mit 3 bis 5 Mark. Karussell-, Schieß- und Würfelbudenbesitzer zahlten pro Tag 3 Mark.

 

  1. Mär. Fackelzug und Kommers am Vorabend von Bismarcks 80. Geburtstag (NKB)

 

  1. Apr. Einweihung des „Kunosteins“ an der Rudelsburg (KÖZ, St.-A. Nr. 779).

Der Naumburger Kunoverein,  der älteste regionale Verein zur Heimatpflege, hatte den Findling zu Ehren des Reichskanzlers Bismarck aufgestellt. Gleichzeitig wurde die Schlucht zwischen der Rudelsburg und Burg Saaleck durch Stufen begehbar gemacht, der sog. Kunoklamm.

 

  1. Apr. Einrichtung einer Postagentur auf der Rudelsburg (NKB).

Die Agentur, die die bisherige Posthilfsstelle ersetzte, kam auf dem Burghof unter.

 

20 Apr. Sperrung der Borlachstraße für Fuhrwerke wegen Arbeiten an den Stützmauern (NKB)

 

  1. Mai Eröffnung eines Posamenten- und Wäschegeschäfts in der Lindenstr. 8 (NKB)

 

  1. Mai Inkraftsetzung der Polizeiverordnung zur Hundesteuer und Hundehaltung (NKB)

 

  1. Mai Inbetriebnahme einer „Kalksteindrechslerei“ bei den Gebr. Kersten (NKB)

Damit konnte aus Kalksteinblöcken Säulen für Brüstungen und Geländer hergestellt werden. Einer der ersten Abnehmer war Paul Hämmerling, der nach der Übernahme des väterlichen Betriebes  die Landwirtschaft aufgab und anstelle der Scheune an der Naumburger Chaussee ein Gartenlokal mit Säulenkolonade errichtete.

 

  1. Mai Kursaisoneröffnung (NKB)

„Ritterbad“ und die Badeanstalt am Gradierwerk waren seit dem 1. Mai geöffnet. Carl Friedrich  Restaurateur der „Loreley“ bot Gondelfahrten zur Rudelsburg  mit „leichten Booten eigener Produktion“ an. Das Kur-Hotel Kurzhals war festlich illuminiert, in Melzers „Kurgarten“ spielte die Badekapelle, ebenso im  „Kurhaus zu Mutigen Ritter“ wo auch die dortigen Wannen mit Sole versorgt und weiter betrieben wurden. Allerdings fand sich in dieser Saison keine Theatergesellschaft für das Sommertheater. 

 

  1. Mai Anzeige des Fotografen Krause (NKB)

Der eröffnete sein Atelier in seinem neugebauten Haus (Rudelsburgpromenade 1) und suchte einen Mieter für das im gleichen Haus befindliche Ladengeschäft. Da sich kein Interessent fand, richtete er hier ein Galanterie- und Spielwarengeschäft ein. Krause war einer der ersten Fotografen, der das gerade erst entwickelte elektrische Blitzlicht anstelle von Magnesiumpulver verwendete. 

 

  1. Mai Neuverpachtung der Schulgüter Hechendorf und Voigtstedt (NKB)

Gesucht wurden Pächter für 15 Jahre. Für das Gut Voigtstedt bei Artern fand sich kein Bieter, weshalb es im Laufe des Jahres noch mehrmals angeboten wurde.

 

  1. Juni Berufs- und Gewerbezählung (NKB)

Demnach gab es 1349 Männer und 2062 Frauen, abzüglich der 560 Kurgästen waren es 2856 dauerhaft Anwesende. Von den 734 Haushalten hatten 126 einen Gewerbeschein und 56 betrieben Landwirtschaft, die meisten waren Weinbergsbesitzer oder Handelsgärtner.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Genehmigt wurde die ausgehandelte Vereinbarung zwischen der Stadt- und der Kirchengemeinde über den Bau der Trauerhalle. Die Stadt verpflichtete sich, die später anfallenden Reparaturen zu übernehmen und die Kirche gestattete der Stadt ein unbeschränktes Zugangsrecht.

 

  1. Juli Aufführung von Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“ im Mutigen Ritter (NKB)

In verschiedenen Rollen traten die Schauspielerin Thessa Klinkhammer (1859-19349, Elimar Griebeck vom Deutschen Volkstheater Berlin und  Aloisia Raupp (1864-1898) vom Hoftheater Coburg-Gotha auf.

 

  1. Juli Verkauf des Zieglerschen Hauses Fränkenauer Trift I-123 (Nr. 14) (NKB)

 

  1. Juli Besuch einer Abordnung der Landesdirektoren (NKB)

Während ihrer Tagung in Merseburg kamen der preuß. Landwirtschaftsminister Freiherr v. Hammerstein, Reg.-Präsident Freiherr v. Stolberg-Wernigerode, der ehem. Reichtagspräsident Graf Stolberg-Stolberg, Geh.-Rat v. Lebetzkow, Landesrat Graf v. Wartensleben und weitere Honaratioren mit einem Sonderzug hierher, Nach der Besichtigung der Kalksteinanlagen fand man sich zum Diner im „Mutigen Ritter ein.

 

  1. Juli Bazar zum Besten der Diakonissenstation (NKB)

Der brachte einen Erlös von 2700 Mark. Außerdem spendete Kaufmann Corpus einen Ofenschirm für 150 Mark und Direktor Kersten spendierte ein Bild des Kaisers für 200 Mark.

 

  1. Juli Kersten Pläne für die Schiffbarmachung der Saale bis Stendorf (NKB)

Die Vorteile, die Saale von der Roßbacher Fähre flußaufwärts hätten eine Reihe Vorteile argumentierte Kersten. Einmal würde der Transport von Massengütern wie Kalkstein, Bauholz und Zuckerrüben billiger als mit der Bahn. Allein für den Transport von Kalkstein wurde täglich ein Zug mit 40 Loren benötigt. Dazu würde die bereits laufende Ausbaggerung einer Fahrrinne und die Beseitigung der Sandbänke neben der Verbesserung für die Flöße auch dem Hochwasserschutz dienen. Dann könnte man auch einen regelmäßigen Dampferbetrieb zwischen dem „Mutigen Ritter und der Rudelsburg bzw. dem Himmelreich einrichten. Voraussetzung war aber neben der Fahrrinne eine Schleuse in Kösen. Wegen der damit verbundenen Kosten wurde der Plan fallen gelassen. 

 

  1. Juli Die Badedirektion lädt ein zur „Italienischen Nacht“ (NKB)

Auf der Saale waren festlich illuminierte Kähne, die umliegenden Häuser waren illuminiert und am Gradierwerk prangte ein „riesiges W mit Krone und kleinen Flämmchen“. Dazu spielte die Badekapelle. Vier Wochen später folgte ein Wasserfest mit Bootskorso von der „Katze“ saaleabwärts. Daran beteiligten sich rund 300 Personen mit 5 Gondeln, die P. Kersten zur Verfügung stellte.  

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft 1832 an der „Katze“ (NKB)

Das Fest dauerte vier Tage und zog zahlreiche  Besucher an. 10 Tage später lud das Bürgerschützenkorps zum Mannschießen mit Rummel am „Kurgarten“ ein. Auch diese Veranstaltung dauerte vier Tage und war startk besucht.

 

  1. Aug. Eröffnung der Fleischerei Leichsenring Lindenstr. I-18 (Nr. 22)

Zwei Jahre später verlegte er das Geschäft in die Burgstraße I-113 (Nr. 8), wo es aber auch keinen langen Bestand hatte.

 

  1. Aug. Festgottesdienst zum 50. Jahrestag des Gustav-Adolf-Vereins Kösen-Pforta (NKB)

 

  1. Aug. Eröffnung der Langeschen Buchdruckerei Lindenstr. I-13 (Nr. 13) (NKB)

Im Dezember kamen noch ein Papier- und Schreibwarengeschäft dazu.

 

  1. Aug. Beschwerde des Musikdirektors (St.-A. Nr. 348).

Weil „fremde“ Kapellen in den Restaurationen offensichtlich billiger waren als die Badekapelle und die einheimische Bevölkerung zumeist zu den von der Badedirektion kostenlos angebotenen Konzerte ging, fehlte es an ausreichend Einnahmen, um die Musiker  angemessen zu entlohnen. Die Badedirektion bewilligte nun eine Sonderzahlung von 300 Mark.

 

  1. Aug. Anzeige von P. Kersten (NKB)

„Mein Parkgrundstück neben dem Kurgarten beabsichtige ich zu parzellieren und wollten sich Interessenten auf Baustellen mit mir in Verbindung treten..“ Kersten selbst wohnte noch in der in der heutigen Schmettaustraße 13, baute aber weil sich der Verkauf nicht realisieren ließ, hier seine eigene Villa (Schmettaustraße  14).

 

  1. Aug. „Statut der evangelischen Diakonissen-Station zu Kösen“ (priv).

Das Statut der für die Armen- und Krankenpflege eingerichteten Institution wurde von der Behörde genehmigt und der Vorstand, Pfarrer Diederich, Frl. Jenny von Gerstenbergk (ehrenhalber und auf Lebenszeit), Frl. Constanze von Schmettau, Generalleutnant v. Strantz und Dr. Schütze, bestätigt.

 

  1. Sep. Sedanfeier zum 25. Jahrestag (NKB)

Aus diesem Anlass hatten die Stadtverordneten 250 Mark bewilligt. Der Tag begann mit einem Festgottesdienst in der Buchenhalle, die Festrede am Gradierwerk hielt Exz. Gen.-Ltn. a. D. v. Strantz, danach folgte der Frühschoppen mit der Badekapelle im „Mutigen Ritter“. Am Nachmittag gab es Freikonzerte auf der Wilhelmsburg und im Kurgarten und am Abend ein Feuerwerk.

 

  1. Sep. Veröffentlichung der vom Landrat zugelassenen Jagdscheininhaber (NKB)

Dazu gehörten die Kaufleute K. Koch, O. Koch, Kittner und Hädicke, die Rentiers Rabenalt, Lucas und Teichgräber, den Musiker Kaufmann, den Monteur K. Kunze, die Holzhändler A. Gräfe und H. Sänger, die Restaurateure O. Melzer und M. Schumann, Hauptmann a. D. v. Stuckrad, Hegemeister Voigt sowie die Pächter der Rittergüter Kreipitzsch und Stendorf. 

 

  1. Sep. Übergabe des Bades (NKB, priv).

Anfang Juli genehmigte Kaiser Wilhelm II. an Bord seiner Yacht „Hohenzollern“ vor Stockholm den Vertragsentwurf und das Gnadengeschenk aus seinem Dispositionsfond bei der Generals-Staatskasse.  Am 13. August bestätigten der Finanz-, der Innen-  und der Unterrichtsminister den Vetrag..

Zur Übergabe kam der Reg.-Präsident Graf Stolberg-Wernigerode persönlich. In seiner Gegenwart besiegelten Bürgermeister Rudolph, die Ratsschöffen Krüger und Siebold mit dem  Landrat v. Feilitzsch  im „Geschäftslokal der Kgl. Badedirektion“ den vertrag. Dann folgte die  Übergabe der Badekasse, der Badeakten, des Dienstsiegels und der Schlüssel. Danach wurden die übergebenen Anlagen beichtigt, der obere Solschacht mit Pumpwerk und Schachtgebäude,  die Gestänge zum und vom Solschacht, die beiden Wasserräder mit Radhaus, beide Wellenbäder, das Umkleidekabinett auf der Radinsel, zwei Brücken über die kleine Saale, das Gradierwerk mit Pumpenturm, die Inhalierhalle mit Garderobe, der Pavillon am Gradierwerk, die Davison-Halle, zwei Schuppen an der Friedhofsmauer, eine Wasserleitung, die Inhalierhalle mit der Soleleitung und der gußeisernen Musiktempel. Nach der Kassenprüfung und der Bestätigung des Kassenjournals besichtigten der Regierungspräsident und der Landrat das Kalksteinwerk, während der Bürgermeister noch rasch ein Festessen im „Mutigen Ritter“ organisierte.

 

  1. Sep. Sterbetag des Frl. Louise Fournier (Röblitz 1930, BLK-A. Nr. 324)

Sie vermachte der Stadt 500 Mark für die Armenpflege.

 

  1. Sep. Erweiterung des Güterbahnhofs (NKB)

Das betraf die vorbereitenden Arbeiten zur Erweiterung der Rangiergleise an der Fränkenauer Wiese und  Richtung Lengefeld. Im preußischen Staatsetat waren dafür in den beiden kommenden Jahren 50.000 Mark vorgesehen.

 

  1. Sep. Umwandlung der Fa. Chr. Krüger in eine Gesellschaft (NKB)

In die Gesellschaft traten der Holzhändler Paul Krüger und der Kaufmann Albert Krüger ein. Am 28. Dezember eröffnete Christian Krüger ein Banken- und Wechselgeschäft.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

In die Badelisten hatten sich insgesamt 2170 Gäste eingetragen, darunter der Schriftsteller Dr. jur. A. R. Hermann-Frankfurt-Main, Mr. Singer-Chikago, Gräfin v. Tedlitz-Trützschler-Hohenwulsch, Gräfin Luckner-Dresden, Major Henckel v. Donnersmarck, Kfm Marx-Lissabon, Schriftsteller Dr. Albrecht-Berlin, Frau Corpus-St. Petersburg, Baronin v. Lüttitz-Geithain, Freifrau v. Minnigerode-Silkerode, Miss Newbold und mr, Koop-London, Md. Renaud-Verenet-Batavia, Bürgermeister a. D. Dr. phil. Mascher-Hoerde, Freiherr v. Borcke-Merseburg, W. Kleber-Amsterdam, Mr. Wynklop-New York, Oberstltn. v. Schmeling.

Die Kinderheilstätte samt Ferienkolonie meldete die Abgabe von 6000 kostenlosen Solebädern.

 

  1. Okt. Umwandlung der Fa. F. A. Koch in eine Gesellschaft (NKB)

Gesellschafter waren Friedrich Albert Koch sen. und Friedrich Otto Max Koch sen.

 

  1. Okt. Beschluss der Stadtverordneten zum Bau einer Trinkwasserleitung (NKB)

Alle bisherigen Versuche anstelle der 8 öffentlichen Trinkwasserbrunnen eine Trinkwasserleitung zu bauen, scheiterten wegen fehlender Mittel. Doch nun hatte der Ärztekongreß in Leipzig beschlossen, alle Bäder und Kurorte auszuschließen, die keine hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung vorweisen konnten. Nun wurde ein Wasserleitungskommission mit dem Mühlenbesitzer Roßner, v. Stuckrad, Kfm. Wolff, Buchbinder Wolff und Kohlenhändler Fr. Becker, Dr. Risse, Wurstfabrikant Matthes, Holzhändler Graf, Maurermeister Hübner, Rentier Rabenalt und Kfm. Kittner  einberufen, um das Vorhaben voranzutreiben.

Zunächst erwog man das Angebot eines Ingenieurs, der die Anlage auf eigene Rechnung  bauen und sechs Jahre betreiben wollte. Die Stadt müsse nur eine jährliche Mindestabnahmemenge garantieren. Wegen der hohen Rückkaufsumme nahm man davon Abstand und beschloss, die Herstellung der Anlage öffentlich auszuschreiben und auf Kosten der Stadt zu betreiben. Das würde einen niedrigen Wasserpreis gewährleisten und der städtische Eigenverbrauch wäre kostenlos.

Als Standort für den Brunnen und das Wasserwerk war ein Grundstück in der Saalstraße vorgesehen, wo sich  die Pumpstation der Domäne Fränkenau befand (Saalstr. 9). 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Bewilligt wurden 1.144 Mark für die Verlegung einer neuen Soleleitung vom Gradierwerk zum Inhalatorium und die Verpachtung eines Platzes neben der neuen Schule für einen Verkaufsstand an Frau Großmann, die sich im Gegenzug verpflichtete, den Verkaufsstand vor dem Haus (Lindenstr. 14) zu entfernen. 

 

  1. Okt. Beschluss des Gemeindekirchenrates zu den Mehrkosten beim Kirchenbau (NKB)

Um den für die Mehrkosten von 35.000 Mark aufgenommenen Kredit zu refinanzieren, wurde die   Höhe der Kirchensteuer auf 15% der staatlichen Einkommenssteuer der steuerpflichtigen Gemeindemitglieder auf die Dauer von 40 Jahren festgesetzt.

Die Steuer war zwischen dem 28. Nov. bis 10. Dez. beim Rendanten Dittmann in dessen Wohnung zu bezahlen. Wer dem nicht nachkam, erhielt Besuch vom Kassenboten und mußte eine Gebühr zahlen. 

 

  1. Okt. Otto Neßmann übernimmt das Hotel Kurzhals (NKB).

Der war früher Pächter des Bürgergartens in Naumburg und Inhaber des Hotels Preußischer Hof in Weimar.

 

  1. Okt. Gastwirt Hermann Weber sen. verstirbt im 73. Lebensjahr (NKB)

 

  1. Nov. Stiftung eines Kirchenfensters von Barthold Senff-Leipzig (NKB)

Anläßlich seines 80. Geburtstages stiftete der Neffe des ehemaligen Salinendirektors Erdmann Friedrich Senff, das Fenster in Erinnerung an seine Jugendtage in Kösen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324, KÖZ).

Beschlossen wurde, entsprechend den Bestimmungen Therese Berbigs aus den Geldern für die  Schule, die  Grabpflege und die Armenhilfe in jährlich zinsbaren Fonds und die Mittel für das Krankenhaus und die Kinderbewahranstalt fest anzulegen, bis geeignete Grundstücke zur Verfügung stünden.

 

  1. Nov. Jahresbericht der Badedirektion (MER C 48 Ii Nr. 776 VIII).

Der letzte Bericht an die Kgl. Regierung in Merseburg verzeichnete 15.252 Solbäder, 2.226 Wasserbäder, 360 elektrische Bäder und 1.796 Wellenbäder. Dazu wurden 3.594 Inhalationskarten und 16.968 Flaschen mit Kohlensäure versetzte Sole der Johannisquelle verkauft.

 

  1. Dez. Allgemeine Volkszählung (NKB)

Die im 5-Jahresturnus stattfindende Zählung ergab 2786 Einwohner (1186 Männer, 1600 Frauen).  Es gab 318 bewohnte Häuser, 600 Mehrpersonen- und 97 Einzelhaushalten sowie 16 Gemeinschaftsunterkünfte (Armenhaus, Krankenhaus, Internat etc.). Im Vergleich: 1820 waren es  662 Einwohnern und 98 Häuser.   

 

  1. Dez. Antrag der kaiserlichen Postverwaltung (BLK-A. Nr. 669).

Beantragt wurde die Einrichtung einer Postexpedition gegenüber vom Bahnhof.

 

  1. Dez. In der Saalstr. II-44 (Nr.7) blüht eine 4 Meter hohe Yuccapflanze (NKB)

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324).

Beschlossen die Badedirektion mit dem Bürgermeister (Richter), den beiden Ratsschöffen (Siebold, Krüger), drei  3 Stadtverordneten (Kersten, Dr. Gehrke, Müller) und dem Badearzt (Dr. Löffler) zu besetzen.

 

  1. Dez. Am Heiligabend erhängt sich der 68jährige Maurer A. Seyffarth (NKB)

Wegen längerer Verdienstlosigkeit sah er keinen Ausweg und hinterließ eine Frau und sechs noch unversorgte Kinder.

 

  1. Dez. Vollstreckung der Kirchensteuer (MER C 48 II a Nr. 1707)

Auf der Grundlage der von der Oberbehörde am 21. Oktober genehmigten Umlage der Mehrkosten des Kirchenbaus auf die steuerpflichtigen Gemeindemitglieder beantragte der  Gemeindevorstand die Stadt mit der Vollstreckung gegenüber denjenigen die der Zahlung noch nicht nachgekommen waren. Dazu gehörte auch der Oberstleutnant a. D. Sänger, der sich darauf berief, als ehemaliger Militär nicht der Besteuerung durch die Kirchengemeinde seines Wohnortes zu unterliegen. Dem Antrag der Kirchengemeinde wurde stattgegeben, der Ortspolizei die  Vollstreckung übertragen und später auch auf die Bewohner von Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern erweitert, die zwar zum Gutsbezirk gehörten aber in Kösen eingepfarrt waren.

 

            Erweiterung des Friedhofes (Abriß der Geschichte der Kirchengemeinde)

 

1896

 

  1. Jan. Polizeiverordnung zur Flöße auf der oberen Saale bis zur Roßbacher Fähre (NKB)

Der Großherzog von Weimar erließ nach Abstimmung mit den übrigen  Anrainern (Preußen, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt und Reuß) diese Anordnung, die die Breite, die Bemannung, das Verhalten im Unglücksfall und die Kennzeichnung der Bauholzflöße festlegte. Die Verordnung galt auf der Saale bis zur Unstrutmündung und hob alle seit 1819 getroffenen Bestimmungen auf (Stadtarchiv Jena Abt. III, Nr. 102), wie auch die  am 22. Juni 1872 erlassene und im Amtsblatt S. 156 veröffentlichte Verordnung.Diese Verordnung galt auf der Saale bis zur Mündung der Unstrut und ersetzte die  Verordnung vom 22. Juni 1872. Die Flöße durften nicht breiter als 8 Meter sein. Mindestens 2 Mann Besatzung waren vorgeschrieben bei 2 Gelenken mit Schneidholz und Mastbäumen, bei 3 Gelenken mit Schachtholz und Hängebäumen oder bei kurzen Gelenken mit Klöppeln, Pflöcken, Brettern oder Latten. Jedes Floß mußte mit einer Tafel haben mit Angaben entspr. den Bestimmungen des Herzogl. Altenburgischen Steueramts zu Kahla. Flöße durften nur dort anlegen wo es Anbindepflöcke am Ufer gab. Außerdem wurde das Verhältnis zwischen den Flößern und den „Triebwerksbesitzern“ geregelt, deren Wehre mit Floßfahrten bzw. Schleusen versehen waren. Lose Floßhölzer galten nicht als Strandgut, sondern mußten gemeldet werden.

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (NKB).

Demnach wurden 15 Ehen geschlossen, 37 Jungen und 43 Mädchen wurden geboren. Es gab 68 Todesfälle , darunter 27 Kinder im Alter bis 10 Jahren.

 

  1. Jan. Todestag Therese Emilie Senff (Sterbereg. Röblitz, Heimatbuch).

Die Tochter des Salineninspektors Erdmann Friedrich Senff jr. vermachte der Stadt 1.200 Mark für den Bau eines Krankenhauses. Sie wurde im Senffschen Familienbegräbnis beigesetzt, wie  ihre Schwestern Agnes (1812-1879), ebenso wie ihre 1897 im Alter von 87 Jahren verstorbene Schwester Clara Louise.

 

  1. Jan. Ordnung betreffend die Erhebung einer Kurtaxe (MER C48 Ih Nr. 920, NKB)

In der Saison (Mai bis September) sollten Personen die sich länger als drei Tage zum Zwecke der Gesundheit aufhielten pro 1 Person 9 Mark, die Familie mit 2 Personen 12 Mark, mit 3 Personen 15 Mark, mit 4 Personen 18 Mark und über 5 Personen 20 Mark bezahlen. Kinder bis 2 Jahre waren befreit, 50% Ermäßigung gab es für die begleitenden Dienstboten sowie bedürftige Badegäste. Die Kurtaxe musste binnen 9 Tagen vom Gast bei der Badekasse entrichtet werden. Die Hauswirte wurden angewiesen, ihre kurtaxpflichtigen Gäste darauf  hinzuweisen und die Meldezettel umgehend einzureichen. 

Die Mitglieder der städtischen Badekommission waren der Bürgermeister (Rudolph), die beiden unbesoldeten Ratsschöffen (A. Krüger, H. Siebold), sowie weitere vier Stadtverordnete (P. Kersten, Baurat Mertens, Dr. Gehrke, Dr. Löffler)

 

  1. Jan. Vorlesungsreihe zum Besten der Diakonissenstation im Mutigen Ritter (NKB)

Insgesamt waren es 4 Veranstaltungen, darunter Prof. Dr. Ritter-Weimar, mit einem Beitrag über  Novalis. Der Eintritt kostete 4 Mark für alle  Veranstaltungen.

 

  1. Jan. Bestätigung von Dr. Risse als Kassen-Arzt (NKB).

Zu seinem Amtsbereich gehörten alle versicherungspflichtigen Lohnempfänger in Kösen, Kukulau, Fränkenau, Hassenhausen, Niedermöllern, Pomnitz, Flemmingen, Kreipitzsch, Kleinheringen, Lengefeld, Saaleck, Stendorf, Rödigen, Löbschütz, Schieben, Tultewitz, Freiroda, Heiligenkreutz und Crölpa.

 

  1. Jan. Einquartierung von 20 Offizier der 8. Inf. Division mit Burschen und Pferden (NKB)

 

  1. Jan. Eröffnung einer Milchhalle im Haus des Sattlermeisters Scheufler (NKB).

Hier boten die Domänen Kukulau und Fränkenau Milch an. Dazu sollte während der Saison täglich ein Milchwagen in die Stadt kommen.

 

  1. Jan. Generalltn. a. D. v. Strantz erhält den Stern zum Kronenorden (NKB)

Anlaß war der 25. Jahrestag der Schlacht vom Mont Valerie im Deutsch-Französischen Krieg. Fr. Wilhelm Leberecht v. Strantz (geb. 1832) war der Sohn des Generals Ludwig von Strantz und dessen Frau Lucie geb. Gräfin v. Maltzahn. Nach 1871 war er Kommandeur des 79. Thüringischen Infanterieregiments und zuletzt Brigadekommandeur der 41. Inf. Brigade in Mainz, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz und dem Roten Adlerorden II. Klassen mit Eichenlaub.  1890 nach seiner Pensionierung ließ er sich hier nieder. Er starb 1909 und wurde auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt.

 

  1. Jan. „Volksmaskenball“ im Saale der „Tanne“ (NKB)

 

  1. Jan. Anzeige des Wurstfabrikanten Fr. Matthes (NKB)

„Da ich infolge günstiger Einkäufe des Öfteren in der Lage bin, meine Fleischwaren billiger verkaufen zu können, sind vom Kgl. Landratsamt infolge Verdächtigung Nachforschungen angestellt worden, ob in unserm Geschäft die nötige Kontrolle ausgeführt wird (.) Von welcher Seitte dieses Mißtrauen kommt und genährt wird, liegt sehr wohl nahe. Ich kehre mich nicht daran, teile aber meinen werten Kundschaft mit, daß ich Rindfleisch nur aus öffentlichen Schlachthäusern beziehe, während die ausschließlich hier geschlachteten Schweine und anderes Kleinvieh vom Tierarzt Schumm-Naumburg unttersucht werden“. Matthes hatte im Vorjahr 1115 Schweine geschlachtet, damit konnten die Konkurrenz vor Ort (Bönicke, Leichsenring, Bermisch und Timmler) nicht mithalten, zumal sich die ärmere Bevölkerung kaum Fleisch- und Wurstwaren leisten konnte und sich mit Fleischabfällen und Innereien begnügte, die in der Matthes`schen Fleischfabrik natürlich auch billiger zu haben waren.

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung der Bergschmiede Solschacht 43b (NKB).

Letzter Besitzer des ehemals Therkornschen und inzwischen völlig überalterten Anwesens (heute Rudolf-Breitscheid Str. 8 und 10) war der Schmiedemeister Wilhelm Schmidt.

 

  1. Jan. Kaufmann Siebold übernimmt das Hotel „Preußischer Hof“ (Gerstenbergkpr. 4) (NKB)

 

  1. Feb. Bäckermeister Lützkendorf stirbt im Alter von 54 Jahren (NKB)

Seine Witwe, die wie die Witwe Baer das Geschäft weiterführte, bat die Kundschaft, die offenen Rechnungen zu bezahlen.

 

  1. Feb. Feier zum 50jährigen Bestehen des Lengefelder Chores in Werthers Lokal (NKB)

 

  1. Feb. Sitzung der Wasserleitungskommission (NKB)

Nach Prüfung aller Umstände hatte man festgestellt, dass die geplante Wasserleitung für das gesamte Stadtgebiet unrentabel war. Statt dessen sollte zunächst nur das linke Ufer versorgt werden und die am rechten Ufer vorhandene Leitung aus dem Brunnen neben der unteren Wasserkunst beibehalten werden. Da das Vorhaben lediglich 20.000 Mark kosten sollte, stimmten die Hausbesitzer der Neu-, Quer- und Saalstraße zu unter der Maßgabe, dass sich die Hausbesitzer der übrigen Straßen links der Saale anschließen würden. Der Plan sollte von den Stadtverordneten beschlossen werden. Doch die lehnten ab und beharrten auf einer Lösung für das gesamte Stadtgebiet.

 

  1. Feb. Meldung über die Pläne für eine Dampfmolkerei (NKB)

Ein „Kapitalist“ aus Halle beabsichtigte im Stadtbezirk eine „Molken-, Kefir- und Sterilisieranstalt“ mit der modernsten Molkereitechnik  zu errichten. Da außerdem ein Stall für 12 Kühe geplant war, um auch frische Milch anzubieten, regte sich Widerstand wegen der absehbaren Lärm- und Geruchsbelästigungen. Die Holligersche Molkerei entstand dann in Saalstraße (Nr. 27). 

 

  1. Feb. Maskenball im Theatersaal des Kurgartens mit 700 Gästen (NKB)

 

  1. Feb. Baubeginn der Saaleck-Stendorfer Brücke (NKB)

 

  1. Mär. Eröffnung des Konkursverfahrens des Druckereibesitzers Oskar Lange (NKB)

Lange hatte sich mit dem Kauf des Hauses (Lindenstr. 13) und der Einrichtung der Druckerei finanziell völlig überhoben und musste nach wenigen Monaten Konkurs anmelden. Zunächst wurde das gesamte Inventar der Druckerei sowie die Geschäftseinrichtung in der „Tanne“ zwangsversteigert und im Herbst kam das Haus unter dem Hammer.

 

  1. Mär. Anzeige der Fa. Gebr. Kersten (NKB)

„5000 Mark Belohnung sichern wir demjenigen zu, welcher uns den Verbrecher nachweist, der in der Nacht die Ketten unserer Baggermaschine losgekoppelt und somit die Maschine der Hochwasserflut zum Forttrieb übergeben hat...“

 

  1. Mär. Ausschreibung für den Bau des Gehwegs und des Kanals in der Burgstraße (NKB)

Im April wurde dann die Straße für Fuhrwerke gesperrt.

 

  1. Mär. Frühjahrsmusterung der Wehrdienstpflichtigen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Von den 30 jungen Männern wurden 6 für die Reichsarmee als tauglich befunden, 3 für den landsturm, 2 für die Ersatz-Reserve, 18 wurden ein Jahr zurückgestellt und einer als dauerhaft untauglich befunden.,

 

  1. Mär. Geschäftsanzeige der Louise Krause (NKB).

Sie eröffnete ein Geschäft für Klempnerwaren, Haus- und Küchengeräten in der Lindenstraße, anstelle des bisherigen Geschäft des Klempnermeisters Eduard Krause im Rühlmannschen Haus Borlachstraße I-33 (Nr. 4). Am 1. April eröffnete Auguste Munkelt hier ein Schnittwaren- und Posamentengeschäft.

 

  1. Apr. Emil Heerwagen präsentiert im Saal der „Tanne“ seine neue Orgel (NKB).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324 Röblitz, Heimatbuch, NKB).

Beschlossen wurde die Aufnahme einer Anleihe von 70.000 Mark für das städtische Wasserwerk, allerdings unter der Maßgabe, dass doch noch ein privater Investor für den Bau und den Betrieb gefunden wird. Die aktuellen Pläne für die Wasserleitung sahen vor den Brunnen und die Pumpstation neben dem Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49) am dortigen Schrankenübergang und den Hochbehälter neben dem Frönerhaus (Eckartsbergaer Str. 19) anzulegen und den Stadtteil rechts der Saale anzuschließen. Der Antrieb der Pumpen sollte über das städtische E-Werk erfolgen, für den Ausfall war ein Benzinhilfsmotor vorgesehen. Der Kubikmeter sollte 20 Pfennige kosten, bei den öffentlichen Badeanstalten 12 Pfennige.

Beschlossen wurde auch die Eingemeindung der Fränkenauer Wiese, wenn die Landesschule die dortigen Bauplätze nur unter der Maßgabe verkauft, dass die Erwerber ausschließlich Wohnhäuser bauen. Damit sollte verhindert werden, dass sich weitere störende Industrie ansiedelt.

Bewilligt wurde außerdem eine Spende für den Bau des Völkerschlachtdenkmals  bei Leipzig.

 

  1. Apr. C. Friedrich beantragt die Errichtung eines Flussbades (NKB).

Der Gastwirt der „Loreley“ und Pächter der städtischen Fähre wollte nun unmittelbar neben dem Fähranleger eine Flußbadeanstalt einrichten. Auf dem Plan des Zimmermeisters Toepfer ist eine 27 x 11 Meter große Anlage zu sehen, die mit einem 3,5 Meter hohen Sichtschutz versehen ist. Dass eigentliche Becken (5 x 18 m) hatte ein Sprungbrett. Dazu kamen Umkleidekabinen und ein Kassenhäuschen. Zur Anlage gelangte man über eine  kleine Brücke. Die gesamte Konstruktion konnte nach der Badesaison abgebaut und zur Wiederverwendung eingelagert werden. 

 

  1. Apr. Anzeige des Kaiserl. Postamtes (NKB)

„Vom 1. Mai an findet die Auszahlung  der Unfallrenten, Invaliden- und Altersbezüge nicht mehr im Zimmer des Postvorstehers  sondern am Postschalter statt“

 

  1. Apr. Änderung der Lehrerbesoldung (MER C 48 Iib 2028 I)

Das Grundgehalt wurde auf 1000 Mark festgesetzt und staffelte sich nach den Dienstjahren in Stufen von 100 Mark. Für das Heizmaterial wurden dem Hauptlehrer 90 Mark, den übrigen 75 Mark gewährt. Für die Dienstwohnung erhielt der Hauptlehrer 300 Mark, die unverheirateten Lehrer 200 Mark, die verheirateten 250 Mark. Der zweite Lehrer bekam für die Tätigkeit als Küster und Kantor  eine Zulage von der Kirchengemeinde von 294 Mark.

 

  1. Mai Vertrag mit Musikdirektor Wernicke (St.-A. Nr. 348)

Die Jahrespauschale wurde auf 3.000 Mark erhöht. Alle übrigen Klauseln nicht verändert.

 

  1. Mai Die Postagentur auf der Rudelsburg erhält eine Telegrafenstation (NKB).

Von Mai bis September war die Agentur an den Wochentagen von 8 bis 11 und 13 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen  von 8 bis 9 und 17 bis 18 Uhr geöffnet.

 

  1. Mai 15. Verbandstag der Glaserinnung Thüringen-Provinz Sachsen im Mutigen Ritter (NKB)

 

  1. Mai Eröffnung einer homöopathischen Praxis von Dr. Wapler (NKB)

Die befand sich im väterlichen Haus Am Jochenberg 100 (Borlachstr. 49)

 

  1. Mai Die Brauerei Markranstädt verkauft das Gasthaus an der Lengefelder Fähre (NKB)

Nach dem Konkurs des bisherigen Besitzers fiel das Anwesen an den Hauptgläubiger.

 

  1. Mai Praxiseröffnung von Dr. Riemann Kukulauer Str. 49 (Breitscheid Str. 9) (NKB)

Im Juli öffnete eine weitere Arztpraxis im Hämmerlingschen Haus.

 

  1. Mai Geburt von Hans Fischer-Kösen (Vita).

Der Sohn des Prokuristen der Zementfabrik, war einer der Pioniere des Trick- und Werbefilms, manchmal auch der „deutsche Walt Disney“ genannt. 1921 gründete er in Leipzig eine eigene Produktionsfirma Dux-Film. Die beiden ältesten erhaltenen Filme „Der Kaiser der Sahara“ und „Die Prinzessin von Honolulu“ zeigt das Stadtmuseum Leipzig. Fischerkösen starb 1973. Sein Enkel Alexander Fischerkoesen (geb. 1968) und ist ein bekannter Kameramann (2008 und 2010 Grimme Preis) 

 

  1. Mai Carl Bernhardt übernimmt den „Adler“ in der Lindenstraße (NKB)

Nur fünf Monate später gab es einen neuen Pächter (Ernst Jacobi), der sich aber auch nur bis zum Jahresende hielt.

 

  1. Mai Einweihung des Bismarckdenkmals auf der Rudelsburg (Das neue Blatt Nr. 39, NKB).

Unter den Ehrengästen waren der Kgl. Bayr. Gesandte Exz. v. Lerchenfeld, der Kgl. Sächs. Gesandte Graf Hohenthal, Hofmarschall Graf Zeppelin, O.-Reg.-Rat v. Marwitz, der großherzogl.  Oberjägermeister v. Platow, hunderte Mitglieder vom KSCV und VAC, zahlreiche Honoratioren, Einwohner und Gäste. Der Festzug begann am Hotel Kurzhals, voran die Kapell des Inf.-Reg. Nr. 94 aus Weimar und führte dann über eine eigens zu diesem Anlass errichtete Floßbrücke an der „Katze“ zur Rudelsburg. Hier enthüllte Zimmermeister Fr. Töpfer sen. den  vom VAC finanzierten Bronzeguss des jungen Bismarck als Corpsstudent. Das Denkmal sorgte an den folgenden Wochenende für einen Besucheransturm und wurde auch überregional insbesondere auch in Österreich als gelungen gewürdigt. In den nächsten beiden Jahren erhielt die Statue ein erhöhtes Postament, steinerne Ruhebänke sowie eine schmiedeeiserne Einfassung mit den Zeichen aller SC.

 

  1. Juni Baubeginn für das Verbindungsgleis zur Saalebahn (NKB)

Die Eisenbahnverwaltung hatte beschlossen, die Schnellzugverbindung Berlin-München von der Verbindung Zeitz-Gera-Probstzella auf die Route Naumburg-Jena zu verlegen, was eine Verkürzung von 28 km entsprach. Um das Umspannen in Großheringen zu vermeiden, bedurfte es einer direkten Einmündung von der Thüringer in die Saalebahn. Dazu wurden hinter Stendorf ein großes Brückenbauwerk über der Thüringer Bahn und eine Saalebrücke bei Kleinheringen errichtet und somit entstand das Großheringer Gleisdreieck.

 

  1. Juni Unwetter über Fränkenau (NKB).

Erneut ergossen sich die Wassermassen durch die Erosionsrinnen in die Stadt und richteten erhebliche Schäden im Stadtgut, dem Kirchplatz, der Lindenstraße und der Bahnunterführung an. Am Sonntag kamen die „Katastrophentouristen“ sehr zur Freude der Restaurateure. Der Magistrat gewährte den ärmeren Weinbergsbesitzern eine einmalige Hilfe von 300 Mark.

 

  1. Juni Erste Zirkusvorstellung auf der Wiese vor dem Bahnhof (NKB)

 

  1. Juli Darlehen für die Dorfgemeinden (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Für den Ausbau und die Verbreiterung der Landstraßen mussten die Dörfer die Grundstücke innerhalb der Dorflage bereitstellen. Dazu mussten auch Grundstücke von Provatpersoenen erworben werden, wozu auch die städtische Sparkasse mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde Darlehen gewährte, wie  Lengefeld (3.000 Mark), Möllern (15.000 Mark). Punschrau erhielt ein Darlehen von 14.000 Mark, denn hier sollte noch die Schule gebaut wurde und Pomnitz 12.000 Mark inklusive der Kosten für die Reparatur des Kirchendachs.

 

  1. Juni Friedrich Andrae verstirbt im Alter von 69 Jahren (NKB)

Andrae, hatte 1866 die Wirtschaft auf der Rudelsburg von seinem Schwiegervater Samiel übernommen, übernahm 1876 die Pacht der Wilhelmsburg und kaufte 1885 den Preußischen Hof.

 

  1. Juni Beginn der Bauarbeiten für die Trinkwasserleitung (NKB).

Mit dem Bau des Leitungsnetzes wurde eine Firma aus Halle beauftragt, mit dem 200 m³ fassenden Hochbehälter der Maurermeister Hübner und mit dem Brunnenbau die Fa. Anger-Nordhausen. Der erste Versuchsbrunnen neben dem Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49) erwies sich als Fehlschlag. Ein weiterer Versuch neben der heutigen Borlachstr. 48 dagegen  erfolgreich. Bei einer Tiefe von 9 Metern stieß auf eine ergiebige Quelle mit 20 m³/Std, wobei der geschätzte Tagesbedarf der Stadt bei 100 m³ lag.

Kritisiert wurde die Verlegung der Leitung durch die Saale, weil die Verlegung in der Brücke  einfacher zu bewerkstelligen und die Leitung bei Lecks leichter zugänglich war. Da die Brücke dem Fiskus gehörte, musste man davon Abstand nehmen.

Den Hausbesitzern kostete das Anbohren der Hauptleitung 9.50 Mark, die Anschlußleitung 2.75 Mark/ Meter Bleirohr, der Wasserzähler 35 Mark und der Kubikmeter 20 bis 30 Pfennige. Dazu kamen die Installationskosten innerhalb des Hauses.

 

  1. Juni Kabinettsorder zur Diakonissenstation (NKB).

Kaiser Wilhelm II. verlieh der Diakonissenstation den Status einer  juristischen Person.. Die Beglaubigung erfolgte im  Juli durch den Geh.-Kanzleirat Reich. Damit durften Geschenke und Legate angenommen sowie Immobilien erworben werden, soweit die eigenen Mittel dazu reichten.

 

  1. Juni Zwangsverwaltung des „Kurgartens“ (NKB)

Nach der Einleitung des Konkursverfahrens über den Restaurateur Otto Melzer suchte  der vom Gericht eingesetzte Zwangsverwalter im Interesse der Gläubiger einen Pächter. Da der sich kurzfristig nicht fand, erklärte sich Gustav Teichgräber bereit, die Bewirtschaftung bis  Saisonende zu übernehmen. 

 

  1. Juni Erste touristische Floßfahrt von Camburg nach der „Katze“ (NKB)

Die Fa. Graf  Döhler und die Fa. Gebr. Kersten hatten ein Floß gebaut, auf das 100 Personen samt Badekapelle passten. Mit regelmäßigen Floßfahrten sollte der nicht zu realisierende Plan einer Dampfschifffahrt ersetzt werden.

 

  1. Juli Eröffnung eines „Fröbelschen Kindergartens“, Neue Str. II-9 (Fr. Ebert Str. 2) (NKB)

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Abgelehnt wurde die Einrichtung einer Stadtfernsprechanlage und dem ausgeschiedenen Polizeisergeanten Amelang 455 Mark Pension bewilligt.

 

  1. Juli Polizeianordnung zur Langholzflöße (NKB)

Die kurz vor der Fertigstellung stehende Brücke zwischen Saaleck und Stendorf durfte nur am mittleren Brückenbogen passiert werden.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Parkwiese (St. A. Nr. 448)

Aus den seit 1894 geführten Rechnungen geht hervor, dass die Ausgaben 206 Mark und die Einnahmen 80 Mark betrugen. Um den auch künftig zu erwartenden Fehlbetrag zu decken, wurde ein jährlicher Zuschuss von 100 Mark bewilligt.

 

  1. Juli Pensionierung des Polizeisergeanten Heinrich Amelang (MER C 48 Ih Nr. 921)

Amelang, seit 1879 im Dienst, hatte einen Schlaganfall erlitten. Da er eine freiwillige Pensionierung ablehnte, stellte der Amtsarzt seine Dienstuntauglichkeit fest. Amelang, der erst 44 Jahre alt war und Frau und minderjährige Kinder zu versorgen hatte, lehnte die ihm angebotene  Pension von 455 Mark ab, da sie nur ein Drittel seiner bisherigen Bezüge betrug. Doch bevor es zu einer Einigung kam, verstarb Amelang am 21. September.

 

  1. Juli Wolkenbruch über Fränkenau mit ähnlichen Schäden wie im Juni (NKB)

 

  1. Juli Konzert mit der Kgl. Opernsängerin Silvany (NKB).

Die Ungarin, eine Schülerin des Italieners Lamperti begleiteten der Tenor Ferry-New York und die Pianistin Mella Walter-Berlin.

 

  1. Juli 100. Geburtstag des ehemaligen Gendarms Hering (NKB)

Hering, der inzwischen bei seinen  Kindern wohnte, war einer von fünf noch lebenden Teilnehmern der Befreiungskriege, an denen er als Landwehrschütze bei der Belagerung von Magdeburg und unter Wittgenstein  am Gefecht bei Möckern im April 1813 kämpfte. Nach seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst als Feldwebel wurde er 1834 als Gendarm der 4. Gendarmeriebrigade nach Kösen versetzt, wo er bis 1853 seinen Dienst versah.  Hering starb im März des Folgejahres. 

 

  1. Juli Eröffnung eines Wäsche- und Plättgeschäfts im Langeschen Haus Lindenstr. I-13 (NKB)

 

  1. Aug. Am Abend werden 3000 Bahnreisende gezählt (NKB)

 

  1. Aug. Anzeige des Dekorationsmalers Ernst Koch (NKB)

„Um meinen Kunden und Gönnern über verschiedene an mich ergangene Anfragen Aufklärung zu geben, erlaube ich mir durch Gegenwärtiges öffentlich die Mitteilung zu machen, daß mein Vorgänger der Malermeister E. Leschke (Borlachstr. 43), von welchem ich Geschäft und Inventar käuflich übernommen  habe, nicht mehr imstande sein wird, hier irgendwelche Arbeiten für seine eigene Rechnung auszuführen oder ausführen zu lassen, da ihn der seinerseits unterzeichnete Kontrakt dem Recht entsprechend davon zurückhält. Herr Leschke wird auch nie als Gehilfe bei seiner Frau tätig sein können, sondern ist verpflichtet, mich von den einlaufenden Aufträgen zu unterrichten...“.

Zwei Monate später zeigte Koch an, die ein „Atelier für Dekorationsmalerei“ in seinem Haus Rudelsburgpromenade (16) eingerichtet habe.

 

  1. Aug. Bewilligung der Mittel zur Instandsetzung des Südflügels am Gradierwerk (NKB)

Trotz knapper Kassen hatte man sich für den Erhalt der gesamten Anlage entschieden.

 

  1. Aug. „Kösen-historische Skizzen“ ein Beitrag zur Stadtgeschichte (NKB Nr. 201).
  2. Faust aus Auerstedt gab fast wörtlich eine gekürzte Fassung der 1826 von Lepsius verfassten „Ortskunde“ wieder.

 

  1. Aug. Tragödie an der Windlücke (NKB).

Ein Mann hatte seine Jugendliebe und sich selbst erschossen, weil sie einen anderen Mann geheiratet hatte, wie aus seinem Abschiedsbrief hervorging.

 

  1. Aug. „Geschichte des Kurgartens“ (NKB)

In zwei Beiträgen wurde auch ausführlich auf die Groddeck-von Zedtwitzsche Unternehmung in den 1870er Jahren und deren Folgen eingegangen. Leider wurden diese Beiträge und zwar erst in neuerer Zeit aus dem im Naumburger Stadtarchiv aufbewahrten Jahrgangsbuch sorgfältig herausgetrennt und befinden sich möglicherweise auch heute noch in deseen privater Hand.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 324)

Beschlossen wurde ein Jahresgehalt von 935 Mark für den neuen Polizeisergeanten, dazu 130 Mark für die Kontrolle der Biersteuer, 45 Mark Kleidergeld, 60 Mark für die Marktaufsicht und freie Wohnung. Für ausgeschiedene Unteroffiziersdienstgrade sollte die bisherige Dienstzeit bei der Pensionierung nicht angerechnet werden.

Bewilligt wurden weitere 15.000 Mark für die Wasserleitung. Dem Grundstückseigentümer Eckhard, durch dessen Grundstück die Wasserleitung zum anderen Saaleufer verlegt werden sollte, wurden 100 Kubikmeter Wasser jährlich als Entschädigung angeboten.

  

  1. Sep. Mannschießen des Bürgerschützencorps in der Ilske (NKB)

 

  1. Sep. Zwangsversteigerung des Melzerschen Besitzes (NKB)

Bereits am 14. Juli wurde das Gaststätteninventar versteigert. Nun folgten sein Wohnhaus sowie zwei Holzungen von 2070 bzw. 1260 m² an der Ilske. 

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Nach den veröffentlichten Badelisten waren es 2111 Badegäste, darunter der Geh.-Ob.-Reg.-Rat Cornelius-Berlin, Exz. Vizeadmiral Freiherr v. Hollen mit Tochter und Erzieherin-Berlin, Miss Lampe-New York, Fr. Oberst Smirnoff-St. Petersburg, Baron v. Kirchbach-Berlin, Gräfin v. Houwald, Graf Henkel v. Donnersmarck mit Gattin, Baronin v. Kirchbach-Berlin, F. H. Krause-Omaha, Miss H. u. E. Werder-Hartford, Fr. v. Pöppinhausen, Fr. Gambaroff-Riga, Miss L. u. M. Baer-San Franzisco, Freifrau v. Richthofen-Leipzig, Gräfin v. Finckenstein-Potsdam, E. v. Langhoff-St. Petersburg.

Im Durchschnitt der letzten vier Jahre waren es jährlich 2.140 Kurgäste darunter 220 Patienten der Kinderheilstätte und der Ferienkolonie.

 

  1. Okt. Einweihung der Saaleck-Stendorfer Brücke (NKB).

 

  1. Nov. Handelsregistereintrag der „Fa. Kurhaus zum mutigen Ritter und Ritterbad“ (NKB).

 

  1. Okt. Versteigerung des Nachlasses des Oberstltn. a. D. Sänger (NKB)

Neben zahlreichen militärischen Ausrüstungsstücken wurde auch zahlreiche Bücher verkauft. Ein Käufer fand in einem mehrere 100 Mark Scheine.

 

  1. Okt. Bürgerversammlung zur „Kurgartenfrage“ (NKB, St.-A. Nr. 60).

Die Schließung des „Kurgartens“ erregte die Gemüter, wie aus einem Leserbrief v. 11. Sept. hervorgeht: „Man hört von diesem und jenem Projekt, Kauflustige  werden bereits genannt (.) Wir alten Kösener (.) hegen den Wunsch, daß dieser herrliche Fleck der Stadt erhalten bleiben möge (.) Da möchte ich mir nur einen Vorschlag erlauben, den auszuführen es nur des Gemeinsinns der Kösener und eines Griffes in  den Geldbeutel bedarf. Heutzutage schließen sich (.) aller Orten Gleichgesinnte zusammen, um  durch eine Beisteuer aus ihrem Vermögen gemeinsam ein Unternehmen lukrativ zu machen. Könnte das nicht auch hier bewerkstelligt werden (.).

Paul Kersten verlangte, dass die Stadt den Kurgarten erwerben und hier ein öffentliches Kurhaus einrichten sollte. Außerdem wäre genügend Platz auch die Räume für den Magistrat einzurichten, um die dringend benötigten Klassenräume im Schulhaus frei zu bekommen. Außerdem sollte hier ein zweites Gradierwerk errichtet werden, um den Nachteil für die Hauswirte am linken Saaleufer aufzuheben, denn die hier wohnenden Gäste wünschten kürzere Wege zu den Kuranlagen. Zur Berieselung könnten die bereits vorhandenen Soleleitung zum Borlachbad und zum Wilhelmsbad genutzt werden.

Das notwendige Grundkapital könnten interessierte Anleger aufbringen. Kersten wurde beauftragt, diesen Plan in der Stadtverordnetenversammlung vorzutragen.

 

  1. Okt. 3 Kleinkinder sterben an einer Rauchvergiftung in der elterlichen Wohnung (NKB)

Nur wenige Tage zuvor war ein vierjähriges Mädchen auf die gleiche Art umgekommen. Im Januar 97 konnten 4 Kinder gerade noch gerettet werden. Ursache war immer das unbeaufsichtigte Hantieren mit dem Feuer.

 

  1. Okt. Verlegung der Trinkwasserleitung durch die Saale (NKB)

Nach siebenwöchiger Baggerarbeit und  nach Überwindung erheblicher Hindernisse wurde die  10 cm starke und 80 Meter lange Stahlrohrleitung im Flußbett unterhalb der Eisenbahnbrücke verlegt.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 324, NZ).

Genehmigt wurde die Eingemeindung einiger Parzellen am Jackenberg und 5.000 Mark für die Neubedornung der Ostseite des Gradierwerks sowie die Erneuerung der Soleleitung.

Der Vorschlag Kerstens, den Kurgarten für 100.000 Mark zu kaufen und dort für weitere 100.000 Mark ein Kurhaus, ein Gradierwerk und das Rathaus zu bauen, wurde mit 9 zu 3 Stimmen abgelehnt.

 

  1. Nov. Verkaufsanzeige der Villa Stuckrad, Neue Str. 27 (Fr. Ebert Str. 17) (NKB)

Zur gleichen Zeit bot P. Röblitz die von P. Kersten bewohnte „herrschaftl. 1. Etage“ in der Neuen Str. 26 (Schmettau Str. 13) zur Wiedervermietung an, da dessen eigene Villa bezugsfertig (Schmettaustr. 14) wurde .

 

  1. Nov. Anzeige von Gustav Teichgräber zum Kurgarten (NKB)

„Das im Neubau begriffene Etablissement soll wegen vorgerückten Alters des Besitzers sehr preiswert bei wenig Anzahlung verkauft werden. Da der Bau voraussichtlich April fertiggestellt wird, sind bei baldiger Meldung zum Kauf, etwaige Wünsche bezügl. Ausführung noch zu berücksichtigen..“ Gustav Teichgräber unterzog das Anwesen einer umfassenden Renovierung sowie Neuausstattung.

 

  1. Dez. Wählerversammlung im Hotel Kurzhals und in der „Tanne“ (NKB)

Bei der letzten Nachwahl der Stadtverordneten, wurde die Richtigkeit der Wahllisten angezweifelt. Da betraf insbesondere die Wahl des Buchbindermeister Fr. Wolff aus der 3. Wählerabteilung . Der rief seine  Wähler auf, die Veranstaltungen zu besuchen und erklärte, „er und seine Freunde (Kersten, Matthes, Graf) hätten auch genügend Material gegenüber denjenigen gesammelt, die sich als Richter  aufwerfen“. Er und seine Wähler blieben der Versammlung fern, die ihm darauf eine Mißbilligung aussprach. Daraufhin veröffentlichten Kersten und Wolf eine Erklärung:

„In der Versammlung (.) sind nicht 250 sondern 190 Personen zugegen gewesen, der Bürgermeister samt seinen Bürobeamten, Stadtverordneten 10 Köpfe, etwa 20 Köpfe aus der 1. und 2. Wählerabteilung, die für uns ebensoqwenig in betracht kommen, da sie unsere Wähler nicht sind. Ferner Söhne und Commis von Stadtverordneten, etwa 30 Köpfe, an die sechzig Wähler des nicht gewählten Kandidaten Schubert und 10 Haacksce Wähler. Der Rest waren Wolffsche Wähler, die sich den Spaß einmal ansehen wollten. Wer will uns  daher verdenken, wenn wir bei dieser Versammlung nicht erschienen sind, umso mehr , als von der Mehrzahl unserer Wähler beschlossen worden war, als Partei  nicht hinzugehen (.) Mehrere unserer Herren Kollegen haben unsere gegen sie gerichteten Angriffe scharf getadelt, aber nachzuweisen, daß sie auf Unwahrheit beruhen  ist ihnen nicht gelungen (.) Wir halten diese daher bis sie als unwahr erwiesen sind  aufrecht und werden  fortfahren unseren Mitbürgern  die Augen zu öffnen und diejenigen Personen weiter bezeichnen, deren Tätigkeit  für die städtischen Interessen wir nicht förderlich halten (.)  

Unsere Forderung ist und bleibt  aber die, daß der städtische Etat endlich nicht nur den Stadtverordneten übergeben, sondern auch der Bürgerschaft zugängig gemacht wird, damit unsere Wähler die Verwendung und Empfänger der städtischen Gelder ohne weitere klar und deutlich ersehen können.

Ferner müssen die städtischen Kollegien getrennt d.h. der Bürgermeister darf nicht länger Vorsitzender des Stadtverordneten-Kollegiums und seine beiden Ratsschöffen nicht zugleich Stadtverordnete sein. Erst dann sind im Stadtverordneten-Kollegium Beschlüsse möglich,die dem Willen der Bürger entsprechen und natürlich soll und muß ein Gradierwerk auf dem linken Saaleufer errichtet werden..“

Der Streit zwischen Kersten und auf der einen Seite und dem Magistrat und einigen Stadtverordneten bestimmte in den folgenden Jahren die Lokalpolitik. Zeitweise eskalierte der Streit, so dass sich der Landrat, der Bezirksausschuss und  auch die Gerichte damit beschäftigten.

 

  1. Dez. Veranstaltungen zu den Feiertagen (NKB)

Im Hotel Kurzhals gastierten eine Alpen-Sänger und Schuhplattlergesellschaft, Bälle veranstalteten Barthel auf der „Kaiser Wilhelmsburg“, Steger auf der „Schönen Aussicht“, Völkel im „Ratskeller“, Schwarze in der „Katze“, Schleicher im „Rektorberg“ und Feller in der „Tanne“. 

 

  1. Dez. Ausstellung von Bildern des Kunstmalers E. Koch im Mutigen Ritter (NKB)

 

1897

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (KÖZ, NKB).

Die Einwohnerzahl betrug 2.706, davon 1.135 Männer und 1.571 Frauen. 15 Ehen wurden geschlossen, 75 Kinder geboren (42 Knaben, 36 Mädchen) 55 Todesfälle, davon 17 Kinder unter 10 Jahren. Die städtische Schule besuchten 380 Kinder, das Gehrkesche Institut 36 Knaben und die höhere Töchterschule 34 Mädchen.

 

  1. Jan. Pläne zur Erweiterung des Kerstenschen Dampfsägewerks (NKB)

Da es hier gab, veröffentlichte Kersten eine Erwiderung: „Der Herr Gastwirt Weber, als auch der Bäckermeister Hämmerling sind bemüht, bei der Bürgerschaft Kösens Unterschriften zu sammeln zu einem Protest, welcher gegen die von uns in Lengefeld projektierte Kalkbrennerei gerichtet ist. Wir bitten daher die Bürgerschaft Kösens sich zur Unterschrift dieses Projektes nicht herzugeben da aus den Schornsteinen einer Kalkbrennerei neuester Konstruktion fast nicht eine Spur von Rauch entweicht. Tatsächlich kommt aus einem solchen Schornstein nicht der hundertste Teil von dem Rauch heraus als er aus einem Bäckerschornstein oder dem einer Badeanstalt (.) wie aus den Schornsteinen der Herren Weber und Hämmerling...“

Daraufhin veröffentlichte die Zeitung einen Leserbrief: „Durch den Kgl. Landrat Freiherrn v. Feilitzsch wurde im Naumburger Kreisblatt öffentlich bekannt gemacht, daß diejenigen welche Einwendungen gegen eine Kalkofenanlage der Herren Gebr. Kersten auf dem Gelände des Dampfsägewerkes erbauen wollen, dieses schriftlich oder mündlich anzutragen hätten.

Man sollte wohl annehmen, daß jeder Einwohner Kösens die Gefahr begreifen  würden, die eine solche Anlage für den Wohlstand Kösens als Stadt und Bad mit sich bringt und muß es deshalb sehr verwunderlich erscheinen, daß eine Anzahl hiesiger Bewohner auf Zumutung der Herren Gebr. Kersten und unter Annahme, daß diese  Anlage der Stadt Vorteile bringt, ihren Beifall zu einem solchen Bau durch Unterschrift gegeben hat.

Demgegenüber erlaube ich mir (.) auf die ungeheuren fast ruinierenden Nachteile einer solchen Anlage in der Nähe Kösens hinzuweisen. Eine industrielle Anlage und insbesondere die einer Kalkbrennerei, die nur einer kleinen Anzahl Arbeiter einen geringen Verdienst zu verschaffen imstande ist, kann unmöglich und unter keinen Umständen der Kösener Bevölkerung die Vorteile und Gewinne bieten, als die Frequenz des Bades tut. Es ist deshalb die Hochhaltung des Badeverkehrs für Kösen die größte Wichtigkeit, ja sogar eine Existenzfrage.

Als Nachteile sind zu erwähnen die Verunreinigung der Luft (Kalkstein sondert beim Verbrennen ca. 44% Kohlensäure ab). Durch die den Öfen entströmenden Gase, welche bei dem meist vorherrschenden West- und Südwestwinden sich über die Stadt, den Anlagen und umliegenden Weinbergen verbreiten und Niederschläge absondern, wird die Gesundheit der Menschen und das Wachstum der Pflanzen schwer beeinträchtigt, was bisher nebst unserer guten Saale die Anziehungskraft Kösens für die Besucher aus den Großstädten bildete (.)

Die Konkurrenz unseres Bades wird dies zum Nachteil Kösens ausnutzen und wird es voraussichtlich gar nicht lange dauern, daß die Zahl unserer Badegäste nicht mehr nach Tausenden sondern nur noch nach Hunderten sich beziffern wird...“

 

  1. Jan. Nachruf auf den Mediziner und Physiologen Emil Heinrich du Bois-Reymond (NKB)

Der Schwager Dr. Rosenberger war im Dezember im Alter von 78 Jahren in Berlin verstorben. Er galt alsBegründer der experimentellen Elektrophysiologie und regte auch die Einrichtung des Solestrombades auf der Radinsel an. Fast jedes Jahr besuchte er seine Verwandten und das Grab seiner Eltern. Sein Vater Felix-Henri du Bois Reymond (1782-1864) hatte sich nach seiner Amtszeit als preußischer Gouverneur von Neuchatel-Schweiz zusammen mit seiner Ehefrau Minette Henry (gest. 1868), Tochter des Direktors der Kunstkammer des preuß. Königs und Enkelin des Kupferstechers und Vorsitzenden der Akademie der Künste zu Berlin Daniel Chodowiecki hier niedergelassen.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB).

Beschlossen wurde die Erhebung der „Kösener Zeitung“ zum Amtsblatt mit einem Zuschuss von 150 Mark für die Veröffentlichung amtlicher Meldungen.

Dann beschäftigte man sich mit der Kerstenschen Kalkbrennerei. Ungeachtet der Petition der  Einwohner von Lengefeld und Saaleck, die den Magistrat aufforderten, für die Anlage zu stimmen, lehnten wegen dem von den geplanten 80 Meter hohen Schornstein ausgehenden Qualm Schuhmachermeister Becker, Schulvorsteher Dr. Gehrke, Kaufmann O. Koch, Ratsschöffe Krüger, Rentier Lucas, Postmeister a. D. Müller, Mühlenbesitzer Roßner, Ratsschöffe Siebold, Zimmermeister Töpfer, und Hotelbesitzer Weber das Vorhaben ab. Dagegen legte Kersten Widerspruch ein, weil die Anlage außerhalb des Stadtbezirkes liegt und die Versammlung darüber keine Beschlüsse fassen darf.

 

  1. Jan. Bekanntgabe der enteigneten Grundstücke für die Erweiterung des Güterbahnhofs (NKB)

Betroffen waren unbebaute Grundstücke u.a. vom Uhrmacher Friedrich Hertel, sowie der Matthes`schen Erbengemeinschaft 

 

  1. Jan. Erbschaftsversteigerung des Gräfeschen Hauses in Saaleck (NKB)

Dazu gehörten die Witwe Amalie Therese Gräfe, geb. Graf, vertreten durch den Flößer Julius Gräfe sowie die Söhne Friedrich Karl und  Friedrich Gustav Gräfe, der Wirt vom „Himmelreich“, alle in Saaleck asnsässig.

 

  1. Jan. Festmahl zum Geburtstag des Kaisers im Hotel Kurzhals (NKB)

Die Teilnahme zu der das Festkomitèe (Bgmstr. Rudolph, Pfarrer Diederich, Postmeister Eckleben, Kfm. Apitzsch, Matthes und Koch, Ökonom Bäßler, Zimmermeister Toepfer) aufrief kostete 8 Mark, schloss die ärmere Bevölkerung aus. In der „Tanne“ feierte der jüngere Kriegerverein Kronprinz Friedrich Wilhelm.

 

  1. Feb. Konzession für die Schankwirtschaft „Insel Helgoland“ (Fährhaus Lengefeld) (NKB)

Am 1. April übernahm F. A. Günther das Fährhaus, dass er nun  „Gastwirtschaft zur Saale“ nannte. Die Besonderheit war, dass die Biersteuer nicht Lengefeld sondern an Saaleck zu zahlen war.

 

  1. Feb. Im „Preußischen Hof“ steht ein elektrisches Pianola mit Münzeiwurf (NKB)

 

  1. Feb. Erster Kinematograph im Hotel „Kurzhals“ (NKB)

Es gab an drei Tage jeweils drei Vorstellungen. Der 1. Platz kostete 50 Pfg. 

 

  1. Mär. Vertrag mit dem Provinzialschulkollegium (St.-A. Nr. 360)

Die Landesschule überließ der Stadt einen Streifen in der Weniger Aue zur Anlage einer „Wandelbahn“ von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“ zum Preis von 1,50 Mark/m². Im Gegenzug  verpflichtete sich  die Stadt, umgehend die Eigentums- und Nutzungsrechte in der Loreleypromenade so zu ordnen, dass diese eingemeindet werden kann. Außerdem übernahm man die Unterhaltung des Saaleufers, sicherte den ungehinderten Zugang zur Weniger Aue und den Abhang des Rechenberges zu, sowie duldete in der  Loreleypromenade den Forstverkehr der Schule und verzichtete auf das Jagdpachtgeld. Danach ersuchte die Badedirektion bei der Wasserbauinspektion die Genehmigung zum Wegebau am Saaleufer.

 

  1. Mär. Eröffnung eines Damenkonfektionsgeschäfts in der Rudelsburgprom. 81 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Der Antrag Kerstens, der Kinderheilstätte für jedes Solebad 15 Pfg. für die gelieferte Sole zu berechnen, wurde zunächst mit dem Verweis auf die Barmherzigkeit und die gute Werbung der Anstalt abgewiesen.

 

  1. Mär. Gedenkfeier zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm I. (NKB)

Die Kinder hatten schulfrei und die Behördenöffnungszeiten waren denen des Sonntags angeglichen. Die Gebr. Kersten hatten 500 Gäste, darunter sämtliche Beschäftigte in die „Katze“ eingeladen. Die Festrede hielt Dr. Karl Schütze und Paul Kersten lobte in seiner Ansprache die  Sozialgesetzgebung des Kaisers. Die Stadt veranstaltete ein Festessen im „Mutigen Ritter“ mit 130 Teilnehmern und am Abend trafen sich 300 Angehörige der Kriegervereine auf der Wilhelmsburg. Am anderen Tag gab es einen Frühschoppen, am Nachmittag ein Kinderfest wo jedes Kind 15 Pfg. und eine kleine Gabe erhielt. Den Tag beschloß ein Familienabend in der „Tanne“.  

 

  1. Mär. Übernahme der Wernerschen Ziegelei durch den Ziegeleibesitzer Arnold (NKB)

Arnold, dessen Ziegelei auf Lengefelder Flur neben der Kerstenschen Dampfsäge lag, bezahlte  3000 Mark.

 

  1. Apr. Der Chausseeeinnehmer Axthelm übernimmt den „Göttersitz“ (NKB).

 

  1. Apr. W. Kellner übernimmt die Gastwirtschaft „Zur Börse“ (Eckartsbergaer Str. 6) (NKB)

 

  1. Apr. Sterbetag der Ortshebamme Fr. W. Ziege im 70. Lebens- und 50. Dienstjahr (NKB)

Am 12. Juli 1898 ließ sich die Hebamme A. Blaufuß in der Querstr. 38 (Schmettaustr. 3)nieder.

 

  1. Mai Eröffnung der renovierten Gastwirtschaft „Zum Adler“ (Lindenstr. 7) (NKB)

Das Haus gehörte dem Kaufmann Carl Müller, für die Gastwirtschaft hatte er einen Geschäftsführer.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Beschlossen wurde ein Preis von 7,5 Pfg. für ein Wannenbad in der Kinderheilstätte (300 Mark jährlich) und die probeweise Anstellung des Polizeisergeanten Richter. 

 

  1. Mai Bekanntgabe der Pläne zur Erweiterung des Bahnhofs (NKB,WEI RBD K 161/5).

Geplant waren eine Fußgängerunterführung gegenüber vom Hotel Kurzhals bzw. dem  Preußischen Hof neben dem Schrankenübergang. Der Mittelbahnsteig sollte soweit verlängert werden, dass er direkt von der Unterführung erreicht werden konnte. Dazu mußte die Landstraße vom Hotel Kurzhals bis zum Bahnhof verlegt und die Quelle überwölbt werden. Neben dem Leschkeschen Anwesen (Borlachstr. 43) sollte eine Fußgängerbrücke über die Gleise führen. Die Einziehung des Schrankenübergangs am Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49) wurde zurückgestellt.  

 

  1. Mai Rittertag des Johanniterordens der Provinz Sachsen im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Zu den Teilnehmern gehörten der Ordenskommendator General Graf v. Wartensleben, der Ehren-Kommendator Minister v. Wedel, der Ober-Präsident der Provinz von Pommer-Esche, Landesdirektor Graf v. Witzingerode, Reg.-Präsident Freiherr v. d. Esche, Graf zu Stolberg-Wernigerode, Landrat Freiherr v. d. Schulenburg (Kölleda), Landrat Freiherr v. Feilitzsch, Landrat Graf Kuno v. Stolberg (Roßla) Graf Zech, Graf zu Waldeck-Pyrmont, General v. Trotha, Freiherr v. Eller-Eberstein,  Freiherr v. Münchhausen, Legations-Rat v. Tümpling.

 

  1. Juni Inbetriebnahme der Trinkwasserleitung (Röblitz, St.-A. Nr. 144 /Nr. 60).

In der im Februar erlassenen Gebührenordnung wurde neben den Pflichten der Anschließer auch der Abgabepreis mit 20 Pfg./Kubikmeter und die Zählergebühr festgeschrieben. Im Pumpenhaus (Borlachstr. 48) wurde das Lager für die Ersatzteile und die Wasserzähler sowie die Wohnung für den Maschinenwärter eingerichtet und der übrige Landstreifen an der Bahn mit 80 Obstbäume bepflanzt, deren Behang jährlich meistbietend verpachtet wurde.

 

  1. Juni C. Friedrich eröffnet die Veranda an der „Loreley“ (NKB)

 

  1. Juni Wiedereröffnung des „Park Hotels im Kurgarten“ (NKB)

„Die Hotel- und Restaurationsräume sind durch den großen Umbau und durch Neueinrichtung aufs beste und praktischste verändert, so daß sie alle Anforderungen an ein neuzeitliches Hotel in jeder Hinsicht erfüllen“ erklärte der aus Lübeck stammende Inhaber Heinrich Hey vor den Pfingsfeiertagen.

 

  1. Juni Verkaufsanzeige für das Vogelsche Haus Borlachstr. 42 (Nr. 19) (NKB)

Der Anbau im Hof hatte 6 Fenster und war daher als Werkstatt

 

  1. Juni Zwangsversteigerung der Häuser Parkstr. 143 und 144 (Nr. 13 und 14) (NKB)

Die beiden unmittelbar neben dem Haus des Photographen Krause (Rudelsburgprom. 1) gebauten Häuser gehörten einer Berlinerin.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544/NKB).

Beraten wurde über einen Vertragsentwurf mit der Landesschule. Die wollte östlich der Friedrichstraße an drei neu anzulegenden Straßenzügen Baugrundstücke zum Verkauf anbieten,   die die Stadt nnach der Bebauung eingemeindet werden sollten. P. Kersten meinte, dass man keine neuen Häuser bauen sollte, da etliche Wohnungen links der Saale leerstehen. Auißerdem unterstellte er dem Zimmermeister Toepfer persönliche Vorteilsnahme, nicht ganz zu Unrecht, denn dieser hatte als Bauunternehmer seine Finger im Spiel. Problematisch war der Vertragsentwurf ohnehin, denn bis zur Eingemeindung unterlag das Bebauungsgebiet den baupolizeilichen Vorschriften des Gutsbezirks, die weit hinter der städtischen Bauordnung zurückstanden (Ausführung der Straßen- und Fußwege, sowie der Kanalisation, Fassadengestaltung, Vorgärten etc.). Außerdem vereinnahmte die Landesschule auch die Gebühren ein.

Daneben wurde die Eingemeindung der östlichen Seite der Friedrichstraße vom Gehrkeschen Institut bis an den Flemminger Fußweg beschlossen.

Außerdem hatte sich die Stadt gegenüber den Oberbehörden verpflichtet, bis zum 1. April 1898 die leidige Schulproblematik zu lösen. Die ging inzwischen soweit, dass Schüler„wegen Platzmangel nicht versetzt wurden“. Die Suche nach einem passende Objekt für den Magistrat und die städtischen Behörden hatte oberste Priorität.

 

  1. Juni Die Stadtsparkasse erhöht den Zinssatz auf Spareinlagen auf 3,5% (NKB)

 

  1. Juli Der Bazar für die Diakonissenstation in der Bahnhofshalle brachte 2000 Mark (NKB)

 

  1. Juli Versteigerung des Inventars des Ökonomen Bässler, Borlachstr. I-58 (Nr. 32) (NKB)

 

  1. Juli Erste Vorstellung des „Neuen Kurgarten-Theaters“ (NKB)

Bereits nach der ersten Vorstellung trennte sich das Ensemble von seinem Direktor. Die verbliebenen 5 Mitglieder nannten sich „Theater-Republik“ und wählten den Schauspieler v. Schiffner zum Direktor. Bis zum 19. September wurde jede Woche ein anderes Schau- bzw. Lustspiel aufgeführt. Das abwechslungsreiche und qualitativ gute Programm brachte gute Einnahmen und das Ensemble um v. Schiffner erklärte sich bereit, auch in der kommenden Saison das Kurgartentheater zu bespielen.

 

  1. Juli Grundsteinlegung für das neue Postgebäude (NKB).

Drei Monate zuvor hatte der Apoldaer Bauunternehmer Ehrhardt in Abstimmung mit der kaiserl. Post das Haus des Buchdruckers Lange (Lindenstr. 13) aus der Konkursmasse erworben und umgehend den Mietern gekündigt. Da sich ein Umbau für die Belange der Post (Schalterräume, Expedition, Telegrafenamt, Wohnungen für die Beamten) nicht  realisieren ließ, wurde das Anwesen vom Maurermeister J. A. Werner abgerissen und ein neues Amtsgebäude nach den Bedürfnissen der Post gebaut. Der Bezug war für den 1. April 1898 geplant.

 

  1. Juli Brunnenfest auf der Parkwiese (NKB)

Schleicher hatte den „Rektorberg“ geschlossen und bewirtschaftete die Festwiese, außerdem luden die Wirte vom  „Preußischen Hof“, der „Tanne“ und dem „Kurgarten“ zum Brunnenfestball ein.

 

  1. Aug. Extrakonzert im „Kurhaus mutiger Ritter“ (NKB)

Die Stadtkapelle begleitete den „weltberühmten schwarzen Stabstrompeter Mr. Valerie Brown vom 10. Kavallerieregiment Texas (in Uniform)“.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Genehmigt wurde die Überlassung einer Parzelle zwischen den Grundstück Leschke (Borlachstr. 43) und dem städtischen Wasserwerk für die neue Fußgängerbrücke über die Eisenbahn mit der Maßgabe, dass diese wieder die Unterhaltung der Kaskade und des Kanals übernimmt und den Anschluss weiterer Entwässerungskanäle sowie den Überlauf des Brunnens vom Wasserwerk gestattet.

 

  1. Aug. Brand beim Zigarrenfabrikanten Hecklau (Grünen Gasse 3) (NKB).

Wohnhaus und Hinterhaus brannten nieder, dazu das Warenlager des Konsumvereins und vier Wohnungen armer Familien. Neben der Kösener Spritze waren die von Fränkenau, Lengefeld, Hassenhausen, Kreipitzsch und Saaleck  vor Ort. Dank des Hydranten der neuen Wasserleitung gelang es, die Ausbreitung des Brandes zu verhindern.

 

  1. Aug. Kuraufenhalt von Johanna von Sydow (Hollbachsches Fremdenbuch)

Die Berlinerin (Jg. 1850) war eine viel gelesene Autorin, deren Beiträge von überregionalen Zeitungen veröffentlicht wurden.

Der Wirt Hollbach war gelernter Koch, der zusammen mit seinen Schwestern Marie und Minna sowie seinen Kindern Paul und Lieschen die ehemalige Berbigsche Pension, heute Lindenstraße 26 betrieb, die wegen ihrer guten und preiswerten Küche bekannt war und vorzugsweise von Gästen aus Berlin aufgesucht wurde. 

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, St.- A. 145)

Wegen der äußeren Zwänge wurde nun der Kauf der ehemaligen Rosenbergerschen Badeanstalt (Lindenstr. 9) zum Preis von 44.000 Mark beschlossen, der Kaufvertrag am 1. November geschlossen. Für den Kauf des Anwesesn wurde ein Dalehen bei der Landesfeuersozietät mit 3,5% Zinsen und 1% Tilgung aufgenommen.

Der Besitz Rosenbergers wurde geteilt. Die Lindenstr. 12 a (Nr. 11) bezogen nach dem Auszug der Reichspost zwei Töchter  Rosenbergers, Jenny Eugenie Louise Auguste, die mit ihrem Cousin dem Kapitän Otto Georg Benno Rosenberger verheiratet war und die unverheiratete Magdalena. Erstere verfasste hier die Vita der Familie ihrer Mutter (du Bois-Reymond). Sie starb 1931. Magdalena veröffentlichte unter dem Pseudonym Rose Berger Gedichte und Feuilletons. Sie starb 1939 und wurde wie ihre Schwester und der Schwager auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Das Haus nannten sie Villa „Fallen Anker“.

Ein Jahr später ließen die Geschwister, zu denen noch der Bruder Otto Felix in Hannover und Elisabeth Concordia, verheiratet mit dem Direktor des Rauhen Hauses in Hamburg-Horn Dr. Wichern gehörten, einen vorlorenen gegangegen Hypothekenpfandbrief ihres Onkels dem Reg. Rat Professor E. Du Bois Reymond aufrufen.

 

  1. Sep. Erklärung zum Beschluß der Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NKB)

„Die Wahl mehrerer Kassenärzte geschah auf das Drängen der Majorität der Anwesenden. Diese Ansicht der Notwendigkeit konnte weder vom eifrig dagegen sprechenden Kassenarzt noch vom Vorsitzenden aufgehalten werden...“ unterzeichnet hatten Fr. Matthes und  Graf & Döhler.

Auf der nächsten Sitzung sollte die freie Arztwahl der zugelassenen Kassenärzte bei gleichzeitiger Erhöhung der Beiträge beschlossen werden, denn „der Friede der zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Kösens noch nie getrübt war, darf auf keinen Fall dadurch gestört werden, daß man den Arbeitnehmern den berechtigten Wunsch der freien Arztwahl versagt“. Dennoch fand der Beschluss keine Mehrheit und Dr. Risse blieb alleiniger Kassenarzt der Stadt.

 

  1. Sep. Vorführung der Hydranten vor den Kreisdirektoren der Feuersozietät (NKB)

Übungsobjekte waren die Apotheke, die Häunsche Bäckerei (An der Brücke 2) und das neue Logierhaus vom „Mutigen Ritter“.

 

  1. Sep. Ende der Badesaison (NKB)

Nach den veröffentlichten Badelisten hielten sich ...Gäste auf. Prominentester gast war wohl Durchlaucht Prinzessin Eleonore Louise Reuß jüngere Linie (1860 bis 1917), die 1907 den bulgarischen Zaren heiratete, mit Gefolge und Bedienung. Außerdem der General-Superintendent Textor-Magdeburg, Hr. Erlenbeck-St. Petersburg, Gräfin Kamecke-Weimar, Exz. Kammergerichtspräsident Drenkmann-Berlin, Alexandrine v. Bornhaupt-Riga, Fr. Exz. v. Biebahn-Berlin, Gräfin Werder-Güstrow, Mr. u. Mrs. Brigelow-Boston, Graf Guido Henckel v. Donnersmarck mit Gattin- Breslau, Maler Paul Schulze-Naumburg und Gattin-München, Kfm. Stettner mit Familie-Guadalajara-Mexiko, Prof. Dr. A. Althaus-Berlin, Malerin Marie Galle-Berlin, Baronin v. Bülow-Dieskau, Bildhauer Ernst Goldstein-Berlin, Maler C. v. Kalkreuth-Berlin, Busso Asseburg-Brasilien, RA Louis Mon-Madrid, Frau v. Mangold mit den Comtessen und Grafen v. Schwerin, Konteradmiral Barandon-Berlin, Frl. v. Luczinska-Warschau, Gräfin Fink v. Finckenstein mit Tochter Baronin v. Hammerstein, Baronin v. Stern-Kochberg, Frl. v. Langsdorff u. Frl. v. Ungern-Sternberg-St. Petersburg, General v. Lynecker-Berlin, Maler Ludwig Bartning-München.

In der Kinderheilstätte wurden 133 und in der Ferienkolonie 120 Kinder in vier Durchgängen aufgenommen.  

 

  1. Sep. Versteigerung des Inventars der „Erholung“ wegen Wegzug des Gastwirts (NKB)

 

  1. Okt. Eröffnung des Friseurgeschäfts von Otto Kotte, Burgstr. I-107 (Nr. 19) (NKB)

 

  1. Okt. H. Trölzsch übernimmt die Fleischerei in der Borlachstr. I-35 (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Okt. Pächterwechsel auf der „Wilhelmsburg“ (NKB).

Am 3. August war O. Barthel im Alter von 39 Jahren verstorben und da der Pachtvertrag auf ihn lautete, hatte der Kriegerverein die Pacht neu ausgeschrieben. Der neue Pächter Fr. Kaufmann und kam aus Berlin.

 

  1. Okt. Vermietungsofferte in der Villa Röblitz (Fr. Ebert Str. 19) (NKB)

Angeboten wurden 2 herrschaftliche Wohnungen im Hochparterre bzw. 1. OG mit jeweils 7 bis 8 Zimmern, 3 Balkonen, dazu ein „Fichtenpark“ und ein Garten.

 

  1. Okt. Letzte Veranstaltung in Heys Kurgarten (NKB)

Bereits im September wurde bekannt, dass Hey aufhört. Am 04. Oktober versteigerte der Gerichtsvollzieher 6 Fässer Löwenbräu, 2 Haustelefonstationen mit 12 Nummern, eine elektrische Beleuchtung samt Batterien. Am 11. Okt. folgte ein „freiwilliger Verkauf“ von hochwertigen Mobiliar, Restaurationseinrichtungen und Geschirr sowie Gartenlokalzubehör durch den vereidigten Auktionator W. Becker.

Am 17. Okt. erschien eine Anzeige „Das Geschäft hat im Auftrag des Zwangsverwalters seinen Fortgang“ O. Naumann.

Erneut wurden Stimmen laut, die die Übernahme des Kurgartens seitens der Stadt und die Umwandlung in ein  öffentliches Kurhaus forderten. 

 

  1. Okt. Einbruch beim Kaufmann Schuster (Eckartsbergaer Str. 9) (NKB)

Der Fall erregte Aufsehen, weil es mehrere Täter waren, die Ehefrau betäubt wurde und die Beute sowie der Schaden beträchtlich waren.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NKB)

Beschlossen wurden die Lehrergehälter. Der Hauptleher bekam 1200 Mark, der 2. Lehrer, der zusätzlich die Stelle des Kantors ausübte ebenfalls 1200 Mark. Die übrigen Lehrer erhielten 1.050 Mark. Dazu gab es für alle eine Alterszulage von 150 Mark und freie Wohnung bzw. einen Mietzuschuss  von 270 Mark für verheiratete und 200 für ledige lehrer, soweit kein dienstwohnung gestellt wurde. Lehrerinnen bekamen 800 Mark, 100 Mark Alterszulage und  eine Mietzulage von 200 Mark. 

 

  1. Nov. Mechaniker Körner bietet einen Radfahrerkurs im Saal des Kurgartens an (NKB)

 

  1. Dez. Allgemeine Viehzählung (NKB)

In 129 der 296 bewohnten Häuser gab es Viehzeug, 56 Pferde, 26 Kühe, 4 Schafe (ohne die Herde der Landesschule), 237 Schweine, 55 Ziegen, 57 Gänse, 29 Enten, 819 Hühner. 

 

  1. Dez. Verlobung von Zimmermeister Ernst Toepfer mit Henriette Hämmerling (NKB)

 

  1. Dez. Vermißtenmeldung (NKB)

„Seit Anfang dieser Woche wird ein älteres Ehepaar von hier vermißt (.) Der Ehemann, Inhaber eines größeren Etablissements hier, war gestern nach Naumburg vor Gericht geladen, aber nicht erschienen, weshalb das Gericht beschlossen hat, ihn zwangsweise vorführen zu lassen. Der Verschwundene hat vor seiner Abreise die Verwaltung seines Besitztums einem Verwandten übertragen und seinen Anwalt geschrieben, er werde sich jeder menschlichen Rechenschaft entziehen...“

Das hochbetagten Teichgräberschen Ehepaar, standen vor dem Konkurs und waren mit  unbekannten Ziel Kösen verreist.

Am 4. Januar meldete die Zeitung „Das Teichgräbersche Ehepaar wurde am Silvesternachmittag tot in der Donau bei Wien mit Stricken aneinander gebunden geborgen. Nachdem sie Kösen verlassen hatten, waren sie am 26. Dezember in einem Wiener Hotel untergekommen, hatte drei Tage lang Wien erkundet und sich am 29. Dezember zur Heimreise abgemeldet...“ Das Ehepaar wurde offenbar in Wien beigesetzt.  

Das tragische Ende des Restaurateurs, der das Debakel des Groddeck-/v. Zedtwitz`schen Konkurses und der nachfolgenden Pächter überstanden hatte, sorgte für erhebliches Aufsehen, nicht nur bei den Gläubigern. Das Konkursverfahren über den Teichgräberschen Nachlass wurde am 07. Januar eröffnet , am 28. Januar folgte erste Gläubigerversammlung.

 

1898 

 

  1. Jan. Statistik 1897 (NKB)

Es gab 26 Eheschließungen, 74 Geburten und 62 Sterbefälle. 375 Kinder besuchten die Stadtschule, 29 Knaben das Gehrkesche Institut und 45 Mädchen die höhere Töchterschule.

 

  1. Jan. Die Diakonissin zieht in die Neue Straße (NKB)

Wegen der Gefahr der Übertragung ansteckender Krankheiten musste sie die bisherige Wohnung im städtischen  Krankenhaus aufgeben. Außerdem war sie durch die Pflege der dortigen Insassen stark gebunden. 

 

  1. Jan. Verkaufsanzeige der Gebr. Kersten (NKB)

„Unsere zwischen Kösen und der „Katze“ gelegenen Grundstücke welche an den Eisenbahnkörper und an der neuen Chaussee Kösen-Großheringen angrenzen und mit Eisenbahngleis verbunden sind, beabsichtigen wir zu verkaufen. Die eventuell erforderlichen Baulichkeiten, Speicher usw. werden auf Wunsch von uns übernommen. Auch kann der Käufer (Pächter) unsere Schrot und auch projektierte Mahlmühle mit benutzen, ebenso unsere Lastenfuhren und Drahtseilbahn, um die Verbindung mit den auf dem Plateau liegenden Ortschaften herzustellen...“    

 

  1. Jan. Todestag von Cäcilie Redtel (Sterbereg./NKB)

Die Tochter vom Bergrat Backs war mit dem Geh. Oberberg- und Baurat August Heinrich Redtel verheiratet. Ihr Sohn August (1849-1875) war als Schüler in Pforte Nietzsche´s „Unterer“, die  Tochter Anna mit dem  späteren Philosophen befreundet (s. Ns. Schriftwechsel) 

 

  1. Feb. Silberne Hochzeit von Fritz und Auguste Ohm geb. Hohorst (NKB)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 544)

Auf der ersten Sitzung des Jahres wurden der Schriftführer Weber, sein Stellvertreter Roßner und die Kassenrevisoren Krüger und Koch bestimmt. Gewählt wurden als Mitglieder der Baudeputation: Siebold, Töpfer, Krüger Roßner, der Wegebaukommission: Siebold, Müller, Töpfer, Weber, Becker, Röblitz, der Armen-Kommission: Pfarrer Diederichs, Dr. Schütze, Müller, Töpfer, Becker, Kfm. Apitzsch, Röblitz, Ökonom Bäßler, Schumacher Schubert, Gärtner Köhler, der Sanitätskommission: Dr. Risse, Dr. Schütze, Dr. Löffler, Dr. Riemann, Rößler, der Badedirektion: Bgm. Rudolph, Krüger, Siebold, Baurat a. d. Mertens, Dr. Löffler, Dr. Gehrke, Roßner.

 

  1. Feb. Anzeige des Teichgräberschen Konkursverwalters (NKB)

Gesucht wurde ein Käufer für das Wohnhaus mit Hausgarten, angrenzenden Weinberg, Garten, Feld und Gehölz, insgesamt 1,5 Hektar „ausreichend für drei Baustellen“. Eine der Baustellen  erwarb der privatier Schlunk und baute die Villa Eden (Fr. Ebert Str. 24). Einen zweiten Bauplatz kaufte der Apotheker Steuer (Villa Ilske).

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung des Inventars der Villa „Rothe“ Kukulauer Str. III-51(NKB)

Verkauft wurde die Einrichtung von  32 Zimmern und am 1. Mai eröffnete der neue Besitzer „das neu und komfortabel eingerichtete“ Pensionshaus, die Villa „Rheingold“.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der Salinenstr. III-23 (Nr. 7), P. Goldberg-Pankow (NKB)

 

  1. Mär. Schankkonzession für das Gasthaus „Zur Erholung“ (St.-A).

Der Besitzer Landwirt Steinbeck verpachtete die Schankwirtschaft Völker, bevor er sie 1899 selbst übernahm. Als er wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Landwirtschaft aufgab,  teilte er sein Anwesen in 4 einzelne Grundstücke, Eckartsbergaer Str. 12 a,b,c,d.  Die Eckartsbergaer Straße 12 c erwarb der Kaufmann Timmler, die Nr. 12 d der Kaufmann W. Becker, der hier kurz vor dem 1. WK ein zweigeschossiges Lagerhaus baute. Die Nr. 12 (Käsefabrik) und 12 a („Erholung“) behielt Oskar  Steinbeck von dem sie nach seinem Tod 1918 sein Sohn Walter übernahm.

1935 hieß der Gastwirt Hermann  Klenzig, nach seinen Tod 1937 üb rnahmen dessen Witwe bzw. die Tochter. 1941 hieß der Pächter Müller. Die “Erholung“ bestand noch in den 50er Jahren.

 

  1. Mär. Eröffnung eines Feinkostgeschäfts in der Lindenstr. I-18 (Nr. 20) (NKB)

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der „Kurgartens“ (NKB)

Erwerber war Henriette Hey die Ehefrau des bisherigen Besitzers, die den Zuschlag bei 35.500 Mark bekam. Am 19. Mai wurde die Restauration wieder geöffnet.

 

  1. Mär. Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Friedrich Freiherr v. Feilitzsch (BLK-A. Nr. 544, ).

In vertraulicher Sitzung wurde die Ernennung des Fürstlich Schaumburg-Lippesche Staatsministers, Besitzer des Rittergutes Stendorf und  Landrat des Kreises Naumburg für sein Engagement bei der Übertragung des Bades auf die Stadt beschlossen.

 

  1. Apr. Eröffnung des kaiserl. Postamtes in der Lindenstraße 13 (NKB)

Drei Monate später wurde eine Unfallmeldestelle eingerichtet, damit Notfalltelegramme auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten aufgegeben werden konnten.

 

  1. Apr. Der „Fröbelsche Kindergarten“ zieht in die Lindenstraße I-12a (Nr. 11) (NKB)

 

  1. Apr. Umwandlung der Fa. Gebr. Kersten in eine Aktiengesellschaft (NKB)

Zur „Sächsisch-Thüringischen AG für Kalksteinverwertung“ gehörten die Steinbrüche bei Freiroda, das Dampfsägewerk in Lengefeld sowie die Steinbrüche bei Balgstädt. Die Aktienmehrheit sowie die Geschäftsführung behielten die Brüder Kersten. Vorsitzender des Aufsichtsrates war der Erfurter Bankdirektor P. Blanchart. Dessen Kreditinstitut stellte auch das erforderliche Kapital für die Erweiterung des Lengefelder Werks, wo eine  Anlage zur Herstellung von hydraulichen Kalk  und ein Zementwerk geplant waren. 

 

  1. Apr. Zur Holzmesse kamen lediglich 300 Flöße zum Verkauf (NKB)

 

  1. Apr. Sanierungsarbeiten auf der Rudelsburg (NKB)

Unter fachlicher Aufsicht der „Historischen Kommission der Provinz Sachsen“ began  der Umbau des Rittersaales, der Neubau der Gaststube mit Obergeschoss mit Gästezimmern und  Verbindungsgang zum Turm, der eine neue Treppe erhielt. Die Ausführung übernahm der Zimmermeister Toepfer, die Fertigstellung war zu Pfingsten vorgesehen. 

 

  1. Apr. Der Magistrat bezieht die neuen Geschäftsräume in der Lindenstr. I-12 (Nr. 9) (NKB)

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung der Rudelsburgprom. I-92 (Nr. 18) Holzhändler A. Gräfe (NKB)

Im Juli wurde Gräfe wegen unübersichtlicher Buchführung seiner in Konkurs gefallenen Firma zu drei Tagen Gefängnis verurteilt.

 

  1. Mai Rudolf Eckardt pachtet die städtische Fähre (NKB)

Der vorjährige Pächter C. Friedrich, der die Ausschreibung diesmal nicht gewonnen hatte, erweiterte daraufhin seine „Lustfahrten mit Vergnügungsbooten“ und eröffnete am 7. Juni das renovierte Hotel mit Restauration „Zur Loreley“. 

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Borlachstr. I-45 u. 46 (Nr. 19, 21) Kfm. Schleicher (NKB)

Zur Auflösung der Erbengemeinschaft hatte der Vormund des noch minderjährigen Fr. E. Schleicher die Versteigerung der Häuser sowie des Warenbestandes beantragt. Erwerber war Carl Schleicher sen., der am 25. Mai das Ladengeschäft wieder eröffnet. Die Drogerie Karl Schleicher jun. bestand noch bis in die 1960er Jahre. 

 

  1. Mai Geschäftsanzeigen (NKB)

Eröffnung der Schuhmacherei von Karl Fielko, Borlachstr. I-34 (Nr. 6), der Geithnersche Wein- und Frühstücksstube in der Querstraße II-31 (Schmettaustr. 12) und im Hecklauschen Haus Grüne Gasse I-74a (Nr. 2) öffnete das Photoatelier „Thuringia“. Letzteres übernahm im Herbst der „Großherzogl. Weimarischer Hoffotograph“ Friedrich Hertel.

 

  1. Mai Kabinettsorder (Handbuch KSCV).

Dem VAC wurden die Rechte einer juristischen Person verliehen. Zum VAC gehörten 35 Bezirksverbände mit 3000 Mitgliedern.

 

  1. Juni Konzession für ein Theaterunternehmen (MER C 48 Ii Nr.776 IX).

Nachdem sich v. Schiffner, der bisherige Direktor der Theater-Republik abgesetzt hatte, blieben  die um ihre Gage betrogene Schauspieler und Einwohner, die im guten Glauben dem Direktor Geld für die Kaution geliehen hatten zurück.

Als Ersatz erteilte die Badedirektion dem Merseburger Theaterunternehmer F. W. Bennecke die Erlaubnis „Schauspiele, Lustspiele und Possen“ aufzuführen. Die  Kaution von 1.500 Mark mußte bar oder in Reichs-Papieren bei der örtlichen Polizeiverwaltung hinterlegt werden.  Am 17. Juni fand die erste Vorstellung statt.   

 

  1. Juni Wählerversammlung zur Reichstagswahl in der „Tanne“ (NKB)

Hier stellte sich der gemeinsame Kandidat der konservativen, der national-liberalen Vereinigung sowie des Bundes der Landwirte der Rittergutsbesitzer Dippe-Plotha vor. Dippe erhielt dann 227 Stimmen, der Kandidat der Freisinnigen 45 und der Sozialdemokrat Thiele 75. Die  anschließenden Stichwahl gewann Dippe mit 309 gegenüber 133 Stimmen des Sozialdemokraten. Die Wahlbeteiligung wurde mit ca. 65 % angegeben

 

  1. Juni Anzeige der Malschule Prof. Schultze-Naumburg (NKB)

Während seines Sommeraufenthaltes bot er vom Juli bis Oktober Interessenten Malkurse an.

 

  1. Juni Ausflug von 300 Beamten des Reichsgerichts Leipzig zur Rudelsburg (NKB)

 

  1. Juni Erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Rathaus (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden ein Abgabepreis von 50 Pfennig pro Hektoliter  für Badesole  an private und auswärtige Interessenten.   

 

  1. Juni Militärkonzert im Kurgarten (NKB)

Es spielte die 42 Mann starke Kapelle des Kgl. Bayerischen 6. Inf.-Regiments. „ Da dieses große Konzert nur unter Aufwendung großer Unkosten zu bewerkstelligen ist, so bitten Unterzeichnete ein hochverehrtes Publikum und anwesende Kurgäste um recht zahlreichen Besuch.“ erklärten die Wirtsleute.

 

  1. Juni Arbeitsbesuch des Kgl. Reg.-Präsidenten Freiherr v. d. Recke (NKB)

 

  1. Juli Militärkonzert im Kurgarten (NKB)

Es spielte das Trompetercorps des schleswig-holsteinischen Ulanen-Regiments Nr. 15.

 

  1. Juli Militärkonzert im Kurhaus „Mutiger Ritter“ (NKB)

Es spielte das Trompetercorps der reitenden Abteilung des Kgl. Sächsischen I. Feld-Artillerie-Reg. Nr. 12 in historischen Unniformen und mit historischen Feldtrompeten.

 

  1. Juli Konzert des Wiener Damen-Orchesters im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Apotheker J. Hoefer übernimmt die Adler-Drogerie von seinem Vater W. Hoefer (NKB)

Neben dem Hauptgeschäft in der Uferstr. 5, hatten sie noch eine Filiale im Struveschen Haus (Gerstenbergkpromenade 3) die dann im neu gebauten Hecklauschen Haus (Grüne Gasse 2) unterkam.

 

  1. Juli Mannschießen der Schützengesellschaft auf der „Katze“ (NKB)

Für die drei Tage dauernde Festivität, zu der man zahlreiche Gäste erwartete, hatten Wirt und Gesellschaft ein mit Atzethylengas beleuchtetes Segeltuchzelt  aufgestellt.

 

  1. Juli Schankerlaubnis für den Hausdiener E. Abrecht, Burgstr. 8 (St.-A).

 

  1. Juli Extra-Konzert mit dem Thomas Koschat-Quintett-Leipzig im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Juli Extra-Konzert mit der Naumburger Stadtkapelle im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Lesung „Bliemchens Badereise nach Kösen“ im Ratskeller (NKB)

 

  1. Juli Brunnenfest (NKB, St.-A. Nr. 348)

Aus diesem Anlass veranstalteten der Kurgarten und die Tanne einen Brunnenfestball. Auf der Festwiese im Park standen die Bewirtschaftungszelte von Hämmerling, der Witwe Schleicher (Rektorberg) und Siebold (Preußischer Hof). Die musikalische Umrahmung hatte die Badekapelle. Zuvor hatte der Musikdirektor Wernicke mit dem Magistrat eine Sonderzahlung von 100 Mark ausgehandelt, unter der Maßgabe, dass die Musiker im schwarzen Rock mit Zylinder auftreten.

 

  1. Juli Gastspiel des Weimarer Hof-Theaterballetts im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Extra Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Juli Musikalisch-deklamatorischer Abend im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Juli Bauerlaubnis für die Eckartsbergaer Str. Nr. 15 (St.-A.).

Nach der Einstellung des Weinanbaus am Nikolausberg verkauften die Weinbergsbesitzer an Bauwillige. Entlang der Eckartsbergaer Chaussee zwischen dem Steinbeckschen Anwesen (Nr. 12) und den Fränkenauer Fronhäusern (Nr. 19) wurden mehrere Häuser gebaut (Nr. 13 bis 18). Einerster Entwurf für die Bebauung stammte vom Zimmermeister Fr. Toepfer.

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Kammermusikabend im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Mannschießen des Bürgerschützencorps im Kurgarten (NKB)

Auch zu dieser drei Tagen dauernden Veranstaltungen warb man mit guter Bewirtung und  zahlreichen Schaustellern um zahlreichen Besuch.

 

  1. Aug. Sonderkonzert der Naumburger Stadtkapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Vereinsfest des Verschönerungsvereins in den Saalhäusern (NKB)

 

  1. Sep. Vertrag mit der Thüringer Bahn und dem Kreisausschuss (WEI RBD K161/6).

Im Zuge des Ausbaus der Kreisstraße nach Lengefeld  sollte hinter dem Gasthaus „Zur Katze“ sollte ein neuer Schrankenübergang gebaut werden, an dem sich die Bahnverwaltung mit 22.000 RM beteiligte. Damit entfiel der Bahnübergang am Waplerschen Grundstück (Borlachstr. 49). Den dahinter liegenden Geländestreifen unterhalb des Jochenberges kaufte die Thüringisch Sächsische AG für Kalksteinverwertung und baute hier Betriebswohnungen.

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle mit Brillantfeuerwerk im Kurgarten (NKB)

 

  1. Aug. Extra-Konzert der Badekapelle im „Mutigen Ritter“ (NKB)

 

  1. Aug. Italienische Nacht mit Potpourri und Walzerabend im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Bau einer Lachsaufstiegstreppe im Mühlenwehr (NKB)

 

  1. Sep. Abschiedskonzert der sich auflösenden Badekapelle im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Konzert des Thüringer Solisten Quartetts im Kurgarten (NKB)

 

  1. Sep. Eröffnung der Bäckerei Ganzeberg, Querstr. 34 (Schmettaustr. 5) (NKB)

 

  1. Sep. Ende der Kursaison (NKB)

Nach den Badelisten waren es diesmal 2404 Gäste und damit fast 300 mehr als im Vorjahr, darunter die Söhne des Erbprinzen von Reuß jüngere Linie, Prinz Heinrich XLIII. und Heinrich XLV, sowie Prinzessin Louise v. Reuß, der Hofopernsänger Boldt-Hamburg, die Schriftstellerin Frieda Goldstein-Berlin, Freiherr v. Bodewills-Berlin, Bildhauer B. Goldstein-Berlin, Gen.-Ltn. Exz. v. Papperitz-Berlin,  Dr. Franke mit Gemahlin-Mexico, Major Graf Henkel v. Donnermarck mit Gattin-Breslau, Frau Lueder-New York, Kunstmaler L. Barning-München, Fr. Eisenschmidt-Baku, Prof. Dr. Arthur Schultze-New York, Privat-Dozent Dr. Minor-Moskau, k.u.k. Rittmeister Anton v. Chavanne-Krakau, Verlagsbuchhändler Dr. phil. Troschel-Berlin, Fr. Exz. Präsident Stötzel-Berlin, Gräfin Schwerin-Anklam, Frl. Bieler-Paris, Mr. Jong mit Familie-New York, Pablo Garcia-Bilbao, C. Lueder-New York, Exz. Präsident v. Jebens-Berlin, Baroneß v. Lingk-Breslau,  Prof. Dr. Marseille-Cambridge, Oberste J. u. R. Tschirschky-Berlin, Oberstltn. v. Reppert-Bismarck-Stendal, Exz. v. Lindeiner-Wilden-Berlin, Freiherr v. Forstner-Wülfrath.    

 

  1. Okt. Der Kunstmeister Christian Friedrich August Törpsch verstirbt mit 83 Jahren (NKB)

Törpsch wurde in Dürrenberg als Salineneleve ausgebildet. Die  anstrengende und vielseitige Ausbildung hat er in einem über zwei Jahre geführten Tagebuch festgehalten (St.-A. Nr. 173). Er durchlief alle zur Saline gehörenden Einrichtungen wie Bauhof, Siedekot, Gradierung und Pumpenturm. Zur Siederei gehörte das Tragen der Salzlasten, bei der Gradierung war Schichtdienst zu leisten. Zum theoretischen Teil, den er ausschließlich allein bewältigte, gehörten Modellbau, Geometrie, Arithmetik, Kalligraphie und Deutsche Sprache. Dazu kamen Vorträge über Mechanik, Zimmererkunst und technisches Vokabular. An bestimmten Sonntagen und an den Feiertagen besuchte er seinen Heimatort und ging regelmäßig in die Kirche zu Pforte. Ebenfalls aus seiner Hand kommt eine Abhandlung zur Salzwerkskunde (St.-A. Nr. 11), mit der er seine Lehrzeit abschloss. Unter Zugrundelegung seines Geburtsjahres (1815) wurde er zwischen 1835 und 1840 als Unterbeamter auf der Saline eingestellt. 1849 wurde er in der Kösener Lohnliste neben Zedel als Gradiermeister geführt.  Nach der Einstellung der Saline war er für die  Versiedung der letzten Solevorräte zuständig und wurde dann vom Badedirektorat übernommen. Zu seinen Aufgaben gehörten Soleförderung, Gradierung und Abgabe an die Badewirte sowie der Betrieb der Wellenbäder, wie aus seiner Dienstinstruktion von 1874 hervorgeht. Nach dem  Verzeichnis  des Salzdeputats von 1860 hatte Törpsch 5 Kinder. Seine Ehefrau war nur 14 Tage vor ihm, im Alter von 75 Jahren verstorben.  

 

  1. Okt. Wahl der Wahlmänner zum preußischen Landtag (NKB)

Alle 11 Wahlmänner (Ökonom Bäßler, Auktionator Becker, Kfm. Fischer, Bankier A. Krüger, Direktor Paul Kersten, Kfm. O. Koch, Wurstfabrikant A. Matthes, Rentier Rabenalt, Bgmstr. Rudolph, Weinbergsbesitzer Schumann, Gastwirt Weber) vertraten das konservativ-national-liberale Kartell.

 

  1. Okt. Molkereibesitzer Holliger übernimmt den Rektorberg von der Witwe Schleicher (NKB)

 

  1. Okt. Gastspiel des Dreyfuß-Ensembles-Halle im Kurgarten-Theater (NKB)

 

  1. Nov. H. Genthe übernimmt die Köhlersche Handelsgärtnerei (Burgstr. 29) (NKB)

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Die Versammlung beschloss den Verzicht auf das Vorkaufsrecht für einen Streifen der Weberschen Wiese am Bahnhof zur Verbreiterung der Kreisstraße. Zugestimmt wurde dem Antrag des Hotels Kurzhals, Neßmann, den Weg vom Schrankenübergang zur Promenade über das Hotelgelände für die Öffentlichkeit zu sperren.

 

  1. Nov. Konzert der „ Ungarischen Damenkapelle Esterhazy“ im Hotel Kurzhals (NKB)

 

  1. Nov. Wiederentdeckung des Überlaufstollens des alten Wildwasserschachts (NKB).

Bei der Auffüllung einer Bodensenke in der Loreleypromenade entdeckten Arbeiter den Überlaufstollen unter der Mälzerei („Zum Wehrdamm“). 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Der Einspruch wegen der Errichtung von zwei Zementöfen in der Thüringisch-Sächsischen AG zur Kalksteinverwertung wurde aufgehoben, nachdem der Bezirksausschuss die Genehmigung auf Widerruf erteilt hatte und Kersten zugesichert hatte, dass sich die Staubbelastung in engen Grenzen halten würde. Außerdem wurde das „Ausklingeln“ von Bekanntmachungen durch den Polizeisergeanten eingestellt.

 

  1. Dez. Bruno Schmidt wirbt für sein neu eingerichtetes Winterlokal auf der Rudelsburg (NKB)

 

1899

 

  1. Jan. Statistik (NKB).

Im vergangenen Jahr wurden 13 Ehen geschlossen und 76 Kinder davon 8 unehelich geboren. Es   gab 50 Sterbefälle darunter 14 Kinder. Die Stadtschule besuchten 390 Schüler, unterrichtet von  5 Lehrern. Die höhere Knabenschule (Dr. Gehrke) besuchten 56 Jungen, die höhere Töchterschule (Vorwerk) 52 Mädchen.      

 

            Einrichtung der Staatlichen Weinbauverwaltung (Weinbaugesellschaft).

Zur Wiederbelebung des Weinbaues richtete der Fiscus in Zscheiplitz bei Freyburg die erste Rebschule ein und übertrug die Leitung dem Weinbauinspektor A. Bebber, einem erfahrenen Önologen. Eine zweite entstand in Pödelist, die später nach Naumburg verlegt wurde. Geprüft wurden die Rebsorten auf Eignung auf unterschiedlichen Böden (Buntssandstein-Muschelkalk) und die Resistenz gegen die Reblaus. Damit begann nach und nach die Aufrebung der Steillagen an Saale und Unstrut.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde, den Weg von der neuen Straße zur Schlunkschen Villa über dem Kurgarten „Bergstraße“ zu nennen, die Trennung des Amtes des 2. Lehrers von dem des Küsters, die Zusammenlegung der Verwaltung des städtischen Elektrizitäts- und des Wasserwerks sowie die Anschaffung von Stromzählern. Die erforderlichen 5000 Mark sollten dem Krankenhausbaufond entnommen und mit 15% verzinst werden. Die Refinanzierung erfolgte durch die Zählergebühren.

 

  1. Jan. Erlass einer neuen Gottesackerordnung der Kirchengemeinde (NKB)

In der Folge wurden die Inhaber von Erbbegräbnissstätten auf dem unteren Teil aufgefordert die Pachten binnen vier Wochen zu verlängern, ansonsten würden diese an die Gemeinde fallen. Das betraf u. a. die Familien Therkorn, Graeser, v. Neindorff und Schlunk. 

 

  1. Jan. Beisetzung der Witwe des Generals v. Sperling auf dem neuen Friedhofsteil (NKB)

Anwesend waren ihre Schwiegersöhne General d. Infantrie v. Lewinski, General v. Hindenburg und General v. Mannstein sowie der jüngste Sohn Oberst Kurt v. Sperling.  Später kamen dann auch die sterblichen Überreste ihres Mannes, dem einstigen Generalstabschef des Manteufelschen Armeekorps dorthin.

 

  1. Feb. 800 Gäste beim Maskenball des Gesangsvereins Liedertafel im Kurgarten (NKB)

Zwei Tage zuvor veranstaltete der Gesangsverein Anakreon sein Narrenfest im Ratskellersaal.

 

  1. Feb. Der Kreisausschuss genehmigt den Bau der Zementfabrik (BLK-A. Nr. 72, NKB)

„Um die Bedenken der Gemeinden Kösen und Lengefeld wegen der möglichen Vermehrung der Belastungen durch die Arbeiter der Zementfabrik zu zerstreuen hat die Thür.-Sächs. AG zur Kalksteinverwertung von der Landesschule einen Teil des Äbtischen Holzes erworben, um hier Wohnungen für ca. 100 Arbeiter zu errichten“, was dann aber nicht zur Ausführung kam.

Die Gesamtkosten wurden mit 2 Mio. Mark beziffert und die Eröffnung der Fabrik war für den April 1900 vorgesehen. Der mit dem Bau beauftragte Maurermeister Hübner suchte per Annonce rund 100 Arbeitskräfte. Da die aber nicht vorhanden waren, wurden italieneische Wanderarbeiter verpflichtet.    

 

  1. Feb. Brand des Saals des Kurgartens (NKB).

Trotz des Einsatzes der Spritzen von Pforta und Lengefeld sowie der Feuerwehren von Freiroda und Saaleck brannte der Theatersaal mit der Bühne völlig nieder. Die Brandursache war ein erhitztes Rauchrohr des eisernen Ofens, das nicht in eine Esse sondern durch die hölzerne Außenwand führte. Lediglich die Restauration mit dem kleinen Saal blieb verschont und bereits 2 Tag später lud der Besitzer zur „Ballmusik“ ein.,

 

  1. Feb. Hermann Matthies übernimmt die Badekapelle (St.-A. Nr. 348, NKB)

Das Probekonzert war zur Zufriedenheit ausgefallen und so kam es zum Vertragsabschluss mit dem Naumburger Musikdirektor. Allerdings wurde nicht wie bisher vereinbart, dass er vorzugsweise die ehemaligen Musiker der Badekapelle einstellen muss.

Die vereinigten sich zur „Kösener Stadtkapelle“ und veröffentlichten im April eine Anzeige „Das unterzeichnete Musikkorps stellt sich hierdurch mit seiner 15 bis 18 Mann starken Kapelle den Herren Gastwirten, Vereinen, Kooperationen für alle vorkommenden Fälle (.)unter Garantie einer tadelosen Konzert-, Tanz- und Tafelmusik ergebenst zur Verfügung ...“

Daraufhin erklärte Matthies „Einem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich von der Hohen Behörde (.) zum Musikdirektor der Badekapelle ernannt wurde, und infolgedessen (.) meine Tätigkeit mit einer 30 Mann starken Musik-Kapelle aufnehme....“

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (NKB)

Beschlossen wurde die Anpassung der städtischen Stromversorgung an die Vorschriften des Verbandes. Damit allen Abnehmer die gleiche Stromstärke unabhängig von der Entfernung vom E-Werk zur Verfügung steht, musste die Anlage von Reihen- auf Parallelschaltung umgestellt werden.

 

  1. Mär. Bau einer Wasserleitung nach Kukulau (NKB)

 

  1. Mär. Antrag zur Aufnahme des Motorbootverkehrs zur Rudelsburg (BLK-A. Nr. 879).

Der Unternehmer K. Friedrich hatte nachdem er die Genehmigung der Kgl. Wasserbaudirektion erhalten hatte, mit dem Bau des ersten Motorbootes begonnen.

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung der Eckartsbergaer Str. II-6 (Nr. 5) (NKB).

Da sich bislang kein Interessent für das Teichgräbersche Wohnhaus gefunden hatte, wurde es nun zwangsversteigert. Zuvor sah sich der Konkursverwalter Naumann veranlasst, öffentlich zu  erklären „Nach mir eingegangnenen Mitteilungen besteht das gerücht, daß zu dem zur Guastv teichgräberschen Konkursmasse gehörenden Hausgrundstück, Waldschlößchen genannt, kein freier Zugang bestünde. Ich gebe hiermit die Erklärung, daß das Wegerecht für dieses Grundstück tatsächlich besteht und im Grundbuch eingetragen ist“. Damit war der Zugang über den Kurgarten gemeint.

Der Erwerber, der Naumburger Musikdirektor Müller zahlte 8.200 Mark, verkaufte aber bereits im November das „Waldschlößchen“ mit 11 Zimmern, Pferdestall und Wagenremise wegen Wegzugs.

 

  1. Mär. Inbetriebnahme einer Solefontäne vor der Inhalationshalle im Kurpark (NKB)

 

  1. Mär. Der Maurermeister Wilhelm Werner verstirbt im 71. Lebensjahr (NKB)

Zu den Bauten, an denen er maßgeblich beteiligt war, gehörten die Kirche, die Schule, der Neubau am „Mutigen Ritter“ und die Villa Corpus.  Die Erbengemeinschaft (Witwe, 7 Kinder) bevollmächtigten den ältesten Sohn zur Weiterführung des Baugeschäftes.

 

  1. Apr. Die Witwe Barthel erwirbt die „Wilhelmsburg“ (NKB).

Sie zahlte dem Kriegerverein Kaiser Wilhelm 33.000 Mark, der nun in der Lage war, die auf dem Vereinslokal lastenden Schulden abzuzahlen und die Kreditgeber aus den eigenen Reihen abzufinden. Die Witwe heiratete den Restaurateur Seidig, der nun die Bewirtschaftung übernahm.

 

  1. Apr. Gebührenerhebung für Süßigkeits-Automaten im öffentlichen Bereich (NKB)

Damit sollte der Naschhaftigkeit der Kinder Einhalt geboten werden.

 

  1. Apr. R. Colditz verlegt sein Schuhgeschäft in die Lindenstraße 6 (NKB)

 

  1. Apr. Erste Generalversammlung der Sächs.-Thür. AG zur Kalksteinverwertung (NKB)

Beschlossen wurde die Auszahlung einer Dividende von 8 % sowie  die Erhöhung des Kapitals auf 1,5 Mio. Mark zum Bau des Zementwerkes sowie der Kalkbrennerei in Freiroda. Hier sollten 15 Brennkammern und eine 50 Meter hohe Esse entstehen.

 

  1. Apr. Der ehemalige Lehrer Zeiger stirbt im 75. Lebensjahr (NKB)

Zeiger stellte das „Rudelsburg-Album“ mit Gedichten aus dem Fremdenbuch der Jahre 1826 bis 1879 zusammen.

 

  1. Apr. Fertigstellung der Kreisstraße Kösen-Großheringen (NKB).

Baubeginn war der 12. Oktober des Vorjahres. Gebaut wurde den Winter über, um rechtzeitg vor Saisonbeginn fertig zu sein. Im Juni erfolgte dann die Vermessungsabnahme.

 

  1. Mai Aufnahme des Motorbootverkehrs (NKB).

Die „Loreley“ war 12 Meter lang und 2,2 Meter breit, fasste 30-40 Personen und wurde von einem 3 PS starken Daimler-Petrol-Benzinmotor angetrieben. Der Fahrplan sah 7 fahrten im 2-Stunden Takt vor, an den Sonn- und Feiertagen 8 Fahrten. Angefahren wurden die Loreley,  der Bahnhof,  die Katze,  das Kuhloch und der Kunoklamm. An den Wochenenden überstieg die Nachfrage die Kapazität, so daß Friedrich den Bau eines zweiten Bootes begann, dass im Mai 1900 in Betrieb gestellt wurde.

 

  1. Mai Eröffnung eines Herrenbekleidungsgeschäftes in der Lindenstraße 8 (NKB)

 

  1. Mai Zwangsversteigerung der Saalstr. 62 (Nr. 26), Louis Spannholtz (NKB)

 

  1. Mai Veranstaltungen zu den Pfingsfeiertagen (NKB)

Zur Saisoneröffnung spielte in der „renovierten 380 m² großen Konzert- und Festkolonnade“ im Heyschen Kurgarten die Badekapelle. Außerdem luden die Wirte der Rudelsburg, der Tanne, vom Rektorberg, der Schönen Aussicht und vom Hotel Kurzhals zum Konzert ein. Trotz ungünstiger Witterung meldete der Wirt der „Katze“ 3000 verkaufte Bratwürste. 

 

  1. Mai Verpachtung des Ostturms der Burg Saaleck (NKB)

Die zum Rittergut Stendorf gehörende Burg pachtete der Privatdozent Dr. Weber aus Leipzig, der in den noch einigermaßen erhaltenen Turm eine Sommerwohnung einrichten wollte. Dazu wollte er neue Fensteröffnungen schaffen, wogegen einige Denkmalsschützer protestierten. Weil dies den historischen Anblick verändern würde.

 

  1. Mai. Verlegung des Ramdohrschen Friseurladens (NKB)

An „frequenter Stelle“ gegenüber der Häunschen Bäckerei zwischen der Straßenunterführung zur Lindenstraße und dem Fußgängertunnel zur Saalstraße lehnte sich das Fachwerk an die Mauer des Bahndammes. Später übernahm laubmann das Geschäft, bis es im Zuge der Verbreiterung der Unterführung in den 1960er Jahren abgerissen wurde.   

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (NKB).

Genehmigt wurde der Antrag der Reichspost auf Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechstelle und die Einstellung eines dritten Nachtwächters.

 

  1. Juni 25jähriges Dienstjubiläum des Weichenstellers H. Reichenbach-Lengefeld (NKB)

 

  1. Juni Beschwerde des Kapellmeisters Franz Schulze (St.-A. Nr. 348, NKB)

Weil einige Gastwirte die „Kösener Stadtkapelle“ engagierten, hatte sich der Musikdirektor Matthies beim Bürgermeister beschwert, worauf dieser der Kapelle weitere Konzerte untersagte, weshalb sich Schulze unter Verweis auf die Entscheidungsfreiheit der Gastwirte an den Landrat wandte und eine weitere Anzeige veröffentlichte „Wir fühlen uns veranlaßt, darauf hinzuweisen, dass die Kapelle aus dem alten Kösener Stamm besteht (.) Wenn wir uns daher den Herren Wirten und Vereinen (.) hierdurch  nochmals empfehlen, so sind wir überzeugt, daß wir die Erwartungen unserer Herren Auftraggeber nicht enttäuschen werden...“

  

  1. Juni Übergabe des Fußgängertunnels am Bahnhof (NKB).

 

  1. Juni Eröffnung der Friedrich`schen Badeanstalt an der Johannisquelle (NKB)

 

  1. Juni Besucheransturm am Sonntag (NKB)

Allein acht Vereinen waren mit eigener Kapelle angereist, darunter allein 500 Mann vom Thüringer Sängerbund. Die Gaststätten waren übervoll und sogar das Pfingswochenende wurde  überboten.

 

  1. Juni Änderung der Gesellschafter der Fa. F. A. Koch (NKB)

 Kfm. Karl Koch tritt an die Stelle von Albert Koch sen.

 

  1. Juni Tod des Kgl. Preuß. Stabsarzt a. D. Dr. Fr. Weise im Alter von 80 Jahren (NKB)

Der hatte sich nach seiner Pensionierung 1882 hier niedergelassen.

 

  1. Juni Sommer-Ausflug der Ortsgruppe Leipzig ehemaliger Fürstenschüler (NKB)

Eingeladen waren Portenser, Afraner und Grimmenser mit Ehegattin. 

 

  1. Juni Tod des Oberstleutnants a. D. Eugen Cäsar Waldemar v. Neindorff, 88 Jahre (Sterbereg.)

Der Stammbaum derer von Neindorff reicht zurück bis ins Hochmittelalter, wo sie zum  Hofstaat Heinrich des Löwen gehörten. v. Neundorff, Ehrenritter des Johanniterordens war seit 1878 ansässig und hinterließ eine nicht unbedeutende Antiquitätensammlung.

 

  1. Juni Eröffnung eines Schokoladengeschäfts Rudelsburgprom. 81 dd (Nr. 8) (NKB)

 

  1. Juni Tod des Zimmermeister Friedrich Toepfer im 59. Lebensjahr (NKB).

Der gebürtige Kölledaer hatte sich hier 1868 niedergelassen. Seit 1872 war der einer Freimaurerloge angehörende Töpfer Kirchenältester und Kassierer der Kreissynode, seit 1874 Stadtverordneter, seit 1881 Obermeister der Gesamtinnung und seit 1891 Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr. Der Veteran der Krieg 1866 und 1870 war Ehrenmitglied beider Kriegervereine  und hatte wesentlichen Anteil am Aufbau des Badeortes. In den letzten 20 Jahren baute er rund 30 Villen darunter in der Käthe-Kruse- Rudolf- Breitscheid- und Eckarstbergaer Straße sowie in der Rudelsburgpromenade.

Die Firma übernahm sein Sohn Ernst.

 

  1. Juni „Riesen-Pracht-Feuerwerk“ anschließend Konzert im Kurgarten (NKB)

 

  1. Juli Eröffnung eines Geschäfts für Musikautomaten in der Rudelsburgpromenade (NKB)

Der Inhaber übernahm auch das „Kaiser-Panorama“ eine wöchentlich wechselnde Schau von Bildern  aus fernen Ländern.

 

  1. Juli Der Bazar zum Besten der Diakonissenstation im Kurgarten brachte 2500 Mark (NKB)

Dazu hatte die Kaiserin, die die Großherzogswitwe von Weimar und die Herzogin v. Mecklenburg-Schwerin Gaben beigesteuert.  Wenige Tage später folgte ein Extrakonzert zum Besten der Kinderheilstätte im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Zwischenhalt des Präsidenten des japanischen Herrenhauses (NKB)

Auf der Rückfahrt vom Besuch des Großherzogs von Sachen-Weimar speiste Fürst Atsumaro Konoye im „Mutigen Ritter“ zu Mittag.

 

  1. Juli Ehrenbürger Freiherr v. Feilitzsch schenkt der Stadt ein Ölbild des Kaisers (NKB)

Das Bild stammte vom Bückeburger Hofmaler H. Schwiering (1860-1949), Schüler der Düsseldorfer Malschule.

 

  1. Juli Verkauf des Kurgartens (NKB)

Erwerber war der Pächter der „Katze“ O. Schwarze, dessen Zeitpachtvertrag auslief. Der Kaufpreis betrug 46.000 Mark. Obwohl die Übergabe erst am 1. Oktober erfolgen sollte, begann Schwarze umgehend mit dem Neubau des abgebrannten Saales und dem Sommertheater.

 

  1. Juli Konzert des Ensembles „Queen Victoria“ aus England im Hotel Kurzhals (NKB)

 

  1. Aug. Der Zahntechniker Emil Haacke stirbt mit 48 Jahren (NKB)

Die Werksatt in der Lindenstraße 8 übernahm der Zahntechniker Emil Hesse.

 

  1. Aug. Dr. Schütze erwirbt die Villa des Postmeisters a. D. Müller (Lindenstr. 17) (NKB)

Er zahlte 27.000 Mark für die zunächst zur Erweiterung seiner Nervenheilanstalt gedachten Immobilie. Da er aber zum Generalsekretär des Allg. Deutschen Heilbäderverbandes gewählt wurde, nahm er davon Abstand. Statt dessen zog er mit seiner Familie hier ein und übertrug die „Ökonomie seiner Anstalt einer bewährten Dame“.

 

  1. Aug. Verpachtungsanzeige der „Katze“ mit der Fähre (NKB)

Nachfolger von Schwarze war der Hallenser Jahn. Die Pacht betrug 4500 Mark und die Sächs.- Thür. AG zur Kalksteinverwertung kündigte den umbau der „Feldgastwirtschaft“ zum modernen Hotel mit Restauration an.

 

  1. Aug. Zwischenstopp einer Automobiltour von Paris nach St. Petersburg (NKB)

Die sieben Teilnehmer übernachteten im „Mutigen Ritter“. Die Autos der Marke Dietrich & Comp. Luneville zogen ein zahlreiches Publikum an.

 

  1. Aug. Ausschreibung der Pacht der Bahnhofswirtschaft (NKB)

Von den 56  Bewerber bot einer das Fünffache des bisherigen Pachtpreises (1500 Mark).Letztlich entschied sich die Bahnverwaltung für den Erfurter E. Emmerich mit einer Jahrespacht von 3500 Mark.

 

  1. Aug. Sitzung des Schöffengerichts zur Beschwerde der „Stadtkapelle“ (St.-A. Nr. 348)

Nachdem der Bürgermeister diese Bezeichnung untersagt und ein weitere Auftritte angeordnet hatte, klagte Schulze vor dem Amtsgericht. Daraufhin ordnete das Gericht die Vorladung der 14 Musiker an, dazu einen Musiksachverständigen, der die Eignung der Kapelle begutachten sollte.

 

  1. Aug. Bekanntmachung des Amtsvorstehers der Landesschule (NKB)

„Die Maul- und Klauenseuche unter dem im Fränkenauer Göpelhaus untergebrachten Ochsen ist erloschen..“ Demnach wurde die Wasserversorgung der Domäne von der Saalstraße immer noch durch ein Ochsengöpel bewerkstelligt.

 

  1. Aug. 60jähriges Vereinsjubiläum der „Liedertafel“ im Kurgarten (NKB).

1500 Gäste erlebten die Weihe der Vereinsfahne. Die war aus schwerer Seide, mit der Germania und dem Spruch „Im Liede stark, deutsch bis ins Mark – 1839-1899“ versehen. Die Vereinsgründung erfolgte im Haasenritterschen Gasthof (An der Brücke 2), inzwischen im Besitz von Häun, aber mmer noch Vereinslokal.

 

  1. Aug. Ausschreibung für den Neubau des Saalecker Pfarrhauses (NKB)

 

  1. Aug. Erbohrung einer Solequelle am Buchholz in Naumburg (NKB)

Die Tiefbohrung im zechstein brachte bei 623 Metern eine 24grädige, fast gesättigte Sole, die als Landgrafenquelle bezeichnet, durchaus für Badezwecke geeignet und daher eine Konkurrenz für das Kösener Bad war. Kurz darauf wurde im nahe gelegenen „Waldschlößchen ein Brunnenfest gefeiert. 

 

  1. Aug. Wahl des neuen Feuerwehrkommandeurs (NZ 1910).
  2. Töpfer der Sohn des versorbenen Fr. Töpfer hatte abgelehnt, nun wurde der Kaufmann K. Koch gewählt.

 

  1. Sep. Zur Belebung der Frequenz wird die Kurtaxe bis Saisonende halbiert (NKB)

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Erhebung von Gebühren für die baupolizeiliche Prüfung und Genehmigung von Bauanträgen, der Beitritt zum Städteverband der Provinz Sachsen und die Gruppenversicherung der Freiwilligen Feuerwehr. Dabei wurde der Ratsschöffe Heinrich Siebold nach 30jähriger Tätigkeit als Ratsschöffe, Stadtverordenter und Mitglied der Badedirektion zum Stadtältesten ernannt. Kaufmann Siebold, der 1862 aus Eschwege kam, starb am 7. Oktober im Alter von 79 Jahren.

 

  1. Sep. Explosion des Kessels einer Lokomotive (NKB)

Das passierte bei der Ausfahrtvom Bahnhof, es kamen aber keine Personen zu Schaden. Innerhalb 40 Minuten ermöglichte eine Ersatzlokomotive aus Naumburg die Weiterfahrt. 

 

  1. Okt. Badestatistik und Fremdenlisten des Hotels Kurzhals (NKB).

Demnach wurden 2.552 Badegäste, 1.984 Passanten und 290 Kinder der Heilstätte und der Ferienkolonie gezählt. Im Vergleich mit dem Solbad Sulza waren es nur rund 100 Gäste mehr.

Zum höheren Adel gehörten S. Erlaucht Graf Otto v. Stolberg-Roßla und  die Tochter der Erbprinzessin Reuß jüngere Linie Louise Adelheid. Im Juni reiste unter dem Pseudonym einer Rittergutsbesitzerin Gräfin v. Grabow Ihre Kgl. Hoheit Herzogin Friederike Wilhelmine Alexandrine v. Mecklenburg-Schwerin, geb. Prinzessin v. Preußen  mit ihren drei Enkeln, den Prinzen Heinrich XXXVII, XXXVIII, und XLII Reuß j. L. samt Gefolge und Dienerschaft an. Sie nahm Quartier im Haus Rheingold. Hierher besuchten sie auch ihre Neffen, die Herzöge Adolf Friedrich und Heinrich von Mecklenburg-Schwerin.

Außerdem waren anwesend der Direktor der Provinzial-Hebammen-Anstalt Dr. med Max Langerhans mit Gattin-Celle, Fr. Milick und Kfm. Ecklund-St. Petersburg, Dr. H. v. Hopfen-Lichterfelde, Prof. Dr. Grafenhain-Karlsruhe, Hofrat Lesky-Kötzschenbroda, Freiherr v. Neurath-Stuttgart, Prof. Dr. Koch-Berlin, Dr. mesd paul Hampel-Riga, Stiftsdame Gräfin Elisabeth von Brühl-Greiz, Hüttendirektor Max Ehrhardt-Rothenburg a.d. Saale, Oberstltn. v. Etzdorff-Charlottenburg, Frl. v. Holtinger-Bel Air bei Vervey, Miß Morgan mit den Kindern des Grafen Bernsdorff-Berlin, Freifrau v. Salmuth-Naumburg, Freiherr A. v. Siepold-Schloß Leipheim, Mr. Spearman Hauptmann der British Army-London,Baronin v. Walderen-Rengers mit Familie und Bedienung-Berlin, Gräfin v. Trotha mit Tochter und Bedienung-Berlin, Baron von Senff zu Pilsach-Neidschütz, Freiin Senff zu Pilsach-Berlin, Graf Erich und Gräfin Elisabeth v. Reischach-Breslau, Eugenie Brand-Moskau, Prof. Dr. Carl Steffen-Leipzig, Gräfin Dohna-Berlin, Graf Henkel v. Donnersmark, Frl. v. Lieven-Mitau, Schriftssteller Dr. Rethwisch-Berlin, Dr. Löffler mit Familie-Mexiko, Prof. Dr. Milewski-Berlin, Frl. Douchin-Lodz, Freiherr Walter v. Seckendorff-San Colombano, geh. Hofrat Dr. Rudolf v. Gottschall-Leipzig, Frau Staatsrat v. Rougemont geb. Freiin v. Stein-Lausnitz, Frau v. Helldorf-Drackendorf, Generalarzt Dr. Sellerbeck-Berlin, Mdm. La Combe-Lausanne.

 

  1. Okt. Verkauf der Körnerschen Villa Salinenstr. II-23 (Nr. 7) für 32.500 Mark (NKB)

Erwerber war ein Arzt aus Dresden, der hier ein Sanatorium für Naturheilmethoden einrichten wollte. 

 

  1. Okt. Geheime Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Im Juli des kommenden Jahres endete die Amtszeit des Bürgermeisters Rudolph. Bei der Abstimmung über eine 2. Amtszeit stimmten von den 10 anwesenden Stadtverordneten 2 dafür , 8 dagegen. Daraufhin wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle für 2000 Mark und freier Wohnung beschlossen. Dagegen erhob Rudolph wegen Formfehlern Einspruch beim Landrat, der die Abstimmung wurde für ungültig erklärte und eine Wiederholung anordnete, die aber am Ergebnis nichts änderte.

 

  1. Okt. Anlage des Weges zur Rudelsburg durch den Kreipitzscher Wald (NKB)

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Als Nachfolger von Heinrich Siebold  wurde der Kaufmann Otto Koch von Landrat von Dalwigk als Ratsschöffe vereidigt: „Ich Otto Koch schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß nachdem ich zum Ratsschöffen der Stadtgemeinde Kösen gewählt worden bin, ich S. Kgl. Majestät von Preußen, meinem allergnädigsten Herrn untertänig, treu und gehorsam sein werde und alle mir vermöge meines Amtes obliegenden Pflichten nach meinem besten Wissen und Gewissen genau erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott helfe.“.

 

  1. Nov. Meldung über Bauvorhaben in den Gaststätten (NKB)

Dazu gehörte der Abbruch der Wirtschaftsteil und der Aufbau des Ostflügels sowie die Erweiterung und Aufstockung des Ritterbades (Weber jun.), der Umbau der „Katze“, der Saalbau am Kurgarten (Schwarze) und die Veranda am Hotel Kurzhals (Nessmann)

Roßner erichtete im Bereich ein Turbinenhaus für zwei Francisturbinen.

 

  1. Nov. Albert Krüger wird zum Stadtältesten ernannt (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der Holzhändler (Jg. 1836), der seit 27 Jahren als Stadtverordneter wirkte, starb aber bereits im März 1900.

 

  1. Nov. Der Direktor des Pädagogiums verstirbt im Alter von 52 Jahren (NKB)

Kurz danach erklärte die Witwe Karl Gehrkes „Ich erlaube mir zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, daß unser Institut, nachdem die Kgl. Regierung die Leitung desselben Herrn Gymnasiallehrer Sachse, dem langjährigen Mitarbeiter meines Mannes übertragen hat, in unveränderter Weise  weitergeführt wird“.

 

  1. Nov. Generalversammlung des Sterbekassenvereins (NKB)

Der verein hatte inzwischen 650 Mitglieder und ein Vermögen von 43.000 Mark. Das Beitrittsalter wurde nun auf 50 Jahre hoch gesetzt und das Sterbegeld von 75 Mark nach 9jähriger Mitgliedschaft in voller Höhe gezahlt.

 

                Internationale Postkartenausstellung in Nizza (LDZ v. 12.8.1970).

Dabei erhielt eine der ersten Ansichtskarte mit der Rudelsburg eine Silbermedaille.

 

  1. Dez. Die Treibjagd zwischen Fränkenau und Punschrau bring 96 Hasen (NKB)

 

  1. Dez. Postmeister a.D. K. Müller erhält die Ehrenbürgerwürde (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Müller (geb. 1820 in Freyburg, gest. 1901) war von 1869 bis 1899 ununterbrochen als Stadtverordneter und in weiteren öffentlichen Ämtern tätig.

 

1900

 

  1. Jan. Standesamtliche Meldung (NKB)

Im vergangenen Jahr gab es 81 Geburten und 79 Todesfälle, allein im Mai verstraben 9 Kinder unter 10 Jahren, 16 Ehen wurden geschlossen, so Georg August Ludwig Henkel, Oberlehrer  zu Pforta mit Anna Louise Wahn und der Sohn des Pfarrers Barthold, der Pfarramtskandidat Martin Barthold. 392 Kinder besuchten die Stadtschule, 56 Knaben das Gehrkesche Institut und 52 Mädchen die höhere Töchterschule.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Wiederholt wurde die Abstimmung über eine zweite Amtszeit für den Bürgermeister. Von den 12 Stadtverordneten waren 11 anwesend (die Schöffen Koch und Rabenalt, Wolf, Kersten, Hämmerling, Hädicke, v. Hohorst, Becker, Roßner, Dr. Löffler, Weber). Alle stimmten geschlossen gegen Rudolph, der nun nicht mehr an den Sitzungen teilnahm, die nun sein  Stellvertreter Ratsschöffe Rabenalt leitete. Befürwortet wurde der Antrag von C. Friedrich die Fähre an der Johannisquelle fünf Jahre zu pachten.

 

  1. Apr. Stiftung der Schwesternstation (NKB, Röblitz).

Leontine und Constanze v. Schmettau, die Nichten von Ferdinande von Schmettau überließen ihr Anwesen (Saalstraße 6) der Diakonie.  Jenny v. Gerstenbergk teilte im Februar der Oberin des Eisenacher Mutterhauses mit, dass „betreffs des fraglichen Hauses (.) der erste Anfang dazu gemacht  werde“. Im Vereinsraum traf sich der Jungfrauenverein zur „belehrenden Geselligkeit mit Gesang, Vorlesen guter Schriften usw.“, Mädchen erlernten das Nähen und Stricken, Weihnachstfeiern und Konfirmandenunterricht fanden statt. Die Wohnräume der Schwestern waren im Obergeschoss über eine Galerie erreichbar. Auch für auswärtige Lazarusschwestern, die sich hier erholten gab es einige Betten.

  

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Nach dem aktualisierten Ortsstatut wurde neben den beiden unbesoldete Ratsschöffen auch ein Stadtverordnetenvorsteher (Roßner) und ein Stellvertreter (Dr. Löffler) gewählt, womit der Einfluß des Parlaments auf die Verwaltung gestärkt werden sollte.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Musikdirektor Moritz Hermann aus Halle (St.-A. Nr. 348)

Vereinbart wurden 2.000 Mark für 20 Musiker. Als Zusatzverdienst wurden morgendliche Ständchen und Sonderkonzerte in geeigneten Restaurationen gestattet.  

 

  1. Juni Erich Töpfer wird neuer Feuerwehrkommandeur (Festschrift 125 Jahre).

Der Vize-Kommandeur Reichenbach konnte Töpfer zur Übernahme des Postens überreden.

 

      Juni  Eröffnung der städtischen Flußbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade.

Der Aufwand für den Auf- und Abbau und Beschwerden der Besucher der Johannisquelle über die badenden Knaben,  veranlaßten Carl Friedrich das Flußbad an der Krümme aufzugeben.  Die Teile kaufte die Stadt und pachtete am andren Ufer in der Nähe des Holzwerks von Graf & Döhler eine Wiese. Trotz Badehosenzwang für Knaben (Mädchen spielten hier noch keine Rolle), und eine hohen Sichtschutz, kam es auch hier zu Beschwerden der hier entlang promenierenden Gäste. Diese Flußbadanstalt bestand bis 1913.

 

  1. Juni Erklärung des Kapellmeisters Hermann (St.-A. Nr. 348)

„Meine Mitglieder der Badekapelle haben am heutigen Tage beschlossen, für den Preis von 2.000 Mark nicht mehr zu spielen....“ Bei zwei Konzerten täglich und durchschnittlich 15 Musiker bekam jeder nur 75 Pfennige pro Konzert. Daraufhin wurden 3.000 Mark bewilligt.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Abgelehnt wurde der Antrag der Landesschule, den Pachtvertrag mit dem Gastwirt Weber über den Uferstreifen an der kleinen Saale zu übernehmen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die unterirdische Verlegung der „Reichstelegrafenleitung“ sollte möglichst nicht in der Lindenstraße und die Arbeiten nicht während der Saison erfolgen.

Außerdem beschlossen der Magistrat (Rabenalt, Koch) und die Stadverordnetenversammlung (Roßner, W. Becker, M. Schumann, Ohm, Fr. Wolf, Hädicke, Hämmerling, Dr. Löffler, H. Weber, P. Kersten) das der Aufsichtsbehörde vorzulegende neue Sparkassenstatut. Inzwischen verzeichnete die Saparkasse 1503 Sparbücher, darunter 19 Stück mit Einlagen zwischen 3.000 und 10.000 Mark.

 

  1. Okt. Abfertigung des ersten Zementwaggons (KÖZ 1925).

 Bau der Zementfabrik im Kalkwerk (Festschrift Kalkwerk 1905).

Die Zementfabrik war die modernste Anlage der Zeit und mit einer der ersten Entstaubungsanlagen ausgerüstet. Ingenieure und Kaufleute aus vielen Ländern besichtigten das  Werk. Die Zementfabrik brachte es dann auf einen Jahresproduktion von 300.000 Faß. Mustergültig waren auch die Wohlfahrtseinrichtungen für die im Werk beschäftigten Arbeiter und Angestellten.

               Gründung des Radfahrervereins „Rudelsburg“ e.V. (NZ).

Der Verein schloss sich dem Gau 16 „Thüringen“ an.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurden Mittel für eine Gedenktafel für Therese Berbig und der Anschluss des  Rathauses an das Telefonnetz.

 

  1. Nov. Kaufantrag an die Bahndirektion (BLK-A. Nr. 294)

Für die gegenüber vom städtischen Wasserwerk errichteten Häuser sollte der nun nicht mehr benötigte Lengefelder Fahrweg entsprechend den baupolizeilichen Vorschriften auf  16 Meter verbreitert werden. Neben einem Stück Land beantragt man die Erlaubnis, den von der Mausebrücke  kommenden Flutkanal zu überbauen. Die Verwaltung in Erfurt lehnte den Antrag ab, was aber den magisrrat nicht davon abhielt , den Flutgraben zu verrohren.

 

  1. Dez. Volkszählung (NKB)

Von den 2902 ortsanwesenden Einwohnern waren 1237 Männer und 1665 Frauen.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 544).

Im Streit um eine Baugenehmigung, die ohne vorherige Zustimmung der Baukommission (Kersten, Wolf) erteilt wurde, schloß der Stadtverordnetenvorsteher Roßner die Sitzung wegen „ungehörigen Tons“ und verlegte sie auf den 8. Dezember.  

 

  1. Dez. Todestag des Rentier Friedrich Heun (Sterbereg. Röblitz, Heimatbuch).

Heun wurde 1814 in Teuditz geboren. Sein Vater der Chemiker Georg Heun war Pächter der chemische Fabrik der Saline und betrieb hier die erste Badeanstalt an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 3). Er war von 1876 bis 1886 Stadtverordneter und  stiftete der Stadt 18.000 Mark für die Schule und 3.000 Mark für das Krankenhaus. Im Februar wurde das Vermächtnis angenommen und das Anbringen einer Gedenktafel im Rathaus beschlossen.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Zum Erhalt des Pädagogiums nach dem plötzlichen Tod des Dr. Gehrke am 23. 11. 1899 im Alter von 51 Jahren, wurde im vertraulichen Teil beschlossen, potentielle Interessenten die Unterstützung der Stadt beim Erwerb und der Weiterführung in Aussicht zu stellen und die Witwe sollte eine notariell beglaubigte Zusicherung abgeben, dass sie nur an einen Interessenten verkauft, der das Pädagogium weiterführt. Beschlossen wurde außerdem, dem stv. Bürgermeister Rabenalt die nachgewiesenen Repräsentationskosten und Dienstauslagen zu erstatten, eine Pauschale wurde abgelehnt. Für die Neueinstellung eines Bürgermeisters wurde ein Jahresgehalt von 3000 Mark bewilligt.

 

1901

 

  1. Jan. Schreiben des Geh. Bergrats Prof. Beyschlag (Die Solequellen IHU 1992).

Der Magistrat beauftragte den Präsidenten der Preußischen Geologischen Landessanstalt mit einem Gutachten zur qualitativen und quantitativen Verbesserung der Solezuflüsse in den beiden Schächten, da sich die Sole im oberen Schacht ständig verschlechterte. Beyschlag verwies darauf, dass durch die Auslaugung des Gewinnungshorizonts keine Verbesserung zu erreichen sei und empfahl die Niederbringung einer Tiefbohrung in das Röt  am Westufer.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Vorgestellt wurde die Offerte des Sächsisch-Thüringischen Dampfkessel-Revisonsvereins Halle zur Revision der elektrischen Anlagen, denn der Generator und die Akkumulatoren  zeigten erhebliche Verschleißerscheinungen. Ein weiterer Ausfall würde einer Katastrophe gleichkommen, da Sole- und Trinkwasserförderung davon abhingen. Informiert wurde, dass sich für das Pädagogium ein Pfarrer  aus Rudersdorf beworben habe.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Mit allen Stimmen wurde Otto Lünzner (Jg. 1853) aus Sömmerda gewählt, bislang  Bürgermeister in Weißensee und Kindelbrück und am 22. April in sein Amt eingeführt. In vertraulicher Sitzung wurde beschlossen, dem derzeitigen Interessenten für das Pädagogium den Verzicht nahe zu legen und einen anderen Interessenten zu suchen. Erkundigungen hatten ergeben, dass er dafür nicht geeignet war.

 

25 Apr. Baugenehmigung für die Eckartsbergaer Straße 17/18 (St.-A.).

Bauherrin war Eugenie Toepfer, die ledige Tochter von Friedrich Toepfer, die das Doppelgrundstück erworben und hier das „Rote Schlößchen“ nach dem Entwurf ihres Vater baute.

 

  1. Mai Sanitätsrat Dr. Johann Christian August Wahn verstirbt (Röblitz, Heimatbuch).

Das Ehrenmitglied der Badedirektion, Badearzt und Besitzer der ehemaligen Hartungschen Badeanstalt  vermachte der Stadt 1000 Mark, die als Stiftung für die Schulkindern gedacht war.   (St.-A. Nr. 280). Magistrat und Stadtverordnete würdigten seine Verdienst mit einem Nachruf.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule für alle Lehrjungen und Lehrmädchen der örtlichen Handwerks- und Gewerbebetriebe. Den unterricht übernahmen die Lehrer der Stadschule. Die Kosten wurden auf die ausbildenden Betriebe umgelegt.

Die Abgabe von Badesole erfolgte nur noch an ortsansässige Badewirte, die über eine ärztliche Befürwortung  verfügten. Der Abgabepreis erhöhtte sich auf eine Mark pro Hektoliter. Die Gastwirte und Restaurateure mußten eine Gebühr bezahlen, wenn sie die Badekapelle in ihren Etablissement spielen ließen. Die Kurkarte für Einheimische, die zum Besuch der Kurkonzerte berechtigte, wurde für Einzelpersonen auf 4 Mark und für Familien auf 6 Mark erhöht. Da zeigt, dass 5 Jahre nach der Übernahme das Bad für die Stadt ein reines Zuschussobjekt war. Genehmigt  wurde die Verpachtung der Johannisquelle an den Kaufmann Scholvien.

 

  1. Mai Jenny v. Gerstenbergk kauft das Grundstück in den Hinterbergen (BLK-A. Nr. 72).

Der Molkereibesitzer Alwin Holliger und seine Ehefrau Anna Antonie geb. Schiedt verkauften Jenny v. Gerstenbergk das Flurstück 355/99 in den Hinterbergen rd. 10.000 qm für 11.000 Mark, verbunden mit einem Wegerecht für sich und ihre Besucher über das Grundstück des Verkäufers.    Den  Vertrag beurkundete der Stadtinspektor Röblitz. In ihrem Häuschen oberhalb des Holligerschen Grundstücks wohnte sie dann zusammen mit einer Wirtschafterin und dem Gärtner. Außergewöhnlich war ihr Wunsch hier auch beerdigt zu werden. Landrat Dalwig und Bürgermeister Lünzner stimmten in Anbetracht ihrer Reputation aus ihrer Weimarer Zeit und ihre Verdienste um die Diakonissenstation und die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte im Einverständnis mit dem Pfarrer zu. . 

 

      Mai  Auf dem Geiersberg wird die  „Bismarckeiche“ gepflanzt (NZ).

Eigentlich sollte hier ein „Bismarckturm“ errichtet werden.

 

  1. Mai Verpachtung des Brückenhäuschens (St.-A. Nr. 550)

Die Kgl. Regierung genehmigte den Antrag, hier einen Verkaufsstand einzurichten, unter der Maßgabe, dass der Kaufmann Hecklau „ein ordentlicher und zuverlässiger Mann sei“. Das war nicht der Fall. Hecklau, der bislang neben dem Wellenbad einen Andenkenhandel betrieb hatte den Offenbarungseid geleistet und das Gewerbe auf seine Ehefrau übertragen.

 

  1. Juni Ausfall der Soleversorgung (MER. C XVII).

Die gußeiserne Röhrenfahrt zum Gradierwerk war defekt. Damit fiel nicht nur die Freiluftinhalation aus, sondern auch die Soleversorgung des Inhalatoriums im unteren Park. Nicht betroffen waren die privaten Badeanstalten (St.-A. Nr. 394,414). Außerdem sank die Solekonzentration da immer mehr Wildwasser aus dem defekten Verbau des unteren Schachtes über den Querstollen in den oberen Schacht kam und den Austritt der Quellsole unterband.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Den Kaufantrag für einen Weg von der Johannisquelle zur Fähre an der „Katze“hatte die Landesschule abgelehnt, dafür aber die Wiese an der Westseite des Gradierwerks angeboten. Beschlossen wurde der Erwerb eines Streifens vor dem Köttnitzschen Grundstück (Borlachstr. 38) zur Verbreiterung der Straße, ebenso wie vor dem Grundstück der alten Matthesschen Wurstfabrik (Grüne Gasse 4/5). Der Soleabgabepreis wurde auf 75 Pfennige pro Hektoliter gesenkt und eine strengere Kontrolle der privaten Badewirte  angekündigt. In den Badelisten sollten die Gäste darauf hingewiesen werden, dass eine ordnungsgemäße Abgabe von Solebädern nur in den öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Wilhelmsbad, Ritterbad) gewährleistet wird.

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       Aug. Geschäftseröffnung des Buchbinders M. Tobias in der Lindenstraße (KÖZ 1941).

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Einstellung des Mechanikers Max Buchholz für das Elektrizitäts- und Wasserwerk. Bewilligt wurde der Antrag der Frau Geh. Regierungsrätin Simon geb. Senff aus Berlin, die Grabpflege ihrer hier beerdigten Geschwister aus deren Stiftung zu finanzieren. 

 

  1. Sep. Antrag des Musikdirektors Hermann (St.-A. Nr. 348)

Der beantragte eine finanzielle Unterstützung während des Winterhalbjahres, weil die Einnahmen aus der Saison nicht reichten, ihn und seine Familie zu ernähren. Der Antrag wurde abgelehnt ebenso eine Wiederwahl als Leiter der Kurkapelle.   

 

  1. Okt. Eintrag im Hollbachschen Fremdenbuch.

„Kösen du liebliche Stadt am Ufer der rauschenden Saale, vielen der leidenden Welt hast Kräftigung du schon gespendet! So auch uns beiden, die wir unter Hollbachs gastlichem Dache, Hollbach der hier weit und breit ein Herrscher der Küche genannt wird, über sechs Wochen an Zeit im Frohsinn und Eintracht  gehauset, einer von langer Gestalt, der andere kurz und behäbig.

Rudelsburg grüßten wir froh und Saaleck hochragend in Lüften. Naumburg betraten wir auch, das nicht von Prokop ward belagert, jenem der kühn wie ein Leu die wilden Hussiten befehligt, und das gerettet nur ward durch  tapferen Schulmeisters Kühnheit. Heringen suchten wir auf, das trostlos und öd uns vorkam.

Auch lenkten wir unsern Schritt nach dem Jünglingsgefängnis Schulpforte. O, wie bewegten das Herz in der Brust uns die armen Pennäler. Sprichwort wie zeigst du die wahr: wo die Pflicht ruft, schweigt das Herz. Uns rufet jetzt das Gebot, zu streben nach heim`schen Penaten. Hollbach und Kösen lebt wohl! Wir rufen euch donnernd ein Heil zu

Willy Wagner stud. phil, Walther Neidholdt Primaner, Berlin   

 

  1. Nov. Todestag von Carl von Mühlenfels (Sterbereg.)

Bekannt wurde seine aus dem Rheinland stammende Schwiegertochter Hedwig geb. Rathgeber (geb. 1874). Die begleitete ihren Gatten der als Militär-Instrukteur nach Chile ging. Dort zerbrach die  Ehe, sie zog in das Haus ihrer Schwiegereltern (Loreleypromenade 5). Hier begann sie sich schriftstellerisch zu betätigen. Unter dem Pseudonym Helene von Mühlau veröffentlichte sie den  Roman „Das Liebeserlebnis der Ellinor Fandor“. Es folgten der Roman „Frau Dr. Breuer“ und im  Roman „Das Frauenhaus“ schilderte ihre Kösener Zeit (KÖZ 1923). H. v. Mühlenfels starb 1923 in Dresden.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544).

Die Erben Heuns hatten gegen das Vermächtnis Einspruch erhoben. Man einigte sich, dass die Erben von den 21.000 Mark einen Anteil erhalten sollten, jeweils 500 Mark erhielten  Anna sowie Margarethe Heun in Zwenkau, Helene Krumsdorf, geb. Heun in Leipzig und die drei Kinder der verstorbenen Clara Mossdorf geb. Heun. Für die Teilnahme an den Tagungen des ADHV in Colberg und des Thüringer Bäderverbandes in Friedrichroda wurden Bürgermeister Lünzer und Dr. Schütze die Reisekosten bewilligt. 

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Beschlossen wurde ein Kaufantrag für den Steilhang am Rechenberg (ca. 2-3 Hektar) für 100 Mark. Für die Bebauung der Parzellen zwischen der Burgstraße und der Chaussee wurde die Breite des Verbindungsweges auf  14 Meter, die der übrigen Wege auf 12 Meter festgelegt. Bewilligt wurden 15.000 Mark zur Wältigung der Solschächte, um die Ursache der Verschlechterung der Sole zu ergründen. Eingebürgert wurde der kaiserliche Bezirksamtmann v. Strantz.  

 

       Nov. Gründung des Hausbesitzervereins (NZ).

Der Verein zählte bei Gründung 76 Mitglieder.

           

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 226, BLK-A. Nr. 544).

Der Antrag von  Dr. Schütze, dem „Verein zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht“ die Einrichtung einer Kinderheilstätte zu gestatten, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Eine derartige Anstalt und die potentielle Gefahr die davon ausgehen könnte, würde nur die Badegäste abschrecken. Genehmigt wurde der Bebauungsplan des Gartens zwischen der Neuen Straße, der Chaussee, der Schlunkschen und der Heinzeschen Villa. Unter der Maßgabe, dass hinter den Hausgrundstücken Neue Straße 11, 12, 14, 18, 20, 22 und 23 (Fr. Ebert Str. 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15) ein 10 Meter breiter Weg bleibt, davon zwei Meter als Privatweg für Paul Kersten. Der Hebamme Rosalie Wächtler wurden 60 Mark  als Anerkennung für 40 Jahre Dienst bewilligt. 

 

                 Paul-Schultze-Naumburg läßt sich in Saaleck nieder (Schriftenreihe Stiftung 1999).

PaulSchultze, geboren 1869 in Naumburg, hatte nach dem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe zunächst in München und ab 1897 in Berlin gewirkt, wo er mit den „Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk“ sowie der Berliner Sezession in Kontakt kam. Saaleck lernte er im Zusammenhang mit einem Lehrauftrag an der Weimarer Kunstschule im Fach Maltechnik kennen. Er erwarb das Anwesen und begann hier die Arbeit an seiner neunbändigen  „Kulturarbeit".

 

                 Personenstanderfassung (NZ).

Insgesamt 404 Schüler besuchten die Stadtschule. Es gab 102 Geburten und 58 Sterbefälle darunter in den Monaten September und Oktober 14 Kinder unter einem Jahr, aber auch bekannte Einwohner wie der Sanitätsrat Dr. J. Chr. A. Wahn, der erste Postmeister Fr. C. A. Müller und der Rentier C. A. von Mühlenfels. 2.394 Badegäste wurde gezählt, die Passanten und Tagesausflügler konnten nur geschätzt werden, denn allein am 18. August trafen 2.000 Mitglieder des Vereins der Eisenbahnbeamten mit Sonderzügen ein.

           

1902

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ, St.-A. Nr. 211).

Im Mittelpunkt stand das Problem mit der Sole, der Ausfall  würde dem Bad das „Aus“ bescheren. Bergmeister Bazcko aus Eisleben schlug zur Abdämmung des aus dem unteren Schcht eindringenden Wildwassers vor, den Stollenmund am unteren Schacht zu verschließen. Dazu mussten beide Schächte bis zum Sumpf gewältigt werden. Dazu sollte der untere Schacht soweit abgepumpt werden, dass Solespiegel des oberen Schachtes unter dem Mundloch des Stollen gehalten werden kann. Dann könnte des Mundloch im unteren Solschacht mit einer Trockenmauer verschlossen werden. Der Schacht selbst sollte 10 Meter hoch mit Steinen angefüllt werden, dann eine drei Meter starke Tonschicht und endlich 4 Meter Beton aufgebracht werden. Damit wäre der sichere Verschluss des Stollen gewährleistet.

Da sich der 1860 aufgelassene untere Schacht auf dem Weber`schen  Grundstück lag, gestattete dieser die unentgeltliche Benutzung des Platze, befristet bis zum Saisonbeginn und unter der Maßgabe den Garten wieder herzurichten. Mit der Wältigung sollte eine Dortmunder Firma beauftragt und eine Anleihe von 60.000 Mark bei der Sparkasse Naumburg aufgenommen werden. Für den Antrieb der elektrischen Pumpen hoffte man, dass die Leistung des städtischen E-Werkes reichen würde, verhandelte aber auch mit der Bahnverwaltung über die Bereitstellung einer Lokomobile. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bewilligt wurden 5000 Mark zum Bau von zwei Bedürfnisanstalten noch vor Saisonbeginn.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Abgelehnt wurde der Antrag des Kukulauer Domänenpächters Brand,  4 Kinder aus Kukulau in der Stadtschule einzuschulen. Die besuchten wie die Kindern der Domäne Pforte die Schule in  Flemmingen, die Kinder der Domäne Fränkenau gingen nach Hassenhausen. Der Antrag der Diakonissenstation auf Befreiung von der Grund- und Gebäudesteuer  wurde genehmigt und dem Badediener gestattet, weiterhin als Fremdenführer tätig zu sein, wobei es den Hauswirten untersagt wurde, ihm die Vermittlung von Gästen zu honorieren. 

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (St.-A. Nr. 348, BLK-A. Nr. 544).

Kerstens Antrag, den Vertrag mit dem Musikdirektor Wernicke zu verlängern und das Honorar auf  4.000 Mark zu erhöhen, wurde abgelehnt, dafür der Antrag von Strantz angenommen,  mit dem Musikdirektor Herzog aus Erfurt über eine Pauschale von 3.200 Mark verbunden mit der  Leitung der „Theaterkapelle“ zu verhandeln. Herzog hatte wie der Musikdirektor Brandt aus Kölleda hier vorspielen müssen. 

 

      Mär. Zwangsversteigerung des Hausgrundstücks Salinenstraße 6  (NZ).

1899 hatte ein Arzt aus Dresden das Grundstück erworben und ein Sanatorium für Naturheilkunde eingerichtet. Das Anwesen ersteigerte eine Leipzigerin für 20.500 Mark.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Magistrat gab bekannt, dass der Versuch den unteren Schacht zu wältigen, abgebrochen wurde, da die Pumpen das eindringende Wildwasser nicht wältigten. Als man dann noch heraus kam, dass die Sparkasse die Anleihe in Anbetracht der übrigen Verbindlichkeiten nicht bewilligte und dennoch der Auftrag von der Badedirektion ohne Finanzierungszusage vergeben wurde, kam es zum Eklat. Die Begründung, dass man in Anbetracht der bevorstehenden Saison unter Handlungsdruck stand, half da wenig. Für die angefallenen 34.600 Mark fehlten die Mittel.  

Weiter Beschlüsse betrafen die Einrichtung einer Freibank für Fleisch, um das Preismonopol der ortsansässigen Fleischer einzugrenzen. Befürwortet wurde auch ein Vorschlag der Badekommission, versuchsweise die „Winterkur“ einzuführen (BLK-A. Nr. 544, Röblitz 1930). 

 

  1. Sep. Erbohrung einer gesättigten Solequelle im Naumburger Blütengrund .

Die von einem Ingenieur erschlossene „Ilsenquelle“, die mit 26 % Kochsalzgehalt und einer Schüttung von 9000 l/Std. austrat, ließen ein „Bad Naumburg“ möglich erscheinen. Das führte zu erheblicher Aufregung in Bad Kösen.

 

  1. Sep. Statut der Berbigschen Stiftung (BLK-A. Nr. 72)

Zur ordnungsgemäßen Verwaltung der Mittel wurde festgelgt: „Das Kapital wird zur Errichtung einer Kleinkinderschule im eigenen Gebäude unter dem Namen „Berbigsche“ verwandt. Bis dieses Kapital durch Zinszuwachs die nötige Höhe erreicht hat, um den Neubau zu schaffen, wird die Kleinkinderschule mit Genehmigung des Testamentsvollstreckers in Naumburg eingemietet“.

     

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (St.-A. Nr. 226)

Beschlossen wurde die Entsendung von Dr. Schütze und Bürgermeister Richter zur Jahreshauptversammlung des  ADHV in Bad Nauheim. Schütze reiste auf eigene Kosten, Richter wurden 65 RM bewilligt.

 

  1. Nov. Genehmigung der Bahnverwaltung zur Überwölbung des Flutkanals (BLK-A. Nr. 294)

Obwohl das eigenmächtige Handel der Stadt gerügt wurde, verkaufte die Bahnverwaltung, die in Anspruch genommene Fläche  von 213 Quadratmetern zum Preis von 3 Mark.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Inzwischen lag eine neues Gutachten zur Abdämmung des unteren Schachtes vor. Doch wegen fehlender Mittel musste die Sache aufgeschoben werden. Dafür wurde der Vorschlag Kerstens angenommen, sobald als möglich eine Bohrung auf hochprozentige Sole niederzubringen um die alte Schächte außer Betrieb zu nehmen.

 

  1. Dez. Bauvertrag zur Verwahrung des unteren Schachts (St.-A. Nr. 211).

Der Bergbauexperte Fürer hatte vorgeschlagen, unterhalb des Wildwasserhorizonts, ca. 60 Meter unter der Hängebank den unteren Schacht mir eine  wasserdichten Gewölbe zu verschließen, da eine Sümpfung beider Schachte wegen der starken Zuflüsse nich möglich war. Allerdings würden die vorhandenen Pumpen ausreichen, den Schacht bis auf eine Tiefe von  80 Metern zu wältigen.

Mit der Fa. Blumentritt wurden  3.000 Mark und eine B auzeit von sechs Wochen vereinbart. Die Kosten der Wasserhaltung streckte die Stadt der Badekasse vor.      

  

      Dez. Personenstanderfassung (NZ).

Die höhere Knabenschule mit 50 Schülern leitete Oberlehrer Geiling, ebenso viele Mädchen besuchten die höhere Töchterschule von Frl. Piper. Den 95 Geburten standen 55 Todesfällen gegenüber. Auffallend  ist die Kindersterblichkeit aber immerhin 11 Einwohner starben im Alter von über 80 Jahren.

   

1903

 

  1. Jan. Festessen zum Geburtstag des Kaisers (NZ).

Wegen der Differenzen unter den Stadtverordneten, gab es getrennte Feiern, Bürgermeister Lünzner  und einige Stadtverordneten trafen sich im „Kurgarten“, die Parteigänger des Generals a. D. v. Strantz im „Mutigen Ritter“ und die  „unabhängigen“ Stadtverordneten im „Ratskeller“.

 

  1. Feb. Suspendierung des Bürgermeisters Lünzner (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Bei der Sondersitzung wurde auf Anordnung der Königl. Regierung der Regierungsreferendar Schulz als amtierender Bürgermeister eingeführt. Lünzner stand unter dem Verdacht der Urkundenfälschung in seinem früheren Wirkungskreis, wurde dann bei der Gerichtsverhandlung  aus Mangel an Beweisen freigesprochen und am 25. April wieder im Amt eingesetzt.

 

  1. Feb. Todestag von Generalmajor Carl Rudolf Jacobi (Sterbereg.)

Er war der Sohn des Pfortaer Professors für Mathematik.

 

  1. Feb. Kanonenböller verkünden den Verschluss des unteren Schachtes (NZ).

Der Einbau des Gewölbes im unteren Schacht war geglückt, wenn auch nicht in der optimalen  Tiefe sondern schon bei 45 Meter ab Hängebank. Dass das Wildwasser abgedämmt war, zeigte  die chemische Analyse der Sole des oberen Schachtes. Der Jenaer Chemiker Dr. Jul. Herz ermittelte einen konstanten Gehalt von 5,47 % (LHASA MER C 48Ii Nr. 776 IX). Die gleichzeitig entnommene Probe der Johannisquelle ergab  1,5 % NaCl.

 

  1. Mär. Antrag des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Man wollte an der Kukulauer-, der Linden- und der Borlachstraße sowie am Bahnhof Bäume anflanzen.

 

     Mär. Letzter Bericht über die Lachse (LDZ 1969).

Ein Zeitgenosse berichtete, dass der Fischhauspächter Mende am Wehrdamm mehrere große Lachse gefangen habe, die er in der Landesschule ablieferte. In den folgenden Jahren registrierte man nur noch  vereinzelte Exemplare.

 

  1. Apr. Die städtische Schule wird „siebenstufig“ und ein sechster Lehrer eingestellt (NZ).

Es gab sieben Klassen, für die Kinder von 6 bis 13 Jahren wobei die 1. Klasse die Abgangsklasse war.  

 

  1. Apr. Otto Schoppe übernimmt die Hämmerlingsche Konditorei (KÖZ).

Eine der Bedingungen war, dass der Name Hämmerling beibehalten wird. Im gleichen Jahr erwarb Karl Apel das ehemalige Kurzhalssche  Hotel am Bahnhof. 

 

      Mai Einrichtung eines zweiten Motorbootbetriebes (Burgenlandjournal)

Otto Friedrich machte mit dem Boot „Ekkehardt I.“ Karl Friedrich Konkurrenz, hielt sich aber nur zwei Jahre.

 

  1. Mai Schreiben des Stadtverordnetenvorsitzenden an den Magistrat (BLK-A. Nr. 544)

Dr. Löffler und der Mühlenbesitzer Roßner drohten die Niederlegung ihre Ämter an und verlangten vom Bürgermeister, die Stadtverordneten Kersten und Wolf wegen unentschuldigten Fehlens bei der Sitzung mit einer Geldstrafe zu belegen. Außerdem erklärte der Stadtverordnetenvorsitzende Roßner, dass er sich bis Ende Juni auf Reisen befand und  demzufolge keine Sitzungen stattfinden können.

 

  1. Juni Beschwerde von Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 544)

Weil Roßner abwesend war, hatte der Stadtverordnete Wolf als Ältester zu einer öffentlichen Sitzung eingeladen. Dagegen protestierten wiederum Hämmerling, Siebold, Ohm, Weber, Schumann und Dr. Risse. Die Sitzung fiel aus, weil die o.g. Stadtverordneten fernblieben und damit keine Beschlussfähigkeit bestand. Daraufhin lud Wolf für den 13. Juni erneut ein, mit dem Hinweis, dass nun Beschlüsse auch gefaßt von den Anwesenden gefasst werden können. Der Einspruch wurde vom Bürgermeister abgewiesen. Am 17. Juni fand die Sitzung statt. Einer der Tagesordnungspunkte den Lünzner nun mit Hilfe von Kersten, Wolf und Naumann durchwinkte, war die Genehmigung der vorjährigen Etatsüberschreitung wegen der Kosten des mißglückten Versuchs der Trockenlegung der Solschächte. Daraufhin erfolgte eine Beschwerde beim Regierungspräsidenten.  Der Landrat, der zur Stellungnahme aufgefordert wurde, machte hatte Bedenken und letztlich erklärte der Regierungspräsident die Beschwerde als zulässig und kassierte den Beschluss.

  

  1. Aug. Großer Festumzug zum 25. Jahrestag des (jüngeren) Bürgerschützenkorps (NZ).

Der Umzug stand unter keinem guten Stern. Das ältere Schützenkorps hatte gerade  eine Klage gegen den Rittergutsbesitzer v. Schönburg und gegen die Sächsisch-Thüringischen Zementwerke wegen der Entfernung des Schützenstandes auf der Wiese an der „Katze“eingereicht. Die Klage  wurde abgewiesen und Kersten der die Räumung angeordnet hatte, zum Schadensersatz verurteilt. Daraufhin vereigerte ein Teil der Mitglieder eine Teilnahme. Auch bei beiden Kriegervereine gingen die Meinungen auseinader. Während der ältere Verein „König Wilhelm“  trotz Freibier und ermäßigten Tanzgeld beim Schützenball die Teilnahme ablehnte, beteiligte sich der Verein  „Kronprinz Fr. Wilhelm“ mit den Generälen a. D.  v. Strantz und Stieler v. Heydekampf.. Die Stimmung verschärfte sich durch gegeseitige Beschuldigungen und Unterstellungen und in den Stadtverordnetenversammlungen kam es zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen.  

 

  1. Aug. Ortsstatut zur Quartierleistungsklasseneinteilung (ST.-A. Nr. 171)

Die Anzahl der Einzuquartierenden war an die Gebäudesteuer gebunden,  jeweils 8 Mark bedeuteten einen Mann. Mussten mehr als 1200 Militärpersonen untergebracht werden, so wurde die Einquartierung auch auf  Mieter mit eigenem Hausstand ausgedehnt.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Bürgermeister Lünzner war wegen gesundheitlicher Probleme beurlaubt. Den Magistrat vertrat der Bankier Ratsschöffe Krüger. Es fehlten entschuldigt Kersten und Wolf, Dr. Schütze unentschuldigt. Krüger und der Stadtverordnetenvorsteher erklärten die Versammlung für beschlussfähig und hoben weisungsgemäß den Beschluss über den Nachtragshaushalt auf.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544, NZ).

Die anwesenden Stadtverordneten wählten den Gastwirt Weber jun. zum zweiten Ratsschöffen. Nun beschwerten sich Kersten und Wolf beim Regierungspräsidenten wegen „unzulässiger Manipulation der Mehrheiten, um Beschlußfähigkeit herzustellen“. In Anwesenheit der Stadtverordneten Roßner, Hädicke, Hämmerling, Ohm, Siebold, Weber und Dr. Risse bestätigte die Königl. Regierung die Richtigkeit der Wahl und wies die Beschwerde ab.

 

  1. Sep. Schwerer Unfall am Schrankenübergang (NZ).

Ein Motorwagen mit 4 Personen durchbrach die Schranke, wobei ein Insasse starb. Der Zug konnte noch rechtzeitig gestoppt werden.

 

  1. Sep. Kuraufenthalt des Freiherrn von Schönaich mit Familie (Hollbachsches Fremdenbuch)
  2. Schönaich (1866-1954) war preußischer Offizier, später zum Generalmajor befördert und Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft.

 

  1. Sep. Todestag von Sophie von Boetticher (Sterbereg.)

Die Ehefrau des Oberregierungspräsidenten der Provinz Sachsen Karl-Heinrich v. Boetticher (1833-1907) verstarb im Alter von 58 Jahren.

 

  1. Okt. Verpachtung der Rudelsburg (NZ).

Das Höchstgebot von 8.000 Mark hatte der Wirt des Bibraer Ratskellers abgegeben.  Doch der   Rittergutsbesitzer entschied sich für den Pächter des Naumburger Schützenhauses Adolf Büchner, nachdem der sein Gebot auf  8.500 Mark erhöhte. Die Pachtzeit betrug sechs Jahre.

 

  1. Okt. Wechsel in der Leitung des Pädagogiums (NZ).

Neuer Anstaltsleiter war  Rektor Freymark aus Erfurt. Da er  die Einrichtung mit seiner in Erfurt befindlichen höheren Handelsschule  zusammen legen wollte, wurde ihm die Leitung wieder entzogen.

 

              Stiftung des chinesischen Pavillons am Gradierwerk (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Stifter war der Ratsschöffe und Bankier Paul Krüger.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 544)

Bürgermeister Lünzner war am 18. Oktober im Alter von 50 Jahren verstorben, was aber in der Sitzung überhaupt kein Rolle spielte. Roßner legte nach wenigen Monaten sein Amt als Ratsschöffe nieder. Ihm folgte der Kaufmann Theodor Siebold als Stadtverordnetenvorsteher.

 

  1. Dez. Erlass der Polizei-Verwaltung (St.-A.).

Dank der Trinkwasserleitung war nun auch der Einbau von Wasserklosetts möglich geworden. Doch die Fäkalien kamen mit dem übrigen Spülwasser in den öffentlichen Kanal und sorgten  für Verstopfungen und üble Gerüche. Daraufhin wurde eine Vorschrift erlassen, wonach alle WC-Anlagen nur noch über eine Dreikammerklärgrube mit Be- und Entlüftung an die Abwasserkanäle angeschlossen  weden dürfen.

 

1904

 

             Gründung der Saalecker Werkstätten GmbH (NTB 1999, Schriftenreihe Stiftung 1999).

Prof. Paul Schultze-Naumburg und Fritz Koegel, der noch im gleichen Jahr verstarb, gründeten ein Architekturbüro für Haus- und Gartenbau sowie Möbel- und Innendekoration. Während sich die Bauhausbewegung der Moderne und der industriellen Formmgestaltung widmete, orientierten sich die Entwürfe der Saalecker Werkstätten an historischen und naturverbundenen Gedankengut.

Fritz Koegel (geb. 1860), war eigentlich ein Literaturwissenschaftler und war Bearbeiter des  Gesamtwerks von Friedrich Nietzsche, dass seit 1896  in 12 Bänden vom Weimarer Nietzsche Archiv herausgegeben wurde. Sein Wohnhaus wurde nach dem Entwurf von Schulze-Naumburg unterhalb der Burg Saaleckerrichtet.

Schultze-Naumburg war inzwischen 1. Vorsitzender des „Deutschen Bundes Heimatschutz“ den er mitbegründete. 

 

  1. Jan. Beschluss der Stadtverordneten zur Überwölbung der Kaskade (BLK-A. Nr. 294).

Anstelle einer Bezahlung der für den Ausbau der verlängerten Borlachstraße benötigten Flächen, bot die Stadt der Bahnverwaltung die Übernahme der Unterhaltung der Kaskade an. Das wurde abgelehnt und auf Zahlung von 639 Mark bestanden. Daraufhin sollten diejenigen  Stadtverordneten in Regress genommen werden, die vor zwei Jahren die Baumaßnahme ohne die Zustimmung der Bahnverwaltung abzuwarten, beauftragt hatten.

 

  1. Jan. Amtseinführung des neuen Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 600, NZ, Röblitz 1930).

Dr. R. Beyendorff (Jahrgang 1876) kam aus Dessau und war der  jüngste Bürgermeister Deutschlands. Er erklärte, die offenen Gräben zwischen den  zerstrittenen Parteien zu schließen  und sich mit allen Kräften der Entwicklung des Bades zu widmen.

 

  1. Feb. Die Merseburger Stadtbrauerei übernimmt den „Rektorberg“ (NZ).

 

  1. Feb. Mitteilung des Vorstandes der Ortskrankenkasse (NZ).

Ein von der Generalversammlung in Auftrag gegebenes Gutachten beanstandete die vom Kassenarzt Risse ausgestellten Rezepten. Dr. Risse wurde daraufhin die Kassenzulassung entzogen, gegen ihn Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet und Dr.  Schütze und Dr. Löffler die Kassenzulassung erteilt. Als die Klage abgewiesen wurde, verklagte Risse den Vorstand der Ortskrankenkasse, nahm aber kurz vor dem Termin der Zeugenvernehmung die Klage zurück.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A.Nr. 600; NZ).

Beyendorff wurde vom Vorsteher Siebold als „Dirigent des Magistrats“ zur ersten Sitzung  begrüßt. Doch schon der erste Tagesordnungspunkt war ein heißes Eisen. Den Antrag des Magistrats eine Anleihe von 50.000 Mark zum Ausgleich des desolaten Haushaltes 1902 und für weitere Investitionen in die Sanierung der Soleförderanlagen aufzunehmen, lehnten die Stadtverordneten ab. Statt dessen schlug Direktor Kersten, der nun wieder an den Sitzungen teilnahm, vor, die Genehmigung zur Herstellung medizinischer Produkte aus der Sole zu beantragen, um der Stadt weitere Einnahmequellen zu ermöglichen, um damit das Haushaltsdefizit ohne neue Kreditaufnahme auszugleichen.

 

  1. Apr. Besitzer- und Pächterwechsel (NZ).

Hertel verkaufte die Burg-Apotheke dem Apotheker Steuer aus Berlin und die „Katze“ pachtete Hieronymus Drese.

 

  1. Apr. Stadtverordnetensitzung (BLK- A. Nr. 600, NZ).

Erneut wurde die Anleihe abgelehnt und der Magistrat beantragte zur Sanierung des städtischen Haushalts, entweder die Erhöhung der Kurtaxe oder den Vermietern eine Sondersteuer aufzuerlegen bzw. die Grundsteuern anzuheben. Das führte zu heftigen Kontroversen mit den Stadtverordneten, insbesondere zwischen Beyendorff und Siebold, worauf der Bürgermeister und die Ratsschöffen Krüger und Weber die Versammlung verließen.

 

  1. Apr. Bauabnahme der „Villa Eden“, Bauherr K. Körner (Sta.-Ar).

Die Villa „Eden“ erwarb  Hermann Weber, der sie an die F. A. Koch KG veräußerte.

 

  1. Mai Satzungsergänzung der Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte (BLK-A. Nr. 843)

Das Vermögen bestand aus dem Hauptgebäude mit Seitengebäude, Wandelhalle und Garten (Versicherungswert 80.000 Mark), der Ausstattung im Wert von 18.750 Mark und rund 4.000 Mark Barvermögen. Der Zweck „armen, kranken und schwächlichen Kindern Solbäder, ärztliche Hilfe, Wohnung und Verpflegung zu gewähren.“ hatte sich nicht geändert.  Aufgenommen wurden Kinder von 3 bis 14 Jahren mit Scrophulose, englischer Krankheit, Blutarmut  und mangelhafter Ernährung für sechs Wochen. Auch die von den Eltern erhobenen Beiträge waren gleich geblieben. Zu Vorstand gehörten: Superintendent Dr. phil Zschimmer, Landrat Freiherr von Dalwigk, Dr. med. Joseph Löffler, Pfarrer Ernst Johannes Diederichs und Kaufmann Otto Koch. Die Änderungen wurden am 12. Juli  vom Reg.-Präsidenten Freiherr v. d. Recke genehmigt.

 

  1. Mai Dr. Levinson übernimmt die Leitung des Borlachbades.

 

  1. Mai Schreiben des Vorstehers Siebolds an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

Wegen der strikten Ablehnung aller zur Sanierung des Haushaltes vom Magistrat beantragten  Maßnahmen, hatte Beyendorff pflichtgemäß die  Oberbehörden informiert und dem  Stadtverordnetenvorsteher mitgeteilt, dass der Magistrat bis auf Weiters den Sitzungen fernbleiben werde. Die öffentliche Meinung veranlasste Siebold zu einer Stellungnahme „Die Kösener Zeitung, welche den Titel Organ der städtischen Behörden führt, bringt in dem Leitartikel meine Besprechung über die Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten, welche neben Wahrem auch Unrichtiges enthält. Da es wohl im Interesse der Verwaltung liegt, derartige Auslassungen mit Entschiedenheit entgegenzutreten, frage ich hierdurch an, was der Magistrat in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt, damit ich meine Maßnahmen danach einrichten kann...“ 

 

      Mai Indienststellung des Motorbootes „Kösen“ (Burgenlandjournal)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 2, NZ)

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig, dem Vorsteher Siebold eine Missbilligung auszusprechen und mit Mehrheit ihm zur Niederlegung seines Amtes zu bewegen.

 

  1. Juni Revision der Fährkähne durch die Ortspolizei und die Strommeisterei (St.-A. 550)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die in Abwesenheit des Magistrat gefassten Beschlüsse wurden protokolliert und dem Magistrat zur Kenntnis gegeben. Entsprachen sie den geltenden Rechtsnormen, wurden sie von Beyendorff bestätigt.

 

      Juli. Eröffnung des Erholungsheims „Villa Quisisana“ (NZ).

Das „Erholungsheim für Kinder besserer Stände“ in den Saalbergen gehörte Dr. Risse, der es aber 1908 wieder aufgab, weil der Weg zum Inhalatorium und zur Saline für die Kinder zu weit war. Risse verkaufte die Immobilie dem  Musikdirektor Hohenstein, dem Leiter der Badekapelle und verlgte das Heim unter dem gleichen Namen  in die Salinenstraße 7.

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Im Juli war die Saale nur noch ein Rinnsal, die Wasserräder standen still, das E-Werk fiel aus und damit auch die  Pumpen für die Sole- und die Trinkwasserversorgung. Als Notlösung hatte P. Kersten eine Dampflokomobile bereit gestellt. Den Dank  der  Stadtverordneten,  lehnte er unter Verweis auf die nach seiner Meinung ungerechtfertigte Behandlung als Stadtverordneter, ab.

Auf dem trockenen Wehr ließen sich die Badekapelle und das Bürgerschützenkorps vom Fotografen Krause ablichten.

 

  1. Aug. Schreiben Siebolds an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

„Den Empfang Ihres Schreibens vom 23. August an die Stadtverordnetenversammlung bestätigend, nehme ich hiermit Gelegenheit zu erklären, daß es mir weder als Stadtverordneter noch als  einfacher Bürger in den Sinn kommen kann, nach den mit dem Magistrat gemachten Erfahrungen, irgend etwas von dem zurückzunehmen, was ich über das Vorgehen des Magistrats namentlich seines Dirigenten gegen mich gesagt habe. Mein Ausfall, wie Sie sich auszudrücken belieben, hat mir mit Recht meine Handlung untermauert, über die die öffentliche Meinung und jedes Ehrengericht den Stab bricht.“

 

  1. Sep. Kuraufenthalt Johanna von Sydows ( Hollbachsches Fremdenbuch)

In ihrer Begleitung war Olga von Studnitz, Stiftsdame  von Tschirnau in Oberschlesien

 

  1. Sep. Die „Tanne“ wird sequestriert (NZ).

 

  1. Okt. Verkauf des „Rektorbergs“ für 36.500 Mark (NZ).

 

  1. Okt. Verhandlung vor dem Bezirksausschuss (BLK-A. Nr. 600)

In der Klage Magistrat gegen die Stadtverordnetenversammlung wurde die Stadtverordneten vorgeladen, mit dem Hinweis, dass beim Ausbleiben eines Vertreters nach Lage der Verhandlungen entschieden wird.

 

  1. Okt. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NZ).

Dr. Risse wurde offiziell rehabilitiert. Das Fehlen des Bürgermeisters, als Dienstaufsicht der Ortskrankenkasse, wurde heftig kritisiert.

 

      Okt. Erteilung der Schankkonzession für die „Mälzerei“ in der Loreleypromenade 3 (NZ).

Der bisherige Nutzer der Verein „Zur Erholung“ der hier einen Ausschank von billigen Fassbier betrieb, aufgelöst.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Nach der Beilegung der Differenzen zwischen Magistrat und Stadtverordneten vor dem Bezirksausschuss hatte der Stadtverordnetenvorsteher auf Anordnung des Reg.-Präsident  die Sitzung einberufen. Beyendorff jedoch lehnte die Teilnahme ab, weil Siebold eine öffentliche  Entschuldigung verweigerte.

 

     Nov. Bekanntmachung der Polizeiverwaltung zu den Straßen (NZ).

Zu den bisherigen Straße kamen der Kirchplatz, der Flemminger Weg und die berbigstraße, wo die ersten Häuser gebaut wurden (Nr. 1 Körner, Nr. 2 Hermann). Umbenannt wurden „Gegenüber dem Bahnhof“ in Bahnhofstraße,  „An der Saale“ in Uferstraße, „An dem Badehaus“ und „An der Chaussee“ in Naumburger Straße „An dem Rechenberg“ und „Nach dem Gradierwerk“ in Kukulauer Straße, „Übern Wehrdamm“ in  Loreleypromenade und die Petersiliengasse in Burgstraße.

 

     Dez.  Resümee zur Kursaison. (NZ).

2.728 Badegäste und 2.973 Urlauber wurden gezählt, insgesamt 18.500 Solbäder abgegeben. Die Bevölkerung zählte 2.974 Köpfe. Erwähnt wurde die „Wiedergründung“ einer städtischen Kurkapelle, die am 04. Dezember ihr erstes Platzkonzert gab. Damit erübrigte sich die alljährliche Neuverpflichtung  auswärtiger Kapellen. Die Einwohnerzahl betrug 2.974.

      

1905

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal waren auch Bürgermeister und Ratsschöffen wieder anwesend. Bestätigt wurde die  Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahl, nachdem hier Bedenken geäußert wurden.

 

  1. Jan. Nichtöffentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Abgelehnt wurde der Antrag des Magistrats, den Rechtsstreit mit der Landesschule wegen des Verkaufs des Geländes am unteren Schacht einzustellen. Die Landesschule, der das Gelände nach dem Rezess von 1861 wieder gehörte, hatte es dem Gasthofbesitzer Weber verkauft, ohne  der Stadt ein Zugangsrecht zum unteren Solschacht einzuräumen. Das zeigte sich erst, als man  den unteren Schacht sichern musste und auf die  Kulanz Webers angewiesen war, um den Schachthals zu erreichen. Die Stadt hatte daraufhin die Landesschule verklagt und die Landesschule verklagte die Stadt wegen eigenmächtigen Vorgehens auf ihrem  Grund und Boden. Der Magistrat wurde ermächtigt „mit dem Minister zu verhandeln, daß der Prozeß der Landesschule gegen die Stadt zurück genommen und der Platz an die Stadt verkauft wird. Dabei wollte die Stadtgemeinde die  Verpflichtung eingehen, daß jegliche von der Landesschule vermutete Schikane gegen Hotelbesitzer Weber gegen eine Konventionalstrafe unterbleibt.“

 

  1. Jan. Denkschrift des Bürgermeisters (St.-A. Nr. 60).

Ursache für den desolaten Haushalt (die Schulden von 391.153 Mark überstiegen den Wert der städtischen Liegenschaften von 273.000 Mark) war der unrentable Badebetrieb. Dr. Beyendorff schlug daher die Umwandlung des Bades in eine Aktiengesellschaft vor. Das erforderliche Kapital bezifferte er mit 500.000 Mark, wovon die Stadt als Sacheinlage die zum Badebetrieb gehörenden Immobilien und Grundstücke im Wert von 75.000 Mark beisteuern könnte. Der Großteil sollte durch Aktionäre, vornehmlich von denjenigen, die vom Badebetrieb profitierten aufgebracht werden. Die Mittel wurden dringend zur Verbesserung der Badeeinrichtungen gebaraucht. Das Inhalatorium, die Johannisquelle und die Wellenbäder  waren veraltet und mußten erneuert werden, um mit der in- und ausländischen Konkurrenz mitzuhalten. Es fehlte an Terrainwegen, Sportplätzen und einem Luft- und Sonnenbad. Außerdem fehlte ein Kurmittelhaus, die es inzwischen in allen namhaften Bädern gab. Auch die örtliche Infrastruktur müsste  verbessert werden, vornehmlich die Kanalisation, die Straßen und die allgemeine Ortshygiene. Es herrschten unter dem Strich „vorsündflutliche Verhältnisse“. Für Investitionen bestünden keine  finanziellen Spielräume und man müsse den städtischen Badebetrieb aufgeben, was zumindest den städtischen Haushalt auf Dauer konsolidieren würde. Beyendorff schlug außerdem vor, für die Leitung des Badebetriebes  einen renommierten und namhaften  Mediziner zu gewinnen.  

 

  1. Jan. Zwangsversteigerung des Gasthofs „Zur Tanne“ (NZ).

Da sich kein Interessent fand, fiel die Schankewirtschaft an den Hauptgläubiger die Gürth- Brauerei, die dann eine Pächter suchte.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Als Stadtverordneter wurde der Generalleutnant a.D. Arthur Stieler v. Heydekampf eingeführt, beschlossen wurde die Eingemeindung der zum Gemeindebezirk Alt-Flemmingen gehörenden Parzellen in den Saalbergen.

 

      Feb. Generalversammlung der Ortskrankenkasse (NZ).

Das Gremium beschloss, Dr. Risse sein volles Gehalt nachzuzahlen und ihm die kassenärztliche Zulassung zuzuerkennen. Dagegen klagten Dr. Schütze und Dr. Löffler, denen die  Kassenzulassung erteilt wurde. Sie bekamen recht und behielten ihre Kassenzulassung. All das bescherte der  Ortskrankenkasse finanziellen Schaden und man beschloss, den Vorstand dafür in Haftung zu nehmen. Auch dieser Krach sorgte in der Öffentlichkeit für Spott und Kopfschütteln.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde der Verkauf einer Fläche am Wasserwerk für ein Anschlussgleis zur Sächsisch-Thüringische AG für Kalksteinverwertung.. C. Friedrich erhielt den Pachtvertrag über die Fähre für weitere fünf Jahre mit einer Jahrespauschale von 110 Mark.

 

  1. Mär. Beilegung des Streites mit der Eisenbahnverwaltung (BLK-A. Nr. 294).

Nach Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten, hatte sich die Stadt bereit erklärt, den von der Eisenbahnverwaltung festgesetzten Kaufpreis zu bezahlen und wurde nun als Eigentümer des Fl.-St.  653/55 eingetragen.

 

  1. März. 25jähriges Geschäftsjubiläum von Direktor P. Kersten (Festschrift).

Die Festschrift würdigte die Verdienste Kerstens zum Wohle des Ortes und der Einwohner. Demzufolge hatte allein die Landesschule mehrere hundertausend Mark für den Verkauf von landwirtschaftlich nicht nutzbaren Flächen erhalten. Mit den Lengefelder Bauern und dem Rittergutsbesitzer von Kreipitzsch bestanden langfristige Pachtverträge, was letztlich auch den bestand der  „Katze“ und die Fähre sicherte. Außerdem fanden zahlreiche Menschen Arbeit, von denen wiederum die Landwirte und Geschäftsleute der Umgebung profitierten. Ebenso wie die Kgl. Eisenbahnverwaltung durch den Bahnversand, wobei sich der Güterbahnhof zu einem der bedeutendsten Versandstationen zwischen Halle und Frankfurt entwickelt hatte.

  

  1. Mär. Prof. Dr. Posseldt übernimmt die Leitung des Pädagogiums (NZ).

Das Kuratorium hatte sich unter den eingegangenen Bewerbungen für den aus  Herzberg/Elster stammenden Pädagogen entschieden.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Der Bürgermeister hatte eine finanzielle Beteiligung der Stadt am Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen wegen der desolaten Haushaltslage abgelehnt, ohne die Stadtverordnetenversammlung zu informieren. Diese „spricht einstimmig ihre Entrüstung aus über das eigenmächtige Verfahren des Magistrats (.) welches geeignet ist nicht nur die durch unser Collegium vertretenen Rechte der Gemeinde zu verletzten, sondern auch die patriotische Gesinnung der Bürger  zu verdächtigen.“ Beschlossen wurde, den Vorgang dem Reg.-Präsidenten zur Kenntnis zu geben und sich statt mit 30 mit 60 Mark zu beteiligen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Die Eisenbahnverwaltung hatte festgestellt, dass die Pfeiler der Bahnbrücke gerissen waren  und sperrte aus Sicherheitsgründen die Durchfahrt bei jeder Überfahrt.  Der Magistrat sollte bei der Eisenbahnverwaltung vorstellig werden, dass bei der bevorstehenden Erneuerung der Pfeiler, die Unterführung auf  mindestens 11 Meter verbreitert wird, um die Gefahren für Fußgänger und Gespanne zu verringern. Außerdem sollten Lärmschutzmaßnahmen im Bereich des  Kurparks erfolgen. Zur Verbesserung der Badekasse sollten nun auch Einheimische Jahreskarten für den Besuch von Kurkonzerten für 6 Mark und für Rèunions für 10 Mark erwerben.

Außerdem wurde die Erneuerung der Hausnummerierung beschlossen. Demnach wurden alle bebauten und unbebauten Grundstückauf der linken Seite ungerade auf der andern Seite gerade durchnummeriert. Bei einseitig bebaute Straßen (z. B. Saalstraße, Saalberge, Uferstraße, Loreley- und Rudelsburgpromenade) erfolgte die durchgehende Nummerierung. Außer in den Saalbergen gilt diese Nummerierung bis heute.   

 

  1. Apr. Schreiben des Vorstehers an den Magistrat (BLK-A. Nr. 2)

Eine Anordnung der Ortspolizeibehörde, um das  „Plakatierunwesen“ einzudämmen, brachte den  Verschönerungsverein in Rage und der Vorsitzende, Exzellenz  von Heydekampf drohte sogar, sein Amt als Stadtverordneter niederzulegen. Beyendorff wurde aufgefordert, die Verfügung aufzuheben, dem Verein das Plakatierwesen sowie die uneingeschränkte und kostenlose Benutzung der Anschlagsäulen zu belassen. Außerdem forderten Siebold, Wolff, Roßner, Ohm, Hämmerling, Kersten, Schumann und Toepfer, dass Beyendorff die „verletzenden Passagen“ in seinem Schreiben öffentlich zurücknehmen soll.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Hier stellte sich der neue Landrat Freiherr von Dalwigk vor. Beschlossen wurde der Ladenschluss von November bis März ab 20 Uhr. 

 

  1. Mai 25-jähriges Dienstjubiläum des Badedieners Wilhelm Becker jun. (KÖZ).

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, Denkschrift).

Im Streit über die Zugänglichkeit des unteren Schachts wurde beschlossen, die Klage zurück zu nehmen und den derzeitgen Zustand zu belassen, wenn der Gastwirt Weber der Stadt ein notariell gesichertes Zugangsrecht einräumt.

Davon unberührt war der Rechtsstreit der Stadt mit der  Landesschule wegen der öffentlichen Nutzung des weges zwischen dem „Mutigen Ritter“ und der kleinen Saale.

Außerdem wurde eine zeitweise Kommission (Kersten, Roßner, Siebold, Stieler v. Heydekamp, Töpfer) gebildet, die die Verkehrsverhältnisse analysieren und Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände erarbeiten sollte. 

 

  1. Mai Schreiben von Dr. Schütze an die Badedirektion (priv).

Darin widersprach er dem etwas abstrusen Vorschlag der Badeverwaltung, das Sonnenbad auf dem Oberdeck des Gradierwerkes einzurichten und empfahl die „Sonnenterrasse“ am  Borlachbad. Das wurde abgelehnt aber wegen seiner nachvollziehbaren Begründung wählte man dann einen geschützten Platz an der  Nordseite des Friedhofes.

 

  1. Juni 50- jähriges Gründungsjubiläum des KSCV.

 

  1. Juni Denkschrift zur örtlichen Verkehrssituation (priv).

Der vollständige Titel lautete „Über den nachteiligen Einfluß, der Kösen durchschneidenden Eisenbahn und der Art ihres Betriebes auf den sonstigen Verkehr und die Entwicklung dieser Stadt und ihres Bades“. Die Kreuzungspunkte der Bahn mit dem Straßenverkehr waren mit der steigenden Verkehrsdichte zum Hemmnis geworden. 8 bis 10 Zugdurchfahrten pro Stunde tagsüber  erlaubten nur noch Öffnungszeiten der Schranken  von 2 bis 3 Minuten, denn der Schrankenwärter hatte die beiden Übergänge an der Brücke und am Bahnhof zu bedienen. Dazu kam der Rangierverkehr beim Bahnhof. Das waren 13.000 Waggons pro Jahr vom  Kalkwerk und 900 von der Mühle. Während das Kalkwerk einen Anschlussgleis hatte, waren es 3.000 Fuhrwerke die auf der Ladestraße von der Mühle kamen und sich vor dem Schrankenübergang am Bahnhof stauten. Im Herbst begann die Rübenkampagne. Zunächst kamen die Rüben  zur Verladung, dann wurden Rübenschnitzel entladen. Das waren mehrere tausend Gespanne. Die Fa. Koch schlug  jährlich 140.000 Zentner landwirtschaftliche Güter um, die Fa. Becker und Hasse 100.000 Zentner Kohle. Das führte zu langen Staus auf der Brücke und der Eckartsbergaer Chaussee. Am meisten betroffen war die Bahnhofsstraße, wo alle Fuhrwerke die zur Ladestraße an der Fränkenauer Wiese wollten, den Schrankenübergang neben dem Bahnhof benutzen. Die Zufahrt über die Grüne Gasse war zu steil, die Gerstenbergkpromenade eine Sackgasse, der Kirchberg abschüssig,  der Tunnel zu eng und die Einmündung in die Bahnhofstraße unübersichtlich. Daher benutzten die meisten Fuhrwerke den Schrankenübergang im Zuge der Reichsstraße, wobei Langholzfuhren von oder zum Holzwerk in der Rudelsburgpromenade  rangierten, um die Spitzkehre zu bewältigen.

Die Lösung des Problems sah man in der Beseitigung der  drei Schrankenübergänge. Dazu sollte der Chausseedamm zwischen dem Kurgarten und der Brücke abgerissen, die Unterführung verbreitert und die Bahnhofstraße ein Stück weit  abgesenkt werden. Somit wäre ein bequeme und ungehinderte Passage für den außer- und innerörtlichen Fahr und Fußgängerverkehr möglich. Am nördlichen Ende der Gerstenbergkpromenade sollte der Bahndamm nochmals untertunnelt werden und die Promenade bis zur hinteren Borlachstraße verlängert werden. Von hier sollte ein Fahrweg über den Jochenberg zur Eckartsbergaer Chaussee angelegt werden. Dann würde auch ein großer Teil der landwirtschaftlichen Transporte nicht mehr das Stadtgebiet berühren.

 

      Juni  Kuraufenthalt der Baronin v. Branken (NZ).

Hinter dem Pseudonym verbarg sich Nataly v. Knobelsdorff, die unter ihren Mädchennamen Nataly  von Eschstruth zahlreiche triviale  Frauenromane und Novellen veröffentlichte, die in der wilhelminischen Adelsgesellschaft spielten und sich einer großen Beliebtheit erfreuten.  Sie gestattete ihrem Pensionswirt Körner seine Pension (Berbigstr. 1) Villa Eschstruth zu nennen. 

 

  1. Juli Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 600)

Grund war ein dringliche Anfrage: „Warum beseitigt der Magistrat nicht sofort die Vergiftungsgefahr des städtischen Leitungswassers, obwohl demselben diese Gefahr hinlänglich bekannt ist“. Ein Wolkenbruch sorgte dafür dass die vom „Jochenberg herab stürzenden Tagewässer, welche Felddünger mit sich führen, sich in den Brunnen ergossen haben und den Brunnen und den Hochbehälter verschlammt haben“. Beschlossen wurde, den Brunnen durch eine Erhöhung des Brunnenhalses zuküftig zu schützen und das Brunnenwasser regelmäßig auf Nitrat, organische Substanzen und pathogene Keime zu überprüfen.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Abgelehnt wurde die Einrichtung einer Fleischfreibank, weil weder für die ortsansässigen Fleischer noch für die Stadt Vorteile erkennbar waren, sondern eher Schaden für das Bad.

 

  1. Juli Beschwerde des Magistrats wegen der Ferienregelung (MER C Iib 2028 II)

Grund war ein Erlass, dass die Schulferien auf dem Land und in Städten mit ländlichen Verhältnisse nicht mehr von der Gemeindevertretung sondern vom Landrat festgelegt werden. Das sah man hier als Eingriff in die Selbstverwaltung zumal es kaum Landwirte gab. Die beschwerde wurde abgewiesen,, mit der begründung, dass hier Schüler der Domäne Fränkenau eingeschult waren und daher Kösen unter den Erlass fiel. 

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Eine am Vortag anberaumte Beraung über die Denkschrift zur Verkehrssituation zwischen Magistrat und Bürgermeister, hatte wegen der ablehnenden Haltung  Beyendorffs im Hinblickj auf die zu erwartenden Klosten zu keinem Ergebnis geführt. Daher wurde sie den Stadtverordneten vorgelegt,  von diesen befürwortet und der Magistrat mit der  weiteren Veranlassung beauftragt.  Außerdem wurde Hämmerling zum 1. Ratsschöffen gewählt.

 

  1. Juli Brunnenfest (priv).

Der musikalische Auftakt am Sonntagmorgen erfolgte an der Davison Halle, am Nachmittag fplgte der Festzug durch die Stadt  zum Borlachschacht. Am Montagvormittag gab es das  Bürgerfrühstück, am Nachmittag war Kinderfest  und am Abend der Lampionzug.

 

  1. Aug. 95. Geburtstag des Geh. Sanitätsrates Dr. Carl August Zimmermann (NZ).

Zimmermann, ein Sohn des Dürrenberger Knappschaftsarztes war zunächst in Berlin tätig  und ab 1856 bis zu seiner Pensionierung 1882 Schularzt in Pforte.

 

  1. Aug. Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Als 8 Stadtverordnete zumeist wegen persönlicher Diskrepanzen untereinander bzw. mit dem Magistrat ihr Mandat niederlegten, machte sich eine Ersatzwahl erforderlich. Ein  Flugblatt forderte die Wähler der III. Abteilung auf, gegen die „Despotengelüste  Einzelner“ (P. Kersten, Fr. Wolf, T. Siebold) und für die Kandidaten Emrich, Haußner und Seiffert zu stimmen, die die „Gesamtinteressen unserer lieben Vaterstadt und des idyllischen Bades“ vertraten. Die Wahlbeteiligung hielt sich in Grenzen. Von den 284 Wahlberechtigten der III. Klasse erschienen nur 114 und die meisten Stimmen erhielten Kersten (108), Wolf (109) und Siebold (109). In der II. Klasse wählten von 48 nur 19 und  nur in der I. Klasse beteiligten sich von den 11 Wahlberechtigten 10.

 

  1. Okt. Chr. Krüger übergibt seine Holzhandlung an K. Körner & M. Rabenalt (NZ).

Krüger widmete sich nun dem Aufbau seiner Privatbank, betätigte sich in der Kommunalpolitik, wurde zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt und 1917 durch den Landrat zum kommissarischen Bürgermeister berufen.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Mehrheitlich wurde ein Dringlichkeitsantrag verabschiedet, wegen der Differenzen mit der Kgl. Bahnverwaltung eine Deputation zur Eisenbahnverwaltung nach Erfurt, notfalls nach Berlin zu entsenden.

 

  1. Nov. Antrag des Lehrerkollegiums auf Gehaltszulage (MER C 48 Iib 2028 II)

Beamtragt wurden 150 Zulage zum Grundgehalt, 10 Mark Alterzulage für die sechs Lehrer, sowie die Erhöhung der Mietentschädigung von 270 auf 350 Mark, für die beiden Lehrer, die keine  Beamtenwohnung hatten. Als Grund wurde die Teuerungsrate von Lebensmitteln und der Mieten angegeben. Der Antrag wurde abgelehnt, weil die Teuerung vorübergehend sei, die Lehrer Nebenverdienst hätten und die Vorteile in einem Badeort angestellt zu sein, die örtlichen Nachteile aufwiegen.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891)

Gezählt wurden 355 bewohnte Häuser (1900: 332), 12 unbewohnte Häuser (9), 10 sonstige Gebäude (11). Es gab 697 Zwei- und Mehrpersonenhaushalte (1900: 656) 114 Einzelhaushalte (109). Im Ort anwesend waren 1318 Männer (1900: 1234) und 1672 Frauen (1667). 2898 Einwohner waren evangelisch, 85 katholisch und 5 Juden.

Die später noch geänderte Nummerierung der rechten Straßenseite in den Saalbergen  begann bei Nr 1 (Knüppel-heute Dressel)), 2 u. 3 (Bauplätze), 4 (J. v. Gerstenbergk), 5 u. 6 (Bauplätze) bis zur Nr. 25 den Saalhäusern (heute Nr. 73).   

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600).

Im vertraulichen Teil wurde über den Kauf aller in Lasspacht und Niessbrauch befindlichen öffentlichen Flächen von der Landesschule beraten, angesichts dere zu erwartenden Kaufpreises aber zunächst nicht weiter verfolgt.

 

  1. Dez. Ermittlungen gegen den Polizeisergeanten August Richter (MER C 48 Ih Nr. 922)

Richter  erschien in der  „Tanne“ wegen der Einhaltung der Polizeistunde. Da er aber in Zivil war, kamen man dem nicht nach. Mit einem der Gäste kam es zu Handgreiflichkeiten, woraufhin er diesen vom hinzukommenden Nachtwächter arretieren ließ. Der erstattete daraufhin Anzeige wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Da alle Zeugen gegen Richter aussagten wurde er zu 2 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. Dazu kam ein Disziplinar-verfahren das wegen einiger anderer Verfehlungen mit der Dienstenthebung endete, obwohl der Bürgemmeister in Anbetracht der vier minderjährigen Kinder um Nachsicht bat. Die ganze Angelegenheit wurde im Oktober dann in Berlin entschieden. Der Justizminister teilte dem Innenminsiter mit: „ Mit Rücksicht auf die erschwerenden Umstände habe ich davon abgesehen, auch nur den Erlaß der Geldstrafe zu befürworten... und den ersten Staatsanwalt in Naumburg beauftragt, den Verurteilten auf sein Immediatsgesuch ...ablehnend zu bescheiden. Gleichzeitig habe ich jedoch den genannten 1. Staatsanwalt angewiesen, bei der Strafvollstreckung auf die bedrängte wirtschaftliche Lage der Familie... tunliche Rücksicht zu nehmen.“ Daraufhin zog  Richter noch vor das Oberverwaltungsgericht, dass aber im Februar 1908 das Urteil bestätigte.  

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ, BLK-A. Nr. 2).

Die Ankündigung erfolgte im Amtsblatt, der Kösener Zeitung in der Nr. 151 des 11. Jahrgangs. Dr. Schütze wurde zum Ratsschöffen gewählt. Beschlossen wurde eine „Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung“

 

               Spende der Juliane Sophia Katharine Wilhelmina Kumbruch (Heimatbuch 1930)

Die 3000 Mark waren für die Einrichtung eines  Operationszimmers im Krankenhaus bestimmt.

               Bau des Getreidesilos am Nordgiebel der Roßnerschen Mühle.

 

               Meldung zur Poststelle Rudelsburg.

Sie war der kleinste Postort im Oberpostbezirk Halle, mit 11 Einwohnern.  Aufgegeben wurden allerdings 98.000 Postsendungen.

 

1906    

              

  1. Jan. Kaufmann Theodor Siebold wird Stadtverordnetenvorsteher (BLK-A. Nr. 600)

Er war seit 1903 Stadtverordneter und sollte sich in seiner Amtszeit als kritischer aber auch recht selbstgefälliger Gegenspieler des Magistrats erweisen. 

 

  1. Feb. Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Jochenberg (St.-Ar).

Das betraf das Feld zwischen Fränkenauer Trift, Eckartsbergaer Chaussee und Äbtischen Holz. Für die beim Kgl. Landratsamt als Genehmigungsbehörde einmzureichenden Pläne, wurden keine Mittel bewilligt, so daß dieser Plan nicht weiter verfolgt wurde.

 

  1. Feb. Aufhebung des Dienstvertrages mit Bürgermeister v. Beyendorff (BLK-A. Nr. 600)

Beyendorff hatte sich in Steglitz bei Berlin als Gemeindesyndikus beworben, wohl auch in Anbetracht der ständigen Differenzen. 1908 wurde er Gemeindevorsteher in Lankwitz (bis 1918), wo er sich um die dortige Gartenstadt verdient machte. 2003 wurde im Lankwitzer Kurfürstenviertel der Rudolf- Beyendorff-Ring nach ihm benannt.

Beschlossen wurde die Ausschreibung der Bürgermeisterstelle mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark und 500 Mark Mietzuschuss, was  der Bezirksausschuss genehmigte.

 

  1. Feb. Schreiben vom Bergrat Engelcke an das OBA in Halle (MER Rep. F 23 I/21).

Der Kösener Magistrat hatte den Chef des Salzamtes Dürrenberg beauftragt, ein Gutachten zur Einrichtung eines Werkes zur Fabrikation von Badesalz zu  erstellen. Bei dem Gespräch vor Ort hatte sich aber herausgestellt, dass man es auch auf die Herstellung von Kochsalz abgesehen hatte, um damit die Einküfte der zu verbessern. Da dies den vertraglich vereinbarten Verzicht auf jegliche Salzproduktion widersprach, nahm der Gutachter Rücksprache bei der Bergbehörde.

Denn eine fabrikation wäre durchaus möglich, denn mit den Pumpen und dem Gradierwerk, dass inzwischen in drei Fälle eingeteilt war, wäre es möglich wöchentlich 70 Zentner Kochsalz herzustellen. Das würde sich rentieren zumal man dafür nur eine kleine Pfanne und keine weiteren aufwändigen Anlagen brauchen würde. Die Pumpenleistung könnte jedoch auf das zehnfache gesteigert werden, allerdings müsste man wegen des niedrigen Salzgehalts (4.5 %) große Menge Steinsalz dazu kaufen und auflösen. Dazu wären Investitionen von 700.000 Mark erforderlich.

 

  1. Mär. Kuraufenthalt von Edvard Munch

Munch (1863-1944) der bedeutendste norwegische Maler, suchte hier während seines Weimarer Aufenthalts Erholung für seine zerrütteten Nerven. Das führte ihn zu Dr. Lehmann,  der in der heutigen K.-Kruse Straße 16/18 eine Nervenheilanstalt betrieb. Umstritten ist, ob er dort  Quartier nahm oder bei der Familie Puttrich  (Lindenstraße 3) wohnte, in den Kurlisten wird er allerding nicht erwähnt. Fest steht, dass er im „Mutigen Ritter“ einen atelierartigen Raum angemietet hatte, wo ihn Elisabeth Förster-Nietzsche, die Schwester des Philosophen Fr. Nietzsche besuchte, um mit ihm die in Auftrag gegebenen Porträts  ihres Bruders zu besprechen. Munch hielt sich mit Unterbrechungen bis 1907 hier auf. In dieser Zeit entstanden die Bilder  „Park in Kösen (Stallburg Galerie Wien) und „Allee im Schnee“, das die Promenade zeigt. (Quelle: „E. Munchs Thüringer Aufenthalt“ in „Jena als Kunststadt“, V. Wahl, Seemann Verlag Leipzig 1888, NTB 1993).

 

  1. Mär. Emil Hamel erhält die Schankkonzession für den „Preußischen Hof“ (Sta.-Ar).

Hamel hatte den Gasthof von Oswald Becker übernommen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ).

In Anbetracht der Differenzen zwischen dem Magistrat und den Stadtverordneten führte   Landrat Freiherr v. Scheele auf Anweisung des Regierungspräsidenten für den ausscheidenden Beyendorff bis zur Wahl eines Nachfolgers den Regierungsreferendar Tellemann als kommissarisch ein. Danach wurde die Anschaffung eines „Saug-Abfuhrwagens für Fäkalien“ beschlossen, aber nach Einspruch des Magistrats wegen fehlender Finanzen aufgehoben.

 

  1. Apr. Beschluss zum Verkauf aller noch gebrauchsfähiger Brunnen (BLK-A. Nr. 600)

 

  1. Apr. Geheime Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600).

Die Anzahl der Ratsschöffen sollte verdoppelt werden, nicht zuletzt, weil die Stadverordneten  damit ihre Position im Magistrat stärkten und dies möglichst noch vor der Einführung des neuen Bürgermeisters. Dazu wurde der § 1 des Ortsstatuts geändert „Der kollegialische Gemeindevorstand wird von fünf Mitglieder bestehend aus dem Bürgermeister und vier Ratsschöffen gebildet“ , gewählt wurden Dr. Schütze, Roßner, Saalborn und Siebold.

 

  1. Mai Vorauswahl der kandidaten für das Bürgermeisteramt (BLK-A. Nr. 600)

Von 13 Bewerbern kamen 5 in die engere Wahl und wurden zu einer persönlichen Vorstellung eingeladen. Drei Bewerber kamen, darunter der Stadtverordnetenvorsteher Siebold. Ein  Bewerber schied aus und  im 2. Wahlgang wurde Dr. Kretzschmar mit 7 Stimmen gewählt, Siebold hatte 5 Stimmen.

 

  1. Mai Sitzung der Badekommission (BLK-A. Nr. 390).

Regierungsreferent Tellemann, Dr. Schütze, Direktor Kersten, Fabrikant Roßner, Zimmermeister Töpfer, Buchdruckermeister Wolf, Kaufmann Siebold und Gastwirt Weber befassten sich mit einem Antrag des Verschönerungsvereins. Dieser hatte in den vergangenen Jahren aiuf eigene Kosten  Bäume und Hecken gepflanzt, Beete angelegt, Schutzhütten, Bänke und Wegweiser errichtet und für deren Unterhaltung und Pflege gesorgt. Nun überstiegen die Unterhaltungskosten die finanziellen Mittel des Vereins und man bot der Stadt die Überlassung all dieser Dinge an. Die Badekommission befürwortete die Übernahme, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. 

 

  1. Mai Amtsantritt des Bürgermeisters Felix Kretschmar (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Kretzschmar (Jg. 1875) stammte aus Leopoldshall (OT v. Bernburg) und war Intendantur-Assessor. Er wurde für 12 Jahre gewählt. Seine Amtszeit währte dann 14 Jahre.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Solelieferverträge mit den Badeanstalten von Weber, Dr. Löffler und Bahse mit einer Mindestabnahmeverpflichtung zu ergänzen.  Die Aufwartefrau der Wellenbäder wurde angewiesen, den Mitglieder und Beauftragten des Magistrats mit Bescheidenheit und Gehorsam entgegenzutreten.

 

  1. Juni Ankunft der Teilnehmer des 34. Deutschen Ärztetages in Halle (NZ).

Die 300 Teilnehmer trafen per Sonderzug ein, begaben sich zum Frühschoppen auf die Rudelsburg, wo sie von Dr. Schütze begrüßt wurden. Über die Buchenhalle wanderte man zum  Gradierwerk, besichtigte den Solschacht und das Gestänge. Abschließend folgte ein gemeinsames Abendessen im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Das Brunnenfest sollte künftig an drei Tagen  (Sonntag bis Dienstag) stattfinden und dabei der Salzgehalt der Schachtsole öffentlich bestimmt werden. Darüber hinaus wurde beschlossen, dem Bürgermeister als Hochzeitsgeschenk in seiner Wohnung auf Kosten der Stadt die Lichtleitung zu installieren. Die Lampen musste er selber besorgen. 

 

  1. Aug. Nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 600, NZ).

Das Protokoll vermerkte: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Angebot der Diakonissen-Anstalt v. 19. a.c. welches von dem Vorstand unterzeichnet ist und beschließt, daß das lt. Kaufvertrag zwischen der Stadt Kösen und Fr. Arndt erworbene Hausgrundstück (Vertrag v. 01. 08. a.c) mit allen Rechten und Pflichten wie es die Stadt von Fr. Arndt erworben hat, zu indieren, mit der Bedingung, daß bei Auflassung hypothekarisch eingetragen wird, daß niemals ein Krankenhaus auf diesem Grundstück errichtet werden darf....Die Anschaffung soll damit von Fr. Arndt auf die Diakonissen-Anstalt möglichst binnen 8 Tagen erfolgen. Die St.V.V. beschließt, das Angebot der Fr. Arndt vom 19. 08. a.c. ihre Rentenansprüche von 1000 Mark auf 800 Mark zu reduzieren, anzunehmen, welches aus dem Kaufvertrag v. 1. Aug. resultieren“ . Bei dem Anwesen handelte es sich um die Grundstück  Neue Straße 22 (Fr.-Ebert Str.) , allerdings dauerte die Übergabe wegen der noch einzuholenden Genehmigungen der vorgesetzten Behörde bzw. des Mutterhauses noch fast ein Jahr. Luise Arndt starb im Mai 1906, damit endete auch die Leibrente.

Beschlossen wurde der Abbruch des Armenhauses (Burgstraße 16), um hier die  Kinderbewahranstalt zu errichten, um den verfügungen der Therese Berbigendlich nachzukommen. Das  Kranken- und Siechenhaus (Burgstraße 14) sollte dann Armenhaus werden und im Garten an der Fränkenauer Trift das neue Krankenhaus gebaut werden.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-Nr. 600)

Beschlossen wurde der Verbleib im Thüringer Bäderverband und die Kostenübernahme für den  Fernsprechanschluss in der Wohnung des Bürgermeisters. Zur Kenntnis gegeben wurde eine Mitteilung der „Unterstützungskasse für im Feuerlöschdienst Verunglückte“. Diese hatte sich bereit erklärt, einen Teil der Kurkosten eines Mitgliedes der freiwilligen Feuerwehr zu übernehmen, der die Stadt auf Zahlung verklagt hatte.

Wegen der Differenzen unter den Stadtverordneten legte Siebold das Amt als Vorsteher mit sofortiger Wirkung nieder. Das Amt ging an den Stellvertreter Bahnhofswirt Emrich.

 

  1. Okt. Vertrauliche Sitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 3)

Beraten wurde über die Gründung einer Bad Kösen AG, in die neben den städtischen Badeeinrichtungen, auch der  „Mutige Ritter“ das Ritterbad und das Borlachbad eingebracht werden sollten.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Beschlossen wurde die Aufstockung des Wasserwerkes in der Borlachstraße. Neu war, dass  inzwischen als Bauplatz für die Kinderbewahranstalt der Garten (650 m²) am Rathaus vorgesehen war. Festgelegt wurde,  dass der Quadratmeter nicht mehr als 15 Mark kosten darf. Da der Kaufpreis aus der Berbigschen Stiftung kam, hätte die Stadt eine Zusatzeinnahme von 9.750 Mark gehabt, was in Anbetracht des desolaten Haushaltes willkommen war.

 

  1. Nov. Stadtverordneten-Ergänzungswahl (priv).

Die Stadtverordneten Töpfer, Ohm und Roßner hatten ihr Mandat niedergelegt. Als Nachfolger für Roßner warben P. Kersten und der Buchbinder Wolf mit einem Flugblatt unter den Wählern der 2. Klasse für den Bahnhofswirt Emrich. Dieser habe sich nicht an den „nichtswürdigen Stänkereien und Intrigen gegen den neugewählten, arbeitsfreudigen Bürgermeister“ beteiligt, lebt in geordneten Verhältnissen und habe „reges Interesse am Emporblühen des Bades“. Anders bei der 3. Abteilung. Hier wurde mit einem Flugblatt für den Maurermeister Blumentritt geworben. Dessen Unabhängigkeit, wäre  Garant für die Weiterentwicklung des Bades und würde verhindern, „dass große industrielle Unternehmen sich in der Nachbargemeinde niederließen, der Stadt die reichen Steuern vor der Nase weg nähmen und mit der von ihren rauchenden Schornsteinen verpesteten Luft  die Badegäste  zum Nachteil des kleinen Mannes vertreiben würden“.  

 

  1. Nov. Königlicher Besuch aus Sachsen (NZ).

Mit großen öffentlichen Interesse wurden der Thronfolger Johann Georg von Sachsen und seine  Gemahlin die Prinzessin Maria von Sizilien und Bourbon mit Gefolge von Stuttgart kommend am Bahnhof empfangen und zum „Mutigen Ritter“ geleitet, wo sie zu Abend aßen, übernachteten und am anderen Tag weiter nach Dresden reisten. 

 

  1. Dez. Wahl der Schuldeputation (MER C48 Iib 2028 II)

Dazu gehörten drei Stadtverordnete (Kfm. Siebold, Kfm. Haußner, Rentier Ohm), drei sachkundige Einwohner (Prof. Dr. Posseldt, Hauptlehrer Mönnigmeier, Postmeister  a.D. Eckleben) sowie der Pfarrer Diederichs.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ, BLK-A. Nr. 600).

Zur Einschulung von Fränkenauer Kindern wurde empfohlen, dass zunächst diejenigen übernommen werden, die in den Fronhäusern an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) wohnten.

Wegen fehlender Beschlussfähigkeit, wurde diese Versammlung vertagt und auch die nachfolgenden Termine immer wieder verschoben.

 

              Dr. Levinson leistet den Offenbarungseid.

Das Borlachbad fiel unter Sequestration. Der als Zwangsverwalter eingesetzte Hämmerling rechnete noch 611 Bäder für Erwachsene, 220 Kinderbäder sowie 834 ermäßigte Bäder ab.

 

              Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 3 (Kotte).

 

              Statistik der öffentlichen Badeanstalten seit 1897 (BLK-A. Nr. 820)

Innerhalb der letzten 10 Jahre wurden von den öffentlichen Badeanstalten (Borlachbad, Ritterbad, Wilhelmsbad, Kaiserin-Auguste-Viktoria) im Jahresdurchschnitt 9700 Solebäder für Erwachsene und 3600 für Kinder abgegeben. Dazu kamen 1.330 Solebäder zu ermäßigten Preisen und 1700 Wasserbäder.   

 

1907

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Diesmal war man beschlussfähig und Siebold war wieder Vorsteher. Der Magistrat lehnte den Verkauf des Rathausgartens an die berbigsche Stiftung ab. Die Empfehlung zur Einschulung der  Fränkenauer Kindern wurde dahingehend erweitert, dass man maximal 20 Kinder kostenlos einschulen würde, wenn sich die Landesschule verpflichtet, auf die dauerhafte oder zeitweilige Unterbringung ihrer Bediensteten im Stadtgebiet zu verzichten.

 

  1. Mär. Antrag des Kukulauer Domänenpächters Wolf (BLK-A. Nr. 3)

Das betraf die Aufnahme der dortigen Kinder in die Stadtschule, wobei es sich nur um den Sohn des Gärtners handelte. Später würde es  6 bis 10 Kinder betreffen.

 

  1. Mär. Beschwerde der Erben des Heller`schen Hauses (BLK-A. Nr. 3)

In das nebenstehende Körner`sche Haus in der „neu angelegten“ Salinenstraße hatte sich der Musikdirektor eingemietet und übte hier mit der Kurkapelle, worüber sich  die ünbrigen Mieter beschwerten und die Ortspolizeibehörde aufforderten, derartige Belästigungen zu unterbinden.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. 600).

Die Fa. Körting aus Körtingsdorf wurde beauftragt, im Inhalatorium  eine neue Inhalieranlage bis zu Saisonbeginn zu installieren.

 

  1. Apr. Die Kgl. Bahndirektion genehmigt die Bezeichnung „Station Bad Kösen“ (NZ).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

„Die Herren Kersten, Naumann, Seiffert, Wolff verlassen vor Eintritt der Tagesordnung die Versammlung, ebenfalls der Hr. Bürgermeister, weil die St.V.V. die Herren Kretschmar und Kersten wegen in der Sitzung vom 18. März  gebrauchten Bemerkungen gegen außerhalb des Kollegiums stehende Personen, die als ungehörig und  als einen erheblichen Verstoß gegen die Ordnung bezeichnet, nachträglich zur Ordnung rief. Beide Herren protestierten gegen den Ordnungsruf und erklärt Hr. Kersten das Vorgehen der Vorstehers als Vertrauensbruch. Die Sitzung wurde, da nur noch 6 St.V. anwesend sind, geschlossen“ gez. Heckenberg.

In der darauf folgenden Sitzung erklärten Kretschmar und Kersten, dass keine Beleidigung beabsichtigt war und Siebold nahm den Ordnungsruf zurück. 

 

  1. Apr. H. Weber beantragt eine Bohrung auf Sole vor seinem Gasthof.

Das Oberbergamt lehnte dies rundweg ab.

 

  1. Apr. Erstes Schaussieden (NZ).

Fast 50 Jahre nach der Einstellung des industriellen Siedebetriebes erteilte das Oberbergamt die Erlaubnis, unter der Aufsicht des Salzamtes und unter strengen Auflagen wieder eine begrenztes Quantum Sole des Borlachschachtes zu versieden. Einmal im Jahr wurde mit einer kleinen Pfanne ein Schausieden durchgeführt. Das gewonnene Salz (2.250 kg) wurde als Badesalz verkauft und die Mutterlauge als Heilmittel verkauft.

Gleichzeitig eröffneten zwei Andenkenläden, die Balnea-Halle am Bahnhof (heute Buswartehalle) und die Hohenzollern-Halle zwischen der Brücke und dem „Mutigen Ritter“(abgebrochen im Zuge der Begradigung der Naumburger Chaussee). Verkauft wurden Ansichtskarten, Reiseandenken, Spiel- und Rauchwaren.     

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Bei der Installation der neuen Inhalieranlage, zeigte sich erhebliche Schäden an der Bauhülle. Die Fa. Blumentritt wurde beauftragt nur gut gebrannte Steine ohne Kalkeinschlüsse zu verwenden. Die Zimmererarbeiten übernahm die Fa. Toepfer. Beiden wurde 30 Mark Vertragsstrafe für jeden Tag, der über drei Wochen Bauzeit ging, angedroht.

Da ging es um die Eingemeindung der Fränkenauer Wiese, falls die Differenzen wegen der Bauflucht und der Straßenbreite der kleinen Promenade beigelegt würden, sowie die Ausführung des Kanals wenn die Schule die Finanzierung zusagt.

 

  1. Mai Übernahme des Arndt`schen Anwesens durch die Diakonissen-Station (Röblitz, 1930).

Bereits 1904 hatte Jenny v. Gerstenbergk bestimmte Verfügungen „über die zukünftige Verwendung ihres wundervollen Besitztums“ getroffen  (Lazarus-Freundesbrief 1991). Nun konnte im Arndt`schen Haus ein Damenstift eingerichtet werden, nachdem auch die Aufsichtsbehörden einer Übernahme zugestimmt hatten.

Pastor Dr. Johannes Wichern, der Schwiegersohn von Dr. Rosenberger wurde in den Vorstand der Diakonissenstation berufen, wo inzwischen zwei Schwestern (Auguste Karras und Caroline Lukas) tätig waren.

     

  1. Mai Antrag Kerstens zur Soleversorgung des gesamten Stadtgebiet (BLK-A. Nr. 3)

Lange Wartezeiten bei den vier öffentlichen Warmbadeanstalten sorgten immer wieder für Unmut unter den Badegästen. Viele äußerten auch den Wunsch, wegen der Bequemlichkeit gleich in ihren Quartieren zu baden.

 

  1. Mai Änderung der Kurtaxordnung (NZ).

Um auch Besucher aus dem Umland zu werben, wurden  Kurkarten zu ermäßigten Preisen den Einwohnern der Landgemeinden im 6 km Umkreis einschließlich der Stadt Naumburg offeriert.

 

  1. Mai Konzert zu Himmelfahrt auf der Rudelsburg (priv).

Es spielte das Musikkorps  des 2. Thüringische Feld-Artillerie-Regiments Nr. 55.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 600, NZ)

Der Vorschlag Ohms die Soleleitung auf Kosten der Stadt zu verlegen, wurde wegen der aufzwendenden 20.000 Mark von den übrigen Stadtverordneten einstimmig abgelehnt. Ein Antrag Kerstens, jedem Bürger zu gestatten, auf eigene Kosten eine derartige Rohrleitung zu errichten wurde mit 8 zu 4 Stimmen abgelehnt. Der Antrag von Dr. Risse, diese Angelegenheit von einer Kommission prüfen zu lassen, wurde mit 7 zu 5 Stimmen angenommen. Beschlossen wurde eine Verringerung Soleabgabepreis um 15 Pfennig für den Hektoliter für diejenigen, die ihre Sole am Schacht abholten. Sollte  dem der Magistrat nicht zustimmen, wollte man den Bezirksausschuss anrufen.

 

  1. Mai Veröffentlichung einer neuen Kurtaxordnung (NZ).

Die ersetzte die 1895 beschlossene und mit mehreren Nachträgen versehene Regelung.

 

  1. Mai Vorschlag der „Soleleitungskommission“ (BLK-A. Nr. 3)

Demnach könnte jeder Hausbesitzer allein oder mit weitern Interessenten auf eigene Kosten eine Soleleitung errichten. Dafür würde eine jährliche Nutzungsgebühr von 5 Mark für jeden Einzelanschluss erhoben.

 

  1. Juni Amtliche Personenstanderfassung (NZB).

Am Stichtag gab es 806 Haushalte und 3.799 Personen erfasst, darunter rund 800 Kurgäste. Erfasst wurden 158 Landwirtschaftskarten und 260 gewerbliche Einrichtungen.

 

  1. Juni Vertrauliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 600)

Behandelt wurde ein von Direktor Kersten und seinen Parteigängern eingebrachte Antrag zur Eingemeindung des Äbtischen Holzes und der Zementfabrik. Auf Antrag wurde die Geheimhaltung aufgehoben und  die Prüfung der Eingemeindung von ganz Lengefeld beschlossen.

 

  1. Juni Wiedereröffnung des Inhalatoriums nach Umbauarbeiten (NZ).

Dabei wurde das auf den natürlichen Höhendruck beruhende Zerstäubungssystem von einer modernen durch einen Kompressor betriebene Druckluftzerstäubung ersetzt. Dieses Patent der Fa. Körting die „temperierte Trockeninhalation“ bestand in der komplexen Verbindung der Solezerstäubung mit einem sinnvollen  Heizungs- und Lüftungssystem.

 

  1. Juni Mitteilung des Magistrats an den Vorsteher (BLK-A. Nr. 3)

Die Königl. Regierung hatte die Übertragung des Arndtschen Hauses an die Diakonissenanstalt und den Preis für den Quadratmeter  Rathausgartens von 8 Mark genehmigt.

 

  1. Juli Wiedereröffnung des „Borlachbades“ (NZ).

Die Anstalt firmierte nun als „Dr. Karl Schützes Sanatorium Borlachbad GmbH“ unter wurde von einer Oberin geleitet.

 

  1. Juli Aufenthalt des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (NZ).

Anläßlich einer Stabsübung nahm der Thronfolger samt Gefolge Quartier im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Juli Einweihung eines Gedenksteines für den Feuerwehrmann A. Kuppi (NZ).

Dieser hatte am 24. Januar bei Eisgang ein Kind aus der Saale gerettet und selbst umgekommen.

 

  1. Juli Durchführung des ersten Bezirksturnfestes (BLK-A. Nr. 3, NZ 1910).

700 Teilnehmer aus 22 Vereinen trafen sich an der „Katze“ zu sportlichen Freiübungen. Nach dem Mittagessen ging ein Umzug zum Festplatz. Am Nachmittag heulte die Sirene. Im Grundstück des Bankiers Krüger brannten zwei Holzschuppen, die Flammen gefährdeten das daneben liegende Inhalatorium. Mit Hilfe der Turner konnte ein Übergreifen verhindert werden.

 

  1. Juli Erneuter Zwangsversteigerungstermin der Gaststätte „Rektorberg“(NZ).

 

  1. Juli Gutachten zum Zustand des städtischen Stromnetzes (BLK-A. Nr. 3)

Das war in einem „äußerst vernachlässigten“ Zustand.  Die Akkumulatorenbatterien waren defekt, die Isolatoren von auslaufender Säure zerfressen, in die Freileitungen war das Geäst der Straßenbäume gewachsen,  die 44 im Jahr 1889 gesetzten Holzmasten waren verfault, das Porzellan der Isolatoren zerbrochen. Alle 200 Sicherungsisolatoren waren oxydiert, die Straßenlampen verrostet, durchhängende Freileitungen berührten sich bei Wind, bei den Hausanschlüssen fehlten die Sicherungen, durch Erdschlüsse war der Stromverlust hoch. Die reparaturkosten überstiegen die Möglichkeiten der Stadtkasse.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Vorstellung zur Beseitigung des Schrankenüberganges (NZ).

Der Magistrat und Bürgermeister Kretzschmar erklärten die Bereitsschaft der Stadt, unter bestimmten Bedingungen die Vorschläge der Kommission zu unterstützen. Die sahen vor, die Eisenbahnbrücke so zu verbreitern, dass der gesamte Fuß- und Fahrverkehr von und zur Saalstraße, Eckartsbergaer Straße, Lindenstraße und Gerstenbergkpromenade  darunter hinweg geht. Anstelle  des Schienenübergangs am Bahnhof müsse ein Überweg von der hinteren Borlachstraße zur Lengefelder Landstraße gebaut werden. Voraussetzung war, dass der Stadt keine Kosten entsstehen und die Ausführung von der Kgl. Bahnverwaltung übernommen wird.

 

  1. Aug. Nachtrag zur Kurtaxordnung (MER C48 Ih Nr. 920)

Kurkarten mußten nun schon bei einem Aufenthalt, länger als drei aufeinander folgende Tage erworben werden. Daher wurden Wochenkarten bis zu 6 Tage für 3 Mark für Einzelpersonen bzw. 6 Mark für Familien, 2-Wochen- und Saisonkarten eingeführt  .

 

  1. Sep. Letzte Vorstellung des Kurtheaters (NZ).

Die Saison begann mit „Käthchen von Heilbronn“ und endete mit „Minna von Barnhelm“. Insgesamt gab es 50 Vorstellungen,  darunter waren 24 Erstaufführungen.

 

  1. Sep. Schreiben einer Dame aus Forst an den Vorsteher Haußner (BLK-A. Nr, 3)

„Auf Ihr wertes Schreiben teile ich Ihnen mit, daß sich der Herr Kersten mir gegenüber seiner Zeit im Inhahatorium höflich benommen hat, möchte aber, da ich voraussichtlich Bad Kösen im kommenden Jahr wieder aufsuchen werde, mit betreffenden Herrn keine Auseinandersetzung haben.“

 

  1. Sep. Beschwerde beim Bezirksausschusses wegen der Soleversorgung (BLK-A. Nr. 3)

Die an einem Anschluss ihrer Häuser interessierten Einwohner (Rutschmann, Kniesche, Toepfer, Meissner, Eckhardt, Weise, Ohm  und Dittmann) beklagten sich, weil der von Ohm im Mai eingebrachte Antrag und die nachfolgende Empfehlung der Kommission „Die Zuführung der Soleleitung wird jedem Bewohner von Bad Kösen unter Zugrundelegung einer zivilrechtlichen Vereinbarung freigegeben“  zwar von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, vom Magistrat abgelehnt wurde, mit der Begründung dass damit die bestehenden öffentlichen Badeanstalten geschädigt würden, jeder hätte die Möglichkeit die Sole am Schacht abzuholen, außerdem gibt es Mutterlauge und Badesalz zur Bereitung häuslicher Bäder in ausreichender Menge und im Übrigen würden sich derartige Bäder der Kontrolle der Badedirektion entziehen. Die Beschwerdeführer verlangten vom Bezirksausschuss den Einspruch des Magistrats aufzuheben und den der Versammlung zu bestätigen, zumal der Magistrats-Beschluß keine Rechtskraft besitzt, weil er unter Mitwirkung der beiden Magistratsmitglieder gefasst wurde, die selbst Badeanstalten besitzen (Weber, Dr. Schütze). Laut Städte-Ordnung könnten alle Einwohner öffentliche Gemeindeanstalten benutzen, was demzufolge auch für die Soleförderungsanlagen gelte und außerdem müsse der Gleichheitsgrundsatz gelten. Daraus folgt, der Magistrat unterdrückt das Gemeinwohl zu Gunsten der vier Badeanstaltsbesitzer, bestätigt zwar, dass der Bedarf weiterer Badeanstalten bestünde weil es lange Wartezeiten gab weil es immer weniger Wannen geworden waren, will aber Konkurrenz verhindern. Auch die Ablehnung der Senkung des Solepreises wurde vorgebracht. Der Bezirksausschuss lehnte ab er sei dafür nicht zuständig.

 

  1. Nov. Gebührenordnung für die städtische Leichenhalle (MER C 48 Ih Nr. 920)

Die Aufbewahrung der leiche kostet 2 Mark/Tag, die Leichenfeier 5 Mark und die Aufbahrung  von Leichen 8 Mark.

 

  1. Nov. Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 3)

Eine Anfrage auf Ausrichtung des nächsten Thüringer Bädertages wurde mit Verweis auf leere Kassen abgelehnt.

 

  1. Nov. Diskussion über den Bau einer Straßenbahnverbindung (NZ, St.-A. 285).

Den Städten Naumburg und Kösen lag ein Angebot der Firma Kontinentale Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Berlin vor, zwischen beiden Orten eine elektrische Bahn zu errichten. Es wurde ein Ausschuss mit Vertretern aus Naumburg, Altenburg, Pforte und Kösen gebildet.

 

  1. Dez. Erhebung zum Rettungswesen auf Binnengewässern (BLK-A. Nr. 879).

Hier betraf es die Badeanstalt von Gräfe in der Rudelsburgpromenade, Fähre, Ruderstation und Wintereisbahn von K. Friedrich, die Fähre an den Saalhäusern (Schumann). Die Fähre an der „Katze“ gehörte zum Gerichtsbezirk von Kreipitzsch, die am Fischhaus zum Gutsbezirk Pforte. 

 

  1. Dez. F. Faust erwirbt die „Schöne Aussicht“ für 35.000 Mark (NZ).

 

  1. Dez. Beschlussvorlage des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 3)

„Zum Zwecke der baldmöglichsten Enteignung des zwischen den Grundstücken Blumentritt und Haußner liegende Verbindungswegs von der Borlachstraße zur Burgstraße“ ein im öffentliche dringend gebotene Entscheidung, weil hier der Verbindungsweg zum Jochenberg entstehen sollte. Auch wenn für die Erarbeitung des Bebauungsplanes noch geraume Zeit vergeht, so hatte die Schließung des Weges durch Herrn Haußner bereits  erheblichen Protest der Anwohner hervorgerufen, was seitens des Magistrats nicht ganz unberücksichtigt bleiben könne.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Kgl. Landesschule hatte die Verpachtung einer Fläche am Gradierwerk zur Anlage einer Promenade abgelehnt, weil die Stadt die Aufnahme der Kinder aus Fränkenau in die städtische Schule an bestimmte Bedingungen geknüpft hatte. Beschlossen wurde die Eingemeindung von 5 bebauten Grundstücken entlang der kleinen Promenade (F. A. Koch, Magistrat, Papst, Becker u. Blaufuß) Bletzteren gab es Probleme wegen der Nichteinhaltung der Städtebauordnung. Abgelehnt wurde die von Bgm. Kretschmar und P. Kersten angestrebte Herauslösung der Zementfabrik aus dem Landgemeindebezirk Lengefeld und deren Eingemeindung, was der Stadt natürlich erhebliche Steuereinnahmen beschert hätte.

           

      Dez. Verwaltungsbericht nach § 61 der Städteordnung (NZ).

Das Stadtgebiet erstreckte sich auf 158,7 ha und war mit 546 Wohn- und Gewerbegebäuden bebaut. Die 136 Gewerbetreibenden zahlten 3.515 Mark Steuern, 35 Gewerbetreibende waren geneüber dem Kreis steuerpflichtig. Die Poststelle registrierte 492.000 eingegangene und 451.000 aufgegebene Briefsendungen in den 12 Briefkästen. Die Bahnverwaltung verkaufte 201.000 Fahrkarten. An der 7-klassigen Stadtschule  unterrichteten die 6 Lehrer 393 Kinder. Der Magistrat brachte es auf 55 Sitzungen,  die Stadtverordneten auf 28.

Das Bad besuchten 3.105 Kurgäste und 2.954 Passanten, 16.700 Solebäder und 8.500 Inhalationen wurden abgegeben.  

 

             Wilhelm Bröker übersiedelt nach Kösen (Wikipedia).

Der 1848 in Berlin geborene Bröker studierte in Berlin Holzschnitt und kam über die Lithographie zur Malerei, vorzugsweise der Landschaftsmalerei. Er war seit 1870 auf den Ausstellungen der Berliner Akademie vertreten und Mitglied der dortigen Künstlervereinigung.  1912 starb seine unverheiratete Tochter im Alter von 37. 1930 seine Ehefrau und 1933 Bröker selbst. Das Grab befindet sich noch auf dem Friedhof. Brökers Werke sind im Besitz der Nationalgalerie, Bilder aus der Kösener Zeit hinterließ er der Stadt (s. St.-A. Nr. 465)

 

1908

 

  1. Jan. Einweihung des Hospiz der Diakonissenstation (Lazarus-Freundesbrief 1991, NZ).

Leiterin wurde Schwester Auguste, an ihre Stelle trat eine zweite Gemeindeschwester. Aufgenommen wurden „alleinstehende, pflegebedürftige, altersschwache und genesende Damen“ zeitweilig oder dauern. Das Zimmer kostete zwischen 3 und 5 Mark, zwei Zimmer 6 Mark pro Tag. Darin eingeschlossen waren die komplette Verpflegung (5x am Tag), Heizung und Beleuchtung, die Reinigung der Bettwäsche und Handtücher sowie die Pflege durch die Schwester. Die durch Miete nicht gedeckten Kosten sollten aus der Gerstenbergk`schen Stiftung ausgeglichen werden. Drei Monate später kamen die ersten vier Bewohnerinnen.     

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Als Vorsteher Siebold dem Ratsschöffen Dr. Schütze das Wort entzog, verließ dieser die Versammlung. Wegen der dem Bürgermeister unterstellte eigenmächtige Änderung der Wahllisten kam es zu erheblichen  Differenzen zwischen Magistrat und Stadtverordneten.

 

  1. Feb. Erklärung des Verschönerungsvereins (BLK-A. Nr. 390)

Man erklärte sich zur Kostenübernahme der Pflege der Waldwege und Bänke, wenn diese jährlich 175 Mark übersteigen würden.

 

  1. Feb. 2. Nachtrag zum Ortsstatut (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Zahl der Stadtverordneten wurde auf 18 erhöht.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal fehlten die beiden Ratsschöffen und der Bürgermeister geriet mit dem Vorsteher wegen einiger Vorlagen erneut in heftigen Streit. Kretschmar verließ daraufhin die Versammlung, vor ihm waren bereits drei Stadtverordnete gegangen, womit die Versammlung beschlussunfähig war.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Auch diesmal verließ Kretzschmar die Versammlung. Ihm schlossen sich 4 Stadtverordnete an.

 

  1. Mär. Veröffentlichung der Bestimmungen zur Wohnungskontrolle (NZ).

Polizeiverwaltung und Gesundheitskommission war es erlaubt, Wohnungen auf die Einhaltung der baurechtlichen, der hygienischen- und sicherheitstechnischen Bestimmungen zu kontrollieren und  Auflagen zur Mängelbeseitigung zu erteilen 

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diese beschloss den Beitritt zum Heimatschutzbund der sich dem Naturschutz und dem Erhalt der kulturellen Tradition widmete. Der Aufnahme der Kinder der Domäne Fränkenau in der Stadtschule stimmte man unter Vorbehalt des Abbruchs der Frohnhäuser an der Eckartsbergaer Chaussee (heute Nr. 19) zu.  Außerdem beschloss man „eine durchgreifende Vergrößerung und Verbesserung  des elektrischen Werkes“.

 

  1. Mär. Protest der Hotelbesitzer und Restaurateure (NZ).

Gastwirt Weber hatte verlauten lassen, im Souterrain des „Mutigen Ritters“ eine Restauration einzurichten, woraufhin mehrere Konkurrenten verlenngten, ihm keine Konzession zu erteilen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Landrat Frh. v. Schele sollte hier im Streit zwischen Magistrat und Stadtverordneten wegen der Besetzung der Schuldeputation zu vermitteln. Doch gleich zu Beginn gerieten Kretschmar und der Vorsteher in Streit, worauf der Bürgermeister die Versammlung verließ, ohne das Erscheinen des Landrates abzuwarten.

 

  1. Apr. Neuer Pächter des „Himmelreichs“ ist der Müller H. Kleinschmidt (NZ).

 

  1. Apr. Ausstellung der Saalecker Werkstätten im Kurgarten (NZ).

Präsentiert wurden Möbel, die in den Saalecker Werkstätten entworfen und hergestellt wurden. In  Berlin wurde eine Dauerausstellung eingerichtet.

 

  1. Mai Plan eines Luft- und Sonnenbades am Gradierwerk (NZ).

Der Entwurf vom Baurat Schmidt sah zwei getrennte und mit Sichtschutz versehenen Abteilungen für Damen und Herren mit Rasenfläche, Liege- und Sitzgelegenheiten sowie Ankleidekabinen vor. Die Kasse mit Lager war massiv und steht heute noch heute.

Gleichzeitig wurde am Gradierwerk eine 80 Meter lange überdachte Wandelhalle gebaut (Röblitz 1930)

 

  1. Mai Ein Unwetter entlädt sich über der Fränkenauer Höhe und den Saalbergen (NZ).

Der Hagel vernichtete fast die gesamten Fruchtansätze bei Obst und Wein. Die Fränkenauer Hohle und der Weg zu den Saalhäusern mussten wegen des angeschwemmten Gerölls gesperrt werden. Am 17. Juni folgte erneut ein Unwetter, das nun auch bei den Feldfrüchten Schaden anrichtete. Zur Linderung der Not der betroffenenen ärmeren Anliegern wurde eine Sammlung organisiert.

 

  1. Juni Landtagswahl (NKB).

Die beiden Wahlbezirke hatten 2.990 „Seelen“.

 

  1. Juli Verhandlung der Strafkammer des Kgl. Landgerichts Naumburg (NZ).

Bürgermeister Kretschmar hatte sich angeblich bei einer Feierlichkeit im Kurgarten mit einer Dame in eine Kammer eingeschlossen und sei dort zudringlich geworden. Das hatten die Stadtverordneten Haußner und Körner öffentlich gemacht, worauf Kretschmar die beiden  verklagte. Nach der Beweisaufnahme und  der Vernehmung von rund 40 Zeugen wurden Haußner wegen Verleumdung zu 2 Monaten Gefängnis und Körner zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt.

 

  1. Juli Aufführung der „Rabensteinerin“ von Wildenbruch auf der Rudelsburg (NZ).

Nach  der Uraufführungen im Kurgarten  mit dem Kösener Kurtheater unter Leitung des Hofschauspielers Ernst  Albert folgten Freilichtaufführungen auf der Rudelsburg.

 

  1. Aug. Protestbrief des Stadtverordnetenvorstehers Siebold (NZ).

Unter der Überschrift „Zementindustrie oder Bad“ ging es um die vom Magistrat und Kersten betriebene Eingemeindung des Kalkwerks.

 

21.Aug. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Erneut eskalierte der Streit, da der Magistrat eine Beschlussvorlage zur Eingemeindung des Kalkwerks einbrachte. Zu Siebold  Partei gehörten Ohm, Körner, Blumentritt, Haußner, Dr. Risse, Toepfer, Kerstens parteigänger waren  Dr. Schütze  und der Buchbinder Wolf. Die verließen die Versammlung, womit die Beschlussfähigkeit fehlte.                            

 

  1. Aug. Kuraufenthalt „Ihrer Königlichen Hoheit“ der Herzogin von Württemberg (NZ).

Bürgermeister Kretschmar erhielt eine längere Audienz im „Mutigen Ritter“. Die Dame blieb bis Ende Oktober

 

  1. Aug. Letzte Saisonvorstellung des Kurtheaters (NZ).

Insgesamt wurden 48 Vorstellungen von 19 verschiednenen Stücken unter Leitung des Direktors Albert gegeben, darunter Neuaufführunge wie Shakespeares „Richard III.“

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Nach einem heftigen Schlagabtausch zwischen Dr. Risse und P. Kersten verließ letzterer gemeinsam mit seinen Parteigängern die Sitzung, womit diese erneut nicht beschlussfähig war. Daraufhin berief der Stadtverordnetenvorsteher Siebold am nächsten Tag eine dringende öffentliche Sitzung ein. Diesmal blieb auch der Magistrat fern. Allerdings waren nach Ansicht des Vorsitzenden die 5 anwesenden Stadtverordneten beschlussfähig, die dann wunschgemäß den  Antrag auf Eingemeindung des Zementwerkes ablehnten. Danach kam es zu einer scharfen und polemischen Auseinandersetzung  zwischen Siebold und Kersten in der Presse.

 

  1. Sep. Ende der Kursaison (NZ).

Registriert wurden  3.350 Kurgäste (1907: 3.100). Die Kurtaxeinnahme betrug 12.400 Mark. Die Nachfrage bei den Motorbooten war so groß, dass Friedrich mit dem Bau eines dritten Bootes begann.

 

  1. Okt. Die Leitung der höheren Töchterschule übernimmt Frl. Possart (NZ).

Sie war die Tochter des Berliner Kunstmalers Possart (1837-1928), der für die Lutherkirche zwei Ölgemälde „Grablegung“ und „Auferstehung“ stiftete.

 

  1. Okt. „Über Inhalationen und das neue Inhalatorium -Patent Körting- zu Bad Kösen“ (NZ).

Das war der Nachdruck eines von Dr. Schütze für das Fachblatt des ADBV verfassten Artikels. Darin ging er auf die Vorteile der Rauminhalation gegenüber der Freiluftinhalation ein. Die   hatte den Nachteil, dass die Umgebungsluft durch die Verdunstung stark abkühlte und Erkältungen Vorschub leistete. Das wäre beim Rauminhalatorium ausgeschlossen. Dazu klam, dass anstelle der bisher üblichen Methode die Sole unter natürlichen Druck im Raum zu zerstäuben, inzwischen ein Kompressor die Sole in feinste Teilchen zerstäubt und ihr dabei fast vollständig die flüssigen Bestandteile entzieht und die Aerolsole bis in die Lungenbläschen eindringen könnten. Durch eine sinnvolle Kombination von Lüftungs- und Heizungssystem wäre eine ganzjährige Nutzung ohne nachteile gegeben. Allerdings würde die bauliche Hülle des Inhalatoriums in keiner Weise den Erfordernissen dieser Körtingschen Technik entsprechen.    

 

  1. Okt. Vorschlag des Bürgermeisters zum Bau des Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Kretschmar schlug eine Lösung vor, von der er glaubte mehrere Probleme gleichzeitig zu lösen Demnach sollte das desolate Armenhaus in der Burgstraße (16) abgebrochen werden und die bewohner in das angrenzend Kranken- und Siechenhaus untergebracht werden. Anstelle des Armenhauses sollte die Kinderbewahranstalt gebaut werden, um nun das Vermächtnis der Therese Berbig zu erfüllen. Das Krankenhaus sollte wegen der von solchen Einrichtungen ausgehenden Infektionsgefahr möglichst außerhalb des Stadtbezirks gebaut werden.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Von den 12 Stadtverordneten waren 8 und der Magistrat anwesend.

 

  1. Okt. Studie zur Erweiterung des städtischen E-Werkes (NZ, St.-A. Nr. 550).

Wegen der ständigen Ausfälle und der geringen Leistungsfähigkeit hatte man einen Gutachter beauftragt. Die Untersuchungen des Ingenieurs Wilhelm Kurz ergaben, dass bei einer Erhöhung des Wehrdammes um 18 cm und dem Einbau von Francisturbinen in den beiden Radhäusern die Leistung von derzeit 70 PS auf 277 PS erhöht werden könnte, ohne das Aufschlagwasser für die Mühle und die Landesschule zu vermindern. Voraussetzung waren die die verbreiterung des Einfalls der kleinen Saale und die verlängerung der Untergerinne bis hinter die Bahnbrücke . Von Vorteil wäre auch, dass beim Umbau der oberen Wasserkunst, die untere Wasserkunst weiter betrieben werden kann. Allerdings muss das Kunstgestänge abgehängt werden. Die Schachtpumpen könnten übergangsweise von einer Lokomobile angetrieben werden, dann wäre der Anschluss an das E-Werk möglich. Für den Umbau rechnete er mit 114.000 Mark, wesentlich günstiger als  eine Dampfturbine, für deren Antrieb ein separates Heizwerk gebaut werden müsse, dessen jährliche Betriebskosten mindestens doppelt so hoch waren. Zu berücksischtigen wäre außerdem, dass die am Oberlauf der Saale geplanten Talsperren einen wesentlich konstanteren Wasserzulauf über das Jahr gewährleisten.

 

  1. Okt. Urteil der Kgl. Wasserbaudirektion zum Wehraufsatz (St.-A. Nr. 550)

Zur Stabilisierung des Aufschlagwassers für das städtische E-Werk hatte die Stadt einen Aufsatz auf dem Wehrdamm errichtet und erst im Nachgang die Genehmigung beantragt, mit der Begründung, dass sich die Wehrkrone gesenkt habe und die Ufer von den Anwohner akls blageplätze benutzt wurden, womit der Zulauf zur kleinen Saale behindert sei. Die Behörde verwies aber darauf, dass sie hierfür nicht zuständig sei: „Die Saale von der Unstrutmündung aufwärts ist kein öffentlicher  sondern ein privater Fluß und unterliegt nicht der Kgl. Wasserbauverwaltung sondern der Ortspolizeibehörde (Gesetz v. 1843). Diese ist daher auch dafür zuständig, daß die Anwohner keinen Abfall und Schutt am Ufer lagern, der z. B. den Zufluß der kleinen Saale behindert“. 

 

  1. Nov. Die Gastwirtschaft „Rudelsburg“ erhält die Gast- und Schankkonzession (NZ).

Die befand sich in der Rudelsburgpromemade 9. Zunächst hatte der Kreisausschuss die  Genehmigung verweigert, daraufhin klagte die Inhaberin vor dem Bezirksausschuss und bekam die Genehmigung.

 

               Auf der Brücke werden  4 Kandelaber installiert (NZ).

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Erneut kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Bürgermeister und dem Vorsteher diesmal auf Grund der eigenmächtigen Einstellung eines Polizeikommissars durch den Magistrat.

 

  1. Nov. Vorstandssitzung des Hausbesitzervereins (NZ).

Durch einige Anmerkungen von Kersten wegen der Tagesordnung, fühlten sich einige  Vorstandmitglieder brüskiert und verließen bis auf einen die Versammlung. Daraufhin erklärte sich Kersten zum Versammlungsleiter und ließ die Presse zu.

Auf der Tagesordnung stand der Neubau eines Kurhauses in Verbindung mit einer neuen Solequelle. Nach dem Gutachten von Prof. Beyschlag wäre die Erschließung im unteren Kurpark am sichersten. Dagegen stand eine Verfügung, im Überflutungsgebiet keine Bauten zu errichten. Daher wurde vorgeschlagen, die den „Mutigen Ritter“ und die Schäferei zu erwerben und dort das Kurhaus zu errichten. Für Landkauf und Bau wurden 875.000 Mark veranschlagt. Der magistrat wurde beauftragt die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen.

 

  1. Nov. Wahlen für die Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Wahl der turnusmäßig ausgeschiedenen Mitglieder wurde bestätigt, ebenso die Wahl  der neuen Stadtverordneten, womit die  Stadtverordnetenversammlung auf 18 Mitglieder stieg. In der I. Abt. waren es der Brauereidirektor Rutschmann und der Schneider Troll, in der II. Abteilung Landwirt Genth und Rentier Gibhardt und in der III. Abt. Gen.-Ltn. Stieler v. Heydekampf und Postmeister i. R. Eckleben. Die neuen Stadtverordneten gehörten zum Großteil nicht zu den Parteigängern P. Kerstens, weshalb dessen Einfluss auf die Kommunalpolitik schwand. Bei der Ergänzungswahl der Ratsschöffen löste Siebold Dr. Schütze ab und Roßner wurde wiedergewählt.

 

      Nov. Untersuchung der Quellsole (Führer durch Bad Kösen 1910).

Die Kgl. Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung in Berlin wies die Radioaktivität der  Quellsole nach. Damit war die zu der Zeit in Mode kommende Einrichtung eines „Emanatoriums“ möglich.

 

  1. Dez. Studie zum Zustand des städtischen E-Werkes (BLK-A. Nr. 670)

Den Zeitungsartikel zum Anlass nehmend, legte Bürgermeister Kretschmar der Stadtverordnetenversammlung eine Analyse vor. Das Ergebnis war ernüchternd. Die tatsächliche Leistung des Wasserrades betrug nur noch 18 PS von einstmals 40 PS, der Reservebenzinmotor brachte es auf 13 PS. Die Akkumulatorenbatterien waren wegen Erdschluss vollständig ausgefallen. Angeschlossen waren noch die 140 Birnen der Straßenbeleuchtung, 350 Birnen  in Privathäusern von einst 1.100, 25 Birnen in städtischen Einrichtungen von ehemals 60, ein 6 PS Motor beim Glaser Faust und ein 15 PS Motor im Inhalatorium, der aber nur tagsüber in Betrieb war.  Kretschmar prognostizierte den Bedarf für weitere 700 Lampen in den Privathäusern, 9  Straßenlampen, 10 Motorenbetriebe mit 55 PS und 200 Anschlüsse für Kraftzwecke, wofür die Wasserkraft nicht ausreichen würde. Als Alternative schlug er einen Dampferzeuger vor.  

 

  1. Dez. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Schwerpunkt der Sitzung war das „Erweiterungsprojekt für das Elektrizitätswerk“. Zur Diskussion standen die Vorschläge des Ingenieurs Kurz und des Bürgermeisters. Die  Stadtverordnetenversammlung  plädierten dann für eine Dampfanlage mit einer Leistung von 150 PS zur Stromerzeugung. Zur Finanzierung sollte eine Anleihe von 115.000 Mark mit 4 Prozent Verzinsung bei der Landesversicherungsanstalt aufgenommen werden.  Als Standort wurde trotz einiger Bedenken die Fränkenauer Wiese favorisiert. Die lag zentral, was Spannungsverluste durch lange Freileitungen verminderte, hier konnte die erforderliche Kohle direkt per Bahn angefahren werden und die Verwaltung war in Sichtweite. Für den Ankauf der Wiese sollten der Landesschule Pforta  10.000 Mark angeboten werden. Für die Anlage sollte ein Werkmeister eingestellt werden, dem man freie Wohnung, Feuerung, Heizung sowie ein Jahresgehalt von 1.800 Mark bewilligte. Mit den Stromkunden sollten künftig die Lieferbedingungen vertraglich fest vereinbart werden. Die Mehrheit der Stadtverordneten stimmte zu, obwohl die Wahl des Platzes erhebliche Nachteile für das Bad wegen der Lärm- und Rauchbelästigung mit sich gebracht hätte. Aber man sah auch die Möglichkeit, unmittelbar daneben  ein Gewächshaus für die Stadtgärtnerei und später ein Volksbad zu errichten. Die Abstimmung wurde jedoch verschoben, da 8 Stadtverordnete nicht anwesend waren.

 

            Verwaltungsbericht des Magistrats (NZ).

Das Stadtgebiet umfasste 159 Hektar, 16 Hektar mehr als 1898. Die Anzahl der Wohn- und Geschäftsgebäude der höheren Steuerklasse betrug 550, die Einwohnerzahl 2.993, davon 914 Männer, 1.274 Frauen und 805 Kinder unter 14 Jahren. In den 4 Steuerklassen wurden 136 Betriebe erfasst, davon  35 Gast- bzw. Schankwirtschaften. 15 Almosenempfänger  waren auf die städtische Armenpflege angewiesen.  An Veranstaltungen wurden aufgelistet: 42 Vereinsfeiern, 64 öffentliche Tanzveranstaltungen, 50 Theatervorstellungen, 10 Konzerte, 7 Schaustellerrummel.

 

1909

 

  1. Jan. Die Rentnerin Juliane Sophia Katharina Wilhelmina Kumbruch verstirbt (Röblitz 1930)

Sie wurde 87 Jahre. Ihrer Familie gehörte das „Lange Haus“ (R.-Breitscheid Str. 1) dass sie vom Hotelier Weber erworben hatte. Hier wohnten auch ihr Sohn Richard (1848-1906) und dessen Ehefrau Maria Auguste 1853-1904) sowie ihre 1848 geborene Tochter Juliane Sophie Kumbruch, die das Anwesen erbte.

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Die 18 Stadtverordneten trafen sich im neuen Sitzungssaal. Neben dem Bürgermeister gab es nun 4 Ratsschöffen (Siebold, Weber jun,  Roßner, Saalborn). Dr. Löffler wurde zum Vorsteher gewählt,  die Kommissionen besetzt und die Anstellung eines Stadtgärtners mit einem Jahresgehalt von 1.200 Mark beschlossen.

 

  1. Jan. Beschwerde des Magistrats beim Innenministerium (MER C 48 Iib 2028 II)

Grund war eine Verfügung den gesamten Schriftverkehr mit den Oberbehörden zunächst beim Landratsamt einzureichen, durch die man sich in der Selbstverwaltung beeinträchtigt sah. Die Beschwerde wurde abgewiesn.  

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (NZ).

Die Besetzung der städtischen Kommissionen führt erneut zu heftigen Differenzen.

 

  1. Feb. Beschluss zur Verpachtung der Stadtsparkasse (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Die Mehrheit der Stadtverordneten hatten die vom Magistrat beantragte Einstellung eines zweiten Kassenbeamten abgelehnt und obwohl die Parteien untereinander zerstritten waren , mehrheitlich beschlossen , die Sparkasse von der städtischen Kasse zu trennen und zwei „kautionsfähigen“ Einwohnern zu übertragen. Als Aufwandsentschädigung sollten sie 30 bis 50 % des Reingewinns erhalten. Das der Magistrat dem Beschluß nicht zustimmte, ging er über den Behördenweg ins Innenministerium. Der Landrat erklärte in seiner Stellungnahme, daß ein derartiger Beschluß „nur dem in die Kösener verworrenen Parteiverhältnisse Eingeweihten erklärbar“ wäre. „Wie bekannt bestehen in Kösen zwei Parteien, eine national-liberal-konservativ unter der Führung S. Exz. Generalleutnant a.D. Stieler v. Heydekampf und eine freisinnige  unter der Führung des Fabrikdirektors Kersten. Die Parteien verhalten sich wie 2:1, der Bürgermeister gehört zur Partei Kerstens, während die Majorität des Magistrats zwar zur Gegenpartei gehört, sich aber oft vom Bürgermeister zu Beschlüssen bestimmen läßt, die eigentlich gegen die Parteiinteressen sind . Der z. Zt. wegen Majestätsbeleidigung vorbestrafte Direktor Kersten ist ein rücksichtsloser Mensch, dem  m. E.  jedes Mittel zur Erzwingung  seiner Zwecke recht ist.“  Doch weil der Bürgermeister zur Erleichterung seiner Aufgaben einen weiteren Beamten einstellen wollte „geschah das Unerwartete, die beiden feindlichen Parteien lehnten mit wenigen Ausnahmen die Magistratsvorlage ab und die Partei Kerstens versuchte nun die Sparkasse in die Hände zweier ihrer Parteigenossen zu bringen.“

Wegen fehlender rechtlichen Grundlage wurde der Beschluß als unzulässig erklärt und amtlicherseits aufgehoben.

Seit Gründung der Sparkasse waren die Einlagen von 10.000 auf fast 700.000 Mark, die Zahl der Sparbücher von 54 auf 2004 gestiegen. Waren im ersten Geschäftsjahr 10.000 Mark in Wertpapieren angelegt so waren es jetzt 237.000 Mark, weitere 400.000 Mark waren in  Hypotheken oder  Darlehen angelegt.

 

  1. Feb. H. Eckardt, der letzte noch lebende Salinenbeamte verstirbt (NZ).

 

  1. Feb. P. Kersten wirbt für ein städtisches Wasserkraftwerk (NZ).

Da die Bedenken über ein mitten im Ort gelegenes E-Werk auf Kohlenbasis nicht ausgeräumt werden konnten und die Zeit drängte, schlug Kersten vor, am der oberen Wasserkunst einen Generator anzuschließen, allerdings müßte das Gestänge abgehängt werden, um die Stromversorgung zu stabilisieren. Kersten verwies auch auf die Möglichkeit, durch Erhöhung des Wehrdamm der kleinen Saale mehr Wasser zuzuführen und an der Mündung in die Stromsaale eine Turbinenanlage einzurichten, die ausreicht Kösen, Pforte und Almrich mit Strom zu versorgen.

 

  1. Mär. Todestag von General-Leutnant Friedrich Leberecht von Strantz (Sterbereg.)

Strantz gehörte zum alten brandenburgischen Adel, aus dem namhafte Militärs hervorgegangen waren. Nach seiner Pensionierung nahm er hier seinen Wohnsitz. Verheiratet war er mit Clementine geb. Gräfin v. Reichenbach (1838-1924). Zur Familie gehörte auch der von 1901 bis 1903 hier zum Stadtverordneten gewählte Bezirksamtmann Kurt von Strantz.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Zwischen P. Kersten und dem Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Löffler kam es wegen einer vom Landrat angeordneten Rücknahme einer Beschwerde des Bürgermeisters über den damaligen  Stadtverordneten-Vorsteher Siebold  beim  Regierungspräsidenten zum Wortgefecht.

Diese besonderen „Kösener Verhältnisse“, standen dann bei einer Abgeordnetensitzung des preußischen Landtages auf der Tagesordnung. Der Abgeordnete Fischbeck meinte dazu „…der Landrat (habe) den neuen Bürgermeister (aufgefordert), fleißig den „Mutigen Ritter“ zu besuchen, denn die Kommunalpolitik werde in der Hauptsache dort am Stammtisch gemacht“. Auch das Oberverwaltungsgericht Charlottenburg beschäftigte sich mit dieser Angelegenheit.

 

  1. Mär. Besprechung zur Erhöhung des Wehrdammes (St.-A. Nr. 550)

Teilnehmer waren der Baurat Weber von der Wasserbaubehörde, Direktor Kracht, Stadt Naumburg, Bürgermeister Kretschmar, Ratsschöffe Weber, Prokurator Irmer, Mühlenbesitzer Roßner, der Altenburger Müller, der Fischereipächter Mende und der Holzhändler Graf. Vorgeschlagen wurde, einen Wehraufsatz mit einem beweglichen Mittelteil zum Durchlassen der Flöße einzurichten. 

 

  1. Mär. Angebote von Überlandzentralen zur Stromversorgung (BLK-A. Nr. 670)

Camburg und Vitzenburg bewarben sich für die Stromlieferung einschl. der Zuleitung und einer Umwandlerstation von Hoch- in Niederspannung. 

 

  1. Apr. Die höhere Töchterschule bezieht die Villa „Waldfrieden“ (NZ).

Zum Kollegium gehörten neben der Vorsteherin Margarethe Possart, zwei wissenschaftliche Lehrerinnen, ein Lehrer für Mathematik und Naturkunde sowie eine Handarbeitslehrerin

 

  1. Apr. Lokaltermin der Baupolizei am Hausgrundstück Parkstraße 12 (NZ).

Das Anwesen von Amalie Kranert war entgegen der Baugenehmigung mit drei Vollgeschossen und  einer Mansarde errichtet worden. Sie musste eine Geldstrafe zahlen, der Rückbau bleib ihr erspart, dafür die weitere Erhöhung des Seitenflügels untersagt.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Einleitend erklärte der Bürgermeister, den Ratsschöffen Siebold erst ins Amt einzuführen, wenn die Aufsichtsbehörde in seinem Klageverfahren entschieden hätte. Dann ginmg es um die Stromversorgung. Da das städtische E-Werk immer öfter ausfiel und damit die Entwicklung des bades gefährdet war, entschied man sich letztlich, mit dem Überlandwerk Camburg eine Stromliefervertrag abzuschließen. Ausschlaggeben war die Nähe und der Preis von 15 Pfennig/kWh. Außerdem wurden 20.000 Mark für die Schaffung der erforderlichen Ansachlüsse an das städtische Netz bewilligt.

 

  1. Apr. Besichtigung des städtischen Armenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Die Gesundheitskommission (Kreisarzt MR. Dr. Steinkopf, Baurat Schmidt, Polizei-Kommissar Schipke, Bgm. Kretschmar, Siebold) stellten fest, dass der 100jährige Bau nicht für den Aufenthalt  von Menschen geeignet sei. Beleuchtung, Raumhöhen und Beheizung  entsprächen nicht den bescheidensten Anforderungen.  Eine Zeichnung von Reichenbach zeigt ein eingeschossiges Anwesen an der Fränkenauer Trift , dass  7 x 13 Meter maß, mit schmalen Hof und einigen Schuppen (Burgst. 16)  

 

  1. Apr. Kapitalnachweis für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Für den Bau eines neuen städtischen Krankenhauses standen Mittel aus einem Fond sowie aus Vermächtnissen und Stiftungen zur Verfügung, insgesamt rund 27.200 Mark (14.400 Mark Senffsche Stiftung, 5100 Mark Berbigsche Stiftung, 3400 Mark Kumbruchsche Stiftung, 720 Mark Heunsche Stiftung, 3500 Mark Krankenhausbaufond). Doch das reichte nicht für Grunderwerb und Baukosten. Doch ein Neubau war unumgänglich geworden, da auch der ADHV eine für ein Bad angemessene Einrichtung drang.

Im städtischen Krankenhaus (Burgstraße 14) gab es fünf Plätze für Männer und drei für Frauen. Im Jahresdurchschnitt kamen hier 25 Männer und 8 Frauen unter, die  Männer durchschnittlich 15 Tage, die Frauen 20 Tage.       

 

            Apr. Die Witwe Groll aus Petersburg erwirbt die „Russische Villa“ (NZ).

Die Schwester des Bauherrn Corpus zog in die Villa.

 

  1. Apr. Beginn der Kursaison (NZ).

Erstmals öffneten die Badeeinrichtungen  zu Ostern und die Kursaison  begann am 1. Mai. Neu war die 1.000 m² großen Wandelhalle. Die tägliche Soleförderung betrug 60.000 Liter. Das  Gradierwerk war in  4 Repetierfälle eingeteilt, wobei die bis 20 % aufkonzentrierte Sole für die Behandlung von Hautkrankheiten verwendet wurde.

Gleichzeitig bekam der Bäcker Seiffert die Schankkonzession für sein Geschäft in der Querstraße. 

 

  1. Mai Einsatz eines Schulzuges von Camburg nach Naumburg (NZ).

Dieser wurde vor allem von Schülern   der höheren Klassen in Naumburg genutzt.

 

  1. Juni 16.000 Fahrgäste treffen zu Pfingsten auf dem Bahnhof ein (NZ).

Auch mit dem gerade in Dienst gestellten 3. Motorboot konnte K. Friedrich den Andrang kaum bewältigen.

 

  1. Sep. Vertrag zwischen dem Magistrat und der Landesschule (BLK-A. Nr. 381).

Die Landesschule verpflichtete sich, das zur Domäne Fränkenau gehörende  „Arbeiterhaus“ an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 19) nicht mehr zu vermieten bzw. es zu verkaufen. Im Gegenzug erklärte sich der Magistrat bereit, bis zu 17 Kinder aus dem Vorwerk Fränkenau  26 Jahre lang unentgeltlich in der Stadtschule aufzunehmen. Würden es mehr, mußte ein  „Fremdschulgeld“ gezahlt werden. Den Vertrag genehmigten das Kgl. Provinzial-Schulkollegium und die Kgl.-Reg. Abt. für Kirchen- und Schulwesen. Das Asnwesen kaufte dann der Dachdeckermeister Fritzsche und verlegte seinen Firmensitz hierher.   

 

  1. Okt. Auswertung der Kursaison (NZ).

Innerhalb von 10 Jahren war die Anzahl der Kurgäste und Passanten von 4.536 auf 10.629 gestiegen, die Kurtaxeinnahmen von 8.806 auf 15.720 Mark und bei den Kurmitteln wurden  14.045 Mark gegenüber 5.644 Mark im Jahr 1899 eingenommen. Beklagt wurden die starke Lärmbelästigung durch den Zugverkehr und die ungenügende Pflege der Parkanlage. 

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Stromliefervertrag mit der Überlandzentrale in Camburg mit einer Laufzeit von 20 Jahren  wurde mehrheitlich beschlossen.

 

      Okt. Erste Weinlese in den  Saalhäusern (NZ). 

Nach drei Jahren brachten die auf reblausresistenten amerikanischen Unterlagen gezogenen Stöcke aus der Rebschule der Staatlichen Weinbauverwaltung den ersten nennenswerten Ertrag  womit der Weinbau an Saale und Unstrut von neuem begann. 

 

  1. Okt. Vorschlag des Bürgermeisters zum Bau eines neuen Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72)

Kretschmar wollte die Insassen des Armenhauses (Burgstr. 16) im Kranken- und Siechenhaus (Burgstr. 14) einquartieren, da desolate Anwesen abbrechen und  an dessen Stelle die  Kinderbewahranstalt bauen. Einerseits würde man damit das Vermächtnis von Therese Berbig erfüllen und andererseits käme die Anstalt dorthin, wo es die meisten Kinder aus unbemittelten Arbeiterfamilien gab. Das Krankenhaus sollte außerhalb der Ortslage gebaut werden, weil hier der Grund und Boden billiger war und  die Ansteckungsgefahr die davon ausgeht, verringert wird. Dazu wäre am besten ein Grundstück nördlich des Äbtischen Holzes, westlich des Jochenberges geeignet, das von der Haarnadelkurve  der Chaussee umschlossen war und zur Domäne Fränkenau gehörte. Die Lage wäre verkehrsgünstig und die Wasserversorgung vom Hochbehälter  mittels einer Pumpe unproblematisch. Man bräuchte lediglich eine Fläche von  1200 m² die nicht mehr als 25.000 Mark kosten sollte und die nachfolgende Umgemeindung aus dem Gutsbezirk.    

 

  1. Okt. Abschluss des Stromliefervertrages (Röblitz,1930).

Die Fernleitung von Camburg ging über Tultewitz, Freiroda und  Kukulau und endete am Transormatorenhaus an der Herrenwiese. Von hier wurde dann das städtische Netzt gespeist  

 

  1. Okt. Ablehnung des Kaufgesuchs für das Krankenhausgrundstück (BLK-A. Nr. 72)

Der Prokurator erklärte, dass damit eine städtische Exklave im Gutsbezirk entssteht und bot statt dessen ein Grundstück an der Fränkenauer Trift neben dem Fronhaus der Domäne  (Eckartsbergaer Str. 19) an, dass direkt an den Stadtbezirk grenzte. Hier wäre eine Eingemeindung möglich, sowie die Ver- und Entsorgung aus dem  städtischen Netz einfacher zu bewerkstelligen.

 

  1. Nov. Gutachten zur Radioaktivität der Brunnensole.

Die Radioaktivität der Schachtsole wurde nachgewiesen und reichte für ein Emanatorium.

 

  1. Dez. Bruch der Wasserradwelle des städtischen E-Werkes (NZ).

Beim unsachgemäßen Wechsel der Schaufeln kam es zum Bruch, die Stromversorgung fiel aus, für die Reparatur rechnte man mit mindestens 2 Wochen. Zur Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung wurde für die Pumpe im Wasserwerk ein  Benzinmotor eingesetzt. 

 

  1. Dez. Außerordentliche öffentliche Stadtverordnetensitzung (NZ).

Beim Schein von Petroleumlampen kam es zu gegenseitigen Schuldzuweisungen, bis Kersten anbot, eine Lokomobile für den Antrieb des Generators zu besorgen, unter der Bedingung, dass man sich wieder dem Umbau der oberen Radkunst zum E-Werk zuwendet.  Der Not gehorchend, ging der Magistrat darauf ein. Zwei Tage später war die  Lokomobile an den Generator angekoppelt, die Pumpen vom Wasserwerk und die Straßenbeleuchtung funktionierten.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Diesmal rief die Erhöhung der Bezüge der städtischen Angestellten Empörung hervor. Trotz  leerer Kasse sollten die städtischen Bediensteten (Rendant, Stadtsekretär, Kassenkontrolleur, Polizeikommissar, zwei Polizeisergeanten, Kalkulator, Registrator, Vollzugsbeamter und zwei Schutzmänner) mehr Geld erhalten.

 

      Dez. Die Poststelle auf der Rudelsburg meldet 101.200 Postsendungen im Jahr.

 

               Der Magistrat schafft die erste Schreibmaschine (St.-A).

 

   Bauantrag für ein „Brückengelderhebungshaus“ (St.-A.)

Die seit dem Neubau eingeführte Benutzungsgebühr wurde vom Einnahmepächter an der am rechten Ufer befindlichen Schranke erhoben. Bei ungünstiger Witterung und im Winter fehlte aber jeder Schutz, so dass die Steuerverwaltung den Bau eines kleinen Fachwerkhauses unmittelbar neben der Schranke beantragte. Hier würde der Pächter Tag und Nacht präsent sein.

 

1910

 

  1. Jan. Zuweisung einer Dienstwohnung in der Schule (MER C48 IIb 2028 II)

Durch Auszug war eine der vier Lehrerwohnungen frei geworden und  sollte einem der vier privat wohnenden Lehrern bezogen werden, zumal dann auch der Mietzuschuss wegfiel. Nach Prüfung der persönlichen Umstände sollte der Lehrer Hinsche hier einziehen, doch der weigerte sich vehement.Zur begründung führte er an, dass die Wohnung nur über das Schulgebäude zugänglich sei, die großen Fenster eine ausreichende Erwärmung im Winter unmöglich machten, die Lage der Stuben  nach Norden kaum Licht hereinließen und die Kellerwände von Pilzen überwuchert sind. Größtes Manko war der Abort auf dem Schulhof neben den der Schüler und „das Nachtgeschirr muß an sämtlichen Klassenräumen vorbei über den Schulhof getragen werden“ der außerdem noch von den Nachbarhäusern einsehbar war, klagte Hinsche. Als er dann ein Attest für seine Frau und seinen Sohn vorlegte, nahm der Magistrat Abstand von der Einweisung.

 

  1. Jan. Schreiben des Königl. Schulforstamtes (BLK-A. Nr. 72)

Inzwischen hatte der Magistrat der Landesschule angeboten, den gesamte Hanges von der Mausa-Schlucht bis zur Haarnadelkurve zu erwerben, gegenüber dem zum Stadtbezirk gehörenden Jochenberg. Da der Hang nur forstwirtschaftlich nutzbar und wenig ertragreich war, stimmte die Forstverwaltung zu. Daraufhin erfolgte die ministerielle Genehmigung mit der Einschränkung, dass hier nur städtische Anlagen für sanitäre und medizinische Zwecke gebaut werden dürfen.

 

  1. Jan. Vertrag mit Paul Krüger und dem Schulforstamt (BLK-A. Nr. 670)

Sie genehmigten der Stadt die Verlegung der Soleleitung von der Johannisquelle über ihre Grundstücke zur Trinkhalle im Kurpark.

 

  1. Jan. Finanzierungszusage von Fräulein Kumbruch (BLK-A. Nr. 72, 670).

„Auf die mir vorgetragene Bitte des Hr. Bürgermeister Kretschmar mache ich der Stadt Koesen folgende Stiftung zum Besten ihrer Armen und Kranken. Ich übernehme für mich und meinen Rechtsnachfolger die Verzinßung und Amortisation der Kosten zum Ankauf des Bauplatzes für ein neues Krankenhaus an der Eckartsbergaer Chaussee in der Schleife vor dem Ebtischen Holze in einer Größe von ca. 5000 qm zu 2 ½ Mark, das Kaufgeld zu 3,5% Zinßen und 1,5% Amortisation gerechnet. Im Falle des Verkaufs meines Hauses  Kukulauer Str. 1 soll der Stadt aus dem Erlös soviel zukommen, als zum Zwecke der Ablösung entstehender Zinßen und Amortisation erforderlich ist.“ Für den Bau selber standen die inzwischen auf 30.000 Mark angewachsenen Mittel der privaten Stiftungen und des Baufond zur Verfügung.

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Stadtverordneten Kersten und Wolf lehnten den vom Bürgermeister vorgeschlagnenen Bauplatz für das Krankenhaus außerhalb der Ortslage rundweg ab. Das Wortgefecht wurde dann persönlich und endete mit Angriffen auf den Bürgermeister wegen dessen Betätigung  als Förderer der Heilsarmee. Als dies durch die Presse ging, stellte der Regierungspräsident einen Strafantrag gegen Kersten und Wolf beim Naumburger Staatsanwalt wegen Beamtenbeleidigung. Kersten nahm vor dem Regierungspräsidenten die Beleidigungen zurück und entschuldigte sich mit Verweis auf die Hitze des Gefechts. Wolf lehnte eine Entschuldigung ab.   

 

  1. Feb. Mitteilung des Bürgermeisters an den Stadtverordnetenvorsteher Krüger (BLK-A. Nr. 2)

Wegen „groben Verstoß gegen die Geschäftsordnung und unausgesetzter schwerer Beleidigung des Magistrats durch den Stadtverordneten Wolf“ lehnte der Magistrat die Teilnahme an den Sitzungen bis zur Abstellung derartiger Ausschreitungen ggf. die Entziehung des Mandats ab. Weil keine Reaktion erfolgte, zeigte Kretschmar den Buchbindermeister Wolf (Jg. 1842) wegen Beleidigung an und der Staatsanwalt forderte die Protokolle der diesbezüglichen Sitzungen vom September 1909 bis Januar 1910 an.  Im Oktober wurde Wolf zu einer Geldstrafe von 50 Mark, ersatzweise 10 Tage Haft verurteilt. Urteil und Begründung sollten in der Zeitung veröffentlicht werden.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 670)

Bewilligt wurden die Mittel für die Reparatur der Radwelle (3.500 Mark) und weitere 23.000 Mark für einen neuen  Generator, drei Transformatorenstationen im Stadtgebiet und 150 neue Freileitungsmasten aus Stahl bzw. Beton. Dazu kamen noch die Kosten für die Lokomobile.

Der Verwaltungsbericht für das Rechnungsjahr 1909 verzeichnete 634 Wohngebäude (1908: 550), 394  sonstige Baulichkeiten (1908: 387) und 86 steuerfreie Gebäude (1908: 56). Zählte die Einwohnerschaft 1871 noch 1.763 Personen, war sie bis 1905 auf 2.990 angewachsen.

 

  1. Feb. Besichtigung der Krankenhausbauplätze (BLK-A. Nr. 72)

Die Platz der Fronhäuser sei ungeeignet, schwierige Erschließung, Bergrutschgefahr und die Verbreitung von Krankheitserregern über den angerenzenden Trinkwasserhochbehälter, waren die Gründe. Der Standort „Haarnadelkurve“ wurde dagegen favorisiert.

 

  1. Feb. Beschlussvorlage zum Ankauf der Laßpachtgrundstücke (BLK-A. Nr. 670)

Das betraf den Ankauf der Freiflächen am Gradierwerk, der Loreleypromenade und der Parkwiese. Dafür sollten gegebenenfalls 24.000 Mark bereit gestellt werden.

 

  1. Mär. Stellungnahme Dr. Wagner zum Standort des Krankenhauses (BLK-A. Nr. 72/670)

Aus der Sicht des Kommunalarztes war die Haarnadelkurve wegen der Entfernung von der Stadt für Kranke, Ärzte und Besucher denkbar ungünstig. Erplädierte für das Grundstück des Armenhauses, und hatte wegen der Nähe und des „schlechten Geruchs aus der Wurstfabrik“ keine Bedenken.

 

  1. Mär. Gutachten Prof. Beyschlags zur Erschließung einer neuer Solequelle (NZ).

Der empfahl, entweder in der städtischen Lehmgrube an der Fränkenauer Trift oder in der Aue eine Bohrung  bis in den Zechstein in rund  750 m Tiefe abzuteufen. Beyschlag befürchtete aber,  dass man bereits in  geringerer Tiefe im Röt auf ein Salzlager stoßen könnte und dass dann ein Einbrechen des Deckgebirges möglich wäre,  wie in Staßfurt und Eisleben.  

 

  1. Mär. Vertrag mit dem Kapellmeister Hohenstein (BLK-A. Nr. 670)

 

  1. Apr. Festsetzung des Soleabgabepreises für Selbstabholer (BLK- A. Nr. 670)

Der Hektoliter 5%ige Sole kostete 15 Pfennig, je 1% höhere Konzentration 3 Pfennig mehr.

 

  1. Apr. Vorstellung des Projektes Kurmittelhaus (BLK-A. Nr. 670)

Die Stadtverordneten wurden von Prof. Schulze-Naumburg und dem Ing. Löbel von der Fa. Körting über den baulichen und technischen Entwurf in Kenntnis gesetzt.

 

  1. Apr. Inbetriebnahme der Überlandleitung vom Camburger Elektrizitätswerk (NZ).

Der Bahnhof wurde als erste und wichtigste Einrichtung an die Übergabestation im Park angeschlossen. Der im städtischen E-Werk installierte neue 30 kVA- Drehstromgenerator (Mende 1963) und betrieb tagsüber die Pumpen des Wasserwerks und des Solschachts und in nachts die   Straßenbeleuchtung. In den nächsten Jahren kamen drei weitere Trafostationen hinzu, die  Holzmasten durch Betonmasten ersetzt und die Freileitungen bis in die  Saalberge verlängert (Röblitz, Heimatbuch).

 

  1. Mai Baugenehmigung für das Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72)

Die Kreisdeputation genehmigte den Bau an der Haarnadelkurve unter der Maßgabe dass die Umgemeindung und der Anschluss an das städtische Ver- und Entsorgungssystem gewährleistet sind.

 

  1. Mai Stadtverordnetensitzung (NZ).

Den Beschluss der Stadtverordneten, die Solebohrung in der städtischen Lehmgrube am Jochenberg niederzubringen, lehnte der magistrat ab.

 

  1. Mai Beschlussvorlage zur Änderung der Biersteuer (BLK-A. Nr. 670)

 

  1. Mai Einweihung der Herzog-Georg-Trinkhalle (KÖZ, St.-A. Nr. 24 u. 250).

Das Bauwerk nach dem Entwurf des Kgl. Baurates Pomme war ein Werbeobjekt für die  Leipziger  Baumaterialienausstellung und wurde dann von P. Kersten der Stadt geschenkt. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren des Herzogs von Sachsen-Meiningen, auf dessen Gebiet der zur Grafschaft Camburg gehörende Steinbruch Freiroda lag. Die Trinkhalle erhielt Ausschankstellen für die vom Mühlbrunnen und der Johannisquelle durch eine  Druckleitung geförderte Sole. Die Abgabe der Sole an den Brunnen und in der  Trinkhalle sowie den Flaschenversand pachtete J. Risse, der Sohn des Badearztes Dr. Risse.

 

  1. Mai Verkaufsofferte für das Krankenhausgrundstück (BLK-A. Nr. 72).

Das Ministerium hatte den Kaufvertrag dahingehend abgeändert, dass die Stadt das Grunstück ohne Einschränkung bebauen durfte, allerdings für 3 Mark den Quadratmeter. Dafür reichten natürlich die von Frl. Kumbruch zugesagten Mittel nicht. Der Bürgermeister teilte dem Landrat am 10. Juni mit, dass man von einem Kaufvertrag mit der Landesschule Abstand nehmen muss.   

 

  1. Juni Einweihung des Licht- und Sonnenbades (NZ).

Die Anlage auf der Wiese östlich vom Gradierwerk bestand aus einer Umzäunung mit  Sichtschutz und einer Kasse mit Ausleihe für Liegestühle und Decken und kostete 10.000  Mark. Der Eintritt betrug 30 Pfg. für Erwachsene. Kinder zahlten 15 Pfg. Dutzend- und Monatskarten waren ermäßigt. Auch Massagen wurden angeboten und kosteten zwischen 50 Pfg. und 1,75 Mark.

 

  1. Juli Das Haus Saalstraße 28 erwirbt die Freifrau v. Massenbach (NZ).

 

  1. Juli Stellungnahme von Prof. Beyschlag (BLK-A. Nr. 670)

Der plädierte für die Solebohrung im unteren Kurpark, weil hier der hydraulische Druck günstiger war als an der Lehmgrube. Damit könnte die in der projektierten Tiefe erwartete Sole besser aufsteigen. Druck- und Schichtenwasser bzw. Überflutungen bei Hochwasser  sollte die  wasserdichte Auskleidung des Bohrloches und des brunnenkopfes verhindern.

 

  1. Juli Prof. Schultze-Naumburg gründet die Baugesellschaft mbH (KÖZ).

Geschäftsführer waren Dr. Carstanjen und Ernst Töpfer. Zweck der Gesellschaft war der Erwerb, die Erschließung und die Bebauung des Geländes östlich des Friedhofes mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Damit wollte man die Nachfrage nach attraktiven Wohnraum erfüllen.

Dr. phil. Carstanjen war Schweizer Staatsbürger und wohnte in der Rudelsburgpromenade 12. 1926 wurde er in Bremen vermutlich wegen eines Ehestreits auf offener Straße erschossen.  

 

  1. Juli Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Für den ausgeschiedenen P. Krüger wurde S. Exzellenz  General a. D. Stieler v. Heydekampf zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Beschlossen wurde, eine Anleihe von 55.500 Mark für die Solebohrung und die Beauftragung der Fa. Kontinentale Tiefbohrgesellschaft.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierung zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Der Magistrat wurde hier nochmals eindringlich darauf hingewiesen, das Krankenhaus zu bauen,  andernfalls drohte die Einstellung des Badebetriebes. Die Behörde verlangte, umgehende alternative Bauplätze zu prüfen, wie z. B. am Friedhof oder in den Saalbergen.

 

  1. Juli Einweihung des Schießstandes der „Schützengesellschaft 1832“ an den Saalhäusern.

 

  1. Aug. Stellungnahme des Bürgermeisters zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Inzwischen hatte Paul Kersten bei der Gewerbe-Inspektion Widerspruch gegen den Standort am Jochenberg bzw. an der Haarnadelkurve  eingelegt. Grund dafür war die bereits 1899 erteilte Genehmigung für die (noch nicht erfolgte) Errichtung zweier Zement-Ringöfen. Mit den bereits bestehenden Schornsteinen der Lengefelder Ziegelfabriken und des Holzwerkes würden dann 6 Schlote in unmittelbarer Nähe zum geplanten Krankenhaus stehen und Konflikte durch die Rauchbelästigung absehbar wären. Daraufhin gab dr Bürgermeister den von ihm favorisierten Standort auf. 

 

  1. Aug. Schenkungsvereinbarung mit Julia Kumbruch (BLK-A. Nr. 72)

Da die  Zweckbestimmung der Kumbruchschen Erklärung für Kauf des Grundstücks an der  Haarnadelkurve hinfällig war, wurde die am 13. April zwischen ihr und dem Magistrat getroffene Vereinbarung aufgehoben. Luise Kumbruch bestimmte nun,  dass sie der Stadt die 12.500 Mark für den Ankauf eines anderen Grundstücks überlassen würde, wenn bis September ein verbindlicher Beschluss zum Krankenhausbau zustande käme. Ab dem 1. Oktober könnte das Geld in vierteljährlichen Raten ausgezahlt werden.

 

  1. Aug. Stadtverordnetensitzung (KÖZ, St.-A. Nr. 219, 222).

Im nichtöffentlichen Teil beschloss die Versammlung den Bau des Kurmittelhauses, nach dem technischen Vorgaben  der Fa. Körting  und die Aufnahme einer Anleihe von 250.000 Mark. Außerdem gab man den Erwerb der Flächen für die  Straße zu den Saalhäusern bekannt. 

 

  1. Aug. Antrag des Kurtheaterdirektors Ernst Albert (BLK-A. Nr. 670)

Im Vertrag mit der Badedirektion war vereinbart, dass an den Dienstagen und Donnerstagen und während der Hochsaison auch an den Freitagen keine weiteren Veranstaltungen im Bad außer den Aufführungen des Kurtheaters zugelassen werden. Nun hatte es am Dienstag eine „Italienische Nacht“ gegeben, wobei dem Theater durch ausbleibende Zuschauer ein finanzieller Schaden entsstanden sei, weswegen der magistrat um  eine einmalige Subvention von 150 M  ersucht wurde.

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  1. Aug. Empfehlung der städtischen Gesundheitskommission (BLK-A. Nr. 72)

Die von Frl. Kumbruch gestellten Bedingung trieb zur Eile. Die Kommission (Siebold, Dr. Schütze, Kersten, Dr. Wagner, Kretschmar und der Kreisarzt) empfahl dem Magistrat: Der Krankenhausneubau wird nach den Plänen des Baurates Schmidt auf dem Grundstück Burgstraße 16/ Fränkenauer Trift errichtet. Das Armenhaus wird niedergelegt. Das jetzige Krankenhaus wird nach Bezug des Neubaus zu Armenhauszwecken überwiesen. Für den schlüsselfertigen Neubau stehen zur Verfügung: 37.500 Mark sowie weitere 2.400 Mark abzügl. 135 Mark für die Bauleitung von Baurat Schmidt. Die Mittel werden den diversen Stiftungen entnommen, die je nach Bedarf zu flüssig gemacht werden sollten. Dazu kämen noch 12.500 Mark von Frl. Kumbruch.

 

  1. Aug. Beschluss der Stadtverordneten zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Empfehlung der Gesundheitskommission wurde abgewiesen. Die Angst vor einer möglichen Seuchengefahr überwog. Dr. Löffler und der Baurat Schmidt die zur fachlichen Begutachtung hinzu gezogen wurden, empfahlen, das Krankenhaus in den Hinterbergen zu errichten und mit den dortigen Grundstücksbesitzern (Albin Knüppel, Paul Hämmerling, Reinhard) über einen Ankauf zu verhandeln. 

 

  1. Aug. Kaufverträge über die Grundstücke in den Hinterbergen (BLK-A. Nr. 72)

Überraschend schnell war man sich einig geworden, nicht zuletzt wegen des Termins den Frl. Kumbruch gesetzt hatte. Unter Vorbehalt des Rücktritt erwarb die Stadt von Albin Knüppel Weinbergs- und Molkereibesitzer  für 26.000 Mark die Flurstücke 313/99, 356/99 und 357/155, von Hämmerling  für 8000 Mark einen Weinberg in den Hinterbergen und vom Ehepaar Reinhard für 18.000 Mark für die Flurstücke 303/124, 304/125, 232/125 und  122/123. Bis zur Ertei,ung der Baugenehmigung seitens der Oberbehörden wurde der Hämmerlingsche Weinberg vom Magistrat in Jahrespacht gegeben. 

 

  1. Sep. Stiftungsfest zum 25jährigen Bestehen der Feuerwehr (KÖZ).

Auf dem Töpferschen Holzplatz fand eine Übung statt, dann ging es mit den Schützen und Turnern und den Wehren der umliegenden Städte und Gemeinden im Zug zu den Saalhäusern zum

geselligen Treiben. In der Zeitung wurden der Aufbau und die Einsätze der Wehr gewürdigt.

 

  1. Sep. Mitgliederversammlung des Verbandes mitteldeutscher Verkehrsvereine (NZ).

Vertreten waren mitteldeutsche und thüringische Großstädte, Kurorte und die Harzgemeinden.

 

      Sep. Erwerb der Grundstücke für die  Gartenstadt am Rechenberg (MER C 50;  Heimatbuch).

Bauherr war die Bad Kösener Baugesellschaft mbH, die künstlerische Leitung hatte Prof. Paul Schultze-Naumburg,, die geschäftliche Leitung Dr. Friedrich Carstanjen. Diese erwarb die zum Gutsbezirk Pforta gehörenden Grundstücke. Nach deren Eingemeindung wurden die Erschließungsstraßen  A, B und C  angelegt, bevor die ersten Häuser gebaut wurden.

Gedacht waren die villenähnlichen Anwesen für pensionierte Beamte und Rentiers. Bei einer  überregionalen Werbekampagne wurde auf die zentrale und verkehrstechnisch günstige Lage der Kurstadt im Herzen Deutschlands, die kurze und bequeme Anbindung zu den Kulturstätten  Weimar, Jena, Halle und Leipzig, die angenehme und gesunde Umgebung, ausreichend Bildungseinrichtungen, günstige Steuern, preiswerte Lebensmitteln und gesellige Veranstaltungen für Offiziere und Beamte, deren Witwen und Töchtern hingewiesen. Interessenten aus Offizierskreisen konnnten sich an den Generalleutnant a. D. Exzellenz Stieler v. Heydekampf,  Beamte  an Dr. J. Wichern und die Damen an die Gattinnen des Bürgermeisters und des Pfarrers Diederichs wenden. 

Bis zum Ausbruch des 1. WK waren fertiggestellt, die Nr. 1, die Nr. 8 „Villa von Ehrenberg“, so genannt nach dem ersten Besitzer, das heutige Konrad Martin Haus, die Nr. 18 Rechnungsrat Behrens), 19 (Wagner-Pensionär),20 (Kinderheim Burkhardt).

 

  1. Sep. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Im geheimen Teil wurde die Bildung eines städtischen Bauamtes, für die Überwachung aller kommunalen Bauvorhaben beschlossen. Die künstlerisch-architektonische Leitung sollte der   Kgl. Baurat Schmidt übernehmen.

 

  1. Sep. Zeitungsbeitrag „Zur Solebohrung“ (NZ).

Die Leser wurden über die bevorstehende Niederbringung einer Tiefbohrung auf Sole auf Grundlage des hydrogeologischen Gutachtens vom Prof. Beyschlag.

 

  1. Okt. Beginn der Solebohrung (KÖZ).

Die Fa. Kontinentale Bohrgesellschaft Halle errichtete einen 22 Meter hoher Bohrturm. Der Antrieb des Nassmeißels erfolgte durch Dampf, der in einer Lokomobile erzeugt wurde. Die Arbeiten liefen im Schichtbetrieb. In der ersten Woche erreichte man bereits eine Tiefe von 59 Metern.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Die Versammlung beschloss den Bau der Kinderbewahranstalt anstelle des Armenhauses.   

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Die Versammlung beschloss einen Grundstückstausch mit dem Gastwirt Weber. Dabei erhielt Weber die Gestängerösche zwischen dem Logierhaus und den Gasthof und die Stadt einen Streifen zur Verbreiterung des unteren Teils der Kukulauer Straße am „Langen Haus“.

 

  1. Nov. Erster Erfolg bei der Solebohrung (KÖZ, IHU 1992).

In 280 m Tiefe erschloß man eine 6 %ige Sole mit einer Schüttung von rund 2500 l/h. Die war  kohlensäurehaltig und drückte fast 2 m aus dem Bohrloch. Bis zur Begutachtung durch Prof. Beyschlag ruhten die Arbeiten. Seine Verprobungen ergaben eine ausreichende und dauerhafte Schüttung bei gleichbleibender Konzentration. Damit war der Weg frei zum Bau des Kurmittelhauses. Die Quelle wurde zunächst Viktoriasprudel später als Hufelandsprudel bezeichnet. Nach der Fassung der Quelle und den Einbau einer Gummimanschette wurde die Bohrung auf den  Zechstein weiter getrieben..

 

  1. Nov. Im „Lindenhof“ steht der erste Kinematograph für „lebende Bilder“ (KÖZ 1935).

 

  1. Nov. Geschäftsordnung der Schuldeputation (MER C 48 IIb 2018 II)

Ihr oblage die allgemeine Verwaltung der städtischen Volksschule, ausgenommen den Schulhaushalt, die Mittelbewilligung, das Schulvermögen und die Einstellung von Beamten.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891, Adressbuch 1911).

Es gab 372 bewohnte und 11 unbewohnte Häuser, 701 Haushalte mit zwei und mehr Personen und 104 Einpersonenhaushalte. Die ortsanwesende Bevölkerung zählte 3.006 Köpfe, davon 1.358 Männer und 1.648 Frauen. Konfessionell überwog die evangelische Bevölkerung mit 2.928 Gemeindemitgliedern, gefolgt von 80 Katholiken und 5 Einwohnern jüdischen Glaubens. Die Stadtschule besuchten 380 Schüler, die in  7 Klassen von 6 Lehrern unterrichtet wurden.  Die höhere Knabenschule (Prof. Posseldt) mit 6 Lehrern besuchten 50 Schüler und in der Mädchenschule (Frl. Possart) unterrichteten 5 Lehrerinnen 38 Kinder.Es gab ein (Zwangs)-Innung der Bäcker, 29 Vereine und Kassen, darunter drei Schützenvereine (Schützengesellschaft 1832, Bürger-Schützenkorps, Bad Kösener Schützengesellschaft „Auf der Katze“) sowie 10 Feuermeldestellen.

 

  1. Dez. Der Bezirks-Ausschuss genehmigt den Bau des Kurmittelhauses (St.-A).

Obwohl die Parkwiese als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen war, erhielt die Stadt ohne weitere Auflagen die Baugenehmigung nach dem Entwurf des Reg.-Baumeisters Menge.

 

  1. Dez. Grundsteinlegung für das Kurmittelhauses (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Baugenehmigung der Provinzialverwaltung wurde unter der Auflage erteilt, den Deich zwischen dem Töpferschen und Krügerschen Grundstücken wieder herzustellen. Die Firmen Blumentritt und Reichenbach wurden mit dem Hochbau, die Fa. Fritzsche mit der Dacheindeckung und die Fa. Ertle mit der Installation beauftragt..

 

             Meldung vom kleinsten Postbezirk der OPD Halle (NZ).

Die  Rudelsburg mit ihren 7 Bewohnern verzeichnete 130.000 aufgegebene Postsendungen.

 

1911

  1. Jan. Geschäftsanzeige Hämmerlings (NZ)

 „Mit dem heutigen Tag geht meine Brot-, Weiß und Kuchenbäckerei (nicht Konditorei) in die Hände Heinr. Howeihe aus Zerbst..“

 

  1. Jan. Bekanntgabe der Ortspolizeibehörde (NZ)

Untersagt wurde das Rodeln auf Bürgersteigen und Straßen im gesamten Stadtgebiet. Zuwiderhandlungen wurden mit 10 Mark oder Haft bestraft,für Kinder hafteten die Eltern. 

 

  1. Jan. Statistik 1910 (NZ)

Registriert wurden 63 Geburten, 21 Hochzeiten und 45 Sterbefälle. Die Stadtschule besuchten 380 Kinder in sieben Klassen mit sechs Lehrern. Die höhere Knabenschule vom Prof. Posseldt besuchten 50 Schüler in 6 Klassen mit 6 Lehrern. Die höhere Töchterschule von Frl. Possart hatte 5 Lehrerinnen für die 38 Schüler in 8 Klassen.

 

  1. Jan. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Im nichtöffentlichen Teil kam es wegen der am Geburtstag des Kaisers vom Bürgermeister zu haltenden Festrede zum Streit. Der Stadtverordnetenvorsteher Stieler v. Heydekamp hielt Kretschmar dafür für ungeeignet und spielte dabei auf dessen Tätigkeit bei der Heilsarmee und seine pazifistische Gesinnung an, was wiederum einige Stadtverordneten empörte.

Beschlossen wurde der Ankauf eines Geländestreifen zur Verlängerung der Promenade vom Schwanenteich zum Bahnhof.

 

  1. Jan. Schreiben des Reg.- Präsidenten zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Stadt sollte die Pläne für den Anschluss des Krankenhauses an die städtischen Ver- und Entsorgungseinrichtungen einreichen.

 

  1. Jan. Stieler v. Heydekampf legt sein Amt nieder (BLK-A. Nr. 2)

Im Streit um die Kaiserrede legten der Stadtverordnete Stollberg und Eckleben ihre Ämter aus Protest gegen den Vorsteher nieder. Draufhin trat v. Heydekampf zurück. Nachfolger wurde der Kaufmann Haußner, die Kaiserrede hielt der Rektor Posseldt.

 

  1. Jan. Öffentliche Entschuldigung der Wilhelmine Reinhardt (NZ)

„Die verschiedenartigen verleumderischen Reden, welche ich nach Aufgabe der Pachtung der Hämmerlingschen Bäckerei über die Handlungsweise des Hr. Hämmerling ausgesprochen habe (.) nehme ich als völlig unwahr reuvoll zurück.“

 

  1. Feb. Konzessionierung zum Ausschank (NZ)

Zwei Pensionsbetreiberinnen hatten bei der Stadt eine  Konzession „zur Verabreichung geistiger Getränke  gegen Entgelt an die hier wohnenden Kurgäste“ beantragt. Der Magistrat hatte das befürwortet, Bürgermeister Kretschmar ein strikter Gegner jeglichen Alkoholgenusses lehnte ab. Die Beschwerde bei Bezirksausschusss half, beiden Damen wurde ihre Unbescholtenheit bestätigt und der Einspruch des Bürgermeisters  abgewiesen.  

 

  1. Feb. Erklärung P. Kerstens zum Kurmittelhaus (NZ)

Bei der Vergabe der Zimmererarbeiten hatten die hiesigen Firmen das Nachsehen „Das ist wieder ein Beweis dafür, daß unsere städtischen Kommissionen mehr denn je an die Wand gedrückt werden, seit Herr Weber unsere Stadt durch seinen Freund den zukünftigen 2. Bürgermeister Herr Siebold regieren läßt.“

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Der Bürgermeister ließ sich wegen dringender persönlicher Angelegenheiten entschuldigen. Er hielt in Leipzig beim Kongress der Heilsarmee eine Rede, was zwei  Stadtverordnete, die ihm nachgefahren waren,, bestätigten. Das wurde von den meisten Stadtverordneten und zahlreichen Einwohnern kritisiert.

 

  1. Mär. Aufbau der Fußgängerbrücke an der „Katze“ (NZ).

Die von P. Kersten finanzierte Konstruktion stand auf Pontons und konnte von den Motobooten passierte werden. Im Winter wurde sie abgebaut und im Kalkwerk eingelagert. Der Übergang diente in erster Linie als Verbindung zum Freirodaer Steinbruch aber wurde auch von den Spaziergängern zur Rudelsburg benutzt.

 

  1. Mär. Anerkennung des Hufelandprudels nach dem preußischen Quellenschutzgesetz (NZ).

Die Erklärung verhinderte Konkurrenzbohrungen, insbesondere im Hinblick auf die  Bohrversuche in Naumburg (Dechantengrund und Ziegelgraben) und der näheren Umgebung. Gleichzeitgh überließ der Fiskus der Stadt die Gewinnungsrechte an der Sole.

 

  1. Mär. Verpflichtung der Gespannführer für die Feuerspritzen (NZ)

„Bei Ausbruch eines Feuers müssen 2 Pferde zur Bespannung und Fortschaffung der Feuerlöschgerätschaften stellen a.) Kurhausbesitzer Weber, b.) Spediteur Pabst, c.) Wurstfabrik Fr. Matthes Erben und d.) Fleischermeister Franz Arnold. Dagegen wird die Bespannung bei auswärtigen Feuer von Kurhausbesitzer Weber und Spediteur Pabst übernommen. Das Spritzenhaus befindet sich im Schulhaus Kirchplatz 2.“

 

  1. Mär. Anzeige des Stadtverordneten P. Kersten (NZ)

„Der Stadtverordnetenvorsteher Hr. Haußner hat mir eine Einladung zu einer geheimen Sitzung der Stadtverordneten zugesandt. Ich fordere hiermit den Vorsteher auf, keine Verhandlungen hinter verschlossenen Türen zu veranstalten, und die Bürgerschaft  nicht auszuschließen, wenn über Sachen verhandelt wird, die öffentliche Angelegenheiten betreffen und die Bürgerschaft im höchsten Grade interessieren“

 

  1. Mär. Saisonbeginn für die Badeanstalt im „Mutigen Ritter (NZ)

 

  1. Mär. Erlass einer neuen Kurtaxordnung (St.-A, MER Rep.C 48 Ih Nr. 920).

In 18 Paragrafen wurden alle im Zusammenhang mit der Zahlungspflicht bestehenden Regelungen erfasst. Kurtaxpflichtig waren alle Fremden, die sich zwischen dem 1. Mai bis Ende September mehr als 5 Tage hier aufhielten. Das galt auch für diejenigen, die nicht im Stadtbezirk  wohnten, aber das Bad nutzten. Kinder, Einheimische und Hilfsbedürftige erhielten ermäßigte Kurkarten. Mit Tageskarte konnten auch Passanten die Kuranlagen und die Konzerte besuchen. Gäste mit augenscheinlich und nachweislich ansteckenden Krankheiten wurden verwiesen. Das Betreten der Kuranlagen war nur reinlich und anständig gekleideten Personen gestattet. 

 

  1. Apr. Eröffnung eines Uhrmachergeschäfts in der Lindenstraße 16 (NZ)

 

  1. Apr. Bekanntmachung des Magistrats (NZ)

„Zur Erhöhung der Annehmlichkeit des Aufenthaltes am Gradierwerk und auf der Parkwiese ist die Aufstellung von Strandkörben oder anderen bequemen Sitzgelegenheiten für die Badegäste erwünscht. Wir (.) ersuchen die Inhaber der Kurpensionen ihren Gästen derartige bequemlichkeiten zugängig zu machen.“ Gleichzeitig wurden der zweite Tennisplatz und das Inhalatorium eröffnet. 

 

      Apr. Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin (NZ).

Das „Solbad Kösen in Thüringen“ präsentierte das  Modell des neuen Kurmittelhauses, was beim Publikum reges Interesse  fand.

 

  1. Mai. Bekanntmachung der Ortspolizei zur Kursaison (NZ)

„..daß sämtliche Fremdenanmeldungen deutlich leserlich geschrieben in doppelten Formularen genau ausgefüllt sein müssen“

 

      Mai P. Tiel „Führer durch Bad Kösen“ (priv).

Hier warben die großen Badeanstalten, das  Wilhelmsbad mit 30 Wannen, Borlachbad (9), Ritterbad (20), Bahse (6) und Haus „Rheingold (7) sowie die Sanatorien von Dr. Löffler, Dr. Schütze, Dr. Risse (Villa Victoria, Villa Quisisana) und die Kinderheilstätte. Geworben wurde als Wohnsitz für Pensionäre wie Offiziere und Beamte oder deren Witwen. Gleichzeitig erschien das Adressbuch der Stadt. Es gab 4 Bauhandwerker, 3 Glaser, 3 Klempner, 8 Maler, 5 Sattler, 3 Schlosser, 9 Schneider, 14 Schneiderinnen, 8 Tischler und 12 Schuhmacher. Für die  Versorgung standen u.a.  21 Material- und Kolonialwarenhandlungen, 6 Drogerien, 7 Fleischereien, 9 Bäcker, 7 Gemüsehändler und 13 Wäschereien zur Verfügung.  Zur Unterbringung der zahlreichen Gäste gab es neben den Badehäusern Apels Hotel am Bahnhof, Friedrichs „Loreley“, Hamels „Preußischer Hof , Kellners „Börse“, Kochs „Tanne“, Schwarzes „Kurgarten“, Steinbecks „Erholung“, Webers „Kurhaus“ sowie weitere konzessionierte  Pensionen (Ohm, Villa Meißner, das spätere Haus Hertha). Die Gasthöfe gehörten Albrecht (Burgstr. 8), Eckard (Breitscheidstr. 8), Geitner (Schmettaustr. 12 - Lindenhof), Noack (Loreleyprom. 4), Schneider und Häun (An der Brücke 2), Seiffert (Schmettausstr. 1), Völkel (Lindenstr, 14- Zur Post), Wolfram (Rudelsburgprom. 9) sowie die Konditoren Bär (Borlachstr. 12) und  Schoppe, dazu kamen die Ausflugslokale wie die „Schöne Aussicht“(Faust), der „Rektorberg“(Hofmann), die „Saalhäuser“(Schumann), die  „Wilhelmsburg“(Seydig),  das „Himmelreich“ (H. Kleinschmidt), die „Rudelsburg“ (Büchner) und die „Katze“ (O. Drese).

 

  1. Mai Veröffentlichung der neuen Kurtaxordnung (NZ)

Nach der Genehmigung durch den Bezirksausschuss wurde die bisherige Ordnung vom Jahr 1907 samt Nachtrag außer Kraft gesetzt.

 

  1. Mai Verfügung der Ortspolizeibehörde für die Hauswirte (NZ)

„Während der Monate Mai bis September sind die Bürgersteige, Rinnsteine und Fahrdämme täglich vormittags zwischen 6 und 7 Uhr mit frischem Wasser so zu besprengen, daß der Staub völlig gebunden wird“ Bei Regen entfiel diese Pflicht.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit dem Logierhaus von Ferdinand Weise (St.-A. Nr. 242)

Weise der die Sole am Schacht abholte, durfte 1,50 Mark für ein Erwachsenenbad und 1 Mark für ein Kinderbad berechnen, eine Dutzendkarten verringerte den Preis. Je abgegebenen Bad zahlte er  35 Pfg. an die Badekasse. Der gleiche Vertrag wurde mit Elisabeth Kniesche (Rheingold) abgeschlossen.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Eisenbahndirektion an den Magistrat (St.-A.)

Der Antrag auf Einführung von Sonntagsrückfahrkarten wurde abgelehnt mit der Begründung, dass diese nur für Orte eingeführt würden, wo Fahrgäste  ausspannen und sich in gesunder, freier Luft  erholen könnten.

 

  1. Juni Eröffnung des Fotoateliers Krause im „Mutigen Ritter“ (NZ)

 

      Juni  Die Solebohrung erreicht eine Tiefe von 682 m (NZ).

Im Zechstein stieß man auf  hochkonzentrierte schwefelhaltige Salzsole (25%) mit einer Temperatur von 22°. Die Pumpversuche ergaben eine Schüttung  von 12 bis 15 m³/Stunde.  Doch beim Rückbau des Meißels und der Auskleidung der Bohrung löste sich ein  Fremdkörper und verschloss das Bohrloch, die Versuche das Bohrloch freizubekommen, scheiterte. 

Die Solebohrung wurde nach dem Geologen Franz Beyschlag benannt, der das Erkundungsgutachten erstellte. Beyschlag (1856 bis 1937) studierte in Halle und Berlin, promovierte 1883 bei Dr. v. Frisch und wurde noch im gleichen Jahr bei der Preußischen Landesanstalt f. Geologie angenommen, deren Direktor er 1907 wurde und  der er seit 1918 als Präsident vorstand.

 

  1. Aug. Prüfbericht der Kgl. Regierung zum Krankenhausplan (BLK-A. Nr. 72).

Die Stadt wurde aufgefordert, die erforderlichen Desinfektionseinrichtungen für Typhus und Cholerafälle sowie die Maßnahmen zur Abwasserableitung zu konkretisieren.

 

  1. Aug. Die Badedirektion stellt die Solelieferung für das Borlachbad ein.

Vorausgegangen waren zahlreiche Beschwerden von Gästen über die  unzumutbaren hygienischen Zustände in der Anstalt.

 

  1. Aug. Bekanntmachung zur Armenpflege (NZ)

Zur besseren Betreuung wurde die Stadt in vier Bezirke gewteilt, für die jeweils ein Armenpfleger eingesetzt wurde, wie der Kaufmann Hädicke, der Bäckermeister Lützkendorf, Schuhmachermeister Schubert und der Rentier Hämmerling. Die Beisitzerinnnen Frl. Harloff, Fr. Rabenalt, Frau Pfarrer Barthold  und Frau Mühlenbesitzer Roßner sollten die häuslichen Umstände der Bedürftigen prüfen, dann wurde über Unterstützung aus der Armenkasse entschieden.

 

     Aug. Filmaufnahmen einer englischen Gesellschaft auf der Rudelsburg (KÖZ).

Gefilmt wurde die Freilichtaufführung des Theaterstückes „Hie Rudelsburg – hie Naumburg oder Die Erstürmung der Rudelsburg“ aus der Feder des Naumburger Theaterdirektors M. Günther.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (NZ).

Das Straßenbahnprojekt wird erneut im Stadtrat hinsichtlich Nutzen, Kosten, Rentabilität und  Linienführung diskutiert. Man verständigte sich darauf, keine privaten Unternehmer damit zu beauftragen sondern das Vorhaben der Stadt Naumburg zu überlassen und sich mit einem Viertel an den Kosten zu beteiligen. Auf der gegen Ende des Jahres stattfindenden Sitzung der Naumburger Stadtverordneten wurde eine Beteiligung an dem ca. 625.000 Mark kostenden Projekt ebenfalls abgelehnt und empfohlen, den Bau einer privaten Gesellschaft zu überlassen

 

  1. Sep. Anzeige der „Cementfabrik Rudelsburg“ (NZ)

Die Firma begann mit der maschinellen Fertigung von Betonelementen wie Brunnenringe, Abflußröhren, Gehwegplatten, Fensterbänken, Bllockstufen und Zaunpfosten.

 

  1. Sep. Verlegung eines Fußweges (NZ)

Weber und die Stadt hatten einen Flächentausch vereinbart. Dabei wurde über das Webersche Grundstück führende öffentliche Fußweg von der unteren Wasserkunst zur Kukulauer Straße vor das „Lange Haus“ und die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte verlegt.

 

  1. Okt. Wechsel der Leitung der Höheren Privat-Mädchenschule (NZ)

Mit Genehmigung der Königl. Regierung übernahm Dr. F. Pischel die Possartsche Anstalt mit Knabenvorschule und Pensionat in der „Villa Waldfrieden“

 

  1. Okt. „Neueröffnung der städtischen Kurmittelhauses „ (NZ)

Geworben wurde für ein „Komfortables Institutersten Ranges für Winterkuren – Gesellschafts- und Apparate-Inhalation, Radium-Emanatorium und Radium-Trinkbrunnen für sämtliche Krankheiten der Atmungsorgane“.

Die Baukosten betrugen 335.000 Mark, 85.000 Mark mehr als geplant. Dafür musste eine weitere Anleihe aufgenommen werden, was heftigen Auseinandersetzungen zwischen Bürgermeister, Magistrat und den Stadtverordneten führte, zumal die Kurdirektion ein Temperagemälde „Panorama der Stadt Bad Kösen“ des Weimarer Malers Prof. R. Starcke ohne vorherige Genehmigung erworben hatte.

Badegäste wurden 4.161 gezählt, darunter zahlreiche Berliner, sowie rund 5.000 Passanten. Um die Frequenz zu erhöhen und höhere Einnahmen zu erzielen, wurde mit der  „Winterkur“ geworben. Das erwies sich schon bald als unwirtschaftlich, denn die Unterhaltungskosten im Wmterbetrieb waren hoch und es fehlten Winterquartiere. 

 

  1. Okt. Genehmigung für den Bau des Krankenhauses in den Saalbergen (BLK-A. Nr. 72).

Das Regierungspräsidium bestätigte den Standort vorbehaltlich der Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung.

 

  1. Nov. Eröffnung des erweiterten Wintergartens am „Mutigen Ritter (NZ)

Nach dem Flächentaus mit der Stadt erweiterte Weber den Wintergarten am Logierhaus und hatte nun eine ganzjährig geschlossene Verbindung zwischen Hotel und Logierhaus.

 

  1. Nov. Erster öffentlicher Lichtbildervortrag im „Kurgarten (NZ)

Gezeigt wurden „Die Leiden und Erlebnisse eines Deutschen in der französischen Fremdenlegion“ „Wir appellieren an das Nationalgefühl aller Bad Kösener Bürger und ersuchen um gütige Unterstützung.“

 

  1. Nov. Bekanntmachung der Polizeiverwaltung (NZ)

„Der Invalide Karl Grundschöttel hierselbst Naumburger Str. 2 ist von der Liste der Trunkenbolde gestrichen worden. Die Maßnahmen gegen denselben an die hiesigen Wirte, Flaschenbier- und Branntweinhändler werden hiermit aufgehoben.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 72, NZ).

Bei der Prüfung des Krankenhausprojektes des Baurates Schmidt hatte das Regierungspräsidium etliche Nachbesserungen insbesondere bei der Desinfektion, der Isolierstation und der Abwasserreinigung gefordert, und damit wuchsen die Kosten auf rund 80.000 Mark.  Da nur die Hälfte zur Verfügung stand und wegen der Mehrkosten des Kurmittelhauses der Beleihungsrahmen erschöpft war, wurde die Ausführung um ein Jahr verschoben.

 

  1. Dez. Verfügung des Reg.-Präsidiums zum Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72).

Die Oberbehörde erklärte, dass ein Krankenhaus von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Bades und im Kampf gegen Seuchen unabdingbar sei. Angeordnet wurde, dass  die Stadt binnen 4 Wochen  einen entsprechenden Beschluss fasst oder geeignete Maßnahmen zur  Erfüllung einer Reichsanordnung zur Verhinderung von Seuchen unabhängig vom Bau des Krankenhauses trifft.

 

  1. Dez. Todestag der Ehrenstiftsdame Adelheid Gräfin v. Alvensleben (NZ)

Sie wurde 81 Jahre alt und stammte aus einem alten Adelsgeschlecht aus der Magdeburger Börde. Ihr Vater war der Oberhofmeister Friedrich Wilhelm III. August Graf von Alvensleben-Isenschnibbe auf Erxleben, ihr Mutter eine geborene Gräfin von Osten-Sacken.

 

              Bauerlaubnis für vier Villen in der Berbigstraße.

Das waren die Nr. 20 (Walter), Nr. 16 (Bürgermeister  Kretzschmar), Nr. 5 (Kirchner) und Nr. 4 (Bucke).

 

1912

              Pachtvertrag über die Burg Saaleck (Stein-Saaleck).

Der Rittergutsbesitzer von Stendorf Freiherr v. Feilitzsch verpachtete die völlig vernachlässigte und ruinöse Anlage an Dr. Hans-Wilhelm Stein einem „national-konservativen“bzw.  „völkischen“ Dichter aus Niedersachsen auf Lebenszeit. Stein-Saaleck verfasste Romane und lyrische Dichtungen  die zumeist im Mittelalter spielten, u. a. „Markgraf Ekkehard“. 

Ihm ist es aber zu verdanken, dass der Verfall der Burg aufgehalten wurde. Nach ersten Sicherungsarbeiten, wurden die Türme mit Zwischendecken und Treppen versehen, wo er seine Wohnung einrichtete. Bei der Beräumung des Burghofes kam auch der Burgbrunnen zum Vorschein, wurde beräumt und neu gefaßt, auch die Schildmauern wurden erneuert. Die fachliche Betreuung hatte dabei der Saalecker Architekt August Pfisterer und der Oberkonservator der Provinz Prof.  Giesau aus Halle. 

 

  1. Jan. Offizielle Einweihung Kurmittelhauses (NZ).

Der Empfang des Magistrats für die Honoratioren fand in dem behaglich eingerichteten Lesesaal statt.

 

  1. Feb. Prozess vor dem Landgericht Rudolstadt (NZ).

Das Überlandwerk Camburg war liquidiert wurden und nun im Besitz einer Genossenschaft übernommen. Daraufhin kündigte der Magistrat den ungeliebten Stromliefervertrag, in der Absicht, einige Klauseln des Vertrages die sich als nachteilig für die Stadt erwiesen hatten, nachzubessern. In erster Instanz verlor die Stadt, ging in Berufung und bekam dann vor dem OLG Jena Recht.

 

  1. Feb. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 456)

Der Antrag des Magistrats, eine Anleihe von 85.000 Mark aufzunehmen, die das  Kurmittelhaus mehr gekostet hatte wurde abgelehnt und eine Prüfung aller Kosten von einem vereidigten Gutachter gefordert.

 

  1. Feb. Sitzung der Gesundheitskommission (BLK-A. Nr. 72)

Nach einer erneuten Mahnung des Reg.-Präsidium, hatte die Stadt einen abgespeckten Bauplan für den Neubau vom Maurermeister Reichenbach anfertigen lassen. Der wies Baukosten von   rund 54.000 Mark aus, die immer noch weit über den zur Verfügung stehenden Stiftungskapitalien lagen. Dennoch empfahl die Kommission (Kretschmar, Direktor Kersten, Dr. Risse, Dr. Wagner, Dr. Schütze, Bäckermeister Seiffert) den Bau nach dem Reichenbachschen Entwurf zu beginnen und Kersten versprach, den Personenaufzug zu stiften. 

 

  1. Feb. Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne des DRK (NZ 1937).

Ehrenvorsitzender war der Generalleutnant a. D.  Stieler v. Heydekampf, 2. Vorsitzender Dr. Löffler, der die Ausbildung der Kolonne übernahm, die für den Katastrophenfall (Hochwasser, Eisenbahnunglück) vorgesehen war.

 

  1. Feb. Schließung des Restaurants „Zur Rudelsburg“, Rudelsburgpromenade 9 (NZ, St.-A. 218).

Der Pächterin wurde  die Konzession entzogen, weil sie im Verdacht der   „Animierbedienung“ und Kuppelei stand. Einem Nachfolger wurde von der  Polizeiverwaltung mitgeteilt, dass es genügend Lokalitäten gab, die den Bedarf abdecken könnten. Dahinter steckte der Bürgermeister, ein bekennender Antialkoholiker, der in seinem Eifer immer wieder mit  den Gastwirten und dem Brauereibesitzer Rutschmann aneinander geriet. 

 

  1. Mär. Verzicht des Fiskus auf die Solequellen (MER C 48Ii Nr. 776 IX).

Gegenüber der Bergbehörde verzichtete der Staat auf sein Bergrecht zugunsten der Stadt, die  sich verpflichtete, die Sole ausschließlich für Kur- und Badezwecken zu fördern und weder  Speise- Vieh- oder Düngesalz selbst herzustellen oder es Dritten zu gestatten.

 

  1. Mär. Bildung eines Ortsausschusses zur Jugendpflege (NZ).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, KÖZ).

Beschlossen wurde eine Anleihe von 30.000 Mark für die Erweiterung des städtischen E-Werkes, um den möglichen Ausfall der Überlandversorgung zumindest teilweise zu kompensieren. Beschlossen wurde auch der Abbruch der Inhalationshalle und der Wiederaufbau auf der Fränkenauer Wiese, falls die Landesschule das Grundstück für 125 Mark/Jahr verpachten würde.

 

     Mär. Auftrag zum Bau des Schlosses des preuß. Kronprinzen (KÖZ).

Für den Neubau der Residenz des Thronfolgers in Potsdam wurde der Entwurf von Schultze-Naumburg ausgewählt und dieser mit der Leitung des Vorhabens betraut. Die Fertigstellung erfolgte 1916/1917. Nach dem 1. WK und dem Ende des Kaiserreiches erhielt das Palais den Namen „Schloss Cäcilienhof“, der Ort des Postdamer Abkommens.

 

      Mär. Die Saalecker Baugesellschaft kauft die „Russenvilla“.

In dem dazu gehörenden  Garten sollte ein 600 Personen fassender Festsaal errichtet werden, nachdem der KSCV wegen fehlender Kapazitäten und Differenzen mit dem Besitzer des „Mutigen Ritters“ erstmals seit 50 Jahren den Kommers in der Naumburger „Reichskrone“ abhielt. Daneben hatte auch der Pächter des  „Kurgartens“ Interesse angemeldet, allerdings fehlten ihm die dazu erforderlichen Mittel. Der KSCV signalisierte sein Einverständnis bei beiden Unternehmen und stellte auch eine finanzielle Beteiligung in Aussicht, um sich den Bau eines eigenen Festsaales zu ersparen.

 

  1. Apr. Dienstantritt einer neuen Stadtbezirkshebamme (NKB).

Nach 50 Dienstjahren ging die 82 jährige Hebamme Rosalie Wächter in den Ruhestand.

 

  1. Apr. 50-jähriges Firmenjubiläum des Holzhändlers Gustav Krüger (KAZ).

1837 gründete sein Vater die Firma, die er 1862 übernahm.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde die Abtretung der Leichenhalle an die Kirchengemeinde unter der Bedingung, dass diese allen Einwohnern ohne Unterschied des Glaubens zur Verfügung steht.

 

  1. Mai Schreiben des Bürgermeisters an den Reg.-Präsidenten (BLK-A. Nr. 72).

Nach wiederholter Mahnung erklärte Kretschmar, dass die Stadtverordneten wegen fehlender Mittel und in Anbetracht der übrigen Verbindlichkeiten keinen Beschluss für eine Anleihen zum Krankenhausbau fassen werden. Was er nicht erwähnte, die Mehrheit der Stadtverordneten hielt ein städtisches Krankenhaus für überflüssig, zumal auch in größeren Städten wie z. B. Naumburg keins hatte. Außerdem würden doch nur die ärmere Bevölkerung behandelt und die laufenden Unterhaltkosten würden der Gemeinde zur Last fallen. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Nachdem das Regierungspräsidium eine unaufschiebbare Frist von drei Wochen gesetzt hatte, brachte der Magistrat die Vorlage ein, für den Fehlbetrag von 14.000 Mark eine Anleihe aufzunehmen. Der Antrag wurde abgelehnt und der Magistrat vom Vorsteher Gibhardt und dessen Beisitzern Troll, Eckleben und Moeller beauftragt, doch noch einen Aufschub zu erwirken.  Das wurde vom Magistrat (Weber, Siebold) beanstandet und Bürgermeister Kretschmar wandte sich an den Bezirksausschuss, damit dieser unter Ausschaltung der Stadtverordnetenversammlung den  entsprechenden Beschluss fasst. Doch der lehnte eine Ersatzvornahme ab. 

 

  1. Juni Vertrauliche Mitteilung des Bürgermeisters zur Mattes`schen Fabrik (BLK-A. Nr. 591)

Die Friedrich Matthes Erben GmbH hatte der Stadt die Fabrik zum Kauf angeboten, um eine Zwangsversteigerung zu vermeiden. Für den Bürgermeister war das Angebot akzeptabel, denn neben der Miete der genossenschaftlichen Brotfabrik (1700 Mark/Jahr), hätte die Stadt weitere Vorteile. Auf dem Grundstück befand sich ein ergiebiger Trinkwasserbrunnen, der als Reserve für den städtischen Brunnen dienen könnte. Im Gebäude wäre Platz, um die Pumpen frostfrei unterzubringen und die Armaturen und Materialien einzulagern, was einen Neubau am Wasserwerk  erübrigte. Außerdem wäre genügend Platz für den Bauhof, Schuppen für den Spreng- und Fäkalienwagen und  die Salzsiederei. Auch die Einrichtung einer städtischen Schlachterei wäre hier möglich, da die gesamte Betriebsausstattung der Wurstfabrik vorhanden war. Auf dem Grundstück lastete eine Hypothekenschuld von 38.000 Mark, der Kaufpreis würde 85.000 Mark betragen. Was der Bürgermeister nicht wusste, Direktor Paul Kersten hatte 1910 mit der Erbengemeinschaft einen Kaufvertrag abgeschlossen, war aber dann zurückgetreten, weil für die Löschung dinglicher Altlasten niemand mehr zuständig war. Diese wurden 1834 beim Verkauf des Gasthofes zugunsten des Salinenfiskus grundbuchlich eingetragen und bei der Auflösung der Saline vergessen zu löschen. Dazu gehörte auch das Feld am Jackenberg, dass der Gastwirt Weber den Gebr. Matthes verkauft hatte. 

 

  1. Juni Schreiben der Baugesellschaft an den Magistrat (BLK-A. Nr. 511)

Das für die Gartenstadt östlich vom Friedhof erworbenen Gelände gehörte zum Gutsbezirk Pforte und die hier geltende   Baupolizei-Vorschrift unterschied sich in wesentlichen Punkten von der städtischen Polizeiordnung von 1895. Das betraf auch den Ausbau von Straßen und Fußwegen.  Da nach der Fertigstellung die Stadt die öffentlichen Flächen übernehmen und darüber hinaus auch die Ver- und Entsorgungsanlagen herstellen sollte, verlangte die Stadt, dass die Vorschriften der städtischen Baupolizei einzuhalten sind.  Doch die hatten einen höheren Standard und waren demzufolge auch teurer. Das wollte die Baugesellschaft nicht übernehmen und verlangte von der Stadt die Mehrkosten. Da lehnte der Magistrat mit Hinweis auf leere Kassen ab. Nun bot der Bauträger der Stadt die unentgeltliche Überlassung der nach den Bauvorschriften des Gutsbezirks geplanten Straßen an, unter der  Maßgabe, dass die Stadt sofort die Unterhaltung übernimmt und erst nach 5 Jahren  der Baugesellschaft die Mehrkosten erstattet, die für erdverlegte Elektroleitungen und für Straßenlampen anfielen.  

 

  1. Juni Kuraufenthalt Max Perlbachs mit Familie (Hollbachsches Fremdenbuch)

Perlbach (1848-1921) war Direktor der Kgl. Bibliothek Berlin.

 

     Juli   Umfirmierung des Borlachbades.

Die ärztliche Leitung der „Sanatorium Borlachbad Bad Kösen GmbH“ übernahm Dr. Risse.

 

  1. Aug. Aufhebung des staatlichen Eigentums an den Solequellen (MER C 48Ii.Nr. 776 IX).

Das Bergeigentum und die Gewinnungsrechte auf einer Fläche von 220 Hektar verbunden mit der Schutzgebietserklärung wurden der Stadtgemeinde übertragen, doch die Beyschlagquelle konnte nicht genutzt werden. Der Hufelandsprudel deckte den Bedarf des Kurmittelhauses. Auf der Wiese davor wurde ein Sockel mit einem dekorativen gläsernen Sprudelbehälter errichtet.

 

  1. Aug. Einrichtung einer Auskunftsstelle in Berlin (KÖZ, Röblitz, Heimatbuch).

Die Badedirektion hatte in der Friedrichstraße 64 für vier Wochen ein Ladengeschäft angemietet und eine Werbe- und Sonderschau eingerichtet. Zur Beseztzung war der Stadtsekretär Röblitz abgeordnet worden.

 

  1. Aug. Verkauf der Brücknerschen Brauerei in der Loreleypromenade (KÖZ).

Neuer Eigentümer war der Fleischer Greschk, der nun  die Gastwirtschaft „Zum Wehrdamm“ einrichtete.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, MER C 50 Nbg. A 248)

Die Landesschule hatte die Verpachtung der Fränkenauer Wiese für die Inhalationshalle abgelehnt, woruaf man den Kauf der nicht bebauten Wiese von 6.300 m² für 4 Mark/m²  beschlosse unter der Maßgabe, dass es keine baulichen Beschränkungen gibt und die Wiese umgehend eingemeindet wird. Dazu sollte eine Anleihe, inklusive von 1700 Mark für die Kanalisierung der kleinen Promenade aufgenommen werden. 

Außerdem wurde die Genehmigung des Bezirksausschusses zur Eingemeindung der von der Baugesellschaft erworbenen und teilweise bebauten Grundstücke der Gartenstadt sowie der Berbigstraße bekannt gegeben.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Im vertraulichen Teil wurden dem Magistrat 4.000 Mark für „wissenschaftliche Arbeiten“,4.000 Mark für Propaganda und 3.000 Mark für Prospekte ohne gesonderten Nachweis bewilligt, dafür aber drei Vertrauensmänner ernannt. Die Mittel waren auch für die Mitgliedschaft in der  Zentralstelle für Balneologie und die Bildung einer Kommission zur Hebung und Nutzbarmachung der Beyschlagquelle gedacht. Um die Verschuldung der Stadt wegen der zur  Verbesserung der Infrastruktur aufgenomnen Anleihen auszugleichen, mussten mehr Gäst aquiriert werden. Daher wurde Geld in die Werbung gesteckt.

 

  1. Sep. Großbrand im Kurhaus „Mutiger Ritter“. (KÖZ).

Das Feuer richtete an den Wirtschaftsgebäuden, Stallungen und der Scheune hohen Schaden  an. Nur durch die Hilfe auswärtiger Feuerwehren und einer Kompanie der Magdeburger Jäger konnte ein Übergreifen des Feuers auf die Schäferei verhindert werden. Die Versicherungsanstalt setzte eine Belohnung aus.

 

  1. Sep. Schreiben der Baugesellschaft an den Magistrat (BLK-A. Nr. 511)

Auf die Beschwerde des Magistrat, dass  die Fußwege in der Gartenstadt nicht gepflastert wären, wie in der städtischen Polizeiordnung von 1895 vorgeschrieben, wurde geantwortet, dass in einer „Gartenstadt“ wegen des geringen Verkehrs keine Notwendigkeit für gepflasterte Fußwege besteht. 

 

  1. Sep. Anordnung des Reg.-Präsidiums zur Einrichtung von Isolierräumen (BLK-A. Nr. 72)

In Verfolg des Gesetzes zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten sollte die Stadt unter Hinzuziehung des Kreisarztes binnen 3 Wochen melden, in welcher Form sie dem nachkommt und welche Kosten dabei entstünden. Andernfalls wurde hier Ersatzvornahme angedroht.

 

  1. Okt. Hauptverhandlung im Klageverfahren Fr. Wolf gegen P. Kersten (St.-A.).

Der Buchbinder hatte Kersten wegen Beleidigung verklagt. Als Zeugen wurden Brauereidirektor Rutschmann, Amtsrat Kitzing, Stadtverordnetenvorsteher Krüger und Malermeister Zippließ vom Kgl. Amtsgericht in Naumburg vorgeladen. Kersten hatte öffentlich geäußert: „der (Wolf) hat mir lange genug auf der Tasche gelegen, wenn ich ihm einen blauen Lappen zeigte, so wollte er manchmal nicht so stimmen, wie ich wollte, aber dann zeigte ich ihm einen brauen Lappen und da tat er es.“ Kersten gab unumwunden zu, dass Wolf die Zementfabrik belieferte und er selbst seinen Privatbedarf bei ihm bezogen habe. Dabei wären innerhalb von 20 Jahren 20.000 Mark zusammengekommen. Letztendlich gingen die Parteien doch auf einen Vergleichsvorschlag des Gerichts ein.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Diesmal wurde die Aufnahme einer Anleihe für die Mehrkosten des Kurmittelhauses bewilligt. Zunächst sollten alle noch offenen Rechnungen insbesondere die der ortsansässigen Firmen bezahlt werden, zur Zwischenfinazierung sollten Fonds und Stiftungen beleihen werden. 

 

  1. Okt. Sondersitzung der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 72)

Um einer drohenden Ersatzvornahme zu entgehen, sollten die Stiftungen und Fonds für den Krankenhausbau in Höhe von 40.000 Mark als 1. Rate freigegeben werden. Der Beschluss und der Reichenbachsche Plan wurden dem Reg.-Präsidium zur Genehmigung zugeleitet..

 

  1. Okt. Eigentümerwechsel beim „Deutschen Haus“ (KÖZ).

Das ehemals dem Bürgermeister Richter gehörende Anwesen kaufte der Wirt der „Katze“ O. Drese, dem auch das Verkaufshäuschen stand. Dawischen plante er einen Speisesaal und an der Saale ein „Strandlokal“, was aber erst nach dem Krieg realisiert wurde.

 

  1. Okt. Einweihung der Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Die Einrichtung war innerhalb von 8 Monaten von der Firma Kotte errichtet worden (07. Febr. Abbruch des Armenhauses, 03. Mai Richtfest, Sept. Bauabnahme) und nahm 50 Kinder auf. Außerdem kam hier auch die  Stadthebamme unter.

Bereits kurz nach der Eröffnung sorgte die Aufnahme  von Kindern aus bemittelten Familien für Entrüstung, weil das dem Willen der Stifterin entgegenlief.

 

  1. Nov. Quellenschutz für den Viktoria-(Hufeland)-Sprudel (A. Giessler 1954).

Dem  Beschluss des Reg.-Präsidenten lag das  Gutachten von Prof. Beyschlag zu Grunde.

 

  1. Nov. Kerstens Flugblatt „An die Kösener Bürgerschaft“ (St.-A.).

Wegen seiner Kandiatur zum Stadtverordneten der III. Abteilung sah sich  Kersten heftiger Angriffe des Buchdruckers Heyner ausgesetzt, den Kersten wiederum als Moralprediger, Sittenrichter und Menschenerzieher bezeichneteWenige Tage vorher hatte Kersten eine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der ihm die Personen des Geheimbundes mitteilen würde, die mit der Verdrehung von Tatsachen und böswilligen Unterstellungen seine Wiederwahl hintertrieben hätte. Heyner hatte kurz zuvor die Zulassung des Kösener Anzeigers als Amtsblatt verloren weil dieses nur noch 80 Abonnenten hatte. Damit fehlte ihm der bisherige Zuschuss. Kersten mutmaßte nun, dass dies der Grund für die Intrigen Heyners gegen ihn sei. 

 

  1. Dez. Stellungnahme des Magistrats zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Das Reg.-Präsidium hatte den Reichenbachschen Plan abgelehnt, da er eine wesentliche Verschlechterung gegenüber dem des Baurates Schmidt darstellte. Dem widersprach der Magistrat mit dem Hinweis, dass die Stadtverordnetenversammlung keiner weiteren Änderungen oder Neuplanung zustimmen würden. 

 

      Dez. Jahresbericht der Badedirektion (KÖZ).

Im laufenden Jahr waren 4.342 Kurgäste und 212 Kinder anwesend, 18.899 Solbäder und 22.277 Inhalationen wurden abgegeben. Dazu 13.600 Soleflaschen verkauft. Die 6 öffentlichen Warmbadeanstalten hatten 78 Wannen, die Kinderheilstätte 16.  5.874 Passanten aus dem Reich wurden gezählt, sowie einige Ausländer.

 

             Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 17, Bauherr Braun (St.-Ar.).

 

             Bau der Kerstenschen Villa an der Bergstraße (125 Jahre Kalkwerk, 2005).

Die Villa war für  Kerstens Sohn  Felix (geb. 1886) bestimmt.

 

1913

 

  1. Jan. Anweisung des Reg.-Präsidiums (BLK-A. Nr. 72).

Die Behörde bestand auf die Ausführung des 1911 vorgelegten Projektes einschließlich der beauflagten Änderungen und Zusätze.

 

  1. Feb. Anordnung des Magistrats zur Einleitung von Schmutz- und Fäkalienwasser (KÖZ).

Bislang lehnten die Stadtverordneten die Beschlüsse zum Weiterbau der öffentlichen Kanalisation, die Anlage von funktionierenden Hauskläranlagen und der Anschaffung eines Fäkalabsaugwagens mit Hinweis auf fehlenden Mittel ab. Nun setzte der magustrat einen Erlass des regierungspräsidenten per Anordnung um.

 

  1. Feb. Verhandlung mit der Baugesellschaft (BLK-A. Nr. 511)

Da man sich nicht auf die Rahmenbedingungen bei der Übernahme der Verkehrsflächen bei der Umgemeindung der Gartenstadt einigen konnte und die Königliche Landesschule dem Magistrat mitgeteilt hatte, dass die Baupolizeiordnung für den Gutsbezirk weder die Pflasterung der Fußwege noch Baufluchten vorsieht, wäre die Baugesellschaft dazu nicht verpflichtet. Wenn man auf die Ausführung nach der städtischen Bauordnung besteht, müsse man man dem Bauträger die Mehrkosten erstatten. Daher wurde vorgeschlagen: 1. Straßen und Plätze kommen unentgeltlich an die Stadt, 2. die Unterhaltung der Straßen in den ersten 5 Jahren übernimmt die Baugesellschaft, 3. dann tritt die  Stadt ein, 4. die Erdverkabelung übernimmt die Stadt unentgeltlich 5. anstelle von Mosaikpflaster für die Gehwege kommte Teer-Makadam zur Ausführung. Da Letzteres eine gestalterische Angelegenheut war, musste der Architekt und im übrigen die  Gesellschafterversammlung  zustimmen.     

 

  1. Mär. Anweisung des Reg.-Präsidenten zur Lehrerbesoldung (MER C 48 IIb 20128 II)

Der Hauptlehrer Mönnigheim erhielt ab 1. 4. 1908 eine Amtszulage von 700 Mark. Diese wurde 1912 um 500 Mark reduziert, weil der Ortspfarrer als Schul-Inspektor ihm gegenüber noch weisungberechtigt sei. Die bislang zuviel gezahlte Amtszulage sollte er zurückzahlen. Daraufhin beschwerte sich Mönnigheim bei der Kgl. Regierung und bekam Recht. Die Stadt musste die Amtszulage in voller Höhe zahlen und weil das nicht erfolgte, verklagte Mönnigheim die Stadt beim  Landgericht. Im Dezember 1914 wurde die Stadt zur Zahlung einschl. Zinsen verurteilt, worauf eine Berufungsklage beim OLG Naumburg folgte. Letztendlich zog die Stadt diese  zurück und erkannte das LG Urteil an. Mönnigheim hatte inzwischen die Schule verlassen.

 

  1. Mär. Fackelzug zum Auftakt des „Vaterländischen Jahres“ (KÖZ).

Damit begannen zahlreiche Veranstaltungen und Ehrungen anlässlich des 100. Jahrestages der preußischen Erhebung und der Völkerschlacht.

 

  1. Mär. Kersten protestiert wegen der kleinen Promenade (BLK-A. Nr. 591).

Kersten, im Januar zum Stadtverordneten gewählt, blieb der obligatorischen Einführung ohne  Entschuldigung fern, weil es Kritik an der Rechtmäßigkeit der Wahl und Differenzen mit dem Magistrat gab. Grund waren die geplatzen Verhandlungen mit der Landeschule über den Ankauf der Fränkenauer Wiese. Hier sollten Villen gebaut werden. Die Verhandlungen führte der Maurermeister Burkhardt, hinter dem Kersten stand. Neben den Bauplätzen sollte auch eine Parzelle als Übungsplatz für den Turnverein, das Sanitätskorps, der Feuerwehr, der Jugendpflege und den Pfadfindern genutzt werden. Als aber der Magistrat Kaufinteresse bekundete, stellte die Landesschule die kaufverhandlungen mit Burkhardt ein, was wiederum brachte Kersten in Rage, der sich von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hintergangen.  

 

  1. Apr. Der Gasthof „Zur Börse“ an der Eckartsbergaer Straße wird geschlossen (KÖZ).

Das Anwesen hatte der Bäcker Hämmerling 1827 nach Fertigstellung der Chaussee gebaut und seinen Ausschank hierher verlegt. 1847 kaufte es Teichgräber, der es 1850 dem Gastwirt Winter verkaufte.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Weil es bei den Differenzen zwischen dem Magistrat und Kersten wegen der Fränkenauer Wiese  zunehmend um Vorteilsnahmen ging, beschloss man, dass jeder Stadtverordnete berechtigt ist, die  Akten einzusehen und von seiner Schweigepflicht entbunden wird „damit die Bürgerschaft den wahren Sachverhalt der Angelegenheit erfährt.“

 

  1. Apr. Erstes Kurkonzert der Saison (KÖZ).

Nachfolger Hohensteins, der zum Philharmonischen Orchester Braunschweig wechselte, war  Kapellmeister Hans Walter. Das Grundhonorar für ihn und seine 25 Musiker  betrug  4.000 Mark, die von der Badekasse bereitgestellt wurden. aus der Badekasse.

 

  1. Apr. Schreiben des Reg.-Präsidiums zum Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Die Behörde genehmigte wegen der präkären städtischen Finanzen das Reichenbachsche Projekt, unter der Maßgabe, dass einige Ergänzungen (Desinfektionapparate, Isolierstation für Tobsüchtige, Leichenkammer, Sezierraum) und die Genehmigung der Provinzial-Baupolizeiverordnung binnen 4 Wochen nachzureichen sind.

 

  1. Apr. Enthüllung einer Gedenktafel am Wohnhaus der Ferdinande von Schmettau (KÖZ).

Am Geburtstag der für ihre vaterländisches Opfer bekannt gewordenen Ferdinande und im gedenken an die Völkerschlacht stiftete  der Besitzer des Hauses (Saalstr. 16) Genth die Tafel.

 

  1. Mai Die Zeitung meldet die Übersiedlung von Käthe Kruse (NTB).

Die aus Breslau stammende Käthe Kruse (1883 bis 1968), verheiratet mit dem wesentlich älteren  namhaften Berliner Bildhauer Prof. Max Kruse (1854 bis 1942)  hatte 1905 begonnen, für ihre Kinder Spielzeugpuppen herzustellen, da ihr die handelsüblichen Puppen zu wenig kindgerecht erschienen und ihr Ehemann meinte „macht doch eure Puppen selber“. 1910 stellte sie erstmals ihre Arbeiten im Warenhaus Tietz in Berlin aus. 1911 kam der erste Auftrag von Übersee, das amerikanische Warenhaus FAO Schwarz orderte zunächst 150 Puppen, kurz danach weitere 500. 1912 kam sie mit ihrer Tochter unter Bronchitis leidenden Tochter hierher und mietet eine Etage  der Friedrichstraße 12. Da die Wohnung genügend Platz bot, richtet sie hier eine Werksatt ein und holte die übrigen Kinder hierher und bagann dann mit den Aufbau der Puppenmanufaktur.

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit der Pension Ohm (St.-A. Nr. 242)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Abgelehnt wurde der Antrag des Magistrats, die Querstraße in Schmettaustraße umzubenennen. Dagegen protestierten die Patrioten und weil das Einverständnis aller Hauseigentümer vorlag, wurde der Beschluss aufgehoben. Die Querstraße wurde zur Schmettaustraße. Abgelehnt wurde die Reparatur des Fliesenbelages der Terrasse des Kurmittelhauses und eine Überprüfung der Heizungsanlage. Zurückgestellt wurde die Wältigung der Beyschlagquelle, genehmigt die Berufungsklage vor dem OLG Jena gegen das Überlandwerk Camburg GmbH i. L. 

 

  1. Jun. Zimmermeister K. Kotte kauft das Anwesen Rudelsburgpromenade 18 (KÖZ).

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beraten wurde der Ankauf der insolventen Wurstfabrik von den Matthes`schen Erben.  Zunächst sollte die Frage der 1834 dem Salinenfiskus gewährten Grunddienstbarkeit geklärt werden, die  Kersten vom Kauf abgehalten hatte und geprüft werden, ob sich Konditionen des Halleschen Bankvereins als Hauptgläubiger geändert hätten. 

 

  1. Aug. Hebbelfeier auf der Rudelsburg (KÖZ).

Zum Gedenken an den Dichter der Befreiungskriege wurde das Drama „Agnes Bernauer“ auf der Freilichtbühne der Rudelsburg durch das Kösener Kurtheater unter Leitung W. Mittermeier aufgeführt.

 

  1. Aug. Dr. med. Löffler wird zum „Geheimen Sanitätsrat“ ernannt (KÖZ 1938).

Die Ernennung erfolgte anlässlich des 25jährigen Bestehens der Kinderheilstätte.

 

  1. Aug. Anhaltinerfest (KÖZ).

Rund 5.000 Anhaltiner aus Dessau, Köthen und Umgebung trafen per Zug ein. Dies übertraf sogar den diesjährigen Pfingstansturm.

 

  1. Aug. Genehmigung des Reg.-Präsidiums für das Krankenhaus (BLK-A. Nr. 72)

Gleichzeitig wurde die Polizeiverwaltung ermächtigt, nach positiver Prüfung die Bauerlaubnis zu erteilen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, KÖZ).

Weil Paul Kersten seit seiner Wahl den Stadtverordnetenversammlungen fern geblieben war, wurde ihm für die Dauer seiner sechsjährigen Amtszeit die Ausübung der Bürgerrechte aberkannt. Wegen der zu erwartenden Klage Kerstens stimmte der Magistrat diesem Beschluss nicht zu.

 

  1. Sep. Beschwerde des Bürgermeisters beim der Kgl. Regierung (MER C48 II b Nr 2028 II)

Die Stadtverordneten hatte zur Einsparung die Stelle des Schulkastellans gestrichen. Der Widerspruch des Magistrats  und der Antrag auf Zwangsetatisierung der Personalkosten hatte der Landrat abgelehnt. Daher sei eine ordnungsgemäße Betreuung der Schule, insbesondere die Beheizung nicht mehr gewährleistet.

 

      Sep. 8. Rudelsburgfest der Alten Herren des Rüdesheimer Verbandes Dt. Burschenschaften.

 

  1. Sep. Auswahl des Generalübernehmers für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72).

Der Frankfurter Architekt Voggenberger, Spezialist für Krankenhausbauten sollte für die  Ausführungsplanung, Ausschreibung und örtliche Bauüberwachung gewonnen werden..

 

  1. Sep. Übertragung der Straßen der Gartenstadt (BLK-A. Nr. 511)

Die Gesellschafter bestätigten die mit der Stadt ausgehandelten Vereinbarungen zur Übernahme der ausgebauten Verkehrsfächen. Nach dem Kreistag genehmigte der Bezirksausschuss am 9. Januar 1914 die Umgemeindung.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Abgelehnt wurde die Kostenübernahme für den Einsatz von Militär aus Naumburg, dass der Bürgermeister übereifrig zur Brandbekämpfung am „Mutigen Ritters“ angefordert hatte. Außerdem wurde der Magistrat aufgefordert, die Vorgänge bei der Konzessionierung der Zementfabrik offenzulegen.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Aufgehoben wurde die bisherige Personalunion von Bürgermeister und Badedirektor. Zukünftig sollte vom April bis September ein Kurdirektor für die Leitung des Bades mit einem Gehalt von bis zu 1000 Mark beingestellt werden..

 

  1. Okt. 100-Jahrfeier der Völkerschlacht (Röblitz 1930).

Am Gradierwerk wurde ein Porphyrfindling mit einer Gedenktafel für F. v. Schmettau eingeweiht und das neue Straßenschild an der Querstraße angebracht (St.-A. Nr. 464). Anschließend fand ein Festkommers statt, den die Liedertafel, das Männerquartett und die Kurkapelle musikalisch umrahmten. Die Festansprache hielt Dr. Schütze. Bürgermeister F. Kretschmar veröffentlichte die Broschüre „Das Gefecht bei Kösen am 21. Oktober 1813“, eine detaillierte Schilderung der Ereignisse an der Kösener Brücke beim napoleonischen Rückzug (2. Auflage 1926, Repro 2013)

 

  1. Nov. Verkauf der Brücknerschen Mälzerei in der Loreleypromenade (KÖZ).

Nachdem das Brauhais den besitzer gewechslet hatte, kaufte der Pensionär Spazier die Malzdarre, ließ sie abbrechen und baute ein Wohnhaus (Loreleypromenade 3a). Noch im  gleichen Jahr erwarb Spazier einen aufgelassenen Weinberg am Nikolausberg und baute hier ebenfalls ein Wohnhaus (Eckartsbergaer Straße 13), dass er 1917 dem Landwirt Schlottermüller weiterverkaufte.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Dies befasste sich mit der Kinderbewahranstalt, nachdem in einem Zeitungsartikel verschiedene Mißstände angeprangert wurden, der  „eine Irreführung der öffentlichen Meinung darstellt und geeignet ist, das Bad zu schädigen“. Dabei ging es um die Aufnahme von Kindern begüterter Einwohner und Kurgäste und die Weigerung Kinder aus ärmeren Schichten aufzunehmen, was nicht im Sinne der Stifterin war. Nicht musste die Stadtkasse zuschießen, weil die laufende Unterhaltung nicht mehr aus der Stiftung gedeckt war. Der Magistrat wurde aufgefordert, den Verfasser des Artikels zu ermitteln, die Stiftungsurkunde und das Statut, Bauverträge und Kostenrechnungen, den Vermögensnachweis der Stiftung sowie eine Liste der Kinder und den Stand der Eltern vorzulegen. Im vertraulichen Teil wurden 3.000 Mark für Werbeprospekte  beschlossen, die Mittel  für Propaganda aber abgelehnt „da durch die Pflege des Ortes eine bessere Reklame ausgeübt wird“. Beschlossen wurde außerdem die Einrichtung einer öffentlichen Fernsprechzelle im Kurmittelhaus und die Korrekturen des Antrags zum Ankauf aller  Nießbrauchgrundstücke von der Landesschule.              

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde, die von Kersten eingereichte Klage wegen der Aberkennung der Bürgerrechte anzunehmen und den Stadtverordnetenvorsteher Gibhardt als städtischen Vertreter das Verfahren zu übertragen.

 

  1. Dez. Die Ortskrankenkasse wird geschlossen (KÖZ).

Die Kasse wurde mit  AOK des Landkreises zusammengelegt. 

 

  1. Dez. Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen für den Krankenhausbau (BLK-A. Nr. 72)

Nachdem Voggenburg eine Übernahme des projektes signalisierte, teilte ihm die  Stadt die Eckdaten mit. Für den Bau waren rund 40.000 Mark aus den verschiedenen Stiftungen (Senff: 6.349 Mark, Berbig: 5.405, Heun: 1.369, Kumbruch: 3.254, Krankenhausfond 20.765 Mark) und sofort verfügbar, weitere 20.000 Mark würden noch bereitgestellt. Das müsste für 12 Betten reichen, denn amtlicherseits wurden für kleine Krankenhäuser 4.000 Mark/Bett zuzüglich der Kosten für Mobiliar, Wäsche, Desinfektionsapparaten, Einfriedung, Wege, Asche- und Klärgrube sowie die Erstbepflanzung, insgesamt 54.000 Mark für die schlüsselfertigen Herstellung zuzüglich das Architekten-Generalübernehmerhonorar von 6.000 Mark.  Für den Architekten sollte es ein Reverenzobjekt sein, weil Kösen von in- und ausländischen Ärzten, darunter besonders vielen Russen  besucht würde.

 

               Käthe Kruse erhält einen Grand Prix auf der Weltausstellung im belgischen Gent.

 

1914

 

  1. Jan. Urteil im Verwaltungsgerichtsverfahren Mönnigheim (MER C48 II b 2028 II)

Die von der Kgl. Regierung angewiesene Nach- und Weiterzahlung der Amtszulage für den Hauptlehrer Mönnigheim wurd als Eingriff in die städtische Selbstverwaltung betrachtet und daraufhin verklagte die Stadt die Kgl. Regierung. Doch das Urteil war verheerend in der Sache selbst wurde zwar die Zwangsetatisierung aufgehoben, die Klage jedoch kostenpflichtig für den Kläger abgewiesen. Die Stadt musste 12.625 Mark zahlen.

 

  1. Feb. Auseinandersetzungsvertrag mit der Landesschule Pforte (KÖZ).

Pforte überließ alle von der Stadt bisher in Laßpacht stehenden öffentlichen Verkehrsflächen innerhalb des derzeitigen Stadtbezirks (ausgenommen waren die Saaleberge und die Gartenstadt) Für die Überlassung wurde eine Pauschale von 100.000 Mark vereinbart. Beim Gutsbezirk blieb die Pachtschäferei (Stall und Scheune mit 726 Tieren), die Wohnung des Schäfers Funke, der gerade sein 50. Dienstjubiläum beging, sowie das Forsthaus. Die Eingemeindung der Schäferei sollte erst erfolgen, wenn die Stadt einen Kaufpreis bezahlt der den Neubau einer Schäferei an anderer Stelle ermöglicht. Bis dahin muss die Stadt die Nutzung dulden und sich auch verpflichten, für Schäden aufzukommen, wenn durch ortspolizeiliche Maßnahmen  diese Nutzung erschwert oder beschränkt würde, eine Vereinbarung, die der Stadt bis in die 50iger Jahre erhebliche Probleme bereitete.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung der „Wilhelmsburg“ (KÖZ).

 

  1. Mär. Einverständniserklärung des Architekten Voggenburg (BLK-A. Nr. 72).

Allerdings hielt ein Krankenhaus mit 12 Betten als unökonomisch und empfahl als Untergrenze  mindestens 20 Betten für ein ausgeglichenes Kosten-Nutzen Verhältnis. Dennoch begann er mit den ersten Planungen, die sich aber länger als erwartet hinzogen.

 

  1. Apr. Auflösung des Landkreises Naumburg.

Die Stadt Naumburg zählte inzwischen  25.000 Einwohnerund konnte inen eigenen Stadtkreis bilden. Der Rest wurde umliegenden Kreises angeschlossen,  Kösen und Umgebung kamen an den  Landkreis Weißenfels und der südliche Teil mit Eckartsberga an den Kreis Sömmerda. Einige Orte wechselten in die Kreise Camburg bzw. Zeitz.

 

  1. Apr. Geschäftsübergabe der Fa. J. G. Lehmann Nachf. an Paul Burkhard (KÖZ 1939).

Das Konfektionsgeschäft wurde in den 60iger Jahren von einer Frau Lehmann als Manufakturwarengeschäft an der Eckartsbergaer Straße gegründet. Ihr Stiefsohn G. Saalborn übernahm das  Geschäft, verlegte es in das Hertelsche Haus, Lindenstraße 1  und übergab es nun seinem Schwiegersohn, der das Geschäft  in das Nebenhaus (Nr.  2) verlegte.

 

  1. Apr. Generalversammlung der Sächsisch-Thüringischen AG zur Kalksteinverwertung (KÖZ).

Beschlossen wurde die Umbenennung in „Portland- Zementfabrik  Rudelsburg AG Bad Kösen“.

 

  1. Apr. Vertrag mit Musikdirektor Franz Platzky (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 2 bis 3 Kurkonzerte pro Woche, 14 Reunionsmusiken, 15 Hornquartetts, sonntags von Mai bis September Choralmusiken. Zu den Hauptkonzerten sollten 22 Musiker spielen. Das Honorar betrug 4.200 Mark, dazu die Tageskasse am Gradierwerk und 100 Mark für die musikalische Umrahmung beim Brunnenfest.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Genehmigt wurde der Vertrags zur Überlassung der Leichenhalle, zurückgestellt der    Bebauungsplan für den Jochenberg wegen fehlender Mittel.

 

  1. Mai Betriebsbesichtigung der Zementfabrik (KÖZ).

Den 500 Teilnehmern, die mit einem Sonderzug aus Leipzig kamen, wurde eine Sprengung vorgeführt und anschließend modernste Pressluftbohrtechnik und automatische Abfüll- und Verpackungsmaschinen für Zement sowie das Herzstück, eine 1000 PS starke Dampfmaschine, die über Transmission die Brecheranlage antrieb, besichtigt. Die Jahresleistung der Ziegelei wurde mit 5 Mio. Steinen beziffert. 

 

  1. Mai Dr. Karl Schütze wird zum Sanitätsrat ernannt (KÖZ).

Damit würdigte man seine Verdienste um die Entwicklung der balneologischer Heilverfahren  und die Propagierung der Rauminhalation.

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Pension Weißenborn, Berbigstr. 1 (St.-A. Nr. 242)

Für ein  Erwachsenenbad wurde 1,80 Mark, für Kinder 1,30 Mark festgelegt.  Die Sole für ein Bad ab Schacht kostete 50 Pfg. bzw. 35 Pfg. 

 

  1. Juni Soleliefervertrag mit Webers Ritterbad (St.-A. Nr. 242)

Der Preis pro Bad und die Sole entsprachen dem bei Weißenborn, doch das ritterbad hatte eine Soleleitung, die von Weber unterhalten wurde. Mit Weber wurde die Abgabe von Freibädern vereinbart, wofür er 60 Pfennige aus der Badekasse erhielt

 

             Baugenehmigung für die Villa des Apothekers Steuer an der Ilske (Sta.-A.).

 

  1. Juni Rudelsburgfest des Coburger L.C. (KÖZ).

500  Aktive und Alte Herren der Universitäten Jena, Halle und Leipzig nahmen daran teil.

 

  1. Juni Gruppen der Wandervogelbewegung halten die Sonnenwendfeier am Himmelreich ab. Die gerieten wegen ihrer Freizügigkeit beim Sonnenbaden in die öffentliche Kritik.

 

  1. Juli Verpachtung der Hämmerlingschen Bäckerei (KÖZ).

Hechler, der Backmeister der „Ersten Kösener Brot- und Feinbäckerei GmbH“ übernahm die Bäckerei, weil die Gesellschaft, eine von Direktor Kersten sehr zum Unwillen der örtlichen Bäcker eingerichtete Fabrik, kurz vor der Insolvenz stand.

 

     Juli  Ausstellung von Kösener Ansichten des Kunstmalers A. Nieß bei Heckenberg (KÖZ).

Gleichzeitig präsentierte Kaufmann Müller in der Lindenstraße Kösener Bilder der Berliner Malerin v. Puttkammer. 

 

  1. Juli Zwangsversteigerung der Wurstfabrik (MER C 48Ii Nr. 776IX).

Die Oberbehörden hatten der Stadt bestätigt, dass ihr als Rechtsnachfolger des Salinenfiskus die dinglichen Rechte auf dem Grundstück der Matthesschen Wurstfabrik überlassen sind. Weil sich die Verhandlungen in die Länge zogen, hatte der Hauptgläubiger das Anwesen zur Zwangsversteigerung gebracht. In der Stadtverordnetenversammlung vom 23. Juli hatten sich die Stadtverordneten Hertel, Haußner, Gibhardt, Heyner, Posseldt, Pabst, Troll gegen  Genth, Moeller, Eckleben und Krüger für ein Gebot von 80.000 Mark ausgesprochen. Die Stadt war  einziger Bieter und übernahm das Anwesen samt Inventar. Der Rechnungsrat Möller wurde als Verwalter eingesetzt.  Doch da inzwischen der letzte Mieter,  die 1. Kösener Brot- und Feinbäckerei GmbH, insolvent war, brachte das Anwesen keinerlei Einnahmen und lag der Stadt schwer auf der Tasche.

 

  1. Juli Hotelier Weber beantragt den Kauf der Schäferei (BLK-A. Nr. 779).

Die von der Herde und dem übrigen Viehzeug der Schäferei waren ein stetiger Stein des Anstoß. Am meisten betroffen davon war der „Mutige Ritter“. Um die Sache zu bereinigen bot Weber der Kgl. Landesschule für das gesamte Anwesen 70.000 Mark wenn bis Oktober 1915 die Schäferei geräumt würde. Außerdem sollten die für die Landesschule auf seinem Grundstück lastenden  Dienstbarkeiten (Fäkalienkanal von der Schäferei zur kleinen Saale, Nutzung der Stallungen für die Pferde der Ökonomie) gelöscht werden. Weber bot auch an, dass er die beim Abbruch der Schäferei aufgefundenen „historischen und künstlerischen Architekturteile“ der Landesschule kostenlos überlassen wird.  

 

  1. Aug. Allgemeine Mobilmachung.

Zahlreiche Gäste reisten umgehend ab, die Landwehrmänner und Reservisten wurden einberufen, darunter der Bürgermeister, der schon wenig später an der Westfront schwer verwundet wurde. Viertelstündlich passierten Militärzüge den Bahnhof. Der Magistrat warb Freiwillige zur Bewachung der Brücke und der Durchgangsstraßen. Außerdem wurde die Erhebung der Kurtaxe für den Rest der Saison eingestellt, die Kurkonzerte abgesagt und der Militärverwaltung die städtischen Liegenschaften und die Kurmittel angeboten.

Da von den 300 im Kalkwerk beschäftigten Männern die Hälfte zum Militär mußte, wurde die Ziegelproduktion eingestellt, die Arbeitszeit von 12 auf 16 Stunden erhöht und zunehmend Frauen beschäftigt. Nach Feierabend half man den Familien in Lengefeld bei der Ernte..

 

               Käthe Kruse produziert die sog. Potsdamer Soldaten (DHM Berlin Nr. 1990 628 1-6)

Die kleine Figuren aus biegsamen Metalldraht trugen die Uniformen der kriegsführenden Staaten, wurden aber wegen der aufwändigen Herstellung nur kurze Zeit gefertigt.

 

  1. Aug. Vertrag zur Einrichtung einer Flussbadeanstalt (St.-A.).
  2. Kotte und Fr. Kotte sen. verpflichteten sich auf ihrem Grundstück Rudelsburgpromemade 18 eine öffentliche Flussbadeanstalt zu errichten und diese 5 Jahre zu betreiben. Die Stadt gewährte dafür einen Zuschuss von jährlich 100 Mark und überließ ihnen kostenlos das noch verwendbare Material der bisherigen Badeanstalt. Die Eintrittspreise betrugen 10 Pfg. für Erwachsene und 5 Pfg. für Kinder, die Benutzung der Umkleidezellen kostete 10 Pfg. die Saisonkarte 4 Mark. Für den  Schwimmunterricht durften 7,50 Mark genommen werden.

 

  1. Aug. Einrichtung einer Kriegshilfsstelle zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien (KÖZ).

Das betraf die Familien deren Ernährer an der Front standen und rund 400 Elsässer, die aus der Festung Straßburg evakuiert und hier untergebracht wurden. Außerdem bot Dr. Löffler Kurse zur  Krankenpflege an.

 

  1. Sep. Die ersten 200 Verwundeten treffen ein (KÖZ, BLK-A. Nr. 456).

Die Militärverwaltung belegte das Wilhelmsbad, den Kurgarten, die Villa Meißner, die Kaiserin Auguste Victoria Kinderheilstätte und die Diakonissenstation als Hilfslazarett.           

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Weil der Stiftung die Mittel fehlten und die Stadt Zuschüsse verweigerte, war die Kinderbewahranstalt geschlossen worden. Nun sollte durch eine Sammlung unter der Bevölkerung Geld für die Weiterführung aufgebracht werden. Außerdem wurde der Ankauf des Matthes`schen Wohnhauses Grünen Gasse (4) beschlossen

 

  1. Sep. Sven Hedin übernachtet im „Mutigen Ritter“ (KÖZ 1934).

Darüber berichtete er in seinem Buch „Ein Volk in Waffen“ ..

 

  1. Sep. Streit über die Reichsanleihe (MER C Ih Nr. 309 I-IV)
  2. Kersten schlug eine Summe von 100.000 Mark vor, das Sparkassenkuratorium beschloß dann 60.000 Mark, was einigen Stadtverordnete auch zuviel war und letztlich 25.000 Mark bewilligte. Denjenigen, die den Vorschlag ablehnten, warf Kersten mangeldes Nationalgefühl in Anbetracht des Krieges gegen die Erzfeinde vor.

 

  1. Sep. Geheime Sitzung der Stadtverordneten (MER C 50 Naumburg Nr. 248)

Nachdem die Baugesellschaft vertreten durch den Stadtverordneten Gibhardt und dem Zimmermeister Toefer am 30. Mai die Eingemeindung ihrer Grundstücke genehmigt hatte, beschlossen die Stadtverordneten die Umgemeindung der Planstraßen, von 6 bebauten Grundstücken und 4 Baustellen.

 

  1. Okt. Die Schule wird der Kgl. Kreisschulinspektion unterstellt. (KÖZ).

Damit endete die Schulinspektion des Ortspfarrers. Die 7-klassige Schule bekam einen Rektor, der vom Kreisschulinspektor Direktor Schlichting eingeführt wurde.

 

  1. Okt. Zeichnung einer Kriegsanleihe (BLK-A. Nr. 72).

14.000 Mark aus dem Krankenhausbaufond werden auf 10 Jahre unkündbar und mit 5% Zinsen als Kriegsanleihe zur Verfügung gestellt. Damit war ein Krankenhausneubau endgültig vom Tisch.

 

  1. Okt. Die Stadt kauft das Grundstück Grüne Gasse 4 (Röblitz 1930)

Die Stadt zahlte 17.500 Mark für die „alte Wurstfabrik“  an die Erbenmit denen die Hypothek von 14.000 Mark abgelöst wurde.

 

  1. Dez. Gedenktafel für die ersten zwölf gefallenen Einwohner (KÖZ).

Im Rahmen einer Übung der neu aufgestellten Jugendwehr wurde die Namenstafel im Rathaus aufgestellt. Unter ihnen waren  zwei der  drei Söhne der Familie Stieler v. Heydekampf.

 

      Dez. Untergang des Kreuzers „Nürnberg“ in der Seeschlacht bei den Falklandinseln (KÖZ).

Das Schiff stand unter dem Kommando des Kapitän z. See Carl v. Schönburg auf Kreipitzsch.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Der Versuch des Ratsschöffen Siebold, Paul Kersten als Stadtverordneten einzuführen, scheiterte erneut am Veto der Stadtverordnetenversammlung, die ihm wegen des Fernbleibens die Bürgerrechte absprechen wollte, worauf Kersten die versammlung verließ. Danach wurde eine Klage gegen die 1. Kösener Brotfabrik wegen Mietrückständen und die Stellung einer hohen Gerichtskaution beschlossen. Für einen Teil des etatmäßigen Gehalts des Bürgermeisters, der zum Wehrdienst einberufen war, und das damit disponibel  war, sollte eine Schreibhilfen im Rathaus angestellt werden.

 

  1. Dez. 170 Kriegsverwundete kommen mit der Bahn von der Ostfront (KÖZ).

Darunter auch Österreicher, die nach Desinfektion und Entlausung im Kurgarten unterkamen.

 

1915

 

  1. Jan. Beschluss zur Umbenennung des Kurparks in Hindenburgpark (KÖZ).

Die Einverständniserklärung des Generalfeldmarschalls erfolgte umgehend.

 

  1. Feb. Änderungsnachtrag zum Sparkassenstatut (MER C 48 Ih Nr. 309 I-IV)

Zinsen wurden nun ab dem der Einzahlung folgenden Tag gewährt und dem Kuratorium ein Entscheidungsspielraum für den Zinssatz zwischen 3 und 4% je nach Kapitalmarkt eingeräumt.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Der Erwerb der Wurstfabrik hatte sich als finanzieller Fehlschlag erwiesen und eine Klage gegen den letzten gewerblichen Nutzer wegen Mietrückständen hatte wenig Aussicht auf Erfolg, zumindest was die Zahlung betraf. Andererseits summierten sich die Unterhaltskosten , so dass man auf die Idee kam, die Fabrik dem Kriegsministerium zu verkaufen.

 

  1. Feb. Beschwerde des Zimmermeisters Kotte (St.-A. Nr. 148).

Der hatte 1912 die Inhalierhalle im Park abgebaut und auf der Fränkenauer Wiese wieder aufgebaut und bisher nur 60 %  seiner Rechnung bekommen. Er verlangte innerhalb von 8 Tagen den Rest samt Zinsen, andernfalls würde er die Stadt verklagen.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456, MER C 48 II b 2028 II)

Beschlossen wurde im Klageverfahren gegen Kersten dem Rechtsanwalt Rodenacker eine Vorschuss von 200 Mark zu zahlen. Außerdem sollte die Verwaltung den Bedarf an Kartoffeln und Dauerfleischwaren in Erfahrung bringen.

Zur Schuldeputation wurden gewählt, die Stadtverordneten Rentier O. Gibhardt, Rechnungsrat Möller, Bahnhofswirt Emrich und als sachkundige Einwohner Prof. Dr. Posseldt, Postmeister Eckleben u. Rektor Herrmann, dazu kam der Ortsgeistliche.

 

  1. Mär. Einführung von Mehl- und Brotkarten (KÖZ).

Wegen der Kriegsereignisse wurden die Lebensmittel-  und Brennstoffvorräte in den Haushalten erfasst, um konkrete bedarfszahlen zu ermitteln und die die Bevorratung durch Sammelbezugzu organisieren. Ziel war eine möglichst gerechte Verteilung insbesondere für die Familien, deren Ernährer im Feld standen.

 

      Mär. Einrichtung einer „Heldenkolonie“ in Gutsbezirk (KÖZ).

Direktor P. Kersten schlug vor, die Pachtdomänen der Kgl. Landesschule zu parzellieren und  an Kriegsveteranen und Kriegsversehrte, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben könnten zum Selbstkostenpreis  abzugeben, damit diese für sich und ihre Familien selbst sorgen und nicht auf staatliche Fürsorge angewiesen sind.

 

  1. Apr. Umzug der höheren Mädchenschule (KÖZ).

Die bezog Quartier in der Lindenstraße 21, die der neue Vorsteherin Frl. Marie Stockmann, gehörte. Sie und weitere  fünf Lehrkräften unterrichteten 38 Schüler.            

 

  1. Apr. Erster Kurs „Kriegskochkunst“ in der Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Wegen der Rationierung aller Lebensmittel wurde gezeigt, wie man aus dem Wenigen was man zur Verfügung hatte, eine nahrhafte Kost bereitete.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beschlossen wurde die Einrichtung einer Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte mit Pastor Diederich, Dr. Löffler, Ratsschöffe Hämmerling, Stadtverordneten Saalborn und Dr. Wagner.

 

  1. Mai Vertrag mit dem Musikdirektor Alfred Röth (St.-A. Nr. 390)

Für die in der Woche stattfindenden 2 Konzerte abwechselnd am Gradierwerk und am Kurmittelhaus wurden 30 Mark, für die Platzkonzerte an Sonn- und Feiertagen 35 Mark und für den sonntägliche  Choral  5 Mark vereinbart. Die 18 Musiker hatten im sauberen dunklen Anzug und schwarzen Hut zu erscheinen. Notenständer und Programmtafel stellte die Badedirektion. 

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Beim Etat der Badeverwaltung wurden Lohnkosten für weibliches Personal ersatzlos gestrichen, die Mittel für Kongresse und die Badekapelle erheblich gekürzt. 

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit Waldhausen (St.-A. Nr. 242)

Waldhausen inzwischen Besitzer des „Ritterbades“ durfte für ein  Erwachsenenbad 2,30 Mark und für ein Kinderbad 1,60 Mark nehmen. Die Dutzendkarte kostete 24 bzw. 18 Mark.

 

  1. Mai Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Wurstfabrik (BLK-A Nr. 591)

Nachdem die Militärverwaltung eine Übernahme der Fabrik abgelehnt hatte, wurde das gesamte Inventar, Kühlzelle, Dampfkessel, Dynamo, Schlachthaus, Wurstkessel und dgl. meistbietend verkauft angeboten. Den Zuschlag bekam die Fa. Rothe aus Weimar für 4.000 Mark zuzüglich einer zu stellenden Kaution für Schäden etwaige Schäden am Bau beim Ausbau des Kühl-und Schlachthauses. Der Streit um die Rückgabe der Kaution zog sich bis 1917 hin. Die bauhülle bot die Stadt  dann der  Fahrzeugfabrik Eisenach an.

 

  1. Juni Dank- und Festgottesdienst anstelle des Brunnenfestes (KÖZ)

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Wegen der desolaten finanziellen Situation des städtischen Haushalts wurde der Magistrat ersucht, bei der  Königl. Regierung alle bestehenden Verhältnisse, Angaben und  Defizite offen zulegen, um eine Stundung der Schuldentilgung zu erreichen.

 

  1. Juli Roßnersche Stiftung (KÖZ, Röblitz, Heimatbuch 1930).

Martha Roßner stiftete 10.000 Mark zum Andenken an den Mühlenbesitzer Ernst Roßner. Die Zinsen sollten den Familien von Gefallenen zu gute kommen.

 

  1. Juli Gustav Unruh übernimmt die Burg-Apotheke (KÖZ).

Die Ehefrau des Apothekers Unruh, eine ausgebildete Sopranistin, bereicherte mit ihren Vorträgen die Konzerte.

 

  1. Aug. Der Landwirt August Werner verstirbt (KÖZ).

Er wurde 93. Jahre alt, der derzeit älteste Einwohner. Das Stadtgut erbten die Familien Koch und Petzold. 

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 456)

Nachdem die auch die Eisenacher Fahrzeugfabrik ablehnte, sollten zunächts die Gewerberäume im Erdgeschoss an Interessenten vermietet werden. Beschlossen wurde auch der Verkauf des Weinberggrundstücks in den Saalbergen, das die Stadt von Hämmerling für den Krankenhaus-neubau erworben hatte.

 

  1. Sep. Einführung des ganzjährigen Ladenschlusses ab 20 Uhr.

Wegen des Krieges wurden die bislang in der Saison geltenden Öffnungszeiten ausgedehnt.

 

  1. Sep. Verpachtung des Schwanenteichs an den Bankier Krüger (BLK-A. Nr. 456)

 

      Sep. Veröffentlichung der Besucherstatistik (KÖZ).

Trotz des Krieges waren 3.514 Kurgäste gekommen, etwas mehr  als im Vorjahr. Die Anzahl der Passanten dagegen halbiert sich.

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Nach mehreren Anläufen wurde der Haushaltsplan mit 346.000 Mark Einnahmen und Ausgaben beschlossen, darunter 78.528 Mark für die Badeverwaltung,  14.977 Mark. für das Wasserwerk, 59.931 Mark. für das Elektrizitätswerk und 5.120 Mark für die Armenverwaltung. Der aufgelaufene Fehlbetrag betrug 73.186 Mark

 

  1. Okt. Meldung über die Eindeutschung eines slawischen Namens (KÖZ).

Die Lengefelder Familie Tschetschorke erhielt die Genehmigung, den Familiennamen Tannenberg (nach dem gleichnamigen Ort der Schlacht an der Ostfront) anzunehmen. 

 

  1. Okt. Beisetzung Oskar Hoßfelds (Dorfmüller, Gerth, Lehmann 200. Geburtstag….).

Hoßfeld, geb. 1848 in Schulpforta, Sohn des  Zeichenlehrers und Porträtisten Friedrich Hoßfeld (1809-1882, u. a. Illustrationen zu Corssens „Alterthümer..) studierte an der Berliner Bauakademie, war ab 1888 Landbauinspektor und leitete ab 1900 im preußischen Ministerium das Dezernat für Denkmals- und Kirchenbauten. Hoßfeld war Begründer der Fachzeitschrift „Das Denkmal“.

 

  1. Okt. Kriegsspendenaktion der Einwohnerschaft, Vereine und Institutionen (KÖZ).

Neben den Ämtern und den Schulen beteiligten sich: Frauenverein, Diakonie, Nähstube für Kriegszwecke, Kriegerverein König Wilhelm, Kriegerverein Kronprinz Friedrich Wilhelm, Bürgerverein, Verschönerungsverein, Freiwillige Feuerwehr, Freiwillige Sanitätskolonne, Jungmannen, Schützengesellschaft 1832, Bürger-Schützen-Korps, die Gesangsvereine Liedertafel, Männerquartett und Anakreon, Postunterbeamtenverein, Radfahrerverein „Rudelsburg“, Turnverein,

 

  1. Okt. Kaufvertrag mit der Ortskrankenkasse des Berliner Buchdruckergewerbes (KÖZ).

Die wollte auf dem von der Stadt für das Krankenhaus erworbenen Grundstück in den Saalbergen ein Sanatorium errichten. Im Vertag wurde, dass die Patienten dann bei der Kurtaxe den Einheimischen gleichgestellt werden.

 

  1. Nov. Die Stadt schenkt der Kirchengemeinde die Trauerhalle (Röblitz, Heimatbuch).

Damit wurden die bisherigen Befindlichkeiten bei Nutzungsrechten und der Kostenübernahme bei reparaturen beendet.

 

  1. Dez. 25-jähriges Dienstjubiläum des Stadtsekretärs Paul Röblitz (KÖZ).

Röblitz war der erste der ernsthaft mit der Erfassung von Daten zur Ortsgeschichte befasste.  Diese war objektiv bedingt unvollständig. Im Stadtarchiv befanden sich nur die Unterlagen seit Verleihung des Stadtrechts 1868 bzw. seit der Übertragung des Bades (1895). Für die Zeit davor war er auf die überlieferten und lückenhaft dokumentierten Ereignisse angwiesen. Die für  Stadtgeschichte bedeutsamen Vorgänge aus der zeit davor, waren bei den sächsischen oder preußischen Bergbau- bzw. Floßbehörden sowie im Schulamt archiviert undd dürften ihm nicht zur Verfügung gestanden haben.

Somit waren die Quellen beschränkt  und er verließ sich oftmals nur auf die Erinnerungen „alter Kösener“. Allerdings hätten ihm die bisherigen Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte (Lepsius, Böhme, Corrsen) bekannt sein müss.  Dennoch war es sein Verdienst sich als Einwohner mit der heimatgeschichte zu befassen. Röblitz wurde  1935 nach 45 Dienstjahren pensioniert.

 

  1. Dez. Urteil des Bezirksausschusses im Fall Kersten gegen den Magistrat (KÖZ).

Die Ungültigkeitserklärung seiner Wahl als Stadtverordneter der III. Klasse  im Jahr 1913 und die Aberkennung seiner bürgerlichen Rechte wurden aufgehoben und seitens des   Oberverwaltungsgericht eine Berufungsklage abgewiesen. Die Kosten des Rechtsstreits trug die Stadt.

 

  1. Dez. Auflassungsvormerkung im Kataster des Gutsbezirks (BLK-A. Nr. 778)

Die Ortskrankenkasse des Buchdruckergewerbes von Berlin wurde rechtmäßiger Eigentümer des Grundstücks in den Saalbergen.

 

1916

 

  1. Feb. Beschwerde Kerstens beim Regierungspräsidenten (BLK-A. Nr. 714)

Kersten, der nach seiner erfolgreichen Klage als Stadtverordneter eingeführt wurde, verlangte von der Stadtverordnetenversammlung, dass ihm sämtliche Beschlüsse, die während seiner zweijährigen Abwesenheit gefasst wurden, erneut vorzulegen sind. In ihrer Stellungnahme erklärten die Ratsschöffen, dass die gefassten Beschlüsse rechtskräftig sind und kein Stadtverordneter das Recht habe, bei Verhinderung die einmal gefassten Beschlüsse nochmals zu verhandeln. 

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung des Grundstücks Grüne Gasse 5 (BLK-A. Nr. 591)

Das gehörte dem Gärtner Jebens, Erwerberin war die Witwe Auguste Matthes, die damit ihren Anteil aus dem Verkauf der Grünen Gasse 4 gut anlegte.

 

  1. Feb. Umgemeindung von Grundstücken aus dem Gutsbezirk (MER C 50 Naumburg Nr. 248)

Dazu gehörten u. a. die Anlagen am Gradierwerk mit dem Sonnenbad, die Davisonhalle, der Hang vom Rechenberg und der Hindenburgpark.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Auf der Tagesordnung stand der Bebauungsplan „Jochenberg“, wobei es um die  Baufluchten und den Verlauf der Erschließungsstraße von der Eckartsbergaer Chaussee über die Borlachstraße zur Gerstenbergkpromenade ging. 

 

  1. Apr. E. Scholvien pachtet den Ausschank und den Vertrieb der Johannisquelle (BLK-A. 456).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714, KÖZ).

Der Etat des Bades sah Einnahmen von  41.160 Mark vor, darunter 17. 000 Mark Kurtaxe, 16.000 Mark Erlöse aus dem Kurmittelhaus, 1.100 Mark durch Flaschenverkauf von Sole 4.200 Mark für Badesole für die Badeanstalten (Dr. Löffler, Ritterbad, Bahse, Borlachbad). Die Erlöse der Trinkbrunnen, der Wellenbädern, vom Tennisplatz und dem Sonnenbad wurden mit 320 Mark angesetzt. Das reichte nicht zur Kostendeckung, beliefen sich allein schon die Annuitäten für die Kredite auf 38.000 Mark und die Kurkapelle kostete 3.000 Mark. Es fehlten 31.700 Mark. Daher wurde der Etat für die zurückgestellt und der magistrat aufgeforderte, eine genaue Kostenermittlung noch vor Saisonbeginn vorzulegen. 

 

  1. Mai Kunstauktion in Berlin.

Das Liebermannsche Gemälde „Kaiser-Friedrich-Gedächtnisfeier in Kösen“ wurde für 41.000 Mark. versteigert.

 

  1. Mai Die Häunsche Bäckerei (An der Brücke 2) kauft der Mechaniker E. Ulrich (KÖZ).

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der Etat für die Kinderbewahranstalt wurde mit 750 Mark beschlossen, die Fassung des Hufelandsprudels erneut aufgeschoben.

 

  1. Juni Brand des Logierhauses vom „Mutiger Ritter“ (priv).

Das Feuer entstand in der Nacht und griff schnell um sich. Daher wurden auch die  Wehren aus Schulpforte, Naumburg und Lengefeld sowie die Jäger der Garnison alarmiert. Die Koordinierung übernahm der Landrat höchstpersönlich. Neben dem Logierhaus wurden der Wintergarten und die Ladengeschäfte im Untergeschoss völlig zerstört. Das Haupthaus mit dem Speisesaal und den Gasträumen blieb weitgehend verschont. Die Gäste wurden im Ritterbad untergebarcht und nach den Aufräumarbeiten und einigen Reparaturen öffnete das Haus wieder. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen waren die Dächer des Elektrizitätswerkes und der Pumpenkunst,  die Anlagen nahmen aber keinen größeren Schaden. Als Brandursache wurde  Selbstentzündung des im Keller eingelagerten Heizmaterials angegeben. Die Zeitung meldete, dass das Gebäude mit 300.000 Mark versichert sei.

 

  1. Juli Wiedereröffnung der Berbigschen Kinderbewahranstalt (KÖZ).

Der vom Magistrat beschlossene Ausgleich des Fehlbetrages aus dem letzten Jahr, ermöglichte die Betreuung von rund 70 Kindern, vornehmlich auch aus Familien, wo die Frauen kriegsbedingt arbeiten gingen.  

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der Magistrat wurde beauftragt, beim E-Werk in Camburg den Rückbau der 10 kV Freileitung innerhalb des Stadtgebietes zu veranlassen.

 

  1. Juli Dank- und Festgottesdienst anstelle des Brunnenfestes (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Bestätigt wurden die Jahresrechnungen der Stiftungen. Während die von Senff, Wahn, Roßner, Hoffmann, Berbig und die der Kinderheilstäätte einen Überschuss auswiesen, schloss die Kinderbewahranstalt mit einem Fehlbetrag ab.

 

  1. Aug. Erneutes Kaufangebot Webers für die Schäferei (BLK-A. Nr. 779).

Acht Woche nach dem verheerenden Brand des Logierhauses bot Weber der Landesschule 80.000 Mark für den sofortigen Kauf des Schäferei, um hier einen neuen Saal zu errichten.

 

  1. Sep. Einrichtung eines Lebensmittelamtes (KÖZ).

Die bisherige Verteilungspraxis der Lebensmittel wurde heftig kritisiert. Vorteilsnahme und Begünstigung seien an der Tagesordnung. Dazu würden sich auch die hier weilenden Kurgäste aus den für die Bevölkerung gedachten Rationen bedienen. Die Kontrolle wurde den Stadtverordneten Wolf, Hansen, Troll, Schuster, Zedel und Reinhardt übertragen.

 

  1. Sep. Laut Kurliste waren 2.694 Kurgäste anwesend (KÖZ).

 

  1. Sep. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 714, KÖZ).

Webers Antrag auf Kauf der Schäferei hatte die Landesschule abgelehnt. Nun wollte Weber den Saal anstelle des abgebrannten Logierhauses bauen. Da der Platz nicht reichte, wollte er  wie bereits beim „Blauen Salon“ die Loreleypromenade überbauen. Dabei berief er sich auf einen Vergleich mit der Landesschule Pforte aus dem Jahr 1878, als die Promenade noch zum Gutsbezirk gehörte. Die Mehrzahl der Stadtverordneten war gegen eine derartige Überbauung, der Magistrat berief sich auf die Gültigkeit der damaligen Vereinbarung und lehnte ab. Nachfolgende Vergleichsvorschläge scheiterten und letztlich wurde das ganze Vorhaben wegen finanzieller Probleme und dem fortdauernden Krieg auf Eis gelegt.

 

  1. Sep. 2 . Roßnersche Stiftung (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Zum Gedenken an ihren in Frankreich gefallenen Sohn Ltn. Ernst Roßner stiftete Frau Roßner  weitere 10.000 Mark für  Hinterbliebene.

 

     Sep. Errichtung eines Gedenksteines oberhalb der Saalhäuser.

Anläßlich des 40. Dienstjubiläums des Fürsten Heinrich von Reuß gestiftet vom Jäger-Ersatzbataillon Nr. 4 , wurde er volkstümlich als Prinz Heinrich Stein bezeichnet

 

  1. Okt. Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Nachdem Bürgermeister Kretschmar wegen seiner schweren Kriegsverletzung um seine Pensionierung gebeten hatte, wurde der Stadtverordnete Bankier Krüger als kommissarischer Bürgermeister  vom Landrat Freiherrn von Scheele eingeführt. Dann wurde dem E-Werk Camburg ein Aufschub für den Bau einer zweiten Freileitung bis 1917 gewährt, der Abbau der Starkstromleitung aber erneut angemahnt. Bewilligt wurden 459 Mark für die Aufstellung einer Siedepfanne am Gradierwerk.

 

  1. Nov. Im 89. Lebensjahr verstirbt J. von Gerstenbergk (KÖZ).

Die am 13. April 1828 geborene Tochter des Großherzoglich-Sächsischen Kanzlers Friedrich von Gerstenbergk und der Gräfin Amalie von Häseler, Ehrendame des Kgl. Bayerischen Theresienordens und Mitbegründerin der hiesigen Diakonissenstation  wurde auf ihren Wunsch und mit entsprechender Genehmigung auf ihrem 1901 erworbenen Grundstück beigesetzt. An der Beerdigung nahmen neben den Honoratioren der Stadt ihr Neffe, der Kammerherr v. Gerstenbergk-Helldorf auf Bergsulza, die Oberin des Lazarus-Diakonissenhauses Berlin Gräfin Herzberg und der Landrat Freiherr v. Schele teil.

Ihr Anwesen in den Saalbergen, nach dem Einwohnerbuch von 1935 Nr. 3 und 4 (heute die Nr. 3) wurde in eine Stiftung zu Gunsten der Diakonie bzw. der Diakonissenstation umgewandelt. Die Haushälterin Ida Jummrich und der Gärtner Karl Leibnitz betreuten das Anwesen und das Grab. Die Stiftung bestand nachweislich bis 1948 wie aus verschiedenen Erhebungslisten hervorgeht. Danach wurde sie aufgelöst und das Grundstück zu Gunsten der Staatskasse verkauft.

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891).

Wegen des Krieges war man vom üblichen Fünfjahresrhythmus abgewichen. Im Ort anwesend waren 988 Männer und 1.641 Frauen, 140 Männer standen an der Front, zwei waren in Gefangenschaft. 

 

      Dez. Drei Porphyrfindlinge werden als Hindenburgsteine im Park aufgestellt (KÖZ).

 

  1. Dez. Die Russische Villa eröffnet als „Parkhotel“ (KÖZ).

Die neue Besitzerin  Gertrud Höflein, geb. Apitzsch hatte das Anwesen von der Baugesellschaft erworben, die mit ihren Umbauplänen nicht vorangekommen war. Kurz danach kam das Hotel an Häring, der es bis in die 20iger Jahre führte. 

 

      Dez. Bekanntmachung zur Schulsituation (KÖZ).

Die Stadtschule war nun siebenstufig, zum Kollegium gehörten  der Rektor und 4 Lehrer für die  316 Schülern. Im Pädagogium unterrichteten 6 Lehrer 45 Knaben und in der höheren   Töchterschule 4 Lehrkräfte die  41 Mädchen.

 

1917

 

  1. Feb. Vermächtnis des Kaufmanns Otto Koch (Röblitz 1930)

Koch vermachte der Stadt 3000 Mark zum „Besten der Kinderbewahranstalt, der Kirche und der Kinderheilstätte“.

 

 

  1. Apr. Einführung des bargeldlosen Giroverkehrs der Stadtsparkasse (MER C 48 Ih Nr. 309 III)

 

      Apr. Fr. Posse erwirbt das Wohnhaus Loreleypromenade 5 (KÖZ).

 

      Mai  Mitteilung des Kriegsernährungsamtes (KÖZ).

Ein Antrag auf Sonderzuweisung von Lebensmittel zur Versorgung der immer noch zahlreichen Badegäste, von denen viele die hier zur Genesung weilenden Militärs besuchten, wurde abgelehnt. Ein Sonderzuteilung wäre nur möglich, wenn für bestimmte Kuranwendungen eine spezielle Ernährung erfordertlich wäre. Die Versorgung der Hilfslazarette und der Militärangehörigen wäre Sache der Militärbehörde.

 

  1. Juni Die Glocken der Lutherkirche werden eingeschmolzen (KÖZ).

1873 waren sie aus französischen Beutegeschützen gegossenen und wurden dem gleichen Zweck wieder zugeführt. Als Provisorium wurde die Schulglocke im Kirchturm eingebaut.

 

  1. Juni Beschluss der Badekommission (St.-A. Nr. 434)

Um der durch den Krieg bedingten rückläufigen Frequenz des Bades entgegen zuwirken beschlossen Hämmerling, Saalborn, Heyner, Troll, Zedel und Krüger 300 Mark für eine Werbekampagne mit je 8 Inseraten in 20 überregionalen Tageszeitungen.

 

  1. Okt. Friedrich Mende begeht das 50jährige Pachtjubiläum des Fischhauses (KÖZ).

 

  1. Okt. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Wegen der Amtsentbindung von Bürgermeister Kretschmar beschlossen die Stadtverordneten die Neuvergabe des Amtes mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark und 500 Mark Wohnungszuschuss. Daraufhin gingen  118 Bewerbungen ein.

 

  1. Nov. Stadtverordnetensitzung (KÖZ).

Diesmal ging es um das Salz. Als Ersatz zur Konservierung von Lebensmitteln im bevorstehenden Winter wurde vorgeschlagen, der Bevölkerung  gradierte Sole zu überlassen, Für ein  10 Liter fassendes Gefäß dass immerhin 1 Kilo gelöstes Salz enthielt, würden nach Abzug der Salzsteuer der Stadtkasse noch 14 Pfg. verbleiben. Diesem Vorschlag widersprach aber die gegenüber dem Fiskus abgegeben Verpflichtung,  Sole nur für Badezwecke zu verwenden und wurde daher nicht weiter verfolgt.

 

  1. Nov. Vor der Kirche wird die Lutherlinde gepflanzt und geweiht (KÖZ).

Dagegen wurden sämtliche Bäume auf dem Friedhof als Brennholzvorrat gefällt.

 

  1. Nov. Beschluss der Kirchengemeinde (100 Jahre Lutherkirche)

Spätestens ½ Jahr nach Freigabe der Metalle sollte die Glockengießerei Ulrich, Apolda, die 1873

bereits die ersten Glocken geliefert hatte, wieder drei neue Glocken gießen. Auch die Namen standen bereits fest: Luther, Kaiser Wilhelm II.  und Hindenburg. 

 

  1. Dez. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891)

Es gab 823 Haushalte, 892 Männer und 1703 Frauen, dazu 29 Kriegsgefangene. Die Kösener Zeitung meldete 895 Jugendliche und Kinder und 350 Männer die im Feld standen. Die Geburtenrate hatte den Tiefpunkt erreicht, 26 Neugeborenen standen 69 Sterbefälle gegenüber.         

 

  1. Dez. Max Schumann erwirbt das Grundstück Berbigstr. 5 (KÖZ).

Schumann hatte kurz vorher die seit vier Generationen im Familienbesitz befindlichen „Saalhäuser“ an Max Schreiber, einen Gastwirt aus Berlin, veräußert.

 

      Dez. Weber verkauft den  „Mutigen Ritter“ an P. Waldhausen.

Offensichtlich waren die beiden schweren Brände (1912 und 1916) der eigentliche Anlass, dass sich Weber von dem Haus trennte, dass die Familie seit 135 Jahren bewirtschaftete. Hermann  Weber, der 28 Jahre lang Ratsschöffe und Stadtverordneter war,  starb kurz darauf im 60. Lebensjahr.

 

1918

 

  1. Jan. Anordnung zur Einschränkung des Stromverbrauchs um 20% (KÖZ).

Für die Einhaltung wurden die Stromzähler kontrolliert, bei Überschreitung erfolgte die  Abschaltung.

 

  1. Feb. Ernennung zum „Hof-Handwerker“.

Die Firmeninhaber Fritzsche, Koch und Töpfer wurden für ihre Beteilgung am Bau des Potsdamer Kronprinzenpalais (Schloss Cecilienhof - Entwurf Prof. Schulze-Naumburg) zum Hofdachdecker-, Hofdekorationsmaler- bzw. Hofzimmerermeister durch den Kronprinzen ernannt.

 

  1. Feb. Meldung zum Arbeitskräftebedarf im Kalkwerk (MER C 110/945)

Vor dem Krieg hatte die Firma 305 Mitarbeiter, davon 7 Frauen, jetzt waren es 147 davon 45 Frauen, von denen 39 in der Produktion arbeiteten.  Bei einer Demobilisierung würden 151 Mitarbeiter wieder eingestellt werden, allerdings würden 30 Frauen entlassen.

 

  1. Feb. Zwangsversteigerung der Brücknerschen Brauerei in der Saalstraße 27 (KÖZ).

Für 73.000 Mark ging sie an die Naumburger Hennen - Brauerei AG.

 

  1. Mär. Beschluss zur Erweiterung der Stromleitung in die Saalstraße (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Mai Eröffnung der 5. Kriegskursaison.

 

  1. Mai Die Dienstmagd Claire Schröter ertränkt ihre uneheliche Tochter im Scheitbach (KÖZ).

Im Oktober wurde sie zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Beschlossen wurde die unentgeltliche Verpachtung des Cafès am Gradierwerk an den Maschinenwärter Noack, der dafür die öffentlichen Abortanlagen unterhalten muss.

 

  1. Juni Einführung des Bürgermeisters Georg Glöckner (KÖZ, BLK-A. Nr. 714)

Glöckner, Jahrgang 1879, seit 1910 erster Beigeordneter des Nordseebades Borkum, hatte sich im Auswahlverfahren durchgesetzt. Seine Wahl war einstimmig. Die Einführung übernahm der Kreisdeputierte Dippe. Glöckner mietete eine Wohnung in der Lindenstraße 21 und starb am 30. Juli 1919.

 

  1. Juli Verpachtung der Stadtbäckerei an Heilemann (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Juli Einstellung von Edwin Arsand aus Stößen als Gradiermeister (BLK-A. Nr. 714)

 

  1. Sep. Bildung eines Ausschusses zum Ankauf von Feldgrundstücken (KÖZ).

Der Vorsitzende P. Kersten sollte im Namen der Stadt mit der Landesschule wegen des Ankaufs einiger Feldstücke  verhandeln. Die sollten parzelliert und intrerressierten Einwohnern als Gemüsegarten verpachtet werden, ein Versuch die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Da die Landesschule dies ablehnte, schaltete man die vorgesetzten Behörden ein.

 

  1. Sep. Ausgabe der ersten Kriegsgeldnotscheine (KÖZ, St.-A. Nr. 538).

Die 10- und 50 Pfennigscheine sollten den kriegsbedingten Mangel an Kleinmünzen beheben.

 

  1. Okt. Frau Justizrat Günther kauft die Villa „Waldfrieden“, Eckartsbergaer Str. 5 (KÖZ)

 

  1. Nov. Sondersitzung der Stadtverordneten (St.-A. Nr. 436)

Nach dem Aufruf des Innenministers sollten „im vaterländischen Interesse“ Bürgerwehren zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit gebildet werden. Die Versammlung nahm das Angebot des Naumburger Garnisonskommandanten an,  eine bewaffnete Radfahrerabteilung und 20 Gewehre in Kösen zu stationieren.

 

  1. Nov. Die deutsche Regierung nimmt die Bedingungen des Waffenstillstandes an.

Am 12. November 12 Uhr mittags schweigen die Waffen, der erste Weltkrieg ist zu Ende.  Der letzte Kösener fällt  am 11. November  der Landsturmmann R. Beyer.

 

  1. Nov. Beschluss zur Bepflanzung der städtischen Lehmgrube (BLK-A. Nr. 714)

Da die Gewinnung von Lehm ohnehin keinen Erlös brachte, sollten hier Obstbäume gepflanzt und der Behang alljährlich meistbietend verpachtet werden.

 

  1. Nov. Meldung über die Einrichtung eines Sicherheitspostens (St.-A. Nr. 436, KÖZ).

Die Meldung war bereits überholt, denn von der angebotenene Hilfe des Garnisonskommandanten hatte man Abstand genommen und die Aufstellung der Bürgerwehr beschlossen worden.

 

  1. Nov. Rekrutierung der Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

Im Ratskellersaal meldeten sich 138 Einwohner, die meisten Mitglieder der Schützengesellschaft 1832 und des Bürgerschützenkorps. Allerdings wurde die Aufstellung nicht vollzogen.

 

  1. Nov. Bildung provisorischen Arbeiter- und Soldatenrats (St.-A. Nr. 310).

Der ASR bestand aus H. Vogt, A. Huth, H. Patze und M. Busch.

 

  1. Nov. Volksversammlung des Arbeiter- und Soldatenrates (KÖZ)

Generaldirektor Kersten bezeichnete sich  in der Diskussion als Veteran der  Sozialdemokratie, und verwies auf eine persönliche Bekanntschaft mit W. Liebknecht, A. Bebel und F. Lasalle aber auch mit Marx und Engels hätte es Kontakte gegeben. Der Belegschaft der Zementfabrik versprach er die pünktliche Zahlung der Löhne bis zum Frühjahr zu, auch wenn nicht produziert würde und versprach, sich für den Einschlag von Brennholz aus den Pfortenser Wäldern zu sorgen.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Der ASR verlangte, mit 2 Stimmen beratend und beschließend in der Stadtverordneten-versammlung vertreten zu sein, bestimmte Fachbereiche eigenständig zu verwalten (Brennstoff-, Lebensmittel- und Wohnraumverteilung) und eine monatliche Unkonstenpauschale von 1000 Mark. Beschlossen wurde,  die ehemalige Wurstfabrik für 120.000 Mark zu verkaufen, um den desolaten Stadthaushalt zu entlasten.

 

      Dez. Aufruf zur Ausschmückung der Straßen (KÖZ).

Damit sollte den heimkehrenden Fronttruppen ein ehrenvoller Empfang bereitet werden.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 714)

Dem städtischen Maschinenmeister wurde  die Reparatur von elektrischen Anlagen und der Verkauf von Glühbirnen erlaubt, alles im Rahmen eines Vertrages mit der Stadt. 

 

  1. Dez. Gründung der Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (KÖZ).

200 Einwohner trugen sich ein und wählten einen fünfköpfigen Vorstand sowie 8 Beiratsmitglieder. Gleichzeitig löste sich die Ortsgruppe der Nationalliberalen Partei auf.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Abgelehnt wurde der Antrag des ehemaligen Bürgermeisters Kretschmar, ihm anstelle der Pension eine einmalige Abstandssumme von 20.000 Mark zu gewähren. Angenommen wurde der Antrag, zu prüfen ob eine Rückforderung von zu viel gezahlten Gehalt an den Bürgermeister möglich sei. Kretschmar verkaufte noch im gleichen Jahr sein Wohnhaus (Berbigstraße 16). 

 

             Bauerlaubnis für das Wohnhaus Berbigstr. 9 (Hattenbach).

1919

 

             Wohnungs- und Geschäftshandbuch Naumburg und Umgebung 1919 (St.-A.)

Magistrat: Bgm. Glöckner, Ratsschöffen Bucke, Hämmerling, Steuer, Zedel. Beamte und Angestellte: Cleve-Kassenrendant, Röblitz-Sekretär, Mai-Gegenbuchführer, Saalborn-Bote,  Riedel-Polizeiassistent, Marks u. Terre-Wachtmeister, Patzschke-Nachtschutzmann, Arsand-Kunstmeister. Dazu kamen ein Badediener und die Wächter im Wasser- und Elektrizitätswerk. Dem Gemeinderat gehörten neben den vier Schöffen 17 Mitglieder an.

Kirchenälteste waren Gen.-Ltn. a. D. Stieler v. Heydekampf, Schmied Kathe, Lehrer Kaechtel, Bankier Krüger, Rechnungsrat Möller und Bauunternehmer Reichenbach.

Die Stadtschule hatte 7 Klassen. Rektor war Haubold, Lehrer Knechtel, Walter, Hinsche, Matzdorf, Sauer und Frl. Rühlemann. Das Reichspostamt leitete ein  Postdirektor im Innendienst waren 8 Oberbeamte im Außendienst 13 Postschaffner und 7 Landbriefträger beschäftigt. Den Bahnhof  leitete der Oberbahnhofsvorsteher Brandt. Zum Personal gehörten 35 Beschäftigte.

In der Stadt gab es  8 niedergelassene Ärzte: Dr. Blenkle (Lindenstr. 17), Dr. Klemm (Salinenstr. 5) Dr. Malade (Lindenstr. 5), San.Rat Oberstabsarzt Dr. Müller  und Geh. San. Rat Dr. Löffler (Neue Str. 1), San.-Rat Dr. Riemann (Uferstr. 5), Dr. Senger (Gerstenbergkprom. 3), San. Rat Dr. Wagner (Friedrichstr. 7). Privat Heilstätten waren das Frauensanatorium von Dr. Löffler und das Kindersanatorium Kukulauer Str. 3. Die Apotheke gehörte Unruh. Zu den Badeanstalten zählten Waldhausens „Ritterbad“, Haus Bahse, Mertens „Kurhaus Rheingold“, Ohms „Friedrichsbad“, Weißenborns „Haus Eschstruth“ und das Luft- und Sonnenbad am Gradierwerk. Als Gasthöfe galten der „Mutige Ritter“, Hotel Apel, das Park-Hotel (Häring), der Kurgarten (Schwarze), die Loreley (P. Friedrich), der „Preußische Hof“ (Hamel) und die „Tanne“ (Koch). Gastwirtschaften waren Albrecht (Burgstr. 8), die „Post“ mit dem Ratskeller, Emrichs Bahnhofswirtschaft, Grescheke (Loreleyprom. 8), Hartungs „Lindenhof“, Kuchs „Rektorberg“, Schmohl (Kukulauer Str. 8), Schreibers „Saalhäuser“, Steinbecks „Erholung“, Werners „Wilhelmsburg“ und Fausts „Schöne Aussicht“. Zu den  Kaffeehäusern gehörten Schneider (Lindenstr. 7), Schoppe, Seifferth (Schmettaustr. 2), Wolfram (Rudelsburgprom. 9) und Merten (An der Brücke 2). Im Ort gab es rund 100 Fernsprechanschlüsse.     

 

  1. Jan. Gründung der Ortsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei (KÖZ).

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593, KÖZ).

Weil die Wahl des ASR nicht gesetzeskonform sei, wurde die Bezahlung der beiden Mitglieder Voigt und Patze abgelehnt. Die legten bei der Oberbehörde erfolgreich Beschwerde ein, die Mittel mussten nun bewilligt werden. Anschließend nahm man eine weitere Schenkung von Frau Roßner in Höhe von 3000 Mark an, die der Erich Roßner Stiftung zugeführt wurden.

 

  1. Feb. Bericht über die letzte Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Zu Beginn der Versammlung protestierten die Vertreter des ASR lautstark gegen die ihnen entgegengebrachte Ablehnung seitens der Stadtverordneten. Daraufhin entzog ihnen der Vorsitzende das Wort und beendet die Sitzung.  Nach diesem Vorfall zog der Magistrat Erkundigungen ein, wie man in den Landstädten der Umgebung mit dem ASR umgeht. 

 

  1. Feb. Parzellierung der Wiese am Weg zu den Saalhäusern (BLK-A. Nr. 778)

Die zum Gutsbezirk gehörende Wiese wurde Einwohnern wie Huth, Händler, Till, Reichard, Zwingenberg, Eidner und  Strzoda zur garten- und Feldnutzung verpachtet.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Beschlossen wurde der Druck von 50 Pfennig Kriegsnotgeldscheinen im Gesamtwert von 10.000 Mark, die Vermietung des Platzes  an der Brücke an den Friseur Laubmann (bisher E. Ulrich), 500 Mark  für die Installation von Lichtleitungen im Krankenhaus Burgstraße 14 und die Einquartierung der vom Kreis beorderten Bahnhofswache im Gasthaus „Tanne“.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenwahl nach dem neuen Wahlgesetz (KÖZ).

Neben den Parteien und Wählervereinigungen konnte sich jeder Einwohner(in), mit mindestens 50 Unterschriften wahlberechtigter Bürger zur Wahl stellen, wobei es darauf ankam, wer die meisten Stimmen erhielt. 1.447 Stimmen wurden abgegeben, davon fielen auf die Vorschlagsliste Gibhard 479, Krüger 573 und  Göricke 386 Stimmen. 

 

  1. Mär. Aufstellung einer Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436).

Damit befolgte ,man eine Anweisung des Landrates.  Von den in der „Post“ versammelten 150 Einwohnern. Schrieben sich 76 Männer in die Listen ein. Der Kaufmann Siebold  wurde zum Vorsitzenden, der Bäcker Seiffert, der Tischler Naumann, der Eisenbahner Martin und der Zimmermann Töpfer  zu Vorstandsmitglieder gewählt. Hauptaufgabe war die Unterstützung der Ortspolizeibehörde bei der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Im Gefahrenfall gab es eine Alarmierungsplan. Die Bürgerwehr wurde auf drei Schutzbezirke, zwei links und einer rechts der Saale aufgeteilt.

 

  1. Mär. Anordnung des Generalkommandos des 4. Armeekorps (St.-A. Nr. 436)

Das Bezirkskommando in Naumburg wurde angewiesen, für die Bewaffnung der Bürgerwehr mit Gewehren und 3 leichten MG bereitzustellen. Die Kösener Bürgerwehr erhielt Gewehre und Munition, außerdem entsprechende Abzeichen.

 

  1. Mär. Wahl der Delegierten zum II. Kongress des ASR (KÖZ).

Wahlberechtigt waren alle Einwohner beiderlei Geschlechts, die das 20. Lebensjahr vollendet und deren Einkommen 10.000 Mark im Jahr nicht überstieg. Der ASR argwöhnte, dass sich dabei diejenigen durchsetzen könnten, die den bürgerlichen und reaktionären Kreisen genehm seien. Deshalb riefen sie zum Boykott der vom Magistrat organisierten Wahl auf und organisierten am gleichen Tag eine eigene Wahl. Der Magistrat verschob daraufhin seinen Termin auf den 30. März. Hier wurde nur eine Vorschlagsliste eingereicht, womit nach Auffassung des Magistrats keine Wahl erforderlich war und die  6 Kandidaten der Liste für gewählt erklärt wurden. Daraufhin protestierte der ASR. Beide Wahlverfahren und deren Ergebnisse wurden der Regierung in Merseburg zur Entscheidung vorgelegt.

 

  1. Mär. Aufruf des USPD (St.-A. Nr. 436)

Der Vorsitzende Fischer-Almrich verlangte vom Magistrat, dass mindestens die Hälfte der  Bürgerwehr aus Arbeitern bestehen sollte. Damit wäre man problemlos auch an Waffen gekommen. Gleichzeitig wurden alle Abteilungsführer und die Mannschaften aufgerufen treu zur alten Regierung zu stehen.

 

  1. Mär. Meldung des Polizei-Wachtmeisters Marks (St.-A. Nr. 436)

Nach der Anweisung des Bezirkskommandanten von Naumburg Hauptmann Jacob wurden die Bürgerwehr bewaffnet.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Bewilligt wurden 5000 Mark  wurden für den Umbau der Einzelkabinen im Kurmittelhaus zu Inhalierräumen, 200 Mark für den Herausgeber der Kösener Zeitung Heyner für die Veröffentlichung amtlicher Mitteilungen und 300 Mark  als Aufwandsentschädigung für den Kurdirektor. 

 

  1. Apr. Vertragsangebot für die Kurkonzerte (St.-A. Nr. 390)

Die Badedirektion hatte den Musikmeister des 4. Jägerbataillons aus Naumburg unter Vertrag genommen. 5.200 Mark für 40 Konzerte und 20 Choralmusiken wurden vereinbart.  Doch die  Jäger wurden aufgelöst und mit dem Artilleriekorps 55 vereinigt. Machts  selbst wechselte als Kapellmeister zur ehemaligen Schutztruppe von Lettow-Vorbeck.  Dann scheiterten auch die Verhandlungen mit dem  Kapellmeister der Unteroffiziersschule Weißenfels.

 

      Apr. Besitzerwechsel verschiedener Hausgrundstücke (KÖZ).

Prof. Posseldt kaufte das Pädagogium (Käthe-Kruse Str. 3) von Frau Dr. Gehrke, die Witwe Dreyling erwarb die Villa Hartmann, das ehemaliges Mädchenpensionat (Fr. Ebert Str.15) und Tischlermeister P.  Lietz  das Grundstück Parkstraße 4 vom Bankier Krüger.

 

     Mai  Dr. Klemm erwirbt das Kinderheim „Hertha“ in der Salinenstraße.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593, KÖZ).

Der Direktor des Elektrizitätswerkes Camburg bot der Stadt einen Vergleich an. Wenn die Stadt der Erhöhung des Strompreises von 7 Pfg/kWh auf 25 Pfg/kWh zustimmt, würde man die Stadt sofort aus dem Vertrag entlassen, wenn sie ein eigenes Elektrizitätswerk hätte. Damit kam der Plan zum Ersatz der Wasserkünste durch Turbinen wieder auf den Tisch. Da aber absehbar war, dass auch dann der Bedarf nicht vollständig gedeckt werden würde, erklärte sich das Werk Camburg bereit, in den Spitzenzeiten die Versorgung abzusichern. Genehmigt wurden der Pachtvertrag über die Stadtbäckerei in der Wurstfabrik und freie Wohnung im Krankenhaus für die „Hausfrau“ Marie Hofmann. In vertraulichen Teil wurde der Magistrat beauftragt, bei Kersten zu intervenieren die Rauch- und Staubbelästigungen in der Saison in Grenzen zu halten.

 

  1. Mai Gründung einer Volkshochschule durch Rektor Haubold (KÖZ).

Am 15. Sep. fand die Eröffnungsfeier im Kurgarten statt.

 

  1. Mai Sanitätsrat Dr. med Karl Schütze verstirbt in Bad Berka (KÖZ).

Der namhafte Balneologe, Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des ADHV und nicht zuletzt Verfasser zahlreicher Gedichte, wurde hier beigesetzt. Ein Nachruf würdigte seine Verdienste als Inhaber des (inzwischen geschlossenen )Borlachbades, als Ratsschöffe (19095-1909), Stadtverordneter (1900-1909, 1912-1913) und Mitglied der Badekommission. Das Wohnhaus Lindenstraße 17 erbte seine Tochter, die mit dem Arzt Dr. Blenkle verheiratet war.

 

  1. Mai Wiedereröffnung der Flußbadeanstalt in der Rudelsburgpromenade 18 (KÖZ).

Dazu gehörten ein 20 m² großen Warmwasserbassin (25°), ein Krabbelbassin, mehrere Einzelwannen, zwei Nichtschwimmerbecken am Uferbereich  und ein mit Stämmen begrenztes Flußbad von 200 m².

 

  1. Mai DVP, DDP, USPD und der Arbeiterrat protestieren gegen den Versailler Vertrag (KÖZ).

 

  1. Mai Soleliefervertrag mit der Pension Weißenborn, Berbigstraße 1 (St.-A. Nr. 242)

Das Bad für Erwachsene kostet 2,30 Mark, für Kinder 1,60 Mark. Die Badekasse erhielt 75 Pfg. bzw. 55 Pfg, pro abgegebenen Bad für den Solebezug.

 

  1. Mai Auflassungsvormerkung für den Zeughauptmannn Alwin Ohm (BLK-A. Nr. 778)

 

  1. Mai Bildung einer städtischen Wohnungskommission (KÖZ).

Diese sollte leerstehenden Wohnraum in den Privathäusern erfassen und hier Mieter einweisen, womit man die ständige Wohnungsnot, bedingt durch die Vermietung an Badegäste zu verringern hoffte.

 

  1. Juni Erstes Kurkonzert in der Saison (St.-A. Nr. 390, KÖZ).

Nach den bisherigen Absagen hatte man nun zwei Kapellmeister. Den Sulzaer Hirte, der die Konzerte an den Wochentagen, die Choralmusiken und die Rèunions leitete und den Naumburger  Schlichting für die Sonntagskonzerte.

 

              Abgeordnetentag und oKC (Handbuch KSCV).

Nach vierjähriger Unterbrechung trafen sich die SC an der Rudelsburg, um den  9.000 gefallenen Corpsangehörigen zu gedenken. Neu aufgenommen wurden die SC zu Wien, Graz, Loeben und Prag, sowie die zu Köln, Hamburg undf Frankfurt.

 

  1. Juni Verzeichnis der steuerpflichtigen Einwohner und Hauseigentümer (St.-A. Nr. 436)

Zur Finanzierung der Bürgerwehr sollten alle steuerpflichtigen Einwohner herangezogen werden.  Demnach gab es 257 grundsteuerpflichtige Hausbesitzer, davon drei juristische Personen, der Konsumverein (Burgstr. 31) und die Portlandzementfabrik (Borlachstr. 50).  136 Einwohner waren einkommenssteuerpflichtig. An erster Stelle stand die Witwe des Mühlenbesitzer Roßner, An der Brücke 1 (130.000 Mk. Jahreseinkommen). Im weiten Abstand folgten Direktor P. Kersten und die Witwe Klara Koch (Lindenstr. 20) mit jeweils 32.000 Mk. der Prokurist Paul Roßner, Am Park 2 und die Witwe Heidenreich, Naumburger Str. 1 (29.500 Mk.), der Weingutsbesitzer Max Schreiber, Saalberge 21 (27.500 Mk ), die Witwe des Konsitorialpräsidenten v. Brun, Berbigstr. 16 (25.500 Mk.) die Witwe des Gasthofbesitzers Weber (23.500 Mk.),  die Witwe Zeppat, Lindenstr. 15 (22.500 Mk.), Bankier Krüger, Am Park 1 (21.500 Mk.), Frau Maria Kasse, Rechenberg 7 (18.500 Mk.)  Pfarrer J. Diederichs (14.500 Mk.)  Konditor Otto Schoppe und der Rentier G. Braune, Berbigstr. 17 (je 13.500 Mk.) Postmeister a. D. Karl Eckleben, Lindenstr. 11, Hotelbesitzer P. Waldhausen, Kukulauer Str. 2 und Wilhelmine v. Helldorf, Berbigstr. 1 (je 12.500 Mk.) , Gerichtspräsident P. v. Ehrenberg, Rechenberg 8 (11.500 Mk.). Generalmajor a. D. v. Schönfeld, Salinenstr. 1 ( 10.000 Mk.). Alle anderen hatten ein Einkommen zwischen 3000 und 10.000 Mk. Wer darunter lag, war befreit.  

 

  1. Juli Umwandlung der Fa. E. Roßner Mühlenwerke in eine oHG (Roßner, 1932).

Ernst Roßner sen. hatte 1866 die Mühle seinem gleichnamigen Sohn vererbt. Der fiel 1914. Seine Witwe Marta Rossner geb. Schneider und die Kinder Paul und  Marta gründeten nun eine oHG, um Kapitalgeber zu gewinnen. Die oHG beantragte die Erhöhung des Wehraufsatzes, um das Aufschlagwasser für die Turbinen zu verbessern.

 

  1. Juli Veröffentlichung von Grundstücksverkäufen (KÖZ).

Der Kohlenhändler Haase erwarb für 93.000 Mark die Salinenstraße 6 und verkaufte sein Grundstück in der Borlachstraße 25 an die Fa. F. A. Koch, der Zigarrenfabrikant  Menzel kaufte die Burgstraße 10 vom Restaurateur Geithner. Der Kaufmann Karl Müller hatte das  „Borlachbad“ erworben und begann mit dem Umbau zum Wohngebäude. Dabei überließ er der Stadt einen Streifen des Vorgartens, damit die Lindenstraße an dieser Stelle verbreitert werden konnte.

 

  1. Juli Das preußische Innenministerium genehmigt das geänderte Stadtwappen.

Es zeigt im blauen Schild eine silberne Brücke, auf welcher ein mit Salz gefüllter grüner umgekehrt kegelförmiger Weidenkorb steht. Das Wasser unter der Brücke ist ebenfalls grün als Hinweis auf die Zugehörigkeit zum „Grünen Herzen Deutschlands“. Über dem Schild liegt eine silberne Mauerkrone. Das bisherige Wappen mit dem preußischen Adler über der Brücke durfte nicht mehr verwendet werden.

 

  1. Aug. Aufruf für freiwillige Spenden für die Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

Die Erhebung von Pflichtbeiträgen entsprechend der Steuerveranlagung war gescheitert, weshalb man nun an die Spendenbereitschaft appellierte.  

 

  1. Aug. Erneuter Aufruf an die Einwohnerschaft (St.-A. Nr. 436)

„Wie der verehrten Einwohnerschaft bekannt ist, besteht hier eine Einwohnerschutzwehr. Diese ist gebildet worden, um das Leben und Eigentum der Einwohner gegen Bedrohung, Erpressung, Diebstahl, Raub und Plünderung zu schützen. Hierdurch entstehen der Stadt Kosten, die wir im Wege der von freiwilligen Beiträgen zu decken beabsichtigen. Auch macht sich die Anlegung eines Fonds erforderlich um erforderlichen Falls Mittel zur Verfügung zu haben bzw. bei Unglücksfällen die Mitglieder der Einwohnerschutzwehr finanziell unterstützen zu können. Die Leistung der Beiträge ist Ehrensache, namentlich für diejenigen, die größere Vermögen bzw. große Unternehmen und Grundstücke besitzen und die sich persönlich an der Einwohnerwehr nicht zur Verfügung stellen können. Es geht daher die Bitte, die Erhaltung der Einwohnerschutzwehr durch freiwillige Beiträge  zu sichern, wofür wir uns gestatten im Voraus verbindlich zu danken.“

67 Spender gaben 5 und 50 Mark und 5 Spender 100 bis 200 Mark; Insgesamt 3.490 Mark.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Nach Einführung der Weimarer Verfassung wurde die Wahl der Stadtverordneten bestätigt und der ASR aufgelöst. Nach kurzen Gedenken an Bürgermeister G. Glöckner, der im Alter von 39 verstorben war, beschloss man die Neuausschreibung. Dann beschäftigte sich die Versammlung  mit Gehaltsanträgen der städtischen Bediensteten und votierte einstimmig für den Verbleib im Freistaat Preußen.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ, Röblitz 1930).

Beschlossen wurden neben dem Ortsstatut auch Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel. Dazu wurden die Kompetenzen des Wohnungsamtes gegenüber privaten Hauswirten und Vermietern erweitert und ein paritätisch besetztes Mieteinigungsamt geschaffen.

 

  1. Okt. Übungsschießen der Ortsgruppe auf dem Schießstand in den Saalbergen (St.-A. Nr. 436)

Mitzubringen waren das Gewehr und 5 Patronen für das Modell 88 und ein Ladestreifen für das Modell 98.

 

  1. Okt. Anordnung nächtlicher Patrouillengänge für die Bürgerwehr (St.-A. Nr. 436)

 

  1. Okt. Volkszählung (BLK-A. Nr. 891, KÖZ).

Insgsamt waren 3.272 Personen ortsanwesend, davon 1.323 Männer und  1.949 Frauen in 894 Haushalten, d. s. 3,5 Personen/Haushalt. Trotz schwieriger Lebensverhältnisse hatte sich nach der Rückkehr der Männer aus dem Krieg die Geburtenrate nahezu verdoppelt und überstieg wieder die Sterberate.  Die Stadtschule (Rektor Haubold) hatte sieben Klassen mit 337 Schülern, im Possardt`schen Pädagogium unterrichteten 4 Lehrer die 54 Knaben und an der Höheren Töchterschule und Knabenvorschule 4 Lehrerinnen  88 Kinder.      

Nach dem Naumburger Adreßbuch gab es nur noch eine Heilanstalt, das Löfflersche Frauensanatorium sowie die Badeanstalten Ritterbad (Waldhausen), Am Gradierwerk (Bahse), Rheingold (Merten), Friedrichsbad (Ohm), Haus Eschstruth (Weißenberg) und das städtische Luft- und Sonnenbad am Gradierwerk.

Zu den Gasthöfen und Hotels zählten der „Mutige Ritter“ (Waldhausen), Hotel Apel, Parkhotel (Haug), Loreley (Friedrich), die Tanne (Koch) und der preußische Hof (Hamel). Gastewirte waren Albrecht (Burgstr. 8), Callensee (Post mit Ratskeller), Ermisch (Bahnhofslokal), faust (Schöne Aussicht), Geschke (Loreleyprom. 4) Hartung (Lindenhof) Merker (An d. Brücke 2), Schmohl (Kukulauer Str. 8) Schreiber (Saalhäuser) Steinbeck (Erholung), Konditoreien bzw. Kaffees mit Ausschank gehörten Schneider (Lindenstr. 7), Seiffert (Schmettaustr. 2), Werner (Kaiser-Wilhelmsburg), Wolfram (Rudelsburgprom. 9 sowie Schoppe.

Dazu kamen die nicht zum Stadbezirk gehörenden Ausflugslokale Katze, Rudelsburg und Göttersitz.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Genehmigt wurden die Mietverträge mit der Mitteldeutschen Matratzenfabrik, später Kornatzki & Klinge bzw. Dreikah-Werke und der höheren Tochterschule in der Wurstfabrik. Die Bürgerwehr und Ortspolizei sollten gemeinsam auf Streife gehen, um Diebe und Schieber  abzuschrecken.

 

  1. Okt. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Beschlossen wurde mit dem  3. Nachtrag zum Ortsstatut die Einführung eines stellvertretenden  Bürgermeisters, als unbesoldeten Beisitzer und die Vergrößerung des Magistrats auf 6 Mitglieder

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 833)

Bewilligt wurden 2.200 Mark für den Druck von 5.000 Broschüren „Führer durch Bad Kösen“ und der Abbruch der Esse der Wurstfabrik. Den Auftrag erhielt der Dachdecker Walter Kuhnt aus der Saalstraße, der den Abbruch auf eigene Kosten anbot, wenn er das Material behalten dürfte. Damit würde er sofort mit dem Bau eines Hauses mit mehreren Wohnungen beginnen.   

 

  1. Dez. Geselliges Beisammensein der Bürgerwehr mit Familie im Park (St.-A. Nr. 436)

 

  1. Dez. Protest gegen den Erweiterung des Zementwerkes (BLK-A. Nr. 593)

 

  1. Dez. Wahl der Ratsschöffen (KÖZ).

Erstmals wurde mit Marie Häsecke eine Frau gewählt, außerdem der Kaufmann Max Schuster und der Major a. D. Alwin Ohm. Bestätigt wurde der Apotheker Steuer und zum unbesoldeten Beigeordneten  Postmeister a. D. Eckleben gewählt.   

 

  1. Dez. Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Angesichts der Unruhe in der Bevölkerung wegen der prekären Versorgungslage, soll der Magistrat beim Reichswirtschaftsamt die Erhöhung der Rationen bei der Lebensmittelzuteilung erwirken, da es nur wenige Selbstversorger und keine Landwirte gibt. Darüber soll alles von der Stadt geschlagene Brennholz in halben Raummetern zum Selbstkostenpreis der ärmeren Bevölkerung verkauft werden.

 

            Dr. Theodor Friedrich Wilhelm Malade eröffnet eine Arztpraxis in der Lindenstraße 5.   

1920 heiratete er die Tochter des Generals der Artillerie a. d. v. Roehl aus Naumburg.  Der  Weltkriegsteilnehmer schrieb seine Kriegserinnerungen, die 1930 bei Lehmann in München unter dem Titel „Von Amiens bis Aleppo“ erschienen . Er starb 1933. 

 

1920

 

      Jan. Käthe Kruse erwirbt das Grundstück Rudolf- Breitscheid-Straße 11 (KÖZ).

Das der Familie des Brauereidirektors und ehemaligen Stadtverordneten Rutschmann gehörende und als Pension genutzte Haus kostete  85.000 Mark.

 

  1. Jan. Eine Sturmböe zerstört die Wandelhalle an der Ostseite des Gradierwerkes (KÖZ).

 

  1. Jan. Erste öffentliche Versammlung des „Vereins für städtische Interessen“ (KÖZ).

248 Mitglieder suchten nach Wegen zur Weiterführung des Badebetriebes nachdem das Borlachbad und das Wilhelmsbad geschlossen waren. Insbesondere die umliegenden Hauswirte fürchteten um ihre Existenz. Die Stadt selbst war mit 918.000 Mark verschuldet, die Sozialleistungen nahmen zu und derzeit ging es vorrangig um die Verteilung von Lebensmitteln, Bekleidung und Brennmaterial.

 

  1. Jan. Bekanntgabe von Grundstücksverkäufen (KÖZ).

Den besitzer wechslten die Fr. Ebert-Straße 23 (Prof. Dr. A. Schultze), die Salinenstr. 1 (Privatier Schleicher, 72.000 Mark), das Struvesche Grundstück, Gerstenbergkpromenade 13 (A. Leppert) und die  Hennenbrauerei  verkaufte die ehemalige Brücknersche Brauerei, Saalstraße 27.

 

  1. Feb. Tod von Juliane Sophie Kumbruch (BLK-A. Nr. 593, Sterbereg.)

Sie starb im Alter von 72 Jahren und wurde im Familienbegräbnis beigesetzt. Für ihre Spende zum Bau des Krankenhauses wurde sie von der Stadtverordnetenversammlung geehrt. Nachkommen der Familie sind nicht bekannt.

 

  1. Feb. Einwohnerversammlung (KÖZ).

Die Teilnehmer forderten vom Magistrat die Erneuerung der Soleleitung vom Gradierwerk über die Brücke bis zur Lindenstraße um so allen Hauswirten eine Anschlusszu ermöglichen. Bis zum  Bau eines Badehauses sollten die Bäder in den Quartieren abgegeben werden. 

 

  1. Feb. Druck von 2.900 Mark Notgeld (BLK-A. Nr. 593)

 

28 Feb. Vergleich mit dem E-Werk Camburg vor dem LG Weimar (BLK-A. Nr. 593)

 

      März. Einlagerung von Waffen auf Burg Saaleck (Belau).

Ein hallescher Offizier und zwei Zeitfreiwillige aus Naumburg schafften Gewehre, Infanteriemunition, Maschinengewehre und Handgranaten auf die Burg bzw. in einen unterhalb von Kreipitzsch gelegenen Felsenkeller. Im Dezember wurde das Waffenlager ausgehoben.   

 

  1. Mär. Verhandlungen zwischen dem Streikkomittee und der Bürgerwehr (KÖZ).

Um ein Vorrücken bewaffneter Putschisten zu verhindern, suchten USP-Leute und Spartakisten in der Umgebung nach Waffen. Da veranlaßte den Magistrat zum Schutz der Stadt die Bürgerwehr zu mobilisieren. Die versammelte sich im Holzwerk um die aus Lengefeld anrückenden Arbeiter aufzuhalten. Um eine bewaffnete Auseinandersetzung zu vermeiden, wurde verhandelt. Der USP Mann Schuster aus Almrich verlangte, dass Bürgerwehr durch Arbeiter verstärkt wird, ansonsten  würde man die Stadt von der Zufuhr  von Lebensmitteln, Strom und Wasser abschneiden. Das lehnte die Bürgerwehr ab, erklärte sich dann bereit, unter Ausschluss Schusters mit den hiesigen Arbeitern (Voigt, Patze,  Firchau) zu verhandeln. Man einigte sich auf einen Kompromiss, die Waffen der Bürgerwehr kamen ins Rathaus, wo sie gemeinsam von Arbeitern und Bürgern bewacht wurden. Die Einwohnerschaft wurde durch ein Flugblatt zu Ruhe und Besonnenheit ermahnt.

 

  1. Mär. Bewaffnete Auseinandersetzung mit Reichswehrtruppen (Kormann).

Am Morgen kam ein bewaffneter Trupp von Naumburg nach Kösen, um sich dem örtlichen anzuschließen. Die Brücke und das Gradierwerk wurden besetzt. Im  Gasthof „Zur Tanne“ (Pächter Otto Werner) wurde beschlossen,  das Rathaus zu stürmen, um sich der dort eingelagerten Waffen zu bemächtigen. Doch inzwischen waren drei Kompanien der   „Schwarzen Reichswehr“ von Eckartsberga kommend am Ortseingang eingetroffen und wurden von der Brücke aus unter Beschuss genommen. Die Reichswehr erwiderte das Feuer mit Maschinengewehren und Granatwerfern. Dabei wurden auch die vor der „Tanne“ versammelten Arbeiter unter beschuss genommen. Der Feuerüberfall kam  völlig überraschend, 13 Arbeiter waren sofort tot oder erlagen im Kösenern Krankenhaus ihren Verletzungen, darunter die Kösener P. Hertel und F. Hering, weitere  25 Mann ergaben sich und wurden festgenommen.

  1. Mär. Die Reichswehr übergibt das Kommando an die Sicherheitspolizei und die Bürgerwehr.

 

  1. Mär. Beisetzung der Toten aus Naumburg und Almrich (KÖZ, Sterbereg).

Dazu gehörten Hertel (16 J.),Kolodzieg (38 J.), Hering (22 J.), Kruppe (21 J.), Petzoldt (22 J.) und Schmidt (30 J.)

 

  1. Mär. Einführung von Bürgermeister Dr. jur. Arnold Schubart (BLK-A. Nr. 593)

Der geborene Berliner, Jg. 1881, Hauptmann a. D. wurde vom Landrat eingeführt, zusammen mit dem Beigeordneten Siebold, nachdem Eckleben mit Verweis auf sein Alter die Wahl nicht angenommen hatte.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (KÖZ, St.-A. Nr. 434, BLK-A. Nr. 593).

Die Ereignisse der letzten Tage spielten in der Sitzung keine Rolle. Man befasste sich mit dem Haushaltsplan, der Kurtaxe und Grundstücksfragen. Im vertraulichen Teil wurde der Vorschlag der Badedirektion angenommen, für 2400 Mark Werbeinserate in 20 Zeitungen in den mittel- und norddeutschen Städten zu schalten: „Solbad und Inhalatorium. Große Erfolge bei Erkrankungen der Atmungsorgane, Skrophulose, Rachitis, Rheumatismus, Gicht, Herz- und Frauenleiden. Neues städtisches Kurmittelhaus mit Gesellschafts- und Einzelinhalation, Pneumatischen Kammern, Radium-Emanatorium, starke Solequelle, Gradierwerk, Spielplatz, Lift- und Sonnebad, Trinkquellen“.

 

       Apr. Firma F. A. Koch kauft das Grundstück Borlachstraße 25/27 (KÖZ).

Damit verfügte die Firma über ein durchgehendes Grundstück zwischen der kleinen Promenade und der Borlachstraße, wo nun ein Lager für Land- und Brennstoffhandel eingerichtet wurde. Für die Fuhrwerke wurde hier eine Tordurchfahrt eingerichtet. Das ehemalige Haase`sche Anwesen an der kleinen Promenade wurde abgebrochen und hier ein neues Wohnhaus ebenfalls mit  Tordurchfahrt errichtet.

 

  1. Apr. 2. Nachtrag zur Kurtaxordnung von 1911 (MER C48Ih Nr. 920)

Die große Kurkarte für Fremde kostete nun 40 Mark, die Beikarte 20 Mark und alle weiteren Familienangehörigen zahlten 10 Mark. Personen, die nicht im Besitz von Kur- oder Dauerkarten waren, hatten beim Besuch der Kurkonzerte eine Tageskarte zu erwerben.

 

  1. Apr. Gastspiel des Stuttgarter Operetten-Theaters im Kurgarten (priv).

Aufgeführt wurde die Operette „Wenn die Liebe erwacht“ von Eduard Künneke. Der Eintritt kostete zwischen 2.50 Mark und 6 Mark.

 

  1. Apr. Schreiben Pastor Diederichs an das Lazarus-Mutterhaus (Lazarus Freundesbrief 1991)

Namens des Vorstandes teilte er mit, dass man „in Folge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage“ die Einstellung des Hospizes zum 30. September  plant, das Anwesen verkauft und aus dem Erlös der Bestand der Diakonissenstation gesichert werden soll. Das Mutterhaus verwies in seiner Antwort darauf, dass es genügend bemittelte alleinstehende Damen gäbe, die sehr wohl in der Lage wären, auch eine höhere Miete zu zahlen. Daraufhin entschloss sich der Vorstand zu einer  Erhöhung der Preise. Als Nachfolgerin für die nach 31 Dienstjahren ausgeschiedene Schwester  Auguste kam Schwester Johanna Maetschke. 

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Musikdirektor Schmidt aus Naumburg (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 88 Konzerte mit einer Besetzung von 20 Musikern für die normalen Kurkonzerten, für die 22 Choräle reichten 6, für die 22 Rèunions 4 Musiker. Die Pauschale betrug 19.800 Mark. Die Bewerbung des hiesigen Musikdirektors Schlichterling fand keine berücksichtigung.

 

  1. Mai Erteilung der Schankkonzession für F. Wolf (St.-A).

Dem Buchbinder Wolf, der neben seinem Handwerk in der Gerstenbergkpromenade Nr.  7 Zimmer vermietete, hatte bislang keine Schankkonzession bekommen, weil sich zuviel Gastwirtschaften in unmittelbarer Nähe befanden („Preußischer Hof“, „Tanne“, die Bahnhofswirtschaft, Hotel Apel, Deutsches Haus). Wolf nannte seine Gastwirtschaft „Bismarck“ und erhieltden Fernsprechanschluss Nummer 29.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Der Ankauf der restlichen Fränkenauer Wiese wurde zurückgestellt, der Pachtvertrag mit der Landesschule verlängert. Dagegen sollte der Kaufantrag für das Gelände an der Johannisquelle gestellt werden. Aaußerdem wurden 34.600 Mark für den Ankauf und die Einlagerung von Kohle zur Notversorgung und 50 Pfennig Eintritt für das Kurmittelhauses beschlossen, wovon die Angehörigen der städtischen Körperschaften ausgenommen wurden.

 

  1. Juni Eintrag der Fa. Puppenkunst Elisabeth Heine & Schneider oHG im Handelsregister.

 

  1. Juli Der VfB Rudelsburg Bad Kösen erhält die Verbandspielerlaubnis (KÖZ).

Das Spiel anlässlich des einjährigen Bestehens des Vereins wurde gegen den Naumburger SV 05  mit 5:4 gewonnen.

 

  1. Juli Nach sechs Jahren gibt es wieder ein Brunnenfest (KÖZ).

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Die Stadt erklärt sich  bereit, Mittel für die Beseitigung von Schäden an privaten Grundstücken,  während der Schießerei am 20. März, bereitzustellen, vorbehaltlich dass sie dazu auch verpflichtet sei.

 

  1. Aug. Weihe der Gedenktafeln für die Kriegsopfer (KÖZ, Röblitz 1930).

90 Gefallene und 14 Vermisste standen auf den Taflen in der Kirche.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 593)

Für die städtischen Angestellten (Rendant, Gegenbuchschreiber, Stadt-, Bade- und Polizeisekretär, Kassenbuchhalter, Magistratsbote, Schulkastellan, Nachtwächter) wurde das  Gehalt monatlich als Vorschuss gezahlt. Außerdem wurden 3.000 Mark für Reparaturen am Krankenhaus bewilligt.

 

  1. Okt. Paul Kersten wirbt für die die Stromerzeugung aus Wasserkraft.

Der Vergleich mit dem E-Werk Camburg, dass inzwischen zur Elektrizitätsgesellschaft Halle gehörte, gewährte nun eine gesicherte Stromversorgung. Dennoch gab es Pläne für ein eigenes E-Werk auf Wasserkraftbasis. Da die Stadt dazu allein nicht in der Lage war, sollte sie sich dazu einen kapitalkräftigen Partner aus der Wirtschaft suchen, schlug Paul Kersten vor.

 

  1. Okt. Die AOK Apolda kauft die Hälfte des ehemaligen Kursaales (KÖZ).

Eigentümerin war ein Frl. Tenzel die hier eine Pension betrieb. Die AOK bezahlte der Eigentümerin Frl. Tenzel 130.000 Mark  und richtete ein Kindergenesungsheim ein.

 

  1. Nov. Umgemeindung von 49 Parzellen vom Gutsbezirk (BLK-A. Nr. 511, 593)

Dazu gehörten die in den letzten Jahren bebauten Grundstücke auf der Hinterwiese, am Scheitbach und in der Berbigstraße, sowie die Planstraßen B (Pfaffenstieg) und C (A.-Bebel-Str.)

 

  1. Nov. Aktualisierung der Vergnügungssteuer (MER C 48Ih Nr. 920)

Für Tanzveranstaltungen  bis Mitternacht waren 40 Mark, danach 75 Mark und bei Kostümzwang 100 Mark fällig. Karnevalssitzungen ohne Tanz kosteten 20 Mark, Singspiel, Tingel-Tangel, zirzensische Vorstellungen, Lieder- und Klavierabende laben zwischen 50 und 100 Mark. Schausteller zahlten pro Tag 30 bis 100 Mark.

 

  1. Dez. Meldung über einen Besitzwechsel (KÖZ).

Der Konditor Seiffert (Schmettaustr. 1)  erwarb von der Witwe Häun das  Kaffeehaus an der Brücke  für  90.000 Mark.

 

1921

 

  1. Jan. Meldung über Eigentümerwechsel (KÖZ).

Die Gerstenbergkpromenade 16 ging für 50.000 Mark an den Gastwirt Max Küch, die  Loreleypromenade 3a erwarb der Spediteur W. Pabst für 55.000 Mark von der Witwe Spatzier.

 

  1. Feb. Ablehnung einer Eingemeindung durch den Bezirksausschuss (BLK-A. Nr. 511)

Die Ehefrau des Holzhändlers Graf hatte die Eingemeindung der Rudelsburgpromenade 19 aus der Lengefelder Flur beantragt. Hintergrund waren höhere Anschlussgebühren für „Ortsfremde“ an die städtische Wasser- und Stromleitung.  Ihre Beschwerde wies der Provinzialrat ab.

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (KÖZ).

Für den von der Stadt gepachteten, noch unbebauten Teil der Fränkenauer Wiese hatte die landesschule Pforte noch vor dem Krieg dem Zimmerermeister Kotte eine Auflassungsvormerkung eingetragen. Allerdings erklärte er sich bereit, bei Zahlung einer Entschädigung diese zu löschen.

 

  1. Mär. Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 523,KÖZ).

Bei einem Schlichtungsgespräch mit dem Regierungspräsidenten war man übereingekommen, die Fränkenauer Wiese für 55.000 Mark von Pforte abzukaufen. Damit waren alle öffentlichen Fläche im besitz der Stadt und die Landankaufkommission wurde aufgelöst.

 

  1. Mär. Vertrag mit der Stadtkapelle Weißenfels. (St.-A. 390).

Diese wiurde für 2 Kurkonzerte wöchentlich gebunden. Gleichzeitig beschloss die Badekommission (Schubert, Häring, Ohm, Walther, Wagner, Troll, Heyner, Posseldt) 4.000 Mark für Zeitungswerbung bereit zu stellen (St.-A. Nr. 434).

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Das Mieteinigungsamt wurde mit Troll und Heyner seitens der Hausbesitzer und Leideck und H. Fischer seitens der Mieter besetzt. Beschlossen wurden Mittel für die Vorplanung eines neuen E-Werks.

 

  1. Mär. Regulativ zur Gemeindesteuerordnung (MER C48 Ih Nr. 920)

Die Steuerfreigrenze lag bei 8000 Mark, der Steuersatz entsprach dem im Landessteuergesetz vorgesehenen Höchstsatz und wurde vom Gesamteinkommen erhoben.

 

  1. Mär. Bismarckfeier des Deutschen Jugendtages auf der Rudelsburg (KÖZ).

Wegen der blutigen Unruhen in den LEUNA Werken, sollte das Treffen verlegt werden, es waren jedoch schon zahlreiche Teilnehmer angereist, so dass die Veranstaltung stattfand.

 

  1. Apr. Konzession für einen Kinematographen-Saal am „Lindenhof“ (St.-A).

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Minna Lingenover wurde als „Hausfrau“ im städtischen Krankenhaus eingestellt und der Parkarbeiter Matthes erhielt eine Dienstmütze, ein Dienstanzug jedoch abgelehnt.

 

  1. Apr. Gründung des Ortsvereins der Hotel- und Gastronomieangestellten (KÖZ).

Die Gründungsmitglieder trafen sich beim Gastwirt Schmohl.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (Blk-A. Nr. 523, KÖZ, MER C 48 Ih Nr. 920).

Beschlossen wurde  Notgeld zu 10 und 50 Pfennigen ingesamt für 100.000 Mark. Im 4. Nachtrag wurden die Kurkarte mit 60 Mark pro Kopf bei einer Aufenthaltsdauer von 2 bis 10 Wochen festgesetzt, die Beikarte auf 30 Mark und jedes weitere Familienmitglied zahlte 20 Mark. Allerdings gab es verschiedene Sonderregelungen und Vergünstigungen. Für ein Erwachsenen-Solbad  durften die Badewirte  6 Mark verlangen, davon erhielt die Stadt 1,50 Mark für die  Solelieferung. Außerdem wurde eine Oberin für die Saison im Kurmittelhaus für 600 Mark eingestellt.

 

  1. Mai Antrag des Betreibers der „Kurgarten-Lichtspiele“ (BLK-A. Nr. 890)

Die Aufstellung eines Schaukastens gegenüber vom Bahnhof neben den des Fotografen Krause wurde abgelehnt.

 

  1. Mai Vermächtnis der Frau Johanna Becker geb. Knöfel (Röblitz 1930)

Sie stiftete die Zinsen von 5000 Mark Kapital für das Krankenhaus.

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Die Baugesellschaft durfte die Straße C nach den Bauvorschriften für Gutsbezirke herstellen und sollte der Stadt die Mehrkosten für nachfolgende Ausgestaltung nach den städtischen Bauvorschriften (z. B. Pflaster der Gehwege, Rinnsteine) aus dem Verkaufserlös für die Bauplätze erstatten.  

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (KÖZ, St.-A. Nr. 98).

Die Stadtverordneten wurden darüber informiert, dass die Stadt 17 % der Kosten, der bei den Märzunruhen 1920 entstandenen Schäden an Privathäusern übernehmen muss.

 

  1. Juni 25jähriges Geschäftsjubiläum vom Rudelsburgwirt A. Büchner (KÖZ).

 

  1. Juni Die Fa. Graf & Döhler verkauft das Holzwerk in der Rudelsburgpromenade.

Erwerber war die Fa.  Weist Hoch- und Tiefbau. Weist errichtete ein zweites Maschinenhaus und eine Silo-Anlage.

 

  1. Juni Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde, den Höchstsatz an Arbeitslosenunterstützung nach der Reichsverordnung an die vom LEUNA -Streik betroffenen einheimischen Arbeiter rückwirkend ab Mai zu zahlen.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Genehmigt wurde der Kauf des Grundstücks auf dem die Johannisquelle stand für 1,50 Mark/qm und die Erneuerung der Quellfassung für 600 Mark.

 

  1. Aug. Ehrung von Dr. Günter Kniesche (KÖZ).

Seiner Mutter gehörte seit 1905 die  Pension „Rheingold“.  Kniesche war Direktor des Zoologischen Garten in Halle und korrespondierendes Mitglied der amerikanischen Zoologischen Gesellschaft.

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. KÖZ).

Die Baugenossenschaft „Eigenheim“ wollte auf einer Fläche von 1000 m² östlich der Kukulauer Straßemehrere Wohnhäuser errichten. Die Stadt stimmte zu wies allerdings auf die Problematik der Trinkwasserversorgung hin, da diese baugebiet bereits höher lag als der Überlaufbehälter am Nikolausberg und so kein Wasserderuck vorhanden war.

Beschlossen wurde weitere Pacht der Weberschen Wiese für 1.500 Mark für 10 Jahre mit einer Erwerbsoption.

 

  1. Sep. Ordnung zur Besteuerung der Beherbergung (MER C 48Ih Nr. 920)

Besteuert wurden alle  Mietverhältnisse unter 5 Monaten, also die Vermietung an Badegäste.

 

  1. Sep. Beschluss zur Erhöhung der Pacht öffentlicher Flächen (BLK-A. Nr. 890).

Das betraf  Vorgärten, Abflußleitungen, Hinweis-und Werbetafeln, gewerbliche  Einrichtungen wie Laubmanns Friseurladen und die Soleleitungen zu den Pensionen von Merten, Ohm und Häring.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Genehmigt wurde die Einschulung auswärtiger Kinder (Kukulau, Saalhäuser) bis auf Widerruf, sowie die Übertragung der Turnhalle an den Turnverein unter der Maßgabe, dass die städtische Schule hier weiterhin ihren Turnunterricht absolvieren kann.

 

  1. Okt. Grundsteinlegung für den Neubau des Saales am „Mutigen Ritter“.

5 Jahre nach dem verheerenden Brand sollte anstatt eines Logierhauses ein „Fest- und Versammlungssaal“ entstehen, der als „Kommers-Saal“ des Kösener SC  die leidige Suche nach  angemessenen Räumlichkeiten zukünftig erübrigt. Dafür gewährte der KSCV eine Anleihe, mit der Auflage, den Saal für die Veranstaltungen des SC jederzeit und kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die künstlerische Leitung hatte der Architekt Max Graumüller, die Ausführung übernahm K. Kotte.  Auf die Überbaung der Loreleypromande analog des „Blauen Salons“ wurde großzügig verzichtet.

 

  1. Nov. Geburt von Max Kruse (Lebenserinnerungen)

Er war das letzte der sieben Kindern der Puppengestalterin Käthe Kruse. 1946 begann er in Bad Pyrmont mit dem Aufbau eines Zweigwerkes. 1949 wurde die Produktionsstätte mit der in Donauwörth zusammengelegt und von ihm bis 1958 geleitet. Danach widmete er sich der Schriftstellerei und wurde als Autor zahlreicher Kinderbücher („Der Löwe ist los“, „Urmel auf dem Eis“) einem breiten Publikum bekannt, nicht zuletzt durch die Fernsehsendungen der  Augsburger Puppenkiste, die in den 60iger Jahre liefen. Seine Kinder- und Jugendzeit in Kösen beschrieb er in einer lesenswerten Biografie. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. 2012 zeigte die Kunsthalle eine Sonderausstellung anläßlich seines 90. Geburtstages.   

 

  1. Dez. Ergänzung der Verordnung zur Vergnügunssteuer (MER C 48 Ih Nr. 920)

Der Abgabe wurde nun auch gestaffelt für die Veranstaltungsflächen sowie nach der Besucherzahl erhoben.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung(BLK-A. Nr. 523)

Fachingenieure der Fa, Siemens & Schuckert stellten das Projekt einer Wasserkraftanlage vor und die Mittel für die Planung einer städtischen Solebadeanstalt wurden bewilligt.

 

     Dez. Amtliche Personenstanderfassung (KÖZ).

Von den 3.272 Einwohner waren 3.188 evangelisch. 79 Geburten standen gegen 50 Sterbefälle. Die städtische Schule hatte 321 Schüler, das Pädagogium 59, davon 32 Interne und die Mädchenschule 64.

 

1922

 

  1. Jan. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde der Ankauf des Geländes links und rechts der Kukulauer Straße zur Anlage von Promenadenwegen und die Verpachtung des Cafes am Gradierwerk an Salzmann.

 

  1. Jan. Seeoffizier L. Dithmar versteckt sich auf Burg Saaleck (Belau 2011).

Dithmar war wegen Kriegsverbrechen (Abschuss des britischen Lazarettschiffes „Llandovery Castle“ am 27. Juni 1918 außerhalb des Sperrgebietes, wobei 234 Menschen umkamen) im Juli 1921 vom Reichsgericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Flucht aus dem Naumburger Gefängnis gelang ihm mit Hilfe  rechtsnationaler Offiziere, zu denen auch die Rathenaumörder   Fischer und Kern gehörten.

 

  1. Feb. Beurlaubung des Bürgermeisters (BLK-A. Nr. 523)

Schubart ging zu einer achtmonatigen Einarbeitung bei der Reichsfinanzdirektion, wo er dann auch blieb. Während der Einarbeitung erhielt er 50% seiner Dienstbezüge als Bürgermeister, die  Vertretung übernahm der Beigeordnete Siebold. 

 

  1. Mär. Notiz des Bürgermeisters zur Zeitungswerbung (St.-A. Nr. 434)

Wegen des nur mäßigen Erfolgs in den letzten Jahren und den Kosten einer Anzeigenagentur sollte direkt mit überregionalen Zeitungen der Provinzen aus denen die meisten Besucher zu erwarten waren, verhandelt werden.

 

  1. Mär. Verpachtung des Schwanenteichs zur Fischzucht (BLK-A. Nr. 523)

 

  1. Mär. Antrag des Musikdirektors Schlichting (St.-A. Nr. 390)

Diesmal schlug der beschäftigungslose Kapellmeister der Stadt die Aufstellung einer eigenen Kurkapelle unter seiner Leitung vor, weil diese „für die Einwohner eine Einnahme wäre, wogegen die auswärtigen  Orchester das ganze Geld mitnehmen“. In Anbetracht der beginnenden Geldentwertung verlangte er für den Kapellmeister monatlich 2500 Mark für jeden der 16 Musiker 2.000 Mark, zuzüglich der Kranken-und Rentenbeiträge, insgesamt 35.300 Mark. Die Kurkapelle sollte das ausschließliche Recht für alle musikalischen Veranstaltungen in den Gaststätten erhalten. Das wären pro Jahr 130 Konzerte, Rèunions und Bälle, 16 im „Mutigen Ritter“, 12 im Parkhotel, 16 in den Saalhäusern und 12 auf der Wilhelmsburg.  Sogar für die „Tanne“ plante er 4 Bälle. Das ergäbe eine Einnahme von 26.700 Mark. Dazu kämen 24 Konzerte und 4 Rèunions für die Badeverwaltung für 17.100 Mark.  Insgesamt kämen so  43.800 Mark zusammen, mithin ein Plus für die Badekasse von 8.500 Mark. Da das Risiko bei der  Badeverwaltung lag, wurde das Angebot abgelehnt und mit dem Musikdiretor Thiede aus Weißenfels einen Vertrag für die nächsten 5 Konzerte abgeschlossen.

 

  1. Mär. Verpachtung des Luft-und Sonnenbades an Fr. Rosenauer aus München (BLK Nr. 523

Die Pacht betrug 300 Mark, dazu kam eine Kaution von 500 Mark.

 

  1. Apr. Eingemeindungsbeschluss der Stadtverordneten (BLK-A. Nr. 511, 523, KÖZ).

Zwei Wohnhäuser an der Fränkenauer Wiese (Gerstenbergkpromenade Nr. 15 Sehnert,  Nr. 16 Wagner) wurden eingemeindet und der Vertrag mit der Landesschule über die Verlegung der Wasserleitung für die Eigenheimgenossenschaft an der Kukulauer Straße durch den Gutsbezirk  bestätigt. Für die Bedienung der Johannisquelle wurde Frl. Rappert befristet eingestellt.

Die Geldentwertung, Vorbote der Inflation, schlug sich nun in den Kurpreisen nieder. Für die 10 Tages-Kurkarte waren 140 Mark  und für ein Solebad 25 Mark zu zahlen. Nachfolgend wurde ein 50%iger Zuschlag auf die Kurtaxe bei Kurgäste aus „valutastarken“ Ländern eingeführt.

 

  1. Mai Hauptversammlung des Deutschen Zentralkomitees zur TBC-Bekämpfung (KÖZ).

400 Teilnehmer aus ganz Deutschland diskutierten an 3 Tagen über diese Volksseuche.

 

  1. Juni Fahnenweihe des Männergesangsvereins „Anakreon“ (KÖZ).

An der sonntäglichen Feier und am Umzug nahmen zahlreiche Gesangsvereine der Umgebung teil. Der Tag wurde von einem tragischen Ereignis überschattet. Ein Sangesfreund von „Anakreon“, der Zimmerer E. Stichling, WK-Teilnehmer und Träger des EK I kam  in der Nacht auf dem Festplatz an der „Katze“ ums Leben. Als er bei einer der Buden Wasser abliess, hatte  einer der Schausteller auf den vermeintlichen Dieb geschossen.  

 

  1. Juli Einzug der im Umlauf befindlichen Notgeldscheine (KÖZ).

 

  1. Juli Die Rathenauattentäter werden auf Burg Saaleck erschossen (KÖZ, H.W.Stein, Belau).

Die Freikorpsangehörigen Fischer und Kern (Marinebrigade Ehrhardt) flüchteten nach dem Attentat am 24. April von Berlin nach Hamburg von da aus nach Süden, Ziel München. Dabei  wurden sie vom Besitzer der Burg Saaleck dem Schriftsteller Dr. Hans Wilhelm Stein aufgenommen und seit dem 13. Juli hier versteckt. Stein begab sich nun selbst nach München, um  die weitere Flucht zu organisieren. Weil er sich beim Wirt der benachbarten Rudelsburg abgemeldet hatte, und dennoch im Ostturm Licht brannte, fiel die Anwesenheit auf.  Das Aufsehen, das das Attentat erregte, die öffentliche Fahndung und der Umstand, dass auch  Gäste die beiden Männer gesehen hatten, auf die die Beschreibung der Flüchtigen passte, wurde der Polizei gemeldet. Zunächst versuchten zwei Kriminalbeamte in die Burg zu kommen. Am Nachmittag traf eine Schutzstaffel der Polizei aus Naumburg ein und bei dem nachfolgenden  Schußwechsel wurden die Attentäter getötet. Das Ehepaar Dr. Stein, die am selben Abend  eintrafen,  wurden verhaftet. Ihnen wurde   Begünstigung  vorgeworfen und  H.-W. Stein zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. In einer Broschüre, die Stein in den 30iger Jahren veröffentlichte als er keine Strafe mehr zu befürchten hatte, erkärte er, die Attentäter wohl wissend hier bversteckt zu haben. Das Ereignis hatte die ganze Gegend in Aufregung versetzt und erregte erhebliches Aufsehen im In- und Ausland. In den  folgenden Wochen erlebte die Burg einen regelrechten Ansturm Neugieriger..

Stein (1876 bis 1944) geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus (Romane: Ahasver, Tiberius, Cäsarenwahn) wurde 1929 stand im Zusammenhang mit dem Attentat auf  Erzberger erneut vor   Gericht.

 

  1. Juli Beisetzung von Fischer und Kern auf dem Saalecker Friedhof (KÖZ).

Nach der Identifizierung wurden die Leichen zur Beisetzung freigegeben. Neben einigen Angehörigen nahmen ehemalige Mitglieder der Marinebrigade und Korps-Studenten aus Jena, Halle und Leipzig teil. Das schaulustige Publikum wurde von 20 Sipo-Einheiten vom Friedhof fern gehalten.

 

  1. Juli Ein Unwetter verursachte den Totalausfall der Strom- und Wasserversorgung.

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 511,523).

Eingemeindet wurden die bereits fertiggestellten Häuser der Gartenstadt (Ehrenberg, Behrend, Wolf, Hollatz, Bauer und Jungnickel). Außerdem wurde 18.000 Mark zur Anschaffung von zwei Ziegenböcken für die  „Ziegenbockhaltungsgenossenschaft“ bewilligt.

 

  1. Sep. Schließung des Pädagogiums (BLK-A. Nr. 523, KÖZ).

Drei Jahre nach dem Erwerb musste Dr. Posseldt das Pädagogium schließen. Da die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtete erwarb Käthe Kruse das Anwesen für die Puppenmanufaktur.  Das Ehepaar Posseldt blieb im Hinterhaus wohnen. Dr. Posseldt verstarb 1929.

 

  1. Okt. Die Bilder zur Nibelungensage werden auf der Rudelsburg vorgestellt (KÖZ).

Der Breslauer Maler Max Friese hatte diese in den Jahren 1916/1917 für ein Offizierskasino auf dem belgischen Truppenübungsplatz Beverloo gemalt. Nach dem Krieg waren es die Kontakte zum Saalecker  Architekten Graumüller, der zunächst die Bilder für den Saal des „Mutigen Ritters“ anbot, was der Besitzer wegen des Preises ablehnte. Dann erklärte sich Rittergutsbesitzer Oberst von Schönberg, bereit die 14 Ölgemälde für den Rittersaal der Rudelsburg anzukaufen. 1995 erschoien eine darüber eine Bröschüre.

 

  1. Okt. Provisorische Einrichtung der Wohlfahrtsküche im Haus Bahse (KÖZ).

Da die Kaiserin Viktoria Kinderheilstätte wieder als Kinderheilstätte diente, erhielten Kinder aus bedürftigen Familien und Sozialrentner  die sog. „Quäkerspeisung“  bis April 1923 im Badehaus. Als sich der Badebetrieb wieder erholte, übnernahm Adelheid v. Massenbach die Wohlfahrtsküche in  ihr haus in der Saalstraße 28.

 

  1. Okt. Beschluss zur Eingemeindung (MER C 50 Naumburg A Nr. 248)

Das betraf die letzten noch von der Baugesellschaft in der Gartenstadt am Rechenberg erbauten Häuser von Pau Seyffarth und  der Witwe Alma Beyer (Kukulauer Stzr. 1 und 2) 

 

  1. Nov. Zustimmungserklärung zur Umgemeindung (BLK-A. Nr. 511).

Die Eigentümer von Wohngrundstücken in der Saalstraße und den Saalbergen wurden zum Rathaus bestellt, um ihr Einverständnis zur Umgemeindung zu erklären. 

 

  1. Nov. Beschluss der Stadtverordneten zur „Höheren Knabenschule“ (MER C 48 II b 2028 II)

Als Ersatz für das Pädagigium sollte die siebenstufige Volkssschule um zwei gehobene Klassen erweitert werden. Der Unterricht sollten der Rektor  und ein befähigter Lehrer erteilen, dafür  zwei Junglehrer für die VS eingestellt werden.

 

  1. Dez. Pachtvertrag über den Sportplatz am Gradierwerk (BLK-A. Nr. 378).

Die Landesschule vertreten durch den Prokurator Reg.-Rat Dr. Ehrlicher verpachtete dem Verein für Bewegungsspiele „Rudelsburg e.V.“ das 1,5 Hektar große Gelände  am Rechenberg. Die Pacht für 1923 betrug (inflationsbedingt) 20.000 Mark. Danach galt für die 25 ar der Preis für einen  Zentner  Roggen und ab 1925  1,5 Zentner Roggen. Bedingung war die Einzäunung des Platzes und die Oberflächenentwässerung. Bei Pachtende sollte der Platz im derzeitigen  Zustand übergeben werden.  

 

  1. Dez. Beschluss des Vorstandes des Diakonissenhauses (Lazarus Freundesbrief 1991)

Der Diakonissenstation wurde die Übernahme des Hospizes angeboten. Der Kaufpreis betrug inflationsbedingt 100.000 Mark. Dazu kam die unentgeltliche Überlassung  einer Schwester für die Kirchengemeinde auf 50 Jahre. Der Kaufvertrag wurde am 31. 01 1923 in Naumburg unterschrieben.

 

  1. Dez. Die Stadt übergibt die Turnhalle dem Turnverein (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Bedingung war, dass die Halle auch weiterhin von der Volks- und der Berufsschule genutzt werden kann und kein Weiterverkauf erfolgt.

 

  1. Dez. Der Heyner-Verlag stellt die Bad Kösener Zeitung ein (Röblitz, Heimatbuch).

Seit 28 Jahren wurde das Amtsblatt  aus der Stadtkasse bezuschusst. Doch es gab nur noch 100 Abonnenten. Folgerichtig verweigerten die Stadtverordneten weitere Zuschüsse. Die amtlichen Bekanntmachungen erfolgten nun in einer Beilage des Naumburger Tageblatt, der „Bad Kösener Allgemeinen Zeitung“ (KÖ).

 

              Gründung einer Ortsgruppe der KPD (Kormann Heimatbuch 1954)

Initiator war der Lengefelder Hermann Firchau, der gemeinsam mit Richard Kanzler zunächst der Naumburger Ortsgruppe angehörte. Weitere Mitglieder waren der Graveur Max Bach und der Arbeiter Emil Kotlarsky.

 

  1. Kaiser (*1887 in Ilmenau, gest. 1950 Leipzig) : “Rudelsburg“ – Ölgemälde.

2010 wurde das Bild für 1.300 € im Internet angeboten.

 

1923

  1. Jan. Generaldirektor P. Kersten verstirbt im 75. Lebensjahr (KÖ, Sterbereg.).

Damit verlor die Stadt einen äußerst engagierten, in den letzten Jahren aber auch sehr starrköpfigen Mitbürger, der sich seit 40 Jahren neben seinem Unternehmen auch maßgeblich als Stadtverordneter (1889-1923) um die kommunalen Belange kümmerte, wenn er auch manchmal unkonventionell handelte und Teile der Einwohnerschaft, Bürgermeister und Stadtverordnete gegen sich aufbrachte und die Stadt in zwei sich heftig bekämpfende Lager spaltete. Die Leitung der Firma übernahm sein Sohn  Dr. Felix Kersten.

 

      Feb. Eigentümerwechsel (KÖ)

  1. Waldhausen verkauft das „Ritterbad“ an die Fa. Hennig & Co. KG und H. Rudolph erwarb das Grundstück Fr. Ebert-Str. 6.

 

  1. Feb. Öffentliche Auslegung eines Vorhabens der Portlandzementfabrik (KÖ).

Wegen der heftig kritisierten Rauchbelästigung der Kalk- und Ziegelbrennerei sollte eine Rauchabsaugungsanlage installiert werden.

 

  1. Mär. Für Werbeinserate werden 1.475.500 Mark bewilligt (St.-A. Nr. 434)

 

  1. Mär. S. Exzellenz Generalleutnant Stieler v. Heydekampf verstirbt im 83. Lebensjahr (KÖ).

Der Veteran der Schlachten von Langensalza, Wörth und Sedan, der persönlich bei der Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles dabei war, hatte im Jahr 1900 seinen Altersdomizil hierher verlegt und  betätigte sich als Stadtverordneter (1905 und 1909-1912) und Kreisdeputierter.

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Abgelehnt wurde die Kaufofferte der Löfflerschen Erben für das Wilhelmbad, zumal der Instandhaltungsbedarf inflationsbedingt auf 30 Mio. Mark beziffert wurde.

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Städtischen Orchester Weißenfels (St.-A. Nr. 390)

Vereinbart wurden 60 Kurkonzerte vom Mai bis September für 5.232.600 Mark zuzüglich der Fahrkarten, zusammen 6.500.000 Mark

 

  1. Apr. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

In Anbetracht der  wirtschaftlichen Situation wurde beschlossen, den ortsansässigen verheirateten und arbeitslosen Festmietern, die Miete ab April  zu erstatten. Nachfolgend wurde die Erstattung rückwirkend ab Januar beschlossen. Eine Kommission sollte die Möglichkeiten von Arbeitsmaßnahmen im öffentlichen Bereich prüfen.

Die Kurtaxe betrug nun inflationsbedingt 20.000 Mark für die Hauptkarte bei einem Aufenthalt bis 10 Wochen, die 1. Beikarte 10.000 Mark, jede weitere 5.000 Mark, und wurde nun auch für  Dienstboten fällig. Einheimische zahlten 5.000 Mark. Für „valutastarke“ Ausländer galt ein Zuschlag von 50 %. Für die Kurmusik wurde der Vertrag mit dem Weißenfelser Kapellmeister Thiede bestätigt.

Weil inzwischen auch die höhere Töchterschule geschlossen war, sollten die Klassen ebenfalls der Volksschule angegliedert werden.

 

  1. Mai Einweihung der Käthe-Kruse-Puppenwerkstatt (KÖ).

Nach einigen Umbauarbeiten und die Einrichtung der verschiedenen Arbeitsbereiche erfolgte im ehemaligen Pädagogium die Serienproduktion des nun weltweit exportierenden Unternehmens. 

 

  1. Mai Zusammenschluss der Ortsgruppen von Mieterbund und Mieterverein (KÖ).

 

  1. Mai Erster Fest-Kommers des KSCV im neuen Saal des „Mutigen Ritters“.

 

  1. Mai Kreistagsbeschluss zur Umgemeindung (BLK-A. Nr. 511).

Insgesamt 69 Grundstücke weitere Fluren wurden dem Stadtbezirk angeschlossen.

 

  1. Mär. Der Konditor Seiffert richte für sein Cafè eine Freisitz ein (BLK-A. Nr. 890).

Trotz der ungünstigen Lage an der Unterführung und der hohen Frequenz von und zum Bahnhof  wurde die Konzession ohne Auflagen erteilt.

 

  1. Juni Werbeaktion (priv).

Das „Bad Kösen in Thüringen“ warb für das Bad mit vorzüglichen Gesundheitseinrichtungen, zahlreichen Veranstaltungen, niedrigen Preisen und einer gesunden Umgebung. 

 

  1. Juni Stadtverordnetenversammlung (KÖ).

Der Preis für die Kurhauptkarte betrug nun 30.000 Mark. Erwerbslose Familien erhielten aus dem städtischen Haushalt einen Zuschuss von 10.000 Mark und für jedes Kind  2.000 Mark. Bei der Wahl des Nachfolgers für den ausgeschiedenen Bürgermeister Glöckner erhielt keiner der Bewerber die erforderliche  2/3 Mehrheit.

 

  1. Juni 34. Jahrestagung des „Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften“ (KÖ).

Geschätzte 3.000 Gäste nutzten die Tagung zur Diskussion und anschließenden geselligen Zusammensein im Kurhaus.

 

  1. Juni Todestag von Freifrau Margarethe von Danckelmann (Sterberg.)

Sie starb im Alter von 67 Jahren.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Beschlossen wurde die Übertragung der Planstraße C (Am Rechenberg 11-29) an die Baugenossenschaft „Eigenheim“,  unter der Maßgabe, dass die  Fahrbahn 4,5 Meter und beidseitig eine Fußweg von 1,5 Meter angelegt werden. Der Mietvertrag mit der Fa. Kornatzky & Klinge für die Räume in der Wurstfabrik wurde bis 1940 verlängert.

 

  1. Juli Gründung des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch die „Rudelsburggemeinde Kösen 1910“. Erster Führsteher des Bundes war der Besitzer von Burg Saaleck, der  Dichter Dr. Hans-Wilhelm Stein, der aber nach den Ereignissen mit den Rathenaumördern als Vorsteher nicht abgelöst wurde..

 

      Aug.  „Schutz dem Saaletal!“ von Prof. Schultze-Naumburg (NZ).

Schultze-Naumburg galt durch sein Hauptwerk „Kulturarbeit“ und der folgenden Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen als Experte auf diesem Gebiet. In dieser Eigenschaft veröffentlichte er eine Expertise zu den Plänen der „Kösen-Almricher Wasserkraftanlage“ anzufertigen.

Die waren  wegen der Differenzen mit dem Überlandwerk Camburg wieder aktuell. Doch die derzeitige Planung war schon fast utopisch.  Vorgesehen waren eine Staumauer von 2.6 Metern Höhe auf dem Wehrdamm und parallel zur kleinen Saale, entlang des Bahndammes  ein Trogkanal bis Almrich. Dort sollte eine Turbinenkraftwerk mit einer Leistung von 2900 PS installiert werden. Durch den Anstau müsste die Saale bis Unterneusulza eingedämmt werden,  um die Aue vor Überflutungen zu schützen. Der Trogkanal würde allerdings soviel Wasser abführen, dass die Saale zwischen Kösen und Almrich trocken fällt, mit   erheblichen Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel, während oberhalb des Dammes die dortigen Baulichkeiten dem Staudruck ausgesetzt sind. Dazu kämen die technischen Probleme an den  Kreuzungspunkten mit der Chaussee und der Bahn. Außerdem würden diese gewaltige Anlage  den Reiz des Saaletales vernichten und das Bad in Frage stellen.

 

  1. Aug. Erhöhung der Eintrittsgelder für die Kurkonzerte (St.-A. Nr. 390)

Um die von der Kapelle wegen des geringen Honorars angekündigte Einstellung abzuwenden wurden die Konzertkarte auf 50.000 Mark pro Besucher angehoben. Kinder und derer Aufsichtspersonen waren davon befreit. 

 

  1. Okt. Antrag des Buchhändlers Donath (BLK-A. Nr. 890).

Donath hatte den Verkaufsladen vor der Lindenstraße 1 gemietet. Allerdings war hier der Publikumsverkehr gering, daher wollte den Verkaufskiosk neben Laubmanns Laden auf der anderen Seite des Bahndammes zwischen dem Fußgänger- und dem Fahrtunnel aufstellen. Das wurde abgelehnt, ebenso der Antrag, den Kiosk an der Promenade aufzustellen.

 

  1. Okt. Eintragung der Wasserrechte der Mühle in das Wasserbuch (S. Roßner, 1932).

Im Wesentlichen wurden die Regelungen aus dem Rezess von 1811 bestätigt und dem  Grundstück zugeordnet.

 

  1. Nov. Stadtverordnetenversammlung (BLK- A. Nr. 523,KÖ).

Auf dem Höhepunkt der Inflation belief sich der Fehlbetrag der Stadtkasse auf 36 Milliarden Mark. Für das 1. Quartal des kommenden Jahres wurde die Grundsteuer auf Basis 1922 um das Hundertfache erhöht.  Die Gebühr für die Befreiung vom Feuerlöschdienst betrug 25 Milliarden, das Schulgeld  für die Berufsschule 1 Milliarde. Der Kommunalarzt erhielt für die Monate Juli bis September eine Aufwandsentschädigung von 100 Milliarden Mark. Dagegen wurde als Pacht für die Webersche Wiese 1 Zentner Roggen für den Morgen und die Überlassung des Graswuchs vereinbart

 

     Nov.  Franz Tränkner  pachtet das Gasthaus „Zur Katze“(KÖ).

 

     Nov.  Die Drahtseilbahn am Kalkwerk wird abgebaut (KÖ).

Nach 40 Jahren verschwand dieses technische Meisterwerk einer ohne Fremdantrieb funktionierenden Seilbahn, nachdem sie bereits vor dem Krieg bei der Einstellung  der Kalkbrennerei und des Steinbruchs in der Freirodaer Flur außer Betrieb genommen war.

 

  1. Nov. Verurteilung des Kaufmanns A. Bachmann wegen Wuchers (KÖ).

Bachmann hatte für bestimmte Waren die Annahme des üblichen Papiergeldes verweigert und  „wertbeständiges Geld“, d. h. Goldmark verlangt, was ihm eine Anzeige und die  Verurteilung einbrachte.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523).

Die Einführung der Rentenmark beendete die Inflation, die Abgaben wurden neu berechnet. So betrug das Schulgeld für die gehobenen Klassen  2 Goldmark, die Hundesteuer für den 1. Hund 3 Goldmark, für den zweiten Hund 15 und jedem weiteren Hund 30 Goldmark. Für die Webersche Wiese blieb es bei der Naturalpacht.

 

      Dez. Abschluss der Umbauarbeiten zur  Erweiterung des Bahnhofsgebäudes (KÖ).

Damit war die Bahnverwaltung für den Ansturm der kommenden  Saison gerüstet. 

 

      Dez. Entdeckung im ehemaligen Borlachbad (KÖ).

Beim Umbau entdeckte man einen in der Wand eingelassenen Stein mit der Inschrift: „ Georg Hartig Floß Mstr. Anno 1726“. Damit konnte das Alter des Hauses und dessen Erbauer eindeutig identifiziert werden. Allerdings geriet dies recht bald wieder in Vergessenheit. 

 

1924

 

  1. Jan. 4. Nachtrag zum Ortsstatut (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Die Zahl der Stadtverordneten wurde auf 15 reduziert.

 

  1. Jan. Carl Eckleben verstirbt im 85. Lebensjahr (KÖ).

Eckleben war von 1880 bis 1900 Vorsteher des Postamtes, war langjähriger Stadtverordneter und ab 1919 Magistratsbeigeordneter. Ihm gehörte das Grundstück Lindenstr. 11, ehemals Rosenberger, wo zunächst auch die Kaiserliche Poststelle war. Sein Nachfolger R. Senger verstarb noch im gleichen Jahr.

 

  1. Jan. Urteil des OLG wegen Produktpiraterie von Käthe-Kruse Puppen (KÖ).

Untersagt wurde dem Kösener Puppenfabrikanten Schneider die Herstellung und der Vertrieb von Modellen, die den Käthe-Kruse Puppen ähnelten. Schneider der mit einem weiteren Puppenfabrikanten (Heine) zusammenarbeitete, meldete  ein Jahr später Konkurs an.

 

  1. Mär. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 890, 532, KÖ).

Der als Bürgermeister und Kurdirektor nominierte Hans Ciorek (Jg. 1894, bisher Gemeinde-Inspektor in Henningsdorf), der im 2. Wahlgang die erforderliche Mehrheit erhielt, erklärte die Annahme der Wahl. Beschlossen wurden die Eingemeindung der  Wohnhäuser Kukulauer Straße 1 und 2, die  Verpachtung der Schankwirtschaft am Gradierwerk an den Konditor Salzmann und der Errichtung einer Verkaufshalle gegenüber vom Bahnhof für E. Ulrich. Wegen der zahlreichen Anträge auf Aufstellung von Verkaufshäuschen entlang der Promenade wurde entschieden, dass es zwischen dem Schwanenteich und dem Hotel Apel prinzipiell nicht zugelassen wird, von Apel  bis Seiffert im Ausnahmefall und nur,  wenn damit der Charakter einer Kolonade gewahrt würde. 

 

  1. Mär. Namensänderung der Fa. Mitteldeutsche Matratzenfabrik Kornatzki u. Klinge (KÖ).

Diese firmierte nun als Dreika-Werk Kornatzki und Klinge.

 

  1. Mär. Todestag der Reichsgräfin Maria von Matuschka (Sterbereg).

Die geborene Gräfin Breßler starb hier im Alter von 95 Jahren.

 

  1. Mär. Prof. Max Kruse erhält die Ehrenbürgerwürde (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Man ehrte Kruse, der sich selbst eigentlich nur selten hier aufhielt und nur durch seine Frau Käthe und seine Kinder präsent war anläßlich seines 70. Geburtstages wohl wegen der überregionalen Bekanntheit des Namens.

 

  1. Apr. Vertrag mit dem Musiker Max Kaufmann (St.-A. Nr. 390)

Kaufmann der in der Burgstraße 8 wohnte, sollte vom 1. Mai bis 30. September täglich Kurmusik und am Sonntag zusätzlich eine Frühmusik an der Davisonhalle geben. Dafür wurden monatlich 1.440 Mark für insgesamt 16 Musiker vereinbart. Darüber hinaus durfte die Kapelle in verschiedenen Restaurationen „Garten-Konzerte“ geben.  Bereits Mitte September wurden die Konzerte eingestellt und dem Dirigenten der freiwillige Rücktritt vom Vertrag nahe gelegt.  

 

  1. Mai Einführung des Bürgermeisters Hans Ciorek (Röblitz, Heimatbuch 1930).

 

  1. Mai Stadtverordnetenwahl (KÖ).

Um die 15 Sitze bewarben sich 73 Kandidaten auf 7 Listenvereinigungen: der Verein für städtische Interessen, der Wahlvorschlag Krüger, der Mieterverein, der Wahlvorschlag Handel, Gewerbe, Industrie, der Werktätige Mittelstandsblock,  der Völkisch-Soziale Block und der Wirtschaftliche Interessenverein. Beim  Wahlkampf wurde heftig polemisiert, zumeist mit parteilichen und persönlichen Befindlichkeiten. 

Der Mieterverein erhielt mit 447 die meisten Stimmen und bekam 4 Sitze. Es folgte die Handels- und Gewerbeliste mit 3 Sitzen, die übrigen vier Listenvereinigungen erhielten je 2 Sitze.

Vorsitzender des Vereins war  Max Bach (geb. 1885 in Leipzig, seit 1921 verheiratet mit der Kösenerin Hedwig Gundermann). Bach hatte in der Saalstraße 23 eine Gravier-Werkstatt.  Trotz KPD-Mitgliedschaft lehnte er die Übernahme des Sowjetkommunismus ab. Er wurde bei der konstituierenden Sitzung zum Vorsitzenden des Wohlfahrtausschusses gewählt (Belau 2004).

 

  1. Mai Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523)

Den Hauswirten Seiffarth und Beyer wurde die Auffüllung und gärtnerische Nutzung des Streifens vor ihren Häusern an der Kukulauer Straße gestattet und der Verkauf des Musikpavillons im unteren Park auf Abbruch beschlossen..

 

  1. Mai Die Stadt kauft die Webersche Wiese (KÖ).

Nach der Stabilisierung der Wirtschaft nahm die Nachfrage nach Badekuren immer mehr zu. Doch die verbliebenen Badeanstalten konnten die Nachfrage nicht decken. Die Stadt war im Zugzwang, wollte man nicht  das Bad aufgeben. Da es an Privatkapital und entsprechender Risikobereitschaft fehlte, wurde die Einrichtung einer öffentlichen Badeanstalt erwogen, möglichst in der Nähe der Solequellen, des Kurmittelhauses und des Bahnhofs. Die Herrenwiese hatte der Gastwirt Weber einst im Tausch gegen den unteren Teil der Lindenstraße erhalten und bisher der Stadt verpachtet. Die Stadt zahlte 45.000 Mark.

 

  1. Mai Genehmigung des Reklamepoststempels (St.-A. Nr. 434)

Die Deutsche Reichs-Postreklame GmbH berechnete dafür 475 Mark. Neben dem amtlichen Poststempel wurde der Reklamestempel (Inhalatorium – Pneumatische Kammern) ca. 10 Jahre lang verwendet.

 

  1. Mai Stand der städtischen Schule (MER C 48 II b 2028 II)

Nach der Eingliederung der höheren Schulen gab es folgende Klassen: 1. Schuljahr mit 36 Kindern und 16 Schulstunden/Woche; 2. Schuljahr: 27 Kinder, 18 Stunden; 3. Schuljahr: 45 Kinder, 23 Stunden; 4. Schuljahr: 49 Kinder, 27 Stunden; 5. Schuljahr 24 Kinder, 28 Stunden; 6. Schuljahr: 28 Kinder,30 Stunden; 7. u. 8. Schuljahr: 38 Kinder, 30 Stunden; gehobenene Klassen 5/6: 52 Kinder, 28 Stunden; 7/8: 24 Kinder , 29 Stunden, insgesamt 323 Schüler . Zu Lehrerkollegium gehörten der Rektor, der Konrektor, 5 Lehrer, 1 Lehrerin, 1 Hilfslehrerin.

 

  1. Mai Einweihung des Gefallenendenkmals im Hindenburgpark (KÖ).

Das Mahnmal wurde vom Steinmetz Rottig aus Freyburg nach dem Entwurf des Architekten Pfisterer ausgeführt. Am Festakt nahm fast die gesamte Einwohnerschaft teil.

 

  1. Juli Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

650 Mark wurden für die Einrichtung zweier Arrestzellen im Rathaus neben der Polizeiwache, anstelle der Arrestzelle unter der Außentreppe der Stadtschule bereitgestellt, 200 Mark Aufwandsentschädigung für einen Schularzt und eine 3 Lehrerstelle für die höheren Klassen bewilligt. Bestätigt wurde die Konzession  der  Fa. Kurth aus Leipzig für eine Autobuslinie von Saaleck nach Naumburg..

 

  1. Juli Eröffnung der Omnibuslinie (KÖ).

Für den Fahrbetrieb wurden „luftbereifte“ Benz-Niederwagen mit 27 Plätzen eingesetzt, die in der ehemaligen Wurstfabrik untergestellt waren. Als der Privatunternehmer aufgab, übernahm die Stadt zum 1. Oktober den Betrieb in eigene Regie.

 

      Juli  Vorstellung einer Entwicklungskonzeption für das Kurbad  (KÖ).

Bürgermeister Ciorek und Reg.-Baurat Menge informierten den Magistrat, die Stadtverordneten und die Ärzteschaft über den geplanten Bau einer Solebadeanstalt im Kurpark, die mit einer  Arkade mit dem Kurmittelhaus verbunden werden sollte. Anschließend sollte anstelle der Fähre eine Fußgängerbrücke den unteren mit dem oberen Park verbinden. Östlich vom Gradierwerk sollten ein Hotel und großzügige Sportanlagen entsstehen. Damit sollte das Bad wieder in  erste Reihe der deutschen Kurorte kommen. Die Stadtverordneten bewilligten die Mittel für die Projektierung.

 

      Juli  Besitzerwechsel im Lindenhof (KÖ)

  1. Pfleger, bisher Wirt der Saalhäuser übernahm die Gaststätte, die er wegen des Kinosaales „Palast-Restaurant“ nannte. Ein Jahr später kam das Lokal in den Besitz der Witwe Wallrodt, und hieß nun Lindenhof-Lichtspiele im Unterschied zu den Kurgarten-Lichtspielen.  

 

  1. Juli Erste Kösener Sportwoche (KÖ).

Die  Wettkämpfe und Vorführungen wie Turnen, Schwimmen, Fußball, Leichtathletik, Hockey, Judo  und Boxen sowie die Veranstaltungen an den Abenden  zogen zahlreiche Gäste an.  In den folgenden Jahren entwickelte sich die Sportwoche zu einem Ereignis mit überregionaler  Bedeutung.

 

  1. Juli Angebot der Fa. Buckan-Film aus Leipzig (St.-A).

Der Stadt wurde das Manuskript für einen Werbefilm vorgestellt. Für die Finanzierung sollten ortsansässige Unternehmen gewonnen werden, die dies aber ablehnten, und der Film kam nicht zustande.   

 

  1. Aug. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615)

Erwerbslose, die zur Gemeindearbeit herangezogen wurden, erhielten pro Arbeitsstunde 3 Pfg. Kleidergeld und 2 Pfg. für die Abnutzung der mitzubringenden Werkzeuge (Kurz danach forderten diese die lohnmäßige Gleichstellung mit den ständig beschäftigten Gemeindearbeitern).

Bewilligt wurde ein Zuschuss zum Lichtgeld von 15 Pfg./Woche für verheiratete und 10 Pfg. für unverheiratete Erwerbslose.

 

  1. Aug. Neuregelung der Pacht des Sportplatzes (BLK-A. Nr. 378)

Die Landesschule verlangt 100 Goldmark Jahrespacht, was die Möglichkeiten des  VfB „Rudelsburg“  überstieg.  Die Stadt erklärte sich bereit, den Platz wieder zu übernehmen.  

 

  1. Sep. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615)

Zur Verbesserung von Sicherheit und Ordnung wurde die Einstellung von zwei polizeilich ausgebildeten Wachtmeistern beschlossen. Damit waren nun zwei Beamte (Marks, Schneider) im Innendienst und drei Wachtmeister und ein Nachtwächter im Außendienst angestellt.

 

  1. Okt. Vereinbarung über die Eröffnung eines Lebensmittelladens in Lengefeld.

Zwischen der  Portland Zementfabrik und der Konsumgenossenschaft kam der Vertrag zustande, mißtrauisch beobachtet von den Kösener Einzelhändlern, wobei hier nur Genossenschaftsmitglieder einkaufen durften.

 

      Okt.  Werbung für den ganzjährigen Badebetrieb (KÖ).

Das Kurmittelhaus blieb weiterhin geöffnet. Weitere Angebote waren eine Rodelbahn am Kukulauer Berg, eine Kunsteisbahn auf der Parkwiese und Skiloipen. Die Badeanstalten  Friedrichsbad, Kurbad, Rheingold und Bahse öffneten dreimal in der Woche und etliche Hauswirte statteten ihre Fremdenzimmer mit Öfen aus. Zur Unterhaltung fanden wöchentlich 2 Kurkonzerte im Kurmittelhaus und einmal wöchentlich eine  Rèunion statt, was ziemlich mutig war, denn man war auf auswärtige Klangkörper angewiesen.

 

  1. Okt. Baugenehmigung für die erste Tankstelle (BLK-A. Nr. 523).

 

  1. Nov. Die Stadt kauft das Knoblauch`sche Grundstück Berbigstr. 18 (BLK-A. Nr. 615)

 

  1. Nov. Weihe des neuen Glocken der Lutherkirche (KÖ).

Die Glocken wurden in der Gießerei Gebrüder Schilling in Apolda hergestellt und kosteten 6.000 Mark, die zum größten Teil durch Spenden aufgebracht wurden.

 

  1. Dez. Stadtverordnetenversammlung (BLK A. Nr. 523)

Unter der Maßgabe eines Baudarlehens zu erträglichen Bedingungen und rentierlicher Strompreise sollte die Fa. Siemens & Schuckert mit der Planung und dem Bau eines Wasserkraftwerkes beauftragt werden. 

 

  1. Dez. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung (BLK-A. Nr. 523, KÖ).

Mit 9 zu 5 Stimmen beschloss die Versammlung die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 700.000 Mark bei einer amerikanischen Bank, den die AEG vermittelt hatte. Davon waren gedacht; 400.000 Mark für das E-Werk, 75.000 Mark für den Landankauf, 10.000 Mark für den Ausbau von Wohnungen in der Wurstfabrik, 20.000 Mark für Verkaufshäuschern und öffentliche Toiletten, 30.000 Mark für die Erweiterung des städtischen Omnibusverkehrs, 30.000 Mark für den Straßenbau, 50.000 Mark als Darlehen für Hausbesitzer, 10.000 Mark für die Planung der Badeanstalt und 50.000 Mark für sonstige Verbesserungen der städtischen Infrastruktur.  Allerdings war das Angebot  alles andere als seriös. Der Zinssatz betrug 7 %, zur Auszahlung sollten 85% kommen.

 

      Dez. Verbesserungen der Infrastruktur des Solbades (KÖ).

Der Konditor Schoppe hatte sein Cafè mit einer Veranda und  einen Wintergarten erweitert.    In Seiffert`s Cafè und  Apels Hotel waren die Gasträume umfassend renoviert. Neben dem Bahnhof wurde eine „Milchhalle“  (St.-A.) errichtet und die Seifenhandlung erweitert (Nach dem Konkurs des Kaufmanns übernahm die Stadt den Anbau am Rathaus) und eine deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft beabsichtigte den Bau einer Tankstelle. Zur Beseitigung der Wohnungsnot erwarb die Stadt ein Grundstück neben der Wurstfabrik zur Bebauung. Außerdem sollte für Werbezwecke auf dem Gradierwerk eine Leuchtschrift mit dem Stadtnamen installiert werden.

Die Einwohnerzahl betrug 3.308. Es gab 62 Geburten und 46 Sterbefälle.

 

1925

 

  1. Jan. 25-jähriges Geschäftsjubiläum im „Kurgarten“ (KÖ).

Nach dem Tod des Gastwirts Schwarze sen. war auch der Sohn im Krieg gefallen und die Witwe und ihre Tochter hatten die Restauration weitergeführt. Ärger gab es dagegen mit dem Nachbarn Karl Kotte, der im ehemaligen Heunschen Badehaus seine Zimmerei eingerichtet hatte.  Wegen der davon ausgehenden Belästigungen wurde angefragt, ob denn eine ordnungsgemäße baupolizeiliche Genehmigung vorliegt (BLK-A. Nr. 615). 

 

  1. Jan. Antrag auf Beendigung der Winterkuren (BLK-A. Nr. 615)

Der Versuch war ein Fehlschlag, die Kosten waren hoch und die erhoffte Nachfrage war ausgeblieben.

 

  1. Feb. Werbeabend der Ordensgemeinschaft Jungdeutscher Schwesternschaften (BLK-A. 615)

 

  1. Feb. Stadtverordnetenversammlung (BLK-A. Nr. 615).

Beschlossen wurde die Anschaffung eines zweiten Autobusses und die Novellierung der Kurtaxordnung. Demnach wurde  Kurtaxe bei mehr als zwei Übernachtungen oder zwei vollen Tagen Aufenthalt, einschließlich dem Tag der An- und Abreise erhoben. Sie betrug 8 Mark bei einem Aufenthalt von 1 bis 8 Tagen, 15 Mark bei 9 bis 15 Tagen und 20 Mark über 16 Tage und galt für die Monate Juni bis August.  In einer darauf folgenden Sitzungen wurde die Kurtaxe reduziert und der der übrigen thüringischen Bäder angepasst.

Bekanntgegeben wurde auch eine Mitteilung des AG Apolda. Demnach war der Stadtverordneten Ernst Kotlarsky, der in Apolda als Stricker arbeitete, wegen  Diebstahls zu zwei Wochen Haft, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt worden. Einige Stadtverordnete sahen darin das Ansehen der Versammlung beschädigt und verlangten  die Entfernung Kotlarskys bzw. drohten die Niederlegung ihres Amtes an.  

 

     Mär. Gründung einer Ortsgruppe der NSDAP (KÖ).

Der örtliche Unterverein der „Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung“ trat der NSDAP bei, doch die Ortsgruppe löste sich 1927 wieder auf.

 

  1. Mär. Verpachtung der Tennisplätze am Gradierwerk (BLK-A. Nr. 378, 523).

Anstelle einer Pacht wurde vereinbart, dass der Verein die Hälfte der Einnahmen von Gastspielern der Stadt überlässt. Wurde die Summe nicht erreicht