3. Koesen, königlich-preußische Saline und die Anfänge des Bades (1816 bis 1867)

  1. Koesen, königlich-preußische Saline und die Anfänge des Bades

(1816 bis 1867)

 

1816

  1. Jan. Neuordnung der Salinen- und Floßverwaltung.

Die sächsischen Staatssalinen Artern, Kösen und Dürrenberg kamen mit den altpreußischen Salinen Halle, Schönebeck und Staßfurth  zum Oberbergamt für den niedersächsisch-thüringischen Kreis mit Sitz in Halle, das sächsische Salinendirektorat Weißenfels wurde aufgelöst. Chef des Oberbergamtes war Berghauptmann Freiherr Franz von Veltheim. Der Nachfolger Hardenbergs der Geheime Finanzrat von Witzleben, die Lokalbeamten und die Salinenarbeiter wurden nach der Vereidigung auf den preußischen König mit den bisherigen Bezügen in den preußischen Staatsdienst übernommen

Die sächsischen Floßbeamten der Oberaufseher über die Saaleflöße (seit 1796) und Amthauptmann Adolph Samson von Burkersroda (1756-1827), der Floß-Zoll und Land-Akzise Einnehmer von Kösen Ludwig Maximilian von Zedtwitz, der hiesige Floßschreiber Gottlob Heinrich Burschel und der Gegenschreiber Johann Christian Gottlob Schmeißer wurden auf den preußischen König vereidigt. Die Zölle selbst blieben unverändert. Von den  Stämmen und  mitgeführten Holzwaren wurde beim Übergang über den Wehrdamm als Einfuhrzoll der 20. Teil des Warenwertes erhoben. Dazu kam die Landakzise sowie ein Rechengeld und die   Geleitsabgabe je Floß.

Nach Lepsius „Kleinen  Schriften“ kamen allein zum Ostermarkt über 800 Flöße die „über und unter Kösen“ verhandelt wurden. Wer über den Wehrdamm, die Zollgrenze ging, zahlte den „Einfuhrzoll“. Flöße und Holzwaren, die oberhalb des Dammes auf preußischen Gebiet verkauft wurden, unterlagen der Landakzise, durften aber nur  „Inländern“ verkauft werden, während der Holzmarkt auch „Ausländern“ zugänglich war. Dazu gehörten das schwarzburgische Frankenhausen und das  großherzoglich-weimarische Amt Allstedt, wohin die Stämme auf der Unstrut flußaufwärts getreidelt wurden. Die Verhandlungen mit den großherzoglichen-weimarischen und herzoglich gotha-altenburgischen Regierungsbeamten über den Abschluss neuer Verträge zur „Commun-Flöße“ führten der Oberflloßmeister v. Zedtwitz zusammen mit dem Oberforstmeister v. Münchhausen.

 

  1. Feb. Antrag des Oberfloßmeisters v. Zedwitz (MER C48IIIb Nr.5512).

Es ging um die Instandsetzung des im Oktober 1813 zerstörten Floßamtes. Zedtwitz, der sich in Naumburg eingemietet hatte, wollte wieder das Floßamt beziehen. Die Kosten für die Instandsetzung veranschlagte der Salinen-Baumeister Colditz mit 1.148 Taler. Oberfloßaufseher v. Burkersroda unterstützte den Antrag und bat um baldige Genehmigung.

 

  1. Mär. „Beschreibung der Königlich Preußischen-Herzoglich Sächsischen Saline zu Kösen.“

Im Auftrag des Salinenfiskus erstattete der Factor Erdmann Friedrich Senff jun. einen ausführlichen Bericht über die Anlagen und den Betrieb derSaline, mit detaillierten Angaben über die Schächte,  die Solequellen, die Maschinerie, die Künste, die Gradier- und Siedeanlagen sowie  den Salzproduktion und des Vertriebs (WER Rep. F 4 XIII Nr. 1)

Der Baumeister Colditz fertigte die Risse,  darunter der Plan des 1. Siedekots (MD Risse Nr. 1580), der Glaubersalzfabrik (Risse  Nr. 1621) einen Schnitt durch den neuen Solschacht (Risse Nr. 3987) sowie zahlreiche Details der Kunsträder, der Trockenanlagen,  Ventile usw. 

Senff jun. geb. 1772, war Sohn des Bergrates gleichen Namens und der Pastorentochter Maria Eleonore geb. Hennig aus Wallendorf. 1793 trat er als Eleve in die Saline ein und wurde 1798 Assistent bei der Salineninspektion in Dürrenberg. 1800 wurde er als Leiter der chemischen Fabrik hierher beordert und 1805 zum „wirklichen Salinen-Factor“ ernannt. 1803 heiratete er die Tochter des Floßmeisters Puttrich. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor. Während der Kriegsereignisse  1806 und 1813 bemühte er sich um die Aufrechterhaltung der salzproduktion, was  ihn und seiner Familie  erhebliche Beschwernisse einbrachte.  

 

  1. Apr. Einrichtung der Provinz Sachsen (Allg. Gesch.).

Die zunächst noch als Herzogtum Sachsen bezeichnete Provinz bestand aus der altpreußischen  Altmark, dem ehemaligen sächsischen Kurkreis, dem Thüringer Kreis mit der Grafschaft Mansfeld und der Herrschaft Querfurt, den Stiften Merseburg und Naumburg-Zeitz. In Magdeburg  war der Sitz des Oberpräsidiums, erster Oberpräsident war  Freiherr Friedrich von Bülow. Nachgeordnet waren die „Königliche Regierungen“ in Erfurt,  Magdeburg und Merseburg. Naumburg wurde Stadtkreis mit Altenburg-Almrich, Schönburg, Wethau und der „Kalten Henne“.

Nach Hoppe (Heimatbuch 1930)  wurde den Amtsdörfern von Eckartsberga und Pforte  die Brückenfron und den Einwohnern das Brückengeld erlassen. Die Brücke selbst kam an die  Kgl. Preußischen Straßenpartie.

 

  1. Mai Bewerbung Johann Christian Friedrich Judersleben (WER Rep F 38)

Judersleben wurde am 23. Febr. 1778 in Kösen geboren.  Sein Vater war der Bruder von Johann Georg Judersleben, dem Verfasser der „Locicommunes“ und ebenfalls im Salzwerk beschäftigt, zunächst als Scheitführer, dann 22 Jahre lang als Salzsieder und bis zu seinem Tod mit 72 Jahren als  Gradierer. Bei ihm erlernte er das Gradiererhandwerk, danach war er 5 Jahre Kohlenaufseher in Kösen und wurde 1811 durch die Fürsprache des Finanzrates v. Witzleben als Gehilfe nach Dürrenberg beordert, wo er unter Anleitung des Freiberger Kunstmeisters Brendel bei der  Inbetriebnahme der ersten Dampfmaschine zum Antrieb der Schachtpumpen mitwirkte.

 

  1. Jun. Anordnung zur Wiederherstellung vom Floßamtshaus (MER C48IIIb Nr.5512).

Auf der Grundlage eines Kostenanschlag vom Baukommissar Röber genehmigte das Hauptzollamt  889 Taler für den Wiederaufbau aus der Floßkasse. Eine Erstattung des zerstörten und bei den Plünderungen abhanden gekommenen  privaten Mobiliars des Floßmeisters wurde abgelehnt.

 

  1. Juli Schreiben des Berghauptmanns v. Veltheim (WER Rep. F 38).

Der genehmigte die Einstellung von Judersleben in der Mertendorfer Grube an Stelle des verstorbenen Schichtmeisters May, mit einem Gehalt von 400 Talern, einem „Pferdegeld“ von 100 Talern und einem Deputat von 3000 Formkohlen. 

 

  1. Aug. Salinenkonferenz (WER Rep F 38 Gen. V a Nr. 4).

In Dürrenberg kamen der Oberberghauptmann Gerhard, der Berghauptmann v. Veltheim, der Oberbergrat v. Laroche und der Bergrat v. Witzleben zusammen. Entschieden wurde über die Verwendung und Besoldung der übernommenen sächsischen Salinenbeamten der „Thüringer Salinen“. Judersleben wurde als Baubeamter vorgesehen und sollte vorher die sächsischen Wasserkünste und die bayerischen Salinen studieren, und was dort vorteilhaft war, in den thüringischen Werken umsetzen. Der Rendant war Eschke mit einem Salär von 700 Talern und einer Beteiligung am Überschuss der chemischen Fabrik, alle übrigen Sondervergünstigungen wurden kassiert. Die Kösener Saline, die kleinste im Bergamtsbezirk sollte dennoch eigenständig bleiben. 

 

  1. Okt. Erlass des OBA zur Einrichtung eines Salzamtes (WER F38 Gen VIII a Nr. 20).

Zuständig für die ehemaligen kursächsischen Salinen war das Salzamt zu Dürrenberg. Dessen Dirigent wurde Johann Andreas Bischof (geb. 23. März 1765), zunächst noch stellvertretend, bis v. Witzleben endgültig zum OBA nach Halle wechselte. Bischof war nach Ableistung seines Militärdienstes 1793 in den Dienst der Saline getreten und  unter dem Direktorat von v. Hardenberg „Factor“ in Dürrenberg. Er war der Verfasser der ersten Borlachbiografie, die seinen „Geschichtlich-technologischen Mitteilungen über die Kgl. Preuß.  im Herzogtum Sachsen gelegene Saline Dürrenberg“ vorangestellt war. (Hrsg. 1831 v. C. J. B. Karsten und veröffentlicht im Archiv f. Bergbau und Hüttenwesen Bd. 20 S. 3-199.)

 

  1. Okt. Anweisung des OBA an die Lokalverwaltung (WER Rep. F 38 Gen V a Nr. 5).

Der „besonderen Salinenverwaltung“ gehörten 4 Offizianten an. Erster Beamter war der Rendant Eschke, sein Stellvertreter der Factor Senff, ungewöhnlich, weil üblicherweise der technische Beamte die Saline leitete. Colditz war Kondukteur d.h. Baumeister, Porse der Salzschreiber.

Die Leitung der Saline sollte „kollektiv“ erfolgen und regelmäßig Bericht erstattet werden. Mit der  neuen Besoldungsordnung erhöhte sich das Grundgehalt, bisher gewährte Sonderzulagen entfielen.  Die Beamten mussten alle im laufenden Jahr erhaltenen Gehaltszahlungen und sonstige Vorschüsse   nachweisen und wenn diese das Grundgehalt überstiegen, den Mehrbetrag zurück zahlen.

 

  1. Nov. Gutachten zum Zustand des Flussbettes der Saale. (MER C 48 IIIb Nr. 5512).

Der Bauinspektor Schmidt forderte die sofortige Beseitigung der Kiesbänke unterhalb des Wehres, da diese die Ablauf der Kunstgerinne und damit den Wirkungsgrad der Wasserkünste behinderten.

 

  1. Dez. Bericht der Generalverwaltung für das Bergwesen (WER Rep. F 38).

Nach der Werksbesichtigung und einer Befahrung der Solschächte durch den Oberbergrat v. Laroche wurde festgestellt, dass „…das neue Gradirhauß auf dem Rechenberg und die Kothen ausgenommen, (die Anlage) fast durchgängig in schlechten baulichen Zustand ist...“ und Maßnahmen zur Umstrukturierung und zur Anpassung an den preußischen Salinenbetrieb dringend erforderlich seien. Insbesondere betraf dies die korrekte Erfassung aller betriebswirtschaftlich relevanten Daten. Für das kommende Halbjahr sollte ein Wirtschaftsplan die Fördermengen, den Gradier- und Siedungprozess, den Brennstoffverbrauch, den  Lagerbestand, den Debit und den Verkaufserlös exakt erfassen. Außerdem wurden die  Entdachung des unteren Gradierhauses und der Abbruch der Sonnensalzanlage angeordnet. Oberbergrat Dunker verlangte Vorschläge, um die  „kraftverzehrende Bruchschwinge“ am Gestänge vom oberen Schacht zum Gradierwerk zu ändern. Witzleben schlug den versuchsweisen Einbau eines eisernen Kunstkreuzes ähnlich dem in Dürrenberg vor.

 

  1. Dez. Gutachten des Forstrates Thilo zur Saaleflößerei (MER C48IIIb Nr. 5487).

Im Auftrag des Finanzministers v. Bühlow sollte er mit den Herzogtümern über die Fortsetzung der „Communflöße“, über die Preisgestaltung und über Personalfragen verhandeln. Bisher galt noch der Vertrag aus dem Jahr 1789 über 6 Jahre und  drei Flößen lief, der dann immer wieder verlängert worden war. Unter Berücksichtigung der beim Wiener Kongress vereinbarten Freiheit der Stromflößerei und der Gleichberechtigung der Teilhaber schlug Thilo den Kommissaren (Reg.-Rat Michaelis und Graf v. Flemming, Oberforstmeister v. Münchhaußen und v. Schönfeld) vor, die Scheitholzflöße jährlich durchzuführen.  Der Anteil Preußens zur jährlichen Eingabe sollte auf 10.000 Klafter begrenzt werden, die für die Salinen  Kösen, Dürrenberg und Halle bestimmt waren. Außerdem schlug er vor, dass jeder Partner wieder eigenständig die Einkaufspreise mit den Holzlieferanten, speziell mit den Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt,  aushandeln sollte.

 

              Klage der Hebamme Johann Luise Krüger gegen den Kinderlehrer (WER D 34/1/148).

Johann Ernst Hucke hatte als Kantor die sog. „Gevatternbriefe“, mit denen Paten von Neugeborenen benachrichtigt wurden, zugestellt und dafür den Botenlohn kassiert. Der stand allerdings der Hebamme zu, soweit sie bei der Geburt behilflich war..

 

              Erschließung der ersten Steinsalzlager.

In einer Tiefe von 150 Metern wurde im Jagstfeld im unteren Neckartal ein Salzstock erbohrt. Durch Auslaugen gewann man eine gesättigte Sole, die die Gradierung überflüssig machte. Innerhalb von nur 7 Jahren entstanden hier 7 Salinen: Friedrichshall, Offenau, Schwenningen  und Rottenmünster im Kgr. Würrtemberg, Rappenau und Dürrheim im Großherzogtum Baden und Wimpfen in Hessen. Damit wurde überall die Erschließung von Steinsalzlagern, die schon Borlachs vergeblich gesucht hatte, wieder aufgenommen, zumal inzwischen die Dampfmaschine Einzug gehalten hatte und ein Vordringen in größere Tiefen möglich war.

 

1817     

 

  1. Mär. Besetzung der Floßverwalterstelle (MER C48 IIIb).

Burschel, der bisherige Floßschreiber erhielt 300 Taler Jahresgehalt und 5 Klafter Deputatholz.

 

  1. Mai Bericht des Saalefloßamtes zum Neubau des Rechens (MER C48IIIb 5512).

Anstelle des zerbrochenen Rechens, verwendete sog. Zwingen,  Stämme die in die Strömung geschwenkt wurden und einen Teil der Scheite zum Ufer lenkten, wo sie dann ausgesetzt wurden. Obwohl das ausreichte, bestanden die altenburgischen  Floßbeamten auf den Neubau eines Rechens. Der sollte aus Eichenholz gefertigt werden und 14.000 Taler kosten, von denen auf den preußische Fiskus ein Drittel entfiel. Daher lehnte die preußische Zollbehörde ab, zumal der Nutzen für Preußen gering und der Brennholzbedarf deutlich abgenommen hatte.

 

  1. Juni Salinenrecherche der Kgl. Preuß. Oberberghauptmannschaft (WER Rep 23 II Nr. 5/1).

Auf Anordnung der Generalverwaltung für das Bergwesen prüften der Berghauptmann Freiherr v. Veltheim und der Finanzrat v. Witzleben drei Tage lang den Stand der vom Oberbergrat Laroche angeordneten Veränderungen an der oberen Wasserkunst, dem Doppelfeldgestänge, dem Gerinne der unteren Radkunst und dem unteren, älteren Gradierhaus. Man beschloss eine Neuaufteilung der  Gradierfäll sowie die Erweiterung des zweiten Falls rechtwinklig am Nordgiebel des oberen Gradierhauses. Von Vorteil war hierbei, dass dann das Gestänge in gerader Linie darauf schieben könnte und so eine höher Kraft für die Umlaufpumpen zur Verfügung stand. Der 2. Fall am untern Gradierhaus sollte als dritter, der dritte als vierter Fall eingerichtet und der bisherige 4. Fall, der ohnehin zu tief lag und daher wenig effektiv war, abgeworfen werden. Zur Sicherung einer kontinuierlichen Kohlenversorgung sollte ein Teil gleich bei der Mertendorfer Grube gestrichen werden, um die dort auf Halde liegende Kohle zu verarbeiten, auch wenn man wegen des langen Weges mit mehr Bruch rechnen musste.

Dann wurde die Versiedung begutachtet, der Lagerbestand und der Debit, sowie  Vertrags- und Haushaltssachen, Rechnungs- und Kassenwesen geprüft.

Dann kamen verschiedene Anträge auf Lohnerhöhung wegen der hohen Getreidepreise zur Sprache, die man aber von höherer Stelle entscheiden musste. „Kurkosten“ wurden nur bei Betriebsunfällen aus der Knappschaftskasse erstattet und nochmals darauf hingewiesen, dass es außer in „dringenden  Fällen keinem Salinenarbeiter gestattet ist, vor Erreichen des 25. Lebensjahres und nur mit vorheriger Genehmigung der Salinenverwaltung zu heiraten. Zuletzt wurden die Lokalbeamten Eschke, Senff, Colditz und  Schickel angewiesen, Vorschläge zur Verwendung der eingestellten Sonnensalzanlage zu machen. Dem Protokoll lag ein von Senff zusammengestelltes umfangreiches Zahlenwerk über Förderung, Gradierung, Lagerbestände und Verkaufserlöse der letzten sechs Monate bei.

Derartige Recherchen seitens des Oberbergamtes wurden jährlich durchgeführt und protokolliert  (s. WER Rep. F 23, II Nr. 5 Bd. 1 bis 4).

 

  1. Juni Gesuch des Factors Senff (WER Rep. F 38 Gen.)

Senff war bei einer vom OBA angeordneten Befahrung des zu Sumpf gebrachten oberen Schachtes von einer  Fahrt gestürzt und mehrere Meter tief gefallen. Nur der schnellen Hilfe des Schularztes Uhlich und des Chirurgen Häßner verdankte er sein Leben. Da es sich hierbei um einen Dienstunfall handelte, bat Senff um die Erstattung der „Churkosten“, was ihm vom OBA am 30. Juli auch bewilligt wurde. 

 

  1. Juli Rezess zum Salinengrundstück (WER Rep. F 38)

Auf der Grundlage des  Pachtvertrages  von  1730 bestätigten die Königl. Regierung  und das Oberbergamt der Landesschule die Rückfallrechte an den Grundstücken im Fall der Einstellung  des Salzwerkes.  Auf der Grundlage eines maßstabsgetreuen und kolorierten Plans der Saline mit allen Betriebs- und Nebenanlagen vom Baumeister Gottlieb Colditz wurde das Gelände zwischen der Naumburger Chaussee und dem Schäferfeld mit „Runsteinen“ abgemarkt. Hier standen die beiden unteren Gradierhäuser, drei Siedekote mit den Trockenkammern, das Siedesolereservoir, die Salzlager, die Sonnensalzanlage, der Zimmereihof, die Pfannenschmiede, die Kohlenstreicherei mit Kohlenschuppen, die Dünger- und die Glaubersalzfabrik  sowie die Wohnungen der Siedemeister, des Kohlenaufsehers, des Rendanten und des Salzausgebers. Zum Aschedamm über der kleinen Saale führten zwei kleine Brücke. Außerhalb des abgemarkten Geländes aber zur Saline gehörend lagen die beiden Wasserkünste, die Gestängeröschen, die Solschächte, das obere Gradierhaus, die Salinenschmiede (R.-Breitscheidstr. 10) und die Wohnungen der Kunst- u. Gradiermeister (R.-Breitscheid-Str. 17/17a). Das gesamte Betriebsgelände umfasste 29.595 Quadratruten (d. s. 420.000 m²).

Imposant war der Kunstturm über dem unteren Schacht, der mit sechs 6 Geschossen und dem Turm  20 Meter hoch war. Das Erdgeschoss war massiv, die oberen Geschosse Fachwerk. Im Erdgeschoss neben der Hängebank mit dem Kunstkreuz wohin das Doppelgestänge schob, hattte der Kunstwärter seine Wohnstube. Im  1. und 2. OG war die Wohnung des Salinen-Factors.  Für ihn, seine Frau und die sechs Kindern gab es  eine  Stube, eine Küche und einige Kammern. Im 3. OG war das „Directions-Logis“. Dazu gehörte ein „Sezessions-Local“, 2 Stuben und 2 Kammern, wo  auswärtige Salinenbeamte übernachten konnten. Problematisch, schon seit den Zeiten Borlachs war die Lage des unteren Schachtgebäudes und des Gestänges unmittelbar vor dem Eingang zum Gasthof, weshalb es für Fuhrleute schwierig war, den Gasthof anzufahren. Als Ausgleich hatte die sächsische Salinenverwaltung dem Gasthofpächter die Vergabe von Afterschankrechten an Bewohner des Dorfes gestattet, was aber vom Oberbergamt untersagt wurde.

Zu Alt-Kösen, wie der Teil rechts der Saale bezeichnet wurde, gehörten neben der Saline und dem Salinengasthof, das Brauhaus mit der Malzdarre, die Schäferei, die Mühle, die Floßschreiberei (Naumburger Str. 1) und das Rechenwärterhaus (Loreleypromenade 9). Aber es gab auch schon einige Privathäuser, wie das des Holzhändlers Bechmann (Loreleyprom. 5), der Witwe Deistung (R. Breitscheid-Str. 14) und des Schmiedemeisters Therkorn (R. Breitscheid.-Str. 10).

 

  1. Juli Gemeindeversammlung zur Finanzierung des Armenhauses (MER C 50 Naumb. A Nr. 434)

Die Gemeinde war der Auflage nachgekommen, ein Armenhaus einzurichten und hatte dem Nachtwächter Dinter für seine Behausung in der Petersiliengasse 100 Taler angeboten, die auf die  Hausbesitzer und Hausgenossen umgelegt wurden. Dazu kamen weitere 25 Taler für Reparaturen an der Schule, so dass auf jeden Hausbesitzer 1 Taler, 12 Groschen und auf jeden Hausgenossen 18 Groschen, entfielen, die der Einnehmer eintreiben sollte. Allerdings war der Zahlungswille nicht hoch, und 1824 standen immer noch 16 Taler von 22 Zahlungspflichtigen offen, zu denen auch der Pachtschäfer Schwanitz gehörte. 

 

  1. Juli Gesuch der Hauslehrerin Erdmuthe Auguste Wahl (MER C 48 Iib 2028 I)

Die unverheiratete Tochter des Salzschreibers beantragte die Genehmigung, zur Weiterführung ihrer „scholae collectae“. In dieser Privatschule wurden Kinder unterrichtet, deren Eltern es sich leisten konnten und ihre Kindern die einklassige Dorfschule ersparten, wie die Kinder des  Salinenrendanten Eschke Luitgarde, Julius und Ida, des Factors Senff, Eleonore, Emilie, Louise, Otto und Agnes, des Pachtschäfers Schwanitz, Friederike und Christian, des Gastwirts Weber, Carl und Annelie, des Pfannenschmieds Bösel, Wilhelmine, Theres und Christian, des Holzhändlers Seidler, Friederike und des Aufwärters Thielitz, Wilhelmine alle im Alter zwischen 5 und 13 Jahren. Unterricht wurde an 6 Tagen jeweils von 8 bis 12 Uhr, wobei Religion, Schreiben und Rechnen täglich und Geographie und Diktat einmal wöchentlich gehalten wurden.

Unterstützt wurde sie vom geistlichen Inspektor Magister John, wohl auch wegen der Zustände in der Gemeindeschule. Im September wurde die Genehmigung erteilt.

 

            Lageplan von Neu-Kösen (Stadtarchiv Naumburg).

Rechts an der alten Heerstraße standen 11 Häuser, vier mehr als 1765, auf der gegenüber liegenden Seite erst ein einziges Anwesen (Lindenstr. 15). Die Dorfstraße war durchgängig auf beiden Seiten bebaut (Borlachstraße 1 bis 42).  An der Petersiliengasse standen das städtische Armenhaus (Nr. 16) und das Siechenhaus (Nr. 14) und an der Brücke am Mühlenweg gegenüber vom Floßamt  zwei Häuser (An der Brücke 2). 

Die ersten noch vom Floßmeisters Wenzel errichteten Häuser wiesen noch mit dem Giebel zum Fahrweg (z. B. Borlachstr. Nr. 14), ab 1730 wurden die  Häuser traufseitig zur Straße gebaut,  waren zweigeschossig, das Erdgeschoss mit massiven Lehmwänden auf Kalksteinsockel, das Obergeschoß war Fachwerk, der Dachstuhl hatte einen Krüppelwalm, die Dachdeckung bestand aus Ziegeln. Dieser Haustyp wurde in den kommenden 50 Jahren weiter vervollkommnet. Charakteristisch waren die zweiflügelige Haustür, deren Verglasung ein schmiedeeisernes Gitter schützte, darüber ein von gusseisernen Säulen getragener  Balkon und ein durchgehender Flur zum Hof. Typische Beispiele sind die Eckartsbergaer Str. 6, Lindenstraße 4, 25, 26, Burgstraße 2, 4,  6,B orlachstraße 6, 8, 10, 12. 

 

  1. Aug. Die Knappschaft feiert das erstes Fest (NKB 33, Jg. 1824).

Bei seiner Visiste der ehemals kursächsischen Salinen bewilligte der Oberberghauptmann Ritter von Gerhard den  Knappschaften von Artern und Kösen jährlich 30 Taler aus der Salinenkasse zur Feier des Geburtstags König Friedrich Wilhelm III. Dazu wurde der Bauhof und die Zimmerwerkstatt hergerichtet und die Mertendorfer Bergleute einbezogen.

 

  1. Okt. Konzert im „Mutigen Ritter (Naumburger Wochenblatt Jg. 6 Nr. 40).

Zu einem „Vocal und Instrumental-Concert“ unter Leitung des Musikdirektors Julius Kötschau lud Gastwirt Weber ein. Der Eintritt kostete 12 Silbergroschen.

 

  1. Okt. „Nachweisung sämmtlicher Pumpen ….auf der Saline Kösen (WER Rep. F 23 II, Nr. 2)

Nach Senffs Aufstellung  hingen am unteren Rad : 4 Wildwasserpumpen im Schacht d: 22 cm/ Höhe: 22,8 m), 20 Schachtpumpen unter Tage (d: 22 cm/ Höhe 153 m), 4 Tagpumpen (d: 22 cm,/ Höhe 30 m), 5 Gradierpumpen  für den 3. Fall ( 3 x d: 22 cm /Höhe 26 m, 2 x d: 22 cm/Höhe 17 m), 4 Gradierpumpen 4. Fall (d: 22 cm/ Höhe 8 m). 2  Sole-Repetierpumpen, 2 Pumpen zum Befüllen der Solebehälter und 9 Pumpen zum Befüllen der Siedepfannen. Am oberen Rad waren es 34 Pumpen, 21 im Schacht unter Tage, 4 über Tage und 3 am Gradierwerk, sowie 6 im Wildwasserschacht an der Nordseite des oberen Schachtes. Die Gesamtförderhöhe (unter und über Tage) betrug im unteren Schacht  189 im oberen Schacht 192 m. Die Schachtpumpen hatten eine Durchmesser von 24 cm,  die Hubhöhe betrug 84 cm, im Mittel 7 Mal/min. 

 

  1. Dez. Bewerbung um die Stelle des Salinenrendanten (WER Rep. F 38 V A).

Der bisherige Rendant Eschke war wegen eines „selbst verschuldeten Kassendefects“ aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Um seine Nachfolge bewarb sich der Rendant Crystall. 

 

1818

 

  1. Jan. Bildung des Landkreises Naumburg (Dr. Bergner, Bau u. Kunstdenkmäler … 1905).

Am 09. Dez. 1817 wurde die Verfügung zur Auflösung des Stadtkreises und der Bildung des Landkreises Naumburg erlassen. Dazu gehörten nun die Stadt Naumburg selbst, die Ämter  Schönburg und St. Georg mit Saaleck, Kleinheringen, Rödigen und Punschrau und Hohndorf, die  Rittergüter Stendorf und Kreipitzsch mit der Rudelsburg und Lengefeld,  das  Schulamt Pforte mit Neu- und Alt-Kösen, die Vorwerke Fränkenau und Kukulau und die Dörfer Hassenhausen, Rehehausen, Gernstedt, Spielberg, Taugwitz, Poppel, Benndorf, Ober- und Niedermöllern, Pomnitz und Zäckwar.   

 

  1. Feb. Schreiben der Polizeidirektion Merseburg an das Oberbergamt (WER Rep F 38 V).

Direktor v. d. Heyde  verlangte vom Oberbergamt die Rückzahlung von 6 Talern, die der Salineneleven Schweder von der Stadt erhalten hatte, um Schulden bei seinem Wirt zu begleichen.  Allerdings hatte Schmieder seinen Dienst quittiert und das OBA verwies die Behörde an dessen Vater, der Salinenrendant zu Colberg war. 

 

  1. Feb. Anzeige wegen Salzdiebstahls (MER F 44 I A)

Ein Siedeunterbursche hatte Salz unterschlagen und durch einen Mittelsmann an Ausländer und Einheimische verkauft. Das OBA billigte die von der Salinenverwaltung getroffene Anzeige  beim Kgl. Justizamt, die den Verbrecher in Gewahrsam nahm. Als Strafe wurde ihm die preußische Nationalkokarde abgenommen, dann folgte die Verurteilung zu 6 Wochen Gefängnis sowie  20 Peitschenhieben. Außerdem wurden ihm die Gerichtskosten auferlegt. Allerdings kam auch die  Saline schlecht weg, musste sie doch die Kosten für die Verpflegung während des Arrettierung  begleichen. Als dann noch die Justizbehörde anfragte, ob der Verurteilte nach Verbüßung der Haft wieder als Tagelöhner bei der Saline eintreten kann, um seine Schulden abzuzahlen wurde das kategorisch abgelehnt.

 

  1. Mär. Beschwerde eines Einwohners wegen Einquartierungen (MER C 50 Naumburg A Nr. 597)

Der Beschwerdeführer schrieb dem Landrat Carl Peter Lepsius

„Ich bin bisher nicht einfach sondern doppelt mit Einquartierung belegt worden. Wenn ich nach dem Maßstab frage, wonach dies und überhaupt die Einquartierung in Kösen erfolgt, so höre ich nur: Es geht danach, wer sie ernähren kann; oder aber nach einer Sächs. Anordnung vom Jahr 1813. Nach dieser Anordnung ist mein Haus, wie man mir sagte, mit 2 Mann eingeschätzt worden. Allein der damalige  Besitzer meines Hauses brannte Brandwein und trieb ein ziemliches Gewerbe, so wie auch seine Stuben vermiethet oder vermiethbar waren. Das alles ist aber bey mir nicht der Fall. Ich habe kein Gewerbe und auch sonst keinen Verdienst und die paar Stuben, die ich bey meiner  zahlreichen Familie  nicht selbst brauchte sind leer und ruinirt. Daher bin ich bloß auf ein kleines Capital beschränkt, daß noch dazu von meinen adelichen Schwiegereltern -Gott weiß warum- größtentheils meinen Kindern ausgesetzt worden ist, welche Dispositionen eben jetzt in Naumburg regulirt, und aus Rücksichten auf meine Lage als unvermögende Sache behandelt worden ist....Auch habe ich es schriftlich, die Hälffte der Kaufsumme (1000 Th.) meines Hauses ist von meinen Kindern entlehnt. Dazu kommt noch, daß, ehe ich Nutznießer besagten Capitals wurde, ich mich zum Behuf des Absatzes meiner Schriften und meiner davon leider abhängigen Subsituirung durch Reisen so anstrengen mußte, daß ich mir durch diese Reisen und Strapazen und Erhitzungen ein Uebel zugezogen habe, daß mich seit 4 Jahren peinigt, verdrießlich macht und in der Einsamkeit erhält und dessen Ende ich noch nicht absehe. Warum hat man mich auf eine wieder Recht und alle moralische Grundsätze verstoßende Weise ohne Anstellung gelaßen.

Eine solche Lage verdient doch wohl Rücksicht und wird auch, wie vorhin gesagt ist, berücksichtigt, gewiß werden Sie auch meine  Lage und mich  berücksichtigen und dem Meister Hämmerling, der mir ohnehin nicht geneigt zu sein scheint, nur bestimmte Weisung ertheilen, mich nur einfach zu bequartiren, und mich überhaupt hier vor Willkühr und Unrecht, das ich mir durchaus nicht gefallen lassen, hiervor zu beschützen, der ich Ihnen sonst mit aller Hochachtung zugethan bin.  Dr. Heynig,  Privat-Gelehrter in Kösen.

Am 31. März beschwerten sich auch der Salzsieder  Streuber und der Kunstwärter Scheufler über die nach ihrer Auffassung willkürliche Einquartierung seitens des Gemeindevorstandes

Am 22. August nahm die Gemeinde dazu Stellung und berief sich auf die verschiedenen, teilweise auch wiedersprüchlichen Anweisungen. Außerdem habe man bei der Behörde um Befreiung von Einquartierungen gebeten, weil „die Bewohner des Orts mehrentheils in Salinen- und Floßen-Arbeiter bestehen, auch wie sonst bey Friedenszeit keine Einquartierung, noch Botengänge verrichteten“ und 1813 von der kaiserlich-russischen und königlich-preußischen Militärbehörde eine entsprechender Schutzbrief ausgestellt wurde.

Nun wären aber diese Gerechtsame d.h. die Befreiung von Einquartierung in Friedenszeiten aufgehoben, ausgenommen die „Herrschaftl. Flößen-und Salinen Gebäude“.

Bezüglich der erhobenen Beschuldigungen wurde erwidert: Wenn wir uns seit 1813 nicht nach den innern Verhältnis eines jeden Hausbesitzers genau gerichtet hätten,  wären die Aermsten, wo die Häuser meistentheils verschuldet seyn, nicht im Stande gewesen, die Einquartierung einzuhalten...“ Abschließend wurde festgestellt: „Da in der Gemeinde soviel Undanckbare und Wiegler entstanden sind, so bitten E. Hochwohlgeboren ganz gehorsamst uns von diesen Einquartierungs-Geschäft und Bestellung von Boten ganz zu entbinden, jedoch nach genauer Untersuchung bitten wir um Satisfaction,überhaupt, da wir seit dem Jahr 1813 vorgehabten Mühe, Arbeit und Sorge noch keine Bezahlung erhalten haben, so fügen wir unsere Liquidation bey, verlaßen uns auf das Wohlwollen Desselben, uns in der Bezahlung behülflich zu seyn und wenn es erforderlich ist, wollen wir uns über jeden Punct mündlich verantworten,  indem noch eine kleine Einquartierung stattfindet, weil wir an einer großen Straße liegen und aus Mitleid manchen Beurlaubten der krank oder lahm auf dem Marsch geworden und auch kein Geld hat, aus Vaterlandsliebe ein Nachtquartier geben..“

Friedrich Seboth, Richter       Gottlieb Lachmann, Schöppe             Salomon Hämmerling, Schöppe.

 

  1. Mär. J. W. v. Goethe an Zelter (Goethes Briefe, Bd. 29, Weimar 1904).

Ich stehe wieder auf meiner Zinne über dem rauschenden Brückenbogen, die tüchtigen Holzflöße, Stamm an Stamm, fahren mit Besonnenheit durch und glücklich hinab (.) daß heute  Gründonnerstag (.) auch in Kösen an der Saale, über Naumburg der große Holzmarkt gefeiert wird (.).

 

  1. Mai Salinenrecherche der Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 23 II Nr. 5 Bd. 1)
  2. Veltheim und v. Witzleben besichtigten das obere Feldgestänge und ordneten eine Notreparatur und im Winter die Generalreparatur an. Das betraf auch die Erneuerung des Gerinnes von unteren Kunstrad und die Erneuerung der oberen Radkunst. Die Untersuchung des Wildwasserschachts hatte ergeben, dass dieser keinen Einfluss auf die Wildwasserzuläufe der beiden Solschächte hatte und demzufolge nicht gebraucht würde.

Wegen des hohen Bruchanteils bei den Formkohlen, wurde der Vorschlag der Lokaldirektion, die Kohlen ausschließlich in Mertendorf zu streichen abgelehnt. In Mertendorf sollte die frisch geförderter Kohle verarbeitet und die auf Halde liegende klare Kohle nach Kösen gebracht werden, um die Gefahr einer Selbstentzündung zu vermeiden.

Bei der Prüfung der Kassenbücher und der Registratur wurde die Aktenablage bemängelt. Das wäre nach dem Abgang des Eleven Schwedter nicht zu schaffen, erklärte die Lokalverwaltung und bat um personellen Ersatz. Nach dem Abgang des Rendanten Eschke übernahm die Salinenkasse die Pacht für die Hälfte seines von der Landesschule gepachteten Feldes, das man für den zukünftigen Rendanten brauchte. Die Nutzung des   Dienstgartens wurde der Familie bis zum Einttreffen des neuen Rendanten ebenfalls gestattet. 

Für die Wiederbesetzung der Stelle des 3. Kassenwächters wurde der Scheitführer Streuber und als dessen Nachfolger der ehemaligen Landwehrmann Gottfried Ziege vorgeschlagen.

 

  1. Mai Einladung zum Commers des Halleschen SC (W. Fabricius, Geschichte des Kösener SC)

Der Einladung nach Naumburg folgten die SC aus Leipzig und Jena, wobei Letzteren auf ihrem Weg dahin die Ruinen der Rudelsburg aufgefallen waren und als zukünftiger Treffpunkt vorgeschlagen wurde.

Der Saalecker Kantor Johann Friedrich Förtsch beschrieb die Burg, „Der innere Hof … ist mit dem Schutt von zusammengestürzten Prunkzimmern, Sälen, Waffen- und Vorratskammern, Küchen unterirdischen Gewölben, Kellern und Gängen angefüllt...“ 

 

  1. Juni Bericht des OBA an die Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 38 V).

Dabei  ging es den Antrag des „Salinenfactors“ auf finanzielle Hilfe.  In der Senff`sche Wohnung im unteren Solschacht hatten bereits 1806 die hier einquartierten Militärs erheblichen Schaden angerichtet. Am 13. Oktober 1813 wurden hier österreichische Truppen, die den Brückenübergang sicherten, einquartiert und wurde dann von der französischen Artillerie unter Beschuss genommen, währenddessen Senff mit Typhus an das Krankenbett gefesselt war. Seine Ehefrau erlitt eine Fehlgeburt und der gesamte Hausrat wurde zerstört. Außerdem musste Senff für die Schulden seines 1813 verstorbenen Vaters aufkommen, der nach P. Fitzgerald wegen gefälschter Baubelege und ungenehmigter Privatbauten erst zu zwei Jahren Zuchthaus, dann zu acht Wochen Gefängnis begnadigt und zum Schadensersatz verurteilt wurde.

Kaum wiederhergestellt stürzte er vom Pferd, verunglückte danach mit einem Gespann und stürzte im Dezember 1816 beim Befahren des Solschachts ab. Für letztere Vorfälle hatte er die Erstattung der Behandlungskosten beantragt. Allein den Schaden an seinem persönlichen Habe bei Gefecht im Oktober 1813 bezifferte er auf über 1350 Taler. Das OBA gab den Antrag zur Prüfung an die Oberberghauptmannschaft weiter. Nach Rückfrage über bereits erhaltene  Vorschüsse aus der Salinenkasse ordnete der Minister des Innern an, dass die Rückzahlung entfällt und Senff 50 Taler aus dem Provisionsfond erhalten soll. Davon sollten 25 Taler in die Knappschaftskasse kommen, weil diese für seine Kurkosten aufgekommen war. Die privaten Verluste ersetzte der Salinenfiskus nicht, weil die sächsische Regierung bzw. dem Gouvernement bereits Entschädigung bei Einquartierungen gezahlt hatte.   

 

  1. Juni Vereidigung der Unterbeamten und Salinenarbeiter auf den preußischen König (MER F 44)

„Ich (.) schwöre hiermit zu Gott dem Allmächtigen und  Allerheiligsten einen feierlichen Eid, daß da ich bei der Kgl. Saline zu Kösen angenommen und  bestellt worden bin, ich alles dasjenige, was mir zu tun obliegt, zum Besten des Werks mit allem Fleiße und nach meinen besten Wissen und Kräften verrichten, Schaden und Nachteil aber nach meinen äußersten Vermögen  abwenden, den mir vorgesetzten Beamten und Offizianten allen gebührenden Gehorsam und Respekt  erweise und dasjenige , was mir  zu tun anbefohlen wird, getreulich  und ohne Widerrede  nach meinen Kräften verrichten alles was zum Nutzen  der Saline gereichen kann wahrnehmen und befördern und mich überhaupt stets so zu betragen, will wie es einen getreuen  und redlichen Salzsieder gebührt...“

 

  1. Juli Vereinbarung zur Pacht für das Salinengelände (WER Rep. F 38).

Der Salinenfiskus zahlte der Landesschule jährlich 283 Reichstaler, 8 Groschen und 4 Pfennige. Außerdem erhielt die Schule das Salz für den Eigenbedarf kostenlos.

 

  1. Aug. Antrag Senffs beim OBA (WER Rep. F 38 V).

Senff bat unter Verweis auf seine 25jährige Tätigkeit um Ernennung zum ersten Offizianten.

 

  1. Aug. Widmungsblätter für Heinrich Freiherr von Gagern (Hess. St.-A. Darmstadt)

Die beiden Stiche zeigen die Rudelsburg und Burg Saaleck.  Gagern war Offizier des Corps Gyulai und Veteran von Leipzig und Waterloo. Offenbar sollten die Stiche (überreicht von Friedrich Leopold Sieverßen und J. Römhild) an das Gefecht an der Kösener Brücke im Jahr 1813 erinnern.  

 

  1. Okt. Zweiundzwanzigster Commun-Saalenfloß-Contract (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

Während im Sommer noch die letzte Commun-Flöße aus dem Vertrag von 1814 abgehalten wurde, verhandelten die Floßbeamten von Preußen und Sachsen-Altenburg, auch im Namen von Sachsen Weimar, über einen neuen Sechs-Jahresvertrag mit jeweils drei alternierenden Flößen ab 1820, bis 1825.  Preußen trat in die Regale der Saaleflöße, die bis dahin Sachsen inne hatte, beteiligte sich zu einem Drittel an der Eingabe von 18.000 Klafter und verpflichtete sich zur Abnahme von 10 bis 12.000 Klaftern aus der altenburgischen Privatflöße. Strittig war der Erwerb von Hölzern aus den saalfeldischen Gehauen, die von preußischen Floßbeamten gekauft und abgeflößt werden sollte. Dagegen erhob Altenburg Widerspruch und bestand hier auf das alleinige Einkaufsrecht und die Abflöße. Damit der Vertrag nicht scheiterte, wurde das Problem bis auf höhere Entscheidung vertagt. Vereinbart wurde außerdem, daß das Commun-Holz am Neusulzaer Rechen ausgesetzt und den preußischen Floßbeamten zur Weiterflöße übergeben wird. Die altenburgische Privatflöße endete ebenfalls am Neusulzaer rechen, allerdings ohne hier das Holz auszusetzten wurde nur die Durchflöße von den preußischen Floßbeamten übernommen. Die Kontrolle der auf den einzelnen Plätzen ausgesetzten Mengen wurde nach Abschluss der Flöße von den preußischen und herzoglichen Floßbeamten gemeinsam kontrolliert undd festgehalten.

 

  1. Nov. Zweite Beschwerde des Dr. Heynig (MER C 50 A Naumburg Nr. 597)

„Ich habe meine Umstände in betreff der mir auferlegten Einquartierung nach Merseburg und Berlin gemeldet und um Verschonung, wenigstens Schonung bey Einquartirungen bescheiden nachgesucht....Ich merke aber, nach eingegangener Kunde und Erläuterung, daß man meine Eingabe gern entkräfften und wohl gar zu einen Querulanten mich stempeln möchte , indem man sagt, daß ich ja erst seit meinem Hiersein (1 ½ Jahr) 5 Mann Soldaten gehabt habe. Wie bitte! Daß man gerade die erste und letzte Einquartierung wegläßt. Sonach und besage meiner wohl aufgehobenen Billetts habe ich 10 Mann und ein Kind im Quartier gehabt, und zwar ganz unentgeltlich, außer daß für die letzten drei Mann etwas für meinen Theil mit eingegangen seyn sollte. Da nun weder meine Person noch mein Gras- und Obstgarten bey Einquartierungen in Betracht kommen soll, daß aber laut meiner Bequartirung geschehen ist, da mein Haus schlecht und gering ist und erst ein Haus werden kann, wenn man meint, mich mit solcher maßen hieran stöhren, so habe  ich mit Grund und Fug über die viele Einquartierung beschwert und werde mich, wenn man mir so oft zu viel auferlegt  beschweren und um so mehr, da es partheyisch hergeht indem z. B. der Maurermeister Werner bey seinen großen Haus und Feld und Gewerbe nur zwei Fourierschützen  nebst einer Frau gehabt hat, während ich 2 Tambours und noch einen Soldaten hatte...Ich lasse mich aber durchaus nicht länger tourbiren und Unrecht thun, was auch für mich oder andere darn kommen möchte...

  1. phil. Heynig zu Kösen.

 

  1. Dez. Gesuch der Dorfgemeinde beim Landrat (WER Rep. A 23I Nr.1, Bd.1).

Salomon Hämmerling, Nachfolger von Seboth als Ortsrichter  und die Schöffen G. Lachman  und Fr. W. Heßner  beantragten im Namen der Gemeinde die Anpachtung des Gasthofes. Damit wollte sich die Gemeinde das Monopol des Gasthofes bei Brau-, Brenn-, Schank-, Gastungs- und Beherbergungsrechten sichern. Das Verbot der Afterschankpacht seitens des Salinenfiskus, bedrohte die Existenz der Bäcker Hämmerling und Seiffarth sowie einiger weiterer Gemeindemitglieder. Dabei seetzte man auf die Ablösung der bisherigen sächsischen durch die liberale preußische Gewerbeordnung. Dazu kamen die neuerdings geltende Einquartierungs-pflicht,  die Truppenverpflegung, sowie Spann- und Fuhrdienste, die von der Gemeinde die weder  über landwirschaftliche Nutzflächen noch Geldeinnahmen aus bürgerlichen Gewerbe verfügten, faktisch nicht leistbar waren. Mit der Übernahme des Gasthof  würden aber auch die zur Pacht gehörenden Äcker und Wiesen an die gemeinde fallen. Die Gemeinde bat um  eine vorzeitige Beendigung der Pacht und bot an, sich an den zu erwartenden  Schadensersatzansprüchen Webers gegenüber der Saline  zu beteiligen.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Landrates zum Antrag der Gemeinde (dto).

Landrat Carl Peter Lepsius (Vater des Ägyptologen R. Lepsius) unterstützte den Antrag der Gemeinde, weil diese „durch eigene Betriebsamkeit ihre Umstände verbessern“ könne. Er berief sich dabei auf die zu erwartende Gewerbefreiheit in den an Preußen gekommenen  sächsischen Gebiete und schloss, dass „Zweige der bürgerlichen Nahrung wie Gast- und Schankwirthschaft wohl nie für Rechnung der Regierung verwaltet werden (.). denn sie können in den Händen der Regierung nicht rentiren, wie in Privathänden“.

 

             „Badeliste“ des Schul-Arztes F. W. Häßner (Hinsche, Heimatbuch 1930).

Bislang wurde die Liste als die erste ihrer Art bezeichnet. Allerdings war das wohl ein Schreibfehler denn die erste Badeliste erschien 1812 im Naumburger Wochenblatt (Nr. 31, 32, 33).  1813 waren es 63 Badegäste, darunter auch der Chef des französischen Lazaretts in Naumburg, worauf bereits Fr. Hoppe im Heimatbuch verwies.

In einem Schreiben der Floßbeamten aus dem Jahr 1794 wurden „gesundheitssuchende Fremde“ erwähnt und Heinrich Seffner erwähnte in seinen Lebenserinnerungen, dass im Haus des  Advokaten Hübsch Badegäste wie der Geheimrat v. Schardt aus Weimar und die  Familie v. Bodenhausen wohnten. Die Nachfrage nach Solebädern stieg, denn zahlreiche Ärzte propagierten die heilende Wirkung der Solebäder, wie Dr. Tollberg der 1802 im preußischen Salzelmen das erste Solebad gründete, Dr. Reil in Halle und Dr. Manniske im schwarzburgischen Frankenhausen.

Nur wenige Hauswirte hatte die Räumlichkeiten Bäder zu bereiten und Badegäste aufzunehmen. Das waren aber weder Salinen- noch Floßarbeiter. As „Bad“ in den Privatwohnungen bestand aus einer Holzwanne möglichst in einem separaten Raum, die Sole wurde vom Solschacht oder vom Mühlbrunnen geholt, das Wasser vom Brunnen oder von der Quelle. Wahrscheinlich wurden nur Kaltbäder bereitet, da eine  Erwärmung recht aufwändig war. Außer Haus konnte vom  Mühlbrunnen getrunken und am Gradierwerk promeniert werden, wobei die Inhalation erst in den Anfängen steckte.

 

              Beschreibung der  Saalebrücke.

In der „Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“ von Gruber und Ersch im Kapitel XIII „Die Brücken der Teutschen“ wird die Brücke als eine der ältesten Steinbrücken Deutschlands beschrieben.  Die Länge wird mit 288 Fuß (rd. 91 m), die Bogenweite mit rd. 7,7 m angegeben.

 

1819

 

  1. Feb. Schreiben der Oberberghauptmannschaft an das OBA (WER F 38 V Cb 1 Nr. 9).

Es ging um die Neubesetzung der Beamtenstellen. Für den Rendanten Eschke kam Schweingel aus Dürrenberg, gleichzeitig zweiter Offiziant mit einem Jahresgehalt von 700 Talern, freier Dienstwohnung und Dienstgarten und einem Deputat von 3000  Formkohlen. Die dafür zu stellende  Kaution betrug 1500 Taler. Als Materialverwalter kam ebenfalls aus Dürrenberg der Kassengehilfe Pauli für 350 Taler Jahregehalt, freier Wohnung und 1500 Formkohlen. Er stellte eine Kaution von  400 Taler. Der „Salinenfactor“ Senff wurde zum ersten Offizianten der Kösener Saline ernannt wegen seines „umsichtigen, treuen Betragen im Dienst“ Die Dienstbezeichnung „Salinen-Inspektor“ wurde  abgelehnt, da dies nur bei den größeren preußischen Salinen üblich wäre. Am 3. Mai wurden die Beamten durch den Geheimen Bergrat v. Witzleben und dem Oberbergrat Eggers vereidigt, in ihren Aufgabenbereich eingewiesen und der Kassenbestand sowie das Baumaterialieninventar übergeben. Anwesend waren auch der Kunstmeister Müller, die Gradiermeister Schröder und Heinze, die Siedemeister  Kalbitz, Müller jun.  und Rauchfuß, der Maurermeister Werner und der Pfannenschmied Bösel. Der Baumeister Colditz ließ sich krankheitshalber entschuldigen.  

 

  1. Feb. Anweisung des OBA zum Schulwesen (MER C 48 II b Nr. 2028)

Der Gemeindeschule wurden jährlich 20 Taler aus der Salinenkasse bewilligt. Davon sollten für die Kinder der Knappschaft Schulbücher gekauft und besonders sittliche und lerneifrige Schüler belohnt werden. Der geistliche Inspektor sollte über die sachgerechte Verwendung wachen.

 

  1. Mär. Schreiben des Oberbergamtes Halle wegen der Sandbänke (MER C 48 IIIb Nr. 5512).

Die bereits 1816 reklamierte Beseitigung der Sandbänke war immer noch nicht erfolgt und die Kraft der Wasserkünste und damit die Pumpenleistung waren eingeschränkt. Daher mahnte das OBA die Kgl. Regierung, die für die Stromsaale zuständig war, die Beräumung zu veranlassen

 

  1. Mär. Verpachtung der Glaubersalzfabrik (WER Rep. F 23, X Nr.17).

Pächter war Heinrich Georg Heun, geb. 1787 in Teuditz. Der Sohn des Bergrates Friedrich Wilhelm Heun (1741-1812), Rittergutsbesitzer zu Teuditz und  seit 1775 Condirektor der AKD Salinen und der Christiane Henriette geb. Schubart wurde bei Johann Bartholomäus Trommsdorf (1770-1837) dem Begründer der wissenschaftlichen Pharmazie zum Chemiker ausgebildet. Trommsdorf richtete mit Erlaubnis der Königl.-Sächsischen Landes-, Ökonomie-, Manufaktur und Commerzien Deputation in Dresden eine Fabrik zur Herstellung von „Natrium, Soda, Salmiak“ in Teuditz ein, wo aus der in dortiger Saline anfallenden Siedeabfällen (Mutterlauge, Pfannenstein, Salzschlamm) Glauber- und Bittersalzen hergestellt wurden. 

Heun, der seit 1813 bei Trommsdorf beschäftigt war, schloß einen zwölfjährigen Pachtvertrag ab und übernahm die neben dem Bauhof gelegene Fabrik (heute Salinenstraße 1/2). Hier verarbeitet er jährlich rund 2000 Zentner Mutterlauge, aus der man bisher das Glaubersalz (Na2SO4)  durch Ausfrieren gewann. Nach Senff betrug bisher die Jahresmenge rund 500 Landzentner, wäre aber auf 1000 Landzentner zu steigern, wenn man genügend Lagermöglichkeiten hätte. Heun ging dann von dem umständlichen und unwirtschaftlichen Ausfrieren ab und setzte der Mutterlauge  Schwefelsäure zu, so dass man nicht mehr auf den Winter warten mußte und damit weit weniger Lagermöglichkeiten benötigte. Neben Glaubersalz wurde  Bittersalz (MgSO4), Natron (NaHCO3)  und Magnesia (MgO) hergestellt.

Vom anfallenden Alaunfluß (KAlSO4 x12H2 O) wurden Proben in der  Alaunfabrik in Schwemsal auf Eignung geprüft.

 

  1. Apr. „Circularverordnung“ zur Saaleflöße (Stadtarchiv Jena, Lepsius Kl. Schriften).

Preußen war der Commun-Flöße beigetreten und hatte mit dem Großherzogtum Sachsen-Weimar und dem Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg drei Commun-Flößen vereinbart. Wie bisher wurden die großherzoglich-weimarischen Stapel Jena und Dornburg, die herzogl.-altenburgischen Stapel Kahla, Camburg und Unterneusulza sowie die preußischen Stapel Kösen, Naumburg, Weißenfels, Dürrenberg, Merseburg, Holleben sowie die Saline Halle mit dem Holz aus der Commun-Flöße versorgt.

Neuerdings endete die „Commun Flöße“ aber am Rechen von Unterneusulza, von wo aus Preußen die alleinige Weiterflöße übernahm. Ansonsten blieb es bei dem bisherigen Verfahren. Die für die Communflöße bestimmten Mengen kamen zum Teil aus den eigenen Waldungen zum Teil wurden sie von den Waldbesitzern wie den Fürsten von Rudolstadt-Schwarzburg gemeinsam eingekauft. Die Scheite wurden an der Mündung der Schwarza von den herzogl. altenburg. Beamten  übernommen und abgeflößt. Die für die einzelnen Aussetzplätze bestimmten Mengen wurden unter ihrer Aufsicht ausgezogen und auf Stapel gesetzt und von den herzogl. Sowie preußischen Floßbeamten abgenommen und quittiert.

Polizeiverordnungen sollten die ungehinderte Flöße in den jeweiligen Hoheitsgebieten sicherstellen. Festgelegt waren die Schadensersatzansprüche der Anrainer und die Bestrafung von Holzdieben.

 

  1. Apr. Schreiben des OBA an die Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 17)

Seit 1802 wurde auf der preußischen Saline Elmen Schachtsole zu Badezwecken verwendet, was die  Nachfrage nach Solebädern in anderen Salinen beförderte. Da ein Teil der Sole zwar gefördert aber nicht gradiert wurde und ungenutzt in die Saale lief, war man dazu übergegangen anstelle des Mühlbrunnens auch Salzsole zur Bädern zu verwenden. Allerdings wurden diese Wannennbäder ausschließlich in Privathäusern zubereitet, und jederzeit auch die mißbräuchliche Verwendung der Sole möglich. Um dem einen Riegel vorzuschieben, sollte die Lokalverwaltung Vorschläge machen, wie man den sachgerechten Gebrauch der abgegebenen Sole kontrollieren könnte und zu welchem Preis die für ein Bad gebrauchte Menge abgegeben werden soll.

 

  1. Mai Konzessionsantrag S. Hämmerling (WER. Rep.A23I, Nr.1,Bd.2:

Unter Berufung auf die in den alten preußischen Provinzen geltende Gewerbefreiheit beantragte er  beim Landrat den Kaffee-, Bier- und Branntweinausschank in seiner Dorfbäckerei. Bereits im Vorjahr hatte er vergeblich beim OBA um Genehmigung nachgesucht.

 

  1. Mai Anweisung des OBA zur Soleabgabe an Privatpersonen  (WER, Rep. F 23 X Nr.17).

Nach Angabe der Badewirte würden durchschnittlich  2 Kubikfuß (62 l) Sole für ein Wannenbad benötigt, wofür das OBA einen Silbergroschen festsetzte. Drei Viertel der Einnahmen sollten zur  Knappschaftskasse gehen, ein Viertel die Pumpwärter für die zusätzliche Arbeit erhalten. Damit war eine gewisse Kontrolle über die ordnungsgemäße Bezahlung gewährt, allerdings verwendeten nun die Badewirte weniger Sole für ein Wannenbad, womit sich die Gewinnspanne erhöhte.

 

  1. Juli Anweisung des OBA zu einer Personalie (MER F 44 I A)

Für den Kohlenstreicher Zwingenberg einen Interims-Arbeiter hatte die Salinenverwaltung die Genehmigung zum Beitritt in die Knappschaft beantragt. Das lehnte das OBA ab, weil dies nicht  der Dienstverfassung angemessen war. Die Vermehrung der Mitglieder der Knappschaftskasse sei eher nachteilig als vorteilhaft, denn die Gestattung eines solchen Gesuchs würde viele Ansprüche gleicher Art sowohl in Kösen als auch bei den übrigen Kgl. Salinen nach sich ziehen. Daher  sei „.derselbe abschlägig zu bescheiden, aber bei einer vorkommenden Vakanz einer ihm angemessenen Salinenarbeiterstelle  zu derselben zu befördern, insofern er unter den übrigen Arbeitern  die vorzüglichsten Ansprüche hat.“

 

  1. Aug. Landrat Lepsius erteilt Hämmerling die Schankkonzession (s. JoGe Artikel 1815).

Nach dem Protest des Gasthofpächters beschwerte sich das OBA bei der Kgl. Regierung, die dem   Landrat befahl, die Konzession zu  kassieren.

 

  1. Aug. „Communikat“ des Floßamtes an die Salinenverwaltung (MER C 48 IIIb Nr. 5523)

Bei einem Hochwasser hatte die Salinenverwaltung zum Schutz der Radstuben den Schütz am Scheitbach geöffnet. Daraufhin verlangte das  Floßamt Ersatz für die Schäden am Scheitbach.

 

  1. Aug. Anordnung nach dem Tod des 2. Gradiermeisters Gottlieb Heinze (MER F 44 IA)

„Bevor wir auf die  Wiederbesetzung der erledigten Stelle des 2ten Gradier,meisters und der Unterstützung der hinterlassenen Witwe eröffneten Vorschläge  bestimmte Entscheidung  zu fassen vermögen, hat uns die Kgl. Salinenverwaltung zuvörderst mittelst eines ausführlichen Rechnungsextracts anzuzeigen, wie viel der ganze Dienstgenuß  des 2ten Gradiermeisters in den verflossenen drei Jahren jährlich betragen habe, daß jedoch die Witwe die freie Wohnung  wenigstens bis  1ten Oktober  d. J. belassen  werden könne, wir hiermit vorläufig genehmigen.“

Der Verdienst betrug im Schnitt 168 Taler, dazu freie Wohnung und ein Deputat von 1500 Formkohlen. Zu diesen Bedingungen wurde der Gradierer Friedrich Zedel zum 2. Gradiermeister ernannt. Außerdem wurde angewiesen, dass „in Erwägung der unwandelbaren Treue und ausdauernden Fleißes des Verstorbenen die Witwe Ende Oktober die Wohnung kostenlos nutzen und bis dahin dessen Lohn erhält“.

 

  1. Sep. „Naumburgs reizende Umgebung“ (Naumburger Wochenblatt Jg. 8 Nr. 36/37).

Die Rudelsburg war ein „Steinhaufen und verfallene Mauer“, dennoch scheuten  Wanderer den mehrstündigen Fußweg zur „Veste“ nicht. Studenten wie der spätere  Forstrat Cramer aus Meiningen. „Wäre die Burg in den schönsten Jahreszeiten bewohnt, und könnte der Bewohner den Besuchenden einen Zubiß und Trunk aufsetzen und ihnen eine gedruckte Nachricht von der Geschichte dieser alten Feste reichen, so könnte man der Rudelsburg ein Stammbuch weihen, worin die Besuchenden ihre Namen, Vaterland, Charakter und, wenn sie wollten, auch ihre Gedanken und Empfindungen bei dem Aufenthalte an diesen Trümmern verzeichnen.“ empfahl der Verfasser.

 

  1. Sep. Verfügung des Staatsministeriums (in WER Rep. A 23I Nr.1 Bd. 2).

Das OBA wurde angewiesen, bei der 1823 anstehenden  Neuverpachtung des Gasthofs  das Verbietungsrecht aufzuheben, auch unter Hinnahme einer geringeren Pacht. Dabei wäre auch das Pachtbegehren der Gemeinde hinfällig, zumal diese keine juristische Person und daher nicht als Pachtinteressent auftreten könne.

 

  1. Okt. Gründung des ersten deutschen Geschichtsvereins auf Burg Saaleck (Allg. Gesch.)

Den „Verein zur  Erforschung des vaterländischen Altertums und zur Erhaltung seiner Denkmale“ regte Landrat Carl Peter Lepsius an. Zu den 14 Gründungsmitglieder gehörten u. a. der Pfortaer Rektor Ilgen, der Kgl. Bauinspektor Schmidt-Weißenfels, der Reg.-Direktor Krüger-Merseburg, der Konsistorialrat Neander, später Bischof von Berlin und der Rittergutsbesitzer von Stendorf Feilitzsch. Am 4. April. 1820 wurde das Vereinsstatut beschlossen und Lepsius zum Vorsitzenden gewählt. Am 30. Oktober erfolgte die Vereinigung mit dem „Unstrutverein“.  1822 ging der Verein nach Halle und stand dort in enger Verbindung zur dortigen Universität. Am 26. August 1822 wurde der Direktor des Oberbergamtes für den niedersächsisch-thüringischen Kreis, Berghauptmann Franz v. Veltheim, Geologe und Mitglied der Leopoldina Vorsitzender.

Ehrenmitglieder waren u.a. Alexander von  Humboldt,  die Brüder Grimm, Friedrich Schinkel, Leopold Ranke, Ernst Moritz Arndt und nicht zuletzt  J. W. von Goethe. Seit 1824  nannte sich der Verein dann „Sächsisch-Thüringischer Geschichtsverein“. Er bestand bis 1945.

 

  1. Okt. Verfügung des OBA zur Stellenbesetzung (MER F 44 I A)

Nach dem Ableben des Siedmeisters Rauhfuß, im Alter von 54 Jahren, davon 30 bei der Saline und seit 1799 Siedemeister erklärte das OBA  „Wir genehmigen, daß der bisherige Siede-Oberbursche Johann Gottlob Weise an die Stelle des verstorbenen Rauhfuß vom 1ten künftigen Monats tritt und dem 1ten Kot als Meister vorgesetzt, dem Siedemeister Köttnitz dagegen ist das 2te Kot und das Aschenkot zu übertragen jedoch demselben wegen des letzteren Kots nicht mehr Lohn pro Last Salz zu zahlen“.

Johann Friedrich Köttnitz wurde 1804 im 2. Kot angestellt, 1805 im Düngesalzschuppen dann im Aschenkot und ab 1808 als Scheitführer.

 

  1. Okt. Salinenrecherche durch v. Veltheim und v. Witzleben (WER Rep F23 II Nr. 5/1)

Der vom Baumeister G. Colditz geplante 2. Gradierfall am oberen Gradierhaus sollte 15 Bund umfassen, also ca. 68 Meter. Allerdings wurde das in Anbetracht der Kosten für die Erneuerung des Siedesolereservoirs und des Kunstturms vertagt.

Dagegen sollte mittels Großversuch die Effektivität bei der Weiterverarbeitung der Mutterlauge verbessert werden. Dazu wurde die nicht zur Herstellung von Glauber- und Bittersalz benötigte Mutterlauge nochmals versotten. Dabei ergab sich ein unreines „gelbes“ Salz, das als Viehsalz verkauft wurde und salzsaures Natron (Alaun). Dazu wurden am unteren Gradierhaus einige Abteilungen eingerichtet, wo diese Chargen gelagert wurden. Der Antrag des Chemikers Heun, in der chemischen Fabrik eine zweite Pfanne und ein Becken zur Auslaugung des Pfannensteins einzurichten, wurde genehmigt, allerdings auf eigene Kosten.

Bezüglich einer speziellen Verpflichtung der Salinenarbeiter auf den preußischen Fiskus, wurde der von allen  geleistete Huldigungseid  als ausreichend angesehen.

Dem Baumeister Colditz wurden für seine von der Saline beim Gastwirt Weber angemietete  Dienstwohnung zwei eiserne Öfen zur Erdkohlenfeuerung bewilligt, der Antrag der übrigen Beamten, ihr Deputat an Formkohlen zu erhöhen, dagegen abgelehnt.

 

  1. Dez. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23,X Nr. 17).

Eine Anfrage des Oberbergamts, ob man Mutterlauge „als feuerlöschendes Mittel zu Anfüllung der Sturm-Fäßer“ abgeben könnte, wurde verneut, da die Mutterlauge dem Chemiker Heun vertraglich überlassen ist.

 

  1. Dez. Erlass des Handelsministeriums zur Konzession Hämmerlings (WER Rep.A 23 I).

Handelsminister Graf von Bülow bestätigte die dem Bäcker Hämmerling erteilte Schankkonzession, allerdings nur unter der Maßgabe, dass der Gasthofpächter Weber auf sein  „jure prohibendi“ freiwillig verzichtet. Falls der ablehnt, sollte die Konzession erst  nach Ablauf des derzeitigen Gasthofpacht, also im Juni 1823 wirksam werden.

 

1820

 

  1. Jan. Schreiben des Frauenprießnitzer Rentbeamten an das OBA (WER Rep F 38).

Der Salinenfaktor Senff besaß im großherzogl.-weimarischen Tautenburg eine  Pottaschefabrik, die er einer  jüdischen Betreibergesellschaft mit allen Rechten und Pflichten verpachtet hatte.  1818 endete deren Pacht, einen neuen Pächter gab es nicht und Senff somit als Eigentümer verpflichtet die Steuern zu zahlen, dem er nicht nachkam. Daher verlangte das Rentamt vom OBA, das gehalt von Senff  zu pfänden. Das OBA lehnte ab, und verwies darauf, dass das Rentamt auf zivilrechtlichen Weg  die  Zahlung  einklagen kann.

 

  1. Feb. Erklärung des Ortsrichters zur Anzeige des Fleischers Matthes (St.-A. Nr. 171)

Der Fleischer Hilpert hatte 1818 den Gasthof in Hassenhausen gepachtet, betrieb aber seine Schlachterei und die Fleischbank weiter. Matthes war der Ansicht, dass mit der Pacht des Gasthofs die Konzession für die Schlachterei aufgehoben sei und erstattete Anzeige wegen unerlaubten Gewerbes beim Landrat. Auf Rückfrage gab der Ortsrichter an, dass ihm eine Abschrift der Hilpertschen Konzession vom 28. 01. 1806 vorliegt, weil das Original in den Kriegswirren von 1813 verloren ging. Die Konzession sei gültig und darüber hinaus würden 2 Schlachter im Dorf der Gemeinde zu Gute kommen. Daraufhin wies Lepsius den Ortsrichter Hämmerling an, Matthes  zukünftig in dieser Angelegenheit abzuweisen. 

 

  1. Mär. Mittelbewilligung zur Ufersicherung unterhalb der Brücke (MER C 48 IIIb Nr. 5512)

 

  1. Apr. Das OBA lehnt Webers Antrag auf Überlassung der Braumeisterwohnung ab (MER F 44)

 

  1. Ap. Anordnung zum Kohlen- und Tagelöhner-Aufseher (MER F44 I A)

„Die Oberberghauptmannschaft hat sich durch die vom Berghauptmann v. Veltheim vorgelegte Auseinandersetzung von der Notwendigkeit der Beibehaltung der auf den Thüringischen Salinen  zeither vorhandenen  sog. Tagelöhner-Aufseher überzeugt, indem dieselben bei den weitläufigen  Geschäften des Kohlen-, Materialien und Badewesens, wozu noch die Verpackung und Versendung des Salzes kommt für notwendig erkannt werden muß. Es wird daher deren fernere Beibehaltung  jedoch als Wochenlöhner,  welche ohne Weiteres mit jeder Woche abgelegt werden könne mit einem Wochenlohn von drei Talern und Beibehaltung ihrer zeitherigen Emolumente hierdurch genehmigt.“

 

  1. Juli Schreiben der Lokalverwaltung an das OBA (WER Rep F 38 Gen.).

Baumeisters Gottfried Colditz war am Vortag im Alter von 66 Jahren verstorben. Er hatte 27 Jahre beim Kgl. Sächs. Artilleriekorps gedient und war 1799 als Salinenbaumeister in den Staatsdienst eingetreten. Er hinterließ eine unverheiratete erwachsene Tochter und zwei Söhne die in Kösen und Dürrenberg als Gradierer angestellt waren. Da Colditz kein Vermögen hinterließ, als Beamter auch nicht an der Witwen- und Waisenkasse beteiligt war und die Söhne von ihrem Einkommen nichts erübrigen konnten, bat die Lokaldirektion darum, der Witwe eine Rente zu gewähren.

 

  1. Juli Bewerbung J. Chr. Fr. Judersleben als Salinenbaumeister (WER Rep. F 38).

Judersleben war 1817 als examinierter Werkmeister von der Oberberghauptmannschaft für eine Beamtenstelle im Bau- und Maschinenwesen vorgesehen. Zuvor wurde er zum Studium der technischen Anlagen ins „Ausland“ geschickt, nach Meißen, ins Erzgebirge und nach Böhmen. Darüber fertigte er handschriftliche Berichte an. Nun bewarb er sich für die Stelle von Colditz, bat aber gleichzeitig, die ihm bereits bewilligte Reise nach Bayern anzutreten. Die Entscheidung  überließ die Oberberghauptmannschaft dem Oberbergamt, die wegen fehlender Wohnung in Kösen zustimmte. Judersleben reiste am 9. September über Zwickau und Plauen nach Hof. Unter dem Titel „Die bayerischen Salinen Berchtesgaden, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim…“ erschien dann der 5. Teil seiner Reiseberichte. Dafür erhielt er im Okt. 1821 eine Gratifikation von 50 Talern.

 

  1. Aug. Anordnung des OBA (MER F 44 A I)

„Da die hinterlassene Witwe des verstorbenen Kohlenaufsehers dessen Dienstgeschäfte durch Beihilfe des Zedel bis zur Wiederbesetzung der Stelle zur Zufriedenheit der Kgl. Salinenverwaltung  (.) besorgt hat so befinden wir, daß der in den gedachten drei Monaten fällig gewesene Lohn mit zwei Dritteln der Witwe und einem Dtitel dem Zedel überlassen und ausgezahlt werde“.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/1).

Die Recherche leitete der  „Königl. Ober-Berghauptmann“ Ritter Gerhard persönlich. Dabei waren Berghauptmann Freiherr v. Veltheim und Finanzrat v. Witzleben. Sie besichtigten die erneuerten Radkünste und das Feldgestänge zum oberen Schacht. Hier hatte man anstelle der Holzsäulen Hausteinpfeiler errichtet. Der Kunstmeister Müller wurde vom Oberberghauptmann für diese Konstruktion gelobt.

Dann ging es um die Neubauten., wie die Erneuerung des Pumpenturms für das obere Gradierhaus. Der sollte so angeordnet werden, dass das Gestänge vom oberen Schacht in gerader Linie darauf schiebt. Zwischen dem Turm und dem Gradierhaus wäre dann Platz für einen neuen 2. Fall mit 22 Bund (300 Fuß rd. 100 m). In der Folge könnte der baufällige 2. Fall am unteren Gradierwerk abgeworfen und eine Neuaufteilung der Gradierfälle vorgenommen werden. Damit würde sich auch die Belastung der Kunsträder ausgleichen.

Bezüglich des Debits wurde die Lokalverwaltung angewiesen, beim Absatz darauf zu achten, dass   die Bestände nicht vollständig verkauft werden. Nach Sachsen habe man aber die vertraglich vereinbarten Mengen zu liefern.  Die Besichtigung der Kohlengrube in Mertendorf ergab, dass man inzwischen eine Stollentiefe von 50 Lachtern (ca. 100 m) erreicht hatte.

Die Aufgaben des Salinenbaumeisters sollte bis zur Rückkehr von Judersleben der Arterner Baumeister Chryselius wahrnehmen.

 

  1. Nov. Bericht Senffs an das OBA (WER Rep. F 38 Gen.)

Die Wohnung des verstorbenen Baumeisters Colditz in die Judersleben einziehen sollte, hatte die  Lokalverwaltung vom Gastwirt Weber gemietet und die Colditzsche Witwe wurde aufgefordert, sich im Dorf ein eigenes Unterkommen zu suchen, nachdem ihr eine monatliche Rente von 6 Talern bewilligt wurde. Die Gemeinde sollte der Witwe bei der Wohnungssuche behilflich sein. Die   erklärte sich prinzipiell dazu bereit, machte das aber davon abhängig, dass, wenn die Witwe die Miete nicht mehr zahlen könne, der Salinenfiskus dafür haften müsse. Darauf ging das  Oberbergamt nicht ein, wandte sich an die Königl. Regierung zu Merseburg, die wiederum den Landrat anwies, das Ansinnen der Gemeinde zurückzuweisen.  

Allerdings war schon absehbar, dass mit Auslaufen der Zeitpacht 1823  auch der Mietvertrag über die Beamtenwohnung enden wird, so dass man ohnehin genötigt war, sich nach anderen Möglichkeiten umzutun.

 

1821

 

      Jan. Dienstantritt von J. Chr. Fr. Judersleben als  Salinenbaumeister (WER Rep. F 38).

 

  1. Feb. Verordnung des Landrates zum Meldewesen (Naumburger Kreisblatt)

Fremde, die sich in den Ortschaften mehrere Tage aufhielten, mussten sich im Landratsamt melden „nur in Absicht derjenigen Personen, welche in Kösen ein Bad brauchen wollen und bekannt oder hinlänglich legitimiert sind, bedarf es keiner besonderen Anzeige bei den ländrätlichen Officio. Doch ist der Ortspolizeibehörde jederzeit gebührende Meldung zu machen“

 

  1. Mär. Anweisung des Finanzministeriums zur Stelle des Floßverwalters.

Nach der Pensionierung Burschels wurde seine Stelle kassiert und die Aufgaben dem Floßkontrolleur Saupe übertragen, wofür dieser einen Klafter Scheitholz erhielt.

 

  1. Mär. Statistik der Ortschaften im Landkreis (NKB).

Kösen, das ehemalige Schulamtsdorf hatte 637 Einwohner und 98 Hausstätten. Die Saalhäuser hatten 11 Einwohner und drei Häuser. Beide waren in Pforte eingepfarrt. Ebenso wie das Vorwerk Kukulau mit 6 Einwohnern und einem Haus und Fränkenau mit 22 Einwohnern und einem Haus.  Das Dorf Saaleck mit den Wüstungen Döben und Hohendorf zählte 202 Einwohner in 38 Häusern. Saaleck besaßß eine eigene Kirche, in die das Rittergut Stendorf mit 20 Einwohnern und zwei Häusern und das zur Rudelsburg gehörende Dorf Lengefeld mit 162 Einwohnern und 29 Häusern eingepfarrt war. Erwähnt wurde eine „merkwürdige Ruine“ (Burg Saaleck) und „die wohlerhaltene Ruine eines alten Felsenschlosses, auf welchen das Recht der Gerichtsbarkeit ruht“. Beide waren unbewohnt.

Zur Landesschule gehörten 17 Häuser samt Fischhaus und der Ziegelbrennerei. Der Ort zählte einschl. der Alumnen 388 Bewohner.   

 

  1. Apr. Berechnung der Erstattungskosten für Truppendurchzüge und Einquartierungen (NKB)

Grundlage für die Ermittlung der unterzubringenden Mannschaften war die jeweilige Flurgröße. Auf Kösen mit seinen 1,23 Hufen entfielen normalerweise 66 Militärangehörige. 1818 waren es  365 Mann, 299 mehr als das Soll, wofür das Dorf einen finanziellen Ausgleich erhielt.

 

  1. Apr. Gesuch des Salinen-Schreibers Bornschein (MER C 50 Naumburg A Nr. 434)

Der beantragte beim Landrat, die Erlassung des jährlichen Beitrags zum Verpflegungsgeld seines in der Irrenanstalt Halle untergebrachten Sohnes, weil er nur ein geringes Gehalt habe, ein Haus unterhalten und sich im Übrigen ordentlich nähren müsse. Der Antrag wurde abgewiesen, da der von Bornschein zu zahlende Zuschuss nur den 4. Teil der jährlichen Unkosten von 24 Talern ausmachte und die Anstalt gehalten war, möglichst ohne Zuschüsse des Staates auszukommen.  

 

  1. Apr. Anordnung zur Langholzflöße (NKB)

Den Flößeren wurde bei Strafe untersagt, auf dem preußischen Teil der Saale mit mehreren Gelenken zu flöße.

 

  1. Juli „Gründliche Beschreibung des Landkreises (NKB).

Verfasser war der Landrat Lepsius, der sich neben seinen  eigentlichen Aufgaben zunehmend der Geschichte und Beschreibung des Landkreises widmete. Breiten Raum nahm hier neben der Beschreibung der Mertendorfer Braunkohlengrube die Kösener Saline ein, die wichtigste Industrieanlage des Landkresies. Die bezog jährlich 40.000 Tonnen Kohle von Mertendorf, das Vorkommen war bedeutend und würde den Bedarf noch auf Jahre decken. Dann ging Lepsius auf die Geschichte der Saline ein. Die Sole, zunächst nur zur Salzproduktion verwendet, diente in den letzten Jahren neben dem Mühlbrunnen zunehmend für Heilzwecke.  Hingewiesen wurde auf die Schrift Gerhards sowie auf Hufelands „Praktische Untersuchung der Heilquellen Deutschlands“ und dem Salinenfiskus geraten, möglichst bald eine Heilanstalt einzurichten, wie die von Dr.  W. A. G. Manniske  im schwarzburgischen Frankenhausen.

 

  1. Aug. Bekanntmachung über die Änderung der Klassensteuer (NKB)

Ab einem bestimmten Jahreseinkommen erfolgte die Einordnung in eine von sechs Steuerklassen. Änderte sich der Verdienst erfolgte eine Höher- oder Rückstufung. Die Steuerlisten wurden vom Landrat von den Dorfrichtern abgefordert, die Änderungen der Klassensteuer veröffentlicht, wie bei den Einwohnern David Paul und Gottfried Rödel die in die 6. Klasse gesetzt wurden.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/1)

 

  1. Nov. Anordnung der Oberberghauptmannschaft (WER Rep. F 38).

Die Aufsicht über die Mertendorfer Grube wurde Judersleben übertragen, weil er bessere fachliche   Kenntnisse als Senff hatte.

 

  1. Nov. Kösener Badeliste (NKB).

Im Kreisblatt wurde wohl auch auf Anregung des Landrates wieder einen Badeliste veröffentlicht. Da immer mehr prominente Badegäste kamen, war  das Interesse geweckt und zog auch zahlreiche Neugierige aus Naumburg und der näheren Umgebung an. In diesem Jahr waren es 69 Inländer  und 50 Ausländer (Kgr. Sachsen, Ghzgt. Weimar, Hzgt. Altenburg) 15 Auswärtige ließen sich die Sole für häusliche Bäder anfahren.

 

  1. Dez. „Grundriß von dem Saalfluß und der Localität…“ (MD Rep. F 38, Risse 384).

Der Plan von Judersleben zeigt die Mühle mit zwei hintereinander liegende Wasserrädern und den  Gesundbrunnen. Vor der Mühle an der Landstraße die Häuser von Bornschein und Kleinschmidt (An der Brücke 2/3). Am anderen Ufer stand das Rechenhaus (Loreleyprom. 7/7a), die Anwesen  von   Kohlweiß (Nr. 4),  Bechmann (Nr. 5) und das Brauhaus (Nr. 3/3a).

 

          Plan des Salinengasthofes von  Friedrich Mühlküntzler (MD Rep. F 38 Risse Nr. 381).

Als Gasthof umfasste das Anwesen zahlreiche Wirtschaftsgebäude. Neben der Pachtschäferei befanden sich die Stallungen für die Pferde, Schweine und Kühe, sowie der Holzstall. Daneben stand die  Scheune, daran anschließend die  Ställe für die Kutsch- und Reitpferde der Reisenden. Der eigentliche Gasthof stand über den Kellergewölben des Schulenvorwerks, aber ohne diese alten Fundamente zu nutzen. Er war zweigeschossig. Im Erdgeschoß die Gaststube und die Küche , darüber die Räume des Pächters.  Nach Westen hin lagen der Krautgarten und eine Kegelbahn. Vor dem Gasthof und getrennt durch das Doppelfeldgestänge vom unteren Kunstrad zum Solschacht, stand der „Saal“, der für die Übernachtungen genutzt wurde, später stand hier dann das sog. Logierhauses

Außerdem gehörten das Brauhaus, mit der Malzdarre an der Loreleypromenade, ein kleiner Keller unter der Gestängerösche und das Brunnenhaus dazu, dessen Pumpe ebenfalls vom Gestänge angetrieben wurde.

 

1822

  1. Jan. Änderung der Steuer-Einnahme (NKB)

Bislang war für Kösen die Thüringische Kreis-Steuer-Einnahme zuständig, ab jetzt das Haupt-Zoll- und Haupt- Steueramt zu Naumburg.

 

  1. Jan Gesuch des Gradiermeisters Johann Carl Törpsch (MER F 44 I A)

Törpsch 68 Jahre alt und seit 45 Jahre bei der Saline angestellt, bat in Anbetracht seines hohen Alters, ihm seinen Sohn den Gradierer Christian Törpsch, der seit 15 Jahren als Salzsieder angestellt war, als Gehilfe zur Seite zu stellen. Ihm eine  Zulage zu gewähren ohne sein eigenes  Gehalt zu schmälern. Das Gesuch wurde abgelehnt, weil dies kein triftiger Grund war und Törpsch wenn er die  Arbeit nicht mehr ausführen könne, entweder zu einer anderen Arbeit bestimmt oder pensioniert werden sollte.

 

  1. Feb. Einsatz der Feuerspritze in Naumburg (NKB)

Durch Brandstiftung waren in der Jacobsvorstadt eine Reihe Scheunen in Brand gesetzt worden. An der Bekämpfung war auch die Salinenspritze beteiligt, wofür sich der Landrat bedankte.

 

  1. Mär. Anordnung zur Sicherung alter Denkmale (NKB)

Damit wurde der Verwendung der Burgruinen als billiger Steinbruch Einhalt geboten.

 

  1. Juli Stellungnahme zur Generalinstandsetzung des Wehrdammes (WER Pforta II Nr. 939).

Das OBA hatte von der Kgl. Regierung die Sanierung  des desolaten Wehrdammes gefordert. Doch die verlangte eine Kostenbeteiligungseitens des Salinenfiskus, wie das bisher (1780/1811) üblich gewesen war.

 

  1. Sep. Herbstmanöver (NKB)

Einquartiert wurden Fuß- und reitenden Artillerieeinheiten.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Pforta Rep. F 23, II Nr. 5/1)

Oberberghauptmann  v. Veltheim und die Bergräte v. Witzleben und Dieterich besichtigten an vier Tagen die gesamte Saline, befuhren die Schächte und die Mertendorfer Grube. Die Lokalverwaltung wurde u.a. angewiesen, den Salinenarbeitern ihr halbjährliches Salzdeputat pünktlich auszugeben und gewissenhaft zu dokumentieren, um so Salzdiebstählen vorzubeugen.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der Neuordnung des Floßzolls (NKB).

Der vereinigte Kösen-Saalecker Zoll kam von der Thüringischen Kreis-Steuer-Einnahme zum Hauptzoll- und Hauptsteueramt Naumburg.

 

  1. Dez. Anweisung der Ober-Berghauptmannschaft.

Beendet wurden die Differenzen zwischen dem OBA und der Königl. Regierung wegen der Kostenübernahme bei der Entschlammung der kleinen Saale, indem eine Kostenteilung angeordnet wurde. Gerügt wurde die ungenehmigte Anlage eines Trinkwasserbrunnens beim Floßamt. Den hatte der Ober-Floßkommissar abteufen lassen, nachdem durch anhaltende Dürre die Brunnen im Dorf trocken gefallen waren.

 

1823      

 

  1. Jan. Schankkonzession für den Bäcker Hämmerling (WER Rep. A 23I,Nr.1,Bd.2).

Zum Johannistag endete die Zeitpacht des Gasthofs und damit auch das seit 1680 bestehende „jure prohibendi“. Ab diesem Tag galt die Konzession für Hämmerling, wobei der darauf hingewiesen wurde, nur das konzessionierte Gewerbe zu betreiben und die Trank- und Gewerbesteuern pünktlich abzuführen.  

 

  1. Apr. Einteilung der Feuer-Polizei -Bezirke (NKB)

Kösen, die Saalhäuser, die Vorwerke Fränkenau und Kukulau sowie Lengefeld gehörten zu einem Bezirk, dem als Kommissar der Oberfloß-Commissarius v. Zedtwitz und als Vize der Salinenfactor Senff vorstanden.

 

  1. Mai Anordnung der Kgl. Regierung zu Merseburg (MER C48IIIb, 5523).

Nach einer ministeriellen Verfügung vom 9. Mai 1823 musste sich das Floßamt wie bisher mit 1/5 an den Kosten der Beräumung der kleinen Saale beteiligen.

 

  1. Juni Anordnung zur Änderung der Amtsfron beim Wehrbau (WER Pforta II Nr. 939).

Schulverwalter Herbst und Baumeister Judersleben teilten den Ortsrichtern der Amtsdörfer mit, dass ihnen statt der bisher üblichen Hand- und Spanndienste eine pauschale Geldzahlung  auferlegt würde.

 

  1. Juni Pachtvertrag mit Weber (WER Rep. A 23I, Nr.1, Bd.2).

Nach der  Aufhebung des „jure prohibendi“ wurde die Jahrespacht reduziert.

Allerdings hatte die Sache doch noch einen Haken, denn Weber bestand auf  das alleinige Recht zur Beherbergung und dem Einstellen und Füttern von Zugtieren. Damit war aber der Streit mit den konzessionierten Schankwirten absehbar.  

 

  1. Juni Memorandum der Ortsrichter der Amtsdörfer (WER Pforta II Nr. 939).

Diese lehnten einvernehmlich eine finanzielle Beteiligung an den Kosten für den Wehrumbau ab und beharrten auf die ihnen bislang auferlegten Hand- und Spanndienste, soweit diese nicht in die Erntezeit fielen. Die Kgl. Regierung gab ihnen in diesem Fall Recht.

 

  1. Juli Bericht des Ober-Bergrates Loew (WER, Rep. A23I, Nr.1,Bd.2).

Bei der Unterzeichnung des Erbpachtvertrages, verlangte Weber, dass ihm die Behebung der Schäden am Gasthof bei den Gefechten und Truppendurchzügen im Jahr 1813, die er aus eigener Tasche bezahlt hatte, erstattet wird. Loew empfahl dem OBA, die Hälfte der von Weber nachgewiesenen Kosten am Ende der vereinbartenb Pachtzeit (1832) und 150 Taler für den von Weber angelegten Obstgarten zu zahlen.

 

  1. Aug. Verfügung des Landrates (WER, Rep.A 23I, Nr. 1/2).

Webers Beschwerde, dass Hämmerling Pferde unterstellt und füttert, wurde von Lepsius abgewiesen, denn dies gehöre ja zur Schankkonzession. Darüber hinaus würden ohnehin bei Übernahme der in den preußischen Altprovinzen geltenden Gewerbeordnung die bisherigen Beschränkungen entfallen.

 

  1. Aug. Badeliste (NKB).

Unter den 72 Badegästen waren Familien, wie die des Naumburger Apothekers Klingner, mit  Frau und drei Kindern und die Gattin des Kammerrates Döring aus Droyßig mit ihren 4 Kindern.

 

  1. Aug. Beginn der Bauarbeiten am Wehrdamm (WER Pforta II Nr. 939).

Der Hassenhausener Ortsrichter wurde angewiesen, 18 brauchbare und erwachsene Männer mit Hacke und Schaufel zu stellen, keinesfalls Frauen und Kinder, wie dies in der Vergangenheit oftmals der Fall war.

 

  1. Sep. Vereidigung von Salinenarbeitern und Mertendorfer Bergleuten (MER F 44 I A)

Im Beisein der Salinenbeamten (Senff, Schweigel Judersleben Pauli) und des Grubensteigers vereidigte der Salzamtassessor Berbig den Mauerermeister Friedrich August Werner, die Scheitführer Cark Friedrich Thielitz, Christian Friedrich Zwingenberg, Johann Christoph Schulze und Gottlieb Förster, sowie alle 22 Bergleute aus Mertendorf. Diese Eidesleistung musste eigenhändig unterschrieben werden, wobei einige der Bergleute drei Kreuze machten.

 

  1. Sep. Antrag auf Unterstützung aus der Armenkasse (MER C 50 Naumb. A. Nr. 434)

Ortsrichter Hämmerling hatte beim Landrat für eine Witwe 4 Groschen wöchentlich beantragt. Lepsius übergab den Antrag dem Verwalter der Armenkasse, dem Schulinspektor Sterzel. Der lehnte ab, weil die Armenkasse leer sei und meinte: „...ohne das Schulgeld welches für Kinder verarmter oder in Armuth verstorbener Eltern aus der Armenkasse jährlich bezahlt  wird, erhalten folgende Arme der Gemeinde Kösen und zwar die Seebothin wöchentl. 8 Groschen, die Beerin 8 Gr. die Knochin 4 Groschen, die Fritschen 4 Gr. überhaupt jährlich 52 Thaler zu ihrer Unterstützung. Hiernächst wird für die gemüthskranke  Zwingenbergerin  im Armenhaus zu Kösen  das Bedürfnis an Brot noch besonders bezahlt, welches auf den bisherigen Zahlungsleistungen, jährlich 18 bis 20 Taler beträgt. Ungerechnet des Aufwandes, welchen die Unterhaltung des blödsinnigen Zeitschels etwa ferner verursachen dürfte.

Dagegen bestehen die Almosen-Beyträge incl. der monatl. Beyträge in 22 Th. 5 Gr. pro 1821 und 16 Th. 15 Gr. pro 1822, und also in einem auffallenden Mißverhältniß mit obigen Ausgaben. Sollte indeßen der verwittweten Fritschen eine Unterstützung dennoch bewilligt werden, sollte eventuell eine Minderung der Unterstützungszuflüsse und namentlich bei der Beerin stattfinden, worüber der Richter Hämmerling Auskunft am besten geben möchte..“

 

  1. Okt. Reglement zur Neuordnung des Knappschaftsinstituts (MER F 44 XIV 1)

1816 wurde die Knappschaftskasse mit dem Witwen- und Waisen-Institut zusammengelegt, nun wurden sie wieder getrennt. In die Knappschaftskasse kamen die Beiträge der ständigen und unständigen Knappschaftsmitglieder der Saline und der Kohlengrube (5 Pfennige von jedem verdienten Taler), die sog. „Prozent-Gelder-Beiträge“ der Salinen-Beamten, Gebühren für den Heirats-Konsens, Strafgelder, etwaige freiwillige  Geschenke zu feierlichen Anlässen und die Einnahmen aus dem Verkauf von  Badesole (für 1 Kubikfuß - 31 Liter- bezahlten Nicht-Knappschafts-Mitglieder 7½ Silbergroschen, für Knappschaftsangehörige war Badesole für den häuslichen Bedarf kostenlos). Davon wurden bestritten: der Gnadenlohn  für invalide ständige Knappschaftsmitglieder, Kur- und Medizinal-Kosten, Krankenlöhne, Unterstützung armer Kinder mit Schulgeld und Schulbüchern, die Kosten der Förderung und Ausgabe der Badesole und die anfallenden Verwaltungskosten. In der Kasse sollten nicht mehr als 200 Taler Reserve enthalten sein, um höhere Ausgaben auszugleichen. Neu war, dass die medizinische Betreuung der Knappschaftsmitglieder und deren Familien bis auf Weiteres dem Schularzt und unter dessen Aufsicht dem ortsansässigen Chirurgen übertragen wurde, die dafür ein jährliches Fixum aus der Kasse erhielten. Die Belange der Knappschaft regelte ein gewählter Ältestenrat, anhand der Gesamtzahl der Beschäftigten waren es 3 Salinenarbeiter und 2 Bergleute. Die Oberaufsicht über die Kassen blieb bei der Lokalverwaltung.

 

  1. Okt. Information des OBA (WER Rep A 23I, Nr. 1/2).

Nach der Erteilung der Konzession für Hämmerling wurde die Lokaldirektion angewiesen, zusammen mit dem Gasthofpächter ein waches Auge auf den Bäcker zu haben  und bei der geringsten Überschreitung der ihm erteilten Rechte, Anzeige zu erstatten.

 

  1. Okt. Salinenrecherche mit v. Veltheim und Dieterich. (WER Rep. F 23 II Nr.5/1)

Am unteren Gradierwerk sollte im kommenden Jahr die Erneuerung des dritten Falles beendet und mit dem Neubau des vierten Falles begonnen werden. Der Vorschlag, diesen auf die Fundamente des alten Gradierhauses zu setzen, wurde abgelehnt. Der Neubau des 2. Falls am oberen Gradierwerk wurde  erneut aufgeschoben

 

  1. Dez. Genehmigung eines Zuschusses aus der Witwen- und Waisenkasse (MER F 44 XIV 1)

Nach der am 26. Oktober erfolgte Genehmigung des Statuts des Knappschaftsinstituts hatte sich der Ältestenvorstand an das OBA mit der Bitte gewandt, einen bestimmten Betrag aus der Witwen- und Waisenkasse an die  Knappschaftskasse abzufhren, weil diese Kasse erst aufgefüllt werden mußte. „Aus dem Bericht haben wir ersehen, daß die dortige Salinen-Knappschaft durch ihre Deputierten, sich bereit erklärt hat, daß  aus der Witwen- und Waisenkasse zu der Knappschafts-Kasse in jedem der Jahre 1823 und 1824 ein Beitrag zu den aus letztern  Kasse zur bestreitenden Kosten für die ärtzliche und chirurgische Pflege der Knappschaft 50 Taler zugeschossen werden sollen. Indem wir dieses genehmigen, wollen wir erwarten, daß dieser Zuschuß in der Knappschafts-Kassen-Rechnung  in Einnahmen gestellt wird...“

 

            Bericht über den Umbau des Wehres (WER Rep. F 39, Nr. 452).

Den verfasste der  Salineneleven G. Theune im Auftrag von Judersleben, der als Baumeister den Umbau leitete. Zunächst wurde der mittlere Teil des Dammes bei Niedrigwasser durch einen doppelten Pfahlkasten mit Tonfüllung abgedämmt und die Hausteinkonstruktion bis auf die Grundschwelle abgetragen. Die neue Schwelle bestand auch eichenen Bohlen die mit eisenbeschlagenen Rammpfählen im Flussgrund fixiert wurde. Danach wurde der Damm aufgeschüttet, befestigt und mit einem Haussteingewölbe abgedeckt. War das Gewölbe geschlossen  wurde die Abdämmung entfernt und der nächste Abschnitt begonnen

1723 wurden 741 Frontagewerke geleistet. Geplant waren drei Jahre, doch  1824 und 1825 ruhten wegen widrigen Wassers die Arbeiten, konnten erst  1826 fortgesetzt und  1829 beendet werden. Dieser Damm bestand bis in die 1960er Jahre.

Gottlieb Theune war ein Sohn des Pastors von Groß-Salze Heinrich Ludwig Theune (1760-1835). Die ältere Schwester Wilhelmine war seit 1813  mit dem Gradierinspektor von Elmen Bergrat Friedrich August Backs verheiratet.

 

           Das Bad Kösen im Vergleich zum herzogl.-weißenfels. Bad  Bibra (Fr. Hoppe, KAZ 1930).

Wies die Bibraer Badeliste im Jahr 1808 noch 200 Einträge  auf, so änderte sich das nach der vom Naumburger Arzt Dr. Kayser veröffentlichten Untersuchung der Wirkung der Kösener Salzsole, der er wegen ihrer höheren Konzentration den Vorzug gab. Außerdem wären die Bibraer Badeeinrichtungen stark vernachlässigt und für die Badegäste gab es keinerlei Zerstreuung.

 

1824         

  1. Jan. Verbot des freien Salzhandels (NKB)

Im Herzogtum Sachsen wurde die in Alt-Preußen praktizierte Kontingentierung und  Verteilung des Speisesalzes eingeführt. Demnach bekam jede Ortschaft ein bestimmtes Quantum Salz zugeteilt. Wurde dieses Quantum nicht in voller Höhe verbraucht, musste die Gemeinde für jedes Pfund 10 Silberpfennige zahlen. Festgelegt waren 12 Pfund Salz pro Kuh und rund 9 Pfund pro Einwohner. Das Salz musste in den Niederlagen abgeholt werden. Eine davon wurde in der Saline eingerichtet und Kösen, die Vorwerke Fränkenau und Kukulau, die Saalhäuser, die Landschule, die Kreisdörfer, die Rittergüter Kreipitzsch und Stendorf, Saaleck, Lengefeld, Kleinheringen und Rödigen dahin verwiesen. Die Führung der Salzlisten, der Empfang und die Verteilung oblag den Orts-Richtern, in den Städten wurden Sellereien eingerichtet und verpachtet. Die Pächter wurden jeweils für ein Jahr bestimmt und mußten eine Kaution von 1000 Taler hinterlegen. Durch den Mehraufwand bei der Umverteilung, verteuerte sich das Salz.

 

              Bewirtschaftung der Rudelsburg (KAZ).

Die „Burgen- und Wanderromantik“ zog neben den Studenten auch zahlreiche weitere Besucher an.  Der Aufstieg machte durstig und so erlaubte der Besitzer des Rittergutes Kreipitzsch  dem Bauern Gottlieb Wagner, der sich um die Weinberge am Burgberg kümmerte, einen Ausschank einzurichten.

 

  1. Apr. Mandat zur Scheitholzflöße (NKB)

„Insbesondere erhalten die Communal-Beamten hierdurch ausdrückliche Weisung, gegenwärtige Bekanntmachung gehörig zu publizieren und die Untertanen  vor aller widerrechtlichen Aneignung der Floßscheite, Stöcke, Klöppel, Halb-Scheite und Schalen, sowohl während der Flöße als auch außerdem, zu verwarnen, auf die Contravenienten ein wachsames Auge zu haben und selbige bei mir ingesamt anzuzeigen“. v. Zedtwitz, Kgl. Preuß. Ober-Floß-Commissarius.

 

  1. Apr. Anfrage des Baumeisters Judersleben beim OBA (WER Rep. F23 X Nr.2/1).

Es ging um die Kosten für die Beräumung der Senff`schen Abtrittsgrube, den Transport der Fäkalien  in dessen Krautgarten sowie die Kosten für die Säuberung seiner Dienstwohnung nach deren Renovierung, die Senff aus der Salinenkasse entnommen hatte. Judersleben, der die Rechnungen gegenzeichnen sollte, vergewisserte sich beim OBA ob dies genehmigt würde, worauf von Senff zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde.

 

  1. Mai Regelement zur Verwaltung der Witwen- und Waisenkass (MER f 44 XV 2)

„Nachdem die Bestimmungen der Fundations-Urkunde über das bei der Kgl. Saline zu Kösen  bestehende Witwen-und Waisen-Kassen-Institut vom 1. Januar 1801, konfirmiert den 6. März 1806  im Laufe der Zeit nach Maßgabe eingetretener veränderter Umstände  und Bedürfnisse durch hinzukommende Nachträge, Anordnungen und Erläuterungen verschiedene Modifikationen erhalten haben, hiernächst aber die seit dem Jahre 1816 stattgefundenen Verbindungen dieses Instituts  mit der Salinen Knappschafts-Kasse unter Höherer Genehmigung vom Jahr 1823 an wieder aufgehoben worden ist, so ist es dringendes Bedürfnis geworden, die Grundsätze auf denen das Bestehen und die Verwaltung des Witwen-und Waisen-Kassen-Instituts in einem neuen Reglement  zusammenzustellen..“

Die Witwen- und Waisenkasse blieb wie bisher bestehen. Die Einnahmen aus den Antrittsgeldern der Knappschaftsmitglieder, Beiträge der Lieferanten und Transporteure, Äquivalentgelder 12 bis 25 Taler an denen aber der Erleger das Eigentum behielt, und die laufende Beiträge à 5 Pfennige vom verdienten Taler, Pfannenschmied und Maurermeister zahlten ein Fixum. Zur Kasse gehörte das seit ihrem Bestehen angesparte Kapital, dass mit einem Zinssatz von 4 % ausgeliehen und durch Hypotheken gesichert war. Aus den Beiträgen und den Zinsen wurden die jährlichen Ausgaben für die Witwen und Waisen bestritten. Witwen erhielten eine lebenslange Unterstützung, die im Fall einer Wiederverheiratung entsprechend gekürzt wurde. Waisen wurden bis zum 14 Lebensjahr unterstützt.

 

  1. Mai Stellungnahme des Floßamtes zur Reparatur des Wehres (MER C48 IIIb 5511).

Ober-Floßkommissar v. Zedtwitz lehnte die Kostenbeteiligung rundweg ab, weil seit jeher die fiskalische Scheitholzflöße nicht beteiligt war und die Hölzer ohnehin keinen Schaden am Wehrdamm verursachten. Außerdem würde ja die Landesschule als Eigentümerin des Dammes entschädigt. Von der „Commun-Flöße“ erhielt die Landesschule immer noch 80 Klafter, von der Herzoglich-Altenburgischen und Großherzoglich-Weimarischen Flöße 40 Klafter. Außerdem wurden jährlich 22 Taler Jahrespacht für die Stapelplätze, den Rechen und den Scheitbach  seit Beginn der Scheitholzflöße im 17. Jahrhundert gezahlt. 

 

  1. Mai Kostenerstattung für die Einquartierung zur Landwehr-Kavallerie Übung (NKB)

Nach dem Umlageschlüssel (1,23 Hufen Land, 733 Einwohner) bekam die Gemeinde 5 Taler 6 Silbergroschen.

 

  1. Juni Erlass des OBA zur Neubesetzung von Dienststellen (MER F 44 I A)

„Wollen wir genehmigen, dass der bisherige Kassenwächter und Zimmerergeselle Friedrich Eisenschmidt vorläufig in die Stelle und den Lohn des verstorbenen Kunstwärters Quarg  und dagegen der Sieder Zwingenberg in die Stelle und den Lohn  des Eisenschmidt  als Kassenwächter einrückt“.

 

  1. Juni Ernennung Senffs zum Salineninspektor (WER Rep. F 38 V)

Mit königlichen Erlass wurde E. Fr. Senff wegen der sich in den letzten Jahren verbesserten Einnahmen der Salinenkassen des Thüringer Bezirks zum Salineninspektor ernannt und ihm eine Gehaltszulage von 100 Talern gewährt. 

 

  1. Juni Dreiundzwanzigster Floßvertrag (MER C 63 Anh. I Nr. 66)

In Leipzig verhandelten die preußischen und die altenburgischen Floßbeamten über einen neuen Vertrag auf drei Commun-Flößen in den Jahren 1826, 1828 und 1830. Preußen beabsichtigte zwar in absehbarer Zeit die Commun-Flöße zu beenden, aber „zur Bequemlichkeit des Publikums“ brauchte man noch etwas Zeit, um die Versorgung mit Brennstoff auf andere Weise als mit der ungebundenen Holzflöße auf der ab der Unstrutmündung schiffbaren Saale zu gewährleisten.  Dabei kam der Vorschlag der Altenburger gelegen, „den zeitherigen gemeinschaftlichen Betrieb des Saalenfloßregals vom Jahre 1826 an aufzuheben und zwischen dem kgl.-preuß. Teil an einem und dem herzogl.-altenb. und großherzogl.-weimar. Teil am andern, alterniert werden, daß wechselweise in dem einen Jahr eine preuß. Alleinflöße von oben herein bis Halle in den andern aber eine altenb.-weimar. Alleinflöße von oben bis Unterneusulza  unternommen werden sollte.“

 

  1. Juli Öffentliche Bekanntmachung der Salinenverwaltung (NKB Nr. 29).

Auf Anordnung des Finanzministeriums und des OBA wurde der Verkauf von Badesole  an Ortsfremde generell untersagt.

 

  1. Juli Erstes privates Inserat eines Kösener Einwohners im NKB

„Ein Mädchen mit guten Attesten versehen, kann zu Michaelis Dienst erhalten, beim Hauptmann Frank zu Kösen“

 

  1. Juli Erlass des OBA über eine Stellenbesetzung (MER F 44 I A)

„..schlägt die Salinenverwaltung die Wiederbesetzung der durch den Tod des Salzläders Bornschein  erledigten Stelle den Kunstwärter Thiem vor und macht dabei zugleich bemerklich, daß derselbe um deswillen  von der Kunstwärterstelle entfernt  werden müsse, weil  er dem Trunke ergeben sei. Diese Verwendung ist aber so wenig vorteilhaft  für den Thieme, daß es eigentlich am Besten wäre, denselben gänzlich aus den Diensten der Saline zu entlassen (.) Indes wollen wir gestatten, daß dem Thieme die Läderstelle jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung übertragen werde, daß sobald er wieder betrunken angetroffen wird, seine gänzliche Entfernung  sofort erfolgt.“ Die Stelle von Thieme bekam der Zimmergeselle Schleicher.,

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKZ Nr. 33).

Nach Hinsche (Heimatbuch 1930) beteiligten sich 1826 erstmals die Einwohner am Brunnnenfest. Doch das ist unzutreffend wie der Beitrag im Kreisblatt zeigt:  

„Am Vorabend trafen die Mertendorfer Bergleute im festlichen Aufzug mit Berglichtern und Musik im Werk  ein. Der Festtag begann mit einer Morgenmusik der Kösener Kapelle am Gradierwerk. Um 14 Uhr war die Aufstellung in der Salzwerkstraße zum Umzug, voran die Schulkinder mit dem Lehrer, dann die Musikkapelle, es folgten die Salinenbeamten aus Kösen und Dürrenberg, dann die Bergleute in ihrer Tracht, denen die Salinenarbeiter folgten. Vor dem unteren Schacht wurden die Festansprachen gehalten, die Verdienste des Bergrates  Borlach  gewürdigt und auf den Regenten ein Hoch ausgebracht. Anschließend ging es zum Zimmereischuppen, der zum Tanzboden eingerichtet war.“ Hier verabschiedeten sich die Beamten. Die Arbeiter blieben „sich selbst überlassen, feierten ein dreitägiges Fest und vergnügten sich sehr anständig“. Von den Einwohnern wurde allerdings ein Eintrittsgeld erhoben. Ein ähnlicher Beitrag wurde im NKB Nr. 34/1825 veröffentlicht.

 

  1. Aug. Bericht der Salinenverwaltung an das OBA (WER Rep. A 23I, Nr.1/2).

Gastwirt Weber hatte sich bei der Lokaldirektion über das florierende Unternehmen des Ortsrichters und Bäckers Hämmerling, von ihm neidvoll „Haemmerlingsche Auberge“ genannt, wegen der Unterstellung und Fütterung der Reit- und Kutschpferde der zahlreich am Sonntag aus Naumburg kommenden  Gäste,  beschwert. Dazu kam, dass Salomon Hämmerling auch noch das Gehöft an der Naumburger Chaussee (Naumburger Straße 2-4) für seinen Sohn erworben hatte. Bislang gehörte es dem Bäcker Seyffarth und Weber befürchtete nicht zu Unrecht, dass Hämmerling jun. nicht nur die Bäckerei weiterführen, sondern auch eine Konzession als Schankwirtschaft beantragen würde. Da das Anwesen unmittelbar an der Chaussee lag und somit besser erreichbar war, befürchtete der Gastwirt vom „Mutigen Ritter“ de weiteren Rückgang der Gäste, was sich dann ja auf die Pacht auswirken würde.

 

  1. Aug. Wechsel des Salineneleven (WER Rep. F 23).

Theune hatte im Auftrag des OBA die technischen Anlagen vermessen und  dokumentiert. Für ihn trat E. J. Bischof als Eleve in die Saline ein und bezog eine Kammer im unteren Solschacht.

 

  1. Dez. Salinenrecherche durch v. Veltheim (WER Rep. F23 II Nr. 5/1).

Der Plan zur Erweiterung des oberen Gradierwerks wurde in Anbetracht der immensen Kosten ad acta gelegt.  Dafür erfolgte eine Neuaufteilung der Gradierfälle. Vom oberen  Gradierhaus wurden 54 Bund für den 1. Fall und 20 Bund für den  2. Fall hergerichtet.  Am unteren Gradierhaus wurden 15 Bund als 2. Fall,  24 Bund für den 3. Fall und 24 Bund Bund als 4. als Gutfall eingerichtet. Zwei Röhrenfahrten brachten die Sole zum unteren  Gradierwerk, die einmal gefallene Sole kam auf den 2. Fall des unteren Gradierhauses, die zweimal gefallene Sole auf den 3. Fall. In beiden Fällen reichte der natürliche Höhenunterschied, um die Sole auf das Oberdeck des unteren Gradierhauses zu heben. Die übrigen Umlaufpumpen hingen am Gestänge von der unteren Wasserkunst. Geplant waren 1340 Lasten weißes Salz (2680 t = 53.600 Zentner).

Nach der Neuaufteilung der Fälle des unteren Gradiehauses, sollten die restlichen Bunde des älteren Borlachschen Gradierhauses abgebrochen werden.

 

            „ Die Ruinen der Rudelsburg und des Schlosses Saaleck“ .

Im Heft IV der „Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquer Forschungen“, die der „Thüringisch-Sächsische Verein für die Erforschung des Väterlichen Alterthums“ 1824 in Naumburg herausgab, erschien dieser Beitrag. Autor war Carl Peter Lepsius. 1854 wurden dieser Beitrag  und andere Handschriften aus seinem Nachlass  unter dem Titel „Kleine Schriften“ von der Creutzschen Buchhandlung  in Magdeburg veröffentlicht. Lepsius stützte sich dabei auf die Originalquellen, wie die Urkundensammlungen des Domstiftes und des ehemaligen Klosters Pforta und war damit der Wegbereiter der ernsthaften Forschung zur Geschichte des Kreises Naumburg. 

 

  1. Dez. Verhandlungsprotokoll zur Armenkasse (MER C 50 Naumb. A Nr.434)

„..der Wagner Johann Gottfried Haedicke von Kösen und bringt an: Ich habe bekanntlich im Taubstummen-Institut zu Leipzig einen Sohn zu unterhalten und deshalb bin ich, da meine Umstände sehr beschränkt sind, vor längerer Zeit von Entrichtung der Armenkassenbeyträge nach Pforte frei gesprochen worden“. Der hatte angeordnet, „dass der pp. Haedicke bis zu dem Zeitpunkte, wo sein Sohn das Taubstummen-Institut zu Leipzig verläßt mit einem Beytrage zur Pfortaischen Almosenkasse verschont bleibt“.

 

  1. Dez. Anweisung der Königlichen Regierungs-Abteilung zum Chausseebau (BLK-A. Nr. 941).

Nach dem Ausbau der Chaussee nach Eckartsberga und der nach Naumburg erwiesen sich die Dorfstraße und insbesondere die Brücke als Hindernis für den Handels- und Reiseverkehr.  Die ohnehin sehr schmale Brücke war nicht einsehbar, so dass Gespanne die sich auf der Brücke begegneten, kaum aneinander vorbei kamen. Zahlreiche Unfällen, auch mit tödlichem Ausgang, waren die Folge. Um die Brücke einzusehen und somit Fuhrwerke rechtzeitig anzuhalten, wurde  für die Chaussee eine neue Trasse hinter dem Dorf unterhalb des Nikolausberges angelegt. Zwischen der Fränkenauer Hohle und der Brücke wurde ein Damm aufgeschüttet und Ausweichstellen eingerichtet. Von Vorteil war der nicht mehr so steile Anstieg bis zur Mausa, die nun mit  einem Gewölbe überbrückt wurde.

Landrat Lepsius wurde angewiesen drei Taxatoren zu benennen, und zusammen mit dem Wegeinspektor,  die für den Straßenbau benötigten Flächen zu vermessen und zu bewerten. 

 

              Bebauung der Petersiliengasse.

Nach dem Armenhaus der Gemeinde an der Fränkenauer Trift wurde am Weg vom Wernerschen Stadtgut zum Jackenberg das erste Wohnhaus (Burgstraße 4) gebaut, wie die Jahreszahl über dem Türsturz zeigt. Besitzer war der Floßbote Gerlach Scheufler.  Bis 1856/57 kamen 4 Häuser dazu (Salinenkassenwärter Fr. Zwingenberg, Salzsieder Chr. Schulze, Förster Fr. A. Kermess, Salzsieder G. Streuber). Die Bebauung auf der gegenüberliegende Seite begann erst im letzte Viertel des 19. Jahrhunderts. 

 

             „Salzwerkskunde“ v. Karl-Christian von Langsdorf.

Langsdorf (*1757 in Nauheim, gest. 1834), war nach seinem Studium als Praktikant in der Saline Salzhausen und promovierte dann als Dr. phil. in Erfurt. In seinem sich i. W. auf die  hessischen und baden-württembergischen Salinen beziehenden Werk erwähnt er auch die Dürrenberger Solequelle, eine der „merkwürdigsten in Teutschland“. Zur Person des Entdeckers schrieb er:„Borlach dessen Geburtsort, Geburts- und Sterbetag mir unbekannt sind, hatte keine eigentlich wissenschaftliche Bildung erhalten. Einige Reisen (auch nach Wieliczka), die er als geschickter Schreiner unternahm, seltener Beobachtungsgeist, ausgezeichnete Fassungskraft für alles was er sah, vorzügliche natürliche Beobachtungsgabe, unerschütterlicher Muth, in dem doch etwas zu großen Vertrauen auf die aus seinen Beobachtungen gezogenen Schlüssen, leiteten ihn.“ Und weiter „Zur Erhaltung des Andenkens an den Urheber dieses berühmten Salzwerkes bedarf es meiner Feder nicht … Möge sie ein Sachse, wo es nötig erscheint, ergänzen.“(6. Kap. § 162 S. 443 ff). Die erfolgreiche Erbohrung von gesättigter Sole  an der Jagst, veranlassten ihn zu der Prognose: „Unsere Gradirung kann und wird…. in weniger als 25 Jahren in Teutschland ihren allmählichen Untergang finden!“

Die Veröffentlichung Langsdorfs war dann der Anlass für die preußische Oberbergbehörde den Salineneleven Theune nach Süddeutschland zu  entsenden, der sich über die dort erfolgreich angewandten Methoden der Mutung und der Ausbeutung der Steinsalzlager informieren sollte. Seine Erfahrungen fasste er unter dem Titel „Beschreibung der Salinen am oberen und unteren Neckar, der südbayerischen Salinen, der Saline Hall im salzburgischen und Hall in Tyrol und der Kurfürstl. Hessischen Saline Nauheim“ zusammen (WER Rep. F 39, Nr. 472).

 

1825

 

  1. Feb. Verordnung zu Salzverteilung (NKB)

Die Abgabe pro Kopf der erwachsenen Bevölkerung wurde auf 9 Pfund erhöht, die für Kinder unter 14 Jahren auf 4 Pfund herabgesetzt. Die Menge pro Kuh blieb unverändert. Außerdem sollten Gewerbetreibende wie Bäcker, Fleischer und Gastwirte Salz nach Bedarf und nicht nach der Kopfzahl ihrer Familie das Salz erhalten. Verboten wurde das Hausieren mit Salz.

 

  1. Feb. Anweisung der Königlichen Regierung (WER Rep. A 23I, Nr.1).

Lepsius sollte Hämmerling den Entzug der Schank-Konzession und das Richteramt androhen, falls er weiterhin nicht genehmigten Gewerben nachgeht.

 

  1. Mär. Ortskunde des Kreises (NKB Nr. 10)

In lockerer Folge wurde die Geschichte der Landesschule, der Vorwerke und Rittergüter sowie der ehemaligen Amtsdörfer beschrieben. Verfasser war Landrat Lepsius. Später wurden  die Beiträge in  in den „Kleinen Schriften“  zusammengefaßt.

 

  1. Mär. Anweisung der Kgl. Regierung zum Chausseebau (BLK-A. Nr. 778)

Dem Landrat wurde über den Bewertungsmaßstab für Erwerb der zum Bau benötigten Flächen  informiert. Demnach waren die Preise für Grund und Boden allgemein verbindlich, wobei die Güte und die Nutzungsart (Acker, Weide, Obstgarten, Ödland) zu berücksichtigen waren. Die Entschädigung für den Ernteausfall richtete sich nach den aktuellen Marktpreisen des nächstgelegenen Marktortes.

 

  1. Mär. Vereidigung von Salinenarbeitern (MER F 44 A I).

Das betraf den Kunst- und Zimmermeister Johann Friedrich August Dönicke, die Kunstwärter Johann Friedrich Eisenschmidt und Johann Friedrich Schleicher, den Gradierer Johann August Thieme, die Scheitführer Johann Friedrich Ziege und Friedrich Ziege, sowie die Bergleute Böhme und Arsand

 

  1. Apr. Festlegung der Salinenverwaltung zur Abgabe von Badesole (WER A 23).

Nach Rücksprache mit dem Oberbergamt wurde festgelegt, dass nur am unteren Schacht die Badesole abgegeben wird. Der Empfänger musste sich verpflichten, die Sole nur im eigenen Haus und nur für Bäder zu verwenden und sie nicht zu verkaufen. Der Abgabepreis wurde nun nach der abgegebenen Menge (7,5 Pfg./Kubikfuß) berechnet, da bei der bisherigen Praxis zu viel betrogen wurde. Beibehalten wurde die Regelung, dass die Beschäftigten der Saline und Ortsarme, die ein ärztliches Rezept vorwiesen, die Sole kostenlos erhalten.

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung (MD, Rep. A 23, Nr.1 Bd.2).

Der Floßkommissar hatte die Anpachtung eines Teils der zum Gasthof gehörenden Wiese zur Erweiterung des Amtshauses beantragt. Das lehnte die Lokaldirektion ab und verwies den beamten an den Pächter der „Pfortaer Ökonomie“ Kuffs, weil der seit 1819  an die Dorfbewohner Land zum Anbau von Gemüse und Hackfrüchten weiter verpachten dürfte. Die Jahrespacht für eine Quadratrute (ca. 14,2 m²) wurde mit 5 Silbergroschen angegeben.

 

  1. Juni Schreiben des OBA an die Oberberghauptmannschaft (WER Rep F 38V)

Für die Salinenbeamten Schweingel und Pauli wurde eine Gehaltserhöhung von 50 Talern beantragt.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierung Merseburg (WER Rep.A23I, Nr.1 Bd.2).

Der Streit zwischen Hämmerling und Weber beschäftigte nun auch die preußischen Behörden in Berlin, zumal es hier auch um die Angleichung der Rechtsverhältnisse der  alten und neuen preußischen Provinzen ging. Staatsminister v. Schwenkhammer forderte zunächst die Königl. Regierung zur Stellungnahme auf.  Diese verwies darauf, dass der Streits auf der in der Provinz Sachsen seit 1555 geltenden Gewerbeordnung mit ihren inzwischen völlig überholten Privilegien und Beschränkungen für das Gast-, Schank- und Beherbergungsgewerbe beruht. Demnach war es konzessionierten Schankwirten, wie Hämmerling, nicht erlaubt, warme Speisen abzugeben, zu beherbergen oder fremde Pferde einzustellen und zu füttern. Dies wäre nur Gastwirten wie Weber erlaubt.

Wegen eines ähnlichen Falles in Merseburg, der zugunsten eines Schankwirtes und gegen die ortsansässigen Gastwirte entschieden wurde, tendierte die Königl. Regierung zur Abweisung der Beschwerde Webers, empfahl aber wegen der fehlenden Rechtsgrundlage, die Angelegenheit bis zur endgültigen Gleichstellung der Provinz Sachsen mit den preußischen Altprovinzen, ruhen zu lassen. Daraufhin wies das  OBA die Salinendirektion an, die  Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen.

 

  1. Juli Veröffentlichung der Badeliste (NKB Nr. 28).

„Den so mannigfaltigen Vorzügen verdankt Kösen dieses Jahr den Besuch eines Mannes, der es wohl versteht das Heilsame eines Bades nach allen seinen Beziehungen zu würdigen“ dem  Leibarzt König Friedrich Wilhelm III. Staatsrat Dr. Christoph Wilhelm Hufeland. In seiner Schrift „Übersicht über die vorzüglichsten  Heilquellen Deutschlands“ bescheinigte er der hiesigen Sole, dass „sie ein ausgezeichnetes Heilmittel bei hartnäckiger Gicht und Rheumatismus, Hautkrankheiten und Lähmungen (sei) und noch Hilfe leistet, wo nichts mehr helfen wollte“. Chr. W. Hufeland (1762-1836) hatte bereits 1802 an die Ärzteschaft appelliert ihre Erfahrungen bei der Anwendung mineralischer Brunnen zu publizieren. Hier wo er dies am praktischen Beispiel erprobte, urteilte er „Kösen wird eine der wirksamsten Stätten der Hygiene werden“ was dann maßgeblich die Frequenz des Bades beförderte.

Wurden 1824 keine Badeliste veröffentlicht, waren sie von nun an fester Bestandteil des NKB. In diesem Jahr waren es 54 Einträge, fast 100 Badegäste, darunter der Oberlandesgerichtspräsident Freiherr v. Gärtner und der Vizepräsident v. Watzdorf. Eine Dame war sogar aus Riga angereist.

 

  1. Juli Schreiben der Kgl. Regierungs-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Inzwischen waren die Mittel für den Neubau der Chaussee bewilligt und der Gutsbesitzer Jaenichen aus Alberstedt bei Schraplau mit den Arbeiten beauftragt worden. Der Wegeinspektor Knesebusch aus Weißenfels und der Bau-Conducteur Henke sollten die Trasse abstecken und Lepsius mit den betroffenen Eigentümer über den Ankauf des Grund und Bodens verhandeln. 

 

  1. Aug. Schreiben des Landrates an die Anlieger (BLK-A. Nr. 778).

Betroffen waren Christoph Hildenhagen, dem die die Weinberge am Nikolausberg gehörten, die Salinenverwaltung, als Eigentümer der zur Gasthofpacht gehörende Wiese zwischen der Fränkenauer Hohle und der alten Heerstraße, sowie die Landesschule der die Fränkenauer Trift gehörte, und die dortigen Obstbäume, die an August Saalborn, Carl Hofmann und Gottlob Streuber verpachtet waren.

 

  1. Aug. Anordnung zur Salzverteilung (NKB)

Die Ortsbehörden hatten binnen 3 Monaten die Listen mit den Einwohnern, den Kühen und den Gewerbetreibenden beim Landrat abzugeben, damit der Salzbedarf für das kommende Jahr berechnet werden konnte.

 

  1. Aug. Absteckung der Chaussee-Trasse (BLK-A. Nr. 778)

Im Beisein des Landrates vermaßen der Erbrichter Frischbier aus Wethau, der Ökonom Zeitschel und der Roßbacher Ortsrichter Peukert die Chausseetrasse mit dem ergebmnis, dass die Saline 2 Morgen Wiese, Hildenhagen 2 Morgen Weinberg und die Landesschule 5 Morgen Triften und Hutung abgeben mussten.

 

  1. Okt. Unfall eines auswärtigen Handarbeiters (BLK-A. Nr. 941)

Bei den Arbeiten an der Chaussee war der Handarbeiter Büttner aus Halle verschüttet worden. Er lebte zwar noch, war aber dauerhaft arbeitsunfähig, wie der Wundarzt Uhlich feststellte.  Doch weil er kein Einkommen hatte und von außerhalb kam, wurde er an seinen  Geburtsort verwiesen. Der  Kösener Fuhrunternehmer Hädicke, für den der Büttner gearbeitet hatte, erbot sich, den Verunglückten nach Halle zu bringen.  Doch der dortige Magistrat lehnte die Aufnahme ab, weil Büttner aus Würzburg stammte und somit Halle nicht sein „Domizil“ sei, weshalb er zunächst bei Hädicke blieb. Hier erschien seine Ehefrau, die ein halbes Jahr später unter Mitnahme der dem  Büttner von mitleidigen Einwohnern gespendeten Sachen wieder verschwand. Daraufhin bat der  Ortsrichter den Landrat, bei der halleschen Polizeibehörde Nachforschungen über den Verbleib der Ehefrau anzustellen, damit diese zurück kommt, um ihren Mann zu pflegen und seinen Unterhalt zu sichern, da dieser „weder sitzen noch Steine schlagen“ kann. Die Sache wurde vom Landrat der Kgl. Reg.-Abteilung angetragen, die letzlich die Stadt Halle  anwies, den  Invaliden aufzunehmen.  

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/1).

Freiherr  v. Veltheim leitete die Sitzung, an der neben Senff, Schweingel und Pauli auch der  Mertendorfer Ober-Einfahrer v. Bülow teilnahmen. Protokollant war Oberbergrat Eckardt, Baumeister Judersleben fehlte krankheitsbedingt.

Als vorteilhaft hatte sich die ausschließliche Verwendung der  Sole des oberen Schachts erwiesen, weswegen man den Einbau eines zweiten Pumpensatzes plante und die Förderung aus dem unteren Schacht ganz einstellen wollte. In der Folge wäre der Abbruch des desolaten  Schachtgebäudes bis auf das Erdgeschoss möglich.

Wegen der in den Salzmagazinen lagernden 660 Lasten war deren Kapazität erreicht. Als Grund für den schleppenden Salzdebit (611 Lasten gegenüber 1226) ins „Ausland“,  wurde der billigere preis des Frankenhausener Salzes genannt, weshalb man den Preis von 50 auf 40 Taler verringerte. Damit sollte der Auslandsabsatz gesteigert und die Lager geräumt werden. Außerdem wurde die Jahresproduktion um 50 Lasten verringert, auch wenn damit der geplante Gewinn von 33.500 Talern nicht mehr zu realisieren war. Ab Dezember wurde Kaltlager angeordnet, wobei der dabei entstehende Lohnausfall der Arbeiter als vertretbar angesehen wurde. Erfreulich war die hohe Konzentration der Siedesole von fast 25 % wegen des guten Gradierwetters, was eine erhebliche Einsparung an Formkohlen bedeutete.

Im kommenden Jahr sollten es bei 1340 Lasten bleiben, der Verkaufspreis ins Ausland weiterhin  40 Taler betragen. Bei einem durchschnittlichen Gehalt der Siedesole von 23,5 %, würden 1.387.550 Formkohlen benötigt, sowie weitere 51.000 Stück als Deputat. Wegen der noch vorhandenen Lagerbestände wäre eine drastische  Einschränkung der Förderung erforderlich, die aber mit Rücksicht auf die  „starke Mertendorfer Knappschaft“ nur allmählich zurückgefahren werden sollte. Für den Neubau des 4. Falls lagen Steine und Bauholz bereit. Unter „Sonstiges“ wurden verschiedene die Produktion des Glaubersalzes betreffende Wünsche des Chemikers Heun behandelt.

Zum Personal  s. a. St.-A. Nr. 582- Verzeichnis der bei der Saline angestellten Arbeiter 1820/25.

 

1826

 

  1. Jan. Reskript an den Oberfloßkommissar v. Zedtwitz (MER C48 IIIb 5542).

Die Kgl. Regierung verlangte einen detaillierten Nachweis über die beim Wiederaufbau des Floßamtes entstandenen Mehrkosten. Denn statt der im Jahr 1816 veranschlagten und bewilligten 889 Taler waren es 1.164 Taler, die als Vorschuss in der Floßkasse verbucht wurden und für  die  keine Belege existierten. In seiner Stellungnahme erklärte v. Zedtwitz, dass er kein Unternehmen gefunden hätte, das für die veranschlagten 889 Taler den Wiederaufbau übernehmen wollte. Da er aber das Floßamt wieder beziehen musste, habe er ohne vorherige Genehmigung den Wiederaufbau zu dem höheren Preis beauftragt. Die Floßkasse habe die Mehrkosten seit 10 Jahren als Vorschuss geführt und von der vorgesetzten Behörde bislang nicht beanstandet.

 

  1. Feb. Anordnung der der Kgl. Regierung (dto).

Zedtwitz wurde wegen unberechtigter Mittelentnahme aus der Floßkasse gerügt und angewiesen, den Mehrbetrag zu erstatten. Gleichzeitig wurde der Kgl. Bauinspektor Schmidt mit der Überprüfung der tatsächlichen Kosten beauftragt.

 

      Feb. Plan von Neu-Kösen (St.-A.).

In einem Plan von 1817 übernahm der Regierungs-Kondukteur Fritsch die Trasse der neuen Chaussee und die ersten hier gebauten Häuser (Eckartsbergaer Str. 3, 6, 7). 

 

  1. Mär. Verordnung des Ministeriums für Medizinal-Angelegenheiten (in WER Rep F43a).

Die Amtsärzte in den preußischen Mineral-Bädern und Orten mit Heilquellen wurden angewiesen, jährliche Hygiene-Berichte über die Regierungsbehörden beim Ministerium einzureichen. Das betraf geognostische Untersuchungen im Quellgebiet, Erkundungen von neuen Quellen, chemische und physikalische Analysen, Schüttung und mögliche Abweichungen. Abgefragt wurden Erneuerungen und  Verbesserungen der Anlagen, Personalangelegenheiten, statistische Angaben über die Abgabe von Bädern und den Mineralflaschenversand, die Erfassung der Badegäste, Abgabe von Freibädern für Arme, die behandelten Krankheiten und die Erfolge bzw. auch Misserfolge von Kuren. 

 

  1. März Ausweisung einer Einwohnerin (MER C 50 Naumburg A Nr. 44)

Friederike Theresia Henriette Saalborn, 31 Jahre alt, verheiratet und seit 1820 ansässig  wurde vom Landrat angewiesen, den Ort binnen 14 Tagen zu verlassen. Grund war, dass ihr  Mann der Leinewebergeselle Johann Gottfried Saalborn wegen Betrugs im Zeitzer „Inquisitionat“ auf seine Verurteilung wartete. Nach Verbüßung der Haft sollte er in seinen Geburtsort Obertrebra zurückkehren und die dortige Gemeinde hatte auch schriftlich seiner Aufnahme zugestimmt. Dorthin wurde auch seine Ehefrau gewiesen. Die bat um Aufschub, weil sie hier in Stellung war und erklärte, dass sie sich von ihrem Ehemann „separirt“ habe. Das half nichts, sie wurde vom Gendarmen dorthin gebracht und der Ortsrichter quittierte am 14. April ihren Empfang.

Ihr Mann wurde im September zu einer dreimonatigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach Verbüßung wurde er zwangsweise nach Obertrebra gebracht.   

 

  1. Mär. Schlägerei im Tanzsaal vom Salinengasthof (MER C 50 Naumburg A 44)

Beim Ostertanz gerieten der Stellmacherlehrling Eduard Hädicke und der Ölschläger Christian Bennemann wegen einer Bagatelle aneinander. Das Vorkommnis wurde von der Salinenverwaltung, die die Polizeiaufsicht über den Gasthof hatte, pflichtgemäß dem Landratsamt gemeldet. Auch  Hädicke sen. wollte Anzeige erstatten, trat aber wegen der Kosten davon zurück. Die nachfolgende Untersuchung im Landratsamt und die Vernehmung von Zeugen, wie den Gastwirt Weber, den Kellner Küffner, der Schmiedemeister Friedrich Zeise, den Bäckergesellen Friedrich Wilhelm Wetzel und den Bäckermeister Friedrich August Hämmerling, allesamt Gäste, ergab, dass Bennemann den Streit vom Zaun gebrochen und auch zuerst zugeschlagen hatte, worauf Hädicke  sein Taschenmesser zog. Daraufhin wurden beide zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Bennemann bat um die Umwandlung der Haft- in eine Geldstrafe, weil er den Verlust seiner Arbeit in der Mühle fürchtete. Er zahlte dann 5 Taler. Hädicke trat am 23. August die Haft an, wie der Anstaltsdirektor meldete. 

 

  1. Apr. Bekanntmachung des Floßamtes (NKZ Nr. 15).

Die Uferanrainer wurden  vor Beginn der diesjährigen Scheitholzflöße auf die Einhaltung der Floßmandate hingewiesen, Wassermüller und Fischer ermahnt,  die Flöße nicht zu behindern und Dorfrichter und Amtsdiener angewiesen, den  Holzdiebstahl zu unterbinden. 

 

      Apr. Veröffentlichung im Naumburger Kreisblatt zur Heimatgeschichte (Nr. 15 ff).

Erste umfangreiche Beschreibung Kösens innerhalb der Reihe „Zur Ortskunde des Kreises“, vom  Landrat Carl Peter Lepsius (s. a. „Kleine Schriften 1854)

 

     Apr. Bewirtschaftung der Rudelsburg (Wikipedia)

Auf Anregung des Landrates Lepsius richtete Rittergutsbesitzer von Schönberg in der Ruine im „Weinberg des Herrn“ einen ständigen Ausschank ein. Gottlieb Wagner, der inzwischen frei nach C. M. Oper „Freischütz“ Samiel gerufen wurde, öffnete zunächst an den Sonntagen. Noch im gleichen Jahr wurde ein bequemer Weg zur Burg angelegt.   

 

  1. Apr. Ortskunde des Kreises (NKB Nr. 17)

Fortgesetzt wurde die geschichtliche Darstellung, hier mit dem Schwerpunkt Kösen.

 

  1. Apr. Einspruch von Hausbesitzeren wegen des Chausseebaus (BLK-A. Nr. 941)

Der Landkrämer J. G. Bornschein und der Bäcker J. G. Kleinschmidt, deren Häuser zwischen der Brücke am Mühlenweg standen (An der Brücke 2 u. 3) befürchteten, dass der Chaussee-Damm bei einem Hochwasser die Ausbreitung der Fluten in der Aue behindern und  ihre Häuser durch das angestaute Wasser weggerissen werden könnten. Diese Sorge war nicht unberechtigt, denn beim Hochwasser von 1820 stieg das Wasser bis an die Fensterbrüstung ihrer Häuser.

 

  1. Juni Schreiben der Lokaldirektion an das Oberbergamt (WER Rep. A 23I, Nr.1, Bd.3).

Zur Hebung der Frequenz hatte der Gastwirt vorgeschlagen den Gasthof um einen Gesellschaftsraums zu erweitern. Hier könnten die Konferenzen der Lokaldirektion ebenso wie Veranstaltungen stattfinden. Die Lokaldirektion befürwortete das Ansinnen, denn wegen der Konkurrenz im Ort wäre der weitere Niedergang des Salinengasthofes zu befürchten, wenn dessen Attraktivität nicht verbessert würde. 14 Tage später erklärte das OBA, da dies ausschließlich zum Vorteil des Gastwirtes sei, sollte der auch die Kosten allein bestreiten. Genehmigt wurde dagegen Webers Antrag, eine Erosionsrinne auf dem zur Gasthofpacht gehörenden Feld unterhalb des Nikolausberges mit Erdmassen des Straßenbaues anzufüllen und dieses Stück Land als Weide zu nutzen.

 

      Juni  Inbetriebnahme des neuen 4. Falls am unteren Gradierwerk (dto.).

Dazu wurden 4 Bronzetafeln angebracht, die man 1902 wieder entdeckte. Demnach waren die 62 Bund des sanierten Gradierhauses (280 Meter) in einen halben 2. Fall, den 3. und 4. Fall eingeteilt.

 

  1. Juni Erste allgemeine Schutzimpfung gegen Blattern (NKB Nr. 21).

Das preußische Ministerium für Medizinal-Angelegenheiten hatte die Pflichtimpfung für die Jahrgänge 1813 bis 1825 angeordnet. Geimpft wurde im Haus des Ortsrichters Hämmerling, der auch alle Impfpflichtigen zu erfassen hatte.

 

  1. Juli Schlußrechnung über den Neubau des Wehrdammes (WER Pforta II Nr. 939).

Der Wehrumbau kostete rund 11.861 Taler, darunter waren Materialkosten für Quader (1.863 Taler) und Holz (931). An Löhnen wurden abgerechnet für Zimmerer 793 Taler, Maurer (2.479), Fuhrleute (297), Hilfskräfte (1.066) Pumper (142), Steinbrecher (916) und die  Fröner (1.514). Die Saline trug 3.350 Talern bei. 64 Taler brachte das verkauftem Abbruchmaterial. Dazu kamen von der Salinenverwaltung 3500 Taler und auch das Floßamt musste 3500 Taler beizusteuern.

Allerdings zeigte es sich, dass nun bei Niedrigwasser die Langholzflöße nicht mehr über die Wehrkrone kamen, auseinander genommen und um den Damm transportiert werden mußten. Das hielt immer mehr oberländische Flößer davon ab, die Kösener Messe zu belegen. Sie verkauften das Holz bereits in  Camburg.

 

  1. Juli Bericht zum Chausseedamm (BLK- A. Nr. 941).

Wegen der Beschwerde von Bornschein und Kleinschmidt, besichtigte Lepsius begleitet von den Schöppen Hilpert und Hädicke sowie dem Ortsrichter Hämmerling den Chausseedamm. Dabei stellte er mehrere Unzulänglichkeiten fest. Bei der Ausbuchtung der Chaussee beim Döringschen Weinberg, wo bergab fahrende Fuhrwerke die Entgegenkommenden passieren lassen sollten, war der Fahrweg teilweise verschüttet und unbenutzbar. Daher sollte die Ausbuchtung mit dem Weg zur Dorfstraße auf die Breite eines Kommunalweg zusammengelegt werden. Doch das lehnte die Straßenbaubehörde ab, so dass es an dieser Stelle bei der unübersichtlichen Wegeführung blieb. Lepsius kritisierte die angelegten Straßen-und Flutgräben. Das Rückhaltebecken unterhalb der Fränkenauer Hohle wäre viel zu klein und könnte das von der Höhe kommende Oberflächenwasser nicht fassen. Beim Überlaufen würden die Anwesen von Hädicke und  Hämmerling überflutet (Lindestr. 12/14).  Auch der Graben zur Saale  zwischen den  Häusern von Kleinschmidt und Bornschein sowie Hilpert reichte nicht aus, weshalb sämtlich Abzugsgräben verbreitert werden müßten. Auch die Bedenken der Hauswirte, dass der Damm bei Hochwasser als Hindernis steht und ihre Häuser überflutet würden, teilte der Landrat. Darüber hinaus hatte man den Kommunalweg von der Brücke zum Dorf Kösen so angelegt, dass er nun den Zugang zum Bornscheinschen Haus versperrte, weshjalb der Besitzer um seinem Nahrungserwerb bangte. Betroffen war auch das Floßamt, von dem das Erdgeschoss tiefer als die Dammkrone lag und kaum noch nutzbar war und der Weg nach den Saalbergen war nicht mehr befahrbar. 

Darüber hinaus bemerkte Lepsius, dass der Chaussee-Damm bereits von der Post benutzt würde, obwohl noch keine Seitenbegrenzung vorhanden sei und deswegen besonders bei Nacht und Nebel die Gefahr bestand, hier abzustürzen. Er hatte den zuständigen Bau-Kondukteur Fritsch darauf hingewiesen, doch der erklärte, dass ihm das überlassen sei, für wen und wann er die Chaussee freigeben würde.    

 

  1. Juli Anweisung zur Bezahlung der Bauflächen (BLK-A. Nr. 941).

Die Kgl. Saline erhielt für die in Anspruch genommenen, zur Gasthofpacht gehörenden Teile des Winter-, Sommer- und Brachfeldes 208 Taler, die Landesschule für die zur Domäne Fränkenau gehörende Trift 17 Taler, die Besitzer der dortigen Obstbäume 202 Taler und Hildenhagen für die Weinberge 119 Taler. Die Hauptkasse wurde angewiesen, das Geld auszuzahlen.   

 

  1. Juli Schreiben des Regierungsbau-Kondukteurs Fritsch (BLK-A. Nr. 941)

Nach der Anzeige des Landrates hatte die Kgl. Regierung den Wegeinspektor Knebusch nach Kösen befohlen, um die Post auf die alte Straße zu verweisen, solange der Chausseedamm noch kein Geländer hatte. Daraufhin teilte Fritsch der Kgl. Reg.-Abteilung mit, dass er sich nur gegenüber seiner vorgesetzten Fachbehörde verantworten müsse und meinte abschließend: „Ich bitte darum, mich für die Folge damit gefälligst zu verschonen“. 

 

  1. Juli Anzeige des Baukondukteurs Fritsch (BLK-A. Nr. 941)

Auf Anweisung des Freiherrn von Braun mussten die Pflasterarbeiten beim  Floßhaus unterbrochen werden, weil der Kronprinz und seine Gattin die Chaussee passierten.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Badeliste (NKB Nr. 31).

Bislang waren es 61 Einträge. Obwohl die Liste für den Monat August fehlt, dürften insgesamt 150 Badegäste den Ort besucht haben.

 

  1. Aug. Lepsius lehnt eine Beschwerde Webers ab (WER Rep. A23I,Nr.1Bd.2).

Erneut ging es um die Nichteinhaltung der Schankkonzession durch Hämmerling und Konsorten.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB Nr. 33, 1826).

Der Ablauf hatte sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert. Den sonntäglichen Festumzug führten die Schulkinder mit ihrem Lehrer an, es folgten die Musik, die Salinenbeamten, die Arbeiter und Bergleute. Vor dem unteren Solschacht  würdigte Inspektor Senff den Bergrat Borlach. Tanz und Vergnügen folgten im Zimereischuppen bis zum Montag.

 

  1. Aug. Franz Kugler „An der Saale hellem Strande“.

Beim  Besuch der Ruine der Rudelsburg kritzelte der Student den Text auf eine Tischplatte, die der Rittergutsbesitzer v. Schönberg sicherstellte. 1830 erschien der Text im „Skizzenbuch“ wurde vertont und gehört seither zum deutschen Volksliedgut.

Kugler (*1808 in Stettin, gest. 1858) wurde 1835 Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Künste in Berlin und 1843 Kunstreferent im preußischen Kultusministerium. Bekannt wurde   seine „Geschichte Friedrich des Großen“, die 1840 erschien und die ein zu dieser Zeit noch unbekannter Maler und Zeichner Adolf Menzel (die Erhebung in den Adel erfolgte erst später) illustrierte. Das Buch, ein volkstümliches Werk, fehlte in kaum einem bürgerlichen Haushalt.  

 

  1. Sep. Entschädigungszahlung für die Obstbaumbesitzer (BLK-A. Nr. 941).

Der Kinderlehrer Ernst Huck erhielt 51 Taler, der Salzsieder Gottlob Sträuber 44, der  Seiler Carl Hoffmann 37 und der Musikus Carl Saalborn 30 Taler für die hinter ihren Häusern auf der  Fränkenauer Trift stehenden Obstbäume. Das Ehepaar  Hildenhagen bekam 40 Taler für ihre Obstbäume. Bevor die Auszahlung erfolgte, hatten die Empfänger beim Ortsrichter ihr schriftliches Einverständnis mit der Höhe und  den Verzicht auf Widerspruch zu erklären.

 

  1. Sep. Übertragung der Polizeigewalt über die Saalhäuser (MER C 50 Naumburg A Nr. 44)

„Da nun die Saalhäuser unstreitig im unmittelbaren Polizeibezirk  der Landesschule Pforta  liegen, so kann ich nicht unterlassen und aufzufordern, dieses Etablissement  von jetzt an unter polizeiliche Aufsicht zu stellen und Anordnung zu treffen, wodurch Ihnen die Führung dieser Aufsicht möglich wird. Vor allen Dingen möchte es nöthig seyn, über die Herkunft, Nahrungs- und Lebens-Verhältnisse der Schumannschen Hausgenossen, deren jetzt 8 verschiedenen Familien vorhanden sein werden, genaue Erkundigung  einzuziehen und  bestimmte Nachweisung zu  erfordern.

Am zweckmäßigsten dürfte es  sein, diese Recherche mit einer allgemeinen und möglichst genauen  Haussuchung in den Saalhäusern zu eröffnen zu welcher Absicht ich drei oder nöthigenfalls  noch mehrere Gendarmen und andere Polizei-Offizianten zu Ihrer Disposition stellen würde. Während der Visitation müssen sämtliche  Anwohner  gleichzeitig unter Aufsicht gestellt, auch die Zugänge  zu den Saalhäusern besetzt werden. Ich sehe Ihrer Erklärung entgegen, um demnächst das weiter Nöthige  unverzüglich anordnen zu können“.

Grund des Schreibens waren etliche Straftaten, die in letzter Zeit in der Umgebung verübt worden waren und einiges auf die Hausgenossen der Saalhäuser hindeutete. Bislang hatte der Ortsrichter von Kösen die Aufsicht, die er aber wegen der Entfernung gar nicht ausüben konnte. Außerdem war der Ortsrichter Hämmerling der Schwiegervater des Besitzers der Saalhäuser Schumann, der aber nach Lepsius nicht den besten Ruf genoß. In seinem  Antwortschreiben verwies Inspektor Sterzel darauf, dass die Polizeiaufsicht über die Saalhäuser bis zur Neuordnung der Kreise beim Stifts-Amt lag und dann auf den Landkreis übergegangen ist. Im Interesse der Sache erklärte sich Sterzel bereit, sich persönlich der sache zu widmen, wenn dies vom Landrat gewünscht wird.

 

  1. Okt. Besuch des Ministers für öffentliche Bauten (BLK-A. Nr. 941)

In Begleitung des Landrates besichtigte von Kleewitz die Saline, den Wehrdammes und die Chaussee. Dabei machte ihn der Landrat auch auf die Brücke aufmerksam, die so schmal war, „daß nicht zwei Wagen sich ausweichen könnten, welches bei starke Postage auf dieser Straße und besonders durch den Bau der neuen Chaussee, nicht selten zu großen Unannehmlichkeiten für die Reisenden und Fuhrleute führt“.   

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch v. Veltheim. (WER Rep. F23 II Nr.5/1).

Nachdem Webers Antrag auf Kostenübernahme für ein „Sezessions-Lokal“ abgelehnt war, wurde  Judersleben beauftragt, einen Kostenanschlag zu erstellen. Außerdem wurde das Salinenpersonal  aufgelistet. Es gab 4 Ober-Beamte (Inspektor, Rendant, Baumeister, Buchhalter), 13 Unterbeamte (1 Kalkulator, 1 Kunstmeister, 4 Kunstwärter, 2 Gradiermeister, 2 Siedemeister, 1 Maurermeister, 1 Pfannenschmied, 1 Kohlenaufseher) und 42 auf dauer eingestellte Arbeiter (5 Gradierer,  32 Sieder, 2 Düngesalzarbeiter, 3 Wächter) insgesamt 59 Mann. Angaben wieviel Hilfs- und saisonarbeiter darüber hinaus noch beschäftigt waren fehlen.

 

  1. Dez. Anordnung zur Neubesetzung von Dienststellen (MER F 44 I A)

Nach dem Tod des Siedemeisters Köttnitz wurde auf Vorschlag der Lokalverwaltung angeordnet „den bisherigen Siedemeister im ersten Kot Weise als Siedemeister für das zweite und dritte Kot mit dem von dem verstorbenen Köttnitz bezogenen Lohn, Wohnung und sonstigen Emulementen“ ab den 1. Januar einzustellen. Siedemeister im 1. Kot sollte der Oberbursche Biertümpel werden „wobei wir nur noch bemerklich machen, daß dem Biertümpel ausdrücklich vorzuhalten ist, daß er nur auf Kündigung angenommen werde“ daher lehnte der ab und die Stelle übernahm der Oberbursche J. G. Wolf.

Abschließend wurde bemerkt „Übrigens kann den Köttnitzschen Erben ein mehreres nicht, als was ihnen vom Lohn des Verstorbenen verfassungsmäßig zusteht, gewährt werden“.

 

  1. Dez. Neuvermessung der Pachtländer der Saline durch Judersleben (MER F 44 V Nr. 1)

„Wenn die von Seiten der an verschiedene Interessenten verteilten Felder, welche auf der abendlichen Seite des unteren Gradierhauses liegen und südlich vom Rechenberger Gradierhaus  nach dem ersteren herabgehenden Röhrenfahrten, nördlich aber mit einem fußbreiten Wege begrenzt sind, genau nach den ihnen zugeteilten Quadrat-Inhalte und Zinsen übersehen werden, so wird man sehr leicht gewahrt, daß eine ungleiche Verteilung stattfindet, welche garnicht im Verhältnis mit den vermöge Verzeichnis zugesprochenen Quadratinhalten und Zinsen stehen“.

Daher unterzog sich der Baumeister der Mühe, diese Flächen erneut zu vermessen und die so ermittelten Flächen dem bisherigen Pachtquantum anzupassen.

 

            Fleischermeister Freitag erwirbt den „Göttersitz“ (A. C. Ende,1844)

Der Naumburger ließ auf der Höhe über den Saalbergen den Wald roden und legte hier den mit  4000 Stöcken höchsten Weinberg der Region an. Nebenher eröffnete er einen Ausschank, das „Freitagsche Haus“ das dann zahlreiche Gäste  auf die Höhe mit dem reizvollen Blick in das Saaletal zog.

 

            Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer (Allg. Gesch.).

Die Linie Gotha-Altenburg endete ohne männlichen Erben und so kam es zu einer weitreichenden  Erbteilung verbundenen mit einem umfassenden Gebietsaustausch, mit dem Ziel den Besitz der verbliebenen Herzogtümer im Interesse einer der zeitgemäßen Wirtschaft und Verwaltung zu ordnen, was dann auch bis 1918 bestand hatte. Es bleiben Großherzogtum Sachsen-Weimar und die Herzogtümer Sachsen-Gotha, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen. Als Besonderheit erheilt  das Herzogtum Meiningen die Exklave der Grafschaft Camburg samt Kreipitzsch mit der Rudelsburg Crölpa, Löbschütz, Freiroda bis an die Flurgrenze von Flemmingen. 1869 wurde die Grenze zwischen dem Herzogtum und Preußen abgemarkt. Die Grenzsteine stehen heute noch vereinzelt am Weg zur Rudelsburg, an der Gespensterbuche, am Geiersberg um am Bismarkturm.

Die Floßrechte des Großherzogtums Sachsen-Weimar behielt Sachsen-Altenburg, unter der Maßgabe, dass die weimarischen Orte Jena, Dornburg und die Stadt Sulza wie bisher beliefert werden.

 

1827   

 

  1. Jan. Beschwerde des Weinbergbesitzers Hildenhagen (BLK-A. Nr. 941)

Der beschwerte sich wegen der Höhe der Entschädigung und berief sich darauf, dass seine Ehefrau nicht dazu berechtigt war, das Geld anzunehmen und auf Widerspruch zu verzichten. Er verlangte für den Ertragsausfall der 94 Weinstöcke in den nächsten 25 Jahre rund 28 Taler je Stock, zuzüglich den Wert des Grund und Bodens.

 

  1. Febr. Beschreibung des Armenhauses (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

„E. Wohlg. zeige hierdurch ganz gehorsamst an, daß in hiesigen Armenhauße nur zwey kleine Stuben seyn, welche eine jede 6 Ellen lang (Anm. 3,5 Meter) und kaum 5 dergleichen Ellen breit (Anm. 3,0 Meter) ist, da nun 16 Personen in dem hiesigen Armenhauße sich befinden, wovon die Beerin und die geisteskranke Zwingenbergerin eine Stube inne haben, mithin 14 Personen auf der zweyten Stube sich zusammen drängen, wo es ohnmöglich ist, daß diese letzteren nur am Tage darin Raum haben, viel weniger des Nachts, wo die meisten auf den sehr leichten, der Kälte ausgesetzten Boden schlafen müßen, zumal alle diese Menschen arm und nicht mit guten Betten versehen seyn. Wo auch der Handarbeiter Köttnitz welcher sehr stark mit der Epilepsie beladen, und wegen dieser Krankheit und der damit verbundennen Unreinlichkeit ganz ohne Betten auf den Boden liegen muß, so steht bey solcher strengen Kälte alle Tage zu befürchten, daß eins oder das andere auf dem Boden erfrieren kann.“

Die Kosten für die Erweiterung des Armenhaus mussten auf die Hauswirte und Hausgenossen umgelegt werden. Wohl wissend, dass die Gemeinde keinen derartigen Beschluss fassen würde, bat Ortsrichter Hämmerling den Landrat, dies von Amts wegen anzuordnen.

 

  1. Feb. Instruktion des Landrates wegen der Entschädigung Hildenhagens (BLK-A. Nr. 941).

Lepius sollte die Wertermittlung prüfen, mit den geltenden Vorschriften vergleichen und  Rücksprache mit den Taxatoren nehmen. Danach sollte dem Ehepaar die Unhaltbarkeit ihrer Forderung dargelegt und sie darauf hingewiesen werden, dass sie bei Ablehnung einer gütlichen Einigung, den Fiskus verklagen müssten.

 

  1. Mär. Schreiben der Salinenverwaltung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941)

Das Oberbergamt widersprach ebenfalls der festgelegten Höhe der Entschädigung für die zum Chausseebau gezogenen Pachtfelder des Gasthofs. Der Pächter wäre auf das Feld angewiesen und für die festgesetzte Entschädigung könnte man hier kein gleichwertiges Land bekommen.

Daher sollte ein gleichermaßen von der Kgl. Regierung und dem OBA anerkannten Taxator bestellt werden.

 

  1. Mär. Meldung von Unglücksfällen am Wehr (NKB)

Zunächst war ein Mühlknappe bei Arbeiten am Wasserrad tödlich verunglückt, dann ertrank ein Flößer aus Kleinheringen beim Überfahren des Dammes.

 

  1. Mär. Konferenz über die Grundlagen der Entschädigungsberechnung (BLK-A. Nr. 941)

Auf Anfrage erklärten die Taxatoren, dass die von ihnen ermittelten Werte angemessen waren allerdings hätte die zuständige Abteilung der Kgl. Regierung diese nach unten korrigiert und dann als verbindlich deklariert.

 

  1. Mär. Konferenz beim Ortsrichter Hämmerling (BLK-Nr. 941).

Anwesend waren der Landrat Lepsius, die Lokalverwaltung (Senff, Judersleben, Schweingel) und als Taxator der  Landschöppe von Roßbach J. G. Röder. Der erklärte, dass die vom Landrat bestellten Taxatoren einen Mittelwert aus Ertragsausfall und dem Grundwert aller betroffenen Grundstücke gebildet hätten, die Kgl. Regierung jedoch den niedrigeren Wert für die Höhe der Entschädigung festgesetzt hatte, wobei die unterschiedliche Nutzung  und der  differenzierte Ertrag unberücksichtigt blieben.

Trotz aller Vorhaltungen insbesondere der Verweis auf die Kosten und den unsicheren Ausgang einer Klage gegen den Fiskus, behahrre das Ehepaar Hildenhagen darauf, dass die Entschädigung wesentlich höher ausfallen müsse.

 

  1. Mai Anweisung der Kgl. Regierung an die Floßkasse (MER C48 IIIb, 5542).

Das Gutachten des Bauinspektors ergab, dass die Kosten des Brunnens am Floßamt zu Lasten der Floßkasse gehen, alle anderen Kosten dagegen der Floßmeister wegen seiner Eigenmächtigkeit der Kasse zurück zu erstatten habe.

 

  1. Mai Festlicher Empfang des Prinzen Carl von Preußen (NTB)

An der Brücke war eine Ehrenpforte errichtet, wo der Prinz mit seiner Braut Marie Louise von Sachsen Weimar-Eisenach von der Belegschaft der Saline in Bergmannsuniform und der Badekapelle begrüßt wurde.

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Reg.-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941)

Dem Ehepaar Hildenhagen wurde eine Entschädigung von 183 Talern angeboten, wenn diese auf eine Klage verzichten. Die Kosten für ein  neues Tor zum Weinberg wurde abgelehnt. Hildenhagen erklärte am 20. Juli beim Ortsrichter Hämmerling  die Annahme.

 

  1. Juli Antrag der Landesschule beim Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Diese verlangte anteilige 41 Taler von der Entschädigung, die die Pächter der Obstbäume die dem Chausseebau weichen mussten, bekommen sollten Der Landrat lehnte ab und wies die Hauptkasse an, den Pächtern die Beträge auszuzahlen.

 

  1. Aug. Erlaß der Kgl. Regierungsabteilung (BLK-A. Nr. 941).

Hildenhagen hatte sich nun über die zur Beschattung der neuen Chaussee angepflanzten Pappeln beschwert. Diese würden zu nahe an seinen Weinberg stehen und später zuviel Schatten werfen. Die Kgl. Regierung erklärte, dass die Pappeln im Bedarfsfall zurück geschnitten werden. Dagegen  durfte Hildenhagen einen kleinen Steg über den Straßengraben errichten, die Ablagerung von Mist auf der Chaussee wurde untersagt.   

 

  1. Aug. Veröffentlichtung der Badeliste (NKB Nr. 33).

Bisher waren es 85 Einträge, darunter Gäste aus Berlin, Potsdam und Hamburg.

 

             Fertigstellung der Eckartsbergaer Chaussee  (Hinsche, Heimatbuch 1930).

Die Kosten beliefen sich auf 24.769 Taler (rund 74.000 Mark). Auch wenn sich die Einsehbarkeit wesentlich verbessert hatte, gab es wegen fehlender Verkehrsregeln immer wieder Probleme. Der Damm selbst war noch nicht untertunnelt und Fuhrwerke, die zu den Saalhäusern wollten, musste die enge Kurve zu dem Schrankenübergang unmittelbar vor der Brücke nehmen: darüber hinaus gab es noch eine Fahrweg von der Hohle durch das Gelände des späteren Kuchengartens.

Die nach dem Chausseebau nicht mehr benötigten Flurstücke bekam die Landesschule wieder zurück, da sie aber inzwischen für die Landwirtschaft ungeeignet waren, wurden sie parzelliert und  an Bauwillige verkaufte.

Die ersten Häuser, die gebaut wurden, gehörten dem Chemiker Heun (Badeanstalt Eckartsbergaer-Str. 3), dem Postmeister Müller (Posthilfsstelle Eckartsbergaer Str. 2) und dem Bäcker August  Hämmerling (Eckartsbergaer Str. 6 und 7). In ersteres verlegte er seine Gastwirtschaft, die dank der guten Lage und der guten Speisen (Hämmerlings Eierkuchen) bald überregionlaen Ruf genoss.

 

  1. Sep. Mitteilung der Kgl. Reg.-Abteilung an den Landrat (BLK-A. Nr. 941).

Die Therkornschen Erben machten Ansprüche auf die Entschädigung für den zum Straßenbau benötigten Teil des Weinberges geltend. Den einstigen Borlachsen Weinberg hatte der Salinenbaumeister Therkorn geerbt. Dessen Erben hatten den Berg an Hildenhagen verkauft und  den Kaufpreis durch eine Rückverpfändungsklausel gesichert. Nun verlangten sie die Entschädigungszahlung zur Ablösung der Rückverpfändung. Daraufhin hinterlegte die Straßenbehörde das Geld beim Landgericht, und überließ diesem die rechtlich Bewertung und die Auszahlung des Geldes.

 

  1. Okt. Salinenrecherche durch v. Veltheim und Dieterich (WER Rep.23 II Nr.5/1).

Der Kostenanschlag vom Baumeister Judersleben für das Sezessions-Lokal belief sich auf 1335 Taler und wurde abgelehnt. Beim Salzdebit wurde angemerkt, dass ausländische Salzniederlagen  wie Ziegenrück und Ranis beliefert wurden.

Hinsichtlich des Badebetriebes  erklärte die Lokaldirektion, dass in der abgelaufenen Saison 3.771. Kubikfuß Sole (117 m³) verkauft wurden, was rein rechnerisch für 1510 Solebäder reichte.

 

  1. Okt. Modifizierung des Floßzolles.

Ab dem kommenden Jahr unterlagen die auf Flößen mitgeführten Holzwaren der Landakzise (5% des Warenwertes).

 

  1. Nov. Bericht der Kgl. Regierung an das Finanzministerium (MER C48IIIb Nr.5512).

Der Floßmeister hatte gegen die Zahlung Beschwerde eingelegt, worauf die Kgl. Regierung dem Finanzministerium vorschlug,  dass 1.000 Taler für den Wiederaufbau des Floßamtes zu Lasten der Floßkasse gehen und nur der darüber liegenden Betrag vom Oberfloßmeister erstattet werden sollte. Darüber hinaus sollte ihm zukünftig die Beauftragung jeglicher Bauten ohne Genehmigung der Floßadministration untersagt werden.

 

1828       

 

  1. Jan. Verfügung des Kgl. Finanzministerium (MER C48IIIb Nr. 5512).

Das Ministerium genehmigte den Vorschlag der Kgl. Regierung und von Zedtwitz wurde angewiesen, die 164 Taler an die Floßkasse zu zahlen. Der ging aber erneut in Widerspruch.

 

  1. Feb. Beschwerde des Scheitführers Ziege (MER F 44 I

Der war 1814  auf der Saline als Sonnensalzarbeiter angestellt, wurde aber 1817 eingezogen und nach Ableistung der dreijährigen Dienstzeit diente er im Regiment Kaiser Alexander in Berlin  weitere drei Jahren als Unteroffizier. Nach seiner Entlassung war er wieder Scheitführer. Seine Bewerbungen um eine frei besser bezahlte Stelle wurden von der Lokalverwaltung abgelehnt. Die Lokalverwaltung rechtfertigte die Ablehnung damit, dass auch eine mehrjährige Militärdienstzeit nicht die Anwartschaft auf eine höher Stelle rechtfertigte. Das OBA entschied dann „Für den vorliegenden Fall bietet sich übrigens für jetzt der (.) Ausweg dar, und es scheint nur billig, den Ziege bei wieder vorkommender Gelegenheit mit einer Siederstelle  zu berücksichtigen, bis sich eine solche darbietet aber ihn angetragenermaßen als Oberburschen bei der Aschensiedung  anzustellen“.

 

  1. Mai. Anweisung der Kgl. Regierung (WER Rep.A23I,Nr.1,Bd.3).

Dem Gasthofpächter wurde eine Entschädigung für den Verlust  seiner zum Bau der Eckartsbergaer Chaussee in Anspruch genommenen Pachtfelder bewilligt.

 

  1. Mai Anweisung an den Floßkassen-Rendanten (MER C48IIIb Nr.5512).

Der sollte die an die Floßkasse zu zahlende Summe vom Gehalt des Floß-Kommissars  einbehalten, worauf v. Zedtwitz es vorzog, nun doch selber zu zahlen.

      

  1. Aug. Erstausgabe der „Privilegierten Kösener Bade-Zeitung“ (Heimatbuch 1993).

Zunächst noch als Handschrift veröffentlicht, wurde über die sich im Ort aufhaltenden Badgäste informiert. Ausfürhlicher wurdee über hochrangigen Badegäste informiert, wie der Großherzoglich-Weimarische Minister für Kultur, Graf Gebhardt. Der hatte sich mit seiner Familie im „Hotel Heckenberg“ einquartiert. Damit es dort nicht an der gewohnten Bequemlichkeit fehlt waren einen ´Tag vorher zwei Hofdamen und ein „Bagagewagen“ eingetroffen, um das Quartier herzurichten und auszustatten.

 

  1. Aug. Bericht über die Zustände im Gemeindarmenhaus (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

„...Ein dritter Punkt den ich E. Wohlgeb. ans Herz legen möchte, wiewohl ich weiß, daß er schon ein Gegenstand Eurer besonderen Fürsorge seit langer Zeit gewesen, ist die Erweiterung des  Armenhauses in Kösen. Die Gemeinde ist hierin auf eine sündliche Weise gleichgültig und saumseelig, schon nahet die  rauhe Jahreszeit  heran und der Bau  liegt immer noch unvollendet. Drei alte Weiber, drei jüngere Frauen, von denen eine die Wittwe Köttnitz ist und fünf Kinder, worunter ein blödsinniges Mädchen und  ein Säugling, alle diese Personen sollen den Winter über  wieder in einer Stube  zusammen gehäuft seyn, die für eine friedliche Familie von drei bis vier Personen  schon enge wäre. Und diese Menge mehr weiblicher zanksüchtiger Personen  soll sich mit einem Ofen  der zugleich zum  allgemeinen Herde  dient, mit einem Fenster, mit einem Tisch  mit 2 Betten  und einigen Stühlen begnügen. Der Zustand und das Zusammenleben  dieser Menschen  und besonders im Winter, muß ein wahres Bild der Hölle seyn. Ich habe keine Gelegenheit  der Gemeinschaft Dinge ans Herz zu legen und traue mir, auch wenn ich dieselbe hätte, nicht zu viel zu erreichen. Aber E. Wohlgeb. haben schon so viel über die Bewohner  Kösens vermocht, die Gemeinde sieht es,  wie Ihre Fürsorge zu ihren aufblühenden Wohlstande  beiträgt. E. Wohlgeb. Werke und Unternehmen wird Gott segnen, wenn Sie geneigt sind, es von neuem anzugehen (.) dass die Gemeinde Kösen sich entschließe  und Hand anlegt an dem  Ausbau und Erweiterung des Armenhauses so gleich zu beginnen und vor Michaelis zu vollenden, so daß die unglücklichen Bewohner  zu Einbruch des Winters  die neu gebauten Zimmer  einnehmen können“ schrieb der geistliche Inspektor der Landesschule Schmieder dem Landrat Lepsius.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der letzten Badeliste des Jahres (NKB Nr. 35).

Insgesamt wurden 103 Nummern vergeben, d. h. rund 300 Badegäste, darunter Graf von der Schulenburg. Dies war nur einer aus den preußischen Adelsfamilien, die den Ort mit ihrer Anwesenheit beehrten neben den v. Bülow, v. Witzleben, v. Brauchitsch, v. Seckendorf, v. Helldorf, v. Knobelsdorff, v. Börries u.a.m.

 

  1. Dez. Stellungnahme des Minister für Unterricht und geistliche Angelegenheiten (St.-A. Nr. 347)

Ein Antrag der Gemeinde auf  Errichtung einer eigenständigen Parochie zusammen mit Kukulau, Fränkenau und den Saalhäuser und die Einstellung eines Pfarrers wurde erneut abgelehnt.

 

1829

 

  1. Jan. Bericht des Floßamtes über den Stapel (MER C 48 IIIb Nr. 5519).

Demnach reichte für das hier ausgezogenen Küchenholz ein Teil des oberen Stapels neben der Mühle, die restlichen Plätze könnten der Landesschule zurück gegeben werden und so die Jahrespacht (24  Taler lt. Vertrag v. 1. Dez. 1733 /14. Jan. 1780) deutlich reduziert werden. Vorzugsweise sollte der Holzplatz am ehemaligen Rechen eingerichtet werden, weil hier das Ufer befestigt war. Somit könnte auch die Entschädigung die die Landesschule für Schäden an den Ufern bekam (80 Klafter weiches Holz in den Jahren, wenn die „Commun-Flöße“ und 40 Klafter wenn die altenburgische Privatflöße abgehalten wurde lt. Vertrag v. 2. Sep. 1776) entfallen.

 

  1. Feb. Antrag des Gasthofpächters beim Oberbergamt (WER, Rep.A23,Nr1,Bd 3)

Weber hatte das Börschelsche Haus, das ehemals Floßschreibers Martini gehörte, direkt vor dem Gasthof an der kleinen Saale direkt an der Chaussee erworben, um dort einen Ausschank einzurichten, wo Fuhrwerke direkt halten konnten. Damit würden die Badegäste die im Gasthof einkehrten nicht mehr belästigt. Der Landrat lehnte eine mit dem Salinengasthof verbundene Konzession ab, stellte aber eine private Konzessionierung in Aussicht. Daraufhin wandte sich  Weber an das Oberbergamt, mit der Bitte in dieser Angelegenheit beim Landrat zu intervenieren.

 

  1. Mai Bericht des Floßmeisters v. Zedtwitz zur Scheitholzflöße (MER C 63 Anh. I Nr. 66/68)

Im Zusammenhang mit der Aufgabe der Commun-Flöße seitens des preußischen Fiskus, wurde der  Floßkommisar angewiesen, einen ausführlicher Bericht zur Geschichte und den Rechtsverhältnissen  dieses seit Ende des 16. Jahrhunderts betriebenen Unternehmens abzugeben. Unter Verwendung sämtlicher Unterlagen des Floßarchivs ergab dies eine lückenlose Chronologie  von den Anfängen der Commun-Flöße im ausgehenden 15. Jahrhundert und den 23 Commun-Floßverträgen an denen Kursachsen seit 1646 beteiligt war. Den wohl umfassendsten Bericht über das Floßwesen auf der Saale ging am 07. August der Finanzverwaltung zu und auch der Rektor der Landesschule erhelt eine Kopie. Der schrieb dann: „Mit dem herzlichsten und innigsten Danke sende ich E. Hochwohlgeb. Ihre mit der größten Umsicht und Gründlichkeit abgefaßten Darstellung der kursächs. Saalen-Flöße zurück. Es läßt sich hoffen, daß sie nicht ohne  Wirkung bleibt und daß ein Institut, welches so viele Jahre  hindurch bestand und dem Vaterlande so viel Nutzen gebracht hat, nicht aufgelöst werden wird. Sollte aber es dennoch im Jahr sein, daß der Einhalt zur Ausführung kommt, so wird diese mühsame  Arbeit, der Sie sich unterzogen haben, ein ewiges und  unvergängliches Denkmal Ihrer Fürsorge für  das beste des Vaterlandes bleiben und die spätere Nachwelt würde Ihnen das Zeugnis geben müssen, zur Rettung des Bestehenden nichts versäumt haben.

Mit der größten Hochachtung und Anhänglichkeit

  1. Hochwohlgeb. gehorsamster Diener und Freund D. Ilgen“ Pforta, 28. Juli 1830

 

  1. Juni Festempfang für den Kronprinzen Wilhelm von Preußen (KAZ 1929).

Nach der Hochzeit mit Augusta der Tochter des Großherzogs von Weimar wurde das Paar auf der Fahrt nach Berlin an der Windlücke von den Beamten der Landesschule, den Lehrern und Alumnen feierlich empfangen. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Kösener Salinenmusikanten.

 

  1. Juli Eröffnung der Heunschen Warmbadeanstalt (NTB, Hoppe, Heimatbuch 1930).

„Da der Mangel an einer Anstalt, wo zu jeder Zeit Bäder zu bekommen, besonders für nicht hier wohnende fühlbar war, habe ich nun dieses Übel abzuhelfen die Einrichtung getroffen, daß vom 1. Juli an von früh 5 Uhr bis nachmittags 3 Uhr nachverzeichnete Bäder zu haben sind. Auswärtige, die keine Wohnung hier haben und doch eine Anzahl Bäder zu nehmen wünschen, habe ich über die Zeit vorher zu besprechen. Die Bäder werden in Gegenwart der Badenden gefertigt, für Reinlichkeit, Bequemlichkeit, warmen Wasser wird stets Sorge getragen und jede Vernachlässigung nach geschehener Anzeige streng gerügt werden. Auch sind noch für die Monate Juli und August  mehrere Stuben nebst Kammern, worunter ein geschlossenes Logis bestehend aus 2 Stuben, 3 Kammern und Küche an Badende unter billigen Bedingungen abzulassen“ warb dann der Chemiker in der Zeitung..  

Der Chemiker Friedrich Wilhelm Heun hatte an der Chaussee neben  dem Fränkenauer Hohlenweg einen Bauplatz vom Pachtfeld des Gasthofs mit Einverständnis der Salinenverwaltung erworben und hier sein Wohnhaus gebaut und mit Badekabinetten und Logierzimmern versehen. Da die Anstalt auch Gästen offen stand, die nicht bei Heun logierten, war es eine öffentliche Badeanstalt mit 6 Wannen,  Gesellschaftsräumen, einen Garten und einer Aufwartung. Für warmes Wasser sorgte ein Dampfkessel, allerdings sorgte der dazugehörige Schornstein für erhebliche Verschmutzungen, die man aber in dieser Zeit einfach hinnahm. Die Sole musste in Fässern vom unteren Schacht geholt werden. Nachteil war, dass sich Heun beim Kauf des Feldes gegenüber dem Salinenfiskus verpflichten musste, seine Haus- und Badegäste nicht zu beköstigen. Zum Angebot der Anstalt gehörten „Soolbad inkl. Soole, Seebad, Alkalische Salzbäder, Eisenbäder mit kohlensauren Salzen, Eisenbäder mit anderen Salzen, Eisenbäder mit Kräutern, Aromatische Kräuterbäder, Malzbäder, Seifenbäder“ Die Preise lagen zwischen 7 und 12 Silbergroschen.

 

  1. Aug. Anweisung der Kgl. Regierung Merseburg (MER C48IIIb Nr. 5513).

Das Floßamt sollte die Rückgabe der  Scheitholzplätze an die Landesschule vorbereiten.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB Nr.34).

Insgesamt waren es 76 Nummern,  d. h. rund 200 Badegäste, darunter der Geh. Finanzrat und Vizeberghauptmann von Witzleben, sowie Gäste aus Braunschweig, Nürnberg und Berlin.

 

  1. Aug. Bekanntmachung des Landrates (St.-A. Nr. 347)

Der Minister für geistliche und Unterrichtsangelegenheiten hatte entschieden, dass der Kirchenbau zugunsten eines Schulbaues zurückzustellen sei.

 

  1. Sep. Bericht der Salinendirektion an das OBA Halle (WER Rep.A 23I, Nr.1,Bd.3).

Der Landrat hatte beim OBA angefragt, ob man bereit wäre, das zum Salinengasthof gehörende Feld zwischen dem Chausseedamm und der Dorfstraße für die „Beförderung des Anbaus“ von Wohnungen und einer neuen, der vielen Kinder angemessenen Schule zu verkaufen oder zu tauschen.

Die Lokaldirektion verwies auf Anfrage das OBA an die Landesschule mit der Bemerkung, dass diese bereits einige Bauplätze verpachtet habe, darunter eine „Bäckerbude“ an der Fränkenauer Hohle, den späteren „Kuchengarten“. Wegen einer Schule wurde der Gemeinde empfohlen, das zum Verkauf stehende Haus des Salzläders Reinhard (Lindenstr. 24) zu erwerben, das dies wesentlich billiger sei als ein Neubau, zumal dieses früher dem Kindderlehrer Hucke gehörte und als Schule benutzt wurde.

 

  1. Sep. Schreiben des Oberfloßkommissars (MER C48IIIb Nr. 5513).

v Zedtwitz noch in der Annahme, dass das Zollamt in Kösen bleibt, beantragte Mittel für einige Reparaturen die beim Chausseebau entstanden waren und fügte dem Antrag eine detailierte  Beschreibung des Anwesens bei.

Das Haus war zweigeschossig und teilunterkellert. Das Erdgeschoss bestand aus behauenen Kalksteinen, das Obergeschoss aus „Bleichwerk“ mit Ziegelverblendung. Das Walmdach hatte einen liegendem Stuhl und war mit 11.430 Biberschwänzen gedeckt. Im Erdgeschoss befanden sich die Amtsräume, die Expedition, die Kasse und ein Büro sowie Küche, Speisekammer und Gesindestube. Im Obergeschoss gab es einen Saal und die Amtswohnung sowie drei Schlafstuben, wo reisende Floßbeamte nächtigen konnten. Im Dachboden hatten der Hauslehrer und die Mägde ihre Kammern und im Spitzboden befand sich die  Räucherkammer. Ställe für Pferde, Kühe, Schafe, Schuppen für Brennstoffe, Kutschwagen etc. bildeten den Wirtschaftsteil. An den Hof grenzte der Obst- und Gemüsegarten mit dem  Hauswasserbrunnen. Es gab zwei Abtritte in einem Anbau.

Von der Bauweise und der Raumaufteilung her war das Floßamt Vorbild für die meisten der im 19. Jahrhundert neu gebauten Häsuer.

 

  1. Sep. Verzeichnis der von der Saline verpachteten Gemüsegärten (MER F 44 V Nr. 1)

Nach der von Judersleben angestellten Neuvermessung und Abmarkung waren insgesamt 89.800 Quadr.-Ellen am Solereservoir, der ehemalige Sonnensalzanlage, um das obere Gradierhaus und dem ehem. Holzhof der Saline in 126 Parzellen unterschiedlicher Größe an Beamte, Unterbeamten und Arbeitern verpachtet. Die jährliche Pacht  einnahme der Salinenkasse betrug 96 Taler. 

 

  1. Okt. Antrag des Landrates bei der Königl. Regierung (MER C48IIIb 5522a).

Nach Rücksprache mit der örtlichen Salinenverwaltung und der Landesschule drängte Lepsius erneut darauf „wegen der wachsenden Bevölkerung und den einladenden Verhältnissen des Ortes...“ möglichst zwischen dem Chausseedamm und der Lindenstraße Bauplätze zu verpachten , um so den  räumliche Zusammenschluss von Alt- und Neu-Kösen  zu befördern.

 

  1. Okt. Salinenrecherche (WER Rep.F23 II Nr.5/1).

Anwesend waren v. Veltheim und die Bergräte Dieterich und v. Bühlow. Der Antrag des Gasthofpächters, die Befeuerung des Braukessels nach außen zu verlegen und dafür auch Braunkohlenpresslinge zu verwenden, wurde befürwortet, wenn Weber die  Kosten für den Umbau des Herdes übernimmt.

Außerdem wurde die Salinenverwaltung angewiesen eine Aufstellung des Personals und deren Beschäftigungsdauer anzufertigen. Insgesamt waren es 52 auf Dauer eingestellte Unterbeamte und Arbeiter, von denen 25 schon vor 1816 vom sächsischen Fiskus vereidigt worden waren. Die übrigen dann vom preußischen Fiskus, die 24 Arbeiter der Grube in Mertendorf, außer dem Steiger Franke waren ebefalls erst vom preußischen Salzamt vereidigt worden.

 

  1. Nov. Protokoll über die Rückgabemodalitäten der Stapel (MER C48IIIb 5522a).

Inspektor Stubenrauch, der Vertreter der Landesschule erklärte sein Einverständnis, den Teil des  oberen Stapels zwischen der Mühle und der Quelle als Holzplatz  zu belassen. Allerdings müsse er zunächst noch prüfen, ob man überhaupt zur Rücknahme der Stapelplätze verpflichtet sei. Falls ja, dann müsste das Floßamt den Scheitbach verfüllen, der nach seiner Auffassung bei der Einrichtung des Stapels angelegt wurde. Darüber hinaus bestand er auf das bisher gewährt Brennholz als Abgeltung der Uferschäden. Auch wenn sich Preußen aus der Commun-Flöße zurückzog, würde doch weiterhin Scheitholz über den Wehrdamm und weiter saaleabwärts gebracht. Der Vertreter der Kgl. Regierung Reg.-Rat Grotrian erklärte abschließend, dass das Zollamt aufgelöst und das Amtshaus von der „Chaussee-Partie“ übernommen wird.

 

              Ernst Ferdinand Leiber (WER F 39 Nr. 469)

„Halurgisch-geognostische Beschreibung der Kgl. Salinen Artern und Kösen, der gewerk-schaftlichen Salinen Teuditz und Kötzschau, der ausländischen Salinen Ober- und Unterneusulza sowie Frankenhausen“.

 

1830      

 

  1. Jan. Spende für den Bau einer Kirche (St.-A. Nr. 347)

Der Kanzlist Thränhardt teilte dem Landrat mit, dass ein Unbekannter 5.000 Mark für den Bau einer Kirche in Kösen zur Verfügung stellen würde, unter den Maßgaben, dass noch im laufenden Jahr mit dem Bau begonnen und dieser in drei bis vier Jahren fertig gestellt wird. Zur Sicherheit hatte der Spender 4.000 Mark in  preußischen Staatsschuldscheinen und 1.000 Mark in bar bei der Kreiskasse hinterlegt. Die Quittungen würden der Kanzlei des Landrates in treuhänderische Verwahrung gegeben.  Der Landrat bemerkt, dass der Spender, da er recht wohlhabend war, weder unter den Beamten noch den Gastwirten und Handwerkern zu suchen sei.

 

  1. Jan. Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat wegen des Kirchenbaus (St.-A. Nr. 347)

Die Behörde, der Lepsius pflichtgemäß berichtete hatte, war der Ansicht, dass die Angelegenheit zu vage sei, um sie dem Ministerium für Unterrichts- und geistliche Angelegenheiten vorzutragen. Dazu kam, dass die bisherigen Versuche, eine eigenständige Kirchengemeinde zu bilden, abgelehnt  wurden. Zwar wäre die in Aussicht gestellte Summe  hilfreich, doch für eine Kirche brauchte man wesenlich mehr. Außerdem müsste zunächst die Neuordnung der Parochialverbände erfolgen. Denkbar wäre eine Vereinigung mit der Parochie von Punschrau oder Hassenhausen, wobei Kösen als Filialkirche geführt werden könnte. Dazu wären rechtsverbindliche Erklärungen erforderlich und die Gemeindemitglieder von Kösen,  Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern müssten sich zur Unterhaltung der Filialkirche mit ihrer Unterschrift verpflichten. Zu den üblichen Kosten kämen außerdem die Entschädigungen für die Kirchendiener der Landesschule, die Besoldung des neuen Kirchendieners einschließlich der Kosten der Schul- und Kirchenvisitation, die Unterhaltung der Kirche, Rückstellungen für Reparaturen, die Amortisation und alle sonstigen Parochialkosten. Falls die erforderlichen Erklärungen und Nachweise vorliegen, würde man die Angelegenheit an die Ministerien weiterleiten. Zunächst  sollte der Kgl. Bau-Inspektor Schmidt einen Bauplatz für die Kirche ausmachen und die Baukosten berechnen.  

 

  1. Jan. Erklärung des Treuhänders Thränhardt (St.-A. Nr. 347)

Im Auftrag des Spenders erklärte er nochmals, dass das durch Staatsschuldscheinen abgesicherte Geld nach Baufortschritt der Gemeinde  ausgezahlt werden.

 

  1. Jan. Aufstellung der Personalkosten der Kirchendiener von Pforte (St.-A. Nr. 347)

Die Einbußen für den geistlichen Inspektor, den Diakon, den Musikdirektor der bei Begräbnissen und Trauungen gebraucht wurde, den Kirchendiener, den Präkantor, den Organisten und den Kalkulator wurden auf jährlich 314 Taler beziffert, die die Kösener Gemeinde bei einer Abspaltung zu tragen habe. Diese Aufstellung veranlasste das zuständige Ministerium die Stelle des Diakons zu kassieren.

 

  1. Feb. Gemeindeversammlung bei Hämmerling (St.-A. Nr. 347).

Landrat Lepsius hatte alle Hauswirte zur Ableistung ihrer Einverständniserklärung zur Übernahme aller bei der Einrichtung einer Filialkirche anfallenden Kosten einbestellt. Anwesend waren der Ökonom und Weinbauer Christoph Hildenhagen, Kammmacher J. G. Oertel, Kunstwärter Christoph Eisenschmidt, Mehlhändler Carl August Fuchs, Alumnenaufwärter Gottlieb Vogel, Schuhmachermeister Christian Luckenbacher, Sattlermeister Traugott Judersleben, Quartiermeister Carl Türpisch, Salzsieder Christian Schröder, Kunstwärter August Scheufler, Salzsieder Gottlob Biertümpel, Zimmermann Gottfried Herrmann, Salzsieder Christoph Schulze, Salzsieder Gottlob Rühlmann, Böttchermeister Christian Gundermann, Salzsieder Friedrich Törpsch, Maurergeselle Gottfried Schleicher, Maurermeister August Werner, Musikus Carl Saalborn, Büchsenmacher Christoph Nette, Salzsieder Christian Heckenberg, Sattlermeister Andreas Haun, Bäckermeister und Ortsrichter Salomon Hämmerling, Wagnermeister Gottfried Hädicke, Bäckermeister Gottfried Kleinschmidt, Bäckermeister August Hämmerling, Chausseeeinnehmer Carl Friedrich Döring, Gastwirt Samuel Weber, Quartiermeister Christian Törpsch, Holzhändler Gottlieb Pechmann, Schmiedemeister Häring, Zimmerergeselle August Klitzsch, Gradierer Carl Reinhardt, Salzläder Christian Schlunk, Fleischermeister Heinrich Matthes,  Salzsieder  Gottfried Streuber, Salzsieder Gottlob Wagner, Floßbote Gerlach Scheufler, Förster Friedrich August Kirmes, Kassenwärter Friedrich Zwingenberg, Salzläder Gottlob Thieme, Salzsieder Gottlob Streuber, Maurergeselle Lorenz Ziegler, Maurergeselle Johann Hoyer, Zimmerergeselle Christian  Schulze, Leinewebermeister Gottfried Müller, Salzsieder Carl Raufuß, Lohnfuhrmann Christian Hörold, Salzsieder Christian Kreutzmann, Salzläder Adolph Reinhardt. Diese erklärten, dass sie sich der Parochie Hassenhausen anschließen wollen, da die Verbindung durch die Chaussee bequemer als nach Punschrau sei. 200 Taler wurden der  Hassenhausener Kirche für die Betreuung der Kösener Filialkirche zugesagt, deutlich weniger als die Kirch zu Pforte verlangte. Außerdem sollte ein Kirchenbaufond zur Spendensammlung für den Bau eines Gotteshauses eingerichtet werden. Alle  Anwesenden unterschrieben das Protokoll, das Lepsius beglaubigte.  

Das war eine der letzten Amtshandlungen des Ortsrichters Hämmerling. Kurz danach übernahm  Christoph Nette das Amt. Der gelernten Büchsenmacher, geboren 1802 in Schafstädt, war bis 1844 Ortsrichter. Er besaß die Lindenstraße 56, heute die Nr. 21 und starb 1868. 

 

  1. Feb. Erklärung der Hassenhausener Gemeinde (St.-A. Nr. 347).

Die im Gasthof versammelte Gemeinde erklärte ihr Einverständnis mit Kösen eine gemeinsame Parochie zu bilden, wenn ihr dadurch keine Nachteile entstehen „Es wird keiner in der Gemeinde seyn, der nicht unserm Herrn Pfarrer eine ihm zugedachte Verbeßerung seiner Stelle gönnen sollte“, erklärten Johann Christian Meißner (Richter), Gottfried Hering, Friedrich Schmidt, Paulus Frenkel, Gottlob Heßelbarth, Friedrich Meißner, Gottfried Gentzsch, August Schumann jr, Christian Schöneburg, Christoph Soff, Christian Becker, Gottlob Kayser, Friedrich Krippendorf, August Schumann sen,  Michael Ehrhardt, August Schmidt, Johann Gottfried Müller, August Radestock, Gottlob Häßiger, Friedrich Hartwig, Johann Christian Maul, Gottfried Kohlschmidt, Gottlob Soff, Christoph Theile, Carl Soff, Döhler, Gottfried Härtel, Johann Michael Walter, Andreas Hänsgen, Friedrich Riedt, Benjamin Ritter, Johann Gottlieb Barthel, Gottlob Ritter, Christoph Meißner, allesamt ansässige Bauern des Dorfes.

 

  1. Feb. Erklärung des Hassenhausener Pfarrers Gottlieb Römpler (St.-A. Nr. 347)

Auch der fand sich bereit, die Kösener Filialkirche zu betreuen. Neben den in Aussicht gestellten  200 Talern erbat er sich weitere 30 Taler für die Kosten eines Fuhrwerks, da er den Weg nicht ständig zu Fuß zurücklegen könne.

 

  1. Feb. Erklärung des Patrons der Hassenhausener Kirche (St.-A. Nr. 347)

Der Rittergutsbesitzer Georg v. Burkersroda zu Burgheßler, erklärte sein prinzipielles Einverständnis, soweit seine Vorstellungen und Wünsche berücksichtigt würden. Dabei sollten die    Patronatsangelegenheiten ähnlich wie in Obermöllern geregelt werden, wo das Patronat den Rittergütern Klosterhäseler und Burgheßler bei der Vereinigung mit  Niedermöllern und Pomnitz belassen wurde. Er wäre bereit, das Patronat über Kösen bei Pforte zu belassen, wenn ihm die Einsetzung des Pfarrers vorbehalten bleibt. Das angebotene Honorar erachtete er als zu gering  in Anbetracht der steigenden Zahl der Einwohner. 300 Taler und ein unentgeltlicher Mittagstisch, wenn der Pfarrer in Kösen weilt, wären angemessen.  

 

  1. Feb. Liste der Bewohner des Armenhauses (MER C50 Nbg. A Nr 484)

Baden, 54 Jahre, Stand: der Vater war Gastwirth in Kösen

Lebensverhältnisse: War ehedem verheiratet, ist nachdem sie in ärmlichen Zustand gerathen vom Manne geschieden worden, mithin wegen großer Mittellosigkeit  in hiesigen Armenhause, übrigens gesund. Beschäftigung: keine   , Nahrung: bezieht wöchentl. 8 Groschen Almosen, bekommt auch übrigens  Gaben durch Mildthätige.

Köttnitzen: 28 Jahre, Stand: von Haus aus arm

Lebensverhältnisse: Dieselbe hat, weil sie verheiratet war ehelich drei Töchter, wovon 2 versorgt und gegenwärtig nur noch eine von 15 Jahren bei ihr ist, sie selbst leidet wegen schlechten Lebenswandels an gefährlichen Krankheiten

Beschäftigung: Spinnen Nahrung: durch Spinnen und kleine Gaben anderer.

Hänscheln, 74. Jahre, Stand: ihr Mann war Huthmann  zu Hassenhausen, ganz arm

Lebensverhältnisse: Derselbe ist mit Tode abgegangen und weil diese Frau von hier gebürtig im Armenhaus befindlich , sonst bei ihren Alter gesund

Beschäftigung: Erzieht ein kleines Kind, Nahrung: erhält angeblich 12 Groschen Ziehgeld, wovon sie angeblich sich nährt.

Dammen: 55 Jahre, Stand: ihr Mann war Maurergeselle

Lebensverhälniß: ist nicht von Kösen gebürtig, sondern von Punschrau, nachdem sie aber Wittwe geworden, hier ihr Unterkommen im Armenhause gefunden, hat ihre Leibes-Constitution von der Art, dass dieselbe sehr  gut Arbeiten verstehen kann.

Beschäftigung: Spinnen, Nahrung: Ernährt sich durch Spinnen

Stangen 40 Jahre, Stand: Vater war Floßbote jedoch ganz arm

Lebensverhältnisse: hat unehelich zwei Kinder und zwar Söhne, wovon der eine  15 und der zweite 3 Jahr alt sind , übrigens gesunder Körper

Beschäftigung: Taglohn, Nahrung: Nährt sich und die Familie davon

Lasen, 34 Jahre, Stand: ihr Mann war Tagelöhner

Lebensverhältnisse: Ist Wittwe, hat zwei Töchter  wovon die eine 10 Jahre die zweite 6 Jahr  alt ist, ebenfalls gesunden Körpers

Beschäftigung: Tagelohn, Nahrung. Nährt sich davon und ihre Familie.

Fritschen: 74 Jahre, Stand:  Ihr Mann war Tagelöhner,

Lebensverhältnisse: Ist Wittwe und der oben genannten Lasen ihre Mutter, wegen Alter etwas schwächlich

Beschäftigung. Spinnen, Nahrung: Theils durch Spinnen sowie auch wöchentl. durch 4 Gr. Almosen

Zwingenbergern. 43 Jahre, Stand des Vaters: Tischlermeister 9. 2.1830

Lebensverhältniß: geisteskrank, sonst zu gewöhnlichen Arbeiten fähig.

Beschäftigung: Im Winter keine, im Sommer Tagelohn

Nahrung: Im Winter wird dieselbe durch mildthätige Menschen erhalten, im Sommer aber verdient solche Tagelohn.

 

  1. Feb. Nachweis des Floßzolls (MER C48Ic, 1686).

Die Zollverwaltung hatte für 1828 und 1829 eine tabellarische Übersicht über den Floßbetrieb aufgestellt. Demnach passierten 1828 1.857 Flöße mit insgesamt 63.383 Bau- und Schneidstämmen den Wehrdamm. 1829 waren es 1.882 Flöße mit 65.908 Stämmen. Als Auflast wurden jede Menge Bretter, Bohlen, Schwarten, Latten, Hängebäumen, Wagenachsen, Leiterbäumen, Radfelgen, Speichen, Weinpfählen und Hopfenstangen mitgebracht. Der Kösener (Einfuhr)-Zoll erbrachte 1828  7.617 Taler und 1829 7.306 Taler. Dazu kamen das Rechengeld und das Saalecker Geleit das von jedem über den Wehrdamm gehenden Floß erhoben wurde.

 

  1. Feb. Genehmigung des OBA (ER F 44 XV 3)

„Bevor wegen der Erhöhung der Witwen und Waisenpension und der  Anschaffung  eines Leichengerätes aus dortiger  Witwen- und Waisenkasse dieselbe mit definitiver Resolution  versehen werden kann, hat dieselbe eine Spezifikation  des anzuschaffenden Leichengeräts nebst einem Überschlage des Kostenbetrages  an uns einzureichen“.

Am 19. März erklärt das OBA „die Anschaffung  eines Leichengerätes anlangend, so scheint solches bei dem guten Zustand  in dem sich die Witwen- und Waisenkasse befindet  unbedenklich und kann umsomehr nach Maßgabe der unterm 10. eingereichten Spezifikation erfolgen, wobei jedoch darauf zu sehen ist, daß die gesamte Summe  von 100 bis 110 Talern  nicht übersteigt.“

Das Leichengerät war ein Kruzifix mit Postament 2 Fuß, 7 Zoll hoch, die Christusfigur war bronziert,  wog 44 Pfund  und wurde von der Kgl. Eisengießerei Berlin geliefert. 

 

  1. Feb. Schreiben der Lokaldirektion an das Oberbergamt (Mager, Judersleben).

Die teilte mit, dass der Salinenbaumeister Judersleben am 24. d. M. verstorben war und dessen Dienstunterlagen in der Salinen-Repositur verwahrt werden. Darunter waren  Reiseberichte und zahlreiche Pläne und Risse der Kösener und Dürrenberger Saline. Zum Nachfolger von Judersleben ernannte das OBA den Bauinspektor Haun.

 

  1. Mär. Kostenvoranschlag für den Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der erste Überschlag des Kgl. Kreisbauinspektor Schmidt ergab eine Summe von 12 bis 14.000 Talern. Daraufhin wurde er vom Landrat angewiesen, mit dem disponiblen Kapital von derzeit 5.000 Talern eine „anständige Kirche“ für 900 bis 1000 Personen zu kalkulieren und wegen der eingeschränkten Summe zunächst auf Turm und Orgel zu verzichten.  

 

  1. Mär. Verhandlung zur Witwen- und Waisenpensionen (WER Rep. F 23 VII Nr. 1).

Die Knappschaftsinstitut hatte die Erhöhung der Pensionszahlungen von derzeit 4 Taler für Witwen und  für Waisen bis zum 14. Lebensjahr beantragt. Dafür wollten sie ihren bisherigen Beitrag, 5 Silbergroschen von jedem verdienten Taler,  angemessen erhöhen. Das OBA genehmigte die Erhöhung sowie die Anschaffung eines „vollständigen Leichengeräthes“ aus der  Knappschafts-Kasse. Die Vereinbarung unterschrieben für das OBA die Beamten Schweingel, Haun und Pauli und für die 70 Knappschaftsgenossen die Gradiermeister Zedel und Törpsch, die Siedemeister Weise und Wolff, der Maurermeister Werner, der Kunststeiger Dönicke, der Kohlenaufseher Einbeck, die Kunstwärter  Schäfer, Wolf, Eisenschmidt und Schleicher, sowie der Grubensteiger Franke und der Bergmann Hesse. 

 

  1. Mär. Gutachten des Bau-Inspektors Schmidt zum Kirchenbauplatz (St.-A. Nr.

Nach Rücksprache mit dem Ortsrichter sollte die Kirche hinter dem Chausseedamm unterhalb der Ilske am Weg zu den Saalhäusern gebaut werden. Zwar würde der  Chausseedamm die  Kirche verdecken, aber da „der Ort im Aufblühen begriffen, Mangel an Bauplätzen eingetreten ist, und um diesen zu begegnen, es am Ende möglich werden wird, das sogenannte Salinenfeld zu bebauen.“, wäre der Platz dennoch geeignet, meinte Schmidt abschließend.

 

  1. Apr. Anweisung des Finanzministeriums (MER C48IIIb 5522a).

Die Rückgabe der Stapel sollte bis zum 22. Juni erfolgen, um die Pacht bereits für das laufende Jahr einzusparen. Außerdem sollte der Landesschule das Floßamtshaus überlassen werden. Der Platz für das Küchenholz am ehemaligen Rechen sollte auf sechs Jahre gepachtet und die Belegung mit der altenburgischen Flöße vereinbart werden. Der Landesschule wurden zukünftig 40 Klafter Holz in Aussicht gestellt. Zum Scheitbach sollte ein Gutachter feststellen, ob das Gerinne für die Scheitholzflöße errichtet wurde oder bereits früher bestanden habe.

 

  1. Apr. Gutachten des Salinenbaumeisters Haun zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der hatte im Auftrag des Ortsrichters Nette den vom Bau-Inspektor Schmidt vorgeschlagenen Kirchenbauplatz untersucht und in 4 Fuß Tiefe einen sandig-lehmigen Boden angetroffen, der hinreichende Standsicherheit bot.

 

  1. Apr. Stellungnahme des Provinzial-Schulkollegiums (MER C48IIIb 5522a) .

Dort bestand man auf die vereinbarten 80 bzw. 40 Klafter Scheitholz, erklärte sich aber mit der Verpachtung des Holzplatzes, der Übernahme des Floßamtes und der Erstellung des Gutachtens über den Scheitbach einverstanden.

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der Landrat hatte die Lokalverwaltung erst Anfang April darüber informiert, dass für den geplanten Kirchenbau das zur Gasthofpacht gehörenden Feld auf Eignung untersucht würde. Doch dazu wäre die Zustimmung des Oberbergamtes erforderlich, weshalb diese alle weiteren Aktivitäten in dieser Hinsicht untersagte. 

 

      Mai Übergabe der  „schola collecta“ (A. C. Ende 1844).

Der Lehrer der Familienschule (für die Kinder der besser gestellten Einwohner) wurde ein Predigtamtskandidat. Unterrichtet wurde im sog. „Freihäuslein“ im Salinengelände, in dem auch der Lehrer seine Schlafstube hatte.

 

  1. Juni Verhandlung zur Witwenversorgung (WER Rep F23 VII Nr. 1).

Den Witwen Christiane Louise Heinze, Friederike Sophie Streuber und Johanna Albertine Krüger, die sich im hohen Alter und in  „bedrängter und hülflosen Lage“ befanden, wurde die Witwenpension auf 27 bzw. 28 Taler erhöht.

 

  1. Juni Mitteilung der Kgl. Regierung zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Der Antrag der Gemeinde auf Überlassung eines Bauplatzes für die Kirche auf dem Gasthoffeld sei dem Oberbergamt in Halle zugeleitet worden.

 

  1. Juli 100 Jahrfeier der Erschließung der Solequelle (NKB Nr. 30).

Nach einem feierlichen Gottesdienst begaben sich die 60 Bediensteten der Saline und die 20 Mertendorfer Bergknappen mit den Ehrengästen aus Dürrenberg, Artern und Schönebeck in den Salinengasthof. Die Festansprachen hielten Salineninspektor Senff, Landrat Lepsius und der Salinendirigent von Artern, Bergrat  Backs. Die Lokalverwaltung hatte ein Ölgemälde Borlachs anfertigen lassen, das nun enthüllt wurde- eine reichlich idealisierte Darstellung des jugendlichen Borlachs, denn es gab niemanden mehr, der Borlachs noch zu Lebzeiten kannte. Außerdem waren Bilder der kursächsischen Bergbeamten v. Heinitz und v. Hardenberg, sowie eine Silhouette des Baumeisters Schröter  zu sehen.

Am Nachmittag gab es den obligatorischen Umzug, den auch diesmal die Schulkinder anführten, dann feierten die Arbeiter im Zimmereischuppen, allerdings ohne die Lokalbeamten.

 

  1. Juli Schreiben der Ortsrichters wegen der Kostenumlage für den Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Richter Nette lehnte die vom Bauinspektor Schmidt in Rechnung gestellten Kosten für die Vermessung, die Kartierung und  den Kostenvoranschlag ab, weil der Landrat den Auftrag erteilt habe. Außerdem gäbe es jetzt schon bei der Erhebung der Gelder für die neue Schule „einige, die bösen Willen zeigen und auf Stundung und Ratenzahlung gebeten haben.“

 

  1. Juli Badeliste (NKB Nr. 28).

Bislang waren es 34 Einräge. Weitere Listen wurden nicht veröffentlicht. Allerdings dürfte die Frequenz der des Vorjahres entsprochen haben. 

 

  1. Juli Mitteilung zum Kirchenbauplatz (St.-A. Nr. 347)

Nachdem das OBA den Bauplatz auf dem Gasthoffeld hinter dem Chausseedamm abgelehnt hatte, wurde der Landrat angewiesen, dem Spender mitzuteilen, dass wenn er auf diesen Platz und den sofortigen Baubeginn beharrt, der Kirchenbau nicht verwirklicht werden kann.

 

  1. Juli Gelage von 43 Studenten aus Halle auf der Rudelsburg (Stangenberger)

Eine Eintragung im Fremdenbuch kam vom „stud. theol. C. L. E. aus Wertheim“.

 

  1. Juli Schreiben des Treuhänders Thränhardt an den Landrat (St.-A. Nr. 347)

Lepsius hatte den Treuhänder über die Entscheidung des OBA und der Kgl. Regierung unterrichtet. Doch der unbekannte Spender gab sich damit nicht zufrieden. In seinem Auftrag verlangte Thränhardt den gesamten Schriftverkehr der Behörden sowie alle Protokolle, Zeichnungen etc. Die wollte der Spender dem Staatsminister  von Altenstein in Berlin vorlegen, damit dieser Vortrag beim König halten könne. Falls Lepsius die Unterlagen nicht aushändigen könne oder wolle, sollte er persönlich beim Staatsminister Vortrag halten, andernfalls wäre die  Finanzierungszusage hinfällig.

 

  1. Aug. Bericht des Bauinspektors Schmidt (St.-A. Nr. 347).

Lepsius, der sich sehr engagierte und nicht so einfach aufgab, hatte den Bauinspektor angewiesen, doch noch einmal mit der Lokaldirektion über einen geeigneten Bauplatz zu verhandeln. Ein angebotener Platz am Gradierwerk auf dem Rechenberg war zu weit vom Dorf entfernt, so dass   nur noch ein Platz hinter der Heunschen Badeanstalt blieb. Der gehörte allerdings auch zur Gasthofpacht, war aber landwirtschaftlich nicht nutzbar. 

 

  1. Aug. Schreiben Thränhardts an den Landrat wegen des Kirchenbaus (St.-A. Nr. 347)

„Da die Kösener Einwohner gegen den Bau einer Kirche daselbst, sich sowohl schriftlich als mündlich ausgesprochen, ja sogar ein Widerwille dagegen bemerkbar geworden, so fühlt sich der Schenkgeber der 5000 Taler bestimmt, sein Geschenk zurück zunehmen.  Denn wollte er sich auch alle Mühe geben bei den höheren und höchsten Staatsbehörden seine Absicht durchzusetzen und gelänge es (woran ich keinen Augenblick zweifle), daß durch die Gnade Sr. Majestät ein bedeutender Vorschuß erlangt und die Kirche trotz der Ungeneigtheit  des Oberbergamts Halle auf den beabsichtigten, sehr geeigneten Platz erbaut würde, so könnte er sich doch nur unter den verwaltenden Umständen, Unsegen und Undank bereiten. E. Hochwohlgeboren sind gewiß die Gesinnungen der Kösener Einwohner nur zu gut bekannt geworden, als daß eine nähere Darlegung derselben  hier nötig ist, sie sind aber leider von der Art, daß sie den Schenkungsgeber zur unwiderruflichen Zurücknahme des Geschenkes veranlaßt haben. Ich bitte daher gehorsamst, Hoher Behörde hiervon Anzeige zu machen und auf baldige Zurückgabe der von mir bestellten Kaution von 5000 Talern Staatsschuldschein anzutragen. Die für die Aufnahme des Anschlages, der Zeichnungen pp. erwachsenen Kosten, erbiete ich mich übrigens zu bezahlen.“ Thränhardt

 

  1. Aug. Erklärung des Landrates (St.-A. Nr. 347)

Lepsius war völlig desilllusioniert und teilte der Kgl. Regierung mit: „Das Benehmen des Gemeindeausschusses ist so auffallend und überraschend für mich, daß ich keine Worte finde, mein Erstaunen darüber auszusprechen. Jede Gemeinde würde über einen so bedeutenden und unerwarteten Beitrag zur Befriedigung eines so großen und so lange gefühlten Bedürfnisses, so erfreut sein, daß jeder Einzelne darinnen die stärkste Aufforderung erblicke würde, zu Beförderung des Zweckes nach seinen Kräften mitzuwirken. Die Gemeinde zu Kösen aber, oder wenigstens die Kommunvorsteher wissen diese Wohltat so wenig zu schätzen, daß sie selbst auf  die Gefahr hin, dieselbe ganz zu verscherzen, alle und jede Mitwirkung  versagen. Gleichwohl ist nicht ersichtlich aus welchen Fond die jetzt in Frage befangenen Ausgabe auch nur vorschußweise bestritten werden soll, so lange noch nicht feststeht, auf welchen Betrag zu den Baukosten aus Staatsfonds zu rechnen ist. Es bleibt mit daher nichts übrig, als Bericht zu erstatten und darauf Vertrauen, den ganzen Kirchenbau aufzugeben, da nicht einmal die Gemeindevorsteher, denen man vor andern Sinn für diese Angelegenheit zugetraut hätte, den geringsten Wert daran zu legen scheinen...“ Dabei verschwieg er wohl bewusst die Bereitschaft Thränhardts, diese Kosten zu übernehmen.

 

  1. Sep. Gastwirt Weber pachtet einen Bauplatz gegenüber vom Salinengasthof (WER).

Auf dem schmalen Geländestreifen zwischen dem unteren Schachtgebäude und dem Gehöft des Einnehmers Döring baute Weber das sog.  „Lange Haus“ (R.-Breitscheid Str. 1).

 

  1. Okt. Schreiben des Ministeriums an die Kgl. Regierung zum Kirchenbau (St.-A. Nr. 347)

Die Erklärung der Gemeinde reichte nicht aus, da hier nur die Hauswirte unterschrieben hatten. Es fehlten die Hausgenossen zumeist die ärmeren Einwohner und gerade deren Widerstand gegen eine Kostenumlage für den Bau und die Unterhaltung einer eigenen Kirche war bekannt, daher  wollte man  eine  „bessere Gesinnung der Gemeinde“  abzuwarten.

 

  1. Okt. Verkaufsauktion von Flößergerätschaften (NKB)

Im „Rechenschuppen“ auf den oberen Stapel „über der Mühle“ wurde das überflüssige Inventar und Material angeboten.

 

  1. Nov. Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat zum Kirchenbau (St.-A. Nr, 347)

Lepsius wurde angewiesen, der Gemeinde nochmals ausführlichen Vortrag zu halten und eine „legale Erklärung“ der Gemeinde, ob diese bereit sei, einen Kostenbeitrag für den Kirchenbau  und die Einstellung eines eigenen Pfarrers sowie der übrigen Kosten zu übernehmen oder es vorzieht „unter Entsagung auf das von einem Ungenannten gemachte Geschenk das zeitherige Parochialverhältnis unverändert beizubehalten gedenke. Sollte die Gemeinde eine Annäherung zu den beabsichtigten Zweck erklären, so soll der Schenker dahingehend überzeugt werden, über das Geld nicht anderweitig zu verfügen, bis die Verhandlungen abgeschlossen werden. Sollte die Gemeinde übereinstimmend sich Nette anschließen, sollten die Staatsschuldschein zurückgegeben werden“.

 

  1. Dez. Verlegung der Hebestelle (NKB)

Der bisherige Einnehmer Döring wohnte in unmittelbarer Nähe (Naumburger Straße 1). Tagsüber war die vor der Brücke angebrachte Schranke ständig besetzt, nachts mußten sich Reisende und Fuhrleute bei ihm melden. Nach seinem Tod musste die Einnahme neu verpachtet werden und der neue Pächter sollte sein Domizil unmittelbar neben der Schranke haben. Als günstig erwies sich der Platz an der unteren Radkunst, wo die Wohnung des Floßschreibers Martini stand, die von der Salinenverwaltung erworben und der Platz als Ausschleppe und Lager für Bauholz genutzt wurde. Bis aber eine Vereinbarung getroffen werden konnte, wurde die Einnahme nach Altenburg verlegt.

 

  1. Dez. Bekanntmachung des Landrates (St.-A. Nr. 347).

„In Verfolg des Rescripts des Ministeriums vom 1. October und der Kgl. Regierung vom 4. November  haben alle Gemeindemitglieder am 13. December im Büro des Landrates, Mann für Mann, die Frauen mit ihren Ehemännern, Unmündige durch ihre Vormunde, zu erscheinen und eine Erklärung mit Namen zu unterschreiben, daß sie den Bau einer eigenen Kirche noch wünschen und erbötig sind, zur Ausführung des Zwecks, soweit dazu das Geschenk der 5000 Taler nicht ausreicht, auch aus der Staatskasse ein ausreichender Betrag nicht zu erlangen, das Fehlende unter sich aufzubringen oder entgegen gesetztenfalls auf das dargebotene Geschenk zu verzichten. Daran sei die Gemeinde gebunden, spätere Einwendungen zwecklos.“

Dann folgt das vollständige Verzeichnis aller 70 Hauswirte und 150 Hausgenossen.

 

             Eduard Löw: Die Verwaltung des inländischen Salzdebits (WER F 39 Nr. 106)

Beschreibung der Versorgung der Salzniederlagen im In- und Ausland durch die preußischen Salinen.

 

  1. Dez. Willensbekundung der Gemeinde zum Kirchenbau (St.-A. Nr, 347)

Im Büro des Landrates fanden sich ein: Ortsrichter Nette, Fr. Thielitz, J. G. Örtel, Fr. Krüger, A. Fuchs, G. Müller, Traugott Judersleben, Chr. Kreutzmann sen. Chr. Schlunk; C. Rauhfuß, H. Matthes, G. Sträuber,  A. Werner, C. Saalborn, Chr. Heckenberg, A. Haun, G. Hädicke, G. Heun, A. Hämmerling, Chr. Krüger und Fr. Hämmerling und erklärten, dass ihnen die Sache zu wichtig erscheine, um darüber eine Erklärung abzugeben. Es sei ihnen nicht gleichgültig, daß man in dieser Beziehung über Kösen urteile. Es sei bekannt, daß die Gemeinde fast gar keine liegenden Grundstücke habe und zu den ärmsten gehöre. Das Unvermögen des größten Teils der Gemeinde-Glieder habe die (ablehnende) Erklärung hervorgebracht. Käme es nun darauf an, eine definitive Erklärung abzugeben, so erscheine die Sache so wichtig, daß sie in diesem Augenblick ihre Ansicht von der Sache nicht zu Tage legen konnten. Hierzu gehöre Überlegung und die Einsicht der in der Sache verhandelten Acten. Sie sähen sich daher veranlaßt, auf abschriftliche Mitteilung der protokollarischen Verhandlungen zu bitte. Diese wollten sie einen Rechtsgelehrten mitteilen und von demselben ihre Erklärung fertigen lassen. Diese Letztere wollten sie binnen vier Wochen einreichen und sie tragen deshalb darauf an, bis dorthin die Sache ruhen zu lassen, teilte Landrat Lepsius der Oberbehörde mit.

Auch andere Einwohner nahmen dazu Stellung, wie der Justizkommissar Hübsch. Der dankte zunächst dem Spender „aber der Zweck einer solchen Wohltat werde zuverläßig gar nicht erreicht werden. Die Summe von 5000 Talern reicht bei Weitem noch nicht für die Erbauung einer Kirche für einen volkreichen Ort, noch könne man die Folgekosten aufbringen“. Das Dorf sollte sich glücklich schätzen, wenn es seit jeher von einem Beitrag zu den Reparaturen der Kirche in Pforte befreit sei. Daher sollte der Staat die fehlende Summe auf die 5.000 Taler schlagen. Und der Wundarzt Friedrich Heßner schrieb: „Beiträge zum Kirchen-Bau sind mir unmöglich, indem mein Erwerb nicht zulangt, mich und meine Kinder zu nähren.“

 

  1. Dez. Mitteilung Thränhardts an den Landrat (St.-A. Nr. 347)

Der bekräftigte, dass es bei der unwiderruflichen Rücknahme des Geschenks bleibt und Lepsius teilte dem Justizkommissar Hübsch auf dessen Anfrage, ob denn das Geschenk auch für andere wohltätige Zwecke verwendet werden könnte, mit: „Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß ein unter Bedingungen und zu einem gewißen Zweck gemachtes Geschenk, diesen Zweck geordnet bleiben muß und dem Schenknehmer nicht freistehen kann, denselben eine andere Bestimmung zu geben..“ Im Januar wurde die Hauptkasse angewiesen, die hinterlegten Schuldverschreibungen für den Kirchenbau an Thränhardt  zurückgegeben werden. 

 

  1. Dez. Anzeige der Mühlenpächter C. G. Schmeißer und Chr. Fr. Kühn (St.-A. Nr. 167)

Diese hatten sich beim Landrat beschwert, dass der Kösener Müller entgegen der Vereinbarung von 1811 alle drei Mahlgänge gleichzeitig betreiben und damit der kleinen Saale zu viel Wasser entzogen würde. Daraufhin wies der Landrat Roßner an, nur zwei Mahlgänge gleichzeitig zu betreiben. Der wiederum berief sich auf ein Gutachten des Kgl. Baubeamten, wonach er  das obere Wasserrad mit zwei Mahlgänge betrieb. Das untere Rad hätte zwar einen dritten Mahlgang, würde aber ausschließlich zum Betrieb der Ölmühle mit 9 Paar Stampfen genutzt und das im Rahmen der ihm gestatteten Wasserentnahme  von ¼ von Michaelis bis Ostern und 1/5 von Ostern bis Michaelis. 

 

  1. Dez. Bericht über den Kösen-Saalecker Floß-Zoll (MER C48Ic, 1686).

Der Anordnung des Generalsteuerdirektor kam der Oberfloßaufseher der Saaleflöße, der Rittergutsbesitzer von Burkersroda auf Burgheßler umgehend nach und erklärte, dass seit jeher  von jedem Floß das über den Wehrdamm ging, als Zoll der 20ste Teil des Marktwertes der Stämme und der mitgeführten Holzwaren entweder in barer Münze oder in natura erhoben wurde. Wesentlich älter war das Saalecker Geleit von 6 Groschen je ankommenden Floß und 1611 wurde das Rechengeld von 2 Silbergroschen eingeführt. Seit 1753 unterlagen alle Stämme und Holzwaren die bereits oberhalb des Wehrdammes verkauft wurden der Landakzise. Alle diese Abgaben wurden auch nach dem die Zollstelle unter preußische Hoheit gekommen war, in unveränderter Höhe von dem als Nebensteuerstelle I geführten Floßzollamt erhoben. 

 

1831   

 

  1. Jan. Versetzungsgesuch des Kohlenaufsehers Einbeck (MER F 44 I A)

Der Veteran der Befreiungskriege hatte erhebliche gesundheitliche Probleme, weswegen er sich um die vakante Stelle des Salzmagazinsverwalters in Schönebeck bewarb. Das OBA stimmte zu, sobald sich ein geeigneter Nachfolger fand, sollte er die Stelle bekommen.

 

  1. Jan. Antrag des Orstrichters wegen eines Ortsarmen (MER C 50 Naumburg A Nr. 393)

An E. Hochlöbl. Landratsamt

Da sich neben den beiden von E. Hochwohlgeb. mir namhaft gemachten noch einer in ebendenselben geisteskranken Zustand hier befindet, namens Carl Zwingenberg, welcher gegenwärtig sehr entkleidet ist, da derselbe jetzt verdienstlos und milder Gaben (.) bedarf, auch da es gerade einen Rock oder etwas  ähnliches anlanget, finde ich mich in Folge dieses sehr veranlaßt E. Hochwohlgeb. hierdurch gehorsamst zu bitten, gestatten zu wollen, daß ich, da sich eine Gelegenheit bietet, denselben einen schon getragenen Rock für wenig Kosten, von den noch in der Kasse habenden, eingekommenen Gelde der Kurgäste kaufen könnte.

Auch habe ich mir erlaubt, im festen Vertrauen, daß E. Hochwohlgeb. es genehmigen würden, in das hiesige Hospital von demselben Gelde  Holz zu verteilen“.

Der Landrat schickte den Kreisarzt und der stellte fest, dass Zwingenberg zwar geistig etwas zurückgeblieben, aber körperlich so gestellt sei, dass er durch Arbeit sich ernähren kann. Daraufhin wurde dem Ortsrichter aufgegeben, den Zwingenberg zur Arbeit anzuhalten, worauf der  verschwand und in den Dörfern bettelte. Nach Festnahme durch den Gendarmen wurde er in die Arbeits-Anstalt in Zeitz eingewiesen. Nach drei Monaten wieder entlassen, verfiel er wieder der Landstreicherei, worauf wieder eine Einweisung erfolgte, diesmal für zwei Jahre.

 

  1. Feb. Schreiben der Kgl. Regierung an die Landesschule (MER C48III b 5523).

Wie in den Jahren seit 1810 sollte das Floßamt 1/3 der Kosten für die Beräumung der kleinen Saale vom Einfall bis an den Scheitbach übernehmen. Das wurde abgewiesen, weil der Stapel eingestellt und die kleine Saale vom Fiskus nicht mehr als Floßgerinne gebraucht würde.

 

  1. Feb. Vorschlag des Provinzialschulkollegiums (MER C48IIIb 5522a).

Dem Gutachten zum Scheitbach zufolge, war es nicht eindeutig, ob der „wilde Graben“ erst von der Communflöße angelegt worden war oder schon vorher bestand. Allerdings wäre der Erhalt des Gerinnes im Interesse der Landesschule. Bei Hochwasser könnte ein Teil abgeleitet und so die kleine Saale und die Schule vor Schaden bewahrt werden. Daraufhin verlangte die Landesschule die  Instandsetzung des Schützes am Einfall des Scheitbaches. Beim Holzdeputat lenkte die Schule ein und gab sich mit jährlich 30 Klaftern zufrieden, in Anbetracht dessen, dass die herzogl. altenburgische Kammer eine Verlängerung der Brennholzflöße für weitere sechs Jahre anstrebte.

 

  1. Mär. Gutachten der Salinendirektion zum Gasthof (WER Rep. F 23I, Nr.1/4).

Nicht nur die ständigen Differenzen zwischen dem Pächter und den konzessionierten Gastwirten beschäftigten die Lokaldirektion, sondern auch die bedenkliche Abnahme der Frequenz des Gasthofes. Daher schlug das OBA der Oberberghauptmannschaft vor, mit Endigung der Zeitpacht, den Gasthof meistbietend zu verkaufen. Die erklärte ihr Einverständnis und bestimmte als   Wertgutachter den Ökonomie-Commissar Lincke aus Weißenfels.

Einen Monat später lag das Gutachten vor. Unter Berücksichtigen dass mit der Aufhebung des Verbietungsrechtes weitere Schank- und Kaffeehäuser konzessioniert werde, schätzte der Gutachter den Wert des Gasthofs auf 7 bis 8000 Taler. Das Gutachten einschließlich der Befragung der  Gastwirte in Altenburg, Roßbach und Hassenhausen kostete den Salinenfiskus 51 Taler, 24 Silbergroschen und 9 Pfennig.

 

  1. Apr. Festlegung der Königl. Regierung zur Steuerveranlagung (St.-A. Nr. 167).

Der Ortsrichter Nette hatte die Roßnersche Mühle wegen des Ölverkaufs als Handelsunternehmen eingestuft und daher eine Steuernachzahlung seit Inkrafttreten des preußischen Gewerbe- Steuergesetzes im Jahr 1821 festgesetzt. Roßner weigerte sich und bekam von der Reg.-Abt. für Steuern, Domänen und Forsten Recht, denn die Gemeinde hatte eine Neufestsetzung versäumt. Nun  besichtigten Nette und die Schöppen Kleinschmidt und Hämmerling die Mühle zwecks Neuveranlagung, und legten einen Jahresbetrag von 132 Talern fest.  

 

  1. Mai Rückgabe der Stapelplätze (MER C48IIIb 5522a).

Floßinspektor Jost und  Oberfloßkommissar v. Zedtwitz übergaben dem Schulinspektor Sterzel „den oberen Floßplatz mit Ausnahme des Teils zwischen dem Grundstück des Müllers Roßner  und der Quelle, wo der alte  Floßschuppen steht  und den unteren Scheitplatz von 13 Morgen zwischen dem Schäfereifeld, der kleinen Saale und den dort stehenden Weiden.“ Eine förmliche Übergabe des Scheitbaches wurde wegen der noch offenen Fragen verschoben.

 

  1. Juni Verfügung des OBA zum Eiswehr (WER Rep F 23, II Nr. 5 Bd. 2/ MER C48 II Nr. 776V).

Da die Landesschule den Abbau ohne vorherige Rücksprache veranlaßt hatte, meldete die Lokaldirektion dem Oberbergamt, dass der Schutz der Wasserkünste bei Eisgang nicht mehr gewährleistet sei und die Wiederherstellung erfolgen muss.

 

  1. Juli Schreiben der Salinenverwaltung an das OBA (WER Rep. F23 III Nr. 9).

Die Ablehnung des Floßamtes, sich an den Kosten der Beräumung der kleinen Saale zu beteiligen, bereitete den Lokalbeamten Probleme, da sie im guten Glauben die Arbeiten veranlasst hatten. Zwar hatte die Landesschule vereinbarungsgemäß ein Drittel der Kosten beigesteuert, doch der rest fehlte. Nun sollte das OBA die Floßbehörde veranlassen, das offene Drittel doch noch zu bezahlen. Ärgerlich war zudem, dass man  bei der Beräumung über 2 Klafter Sinkholz  geborgen hatten, dass man hätte verkaufen können, aber dem Floßamt überlassen hatte.

 

  1. Juli Gutachten zum Verkauf des Salinengasthofs (WER ,Rep.F23,I Nr.1 Bd.4).

Bei einem Verkauf mussten die bisher bestehende Vereinbarungen und Altrechte geklärt werden. Dazu gehörte der sog. „Fröhnerstall“. Während der Dachboden dem Gasthof allein zustand, durften im Erdgeschoss seit jeher die Amtsfrönern der Pfortaischen Domäne während der Saat und der Ernte ihr Zugvieh und Gerät unterstellen. Zwar gab es hierüber keine schriftliche Vereinbarung, war aber seit dem Erwerb des Gasthofs vom Salinenfiskus geduldet worden.  Außerdem mussten die Vereinbarungen zwischen der Saline und dem Pächter bezüglich der  Schutt-, Dornstein- und Kohlenfuhren sowie die Lieferung des Stallmists zur Abdeckung der Soleleitungen im Winter neu geordnet werden. Noch wichtiger war die geänderte Rechtsstellung  den Gasthof beim Übergang vom fiskalischen in privates Eigentum. Wichtig für die Saline war die Sicherung der Übergangs- und Zugangsrechte zum Kunstgestänge vom unteren Wasserrad zum  Solschacht, das unmittelbar vor dem Gasthof lag und zu einem guten Teil eine bequeme Zufahrt behinderte.

 

  1. Aug. Vereinbarung zur Rückgabe der Pacht der chemischen Fabrik (MER F 44 V).

Der Chemiker Heinrich Georg Heun hatte darum gebeten, den Pachtvertrag vorzeitig aufzuheben. Die Saline übernahm die Anlage samt Inhalt und produzierte mit eigenen Personal weiter. Heun widmete sich nun ausschließlich seiner Badeanstalt an der Eckarstbergaer Chaussee. 

 

  1. Sep. Letzte Badeliste des Jahres (NKB Nr. 36 ).

In dieser Saison waren es 97 Einträge, d.s. rund 300 Gäste, viele davon aus der näheren Umgebung aber auch aus Berlin, Leipzig, Dresden, Erfurt und  Weimar.

Weil die bisher praktizierte Erfassung der Badegäste nicht ausreichte, sollte nun jeder einzelne Badgast und dessen Herkunft registriert werden. Auch die an jeden einzelnen Badewirt abgegebnen Solemenge wurde erfaßt, um so die daraus bereiteten Bäder und den Verdienst der Badewirte zu berechnen.

Nach Saisonende begann eine Choleraepidemie zu grassieren. Am 8. September errichtet das Militär an der Elbe einen Sperrkordon. 10 Tage später wurden die Ortsbehörden angewiesen, Schutzkommissionen zu bilden. Es folgte die Anweisung an die Ortsrichter, Isolierstationen und Krankenzimmer einzurichten, Krankenwärter zu benennen und weitere Vorkehrungen zu treffen. Am 22. Okt. erreichte die Epidemie den Landkreis, forderte aber Dank der getroffenen Maßnahmen nur wenige Opfer.

 

  1. Okt. Landrat Lepsius besichtigt Webers „Langes Haus“ (WER Rep F 23).

Weber hatte als Privatmann eine Schankkonzession  für das „Lange Haus“ beantragt. Auch das wurde  abgelehnt, da das Grundstück viel zu schmal und keinerlei Unterstellmöglichkeit für Fuhrwerke, Kutschen, Reit- und Zugtiere vorhanden waren.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/2).

Die Recherche leitete Freiherr v. Veltheim gemeinsam mit dem Oberbergrat Eckardt. Die  Lokaldirektion war mit Senff, Schweingel, Haun und Pauli vollzählig anwesend. Begutachtet wurde der neu installierte zweite Pumpensatz im oberen Solschacht. Dank der etwas reicheren Sole konnten 200 Lasten mehr produziert werden, insgesamt 1540 Lasten (3.080 Tonnen, 61.600 Zentner). Allerdings sollte die Qualität des Salzes deutlich verbessert werden, um mit den  ausländischer Salinen mitzuhalten. Doch die Versuche zur Herstellung eines grobkörnigen Salzes blieben erfolglos. Schuld daran war wohl der niedrige Brennwert derFormkohle. Für eine Last Salz wurden 1174 Formkohlen benötigt, 34 mehr als geplant. Dennoch brachte die Saline einen Überschuss von 11.000 Talern. Die Mertendorfer Grube sollte im kommenden Jahr 40.000 (Faß)-Tonnen klarer Kohle abbauen und die Streicherei wurde angewiesen aus njeweils 27 (Faß)-Tonnen  1000 Formkohlen herzustellen.

Nach der Befahrung des Wildwasserschachts, wurde die Auflassung und Verfüllung angeordnet. Bereits 1818 stand fest, dass der Schacht für die Verbesserung der Schachtsole ohne Bedeutung war. Dennoch wurde er weiterbetrieben, lieferte er doch das Brauchwasser für die  Saline und den Gasthof. Als Ersatz sollte zwischen der Chaussee und der kleinen Saale ein Brunnen abgeteuft und dessen Pumpe an die untere Radkunst angeschlossen werden, da nach der Einstellung der Soleförderung für die Gradierung, nur noch die Badesole und die Repetierpumpen am unteren Gradierhaus angetrieben wurden und somit Kraftreserven vorhanden waren. Außerdem konnten nun die Pumpensätze über Tage und der Turm des Schachtgebäudes abgeworfen werden. Die Lokaldirektion hatte die Kostenanschläge zu erstellen, damit die Mittel im kommenden Jahr etatsmäßig eingestellt werden. Wegen des fehlenden Eiswehres wurde vorgeschlagen, bei Eisgang die Wasserkünste durch vorgelegte Flöße zu schützen. Damit wäre auch der Beweis erbracht, dass das Eiswehr auch der Landesschule nutzt.

Zuletzt wurde dem Antrag des Inspektors Senff stattgegeben, der eine Laterne über der Tür zu seiner Dienstwohnung wünschte, da ihm als Polizei- und Gesundheitskommissar die Prüfung der Pässe und Legitimationen der im Gasthof Übernachtenden oblag, diese aber in der Regel erst nach Einbruch der Dunkelheit bei ihm vorstellig wurden.

 

  1. Nov. Stellungnahme des Provinzial-Schulkollegiums (WER Rep. F 23,I Nr.1, Bd.4).

Das bestand auf die althergebrachten Nutzung des „Fröhnerstalls“, die schon vor dem Verkauf des Gasthofs bestand und daher im Kaufvertrag nicht extra erwähnt wurde. Beim Verkauf muss der Erwerber die Mitbenutzung dulden, allerdings wäre eine vertikale Trennung des Stalles zu bevorzugen.

 

  1. Dez. Reskript der Kgl. Regierung (MER C 48IIIb 5522a).

Die Chausseverwaltung beantragte den Erwerb des Floßamtes, um hier eine Halteplatz für bergan fahrende Fuhrwerke anzulegen und den Fahrweg von der Brücke zu den Saalhäusern zu verbreitern.

 

1832      

 

  1. Feb. Verhandlungen zur Unterhaltung der kleinen Saale (WER Rep. F23 III Nr. 9).

 

  1. Feb. Kabinettsorder zur Brücken- und Chaussegeld-Einnahme (St.-A. Nr. 550)

„Ich bin auf Ihrem Bericht vom 18. v. M. damit einverstanden, daß die besondere Erhebung des Brückengeldes von der Saalebrücke zu Kösen wegfallen kann und ermächtige Sie, statt desselben ein halbteiliges Chauseegeld mehr zu erheben, daher aber die Passanten, welchen die Befreiung von Zahlung des bisherigen Brückengeldes rechtlich zugestanden hat, auch von der Entrichtung des   Chausseegeldes  soweit es Surrogat des Brückengeldes ist, ferner frei zu lassen. Bln, 14. Feb. 1832 gez. Friedrich Wilhelm“.

Befreit vom Brückengeld waren nach einer Aufstellung des Kgl. Hauptzollamtes 1.) Alle diejenigen Personen, welche von der Entrichtung des Chausseegeldes ausgenommen sind 2.) Das Geschirr und Vieh aller Einwohner des Orts Kösen 3.) Das Geschirr und Vieh aller zu den Brückenbauten und Reparaturen frohnenden Untertanen der vormaligen Justiz-Ämter zu Pforta und Eckartsberga, wozu namentlich die Ortschaften Benndorf, Hassenhausen, Lißdorf, Nieder- und Obermöllern, Pomnitz, Poppel, Roßbach, Rehehausen, Spielberg, Taugwitz, Zäckwar, Auerstedt, Niederholzhausen, Thüsdorf, Bibra, Steinbach, Wallroda, Schimmel, Pleismar, und Hirschroda mit dem Anteil Crawinkel gehören, 4.) Das Geschirr und Vieh der Landesschule Pforte, deren Vorwerke Fränkenau und Kukulau, so wie das Geschirr der Beamten der Landesschule Pforta.“

 

  1. Feb. Ausschreibung des Gasthofs Zum muthigen Ritter.(NKB)

Nicht nur in Preußen sondern auch im benachbarten Sachsen in der „Leipziger Zeitung“ und im „Intelligenz Blatt“ für den Bezirk des Königl. OLG von Sachsen wurde der Verkauf veröffnetlicht. Das Mindestgebot lag bei von 10.631 Reichstalern, 18 Silbergroschen und 6 Pfennigen.

 

  1. Mär. Anordnung des OBA zur Knappschaft (MER F 44 XIV 1)

„..es ist zur Frage gekommen, wie sich das Verhältnis solcher Arbeiter zur Knappschaft und Witwen- und Waisen-Kasse gestalten solle, welche ohne gerade Invalide und ohne eines Verbrechens  überführt zu sein, in Folge vorher ergangenener Kündigung  aus dem Knappschafts-  Verbande  und aus der Arbeit  entlassen werden.  Die nähere Erörterung dieser Angelegenheit  hat zu einigen  Bestimmungen geführt, die sich auf  die Kösener Arbeiter  völlig verwenden lassen...“

Demnach hatte der Betroffene, soweit er noch in der Nähe des Werkes oder der Grube seinen Wohnsitz hatte und Mitglied der Knappschaft war, Anspruch auf kostenlose Behandlung durch die  Knappschaftsärzte. Eine Auszahlung der bislang eingezahlten Beiträge war nicht vorgesehen.

 

  1. Apr. Versteigerung des Salinengasthofes (WER Rep. F23, I Nr.1 Bd.4).

Oberbergrat Eckardt leitete und protokollierte persönlich die Versteigerung. Zeugen der Angebotseröffnung waren der Salineninspektor Senff, der Schulverwalter Kommissionsrat Sterzel und der Oberfloßkommissar v. Zedtwitz. Ihre Gebote gaben ab: der Chemiker G. Heun, der Mühlenbesitzer Roßner, der Amtmann Rohe, Pächter der Domäne  Fränkenau, der Pächter der Pfortaer Papiermühle, ein Kartonagenfabrikant aus Naumburg, der Seilermeister Fr. Knoblauch und der Kaufmann Pabst. Auch der Ortsrichter Nette gab im Namen der Gemeinde ein Gebot ab. Meistbietender war der Kaufmann J. Chr. Pabst mit 10.650 Talern, gefolgt von Heun der zwar nur  4000 Taler aber dafür 360 Taler jährliche Pacht bot. Das Gebot der Gemeinde lag mit 10.640 Talern an dritter Stelle. Am Abend übergab Ortsrichter Nette eine von 45 Einwohnern unterzeichnete Vollmacht und bat um besondere Berücksichtigung der Gemeinde, Daraufhin beschwerte sich J. Chr. Pabst wegen versuchter Beeinflussung des Auktionators.

Auf Grund der Beschwerde wurde ein neuer Termin anberaumt und der Gemeinde Kösen befohlen, einen beglaubigten Nachweis zu erbringen, ob sie überhaupt zum Erwerb befugt sei.

 

  1. Apr. Ausstellung eines Reisepasses für Fritz Reuter (LDZ 1982)

Der später als Dichter niederdeutscher Mundart bekannt gewordene Reuter, geb. 1810 in Stavenhagen war Student in Jena, wo er sich radikalen Studentenverbindungen anschloss. Im  Februar  1833 nahm er seine Wohnung im Camburg. Von hier aus pflegte er regen Kontakt mit dem Wirt der Rudelsburg und veröffentlichte eine kleine Schrift „Geschichte der Rudolfsburg am Saalefluße unweit Kösen gelegen“ die aber keinen historischen Wert hatte. Auch das Gedicht „Der Berggeist auf der Rudelsburg“ soll aus seiner Feder stammen.

Reuter wurde in Berlin verhaftet und wegen seine studentischen Verbindungen zum Tode verurteilt, dann zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt und schließlich auf Drängen des Großherzogs nach sieben Jahren entlassen. Danach begann sein umfangreiches Schaffen. Reuter starb 1874 hochgeehrt in Eisenach.

 

  1. Mai Zweiter Versteigerungstermin für den Gasthof (WER F 23 I Nr. 1 Bd. 4).

Neben den bisherigen Bietern gab auch das Oberprovinzial-Schulkollegium ein Gebot ab, daraufhin wurde die versteigerung aufgehoben und das OBA angewiesen, mit dem derzeitigen Pächter Weber über einen unbefristeten Erbpachtvertrag zu verhandeln. Am 2. Juni erklärt sich Weber bereit, den Gasthof für  3000 Taler und einem Erbpachtquantum von 300 Talern zu übernehmen.

 

  1. Juni Heun beantragt die Konzession für eine Sommerwirtschaft (WER F 23 I Nr. 1 Bd. 4)

Heun, der sich beim Erwerb des Grundstücks für seine Badeanstalt verpflichten musste, keine  Gastwirtschaft zu betreiben. Hätte er den Zuschlag für den „Mutigen Ritter“ bekommen, so hätte er diese leidige Verpflichtung losgeworden.

Um dennoch diese Verpflichtung zu umgehen, beantragte er keine Konzession für sein Badehaus sondern für eine Gartenwirtschaft am Fränkenauer Hohlweg, die er „Kuchengarten“ nannte. Der erste Pächter war nach Hoppe ein Schweizer Kuchenbäcker namens Josti, dann pachteten der Naumburger Konditor Furcht und Kronfeld den „Kuchengarten“, die dann aber auch einen Ausschank einrichteten..

 

  1. Juni Erbpachtvertrag über den Salinengasthof (WER Rep. F.23 I Nr.1 Bd. 5).

Der Kgl. Preuß. Bergwerks- und Salinenfiskus, vertreten von den Ober-Bergbeamten  v. Veltheim und Eckardt schlossen den Vertrag mit dem bisherigen Zeitpächter Johann Samuel Weber. Zum Gasthof gehörten verschiedene Stallungen, eine Scheune, der Hof und zwei Torwege, das Brau-, Malz- und Darrhaus samt Keller und Brunnenhaus, 16 Acker Land am „Jackenberge“, am Nikolausberge hinter dem Floßhausund am Kösener Berg sowie 3 Morgen Wiese neben der Mühle. Vereinabrt wurde, dass bei einer Veräußerung oder Belastung der Salinenfiskus zustimmen muß und dass bei Veränderungen der Baulichkeit die für die Saline nötigen Anlagen und Maschinenwerke  in keiner Weise behindert werden dürfen. Außerdem verpflichtete sich der Käufer im Bedarfsfall, dem Salinenfiskus, Flächen für den Betrieb zu überlassen. Diese dinglichen Rechte galten für alle übernommenen bebauten und unbebauten Grundstücke und wurden am 16. Mai 1834 im Grundbuch eingetragen. Nach der Einstellung der Saline bereiteten diese Grunddienstbarkeiten erhebliche Probleme, wegen des fehlenden Rechtsnachfolgers. Abschließend hieß es dann,  dass der Erwerber den Gasthof so übernimmt „wie solcher (.) dem Königlichen Salinen-Fiskus (.) von der Landesschule Pforta (.) unterm 29. Mai 1739 abgeschlossenen Kauf-Contract verkauft wurde“. Damit waren Streitigkeiten wegen des Verbietungsrechts und dem Frönerstall absehbar.

Am 26. Juni erfolgte die Übergabe.

 

  1. Juni Anordnung des OBA zur Soleabgabe (WER Rep. F 23 I Nr. 1 Bd. 5)

Um die sich häufenden Unregelmäßigkeiten zu unterbinden, wurden die Marken die zum Empfang der  Badesole berechtigten, nur noch vom  Salinendirektor persönlich ausgestellt und nicht mehr vom Rendanten.

 

  1. Aug. Veröffentlichung der Ballade „Die Rudelsburg und Burg Saaleck“ (NKB).

Der Verfasser war ein gewisser Adolph Franke, der damit den Stoff für die späteren Autoren lieferte, und so die Legende von den Raubrittern einem größeren Publikum bekannt wurde, deren Treiben erst von der Naumburger Bürgerschaft ein Ende bereitet wurde.

 

     Sep. Badeliste (NKB Nr. 36)

Insgesamt waren es 76 Einträge, d. s. rund  200 Badegäste, die meisten aus der näheren Umgebung, darunter auch der Medizinalrat Dr. Staps aus Naumburg mit Gattin.

 

  1. Nov. Verhandlung über die Nutzung des Frönerstalls (WER, Rep.F23,I Nr.1 Bd.5).

Bereits kurz nach der Übernahme hatte Weber den Amtsfrönern die Nutzung des Stalles untersagt, worauf sich der Schulbeamte bei ihrer übergeordneten Behörde beschwerten und diese sich nun an das OBA wandte. Daraufhin wurde ein Termin anberaumt zu dem Oberbergrat Eckardt, Gastwirt Weber und Prokurator Stubenrauch eine einvernehmliche Lösung fanden. Der Stall wurde in der Mitte geteilt und Weber versprach, falls mehr Platz gebraucht würde, die Pferde der Schulökonomie und der „Fröhner“ auch in den zum Gasthof gehörende Teil einzustellen. Außerdem verzichtete er auf die seit alters her bestehende Verpflichtung der Landesschule die Kosten für Reparaturen am Gasthof zu tragen. Dafür erließ ihm die Landesschule die Erbpacht für das „Lange Haus“. Wegen des durch den Gasthof verlaufenden Abzugskanals der Schäferei wollte man nach einer digte , bis eine bessere Lösung suchen und außerdem wurde Weber freigestellt die Wiese zwischen dem Chausseedamm und der Dorfstraße an Bauwillige zu verkaufen. Die Genehmigung wurde im April 1833 erteilt.

 

  1. Nov. Vereidigung von Salinenarbeiter (MER F 44 I A)

Dazu gehörten der neue Pfannenschmiedemeister Bösel, der Tagelöhner- und Kohlenaufseher Kulicke, der Kassennachtwächter Herrmann, der Gradierer Fr. Zedel, die Scheit- und Kohlenführer Fr. D. Schmidt, W. Gundermann, Chr. Fr. Gundermann und der Bergarbeiter Christian August Bergmann

 

  1. Dez. Bericht der Kgl. Regierung an das Finanzministerium (MER C48 IIIb 5523).

Das Provinzialschulkollegium und die Kgl. Regierung informierten ihre  übergeordneten Ministerien über die Rückgabe der Stapelplätze und die Einigung über den Scheitbach. Der wurde belassen und die Landesschule sollte 200 Taler als Abstandszahlung erhalten und sich sich zur Hälfte an den Kosten für die Instandsetzung der Schützanlage zur kleinen Saale beteiligen. 

 

  1. Dez. Der Minister genehmigt den Kaufvertrag über den Gasthof (WER Rep. F 23 I Nr. 1).

 

   Gründung der „Schützengesellschaft zu Kösen ao. 1832“. (St.-A. Nr. 391)

 

   Einbruch in der Landesschule (WER D 34 Anh. 1/603).

Der Maurerlehrling Reichart aus Kösen hatte versucht, die Schulkasse zu stehlen.

 

1833     

 

  1. Mai Anordnung des Staatsministers v. Klettwitz (MER C48IIIb Nr. 5522a).

Der Vize-Präsident der Provinz legte nach Rücksprache mit dem Finanzminister und der Kgl. Regierung die Modalitäten zur Übergabe des Floßamtes fest. Das Anwesen, auf 1722 Taler taxiert, sollte von der Landesschule pro forma übernommen und umgehend der Chausseeverwaltung überlassen werden, die den Taxwert der Floßkasse zahlte. Nach Anlage des Halteplatzes würde  die Landesschule restlichen Flächen und Gebäude bekommen.

 

  1. Juni Bekanntmachung des Magistrats zu Naumburg (NKB)

Mit Kabinetts-Ordnung vom 4. Mai wurde nach einer Beschwerde der Witwe Hämmerling angeordnet, dass Lohnfuhrleute und Equipagen-Besitzer die nach Kösen fuhren, bei Hämmerlings einkehrten und am gleichen Tag nach Naumburg zurückkehrten das Chausseegeld nur einmal zu bezahlen brauchten. Bezahlt wurde bei der Hinfahrt, bei der Rückfahrt musste die Quittung an der Chaussegeldeinnahme vorgezeigt werden.

Daher warb die Hämmerling „so wolle ich solches allen denen die mich beehren wollen und bisher durch das doppelte Chausseegeld davon abgehalten wurden, bekannt machen und werde bei ihren Besuchen mich beeifern, ihren Wünschen nach Kräften zu genügen“.

Die Hämmerlingsche „Bäckerbude“ an der Chaussee nach Eckartsberga war demnach so bekannt und beliebt, dass eine königliche Behörde eine derartige Verfügung erließ.   

 

  1. Juni Weber beantragt die Überlassung des „Fröhnerstalls“ (WER Rep.F23,I Nr.1 Bd.5).

Die getroffenen Vereinbarung hatte sich als unzweckmäßig erwiesen, denn dem Gasthof mangelte es nicht nur an Unterstell- sondern auch an passenden Erweiterungsmöglichkeit, daher wollte  Weber der Landesschule den gesamten Stall abkaufen.

 

  1. Juni Antrag der Salinendirektion zur Entbindung von der Polizeiaufsicht (WER Rep. F 23 I).

Auch nach dem offiziellen Verkauf  mussten sich alle Übernachtungsgäste (außer denen, die dem Ansehen nach den höheren Ständen zuzurechnen waren) beim Salinendirektor unter Vorzeigung ihrer Papiere an- und abzumelden. Außerdem war der Salineninspektor auch bei Streitereien, Diebstählen und anderen Vergehen im Gasthof zuständig. Daher drängte das Direktorat auf schleunige Aufhebung der polizeilichen Zuständigkeit. 

 

  1. Aug. „Rudelsburg und Saaleck“ eine Ballade von Adolph Franke (NTB Nr. 28)

 

      Aug. Situationsplan der Saline (MD F 38 Risse Nr. 404).

Grundlage dafür war der Plan von G. Colditz aus dem Jahr 1817, den der  Bauinspektor Haun für die Belange der Feuerversicherung umarbeitete, wobei besonderer Wert auf die Art der Dacheindeckung gelegt wurde. Aus dem Plan geht hervor, dass die Produktionsgebäude  ausnahmslos mit Ziegeln, die Nebengebäude mit Holzschindeln gedeckt waren. Zu den ersteren zählten die drei Siedekote, das Salzmagazin,  insgesamt neun Kohlenschuppen, die Pfannenschmiede, die Glaubersalzfabrik, das Kassengebäude mit der Rendantenwohnung, die Schachtgebäude, die Radstuben, der Düngesalzschuppen und der Spritzenschuppen, sowie die Wohnungen der Gradiermeister (E. Breitscheid-Str. 17/17a) und des Kohlenaufsehers (Loreleyprom. 4)

Gut erkennbar auch die Pachtschäferei, wobei es den älteren der beiden Schafställe zwischen dem unteren Schacht und dem unteren Gradierhaus schon nicht mehr gab. Zu Webers Besitz gehörten der Gasthof, das Brau- und Malzhaus am Wehrdamm und das „Lange Haus“. Auch die wenigen Privathäuser und deren Besitzer sind aufgeführt, so der Einnehmer Döring (Naumburger Str. 1), die Witwe Häun (Naumburger Str. 2), der Bäcker Hämmerling (Naumburger Str. 3-4), der Holzhändler Bechmann (Loreleyprom. 5), der pensionierte Gradiermeister Törpsch (Solschacht 2), die Witwe Arnold (Solschacht 1), der  Schmiedemeister  Therkorn (R. Breitscheid Str. 10), die Witwe Deistung (Nr. 14) und der Dürrenberger Kunstmeister Müller (Nr. 16).

 

      Aug. Probebetrieb des  „Wellenbades“  (in WER Rep. F 23X Nr. 22/1).

Die Salinenverwaltung hatte im Unterlauf der oberen Radkunst ein gemauertes Becken eingerichtet und mit einer überdachten Laube als Sicht und Wetterschutz versehen. Das Wasserrad erzeugte den Wellenschlag, den Meereswellen nachempfunden. Zur Sicherheit vor losgehenden Schaufeln und dem Abtreiben in die Stromsaale schützen zwei Rechen. Trotz der späten und unvollkommenen Fertigstellung wurden bis Ende der Saison 150 Bäder a 2 Silbergroschen abgegeben. Für die kommende Saison sollte das Wellenbad durch einige Annehmlichkeiten verbessert werden.

 

  1. Sep. Badeliste (NKB 25-72).

In diesem Jahr gab es 72 Einträge, d.s. ca. 250 Badegäste, darunter erstmals ein Russe, außerdem  die Baronin von Asseburg zu Meisdorf und die Gattin des Staatsministers von Dankelmann nebst Gefolge aus Berlin.  

 

  1. Okt. Vergleich zur Unterhaltung des Eiswehres (MER C 48II Nr. 776V).

Landesschule und Saline vereinbarten die Kostenteilung.

 

  1. Nov. Anordnung des OBA zur Neubesetzung des Salzamtes (WER Rep F 38 V A).

Nach dem Tod Bischofs im Juni 1832 übernahmen zunächst der Obereinfahrer v. Bülow und der Salinenassessor Graf v. Seckendorff die Leitung. Endgültig wurden dann der Salineninspektor Backs, der Bergassessor Graf v. Seckendorf und der Gradierinspektoren Ebers und Theune als Direktion des Salzamtes berufen, zu dem neben den Salinen Dürrenberg, Kösen und Artern die Teuditz-Kötzschauer Salzmagazine und die Kohlengruben gehörten.

 

  1. Dez. Auszug aus dem Floßamt (MER C 48IIIb 5522a, NTB).

Zuvor hatte der Oberfloßkommissar v. Zedtwitz Mobiliar, Hausrat und Fuhrwerke, die er bei seinem Weggang nicht mitnehmen konnte, meistbietend versteigert. Nun verließ er nach über 30 Jahren mit seiner Familie den Ort. 

Kösen blieb Nebenzollstelle, wo ein Oberkontrolleur Flöße die im Floßzollbezirk verkauft oder über den Wehradamm gebracht wurden, den Zoll erhob. Er wohnte im ehemaligen Rechenwärterhaus (Loreleypromenade 7). Für die Aufsicht auf dem Holzplatz, den Verkauf des Küchenholzes sowie die Belieferung der Saline und der Landesschule mit Scheitholz wurde ein Holzverwalter bestellt.

 

1834

 

  1. Jan. Dienstantritt des Gendarmen Hering (NKB).

Der Landrat hatte im Einverständnis mit den Provinzialschulamt und der Kgl. Regierung die Polizeiaufsicht über den Gasthof der Gemeinde übertragen. In Anbetracht der zahlreichen Fremden sah sich aber der Ortsrichter außerstande die damit verbundenen Aufgaben zu bewältigen und hatte die Einstellung eines Gendarmen beantragt.

Hering (Jg. 1796) hatte 19 Jahre bei der 4. Gendarmerie-Brigade gedient und versah den Dienst bis zu seiner Pensionierung. Zu seinem 100. Geburtstag wurde er als einer von vier noch lebenden preußischen Teilnehmern der Befreiungskriege unter dem Kommando von Wittgenstein von Kaiser Wilhelm geehrt.

 

  1. Jan. Antrag Webers auf Kohlelieferung (WER Rep.F23I Nr.1Bd.5).

Auf Anweisung des OBA konnte Weber 600 (Faß) Tonnen für 3 Groschen, 9 Pfennigen pro Tonne von der Saline beziehen.

 

  1. Feb. Verkaufsauktion beim Bäckermeister Hämmerling (NKB)

Angeboten wurden u.a. Kristallgläser, Dessertteller, Fruchtschalen mit und ohne Fuß in Diamantschliff, Tassen von Berliner Porzellan, Betten feine und ordinaire Messer, Leuchter, feine Lichtputzer, Pferdedecken, alles Dinge aus einem für hiesige Verhältnisse recht wohlhanden Haushalt.

 

  1. Mär. Übergabe des Floßamts (MER C48IIIb 5522a).

Floßinspektor Jost und Schulinspektor Sterzel stellten anhand der Inventarlisten fest, dass von Zedtwitz alle eisernen Ofenteile, die Türschlösser und der Kohlenherd mitgenommen hatte. Mit gesonderten Protokoll übergab dann die Landesschule das Wohnhaus der „Chaussee-Bauparthie“ vertreten durch Wegebaumeister Müller.

Die Landesschule erhielt 1.722 Taler von der Chausseeverwaltung und  bezahlte  1.894 Taler der Floßkasse. Die  Differenz von  172 Talern entsprach dem Wert der Nebengebäude, die die Landesschule behielt.    

 

  1. Apr. Samiel eröffnet die Sommerwirtschaft auf der Rudelsburg (NKB 16)

 

      Mai Dr. med. Rosenberger wird Knappschaftsarzt (Hinsche, Heimatbuch).

Bislang waren die Bediensteten der Saline, wie alle übrigen Einwohner auf die Wundärzte Uhlich und Häßner und in wichtigen Fällen des Schularztes  angewiesen. In den altpreußischen Salinen wurden eigene Knappschaftsärzte beschäftigt, die maßgeblich die Hygiene und den Badebetrieb förderten, wie der in Groß-Salze wirkende Dr. Tolberg. Seitens des Fiskus wurde es nun als erforderlich angesehen in den Salinenorten, den zunehmenden Badebetrieb durch medizinische Fachkompetenz und Überwachung in geregelte Bahnen zu bringen. Ebenso wichtig war der   Kampf gegen die teilweise verheerenden Epedemien. Die ersten Pockenschutzimpfung wurden von Tolberg an den Kindern der Salinenarbeiter erprobt und 1808 flächendeckend eingeführt. Kinder ohne Impfschein wurden vom Schul- und Religionsunterricht ausgeschlossen, die Eltern zu Geldstrafen verurteilt (WER Rep.  F43a)

Otto Theodor Rosenbergers (geb. 1806 in Goldingen/Kurland) Großvater mütterlicherseits war Johann Georg Hamann, Schriftsteller und Wegbereiter des Sturm und Drang, auch der „Magnus des Nordens“ genannt. Verheiratet war er mit Julie du Bois-Reymond, älteste Tochter von Felix Henri du Bois-Reymond, preußischer Zivilgouverneur von Neufchatel, Enkelin von Jean Henry, dem Direktor der Kgl. Preuß Kunstkammer zu Berlin, Urenkelin des Kupferstechers Daniel Nikolaus Chodowiecki. Aus der Ehe gingen 4 Kinder hervor. Ihre drei Töchter, alle wohnten in Kösen,waren zu ihrer Zeit recht bekannt: Eugenie Auguste (1838-1931), verheiratet mit ihrem Cousin dem Arzt und Kapitän Otto Luis Rosenberger widmete sich der Schriftstellerei. Sie verarbeitet die Erlebnisse ihres Mannes (Seereisen) und verfasste eine Familiengeschichte der du Bois-Reymond. Sie bewohnte bis zu ihrem Tod das elterliche Haus (Lindenstr. 11 „Fallen Anker“). Magdalena Rosenberger (1848-1939) war nicht verheiratet. Sie schrieb aber unter dem  Pseudonym Rose Berger zeitgenössische Trivialliteratur. Elisabeth Rosenberger (1844-1911) heiratete 1874 den Hamburger Pfarrer Johannes Wichern, dessen Vater Johann Hinrich Wichern in Hamburg die Innere Mission  der evangelischen Kirche und das „Rauhe Haus“ gründete. Wichern gilt landläufig als „Erfinder“ des Adventskranzes. Zum Verwandtenkreis gehörten auch Otto August Rosenberger, von 1826 bis 1890 Prof. f. Astronomie in Halle, und Prof. Emil Heinrich du Bois-Reymond, Begründer der Elektrophysiologie und Mitglied der Kgl.-Preuß. Akademie der Wissenschaften.

Dr. Rosenberger beschäftigte sich intensiv mit der Soletherapie und experimentierte mit den verschiedensten Behandlungsformen bei unterschiedlichen Krankheitsbildern. Zusammen mit den übrigen Knappschaftsärzten, die untereinander im regen Austausch standen, wurden hier die Grundlagen der Balneologie gelegt. Die Ergebnisse wurden  vom Preußischen Staatsministerium für Medizinal-Angelegenheiten ausgewertet und verbindliche Maßnahmen zur Hebung der Volkshygiene angeordnet.

 

  1. Juni Mitteilung des OBA zur Knappschaftskasse (MER F 44 XIV 1)

„Es ist in Anregung gekommen, die Benefizien näher festzustellen, welche die Angehörigen des  Knappschaftsverbandes zu erwarten haben sollen, wenn das Alter der sich verheiratenden Knappschafts-Mitglieder zu dem der Ehefrau nicht im Verhältnis steht, sowie wenn  Knappschafts-Mitglieder  auch nach ihrer  Pensionierung  noch zur Ehe schreiten, um die Knappschafts-Institute  gegen den Nachteil zu sichern, der daraus für dieselben entstehen muß, wenn darüber Ungewißheit herrscht (.) Die Kgl. Salinen-Verwaltung wird hierdurch veranlaßt, sich gutachterlich darüber zu äußern, inwiefern das darin angenomme Alter der Männer zu dem der Frauen für das dortigen Knappschaftsinstitut  anzunehmen und welche sonstigen Umstände noch etwa zu berücksichtigen sein dürften...“ Offensichtlich heirateten wesentlich jüngere Frauen ältere alleinstehende oder verwitwete Knappschaftmitglieder, womit sie dann im Todesfall des Mannes einen sicheren aber eben auch sehr langen und daher für die Kasse nachteiligen Versorgungsanspruch hatten.

 

      Juni  Visite des Oberbergassessors von Bülow (in WER F 23X Nr. 22 Bd. 1).

Nach der Besichtigung des Wellenbades regte er einige Verbesserungen an und genehmigte, dass der Überschuss aus den Einnahmen nach Abzug der Unkosten ebenfalls von der Knappschaftskasse vereinnahmt werden kann.  

 

  1. Juni Einweihung der Schule (Hoppe, Heimatbuch 1930)

Vor dem alten Schulhaus in der Borlachstraße (Nr. 38) hielt der geistliche Inspektor Schmieder die Abschiedsrede und dankte dem Kinderlehrer, der nach 24 Jahren aus dem Schuldienst ausschied. Dann ging es zum neuen Schulgebäude in der Lindenstr. (Nr. 24), wo  Landrat Lepsius die Einweihungsrede hielt. Da sich die Gemeinde den Bau eines neuen angemessenen Schulhauses nicht leisten konnte, hatte sie das Anwesen, dass einst dem Kinderlehrer Johann Ernst Hucke gehörte für 1950 Taler erworben und für 600 Taler umgebaut. Hucke war Kinderlehrer bis 1765 dann folgte sein gleichnamiger Sohn, der 1772 um seine Versetzung bat. Nach zahlreichen Querelen und „Schul-Ausfall“ baute die Gemeinde 1788 auf Druck der Behörden ein eigenes Schulhaus in der Dorfstraße (Borlachstraße 38). Von den 200 Kindern im schulfähigen Alter, besuchten 150, vorzugsweise die der ärmeren Familien, die Gemeindeschule, die anderen besuchten eine Privatschule. Aber auch das jetzige Schulhaus reicht nicht aus. Es gab zwei Lehrer und zwei Klassen, so dass diese geteilt und jeweils am Vormittag und am Nachmittag unterrichtet wurden.

 

  1. Juli Verkaufsanzeige der Landesschule (NKB 24)

„In dem wegen seiner anmutigen Lage in einer der schönsten Gegenden des Königl. Preuß. Herzogtums Sachsen bekannten Salinen- und Badeort soll das der Kgl. Landschule Pforte anheim gefallene Floß-Etablissement (.) öffentlich veräußert werden (.) Von der fraglichen Veräußerung wird zwar das zu dem besagten Floß-Amtsgehöft (.) gehörende Wohnhaus, welches zum Abbruch kommt (.) ausgenommen und es werden nur die Stallgebäude (.) zur Veräußerung gestellt; allein es gewährt gerade dieses Sachverhältnis dem künftigen Erwerber den annehmlichen Vorteil, begünstigt von  der unvergleichlich schönen Lage an der frequenten Frankfurter Chaussee und der großen Saalebrücke  ein neues  Wohngebäude nach Wünschen  sich erbauen zu können.“ 

 

  1. Juli Submission für den Ausbau des Fahrweges vom Rechenberg nach Kukulau (NKB 28)

 

      Sep. Badeliste (NKB 25-34).

Es gab 89 Einträge und somit 200 Einzelgäste, darunter die Gräfin v. Keller aus Potsdam,  Gattin des Staatsministers Graf Armin von Keller, die Baronin Krodt aus Mecklenburg, Graf Zech-Burkersroda auf Benndorf, Frau von Münchhausen, geb. Gräfin von Hardenberg, Hofmarschall v. Schöning aus Berlin und Prof. Thilo aus Breslau..

 

  1. Sep. Mitteilung des Finanzministeriums zum Brückengeld (St.-A. Nr. 550)

Der Antrag der Gemeinde auf Erlass des Chausseegeldes für die Einwohner und die Verlegung der Einnahmestelle von der Brücke außerhalb der Ortslage wurde abgelehnt und der Ortsrichter darauf hingewiesen, dass die Gemeinde vom angebotenen „Chausseegeld-Abonnement“ keinen Gebrauch gemacht habe.

 

  1. Sep. Übergabe der Holzverwalterstelle (MER 67b Nr.36).

Der Holzinspektor Jost übergab dem Holzverwalter Jähnert aus Naumburg die Aufsicht über den Holzplatz, den bisher Stange inne hatte. Zu diesem Zeitpunkt lagen auf dem Holzplatz 1.070 Klafter (3.600 Raummeter) Weichholz und 20 Klafter Ausschussholz.

 

  1. Okt. Pro Memoria des Hofrates Ch. Keferstein-Halle zur Hydrogeologie (NKB Nr. 35-1859)

Unter der Überschrift „Inwiefern es geologisch-geognostische Gründe wahrscheinlich oder unwahrscheinlich machen innerhalb der Stadt Naumburg stark springende (artesische) Quellen zu finden, welche einen artesischen Brunnen bedingen können“ wurde auch auf die Solequellen der AKD-Salinen eingegangen.

 

  1. Okt. Übergabe des Gasthofes „Zum mutigen Ritter“ (WER Rep. F 23 Nr. 1).

Johann Samuel Weber übergab den Gasthof seinem Sohn Karl Friedrich und dessen Ehefrau Karoline Wilhelmine geb. König. Allerdings hatte er es versäumt, die dafür erforderliche Genehmigung bei der Salinenverwaltung einzuholen, weshalb der Landrat dem Nachfolger zunächst die Erteilung der Konzession verweigerte.

 

      Okt.  Jahresbericht über die fikalischen Badeeinrichtungen (WER Rep. F23 X, 22/1).

199 Besucher wurden am Wellenbad registriert, denen in den drei Sommermonaten 685 Bäder abgegeben wurden, davon in der Liste A (Fremde mit mehreren Bädern  zum Preis von 2 Silbergroschen) und 142 Bäder und der Liste B (Einzelbäder zu 2 ½ Silbergroschen).  Insgesamt waren es 57 Taler Einnahmen  und damit ein leichter Überschuss.

 

  1. Nov. Vereinbarung zwischen dem Rat von Jena und der herzogl. Kammer (Stadtarchiv Jena).

Die herzogl. altenburgische Flöße und der Rat von Jena vereinbarten das für den Holzplatz am Camsdorfer Wehr anzuflößende Küchenholz.

Neben dem großherzogl. Stapeln Jena und Dornburg, belegte die altenburgische Flöße die eigenen Holzplätze Camburg und Unterneusulza und die zu preußen gehörenden Stapel Kösen, Naumburg, Weißenfels, Merseburg, Holleben und schließlich Halle. Vor der jeweiligen Jahresflöße wurde in allen drei Anrainerstaaten ein Mandat veröffentlicht, mit dem sämtliche Amtspersonen angewiesen wurden, die Flöße nicht zu behindern und den Holzdiebstahl zu unterbinden. Die abgegflößten Mengen waren deutlich geringer, so dass die Flöße nicht so lange dauerte und sich die  Behinderungen für die Langholzflöße sowie der Müller und Fischer auf ein Mindestmaß beschränkten. 1867 wurde  zum letzten Mal Brennholz bis nach Jena geflößt.

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch Oberbergrat v. Bühlow (WER Rep. F23, II Nr.5/2).

Über den Antrag des Chemikers H. G. Heun, die Glaubersalzfabrik zu erweitern sollte das OBA entscheiden.

 

  1. Nov. Danksagung der Geschäftsleute Fromm und Rost (NKB)

„Zeigen wir hiermit an, daß uns durch das Abbrennen des Hoffmannschen Hauses in Kösen durchaus kein Schaden zugefügt wurde, daß überhaupt der verruchte Täter es wohl gar nicht absehen mochte, uns zu schaden, sonst war ihm die Gelegenheit sehr nahe, die von uns bereits heran geschafften Utensilien, Silberzeug, Wäsche, Hausgeräte und Waren zu vernichten, denn um Mitternacht soll das gedachte Haus zuerst vom Boden gebrannt haben. Die Rettung unserer Effekten  aber, die sich alle noch im Parterre  befanden, haben wir  dem Diensteifer des Gendarmen Hering sowie mehrerer achtbarer Bewohner Kösens zu verdanken (.) Das beabsichtigte Etablissement erleidet dadurch keine Störung, sondern wird statt am 8. am 16. Dezember im Haus der Madame Heßner in Kösen geöffnet werden.“

 

  1. Dez Vertrag zum „Fröhnerstall“ (WER Rep.F 23,I Nr.1 Bd.5).

Der ausgehandelte Vergleich wurde vom zuständigen Ministerium genehmigt und die Vereinbarung  am 15. Jan. 1835 im Grundbuch eingetragen.

 

1835      

 

  1. Apr. Gesuch des Gradierers Martin Zedel (MER F 44)

Nach dem plötzlichen Tod des Kohlenaufsehers Kulicke bewarb sich Zedel um dessen Stelle: „Bereits unter vormaliger Kgl. Sächs Regierung bin ich nämlich vom 1ten Nov. 1803  ab bis ult. Okt 1817 angeworben und wie die hier beiligende Kapitulation besagt, zum vormaligen Infanterie Regiment Prinz Xaver verpflichtet worden. Infolge, dass unterdessen nach dem preußisch-französischen Krieg im Jahr 1806 von neuen wieder ausgebrochenen französisch- österreichischen Krieg hatte ich aber das Unglück in der Schlacht von Wagram  vielfach und dergestalt schwer blessiert zu werden, daß ich zwar wiederhergestellt worden, aber 1810 für untüchtig für den ferneren Militärdienst habe erklärt werden müssen. So blieb mir daher nichts übrig, als mich in meinen Geburtsort Kösen zurück zu wenden, um hierselbst, wo mein Großvater Namens Jacob Zedel erstlich als gewesener Bergmann und nachher als Steiger die hiesigen Solschächte mit angeteuft hatte, zuletzt aber als Siedemeister bei hiesiger Saline gestorben ist, mein Vater aber als Oberbursche im 1ten Kot angestellt gewesen war, mich auch also zu nähren. Ich bin auch so glücklich gewesen, nicht allein von Anfang an durch Handarbeit sowohl als auch später hin als Salinen-Kassen-Nachtwächter und zuletzt als Gradierwärter meinen Bissen Brot dankend genießen zu können. Da nun die von den Kriegen erhaltenen Blessuren, namentlich an einem Schuß in die rechte Hand  und von Zerschmetterung des linken Oberschenkels und Schienbeines erlittenen sehr großen Schmerzen sich von Zeit zu Zeit wieder zu melden anfangen und mir das Steigen der hohen Treppen auf das Gradierhaus sehr beschwerlich machen, während ich doch auf ebener Erde einen anderen Salinendienst recht füglich werde machen können, so bitte ich ganz gehorsamst, dieweil die jetzige Kohlenaufseherstelle vakant ist, sich bei den höheren Behörden wohlwollend und gütigst zu verwenden.“ Das wurde abgelehnt und der ehemalige Unteroffizier der preußischen Dritten Pionierabteilung Magdeburg August Kühne eingestellt.

 

  1. Apr. Eröffnung des Ausschanks auf der Rudelsburg (NKB 16)

„Einem hochverehrten Publikum erlaube ich ergebenst anzubringen, daß die Rudelsburg geöffnet  und daß (.) ein gutes Lagerbier daselbst zu haben ist“

 

  1. Mai Geschäftsanzeige des Kaufmanns Fromm (NKB 22)

„..so wie ich noch besonders das in und um Kösen wohnende Publikum bitte, Bestellungen auf feine Confitüren und Torten in meinem dortigen Geschäft bei Herrn Franz Rost abzugeben“ Demnach wurde im Frommschen Materialwarengeschäft auch Konditoreiwaren angeboten.

 

  1. Juni Anfrage wegen eines Studententreffens auf der Rudelsburg (MER C 48 Ia 205)

„An den K. Landrat Herr Lepsius, Wohlgeboren  zu Naumburg

Nach einer uns zugegangenen Nachricht hat am 1. Pfingstfeiertag auf der Rudelsburg eine Zusammenkunft von einigen dreißig Studenten aus Leipzig, Jena und Halle, denen sich Schüler aus Leipzig angeschlossen hatten, statt gefunden. Dieselben sollen die darauf folgende Nacht, nachdem sie durch den Gendarmen daran verhindert sind, auf der Rudelsburg  zu verbleiben, in Saaleck und Kösen übernachtet haben, und zum Theil legitimationslos gewesen sein.

  1. Exc. veranlassen wir, uns die näheren Umstände, und was Sie hinsichtlich der Legitimationslosen gethan haben, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen.“

Bei der Kontrolle hatte der Gendarm Hering festgestellt, dass sich einige nicht oder nur unzureichend ausweisen konnten. Da es sich auch um „ausländische“ Studenten, aus dem Königreich Sachsen und dem Großherzogtum Sachsen-Weimar handelte, vermuteten die Behörden politische Umtriebe.

 

  1. Juni Mannschießen der Schützengesellschaft und Ball im Weberschen Gasthof (NKB 24)

 

  1. Juli Bericht der Lokaldirektion über das Wellenbad (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Auf Grund der Erfahrungen aus dem Vorjahr, war An- und Umkleidekabinett dazu gekommen und auf Anraten des Knappschaftsarztes Dr. Rosenbergers wurde die  Röhrenfahrt vom unteren Schacht, über die im Winter Sole auf die Wasserkünste gegeben wurde, um das Einfrieren zu verzögern, bis zum Bassin verlängert. So konnte gegen einen Aufpreis  Schachtsole in einem seitlich angeordneten Becken dazu gegeben werden. Die Anlage selbst war so konstruiert, dass sie zum Saisonende abgebaut und eingelagert werden konnte. Zur Betreuung der Badegäste wurden die beiden  Kunstwärter in ihrer Freischicht abgeordnet, wofür sie den  vierten Teil der Einnahmen erhielten.  Die von der Lokaldirektion entworfene Badeordnung lag beim OBA zur Genehmigung vor und außerdem wurde darauf hingewiesen, dass der Dr. Rosenberger und der Ortsrichter Nette beim Landrat wegen der weiteren Entwicklung des Badeortes vorstellig waren.

 

  1. Aug. Genehmigung des Bade-Reglements (WER Rep. F 23 X 22/1).

Darin wurden alle die Benutzung des Wellenbades betreffende Dinge, wie Preis und  Öffnungszeiten, die Aufgaben des Aufsehers und der Umgang mit Beschwerdeführern geregelt.

 

  1. Aug. Anweisung des OBA zur Gartenpacht (MER F 44 V 13b)

„..wird die Kgl. Salinenverwaltung angewiesen, das in der Nähe der dortigen Gradierhäuser  belegene und zur Gartennutzung ausgetane Feld  nach Quadrat-Ruten vermessen zu lassen und  das Pachtgeld so zu regulieren, daß der Betrag pro Quadrat-Rute keine Bruchpfennige mehr enthält, auch daß diese Einrichtung von Michaelis  diesen Jahres in Wirksamkeit  treten solle.“

 

      Sep. Badelisten (NKB 24 bis 35).

88 Familien hatte sich eingetragen, fat 300 Badegäste, wie Frau von Buchwald aus Stockholm, Hofdame der Königin von Dänemark, zum wiederholten Mal Frau von Münchhausen, Frau von Holleufer, geb. Gräfin v. Hardenberg aus Merseburg, Frau Domherrin v. Trotha. geb. v. Krosigk, die Gräfin von Hardenberg aus Merseburg, die Baronin von Werthern aus Wiehe, die Prinzessin von Schönburg-Waldenburg, die Opernsängerin Madame Devrient aus Leipzig und Dr. Heinrich Laube aus Berlin.

 

  1. Okt. Stellungnahme von Senff zu den Pachtgärten (MER F 44 V Nr. 1)

Der Aufforderung des OBA kam Senff nicht nach und beließ es bei der seit 1829 geltenden Pacht, die er im laufenden Haushaltsplan als Einnahmen verbuchte. Zu seiner Rechtfertigung erklärte er „Die in Rede stehenden Gemüseländer sind schon unter vormaliger sächsischer Regierung in einzelnen Feldstücken verteilt an hiesige Salinenbeamte und Arbeiter verpachtet gewesen (.) da indessen mit der Länge der Zeit die vielfachen Abgrenzungen dieser kleinen Gärten sich verrückt hatten (.) so hatte sich bereits der verstorbene Baumeister Judersleben dem sehr mühsamen Geschäft unterzogen, die sämtlichen verpachteten Ländereien auszumessen und mittelst eichenen Pfähle abzugrenzen.“

Daraufhin erklärte das OBA „.. das geht indeß, ganz abgesehen davon, daß es unrichtig ist, schon deshalb nicht, weil dem für das laufende Jahr vollzogenen Ökonomieplan  ein spezielles Verzeichnis  der Zinsbeträge beigefügt ist, und also danach die  Erhebung erfolgen muß (.) daß das eingereichte Verzeichnis nichts als eine Abschrift ist und dessen Einreichung  ganz nutzlos. Das Verzeichnis muß daher jedenfalls verändert werden und wird die Kgl. Salinenverwaltung von dem Herrn Departements-Verweser bei dessen nächster Anwesenheit dieserhalb mit den nötigen Instruktionen versorgt werden.“ 

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/2).

Berghauptmann Mertins, Oberbergrat v. Bühlow und Bergassessor Graf von Seckendorf legten fest, dass die Produktion im kommenden Jahr nicht geändert wird und Investitionen nicht vorgesehen sind. Lediglich der Neubau der Buchhalterwohnung nach dem Plan des Salinenbaumeister Haun und die Reparatur des Wehrdamms, wo sich Setzungsrisse zeigten, würde erwogen.

 

  1. Dez. Reskript des preußischen Finanzministeriums (Abt. Berg-, Hütten- und Salinenwesen).

Darin wurde der Preis für ein Wellenbad auf 5 Silbergroschen bei der Inanspruchnahme von  bis zu 12 Bädern und 4 Silbergroschen bei über 12 Bädern je Badegast  genehmigt. Die Zugabe von  Sole wurde zusätzlich berechnet.

 

  1. Dez. Jahresbericht der Salinenverwaltung über die Badesaison (WER F 23 X 22/1).

Die Wellenbäder wurden 1804 in Anspruch genommen,  die Einnahmen beliefen sich auf 176 Taler, die Kosten auf ganze 13 Taler.

 

1836     

 

  1. Jan. Stellenausschreibung der Landesschule (NTB)

Gesucht wurde ein Pächter für die Flußbadeanstalt beim Fischhaus. Zu den Aufgaben gehörte der jährliche Auf- und Abbau und die Ausbesserung bzw. Ergänzung fehlender und defekter Teile, sowie die Aufsicht über die badenden Knaben.

 

  1. Jan. Beschwerde des Gastwirts Weber (WER, Rep. F23 I Nr.1 Bd.5 und D 34 II 1834).

Nachdem Hämmerling auch für seine Bäckerei an der Naumburger Chaussee (Nr. 2/4) die Schankkonzession bekommen hatte, versuchte Weber die sein Geschäft beeinträchtigende  Konkurrenz einzudämmen.

Zunächst beantragte er den Erwerb des ehemaligen Stapels an der Naumburger Chaussee. Ob er damit beabsichtigte hier eine Gastwirtschaft selber zu errichten oder einen möglichen Konkurrenten an dieser frequenten Stelle zu verhindern, ist offen.

Dann berief er sich auf die im Kaufvertrag enthaltene Formulierung, dass ihm der Gasthof mit allen „seit jeher“ darauf liegenden Rechten verkauft wurde. Dazu  gehörte nach seiner Auffassung auch das von Beginn an dem Gasthof verliehene „jure prohibendi“, bei dessen Inanspruchnahme die zuständigen Behörden jegliche andere Gastwirtschaft innerhalb eines bestimmten Umkreises verbieten sollte. Ein Anwalt sollte die Königliche Regierung bzw. den Salinenfiskus als Verkäufer dahin bringen, dieses Verbietungsrechtes „wie es der Saline bislang zugestanden war“ durchzusetzen.

 

  1. Mär. Vereinbarung zur Ablösung der Stapel (MER C48 IIIb Nr. 523).

Das Staatsministerium bewilligte der Landesschule  einen einmaligen Betrag von 588 Taler für die Instandsetzung des Scheitbachs und der Schützanlage. Beim Holzdeputat einigte man sich auf 25 Klafter jährlich, solange der Holzplatz von der altenburgischen Flöße belegt wird.

 

  1. Apr. Erlass des Ministerium für „Geistlichen Unterricht und Medicinal Angelegenheiten“.

Dr. T. Rosenberger erhielt die Genehmigung zur Einrichtung einer „Pension-Heil-Anstalt für skrophelkranke und tuberkulöse Kinder“.

Im Vorjahr hatte die Salinenverwaltung im Einvernehmen mit der Landesschule dem Gastwirt Weber erlaubt, die zur Gasthofpacht gehörende Lehde zwischen dem Chausseedamm und der Kukulauer Wiese an Bauwillige zu verkaufen. Rosenberger erwarb die Parzelle zwischen dem Rostschen Bauplatz und dem der Witwe Häßner von 260 Qu.-Ruten (ca. 3700 m²). Nach Wibels Stadtplan von 1856 wurde das Rosenbergersche Anwesen unter der Nr. 70 geführt (heute Lindenstraße 9, 11, 13). Das Anwesen musste recht groß sein, denn hier sollten Wannenbäder, Behandlungsräume sowie die Wohnungen für die Badegäste eingerichtet werden. Die Kinder kamen ja nicht nur mit einem Elternteil sondern mit dem gesamten Dienstpersonal wie Kindermädchen, Köche, Kutscher, Hauslehrer etc..

 

  1. Mai Eröffnung der Pensions-Heilanstalt (NKB Nr. 26)

„Die Anstalt des Dr. Rosenberger besteht aus geräumigen hellen  und freundlichen Lokalen. Die Speisen sind einfach aber kräftig zubereitet und höchst reinlich. Der stets anwesende Arzt vermag  den Kranken seine ganze Sorgfalt zu widmen eine weibliche Aufsicht in der Person eines ebenso verständigen wie gebildeten Frauenzimmers befriedigt alle Wünsche der Eltern, die ihre Kinder nicht selbst nach Kösen begeleiten können und sie doch gut aufgehoben zu wissen wünschen. Alles was den Anschein einer Krankenanstalt oder Lazareth hat, ist vermieden, im Gegenteil ist die ganze Einrichtung so getroffen, daß den Kindern und Kranken der Aufenthalt in Kösen lieb sein soll (.) In der Anstalt wird für die Wohnung, vollständige Beköstigung, Bedienung und Wäsche sowie für die Unterhaltung der zur Pflege und Aufwartung  angestellten Personen monatlich 10 Taler Gold bezahlt. Das ärztliche Honorar beträgt monatlich 5 Taler“.

 

  1. Mai Bericht des Ortsrichters Nette über die Langholzflöße (St.-A. Nr. 94)

Die Steuerbehörde beabsichtigte den Erlass eines Anbindeverbot für Langholzflöße im Zollgrenzbezirk  oberhalb des Wehrdammes bis an die preußische Landesgrenze zum Schutz der Ufer, des Wehrdammes und der Brücke vor losgehenden Flößen. Dagegen wandte sich der Ortsrichter, weil die 800 bis 1000 Flößer und Händler für das Dorf eine ansehnliche Verdienstmöglichkeit waren. Das würde verloren gehen, wohingegen der Pächter des Fischhauses und die Einwohner von Heringen und Sulza profitierten. Außerdem wäre die Begründung für das Verbot unzutreffend, denn der Holzhändler Bechmann aus Kösen durfte seine rund 100 Flöße weiterhin oberhalb des Wehrdammes anbinden. 

 

  1. Juni Anzeige der Julie Freitag (NKB)

„In meinem auf dem Saalberg bei Kösen belegenen Weinbergshaus werden in der Sommer- und Herbstzeit denen, die zu ihrem Vergnügen den Ort besuchen, höherer Genehmigung zufolge Erfrischungen gereicht“. Damit war der „Göttersitz“ gemeint. Prof. Münnich schrieb in seinem Reisebericht „Die malerischen Ufer der Saale“ (1846), dass man sich im „Freitagshaus“ „mit Kaffe und Trauben gütlich tun und das liebliche Saaletal überschauen und die Fülle der Schönheiten genießen“ kann. 

 

  1. Juli Einrichtung eines zweiten Wellenbades am unteren Wasserrad (WER Rep. F23 X 22/1).

Wegen der hohen Frequenz und der begrenzten Kapazität hatte die Lokalverwaltung vom   Überschuß des letzten Jahres eine zweite Anlage errichtet.  Trotz des kalten Wassers und der noch kälteren Sole (14° R), die ja direkt aus dem Schacht kam, erfreuten sich beide Anlagen einer regen Inanspruchnahme. Außerdem wurde über die Erprobung der Soledampfkammer berichtet.

 

      Sep. Badelisten (NKB 24 bis 35).

Insgesamt waren es 128 Einträge, rechnet man die Familienangehörigen dazu waren es diesmal deutlich über 300 Badegäste, die sich meist vier bis sechs Wochen aufhielten. Sicher hat die Eröffnung der Rosenbergerschen Badeanstalt auch dazu beigetragen. Manche  Familien, blieben noch länger, wenn ein Aufenthalt in den Städte unzumutbar war oder Epidemien drohten. Und das trotz  qualmender Essen der Siedekote und einer völlig unzureichenden  Infrastruktur  Unter den Badegästen waren der Landrat Baron von Recke aus Wongrowiec mit Gattin, die Schwägerin von Dr. Rosenberg Frau du Bois Reymond aus Berlin, Graf v. Reuß-Köstritz und der Oberstleutnant von Görschen  aus Groß-Salze.

 

  1. Okt. Verzeichnis der Pachtgärten der Salinenarbeiter (MER F 44 V Nr. 1)

Nach einer entsprechenden Unterweisung  hatte der Bauinspektor die Flächen nachgemessen und von sächsischen Quadrat-Ellen auf preuß. Quadrat-Ruten umgerechnet, was eine etwas größere Fläche ergab und eine Jahrespacht nach Ruten berechnet von insgesamt 100 Talern ergab, die im  Etat der Saline unter den Einnahmen erfasste wurden. 

 

  1. Okt. Gutachten des Salineninspektors zum Holzmarkt (St.-A. Nr. 94)

Ebers forderte die Befreiung der oberländischen Flößer vom Einfuhrzoll, die Aufhebung des Anbindeverbots und des Anbindegeldes, weil immer mehr Händler und Flößer ihr Holz schon in Camburg verkauften und auf eine Belegung der Kösener Holzmesse verzichteten.

 

  1. Nov. Anordnung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 94)

Der Holzplatz in Kösen sollte aufgelöst und die Gemeinde ihr Küchenholz vom Naumburger Holzhof  holen. Dagegen protestierte die Gemeinde weil die ärmere Bevölkerung weder in der Lage sei, dort das Holz abzuholen, noch sich größere Vorräte anzulegen. Diejenigen Einwohner, die es sich leisten könnten, würden das Holz preiswerter vom herzoglich-altenburgischen Holzplatz in Unterneusulza holen. Daraufhin wurde die Belegung im kommenden Jahr erlaubt.

 

  1. Nov. Schreiben der Kgl. Regierung Merseburg an den Steuerdirektor (MER C48 Ic 1686).

Bei der letzten  Kreisdeputiertensitzung hatte der Rittergutsbesitzer v. Schönburg auf Kreipitzsch  die erlassenen Beschränkungen für die Langholzflößerei heftig kritisiert und den Niedergang der Kösener Holzmessen prophezeit. Außerdem würde die Verlegung der Zollgrenze die Holzwaren verteuern, andererseits das Anlegeverbot und das von der Landesschule gefordert Anbindegeld für völlig unzureichende Anlegeplätze unterhalb des Wehrdammes, die Flößer davon abhalten, überhaupt noch nach Preußen zu flößen. Davon würde nur die Camburger Holzmesse profitieren und  dem  preußischen Fiskus entgingen dafür die Steuer- und Zolleinnahmen. Daraufhin  wandte sich die Verwaltung an die Steuerbehörde, um Prüfung ob Staatsinteressen gefährdet wären.

 

  1. Nov. Salinenrecherche (WER Rep. F23 II Nr. 5/2).

Berghauptmann Ritter Mertins, Ober-Bergrat v. Bühlow und der Bergassessor Graf von Seckendorff besichtigten zunächst das Werks dann wurde die Produktion ausgewertet. Der obere Schacht brachte aus einer Tiefe von 390,3 Fuß (122 m) eine Sole mit einem konstanten Salzgehalt von 5,263 % . Die Jahresfördermenge betrug 2.168.256 Kubikfuß (67.000 m³). Nach der Verfüllung des Wildwasserschacht zeigten sich keine negative Auswirkungen auf die Solekonzentration. Die Gradierung war nicht befriedigend weil die Repetierpumpen nicht die volle Leistung brachten. Gesotten wurden bislang 1309 Lasten aus den Feuerkoten und 96 Lasten aus dem Aschekot, damit stand man geringfügig hinter dem Plan. Die an die  Hauptkasse zu Halle abgeführten 20.900 Taler lagen im Plan. Im kommenden Jahr sollten 1400 Lasten produziert werden, wobei eine Konzentration der Siedesole von  26,7 % angestrebt wurde.

Außerdem wurde Fertigstellung der Buchhalterwohnung erwähnt und nach der Begutachtung des Risse des Wehrdammes durch den Bauinspektors der Landesschule die ausgebrochenen Steine wieder eingesetzt und die Fugen vergossen. Zudem wurde die Lokaldirektion angewiesen den Damm im Auge zu behalten.

Weil die Lokalverwaltung  die Anschaffung einer zweiten Feuerspritze beantragt hatte, wurde die  alte dem Berghauptmann vorgeführt. Obwohl der sich von der unzureichenden Wirkung überzeugte, wurde eine Neuanschaffung nicht genehmigt.

Dann wurde der Antrag Dr. Rosenbergers vom 17. November erörtert, ein Soledampfbad bzw.   Brodembad nach dem Vorbild in Ischl/Österreich einzurichten. Die Lokaldirektion wurde angewiesen, die Pläne und Kostenanschläge  beim OBA einzureichen.  Außerdem verwandte sich die Lokalverwaltung für den Sohn des Dürrenberger Rendanten Porse, der eine Konzession für eine Apotheke bei der Kgl. Regierung beantragt hatte, da diese im Interesse der Knappschaft aber auch der Einwohner sei und sich wirtschaftlich tragen könnte.

 

1837         

 

  1. Jan. Gesuch der Armendeputation zu Magdeburg (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

Für die Aufnahme und Behandlung des mittellosen, auf  Wanderschaft befindlichen, hier gebürtigen Zimmergesellen Carl Wilhelm Grenzdörfer im dortigen Krankenhaus wurde von der Gemeindarmenkasse die Kostenerstattung verlangt und bei Weigerung mit Klage gedroht.

 

  1. Jan. Ausschreibung für die Straßenbepflanzung (NKB Nr.2)

Nach einjähriger Bauzeit war der Fahrweg vom Rechenberg zum Vorwerk Kukulau fertig und sollte nun mit  400 Kirsch- und Pflaumenbäumen bepflanzt werden.

 

  1. Feb. Verhandlung zur Klage Webers gegen den Salinenfiskus (WER Rep.F23 I Nr.1 Bd.5).

Der erste Senat des OLG Sachsen in Naumburg wies die Klage kostenpflichtig ab. In einem   ausführlichen Schriftsatz vom 17. März begründete der unter dem  Vorsitz des Vizepräsidenten Ober-Tribunalrat Mahlmann tagende Senat, dass Weber das von ihm reklamierte Verbietungsrecht gegenüber Dritten beim Kauf des Gasthofes von der Saline nicht mit erworben habe und er dieses demzufolge auch nicht einfordern könne, auch wenn in der Provinz Sachsen immer noch in einigen  Fällen die  alte sächsische Gewerbeordnung gelten würde. 

 

  1. Feb. Ablehnung eines Antrages auf Unterstützung (MER C 50 Nbg. A Nr. 434)

Das an den Landrat gerichtete Gesuch der Witwe Apitz auf Zuwendung aus der Armenkasse wurde  von der Kgl. Regierung abgelehnt. Zum einen wäre die Witwe in ihrem Alter noch in der Lage für sich selbst zu sorgen und außerdem wäre ihr volljähriger Sohn aus diesem Grunde bei der Aushebung zum „Liniendienst“ zurückgestellt worden.

 

  1. Mär. Anordnung des OBA zu den Pachtländereien der Saline (MER F 44 V Nr. 1)

„Bevor von der Kgl. Salinenverwaltung die Regulierung des Pachtgeldes für die Salinen-Ländereien  betreffend beschieden werden kann, hat dieselbe einen Zeichnung  von diesen Ländereien bei uns einzureichen ...“ Dieser Plan wurde zusammen mir den Pachtverzeichnis und den neuen Pachtgeld beim Ministerium zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung wurde nicht erteilt und das OBA teilte der Salinenverwaltung mit, dass „wir daher beschlossen haben es bis auf Weiteres beim Alten zu lassen.“

 

  1. Mär. Genehmigung der Erbpachtverträge (WER D 34 1/1063)

Das betraf die Rosenbergersche Pensions-Anstalt Lindenstr. 70 (heute Lindenstraße 9, 11, 13), die  Restauration von Rost Lindenstr. 69 (Lindenstraße 5,6,7) und das Anwesen der Witwe Häßner Lindenstraße 71 (Lindenstr. 15). Außerdem die Lindenstraße 4 (Hausmarke C. J. D. 1837) die spätere Apotheke und das Baumbachsche Haus Lindenstr. 1 u. 2 (RBD Erfurt K 12.3). Der Salineninspektor Senff erwarb kurz vor seiner Pensionierung ebenfalls einen Bauplatz (Lindenstraße 3) und  der Salinenbaumeister Johann Andreas Haun 27 Quadrat-Ruten (383 m²) zwischen „dem Gottesacker und dem derzeitigen Heunschen Haus“, an der Eckartsbergaer Chaussee.

 

  1. Apr. Antrag auf Erstattung von Einquartierungskosten (MER C 50 Naumburg A, 597)

Nach dem Tod des Salzsieders Streuber hatten seine Kinder die Hälfte des väterlichen Hauses (Lindenstr. 22) geerbt. Der Sohn wohnte dort und trug alle anfallenden Kosten. Nach dem Tod seiner Schwester Dorothea Elisabeth, verh. Thieme verlangten ihre Kinder die Auszahlung ihres Erbteils. Daraufhin machte Streuber die Hälfte der seit 1806 erhobenen Umlagen für Einquartierungen geltend, die er allein bezahlt hatte. Für die anberaumte  Erbschaftsauseinandersetzung solltedie bereits erhaltenen Entschädigungen und die beim   Landrat archivierten Einquartierungslisten vorweisen.

 

  1. Apr. Bericht des Rittergutsbesitzer v. Schönberg (MER C 48 Ic, 1686).

Da die Antwort der Provinzial-Steuerdirektion auf das Memorandum ihn nicht befriedigte, legte er nochmals seine Auffassung zu den Verhältnissen der Saale-Flößerei und den absehbaren Niedergang der Holzmessen dar.  Er verwies auf die Gefahr, dass bei kleinlicher Auslegung der 1836 erlassenen Regeln durch die Unterbeamten nicht nur die   Johannismesse sondern auch noch der Ostermarkt eingehen und sich der Handel mit Floßholz wohl vollständig im „ausländischen“ Camburg konzentriert.

 

     Juli 1. Allgemeiner SC (Fabricius: Die deutschen Corps 2. A. 1926)

 

  1. Juli Vertrag zwischen C. A. Therkorn und der Landesschule (BLK-A. Nr. 62)

Therkorn durfte auf den Lehden und Triften des Jackenberges 215 Obstbäume pflanzen wofür er  Taler 15 Silbergroschen Baumzins jährlich zu zahlen hatte..

 

  1. Aug. Bericht des Geh. Oberbergrats Karsten (WER Rep F 43 a).

„Über die in den Schweizer Kantonen Zürich, Schaffhausen und Basel-Landschaft angestellten Versuche  zur Auffindung von Steinsalz...“ war der Anlass, auch in Preußen die Suche nach Steinsalzlagern wieder aufzunehmen. Der Antrieb der Bohrer und der Pumpen durch  Dampfmaschinen erlaubte es, in wesentlich größere Tiefen als bisher vorzudringen . Zwei Jahre später begann die Niederbringung einer Bohrung auf Steinsalz im Salinenhof von Staßfurt unter der Leitung von Karsten, die aber zunächst erfolglos blieb.

 

     Sep.  Badelisten 1837 (NKB 23 bis 33).

In der offiziellen Badeliste gab es 150 Einträge und in Rosenbergers Jahresbericht war von 330 Erwachsenen und 140 Kindern die Rede. Unter den Badegästen waren der Großherzogl. Badensche Minister Oberstltn. v. Franckenberg, Gen. der Inf. v. Jagow, Prem.- Ltn. von Witzleben, ein Verwandter des preußischen Kriegsministers, Graf Meuje von Leyser aus Paris und die Gräfin von Lynar aus Lübbenau. Das Kösener Musikchor inzwischen fester Bestandteil des Badebetriebes dirigierte erstmals Carl Julius Heyne (St.-A. Nr. 348) 

 

      Sep. Erprobung des Soledampfbades (in WER Rep. F. 23 X Nr. 22/1).

Das bestand aus einem hölzernen Kabinett von 2,5 x 2,5 x 2,5 Metern dass im Dachraum über der Siedepfanne unmittelbar neben dem Brodemabzug eingerichtet wurde. Der Brodemabzug und das Kabinett waren mittels einer Röhre verbunden durch die der heiße salzhaltige Brodem von unten in die Kabine geleitet wurde. Zur Regulierung der Dampfzufuhr gab es eine Verschlussklappe, die der  Badende von der Kabine aus betätigen konnte. Neben der Bade- gab es eine Umkleidekabine, die  Aufwartung besorgte einer der Siedemeister in der Freischicht. Diese Konstruktion erwies sich als  störanfällig und es folgten etliche Verbesserungen.

 

  1. Aug. Schreiben der Lokaldirektion wegen des Kirchenstuhls in Pforta (MER F 44 VII 2)

„E Wohlgeb. Schulpfortischen Kircheninspektion ist es bereits sattsam bekannt, daß der unter vormaliger sächsischer Regierung und namentlich während der Direktion des Hr. v. Hardenberg  für die Beamten der Saline zu Kösen auf Kosten derselben daselbst, wo die ehemalige Orgel  gestanden, erbauten Kirchenstuhl vor kurzem nach einer von Herrn Inspektor Schmieder gemachten mündlichen Mitteilung durch Veranstaltung des Kgl. Kreisbau-Inspektors Herrn Schmidt  völlig und samt der  von außen heraufführenden Treppe abgeworfen worden ist.

Nun ist zwar zufolge der von Herrn Inspektor Schmieder zugleich mitgeteilten  Zusage der Platz auf der östlichen Emporkirche über dem Altar zum vorläufigen, 70 Sitze des bisher innegehabten Kirchenstuhles bestimmt, auch für die 4 Beamten der unterzeichneten Kgl. Salinen-Verwaltung und  deren Familien-Glieder vorgerichtet und vollkommen festgestellt worden.

Bei näherer Besichtigung dieses besagten Kirchenstuhls und bei Erörterung der hierbei noch zur Sprache zu bringen gewesenen Nebenumstände dürfen wir aber zu unserm größten Bedauern E.  Kircheninspektion auf die mancherlei und keineswegs unerheblichen Mängel aufmerksam machen..“.

Daraufhin erklärte die Kircheninspektion „Es tut uns sehr leid, daß die Herren Beamten der Salinen-Verwaltung die Räume in der hiesigen Kirche, nämlich die Emporkirche über den Altar und einen Teil der südlichen Emporkirche, welche von der unterzeichneten Kirchen-Inspektion als Ersatz für den von ehemaligen Salinebeamten auf eigene Kosten eingerichteten jetzt aber in Folge der Notwendigkeit abgetragenen Kirchenstuhls offeriert worden sind, nicht annehmbar finden, ungeachte sich durch angestellte Untersuchungen  ergeben hat, daß die Worte des Kanzel-Redners  an beiden Orten  deutlich  zu vernehmen sind..“

Und letztlich entschied die Oberbehörde „Es bleibt daher unter den vorliegenden Umständen nichts übrig, als für die Herren Salinen-Beamten und ihren Familien ein anderer für sie bequem gelegener  Kirchenstand  ausgesucht werde, wozu wir sehr bereitwillig die Hände bieten. Auch sind  auf den andern beiden Empor-Kirchen noch disponible Räume vorhanden und es dürfte  namentlich  der Emporkirche auf der südlichen Seite noch immer Platz für die Herren Salinen-Beamten und deren Angehörige  gewähren. Zu diesen Räumen ist nicht nur der Aufgang bequem, sondern auch zu jeder Zeit ohne besondere Störung der Kirchengemeinde zu gelangen...“

 

  1. Nov. Salinenrecherche durch v. Bühlow und v. Seckendorf (WER Rep. F 23 II Nr.5/2).

Dabei wure über den Antrag des Chemikers Heun entscheiden, der die Abdeckung des Siedesolereservoirs zum Ausfrieren der  Mutterlauge für die Glaubersalzgewinnung nutzen wollte. Die Bedenken der Lokalverwaltung, die im Reservoir  gelagerte Siedesole könnte dabei beeinträchtigt werden, wäre unzutreffend und Heun erhielt die Genehmigung, allerdings mit der Auflage, das bei der Glaubersalzherstellung auskristallisierte Kochsalz bei der Saline wieder abzuliefern, natürlich gegen Bezahlung, und nicht selber zu vertreiben.

Darüber hinaus wurde der Lokaldirektion mitgeteilt, dass man in Artern einen Salzstock angebohrt habe. Eingeleitetes Süßwasser würde das Salz auflösen und somit stand konzentrierte Salzsole zur Verfügung. Bis auf einen Reinigungsfall würde sich nun die Gradierung erübrigen, die Produktion  deutlich gesteigert und die Kosten gesenkt.

 

  1. Dez. Antrag zur Verpachtung des Kohlenstreichplatzes (MER F 44 V Nr. 1)

„Bereits seit 2 Jahren ist der Formkohlenstreichplatz jenseits der kleinen Saale von seiten der Saline  nicht mehr benutzt worden (.) Um nun dieses Terrain  nicht unbenutzt liegen zu lassen, so wurde beschlossen, dasselbe an Salinenarbeiter zu verpachten“ teilte der Salineninspektor dem OBA mit und bat um die Genehmigung die 12 Parzellen a 36 Quadrat- Ruten  „pachtlustigen“ Salinenarbeiter zu verpachten.

 

  1. Dez. Bericht zur Erprobung des Soledampf-Kabinetts (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Nachdem der Verschlußmechanismus der Dampfzufuhr verbessert und eine Dusche für den Notfall  eingerichtet war, besichtigte ein Vertreter des Ministers für geistliche und Medizinal-Angelegenheiten die Anlage ab und empfahl, die Einrichtung einer weiteren Kammer  über der 2. Pfanne, da die Benutzung an den Siedeprozesses gebunden und demzufolge bei Kaltlager das Kabinett nicht benutzt werden konnte.

 

               Heinrich Laube „Reise durch das Biedermeier“ (Hamburg 1965)

Laube (1806-1884), Theaterkritiker, Theaterdirektor in Wien und Leipzig und  Mitglied der Nationalversammlung in Frankfurt, wurde 1835 wegen „burschenschaftlicher Umtriebe“ verhaftet. Er bekam Naumburg als Wohnsitz zugewiesen, weilte 1836 in Kösen zur Kur und begab sich dann auf Reisen quer durch Deutschland und Österreich, die er dann literarisch verarbeitete. Darin heißt es „Die Nationalleidenschaft (d. Thüringer) heißt Kuchen. An der Heerstraße (Leipzig-Frankfurt) steht an den Warenhausschildern obenauf „Kuchenbäckerei“.  Ich hatte eine lange Zeit das Glück mitten im Schoße dieses nationalen Appetits zu wohnen, alle Nuancen beobachten zu dürfen: in Kösen steht nämlich hoch am Wege das berühmte Hämmerlingsche Kuchenhaus wo jeder, der vorüber pilgert, einkehren muß. Bertha bringt einem hier zu jeder Jahreszeit den passenden Kuchen ohne jede weitere Frage ….“ und weiter heißt es „Der finstere Morgen, an dem mich mein Freund der Mautmann an der Kösener Brücke (Einnehmer) nicht erkennen wollte, ging erst ein wenig ins Dunkel über, als wir hinter Kösen die lange Bergstraße aufwärts fuhren. Sie ist trotz der trefflichen Chaussee noch schwerlich genug. Bevor diese Gegend preußisch wurde, soll diese Straße noch gar nicht existiert haben (.) Im jenseitigen Dorf aber und in Kösen waren die Wegelagerer zu Hause, daß heißt diejenigen Leute, die sich zum Vorspann Pferde halten. Diese geborenen Feinde aller Reisenden sind heute noch nicht ganz beruhigt...“   .

 

1838    

 

08.Jan. Genehmigung des OBA zur Verpachtung des Streichplatzes (MER F 44 V  Nr. 1)

„Wir genehmigen zwar die Verpachtung des Streichplatzes in der von der Kgl. Salinenverwaltung  beantragten Art und zu den geboteten Pachtgeldern im Allgemeinen, können  aber nicht geschehen  lassen, daß die über die Licitation aufgenommenen Verhandlungen die Stelle des Kontraktes vertritt“ Daraufhin wurden mit den 13 Interessenten reguläre Pachtverträge über 6 Jahre (1838-1843) mit Verlängerungsoption abgeschlossen. Die Pacht wurde auf die Pächter umgelegt und war jeweils am Jahresbeginn fällig. Die Saline behielt sich aber vor, bei einer etwaigen Erweiterung der Aschenplätze die Gärten zu kündigen und schloß mögliche Ersatzansprüche wegen der Ascheablagerung aus.

 

  1. Mär. Veranstaltungsanzeige (NKB)

Gottlob Hämmerling, der ein Geschäft an der Naumburger Chaussee (Naumburger Str. 2-4) hatte und über ausreichend Platz verfügte, lud zum Konzert ein. Der Eintritt kostete 2 Silbergroschen.

  

  1. Mai „Regulativ über das Flößen mit Langholz auf der Saale“ (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Auf dem preußischen teil der Saale waren nur noch Flöße mit zwei Gelenken und einer Gesamtlänge von 108 Fuß (34 m) zugelassen. Der Zoll wurde nun vor dem Übergang über den Wehrdamm erhoben und da dies dauerte, stauten sich die Flöße bis zur Ilmmündung.  Außerdem durften die Flöße nicht mehr auf das Ufer gezogen werden. Die Flöße blieben im Strom und mussten mittels Seilen an den im Uferbereich eingerammten Pfählen fetsgebunden werden, so dass sie bei Hochwasser nicht losgingen oder von Unbefugten losgebunden wurden.

 

     Juni  August Stichling pachtet das Fischhaus mit der Fähre (KAZ 1926).

An das Fischhaus waren die Fischereirechte auf der Stromsaale vom Unterwasser des Wehrdamms bis zur Weidenfurt bei Roßbach, an der kleinen Saale vom Einfalls am Wehr bis zur Pfortenmauer und von der Almricher Mühle bis zur Mündung in die Saale, sowie ein Teil der Krummen Hufe gebunden. Dazu kam das Fährrecht und die Aufsicht über die Flussbadeanstalt der Landesschule. Die Tochter Stichlings heiratete 1868 den Fischmeister Fritz Mende, deren Nachkommen das Fischhaus und die Fähre bis 1970 betrieben.

Im gleichen Jahr verzichtete die Landesschule auf ihre Lachsfangrechte am Wehrdamm. Von beginn an gehörte zur Mühlenpacht das Recht der Lattenfischerei am Wehrdamm, ausgenommen der Lachsfang. Die musste der Mühlenpächter immer in der Schule abliefern, wofür er ein Fangegeld von 4 Silbergroschen pro Stück erhielt. Die Zahl der Lachse war in manchen Jahren so groß, dass sich die Alumnen weigerten, diese noch weiter zu essen.

Die Fischfangrechte oberhalb des Wehrdammes gehörten zum Rittergut Kreipitzsch.

 

  1. Juni Schreiben des Kgl. Provinzialschulkollegium (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Die Behörde fragte beim OBA an, ob man auch die Sole für eine öffentliche Warmbadeanstalt nach dem Vorbild in Salzelmen liefern würde. Als Standort für eine derartige Einrichtung wurde der verkehrsgünstig gelegene untere Scheitholzstapel vorgeschlagen, der nach Einstellung der Brennholzflöße zum Verkauf stand und von der Größe für ein Badehaus, Kesselhaus, Wohnungen und Parkanlagen alles nach den modernsten Erkenntnissen und dem Publikumsgeschmack eingerichtet, ausreichte. Im Dezember teilte das OBA mit, dass es den Plan einer derartigen Einrichtung im Intersse des Ortes begrüßt und Badesole aus dem unteren Schacht für billigen Preis verkaufern würde.

 

  1. Juli Ankündigung des Bevollmächtigten der Universität zu Halle (MER C 48 Ia 205)

„In einer hier wegen verbotener Studentenverbindungen eingeleiteten Untersuchung wird seitens des hiesigen Königl. Universitäts-Gerichts  heute oder morgen eine Requsition an den Herrn Landrath Lepsius in Naumburg um Ermittlung der näheren Umstände einer, nach vorhandenen Notizen um Pfingsten dieses Jahres  auf der Rudelsburg statt gehabten Zusammenkunft zwischen hiesigen und fremden, wahrscheinlich Jenaischen Studenten abgehen. Es ist von ausnehmender Wichtigkeit, daß bei jener Ermittlung mit Umsicht und zugleich mit aller Strenge verfahren werde, und durch Vernehmung des Wirths pp. Nachsuchung, womöglich Hersendung des Fremdenbuches, die Teilnehmer jener Zusammenkunft und ihr ganzes Tun und Treiben genau zu erfahren. Ew Hochwohlgeboren erlaube ich mir, um geneiget Verfügung zur Erreichung dieses Zwecks ganz gehorsamst zu ersuchen.“ Der Königliche Außerordentliche  Regierungs-Bevollmächtigte an hiesiger Universität.

 

  1. Aug. Schreiben E. F. Senffs an das OBA (Rep F 38 V A).

Dieser bat, in Anbetracht der in seiner langjährigen Dienstzeit erlittenen Unfälle um die Verlängerung seines Genesungsurlaubes. Das wurde abgelehnt und seine Pensionierung zum 1. November anordnete.

 

      Aug. „Situations-Plan vom Scheitholz-Platze zu Kösen“ (WER F 23 X Nr.22/1).

Auf dem vom Bau-Inspektors Haun angeferigten Riß sind auch die Privathäuser an der  Naumburger Chaussee verzeichnet, Webers „Langes Haus“ (R. Breitscheid Str. 1) das Gehöft des Einnehmers Döring (Naumburger Str. 1) und daneben das Gehöft von G. Hämmerling (Nbg. Str. 2-4). In den vergangenen 5 Jahren waren hinzu gekommen das neue Chausseehaus (Nr.  10), sowie die Häuser des Holzhändlers Krüger (Nr. 11), des Kaufmanns Heckenberg (Nr. 12.), des Salzsieders Eckert (Uferstraße 1) und von Seyffert (Nr. 2). Der „Triangel“ zwischen Chaussee, unterer Radkunst und kleiner Saale gehörte der Saline, die hier das Bauholz lagerte. Daneben befand sich ein Brunnen, dessen Pumpe von der unteren Wasserkunst angetrieben wurde und der über eine Röhrenfahrt das Salinengelände, den Gasthof und die umliegenden Privathäuser mit wasser versorgte.

Aus dem Plan geht auch hervor, daß die Saalebrücke nur 1,25 preußische Ruten, rd. 4,0 Meter breit war, und somit noch schmaler als die Straßenbrücke über die kleine Saale. Auch wenn durch den neuen  Chaussedamm und die Ausweichstellen vor und hinter der Brücke die Gefahren etwas gemildert waren, war das Risiko für Leib und Gut beim Überqueren derselben für Fuhrwerke und Passanten immer noch hoch.

 

     Sep. Badelisten 1838  (NKB 36).

Insgesamt hatten sich 153 Familien eingetragen, d. s. fast 400 Einzelpersonen, darunter zum wiederholten Male der  Hofschauspieler Krüger aus Berlin, Geheimrat Baron von Ende auf Groß-Pößna und die Prinzessin von Reuß-Lobenstein-Köstritz.

Den privaten Badewirten wurden 8.937 Kubikfuß (270 m³) Sole verkauft. Die Saline verzeichnete 1.615 Wellenbädern und 325 Dampfbäder.

 

  1. Okt. Reskript des preußischen Finanzministeriums (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Als Preis für die  Badesole wurden 2 Pfennige für 2 Kubikfuß (60 l) festgesetzt, diese Menge würde  nach Angabe der Badewirte für ein Wannenbad benötigt. Dagegen erhob die Lokaldirektion Widerspruch, weil es Usus war, weniger Sole für ein Bad zu gebrauchen. Außerdem gab es weder genormte Wannen noch eine Solewaage mit der sich der Badegast überzeugen konnte, ob der angegebene Solegehalt tatsächlich eingehalten wird. Daraufhin wurde der Solepreis wieder auf  2 Pfennige je abgegebenen Kubikfuß festgelegt. 

 

  1. Nov. Antrag des Handarbeiters Benjamin Becker (MER C 50 Nbg. A Nr. 484)

„Ich wohne gegenwärtig bei dem Einwohner Ziegler zu Kösen auf dessen Boden und es ist mir von demselben aufgegeben worden, noch diese Woche auszuziehen. Ich habe mir nun alle mögliche Mühe gegeben für mich und meine aus 6 Kindern und einer Frau bestehenden Familie, von welchen das jüngste erst ein Jahr alt ist, eine Wohnung zu beschaffen. Allein meine Mühe ist fruchtlos gewesen und ich habe bis diesen Augenblick noch keine Wohnung erhalten können. Da ich nun bei der  eintretenden Witterung befürchten muß, daß meine  armen Kinder erkranken, wenn mir auch der Aufenthalt auf dem Boden meines Wirtes  noch einige Zeit gestattet werden sollte, so bin ich in der traurigen Nothwendigkeit versetzt, zu bitten, mir wenigstens für diesen Winter den Aufenthalt für mich und meine Familie in dem Armenhause zu Kösen geneigtest gestatten zu wollen, wobei ich bemerke, daß die große Stube desselben, welche nur von der  Bilken bewohnt wird, mir und meiner Familie  hinlängliche Raum und Obdach  gewähren würde“.

Am 18. November erheilt die Familie vom Landrat die Erlaubnis in das Armenhaus zu ziehen.

 

  1. Nov. Salinenrecherche. (WER Rep. F 23 II Nr.5 Bd 2).

Vertreter des OBA waren Berghauptmann Mertins, Oberbergrat v. Bühlow und der Bergrat Ebers, von der Lokalredaktion waren Schweingel, Haun und Pauli sowie der für den pensionierten Senff mit der Betriebsführung betraute Eleve Wapler anwesend.

Wegen der ungünstigen Witterung waren Förderung und Gradierung hinter dem Plan geblieben. Aber man war zuversichtlich, bis Mitte Dezember das vorgegebene Soll zu erreichen. Allerdings erforderte die niedrige Konzentration der Siedesole mehr Formkohlen. Der Salzdebit belief sich auf 1385 Lasten. Es fehlten 54 Lasten zum Soll, doch die würden bis Jahresende verkauft sein. Für 1839 wurden dann 1200 Lasten vorgegeben. An Überschuss wurden 15.500 Talern verbucht, 1.300 Taler über den Plan. Von den etatsmäßigen Bauten waren das Brodembad und die Wohnung für den  2. Siedemeister fertig gestellts.

Weil der Chemiker H. G. Heun den Offenbarungseid geleistet hatte, wurde der Salinenrendant Schweingel angewiesen, die Glaubersalzfabrik als Sequestor zu übernehmen. Dann wurde die Wohnung des pensionierten Senff im unteren Schacht besichtigt und der desolate Zustandes Kunstturms festgestellt. Weil keine Sole aus dem unteren Schacht zur Gradierung gebraucht  wurde, sollte der Turmaufbau samt den obersten 3 Etagen abgeworfen und im verbliebenden Erdgeschoß die Dirigentenwohnung eingerichtet werden. Doch das ließ sich nicht so einfach bewerkstelligen, daher schlugen der Kondukteur Haun und der Zimmermeister Dönicke vor, eine neue  Dirigentenwohnung auf dem Salinenbauhof zu errichten, wo genügend Platz für das notwendige Nebengelass wäre. Daraufhin sollte Haun einen Entwurf samt Kostenanschlag zu erstellen. Haun, der im Dorf zur Miete wohnte, bat dann um die Zuweisung der Dienstwohnung im unteren Schacht, weil die Miete wegen der Frequenz der Badegäste recht hoch war, er sein Gehalt dafür nicht reichte. Der Rendant Schweingel wurde angewiesen, in künftig alle anfallenden Bauarbeiten im Gedinge- und nicht im Tagelohn zu vergeben. Der bat dann um Errichtung eines separaten Abtritts an seiner Dienstwohnung, denn bisher musste er den Abort gemeinsam mit den Arbeitern vom Streichplatz  teilen. Dies wurde ihm bewilligt. 

 

             „Das Soolbad Kösen“ von Dr. Theodor Rosenberger 

In einem Beitrag im „Jahrbuch für Deutschlands Heilquellen und Seebäder“ warb Rosenberger  mit der Heilkraft der Sole und der angenehmen Umgebung. Beschrieben wurden das Wellenbad, die Soledampfkammer und die Kinderheilstätte. Nach seiner Aufstellung waren 1835 300 Badegäste, 1836 357 davon 133 Kinder und 1837 470 Gäste darunter 140 Kinder anwesend. 1835 wurden  2210 Sole- und 1804 Wellenbäder, 1836 3030 Sole- und 2177 Wellenbäder und 1837 3386 Sole- und 2206 Wellenbäder abgegeben. 

Im alljährlichen Hygienebericht verwies Rosenberger darauf, dass das Soledampfkabinett bereits  325  Besucher hatte und der salzhaltige Dampf bei Haut- und Atemwegserkrankungen eine positive Wirkunfg zeigte. Allerdings gab es im ertsen betriebsjahr ein Defizit, denn die Einnahmen betrugen  80 Taler, die Ausgaben 118 taler, wobei aber hier die Errichtungskosten zu Buche schlugen.

 

  1. Dez. Einstellung des Holzplatzes (St.-A. Nr. 94)

Waren es 1834/35 noch jeweils 200 Klafter und 1835 564 Klafter die verkauft wurden, waren es in den ersten fünf Monaten in diesem Jahr, nachdem der Stapel 1836 eingestellt und 1837 nach einem Einspruch der Gemeinde wieder belegt wurde, nur noch 99 Klafter. Daraufhin wurde der Holzplatz endgültig eingestellt. Die wohlhabenden Bürger sollten auf eigene Kosten ihr Feuerholz aus Naumburg oder Unterneusulza holen, für die ärmere Bevölkerung sollte der Gemeindevorstand das Holz in Naumburg ankaufen, nach Kösen bringen und hier in Kleinmengen abgeben. 

 

            Ludwig Bechstein (1801-1860) „Wanderungen durch Thüringen“

„Vornehmlich ist es die sehr bedeutende Holzflöße mit dem Holzhof und die im 17. Jahrhundert entdeckte, seit dem 18. Jahrhundert aber erst recht benutzte Saline (.) Erstere führt dem Holzhof jährlich  15 bis 30.000 Klaftern Holz zu und in dieser werden (.) jährlich 42.000 Dresdner Scheffel Kochsalz gradiert und versotten. Nächstdem gewährt ein recht frequentes Salinenbad geeigneten Kranken Heilung, Hauseigentümern billigen Vorteil (.) Statt das Salzwerk aufzusuchen, will ich euch nun zu einem Haus leiten, wo ganz delikates Backwerk zu haben ist. Kein der Strasse kundiger Lohnkutscher wird hier anzuhalten und seinen Passagieren den Kösener Kuchen zu empfehlen versäumen....“   

 

1839       

  1. Feb. Verhandlung zur Berufungsklage Webers (WER Rep. F 23I Nr.1 Bd.6).

Der 2. Senat beim OLG unter dem Vorsitz des Präsidenten Freiherr von Gärtner bestätigte die Klageabweisung des ersten Senats und folgte in seiner  Begründung den dortigen Ausführungen.

 

  1. Juni Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F23 II Nr. 5/3).

Erstmals wurde die Recherche zur Jahresmitte durchgeführt und mit dem zum Nachfolger von Senff bestellten Salinendirektor  Ebers, der bisher als Salineninspektor in Dürrenberg tätig war.

Wegen der ungünstigen Gradierwitterung hatte man den Plan nicht erreicht, weshalb die Konzentration der Siedesole  von 26% auf 25% herab gesetzt und dafür mehr Kohle aus der Mertendorfer Grube georderte werden musste. Festgelegt wurde auch, dass der Wechsel der Bedornung im regelmäßigen Abstand erfolgen muss und nicht wie bisher im Bedarfsfall.

Ebers dem die Dirigentenwohnung im unteren Schacht zugewiesen war, beschwerte sich über die Feuchtigkeit und das Tabakrauchen der im Schacht beschäftigten Arbeiter, weshalb der Neubau der Dirigentenwohnung nach einigen Korrekturen des Plans angeordnet wurde. Danach sollte der gesamte Kunstturm abgebrochen und zum Schutz des Solschachtes und der Maschinerie lediglich eine eingeschossigen „Kaue“ verbleiben. Die Lokalverwaltung beantragte die Einrichtung eines Archivs, um die Akten an einem Ort aufzubewahren und brachte erneut die Einrichtung eines Sessions-Lokals in Vorschlag, denn die Sitzungen fanden in der Stube des Rendanten statt.

Beim Personal wurde festgelegt, dass der Salzausgeber Weise wegen „geistiger Hinfälligkeit“ und  hohen Alters „außer Activität“ gesetzt und der als Salzsieder „ganz unbrauchbare“ Siedemeister Wolff  an seine Stelle treten soll. Für ihn kam der „vorzüglich qualifizierte“ bisherige 2. Gradiermeister Törpsch, dessen Stelle wiederum der Gradierer M. Zedel bekam. Die Salinenverwaltung wurde angewiesen, die Benutzung des Salinengeländes durch Privatleute insbesondere durch den Bäcker Hämmerling zu unterbinden.

Wegen der Neuverpachtung der chemischen Fabrik sollte eine Übersicht über die Produktion erstellt werden und zu guter letzt reichte die Lokaldirektion eine modifizierte Benutzerordnung des Soledampfbade zur Genehmigung ein.

Ein in diesem Jahr vom Bau-Inspektor Haun erstellter  „Situationsplan von der Königl. Saline“ beinhaltet auch eine  „Nivellements-Darstellung“ der Betriebsanlagen.

 

  1. Juli Schweres Unwetter über Saaleck (NTB)

Hagelschlag vernichtete die gesamten Gartenkulturen und beschädigte viele Häuser. Schlamm und Geröll kamen über die Hohlwege von der Kreipitzscher Höhe und bedeckten die Felder. Betroffen waren auch Kleinheringen und Rödigen. Landrat Lepsius und Rittergutsbesitzer v. Feilitzsch riefen zu Spenden für die Betroffenen auf.

 

     Aug. Gründung des Gesangsvereins „Harmonia“ (KAZ 1899/1939).

Zunächst nannte man sich „Burschengesellschaft“, ab 1864 „Liedertafel“ und später wegen des Vereins-Lokals auch „Haasenritterscher Gesangsverein“ .

 

     Sep. Badeliste (NKB 23 bis 36).

In der offiziellen Badeliste gab es 161 Einträge, Rosenbergers Statistik nennt 519 Einzelpersonen, davon 141 Kinder und 228 Nichtpreußen. Darunter Graf v. d. Schulenburg, Erfurt, Prinzessin Caroline v. Reuß-Lobenstein, Hofschauspieler Holdermann aus Weimar, Baronin v. Kettler aus Dresden, Prem.-Ltn. Freiherr von Beust, Altenburg, Landrat Graf v. Keller aus Merseburg und die Brüder Konen, Reg.-Rat aus Potsdam und Landgerichtsdirektor in Erfurt mit ihren Familien.

 

  1. Sep. Verkauf des Gehöfts des Chaussee-Einnehmers (NKB 38)

„Die Untergezeichnete beabsichtigt ihr behöriges zu Kösen an der Chaussee unweit der Brücke belegenes Haus zu einer vollkommenen Oekonomie-Wirtschaft eingerichtetes Gut nebst Feldgrundstücken zu verkaufen“ inserierte die Witwe Döring.

Zu Gehöft gehörten ein massives Wohnhaus, zwei Seitengebäude, eine große Scheune, ein  Gemüsegarten sowie ein Weinberg  und einige Felder. Der Kaufpreis konnte zur Hälfte in bar zur anderen Hälfte als Hypothekendarlehen mit 4 % Zinsen erlegt werden.

Das Gehöft erwarb der Bäckermeister Gottlob Hämmerling. Nach Wibels Stadtplan von 1856 besaß  Hämmerling beide Anwesen, wobei die Schankwirtschaft noch an der bisherigen Stelle war und demzufolge der Umzug in das Gehöft des Einnehmers erst später erfolgte.

 

  1. Okt. Rezess zur Mühlenpacht (S. Roßner 1932).

Die Naturalabgabe (2 Tonnen Öl, 8 Schock Ölkuchen) wurde in eine zweimal jährlich zu entrichtende marktgerechte Geldabgabe umgewandelt. Der Pachtzins von 450 Talern wurde beibehalten.

 

  1. Nov Anweisung zur Pensionierung des Salzausgebers (MER F 44 I A)

„..dem pensionierten Salzausgeber Heise gereicht auf seine Eingabe, die Feststellung der ihm zugebilligten Pension  betreffend, hierdurch die Resolution, daß der Betrag derselben auf monatlich 6 Taler 15 Groschen festgestellt ist (.) Die Pensionierung ist in Folge der Abnahme seiner Geisteskräfte und da er nicht mehr im Stande ist,  seinen Obliegenheiten mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nachzukommen, nicht zu vermeiden gewesen und würde die Pension seiner Dienststellung nach, da er nicht Beamter gewesen ist und also auch nicht die Ansprüche eines solchen hat, weit geringer ausgefallen sein, wenn nicht auf seine lange Dienstzeit und sein Alter eine besonders billige Rücksicht genommen worden wäre“

Wegen langjähriger treuer Dienste verlieh ihm der König das Allgemeine Ehrenzeichen.

 

1840       

 

      Jan. Die Saalhäuser werden dem Gutsbezirk der Landesschule angeschlossen.

Damit endeten die Differenzen wegen der Polizeiaufsicht. Allerdings blieben die Bewohner in der  Naumburger St.-Moritzgemeinde eingepfarrt und mussten die Verstorbenen auf dem dortigen Friedhof beerdigen.

 

  1. Jan. Anweisung der Salinen-Verwaltung an die Knappschaft (MER F 44 V nr 1)

„Weil das Feldstück oberhalb des unteren Gradierhauses behufs der Anlage eines Gottesackers  abgetreten werden soll, auch wegen anderweiter Abgabe von Salinen-Feldern eine ganz neue Verpachtung der Felder an die Salinenarbeiter eintreten wird, so werden die Knappschafts- Vorsteher hierdurch angewiesen, denjenigen Salinenarbeitern, die die Felder oberhalb  des  Gradierhauses in Pacht haben, bekannt zu machen, daß ihnen die Pacht gekündigt ist, sämtlichen Salinen-Unterbeamten und Arbeiter aber zu eröffnen, daß sie wegen beabsichtigter neuer Feldverteilung ihre bisherigen Felder bevor die neue Einteilung erfolgt ist, weder bestellen noch düngen sollen“. Die Kündigung der Pachtfelder führte natürlich zu erheblicher Unruhe, waren doch Beamte und Arbeiter gleichermaßen auf „Kraut und Rüben“ aus eigenen Gärten angewiesen.  Daher wandte sich die Lokaldirektion an das OBA und bat um eine schnelle Entscheidung, möglichst noch vor dem Frühjahr.

Am 17. Januar teilte das OBA mit: „Das Kgl. Finanz-Ministerium hat die Verteilung der disponiblen Ländereien  der dortigen Saline gegen ein fixiertes  Pachtgeld also ohne vorherige Licitation zwar abgeschlagen, indeß  wollen wir  uns doch noch  einmal dafür verwenden, bedürfen aber dazu  einer Zeichnung,  auf welcher diese Ländereien  nach der Art, wie sie an die einzelnen Teilnehmer gegeben werden sollen, eingeteilt ersichtlich sind...“

 

  1. Feb. Neuaufteilung der Gemüsegärten (MER F 44 V Nr 1, MD Risse F 38 Nr. 402)

„Da die nach der jetzt veranstalteten genauen Aufnahme zur Disposition stehende Bodenfläche, nach Abzug der 276 Quadrat-Ruten welche zu Anlage des Begräbnisplatzes abgezogen werden, noch 1710 Quadrat-Ruten beträgt, worunter sich 330 Ruten befinden, die wegen ihrer steinigen Beschaffenheit einen geringeren Nutzungswert haben, so bestimme ich dem Antrag des OBA gemäß, dass diese 330 Quadrat-Ruten 1 Taler, die übrigen 1380 dagegen für 1 Taler 8 Sgr.  jährlich  in Pacht gegeben werden. Gegen die Annahme des OBA, daß jedem der Beamten eine Parzelle von 90 Quadrat-Ruten (1566 m²), jedem der Unterbeamten eine Parzelle von 50 Ruten (870 m²) und  jedem der Arbeiter eine von 24 Ruten (418 m²) zur Benutzunge überlassen werden soll, finde ich nichts zu erinneren..“.

Insgesamt waren es 51 Parzellen, davon 4 für Beamte (Ebers, Schweingel, Pauli, Heun), 8 für die Unterbeamten (Kassenwärter Thielitz, Gradiermeister Zedel, Pfannenschmiedemeister Bösel, Kohlenaufseher Kühne, Kalkulator Reihnhardt, Siedemeister Törpsch, Kunstmeister Dönicke), die übrigen für die Arbeiter, die 87 Taler Jahrespacht wurden als Einnahme im Etat eingestellt. Am 3.  März unterschrieb der Knappschaftsvorstand die Vereinbarung, so daß noch rechtzeitig die Frühjahrsbestellung erfolgen konnte.  

 

  1. Feb. Dr. Rosenberger „Das kleine Bad Kösen“.

In der Denkschrift schilderte er die Badeeinrichtungen und die Wirkung der Sole. Daneben gab es aber auch recht ungewöhnliche Behandlungsmethoden, wie die „animalischer Bäder“,wo man mit dem Blut  frisch geschlachteter Tiere, Hautkrankheiten bei Kindern behandelte.

 

  1. Feb. Übergabe des Salzmagazins und der Siedhäuser (St.-A. Nr. 173, MER F 44)

Zu den Gerätschaften die der Salzausgeber Wolff übernahm gehörten gußeiserne Schaufeln und Hacken, Salzwaagen mit eisernen Gewichten zwischen 2 und 133 Pfund, hölzerne Radebergen, Plombierzangen und Plombierblei, Salztrichter, Ladekrücken und Ladebänke, sowie ein blecherner Ofen mit Aschekasten und Handgriff. Der Siedemeister Rörpsch übernahm das Inventar der Siedehäuser, darunter die acht Siede und fünf Beipfannen, sechs eiserne Ascheradebergen sowie sämtliches Gerät was zum Gedinge der Sieder gehörte. Das Übergabeprotokoll fertigte Pauli

 

  1. Feb. Anordnung zum Brücken- bzw. Chausseegeld (St.-A. Nr. 550)

Weil die Gemeinde die Zahlung der angebotenenen Chausseegeldpauschale abgelehnt hatte, wurde  angeordnet, dass alle diejenigen Einwohner, die nach der Kabinettsorder von 1832 vom Brückengeld befreit waren, das Chausseegeld zu entrichten hätten. 

 

  1. Apr. Submission der Kgl. Chausseeverwaltung (NKB)

Für die Pflasterung der Chaussee von Kösen bis zur Landesgrenze wurde die Lieferung von 2142 Schachtruten (9500 m³) Steinmaterial ausgeschrieben.

 

  1. Mai „Referendarexzess“ im Gasthof (WER C125 Naumburg II Nr. 73).

 

  1. Mai Geschäftsanzeige von Gottlob Hämmerling (NKB)

„Der Unterzeichnete beehrt sich Einem geehrten Publikum ergebenst anzuzeigen, daß der Violinspieler Pohler (.) mit Unterstützung des hiesigen Musikchors und mehrere Dilettanten ein Konzert in seinem Salon geben wird. Danach ist Ball“

 

  1. Mai Verordnung über die Feuer-Polizeibezirke im Landkreis (NKB).

Für Kösen mit den Saalhäusern, den Vorwerken Kukulau und Fränkenau und Lengefeld wurde als Kommissar der Salineninspektor Ebers und Bauinspektor Haun zum  Stellvertreter berufen. 

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/3).

Zunächst besichtigten Berghauptmann Mertins und Oberbergrat v. Bülow das Werk und die im Bau befindliche Dirigentenwohnung. Da sich die Fertigstellung verzögerte, wurde der Abbruch des unteren Schachthauses vergeschoben. Die dort befindliche Werksuhr sollte dann am Mittelteil des unteren Gradierhauses angebracht werden. Vorgesehen waren die Erneuerung der unteren Radkunst, der Registratur und des Sitzungssaals.

 

  1. Juni Beschwerde des Rittergutsbesitzers von Stendorf (St.-A. Nr. 94).

Nach Einstellung des Kösener Holzplatzes, holten einige Kösener ihr Küchenholz vom Stapel in Unterneusulza. Dabei hatten ihre Fuhrwerke den Fahrweg zur Lengefelder Fähre zwischen Stendorf und Saaleck über Gebühr beschädigt, weshalb der Besitzer von der Gemeinde die Ausbesserung verlangte.

 

  1. Juli Kabinettsorder König Friedrich Wilhelm IV. (MER C48Ic, Nr. 1686).

Der Floßzoll sollte die nächsten drei Jahre wie bisher 5 % des jeweiligen Markpreisen des Holzes bzw. der Holzwaren betragen. Gleichzeitig wurden die  übrigen Abgaben, wie das Saalecker Geleit und das Rechengeld abgeschafft. Die Order wurde in den Amtsblättern von Magdeburg, Merseburg und Erfurt veröffentlicht und trat zum 1. September in Kraft.

 

     Sep. Badeliste (NKB 38)

Insgesamt waren es 144 Einträge, d. s. rund 400 Einzelpersonen, darunter Otto Freiherr v. d. Hagen-Stoelln, Kreishauptmann Graf v. Hohenthal, Baron v. Haugk aus Leipzig, Gräfin Louise v. Gietz auf Thornau, Madame Brockhaus aus Leipzig, Frau v. Knobelsdorff und Gräfin v. Schlabrendorff aus Berlin sowie  Madame Vincentine v. Levinska aus Warschau.             

 

            Stellungnahme der Landesschule zur Badeanstalt (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 1).

Die vom Provinzialschulkollegium und dem Oberbergamt vorgeschlagene Einrichtung einer öffentlichen Warmbadeanstalt auf dem unteren Holzplatz, wurde wegen der hohen Kosten und nicht absehbarer Risiken vom Schulinspektor zwar abgelehnt, allerdings die Verpachtung des Platzes für diesen Zweck an ein privates Konsortium begrüßt.

 

  1. 24. Anweisung der Kgl. Regierung (St.-A. Nr. 94).

Dem Holzhändler Fischer wurde erlaubt, das in Kösen benötigte Küchenholz von naumburg her anzufahren und auf dem bisherige Holzplatz einzulagern und zu verkaufen. Der Holzkauf in Unterneusulza sollte damit unterbunden werden.

 

  1. Sep. Gutachten des Salineninspektors Ebers zur Versuchsgradierung (MER F 44 IV 13b)

Für die vom OBA vorgeschlagenen Veränderungen könnte die erforderliche Gradierwand zur Verfügung gestellt werden, ohne dass die laufende Gradierung darunter leidet. Die müsse dann in vier Fälle eigeteilt und mit separater Bespeisungs- und  Kubizieranlage versehen werden.

 

           Jahresbericht der Saline (St.-A. Nr. 182)

Demnach wurden  305.000 Kubikfuß (110.000 m³)  Sole zu 1440 Lasten (57.600 Zentner) weißes und 21 Lasten gelbes Salz versotten. Der Debit betrug  1414 Lasten.

 

  1. J. Oldendorp: „Thüringen und der Harz“, Dritter Band, Sondershausen.

Das Kirchenamt Schulpforte bestehend aus Rektor, Superintendant und geistlichen Inspektor hatte die Aufsicht über 21 Dörfer mit 17 Kirchen, 9 Pfarrstellen und 13 Schullehrerstellen. Zum Schul- Amtspersonal gehörten ein Kommissionsrat, ein Kontrolleur, ein Oberförster, ein Bauinspektor, ein Hausinspektor-gleichzeitig Ortspolizist, ein Schularzt und ein Chirurg sowie mehrere Unterbeamte. Die Einkünfte beliefen sich auf 42.000 Taler, die Ausgaben in gleicher Höhe, davon waren 12.000 Taler für den Unterhalt der Alumnen bestimmt. Die erforderlichen Lebensmittel lieferte der Pächter der Schul-Ökonomie-

 

1841                

 

  1. Feb. Anordnung des OBA zur Versuchsgradierung (MER F 44 IV 13 b)

„Es ist uns angenehm gewesen, aus dem  eingereichten Promemoria  des Salinen-Inspektors  Ebers zu ersehen, daß es dort ohne erheblichen Behinderungen des Gradierbetriebes und mit verhältnißmäßigen Kosten ausführbar ist, die Gradierung zu den in unserer Verfügung  bezeichneten Versuchen  einrichten zu können. Wir beauftragen die Kgl. Salinen-Verwaltung  nun hiermit, die Kosten der fraglichen Einrichtungen veranschlagen zu lassen und demnächst  den Vorschlag  bei uns einzureichen, damit wir höhern Orts  auf die Bewilligung  der erforderlichen Fonds antragen können. Dem zweiten Teil des Promemoria haben wir dagegen die Gründe entnommen, welche der Einteilung  der Gradierwand  in mehr als 2 Dornenwände entgegen treten und sehen, da eine solche weitere Einteilung nur in seltenen  Fällen einen Vorteil  gewähren kann, von dem Plan eine derartige  Einteilung auch nur  probeweise einführen zu lassen gänzlich ab“.

 

  1. Apr. Salinenrecherche durch Oberberghauptmann Ritter Graf von Beust (St.-A. Nr. 369).

Dabei ging es auch um die Bezahlung der Beamten Ebers, Haun, Pauli und Schweingel. Die bekamen ein festes Jahresgehalt, freie Wohnung bzw. Mieterstattung, ein Heizmaterialkontingent und ein Salzdeputat. Außerdem erhielten sie bei alters- oder krankheitsbedingten Pensionierung, die aber nicht an ein bestimmtes Alter gebunden war eine  Pension. Die 7 Unterbeamten der Kalkulator, der Kunstmeister, der Siedemeister, der Salzausgeber, der Kohlenaufseher, der Pfannenschmied und der Amtsdiener waren auf Kündigung mit Wochenlohn  eingestellt, erhielten aber auch ein Deputat und hatten Anspruch auf Versorgung aus der Invalidenkasse der Knappschaft.

Nach einer anderen Liste gab es in der Saline 40 festeingestellte und weitere 39 „interimistische Arbeiter (Tagelöhner) von denen der Älteste 74 Jahre alt war. In Mertendorf gab es 15 festangestellte Bergleute und 6 Tagelöhner .    

Dann wurde der Haunsche Plan der Wohnung für den Baubeamten begutachtet (MD Rep. F38, Risse 408), die anstelle der beiden baufälligen Düngesalzschuppen hinter dem Anwesen von Hämmerling gebaut werden sollte. 

Beim Rundgang wurde auch die Soledampfkammer besichtigt und wie folgt beschrieben: „Es wird  hier nämlich der Brodemfang auf der unteren Pfanne abgeschlossen und dadurch der Brodem gezwungen, vermittelst einer angebrachten Lutte in eine auf dem Boden über der Pfanne eingerichteten und mit einem ganz durchlochten Fußboden versehene Badekammer zu treten, aus der er dann durch eine andere Lutte dem Brodemfange wieder zugeführt wird. Damit sich der Badende auch, je nachdem es  vorgeschrieben ist, mit Sole oder Waßer übergießen kann, sind über  der Badekammer Behälter für die Flüßigkeit mit Ventilen angebracht, welche letztere  der Badende durch eine ganz einfache mechanische Vorrichtung nach Bedürfnis öffnen oder schließen kann. Zum Aus- und Ankleiden; sowie zum Ausruhen ist vor der Badekammer ein zweites Gemach hergestellt. Die Benutzung dieser, der Gesundheit sehr zuträglichen Bäder  findet gleichwohl nur wenig Aufmerksamkeit und zwar wie angeführt wurde, wesentlich deshalb, weil diese Bäder nur  während des Störens in der Siedepfanne genommen werden können, diese Periode  sehr kurz ist und derzeit noch fortwährend wechselt in Folge davon auch in der Nachtzeit fällt, so das also, da nur ein Bad vorgerichtet, das Baden für die Gäste äußerst beschwerlich und deshalb sehr zu wünschen ist, daß ein zweites Bad hergestellt wird. Da diese Art Bäder anerkannt  sehr wirksam ist, überdies im nördlichen Deutschland dergleichen dem Publikum geöffnete Vorrichtungen dieser Art nicht weiter als hier und in Dürrenberg vorhanden sind, und in Betracht, daß wenn einmal eine Einrichtung besteht, sie auch so sein muß, daß sie dem Zwecke entspricht, so genehmigte der Hr. Oberberghauptmann, daß wenn es ohne Nachtheil für den Betrieb geschehen könne, noch einz weites Soldampfbad eingerichtet werden dürfe“. v. Beust, v. Bühlow.  

Die Eröffnung am 16. Mai wurde im Kreisblatt angezeigt, die Öffnungszeiten (täglich von 6 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr) in der Löwen-Apotheke ausgehängt.

 

  1. Mai Feuerordnung der Königlichen Saline (St.-A. Nr. 598).

Diese regelte den Umgang mit offenen Feuer und der Überwachung aller Feuerstätten in den Wohnungen innerhalb und außerhalb der Saline. Dabei sollte auf jedem Dachboden ein Behälter mit Sole zum Löschen stehen und der Hauswirt eine Handspritze besitzen. Die „Betriebsfeuerwehr“ an der Spitze der 1. Siedemeister, alle Gradierer und die Sieder des 1. und 2. Kots, durfte nun auch offiziell mit der Betriebsspritze bei der Brandbekämpfung im gesamten Feuer-Polizeibezirk eingesetzt werden. Allerdings wurden nur die Sieder aufgeboten, deren Pfannen kalt lagen. Bei Verstößen gegen diese Anordnung drohte Gefängnis.

 

  1. Juni Anweisung des Finanz-Ministers v. Bodelschwing (MER F 44 IV 13b)

„Die auf der Saline Kösen anzustellenden Gradierungsversuche können zwar erst im künftigen Jahr begonnen werden, indessen ist es notwendig, die Vorbereitungen dazu schon im Laufe des nächsten Winters während des Stillstands der Gradierung auszuführen, damit der Gradierbetrieb im nächsten Frühjahr  zur gewöhnlichen Zeit ungestört wieder beginnen kann. Zur Herstellung der Oberbassins mit Geschwindstellung für die südlichsten 20 Bunde des oberen Gradierhauses, zur Einbringung von Scheidewänden in den Solebassins unter  jenen Bunden, um dadurch 4 besondere Abteilungen zu erhalten, so wie zur Herstellung  eines flachen Bassins über dem Hauptbassin  unter den südlichsten 19 Bunden bedarf es keiner speziellen Genehmigung, indem diese Ausführungen schon angeordnet und 3750 Taler veranschlagt worden sind, welche aus der pro 1842 aus den Ökonomieplan der Saline Kösen aufgenommenen Bausumme bestritten werden sollen. Dagegen hat das Kgl. Oberbergamt die spezifizierten speziellen Ausführungen welche den anzustellenden  Gradierungsversuchen  eigentlich  nur zur Last fallen  werden und welche  nach einem allgemeinen Überschlag etwa 2000 Taler kosten dürften, veranschlagen zu lassen und die Genehmigung zur Ausführung nachzusuchen, um die ermittelte Summe auf die Baukosten der Saline Kösen  für das nächste Jahr  bringen zu können...“

 

  1. Juni Geschäftsanzeige des Gastwirts Weber (NKB)

„Hoher Bestimmung zu Folge wird das hiesige Brunnenfest nicht mehr wie bisher am 3. August sonderm Anfang des Monats  Juli jeden Jahres gefeiert werden. In dem ich dieses hiermit bekannt mache, zeige ich an, daß die Feier dieses Festes für dieses Jahr auf den 4. Juli festgesetzt ist, wozu ich ein geehrtes hiesiges und auswärtiges Publikum mit dem Bemerken ergebenst einlade, daß (.) bei mit Mittag à  table de hote und Abends à la carte gespeist, Nachmittags Konzert und nach dem Abendessen Ball gehalten werden wird“ 

Bislang wurde das Brunnenfest zu Ehren und am Geburtstag Königs Friedrich Wilhelm III. gefeiert, der aber 1840 verstorben war.  

 

  1. Juli Geschäftsanzeige (NKB)

„Einem hiesigen und auswärtigen Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich während der  Badezeit ein komplettes Lager von Damenputz aller Art hier in Kösen halte und sichere, reelle und billigste Bedienung zu. Das Putz und Modewarenlager von E. Schuffenhauer aus Halle.“

Das zahlungskräftigere Badepublikum zog nun auch geschäftstüchtige Unternehmer an.

 

  1. Juli Auswertung des Brunnenfestes (MER F 44 XIV 1)

Für das Brunnenfest wurden 112 Taler, 18 Silbergroschen und 2 Pfennige aus der Knappschaftskasse verausgabt, was aber durch die  Einnahmen, darunter der Eintritt für Nichtmitglieder fast ausgeglichen wurde. Außerdem wurde die Anschaffung eines Kinderkarrussels bis zum nächsten Brunnenfest beschlossen, wofür alle 60 Knappschaftsmitglieder einen Taler beisteuern sollten. 

 

      Sep. Badelisten (NKB bis Nr. 36).

Die 173 Einträge bedeuteten rund 500 Badegäste,  darunter die  Baronin v. Klock-Breslau, Graf York v. d. Wartenburg, Gräfin v. d. Schulenburg, zum wiederholten Male Prinzessin Caroline v. Reuß-Köstritz ebenso die Gräfinnen von Zech und  von Häseler, dazu der Kammergerichtspräsident v. Bülow und der Legationsrat v. Bülow, beide aus Berlin, der Comte de Rochefoucauld, französischer Minister am großherzogl. Hof zu Weimar,  die Baronin Buddenbrock auf Tschernau, die Frau des Geheimen Obertribunalrats v. Borries, geb. v. Bülow, Finanzrat Wetzlaff aus Amsterdam, die Fürstin Reuß zu Lobenstein mit ihrer Hofdame und die Gen.-Majore von Altenbrokken aus Kassel sowie von Malachowski aus Erfurt.

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige für das Saalbornsche Wohnhaus (NKB 36)

Das bestand aus 5 Stuben, 2 Küchen, Keller, Garten und Weinberg in „bester Lage“.

 

  1. Nov. Bericht der Lokaldirektion zum Soledampfbad (St.-A. Nr. 369)

Das vom OBA genehmigte 2. Kabinett konnte weder im 2. Siedekot noch über der südlichen Pfanne im 1. Kot eingerichtet werden. Daher wurde geprüft, ob man mittels einer Röhre den Soledampf von der südlichen Pfanne  zum Kabinett über der nördlichen Pfanne leiten kann.

 

  1. Dez. Staatsvertrag zur Thüringer Eisenbahn (G. Fromm, Thüringer Eisenbahnlexikon).

Nach der Eröffnung der ersten Bahnverbindung zwischen Nürnberg und Fürth im Jahr 1835 begann der Bau des Eisenbahnnetzes, den der Ökonom Friedrichs List bereits 1833 entworfen hatte. Der ersten Fernbahn von Leipzig nach Dresden (1837) folgt schon 1840 die erste länderübergreifende Verbindung von Magdeburg über Halle nach Leipzig. 1841 wurde Halle an die von Berlin bis Köthen reichende Linie angeschlossen. Preußen wollte nun eine direkte Verbindung zu den Rheinprovinzen, die möglichst nur über preußisches Territorium führen sollt. Doch dann bekundeten die sächsischen Herzogtümer an einer die Residenzen Weimar, Gotha und Eisenach verbindenden Trasse. Preußen kam das gelegen, denn damit wurde auch Erfurt berücksichtigt. Die Trasse sollte nun vorzugsweise den Flusstälern von Weißer Elster, Saale, Ilm, Gera und Hörsel folgen, wegen der zahlreichen Querungen und engen Täler eine besondere Herausforderung  für die  Ingenieurkunst des 19. Jahrhunderts.

 

  1. Hahnemann: „Rudelsburg und Schloß Saaleck“ in „Thüringen und der Harz“, 4. Band.

 

  1. A. Backs „Vergleich des Siedebetriebes in Artern und Kösen (WER F 39 Nr. 462).

 

1842

 

  1. Jan. Mitteilung der Kircheninspektion zum Kirchenstuhl (MER F44 VII 2)

„Indem wir uns beehren der Kgl. Salinenverwaltung von der uns zugekommenen Verfügung zur Kenntnisnahme der betreffenden Beamten anbei mitzuteilen, stellen wir der Letztern ergebenst anheim bis dahin, wo ihre Wünsche mehr befriedigt werden können von den Emporkirchen auf der südlichen Seite  der Kirche  und neben den Rektoratsstuhle  sowie  von der unten befindlichen dem Rektor und dem geistlichen Inspektor zugehörigen Kapelle die bis nach erfolgter Beschaffung  eines andern Stuhles eingeräumt werden soll, Gebrauch zu machen. Sollten jedoch die Herren Beamten den neben dem Rektoratsstuhl befindlichen Raum auf der Emporkirche zu nehmen wünschen, so ersuchen wir um eine kurze Nachricht damit wir die Instandsetzung desselben veranlassen können...“

 

  1. Jan. Instruktion der Knappschaft (MER F 44 XIV 1)

„Jedes Knappschaftsmitglied ist verbunden, nicht nur bei seiner Annahme den Geburtsschein so wie die übrigen auf seine Familie und Militärverhältnisse bezüglichen Nachweise beizubringen, sondern auch jede in seiner Familie vorkommenden Veränderungern namentlich Geburten Verheiratungen, Todesfälle ingleichen auch Wohnungsveränderungen dem betreffenden Knappschafts-Ältesten spätestens bis zum letzten Tag des darauffolgenden Monats anzuzeigen, bei 5 Silbergroschen Strafe zur Knappschaftskasse im Unterlassungsfalle..“ Eigenhändig unterschrieben von 73 Knappschaftsgenossen und 6 Witwen.

 

  1. Jan. Sanitätsbericht des Badearztes (St.-A. Nr. 369)

Die Resultate der durch das Bad erzielten Heilwirkungen auch nur in einiger Ausdehnung zu übersehen, ist für den hier angestellten Arzt äußerst schwierig, weil der Badearzt bis hierher nicht mit öffentlichen Anstalten (in Bezug auf die zweckmäßige Anwendung des Heilmittels) sondern auch jener gesetzlichen Einrichtungen und Bestimmungen entbehrt, welche anderswo vorhanden und geeignet sind, eine gleichsam unwillkürliche Annäherung der Fremden an den Arzt zu bemerken. Daß hat die Folge, daß viele der hier anwesenden Badegäste, teils nach der sehr oberflächigen Verordnungen ihrer Hausärzte, andere jeder ärztlichen Fürsorge entbehrend, ihren eigenen Irrweg verfolgen.   Zu diesem Uebelstand gesellt sich endlich noch der Mangel an Gästen, welche nach beendigter Kur, dem Beobachtungskreise des hier behandelnden Arztes nicht gänzlich entrückt werden, denn ist es absichtliche Nichtbeachtung, sind es andere  Motive, der Besuch von Fremden aus der nächsten Nähe ist äußerst gering und die, deren wir uns hier erfreuen, haben hier gewiß nur höchst selten ärztlichen Empfehlungen, öfter aber den Reizen und Annehmlichkeiten unseres Ortes und den damit in Verbindung stehenden selbstständigen Wünschen einzelner Kurgäste zu danken..“ Dann beschrieb Rosenberger seine Therapien bei verschiedenen Krankheiten.

 

  1. Feb. Instruktion der Knappschaft (MER f 44 XIV 1)

„Sobald als ein Kranker von dem Knappschaftsarzt in die Kur genommen worden, muß sofort der Erkenntnisfall dem bestehenden Knappschafts-Ältesten angezeigt werden und ebenso muß die Abmeldung der Genesenden wieder erfolgen, damit kein Gesunder als krank in dem Krankmeldungsbuch fortgesetzt wird...“

 

  1. Feb. Aufruf zur Zeichnung von Aktien der Thüringer Eisenbahn AG (NKB).

Für den Bau der Bahn wurden 8 Mio preußische Taler veranschlagt, die in Aktien mit einem Nominalwert von 100 Talern emittiert wurden.

 

  1. Feb. Jahresrechnung der Knappschaftskasse (St.-A. Nr. 369)

Bei den Wellenbäder wurden 1585 Taler eingenommen, die Hälfte davon kam in die Knappschaftskasse, die andere Hälfte teilten sich der Badearzt und die Kunstwärter. Das Soledampfbad war zu 50 % ausgelastet und brachte 30 Taler, davon bekam der Badearzt 7 Taler, 23 Taler die Knappschaftskasse. 210 Taler wurden beim Verkauf der Badesole erzielt, davon 158 Taler zugunsten der Knappschaftskasse, 25 % erhielten die Kunstwärter. Die Barschaft der Kasse betrug 237 Taler etwas weniger als 1840 (260 Taler). Die übrigen Mittel waren in Wertpapieren oder als zinsbaren Darlehen ausgereicht.

Die starke Zunahme des Badebetriebes seit Einführung der statistischen Erhebung zeigte sich beim Soleverkauf (1827: 3771 Kubikfuß, 1841: 9472 Kubikfuß) und den Einträgen in der Badeliste (1831: 98 Nummern, 1841: 185 Nummern)  

 

  1. Mär. Gründung der Thüringisch-Sächischen Eisenbahn-Aktiengesellschaft (NKB)

Die meisten  Aktien erwarben die an der Bahntrasse liegenden Städte, deren Abgeordnete in Erfurt erklärten, das Bahn-Komitee nach Kräften zu unterstützen, gegen zahlreichen Widerstand von  Eigentümern durch deren Besitz die Trasse geplant war, von Fuhrunternehmern die die Konkurrenz fürchteten und denjenigen die die Eisenbahn Teufelswerk prinzipiell ablehnten. Indessen bereiteten die Behörden der beteiligten Staaten die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen insbesondere die Expropriationsgesetze für den Landkauf vor. Der preußische König erklärte sich bereit, die Vermessung der Strecke  auf Staatskosten durchzuführen.

Noch im gleichen Jahr veröffentlichte der Freiherr von Groß eine Broschüre über „Die Verhältnisse der projectierten Eisenbahn von Halle bis an die Kurhessische Grenze“ (WEI RBD Erfurt A 2783)

 

  1. Mai Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F 23 II Nr. 5/2).

 

  1. Juli Sommer-Konzert (NKB)

„..im Saale des Herrn Hämmerling unter Mitwirkung der Herren Scheele, Schöbel und Auguste Rudloff, die vorkommenden Tänze werden von Albert und Marie Riese in Kostüm geführt. Hierzu ladet hiesige Freunde der Kunst hochachtungsvoll ein, Hr. Riese, Schauspieler vom Herzogl.-Hoftheater Meiningen“. 

 

03.Sep. Antrag des Magdeburger Regierungsrats Carl Jacob (in WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Jacob vermisste während seines Kuraufenthaltes die Annehmlichkeiten einer zeitgemäßen Warmbadeanstalt. Die Frequenz des Ortes, der bevorstehende Bau einer Eisenbahn und die Verkaufsabsichten der Landesschule für den Stapel sowei dessen gute Lage an der Chaussee direkt gegenüber vom Solschacht  waren ihm bekannt. Daher wandte er sich zunächst an das OBA  wegen der Bereitsstellung von Badesole

 

  1. Sep. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Die Lokaldirektion zur Stellungnahme aufgefordert, begrüßte den Bau einer öffentlichen Warmbadeanstalt.  Dagegen wären nur die privaten Badewirte, die um ihre Monopolstellung und ihren Gewinn fürchteten. Doch die Bäder in den Privathäusern wären völlig unzulänglich. Neben der mangelhaften Hygiene, fehlte jegliche medizinische Kenntnis bei der Bereitung der Wannenbäder und dem  Badearzt wurde die Kontrolle verwehrt. Nicht viel besser wäre es mit der Beherberung und der Beköstigung. Entweder brachte man seine Dienerschaft und den erforderlichen Hausrat mit und versorgten sich selbst, was in Anbetracht eines fehelnden Marktes auch nicht einfacjh war,  oder war auf die wenigen Gastwirte angewiesen, die dabei natürlich auch ihre Monopolstellung ausnutzten. Nicht einverstanden waren die Lokalbeamten damit, dass vom Antragsteller verlangt wurde, dass wenn die Badeanstalt gebut würde, die Abgabe von Badesole an die übrigen Badewirte eingestellt und keine weitere öffentliche Warmbadeanstalt zugelassen wird. Hier verwies man auf die Marktbelebung durch Konkurrenz.

 

    Sep. Badelisten (NKB Nr. 37).

Diesmal waren es 230 Einträge (672 Badegäste), eine deutliche Steigerung der Frequenz gegenüber dem Vorjahr.  Dabei muss man berücksichtigen, dass die Verhältnisse im Dorf heutigen Vorstellungen eines Kurortes in keiner Weise entsprachen. Abgesehen von der beschwerlichen An- und Abreise mit der Kutsche, war der Ort alles andere als beschaulich. Offene Fäkalgerinne, keinerlei befestigte Wege außer der Frankfurt-Leipziger Chaussee für deren Benutzung eine Gebühr erhoben wurde, einfache Unterkünfte, mangelhafte Versorgung mit Lebensmittel, schlechtes  Trinkwasser, Qualm, Lärm und Gestank von der Saline und der Schäferei und ein hohes Verkehrsaufkommen kennzeichneten den Ort. Doch das schreckte die Gäste keineswegs ab, wie  S. Durchlaucht Fürst Ernst v. Löwenstein-Wertheim aus Dresden, Ob.-Reg.-Rat Häckel, die Freiherren v. Ende-Berlin, v. Hausen-Dresden, Schimmelpfennig v. Oye-Berlin, v. Seckendorff-Berlin, v. Bromberg-Berlin, Graf Seidnitzki-Berlin, Baron Lieker-Erfurt, Wirkl. Geh.-Rat und Kammergerichts-Oberpräsident v. Grolmann, die Kammergerichtspräsidenten v. Grolmann-Berlin und von Bülow-Berlin, Gen.-Ltn. v. Miltitz, Gräfin v. Holtzendorf-Freiberg, Hofmarschall v. Siegsfud-Ballenstedt, Reg.-Rat du Bois-Berlin, Legationsrat und Ministerpräsident v. Salvati-Weimar, Gräfin v. Solms-Baruth, Gräfin Hohenthal-Städeln aus Leipzig, die Prinzen Moritz und Ernst v. Sachsen-Altenburg mit Erzieher  aus Jena. Außerdem der Kammermusiker Schmidt-Weimar, der Tonkünstler Alvio Tausig-Warschau, Hr. Streit, Mitglied des Großherzogl. Hoftheaters zu Weimar und Frl. v. Herder, eine Enkelin  des Dichters  aus Weimar.

 

  1. Nov. Mitteilung des Rektors von Pforta zum Kirchenstuhl (MER F 44 VII 2)

„..erwidern wir der Kgl. Salinen-Verwaltung ganz ergebenst, daß wir, der unterzeichnete Rektor und der geistl. Inspektor, den Herren Beamten den einstweiligen Gebrauch des uns gehörenden verschließbaren Kirchenstuhls im Schiff der Kirche für unsere Person sehr gern gestatten wollen, daß wir uns aber außer Stande befinden, den Herren Salinen-Beamten diesen Stuhl auch für die Folgezeit ausschließlich zu überlassen, da uns selbst nur ein Nießbrauchsrecht daran zusteht .“

 

            Statistik der Badeverwaltung (St.-A. Nr. 369)            

Abgegeben wurden 2.298 Wellenbäder mit und ohne Sole davon 806 für Kinder. Das Soledampfbad besuchten 255 Gäste, fast doppelt soviel wie 1841 aber weit weniger als noch 1838 (325). Die privaten Badewirte erhielten 9496 Kubikfuß (294.000 l) Badesole mit denen rd. 4.500 Bäder bereitet wurden

 

            Jahresbericht Dr. Rosenbergers (St.-A. Nr. 369).

Die hohe Frequenz wäre der großen Dürre in den Sommermonaten, der schlechten Luft sowie unzureichender Versorgung in den Städten geschuldet, die zu einer regelrechten Flucht  derer die es sich leisten konnten, geführt hatte. Großen Zuspruchs erfreuten sich die Trinkbrunnen (Ragozy, Ems, Eger, Driburg, Pyrmont und Selters) die der Naumburger Apotheker Tuchen während der Saison in seiner Trinkanstalt rein oder mit Molke vermischt anbot. Beklagt wurde das Fehlen einer Badeverwaltung und eines Kurhauses. Er selber habe bereits seinen Garten zum Promenieren geöffnet, besser wäre es jedoch, wenn man auf der Kukulauer Wiese einen Park und Promenaden anlegen würde. Die häufigsten  Beschwerden der Gäste betrafen jedoch die Fäkalgerinne in der Dorfstraße und die „Indolenz“ der Gastwirte. Gästen, die nicht täglich bei ihnen einkehrten, würde die Bewirtung verweigert. Abschließend bedankte sich Rosenberger für einen vom König gewährten Zuschuss zur Verschönerung des Bades und die Errichtung von Schutzhütten für Ausflügler am Himmelreich und auf dem Geiersberg.

 

1843

 

  1. Jan. Aufhebung des „Salzzwanges“ (NKB 1)

Das Salz wurde nicht mehr pro Kopf verteilt, sondern Salzlizenzen an bestimmte Händler vergeben, die in ihren „Sellereien“, bis zu 24 Pfund an Kleinverbraucher verkaufen durften. Die Salinen durften ab 24 Pfund abgeben. Der Preis wurde einheitlich auf 12 Taler/Tonne (1 Tonne =405 Pfund) festgelegt.

 

  1. Jan. Das OBA genehmigt die Solelieferung für eine Warmbadeanstalt (WER Rep. F 23X 22/1).

Die Sole kam vom unteren Schacht. Weil nur dann Sole gefördert wurde, wenn es der Gradierbetrieb zuließ, musste ein Solereservoirs angelegt werden. Den Antrag Jacobs, die Solelieferung an die übrigen Badewirte einzustellen, wurde mit Verweis  auf die Nachteile für die Knappschaftskasse abgelehnt. Am 07. März genehmigte der Finanzminiser v. Bodelschwing die Vereinbarung.

 

  1. Mär. Anordnung für die Vermessung der Bahntrasse (NKB).

Alle Ortsbehörden wurden angewiesen, den Vermessungsbeamten jegliche Hilfe und Auskunft zu geben und die entlang der Trasse eingerichteten Vermessungsanlagen zu schützen. Grundstückseigentümer sollten den Vermessungstrupps freien Zugang gewähren, diese nicht behindern und etwaige Entschädigungsansprüche beim Landratsamt anmelden.

 

  1. Mär. Mitteilung der Salinenverwaltung an die Knappschaft (MER F 44 V Nr. 1)

„Die unter dem 16. Dez. 1837 auf 6 Jahre meistbietend verpachteten Ländereien auf dem Streichplatz jenseits der kleinen Saale wurden bis Michaelis d. J. gepachtet und sollen nun  wiederum auf 6 Jahre bis Michaelis 1849 unter gleichen Bedingungen wie früher verpachtet werden. Die hiesigen pachtlustigen Knappschaftsgenossen werden daher vorgeladen, sich am 10. d. M. einzufinden, ihre Angebote abzugeben..“.

Alle 12 bisherigen Pächter erhielten den Zuschlag, vorbehaltlich höherer Genehmigung, und am  15. Mai wurden die Verträge besiegelt. 

 

  1. Apr. Öffentliche Ausschreibung zum Bau einer Friedhofsmauer (NKB)

„Die Ausführung einer Befestigungsmauer um den neu anzulegenden Begräbnisplatz bei Kösen soll dem Mindestbietenden verdungen werden“. Kgl. Bauinspektor Henke-Merseburg.

Weil der alte Friedhof an der Fränkenauer Hohle, den die Gemeinde seit 1786 benutzte,  überbelegt war, bat die Gemeinde die Landesschule ihr ein Stück Land für einen neuen Gottesacker möglichst nahe am Dorf zu überlassen. Doch das war problematisch, denn alle in Frage kommenden Flächen waren verpachtet. Schließlich verständigten sich Gemeinde, Landesschule und Saline auf einen Teil des Schäferfeldes über den die Soleleitungen vom oberen zum unteren Gradierhaus verliefen und wo die bereits gekündigten Pachtgemüsegärten Salinenarbeiter lagen.

 

  1. Apr. Verpachtung der Domäne Kukulau (NKB).

Nach dem Tod des bisherigen Pächters wurde die Pacht auf 24 Jahre ausgeschrieben. Dazu  gehörten 588 Morgen Acker, 112 Morgen Wiese, 106 Morgen Lehde und 8 Morgen Garten, die Wohn- und Wirtschaftsgebäude und das gesamte lebendige und leblose Inventar. Neben dem Nachweis der fachlichen Eignung hatten die Bieter bei der Abgabe ihrer Angebote 1000 Taler in preuß. Staatsobligationen als Sicherheit vorzuweisen, wobei sich die Landesschule vorbehielt, nicht zwingend den Meistbietenden auszuwählen. Neuer Pächter war der Amtmann Bartel.

 

  1. Mai Beschwerde des Oberbergamtes wegen der Zensurenlisten (MER C48 Iib 2028 I).

Seit Einrichtung des Kösener Knappschaftsinstituts wurden auf Vorschlag des Kinderlehrers die fleißigsten und sittsamsten Kinder der Knappschaft zum Ende des Schuljahres prämiert. In diesem Jahr verlangte die Salinenverwaltung vom Kinderlehrer die Einsicht in die Zensurenliste, die dieser verweigerte, da dies ein Eingriff in seine Zuständigkeit sei. Auch sein Vorgesetzter der geistliche Inspektor Niese verweigerte die Herausgabe. Daraufhin beschwerte sich die  Lokaldirektion beim  Oberbergamt und dieses wiederum bei der Kgl. Regierung,  Abteilung für Schul-und Kirchenwesen. 

 

  1. Mai Vertrag mit dem OBA Halle (WER Rep. F 23X Nr.22/1).

Carl Traugott Jacob unterzeichnete als Bevollmächtigter einer Companie zu der der Rittergutsbesitzer Hauptmann Heinrich Bertag aus Magdeburg gehörte, den Soleliefervertrag.

Vereinbart wurde für den Kubikfuß Sole aus dem unteren Schacht 2 Pfennig und die Companie verpflichtete sich, eine  „anständig eingerichtete“ Anstalt mit mindestens zehn Wannen, mindestens  6 Fuß lang, 3 Fuß breit und  ebenso tief (ca. 2x1x1m) zu errichten. Das Solereservoir mit drei Kammern und 400 Kubikfuß Inhalt wurde über der Gestängerösche vor dem unteren Schacht in 6 Metern Höhe eingerichtet, dass die Sole übe die 90 Meter lange Leitung mit genügend Druck zu den Wannen kam. Das Reservoir war mit einer Meßeinrichtung versehen, wo der tatsächliche Soleverbrauch kontrolliert werden konnte. Außerdem wurde eine Konventionalstrafe bei missbräuchlicher Verwendung der Badesole (z. B. Weitergabe) vereinbart, der Soleliefervertrag selbst konnte aber auf einem zukünftigen Betreiber der Badeanstalt übertragen werden. Für die Beamten und Knappschaftensangehörigen sowie Ortsarme wurden im Vertrag bei Vorlage eines Attestes kostenlose Bäder abgegeben.

 

  1. Mai Besichtigung der Saline durch den Oberberghauptmann Graf v. Beust.

Dabei wurden die bezugsfertige Baubeamtenwohnung (K.-Kruse Str. 1) und der Dampfkanal von der nördlichen Siede-Pfanne zum Dampfbad in Augenschein genommen.

 

  1. Juni Anordnung des OBA zur Versuchsgradierung (MER F 44 IV Nr. 13b)

„..veranlassen wir die Kgl. Salinenverwaltung dahin zu wirken, daß die für dort angeordneten Gradierversuche unter allen Umständen mit dem nächsten Frühjahr ihren Anfang nehmen. Gegen die in Vorschlag gebrachte Art und Weise, wie die Kgl. Salinen-Verwaltung es einrichten will, um mit möglichst geringen Kosten bei diesen Versuchen zuverlässige und geschickte Gradierer  anlegen zu können, finden wir ebensowenig etwas einzuwenden, als gegen die Art und Weise, wie die  Interims-Gradierer gelohnt werden sollen und daß den Dachgradierern der Lohn-Zuschuß gegeben werden soll...“

 

  1. Juli Brunnenfest-Abrechnung (St.-A. Nr. 183).

Für das Fest wurden 126 Taler verausgabt Die Einnahmen beliefen sich auf 80 Taler aus Eintritt, 30 Taler als Geschenk des Königs und 7 Taler durch das von der Knappschaft für 301 Taler angeschaffte Kinderkarusell.

 

  1. Juli Bericht des Landrates über das Saalehochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

„In den letzten Tagen des Monats Mai erreichte die Saale eine bedeutende Höhe und durch das Herstürzen der oberhalb  des Kösener Wehres in einer Ausdehnung von fast einer Stunde auf dem Flusse liegenden Holzflöße erlitten nicht nur die Holzhändler einen bedeutenden Verlust, sondern es drohte auch der Kösener Brücke große Gefahr, denn die mit großer Gewalt vom Wehre herabstürzenden bedeutenden Holzmassen fanden an den Jochen der Brücke einen Haltepunkt und der Stoß war so gewaltig, daß die anprallenden starken Holzstämme zum Theil  zerbrochen wurden, wodurch jedenfalls die Brücke erschüttert worden ist, wenn auch diese Annahme durch äußere Merkmale nicht gerechtfertigt wird.

Um für die Folge eine ähnliche Gefahr abzuwenden, zog ich die Sache in Verhandlung und hatte die Absicht, die Aufbewahrung der Flöße oberhalb des Wehrdammes zu untersagen. Allein die Ausführung dieser Maßregel stellten sich nicht unbedeutende Hindernisse entgegen, weil das Floßholz sobald es das Wehr passiert, verzollt werden muß, was für die Holzhändler, welche  ihre bedeutenden Vorräte des Holzmarktes wegen, oberhalb des Wehres deponieren, zur gegebenen Zeit bedeutende Ausgaben verursachen würden und außerdem würde den vier Kösener Holzhändlern die Gelegenheit entzogen, ihre Langholzvorräthe zu kontrollieren, wenn die  Flöße entfernt vom Dorfe niedergelegt werden sollten. Der Ortsvorstand von Kösen versicherte, daß der Vorgang nicht hätte eintreten können, wenn die auf dem Strom liegenden Langholzflöße am Ufer gehörig  befestigt gewesen und dieser Ansicht läßt sich nichts entgegen stellen. Indem ich nun aber  im Begriff stehe, den Holzhändlern und Flößern die gehörige  Befestigung der Flöße  bey einer namhaften Strafe zur Pflicht zu machen, ist es mir nicht gelungen, eine gesetzliche Vorschrift worauf ich die Strafandrohung gründen könnte, aufzufinden. Bei E. Hochwohlgeb. trage ich daher darauf an, das Regulativ wegen der Langholzflöße auf der Saale v. 26. Mai 1838 durch eine Amtsblattverordnung auf den vorgetragenen Fall veröffentlichen zu wollen und halte dafür, daß durch  die Androhung einer Strafe von 5 Talern für jedes nicht gehörig befestigte Floß der Zweck erreicht werden wird. Für die gehörige Publikation und Aufrechterhaltung dieser Anordnung würde ich dann Sorge tragen...“.

 

     Sep. Badelisten (NKB Nr. 39, St.-A. Nr. 583).

Die 276 Einträge waren eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Zu den Badegästen gehörten u.a. der Erbgraf zu Solms auf Wiedenfels, die Witwe des Oberpräsidenten v. Brauchitsch-Berlin, Prof. Otto Fr. T. Heinsius, Sprachwissenschaftler und Rektor des Grauen Klosters in Berlin, Gräfin v. Seckendorf aus Merseburg, Baron von Helldorf- Berlin, Baron und Baronin v. Gersdorff-Jena, Kammerherr v. Plötz-Weimar, der Kaiserl. Russ. Hofrat von Goldmann aus Warschau, Mrs. und Miß Swaine- Weimar, Baronin v. Falkenstein-Berlin, Kammergerichtsrätin v.Nicolovius-Berlin, Oberpräsidentin Flottwell-Magdeburg, Freiherr v. Hansen-Dresden und Louise Fournier aus Berlin. Anwesend waren auch der Großherzogl. Weimar. Hofschauspieler Genast mit seinen Töchtern, die Opernsängerin Schröder-Devrient aus Leipzig und die Gräfin Rossi alias Henriette Sontag eine namhafte Opernsängerin.

 

  1. Sep. Salinenrecherche durch Mertins und v. Bühlow (WER Rep. F 23 II)

Dabei wurden die vom Salineninspektor Bischof angestellten Versuche zum Sieden mit glühender Asche ausgewertet. Da eine bessere Qualität des Salzes erzielt und Formkohlen eingespart wurden, sollten die beiden Pfannen im 3. Kot dazu verwendet werden. Außerdem wurden die bisherigen Soleleitungen (Kandeln) auf dem Oberdeck der Gradierwerke durch Kästen mit Hähnen und Schnellschussvorrichtungen ersetzt Die  Kästen fassten wesentlich mehr Sole und die Aufgabe auf die Dornenwand war wesentlich gleichmäßiger und kontrollierter. Das kubische Gradierung wurde aufgegeben

 

  1. Sep. Ausschreibung der Ökonomie der Landesschule (NKB).

Zur Pacht gehörten 1.260 Morgen Ackerland, 215 Morgen Wiese und 23 Morgen Garten sowie 3.000 Morgen „auswärtiges“ Hutungsland, ein Weinberg von 15 Morgen, die Fischerei auf der kleinen Saale innerhalb der Mauern bis an die Almricher Flurgrenze, Obstgehölze, die gesamte  Viehhaltung, außer der Pachtschäferei, das Pfortaer Brau- und Brennhaus, eine Kalk- und Ziegelbrennerei und die Wassermühle. Dazu kamen die Hand- und Spanndieste von 7 Dörfern  sowie Getreide- und Hopfenzinsen. Dem Pächter oblag die Beköstigung der bis zu 180 Schüler, für die man jährlich mit 10 bis 12.000 Talern rechnete. Das Mindestgebot für die Jahrespacht betrug 7079 Taler und neben der fachlichen Eignung hatte der Pachtinteressent bei Abgabe seines Gebotes ein privates Vermögen von 25 bis 28.000 Talern nachzuweisen.. Auch hier erklärte die Schulverwaltung, nicht zwingend den Höchstbietenden auszuwählen.

 

  1. Okt. Ausschreibung des Salzamtes Dürrenberg (NKB)

Das betraf die Lieferung für Bauholz für die Kösener Saline im kommenden Jahr. Interessenten mussten eine Kaution von 500 Talern hinterlegen.

 

  1. Nov. Einrichtung einer Sellerei in Kösen (NKB)

Da die Saline nur größerer Mengen abgab, und sich die Kleinverbraucher darüber beschwerten, dass sie das Salz in der Naumburger Sellerei holen mußten, erhielt der Kösener Kaufmann Fischer, der seit 1839 hier eine Materialwarenhandlung betrieb,  die Lizenz für den Salzverkauf für Mengen von 3 Lot bis 24 Pfund.

 

  1. Nov. Pachtvertrag über die Glaubersalzfabrik (MER F 44 V Nr. 8/2)

Sein 1831 hatte die Salinenverwaltung die chemische Fabrik auf eigene Rechnung betrieben. Nun wurde das neben dem Salinenbauhof gelegene Werk (Salinenstr. 1-2) auf 20 Jahre an Friedrich Wilhelm Heun verpachtet, den Sohn des ehemaligen Pächters, der bislang auch auf seinem Anwesen in der Borlachstraße (Nr. 40) eine kleine chemische Fabrik betrieb..

Der Pächter übernahm die jährlich anfallenden Siedabfälle wie Salzschlamm, Pfannenstein  und Mutterlauge um es zu Glaubersalz, Soda und anderen chemischen Fabrikaten zu verarbeiten. Dazu kam das Glaubersalz aus den Soleschiffen und Solereservoiren, dass sich im Winter durch Ausfrieren bildete.  Außerdem erhielt er die Siedeabfälle die der vorherige Pächter laut Vertrag vom 26. Aug. 1831  der Saline wieder überlassen hatte, rund 3000 Kubikfuß ausgelaugten Pfannenstein für 112 Taler.

Eine der Hauptbedingungen war, dass der Pächter ohne Erlaubnis der Salinenverwaltung keinerlei   Siedeabfälle, unter welchen Vorwand auch immer, aus der Fabrik wegschafft und an einen anderen Ort verarbeitet. Außérdem hatte er die nach Auslaugung des Salzschlammes und des Pfannensteins zurückgebliebenen „erdigen Teile“ den Düngegips der Salinenverwaltung unentgeltlich und das bei der Verarbeitung ausgeschiedene weiße Koch- und das gelbe Viehsalz abzuliefern. Dafür erhielt er für jede Last Kochsalz a 4050 Pfund 18 Taler, wobei schätzungsweisee 25 Lasten weißes und  zehn Lasten gelbes Salz im Jahr anfielen. Während der Badesaison durfte er bis zu 100 Kubik-Fuß Mutterlauge an Badegäste zum Preis von 5 Silbergroschen der Kubikfuß verkaufen, wenn diese eine schriftl. Genehmigung der Badedirektion vorwiesen. Der Verkauf und Vertrieb der Produkte der chemischen Fabrik waren nicht weiter reglemetiert.

Die Pacht für die chemische Fabrik sowie die Zwischenbehälter und Lager für „übelriechende Stoffe wurde über die bezogenen Mengen an Siedabfällen berechnet, für 100 Kubik-Fuß Mutterlauge  waren es 3 Taler 15 Groschen, je Last Pfannenstein oder Salzschlamm a 4000 Pfund  2 Taler. Die Kaution in Höhe von 350 Talern hinterlegte Heun in preußischen Staatsschuldscheinen.

 

  1. Dez. Anordnung des Oberbergamtes (St.-A. Nr. 369).

Die Lokalverwaltung wurde angewiesen, neu einhestellten Kunstwärtern den Verkauf der Badesole als Dienstpflicht aufzuerlegen. Die derzeitigen Kunstwärtern sollten dagegen wie bisher ein Viertel vom Verkaufserlös der Badesole bekommen. Außerdem sollte ein Badewärter als Aufsicht über die Wellenbäder, das Dampfbad und die öffentliche Badeanstalt  angestellt werden.

 

             Statistik der fiskalischen Badeanstalten (WER Rep. F 23 X Nr. 22/1).

Seit 1827 wurden 50.259 Solebäder,  17.567 Wellenbäder mit und ohne Soledusche (seit 1833) und 1.469 Soledampfbäder (seit 1838) verabreicht. Die  Gesamteinnahme belief sich auf 4.965 Talern, davon kamen 1.656 Taler zur Knappschaftskasse.

 

            Sanitätsbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369).

Als positiv vermerkte er die Befreiung der Badegäste vom „Chausseegeldes“, die Pflasterung der Dorfstraße und die Einrichtung einer Postexpedition. Auch die  Konzession einer Apotheke und die Einstellung einer für Ordnung und Sauberkeit auf den Wegen sorgenden Aufsichtsperson würden den Ruf des Bades verbessern. Unzureichend war die Versorgung mit Lebensmitteln wegen des fehlenden Viktualienmarkts. Insbesondere Gäste, die Diät halten sollten, fühlten sich „dem Zwange der indolenten Gastwirte“ ausgeliefert.

 

1844

 

  1. Jan. Neuordnung der Brennholzflöße (Stadtarchiv Jena).

Überraschenderweise hatte im Frühjahr 1843 das herzogl.-altenburgische Floßkommissariat dem Jenaer Stadtrat angekündigt, den dortigen Stapel nicht mehr zu belegen. Grund dafür war die Weigerung der großherzogl.-weimarischen Staatsbehörde, die von der altenburgischen Kammer  angekündigte Preiserhöhung anzuerkennen. Der Stadtrat, der um die Versorgung mit Brennholz bangte, wandte sich daraufhin an den Großherzog. Doch dieser verwies auf die im Jahr 1837 vertraglich vereinbarten Festpreise für die Laufzeit des Vertrages, die man nicht vorzeitig und einseitig ändern könne. Da auf den Stapel Jena noch 3.600 und in Dornburg 800 Klafter lagen, wäre die Brennholzversorgung im laufenden Jahr nicht gefährdet. In den darauf folgenden Verträgen wurden für ein Jahr geltenden Preise zwischen der altenburgischen Flöße und der weimarischen Staatskanzlei festgelegt und den Räten mitgeteilt.

 

  1. Feb. Bericht der Lokalverwaltung (WER Rep. F 23X Nr. 22/1, St.-A. Nr. 369).

Auf die Anordnung anstelle der Kunstwärter einen Badediener einzustellen, erklärte die Lokalverwaltung dass die nebenher mit der Soleausgabe und der Betreuung der fiskalischen Badeeinrichtungen befassten Kunstwärter etwa 47 Taler jährlich kosteten. Dafür würde wohl kaum ein „ordentlicher, anständiger Mann mit einer Arbeitszeit von 5 Uhr früh bis 9 Uhr abends von Mai bis September zu haben sein“. Das was ihm darüber zugestanden würde, müsste die  Knappschaftskasse tragen, was aber niczt statutengerecht sei.

Zur Jacobschen Badeanstalt wurde berichtet, dass einer der Mitgesellschafter der Hauptmann Bertag überraschend verstorben sei. Da die Verträge geändert werden müssten, wurde mit dem  Bau noch nicht begonnen. Außerdem wollte man abwarten, welche Auswirkungen die geplante Bahntrasse auf das Vorhaben hat.

Auf Nachfrage erklärte das Ministerium für Unterricht und Geistliche Angelegenheiten, dass   wegen der laufenden Verhandlungen mit der Thüringer Eisenbahngesellschaft noch keine Genehmigung zu dem mit der Landesschule abgeschlossenen Kaufvertrag über den unteren Holzplatz erteilt werden konnte.

 

  1. Mär. Schreiben des Naumburger Magistrats an den Landrat (St.-A. Nr. 488).

Der Magistrat hatte erfahren, dass die Badedirektion und die Gemeinde Kösen die Genehmigung zur Abhaltung eines  Wochenmarktes beim Landrat beantragt hatten. Diese Einrichtung war längst überfällig, denn die zahlreichen Gäste aber auch die Wirte und die steigende Zahl der Einwohner benötigten immer größere Mengen an Lebensmitteln. Man war auf Höker, Wander- und Zwischenhändler angewiesen oder den Naumburger Wochenmarkt aufsuchen, wobei Ortsfremde erst zu einer späteren Uhrzeit ihre Einkäufe tätigen durften. Das verteuerte die Lebensmittel, was besonders die ärmeren Familie traf, aber auch viele Badegäste abschreckte. Beantrag war ein wöchentlicher Markttag, der nicht mit dem Naumburger Wochenmarkt zusammenfiel. Der Naumburger Magistrat erklärte, dass ein Wochenmarkt in Kösen den Naumburger Einwohnern und Gewerbetreibenden erhebliche Nachteile bringen würde und dass man bisher ja auch ohne Markt ausgekommen sei. 

 

  1. Apr. Samiel eröffnet seinen Ausschank auf der Rudelsburg (NKB)

 

  1. Apr. Staatsvertrag mit der Thüringischen Eisenbahn AG (Fromm)

Zuvor hatten die beteiligten Regierungen (Preußen, Sachsen-Weimar, Sachsen-Coburg-Gotha) der Sächs.-Thüring. Eisenbahn AG die Konzession erteilt.

 

  1. Mai Anzeige des Salineninspektors Ebers (NKB)

Der verabschiedete sich von seine  Freunden, nachdem er als Oberbergamts-Assessor nach Halle berufen wurde.

 

  1. Mai Ernst Johann Bischof wird zum Salineninspektor ernannt. (Mager, Aufsätze II).
  2. J. Bischof (1803-1885) war der Sohn von J. A. Bischofs (1764-1832, Inspektor in Dürrenberg). 1825 war er Rechnungsführer der Kösener Saline, ging 1826 nach Dürrenberg, war 1833 in Artern als  Factor, 1839 als Salzamts-Assessor wieder in Dürrenberg und 1842 in Elmen als Gradierinspektor tätig. 1844 wurde ihm die Lokaldirektion in Kösen übertragen, als Nachfolger Ebers, der ins Oberbergamt wechselte. 1855 wurde er Salzamtsdirektor in Dürrenberg, 1857 zum Bergrat ernannt,  trat  er 1868 in den Ruhestand.

Bischoff verfasste die „Geschichtlich-technologische Mittheilungen über das Königlich-Preußische im Herzogthum Sachsen gelegene Salzwerk zu Dürrenberg - Seit dessen Entstehung bis zum Schluß des Jahres 1826“, die 1831 bei C. J. B. Karsten im „Archiv für Bergbau und Hüttenwesen“ Bd. 20 Heft 1 veröffentlicht wurde. Einleitend stellte Bischof eine Biographie des Bergrats J. G. Borlach voran.

 

  1. Juni Schreiben des Schulinspektors an den Landrat Jacobi v. Wangelin (St.-A. Nr. 488)

Die Gemeinde hatte auch bei der Landesschule um Unterstützung für Wochenmarkt gebeten. Die Beamten hatten keine Bedenken und auch die Kgl. Provinzial-Schulverwaltung war einverstanden, zumal die Ökonomien von Pforte, Kukulau und Fränkenau hier ihre Erzeugnisse verkaufen konnten und sich den Weg nach Naumburg sparten. Bedingung war, dass die Marktaufsicht bei der  Gemeinde bleibt. Daraufhin sollte der Ortsrichter binnen 3 Tagen einen Platz möglichst in Ortsmitte für den Markt dem Landrat benennen. Fristgemäß erklärte nette, dass sich die gemeinde für einen Platz zwischen dem Chausseedamm und der Gemeindestraße entschieden habe. Heute steht hier die Kirche.

 

  1. Juni Bekanntmachung des Königl. Grenz-Postamtes (NKB)

„Vom 15. Juni bis zum 15. Oktober d. J. ist in dem Bade-Orte Kösen eine Königl. Post-Expedition errichtet und sind außer den, den Ort Kösen passierenden (.) noch folgende Local-Posten eingerichtet worden“. Zweimal am Tag verkehrte eine Kutsche von Naumburg nach Kösen und zurück. Das erleichterte den Badegästen bzw. den Badewirten die Fahrt nach Naumburg aber auch den Naumburgern die Benutzung der Badeeinrichtungen und den Besuch der Ausflugsziele.  

 

  1. Juni Schreiben der Kgl. Regierung an den Landrat (St.-A. Nr. 488)

Die Beschwerde des Magistrat zu Naumburg wurde vom Landrat abgewiesen, weshalb man bei der Kgl. Regierung wegen des Kösener Wochenmarkt unter Vorbringung der gleichen Begründung protestierte. Der Landrat wurde angewiesen, zunächst von einer Genehmigung abzusehen und weitere Anweisungen abzuwarten.

 

  1. Juni Salinenrecherche durch Ober-Berghauptmann v. Beust (WER Rep.F 23 Nr. 5/3).

Dieser ordnete die Neuaufteilung der Gradierfälle nach der von Bischof angestellten  Berechnung an. Von den 65.600 Quadratfuß Gesamtflächen entfielen 24.737 Qu.-Fuß am oberen Gradierwerk, auf den 1. Fall, 18.085 Qu.-Fuß auf den 2. Fall zu gleichen Teilen am oberen und am unteren Gradierwerk), 13.182 Qu.-Fuß auf den 3. Fall und 9.623 Qu.-Fuß auf den 4. den Gutfall.

Bei einer Erneuerung derRöhrenfahrten vom oberen zum unteren Gradierwerk sollten diese nicht mehr aus Holz sondern aus Gusseisen ausgeführt und entlang der Friedhofsmauer verlegt werden.

Zudem wurde die Lokaldirektion über die vereinbarte Kostenteilung zwischen dem Salinenfiskus und der Landesschule bei der Unterhaltung des Wehrdammes und des Eiswehres informiert.

 

  1. Juni Baubeginn für die Große Badeanstalt (WER Rep. F 23).

Nachdem die Vertragsverhälnisse geklärt und die finanziellen Dinge geregelt waren, hatte das Ministerium am 5. Juni den Kaufvertrag mit der Landesschule genehmigt.

 

  1. Aug. Sängerfest (NKB).

Der Einladung der Naumburger Liedertafel folgten Vereine aus Apolda, Bürgel, Camburg, Jena, Laucha und Sulza.  Die rund 200 Teilnehmer trafen sich 9 Uhr auf der Rudelsburg.  Anschließend  ging es zur Mittagstafel mit Musik und Gesang im Ort. Der Tag klang mit einem Ball aus. Gäste die keiner Liedertafel angehörten, bezahlten 10 Silbergroschen für das Mittagessen.

 

  1. Sep. Wiederbesetzung der Stelle des Obergradierers Zedel ( MER)

Dem Vorschlag der Lokalverwaltung, den Zimmergesellen Christian Friedrich Wilhelm Törpsch (geb 1821) einzustellen, stimmte das OBA zu „ Ist Um- und Einsicht und ein höherer Grad von Ausbildung erforderlich, als sie bei einem gewöhnlichen Arbeiter vorausgesetzt werden kann, der Törpsch auch dem Departement als ein zu dieser Stelle vollkommen qualifiziertes Subjekt  bekannt ist“.

 

      Sep. Badelisten (NKB 21 bis 36).

Es waren 213 Einträge (641 Einzelpersonen) darunter der Baron v. Berlepsch auf Berlepsch, Baron v. Haugk-Leipzig, Oberstleutnant Freiherr von Helldorf-Berlin, der bekannte Berliner Bischof Dr. Neander (in Naumburg geboren, in Pforte zur Schule gegangen u. von 1805 bis 1817 Pfarrer in Flemmingen), Collegienrath v. Liepmann-St. Petersburg, die Gräfin von Hohenthal-Leipzig, die Gräfin v. Königsmarck, Prof. Czwalina-Posen, Kammerherr v. Plötz-Weimar, Baronin v. Beust-Berlin, Gräfin Vitzthum v. Eckstädt, Frau v. Woynarowska-Galizien und die Baronin von Bodenhausen-Dresden.

 

  1. Sep. Öffentliche Ausschreibungen zum Bahnbau (NKB 38 ff).

Die Trasse war vermessen, die Finanzierung gesichert und eine Aktiengesellschaft gegründet. Die ersten Arbeiten sollten an den schwierigen Stellen, an Bergeinschnitten, Brücken und Dämmen beginnen. Dazu gehörte das Saaletal wegen der zahlreichen Brückenbauwerke.

Verantwortlich für den Abschnitt von Weißenfels bis zur Landesgrenze war der Abteilungs-Ingenieur T. Weißhaupt, der die Submission der Mauererarbeiten und die Materiallieferungen für die Strombrücken Lengefeld, Saaleck, Kleinheringen, die dazwischen liegenden Flutbrücken sowie die Futtermauer in Lengefeld veranlasste.

Allein für die „schiefe Brücke“ unterhalb des Wehrdammes mussten 515 Schachtruten (2.300 m³) Bruchsteine und 62.300 Kubikfuß (1.900 m³) Werkstein angefahren, versetzt und vergossen werden.

Weil die Brücke wegen der Topografie des Tales und der daneben liegenden Straßenbrücke nicht wie üblich im rechten Winkel sondern schräg über den Strom geführt werden musste, die Eispfeiler dagegen rechtwinklig zur Fließrichtung stehen mussten, standen beide bauteile  nicht im rechten Winkel zueinander, was den Bau erheblich erschwerte. Das effektivste Transportmittel bei den Erdarbeiten war der zweirädrige Handkippkarren, der von zwei Mann auf einer leichten Holzbahn gezogen wurde. Nur bei größeren Entfernungen kamen Fuhrwerke zum Einsatz. 

 

  1. Okt. Grundstückserwerb der Eisenbahngesellschaft (WEI RB Erfurt K 12 Nr. 1)

Die Verträge wurden vom Direktor der Thüringer Eisenbahngesellschaft Graf von Keller persönlich vor Ort abgeschlossen und vom Justizrat Bielitz im Beisein der Zeugen dem „Privat-Expedienten“ Carl Ludwig Brandt und dem „Supernummerar“ Richard Rudolph Morgenroth notariell beglaubigt. 

Der Kunstwärter Johann August Scheufler erhielt für sein Anwesen am Mühlenweg 1.525 Taler, zuzüglich der Erbzinsen und der Grundsteuern und musste bis Ostern 1845 ausziehen. Nach der dem Kaufvertrag beiliegenden Inventarliste war das haus zweigeschossig. Rechts vom durchgehenden Hausflur gab es eine Stube mit 3 Fenstern und einem gusseisernen dreistöckigen Ofen, dahinter eine Kammer mit einem Fenster und eine fensterlose Küche mit dem Herd. Auf der anderen Seite eine weitere Stube mit einem Fenster und einem Ofen, bestehend aus dem Unterbau aus Pfannenblech und einem Kachelaufsatz. Dahinter eine Kammer. Vom Flur führte eine Treppe in das Kellergewölbe und eine ins Obergeschoß aus Holz mit 13 Stufen. Das als „Saal“ bezeichnete Treppenhaus hatte je ein Fenster zur Straße und zum Hof. Rechterhand waren eine Stube und eine Kammer, linkerhand zwei Stuben. Zum Dachboden führte eine elfstufige Treppe, dort gab es mehrere Verschläge und  Kammern. Hinter der Hoftür, die wie die Haustür zweiflüglig war, befand sich ein Anbau mit zwei Fenstern in dem die Küche samt „Kochmaschine“ eingerichtet war. Über der Küche befand sich eine Werkstube. Im Hof gab es zwei „Saukarren“, einen Torfstall, einen Ziegenstall und 2 Holzschuppen, im Garten eine Pflaumendarre. Vor dem Haus stand eine Laube, umgeben von einem Lattenspalier.      

Die Eheleute Bennemann bekam für ihr Haus ebenfalls am Mühlweg 1.200 Taler. Sie wollten es selbst abreißen und das Abbruchmaterial verkaufen. Beiden Verkäufern wurde ein Vorkaufsrecht eingeräumt, falls beim Bau der Bahn nicht das gesamte Grundstück einbezogen und wieder verkauft würde. Davon machten nur die Bennemanns Gebrauch (Lindenstr. 1).

Der Chemiker Georg Heinrich Heun verkaufte der Eisenbahngesellschaft von seinem Grundstück am Lengefelder Fahrweg den „Teichgarten“ für 4000 Taler. Mit verkauft wurde sein Schmelz- bzw. Sodaofen und ein von Windkraft angetriebenen Pochwerk mit denen er experimentierte. Das Wohnhaus und ein  „thurmartiges Gebäude“, die sogenannte Schenke, seine  Brennerei behielt er  (Borlachstr. 43).

Außerdem erwarb die Gesellschaft die restlichen Flächen des Floßamtes von der Straßenpartie bzw. von der Landesschule und die hinter dem Chausseedamm liegende Webersche Wiese, die man als Lager und Baustelleneinrichtung benötigte.

Die übrigen für den Bahnbau in der Ortslage benötigten Flächen wurden der Landesschule abgekauft.  Dazu gehörten auch Lagerflächen und Baustraßen, die Grundstücke für den Bahnhof samt Nebenanlagen sowie Vorkommen von Lehm-, Ton und Erde für die Bahndämme. 

 

  1. Okt. Submission der Pfortaischen Steinbrüche (NKB).

Unternehmern, die sich beim Bau der Eisenbahn bewarben, erhielten nun die Möglichkeit, die nahe gelegenen Steinbrüche (Katerberg, Kösener Berg, Fränkenau) auszubeuten. Dazu gehörte auch der Maurermeister Werner, der per Anzeige qualifizierte Steinbrecher suchte.

 

      Okt.  „Kösen – Dorf, Saline, Stadt“ von  A. C. Ende (Anna Amalia Bibl.).

Der Beitrag des Pfarrers von Ostramondra erschien in der Reihe „Thüringen und der Harz“, Bd.  8. Einige Angaben sind unzutreffend, wurden aber später von Heimatforschern ungeprüft übernommen.

 

  1. Nov. Vergleich zwischen dem Chemiker Heun und der Bahngesellschaft (WEI. RBD K12,1)

Entgegen den Vereinbarungen lag die Bahntrasse doch zu nahe an seinem Anwesen und er handelte eine zusätzliche Entschädigung aus.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige der von Friedrike Rost (NKB)

„Neben meiner Materialwarenhandlung habe ich seit Kurzem ein Lokal zur Schankwirtschaft eingerichtet, in welcher jederzeit warme und kalte Speisen zu haben sind, auch werde ich Sonn- und Feiertags ein Zimmer in der ersten Etage meines Hauses für auswärtige Gäste besonders heizen lassen...“ Nach dem Tod ihres Ehegatten führte die Witwe  die Restauration in der  Lindenstraße 69 (Nr. 5,6,7) weiter.

 

  1. Dez. Mitteilung des OBA wegen der Einfriedung von Dienstwohnungen (MER F 44 V Nr. 1)

„..eröffnen wir der Kgl. Salinenverwaltung, daß da bei der erst in den letzten Jahren erfolgten Herstellung der hauptsächlichsten dortigen Gartenbefriedigungen in der nächsten Zeit eine Reparaturbedürftigkeit derselben wahrscheinlich nicht vorkommen wird, dieselben vielmehr noch  eine ansehnliche Reihe von Jahren ausdauern werden,  vor der Hand vorzüglich auf die Anlegung  lebendiger Hecken zur Trennung der unmittelbar nebeneinander liegenden Gärten Bedacht zu nehmen und  in dem Falle, daß eine Reparatur nötig erscheint, unter Angabe der erforderlichen Kosten besonderen Bericht an uns zu erstatten“.

 

               Medizinalbericht des Knappschaftsarztes (BLK-A. Nr. 369)

Die Kurlisten wiesen 218 Einträge auf. Abgegeben wurden 1.438 Wellenbäder und 124 Gäste benutzten die Soledampfkammer. Die Tuchen`sche Molkeanstalt hatte 80 Besucher, die Struvesche Mineral-Wasseranstalt 100. Der Rückgang war der ungünstigen Witterung geschuldet, denn viele Gäste reisten vorzeitig ab. Erneut kritisierte Rosenberger die Gastwirte „Die Restauration von Hämmerling und Weber lieferten die Speisen ohne alle Rücksicht auf die in ärztlicher Beziehung durchaus erforderliche Bade-Diät und in der schon seit langen Jahren bekannten Beschaffenheit (.) Es ist natürlich zu bedauern, daß (.) auf alle Angelegenheiten, welche den Zweck des Aufenthaltes und somit dem Wohl der Fremden betreffen, noch kein autorisierte Kontrolle herrscht, welcher Willkür die Gäste unterworfen sind.“ Um den Hochmut der Wirte einzudämmen, Quartiersuchende besser zu betreuen und schriftliche Anfragen zu beantworten sei dringend eine geeignete Institution einzurichten. Die könnte sich dann auch dem geselligen Leben widmen, woran es dem Ort mit 1.046 Einwohnern und 114 Wohnhäusern mangelt. Einzig im Salon des Konditors Furcht fand so etwas wie geselliges Beisammensein statt. Rosenberger bedauert außerdem, dass der Apotheker Neumann trotz erteilter Konzession den Ort verlassen hatte, weil er weder ein Ladengeschäft noch einen Bauplatz bekommen konnte. 

 

             Friedrich Christian Schleicher zum Ortsrichter ernannt (Röblitz, Heimatbuch 1930).

Der gelernte Zimmerer, Jg. 1784 bekleidete das Amt bis 1867. Er wohnte in der Dorfstraße 10, heute Borlachstraße 21.

 

            „Das malerische und romantische Saal-und Unstrut -Thal“ A. Weidenbach

„Der ganze Ort besteht aus 120 Häusern und 650 Einwohnern (offensichtlich völlig falsch), welche seit 15 Jahren durch das jetzt immer frequenter werdende Salinenbad einen bedeutenden Vorteil geniesst (.) Seit dem Jahr 1833 bestehen  neben den gewöhnlichen Solbädern, welche die Badegäste in den Privathäusern benutzen, öffentliche Dusch- und Wellenbäder, welche fleißig benutzt werden. In Kösen selbst gewähren der Gasthof  zum Mutigen Ritter, so wie die Restaurationen der Herren Konditor Pleisch und des Bäckermeisters Hämmerling, in dessen Lokal im Jahre 1839 das Gewitter eingeschlagen ist, einen angenehmen Aufenthalt.“            

 

1845

 

  1. Jan. Bekanntmachung des Landrats (NKB Nr.2).

„Es wird beabsichtigt, in dem in Kösen neu erbauten Badehaus einen zur Erwärmung der Bäder bestimmten Dampfkessel aufzustellen“. Diejenigen, die sich dadurch in ihren Rechten beeinträchtigt  sehen, sollten binnen einer Woche ihre Einwände beim Landratsamt anzeigen“. 

 

  1. Jan. Bericht des Abteilungsingenieurs Weißhaupt (WEI RBD K12.1).

Der Salzsieder Thieme hatte sich beschwert, weil sich nach den Gründungsarbeiten der Brückenpfeiler in seinem 1840 gebauten Haus (Uferstraße 1) Risse zeigten.

 

  1. Feb. Bericht Bischofs über die Versuchsgradierung 1844 (MER F 44 IV 13b)

Dafür wurden die 20 Bund (141 m) des Südflügels am oberen Gradierhaus in vier Fälle (1. Fall 175 Fuß-54m, 2. Fall 127 Fuß-39 m, 3. Fall 89 Fuß-27m, 4. Fall 67 Fuß-21m) eingeteilt. Auf dem Oberdeck wurden über der doppelt eingelegten Dornenwand beidseitig Solebassins mit vier Abteilungen mit zweiseitiger  Tröpfelvorrichtung und Geschwindstellung eingerichtet. Das Unterschiff wurde in drei Abteilungen getrennt,. Die Sole lief über eine Röhrenfahrt vom Nordflügel  in das Oberbassin des 1. Versuchsfalls, wurde dort kubiziert und dann über die Dornenwand getröpfelt. Die Pumpen für die Förderung der einmal gefallenen Sole in das Solebassin des 2. Versuchsfalls, sowie der beiden weiteren Umläufe wurden über das Einfeldgestänge betrieben, dass zu diesem Zweck um 580 Fuß (180 m)verlängert wurde.

Mit dieser Aufteilung der Versuchsfälle, einer verbesserten Kubizierung und Tröpfeleinrichtung erhoffte man sich eine Verbesserung des Gradierprozesses mit weniger Soleverlust und längere Haltbarkeit der Bedornung im Vergleich zu der bisherigen, unter gleichen Witterungsbedingungen laufenden, eigentlichen Gradierung.

Bischof stellte hierzu dann fest: „Es war vorauszusehen, daß die Resultate des ersten Betriebes des zu diesen Versuchen eingerichteten Teiles der dortigen Gradierung nicht befriedigend ausfallen würden, weil einesteils die in winterlicher und daher ungünstiger Jahreszeit ausgeführte, wesentliche Umgestaltung der Vorrichtung, vorzüglich in den Bassins mancherlei kleine Mängel mit sich führen mußten, welche  erst bei demnächstigen Gebrauch aufgedeckt werden könnten und Abhilfe finden mußten..“ Daraufhin erklärte das OBA „Was die uns vorgelegten Betriebs-Resultate selbst anbelangt, so sind dieselben wegen der mancherlei dabei von Einfluß gewesenen Mängel in  den Vorrichtungen sowohl als  der Betriebsführung und der dabei vorgekommenen Unrichtigkeiten der Beobachtungen (.) ohne allen Wert. Die Kgl. Salinenverwaltung wird daher diesen Gegenstand  und der Beseitigung solcher Mängel ihre ganze Aufmerksamkeit zuwenden, um dem Zweck dieser ganzen Veranstaltung gemäß von jetzt ab zuverlässige und zu weiteren Folgerungen und wissenschaftlichen Forschungen geeignete Resultate erzielen.“

 

  1. Mär. Bekanntmachung der Floß-Commune zu Kahla (NKB)

Wegen des Eisganges wurde die Kösener Holzmesse zunächst auf den 12. April, dann wegen Hochwasser auf den 19. April verschoben

 

  1. Mär. Unterzeichnung von „Pflichtvorhaltungen“ (MER F 44 I A)

Das betraf die Arbeiter, die bereits vor der Übernahme der Saline durch den preußischen Fiskus angestellt waren und lautete z. B. „Der geschehenen Aufforderung zufolge erschien am heutigen Tage der Gradierer Christian Schröter, seit 1ten Juni 1801 beschäftigt. Derselbe wurde mittelst Handschlages zum Arbeiter bei der hiesigen Kgl. Saline angenommen und ihm heute unter der Eröffnung, daß sich die unterzeichnete Salinen-Verwaltung eine sechswöchentliche Dienstaufkündigung vorbehalte, der er sich durch Unterzeichnung des Annahme-Protokolls unterwirft“

 

  1. Mär. Verordnung zum Schutz der Brückenbaustellen der Eisenbahn (NKB Nr. 13).

Flößern und Bootsführern wurden erneut empfindliche Strafen angedroht, sollten sie durch Unachtsamkeit die Fangdämme, Behelfsbrücke oder Gerüste beschädigten.

 

  1. Apr. Gründung des Fuhrgeschäftes Pabst (KAZ 1935).

Der Salinenzimmermann Heinrich Friedrich Wilhelm Pabst, nutzte günstige Gelegenheit, die der Eisenbahnbau bot, um ein eigenes Fuhrgeschäft zu gründen. Das Unternehmen bestand bis in  die 1950er Jahre. 

 

  1. Apr. Vereinbarung über die Bahnübergänge und Durchlässe (WEI RBD K.12,1).

Bei einer Begehung der Bahntrasse legten der Ortsrichter Schleicher, Schulinspektor Schwimmer und der Abteilungsingenieur Weißhaupt die Durchlässe und Übergänge der Bahnlinie  zwischen Lengefeld und Pforta feste. Dazu gehörten 8 Übergänge, darunter die Querung der Mausa, die Quelle am Bahnhof, die Brücke über den Scheitbach. Außerdem wurden die Schrankenübergänge festgelegt. Dazu gehörten die Doppelschranke mit Posten an der Eckartsbergaer Chaussee und dem Fahrweg zu den Saalhäusern, zwei Schrankenübergänge am Bahnhof, jeweisl ein Posten am Fischhaus, am Fischfeld, am Lengefelder Friedhof und in Saaleck. Die Gemeindestraße (Lindenstraße) wurde überbrückt.

 

  1. Apr. Neubesetzung der Brandschutzinspektion des 2. Bezirks (NKB Nr. 18).

Nach der Versetzung der Salinenbeamten Ebers und Haun wurden der Salinen-Inspektor Bischof als Inspektor und der Salinen-Aufseher Kühne als Vize berufen.

 

  1. Mai Eröffnung einer Verkaufsbude für Tabak- und Zigarren (NKB Nr. 11).

Der Naumburger Kaufmann Starklop hatte über die Saison eine der Verkaufsbuden an der Naumburger Chaussee neben der Brücke gemietet.

 

  1. Mai Öffentliche Ausschreibung für den Eisenbahnbau (NKB)

Vergeben wurde die Ausführung sämtlicher kleinere Bauwerke (Brücken und Übergänge) bis 15 Fuß Spannweite. Außerdem verkaufte die Bahnverwaltung Bäume, die im Zuge der Trassierung gefällt wurden.

 

  1. Mai Schreiben der Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488)

Die Betreiber der Warmbadeanstalt hatten die Einrichtung eines Wochenmarkt als Voraussetzung für die Eröffnung ihrer Badeanstalt gefordert, weshalb die Behörde den Landrat anwies umgehend der Gemeinde die Konzession zu erteilen.

 

  1. Mai Bericht des Landrates über das Hochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75).

„Das Ereignis des Jahres 1843 über welches ich E. Wohlgeb. am 15 Juli 1843 berichtete, trat am 31. Mai wieder ein, indem als Folge des wolkenbruchartigen Regengüsse die Saale aus ihrem Ufer trat und die oberhalb des Kösener Wehres auf dem Strom liegenden Langholzflöße in die Tiefe hinabstürzte, wo sich ein großer Teil vor der Brücke auftürmte. Es sind ca. 10.000 Stämme vor der Brücke gelagert und daß sie den Stoß ausgehalten, gibt ein Zeugnis ihrer Dauerhaftigkeit. In Folge freiwilliger Uebereinkunft der Eigentümer der Flöße wird deren Wegräumung mit möglichster  Anstrengung betrieben, es muß aber nun jedenfalls zur Abwendung ähnlicher Unglücksfälle angemessene Verfügung ergehen, um Beschwerden der Eigentümer zu beseitigen, daher ich auf meinen bis jetzt unberücksichtigt gebliebenen Vortrag vom 15. Juli 1843 zurückkomme und jede Unterstützung desselben bitte..“.

 

  1. Juni Bericht der Lokaldirektion über die Badeanstalt (WER Rep F 23 X Nr. 22/2, NKB).

Bereits im Mai hatte E. Königliche Hoheit Prinz Carl von Preußen, die kurz vor der Eröffnung stehende Anstalt besichtigt. Die hatte nun 21 Badekabinette, sieben mehr als vertraglich festgelegt, davon davon 17 mit einer Wanne. Alle waren über Leitungen mit Kalt-und Warmwasser  sowie Sole befüllt werden. Das Gebäude  im schweizerischen Stil war eingeschossig, hatte einige Pensionzimmer und war ausschließlich für den Saisonbetrieb eingerichtet. Der restliche Platz war zum Park umgestaltet, den eine Solefontäne krönte. Für die Organisation des Badebetriebes wurde ein  Badeinspektor eingestellt. Die ärztliche Aufsicht und die Erstkonsultation der Badegäste oblag Dr. Rosenberger, der dafür  ein festes  Honorar von 300 Talern erhielt. Weitere Konsultationen hatten die Badegäste selbst zu bezahlen. Allerdings musste er sich verpflichten, Badegästen, die nicht bei ihm logierten, Bäder abzugeben.

Die Lokaldirektion beantragte beim OBA, den Soleliefervertrag dahingehend zu ergänzen, dass auch an die Frauen und Kinder der Salinenbeamten und Arbeiter kostenlose Bäder abgegeben werden.

 

  1. Juni Konzession für den Apotheker  Manasse Gause.

Gause hatte mehr Glück als sein Vorgänger. Er erwarb ein verkehrsgünstig gelegenes Anwesen in der Lindenstraße , wo sich auch heute noch die Apotheke befindet.                       

 

  1. Juni Geschäftsanzeige des Lohnkutschers Leich (NKB)

„Daß mein nach Kösen hin und zurück gehender Omnibus-Wagen von jetzt ab Nachmittags um 2 und 5 Uhr von hier, sowie um 4  und 8 Uhr von Kösen zurückfährt (.) Der Preis pro Person ist 5 Silbergroschen und der Einsteigeplatz (.) neben dem Schwarzen Ross“.

 

  1. Juni Bericht des Ortsrichters über die Beseitigung der Floßhölzer (MER C 50 Nbg. A Nr. 75)

„E. Königl. Wohllöbl. Landratsamt zeige ich hierdurch gehorsamst an, daß die Holzhändler Friedrich und Christian Krüger, hierselbst, welche das Aufräumen der an die hiesige Brücke durch Hochwasser geschwemmten Bauhölzer im Auftrage der beteiligten Eigentümer der Hölzer besorgen, zwar am 14, d. M. bei Anwesenheit  des Hr. Regierungs-Bauraths Haupt zu Merseburg  versprochen haben, bis zum 21. als am vergangenen Sonnabend wenigstens zwei Joche der Brücke  frei zu machen. Die Arbeiten sind hierauf  sowie schon vorher auf die verehrl. Verfügung vom 3. d. M. mit mehr Mannschaften gehörig angegriffen, allein da die Arbeiten schwieriger sich herausstellten als man sich gedacht und der Strom am letzten Freitag und Sonnabend wieder stark angeschwollen ist, daher die Arbeit ganz unterbrochen werden mußte, so haben dieselben ihren Versprechen nicht nachkommen können, nämlich die zwei mittleren Joche völlig zu  räumen. Der Gang des Stromes hat indes viel mehr und hinlänglichen Abzug erhalten, so daß, wenn die diesjährigen Scheitholzflöße beginnen sollte kein Hindernis  im Wege steht“.

 

  1. Juni Anordnung des Landrates (NKB)

„Bei der Überbrückung der Saale in der Nähe von Unterneusulza, Stendorf, Saaleck, Lengefeld, Kösen und Henne wird die Errichtung von Fangdämmen, Laufbrücken, Rüstungen u.a. erforderlich, wodurch der Strom mitunter geschmählert und die Fahrt beschwerlich wird. Es ist (.) der Eisenbahngesellschaft aufgegeben worden, an den Baustellen Steckpfähle zu errichten, damit die den Strom passierenden Flöße und Kähne angelegt und durch die neuen Baustellen gesteckt werden können“.

 

  1. Juli Anzeige des Badeinspektors Kettner (NKB)

„Der Unterzeichnete beehrt sich hierdurch ganz ergebenst anzuzeigen, daß in dem neuen Badehaus  zu Kösen sowohl kalte Speisen als auch kalte und warme Getränke aller Art verabreicht werden.“

 

  1. Juli Anordnung der Kgl. Regierung zum Floßzoll (MER D 50 Naumburg A Nr. 75)

Nach einem zweiten Bericht des Landrates bezüglich der Sicherheit der Brücken wurde v. Danneil angewiesen, gemeinsam mit sachkundigen Flößern und Holzhändlern eine passende Stelle unterhalb des Wehrdammes ausfindig zu machen, wo die Flöße verzollt und somit der Stau oberhalb des Wehrdammes beseitigt werden könnte. Ein sicheres Anbinden der Flöße war wünschenswert, ließ sich aber bei Hochwasser nicht realisieren. Die Beschwerde des Abteilungsingenieurs der Eisenbahn wegen Behinderungen der Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke durch große Mengen Scheitholz ging daneben, weil zur gleichen Zeit die vom  Hochwasser weggeführten Bauhölzer und Gerüste von den Brückenbaustellen erheblichen Schaden an den Rechenanlagen von Weißenfels und Merseburg angerichtet hatten.

 

  1. Juli Der Wochenmarkt wird abgelehnt (St.-A. Nr. 488)

Erneut war es dem Naumburger Magistrat gelungen, die Konzessionierung zu verhindern.

 

  1. Juli Tagebuchnotizen der Minna Tiburtius (Dorfmüller, Gerth, Lehmann)

Die Verlobte des Zeichenlehrers der Landesschule Friedrich Hoßfeld und ihre zukünftigen Schwiegereltern weilten hier bis zum 14. August.

 

  1. Aug. Beitrag in der „Magdeburgischen Zeitung“ zur Flößerei (MER C48 Ic, Nr.1687)

Die Abgaben und Hindernisse, die der altenburgischen Holzflöße auf der preußischen Saale erwuchsen, verteuerten die Holzwaren. Die Verwaltung wurde aufgefordert, größtmögliche Erleichterungen zu schaffen, wie sie der böhmischen Elbflöße bereits gewährt wurden. Zudem wäre es denkbar, dass bei Inbetriebnahme der Thüringer Eisenbahn das Holz noch vor dem preußischen Zollbezirk auf die Schiene gebracht würde. Dabei würde der Floßzoll entfallen, denn die Einfuhr von  Holzwaren auf dem Landweg war zollfrei.

 

  1. Aug. Schreiben der Kgl. Preuß. Ministerien (MER C48 Ii Nr. 782).

Bereits kurz nach Eröffnung der Badanstalt, versuchte deren Besitzer Hartung erneut die generelle Schließung aller privaten Bäder durchzusetzen. Das lehnten die Ministerien übereinstimmend ab und erklärten, dass es durchaus wünschenswert sei, weitere Bäder als Nahrungsquelle der Einwohner zu haben und außerdem würde die Konkurrenz das Geschäft beleben.   

 

  1. Aug. Verfügung des Generaldirektors der Berliner Steuerbehörde (MER C48 Ic, Nr. 1687).

Den Holzhändlern Gebr. Krüger wurde der beantragte Erlass des Floßzolls für die mit dem Hochwasser fortgerissenen Stämme und Holzwaren bewilligt.

 

  1. Aug. Bericht des Floßkontrolleurs Streubel zum Hochwasser (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Wegen des Schadens beim letzten Hochwasser, wurde der zuständige Zollbeamte aufgefordert, Vorschläge zur Mengenbegrenzung der oberhalb des Wehrdammes angelegten Flöße zu machen. Das sei nicht praktikabel und die Folge wäre das Eingehen des Holzmarktes, wie bereits vom Rittergutsbesitzer v. Schönburg vor Jahren prophezeit. Seiner Meinung nach müsste das altsächsische Gesetz wieder in Kraft treten, was vorschrieb, dass alle Flöße vor Palmarum über den Wehrdamm gehen und unterhalb des Dammes zur Zollerhebung anlegen müssen.

Ein Hochwasser während der Flöße, das nur geringfügig stärker sei als das diesjährige, würde die mitgerissenen Stämme, Scheite und Bretter zwischen dem Wehrdamm und Brücke das Wasser so hoch anstauen, dass die Mühle, die dortigen Wohnhäuser und der Chausseedamm überflutet würden. 

 

  1. Aug. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/3).

Berghauptmann Mertins und der bisherige Salineninspektor und derzeitige Oberbergamts-Assessor Ebers stellten fest, dass wegen des strengen Frosts im 1. Quartal, statt der geplanten 1.425 Lasten Salz nur 781 produziert würden. Dazu kam, dass die Mertendorfer  Kohle stark verunreinigt war, was den Heizwert merklich verminderte und damit eine größere Menge als geplant, gebraucht wurde.

Fertiggestellt war die 528 Fuß (166 Meter) lange gusseiserne Röhrenfahrt vom oberen zum unteren Gradierwerk. Zur Versuchsgradierung wurde angemerkt, dass sich wesentlich bessere Resultate als im vorigen Jahr ergaben. Äußerst nachteilig war die Festlegung, dass zukünftig die sächsischen Niederlagen nicht mehr beliefert werden, sondern von Dürrenberg wegen der besseren Wege. Das würden im schlimmsten Fall die Drosselung der Produktion und die Reduzierung des Personals. Unter dem Punkt „Sonstiges“ kam der Wochenmarkt zur Sprache, den auch die Lokaldirektion als befürwortete und den der Saline gehörenden Bauholzplatz an der unteren Wasserkunst zwischen der Chaussee und der kleinen Saale vorschlug. Auch das OBA erklärte sich im Hinblick auf die Hartungsche Badeanstalt bereit, bei den zuständigen Behörden zu intervenieren.

 

              „Lehrbuch der Salinenkunde“ (MÜN digit).

Verfasser war der Kgl.-Preuß Geh. Oberbergrat, ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin Dr. C. J. B. Karsten. Im ersten Band (S. 215-219) wurde die hiesige Saline   beschrieben. Demnach betrug die Teufe des oberen Schachts 556,3 Fuß (209 m), die des unteren  520,5 Fuß (196 m) Die Temperatur der Sole lag bei 14,25° R. Die Länge des  Verbindungsstollens betrug 754 Fuß (284 m) und stieg vom oberen zum unteren Schacht auf einer Länge von 535 Fuß (202 m) um 7,25 Fuß (2,7 m), so dass die reichere Sole zum oberen Schacht lief.  Im unteren Schacht wurde nur noch der Solespiegel konstant gehalten. Der Zufluß der Quellsole des unteren Schachtes betrug 2,9 Kubikfuß/Minute  (5,4 m³/Std.) und im oberen Schacht 6,8 Kubikfuß/Minute (12 m³/Std = 288 m³/Tag). Die Gradierwerke waren 1816 Fuß (684 m) lang, die Dornenwände zwischen 35,6 und 36,7 Fuß (13,6 m) hoch bei einer Gesamfläche der Bedornung von 65.600 Quadratfuß (9.184 m²). Das Fassungsvermögen der Behälter für die Rohsole  betrug 35.450 Kubikfuß (1063 m³), die für die Mittelsole 140.465 Kubikfuß (4214 m³) und für die Siedesole 108.466 Kubikfuß (3254 m³). Dieser  Behälter war abgedeckt und die Abdeckung wurde zur  Tafelgradierung genutzt. In den drei Siedekoten standen vier Siedepfannen, zwei Beipfannen und zwei Aschepfannen. Die Herde, außer den Ascheherden, waren „Circular Herde“. Weitere Angaben bezogen sich auf die chemische Zusammensetzung der Sole, die zur Weiterverarbeitung anfallenden Siedereste wie  Pfannenstein, Salzschlamm und die Mutterlauge, die einen hohen Anteil schwefelsaures Kali, Bittersalz und Chlormagnesium enthielt. Das weiße Kochsalz enthielt noch 1 % Gips und Bittersalze und 2 % Wasser. Die Horden in den Trockenkammern hatten eine Gesamtfläche von 3.000 m². Um die Trocknung zu beschleunigen, verliefen die eisernen Abzugsröhren der Siedeherde durch die Kammern. Die Störzeit bei den Siedepfannen betrug 5 bis 6,5 Stunden, die Soggzeit zwischen 25 und 29,5 Stunden. Bei den Aschepfannen dauert das Stören 23, das Soggen 130 Stunden, wobei das Salz zwar langsam aber dafür grobkörniger auskristallisierte. Die Jahresmenge gab Karsten mit 51.500 Zentner an.

 

  1. Sep. Bericht des Landrats über die Verhältnisse im Floßzollbezirk (MER C48Ic ,1687)

Jacobi von Wangelin empfahl die Verlegung des Hebestelle an die preußische Landesgrenze bei Kleinheringen, womit die Gefahr durch losgehende Flöße gemindert würde. Außerdem wäre dort der Zoll hinter der Eisenbahnstation und alle angeflößten Holzwaren müssten verzollt werden, bevor sie möglicherweise auf die Thüringische Bahn umgeladen würden.

Daraufhin wurde ein Beamter der Königl. Regierung und der Floßkontrolleur Streubel zur orstbesichtigung befohlen. Die stellten fest, dass eine Verlegung an diese Stelle nicht möglich sei. Das Ufer gegenüber von Kleinheringen gehörte zu Sachsen-Weimar, die Grenze verlief mitten im Fluß. Weiter flußabwärts verlief die Trasse der Eisenbahn und kreuzten die Brücken. Erst ab Stendorf waren beide Ufer preußisch, allerdings könnte wegen der Überschwemmungsgefahr hier keine Hebestelle errichtet werden. Einzige Möglichkeit wäre eine gemeinsame Hebestelle mit dem Großherzogtum Weimar bei Jena oder Camburg. 

 

      Sep. Badelisten (NKB Nr. 63).

Insgesamt waren es 301 Einträge, und damit über 700 Einzelpersonen. Einige weilten hier zum wiederholten Male, wie Mad. Devrient, der Opernsänger Genast, die Baroninnnen v. Berlepsch, v. Puttkammer und v. Wangenheim. Außerdem kamen der Baron v. Wilke, die Baronin v. Odeleben-Dresden, Frau v. Bredelow-Königsberg, Gen.-Major v. Busse-Magdeburg, Gräfin von Lottum-Neapel, Gräfin Eckstädt-Pottenwaldt auf Hohenholz, Frau Oberhofmeister v. Tümpling-Jena, Frau Geh. Justizrätin v. Leipziger-Naumburg, Frau Hofrätin Cursch-Berlin, Oberlandes-Gerichts-Vize-Präsident  Bonseri-Berlin, Frau v. Gerstenbergk-Sulza, Hofrat Hilbig-Jena, die Höfrätinnen Gottling-Weimar und Illaire-Berlin sowie die Gräfin Melinska aus Posen.

 

  1. Okt. Erklärung der Kgl. Regierung zum Floßzollbezirk (MER C 48Ic, 1687)

Die Behörde übergab das Gutachten der oberen Steuerbehörde, mit dem Bemerken, dass eine Änderung des Zollbezirks in Anbetracht der örtlichen Verhältnisse nicht möglich sei.

 

  1. Dez. Anweisung der Provinzialsteuerbehörde zur Hebestelle (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nach Eingang der entsprechenden Gutachten und Berichte, wurde festgelegt, dass eine Verlegung der Hebestelle an die Landesgrenze ausgeschlossen sei und die Zollgrenze und der Zollbezirk  belasssen wird. Die beiden letzten Hochwasser seien die Ausnahme, jedwede Änderung würde nur den Holzhandel schädigen. Im Übrigen steht es den oberländischen Flößern und Holzhändlern  frei, wenn ihnen die Preise auf dem Holzmarkt nicht zusagten, ihre Flöße aus dem Zollbezirk wieder saaleaufwärts zu bringen und dort zu verkaufen. Zudem müsse man die Auswirkungen bei der Inbetriebnahme der Eisenbahn abwarten, würde die den Transport billiger anbieten, müsste man  die Zölle senken.

 

  1. Dez. Geschäftsanzeige (NKB)

„Mein Gesellschaftssaal wird Sonntags geheizt“ inserierte Friederike Rost.

 

            Jahresbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369)

Der bedauerte, dass die öffentliche Badeanstalt im Privatbesitz war und befürchtete trotz der vertraglich vereinbarten Kontrolle seitens der Salinenverwaltung bald ähnlich unerfreuliche Zustände wie bei den übrigen Badewirten. Den Gastwirten Hämmerling und Weber warf er  erneut mangelnden Gästeservice vor, vor allem bei Gästen, denen er „diätische“ Ernährung verschrieben hatte.

Nach der Statistik der fiskalischen Badeeinrichtungen wurden in den letzten 6 Jahre im Durchschnitt 4.037 warme Solbäder, 1.730 Flußbäder und 260 Dampfbäder abgegeben. Die Einnahmen beliefen sich auf 476 Taler/Jahr, die Kosten auf 178 Taler/Jahr, der Zufluss zur Knappschaftskasse 296 Taler.

Von der an die privaten Badewirte verkauften Sole wurden 6.598 Wannenbädern bereitet, die Wellenbäder besuchten 1.938 Gäste, die Soledampfbäder 260.

 

1846

 

  1. Jan. Bestätigung der Statuten der Flößergemeinde an der oberen Saale (Stadtarchiv Jena).

Die Flößergemeinde Kahla,  eine gewerbliche Genossenschaft zur Förderung der Langholzflößerei auf der Saale, wurde vom Herzog von Sachsen-Altenburg anerkannt und berechtigt mit den großherzoglich-weimarischen und königlich-preußischen Floßbeamten eigenständig zu verhandeln. Die Genossenschaft finanzierte sich aus einer Abgabe, die von jedem Floß erhoben wurde, dass die Hebestelle Oelknitz passierte.

 

  1. Feb. Weber beantragt die Lastenfreistellung seines Feldes (WER Rep.F23, I Nr.1 Bd.6).

Der Gastwirt wollte seine Wiese hinter dem Chaussedamm zwischen dem Heunschen Badehaus und dem Weg nach den Saalhäusern verkaufen, deren Nutzung durch den Bau der Bahntrasse für ihn völlig nutzlos war. Dazu mußte er laut Pachtvertrag die Genehmigung des Salinenfiskus einholen.

 

  1. Mär. Öffentliche Ausschreibung der Eisenbahngesellschaft (NKB)

Für die Strom- und Flutbrücken zwischen Kösen und Unterneusulza sollten 143.000 Ziegelsteine geliefert werden.

 

  1. Mär. Einrichtung einer Badekommission (WER Rep. F 23X Nr. 22)

Das Oberbergamt hatte nach Rücksprache mit der Kgl. Regierung der Bildung einer eigenständigen Kommission unter dem Vorsitz des Salinendirektors genehmigt. Neben den fiskalischen Badeeinrichtungen und dem Soleverkauf sollte die Kommission auch den geselligen  Verkehr der Badegäste befördern und sich der Verbesserung der örtliche Infrastruktur annehmen.

 

  1. Mär. Anweisung des OBA zur Versuchgradierung (MER F 44 IV 13b)

„...haben wir mit besondere Zufriedenheit ersehen, wie dieselbe es angelegen sein läßt, daß bei einer solchen Verrichtung sich stets erst im Laufe der Zeit in ihrer mehreren Größe heraus stellenden Mängel zu beseitigen und Resultate zu erlangen, welche dem wirklichen Sachverhältnis und Hergang nahe zu kommen scheinen...“ Die Weiterführung der Versuche bei Beseitigung von Mängeln und genaueren Messungen wurde angeordnet.

 

  1. Apr. Anzeige des Bade-Inspektors Kettner (NKB)

„Die hiesige Badeanstalt, in welcher außer Solbädern auch Sole-, Dunst-, russische und andere künstliche Wasser-Bäder genommen werden, wird am 15. Mai eröffnet. Der Bade-Inspektor wird auf portofreie Briefe über die etwa gewünschten Badewohnungen sehr gerne Auskunft erteilen und die diesfallsigen Aufträge prompt erfüllen“ 

 

  1. Apr. Anzeige des Landrates zur Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Von über 50 Flöße die oberhalb des Wehrdammes lagen, hatten Unbekannte die Anbindeseile zerschnitten und die Flöße waren über den Damm und vor die Brücke getrieben, wo sie aufwändig geborgen wurden. Der Landrat verlangte daher eine Bewachung der Flöße durch Hilfswächter der Gemeinde. Die Kosten sollten von jedem zu verzollenden Floß erhoben werden. Das lehnte die Kgl. Regierung ab und wies den Landrat an, mittels einer örtliche Polizeianordnung, den Flößern  das ordnungsgemäße Anbinden und die Bewachung bei Strafandrohung aufzuerlegen 

 

  1. Apr. Aufforderung der Bauunternehmer (NKB)

„Ein Jeder, der an unserm gemeinschaftlichen Materialien-, Lieferungs- und Bau-Ausführungs-Geschäft an der Thüringischen Eisenbahn gerechte Forderungen zu haben glaubt, wird hierdurch aufgefordert, selbige innerhalb nächster 14 Tage auf unserm Geschäftsbüro im Haus des Kaufmanns Fischer  zu Kösen darzutun: Maurermeister Werner-Kösen, Bauunternehmer Lehmann-Naumburg.“

 

      Mai Geschäftsanzeige des Naumburger Konditors Wilhelm Kronefeld (NKB)

„Nachdem ich die Konditorei und Restauration des Herrn Furcht in Kösen übernommen habe, empfehle ich mich hiermit ganz ergebenst einem hohen Adel und hochgeehrten Publikum“. Nach Hoppe hatten Furcht und Kronefeld den „Kuchengarten“ bislang in gemeinsamer Pacht. Möglicherweise war es zum Zerwürfnis gekommen, denn Furcht jun. errichtet 1850 unterhalb vom  „Kuchengarten“ auf dem ehemals Weberschen Feld den „Kursaal“ als Konkurrenzunternehmen.

 

  1. Mai Bischof lehnt den Vorsitz der Badekommission ab (WER Rep F 23 X Nr. 22 Bd. 2).

Der verwies auf seine zahlreichen Aufgaben als Salinendirektor und seine bürgerliche Herkunft, die dem gesellschaftlichen Verkehr mit den vorzugsweise adligen Kurgästen nicht vereinbar sei. Allerdings lehnte er auch den von der Kgl. Regierung vorgeschlagenen Schulinspektors Schwimmer als Vorsitzenden ab, weil dieser wegen seiner Abneigung Kösen gegenüber „eher ein Hindernis, denn eine Förderung“ wäre.

 

  1. Mai „Bade-Ordnung für das Soolbad zu Kösen“(WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 2)

Das Ministerium für geistlichen Unterricht und Medizinal-Angelegenheiten hatte das Reglement genehmigt, dass die Königliche Regierung zum Saisonbeginn in Kraft setzte. 26 Paragrafen regelten den Badebetrieb im Ort und die Zuständigkeiten der Badekommission. Die privaten Badewirte  mussten nun der Badekommission die Belegung bzw. den Bezug ihrer Quartiere melden, die Badetaxe erheben und fristgemäß abliefern. Dem Badearzt wurde die Aufsicht und die Kontrolle über alle Bade-, Trink- und Heilanstalten übertragen. Auch die Hartungsche Badeanstalt war gegenüber der Badekommission rechenschaftspflichtig. 

 

  1. Mai Schreiben des Materialverwalters Weiß (WER Rep F23 X Nr. 22 Bd. 2)

Auf Zureden Dr. Rosenbergers erklärte der sich bereit, der Badekommission beizutreten, wenn  Bischof den Vorsitz übernimmt. Auch er lehnte den Inspektor Schwimmer ab und sah die Badedirektion als Gegenpart zur Landesschule.

 

  1. Mai Grundstückverkauf (NKB Nr. 29).

„In der reizendsten Gegend des Saaletales beim Badeort Kösen (.) an der Halleschen-Thüringischen Eisenbahn und unmittelbar neben dem neu eingerichteten Badehause sollen von der Landesschule Pforta 15 Baustellen in verschiedener Größe von ca. 78 bis 155 Quadrat-Ruten (1300-2600 m²) unter der Verpflichtung auf jeder derselben ein Wohnhaus von mindestens 52 Fuß Länge (16 m) und 30 Fuß Tiefe (10 m) und 2 Etagen Höhe zu errichten, zum öffentlichen Verkauf kommen. Im Auftrag des Kgl. Provinzial-Schul-Kollegiums Magdeburg, der Kgl. Schulhaus-Inspektor Schwimmer“ Die ersten Bauherren waren Starklop, Krüger, Heckenberg und Scheufler die Häuser heute Naumburger Str.  10, 11, 12 und Uferstraße 5. 

 

  1. Mai. Eröffnung der Struveschen Trink- und Molkeanstalt (NKB Nr. 42).

So benannt nach dem Dresdener Apotheker Struve, der als erster ein künstliches Mineralwasser herstellte. Nachfolgend wurden in allen Badeorten unter diesem Namen die eigene und fremde  Mineralquellen mit Kohlensäure oder Molke versetzt angeboten.

 

  1. Juni Empfang für König Friedrich Wilhelm IV. in der Landesschule (NKB).

Von Erfurt, wo er die dortige Garnison inspizierte, über Weimar und Kösen kommend, traf er in der Landesschule ein, wo er von Schülern, Lehrern und den Beamten feierlich begrüßt wurde.

 

  1. Juni Einladung in die Kronefeldsche Restauration (NKB)

„Den geehrten Herrschaften in Naumburg beehre ich mich hiermit ergebenst bekannt zu machen, daß ich Sonntag 14. Juni ein Mittagsmahl a 2 Silbergroschen veranstalten werde. Für Tafelmusik ist gesorgt“.

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr.5/3 MER F44).

Als Ersatz für den Verlust des Salzdebits im Königreich Sachsen, sollte das hiesige Salz zunächst zur Unstrutmündung gebracht und von dort aus per Lastkahn nach Dürrenberg und weiter in die ostelbischen Provinzen gebracht werden, wobei die dabei entstehenden Mehrkosten noch geprüft werden müßten. Außerdem wurde der Umbau der restlichen Siedeherde auf Gewölbefeuerung angeordnet, auch eine Maßnahme um die Produktionskosten zu senken und das Werk zu erhalten. Allerdings wurde „in Folge dieser unangenehmen Aussicht,  daß in Zukunft das Fabrikations-Quantum hiesiger Saline einer Reduzierung  unterworfen werde.“ der Kgl. Salinenverwaltung  die Weisung  erteilt „bei eintretender Vakanz von Arbeitsstellen bei der Gradierung und Siedung  vorläufig die Geschäfte  nur durch Interims-Arbeiter versehen zu lassen.“

 

  1. Juni Nachlaßversteigerung (NKB)

„Im Auftrag soll der Nachlaß der allhier verstorbenen Frau Professor Oldendorp, bestehend aus  einer Stutzuhr, Porzellan, Glaswerk, Zinn und Kupfer, Leinenzeug und Betten, Möbeln und Hausgeräten, Kleidungsstücken und verschiedene Vorräte in der Wohnung der Verstorbenen dem Meistbietenden gegen sofortige Bezahlung versteigert werden. Nette Ortsrichter“. 

 

  1. Juli Veröffentlichung der Badeordnung (NKB Nr. 53).

„Auf höhere Veranlassung bringe ich die von Königl. Hochlöbl. Regierung zu Merseburg  für das Solbad  Kösen erlassene Badeordnung  mit dem Bemerken zur Kenntnis, daß Herr Salinen-Inspektor Bischof, Herr Salinen-Buchhalter Weiß, Herr Dr. Rosenberger zu Kösen und Herr Schulhaus-Inspektor Schwimmer zu Pforte die höheren Orts bestätigten Mitglieder der Bade-Direktion sind“. Sprechzeiten wurden täglich im Kassenhaus gegenüber vom 2. Siedekot vom  Salinen-Kalkulator Fabricius gehalten.

 

  1. Sep. Geschäftsanzeige von Gustav Teichgräber (NKB, Hoppe)

Der aus Naumburg stammende Bäcker hatte die Hämmerlingsche Bäckerei (Lindenstr. 14) samt dem nach dem durch Blitzeinschlag 1839 verursachten Brand neu hinzugekommenen Saal und das „Neue Haus“ an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 6) erworben. Für die Bäckerei samt Ausschank  blieb das 1824 erworbene Gehöft an der Naumburger Chaussee (Nr. 2-4). Das benachbarte Wohnhaus An der Chaussee 76 (Eckartsbergaer Str. 7) behielten Hämmerlings.

Teichgräber nahm für das Konzert des Leipziger Künstlers F. Weißenborn für Einzelpersonen 5 Silbergroschen und von Familien 10 Silbergroschen Eintritt.

 

  1. Sep. Vereinbarung zwischen Weber und dem OBA (WER Rep. F 23 Nr.1 Bd.6).

Der Antrag Webers auf Lastenfreistellung der gesamten Fläche hinter dem Chausseedamm wurde genehmigt, worauf hier eine rege Bautätigkeit begann. Nach nur 10 Jahren standen beiderseite der Neuen-  und der Querstraße 26 Wohnhäuser.  

 

      Sep. Badeliste (NKB 43 ff).

Es waren 290 Einträge. Erstmals wurde auch die mitreisenden Kinder und das Dienstpersonal aufgeführt, insgesamt rund 800 Ortsfremde, die vom Mai bis September mehrere Wochen im Bad weilten. Dazu gehörten die Baronin v. Löwenclau-Großpösna und der Baron d`Orville von Löwenclau, ein Frl. Poppe nebst Erzieherin aus Cantagalio in Brasilien, die Baronin von Auenmüller-Wernsdorf, die Gattin des Generals v. Boye-Berlin, Reg.-Rat du Bois aus Berlin, die Schriftstellerin und Schauspielerin Charlotte Kirch-Pfeiffer (1800-1886), die Gräfin von Giech und die Freifrau von Bibra auf Thurnau, Miß Harison-Dresden, Frau v. Schulz-Mainz, die Gräfin v. Bredow-Wettin,  Frau Generalmajor v. Katti-Magdeburg, Baron v. Oldershausen-Gebesee, Madame Fournier, Graf Lazareff-St. Petersburg, Frl. Devrient, Mad. Mossi mit 5 Kindern (Berlin), Fam. Valentin mit 8 Kindern, Kindermädchen und 2 Dienstmädchen aus Berlin, der Rentier Jordan aus Berlin mit Frau, 6 Kindern, Kutscher und Dienstmädchen, Musiklehrer Heinrich Maschner-Leipzig, Baronin v. Bodenhausen-Dresden, Prediger Müller mit Frau, Schwiegermutter, Kindermädchen, 3 Kindern und 2 Dienstmädchen aus Soldin, Familie von Schlieckmann aus Naumburg mit 5 Kindern, 1 Diener und 2 Dienstmädchen,  die Baronin v. Gerstorff aus Rothenburg mit 3 Töchtern, 1 Sohn und 3 Dienern,  Madame Kretschmann mit 7 Kindern und 2 Dienstmädchen aus Leipzig und  Dr. Gudlon mit 6 Kindern aus Weimar,  Prof. Rosenberger mit Frau, 6 Kindern aus Weimar, Frau Justizrätin Groddeck aus Danzig, der stud. med Groddeck aus Berlin, der später hier eine Badeanstalt hatte, sowie die Gräfin Amalia Mathilda von Zieten, eine geborene v. d. Schulenburg, Enkelin des Marschalls Gerhard Leberecht Blücher, die als sie 1853 starb, der Badedirektion einen Trinkbecher ihres Großvaters schenkte.  

 

  1. Okt. Beitrag in der Magdeburgischen Zeitung zur Flößerei (MER C 48 Ic, 1687).

Erneut beklagte sich der Verfasser, wohl ein Holzhändler, über die Hindernisse bei der diesjährigen Bauholzflöße. Zunächst behinderten sich die Scheit- und die Langholzflöße gegenseitig, dann fiel  das  Kösener Wehr wegen Niedrigwasser trocken, denn der noch vorhandene Wasserstand wurde zum Betrieb der Radkünste der Saline gebraucht. Unterhalb des Wehrdammes hatten Sandbänke und die Gerüste der Brückenpfeiler die Weiterflöße behindert.

 

  1. Okt. Verkaufsauktion der Eisenbahngesellschaft (NKB Nr.84).

„Wegen Beendigung des Eisenbahnbaugeschäfts werden im Teichgräberschen Kuchenbäckerei-Gehöft (ehem. Hämmerling) zu Kösen 5 Stück Bau- und Torfschuppen, 86 Steinkarren und anderes Gerät“ meistbietend versteigert.

 

  1. Nov. Antrag des Besitzers der öffentlichen Badeanstalt (WER Rep F 23X Nr. 22)

Die Inanspruchnahme war hinmter den Erwartungen weit zurückgeblieben, und so sah sich Jacob genötigt, die Niederschlagung der offenen Forderungen aus Solelieferungen zu beantragen. Zwar wären 4.314 Solebäder an Erwachsene und 662 an Kinder abgegeben worden, dennoch hatte die Anstalt Verlust gemacht. Jacob verlangte daher, dass alle Badewirte die abgegebenen Bäder melden sollten, damit jeder Badegast und die Badedirektion weiß, welche Einrichtung die frequenteste ist. Darüber hinaus teilte er dem OBA mit, dass er die Badeanstalt und den Soleliefervertrag seinem Partner  den Kaufmann Carl Hartung aus Magdeburg übergehen wird.

 

  1. Nov. Versteigerungsauktion der Eisenbahngesellschaft (NKB).

Angeboten wurde eine 4 PS starke Dampfmaschine der Fa. Egell-Berlin, die hier ein halbes Jahr im Einsatz war.

 

  1. Dez. Der erste Zug passiert den Kösener Haltepunkt (Fromm, Thür. Eisenbahn, St.-A. 610)).

Die Jungfernfahrt für den Abschnitt Weißenfels-Weimar, die am 1. November stattfinden sollte, musste verschoben werden, weil es bei Apolda nach Regenfällen zu einem Dammrutsch gekommen war. Bei Schneetreiben, Kälte und Gegenwind und von der Bevölkerung kaum wahrgenommen durchfuhr der erste Zug den Haltepunkt und am folgenden Tag trat der reguläre Fahrplan in Kraft. Zwischen Halle und Weimar verkehrten nun täglich 3 Dampfzüge in beiden Richtungen, die Fahrzeit betrug 2 ¾ Stunden. Ab dem 1. April 1847, als die Strecke bis Erfurt befahrbar war, verkehrten täglich vier Züge. 1848 wurden erstmals  Sonntagsrückfahrkarten verkauft, ein Zeichen, dass die Bahn auf großes Interesse beim Publikum stieß.

Von der ersten Ausschreibung von Bauleistungen für die Brücken im September 1844 bis zur Fertigstellung der I. und II. Abteilung waren nur 2 Jahre vergangen.

Am 25. Sep. 1849, nach nur 4 Jahren Bauzeit war die 189 km lange Strecke Halle-Gerstungen eingleisig befahrbar. Insgesamt wurden 9 große Einschnitte und  Dämme, 42 Brücken über Elster, Saale, Ilm, Gera, Hörsel und Werra, 7 Viadukte und hunderte kleinerer Straßen-, Wege-, Bach- Über- und Unterführungen samt Schranken errichtet. Fertiggestellt waren alle 10 Bahnstationen und 8 Haltestellen, sowie die Posten und mit geschulten Personal besetzt. Beschäftigt wurden teilweise bis zu 15.000 Arbeiter gleichzeitig.

Die hiesige Station bestand aus dem eigentlichen Stationsgebäude mit der Abfertigung und den Personalstuben und einer Restauration. Im Außenbereich lagen der Perron, die „Retirade“ und ein Schuppen. Zum Doppelgleis im Bahnhofsgelände gehörten 10 Weichen und eine Drehscheibe zum Nebengleis außerdem zwei Schrankenübergänge mit Wärterhäuschen, einer zur kleinen Promenade und einer von der hinteren Borlachstraße zum Weg zur „Katze“.

 

  1. Dez Anordnung zur Neubesetzung der Kunstwärterstelle (MER F 44 I A)

Anstelle des pensionierten August Scheufler bekam der bisherige Gradierer Friedrich Scheufler, dessen Stelle, seine Stelle bekam der Aschenkotsieder Christian Rothe, und dessen Stelle  wiederum der Kohlenführer Friedrich Ziege III. Für ihn wurde ein Tagelöhner eingestellt.

 

  1. Dez. Veröffentlichung von Bahntarifen für Scheitholz (NKB)

Das Holz sollte in Unterneusulza und Kösen auf die Schiene umgeladen und nach Naumburg, Weißenfels, Merseburg und Halle gehen. Die Steuerbehörde genehmigte die  Frachttarife.

 

  1. Dez. Ausschreibung des Königlichen Salzamtes (NKB Nr. 96).

Für die Verschiffung von 100 Lasten Salz nach Dürrenberg wurde ein Schiffsunternehmen gesucht. Die dabei Mehrkosten sollten von der Steuerbehörde der Salinenkasse erstattet werden.

 

  1. Dez. Plan der Steuerbehörde für das neue Einnehmerhauses. ( MER F 44 V Nr. II)

Der Salineninspektor Bischof wurde gefragt, ob das Einnehmerhaus auf den Platz neben der unteren Wasserkunst auf dem das Bauholz für die Saline ausgeschleppt und gelagert wurde, gebaut werden könnte.

Daraufhin teilte Bischof dem OBA mit „daß bei Abtretung der derzeitigen  Holzausschlepppe  an die Kgl. Steuerpartie zum Aufbau eines Chaussee-Einnehmerhauses, in der Nähe der Saline nur einzig und allein derjenige Platz zum Ausschleppen von Hölzern übrig bleiben würde, welcher unmittelbar unterhalb der  Eisenbahnbrücke  an der großen Saale auf der sog. Angerwiese  gelegen und schon in früheren Zeiten  von der Kgl. Saline zum Ausschleppen der Hölzer benutzt wurde“.  Aber das Ufer war für eine Ausschleppe nicht geeignet und bei Hochwasser würde das hier gelagerte Holz fortgerissen. Daraufhin wurden die Verhandlungen mit der Chaussee-Bau-Partie abgebrochen.

 

         Medizinalbericht Rosenbergers (St.-A. Nr. 369)

Er hatte 868 Gäste registriert. Die öffentliche Badeanstalt hatte 66.895 Kubikfuß, die übrigen  Anstalten zusammen 7000 Kubikfuß Badesole erhalten. Die Molkeanstalt zählte 69 Besucher, die Trinkanstalt 88. Rosenberger forderte die Änderung der Badeordnung, weil die  Erhebung der Taxe nach Klassen als Zurücksetzung des Einzelnen empfunden wurde. Die Taxe sollte für alle gleich und tragbar sein. Außerdem sollte der Verwendungszweck bekannt gegeben werden, da für Arme, zur Verschönerung der Anlagen und für einige Musikaufführungen Extrabeiträge erhoben würden. Auch die Ausgabe einer Kurkarte zur Kontrolle wäre empfehlenswert. Zum Zustand der Straßen meinte Rosenberger „Selbst die durch den Ort führende Chaussee leidet aus derselben Ursache an dem Uebelstand, daß es bei Regen ein nicht zu bewältigender Kot und bei trockenen Wetter ein noch viel mehr lästiger Staub sich anhäuft, der schon bei geringen Winde die Luft erfüllt und das Atmen äußerst beschwerlich macht.“ Die Situation auf der Brücke sei lebensgefährlich und wenn schon keine grundlegende Änderung möglich ist, sollte sie zumindest gepflastert werden. Wünschenswert wäre die Anlage einer Promenade von der Bahnstation zur Brücke, ebenso eine Schutzhütte am Himmelreich sowie Bänke und Schilder entlang der Wanderwege.

 

1847

 

  1. Jan. Der Generalsteuerdirektor reduziert den Floßzoll (MER C 50 Naumburg A Nr. 75) .

Die Ermäßigung von einem Drittel trug bereits der Konkurrenz der Eisenbahn Rechnung.

 

  1. Mär. Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23X)

Der Kaufmann Hartung, Nachfolger Jacobs, hatte beim OBA angefragt, ob er für eine zweite Badeanstalt im Dorf Neu-Kösen ebenfalls die Sole erhalten könnte. Die Lokalverwaltung lehnte ab,  wohl auch mit Rücksicht auf die Rosenbergersche und die Heunsche Badeanstalt, berief sich aber auf  Probleme beim Bau einer Soleleitung vom unterem Schacht bis ins Dorf.

 

  1. Mär. Anordnung des OBA zur Versuchsgradierung (MER F 44 IV 13b)

Nach den von Bischof aufgestellten Tabellen aus dem Vorjahr hieß es ...in dieser Absicht ist die Ausdehnung der gegenwärtigen Versuche über eine längere Reihe von Jahren angeordnet und geben wir zu teilweiser Erreichung derselben der Kgl. Salinenverwaltung, die dem obigen Bericht beigefügte Zusammenstellung der Resultate pro 1846 mit dem Auftrag zurück, denselben auch noch in einer gleichen Weise, wie des Jahres 1845 geschehen, die Resultate des Jahres 1844 beifügen zu lassen..“

 

  1. Mär. Ausschreibung von Anpflanzungen (NKB).

Zur Bepflanzung der Freiflächen an den Bahnhöfen und Haltepunkten wurde die Lieferung von  Bäume, Büsche und Beetpflanzen ausgeschrieben.

 

  1. Apr. Einrichtung eines Postamtes (Hinsche Heimatbuch 1930, NKB).

Bei Fertigstellung des Chausseedammes 1827 wurde eine Hilfspoststelle an der Eckartsbergaer Chaussee eingerichtet, wo die regelmäßigen Personenposten von Naumburg nach Eckartsberga hielten. Das Postamt befand sich gegenüber vom Bahnhof, und verfügte über beheizbare Warteräume für Reisende, die mit Kutschen ankamen bzw. auf diese warten mussten. Zum Leiter des Postamtes wurde der Postsekretär Müller ernannt, der dann die Posthilfsstelle an der Eckarstbergaer Chaussee kaufte und hier seinen Wohnsitz nahm.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Badeordnung (NKB Nr. 37).

Bei Saisonbeginn wurde mitgeteilt, dass der Ortsrichter Schleicher zum Sekretär der Badedirektion ernannt wurde und die Sprechstunden in seinem Wohnhaus abhält. Der Salinenbuchhalter Weiß aus der Direktion ausgeschieden ist. Die Hauswirt wurden nochmals auf die Einhaltung der Badeordnung insbesondere § 3 (Freimeldung von Wohnraum für Badegäste) sowie § 5 (Anmeldung von an- und abreisenden Badegästen binnen 24 Stunden) hingewiesen.

 

      Mai Leserbrief zum Tivoli Theater im Kuchengarten (NKB)

„Mit Freuden haben wir daher vernommen , daß Herr Direktor Döbbelin diesen Sommer in unserm lieben Kösen ein solches Unternehmen ins Werk zu setzen beabsichtigt“ Döbbelin,  Theaterdirektor aus Naumburg richtete in Kronefelds „Kuchengarten“ das Sommertheater ein.

 

  1. Juni Beschwerde des Holzhändlers Krüger (MER C48 Ic 1687).

Weil der Rechen der herzogl. altenburgische Saline zu spät geöffnet wurde, kam die Mehrzahl der oberländischen Flößer zu spät zur Holzmesse. Daraufhin ließ der preußische Fiskus den dortigen  Rechen bis zur Flußmitte, der Grenze zwischen Altenburg und Preußen, abbauen.

 

  1. Juni Einsatz eines Sonderzuges (NKB Nr. 58).

An den Sonntagen fuhr abend um 8 Uhr eine Sonderzug von Kösen nach Halle. Da sich die   Inanspruchnahme in Grenzen hielt, wurde die Verbindung vier Wochen später eingestellt.

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F23 II, Nr. 5/3).

Diesmal führten der Geh. Oberbergrat Dr. Karsten und der Berghauptmann Mertins die Kontrolle durch. Im Protokoll wurde u. a. Festgehalten, dass bei einer Jahresförderung von 2.208.000 Kubikfuß (68.000 m³) Rohsole, 1.932 Lasten (77.000 Zentner) ausgewirkt werden könnten. Die  Förderung der Sole erfolgte aus eine durchschnittliche Tiefe von 120 Metern aus dem oberen Schacht. Festgelegt wurde, dass die 1808 begonnene Bohrung von der Schachtsohle weitergeführt werden sollte, in der Annahme, nach einer ca. 200 Fuß (75 Meter) starken Buntsandsteinschicht auf ein Steinsalzlager zu treffen. Dazu mußten beide Schächte zu Sumpf gehalten werden. Dies war nur im Winter möglich war, wenn nicht gradiert wurde, allerdings bestand dann Gefahr, des Einfrierens der Wasserräder. Die Alternative, dafür eine Dampfmaschine einzusetzen, wurde wegen der Kosten verworfen.

Die Kostenrechnung bei der Verschiffung in die ostelbischen Niederlagen hatte ergeben, dass die eine Reduzierung der Menge den Gewinn nur unwesentlich beeinflußte. Daher wurde geprüft, Niederlagen in Erfurt, Ziegenrück und Gefell zu beliefern, auch wenn dabei zusätzliche Transportkosten anfielen. Bis dahin wurde das Produktionssoll herabgesetzt und frei werdende Stellen nicht wieder besetzt.

 

  1. Juli Konzert auf der Rudelsburg (NKB)

Es spielte der Trompeterchor des 12. Husaren-Regiments aus Merseburg

 

  1. Aug. Militär- Konzert zum Brunnenfest in Kronefelds Kuchengarten (NKB)

Warum das Brunnenfest diesmal erst Ende August stattfand, bleibt offen. Möglicherweise hing das mit der äußerst kritischen Getreideversorgung in den Sommermonaten zusammen. 

 

  1. Sep. Veröffentlichung zur Erhöhung des Saaledammes (NKB Nr. 69).

Zum Schutz vor Hochwasser sollte der Damm zwischen der Mündung des Scheitbaches und dem Fischhaus um 1 ½ Fuß erhöht werden. Einwände konnten binnen vier Wochen in der Landesschule geltend gemacht werden.

 

  1. Sep. Schreiben des Ministers an die Gemeindevertreter (WER Rep F23 X, Nr. 22/2).

Die Badewirte hatten sich über die Badedirektion und die Badeordnung beschwert. Insbesondere ging ihnen die Einschreibgebühren, die Abführung der Badetaxe, die An- und Freimeldepflicht, die Kontrollen durch den Badearzt und die Preisgestaltung gegen den Strich.  Das vom Staatsminister des Innern, Gewerbe und Finanzen als unbegründet abgelehnt und die Einführung der Badeordnung als Grundlage eines geordneten, gästefreundlichen und überschaubaren Badebetriebes im Interesse des Ortes und seiner Einwohner als unverzichtbar bezeichnet.

 

  1. Sep. Ausschreibung der Pacht der Bahnhofswirtschaft (NKB Nr. 77).

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste 1847 (NKB, St.-A. Nr. 583).

Es gab 301 Einträge, und damit 847 Badegäste. Zum wiederholten Male kam die Gattin des Landrates v. Münchhausen aus Weißensee. Weitere Gäste waren der Gen.-Ltn. v. Jagow-Brandenburg, Gen.-Major v. Rudloff-Berlin, Musikdirektor J. Th. Mosevius (1788-1858) Leiter der Sing-Akademie Breslau, der Komponist H. Marschner (1795-1861) aus Leipzig, der Rektor der Friedrich-Wilhelm Universität zu Berlin, Heinrich Wilhelm Dove (1803-1879), Prof.  Dr. H. E. Schmieder (1794-1893), Vize-Direktor des Prediger-Seminars in Wittenberg, der Kgl. Sächsische Ober-Berghauptmann Fr. C. v. Beust (1806-1891) und Professor Carl Werder (1806-1893).

Zu Saisonbeginn hatte der Littfasssche Verlag einen wöchentlichen Sonderdruck der Badelisten angekündigt. Die kosteten 1 Silbergroschen und mussten im Verlag abgeholt werden, womit sich das Interesse des Publikums in engen Grenzen hielt und die Broschüre wieder eingestellt wurde.

 

  1. Okt. Eröffnung der Bahnhofswirtschaft (NKB; Fromm)

Erster Pächter war Kurzhals, der im dazu gehörenden „Restaurations-Saal“ zum Konzert einlud. Nach Ablauf seiner Zeitpacht erwarb Kurzhals die dem Bahnhof gegenüberliegende Poststelle, die inzwischen in die Lindenstraße verlegt worden war und richtete hier ein Hotel ein, dass er bis 1894 selber betrieb.

 

  1. Okt. Gutachten des Floßinspektors zum Anbindeverbot (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nachdem sich der Landrat erneut wegen der Verlegung der Zollstelle unterhalb des Wehrdammes an die Regierung gewandt hatte, wurden einige der alten Akten dem Landrat zur gemeinsamen Sichtung mit dem Floß-Inspektor überlassen, mit der Aufforderung, die noch bestehende Gültigkeit des Gesetzes daraus herzuleiten. Nach der Sichtung, erklärte Streubel: „In neueren Zeiten hat sich aber die Sache und Lage sehr verändert, den diese Gesetze sind nur zum Schutze der Scheitholzflöße, der Rechen und der Rechengebäude erlassen. Rechen und Gebäude sind in Koesen nicht mehr vorhanden, Scheithölzer werden auch hier nicht mehr ausgesetzt und deshalb ist auch wohl seit Eingang des ehemaligen hiesigen Floß-Scheit-Amtes, keine Bestrafung wegen des Anhängens oberhalb des Dammes mehr erfolgt.

Sollte nunmehr ein solches Gesetz erneuert werden, so kann es nur zum Schutze des hiesigen Ortes, der hiesigen Dämme, der Mühle und der Brücken geschehen, jedoch hat ein Jahrhundert bewiesen, daß alle Bestrafung ein solches Anhängen nicht verhindert haben und bei großen Wasser sind immer Flöße fortgeflutet und haben sich vor den damaligen Rechen, welcher  oberhalb der Mühle stand, gelegt.

Der Saaleholzhandel verdient wohl jetzt jede mögliche Erleichterung und Begünstigung, denn die Eisenbahn hat seit ihrem Bestehen schon viele Holzwaren transportiert und obgleich E. Hohes Finanz-Ministerium die  Koesener Floßzoll-Gefälle um den dritten Theil ermäßigt hat, sind im Laufe  diesen Jahres weit weniger  Holzwaren gegen sonst eingegangen“.

 

  1. Okt. Bekanntmachung zum Salzbezug (NKB)

Die Saline Kösen durfte Speise- und Viehsalz nicht mehr in Kleinmengen verkaufen, nachdem der Kaufmann Fischer als Sellerei konzessioniert worden war.

 

  1. Dez. Bewachung der Langholzflöße (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

„Der Vorstand  der Floß-Commune in Kahla beabsichtigt, bei der Kgl Regierung oder bei der Weimarischen Regierung einzukommen und ihr zu gestatten, pro Floß Holz und Holzwaren in Kösen oder Camburg 5 Silbergroschen erheben lassen zu dürfen, da nun ca. 2000 Floß Holz die Saale befahren, so würde dies eine Einnahme von 333 Talern betragen

Hiervon sollen 3 Aufseher angestellt und besoldet werden, welche die Aufsicht über alle Hölzer welche von Neu-Sulza bis Koesen liegen, führen sollen, auch für deren richtige zweckmäßige Anbindung zu sorgen verpflichtet werden, diese Aufseher würde der hiesige Gendarm mit zu kontrollieren haben....“.

 

  1. Okt. Einführung des Winterfahrplans (NKB ).

In Richtung Halle und Erfurt verkehrten täglich jeweils 2 Personenzüge und ein Güterzug

 

               Badestatistik der Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 369)

Abgegeben wurden 9.516 Solebäder, davon allein in der Hartungschen Anstalt 4.500 für Erwachsene und 923 für Kinder, dazu kamen 2.843 Wellenbäder und 90 Dampfbäder.

 

              Prof. K. W. Münnich „Die malerischen Ufer der Saale“

Der Reisebericht von der Quelle bis zur Mündung ist reich bebildert mit Kupferstiche von Julius Fleischmann, darunter auch Saaleck, Rudelsburg, Kösen und Schulpforte.

 

               Ludwig Bechstein „Wanderungen durch Thüringen“

Bechstein (1801-1860) der mit zwei Freunden ganz Thüringen erwanderte, veröffentlichte in diesem Jahr seine Reiseerinnerungen von der Saale. Zu Kösen und die Umgebung schrieb er: „Vornehmlich ist es die sehr bedeutende Holzflöße mit dem Holzhofe, und die im 17. Jahrhundert entdeckte, seit dem 18. Jahrhundert aber erst recht benutzte Saline, welche beide einer Menge Menschen Verdienst und Nahrung zufliessen lassen. Erstere führt dem Holzhofe jährlich 15 bis 30.000 Klaftern Holz zu, und in dieser werden bei neunzehngradiger Soole jährlich 42,000 Dresdner Scheffel Kochsalz gradirt und versotten. Nächstdem gewährt ein recht frequentes Salinenbad geeigneten Kranken Heilung, Hauseigenthümern billigen Vortheil (.). Statt das Salzwerk aufzusuchen, will ich euch nun zu einem Hause leiten, wo ganz delikates Backwerk zu haben ist. Kein der Straße kundiger Lohnkutscher wird hier anzuhalten  und seinen Passagieren den Kösener Kuchen zu empfehlen versäumen.“

 

           Jahresbericht des Badearztes (St.- A. Nr. 369)

„Nicht ohne Bangigkeit sahen die Einwohner Kösens diesen Sommer entgegen, denn allgemein fürchtete man, daß die in den letzten Winter überstandene Teuerung, die auch den Frühling hindurch fortwährte und selbst den Wohlhabenden zu allen nur möglichen Einschränkungen veranlassen mußten, einen ungünstigen Einfluß auf den Betrieb unseres Bades haben mußte.“  Doch das erwies sich als unbegründet, obwohl das Soledampfbad einen erheblichen Rückgang verzeichnete. Kritisiert wurde der desolate Zustand der Wellenbäder, die den Ansprüchen des Publikums nicht mehr entsprachen. 

 

1848

 

  1. Jan. Sonntagskonzert in der Bahnhofswirtschaft (NKB Nr.3).

Von Beginn an trug die Gastwirtschaft zum geselligen Leben bei.

 

  1. Jan. Bewilligung des OBA zur Entlohnung der Versuchsgradierer (MER F44 IV 13b)

„..wollen wir mit Rücksicht auf die im vorigen Jahre herrschend gewesene Teuerung der ersten Lebensbedürfnisse den Lohn der beiden wegen der auf dortiger Saline umgehenden Gradier-Versuche angelegten Interims-Gradierer von wöchentlich  1 5/6 Taler auf  2 Taler pro Woche,  jedoch ausschließlich nur für das Jahr 1847 erhöhen und ermächtigen daher die Kgl. Salinen-Verwaltung hierdurch, letzteren Lohn an gedachte beide Arbeiter für die Zeit von 52 bzw. 43 Wochen mit überhaupt 190 Talern  zu zahlen .“

 

  1. Jan. Die Salinenverwaltung interveniert wegen des Marktes (St.-A. Nr. 488)

Erneut drängten die Beamten beim Landrat auf die Erteilung der Konzession. Der Markt wäre unabdingbar für die Entwicklung des Solbades insbesondere im Hinblick auf die Hartungsche Warmbadeanstalt. Doch auch mit der Eisenbahn würde die Frequenz von Fremden weiter steigen, dem man durch die Verbesserung der Lebensmittelversorgung entgegenkommen muß. Der Antrag wurde mit Befürwortung des Landrats der Kgl. Regierung weitergeleitet.

 

  1. Feb. Verfügung des Oberbergamtes (WER Rep F 23).

Das Ministerium ´war dem Antrag der Badewirte gefolgt und genehmigte die Herabsetzung des  Solepreises von 8 auf 6 Pfennig je Kubikfuß. Die Hartungsche Badeanstalt zahlte 2 Pfennige. Abgelehnt wurde die Erneuerung der Wellenbäder. Hinsichtlich des Soledampfbades wurde vom Badearzt ein Gutachten angefordert, ob es abgeschafft werden könnte, da die Hartungschen Badeanstalt über eine Dampfsauna verfügt.    

 

  1. Mär. Preisfestsetzung für die Abgabe von Wellenbädern (St.-A. Nr. 369)

Flussbäder im 12er-Abonnement kosteten nun 1 Taler, mit Soledusche 1 Taler, 12 Silbergroschen, ein Einzelbad kostete 2 ½  Silbergroschen,  mit Dusche 3 ½ Silbergroschen. 

 

  1. Mär. Bericht des Kgl. Konsistoriums zur Kirche (MER C48 II b 2028 I)

Zur Förderung der „kirchlichen Verhältnisse“ hatte der geistliche Inspektor Niese, sich bereit erklärt, einmal im Monat einen Gottesdienst im Schulhaus abzuhalten, um den Alten und Kranken den beschwerlichen Weg nach Pforte zu ersparen. Obwohl er auch einen Stellvertreter hatte, mit dem er sich abwechslen konnte, beantragte daher die Wiedereinführung  der 1831 aufgehobenen Stelle eines Diakons an der Landesschule, was das Konsistorium aber ablehnte.

 

  1. Apr. Bekanntgabe der Wahlbezirke zur Nationalversammlung (NKB Nr. 32).

Für den Bezirk Kösen mit der Saline und den Saalhäusern (1.208 Einwohner nach der Zählung von 1846) wurde der Salineninspektor Bischof zum Wahlkommissar ernannt. Weitere Wahlbezirke waren Schulpforte mit Kukulau und Fränkenau (420 Einwohner, Schulinspektor Schwimmer), Saaleck und Stendorf (353 Einwohner, Domherr v. Feilitzsch auf Stendorf) und Kreipitzsch mit Lengefeld, Abtlöbnitz und Mollschütz (558 Einwohner, Rittergutsbesitzer v. Schönberg). Als Wahlmännner für den preußischen Landtag  und die Frankfurter Nationalversammlung wurden der Chemiker Heun und  der Badearzt Dr. Rosenberger aufgestellt.

 

  1. Mai Anordnung der Kgl. Regierung zum Wochenmarkt (St.-A. Nr. 488)

Nicht zuletzt waren es die Bemühungen der Salinenverwaltung und des OBA, dass die Behörde die Einrichtung eines Wochenmarktes genehmigte, allerdings unter dem Vorbehalt des Widerrufs, wenn sich der Markt als Fehlschlag erweisen sollte. Der Markt durfte von April bis September jeweils am Dienstag und Freitag abgehalten werden. Zum Verkauf kamen alle Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, von Jagd und Fischerei die für den Verzehr bestimmt waren, außerdem alle Naturerzeugnisse des land-und forstwirtschaftlichen Gewerbes. Das alles sollte in einer Marktordnung festgehalten werden, die von der Ortsbehörde dem Landrat zur Genehmigung vorzulegen war.

 

  1. Mai Antrag der Salinenarbeiter auf Lohnerhöhung (WER Rep F 23 II Nr 5/4).

Die Lokaldirektion befürwortete wegen der allgemeinen Teuerung.

 

  1. Mai Mitteilung des Landrates an den Ortsrichter (St.-A. Nr. 401)

Der Naumburger Magistrat hatte diesmal die Beschwerde gleich beim Oberpräsidenten der Provinz eingereicht, die sowohl die Kgl. Regierung als auch den Landrat anwies, bis zu einer Entscheidung keine Konzession zu erteilen.

Daraufhin erklärte der Ortsrichter, das Dorf habe inzwischen 1.200 Einwohnern, darunter „Beamte, Professionisten, Salinen- und  Handarbeiter“ und viele auswärtige Badegäste. Alle müssten die lebensnotwendigen Dinge in Naumburg holen. Bei Teuerungen erhielten sie erst eine Stunde nach Eröffnung des Marktes den Zugang. Außerdem würde dem Naumburger Magistrat überhaupt kein Einspruchsrecht zustehen.

 

  1. Juni Festlegung der Wahlbezirke für die Wahl der 2. Kammer des Landtages (NKB).

Kösen, Kreipitzsch, Lengefeld, Kleinheringen und Rödigen bildeten einen Wahlbezirk, Wahlkommissar war der Ortsrichter, sein Stellvertreter der Kaufmann Fischer.

 

  1. Juli Volksversammlung in der Buchenhalle (Privil. Jenaer Wochenblatt)

5.000 Vertreter des Bildungsbürgertums aus den ernestinischen Herzogtümern (allein aus Weimar kamen 600 Personen mit der Bahn) verlangten die Einführung einer konstitutionellen Monarchie in einem geeinten Deutschen Reich. Der Tagungspräsident war der Pfortenser Professor Karl August Koberstein, Vorsitzender  des Konstitutionellen Vereins von Naumburg. Weitere Redner kamen aus Weimar, Leipzig, Halle und Jena. Zum Abschluss trafen sich die Abgeordneten zu einem gemeinsamen Essen in der Bahnhofswirtschaft.

Um dieses Treffen in der „Buchenhalle“ abzuhalten, bedurfte es der Genehmigung des Pächters der Domäne Kukulau sowie der Landesschule, wobei es dem Zeitgeist entsprach, sich an derartigen Orten zu versammeln (s. a. B. J. v. Eichendorff  „Durch Feld und Buchenhalle“).

In den folgenden Jahrzehnten fanden bei günstiger Witterung regelmäßige Veranstaltungen statt, wie „Missionsgottesdienste“, die Treffen des Gustav-Adolph- Vereins und des Sängerbundes.

Nicht zuletzt wurden dieses Treffen auch maßgeblich von der Badedirektion gefördert. 

 

  1. Juli Gründung des Kösener-Senioren-Convents-Verbandes (Handbuch KSCV).

1821 hatten sich Studenten der Universitäten Halle, Jena und Leipzig zum ASC zusammengeschlossen und trafen sich seither regelmäßig auf der Rudelsburg an den Pfingsfeiertagen. Als 1842  Halle austrat, ruhte die Verbindung. Nun trafen sich die SC von Heidelberg, Jena, Leipzig, Halle, Gießen, Breslau, Erlangen, Freiburg, Berlin, Greifswald und Göttingen und beschlossen die vom Heidelberger Vandalensenior Friedrich von Klinggräff aufgestellten Grundsätze für die Corps. Der Dachverband nannte sich allerdings nach dem nächstgelegenen Ort, wohl nicht zuletzt wegen der guten Bahnanbindung und ausreichender Herbergen und Restaurationen.

 

  1. Juli Abrechnung der Brunnenfestes (St.- Nr. 183).

Die Einnahmen der Knappschaftskasse beliefen sich auf 113 Taler, 78 Taler Eintritt der Nichtknappschaftsmitgliedern, 30 Taler ein Geschenk vom König und Hämmerling hatte 3 Fass Bier im Wert von 5 Talern spendiert. Bezahlt wurden Thränhard und sein Spundknecht für den Bierausschank, Saalborn für die Musik beim Fackelzug, Umzug, der Morgenmusik und dem Tanz, Hämmerling für 300 Brezeln für die Kinder, die Landesschule für das Birkenreisig und  Weber für die Anfuhr und die Beköstigung der Mertendorfer Knappen. Dazu kamen Kosten für die Anschaffung von Seidenbändern, Sturmleuchten, Lunten und Spielkarten. Die Hilfswächter Kreuzmann und Thieme erhielten Geld für die Aufwartung und die Brandwache, ebenso  Zedel und Gundermann die für Ordnung sorgten, Colditz für die Aufsicht beim Kegeln, Reinhard und Ziege für das Aufstellen von Kübeln und der Gendarm Hering für zusätzliche Streifengänge . 

 

      Juli Veröffentlichung der Broschüre „Kösen“ (NKB)

Verfasser waren A. Reinstein und Dr. C. Sander, die Illustratoren Otto Thierbach und W. Hertel. Zu Badebetrieb wurde angemerkt, dass dieser wegen der Eisenbahn stark zugenommen habe. Erwähnt wurden der Gasthof „Mutiger Ritter“, der Kronfeldsche Kaffegarten an der Fränkenauer Hohle, und die Restaurationen von Teichgräber und Rost. Im Dorf selbst gab es inzwischen drei Fleischer, vier Bäcker und fünf Materialwarenhändler. Zwar fehlt ein Markt aber Wanderhöker lieferten Obst, Gemüse und tausend kleine Dinge. Für den Verkehr mit Naumburg standen Pferdeomnibus sowie Lohnfuhrwerke, Handwagen  und Boten zur verfügung. Die Eisenbahn wurde nur selten benutzt, weil der Bahnhof zu weit von der Stadt entfernt lag. 

Die Badegäste kamen in der Regel für 4 bis 6 Wochen und waren angehalten, Wert auf diätische Ernährung, bequeme Kleidung und eine geräumige Wohnung zu legen. Die Kosten der Unterkunft beliefen sich auf 2 bis 3 Taler pro Woche, das Bettzeug kostete extra 10 bis 12 ½ Silbergroschen.

Empfohlen wurde der Besuch der Rosenbergerschen und der Hartungschen Badeanstalt, die zwar etwas teurer, dafür aber bequemer als bei den übrigen Badewirten wären. Soledampfbäder boten die Saline und die Hartungsche Badeanstalt  an, bei letzteren gab es auch Bäder mit Mutterlauge, außerdem Sole- und Dampfduschen sowie Körperbrausen. Die Wellenbäder im Unterwasser der Radkünste sollten nur Gäste mit guter körperlicher Konstitution benutzen. Neben der allen frei zugänglichen Freiluftinhalation am Gradierwerk wurde der regelmäßige Gebrauch verschnittener Schachtsole oder des eisenhaltigen Mühlenbrunnen, die Molke- und die Traubenkur als probates Heilmittel empfohlen, aber alles in Maßen und möglichst nach vorheriger Konsultation des Badearztes.  

 

  1. Aug. Salinenrecherche durch Mertins und Ebers (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Die Tiefbohrung im letzten Winter von der Sohle des oberen Schachtes war bei 589 Fuß  (221 m) angelangt und sollte im kommenden Winter fortgeführt werden, obwohl die Konzentration der aufgetroffenen Sole die Konzentration nicht anstieg.

Bezüglich der geforderten Lohnerhöhungen der Arbeiter verwies Mertins darauf, dass man dafür den Vergleich mit den anderen Salien abwarten müsse. Dennoch genehmigte er einige Zulagen bei den Unterbeamten und versprach die Erhöhung des Brennmaterialdeputats bei den Arbeiter.

 

  1. Aug. Außerkraftsetzung der Floßpolizei-Verordnung (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Nachdem die Flößer-Commune von der Bewachung ihrer Flöße durch angestellte Wächter wieder Abstand genommen hatte, schlug der Landrat erneut vor, dass die Langholzflöße bis Palmarum das Wehr passieren sollten. Daraufhin wurde diese Verordnung von 1762 als ungültig erklärt.

 

  1. Sep. Fr. A. Möller erwirbt den Lagerplatz der Bahnverwaltung (WEI RBD Erfurt).

Die Thüringer Eisenbahngesellschaft bot einen „Ausstich“ hinter dem Chausseedamm zum Verkauf an. Die Grube aus der Erde und Lehm für den Bahndamm gewonnen wurde, eignete sich nicht zum Hausbau, wurde daher nicht parzelliert und zu günstigen 142 Talern angeboten. Der Erwerber musste sich allerdings verpflichten, den angrenzenden Böschungsfuß des Bahndammes zu sichern.

 

  1. Sep. Schreiben der Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488).

Die Beschwerde des Naumburger Magistrat hatte der Oberpräsident der Provinz Sachsen beim  Handelsministerium in Berlin zur Entscheidung weitergegeben.  Einen Monat später teilte die Kgl.  Regierung dem Landrat mit, dass die Sache „höheren Orts“ die Konzessionierung prüft, und dem Ortsrichter zu eröffnen ist, dass wohl auch im kommenden Jahr nicht damit gerechnet werden könne.

 

       Sep. Badelisten (NKB Nr. 84, St.-A. Nr. 369).

Die revolutionären Unruhen besonders in Berlin wirkten sich auch auf die Frequenz des Bades aus. Es waren gab 248 Einträge, rund 800 Badegäste, darunter die Baronin von Stenglein, Graf v. Ingenheim-Berlin, Baron v. Haugk-Leipzig mit Gattin und 2 Kindern, Freifrau von Mannteuffel, Madame Tauchnitz aus Leipzig mit 5 Kindern, Prof. Leon de Saint Lubin aus Berlin, General Exz. von Jagow-Berlin, Ihre Durchl. Prinzeß Reuß v. Schleiz, Frau v. Knobelsdorff-Benkenhoff  (Verfasserin zahlreicher zeitgenössischer Romane unter dem Pseudonym Eschstruth), die Gattin des späteren Landrates v. Danneil und Prof. Zille mit Frau und 5 Kindern aus Berlin. Abgegeben wurden 8.255 Wannenbäder, 2.401 Wellenbäder und 263 Wellenbäder mit Soledusche.   

 

            Indienststellung der Lokomotive „Kösen“ (Fromm)

Das war eine von 6 neuen Lokomotiven der Baureihe 1B, die die Thüringer Eisenbahngesellschaft in England von der Firma Stevenson erworben hatte.

 

  1. Nov. Volksversammlung im Saal der Madame Rost (NKB).

Nach den Märzunruhen hatte der König die Bildung bewaffneter  Bürgerwehren genehmigt, die auch auf dem platten Land revolutionäre Umtriebe unterbinden sollten. Da sich nach der  Auflösung der preuß. Nationalversammlung der Konflikt  wieder verschärfte, kam es auch hier zur Gründung einer Bürgerwehr.

 

1849   

 

  1. Jan. Fahnenweihe am Vogelherd (Romantische Bahnreise).

Die Bürgerwehr mit Spießen und Trommeln versammelte sich unter einer  schwarz-rot-goldenen Fahne mit der Aufschrift „Für Freiheit, Ehre, Vaterland - Kösen, den 1. Januar 1849“. Die Fahne sowie die Feuerwaffen und Teile der Ausrüstung befinden sich im Archiv des Heimatmuseums.

 

  1. Jan. Festlegung des Wahlbezirks für die 2. Kammer (NKB)

Wahlkommissar für den Wahlbezirk 2 (Kösen und die Saalhäuser) mit 1208 Einwohnern (Stand 1846) war Salinen-Inspektor Bischof sein Stellvertreter der Ortsrichter Schleicher. Als Wahlmänner wurden Bischof, Tischlermeister Vogel, Kammmacher Becker und Zimmergeselle Becker gewählt.

 

  1. Jan. Antrag der Salinenverwaltung (MER F 44 V Nr. 8)

„Der hiesige Privat-Schulverein, dem von der  Kgl. Saline das sogenannte Freihäuschen für 10 Taler jährliche Miete zu seiner Benutzung überlassen worden ist, erfreut sich einer solchen Teilnahme, daß derselbe von Ostern d. J. an die Errichtung einer zweiten Klasse und die Anstellung eines zweiten Lehrers beschlossen hat. Dem genannten Verein fehlt aber noch die Lokalität  dazu, und derselbe wendet sich deshalb durchaus vertrauensvoll an  des Kgl. OBA  mit der ehrerbietigen Bitte, ihm das noch im Freihäuschen leer stehende Oberstübchen zur Schulstube hochgeneigtest  zu überlassen und dem hiesigen Salinenbeamten zu gestatten, den neu anzustellenden Lehrer in ihren Dienstwohnngen unentgeltlich  aufnehmen zu dürfen ...“. Der Antrag wurde vom OBA ohne weitere Anmerkungen bewilligt.

 

  1. Feb. Schreiben des Ortsrichters an den Landrat (St.-A. Nr. 488)

Schleicher wies nochmals darauf hin, dass es in Anbetracht der zahlreichen und namhaften Badegäste dringen geboten sei, den Wochenmarkt in dieser Saison zu genehmigen.

 

  1. Feb. Gründung der Sterbe- und Begräbniskasse (NKB 1897, KAZ 1936).

Im Rostschen Lokal schrieben sich 114 Einwohner in die Mitgliedsliste ein und wählten den Bahnhofsvorsteher Herbst, Ortsrichter Schleicher, Kunstwärter Scheufler, Salzsieder Rauffus und Gradiermeister Törpsch in den Vorstand. Später kam dann ein Sterbeverein hinzu, der mit der kasse vereinigt wurde. Allerdings dauert es 45 Jahre bis ein Leichenwagen angeschafft wurde.

 

  1. Mär. Tätigkeit der Schiedsmänner (NKB)

Vom Landkreis bestellter Schiedsmann war der Ökonom Baumbach, der im vergangenen Jahr 5 Fälle bearbeitete von denen 4 durch außergerichtlichen Vergleich erledigt wurden. Nachfolger  Baumbachs, war zunächst der Badeinspektor Kettner, dann viele Jahre der Rentier Reil. 

 

  1. Apr. Das OBA genehmigt die Verpachtung des Aschedammes bis 1855 (MER F 44 V Nr. 1)

 

  1. Apr. Salzausgeber G. Wolf erhält für 50jährige Dienstzeit das Ehrenzeichen (MER F 44 A I)

 

  1. Mai Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Bergrat Dr. Karsten, Berghauptmann Mertins  und Oberbergrat Ebers besprachen, die Möglichkeiten, den Verbindungsstollen zwischen den beiden Schächte zu schließen und dann den unteren Schacht aufzulassen und zu verwahren. Wegen des schlechten Zustands der Verzimmerung drang zunehmend Wildwasser ein, dass über den Verbindungsstollen zum oberen Schacht kam und hier die Sole verdünnte. Die geringere Konzentration erforderte wiederum einen höheren Aufwand beim Gradieren und Versieden. Für die Produktionssoll von 1425 Lasten reichte der obere Schacht.

Festgelegt wurde dann die Verschiffung von 400 Lasten und die Übernahme der Mehrkosten seitens der Steuerverwaltung.  Dann kam die dringende Erneuerung der beiden 15 Jahre alten und inzwischen desolaten Wellenbäder auf der Radinsel zur Sprache. Da die Anlagen einen Überschuss von 150 Talern erwirtschaft hatten, wurden 500 Taler für die Erneuerung bewilligt, verbunden mit der Auflage, das Wellenbad mit massiven Fundamenten zu versehen. Vorgesehen war auch eine umfassende Reparatur des Wehrdammes. Dem Protokoll beigefügt waren die Lohnlisten der Unterbeamten und Arbeiter. Der Lohnfond für der namentlich aufgeführten  34 fest Angestellten betrug 1848 4.978 Taler und war 1849 auf 5.401 Taler gestiegen. Der Gradiermeister (Zedel), der Siedemeister (Törpsch) und  der Salzausgeber (Wolf) erhielten ein Jahresgehalt von 225 Talern. Die Gradierer 2. Klasse und die Salzläder dagegen waren um die Hälfte niedriger eingestuft.  

 

  1. Mai Geschäftsanzeige Teichgräbers (NKB Nr. 43).

„Da der Kunstbäcker Conrad Schäfer auf seiner Durchreise nach Amerika noch einige Zeit bei mir verweilt, bin ich in den Stand gesetzt, einem geehrten Publikum täglich mit frischen amerikanischen Kaffeekuchen, türkischen Teekuchen, Pariser Kaffeebrot, Napoleonskuchen, Parlaments-Hörnchen, Dresdner Zwieback, Herrenhuter Butterbrötchen  und verschiedenen Teewaren aufzuwarten...“

 

  1. Juni Prediger-Versammlung (NKB)

Gegenstand der Beratung der Prediger des Landkreises zu der der geistliche Inspektor der Landesschule eingeladen hatte war die künftige Kirchenverfassung nach der im letzten Jahr verabschiedeten Verfassungsurkunde.

 

  1. Juni Dr. Rosenberger wirbt für sein „Magneto-elektrischen Soolstrombad“ (NKB).

„Dieser Apparat (Neefsches-Instrument) welcher mit einer in der Nähe befindlichen Badeanstalt in Verbindung steht, kann auch für sich auf die mannigfaltigste Weise benutzt werden, indem er behufs  örtlicher Anwendungen auf bestimmte Körperteile mit verschiedenen Vorrichtungen (Platten, Zylindern, Bügeln) leicht zu versehen ist. Über den Effekt elektrischer Durchströmungen während des Badens in Sole, kann kein Zweifel obwalten, wenn man erwägt, daß die Salzflüssigkeit (.) zugleich auch die Leitfähigkeit erhöht.“ Der „Neefsche Magnet-Electromotor“, wurde vom Wasserrad angetrieben und lieferte einen schwachen Gleichstrom. Die Wirkungsweise von Reizstrom auf die Muskeln und Nerven hatte der Schwager Rosenbergers der Physiker Prof. Emil du Bois-Reymond erforscht und die Ergebnisse 1848 unter dem Titel „Untersuchungen über tierische Elektrizität“ bei Reimer-Berlin veröffentlicht. Die Anwendung sollte über einen längeren Zeitraum erfolgen. Täglich ein bis zweimal für 10 bis 15 Minuten. Rosenberger persönlich stand Behandlungswilligen täglich von 6 bis 7 Uhr morgens und für  Interessierte von 2 bis 3 Uhr am Nachmittag zur Verfügung. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Grundlage der modernen Elektrotherapie.

 

  1. Juni Chor-Ordnung des Kösener Musik-Chores (St.-A. Nr. 348)

„Um den Fortbestand des gedachten Musik-Chores noch auf eine lange Zeit zu gründen und  Recht und Ordnung in demselben aufrecht zu erhalten, beschlossen sämtliche Mitglieder untereinander in betreff ihrer Musikangelegenheit Gesetze zu machen, um sich unter dieselben zu stellen und deren Befolgung streng zu achten

  • 1. Der Musikchor darf mit dem Chorführer nicht mehr als zwölf Mitglieder stark sein und diesen zufolge werden somit die einrangierten Mitglieder des Chores genannt. Sie heißen mit Namen: 1. Karl Heyne aus Kösen, von sämtlichen Mitgliedern als Führer des Musikchores anerkannt, 2. Gottlob Kirste aus Hassenhausen, 3. Albert Saalborn aus Kösen, 4. Albert Hoyer aus Zäckwar, 5. Ernst Saalborn aus Kösen, 6. August Otto aus Kösen, 7. Franz Ziegler aus Heiligenkreuz, 8. Friedrich Hertel aus Lengefeld, 9. Karl Braune aus Kösen, 10. Wilhelm Graf aus Kösen, 11. Karl Ziege aus Kösen, 12. Wilhelm Grell aus Kösen.

Ernst Helfer aus Kösen und Friedrich Reinhardt aus Kösen können für jetzt nicht als wirkliche Mitglieder aufgeführt werden, jedoch wird dieselben nach einem Abgang eines der 12 Mitglieder die ersten sein, in das Chor aufgenommen zu werden“.

Die 16 Paragrafen regelten alle internen und externen Angelegenheiten und wurden von allen Mitgliedern eigenhändig unterschrieben.          

 

  1. Juli Schreiben des Kgl. Regierung wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 401,488).

Dem Landrat wurde mitgeteilt, dass der Erlass vom 6. Mai des Vorjahres unverzüglich umgesetzt werden soll. Das Warenangebot habe der allgemeinen Handelsordnung vom 8. Juni 1848 zu entsprechen, die Ortsbehörde die Polizeiaufsicht zu gewähren, eine Marktordnung zur Genehmigung vorzulegen und den Wochenmarkt auf geeigneten Weg anzukündigen.

 

  1. Juli Bekanntgabe der Wahlmänner zur 2. Kammer (NKB Nr. 58).

Nachdem die Kammer erneut aufgelöst wurde, war eine Neuwahl erforderlich. Diesmal wurden  Mühlenbesitzer Roßner, Maurermeister Werner, Salinen-Buchhalter Model und Ortsrichter Schleicher als Wahlmänner gewählt.

 

  1. Aug. Abhaltung des ersten Wochenmarkts (NKB).

Sowohl der Landrat als auch der Schulinspektor berichteten über eine erfreuliche Frequenz und ein vielfältiges Angebot bereits am ersten Markttag, worauf die Behörde die Marktkonzession bereits für die kommende Saison erteilte.

 

  1. Aug. Anordnung des OBA zur Versuchgradierung (MER F 44 IV 13b)

„Mit der Art und Weise, in welcher die Kgl. Salinenverwaltung die uns mittelst Berichts  überreichten Resultate  der dortigen  Versuchsgradierung  zusammengestellt  und rekapituliert hat, sind wir einverstanden  und überlassen derselben die Weiterführung  dieser Zusammenstellung  in gleicher Form..“

 

  1. Sep. Ein Badegast provoziert einen Skandal (NKB)

Die Zeitung veröffentlichte am 19. September die Zuschrift eines anonymen Verfassers „Ein Ereignis, welches sich vor einigen Tagen bei uns zugetragen und die Aufmerksamkeit des hiesigen Publikums im hohen Grade in Anspruch nimmt, kann nach den bis jetzt feststehenden Punkten dahingehend berichtet werden: Der Kaufmann Moritz Schlesinger, bis jetzt in der Nähe von Paris lebend, ein geborener Berliner und Bruder des in Berlin bekannten Buch- und Musikalienhandlungsbesitzers Ernst Schlesinger hat im Speisesaal zum „Mutigen Ritter“ in Kösen, nachdem sämtliche Herren  bereits den table d`hote verlassen hatten, gegen Fräulein S.(Schwendy) Kammerfrau Ihrer Majestät der Königin, die größten Schmähungen gegen unsern König ausgestoßen. Der Schlesinger hatte sich mit der genannten Dame  und ihren Begleiterinnen in ein politisches Gespräch eingelassen und als dieselbe fernerhin nicht mit ihm über diesen Punkt verhandelt wollte, sondern kurz abbrach, hat er jene Majestätsbeleidigungen ausgestoßen. Frl. S. erklärte ihm hierauf, wenn ich die Sache anzeige, so würden sie unmittelbar in Haft genommen. Der Schlesinger wiederholte im übermütigen Ton die Beleidigungen und geschah dies in Gegenwart des Kellners. Die Dame mit ihrer Begleitung  verließ hierauf das Lokal und sprach sich gegen mehrere Bekannte über das Benehmen des Schlesinger aus. Die Sache wurde in Kösen ruchbar und gelangte zur allgemeinen Kenntnis der Badegäste. Der Orts-Gendarm  zog weitere Erkundigungen  ein und da durch mehrere Zeuge das Faktum festgestellt wurde, reichte er beim Staatsanwalt Anzeige ein.“ Am anderen Tag wurde Schlesinger verhaftet. Zwar wurde ihm für die Zeit der Untersuchung ein Hotelzimmer in Naumburg auf eigene Kosten angeboten, was er ablehnte und in den  Naumburger Marienturm eingesperrt wurde.

Kurz darauf wieder freigelassen, veröffentlichte das Blatt seine Erwiderung „Die Darstellung (.) betreffend des brutalen Akts im Kösener Kuchengarten (?) am 8. d. M. der von mir mit Frl. S. gepflogenen Unterhaltung ist gehässig und ermangelt der Wahrheit, nur in giftiger Parteilandschaft  kann sie ihren Ursprung haben. Die mir dadurch zugefügte Beleidigung wird das Kgl. Gericht  zu Naumburg, dem ich das Pasquill mit dem Antrag auf Bestrafung des Verfassers übergebe, rügen. Eine andere Art der Genugtuung kann ich als Ehrenmann einen solchen Skribenten gegenüber, der unter dem Deckmantel der Anonymität Verleumdung ausspricht, mir nicht verschaffen.“ Kösen, 22. Sept. Maurice Schlesinger.

Maurice Schlesinger, der hier mit  Frau und zwei Kindern zur Kur weilte, hatte sich im Baumbach`schen Haus  Lindenstr. 66 (Nr. 2) einquartiert.

 

  1. Sep. Schreiben des Handelsministers wegen des Wochenmarktes (St.-A. Nr. 488).

Die Beschwerde des Naumburger Magistrats wurden nun von höchster Stelle abgewiesen.  Die vorgebrachten Gründe nannte  Minister v. d. Heydt fadenscheinig und  in sich ein einziger Widerspruch. Einerseits würde die Frequenz des Kösener Wochenmarktes als äußerst gering eingeschätzt, während an anderer Stelle der Markt die Einwohnerschaft und Gewerbetreibenden in Naumburg erheblich beeinträchtigen würde. Diese Logik konnte nicht überzeugen. Außerdem würden weder die Termine noch die zugelassenen Waren mit denen, die für Naumburg zutrafen, kollidieren. Damit war die Angelegenheit erledigt.   

 

  1. Okt. Winterfahrplan der Thüringischen Eisenbahn (NKB).

Täglich verkehrten in beiden Richtungen jeweils drei Personenzüge und ein Güterzug.

 

  1. Okt. Herbstversammlung der evangelischen Geistlichen der Kirchenprovinz (NKB).

Schwerpunkt war die Stellung der evangelischen  Kirche zu den Kammerbeschlüssen des preußischen  Landtages.

 

         Okt. Badelisten 1849 (NKB Nr. 84, St.-A. Nr. 369, 583).

In diesem Jahr wurden 415 Nummern, d. h. 1.285 Badegäste registriert.

Großes Interesse beim Publikum fand der Kuraufenthalt der Fürstin Liegnitz, Gräfin von Harrach, die 2. (monargatische) Gattin und inzwischen Witwe des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. Die hatte sich mit ihren siebenköpfigen Gefolge in der Rosenbergerschen Anstalt eingemietet. Nicht zuletzt durch ihren Besuch wurde das Bad aufgewertet und in den nächst beiden Dezennien zum  preußischen Modebad.   

Weitere Gäste waren die Baroninnen v. Borke, v. Hoheneck, v. Seydlitz, v. Hiller-Schlesien, v. Uckermann, v. Odeleben und v. Jauerstädt, Baronesse v. Tiefenhausen-Dresden, die Gräfin v. Mielesko-Moldau, v. Clausewitz-Berlin und v. Lynar, Graf Sedlitzky-Berlin, Comtesse v. Itzenplitz, Freifrau v. Geltritz-Neuhaus, Freifrau v. Ende-Erfurt, Kammerherr v. Ende-Dresden, Kammerherr Freiherr v. Friesen-Rammelsburg, General v. Stockhausen-Berlin,  General v. Jagow, Oberst v. Winterfeld-Potsdam, Frau v. Gerstenberg-Sulza, Frau v. Witzleben, Madame Haguet-Hamburg, Heinrich Riccioli-Genua, Madame A. Fournier-Berlin, Geh.-Reg. Rat du Bois sowie Prof.  Christian Theodor Mommsen (1817-1903).

Aus der Badestatistik geht hervor, dass manche Familien bis zu 10 Köpfe zählte, Eltern, Großeltern, Kinder und Hausgesinde inbegriffen, durchschnittlich waren es drei Personen pro Eintrag. Neben den Logierzimmern in den Badeanstalten, den Restaurateuren und Badewirten, vermieteten alle übrigen Hausbesitzer an Badegäste. Wegen der Aussicht auf guten Verdienst, wurden viele der im 18. Jahrhundert erbauten Häuser (z. B. Borlachstraße) abgerissen und neu aufgebaut.  Die Häuser die in den letzten Jahren neu gebaut wurden (Lindenstr. Neue Str. Querstr. Naumburger Chaussee), hatten ohnehin eine oder mehrere Stuben mit Nebengelass für Badegäste. Diejenigen Einwohner, die auf eine Mietwohnung angewiesen waren, konnten die hohen Mieten oft nicht mehr bezahlen.

Vermieter nach der Badeliste waren die Geschwister Senff (Lindenstr. 3),  Heckenberg (Naumburger Str. 12), Ortsrichter Schleicher (Eckartsbergaer Str. 7), Schmiedemeister Deistung (R. Breitscheid. Str. 14), Witwe Müller (Eckartsbergaer Str. 2), Baumbach (Lindenstr. 2), Gräser (Neue Str. 1), Krüger (Naumburger Str. 11), Thieme (Uferstr. 1), Handrock (Uferstr. 2), Bennemann (Saalstr. 3), Altus (Lindenstr. 15), Maurermeister Werner (Borlachstr. 1), Apotheker Gause (Lindenstr. 49),  Scheufler (Uferstr. 5), Törpsch (Fr.-Ebert Str. 20) Reinhardt (Fr. Ebert Str. 6), Postsekretät Müller (Eckartsbergaer Str. 2), v. Movat (Eckartsbergaer Str. 1), Salzsieder Schmid (Lindenstr. 18), Büchsenmacher Nette (Lindenstr. 21), Knorr (Friedrich Ebert Str. 22),  Eisenschmidt (Fr. Ebert. Str. 15), Kleinschmidt (An der Brücke 2). Mehrere Hauswirte hatten noch  bis zu fünf Wannen. Alle übrigen Badegäste, die nicht Häusern wohnten, wo auch Bäder bereitet wurden, mussten die  Hartungsche Badeanstalt benutzen.

Die Statistik der Saline verzeichnte die Abgabe von  Sole für 11.298 Wannenbädern, außerdem 2.483 Wellenbäder ohne und 253 mit Soledusche.

 

  1. Dez. Neubesetzung der Stelle des Siedemeisters (MER F 44 I A)

Christian Törpsch war im Alter von 65 Jahren verstorben. Das OBA folgte dem Vorschlag der Lokalverwaltung und stellte den Dürrenberger Werkschüler und dortigen Röhrenmeister Wilhelm Quarg ein. Für ihn wurde der Gradierer Chr. Schwanitz nach Dürrenberg abkommandiert.

 

  1. Dez. Neuwahl der Knappschaftsdeputierten (MER F 44 XIV 1)

„.. da sich gegen die Wahl des Kunstmeisters Dönicke zum Knappschaftsvorsteher seitens der Kgl. Salinen-Verwaltung nichts einzuwenden  findet, so wird derselbe hiermit genehmigt. Es ist deshalb mittelst Vorlesung dieses Dekrets dem Kunstmeister Dönicke von gedachter Genehmigung  und den von seiten der Knappschaft  in ihn gesetzten Vertrauen sowie von der Erwartung der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß er diesen Vertrauen jederzeit entsprechen und  das Beste der Knappschaft überall wahrzunehmen werde, Kenntnis zu geben, wobei seiner Fürsorge neben den allgemeinen Obliegenheiten eines Vorstehers  dahin gerichtet und ihm übergeben wird, sich mit der für die Knappschafts-Ältesten unterm 14. Mai 1830 ausgefertigten Instruktion auf das Genaueste bekannt zu machen und ihr stets pünktlich nachzugehen, den Knappschaftsvorstehern Kühne, Thielitz Trautmann  und Böhme aufzugeben, die Knappschaft von der erfolgten Veränderung  in der Person eines ihrer  Vorsteher zu unterrichten ...“

Kurz danach meldete der Steiger Trautmann, dass der zweite Mertendorfer Deputierte Böhme seine Aufgaben nicht erfüllen kann, da er inzwischen in einer privaten Kohlengrube in Schmerdorf eingestellt wurde und sich daher die Nachwahl erforderlich mache.  Im März wurde der Bergmann Karl Friedrich Krieger gewählt. 

 

1850 

 

  1. Jan. Wahlmänner für das Deutsche Volkshaus (NKB)

Für den 2. Bezirk wurden der Mühlenbesitzer Roßner, Rittergutsbesitzer v. Schönberg und Ortsrichter Schleicher bestätigt.

 

  1. Feb. Mitteilung des OBA zur Versuchsgradierung (MER F 44 IV 13b)

„..bezüglich der eingereichten Zusammenstellungen der Resultate dortiger Versuchsgradierung, geben wir der  Kgl. Salinenverwaltung unsere Zufriedenheit mit dem darauf verwendeten Fleiß zu  erkennen und fordern dieselbe auf, auch für die nächsten Jahre in der gewählten Form fortzusetzen..“

 

  1. Feb. Verkauf des Kleinschmidtschen Anwesens (NKB).

„Das zu Kösen am linken Saaleufer dicht an der Brücke  und gleich neben der Eisenbahn gelegene Wohnhaus, worin sich acht Stuben, mehrere Kammern, Küchen und Keller befinden, wozu ferner eine Wagenremise und ein dicht an dem reizenden Saaleufer gelegener Garten gehört, welches weiter auch ein Waschhaus und einen Brunnen und Badestuben enthält. Das gleich daneben gelegene Wohnhaus, welches drei Stuben enthält und geräumige Stallungen in sich faßt und in welchen seit langer Zeit das Bäckereigewerbe und die Schankwirtschaft schwunghaft betrieben wird, indem sich das Haus seiner günstigen Lage halber dazu vorzüglich eignet“. Das Anwesen -  heute  An der Brücke 2, erwarb der Holzhändler Bechmann.    

 

  1. Mär. Gewerbliche Bekanntmachung (NKB).

Der Kaufmann Eduard Fischer der ein Geschäft für Material-, Schnitt-, Posamentier- und Eisenwaren, Zigarren, Tabak, Likör und Branntwein betrieb, beantragte die Genehmigung zur Einrichtung einer Fabrik für künstlichen Marmor, Dachsteine und Gesundheitsgeschirr auf seinem Anwesen in den Saalebergen.

 

  1. Mär. Einführung der Hundesteuer (NTB)

Die galt für jeden „nicht säugenden Welpen“ ausgenommen nunr Hunde für betriebliche Zwecke, wie die Hunde von  Fleischern.  

 

  1. Apr. Sieling wirbt für eine Bildmappe „Kösen und seine Umgebung“ (NKB)

 

  1. Mai Neuordnung der Gemeindebezirke ( MER C 50 Nbg. A Nr. 203)

Auf Anfrage des Landrates erklärte der Schulinspektor, dass zum Gemeindebezirk Schulpforte der ummauerte Schulbezirk mit der Papiermühle, die Vorwerke Kukulau und Fränkenau und das Fischhaus gehören sollten. Die Saalhäuser sowie die Grundstücke des Seilermeisters Hofmann und des Weinbergsbesitzers Möllnitz in den Saalebergen, sollten dem Gemeindebezirk Kösen zugeschlagen werden. Am 16. Mai 1851 stimmten Ortsrichter Schleicher und die Gemeinderäte Müller und Kettner der Eingemeindung zu.

 

  1. Mai Anzeige des Ökonomen Freitag aus Städten (NKB)

„Die Schankwirtschaft auf dem „Göttersitz“ soll vom 1. Mai verpachtet werden und haben sich Pachtlustige am Sonntag, 28. April auf dem „Göttersitz“ einzufinden, wo sie die näheren Bedingungen erfahren  werden.“

 

     Mai  Einsatz eines Sonntags-Abendzuges von Kösen und Naumburg (NKB).

Der war für Besucher aus Naumburg gedacht, die an den Wochenende hier die Konzerte besuchten.

 

  1. Juni Bekanntmachung des Landrates Jacobi v. Wangelin (NKB)

„Die durch die Versetzung des Herrn Salinen-Inspektors Bischof erledigte Stelle in der Badedirektion zu Kösen ist mit höherer Genehmigung dem Herrn Bergrat Backs daselbst übertragen worden. Indem ich dies öffentlich bekannt mache, weise ich zugleich darauf hin, daß alle an die Badedirektion  zu richtenden  Gesuche an Herrn Bergrat Backs zu adressieren  sind. Bei den übrigen Mitgliedern der Badekommission sind Veränderungen nicht eingetreten und besteht außer dem Vorsitzenden aus dem Herrn Dr. Rosenberger zu Kösen und den Schulhaus-Inspektor Schwimmer zu Pforte. Herr Richter Schleicher wird wie früher die Rendanten-Geschäfte der Badedirektion übernehmen und die Quartierlisten führen, zu welchem Behuf er täglich Mittags von 12 bis 1 Uhr und Abends von 7 bis 9 Uhr in seiner Wohnung anzutreffen sein wird.“

 

  1. Juli Staatsvertrag zur Scheitholzflöße (Stadtarchiv Jena, B Vol. 40a)

Zur Beilegung des Streits zwischen dem Großherzoglichen Staatsministerium in Weimar und dem Herzogl. Altenburgischen Finanzkollegium wurde der infolge der Erbschaftsauseinandersetzung der ernestinischen Herzogtümern zwischen beiden Staaten abgeschlossene Saalenfloß-Pachtvertrag modifiziert.  Das Großherzogtum Sachsen-Weimar bestätigte dem Herzogtum Sachsen-Altenburg die Überlassung der Scheitholzflöße, im Gegenzug belegte die Altenburger Flöße die großherzoglichen Ämter Jena mit jährlich bis zu 2500 Klaftern und Dornburg mit 700 Klaftern. Außerdem sollte die zum Großherzogtum Weimar gehörende Stadt Sulza vom Stapel der altenburgischen Saline Unterneusulza das Holz beziehen.

Da bisher die Holzpreise „für alle Zeiten“ vereinbart wurden, hatte Altenburg zur Durchsetzung einer freien Preisgestaltung die Stapel in Jena und Dornburg nicht mehr belegte und  die Klagen der betroffenen Städte hatten den weimarischen Großherzog zum Einlenken gezwungen.

Unter der Maßgabe der rechtzeitigen Ankündigung von Preiserhöhungen und die Offenlegung der von der altenburgischen Flöße gezahlten Einschlagpreise sowie der Transportkosten kam eine    Einigung zustande.   

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F23 II Nr. 5/4).

Bischof war als Direktor auf die Saline Königsborn bei Unna versetzt worden und an seine Stelle trat der Bergrat Christian Gottlieb Anton Backs. Backs (geb. 1785) war der Sohn des Salinenadministrators von Staßfurt und begann als Eleve auf der Saline „Wilhelmsglücksbrunn“. Nach dem Studium an der Bergakademie Freiberg wurde er Eleve für den „Brunnen- und Kunstbetrieb“ der Saline Staßfurt und wurde 1808 als Material-Verwalter zur Saline Schönebeck versetzt. 1815 wurde ihm die Aufsicht über das Solbad zu Elmen übertragen (WER F38 G1), 1833 wechselte er nach Dürrenberg. Als Salzamtsdirektor war er hier maßgeblich an der 1836 eingeweihten „Schienenbahn“ zwischen der Kohlengrube Tollwitz und der Saline beteiligt. 1838 wurde unter seiner Leitung eine neue Solequelle  in Artern erschlossen.

Als erste Amtshandlung in Kösen musste er auf Weisung des Oberbergrates Eggert die  Versuchsbohrung im oberen Schacht einstellen. Der Plan zum Verschluss des Verbindungsstollens wurde aufgegeben, weil die vorhandene Maschinerie nicht ausreichte, beide Schächte zu sümpfen. Für das laufende Jahr rechnete man mit einer Erfüllung des Produktionssolls von 1.455 Lasten weißen und 25 Lasten gelben Salz. Zum Sieden einer Last Salz rechnete man mit  23 (Faß)-Tonnen Braunkohle (d.s. rd. 20.000 Formkohlen), und musste festsstellen dass die Gewölbefeuerung nicht die gewünschten Einspareffekte brachte. Den Auftrag für Verschiffung des Salzes von der Unstrutmündung nach Dürrenberg bzw. zu den Niederlagen in  „Ostelbien“ erhielt die Alslebener Schifffahrtsgesellschaft.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Kgl. Hofzahnarztes S. Wolffson aus Berlin (NKB)

„Gegenwärtig in Kösen wohnhaft bei Herrn Eisenschmidt (Neue Straße 87- Fr. Ebert Str. 13) setze ich ein hochgeehrtes Publikum von meiner Anwesenheit in Kenntnis, erlaube ich mir, mich zu allen Zahnoperationen sowie der Anfertigung aller künstlichen Zahnarbeiten zu empfehlen.“

  

  1. Juli Musikalisch-deklamatorische Soiree im Teichgräberschen Saal (NKB)

Die gestalteten der Großherzogl. Hessische Hof- und Nationalsänger v. Gülpen und der K. u. K. Hofschauspieler Deahna.

 

  1. Aug. Kassenbericht der Badedirektion (NKB)

Im Vorjahr wurden 325 Taler Kurtaxe sowie 172 Taler an Spenden für die Ortsarmen eingenommen. Verausgabt wurden 130 Taler für die Herrichtung von Anlagen am Nikolausholz und in der Buchenhalle, 28 Taler für Honorare und Büromaterial, 80 Taler für den Druck des Badejournals und sonstiger Werbung. 8 Taler erhielt ein armer Kurgast, 166 Taler gingen in die   Ortsarmenkasse. 

 

  1. Aug. Statistik der chemischen Fabrik (MER F 44 V Nr. 8)

Demnach wurden im Durchschnitt der Jahre 1844 bis 1849 bei der Produktion von durchschnittlich 1405 Lasten weißen Salzes 3750 Kub.-Fuß (116 m³) Mutterlauge und 59 Lasten (118 t) Pfannenstein in der chemischen Fabrik weiter verarbeitet. Bei der Verarbeitung fielen neben den chemischen Produkten 23 Lasten (46 t) weißes Salz und 4 Lasten (8 t) gelbes Salz an, die Heun vertragsgemäß wieder der Saline überließ.

 

  1. Sep. Schreiben des Kgl. Wegeinspektors an die Salinen-Verwaltung (MER F 44 V Nr. 2)

Der hatte den Auftrag, umgehend die neue Chausseegeldeinnahme auf dem von der Salinenverwaltung gepachteten, der derzeitigen Hebestelle gegenüber liegenden Holzplatz zu bauen, nachdem der Schulinspektor die Verpachtung einer Teilfäche von 30 Quadratruten (522 m²) genehmigt hatte. Die restliche Fläche verblieb dem Salinenfiskus.

 

  1. Sep. Stellungnahme des OBA (MER F 44 V Nr. 2)

„Aus dem Schreiben des Herrn Provinzial-Steuer-Direktors ergibt sich allerdings, daß zur damaligen Zeit noch Zweifel über die Art der Ausführung des auf dem dortigen   Holzsausschleppplatz zu erbauenden Brücken- und Chausseegeldeinnahme-Hauses obwaltete, indem es im Plan  der Kgl. Regierung zu Merseburg lag, eine Verbreiterung der Kösener Saalebrücke und des Chaussee-Stückes zwischen der großen und der kleinen Saale vorzunehmen. Für diesen letztern Fall war uns nun zwar eine weitere Benachrichtigung zugesagt, dagegen hat  derselbe, wenn dieser Plan nicht zu Stande kommen sollte erklärt, von dem ihm von uns gemachten Anerbieten, einen Teil des Holzausschleppplatzes zum Bau des in Rede stehenden Hauses  abzutreten, Gebrauch gemacht (.) Nach dem Bericht der Kgl. Salinenverwaltung ist dieser Fall bereits  eingetreten  und müssen wir daher zurückgehen und den Bau geschehen lassen.“

 

     Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB)

Insgesamt waren es 516 Einträge. Zu den Gästen gehörten die Baronninnen v. Borke, v. Tankelmann und v. Lüttwitz, Exz. Fr. Minister v. Seebach-Dresden, Amtshauptmann und Polizeidirektor Domherr v. Oppell-Dresden, Exz. Fr. Minister v. Werthern-Dresden, Freiherr O`Byrn-Dresden, Buchhändler Fröbel-Rudolstadt, Geh. Reg.-Rat du Bois-Berlin, Oberst v. Meinesbach-Magdeburg, Freifrau v. Manteufel-Berlin, Kammerherr v. Watzdorf-Strömthal, Kammerherr v. Boineburg-Eisenach, General v. Diericke-Naumburg, Baron von Hessen-Hessenfeld-Berlin, Baron v. Haugk-Schindel-Leipzig, Kammergerichtsrat v. Nicolovius-Berlin, die Professoren Ulrici, Wassermann und Schwarz aus Halle, Dahlmann-Bonn und Breuer- Greifswald, Frau v. Itzenplitz-Dresden, Reg.-Rat Freiherr v. Kampitz, Frau Oberpräsident v. Witzleben.

Zum Vergleich, die Badeliste von Bibra, die hier erstmals veröffentlicht wurde, hatte 26 Einträge. Damit war das Bad Bibra völlig bedeutungslos geworden. Ein Grund war sicherlich auch der  Aufruhr im Jahr 1848. 1851 wurden 110 Einwohner wegen ihrer Beteiligung zu teilweise hohen Zuchthausstrafen verurteilt.    

 

  1. Okt. Jahresbericht des Badearztes (St.-A. Nr. 369)

Unter den 1426 Badegästen waren 497 Ausländer mehrheitlich aus dem Königreich Sachsen und den sächsischen Herzogtümern. Im Juni waren alle größeren Quartiere belegt, kleinere nur mit Mühe zu bekommen. Ein Problem, denn eine  Vorbestellung war noch nicht üblich und viele Gäste kamen mit der Bahn oder der Post einfach auf gut Glück, denn „Kösen wurde häufig von Fremden aufgesucht, an deren Heimatort die Cholera wütete, bereits Erkrankte flüchteten hierher, wie der Kreisgerichtsdirektor Schilling aus Pegau, der im Baumbachschen Haus der Cholera erlag.“

Abgegeben wurden 2.023 Wellenbäder ohne und 884 mit Soledusche. In das Soledampfbad kamen  110 Besucher in die Struvesche Trinkanstalt 140.

 

  1. Okt. Eröffnungskonzert im Furcht`schen Kursaal (NKB)

August Furcht jun. hatte nach der Trennung von Kronfeld  unterhalb des „Kuchengartens“ ein Stück Feld vom Gastwirt Weber erworben und hier einen beheizbaren Saal mit Restauration errichtet, der auch bei ungünstiger Witterung für Veranstaltungen genutzt werden konnte. Den Heimtransport von Besuchern aus Naumburg besorgte der Fuhrunternehmer Leich mit seinem Omnibus.

 

  1. Nov. Regulativ zu den Anbindegelder im Großherzogtum (Stadtarchiv Jena).

Anbindegelder wurden für Schäden am Ufer erhoben, die durch das Einschlagen der Pfähle und das festmachen der Flöße entsstanden. Bisher wurde der einzelne Schaden taxiert und ersetzt, nun einigte sich die Flößerkompanie mit den betreffenden Gemeinden auf eine jährliche Pauschale unter Zugrundelegung der Länge der jeweiligen Dorfflur und der dort befindlichen Wasserbauwerke, wie Wehre, Schleusen und Brücken. Die Vereinbarung unterzeichneten die Dorfschulzen von Rothenstein, Maua, Göschwitz, Burgau, Ammerbach, Lobeda, Wöllnitz, Wenigenjena, Löbstedt, Zwätzen, Neuengönna, Dornburg, Naschhausen, Steudnitz, Leubnitz, Golmsdorf, Dorndorf, Kunitz und der Bürgermeister von Jena.

 

  1. Nov. Veröffentlichung der approbierten Mediziner (NKB)

In Kösen waren das der Badearzt Rosenberger und die staatlich zugelassene  Hebamme Köhler. 

 

  1. Dez. Konzert das Musikkorps vom 31. Infanterieregiment im Kursaal (NKB).

 

              Liste der Salinenbelegschaft (MER F 44 I A)        

49 Unterbeamte und Arbeiter standen bei der Saline in Lohn und Brot, der Älteste (76 Jahre) war der Salzausgeber Georg Wolf, der mit der längsten Dienstzeit (50 Jahre) Gottlob Wagner ein Sieder. Außerdem wurden 31 Tagelöhner als Interimsarbeiter aufgeführt. In Mertendorf gab es 11 Festangestellte  und 22 Interimsarbeiter.

 

1851

 

  1. Jan. Anweisung des OBA zur Stellenbesetzung (MER F 44 I A)

„An die Stelle des Köttnitz tritt der in der Knappschaftsrolle als Bergmann eingetragene  bisher bei der Versuchsgradierung beschäftigte J. Fr. W. Zedel als Salzläder, an dessen Stelle der Dachgradierer J. Fr. Sträuber, an dessen Stelle der Imterimsarbeiter J. Julius Törpsch geb. im Dezember 1817 zu Kösen, verheiratet am 15. November 1846 mit Wilhemine Pabst geboren am 24. Sept. 1821 bis jetzt ohne Kinder.“

 

  1. Mär. Bewerbung des Bernhardt Zedel (MER F 44 I A)

„Vor meiner Einberufung  als Train-Unteroffizier der Ponton-Kolonne  des 4. Korps  im Juni 1850 war ich in der Mahlmühle in Schulpforte als Müllergeselle conditioniert und ist mir im Laufe meiner Militärdienstzeit diese Stelle dadurch verloren gegangen. Da ich keinerlei andere Erwerbsfähigkeit besitze, bin ich bei meiner jetzigen Entlassung brotlos (.) und wage daher in meiner Verlegenheit es doch bei der Kgl. Saline, wo auch zwei meiner Brüder als Gradierer und Salzsieder  angestellt sind und wo mein Vater als Obergradierer 30 Jahre gearbeitet hat, daß ich bei derselben eine Anstellung  erhalte.“ Am 8. Juli genehmigte das OBA seine Anstellung als Gradierer.

 

  1. Mär. Verkaufsanzeige des Bechmannschen Anwesens (NKB)

„Es enthält 6 Zimmer, welche die schönste Aussicht in das Saaletal nach der Rudelsburg gewähren, eine Dachkammer mit Aussicht auf den Bahnhof, 4 Kammern, 2 Küchen, 1 Badezimmer, Keller, ein Nebengebäude (.) mit Pferdestall mit drei Ständen, Holz-, Torf- und Wagenremises darin. Der Hof ist durch Überbauung eingeschlossen, die Zimmer sind mit eisernen Öfen versehen, vor den Fenster grün angestrichene Jalousien angebracht, auch ist das Haus außer der Haustür mit Torweg versehen.“ Dabei handelte es sich vermutlich um das ehemalige Anwesen der Floßmeisterin  (Borlachstraße 42). 1856 gehörten Bechmann neben dem ehemals Kleinschmidtschen Anwesen  „An der Brücke 2-3“ mit der Bäckerei, die Loreleypromenade 5

 

  1. Mär. Verkaufsanzeige des Anwesens des Kaufmanns Eduard Fischer (NKB).

„Das Haus liegt in der schönsten Lage von Kösen, hart an der nach Frankfurt führenden Straße, enthält 7 heizbare Zimmer mit eisernen Öfen und herrschaftlicher Einrichtung (an den Fenstern des Hauses sind Jalousien angebracht) ein Verkaufs-Gewölbe mit Comptoir, 9 teils an den Zimmern befindlichen Kammern,  1 Antichambrè, 2 Küchen, 1 Speisegewölbe, 2 Badezimmer, 2 Keller,  Wagenremise, Pferdestall, Heu-, Holz- und Torfbehältnisse. Das Gehöft und der Garten ist mit einer Befriedigung von Holzspalier und steinernen Säulen und Torwegen umgeben (.) Den Weinberg anlangend, so bietet derselbe die schönste Aussicht in das Saaletal, Saline, Kösen, und Umgebung und enthält 30.000 junge tragbare Stöcke mit massiven Kellerhaus mit Kelter. Über den Weinberg ist Steinbruch und Kirschanlage...“. Fischer verkaufte auch die Restbestände seiner 1839 eingerichteten Materialwarenhandlung, wie Eisen-, Steingut-, Glas- und Porzellanwaren, Tabak und  Branntwein. Außerdem einiges Mobiliar, eine Halbchaise, Leiterwagen, Weindösen, Weinpresse und Weinfässer. Eine Übertragung der Konzession für den Speise- und Viehsalz- sowie den Spielkartenverkauf auf den Erwerber war zuvor vom Landrat untersagt worden. Nach der Beschreibung könnte es sich um die heutige Fr. Ebert-Str. 22 handeln, 1857 im Knorrschen Besitz (nach Wibel).    

 

  1. Apr. Teichgräber eröffnet das „Waldschlößchen“ (NKB)

Nach Hoppe hatte Teichgräber im Vorjahr das Hämmerlingsche „Neue Haus“ dem Gastwirt  Franz Winter aus Merseburg verkauft, der hier die Gastwirtschaft „Zur Börse“ einrichtete.  Die Dorfbäckerei und den Saal behielt er. Den Platz für das „Waldschlößchen“ hatte er von Heun gepachtet, unmittelbar neben dem von Kurzhals gepachteten  „Kuchengarten“

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

An den Markttagen war das Hausieren mit Marktwaren untersagt.

 

  1. Mai Wechsel des Schiedsmanns (NKB).

Bade-Inspektor Kettner übergab das Amt dem Rentier Reil.

 

  1. Mai Bekanntgabe der Zusammensetzung der Bade-Direktion (NKB)

Neben Backs, Rosenberger, Schwimmer und Schleicher gehörten nun  der Badeinspektor Kettner und der Postsekretär Müller dazu.

 

  1. Mai Verhandlungen zum Ankauf eines Streifens der Kukulauer Wiese (St.-A. Nr. 575).

Weil die Ladestraße entlang der Bahn für den öffentlichen Verkehr gesperrt und ein Betreten der zur Domäne Kukulaus gehörenden Wiese ebenfalls verboten war führte der Weg vom Bahnhof zur Brücke durch die Dorfstraße. Das war umständlich und der Weg je nach Witterung auch recht unsauber und beschwerlich, weswegen sich die Badegäste beschwerten. Nun verhandelte Backs in seiner Eigenschaft als Badedirektor mit der Landesschule über den Ankauf eines Streifens von der Kukulauer Wiese, zur  Anlage eines öffentlichen Weges vom Bahnhof zur Brücke. Vorbehaltlich der Klärung der noch offenen Fragen, signalisierte das Provinzial-Schul-Kollegium im Juni sein prinzipielles Einverständnis. Die Kosten für den Erwerb und die Anlage der Promenade schätzte Backs auf 460 Taler.

 

  1. Mai Erschließung von Steinsalzlagern in Staßfurt (Emons).

Die seit 1839 niedergebrachte Bohrung erreichte in 250 Metern Teufe das Steinsalzlager. Daraufhin begann man im Dezember mit der Abteufung eines Schachtes, der nach dem preußischen Handelsminister v. d. Heydt benannt wurde.

 

  1. Juni Konzert im „Kuchengarten“ (NKB)

Kurzhals seit diesem Jahr neuer Pächter behielt die Bahnhofswirtschaft denn 1850 wurde der  Pachtvertrag mit der Thüringer Eisenbahn AG um drei Jahre verlängert.

 

  1. Juni Ausschreibung von Materiallieferungen für die Reparatur des Wehrdammes (NKB)

Die von der Bau-Inspektion zu Weißenfels ausgeschriebenen Mengen lassen auf eine Generalsanierung nach nur 25 Jahren schließen. Angefahren werden sollten 3320 Werksteine (i. M. 40 x 40 x 40 cm) 460 Scheffel hydraulischer Kalk (25 m³), 690 Zentner Traß (34 t), 630 Fuß Eichenholzbalken (200 m, 30 x 30 cm) 880 Stück 3 Zoll starke Eichenpfosten, 40 schmiedeeiseren Pfahlschuhe a 16 Pfund, 20 schmiedeeiserne mit Zinn oder Blei überzogene Anker a 120 Pfund.   

 

  1. Juni Sonderkonzert im Furchtschen Kursaal (NKB)

Die Veranstaltung mit Anton Kratschky-Paschlik aus Prag einem „Virtuosen auf der Blasharmonika und dem von ihm selbst erfundenen Hornmelodikum“ hatte die Badedirektion organisiert.

 

  1. Juli Vermessung des „Jackenberges“ (BLK-A. Nr. 62).

Vom Jackenberg (Jochenberg) der zum Vorwerk Fränkenau gehörte und nur zur Beweidung taugte, hatte die Landesschule nach und nach etliche Parzellen an die Dorfbewohner verpachtet, die dem kargen Boden mit Kartoffeln und Rüben bestellten. Allerdings hatte sich die Landesschule das Weiderecht auf den abgeernteten Felder durch die Fränkenauer Schafherde gesichert. Diese vielen Keinstparzellen waren wirtschaftlich kaum nutzbar und sorgten ständig zu Streitigkeiten wegen der Grenzen. Nun einigten sich die Kleinpächter über einen generellen Flächenaustausch und beauftragten den Aktuar Schmidt aus Weißenfels mit der Katastervermessung.  

 

  1. Juli Amtliche Bekanntmachung der Badedirektion (NKB)

Mit Genehmigung der Kgl. Regierung wurde der § 6 der Bade-Ordnung von 1848 geändert: „In das nach erfolgter Meldung jeden Fremden seitens der Badedirektion sofort vorzulegende Badejournal hat jeder Badegast seinen Namen, Stand, Wohnort und die ihm gehörenden Personen einzutragen und gleichzeitig seinen Beitrag zur Badekasse zu entrichten. Letzterer beträgt  für jede Familie 2 Taler und für jeden einzelnen Badegast 1 Taler. Die Beiträge zur Unterstützung der Bade- und Armenkasse bleiben lediglich dem Ermessen der Badegäste überlassen“.

 

  1. Juli Verfügung des Landrates (St.-A. Nr. 356)

Dabei ging es um unangenehme „Ausdünstungen“ durch den „Ausstich“ auf dem Grundstück des  Gärtners Möller. Im Somme, wenn das wasserverdunstete, entwickelten sich Faulgase, was sich  noch verstärkte, als Möller den Ausstich mit Torf verfüllte. Nach der Besichtigung durch den Sanitätsrat Kaiser und den amtierenden Landrat von Schönberg wurde festgelegt, dass Möller den Ausstich mit Erdstoff verfüllen muss. Für die Ableitung des Regenwassers vom Fahrweg nach den Saalhäusern und  vom Fußgängertunnel sollte die Bahnverwaltung einen Abzugskanal verlegen, an  den sich auch die Anwohner der Querstraße anschließen könnten.

 

  1. Juli Anlage einer Promenade auf der Westseite der Gradierwerkes (St.-A. Nr. 356)

Bei seinem Besuch am 9. Juli hatte der Handelsminister von der Heydt Maßnahmen  zur „besseren Aufnahme des Bades“ vorgeschlagen. Um die Freiluftinhalation besser zu nutzen, sollte auch die Westseite einbezogen werden. Doch hier befanden sich die Krautgärten der Salinenarbeiter „Wenn man von diesen Parzellen ein Stück abtrennt, verringert sich die Jahrespacht, dagegen erhöhen sich die Einnahmen der Knappschafts- und der Badekasse durch zahlreichere Besucher, was den Intentionen des Ministers entspricht“ argumentierte die Lokaldirektion. Zur Wegebefestigung sollte der Dornstein verwendet werden. Im August lehnte das OBA die Entfernung der Gärten ab weil „der Verlust eines Teils der Gemüsegärten in Anbetracht fehlender Pachtflächen und der ohnehin  schwierigen Versorgung für die Arbeiter sehr nachteilig sein (würde).“

 

  1. Juli Verkaufsanzeige von Friedrich Träger (NKB)

„Ich bin gesonnen mein in Kösen im neuen Anbau (Neue oder Querstraße) gelegenes Haus (.) aus freier Hand zu verkaufen. Dasselbe besteht aus 4 Stuben, 5 Kammern, 2 Küchen, und Keller, Hintergebäude, Waschhaus, eine sich zu jeder Profession eignenden Werkstatt, Holzremise und Garten“.

 

  1. Aug. Genehmigung des Promenadenkaufs (St.-A. Nr. 359)

Nachdem der Handelsminister sein Einverständnis erklärt und 210 Taler für die Anlage der Promenade versprochen hatte, erklärte die Landeschule, dass der Streifen von der  Mühlwiese bei der nächsten Zeitpacht der  Domäne Kukulaus herausgelöst wird. 

 

  1. Aug. Stellungnahme des Oberbergamts zur Promenade (St.-A. Nr. 356)

Das Oberbergamt monierte, dass die Badedirektion keine juristische Person sei und daher keine Verträge abschließen könne. Da jedoch der Minister einverstanden war, würde man mit der Königl. Regierung bzw. dem Provinzialschulkollegium verhandeln. Die Gesamtkosten ohne Erwerb bezifferte Backs auf 460 Taler, 148 Taler Arbeitslohn, 295 Taler Material und 17 Taler für Unvorhergesehenes.  

 

  1. Sep. Salinenrecherche durch Oberbergamts-Assistent Ebers (WER Rep.F 23 II Nr.5/4).

 

  1. Sep. Dr. Rosenberger beantragt die Genehmigung zum Versand von Trinksole (WER F 23).

Dem Beispiel vieler anderer Bäder folgend, wollte er Sole in Flaschen  vertreiben, zumal immer mehr Gäste ihr Interesse bekundeten. Der Antrag  wurde im Oktober von der Königl. Regierung bewilligt. Wegen der hohen Salzkonzentration wurde die Sole verschnitten und mit Kohlensäure versetzt.  

 

     Sep. Letzte Badeliste (NKB Nr. 69).

451 Einträge (1420 Kurgäste, davon 504 „Ausländer“). Zu den Badegästen gehörten der Hofspediteur Moreau-Valette, die Hofschauspielerin Houget-Vestris-Berlin, der Historienmaler Veters und die Gräfin Bernhardt zu Stolberg-Stolberg, sowie General v. Oern-Warschau, Freifrau v. Ende-Berlin, Baronin v-. Lynker-Berlin. Geh. Reg.-Rat du Bois mit Frl. Humbert, Baronin v. Borle, Freiherr v. Schönfeld-Dresden, Polizeipräsident v. Oppell-Dresden (1800-1876), Frau Oberst v. Bossè-Posen, Frau v. Boineburg-Lengsfeld-Eisenach, die Fürstenschüler Hennig und Bieler au Grimma, Regisseur Eduard Genast-Weimar, Baronin  v. Kalitsch-Weimar, Frau Polizeipräsident v. Hinkeldey-Berlin, Exz. Freiherr v. Stockhaus Kgl. Preuß. Kriegsminister, Frl. v. Bismarck-Potsdam, Gräfin C. de Dzimbowska-Rußland, Kammerherr Freiher v. Watzdorf-Störmthal, Bankier v. Rosen-Warschau, Oberst-Ltn. v. Fritze-Fraustadt, Baronin v. Thermann-Leipzig, Freifrau v. Hruby-Braunschweig, Oberst v. Helldorf-Wittenberg, Major Graf v. Hessenkin-Bromberg, Graf v. Schulenburg-Berlin,  Baron v. Stenglin-Rostock, Hofdame Baronesse v. Loeu-Dessau.

Erneut machte sich der Mangel an ausreichenden Quartieren bemerkbar. Das wirkte sich nicht nur beim Preis aus, es wurden auch völlig ungeeignete Quartiere belegt, wie die Stube des Schäfers. 

 

  1. Sep. Gastwirt Weber zeigt beim OBA den Bau eines Eiskellers an (NKB).

 

  1. Sep. Bewerbung des Arbeiters Theile (St.-A. Nr. 356)

Gesucht wurde ein bedürftiger Einwohner für die Unterhaltung der Promenade. Theile legte nicht nur ein amtliches Armutszeugnis vor, sondern auch eine Empfehlung des Naumburger Kriegervereins.

 

  1. Okt. Mitteilung des Provinzialschulkollegiums (St.-A. Nr. 356)

Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass die ministerielle Genehmigung des Kaufvertrages noch aussteht.

 

  1. Okt. 50-jähriges Dienstjubiläums des Dorflehrers Ernst Huck (NKB).

Bei einer bescheidenen Feier überreichte ihm der geistliche Inspektor Niese das Allgemeine Ehrenzeichen und ein Dankschreiben der Kgl. Regierung.

 

  1. Okt. Jahresstatistik der Hartungschen Badeanstalt (St.-A. Nr. 356)

Nach der Aufstellung des Bade-Inspektor Kettner wurden 6.910 Solebäder für Erwachsene und 747 für Kinder sowie 291 Wasserbäder abgegeben.

 

  1. Nov. Grenztermin am Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Anfang September erfolgte die Vermessung und nun lag das Vermessungsprotokoll vor. Der Flächentausch und die Zusammenlegung der Parzellen sollte im kommenden Jahr nach der Ernte erfolgen. Die Pächter versprachen Schmidt die pünktliche Bezahlung seiner Rechnung und unterschrieben das Protokoll: Johann Thielitz, mit Vollmacht seines Schwagers Carl August Therkorn, Schmiedemeister zu Dürrenberg, Maurermeister und Ökonom August Werner, Bäckermeister J. Fr. A.  Hämmerling für sich und mit Vollmacht des Arztes J. K. Fr. Gräfe zu Dresden,  der Mehlhändler Traugott Bäßler, die Witwen Johanna Rosine Kreutzmann, Christiane Wolf und Christine Sophia Reinhardt, die Salinenarbeiter K. Fr. Ziege, Fr. Zwingenberg und Gottfried Streuber, die Erben des Leinewebermeisters J. H. A. Mengel, genannt Saalborn, Albrecht, Ernst, Louis und Amalia verh. Knorr und der Musikus J. Fr. Reinhardt.  

 

  1. Nov. Anordnung der Königlichen Regierung zum Abzugskanal (St.-A. Nr. 356)

Nachdem die Bahnverwaltung die Anlage des Kanals abgelehnt hatte, wurde von Amts wegen der Geruch als lästig aber nicht gesundheitsschädlich eingestuft und die Sanitätspolizei brauchte nicht einzuschreiten. Wenn aber die Beseitigung der Geruchsbelästigung im Interesse des Bades liegt, sollte die Badedirektion den Kanal errichten und die Anlieger finanziell daran beteiligen.   

 

  1. Dez. Jahresbericht des Knappschaftsarztes (St.-A. Nr. 356)

Demnach wurden 2.356 Wellenbäder und 174 Soledampfbäder abgegeben. Die Struvesche Trink- und Molkeanstalt an der kleinen Promenade zählte 120 Besucher. Rosenberger schlug außerdem vor, die gesamte Kukulauer  Wiese als Park herzurichten und bequeme  Wanderwege zum Nikolaus- und Katerberg anzulegen.   

 

  1. Dez. Ausschreibung der Kohlenfuhren von Mertendorf nach Kösen (NKB).

 

  1. Dez. Jahresbericht der Badedirektion (St.-A. Nr. 369)

Der Bericht, unterzeichnet von Backs, Schwimmer, Kettner, Müller und Dr. Rosenberger, befasste sich mit den öffentlichen Badeeinrichtungen und deren wirtschaftlichen Verhältnisse. Die  Hartungschen Badeanstalt bekam 6.050 Kubikfuß und die übrigen Badewirten 2.921 Kubikfuß Sole. 1.460 Kurgäste wurden registriert, 956 aus den preußischen Provinzen, darunter zahlreiche Berliner. 504 kamen aus dem „Ausland“, die meisten aus dem Königreich Sachsen, davon die meisten aus Dresden.  

Positiv vermerkt wurde der Versand des Trinkbrunnens als wirksames Werbemittel, um mit den aufstrebenden Badeorten Sulza, Arnstadt und dem Wittekindbad in Halle mitzuhalten. Gelobt wurde der Kursaal eine Bereicherung des geselligen Lebens, wie die von der Badedirektion veranstalteten Rèunions. Zweimal wöchentlich gab es ein Morgenkonzert im Stadtgebiet, sieben weitere in der Buchenhalle, auf der Rudelsburg, den Saalhäusern, am Göttersitz und  an der Katze.

Die Badedirektion lobte die neuen Häuser des Kunstmeisters Scheufler (Uferstr. 5), des Kaufmanns Starklop (Naumburger Str. 10) und des Müllergesellen Richter (Fr. Ebert Str. 21), wogegen die Salinenverwaltung meinte „daß diese etwas gewagten Speculationen zum bleibenden Vortheile der Eigenthümer gereichen möge“.

Von den Badelisten wurden insgesamt 3.150 Exemplare zum Preis von 23 Taler, 16 Silbergroschen, 9 Pfennige gedruckt, der Erlös betrug 30 Taler  29 Silbergroschen und 9 Pfennige, mithin ein Überschuss für die Badekasse von 7 Taler 13 Silbergroschen

 

1852    

  1. Jan. Kaufvertrag über die Promenade an der Kukulauer Wiese (St.-A Nr. 359).

Im Dezember hatten König Friedrich Wilhelm und der Finanzminister v. Ramer den zwischen dem OBA, der Königl. Regierung und der Landeschule ausgehandelten Entwurf genehmigt, den Backs und der Prokurator Schwimmer nun besiegelten. Der Kaufpreis betrug  584 Taler und wurde  mit   4% Zinsen gestundet.  Die Zinsen übernahm die Badekasse. Die Entschädigung des Kukulauer Pächters für die entzogene Fläche regelte die Landesschule. Als Schutz vor Druckwasser durfte entlang der Promenade ein Graben angelegt und mit dem Aushub der Weg erhöht werden. Im Vertrag hieß es: „Die Promenade fängt in der Nähe des Bechmannschen Gehöfts (An der Brücke 2/3) an und geht auf den zum Schulgute Cuculau gehörigen Wiese dicht neben dem nach dem Bahnhofe führenden Fahrwege in gerader Linie bis zum Übergang beim Wärterhäuschen“. Den  Vertrag unterzeichneten Direktor des Präsidial-Schulkollegiums v. Nebbe und der Handelsminister v. d. Heydt.

 

  1. Jan. Diensteid eines Salinenbeamten (MER F 44 I A Nr. 1)

„Ich Julius Kolbe schwöre zu Gott dem Allmächtigen, daß nachdem ich zum Salinenassistenten der Saline Kösen bestellt worden, seiner Königlichen Majestät, meinen Allergnädigsten Herrn ich untertänig, treu und gehorsam sein und alle mir vermöge meines Amts obliegenden Geschäfte nach meinen besten Wissen und Gewissen genau erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott helfe“.

 

  1. Jan. Bericht des Landrates zum Schulwesen (MER C48 II b 2028 I, St.-A. Nr. 356)

Nach Aussage des geistlichen Inspektors Niese war die Schule mit 200 Kinder völlig überbelegt.  Von den beiden Lehrer stand Ernst Huck vor der Pensionierung und der Jüngere suchte wegen der geringen Bezahlung eine andere Stellung. Um das Gehalt der Kinderlehrer aufzubessern, sollte die Badekasse ihren Beitrag leisten. Das wiederum lehnte die Badedirektion ab und verwies darauf,m dass zunächst das Schulgeld auf die üblichen 2 Taler anzuheben sei. Dem wiedersprach die  Gemeindevertretung, wohl wissend, dass die meisten Familien schon das derzeitige Schulgeld nicht aufbringen konnten.

 

  1. Feb. Genehmigung der Thüringischen Eisenbahnverwaltung (St.-A. Nr. 356)

Um die Promenade überhaupt für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen, gewährte die Thüringische Eisenbahn AG der Gemeinde ein kostenloses Übergangsrecht am Schrankenübergang beim Bahnhof und unter der Bahnunterführung am Baumbachschen Haus (Lindenstr. 1).

 

  1. Feb Flaschenvertrieb des „Kösener Salzbrunnens“ (NKB).

Der Preis pro Flasche betrug 5 Silbergroschen, einschl. 1 Silbergroschen Pfand. Den Vertrieb in Berlin übernahm die Fa. J. F. Heyl.

 

  1. Mär. Genehmigung des Promenadenkaufs (WER D 34/1/2089).

Vom gesiegelten Vertrag erhielten die Vertragspartner ein beglaubigtes Exemplar.

 

  1. Mär. Genehmigung des Provinzialschulkollegiums (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion erhielt kostenlos 60 Schachtruten Kies aus der Grube der Landesschule am Galgenberg für den Bau der Promenade.

 

  1. Mär. Konzession für „theatralische Aufführungen“ (St.-A. Nr. 356)

Die erhielt das Ensemble des Reserveleutnants Giersberg auf Empfehlung seinens ehemaligen Kommandeur Generalmajor v. Strantz. Die Konzession galt vom 1. Mai bis 15. Oktober und kostete 29 Mark. Dazu erklärte die Badedirektion „Wir müssen die Erwartung aussprechen, daß Sie die in unserm Schreiben geäußerten Voraussetzungen und Bedingungen rechtfertigen und so den Anforderungen entsprechen werden, welche an ihre Unternehmung von den hiesigen Badepublikum gestellt werden. Was Ihre weitere Anfrage betrifft, so bemerken wir, daß zwar einige Male ein Sommertheater hier etabliert gewesen, aber nicht bekannt geworden ist, welche Resultate hierdurch erzielt worden sind.“  Bekannt war lediglich, dass der Eintritt zwischen 2 und 7 Silbergroschen betrug und sämtliche Requisiten den jeweiligen Ensembles gehröten. Das TIVOLI-Theater wurde hinter den Restaurationsgebäuden im Kurzhalsschen „Kuchengarten“ eingerichtet, war aber nur bei guter Witterung bespielbar.

 

  1. Apr. Überregionale Werbung der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

„Das Soolbad Kösen bietet, abgesehen von der längst bewährten Wirksamkeit seiner Quellen, welche zum Baden sowie zum Trinken angewendet werden, Vortheil und Annehmlichkeiten in seltener Vereinigung.  Der Stationspunkt der Thür. Eisenbahn auch von größerer Entfernungen aus bequem zu erreichen, ist unser im romantischen Saal-Thale lieblich belegenen Kurort, zugleich auch durch seine  der Gesundheit  im Allgemeinen günstigen klimatischen Beschaffenheit bevorzugt. Kranke der verschiedensten Art werden schon um dieser günstigen örtlichen Verhältnisse wegen gern von den Ärzten an unsern Kurort gewiesen, wo überdieß zweckmäßig eingerichtete Bade- und Trinkanstalten, darunter namentlich ein Wellenbad mit Sool-Douchen, russische und Sool-Dampfbäder, eine Struvesche Trink- und Molkeanstalt  sich befinden. Sämtliche Anstalten werden am 15. Mai eröffnet und erklärt die Badedirektion sich gern bereit, auf Anfragen näher Auskunft über Badeangelegenheiten zu ertheilen.....“ lautet das Inserat in der „Neuen Preußischen Kreuzzeitung“, der „Preußischen Adler Zeitung“ und der „Leipziger Zeitung“.

 

  1. Apr. Anweisung des OBA zur Versuchgradierung (MER F 44 IV 13b)

„Wir sind mit der Kgl. Salinen-Verwaltung darin einverstanden, daß die seit dem Jahre 1845 auf dortigen Saline unternommenen Gradierversuche mit dem Ablauf dieses Jahres als beendet angenommen  werden...“

 

  1. Mai Vollmacht des Landrates für die Genehmigung von Bällen und Rèunions (St.-A. Nr. 356)

„Für die Dauer der Saison  in Kösen will ich meine Befugnis, Tanzbelustigungen  in öffentlichen Localen polizeilich zu genehmigen, sofern solche vorzugsweise zur Unterhaltung der Kurgäste pp. veranstaltet werden, bis auf unerwartet eintretende  Ausnahmefälle für welche ich mir selbstredend meine Cognition jederzeit vorbehalte, hiermit unter der ausdrücklichen Maßgabe delegieren, daß jene Genehmigung auf Ansuchen stets zu ertheilen ist und die Königl. Badedirektion nur dann eine Anzeige zu machen hat, wenn dieselbe die Ertheilung jener Genehmigung aus Rücksichten ganz besonderer Art etwa bedenklich finden soll. Die Besitzer der öffentlichen Locale sind verpflichtet, sich an die Badedirection zu wenden und der Ortsrichter hat alle darüber zu informieren. Ein polizeiliche Beaufsichtigung solcher Tanzbelustigungen ist unstatthaft.“

 

  1. Mai Antrag des Wundarztes und Geburtshelfers Dr. Reinhardt (St.-A. Nr. 356).

Der bot der Badedirektion an, die ärztliche Pflege von mittellosen Badegästen unentgeltlich zu übernehmen. Backs antwortete „Diesen Ausdruck humaner Gesinnung mit aufrichtiger Hochschätzung anerkennend, werden wir bei vorkommender Gelegenheit, dieser Ihrer freundlichen Erbietens gern eingedenk sein.“

 

  1. Mai Erlass des Landrates zum Wochenmarkt (NKB)

„Der höhern Orts für Kösen bewilligte Wochenmarkt wird in diesem Jahr vom 21. d. M.  ab während der Sommermonate wie früher gehalten werden (.) und mache zugleich darauf aufmerksam, daß der Verkauf von Gegenständen, welche an sich zum Marktrecht gehören, an den Markttagen nur an den für den Markt bestimmten Plätzen zulässig ist..“

 

  1. Mai Schreiben der Armendirektion zu Berlin an die „eheverlassene“ Auguste Röder (St.-A 356)

„Die Badedirection in Kösen hat Ihnen auf unsern Antrag den freien Gebrauch der dortigen Bäder bewilligt. Wir benachrichtigen Sie hiervon, mit der Aufforderung zu dem Ende am 20. Mai d. J. in Kösen zum Beginn der Kur einzutreffen und sich durch Vorzeigung dieses Schreibens daselbst zu legitimieren. Zugleich teilen wir Ihnen mit, daß die 13te Armen-Kommission beauftragt worden ist, Ihnen eine Unterstützung zur Badereise von 25 Talern zu zahlen.“

 

  1. Mai Begründung Rosenbergers für die Anhebung seines Honorars (St.-A. Nr. 356)

Die Badedirektion hatte die Erhöhung der Kurtaxe beschlossen, den dem Badearzt zustehenden Teil aber nicht angehoben, mit dem Hinweis, dass dessen Vergütung nicht aus einer öffentlichen Kasse erfolgen darf. Außerdem wäre in der Badeordnung von 1847 festgelegt, dass die Erstkonsultation des Badearztes kostenfrei ist. Jede weitere Konsultation müsse der Badegast aber bezahlen und man geht davon aus, dass die Inanspruchnahme rege und der Verdienst des Badearztes angemessen sei. Das versuchte Rosenberger zu widerlege. 1851 wären von den 466 Familien, gerade einmal 159 Personen die  kostenpflichtigen Konsultationen  gekommen.  Er habe sich in Erwartung einer wesentlich höheren Inanspruchnahme, darauf eingelassen, die Erstkonsultation kostenfrei durchzuführen. Darüber hinaus habe er mit der Eröffnung der Hartungschen Badeanstalt den öffentlichen Badebetrieb in seiner eigenen Anstalt eingestellt und das nicht mehr benötigte Inventar Hartung überlassen. Als aber sein Honorar für die vertraglich vereinbarte ärztliche Aufsicht der Hartungschen Anstalt ausblieb, habe er seine Badeanstalt wieder geöffnet.  Abschließend bemerkte er: „Auch in Kösen selbst, wo ich, solange ich hier verweile nur von wenigen Touristen saläriert worden bin, da Wohlhabenheit hier nur den äußeren Anschein nach ihren Sitz hat, ist im Frühjahr 1852 ein 2. Arzt mit dem ich mir die Sommereinnahme teilen muß“. Außerdem habe er auf eigene Kosten Reisen unternommen, auswärtige Ärzte konsultiert, die er überzeugen wollte, ihren Patienten Kösen zu empfehlen. Während seiner Abwesenheit musste er auch noch einen Ersatz  für die medizinische Betreuung der Knappschaft stellen,  den er aus der eigenen Tasche bezahlt habe. Daraufhin verlangte die Königl. Regierung von der  Badedirektion eine Stellungnahme.

 

  1. Mai Quartierantrag der Baronin von Troschke aus Berlin (St.-A. Nr. 356)

„E. Hochlöbliche Badedirection, ersuche ich ganz ergebenst, mir zum 8ten Juli ein Quartier von zwei Stuben und einer Kammer mit zwei herrschaftlichen Betten und ein Mädchenbett zu bestellen. Da ich hauptsächlich der gesunden schönen Luft wegen Kösen gewählt habe, so wünsche ich eine parterre Wohnung mit einem schattigen Platz zu haben und womöglich in einer lebhaften Gegend. Ich bitte meine Dreistigkeit zu entschuldigen und verbleibe...“

 

  1. Juni Erlass des Landrates zum Einbau eines zweiten Dampfkessels (NKB).

Außerdem sollte eine Hochdruck- Dampfmaschine installiert werden. Einsprüche sollten binnen vier Wochen bei Landrat eingereicht werden.

 

  1. Juni Stellungnahme der Badedirektion zum Honorarantrag (St.-A. Nr. 356)

Badeinspektor Kettner gab an, dass Rosenberger der Badeanstalt 2 kupferne Waschkesseln, ein paar Kupferrohren, einige Messinghähne und zwei Zinkwannen im Wert von 200 Talern überlassen habe. Die Einnahmen der Hartungschen Badeanstalt hätten nach Abzug der Unkosten insbesondere des Kapitaldienstes, der ohnehin nur zur Hälfte geleistet wird, für das Rosenbergersche Honorar nicht mehr gereicht, weshalb man auf seine Dienste verzichtet habe. Ortsrichter Schleicher, gleichzeitig Rendant der Badekasse gab an, dass die Badegäste nichts mehr in die Badekasse geben würden, wenn Rosenberger eine Tantieme daraus erhalten würde. Außerdem glaube er nicht, dass an den Orten die Rosenberger vorgab besucht zu haben, wie Wien, Paris, London und in der Schweiz überhaupt ein Interesse an einer Kur in Kösen  bestünde. Zusammenfassend erklärte der Schulinspektor Schwimmer „1. Es ist allein dem Badegast  überlassen, ob und welchen Arzt er konsultiert 2. Für den Badearzt werden keine Beiträge durch die Badekasse gesammelt und 3. Sollten die Badegäste nur zu den unumgänglich notwendigen Kosten des Bades herangezogen werden“, wozu das Honorar des Badearztes in keiner Weise gehören würde.  

 

  1. Juni Besuch des Handelsministers v. d. Heydt (St.-A. Nr. 359)

Der Minister regte die Anlage eines Parkes auf beiden Seiten des Bahndammes an und  versprach  200 Taler, wenn die Landesschule die Kukulauer Wiese der Badedirektion kostenlos überläßt.   

 

  1. Juli Anweisung der Badedirektion an die Badewirte (BLK-A. Nr. 356)

„Ein jeder welcher Solbäder verabreicht, ist verpflichtet auf das Verlangen des Kurgastes die Bäder in seiner Gegenwart bereiten zu lassen und durch eine Soolwaage das richtige Verhältnis der Soole zum Waßer anzugeben. Das Verhältnis ist je nach Verabredung des Arztes ¼, ½, ¾ Soole, auch muß eine Soolwaage in das bereitete Bad gesenkt, im ersten Fall 2 ½, im zweiten 3 und im dritten Fall 4 ½ Grad anzeigen. Um Beschwerden und Mißverständnissen vorzubeugen, werden die geehrten Kurgäste ersucht, hiervon  gefällige Kenntnis nehmen zu wollen.“  

 

  1. Juli Antwort Rosenbergers auf die Stellungnahme der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

„..da viele der zur Widerlegung meiner Ansprüche herangezogenen Angaben unrichtig sind, und die meisten Übrigen auf einer Mißdeutung beruhen, welche einen nicht geahnten (.) unverdienten Übelwollens ähnlich sieht.“

 

  1. Juli Antrag auf Aufhebung der Hutungsrechte auf dem Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Zutr Ablösung der für die Domäne Fränkenau bestehenden Hutungsrechte an den  mit Obstbäumen bepflanzten Steilhängen über das ganze Jahr und auf den Pachtfeldern nach der Ernte, boten die Pächter der Landesschule einen Ablösebetrag von 24 Talern an, die der Aktuars Schmidt berechnet hatte..

 

  1. Juli Schreiben an den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen (St.-A. Nr. 356, 359)

Nach der vom Handelsminister angeregte Anlage des Kurparks wandte sich Backs wegen der kostenlosen Überlassung der Kukulauer Wiese an den Oberpräsidenten und die obere Schulbehörde: „Der Kgl. Landesschule, welche sehr bedeutende Lehen und Zinsen von Kösen bezieht, kann es als Grundeigentümer des Ortes  und nächster Umgebung nicht gleichgültig sein, ob seine Bewohner von ihren jetzigen sehr drückenden Verhältnissen sich befreien, nach und nach zu einem schuldenfreien Besitztum gelangen, oder ob sie sich mit geringen Ausnahmen ihrer gänzlichen Verarmung entgegen gehen sollen..“

Der Präsident lehnte ab, weil die Schule eine mildtätige Stiftung sei und Grundstücke nicht entschädigungslos abgeben könne. Man solle zunächst über einen Erwerb der Wiese zwischen der Bahn und dem Dorf verhandeln, die für die Domäne Kukulaus nur noch eingeschränkt nutzbar sei.  Dagegen wies er das Provinzialschulkollegium an, am Nikolausberg weiter kein Holz einzuschlagen, damit hier der „einzige in der Nähe befindliche  Bergspaziergang“ erhalten bleibt.

 

  1. Juli Antrag der Badedirektion auf Anbringen eines Briefkastens (BLK-A. Nr. 356)

Bislang wurden die Briefe bei der Postexpedition am Bahnhof abgegeben. Weil der Weg recht weit war, wurde ein Briefkasten in die Lindenstraße aufgestellt, der immer 20 Minuten vor Ankunft eines Personenzuges vom Postexpedienten geleert wurde.

 

  1. Juli Meldung des Badekassenrendanten (St.-A. Nr. 356)

„Die Frau Kaufmann Louise Frenkel nebst Schwester, beide aus Berlin, Erstere bei Deistung und Letztere bei Grenzdörfer wohnhaft, weigern sich den gesetzlichen Beitrag für Familien zur Badekasse zu entrichten und haben jede nur den Betrag für eine einzelne Person, nehmlich 1 Taler gezahlt...“

 

  1. Juli Kritik der Badedirektion an den Restaurateuren (St.-A. Nr. 356)

„Es ist während der Saison wiederholt Klage darüber geführt worden, daß in den hiesigen Restaurationen bei der Zubereitung der Speisen auf die Diät der Patienten, welche Brunnen trinken, gar keine Rücksicht genommen werde. Viele Gäste behaupten, daß sie von den öffentlichen Mittagstischen hungrig wieder aufstehen müssen, weil ihnen nur solche Speisen angeboten werden, welche sie nicht genießen dürfen. Auch ist es vorgekommen, daß Speisen welche der Kurgast (.)  verlangt, ihm nicht gesendet werden, dagegen statt dessen andere, welche ärztlich verboten sind. Ich bin mehrseitig nicht nur auf diesen Ungehörigkeiten aufmerksam gemacht, sondern auch mit dem dringenden Gesuch angegangen worden, unser Mögliches zu tun, damit diesen Beschwerden der Kurgäste Abhilfe geschähe.

Kösen ist ein Ort dem keineswegs bloß der Soolbäder wegen besucht wird. Die Frequenz unseres Bades ist viel mehr abhängig, daß die Ärzte ihre Kranken hierher senden, um sie irgend einen Brunnen trinken zu lassen. Diese Gäste  verfehlen aber gänzlich den Zweck ihres hiesigen Aufenthaltes  und gefährden sogar ihre Gesundheit, wenn ihnen nicht die Möglichkeit gegeben wird, die nötige Diät einzuhalten. Somit steht der Ruf unseres Badeortes in inniger Beziehung mit der Beschaffenheit der Restaurationen. Den ausgesprochenen Wünschen der Kurgäste Folge gebend, richten wir  an Sie die Bitte, daß sie diesen Gegenstand der auch Ihr eigenes Interesse so nahe berührt, doch Ihre ganze Aufmerksamkeit zuwenden möchten.

Beiliegendes Verzeichnis der an den meisten Kurorten für erlaubt und unerlaubt geltenden Nahrungsmittel empfehlen wir als ein Anhalt bei der Auswahl der Speisen. Schließlich noch die Bemerkung hinzufügend, daß wir Erklärungen derjenigen Restaurateure, welche es  sich besonders angelegen sein lassen wollen, die Brunnen trinkenden Gäste in diätischer Beziehung zu Hülfe zu kommen, auf Verlangen durch die Badeliste veröffentlichen werden“.

Backs, Schleicher, Müller, Kettner, Dr. Rosenberger

Verzeichnis der in den meisten Kurorten für erlaubt und unerlaubt geltenden Speisen.

Verbotene Nahrungsmittel: a.) alle Speisen, welche Säuren enthalten, namentlich Salate, Gurkensalat, ferner Saucen, sauer eingelegte Früchte, Sauerampfer, frühes Obst, saure Milch, b.)  fette gebratene Speisen, Bratfisch, c.) schwere Mehl-, Eier- und Milchspeisen d.) Gemüse wie Kohl, gebackene Erbsen und Bohnen, Linsen, frische Kartoffeln, e.) geräuchert, gepökelte und pikante Speisen, Wurst, gepökeltes Rindfleisch, geräucherte Fische, gekochten Schinken, f.) Fleischspeisen wie Gänse, Hühner, Schweinefleisch, gebratene Leber, g.) Fisch wie Aal, Lachs, Neunaugen h.) gewürzte und erfrischende Speisen mit Bier, Wein, Cognac bereitete (Plumpudding).

Erlaubte Nahrungsmittel: a.) Gries-,Semmel-,Hafergrütze, Graupensuppe, Fleischbrühe von Rind, Kalb, Huhn, Taube, b.) Gemüse – grüne Schoten, grüne Bohnen, Mohrrüben, Spinat, Spargel, Blumenkohl, geschmorte Gurken, c.)    Fisch - Zander, Forelle, Hecht, Barsch. Karpfen d.) Fleisch – gekochtes und gebratenes Hammel, Rind und Kalb, Kalbskarbonade, junge Tauben, Hühner, Kapaune, Wildbraten, d.) Mehl- und Eierspeisen, weiche Eier, Graupen, Gries, Sago, Reis, f.) Obst- feines gebackenes mit Vorsicht und am besten zum Nachtisch, g.) trockene nicht fette Kuchen. Verbotene Getränke: Doppeltes Bier, Limonade, Liqueur, Punsch, Wein, Gewürz-Schokolade.  Die vorgesehen Diät muß auf 4 – 6 Wochen nach beendigter Kur fortgesetzt werden.“

 

  1. Juli Mitteilung des Oberbergamtes (St.-A. Nr. 359)

Der Minister erwartete, dass sich sowohl die Landesschule als auch die Eisenbahnverwaltung angemessen an den Kosten zur Verschönerung des Ortes beteiligen.

 

  1. Aug. Erklärung der Knappschaft zum Brunnenfest (Hinsche, Heimatbuch 1930).

„Auf Wunsch des Herrn Bergrat Backs soll das diesjährige, sowie die nächstfolgenden Brunnenfeste mit einer kirchlichen Feier  begangen werden. Wir sind daher beauftragt, sämtlichen Knappschaftsmitgliedern dieses, welches auch vom königlichen Oberbeamten sehr gern gesehen würde, vorzutragen, weshalb wir die Knappschaftsmitglieder ersuchen, ihre Zustimmung zu dieser Feier entweder mit Ja oder Nein hierunter bemerken zu wollen. Der Herr Inspektor Niese, sowie der Herr Bergrat Backs, und auch wir haben den Platz vor der Dirigentenwohnung am geeignetsten dazu gefunden, da der am unteren Schacht zu solchem Behuf zu klein ist. Herr Inspektor Niese will sich dieser Mühewaltung gern unterziehen. Die dazu geeigneten Gesänge werden zu seiner Zeit ausgegeben werden und beginnt der Gottesdienst um 2 Uhr, weshalb sich sämtliche  disponiblen Mitglieder spätestens um ¾ 2 vor dem Kassengebäude versammeln müssen. Alles übrige  wird noch näher bestimmt werden“. Die Knappschaftsdeputierten Kühne, Thielitz, Dönicke. Alle 43 Knappschaftmitglieder stimmten dafür.

 

  1. Aug. Leserbrief zur Kirche (NKB).

Zwar wurde seit 1850 einmal wöchentlich in der städtischen Schule ein Gottesdienst gehalten, aber das ersetzte keine Kirche kritisierten viele Badegäste. So erschien im hallischen Courier ein diesbezüglicher Leserbrief „daß Kösen noch keine Kirche habe und daß das offenbare Bedürfnis doch sobald als möglich abgeholfen werden möge“ Daraufhin teilte der Gemeindrat mit, dass inzwischen 408 Taler für eine Kirche und 380 Taler für einen Betraum gezeichnet wurden.  Nun habe sich die Gemeinde für die Kirche entschieden und diejenigen die für einen Betraum gezeichnet hatten, wurden gebeten dies nun für die Kirche  zu veranlassen. In den kommenden drei Monaten sollten die gezeichneten Beträge eingesammelt und zinsbar angelegt werden.

Auch wenn die bislang zugesagten Beträge zusammenkämen, reichte das für den Neubau einer Kirche noch lange nicht, erklärte Backs.

 

  1. Aug. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Der Departement-Rat Oberbergrat Ritter Ebers wurde vom Bergrat Backs auf den desolaten  Zustand des Wehrdammes hingewiesen. Doch die  Königliche Regierung, der das Problem bekannt war, lehnte die Ausbesserung ab, weil eine Generalinstandsetzung geplant wurde, allerdings ohne einen verbindlichen Ausführungstermin zu nennen.

 

  1. Aug. Anordnung zur Kontrolle der Hartungschen Badeanstalt (St.-A. Nr. 359)

Nach mehreren Klagen wegen einer unzureichende Befüllung der Wannen, wurde dem Badeinspektor befohlen, die Einhaltung der in der Badeordnung vom Dezember 1845 festgesetzten Füllmenge von 32 Kubikfuß (92 l) zu gewährleisten. 

 

  1. Aug. Antrag der Badeverwaltung bei der Thüringer Eisenbahngesellschaft (WEI RBD 12/1).

Backs, Kettner, Rosenberger, Schleicher und Müller baten den Vorstand um einen Zuschuss für die  Promenade, weil dadurch auch die Bahnhofswirtschaft besser frequentiert würde.

Außerdem baten sie um die kostenlose Überlassung eines Ausstichs auf der Kukulauer Wiese. Auch hier bildten sich im Sommer „schwefelwasserstoffhaltige Ausdünstungen“ wie beim Möllerschen Grundstück, was dem Handelsminister bei seinem Besuch unangenehm aufgefallen war. Man wolle den Ausstich als Teich herrichten, auf dem man gondeln kann und Schwäne leben können.  

 

  1. Sep. Anzeige der Badedirektion (St.-A. Nr. 356)

Dank der günstigen Witterung wurde Mitte des Monats mit der Weinlese begonnen, und somit könntein den letzten Tagen der Saison noch die Traubenkur anbieten.

 

  1. Sep. Gutachten des Salinenbaumeisters zum Solebassin (St.-A. Nr. 359)

Dr. Rosenberger hatte der Lokaldirektion die Anlage eines Solebadebassins auf der Radinsel empfohlen, um die beiden Wellenbäder zu entlasten. Den Kostenvoranschlag vom Dürrenberger Salinenbaumeister lehnte das Oberbergamt als zu hoch ab. Da die Zweckmäßigkeit aber unbestritten war, stellte man die Errichtung des Bassins im Zusammenhang mit der Erneuerung des oberen Wellenbades in Aussicht. 

 

  1. Sep. Geschäftsanzeige von August Furcht (NKB)

„Zu der auf die Tage des 26. bis 28. September festgesetzten Versammlung deutscher Realschullehrer in meinem Local bin ich vom Vorstand desselben ermächtigt, den Gönnern und Freunden dieser Anstalten anzuzeigen, daß sowohl die Sitzungen als auch das gemeinschaftliche Mittagessen öffentlich sind“. 

 

  1. Sep. Genehmigung der Marktordnung (St.-A. Nr. 401, 488)

Der Markt wurde immer für die nächste Saison bewilligt. Markttage waren der Dienstag und der Freitag von Tagesanbruch bis 11 Uhr. Den Händlern wurden die Standplätze vom Ortsgendarmen zugewiesen, der auch dafür zu sorgen hatte, dass die Buden und Tische bis Mittag abgebaut waren. Zugelassen waren „Nahrungsmittel, frisch, getrocknet, gebacken, eingelegt, kleinere vierfüßige Tiere (Kälber, Schafe, Schweine, Ziegen), Milch Butter, Käse, Fleisch, Wurstwaren, Eier, Heringe, Muscheln, Krebse, Fische (frisch, geräuchert, gesalzen) und alle übrigen Erzeugnisse der Land-und Forstwirtschaft und der verbundenen Gewerbe wie Holz, Steine, Schiefer und Viehfutter. Viktualienhändler, Höker und Zwischenhändler durften nicht vor 9 Uhr ihre Einkäufe tätigen. An den Markttagen war der Straßenhandel im Ort untersagt. Die Preise mussten angesagt werden und kamen in das Marktprotokoll.  Die  Landbäcker waren angehalten, das Gewicht einzuhalten und das Brot auszubacken, ebenso streng geregelt war der Verkauf von Butter. Verboten war der Verkauf gesundheitsschädlicher Produkte. Bei Zuwiderhandlungen  drohten bis zu 20 Taler Strafe. Die Veröffentlichung erfolgte im März 1853 im Naumburger Kreisblatt.

 

      Sep. Badelisten (NKB).

Insgesamt waren es 497 Einträge und 1.427 Einzelpersonen. Zunehmen kamen Gutsbesitzer, Handwerksmeister und Fabrikanten, aber auch der Adel und hohe Militärs war zahlreich  vertreten, wie General Exz. v. Jagow, die Gräfin von Hohenthal, der Kaiserl. Russ Oberst v. Oern mit Frau und Kind aus Warschau, der Justizrat beim Kgl. Obertribunal v. Gizycki mit Frau und Schwägerin Bianka von Stern-Gwiardowska aus Posen, die Baronin von Borcke-Heinrichsdorf, der Baron von Transchen mit Frau und Tochter aus Livland,  die Gräfin von Helldorf, Freifrau von Czetteritz-Neuhaus, Baronin v. Lynker, die Gattin des Berliner Polizeipräsidenten Hinckeldey,  der Kreisgerichtsdirektor Freiher von Manteufel-Genthin, die Freifrau von Libiszowska aus Rußland, der Gen.-Leutnant v. Hirschfeld-Stettin, die Baronin v. Troschke, die Fürstin Ostregowska-St. Petersburg aber auch ein Studiosus aus Christiansund in Norwegen und der Med.-Rat Dr. Staps aus Naumburg.

Von der Badedirektion wurden 11.960 Solebäder, 2.336 Wellenbäder und 174 Dampfbäder abgegeben.

 

  1. Okt. Erlass zur Wahl der II. Kammer des preuß. Landtages (NKB).

Kösen (1252 Einwohner nach der Zählung von 1849) gehörte mit Lengefeld (233) und Kreipitzsch (31) zum Wahlbezirk 2, Wahl-Kommissar war der Ortsrichter Schleicher, das Wahllokal die Teichgräbersche Restauration. Zur Wahl als Wahlmänner standen Dr. Rosenberger, Rittergutsbesitzer v. Schönburg, Mühlenbesitzer Roßner,  Bäcker Hämmerling, Bergrat Backs und Ortsrichter Schleicher.

 

  1. Okt. Verfügung des Oberbergamtes (St.-A 359).

Die Salinendirektion wurde angewiesen, die Kosten für das Solebassin und die Erneuerung der Wellenbäder in den Ökonomieplan 1854 aufzunehmen.

 

  1. Okt. Flächentausch am Jackenberg (BLK-A. Nr. 62).

Anstelle der Splitterflächen hatten nun die Pächter ausreichend große Flächen, die eine sinnvolle  Nutzung ermöglichten, allerdings gab es bei den Hutungsrechten noch keine Einigung.

 

  1. Dez. Jahresbericht der Badedirektion (St. A. Nr. 369)

Besonderes Augenmerk wurde inzwischen auch auf die „geselligen Vergnügungen“, gelegt, was sich durch das Sommertheater im Kuchengarten und den Veranstaltungen im  Furchtschen Kursaal merklich verbessert hatte. Letztere veranstaltete die Badedirektion, wo zu den Soireen und Bällen neben den Kurgästen auch anständige „hiesige Fräulein“ eingeladen wurden. An zwei Tagen in der Woche spielte hier die Badekapelle. Außerdem gab es kostenlose Konzerte in der Buchenhalle, auf der Rudelsburg, den Saalhäusern, der Katze und am Göttersitz. Bezüglich der wirtschaftlichen Verhältnisse wurde auf die Verfügung der Königl. Regierung hingewiesen, nach der die Veranlagung der Kurtaxe vereinfacht war und jede Familie ab 2 Personen 2 Taler und jede Einzelperson 1 Taler zahlte. Beklagt wurde die Belästigung durch die Hinterlassenschaften des Bahnbaus, sowie die noch ausstehende Verbesserungen der Anlagen wegen fehlender disponibler Mittel. 

 

  1. Dez. Antrag zur Preisreduzierung der Badesole (St.-A. Nr. 359)

Die Hartungsche Badeanstalt, inzwischen in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, hatte die Stundung der offenen Rechnungen und die kostenlose Lieferung der Badesole beantragt. Das lehnte die Badedirektion ab, befürwortete aber die Halbierung des Abgabepreises, allerdings auch bei den privaten Badewirten von 6 auf 3 Groschen für den Kubikfuß (31 l).

 

  1. Dez. Die Bahngesellschaft bewilligt einen Zuschuss zur Promenade (WEI RBD K12,1).

Bei einer Besichtigung überzeugte sich der Vertreter der Bahngesellschaft, dass die Anlage einer Promenade vor allem den Bahnreisenden zu Gute kam und bewilligte 100 Taler. Damit sollten insgesamt 134 Bäume gepflanzt werden.

 

              Gründung der „Kösener Vogelweiden“ (ADB Band 16).

Junge Germanisten aus Halle, Leipzig, Jena und Weimar aber auch aus der Schweiz trafen sich  während des Sommers auf der Rudelsburg zum Gedankenaustausch. Gründer war Franz Pfeiffer (1815-1868) der Verfasser der ersten systematischen Literaturgeschichte Deutschlands. Dem Verein gehörten außerdem an: der Germanist und Philologe Reinhold Bechstein (1833-1894) der Sohn von Ludwig Bechstein, der Germanist und Erzieher Rudolf Hildebrand (1824-1894), der Sprachwissenschaftler und Indogermanist August Schleicher (1821-1868), der Schriftsteller und Literaturhistoriker Robert Boxberger (1836-1890).  Alterspräsident war  der Literaturhistoriker August Koberstein. Die Treffen fanden bis 1868 statt.

 

            Zahlungsanweisung für Dornwellen (St.-A. Nr. 183). 

Die Saline hatte einen festen Lieferantenkreis für den Schwarzdorn. Bauern aus den umliegenden Dörfern nutzten dazu ihre Rain- und Feldgehölze. Aber sie mussten auch eine Kaution hinterlegen, für den Fall, dass sie die vereinbarten Menge nicht liefern konnten. Das Schock Wellen kostete 28 Silbergroschen.         

 

            Jahresbericht des Knappschaftsarztes (St.-A. Nr. 369)

Die Hartungsche Badeanstalt hatte 6.910 warme Solebäder für Erwachsene und 747 für Kinder abgegeben, im Durchschnitt der letzten drei Jahre wurden 8.060 kostenpflichtige Bäder an Fremde und 254 Freibäder für die Knappschaftsmitglieder und Ortsarme abgegebenn.

 

1853

 

  1. Jan. Gesuch Hartungs an das Handelsministerium (WER Rep F 23X Nr. 22 Bd. 3).

Carl Hartung wandte sich nun an das Ministerium, nachdem das OBA die  kostenlose Lieferung der Badesole abgelehnt hatte. Als Begründung gab er wirtschaftlichen Probleme an, die aus  der geringen Frequenz und die Konkurrenz der privaten Badewirte resultierten, deren Einrichtungen  trotz unzumutbarer Räumlichkeiten, vom Badepublikum bevorzugt wurden.

 

  1. Feb. Gemeindebeschluß zur Erhöhung des Schulgeldes (MER C 48 II b 2028 I)

Auf Drängen des Landrates wurde die Erhöhung des Schulgeldes auf 2 Taler/pro Schulkind mit 50 gegen 29 Stimmen beschlossen. Mehrheitlich stimmten die Familienväter dafür, die keine schulpflichtigen Kinder hatten und somit von der Erhöhung nicht betroffen waren.

 

  1. Feb. Gesuch der Badewirte beim OBA (WER Rep. F 23X Nr.22 Bd.3).

Die Badewirte Heun (Eckartsbergaer Str. 3), Senff (Lindenstr. 5), Gräser (Fr.-Ebert-Str. 1) u. Gräßner (Fr. Ebert-Str. 1) beantragten, ihnen den Preis für die Badesole von 6 auf 4 Pfennig zu zu ermäßigen. Als Begründung gaben sie  an , dass sie ihre Sole abholen müssen und somit gegenüber der Hartungschen Badeanstalt einen höheren Aufwand hätten. Würde keine Reduzierung erfolgten, wären sie gezwungen ihre Anstalten zu schließen, zum Nachteil des Bades.

 

  1. Mär. Antrag auf Terminänderung der Holzmesse (MER C 50 Naumburg A Nr. 75)

Wegen des anhaltenden Winters bat der Vorstand der Floßkommune Kahla um Verlegung der diesjährigen Holzmesse vom 10. März auf den 2. April, musste dann um eine weitere Verschiebung nachsuchen, andernfalls würde die Holzmesse abgesagt.

 

  1. Mär. Anlage einer Solefontäne am Gradierwerk (St.-A. Nr. 359)

Backs kannte derartige Vorichtungen von den Salinen in Elmen und Dürrenberg, mit denen Wirkung der Freiluftinhalation verbessert werden sollte. Den  erforderlichen Druck gewährte der Höhenunterschied zwischen dem Solebehälter auf dem Oberdeck und den Verstäubungsdüsen unterhalb der Gradierwand.

 

  1. Apr. Auszug aus dem Ökonomieplan der Badedirektion (BLK-A. St.-A. Nr. 359).

Entsprechend der Verfügung vom Oktober 1852 wurden die vom Salinenbaubeamten Oesterreich mit 480 Talern bezifferten Kosten für das Solebadebassin in den Ökonomieplan 1854 übernommen. Überzeugt hatte das Argument, dass die kalte Sole aus dem unteren Schacht medizinisch vorteilhafter und die beim Einlassen erzeugte Bewegung angenehmer sei als die der Wellenbäder. Backs verlangte, dass die Badezeiten auf den  Nachmittag gelegt werden, weil am Vormittag die privaten Badewirte ihre Sole empfingen und das Reservoir der Hartungschen Badeanstalt gefüllt wurde. Abschließend stellte er fest: „ob das hier ungewohnte Beisammensein mehrerer Personen in einem Bade Anklang finden wird, ist eine Frage die allerdings etwas problematisch erscheinen muß, wenn man die bei den Elmener Bassinbade gemachten nicht günstigen Erfahrungen berücksichtigt.“

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II , Nr. 5/4, St.-A. Nr. 359)

Die Vertreter des OBA erklärten, dass der Bau des Solebassins wegen der vergleichsweise geringen Inanspruchnahme des Bassins in der Saline  Elmen zurück gestellt wird. Backs meinte daraufhin,   dass Rosenberger die Anlage auch selbst finanzieren könnte, zumal er von der Wirksamkeit und der Frequenz überzeugt sei. Dagegen wurden 620 taler aus der Badekasse für die Sanierung der Wellenbäder genehmigt.

Als die Beamten die „Versuchsfontäne“ am Gradierwerk besichtigten, kam Backs in Erklärungsnot, weil er statt einer gleich sieben Fontänen angebracht hatte, und nun festgestellt wurde, dass die Anlage schon bei leichten Wind nicht funktionierte.

 

  1. Juni Eröffnung des TIVOLI-Theaters im Kuchengarten (NKB).

Die Spielkonzession galt für diese Saison, das finanzielle Risiko trug das „reisenden Ensemble“, dass auf reichlich Publikum und deren Eintrittsgeld angewiesen war. Ungünstige Witterung und ausbleibende Badegäste sorgten für ständige Existenznöte.

 

  1. Juli Gemeindeversammlung zum Schulwesen (MER C 48 II b 2028 I)

Um die ständigen Differenzen zu beseitigen, drängten der geistliche Inspektor und des Landrat auf eine neue, verbindliche Schulordnung, in der alle diesbezüglichen Dinge geregelt und von der Gemeinde beschlossen werden. Der Schulvorstand, bestehend  aus drei ständigen Mitgliedern (geistlicher Inspektor, Ortsrichter, Rektor) und drei Hausvätern mit schulpflichtigen Kindern (Maurergeselle H. Knabe, Seilermeister C. Schmidt, Bahnhofsinspektor Herbst) sollten die Schulordnung ausarbeiten.

 

  1. Juli Erklärung des Familien-Schulvereins (MER F 44 V Nr. 1)

„..Kgl. Reg. zu Merseburg hat nunmehr das von der Gemeinde Kösen entworfene neue Schulprojekt  wohlwollend  genehmigt  und hierauf gestützt wird sich nunmehr die bisherige  Familienschule zu Kösen freiwillig auflösen und ab Michaelis ihre Kinder der neu organisierten Gemeindeschule  einzuverleiben. Die hiesige Kgl. Salinen-Verwaltung hat  der Familienschule  eine lange Reihe von Jahren  hindurch die benötigten Lokalitäten überlassen. Indem wir nunmehr von Michaelis  die Lokalitäten der Kgl. Salinen-Verwaltung ehrerbietigst zur Disposition  zurückgeben, fühlen wir uns gleichzeitig Namens des gesammten Schulvereins verpflichtet, den innigsten und wärmsten Dank der Schule auszusprechen. Ebers, Herbst, Kühne“

 

  1. Juli Schreiben des Ortsrichters an Backs (MER F 44 V Nr. 1)

„Schon hinreichend ist bekannt, daß mit Michaelis die Organisation des hiesigen Gemeinde-Schulwesens beginnt, nach welchen sofort 3 Lehrklassen mit 3 Lehrern  einschl. eines Rektors eingerichtet werden, zu welchen Behufe die Gemeinde Kösen ein neues Schulhaus neben dem bisherigen alten Schulhaus erbauen muß. Die eigentliche  Bedürfnis erheischt es aber, daß die hiesige Gemeinde  einstweilen und bis  das neue Schulhaus fertig sein wird, für ein anderes Lokal  zu Schulstube und Wohnung  für den Rektor Sorge trage. Da nun die bisherige Familienschule mit Michaelis sich freiwillig auflöst, so richtet die Gemeinde Kösen an E. Hochwohlgeboren die ganz ergebenste Bitte, sie wollten der Gemeinde das von der Familienschule innegehabte Schullokal,  welches sich in den Räumen der Kgl. Saline befindet, ganz in derselben Weise und für denselben Mietzins hochgeneigtest bis dahin mietweise überlassen, bis, wo das neue Schulhaus  eingerichtet  werden kann, welcher Zeitraum nicht über Johannis n. J.  hinaus reichen wird. Es wird sich aber nicht vermeiden lassen, dass die Scheidewand, welche sich zwischen der ersten Klasse der jetzigen Familienschule und der Schlafkammer des 2. Lehrers  befindet, heraus genommen werde, um die Schulstube zur Aufnahme von 50 Kindern geeignet zu machen..“ Das Oberbergamt genehmigte den Antrag am 2. August.

 

  1. Sep. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen weilt auf der Rudelsburg (Heimatbuch 1930).

Ein Manöver in der Nähe von Roßbach nutzte der König zum Besuch der Landesschule. Mit einem  Sonderzug traf er am Fischhaus ein. Nach der Besichtigung der Schule ging es mit der Kutsche über die Saline zur Rudelsburg, wo er von den sächsischen Provinzialständen  empfangen wurde. Eigens dazu hatte man eine überdachte Halle auf dem  Burghof errichtet. Er wünschte dann den schon legendären „Samiel“ zu sehen und schrieb ins Gästebuch „Nach frohem Mahle auf der Ruine Rudelsburg“.

 

      Sep. Letzte Gästeliste  (NKB).

Es waren weniger Gäste als im Vorjahr, 457 Einträge, insgesamt 1.293 Einzelpersonen, darunter  Freiherr Marschall v. Bieberstein aus Dresden, der Attachè der Kaiserl. Russ. Gesandschaft v. Petersen, die Baroninnen v. Beulwitz-Dresden, v. Ende, v. Lüderitz, v. Waldow alle Berlin, v. Borcke-Halle,  Baron Mieselschitz-Berlin, Graf v. Hohenthal-Pückau, Graf v. d. Schulenburg,  Gen.-Major v. Buttlar, der Kaiserl. Russ. Kammersänger Lichnitzky-Weimar, der Hofschauspieler Höfler-Braunschweig, die Kgl. Kammermusiker Walpurger und Ronneburger aus Berlin sowie Franz-Dresden, Musikmeister Ihle-Köthen,  Tonkünstler Grabow-Leipzig, die Opernsängerinnen Mad. Devrient und Mad. Ghezzi aus Leipzig, sowie Frau v. Häseler-Dublin, Frau Kammergerichtspräsidentin Nicolovius-Berlin und Dr. Sybel, Custos der Kgl. Bibliothek Berlin.

 

  1. Sep. Ordnung der Gemeindeschule (MER C 48 II b 2028 I)

Die inzwischen rund 250 Kinder wurden drei Klassen geteilt, denen drei Lehrer vorstanden. Das Schulgeld für die unterste und mittelste Klasse betrug 2 Taler, in der oberen  Klasse richtete es sich nach der Klassensteuerveranlagung der Eltern, mindestens 2 höchstens 6 Taler jährlich. Das Schulgeld diente der Besoldung der Lehrer, reichte es nicht, verpflichtete sich die Gemeinde zur Übernahme des Restes. Für den Rektor wurden 300 Taler festgelegt, für den 2. Lehrer 150 Taler und für den 3. Lehrer 120 Taler. Alle hatten Anspruch auf eine kostenlose Dienstwohnung bzw. einen Mietzuschuss. Der Rektor sollte einen akademischen Grad haben und zusätzlich gegen Honorar Französisch und Lateinisch unterrichten. Neu eingeführt wurde der Handarbeitsunterricht für Mädchen. Dafür sollte eine Hilfslehrererin unter Aufsicht der Frauenvereine gewonnen werden. 

 

  1. Sep. Handelsminister v. d. Heydt lehnt die Finanzierung des Solebassins ab (St.-A. Nr. 359)

 

  1. Sep. Schreiben des Landrates an die Salinenverwaltung (MER F 44 V Nr. 1)

„Für die in Kösen stationierten Gendarmen hat sich schon oft der Übelstand  herausgestellt, daß  sie bei Wohnungsveränderungen nur mit großer Schwierigkeit eine andere Wohnung haben verlangen können, da die dasigen Hausbesitzer des größeren Gewinnes wegen und hierauf eingerichtet zum größten Teil  an die Badegäste vermieten. Auch der erst seit kurzem nach Kösen versetzte Gendarm Bila  befindet sich in gleicher Lage, da ihm die Miete gekündigt ist und es ihm trotz aller Mühe ungeachtet, nicht hat gelingen können zu seinem schon am 1. Okt. bevorstehenden  Auszuge, eine andere Wohnung zu erlangen. Derselbe hat mich daher gebeten, mich für ihn zu verwenden, daß ihm eine Wohnung auf der Saline zu Kösen, deren mehrere vorhanden und unbewohnt sind, überlassen werde und ich erlaube mir, sich wegen einer dem Gendarmen Bila  gegen billigen Zins zu überlassenden Mietwohnung  mit dem Kgl. Oberbergamt verständigen zu wollen“.

In gleicher Sache wurden auch das Distriktskommando der Gendarmerie-Brigade und die Kgl. Regierungsabteilung des Innern zu Merseburg vorstellig, zumal „es im hohen Grade wünschenswert, ja notwendig ist, daß ein Gendarm  in Kösen stationiert bleibt“ Doch Backs waren die Hände gebunden, denn die Vermietung von Dienstwohnungen an Fremde war verboten. 

 

    Okt. Einstellung eines 1. Lehrers (MER C 48 IIb 2028 I)

Weil sich kein ausreichend qualifizierter Rektor wegen des geringen Gehaltes fand, wurde die Stelle dem 1. Lehrer überlassen und die Oberaufsicht über die Lehrer wie bisher beim  geistlichen Inspektor belassen. Als erstes beschwerte sich der 1. Lehrer G. Maizier beim der Schulaufsicht, dass ihm die Gemeinde keine angemessene Wohnung zur verfügung stellen konnte. Daraufhin erfolgte eine Anweisung des Landrats den Gemeindevorstand jedoch nicht nachkam, worauf sich der Landrat an die Kgl. Regierung wandte. Erst im Juli 1855 stellte die Gemeinde dem 1. Lehrer eine Wohnung zur Verfügung.

 

  1. Nov. Dienstbesprechung im Teichgräberschen Lokal (NKB)

Der Landrat v. Danneil hatte alle Ortsrichter des Kreises zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Auch in den nächsten Jahren fanden die alljährlichen Informationsveranstatungen für die kreisangehörigen Dorfrichter im Teichgräberschen später Grötzenschen Saal statt.

 

             Vertrag mit dem Schiffahrtsverein Alsleben (MD C 76 I Nr. 509).

Das Salz wurde mit dem Fuhrwerk an die Unstrutmündung gebracht und dort auf die Lastkähne verladen.

 

1854

 

  1. Jan. Geschäftseröffnung der Struveschen Zimmerei (NKB).

 

  1. Mär. Vorladung eines Militärangehörigen (NKB)

Gesucht wurde der Reservist des 4. Artillerie-Regiments Franz Hippe aus Kösen, der sich der letzten Herbstmusterung durch Auswanderung entzogen hatte.

Die Musterungen der einzuziehenden Jahrgänge und der Reservisten der Landwehr fanden im Frühjahr und im Herbst des Jahres statt und wurden im Amtsblatt angekündigt. Am „Mutigen Ritter“ war einer der Sammelpunkte wo derartige Kontrollen stattfanden.  

 

  1. Mär. Gründung eines Sparvereins des Gemeindekirchenrats Kösen-Pforta (NKB)

Entsprechend der Ankündigung hatte man die bisher gezeichneten Beiträge eingesammelt und in einem Kirchenbaufond angelegt. Der Sparverein diente dazu weitere kapitalerträge aus angelgten Geldern, dem Kirchebaufond zuzuführen. Zum Rendanten wurde der Gendarm Hering gewählt.

 

  1. Mär. Frühlingskonzerte (NKB).

In der Bahnhofswirtschaft spielte die Kapelle des Königl. 4. Artillerieregiments, August Furcht lud zum Extra-Konzert in den Kursaal und bei Samiel auf der Rudelsburg spielte eine Militärkapelle.

 

      Mär. „Die Umgebung von Kösen“  ein Leserbrief (NKB)

Der Verfasser lobte die von der Badedirektion geschaffenen Annehmlichkeiten, wie Wege, Ruhebänke und Aussichtspunkte im Ort. Allerdings fehlten schattenspendende Bäume an den Wegen zur Buchenhalle, der Fränkenauer Hohle und dem Nicolausberg. Die Badedirektion wies darauf hin, dass jegliche Veränderung von den jeweiligen Eigentümern und Pächtern genehmigt werden muss.  

 

  1. Mär. Anordnung des OBA wegen der Vermietung von Wohnungen (MER F 44 V Nr. 1)

„In Folge eines an den unterzeichnten Berghauptmann gerichteten Reskripts des Hr. Bergrat Backs wonach es zulässig erscheint, auf das wiederholt vorgebrachte Gesuch des dortigen Gendarmen a. D. Hering, ihm  eine Wohnung auf der Saline zu überlassen, einzugehen, indem der gegenwärtig auf der Saline Artern fungierende Buchhalter Böttger seine Wohnung in Kösen  einstweilen dem Sekretär Kolbe und dieser die seinige eben dem Kassendiener Thielitz überlassen habe, wodurch die Wohnung des Letzteren disponibel werde, eröffnen wir der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß das eben gedachte Arrangement lediglich Privatsache zwischen den Wohnungs-Inhabern ist, wodurch ihre Berechtigung zum Wiederbezug der einem jeden derselben angewiesenen Dienstwohnungen nicht beeinträchtigt werden kann und daher in Anspruch genommen werden muß, solbald  der Böttger in seine dortige Funktion wieder erfolgt (.) Will daher der Hering auf die Gefahr hin die Thielitzsche Wohnung zu ungewöhnlicher Zeit wieder räumen zu müssen,  dennoch von derselben Gebrauch machen, so wollen wir dies ausnahmsweise  gestatten“. Damit war eine Lösung gefunden. Bilas der neue Gendarm übernahm die Wohnung seines Vorgängers.  

 

  1. Mär. Kehrregulativ für die Ortschaften des Landkreises (NKB)

Seit 1843 gehörten zum Kehrbezirk des Schornsteinfegermeister Spiller aus Kösen 29 Ortschaften zwischen Abtlöbnitz und Zäckwar. Mit der Anordnung wurde die Anzahl der Reinigungen und die Tarife festgelegt. Demnach wurde bei Wohnhäusern dreimal im Jahr gekehrt, Brauereien und Brennereien aller zwei Wochen, verschiedene Handwerksbetriebe aller vier Wochen. Ausnahmen bildeten die Bade- und Sommerwohnungen in Kösen, wo nur eine Reinigung im Jahr vorgeschrieben war.

 

  1. Apr. Genehmigung zur Erneuerung des oberen Wellenbades (St.-A. Nr. 359)

Die Ankleidekabine sollte nun am rechten Ufer des Kunstgerinnes auf stabilen Fundamenten errichtet werden,  wobei die veranschlagten  Kosten einzuhalten waren.

 

  1. Apr. Kozession für den Barbier Haack (NKB)

„Dem Barbier J. F. E. Haack in Kösen ist nach bestandener Prüfung  die Konzession zur Ausübung der niederen Chirurgie  von der Kgl. Regierung  erteilt worden.“

 

  1. Apr. Abschiedskonzert im Kursaal (NKB).

August Furcht übernahm das Geschäft seines verstorbenen Vaters in Naumburg und verpachtete den Kursaal an Wilhelm Rest. Der hatte inzwischen auch den „Kuchengarten“ gepachtet und so in der Lage Veranstaltungen die bei ungünstiger Witterung ausfielen in den Kursaal zu verlegen.

 

  1. Apr. Antrag Rosenbergers zum Bau des Solebassins (St.-A. Nr. 359).

Der schrieb dem Handelsministerium „Ich bin bei aller Beschränktheit meiner pecuniären Hilfsmittel gern bereit, es auf meine eignen Kosten in einer dem Bedürfniß entsprechenden Weise auszuführen“.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

 

  1. Mai Stellungnahme der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

Backs erklärte, dass wenn Rosenberger die Kosten und das Risiko trage, er keine Bedenken habe, bei der Azusführung sollte aber der Neubau des Ankleidekabinetts für das Wellenbad berücksichtigt werden. 

 

  1. Juni Sängertag des Sängerkreises an der Saale (NKB)

250 Teilnehmer aus Halle, Schkeuditz, Merseburg, Weißenfels, Hohenmölsen, Zeitz und Naumburg, die mit dem Frühzug eintrafen, zogen über eine eigens für diesen Zweck gebaute Floßbrücke über die Saale zur Rudelsburg.

 

  1. Juni Verfügung des Handelsministeriums (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 3, St.-A. Nr. 359)

Rosenberger erhielt die Erlaubnis zum Bau des Solebassins, unter folgenden Maßgaben 1.) das projektierte Bad darf nur an einem von der Lokalverwaltung zugewiesenen Platz  am linken Ufer am oberen Kunstgrabens angelegt werden 2.) Die Fassade hat im Einklang mit der neuen Ankleidekabine des Wellenbad zu stehen, 3.) Die Solelieferung erfolgt nur, wenn die übrigen Abnehmer keine Sole abholen, nötigenfalls ist ein Reservoir anzulegen 4.) Bedienung und deren Bezahlung hat der Antragsteller zu übernehmen 5.) der Soleverbrauch muss durch die Lokalbeamten kontrolliert werden, 6.) falls die Saline den Platz benötigt, ist das Bassin wieder zu entfernen. In Anbetracht der fortgeschrittenen Saison wurde ihm ein Provisorium genehmigt, was Rosenberger wegen der Kosten ablehnte und die Anlage in Angriff nahm.

 

  1. Juli Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Angemerkt wurde, dass ein  Hochwasser die laufende Sanierung des Wehrdammes stark behindert.

 

  1. Juli Musikalisch-deklamatorische Abend (NKB).

Den gestalteten „bisherige Mitglieder des TIVOLI-Theaters“ und das „Bademusikcorps“ im Restschen Kursaal. W. Rest hatte die Eröffnung des TIVOLI-Theaters im Kuchengarten für den 4.  Juli angekündigt, aber das Ensemble hatte sich aufgelöst.

Für den 23. Juli wurde dann ein „Italienisches Gartenfest im TIVOLI-Theater“ angekündigt. Hierzu  versprach der Theater-Unternehmer v. d. Osten „jeder der auf dem Bahnhof zu Kösen ein Billett löst, erhält das Recht mit einem Extrazug  nachts 12 1/2 Uhr  frei nach Naumburg zurück zu fahren“, allerdings nur, wenn die Veranstaltung zahlreich besucht wird, damit die Kosten für den Sonderzug  gedeckt sind.

 

  1. Juli Beschwerde eines Besuchers (NKB)

Zunächst hatte ihm der Wirt vom „Mutigen Ritter“ein Fuhrwerk nach Naumburg verweigert, dann fand er keine Übernachtungsmöglichkeit und ein anderer Fuhrmann, verlangte dann einen recht hohen Preis, was er hiermit „allen Badegästen und Reisenden zur gefälligen Nachricht und Warnung“ geben wollte.

 

  1. Aug. Fahrplanänderungen (NKB)

Zwischen Kösen und Weißenfels verkehrten täglich 3 Personenzüge, in der Gegenrichtung 4.

 

      Aug. Chemische Analyse des Dornsteins der Versuchsgradierung (MER F 44 IV 13b)

Dazu hatte Lindig, der Chemiker der Saline Dürrenberg den Dornstein der vier Gradierfälle vollständig aufgelöst und das Mengenverhältnis der extrahierten Bestandteile Kieselerde, Eisenoxyd, kohlensaure Kalkerde, schwefelsaue Kalkerde, schwefelsaures Kali, Chlor-Kalium und Chlor-Natrium bestimmt. Dabei überwog der schwefelsaue Kalk (Gips) mit 75 und 78 %, die übrigen Bestandteile machten in der Summe lediglich 2 Prozent aus, der Rest war gebundenes Wasser. 

 

  1. Sep. Anzeige zur Eröffnung des Sole-Badebassins (NKB)

Die Anlage hatte einen Durchmesser von 10 Fuß (3,1 m) und einer Tiefe von 3 Fuß (1,0 m). Im Abonnement kostete ein Bad 5 Sgr. 2 Personen erhielten eine Ermäßigung. Die Inanspruchnahme von Reizstrom kostete 2 ½ Sgr. extra. Die Badezeit einschl. An- und Auskleiden war auf ½ Stunde begrenzt. 

 

  1. Sep. Benefizkonzert der Badedirektion (NKB).

Die Veranstaltung brachte 98 Taler für die Hochwassergeschädigten in den schlesischen Provinzen.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB, St.-A. Nr. 583).

Insgesamt gab es 458 Einträge. Unter den Gästen  waren Dr. phil. Schilling, Konservator des Kgl. Zool. Museums in Greifswald, der Historiker und einer der „Göttinger Sieben“ Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860), Graf Sternberg-Landschütz, Gräfin Ehrengard von der Schulenburg-Bodendorf, Gräfin Mons-Halle, Baron v. d. Goltz, Baron v. Borcke-Halle, Baronin v. Kessler-Weimar, v. Kettler-Berlin, v. Bissing-Görlitz, der Kgl. Schwed. Konsul Wahl, der Kammerherr Graf v. Scheel aus Kopenhagen, der Kaiserl. Russ. Staatsrat v. Tscherbinin-St. Petersburg, der Adjudant des Großherzogs von Weimar v. Rocheid, zum wiederholten Mal der Kaiserl. Russ. Hofsänger B. Lichnitzky, preußische und sächsische Militärs wie die Generäle v. Diericke, von Schulz, v. Corvin-Wiersbitzki, v. Strotha, v. Gagern, Wurmb von Zink und v. Buddenbrook, die Oberstleutnante v. Winterfeld-Potsdam, Schmidt-Charlottenburg, Freiherr v. Feilitzsch-Hof, Oberst Baron v. d. Goltz,  Hauptmann Baron Miesitschek, der Hofschauspieler Grua-Berlin, Prof. Dr. Braunhardt-Arnstadt, Prof. Dr. Weller-Leipzig, Prof. Grunis-Berlin,  Obertribunalrat Heinsius-Berlin, Dr. phil. Petris-Athen.

 

  1. Okt. Bericht Rosenbergers über das Solebassin (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd 3, St.-.A. Nr. 359).

Weil die Fertigstellung mit dem Saisonende zusammenfiel, konnte die Anlage nicht praktisch erprobt werden. Dennoch pries Rosenberger die Schönheit und Zweckmäßigkeit der Anlage. Aus der beigefügten Skizze geht hervor, dass man von einem Aus- und Ankleidekabinett über eine Treppe in das Bassin gelangte. Daneben stand ein „magneto-elektrischen Motor“ der über eine Transmission vom Wasserrad angetrieben wurde .

In seinem Bericht, der kurz darauf folgte meinte Backs, dass der Betrieb der Wellenbäder wesentlich publikumswirksamer und einträglicher sei. Außerdem bemängelte er die unsolide Ausführung des Bassins. Wegen der auslaufenden Sole würden die auf der Radinsel angepflanzten  Bäume eingehen. Daraufhin wurde Rosenberger angewiesen, das Bassin im kommenden Jahr am linken Ufer des Kunstgrabens am Ende der großen Radinsel aufzustellen und Backs sollte dies kontrollieren.

 

              Zugunglück auf dem Bahnhof  (Hoppe, Heimatbuch 1930).

Der Zusammenstoß zweier Züge bei dem es beim Sachschaden blieb, entfachte die Diskussion über das noch junge Verkehrsmittel.

 

              Jahresbericht Dr. Rosenbergers (BLK-A.)

In den Listen der Badedirektion waren 1.195 Badegäste erfasst, 899 aus Preußen, davon  368 Berliner. 3.695 Sole-, Wellen- und Dampfbäder rechnete die Badedirektion ab. Die Hartungsche Badeanstalt verzeichnete 8.019 Bäder (6.369 Erwachsene, 994 Kinder, 324 für die Knappschaft und Arme, sowie 329 Wasserbäder). Rund 84.000 Kubikfuß Sole wurden abgegeben, davon erhielt die Hartungsche Badeanstalt 64.000 Kubikfuß, die Heunsche Anstalt  5.700 und die Rosenbergerschen Badeanstalt 3.300 Kubikfuß.

 

1855   

 

  1. Jan. Antrag für einen Wohltätigkeitsbasar (MER C 50 Nbg. A. Nr. 484)

Die Damen W. Backs, G. Haun, A. Parreidt, A. Senff und J. Rosenberger wollten im Restschen Kursaal zum Wohle der Armen eine „Verloosung“ durchführen.

 

  1. Feb. Unterstützungsgesuch für bedürftige Einwohner (MER C 50 Nbg. A. Nr. 484)

In Anbetracht von Teuerung und Arbeitslosigkeit beantragte der Landrat bei der Kgl. Regierung, 100 Taler aus der Armenkasse zum Kauf von Brot, Mehl und Kartoffeln.

 

  1. Apr. Bericht des Berghauptmannes von Decken (WER Rep F 23 II Nr. 20)

Im Auftrag des preuß. Staatsministers v. d. Heydt hatte v. Decken die Salinen des Distriktes bereist und dem Handelsministerium und vorgeschlagen, hier eine Bohrung auf Steinsalzlager niederzubringen. Falls man das Lager treffen würde, sollte sogar eine Soleleitung bis nach Dürrenberg entlang der Bahn oder der Saale verlegt werden. Drei Wochen später genehmigte der  Minister die Bohrung auf der großen Radinsel. Der Antrieb für den Bohrmeißel sollte über die  obere Wasserkunst  erfolgen. Um die laufende Produktion nicht einzuschränken sollte nur gebohrt werden, wenn keine Sole gefördert wird. Backs veranschlagte für 1855 4700 Taler und für 1856 4150 Taler und orderte gleichzeitig einen Bohrturm.

 

  1. Mai Eröffnung des „Kuchengartens“ (NKB)

Der Pächter Wilhelm Rest lud gemeinsam mit dem Naumburger Musikdirektor Fuckel zur „Italienischen Nacht“ein.

 

  1. Mai Kongress des HKSCV (Handbuch KSCV).

Der Einladung folgten die SC von Gießen, Halle, Heidelberg, Jena, Marburg und Leipzig, die sich  vereinigten und sich eine Geschäftsordnung gaben. Noch im gleichen Jahr traten die SC von Berlin, Breslau, Freiburg und Greifswald dem Verband bei. 

 

  1. Juni Einführung einer Straßenordnung (St.-A.).

Den Hauseigentümern wurde die regelmäßige Sauberhaltung der Fußwege und Fahrbahnen vor ihrem Anwesen sowie die tägliche Reinigung der Gosse und die Abdeckung der Dünger-, Abfall- und Senkgruben zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen auferlegt.

 

  1. Juni Anfrage der Badedirektion bei der Kgl. Regierung zu Merseburg (St.-A).

Weil sich einige Badegäste weigerten, die Kurtaxe zu entrichten und es sich dabei um namhafte  und gutbetuchte Berliner handelte, versicherte sich die Badedirektion der  Rückendeckung, um die Zahlungsunwilligen zur Zahlung zu zwingen.

 

  1. Juni Bergrat Backs begeht sein 50jähriges Dienstjubiläum (Autograph St.-A. Nr. 25).

Dazu hatten sich zahlreiche Gratulanten eingefunden, wie der Oberregierungsrat für das Berg- und Hüttenwesen, der Chef des Königl. Oberbergamts und und der Meister der Freimaurerloge „St. Johannis - Zu den drei weißen Felsen“. Mit den besonderen Wünschen des Handelsministers v. d. Heydt wurde Backs der Rote Adlerorden verliehen.

 

  1. Juni Entwurf der Statuten des Knappschaftsvereins (MER F 44 XIV)

Die oberste Bergbehörde hatte eine Neuregelung des Knappschaftswesens insbesondere der Kassenangelegenheiten angeordnet und Backs wurde vom Oberbergamt angewiesen, einen Entwurf unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten des Kösener Werkes und der Mertendorfer Grube anzufertigen und zur Genehmigung einzureichen. Sein erster Entwurf umfasste über 90 Paragrafen. Einleitend heißt es:

„Die bisher die Knappschaftsverhältnisse der Saline Kösen mit zugehöriger Grube regelnden beiden Institute, nämlich das Knappschaftsinstitut v. 16 Okt. 1823, das Witwen und Waisen-Institut vom 25. März 1824 werden zu einem einzigen Verein, dem Kösener Knappschaftsverein  verbunden. Derselbe hat seinen Sitz in Kösen und umfaßt  die bei der Saline Kösen und bei den auf Rechnung derselben betriebene Gruben beschäftigten Unterbeamten und Arbeiter.

Diese innerhalb des Vereins stehenden Unterbeamten und Arbeiter zerfallen in zwei Klassen und zwar ständige Arbeiter, sind diejenigen, welche sich der Salinen- bzw. Bergarbeit ausschließlich widmen, sich zur Treue und zum Gehorsam durch Handschlag an Eidestatt verpflichtet haben, in die Knappschaftsrolle eingetragen und mit einem Pflichtschein versehen sind. Unständige Arbeiter hingegen sind diejenigen Salinen-  und Bergarbeiter,  welche nach dem jedesmaligen Bedürfnis nur  zur vorübergehenden Arbeit angenommen und so auch wieder entlassen werden (.) Maurer, Zimmerleute und sonstige Handwerker, wohin jedoch die in der Pfannenschmiede konstant beschäftigten  Arbeiter nicht gehören, sind von  dem Verein ausgeschlossen.“

Dem Verein beitreten mußte aber jeder, wobei die Interimsarbeiter obwohl sie Beitrag zahlten weniger Ansprüche hatte. Beitrittsvoraussetzungen waren 1 Jahr Arbeit auf der Saline ohne Vorkommnisse und ein Attest des Knappschaftsarztes.

Die Knappschaftsmitglieder hatten nach ihrem Monatslohn 8 bis 12, 12 bis 16, 16 bis 20 und über 20 Taler im Verhältnis 10 :14:18:24 ihren Beitrag vom Wochenlohn zu entrichten. Wer 50 Jahre lang Beiträge gezahlt hatte wurde beitragsfrei gestellt. Die unständigen Arbeiter zahlten 6 Pfennige von jedem verdienten Taler.  

 

  1. Juli Dienstanweisung für die Salinenbeamten (MER F 44 A I)

„Es ist keinem Beamten oder Unterbeamten gestattet, bei den Salinen oder Gruben in Lohn und Arbeit Stehenden in seinem Privatinteresse, möge es in oder außer der Schichtzeit sein, zu beschäftigen“. Zu den Unterbeamten zählten der Kassenrendant Freund, der Buchhalter und Materialverwalter Kühne, der Kohlenaufseher Hübner, Kunstmeister Dönicke, Maurermeister Werner, die Gradiermeister Zedel und Törpsch, Siedemeister Quarg, Salzausgeber Wolf und  Schmiedemeister Lauenroth.

 

  1. Juli Verzeichnis der schulpflichtigen Kinder von Knappschaftsangehörigen (MER F 44 XIV 1)

In Kösen waren es 40 Kinder von 18 Arbeiterfamilien und 5 Waisen, die die Klassen I bis III besuchten. Das Schulgeld betrug i. d. R. 2 Taler/Kind/Jahr, außerdem wurden jährlich 1 Sgr.  Tintengeld und 2 ½ Sgr. Einschreibegebühr erhoben..

 

  1. Aug. Amtliche Bekanntmachung zur Brennholzflöße (NKB)

Für die Weiterführung der fiskalischen Holzplätze an der unteren Saale bis Merseburg  wurden private Unternehmer gesucht.

 

  1. Aug. „Warnung vor Kösen“ ein Gedicht eines verliebten Badegastes (NTB)

Geh nicht in`s Bad nach Kösen – dort wirdst Du nicht genesen

Du wirst noch mehr erkranken – an mancher tiefen Wund

Die Wälder sind so wonnig – sie bringen Dir kein Glück

Mußt Dus sie einst verlassen – sehnst Du Dich zurück

Das Tal, die alten Burgen – sie sind nur allzu schön

 Sie werden des nachts in Träumen – still winkend vor Dir stehn

Und in der lieblichen Saale – da wohnt eine schöne Fei

Die wirst Du lieben müssen – dann ist`s mit Dir vorbei

Drum geh mir nicht nach Kösen – Du wirst dort nicht gesund

Du wirst noch mehr erkranken – an einer tiefen Wund`.

 

  1. Aug. Genehmigung der Speise- und Getränkekarten (St.-A. Nr. 305).

Die Preise der in den Gasthöfen und Restaurationen angebotenen Speisen und Getränke mussten beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht und öffentlich ausgehängt werden. Wer dem nicht nachkam, verlor die Konzession.  Teichgräbers Speisekarte für das „Waldschlösschen“ sah nur kalte Speisen vor, wie Butterbrot wahlweise belegt mit Schinken, Zervelat-, Zungen-, Leber- oder Rotwurst, Schweinesülze, Hering und deutschen Käse.

 

  1. Sep. Erlass zur Abgeordnetenwahl der 2. Kammer des preuß Landtages (NKB).

Kösen (1.361 Einwohner 1852) und Lengefeld (239 Einwohner) bildeten den Wahlkreis 2. Wahlkommissar war Ortsrichter Schleicher, sein Stellvertreter der Lengefelder Ortsrichter, das  Wahllokal war wieder im Teichgräberschen Saal.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Demnach ging die Generalsanierung des Wehrdammes dem Ende entgegen. Das Salinengelände war inzwischen eingezäunt. Im kommenden Jahr sollten in den Siedeherden Treppenroste eigebaut und die Essen erhöht werden, damit man auch den Kohlenbruch verbrennen konnte. Die Kosten  wurden von der Abt. Bauwesen des preuß. Ministeriums für Handel und Gewerbe am 22. November genehmigt.

 

      Sep. Badeliste zum Ende der Badesaison (NKB).

Diesmal waren es 1.252 Einzelpersonen (429 Einträge). Zu den Gästen gehörten Med.-Rat Dr. Staps-Naumburg, RentierWideloff-Amerika, der Kgl. Sächs. Hofschauspieler Davison mit Familie aus Dresden, Freiherr v. d. Recke -Berlin, die Gräfin v. d. Schulenburg-Wolfsburg, Oberst.-Ltn. Schrötter-Berlin, Baronin und Baron Oberst v. d. Goltz-Berlin, Oberst.-Ltn. v. Wallmouth-Halle, der Telegrafen-Fabrikant Halske-Berlin, Gen.-Ltn. v. Gagern-Berlin, die Hofsängerin Frl. Marquardt, die Hofschauspieler Blume-Berlin und Heine-Dresden, der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Witzleben mit seinen Söhnen Ltn. v. Witzleben-Berlin und Major v. Witzleben-Charlottenburg, die Gräfin v. Harrach-Groß-Jägersdorf, Oberst.-Ltn. Freiherr v. Feilitzsch-Mißlareuth, Prof. Dr. Bohlz-Göttingen, Prof. Kannegießer, Sanitätsrat Dr. Thümmel-Berlin, Oberst v. Watzdorf-Weimar, Oberst.-Ltn. Schober-Frankfurt und der Geh. Reg.-Rat Schirrmeister-Gumbinnen, 

 

  1. Sep. Einrichten der Bohrgrube auf der Radinsel (WER Rep. F 23 II).

Bevor die eigentliche Bohrung begann, wurde eine Arbeitsgrube von 3 x 2 Metern unmittelbar neben der oberen Radkunst abgeteuft und die Grubenwände verzimmert. Das Grundwasser wurde mittels Handpumpen gewältigt. Während der Bohrturm aus Erfurt kam, lieferte die Gräflich-StollbergischenMaschinenfabrik zu Magdeburg die Bohrmaschinerie.

  1. Sep. Teufe 13 Fuß (ca. 4m): „Das Pumpen beginnt schon um 4 Uhr früh, um den Schacht beim Anfange der Schicht gesumpft zu haben, womit 10 Mann beschäftigt sind.“
  2. Sep. Teufe 14 Fuß. „ Jede Pumpe ist mit 5 Mann unter Ablösung belegt, also 20 Mann, die Zuflüsse (an Wasser) betragen im Durchschnitt 12 ½ Cubicfuß pro Minute.“
  3. Okt. Teufe 18 Fuß. „Durch Belegung der Pumpen mit 28 Mann incl. Ablösung wird der Schacht gesumpft und damit der Zufluss von 16 Cubicfuß (480 l) pro Minute gehalten.“
  4. Okt. Der Schacht ist auf 7 m gebracht, abgedichtet und verzimmert. Jetzt wurde der Bohrturm aufgebaut, der Schlagbohrer aufgesetzt und mit dem Wasserrad verbunden.
  5. Dez. Der Bohrung wird angesetzt und erreicht Ende des Monats 90 Fuß, ca. 30 Meter Tiefe.

 

  1. Okt. Angebotsabgabe zur „Chaussierung der Cocturhofstraße“ (NKB).

Das Salzamt schrieb die Lieferung von 30 Schachtruten (133 m³) „gute Pflastersteine und 94  Schachtruten (418 m³) „gerollter und ungerollter“ Kies mindestbietend aus.

 

1856

 

  1. Jan. Gutachten des Reg.-Baurats Haupt zur Scheitholzflöße (MER. C48 IIIb Nr. 5523).

Nach der Einstellung der fiskalischen Holzplätze sollte auch die ungebundenen Flöße über die Unstrutmündung hinaus zum Schutz der Schifffahrt und der Wasserbauwerke komplett eingestellt werden.  Statt dessen sollte das Scheitholz am Unterneusulzaer Rechen ausgeschleppt und auf die Bahn verladen werden.

 

  1. Feb. Schreiben des Landrates an die Salinen-Verwaltung (MER F44 V Nr. 1)

„Gestützt auf den § 11 der Straßenordnung für Kösen habe ich die Beseitigung der Nutzholzablagerungen in den Straßen und öffentlichen Plätzen des Ortes angeordnet. Die Gebrüder Friedrich und Christian Krüger daselbst sind hiergegen bei der Kgl. Regierung vorstellig geworden, indem sie unter anderen behaupten, daß ihnen zu dem gedachten Behufe seitens der Kgl. Salinen.-Verwaltung der Platz zwischen der Brücke über die große Saale und  derjenigen über die kleine Saale überlassen worden sei, so daß die Durchführung meiner Anordnung  hinsichtlich dieses Platzes durch Privatrechts-Rücksichten ausgeschlossen wäre..“.

 

  1. Jan. Genehmigung des Knappschaftsstatuts (MER F 44 XIV 1)

„..eröffnen wir der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß der Hr. Minister Exz. sich damit einverstanden erklärt hat, daß die dortige Witwen- und Waisen-Kasse mit der Knappschaftskasse vereinigt und  das Kapital-Vermögen der erstern  der letztern überwiesen werde, so wie, daß den in Betreff  dieser Vereinigung ausgesprochenen Wünschen der bisher bei der Witwen- und Waisenkasse Beteiligten  soweit es die Verhältnisse gestatten, gewillfahrt worden ist. Anliegend erhält die Kgl. Salinen-Verwaltung Abschrift des  Statuten-Entwurfs für den dortigen Knappschaftsverein, wie derselbe  von dem Herrn Minister vorläufig genehmigt worden ist, zur Kenntnisnahme und mit dem Bemerken zugefertigt, daß das Kgl. Bergamt zu Eisleben von uns veranlaßt worden ist, die Wahlen  der Arbeitervertreter anzuordnen und  demnächst weiter zu verfahren..“.

Der vom Minister genehmigte Entwurf war nun auf 76 Paragrafen begrenzt worden.

 

  1. Feb Annahme des Statuts (MER F 44 XIV 1)

„Am heutigen Tage waren die Mitglieder der hiesigen und Mertendorfer Knappschaft auf vorgängige Vorladung der unterzeichneten Knappschafts-Ältesten versammelt, um mit dem Entwurf zum Statut des Kösener Knappschaft-Vereins bekannt gemacht zu werden. Den sämtlichen anwesenden Mitgliedern wurde das Statut laut und deutlich vorgelesen und die einzelnen Paragraphen wo nötig  erläutert. Auf Befragen fanden sich sämtliche  Anwesende  mit dem Inhalte einverstanden und da ein mehreres nicht zu verhandeln war, zum Zeichen der Genehmigung von den selben eigenhändig unterschrieben..“,

 

  1. Mär. Kassenbericht des Sparvereins der Kirchengemeinde (NKB).

Der Kassenbestand betrug 1.150 Taler. Doch davon konnte man keine Kirche bauen. Da vor allem die ärmeren Fmilien wegen der derzeitigen Teuerung kaum etwas gaben, wurde um die zeichnung weiterer Einlage ab 1 Silbergroschen beim Rendanten Gendarm Hering gebeten.

 

  1. Mär. Erlass zur Saaleflöße (NTB)

In Ergänzung zum Regulativ vom März 1838 wurde das Flößen von Eichenstämmen bei 5 Taler Strafe untersagt.

 

  1. Mär. Eröffnung der Bahnstrecke Korbetha-Leipzig (NKB)

Damit waren das sächsische Zentrum direkt an die Thüringische Bahn angeschlossen.

 

27- Mär. Mitteilung des OBA wegen der Knappschaftskasse (MER F 44 XIV 1)

„Bei der bevorstehenden Reorganisation des dortigen Knappschaftswesens und der damit verbundenen Aufhebung der Witwen- und Waisen-Kasse ist es wünschenswert, daß das Vermögen  dieser Letzteren möglichst in seinem wahren Aktiv-Bestand  dem künftigen  Knappschafts-Vorstande  übergeben und daß daher die Äquivalenz-Gelder, welche das neue Statut nicht kennt, den  Mitgliedern des  Witwen und Waisen Instituts  bereits vor der Übergabe zurückgezahlt werden. Die Vorbereitungen dazu, namentlich die Einziehung der erforderlichen Kapitalien, werden eine längere Zeit beanspruchen und veranlassen wir daher Kgl. Salinenverwaltung mit demselben so weit es ihr erforderlich scheint, schon jetzt zu  beginnen...“

Nach Backs Aufstellung gehörten 45 Salinenarbeiter und 17 Bergleute zum Witwen-und Waisen-Institut.  Von denen waren aber nur 8 bereit, sich ihre Äquivalenzgelder noch vor der Übergabe der Kasse auszahlen zu lassen.

 

  1. Mär. Die Bohrung erreicht 350 Fuß, d.s. ca. 115 m (WER Rep F 23 II).

Das Bohrloch wurde aufgebohrt und verrohrt.

 

  1. Apr. Saisoneröffnung von Teichgräbers „Waldschlößchen“ (NTB)

 

  1. Apr. Kabinettsorder zum Antrag der Hartungschen Badeanstalt.

Kronprinz Wilhelm genehmigte die Herabsetzung des Solepreises auf 1 Pfennig für den Kubikfuß.

 

  1. Apr. Amtliche Bekanntmachung zum Wochenmarkt (NTB)

Der begann am 2. Mai und ging bis September, jeweils am Dienstag und Freitag von Tagesanbruch bis 1 ½ Uhr mittags. An diesen Tagen durften keine Waren, die auf dem Markt zu haben waren von Hökern oder Wanderhändlern im Ort angeboten werden.

 

  1. Apr. Mitteilung des Oberpräsidenten zur Verbreiterung der Brücke (St.-A. Nr. 550)

Vorgesehen waren 5 Ausweichbuchten sog. Rondeaus über den Brückenpfeilern, wo sich die Passanten vor den Fuhrwerken in Sicherheit bringen konnten. Eine einseitige Verbreiterung wurde aus Kostengründen aber auch wegen der damit verbundenen Beeinträchtigung „des Eindruckes, welchen die eigentümliche Architektur der Brücke macht“ abgelehnt.

Darüber hinaus wurde der Badedirektion mitgeteilt, dass im Spätsommer mit dem Bau einer Unterführung unter dem Chausseedamm begonnen wird. 

Beim Bau des Dammes 1825/27 war noch absehbar, dass auf dem nördlich davon liegenden  Gasthoffeld ein ganzer Ortsteil entstehen würde. Um zu den Saalhäusern zu kommen, reichte der von der Brücke am Floßhaus entlang gehende Fahrweg völlig aus.  Beim Bau der Bahn wurde dieser Weg verlegt und ging nun zwischen dem Heunschen Badehaus und dem Haus des Postmeisters Müller unterhalb der Ilske zur Saale. Für Fußgänger gab es einen  kleinen Tunnel gegenüber vom Bennemannschen Anwesen (An der Brücke 2). Dann wurde binnen weniger Jahre das gesamte ehemalige Gasthoffeld nördlich des Chaussedammes parzelliert und an Bauwillige  verkauft. Und nun machte sich das Fehlen einer direkten Verbindung bemerkbar und die Hausbesitzer drängten auf diese Verbindung. Letztlich entschied die Straßenbehörde, dass der Chausseedamm durchbrochen und ein Tunnel gebaut wird. Der so entstandene Fahrweg zwischen der Dorfstraße und der Neuen Straße wurde der Gemeinde übertragen, die Kosten von 4.500 Mark  teilweise auf die Hausbesitzer der Neuen und der Querstraße umgelegt. 1857 war der Tunnel fertig und der nördliche Ortsteil ohne größeren Umweg erreichbar..

 

  1. Mai Anordnung des OBA (MER F 44 I A)

„Die Kgl. Salinenverwaltung setzen wir hierdurch in Kenntnis, daß in allen denjenigen Fällen, wo Beamte zu Badekuren Unterstützungen aus Staatsmitteln gewährt werden, der wirklich statt gefundene Gebrauch  der betreffenden Bade-oder Brunnenkuren nach den desfallsigen Vorschriften der Ober-Rechnungs-Kammer als Beleg zu den Rechnungen bescheinigt werden muß.“

 

  1. Mai Anzeige des Naumburger Kaufmanns G. W. Starklop (NKB)

„Für unser in Kösen bestehendes Zweiggeschäft zum Beschneiden wollener Lumpen bedürfen wir noch einer Anzahl Mädchen. Reflektierende können sich sofort melden und in Arbeit treten“. Starklops Geschäft  befand sich  „Am Badehaus Nr. 114“ (heute Naumburger Str. 10)

 

  1. Juni Gutachten zu den Rechtsansprüchen der Landesschule (MER C48 IIIb Nr. 5523).

Untersucht wurde die Rechtmäßigkeit der Entschädigung für Schäden, die beim Anbinden der Flöße an den pfortaischen Ufer zwischen dem Wehrdamm und Roßbach entstanden.

 

  1. Juni Anzeige des Musikdirigenten Heyne (NKB)

„Während der Badesaison findet regelmäßig Sonntag, Dienstag und Donnerstag im „Kuchengarten“ großes Concert statt, bei ungünstiger Witterung im „Cursaal“. Heyne hatte sich über den dortigen Pächter beschwert, weil dieser auf auswärtige Kapellen dort spielen ließ. Daraufhin intervenierte die Badedirektion und die Badekapelle durfte an drei Tagen spielen. Allerdings lag das Geschäftsrisiko bei Heyne, der von den Eintrittsgeldern seine Musiker und die Noten bezahlen musste.   

 

      Juni Einstellung eines Badekassendieners.

Weil Bade-Inspektor Kettner sich nun ausschließlich der Hartungschen Badeanstalt widmete, sollte der Badediener den Ortsrichter Schleicher bei der Führung der Badelisten unterstützen und die  Kurtaxe kassieren. Dafür erhielt er 60 Taler in der Saison.

 

  1. Juni Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

 

  1. Juli Dramatische Vorlesung im Kursaal (NKB).

Der Königl. Sächsische Hofschauspieler Bohumil Davison, der als Badegast hier weilte, las aus Lessings „Emilia Galotti“. Dazu hatte die Thüringische Eisenbahn sogar einen Extrazug eingesetzt. Den Erlös stiftete er für einen Pavillon am Aussichtspunkt oberhalb der „Loreley“, der Davison-Halle.

 

  1. Juli „Historisches Sonderkonzert“ (NKB)

„Dem mehrfachen Wunsch der hiesigen und auswärtigen Musikfreunde nachzukommen wird im Kuchengarten ein Konzert im obigen Sinne von der Badekapelle unter Mitwirkung mehrere auswärtiger Musiker aufgeführt werden“ .

 

  1. Aug. Mitteilung des OBA zum Knappschafts-Statut (MER F 44 XIV 1)

„Nachdem nunmehr die Hinderungsgründe, welche zeither der Weiterverfolgung der Knappschafts-Angelegenheiten  bei der Kgl. Saline Kösen entgegen gestanden, beseitigt  worden sind, ersuchen wir die  Kgl. Salinen-Verewaltung ergebenst, in  Gemäßheit der  Ausführungs-Instruktion mit der Wahl der Arbeiter-Vertreter gefälligst selbst vorgehen und einen Commissarius zu diesem Wahl-Akt ernennen zu wollen“.

 

  1. Aug. „Horn-Quartett-Concert im Cursaal“ (NKB)

Die Musiker gehörten zum Gewandhaus- und Theaterorchesters Leipzig.

 

    Sep. Badelisten (NKB).

Zu den 1.856 Badegästen (558 Einträge) gehörten zum wiederholten Male S. Exz. General v. Gagern und Oberst.-Ltn. Schrötter, außerdem der Rittergutsbesitzer v. Bismarck mit Gattin aus Döbbelin, die Baroninnen v. Bodenhausen und v. Palet-Narbonne aus Berlin, der Hofopernsänger Niemann-Hannover, der Hofmaler Prof. Rudolf Friedrich Karl Suhrland (1781 bis 1862) aus Schwerin, Baron v. Ponte-Negro-Dresden, Oberstltn. v. Witzleben-Erfurt, Freiherr v. Beust-Langensalza, Prinzessin Auguste v. Schönaich-Carolath-Köthen, die Oberstltn. v. Wolfrath- Braunschweig, v. Rohrscheidt-Leipzig, Kammerherr Freiherr v. Oerzen-Brünn, Baronin v. d. Busch-Ippenberg-Berlin und v. Seckendorff-Liegnitz, Madame Ghezzi-Leipzig. Reg.-Baurat Müller-Düsseldorf, Kunstmaler Bachstedt-Weimar,  Baron v. Rakkarot-St. Petersburg, Mister Jearnly aus London, Prof.-Dr. Hankel-Leipzig, Freifrau v. Waldenfels und der Telegraphenfabrikant Halske aus Berlin.

 

  1. Okt. 50jähriges Dienstjubiläum des Gradiermeisters Zedel (NKB).

Neben den  zahlreichen Glückwünschen wurde auch darauf verwiesen, dass neben Zedel und  Backs, zwei weitere Beamte ihr 50. Betriebsjubiläum hatten.

 

  1. Okt. Versteigerung des Inventars des Kursaals (NKB)

Wilhelm Rest gab das Geschäft auf. Um die Schulden zu begleichen,  wurden an den nächsten 4 Tagen das gesamte Inventar, Mobiliar und Zubehör darunter eine „Kaffee-Röst-Dampfmaschine“versteigert.

 

  1. Okt. Karl Friedrich Scheufler verstirbt (NKB).

Auf Wibels Stadtplan finden sich drei Hausbesitzer namens Scheufler, in der Petersiliengasse  44 (Burgstr. 2), Neue Straße 86 (Fr. Ebert Str. 9) und An der Saale 113 (Uferstr. 5).

 

  1. Nov. Genehmigung des Statuts des Knappschaftvereins (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Minister v. d. Heydt hatte den Entwurf zum 1. Januar 1857 in Kraft gesetzt. Zum Verein gehörten  48 ständig Beschäftigte und 30 Interims-Arbeiter der Saline Kösen sowie 18 ständige und 34 Interimsarbeiter der Mertendorfer Grube

 

  1. Nov. Prolongierung der Gartenpacht am Aschendamm (MER F 44 IV Nr. 1)

Diese wurde für weitere 12 Jahre den bisherigen Pächtern  für 4 Taler/Morgen jährlich überlassen.

 

  1. Dez. Verfügung des Handelsministers zur Badekasse (BLK-A.).

Der Überschuss aus dem Verkauf von Badesole und dem Betrieb der Wellenbäder sollte zunächst für die Erweiterung und Verbesserung der fiskalischen Badeeinrichtungen verwendet werden. Würde sich dennoch ein Überschuss ergeben, sollte der dem Knappschaftsinstitut überlassen werden. 

 

  1. Dez. Reskript des preußische Handelsministerium (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Weil der Hartungschen Badeanstalt die Halbierung des Solepreises auf 1 Pfennig pro Kubikfuß genehmigt worden war, hatten auch die privaten Badewirte eine Reduzierung beantragt und es damit begründet, dass die Sole doch ohnehin gefördert und zeitweise sogar in die Saale abgeleitet würde, wenn die Gradierung oder der Siedeprozess ins Stocken geraten war. Backs wurde angewiesen, sich nach der kommenden Saison anhand von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zum Solepreis äußern. 

 

  1. Dez. Meldung des Ortsrichters über „verwahrloste Kinder“ (St.-A. Nr. 305)

Auf der dem Landrat zugestellten Liste, standen ein dreizehnjähriger Junge und ein ebenso altes Mädchen, die wegen Felddiebstahl zu drei Tagen Gefängnis verurteilt waren.

 

  1. Dez. Weihnachtskonzert im Kursaal (NKB)

 

  1. Dez. Aufstellung des Kapitalvermögens der Witwen u. Waisenkasse (MER F 44 XIV)

Das betrug 11.875 Taler, die mit 4 % und seit 1850 zu 4,5 % ausgeliehen waren. Darlehensnehmer waren Hausbesitzer, Salinenarbeiter und Handwerker, die meisten aus der Dorfstraße (Zeitschel, Törpsch, Schleicher, Luckenbacher, Hörold, Schönburg, Werner, Thielitz, Gundermann, Köttnitz, Grenzdörfer) einige wenige auf der anderen Saaleseite und hinter dem Chausseedamm. Die ersten Darlehen wurden bereits um 1800 ausgereicht, ab 1830 kamen weitere hinzu und dann nochmals in den Jahren 1850-1852. In der Dorfstraße wurden etliche der noch von der Gründung des Dorfes stammende Wohnhäuser umgebaut bzw. abgerissen und neu gebaut, wobei die bislang giebelständige durch eine traufseitige, die gesamte Straßenfront ausnutzende und zweigeschossige Bauweise abgelöst wurde. Dabei stand die Schaffung von Mietstuben für Badegäste im Vordergrunf, die den Hauswirten einen ansehnlichen Verdienst bescherten.

Allerdings wurden die wenigsten Darlehen getilgt. Im Einverständnis mit der Knappschaftskasse beließ man es bei der Zahlung der Zinsen und bei Besitzwechsel wurde das Darlehen vom Erwerber übernommen. 

 

  1. Dez. Öffentliche Fahndung der Staatsanwaltschaft (NKB)

In der Pomnitzer Flur war am 1. Weihnachtsfeiertag der Kösener Tischlermeister Ludwig Hüfer erschossen und beraubt aufgefunden worden. Als Tatwaffe wurde eine Schrotflinte festgestellt und wenig später eine Belohnung von 100 Talern ausgesetzt.

 

  1. Dez. Wahl des Knappschaftsvorstandes (MER F 44 XIV 1)

„Zu der auf heute Nachmittag anberaumten Wahl der beiden von den Knappschafts-Ältesten  zu erwählenden Mitgliedern des Knappschaftsvorstandes hatte sich der ergangenen anliegenden  Vorladung gemäß die Knappschafts-Ältesten Siedemeister Quarg, Kunstwärter Schlunk, Kohlenaufseher  Kühne und Steiger Trautmann  zu diesen Akte  im Sessionszimmer eingefunden“

Bei drei Wahlgängen wurden Kühne und Quarg gewählt.

 

  1. Dez. Die Solebohrung erreicht 453 Fuß (150 m) (WER Rep. F 23 II Nr. 20/1)

Die Arbeiten gestalten sich allerdings immer schwieriger, denn für die anstehenden Gesteinsschichten reichte die Kraft des Antriebes für den Schlagbohrer nicht aus. Bisher erfolgten  laut Bohrbetriebsbericht 837.700 Bohrschläge (20 pro Minute) bei einer effektiven Arbeitszeit von 994 Stunden. Allein 3.314 Arbeitsstunden wurden für Nebenarbeiten, wie die Wasserhaltung und das Freischlagen des Bohrers, wenn der feststeckte aufgewandt

 

1857

  1. Jan. Neujahrskonzert im Bahnhofsrestaurant von Kurzhals (NKB)

Demzufolge hatte Kurzhals nach 1850 und 1853 auch 1856 die Gasthofpacht auf weitere drei Jahre bekommen, diesmal aber die Pacht des Kuchengartens aufgegeben.

 

  1. Jan. Antrag Webers (MER F 44 V Nr. I)

„Der zu meinen hiesigen Gasthof  gehörige, rechts vom Eingang desselben stehende Speisesaal ist so wandelbar geworden, daß ich notgedrungen solchen abreißen und  aufbauen muß. Dabei liegt es mir natürlich daran, denselben nach Möglichkeit zu erweitern. Zwischen diesen Speisesaal und der an demselben herunter gehenden, nach dem Wellenbade führenden Treppe liegt nun ein leerer bis jetzt ganz nutzloser  Zwischenraum von 3 Fuß Breite (ca. 1 m) der, um den Gang  auf der fraglichen Treppe zu sichern, die Anbringung  eines Geländers  an Letzteren auf der Seite des Speisesaales zu, nötig gemacht hat. Die Benutzung dieses Zwischenraumes zur Erweiterung meines Speisesaales bei dessen Neubau würde mir nicht ganz unerwünscht sein und zwar in der Weise, daß ich mit dem Gebäude bis unmittelbar an die Treppe heranrücke, wodurch sich zugleich das gedachte Geländer  entbehrlich machen würde“. Am 23 Januar erteilte das OBA die Genehmigung  

 

  1. Feb. Bekanntmachung der Floß-Compagnie in Schöps (NKB)

„Mit den ersten Flößen die angebunden werden, wird der Anfang beim Fischhaus gemacht, aber es darf nur einfach angebunden werden, wenn eine Reihe durch ein Fach angebunden ist, wird jedesmal wieder beim Fischhaus einfach angebunden (.) so wie der Anschlag bei Kgl. Zoll-Einnahme und auf der Katze lautet“. Bei Nichteinhaltung drohten fünf Taler Strafe für jedes falsch angebunden Floß.   

 

  1. Feb. Regulativ zur Benutzung der Ladestraße (NKB)

Die Eisenbahnbauverwaltung teilte mit „Der Fahrweg von der eisernen Brücke bei Kösen über den Bahnhof nach der Wärterbude Nr. 52 darf nur von denjenigen benutzt werden, welche mit ihren Geschirren auf dem Bahnhof selbst zu verkehren haben“.

 

  1. Mär. Anordnung des Schulinspektors (NKB).

Untersagt wurde das Auslegen von Wäsche zum Bleichen oder Trocknen auf allen Wiesen der Domänen von Kukulau, Fränkenau und der Pforte selber. 

 

  1. Apr. Anweisung des Ortsrichters zur Straßenordnung (St.-A. Nr. 305).

Den Hauswirten wurde auf darauf hingewiesen, dass sie zweimal pro Woche die offenen Abzugsgräben vor ihren Häusern reinigen und ihre auf den Dorfstraßen liegenden „Düngerhaufen“ binnen 24 Stunden entfernen sollten, andernfalls entsprechende Strafen drohten. Die Anweisung  hatte jeder Hauswirt mit seiner Unterschrift zu quittieren.

 

      Mai Einweihung der neuen Schule (Hinsche 1930, MER C 48II b Nr 2028 I)

Trotz ständiger Geldnot,hatte die Gemeinde letztendlich die Baukosten aufgebracht, wobei man natürlich auch mit einem ansehnlichen Verkaufserlös der alten Schule rechnete. Die Schule auf dem „Marktplatz“ hatte vier Klassen, eine mehr als bisher, auch wenn es zunächst bei drei Lehrern blieb, für die im Gebäude nun kostenlose Wohnstuben vorhanden waren. Das Ganze krönte ein Turm mit der Schulglocke. Das Grundstück selbst hatte die Stadt bereits 1832 von Chr. G. Andrae erworben, der es zwei Jahre zuvor dem Steuerprokurator Hübsch abkaufte, dem Besitzer der heutigen Lindenstr. 12. Das alte Schulhaus (Lindenstraße 24) wurde verkauft und gehörte nach Wibel Plan einem Bösel.                                 

 

  1. Mai Bericht des Bohrinspektors Zobel (WER Rep. F23 II r. 20 Bd.2).

Der Bergexperte aus Elmen wurde hinzu gezogen, weil man seinen fachlichen Rat brauchte, um den  in 530 Fuß Teufe im Buntsandstein feststeckenden Bohrer freizubekommen.

 

  1. Mai Eröffnungskonzert im Kuchengarten (NKB)

Nach Hoppe hatte Gustav Teichgräber nun das Gelände an der Fränkenauer Hohle samt Kuchengarten, Sommertheater und dem „Waldschlößchen“ von Heun erworben und erklärte „Mein stetes Bestreben wird es sein, den Wünschen des Publikums nachzukommen. Noch bemerke ich, daß der Herr Kammermusikus Schöffer zur besseren Leitung der Musiker unserem Direktor Heyne in diesem Sommer zur Seite stehen wird.“ Das war wohl dem nicht sonderlich großen muskalischen Können des Badecorps geschuldet und prompt erklärte Heyne, dass er wegen Kränklichkeit und notwendiger Wiederherstellung die Leitung dem Schöffer überläßt.   

 

  1. Mai Werbung für die Rost`sche Konditorei in der Lindenstraße 69 (5-7) (NTB)

 

  1. Mai Eröffnungskonzert im Kursaal ( NKB)

Doris Reichmann war die neue Pächterin des Furchtschen Kursaals „Indem ich genanntes Lokal dem geehrten Publikum zur geneigten Benutzung empfehle, erlaube ich mit zugleich zu bemerken, daß vom 1. Pfingsfeiertag zu jederTageszeit gespeist wird. Ferner empfehle ich meine gut und elegant eingerichteten Logis zur gütigen Benutzung sowie meine Konditorei (.) Auf vorherige Bestellung werden auch Diners und Spoupers im Kursaal arrangiert.“

 

  1. Juni Veranstaltungen zu den Pfingsfeiertagen (NKB)

Bei Samiel auf der Rudelsburg spielte die Kapelle des Kgl. Infanterie-Regiments, bei Teichgräber  das Naumburger Dom- und Stadtmusikcorps unter Fuckel und bei Doris Reichmann das Kösener Badecorps unter Heyne. Das wurde in der Saison beibehalten und durch das zahlreich Publikum und die günstige Witterung hatten beide Besitzer ihr Auskommen.

 

  1. Juni Versammlung der Ortsrichter in der Teichgräberschen Saal (NKB).

Landrat v. Danneil informierte über die am 14. April 1856 erlassene Landgemeindeverfassung für die östlichen Provinzen, die den Landgemeinden eine verbesserte Selbstverwaltung brachte

Weil Kösen unter die Landgemeinden fiel, obwohl es hier weder eine Feldflur noch Bauernwirtschaften gab, wurde auch hier die Verfassung eingeführt, verbunden mit der Einführung eines Gemeindestatuts und der Erweiterung des Gemeindevorstandes (Ortsvorsteher bzw. Richter, Schöppen) durch Gemeindeverordnete.

 

      Juni Eröffnung der Groddeckschen Badeanstalt (WER Rep. F 23X Nr. 22 Bd. 3).

Dr. Karl Theodor  Groddeck (1826 -1885) stammte aus einer alten Danziger Patrizierfamilie. Sein Vater Carl August (1794–1877) war Oberbürgermeister in Danzig und 1848 preußischer Abgeordneter der Nationalversammlung. Verheiratet war er mit Karoline, geb. Koberstein (1826 – 1892), der Tochter des Germanisten Karl August Koberstein, Professor an der  Landesschule Pforte. Offensichtlich ist es dieser Verbindung zu verdanken, dass Groddeck sich hier 1854 (n. Hinsche 1930) niederließ.

Dr. Groddeck hatte das 1846 an der Eckartsbergaer Chaussee (Nr. 2) erbaute Müllersche Wohnhaus erworben, nachdem die Post zum Bahnhof verlegt worden war und hier eine Bade- und Trinkanstalt eingerichtet, die dem Zeitgeschmack des gutsituierten Badepublikums entsprach und den guten Ruf des Bades hob, zumal die Anstalten Rosenbergers und Heuns inzwischen veraltet waren und die  Hartungsche Anstalt in finanziellen Schwierigkeiten steckte, was der Qualität Abbruch tat.

 

  1. Juni Einweihung von Webers „Neuen Salon“ (NKB).

Der kam an die Stelle des alten Speisesaals, war aber immer noch vom eigentlichen Gasthof durch das Kunstgestänge und die Rösche getrennt..

 

  1. Juni Übernahme der fiskalischen Scheitholzstapel an der unteren Saale (NKB).

Die kamen komplett an die Sächsisch-Thüringische AG für Braunkohlenverwertungs-AG.

 

  1. Juni Sommerfahrplan der Thüringischen Eisenbahn (NKB)

Täglich verkehrten nun jeweils füünf Personenzüge nach Halle/Leipzig bzw. Erfurt, davon ein Schnellzug.

 

  1. Juln Extra-Konzert im Kursaal (NKB).

Die Kaiserl. Russ. Konzertsängerin Helena Valentin, die Opernsängerin Frl. R. Janson aus Warschau, der Opernsänger Weiß aus Berlin und der K. u. K. Opernsänger Wege aus Wien konzertierten zusammen mit der Badekapelle.

 

  1. Juli Extra-Konzert der Tyroler Sängergesellschaft im Kursaal. (NKB).

 

  1. Aug. Erlass des Landrates zur Straßenordnung (NKB)

Den Badewirte wurde verboten, das gebrauchte Badewasser auf die Straße laufen zu lassen, sondern in die Gräben und Kanäle, für deren Freihaltung sie zu sorgen hatten.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB).

An den Abenden fanden Konzerte im Mutigen Ritter, im Kursaal und im Kuchengarten statt.

 

  1. Aug. Verkauf der ersten Weintrauben (NKB)

Das war die frühe Sorte „Alt-Leipziger“ vom Rektorberg. Mit der eigentlichen Ernte wurde in vier Wochen gerechnet

 

  1. Aug. Salinenrecherche durch Berghauptmann Freiherr von Hövel (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Da man inzwischen auch Rohbraunkohle verbrennen konnte, wurden die Kohlenschuppen nicht mehr gebraucht und sollten Salinenarbeitern als Wohnung vermietet werden.

 

  1. Aug. Genehmigung des OBA für Hämmerling (MER F 44 V Nr. 2)

„Da wir gegen die von dem Hämmerling angesuchte Überlassung eines Teils des für die Saline  erhobenen Saalewassers  nichts zu erinnern finden, dieselbe jedoch von den Bedingungen abhängig machen, daß der Hämmerling die dazu nötigen Vorrichtungen auf seine Kosten herstelle, derselbe ferner dafür Sorge trage, daß der Wasserausfluß innerhalb seines Gehöfts nicht stetig sondern nur bei jedesmaligen Bedürfnis stattfindet und der Kgl. Salinen-Verwaltung hierüber die ungehinderte Kontrolle gestatte und sich aller Ansprüche auf eine Wasserzuteilung versage..“

 

  1. Sep. Tagung der Superintendenten der Provinz zur Schul- und Kirchenvisitation (NKB).

 

  1. Sep. Betriebsbericht der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Zum Transport der Rohkohle von der Halde auf dem ehemaligen Streichplatz zu den Siedehäusern hatte man ein Gleis verlegt und 4 Transportwagen gebaut. Für 1858/59 plante man u.a. die Vergrößerung der Schmiedemeisterwohnung und die Einrichtung eines Kommissions- und Zeichenzimmers.

 

  1. Sep. Salinenrecherche (WER Rep. F 23 II Nr. 5/4).

Bergrat Ebers beauftragte Backs, mit der Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG über die Anlieferung von Braunkohle zu verhandeln und die Möglichkeit eines Gleisanschlusses von der Thüringischen Eisenbahn ins Werk zu prüfen.

 

      Sep. Ende der Badesaison (NKB).

In den Badelisten gab es 567 Einträge (1.780 Gäste), dazu gehörten die Gräfin v. Monte-Halle, Gräfin v. Hohenthal, geb. Prinzessin v. Holstein-Glücksburg aus Dresden, Baron v. Rochow, Gräfin v. d. Schulenburg-Angern, Baronin v. Bodenhausen, Graf zu Dohna-Dresden, Baron v. Rosenberg-Dresden, Gräfin Czapska-Posen, Baron v. Kittlitz-Charlottenburg, Ihre Hoheit Herzogin v. Anhalt-Bernburg mit Gefolge aus Ballenstedt, Baron v. Schön-Daniellen, Musikdirektor Weitzmann-Berlin, Frau Hofjuwelier Godet-Berlin,  S. Exz. General v. Stockhausen-Berlin, Baron  v. Holzendorff-Berlin, v. Bulmering-K. u. K. Oesterr. Konsul in Riga mit Frau und Kindern, Herr v. Tschirschky und Bögendorf-Karlsruhe, S. Exz. Kgl. Preuß. Staatsminister  für geistliche Angelegenheiten v. Rammer-Berlin, Baronesse v. Rosenberg-Dresden, Gräfin v. Hacke-Berlin, S. Exz. General v. Safft-Breslau, Baronin v. Harlem-Elbing, Graf v. d. Schulenburg-Althausen, Fürst Dimitri Lwow aus Moskau, General v. Schön-Berlin, Legationsrat Baron v. Ponte-Reno-Gotha, Gräfin v. Baudissin, Prof. Hankel, Prof Nitzsch, Prof. Walter alle Leipzig, Prof. Gritzler-Berlin, Baron v. Schauroth-Adjutant des Fürsten v. Schwarzburg-Rudolstadt und Oberst v. Knobelsdorff-Berlin.

 

  1. Sep. Bergrat Backs legt das Amt des Badedirektors nieder (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

„Welche Motive den würdigen Premier veranlaßt haben, seiner so erfolgreichen und überall anerkannten Leitung zu entsagen und wem sein Portefeuille zufallen wird, darüber verlautet nichts“ hieß es in der Zeitung.

 

  1. Okt. Vertrag zwischen Gastwirt Weber und der Landesschule (BLK-A. Nr. 62)

Weber wurde die Beweidung der Schluchten und Triften des Jackenberges sowie die Nutzung der dortigen Obstbäume bestätigt. Dafür zahlte er 10 Taler Baumzins.

 

  1. Okt. Neubesetzung des Badedirektorats (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Die Stelle des Badedirektors sollte möglichst mit einer Person besetzt werden, die keine wirtschaftliche Bindung an den Badebetrieb hatte. Daher schieden Badeanstaltsbesitzer, Badeärzte und Restaurateure von vornherein aus. Das betraf auch die Mitglieder des Gemeindevorstandes. Letztlich  erbot sich der Landrat Geh. Reg.-Rat Ritter v. Danneil als Badedirektor, was aber die Kgl. Regierung rundweg ablehnte. 

 

  1. Okt. Gutachten zu den Solepreisen (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

Backs teilte mit, dass der Aufforderung über den Verlauf und die Ergebnisse der diesjährigen Badesaison Bericht zu erstatten nur die große Badeanstalt und Dr. Groddeck nachgekommen waren. Demnach würden die Badewirte ausreichend Gewinn erzielten und eine Reduzierung des Abgabepreises wäre daher nicht angemessen.

 

  1. Nov. Bewilligung der Mittel für eine Wandelhalle am Gradierwerk (St.-A.).

Die 200 Taler stellte die Salinenkasse zur Verfügung, da die Badekasse keinen Überschuss erwirtschaftet hatte.

 

  1. Nov. Anordnung des Handelsministers (MER C 48Ii Nr. 776 IV).

Die privaten Badewirte hatten nach der Ablehnung durch das OBA an den Minister gewandt. Daraufhin wurde das OBA und von diesem der Salinendirektor angewiesen, sich über die  Wirtschaftlichkeit der privaten Badeanstalten gutachterlich zu äußern.

 

  1. Dez Besoldungsliste und Jahresabrechnung der Salinenkasse (MER F 44 I A).

Backs bekam 1200 Taler jährlich, der Kassenrendant Freund 750, der Buchhalter und Materialverwalter Klempe 400  und  der Salinenassistent Kühne  400 Taler.  Neben dem Salzverkauf wurden folgende Erlöse erzielt: 415 Taler beim Verkauf von Altholz und Abbruchmaterial, 332 Taler vom Verkauf von 49.248 Stück geformter Braunkohle an die Knappschaftsmitglieder. In die Knappschaftskasse wurden 1503 Taler überwiesen. Arzt- und Medizinkosten für sechs Arbeiter kosteten 2 Taler 16 Silbergroschen.

 

 Plan von Eduard Wibel (St.-A.). 

Auf dem maßstabsgetreuen Stadtplan sind 135 Wohnhäuser und deren Besitzer namentlich aufgeführt. Die Häuser sind durchgehend nummeriert, unabhängig vom Straßennamen. 100 Wohnhäuser lagen westlich der Saale, die meisten (43) in der Dorfstraße (Borlachstraße), 21 in der Lindenstraße mit dem Bahnhof und der Mühle, 11 an der Eckartsbergaer Chaussee,  10 an der  Querstraße (Schmettau Str.) und 16 an der Neuen Straße (Fr. Ebert. Str.) Die Grüne Gasse obwohl bereits mit Namen versehen, war noch nicht bebaut. In der Petersiliengasse (Burgstr.) gab es 5 Privathäuser, die Ostseite war noch nicht bebaut.  Am heutigen Fränkenauer Weg stand das erste  Haus (Nr. 12).

Links der Saale gab es 35 steuerpflichtige Privathäuser, dazu zählten Hartungs Badeanstalt (Naumburger Str. 10), Webers Gasthof „Zum Mutigen Ritter“, das „Lange Haus (R.- Breitscheid Str. 1) und das Brauhaus (Loreleyprom. 3).  Hämmerlings besaß die Häuser 119-121 (Naumburger Str. 1 bis 4), wobei seine Schankwirtschaft hier noch in der Nr. 4 war.

Das eigentliche Leben spielte sich jedoch in Neu-Kösen ab. Hier lagen die Badeanstalten von Heun (Eckartsbergaer Str. 3), Rosenberger (Lindenstraße 9), Movat (Eckartsbergaer Str. 1) Gräßner (Fr. Ebert Str. 1), der Furchtsche Kursaal (Fr. Ebert.Str. 19), der Kuchengarten mit dem Sommertheater und die Restaurationen von Rost (Lindenstr. 5), Winter (Eckartsbergaer Str. 6) und Teichgräber (Lindenstr. 14). Die meisten namhafte Einwohner hatten hier ihre Häuser, wie der frühere Ortsrichter Nette (Lindenstr. 22), der Ortsrichter Schleicher (Borlachstr. 23) der Schlosser Hädicke (Lindenstr. 12), Heckenberg (Lindenstr. 21), Hämmerling (Eckartsbergaer Str. 8) der Musiker Saalborn (Schmettaustr. 9), Maurermeister Werner (Borlachstr. 2), Fleischermeister Mathes (Grüne Gasse 4),  die Senffschen Erben (Lindenstr. 3), Apotheker Gause (Lindenstr. 4) Musikdirektor Heyne (Lindenstr. 26), Wahn  (Lindenstr. 12), der Chemiker Heun (Borlachstr. 42) und  der Postmeister Müller (Eckartsbergaer Str. 2). 

Die Anwesen die nicht unter die Rubrik steuerpflichtiger „Hausbesitzer“ fielen, gehörten die Gemeindeschule (Lindenstr. 10), das Gemeindearmenhaus (Burgstr. 16) die Pachtschäferei, sowie sämtliche Betriebsgebäude und Werkswohnungen der Saline. 

 

              Beginn des Steinsalzbergbaus in Staßfurt (Emons).

Die Fördermenge, die in den Salinen Staßfurt und Schönebeck gereinigt und aufbereitet wurde, betrug 600.000 Zentner. Dennoch war der Absatz des gesättigter Sole in den Saline Artern, Dürrenberg und Elmen hergestellten Siedesalz höher. Die Gesamtmenge deckte den Inlandsbedarf Preußens, ein großer Teil wurde zu günstigen Preisen ins benachbarte Ausland verkauft.

 

1858

  1. Jan. Neujahrskonzert im „Mutigen Ritter“, Ball im „Kursaal“ (NKB)

 

  1. Jan. Gutachten zum Solepreis (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Im Bericht, der zunächst dem Landrat v. Danneil vorgelegt wurde, gab Backs zunächst eine  Übersicht über die Jahre 1851 bis 1857. In dieser Zeit wurden 10.088 Kurgäste registriert und 105.000 Wannenbäder verabreicht. Dazu wurden 625.000 Kubikfuß (20.000 m³) Sole geliefert. Allein auf die Hartungsche Badeanstalt entfielen 500.000 Kubikfuß, d. s. 60.000 Solebäder. Auf Grund seiner Berechnungen zur Rentabilität der privaten Badeanstalten (Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger, Fabrikant Heun, Geschwister Senff, Witwe Gräßner, Rentier Gräser und acht Badewirte mit einer Wanne), kam Backs zu dem Schluss, dass die den privaten Badewirten zugestandene Preissenkung keineswegs zu einer besseren Frequenz des Bades geführt habe. Sichtbares Zeichen dafür wäre die Badekasse. Zwischen 1851 bis 1857 wurden durchschnittlich 736 Talervereinnahmt, bei Kosten in gleicher Höhe. Aber die  Badewirte versuchten die Badeordnung zu umgehen und verwehrten der Badekommission die Kontrolle ihrer Anstalten.  Auch die in bester Absicht getroffene Anordnung des Handelsministers,  die Mittel für den Bau der Wandelhalle am Gradierwerk aus der  Salinekasse zu bewilligen, würde daran nichts ändern. Es wäre nur gerecht, auch diejenigen finanziell an den Verbesserungen des Bades zu beteiligen, die ihren wirtschaftlichen Nutzen davon hatten, so dass statt einer Verringerung, die Anhebung auf 3 Pfennig pro Kubikfuß für die privaten Badewirte wünschenswert sei.   

 

  1. Feb. Konzert des Musikcorps der reitenden Abt. d. Kgl. Artillerieregiments bei Weber (NKB)

 

  1. Feb. Bericht über die Versuchsbohrung (WER Rep. F 23 II Nr. 20 Bd.2).

Im vergangenen Jahr brauchte man allein 4 Monate, um den festsitzenden Bohrer freizubekommen. Daher war man nur wenig tiefer gekommen (555 Fuß im November). Der Gehalt der hier angetroffenen Sole betrug nur 1 %, die Schüttung war nicht nennenswert und die Kosten lagen mit 4.150 Talern über dem Plan.

 

  1. Mär. Militärkonzert im Reichmann`schen Kursaal (NKB).

 

  1. Mär. Aufstellung der Stifterfiguren der Landesschule (NKB).

Über dem Portal des Haupteinganges wurden die Skulpuren von Graf Bruno vom Pleißenland (Stifter des Klosters in Schmölln) und  Herzog Moritz von Sachsen (Stifter der Schule) angebracht.

 

  1. Mär. Saisonbeginn auf der Rudelsburg (NKB).

 

  1. Apr. Verfügung des OBA (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Die Lokaldirektion hatte vorgeschlagen, die Produktion auf 3.255 Lasten zu steigern. Dazu sollte   Staßfurter Steinsalz in der Schachtsole aufgelöst und versotten werden. Da es wegen der hohen Transportkosten trotz Wegfalls der Gradierung keine spürbaren Einsparung gab, lehnte das OBA ab. 

 

  1. Apr. Extrakonzert zur Holzmesse in der Bahnhofsrestauration (NKB).

 

  1. Apr. Gustav Altus eröffnet eine Zigarrenfabrik in der Lindenstraße (Nr.17) (NKB)

 

01.Mai   Angebotsabgabe für die Pacht der Gastwirtschaft „Zur Katze“ (NKB).

Das Anwesen gehörte dem Rittergutsbesitzer von Schönberg und sollte samt Fähre für 6 Jahre verpachtet werden.

 

  1. Mai Veröffentlichung der Wochenmarktordnung (NKB).

 

  1. Mai A. Hoffmann eröffnet ein Geschäft für Porzellan, Steingut und Glaswaren (NTB)

 

  1. Mai Konzert der „Tyroler National Sänger“ im Kursaal (NKB)

Außerdem warb D. Reichmann bei den „verehrlichen Badegästen resp. Besuchern Kösens“ mit „jederzeit Essen a la càrte.“

 

  1. Mai Anordnung der Ortspolizeibehörde (NKB).

„Wer in Kösen auf dem Fußwege, außerhalb der Fahrbahn, einschl. Bordsteinlinie, Abzugsgräben oder Gossen reitet oder fährt (auch mit Schubkarren) oder Vieh treibt, verfällt einer Strafe von 10 Silbergroschen bis 3 Taler“ Wer nicht bezahlen konnte, dem drohten  1 bis 4 Tage Haft.

 

  1. Mai Erstes Sommerkonzert im Kuchengarten. (NKB).

Teichgräber gab bekannt, dass die diesjährigen Sommerkonzerte abwechselnd von den Musikdirektoren Heyne und Fuckel aufgeführt werden, womit er seine Konkurrentin Doris Reichmann ausgestochen hatte. Konzerte im Kursaal fanden nur noch sporadisch statt.

 

  1. Mai Pfingstkonzert der „Tyroler National-Sänger“ im Kursaal (NKB).

Das Konzert fand am Nachmittag statt, anschließend wurde im „Mutigen Ritter“ konzertiert und am 3. Feiertag spielte die Truppe auf der Rudelsburg. Der Eintritt kostete 3 Silbergroschen, Kinder zahlten die Hälfte.

 

  1. Mai Treffen der Freimaurerlogen (NKB).

300 Logenbrüder aus allen an der Bahn gelegenen Städten trafen sich auf der Rudelsburg und nach einem gemeinsamen Mittagessen im Kursaal fanden die Sitzungen statt, von denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen war. Die Presse stellte die hohe Bedeutung dieses Treffens heraus, da zahlreiche Persönlichkeiten, deren Namen jedoch nicht genannt wurden, daran teilnahmen. Man verabredete sich, diese Treffen regelmäßig in Kösen abzuhalten

 

      Juni  Neubesetzung des Badedirektorats (St.-A.).

Als Nachfolger von Backs wurde der pensionierte Garnisonsverwaltungsdirektor Varchmin zum Direktor ernannt. Als aber sein Antrag auf Aufwandserstattung vom OBA abgelehnt wurde, legte er das Amt zum Jahresende nieder.

 

  1. Juli Eröffnung des TIVOLI am Kuchengarten (NKB).

Teichgräber hatte mit Hilfe der Badedirektion ein Ensemble unter dem Theaterdirektor Rudolph Knobloch für diese Saison gewonnen, nachdem der Ausfall im vorigen Jahr heftig kritisiert wurde. Von nun an fanden wöchentlich zwei bis drei Aufführungen im Wechsel mit den Konzerten statt.

 

  1. Juli Schreiben von Backs an Dr. Rosenberger (MER F 44 I c)

„Wegen der Beschränkung der Salzfabrikation auf den Salinen durch die Steinsalzförderung zu Staßfurth herbeigeführt, sind wir von unserer vorgesetzten Behörde angewiesen, ehebaldigst anzugeben, welche Pfannen außer Betrieb zu setzen, welche Arbeiter dadurch frei werden und welche von denselben noch arbeitsfähig sind. Nach einer angestellten Erörterung werden 8 Sieder und drei Kohlefahrer zu entlassen sein. Indem wir von E. Wohlgeboren anliegend eine Liste des Siede- und Kohlenfahrer-Personals  überreichen, bitten wir die genannten Arbeiter gefälligst einer Untersuchung zu unterwerfen und uns baldigst geneigtest mitteilen zu wollen, welche von denselben noch arbeitsfähig sind...“

 

  1. Juli Mitteilung der Badedirektion an die Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 75).

Vereinbarungsgemäß hatte die Landesschule den Kaufpreis für die Promenade gestundet und die Zinsen zahlte die Badekasse. Jetzt verlangte die Landesschule den Kaufpreis von der  Badedirektion, die aber nun festgestellt hatte, dass sie zum Abschluss des Kaufvertrages als Einrichtung der Kgl. Salinenverwaltung gar nicht berechtigt war.

 

  1. Juli Festliche Illumination des Kuchengartens (NKB).

Ein Chemiker zeigte für 5 Silbergroschen sog. „galvanischen Sonnen“. Die Vorläufer der elektrischen Beleuchtung erregten Aufsehen.

 

  1. Juli Mitteilung von Backs an das OBA zum Ökonpomieplan 1859 (MER F 44 II 12)

Für die in diesem Jahr geplanten 45.650 Zentner Salz reichten die Siedekote I und III, weil es wegen der reichen Siedesole möglich war, binnen 31 Stunden ein um 8 % größeres Quantum herzustellen als bisher in 40 Stunden. Für die Besetzung brauchte man 5 bis 6 Mann. Das Siedekot II würde man nicht gebrauchen, so dass von den derzeit beschäftigten Siedern und Kohlenfahrern  11 nicht mehr gebraucht würden, die nach Anzeige der Knappschaftskasse allesamt arbeitsfähig wären. Dazu merkte Backs an „es muß dabei jedoch berücksichtigt werden, daß Gelegenheit zum Verdienst hier nur von April bis inkl. September vorhanden ist, die Leute volle Ursache zu dem Glauben gehabt, ihren Unterhalt zeitlebens von der Saline zu empfangen, es also die allergrößte Härte sein würde, dieselben gegen Kündigung ohne irgendeine Entschuldigung zu entlassen.Wir haben uns daher erlaubt, ein Wartegeld von der Hälfte des Monatslohns in Ansatz zu bringen und bitten das Kgl. Ober-Berg-Amt dringend gehorsamst, dasselbe hochgeneigtest  zu befürworten.“

Daraufhin verlanget das OBA eine Liste der zu entlassenden Salinenarbeiter sowie der 10 Arbeiter des Mertendorfer Kohlenwerks, mit Dienst- und Lebensalter, körperlicher Verfassung und ihrer bisherigen Arbeitsaufgabe.

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des August Hämmerlings (NKB).

Augsut Hämmerling hatte seine Konditorei mit Gastwirtschaft in das ehemalige Gehöft des Einnehmers Döring verkegt. 

 

  1. Juli Zeitungsmeldung zur Frequenz des Bades (NKB).

Neben den Kurgästen kamen an den Sonntagen bereits mehr als 1000 Tagesgäste „beiderlei Geschlechts“ mit der Eisenbahn, die den Tag mit Kutsch- und Kahnfahrten, Wanderungen, Eselsritten, Plauder-, Lese- und Frühstückszirkeln sowie bei den Nachmittagskonzerten verbrachten. Das Publikum gehörte „fast nur anständigen Kreisen an, weil die vorherrschend noble Richtung des Badelebens für die niederen Schichten ohne Interesse ist“ Abends vergnügten sich die Badegäste bei Rèunions, Soirèen, Kurbällen und Kurkonzerten.  Allerdings merkte der Autor an: „Nach diesem Bericht geht es  in unseren Nachbarorte recht lebhaft zu, uns in Naumburg ist es aber kein Geheimnis, daß die gegenwärtige Saison viel stiller ist, als die in den letzten Jahren. Der Grund hiervon ist den Nachwirkungen der leidigen Geldkrisis zu finden.“

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB).

 

  1. Sep. Verfügung des Handelsministers (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd.1).

In Anbetracht der Steigerung der Salzproduktion der Salinen Staßfurt, Artern und Dürrenberg war offensichtlich, dass man es nicht bei einer teilweisen Reduzierung der Produktion in den kleinen  Salinen belassen kann, sondern Produktionskapzitäten reduzieren muss, wenn man den Preis und damit die Salzsteuer halten wollte Daher ordnete der Handelsminister die Begutachtung der   möglichen Auswirkungen bei der Stilllegung unproduktiver Salinen im Distrikt des OBA Halle (Halle, Teuditz und Kösen) an.

 

  1. Sep. Bestätigung des Statuts zur Landgemeindeverfassung (Mascher 1869).

Mit Hilfe  des Landrats, des Kreistages, der Kgl. Regierung und des Oberpräsidenten der Provinz war ein Statut erstellt worden. Die gemeindevverwaltung bestand nun aus dem Ortsrichter, zwei Schöffen und neun Gemeindevertretern. Zwar wurden bestimmte Verwaltungsvorgänge verbessert, am eigentlichen Problem, dass die Mehrheit der Einwohner einem bürgerlichen Gewerbe nachging und keinen Landbesitz hatten änderte das nichts. Die Beteiligung der Einwohner an den Entscheidungen der Gemeinde war unzureichend, waren doch lt. Landgemeindeverfassung nur die Grund- und Hausbesizter dazu berechtigt. Die inzwischen in Kösen wohnenden gut betuchten Pensionäre waren sämtlich ausgeschlossen.

 

  1. Sep. Erlass des Handelsministers zur Betriebseinstellung (WER Rep. F 23 II Nr. 21. Bd. 1)

Am 12. September übergab der Berghauptmann Freiherr von Hövel persönlich den Erlass des Minister über die beabsichtigte Einstellung der Saline. Das kam für die Saline völlig unerwarte und  Backs meinte dazu: „...wie niederschlagend und traurig es für das gesamte Personal und den ganzen Ort auch sein möge..!“ Denn ihm war klar, dass mit der Einstellung der Soleförderung auch der Badebetrieb zum Erliegen kommen würde und damit für das Gros der Einwohner jeglicher Verdienst entfiel. Damit stand die Existenz des Ortes auf dem Spiel.

 

  1. Sep. Gutachten des OBA (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Kösen war neben Teuditz und Kötzschau die kleinste Saline im Niedersächsisch-Thüringischen Kreis, die Jahresproduktion betrug 1.400 Lasten, d. s. 2.610 Tonnen (z. Vergl. Schönebeck 22.000 Lasten). Da Dürrenberg inzwischen Sachsen versorgte wurde das Kösener Salz per Schiff in die rechtselbischen Provinzen gebracht, allerdings mit erheblichen Kosten zu Lasten der Steuerkasse. Nach Ansicht des OBA konnte die hier produzierte Menge problemlos und mit erheblicher Kostenersparnis von den Salinen Dürrenberg, Artern und Staßfurt übernommen werden, zumal man in Staßfurt bereits mit 1 Million Lasten Salz zusätzlich rechnete.  Das OBA kam zum Ergebnis, dass eine baldige Einstellung im Interesse des Staates liege. Für die Zukunft sah man, trotz des Wegfalls der Haupteinnahmequelle der Einwohner keine Gefahr, wenn für die Soleförderung einer der beiden Soleschächte mit Radkunst und Gestänge sowie ein Stück der Gradieranlage erhalten bleibt. Schwieriger schien es, was mit den 43 Unterbeamten und Arbeitern geschehen soll.

 

  1. Sep. Die Salinenverwaltung verkauft die Wohnung des Braumeisters (NKB).

Das Anwesen mit Garten unterm Rechenberg neben dem Brauhaus (Loreleypromenade 3). Nach der Taxe des Salinenbaumeisters Oesterreich sollte es 809 Taler wert sein. Das höchste Gebot kam vom Gradiermeister Friedrich Törpsch mit 1120 Taler. Als aber bekannt wurde, dass die Saline eingestellt werden soll, bat Törpsch darum, ihm das Anwesen für 850 Taler zu verkaufen. Das Oberbergamt lehnte die Reduzierung des Gebotes ab, und schlug vor, dass Törpsch vom Kauf Abstand nehmen sollte. Das wiederum lehnte das Ministerium ab und drang darauf, den Kaufvertrag mit Törpsch abzuschließen. Daraufhin gewährte Backs dem Törpsch ein Hypotheken- Darlehen und mit Eintrag in das Grundbuch kam der Kaufvertrag im März 1859 zustande.

 

  1. Sep. Bericht zur Betriebseinstellung (WER Rep. F23 II Nr. 21, Bd. 1).

Der Anordnung des OBA  folgend, gab Backs eine Übersicht über die von ihm ergriffenen  Maßnahmen. Zunächst habe er die Beschäftigten informiert und dabei für große Aufregung und Zukunftsangst unter den Beschäftigten und der gesamten Einwohnerschaft gesorgt. Dann habe er alle Verträge gekündigt, soweit es die vereinbarten Fristen zugeließen.

Eindringlich bat Backs die Behörde, die Soleförderung und die Badeeinrichtungen zu belassen,  denn ohne diese Nahrungsquelle kämen die Leute an den Bettelstab.

Weil der Salinenfiskus dafür nicht mehr zur Verfügung stand, müsste der Badebetrieb auf geeignete Institutionen oder Personen übertragen werden, wobei hier die Gemeinde, die Knappschaft  oder die Landesschule aber auch einzelne Badeärzte in Frage kämen, wobei der Abgabepreis der Sole von Vornherein so geregelt werden muss, dass er für alle Beteiligten wirtschaftlich vertretbar ist.

Ein wichtiger Punkt wäre noch die Auseinandersetzung mit der Landesschule. Die sächsischen Verträge aus dem 18. Jahrhundert hatte der preußischen Fiskus 1817 bestätigt. Demnach sollten  bei Einstellung der Saline alle Grundstücke in dem Zustand wie sie einst übergeben wurden, der   Landesschule wieder überlassen werden. Das würde bedeuten, dass alle Anlagen und Gebäude auch die in den letzten Jahren neu gebauten, alle Wege und Wegebefestigungen entfernt werden müssten, wenn es zu keiner einvernehmlichen Lösung  kommen würde. Daher wäre der Verkauf des gesamten Salinengeländes zum Weiterbetrieb an private Unternehmer eine denkbare Alternative.

Die Arbeiter und Unterbeamten sollten bis zu einer anderweitigen Beschäftigung ein Wartegeld erhalten, wobei Backs auf die moralische Verpflichtung des Staates verwies, auch diejenigen zu berücksichtigen, die als Handwerker und Tagelöhner für die Saline gearbeitet hatten. Fast beschwörend bat er zum Schluß „die über Kösen schwebende verhängnisvolle Maßregel abzuwenden!“

 

  1. Sep. Beschwerde des Hauswirts Franz Becker (MER C 50 Naumburg A Nr. 597)

Der wandte sich wegen der Einquartierung an den Landrat:

„Am vergangenen Montage hat mir der Richter Schleicher auf mein theilweise verschuldetes Haus 3 Mann Einquartierung, dagegen den Hausbesitzer  Grenzdörfer (Borlachstr. 36) nicht einen Mann, bei der vorgestrigen Einquartierung wieder 2 Mann auf 2 Tage und der Wittfrau Gräßner, welche ihr Haus (Fr. Ebert Str. 1) schuldenfrei, einen Weinberg besitzt und außen stehende Capitalien hat, gar keinen Mann gegeben, so daß sich dieselbe nicht nur vergeblich mit Essen eingerichtet, sondern auch beim Polizei-Diener darum beschwert hat. Sollte demnach Schleicher etwa partheyisch verfahren, so bin ich nothgedrungen höhere Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Auf Nachfrage erklärte der Ortsrichter, dass die Miltärbehörde die Quartiere bei Grenzdörfer und Gräßner nicht belegt habe.

 

  1. Sep. Zeitungsmeldung zur bevorstehenden Schließung der Saline (NKB).

Der Wegfall der Haupterwerbsquelle der Bevölkerung wurde nicht kommentiert.

 

      Sep. Letzte Badeliste zum Saisonende (NKB).

Die Frequenz war deutlich rückläufig, 1.484 Badegäste rund dreihundert weniger als im Vorjahr.  In die Badeliste hatten sich eingetragen die Baronin v. Borcke-Halle und v. Serdobin-Dresden, Baron von Schauroth und Baron v. Kettlhodt-Rudolstadt, Generalmajor Freiherr v. Bosse-Düsseldorf, Baronin v. Ende-Berlin, Graf Rentzkau-Berlin, General-Ltn. Safft-Naumburg, Oberst-Ltn. v. Zierold-Berlin, der Maler J. G. Meyer, Berlin, Baronin v. Seckendorff-Frankfurt, Baron v. Holtzendorff-Berlin, Oberstltn. v. Witzleben-Naumburg, der Oberbürgermeister von Danzig Groddeck, Baronin und Baronesse von Hoheneck, Oberst Polivanoff und Frau Oberst Boluginski-St. Petersburg, Gräfin v. Hacke-Berlin, Graf v. Lüttichau-Berlin, Graf zu Lyner-Dresden, Frl. Flora Loewenthal-New York, Hofdame Frl. v. Schönberg-Dresden, Hoftheateregisseur C. L. Keubel-Weimar, Freiherr von Riedesel-Stockhausen, sowie der Schriftsteller Berthold Auerbach (1812-1882) und die Wegbereiterin der Emanzipation die Schriftstellerin Fanny Lewald (1811-1889).

 

  1. Okt. Anordnung zur Einstellung der Bohrung auf der Radinsel (WER F 23).

Die Bohrung einschließlich des festsitzenden Bohrers in 554 Fuß (rd. 170 m) Teufe wurden  verschlossen und verwahrt. Die Gesamtkosten beliefen sich mittlerweile auf 17.638 Taler.

 

  1. Okt. Konkurs über den Nachlass des Oberstltn. a. D. Gebhard Johann v. Alvensleben (NTB)

Der stammte aus einer bekannten preußischen Generalsfamilie und starb hier am 28. November 1856 im Alter von 83 Jahren. Wegen Schulden lehnten seine Söhne, ebenfalls Generäle das Erbe ab, weshalb das Kreisgericht das Konkursverfahren eröffnete. Schuldner wurden aufgefordert, ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, Gläubiger sollten innerhalb bestimmter Fristen ihre Forderungen anmelden. 

 

  1. Okt. Anweisung des Ministers für Handel und Gewerbe an das OBA (MER F 44 II 12)

„...eröffne ich dem OBA, daß es grundsätzlich unzulässig ist, den aus der Arbeit zu entlassenden Arbeitern Wartegelder zu bewilligen, indem dieselben rechtlich darauf nicht Anspruch machen können“. Bei rechtzeitiger Kündigung könnte sich jeder eine Arbeit suchen „da in der dortigen Provinz im Allgemeinen an Arbeitern Mangel ist.“ Für die arbeitsunfähigen Arbeiter wäre die  Knappschafstkasse zuständig. Ausnahmsweise wurde genehmigt, dass denjenigen Arbeitern mit höherer Lohn-Klasse auch bei Übertragung von Arbeiten in einer niedrigeren Klasse, der bisherige Lohn gezahlt wird.

 

  1. Okt. Prinzregent Wilhelm genehmigt die Betriebseinstellung (WER F 23 II Nr. 21 Bd. 1)

 

  1. Okt. Bericht der Badedirektion an die Salinenverwaltung (St.-A. Nr. 75)

Die Einnahmen und Ausgaben der Badekasse waren ausgeglichen, allerdings ergab sich kein Überschuss für die Knappschaftskasse.

 

  1. Okt. Bekanntgabe der ersten Entlassungen (MER F 44 II 12)

Bergrat Backs und der Siedemeister Quarg teilten den Siedern Karl Scheuffler, Christian Schöneburg, Julius Törpsch, August Hauer, Friedrich Ziege III, Otto Eckardt, Wilhelm Rühlmann und den Kohlenfahrern Christian Ziege, Ferdinand Otto und Heinrich Eckardt ihre bevorstehende Entlassung mit, für sie auf dem Protokoll quittierten.

 

  1. Nov. Schreiben der Kgl. Regierung an die Salinenverwaltung (MER F 44 II 12)

„Bei der mutmaßlichen bevorstehenden Einstellung der Saline entsteht die Frage, ob die zur weiteren Unterhaltung des dortigen Solbades erforderlichen Gegenstände des bisherigen Salinenbetriebes  unter die Verwaltung der dortigen Knappschaft  gestellt werden können“.

 

  1. Nov. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„Da die Einstellung des Betriebes der dortigen Saline vorläufig ausgesprochen wurde, so veranlassen wie die Kgl. Salinen-Direktion bei denjenigen Salzdebits-Nachweisungen nicht die Ansätze des Etatsentwurfs 1859,  sondern nur diejenige Salzmenge zu Grunde zu legen  welche die Verarbeitung der ult. 1858  verbleibenden Siedesolebestände, so wie das von dem Chemiker Heun voraussichtlich zur Ablieferung kommende Solequantum, kommt.“

 

  1. Nov. Winterpause auf der Rudelsburg (NTB)

 

  1. Nov. Mitteilung des OBA über die Einstellung der Saline (MER F 44 II 12)

„Unter Zufertigung einer Abschrift des Ministerial-Erlasses v. 13. d. M. sowie der darin allegierten allerhöchsten Kabinetts-Order vom 25. v. M. durch welche die Einstellung des dortigen Salinen-Betriebes definitiv angeordnet worden ist, benachrichtigen wir die Kgl. Salinenverwaltung, daß wir demnächst  in Gemeinschaft mit  Kommissarien der Kgl. Regierung zu Merseburg und des Kgl. Provinzial-Schul-Collegiums an Ort und Stelle eine Beratung halten werden..“.

 

  1. Nov. Wahl der Wahlmänner für das preuß. Abgeordnetenhaus (NKB).

Kösen (1.413 Einwohner) und Lengefeld (259), bildeten den Wahlbezirk 2, Wahlkommissar war der Ortsrichter Schleicher, sein Stellvertreter der Ortsrichter von Lengefeld Reichenbach. Das Wahllokal war der Teichgräbersche Saal. Zu Wahlmännern wurden der Apotheker Gause, Dr. Groddeck, Mühlenbesitzer Roßner, der Rentier und Schiedsmann Reil, Dr. Rosenberger und Teichgräber gewählt.

 

  1. Nov. Versteigerung des Inventars der Mertendorfer Grube (NKB).

 

  1. Dez. Schreiben des OBA an den Handelsminister (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Das OBA schlug den 1. Mai kommenden Jahres als Termin der Betriebsschließung vor. Bis dahin könnte die in den Reservoiren lagernde Sole verarbeitet, die Kohlenvorräte aufgebraucht und die Salzbestände verkauft werden. Dazu würde man vor allem die Belegschaft der Siedehäuser benötigen. Die übrigen 39 Arbeiter, vorzugsweise Gradierer und Handwerker sollten ein Übergangsgeld erhalten, bis man sie in anderen fiskalischen Betriebe unterbringen könnte. Das betraf auch die Beamten und Unterbeamten, um die größte Not über den über den Winter zu lindern. 

 

              Verlegung des 2. Gleises zwischen Naumburg und Sulza (Fromm).

 

  1. Nov. Brand des Reichmannschen Kursaals (St.-A. Nr. 170)

Schleicher informierte den Landrat v. Danneil, dass durch unsachgemäßen Umgang mit Feuer das Hauptgebäude völlig niedergebrannt war, während der Saal und die Küche weitgehend verschont blieben. Der Eigentümer Furcht wäre aber ausreichend versichert. Daraufhin ordnete der Landrat eine Untersuchung an und betraute den Feuer-Polizei Kommissar Kempe mit der Vernehmung von Zeugen und der Ermittlung der Schadenshöhe. Vernommen wurden die Pächterin D. Reichmann, ihr Dienstmädchen, der Polizeidiener Knauer, die Zimmerergesellen Seyffarth und Eisenschmidt und der Punschrauer Pastor Ludwig Richter, der an diesem Abend den Kaufmann Scholvien besuchte. Die Pächterin und ihr Dienstmädchen sagten aus, dass sie im Schlaf vom Feuer überrascht wurden und das Feuer im Ofen am Abend ordentlich ausgemacht hätten. Die Pächterin war mit 4.000 Talern versichert, ihr Schaden betrug 2.000 Taler und sie habe sich mit der Versicherung auf 1.600 Taler geeinigt. Furcht war mit 12.220 Talern versichert, ihm wurden 2.210 Taler angeboten. Da sich sonst keine weiteren Verdachtsmomente ergaben, empfahl der Untersuchungsbeamte, die Sache nicht weiter zu verfolgen.

Kurz danach verkaufte D. Reichmann wegen Wegzugs eine Partie Mosel- und Rheinwein. 

 

  1. Dez. Verkauf des Jackenberges (BLK-A. Nr. 62)

Seit der Antragstellung auf Aufhebung der Hutungsrechte waren sechs Jahren vergangen, ohne dass eine Einigung zustande kam. Auch die von Hämmerling und Bäßler angebotene Ablöse lehnte die Landesschule ab, da weitere Pacht- und Nutzungsverträge bestanden, wie das Mithutungsrecht für den Gastwirt Weber, die Obstbaumkulturen in den Schluchten  und die städtische Lehmgrube. Weil die Lage kompliziert und der Jackenberg nach Ansicht des Kgl. Landesökonomierates nur einen geringen landwirtschaftlichen Wert hatte, erwog man den Verkauf an die dortigen Pächter.

 

  1. Dez. Anweisung zur Kündigung der Pacht der Glaubersalzfabrik (MER F 44 V Nr. 8)

 

  1. Dez. Verkaufsauktion der Abraumhalde der Mertendorfer Grube (NKB)

Meistbietend versteigerte die Salinenverwaltung rund 30.000 Tonnen, die „günstig zur Abfuhr“ lagerten.

 

  1. Dez. Anweisung des OBA zur Witwen und Waisenkasse der Knappschaft (MER F 44 II Nr. 12)

„Um zu übersehen, in wie weit die Zinsen des dem dortigen Knappschaftsvereins gehörigen Kapital-Vermögens ausreichend sind, den zur Zeit vorhandenen Invaliden, Witwen und Waisen die betreffenden Benefizien pro futuro fortzuzahlen, hat uns die Kgl. Salinen-Verwaltung baldigst einen Kostenüberschlag vorzulegen und dabei den Fall anzunehmen, daß sämtliche Arbeiter anderweitig untergebracht werden und in anderen Knappschafts-Vereinen eintreten“.

Nach Backs Übersicht wurden 10 Invaliden unterstützt, was der Kasse jährlich 756 Talern kostete. In Mertendorf waren es 11. 16 Witwen erhielten jährlich 561 Taler und die beiden Waisen 22 Taler aus der Knappschaftskasse. Insgesamt waren es jährlich 1890 Taler an Ausgaben, davon kamen rund 500 Taler aus Zinsen, der Rest aus den laufenden Beiträge der Knappschaftsmitglieder.

 

  1. Dez. Amtliche Anzeige wegen Entzug vor der Wehrpflicht (NKB).
  2. A. Seyffarth, der Sohn des Bäckermeisters (Uferstr. 4) wurde aufgefordert, sich binnen einer Frist der Behörde zu stellen.

 

  1. Dez. Zeitungsartikel zum Gemeindestatut (NKB).

Darin wurde die Notwendigkeit der Annahme der Landgemeindeverfassung und die Wahl von Gemeindeverordneten erörtert.

 

  1. Dez. Der Gemeinderat beschließt das Statut der Gesellenunterstützungskasse (NKB).

Alle im Gemeindebezirk angestellten Gesellen, Hilfskräfte und Arbeiter waren verpflichtet der Kasse beizutreten und den satzungsgemäßen Beitrag zu entrichten. Alle Arbeitgeber wurden verpflichtet, Neueinstellungen und Entlassungen zu melden und sich mit der Hälfte des jeweiligen Beitrages zu beteiligen, beschloss der Gemeinderat (Krüger, Gundermann, Werner sen. und jr., Wölcke, Dr. Rosenberger, Roßner, Teichgräber, Reinhart, Heckenberg, Heyne, Rößler, Schleicher). Im März wurde das Statut vom Handelsminister genehmigt und im Juni 1859 im NTB Nr. 39 veröffentlicht.

 

1859

 

  1. Jan. Anordnung des OBA (MER F 44 II Nr. 12)

„Der Bestimmung des Herrn Handelsministers zufolge sollen die bei der dortigen Saline zur Veräußerung kommenden Realitäten, also sämtliche Wohn- und Betriebsgebäude und sonstige Betriebsvorrichtungen baldigst einer Wertermittlung  unterworfen werden. Mit diesem Geschäft  ist der zur Zeit bei der Kgl. Regierung zu Merseburg kommissarisch beschäftigte Baumeister Düsterhaupt beauftragt worden.“ Nachdem der ausfiel wurde im Februar der Baumeister König beauftragt

 

  1. Jan. Liste der Unterbeamten und Arbeiter 1858 (MER F 44 I A)

Bei der Saline waren 52 Leute fest eingestellt, die ältesten Fr. Zedel (78 Jahre) und August Dönicke (72) mit 52 bzw. 46 Dienstjahren. Dazu kamen noch 25 Interimsarbeitern von denen 9 verheiratet waren und Kinder hatten.

 

     Jan. Petition der Badewirte (St.-A).

Nach dem Ausscheiden Varchmins wurde Dr. Groddeck als Badedirektor vorgeschlagen, was die Behörden aber ablehnten und nach Rücksprache sich der Bergrat Backs bereit erklärte, das Amt  bis zur endgültigen Einstellung der Saline weiterzuführen.

 

  1. Jan. Konferenz zur Abwicklung der Saline (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 1).

Oberberghauptmann v. Hövel, Oberregierungsrat v. Werder, Reg.-Rat v. Thielemann, Reg.-Rat Schultz, Landrat v. Danneil, Bergrat Backs und Schulinspektor Schwimmer  verständigten auf die Lösung einer zügigen Abwicklung hinderlichen objektiven und subjektiven Gründe und beschlossen vorbehaltlich der höheren Genehmigung „daß die sämtlichen Salinengebäude, welche auf dem Grund und Boden der Kgl. Landesschule stehen an Letztere gegen den Taxwert der Materialien  nach Abrechnung der Abbruchkosten abgetreten werden sollen..“

 

  1. Jan. Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Carl Reinhardt (NKB)

Dabei kam auch sein Wohnhaus  in der Neuen Straße 106 (Fr.- Ebert-Str. 6) unter den Hammer.

 

  1. Jan. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„Auf Anfrage eröffnen wir der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß es unbedenklich ist, das zur Aufarbeitung der bei der dortigen Saline noch vorhandenen Siedesolebestände erforderliche Braunkohlen-Quantum von 2600 Tonnen zu möglichst billigen Preisen von der Weißenfels-Werschener Braunkohlen AG  (.) zu ordern“ darüber hinaus wurde bemerkt. „daß es wegen des Zeitpunkts  der Entlassung  von Unterbeamten und Arbeitern noch keine definitive  Entscheidung  getroffen ist und die desfallsige Kündigung der Kgl. Salinen-Verwaltung daher zur Zeit noch nicht  aufgegeben werden kann“. 

 

  1. Jan. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„In Folge höherer Anweisung (.) geben wir der Kgl. Salinen-Verwaltung nunmehr auf, in betreff derjenigen dortigen Unterbeamten und Arbeiter, welche nach pflichtgemäßer Überzeugung nicht mehr  dienst- resp. arbeitsfähig sind,  das Erforderliche wegen der Pensionierung derselbe aus der Knappschaftskasse zu veranlassen, den arbeitsfähigen Arbeitern aller Kategorien dagegen unter  Innehaltung der vorschriftsmäßigen Frist die Arbeit zu kündigen und ihnen aufzugeben, sich nach  anderweitiger Arbeiten umzusehen.

Um das anderweitige Unterkommen der ständigen Arbeiter zu erleichtern haben wir zwar Anordnung getroffen, daß auf den übrigen Werken des Bezirks bei Neuanlegung von Leuten ausschließlich auf die Kösener Mannschaft Rücksicht genommen werden soll. Die auch auf den Werken eingetretenen Beschränkungen lassen es aber wünschenswert erscheinen, daß sich die Kösener Arbeiter durch jene Anordung nicht abhalten lassen, sich um Erlangung von Privatarbeit zu bemühen“.

 

  1. Jan. Schreiben des OBA wegen der Soleförderung für Badezwecke (WER F 23).

Auf Nachfrage der Lokaldirektion wegen der Weiterführung des Badebetriebes, als „Nahrungsquelle“ der Einwohner wurde dies vorbehaltlich höherer Genehmigung positiv beschieden und somit die Soleförderung für die bevorstehende Badepublikum gesichert. 

 

  1. Feb. Kündigung von 38 Unterbeamten und Arbeitern (MER F 44 II 12)

Das verbleibende Personal wurde für die Versiedung der Solebestände bzw. für die Beräumung des Betriebsgeländes gebraucht.

 

  1. Feb. Bitte des Gradiermeisters Törpsch zur Weiterbeschäftigung (MER F 44 II 12)

„E. Wohlgeboren erlaube ich mir, meinen ganz gehorsamsten Dank für die mir angetragene Kohlenmeister-Stelle (Grube Löbejün) abzustatten und E. Wohlgeb. ganz gehorsamt zu bitten meine Familien-Verhältnisse zu berücksichtigen, da ich fünf unerzogene Kinder habe, wovon das Älteste noch nicht  das vierzehnte Lebensjahr erreicht hat und ich alle noch zu versorgen habe und eine hilfebedürftige Mutter, welche ich als einziger Sohn nicht hier allein zurück lassen kann, so wird es mir bei geringen Einkommen bei der starken Familie unmöglich, die nötigen Lebensbedürfnisse befriedigen zu können, indem ich mich hier habe beschränken müssen, wo ich monatlich 18 Taler Gehalt, Wohnung und Feuerung gehabt habe und die nötigen Lebensbedürfnisse an Gemüse auf dem Salinen-Pachtfeld selbst erbaut, welches doch auch zum Vorteil ist.  Erlaube ich mir noch ganz  gehorsamst bemerken zu dürfen, daß ich durch den Kauf  des am Rechenberg gelegenen Hauses (Loreleyprom. 4) in eine schwierigen Lage versetzt bin als alle meine Knappschafts-Genossen, indem, wenn ich nicht hier bleiben kann und selbiges wieder zum Verkauf  ausbieten muß, ich nicht den von mir gebotenen Kaufpreis erhalte und dadurch in großen Nachteil komme.  Erlaube ich mir noch ganz gehorsamst die Bitte auf das Versprechen des Hr. Geh.  Reg.-Rat und Landrat v. Danneil, daß die Kgl. Regierung alles zum Besten des Bades wird lenken und hoffentlich  den Stock selbst in der Hand behalten und Solschacht, Gradierwerk und Wellenbad  fortbestehen zu lassen, welches denn auch mehrere Leute zur Wartung  erfordert, wollte ich  mir erlauben E. Wohlgeboren zu bitten, mich mit in Vorschlag zu bringen.“

Törpsch hatte Erfolg und bekam nach der Einstellung der Saline die Stelle als Wärter für die Badeeinrichtungen..

 

  1. Feb. Nachweis der den Unterbeamten und Arbeitern verpachteten Gärten (MER F 44 II 12)

Zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung hatte die Salinenverwaltung alle Flächen innerhalb des Betriebsgeländes, die nicht unbedingt gebraucht wurden, parzelliert und an die Beschäftigten in Pacht gegeben. Kostenlos waren dagegen die zu den Dienstwohnungen gehörenden Gärten von  von Backs, Rendant Freund, Buchhalter Klempe, Assistent Kühnel, Siedemeister Quarg und  Salzausgeber Thielitz. Für die übrigen Beschäftigten gab es 14 Gemüsegärten am oberen Gradierhaus auf dem Rechenberg, 42 am unteren Gradierhaus neben dem Solereservoir sowie 15 auf  den ehemaligen Streichplätzen. Wegen der Rückgabe des gesamten Betriebsgeländes an die Landesschule wies das OBA die Salinenverwaltung an, dass „es als zulässig erscheint, den zeitherigen Pächtern den Besitz der von ihnen angepachteten Ländereien bis zur diesjährigen Ernte zuzusichern, wenn sich die Landesschule Pforta damit einverstanden erklärt (.) weshalb sich die Kgl. Salinen-Verwaltung mit gedachter Anstalt, vorbehaltlich der höheren Genehmigung auch über die Teilung der Pachtbeträge zu einigen hat.“ Am 10. März erklärte das Kgl. Schulkollegium, dass  die Gärten noch bis 1. Oktober bei der Saline bleiben könnten.

 

  1. Feb. Mitteilung des Kgl. Bergamtes Saarbrücken (MER F 44 II 12)

„Was die beiden Zimmerleute G. Hoyer und J. Seyffert betrifft, so können dieselben jederzeit  auf den hiesigen Gruben gegen einen Lohn von 20 Silbergroschen pro 12 stündiger Schicht über Tage und 21 Silbergroschen für dieselbe Zeit in der Grube beschäftigt werden. Die Kosten der Herreise derselben werden mit 3 Silbergroschen pro Meile vergütet werden.“ Ministerium und  Bergbehörden bemühten sich, möglichst viele der arbeitsfähigen Arbeiter in andere auch weit entfernte fiskalische Werke zu vermitteln.

 

  1. Feb. Bericht zur Einstellung der Saline (WER F 23 II Nr. 21, Bd. 3.)

Backs wies erneut darauf hin, wie nachteilig die Einstellung der Saline und die Verwahrung der Solequellen für den Badebetrieb sein würden, ganz abgesehen davon, dass bei der Einstellung der Solelieferungen die Hartungsche Badeanstalt auf Schadensersatz klagen würde.

 

  1. Mär. Wiedereröffnung der „neu dekorierten Räume“ im Kursaal (NKB).

Nach dem Brand hatte Doris Reichmann die Pacht gekündigt, A. Furcht jun. übernahm selbst das Geschäft.

 

  1. Mär.Vorschlag des Landrats zur Weiterführung des Bades (WER F 23 II nr. 21 Bd. 3)

Bei einer Besprechungen plädierte der Landrat für die Beibehaltung des Badedirektorats und die Besetzung mit örtlichen Vertretern. Für die Betreuung der Park- und Grünanlagen empfahl er den Naumburger Stadtrat Thränhardt.

 

  1. Mär. Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„..ermächtigen wir die Kgl. Salinen-Verwaltung so viel von den besteinten Dornen des dortigen unteren Gradierhauses ausbrechen zu lassen, als nötig sind, um den erforderlichen Dornstein zu Befriedigung der diesjährigen Frühjahrs-Debits an Düngegips zu gewinnen“.

 

  1. Mär. Eröffnung der Bahnlinie Weißenfels-Gera (NTB)

 

  1. Mär. Zwangsversteigerung (NKB)

Unter den Hammer kam das Starklopsche Anwesen „Am Badehaus 114 ( Naumburger Straße 10)

 

  1. Mär. Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

Der Amtsdiener Sitzmann wurde anstelle von Törpsch als Kohlenmeister in das Steinkohlewerk Löbejün beordert und das Salzamt Dürrenberg hatte die Versetzung des Siedemeisters Quarg auf die Stelle des verstorbenen Salzausgeber beantragt. Die auf der hiesigen Saline nicht mehr gebrauchten Büroutensilien sollten nach Staßfurt in das neue Amtsgebäude gebracht werden.

 

  1. Mär. Festsetzung der Ablösebeträge für die Hutung auf dem Jackenberg (BLK-A. Nr. 62)

Der Landesökonomierat setzte die Ablöse auf 107 Taler fest. Davon zahlte Therkorn 54 Taler und  Werner 27 Taler. Den  Rest teilten sich die Witwen Reinhardt, Wolf und Kreutzmann sowie   Ziege, Bäßler, Dr. Gräfe, Mengel gen. Saalborn, K. Fr. Reinhardt, Zwingenberg und Sträuber. Die Ablöse sollte in 2 Raten  am 1. Juli und 31. Dezember gezahlt werden.

 

  1. Mär. Geschäftsempfehlungen (NTB)

Der Kaufmann Eduard Schneider warb für seine Woll- und Seidenfärberei (Querstraße 96 - Schmettaustr. 1), der Naumburger Kaufmann G. A. Scholvien hatte eine Niederlassung für Mal- und Mauerfarben eröffnet und der  Kaufmann Scheufler (An der Saale 113 - Uferstr. 5) warb für  Kinderspielzeug und Schulmaterial.

 

  1. Mär. Schreiben Backs an das Oberbergamt (WER Rep. F 23 X Nr. 22 Bd. 3).

nach der Anordnung, den unteren Schacht aufzulassen und zu verwahren, sollte die Sole aus dem oberen Schacht für den Badebetrieb gefördert werden. Dazu müsse aber die Ausgabe verlegt und die Röhrenfahrt zur Hartungschen Badeanstalt verlängert werden.

 

  1. Mär. Kunstwärter Friedrich Schlunk verkauft seine Gerätschaften (NTB)

Kaufinteressenten sollten sich in der Dorfstraße 18 (Borlachstr. 37) melden.

 

  1. Mär. Samiel eröffnet die Sommerwirtschaft auf der Rudelsburg (NTB)

 

  1. Mär. Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„Veranlassen wir die Kgl. Salinen-Verwaltung, daß in dem Keller des Weberschen Hauses in der Nähe des dortigen Solschachtes aufgetretene Wasser in Bezug auf seinen Salzgehalt zu untersuchen, da es wegen etwaiger Entschädigungsansprüche des Weber von Wichtigkeit ist, ob das in dem Keller gedrungene Wasser mit der in gleichen Niveau stehenden Sole des unteren Schachtes bezüglich des Salzgehaltes identifiziert werden kann.“ Daraufhin kontrollierte Backs mehrere Wochen den Salzgehalt des Grundwassers  und verglich ihn mit der Konzentration des Solbrunnens.

 

  1. Mär. Einstellung der Gradierung (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 2)

Damit waren auch die restlichen Vorräte aus den Zwischenbehältern aufgebraucht, denn die  Förderung wurde bereits zum Jahresende eingestellt.  

 

  1. Apr. Anordnung des OBA zum Solevertrag der Hartungschen Badeanstalt (MER F 44 II 12)

„Eröffnen wir, daß die Kgl. Regierung in Anerkenntnis der Wichtigkeit der Hartungschen Badeanstalt für das dortige Solbad zwar die Absicht ausgesprochen hat, in den seinerzeit zwischen dem Salinenfiskus und dem Regierungsrat Jacob abgeschlossenen Vertrag wegen Verabfolgung  von Badesole einzutreten, daß jedoch sowohl hierüber als über die Modalitäten unter welchen der Vertrag ferner fortzusetzen sein wird, dem Besitzer der Badeanstalt keine bestimmten Eröffnungen  gemacht werden können, bevor nicht die höhere Entscheidung auf die wegen Regulierung der gesamten Kösener Verhältnisse geschehenen Vorschläge ergangen sein wird. Was das für die diesjährige Badesaison zu befolgende Verfahren betrifft, so unterliegt es mit Rücksicht darauf, daß die Abwicklung  der mit der Aufhebung der dortigen Saline verbundenen Geschäfte jedenfalls noch geraume Zeit, sowie die Beibehaltung eines Teiles der Beamten und Arbeiter, beanspruchten wird, keinen Bedenken, daß es im Laufe der diesjährigen Saison noch bei der bisherigen Verwaltung der zur Saline gehörenden Badeanstalten, sowie dem bisherigen Modus der Verabfolgung von Badesole sein Bewenden behält“.

 

  1. Apr. Schreiben des Kgl. Kreisgerichts zum Törpschen Hauskauf (MER F 44 V nr. 2)

Die von dem Herrn Geh. Bergrat Backs bei dem am 12. März d. J. verhandelten Verkaufs eines  angeblich dem Bergfiskus  gehörigen Wohnhauses zu Kösen am Rechenberg an den Gradiermeister Törpsch vorgelegten Aktenverzeichnisse des fiskalischen Eigentums sind ungenügend, indem in dem Kaufvertrag  vom 4.  April 1748  und der beigefügten Konfiguration der verkauften Objekte nur von dem Brauhause, Darre, Malztenne, Keller und Braugeräten so später die Weberschen Eheleute  erbpachtweise  erworben haben und nicht zugleich von einem Wohnhause am Rechenberg die Rede ist, der nötige Eigentums-Nachweis auch nicht durch Bezugnahme auf das Pacht-Inventarium vom 20. Juni 1766 geführt werden kann, vielmehr ist erforderlich, durch ein Attest der kompetenten Behörde nachzuweisen, daß der Fiskus Besitzer des erkauften Hauses über 44 Jahre sich befunden hat. Bevor nun ein solches Attest beigebracht und sodann der Kaufvertrag von dem OBA genehmigt  und die nach dieser Genehmigung aufzustellende Tabelle öffentlich bekannt gemacht und durch zweimonatlichen gesetzlichen Zeitraum ohne Erinnerung gegen diese Tabelle abgelaufen ist, kann die Grundstückszuschreibung und die Eintragung des darauf von dem Herrn Backs vorgestreckten Darlehens nicht erfolgen“. Dem kam die Salinenverwaltung nach und da es keinen Einspruch innerhalb der Frist gab, wurde der Kaufvertrag genehmigt.

 

  1. Apr. Inventar der Salinenbibliothek (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 2 MER F 44 II Nr. 12).

Die vom Salinen-Assistenten Kühne erfassten Bestände, darunter Langsdorfs  „Salzwerkskunde“, Karstens „Lehrbuch Salinenkunde“, Bischoffs Tabellen, die Risse sowie das Inventar des Dienstlokals wurden dem OBA übergeben.

 

  1. Apr. Verkaufsanzeige August Hämmerlings (NKB)

„Die mir gehörigen, hier an der Chaussee gelegenen beiden Wohnhäuser 119/120 (Naumburger Str. 2-4) bin ich willens in meiner jetzigen Wohnung öffentlich zu verkaufen (Naumburger Str. 1)“

 

  1. Apr. Bericht der Salinenverwaltung (WER Rep. F 23 Nr. 21. Bd. 2).

Die Knappschaft hatte sich an die obere Bergbehörde gewandt und um die Beibehaltung des Vereins samt Kasse nach der Einstellung der Saline gebeten, um die satzungsmäßige Versorgung der Invaliden, Witwen und Waisen und den ausgeschiedenen dienstfähigen Arbeitern die Ansprüche auf ihren Anteil am Knappschafts-Kapital zu gewährleisten. Daraufhin wurde Backs angewiesen,  ausführlich über die hiesigen Knappschaftsverhältnisse zu berichten.  

 

  1. Apr. Erinnnerung des OBA (MER F 44 II 12)

„Wenn schon wir voraussetzen, daß die Kgl. Salinen-Verwaltung nichts verabsäumen werde, was erforderlich ist, um sich für den oberen Schacht zur Versorgung der dortigen Bade-Anstalten mit Sole die nötigen Vorrichtungen zur rechtzeitigen Ausführung zu bringen, so wollen wir doch nicht unterlassen, dieselbe hierauf besonders aufmerksam zu machen“.

 

  1. Apr. Extra-Konzert der Badekapelle zum Holzmarkt in der Bahnhofswirtschaft (NTB)

Zur diesjährige Holzmesse hieß es „Die Menge wurde auf 2000 Floß-Bau-Hölzer und Schneidwaren geschätzt, die bis Salzburg (Unterneusulza) reichten“. Wegen des großen Angebotes  fiel der Preis  20 % unter dem des Vorjahres und ein Teil wurde gar nicht verkauft. Die Einbuße der oberländischen Flößer wurde mit 40.000 Talern beziffert.  

 

  1. Apr. Kabinettsorder (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd. 3)

Der Handelsminister v. d. Heydt bewilligte die Soleförderung für den  Badebetrieb und die Öffnung der Wellenbäder in der bevorstehenden Saison, vorbehaltlich der höheren Genehmigung.

 

  1. Apr. Änderung der Verwaltung der Landesschule (NKB).

Das Kgl. Provinzialschulkollegium ordnete nach der Pensionierung des Haus-Inspektors Schwimmer an, dass das Amt einem Prokurator übertragen und ein Kassenschreiber beigegeben wird.

 

  1. Apr. Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„Die Kgl. Salinen-Verwaltung erhält in der Anlage einen Bescheid des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe mit der Anweisung, denselben an die Vertreter der dortigen Knappschaft und des Gemeinde-Vorstandes, welche sich wegen des Fortbestehens der Saline Kösen an den Prinz-Regenten gewendet hatten, sofort auszuhändigen. Gleichzeitig hat  die Kgl. Salinen-Verwaltung  im Auftrag des Hr. Ministers der dortigen Knappschaft auf die Eingabe  v. 2. Febr. zu eröffnen, daß die erbetene Bewilligung von Wartegeldern nicht zulässig ist. Was die Verwaltung der Badeanstalten betrifft, ist von dem Herrn Minister genehmigt worden, daß die Kgl. Salinen-Verwaltung während der diesjährigen Badesaison das bisherige Verfahren der Verabfolgung von Badesole sowie der Verabreichung von Wellenbädern beibehält. Demgemäß hat die Kgl. Salinen-Verwaltung das hierzu Erforderliche zu veranlassen und uns ungesäumt anzuzeigen, welches Personal zu diesem Behufe beizubehalten ist“ 

 

  1. Mai Saisoneröffnung (NKB).

In Teichgräbers Kuchengarten spielte Heynes Badekapelle und in der Rost`schen Restauration konnte täglich à la carte gespeist werden. 

 

  1. Mai Geschäftseröffnung des Seil- und Materialienhändlers Albert Koch (NKB).

 

  1. Mai Bericht des Gemeindekirchenrates zum Sparverein (NTB)

Sei der Gründung 1854 waren 157 Mitglieder beigetreten, von denen 126 Spareinlagen hinterlegt hatte. Mit den Zinsen waren es 6.034 Taler, die bei der Naumburger Sparkasse in Wertpapieren angelegt waren. Der Gendarm Hering hatte um seine Entbindung als Rendant gebeten und Bergrat Backs kommissarisch das Amt übernommen.

 

  1. Mai Anordnung des OBA (WER F 23 II Nr. 21 Bd 3, MER F 44 II 12)

Der Lokalverwaltung wurde das für den Badebetrieb und die Abwicklung benötigte Personal sowie der Entlohnung aus der Salinenkasse genehmigt. Außerdem erklärte das OBA „daß auf  Kosten der Hartungschen Badeanstalt eine Röhrenfahrt vom oberen Schacht bis zum Sole-Bassin der Badeanstalt unter Verwendung von alten Röhren der Saline gelegt werden darf (.) Auf die kurze Zeit  während welcher die Verabreichung  der Badesole noch in den Händen der Salinenverwaltung liegt,  auch noch den Verkauf von gradierter Sole  einzuführen,  halten wir für nicht angemessen (.) Dies sollte einer zukünftigen Badeverwaltung überlassen bleiben, inwieweit man den Wünschen des Badepublikums gerecht werden würde“.

 

  1. Mai Kosten-Erlös-Vergleich für den Abbruch der Salinenanlagen (MER F44 II 12)

Entsprechend der Vereinbarung mit der Landesschule aus dem Jahr 1817 sollte das Werksgelände bei Einstellung der Saline so übergeben werden, wie es übernommen wurde, d.h. als unbebaute Weide. König hatte daher alle 29 Einzelobjekte erfasst und im Ergebnis die Abbruchkosten mit 18.166 Talern und die den Verkaufserlös der Abbruchmaterialien auf 51.435 Talern festgestellt, mithin ein Gewinn für den Fiskus von 33.239 Talern. Beim oberen Schacht betrug das Verhältnis Kosten-Erlös 135 zu 635 Taler, bei den beiden Radhäusern mit den Kunstgestängen 387 zu 2325 Taler und beim oberen Gradierhaus sogar 1600 zu 9000 Taler. Auch das Verhältnis bei den  8 Dienstwohnungen (Dirigent, Buchhalter, Rendant, Kassendiener, Kunstmeister, Schmiedemeister, 2 Gradiermeister) sowie die gepflasterte Werksstraße ergaben ähnlich hohe Gewinne.

Die Entscheidung des Fiskus, dann doch von einem Gesamtabbruch abzusehen und der Badedirektion und der Kirchengemeinde die Anlagen kostenlos zu überlassen, war der Entscheidung der Ministerien geschuldet, den Einwohnern die  Möglichkeit für den Nahrungserwerb aus dem florierenden Badebetrieb zu belassen, zumal der inzwischen auch in den höchsten preußischen Kreisen einen guten Ruf hatte. Als Alternative bliebe ohnehin nur die staatliche Fürsorge für diejenigen, die woanders keine Arbeit und Unterkommen fanden.

 

  1. Mai Bericht von der letzten Siedeschicht (MER F 44 II 12, St.-A. nr. 183)

„Als ein zwar vorhergesehenes, darum doch wichtiges, zugleich aber höchst trauriges Ereignis ist zu melden, daß mit noch aufgehobenen Siedensolebeständen das letzte Werk sich in der Pfanne  befindet, nach dessen Ausbringen die Einstellung der Saline erfolgen und neben der für die vielen  dabei Angestellten eine trübe verhängnisvolle Zukunft, an Kösen sich nur noch die Erinnerung  knüpfen wird, zur Ehre seines Erbauers 129 Jahre lang geblüht und reicher Segen über den Ort und Umgegend verbreitet zu haben“ Dann wurden die Siedefeuer endgültig gelöscht

Den letzten 23 Arbeiter K. Colditz, A. Quarg, J. u. H. Törpsch, Fr. u. Chr. Ziege, Fr. Sitzmann, R. u. B. Zedel, A. Hammer, Chr. Plaul, Chr. Rothe, Chr. u. Fr. Sträuber, W. Richter, K. Schmal, O. Eckart, G. Hüttig erhielten noch 206 Taler Lohn, dann waren sie auch entlassen.

 

  1. Juni Betriebsbericht der Lokalverwaltung (MER F 44 V Nr. 8)

„Das in der Dornwand des 4. Falles abgesetzte Salz ist durch geringhaltige Sole aufgelöst, wodurch man 3200 Kub.-Fuß 15 lötige Sole mit 499 Zentnern Rohsalz noch erhalten hat. Teils wegen des geringen Gehalts, teils und hauptsächlich weil die vorhandene Kohlen aufgeräumt  waren, endlich wegen der schlechten Beschaffenheit der Pfannen erschien es nicht ratsam, diese Sole zu versieden. Zu deren anderweiten Verwendung erlauben wir uns, dem Kgl. Oberbergamt den gehorsamsten Vorschlag zu machen, das gesamte Quantum dem Fabrikanten Heun zu überweisen indem er dasselbe nach dem kontraktlichen Preise als Mutterlauge bezahlt und das daraus gewonnen Salz abliefert. Die 3200 Kubikfuß betragen auf Mutterlauge reduziert rund 1600 Kubikfuß. Er würde dafür 56 Taler zu entrichten haben, dadurch etwa 120 Tonnen Salz gewinnen und dafür 216 Taler  bezahlt erhalten“ Dem stimmte das OBA zu unter der Maßgabe zu, daß Heun für das ihm überlassenen Quantum Mutterlauge  3 ½ Groschen pro 100 Kb.-Fuß bezahlt. 

 

  1. Juni Anordnung des OBA (MER F 44 V Nr. 8)dto

„Der Herr Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten haben genehmigt, daß zur Beseitigung derjenigen Ansprüche zu denen der Chemiker Heun nach Auflösung der Saline  Kösen  aus dem mit ihm wegen Benutzung der Siedeabfälle daselbst abgeschlossenen Vertrag berechtigt ist und wegen der Verpachtung der Siedeabfälle zu Dürrenberg  der mit Heun bestehende und noch bis ult. 1863 laufende Vertrag um vier Jahre prolongiert wird. (.) mit dem Vorbehalt, daß der Heun allen Entschädigungs-Ansprüchen aus dem unterm 15. Nov. 1843 mit ihm abgeschlossenen Vertrag entsagt.“ 

 

  1. Juni Erlass des Landrates v. Danneil (NKB).

„Einige Hauswirte in Kösen suchen sich dadurch in Vorteil zu setzen, daß sie Personen die sich hierzu, auf dem Fall eines Erfolges verheißene Belohnung gebrauchen lassen, anstellen um die mit den Bahnzügen der Kur wegen dort eintreffenden Fremden in so zudringlicher Weise mit Anpreisung ihrer Mietwohnungen zu behelligen, daß darüber bereits lebhafte Beschwerden erhoben worden sind. Ich habe daher die Aufsichtsbeamten angewiesen, gegen diesen Unfug  mit allen Nachdruck einzuschreiten und warne zugleich diejenigen, welche auf solche Weise aus der Vermittlung von Geschäften ohne polizeiliche Erlaubnis ein Gewerbe machen, vor den für deratige Übertretungen vorgesehenen Strafen.“ 

 

  1. Juni Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„Eröffnen wir der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß die Gewältigung des oberen Solschachts nach erfolgtem Aufsteigen  der Sole in demselben  wesentlich einfacher als die des unteren Schachtes ist, es nur vorteilhaft  für die Saline erscheint, die zu Badezwecken bestimmte Sole nicht wie bisher dem unteren sondern dem oberen Schacht zu entnehmen. Mit Rücksicht darauf, daß nach der Bestimmung des Hr. Ministers die Verwaltung des dortigen Solbades für das innestehende Jahr  noch in den Händen des Salinenfiskus bleiben soll, unterliegt es daher unter den von der Kgl. Salinen-Verwaltung angeführten Umständen keine Bedenken zum Zwecke der Abführung der Badesole von dem oberen Schacht nach dem an dem untern Schacht befindlichen Verausgabe-Punkt eine Röhrenstrecke zu legen und auf dieses Weise gleichzeitig die zur Saline gehörigen Wellenbäder  mit dem Bedarf  an Dusch-Sole zu versorgen“.

 

  1. Juni Verkauf des Jackenberges (BLK-A. Nr. 62)

Nach der Festsetzung der Ablösesumme der Hutungsrechte, verkaufte die Landesschule den 58 Morgen umfassenden Jackenberg zwischen der Fränkenauer Trift, dem Äbtischen Holz und dem Lengefelder Weg, ausgenommen die Trift von der Chausse zu den Lehden am Saaleufer (Fränkenauer Weg). Der Kaufpreis betrug 150 Taler je zur Hälfte für die  Landesschule und den Fränkenauer Domänenpächter. Käufer waren der Gastwirt Weber, der für sein Feld 45 Taler und weitere 250 Taler für die Obstbäume an den Hängen der  Erosionsrinnen zahlte, weitere Käufer waren Hämmerling und Therkorn, die Gemeinde Kösen die für 50 Taler die drei  Lehmgruben. Erwarb, sowie die übbrigen Kleinpächter. Den Vertrag unterschrieb für die Landesschule der Prokurator,  und von den Käufern Gastwirt Hermann Weber, Bäcker August Hämmerling für sich und mit Vollmacht der Erben von Dr. Gräfe, Ökonom August Werner, die Salinenarbeiter Georg Wolf, Gottfried Sträuber, Friedrich Zwingenberg, Friedrich Ziege, der Maurer Friedrich Reinhardt, der Musikus Johann Friedrich Reinhardt, die Mehlhändler Friedrich Möller und Traugott Bäßler, für die Gemeinde der Ortsrichter Ch. Schleicher sowie die Schöppen Wilhelm Werner und Christian Gundermann sowie der Lengfelder Gottlob Hesselbarth.

Nach Genehmigung der Verträge beantragte die Gemeindevertretung beim Bezirksausschuss die  Eingemeindung des Jackenberges, der nun als Jochenberg bezeichnet wurde.  

 

  1. Juni Anordnung des Handelsministers zur Einquartierung (MER F 44 V Nr. 2)

„Auf den Bericht v.  24. Juni will ich mit Rücksicht auf den zur Zeit der Badesaison herrschenden Mangel an Privat-Wohnungen zu Kösen die Benutzung der augenblicklich nicht in Gebrauch  befindlichen Wohnungen und Schuppen-Räume der Saline Kösen zur Unterbringung von Militär  hierdurch gestatten, jedoch bedenklich erscheint, eine solche Vergünstigung einzelnen Hauswirten  zu Teil werden zu lassen, so ist das desfallsige Abkommen unter Zuziehung des Landrates mit der Ortsbehörde von Kösen zu treffen und hierbei nicht bloß die Übernahme der Verpflichtung zur Versicherung der benannten Räume gegen Feuersgefahr und zum Ersatz jeden anderweit etwa entstehenden Schadens zu stipulieren, sondern auch der Widerruf der eingeräumten Vergünstigung zu jeder Zeit..“ Den von der Salinen-Verwaltung entworfenen Vertrag lehnte der Gemeindevorstand ab, worauf das OBA entschied „so finden wir uns nicht veranlaßt, im Interesse einzelner dortiger Hausbesitzer diese Angelegenheit weiter zu verfolgen...“

 

  1. Juli Anordnung des Handelsministers (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2 , MER F 44 II 12)

Der Prinzregent hatte die Förderung von Badesole, sowie den Betrieb der Badeanstalten bis zum 30. September und für das erforderliche Personal (Gradiermeister Törpsch, die Kunstwärter Schöneberg, Grund und Pauli, Gradierer Zedel) 340 Taler aus der Salinenkasse genehmigt. Außerdem bestätigte Minister v. d. Heydt die  vorgeschlagenen Pensionierungen und bevollmächtigte das OBA, mit der Thüringer Eisenbahnverwaltung über die Anstellung entlassener Salinenarbeiter zu verhandeln.

 

  1. Juli Pfingskonzerte im Kursaal (NKB)

August Furcht veranstaltete ein Vocal- und Instrumental-Konzert mit dem Opernsänger F. Mankisch und der Badekapelle unter Leitung des Musikdirektors Eberwein, dem Nachfolger Fuckels als Leiter des Naumburger Dom- und Stadtorchesters. Am nächsten Tag gab es ein Konzert mit der Hofopernsängerin Melanie Baum aus Weimar und dem Großherzogl Opernregisseur Kaibel.

 

  1. Juli Sitzung des Gemeindevorstandes (St.-A. Nr. 305).

Die Sitzung fand am Pfingstsonnabend statt und man befasste sich mit einem „unerhörten“ Vorfall in Teichgräbers „Waldschlößchen“. Dort wurde bis weit nach Mitternacht dem Alkohol zugesprochen und dann zogen etliche Gäste lärmend durch den Ort, so dass der Nachtwächter eingreifen musste. Danach meldete die Zeitung, dass gerade an diesem Tag etliche Professoren aus Jena, Leipzig und Halle sowie Weimar und Gotha hier weilten.

Teichgräber, dem man die Schuld an diesem „Exzess“ gab, beschwerte sich daraufhin beim Landrat.

 

  1. Juli Einreichung des Etat der Badeverwaltung für 1860 (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Die Anordnung des OBA gab zumindest Hoffnung, dass der Badebetrieb aufrecht erhalten werden sollte, wobei die Klärung der Rahmenbedingungen noch längere Zeit dauern würden..

 

  1. Juli Geschäftsanzeige des Gasthofs „Zur Börse“ (NKB).

Inzwischen hatte Winter auch die Gastungskonzession  erhalten.

 

  1. Juli Gemeinsames Konzert der Bade- und der Dom- und Stadtkapelle im Kuchengarten (NTB)

 

  1. Aug. Verhandlung beim Bergamt Eisleben (WER Rep. F 23 VII Nr. 4 Bd.1).

Wegen der Beschwerde des Knappschaftsverein verhandelte ein Beauftragter des OBA mit dem Vorstand über das weitere Vorgehen. Fest stand, dass in die Vereinskasse mit Einstellung der Saline keine weiteren Beiträge fließen und durch die Pensionierung weiterer Arbeiter die Zinsen des ausgeliehenen Kapitals nicht mehr ausreichen würden. Das verliehene Kapital müsste eingezogen werden und würde binnen vier Jahren verzehrt sein. Der Vorstand erklärte, wenn der Fiskus die statutengemäße Versorgung übernehmen würde, zumal dieser die Betriebsschließung veranlaßt habe, wäre man bereit, die Knappschaft aufzulösen und das Kapital dem  Fiskus zu übergeben.

 

  1. Aug. Brunnenfest (NKB).

„Einem geehrten Publikum die ergebenste Anzeige, daß in diesem Jahr  von Unterzeichneten das Brunnenfest ganz in derselben Art gefeiert wird wie früher und laden dieselben da die Vergnügungen auf der Saline ausfallen zu recht zahlreichen Besuch in ihren Lokalen ergebenst ein“ G. Teichgräber - H. Weber - Heyne. 

 

  1. Aug. Bescheid des Ministers für Handel und Gewerbe (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Dieser lehnte die unentgeldliche Überlassung der Feuerspritze der Saline an die Gemeinde ab.

 

  1. Aug. Festsetzung der Ablösebeträge beim Verkauf von Wohnhäusern (BLK-A. Nr. 783)

Bei Verkauf bzw. Vererbung verlangte die Landesschule 7,5 % des Gebäudewertes. Die Flächenermittlung oblag dem Ortsrichter, Basis für die Wertermittlung war nicht der  Verkaufspreis sondern der bei der Brandversicherung angegebene Wiederaufbauwert. Für die Weinberge in den Hinterbergen und im Mordtal waren 5 % beim Verkauf abzuführen, die aber bis auf wenige Ausnahmen Bauern aus Alt-Flemmingen gehörten. Betroffen von der Regelung waren Gottlob Christian Altus (Lindenstr. 15), der Salinenarbeiter Traugott Bäßler mit Ehefrau Christine Sophie geb. Schleicher, dem Kaufmann Karl Dittmann mit Ehefrau Louise Amalie Bertha  geb. Deistung (R.-Breitscheid-Str. 17), Böttchermeister J. Chr. Gottl. Gundermann (Borlachstr. 16), Bäckermeister J. Fr. August Hämmerling mit Ehefrau Marie Therese geb. Bösel (Eckartsbergaer Str. 8),  Salinenkassenwärter Gottlob Herrmann mit Ehefrau Chr. Marie geb. Mosler (Grüne Gasse 5) , Friedrich Ernst Höf und Ehefrau Therese geb. Kirst, Carl Wilhelm Hörold (Borlachstr. 12), J. Fr. Hoyer (Borlachstr. 30), die Witwe Emilie Hüfner geb. Lohse, Salomon Wilhelm August Judersleben (Borlachstr. 14), der Handarbeiter J. Chr. Fr. A. Klitsch (Borlachstr. 33),die Witwen Johanna Köhler geb. Bornschein (Borlachstr. 18), Friedrich Köttnitz und Ehefrau Chr. Friederike geb. Wolf (Borlachstr. 34), die Witwe J. R. Kreutzmann geb. Schade (Borlachstr. 15), Fleischermeister Fr. Matthes (Grüne Gasse 4), Büchsenmacher J. Chr. Nette (Lindenstr. 21), Lohnfuhrmann Gottlob Heinrich Pabst (Borlachstr. 20), Karl Rauhfuß (Borlachstr. 39), J. K. Reinhardt (Borlachstr. 14), der Handarbeiter J. W. Rühlmann (Borlachstr. 22), die Witwe Johanna Schleicher geb. Thielitz mit ihren Kindern Wilhelm August (Pforte), Johann Friedrich (Hamburg), Johann Friedrich Wilhelm  (Kösen) und Henriette Adele verh. Hänsel (Berlin), Ortsrichter Fr. Chr. Schleicher (Borlachstr. 19), der Salinenarbeiter Schmidt mit Ehefrau Johanna Wilhelmine geb. Hämmerling, J. Chr. Schöneburg (Borlachstr. 4), Chr. Leberecht Schröter (Borlachstr. 41), Chr. Gottl. Streuber (Lindenstr. 22), Mehlhändler Fr. Sträuber und Ehefrau Pauline geb. Hering (Burgstr. 12), Gustav Teichgräber (Lindenstr. 14),  Kunstmeister Friedrich Schlunk (Borlachstr. 37) Auguste Friederike Wahn geb. Hoffmann (Lindenstr. 16) Schuhmachermeister J. A. Törpsch und  Friedrich Thielitz mit Ehefrau Christiane geb. Therkorn für einen Weinberg am Nicolausberg. Demnach unterlagen dieser Verfügung diejenigen Grundstücke in Neu-Kösen, die vor 1830 in Erbpacht gegeben wurden.

 

  1. Aug. Versteigerung von Salinenmaterial (NKB).

Verkauft wurden Altholz, Eisen- und Blechteile und die Bestände der Pfannenschmiede. 

 

  1. Aug. Benefizkonzert auf der Rudelsburg (NKB).

Der Erlös der vom Rittergutsbesitzer v. Schönburg organisierten Veranstaltung ging an die Brand-geschädigten aus Freiroda.

 

  1. Sep. Anordnung des OBA wegen des Salinen-Brunnens (MER F 44 II 12)

Auf das Gesuch der Hausbesitzer von Alt-Kösen, den zwischen der kleinen Saale und dem Einnehmerhaus befindlichen Trinkwasserbrunnen zu vertiefen, um an ein „nicht übel riechendes Wasser“ zu kommen und der in den Sommermonaten nicht trocken fällt, erwiderte das OBA: „Unter Remission des eingereichten Gesuchs eines Teils der Kösener Einwohner um Vertiefung  eines bei  dortiger Saline befindlichen Brunnens auf fiskalische Kosten, eröffnen wir der Kgl. Salinen-Verwaltung, daß der Brunnen in der Nähe des dortigen Chausseehauses seiner Zeit lediglich  zu Salinen-Zwecken abgesunken worden ist und daß aus dem Umstand, daß den Kösener Bewohnern die Mitbenutzung gestattet worden ist, für den Salinenfiskus in keiner Weise die Verpflichtung zur ferneren Unterhaltung  resp. Verbesserung  desselben abzuleiten ist“

Betroffen waren alle 16 privaten Hausbesitzer Thieme-  Uferstr. 1, Handrock-Uferstr. 2, Zeise-Uferstr. 3, Seyffarth-Uferstr. 4, Scheufler-Uferstr. 5, Dittmann -Naumburger Str. 10, F. Krüger-Naumburger Str. 11, Heckenberg-Naumburger Str. 12, Hämmerling (Naumburger Str. 1, 2, 4), H. Weber (R. Breitscheid. Str. 1, 2), Therkorn-R. Breitscheid Str. 10, Deistung-R. Breitscheid Str. 14, B. Reil-R.-Breitscheid Str. 16  Bischof-R. Breitscheid Str. 18, A. Törpsch-Solschacht 1, Struve-Loreleyprom. 5, Chr. Krüger-Loreleyprom. 7

 

      Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste der Saison (NKB).

Die Zahl der Badegäste war eingebrochen, nur noch 1037 Gäste wurden registriert, 700 weniger als 1857, eine Folge der Teuerung aber auch infolge der Mobilisierung preußischer Korps des Bundesheeres wegen des österreichisch-sardinischen Krieges.

Ungeachtet dessen kamen namhafte Gäste wie Prof. Hoffmann v. Fallersleben (1798-1874), Dichter des „Deutschlandliedes“ aus Weimar, Gen.-Ltn. v. Rommel-Neiße, I. Durchlaucht Fürstin v. Reuß-Leipzig, Oberst.-Ltn. v. Sundian-Rußland, Frau v. Schröder, Ehrenbürgerin von Dresden, Graf v. Bredow-Berlin, Oberst.-Ltn. Margraff-Naumburg, Baronin v. Budberg, Kammerherrinnen v. Harritzsch und v. Schönberg-Dresden, Kammerherr Baron von Herzeele-Altenburg, Frau  Geheimrätin v. Outri-St. Petersburg, Gräfin Balleström-Radau, Baronin Paleska-Berlin, Hofjuwelier Friedberg-Berlin, Oberst.-Ltn. Friderici, I. Exz. Baronin v. Markowsky,  Edelfräulein Alexandra v. Isemenoff- alle St. Petersburg, Mrs. Alcock-London, Baronin v. Linstow-Berlin, Baronin v. Beust-Torgau, Freiherr v. Schlichting-Posen, Baronin v. Kochitzki-Dresden, der Schriftsteller Dr. phil. Rudolph Löwenthal (1819-1891)-Berlin, Baronesse v. Bülow-Potsdam, S. Exz. Freiherr v. Schmertzing, Reuß. Oberstallmeister-Gera, Frau Emilie Grofiew- Wishne Tagelski-Sibirien, Oberst.-Ltn. Valette-Berlin, Gräfin Antoinette Mons-Posen, der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Witzleben mit Gattin-Magdeburg, S. Exz. Chevalier v. Aranjo, Minister und Gesandter des Kaisers von Brasilien am Berliner Hof, Konsul Rückner-London, Baron v. Gregory-Görlitz, Exz. Frau Staats-Minister v. Rohr-Glogau, Prof. Menzing und Prof. Hermann, Erfurt, Prof. Dietzel und Prof. Hauckel-Leipzig und der Landschaftsmaler Louis Gurlitt (1812-1897)-Wien.

 

  1. Nov. Anordnung des Ministeriums zum Badebetrieb (WER Rep. F 23II Nr. 21 Bd.2).

Wegen der sich hinziehenden Verhandlungen zur Rückgabe des Salinengeländes, genehmigte das Ministerium bereits jetzt den Etat der Badedirektion und bestätigte damit die weitere Soleförderung und den Betrieb der fiskalischen Badeeinrichtungen in der nächsten Saison.

 

  1. Nov Liste der aktiven Mitglieder der Knappschaft. (WER F 44 II 12)

Die 23 Unterbeamten und Arbeiter, die im laufenden Jahr noch einige Monate bei der Saline in Lohn standen, hatten für diese Zeit ihren Beitrag in die Knappschaftskasse geleistet. Versorgt wurden 21 Pensionäre und Invaliden, sowie 17 Witwen und 2 Waisen.

 

  1. Nov. Auktion der Salinenverwaltung (NKB).

Alle nicht archivierungspflichtigen Akten und Schriftstücke, rund 50 Zentner wurden in Bündeln meistbietend verkauft.

 

  1. Nov Mitteilung des OBA (MER F 44 II 12)

„...benachrichtigen wir die Kgl. Salinen-Verwaltung, daß wir uns zwar für die Anstellung  der eingereichten Personen im Eisenbahn- oder Post-Dienst bei Herrn Handelsminister Exz. verwendet haben, jedoch dahin beschieden sind, daß, da die bezeichneten Individuen nicht zivilversorgungsberechtigt sind, eine solche Anstellung nicht Platz greifen könne.“

 

  1. Dez. Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„...haben wir der Kgl. Salinen-Verwaltung zu erkennen zu geben, daß es unzulässig ist, den von der Arbeit entlassenen dortigen Salinenarbeitern diejenigen Benefizien zu teil werden zu lassen, welche wie die Brotkornvergütung und das Salzdeputat bestimmungsgemäß nur den aktiven Arbeitern gewährt werden darf.“

 

  1. Dez. Weber beschwert sich erneut über Sole in seinen Kellern (MER F 44 II 12)

Daraufhin wies das OBA am 4. Jan. Bergrat Backs an „...eröffnen  wir  E. Wohlgeb. daß der behauptete Anspruch des Weber dem Rechtswege überlassen bleiben muß, und zwar umso mehr  als es so erscheint, daß der zu Sumpfe gehaltene Schacht dem Keller die wilden Wasser genommen  hat, welche jetzt zurücktreten, nachdem die Soleförderung nicht mehr betrieben wird. Dies wird unterstützt durch den  unbedeutenden Salzgehalt des Wassers im Keller, wie er in allen Brunnen in Kösen vorkommt.“ Durch den im aufgelassenen unteren Solschacht ansteigenden Wasserstand stieg naturgemäß auch der Grundwasserspiegel und trat in den unter der Erdgleiche befindlichen Kellergewölbe aus.  

 

  1. Dez. Anweisung des OBA zur Pensionierung von Backs (MER F 44 II 12)

„Wird die Salinenverwaltung angewiesen, die dem Herrn Geh. Bergrat Backs vom 1.  kommenden Monats ab bewilligte Pension von 900 Talern bis auf weitere Bestimmung in Monatsraten praenummerando zu zahlen und baldigst über die sämtlichen für das Jahr 1860 bei der dortigen Kasse  bevorstehenden Einnahmen und  Ausgaben eine spezielle  Designation anzufertigen“.

Obwohl pensioniert, war er mit ministerieller Genehmigung für die Abwicklung der Saline und der Knappschaft sowie der Forführung des Bades zuständig und erhielt dafür einen Gratifikation von 300 Talern. Im Etat für 1860 standen auf der Einnahmenseite 11.000 Taler durch den Verkauf der Restbestände der Salz-Niederlagen in Eckartsberga und Naumburg, den Verkauf von 3200 Scheffeln Düngesalz sowie die Pacht Dienst- und Gemüsegärten. An Ausgaben waren 10.500 Taler geplant.

 

             „Das Soolbad Kösen“ von Dr. Hugo Hagendorff. (Adalbert Meyer, Berlin)

„Eine steinerne Brücke (.) teilt das Dorf in Alt- und Neu-Kösen, von denen das Erstere mit den Kgl. Gradierwerken und Beamtenwohnungen, sowie dem einzigen zur Aufnahme von Reisenden bestimmten Lokale, dem „Mutigen Ritter“ auf dem rechten, die übrigen Privatgebäude aber auf dem linken Ufer der Saale liegen. Hier findet man Privatwohnungen im Preise von 2 bis 6 Talern wöchentlich, wobei jedoch in der Regel die Benutzung des Bettes noch besonders mit  circa 15 Silbergroschen berechnet wird. Außer den  Solbädern, die, je nachdem  sie mit Wasser vermischt oder Soledampfbäder sind, verschiedene Preise haben, im Abonnement aber immer billiger sind , gibt es auch ein stärkendes Wellenbad, teils mit, teils ohne Dusche.

In Kösen ist der „Kuchengarten“ als ein besuchter Vergnügungs-Ort zu erwähnen. Rings herum bieten die Berge die reizendste Aussicht über das Saaletal dar, als vorzüglichste  Punkte sind zu erwähnen der Fahnenberg und der Nickelsberg...“ 

 

1860

 

  1. Jan. Erlass zum Salzverkauf auf der Saline (NTB)

„Auf der Saline  Kösen, welche zufolge Allerhöchste Genehmigung mit dem Schlusse vorigen Jahres aufgehoben werden sollte, befindet sich noch ein Bestand weißen Salzes (.) Das Publikum wird hiervon mit dem Bemerken in Kenntnis gestzt, daß der Lokaldebit an Siedesalz in Kösen vom 1. Jan. d. J. durch das Kgl. Steueramt bis auf Weiteres fortgesetzt wird.“

 

  1. Jan. Eröffnung einer Leihbücherei vom Buchbinder Schönhuth (NKB).

 

  1. Jan. Submission für den Abbruch der Salinenanlagen (NKB).

Das Ministerium hatte nach Rücksprache mit dem OBA und im Zuge der laufenden  Verhandlungen mit dem Schulkollegium entschieden, welche Betriebsanlagen definitv abgebrochen werden müssen. Im ersten Los wurde das untere Gradierhaus, das Solereservoir mit dem Pumpenhaus und das Brauchwasserbassin ausgeschrieben. Interessenten sollten sich für Besichtigungen beim Gradiermeister Törpsch melden 

 

  1. Jan. Jahresbericht des Sparvereins der Kirchengemeinde Kösen-Pforta (NKB).

Derzeit gab es 123 Inhaber von Sparbüchern.

 

  1. Jan. Versteigerung von gebrauchten Dornwellen (NTB)

Die konnten noch als Faschinen oder als Umzäunungen verwendet werden und würden nach Auslaugung der Sole noch ein brauchbares Brennmaterial abgeben.

 

  1. Jan. Beschwerde der ortsansässigen Handwerker beim OBA (WER Rep. F23II Nr. 21).

Obwohl die hiesigen Firmen Struve und Werner das günstigste Angebot abgegeben hatten, wurde der Auftrag an auswärtige Firmen vergeben. Daraufhin beschwerten sich die 48  Maurer, Zimmerer und Handarbeiter beim OBA, wurden aber abgewiesen. Kritisiert wurde der Bergrat Backs obwohl der nur noch für die Abwicklung der Personalangelegenheiten zuständig war und die Vergabe von Bauleistungen dem OBA oblag.

 

  1. Feb. Anordnung zur Umsetzung von Unterbeamten und Arbeitern (MER F 44 II 12)

Der Sekretär Klempe wurde als Assistent in das OBA nach Halle und der Rendant kommissarisch als Verwalter der Eisengießereikasse nach Berlin beordert. Der Kunstwärter Grund, die Gradierer Reinhold und Bernhardt Zedel sowie der Kohlenfahrer Sitzmann sollten zum Steinkohlenwerk Dudweiler im Saarland versetzt werden. Als sich  R. Zedel weigerte, eröffnete ihm das OBA „daß wir ferner keine Rücksich auf ihn nehmen würden“.

 

  1. Feb. Anweisung des Handelsministers (WER Rep F 23 II Nr. 21 Bd 3).

Angeordnet wurde der Abbruch des Bohrturms auf der Radinsel, der Expedition des Kassenaufsehers, die Kohlenstreicherei und vom Brunnenhaus.

 

  1. Feb. Versteigerung von Baumaterial und Handwerkszeug auf der Saline (NKB).

 

  1. Mär. Mitteilung des OBA (MER F 44 II 12)

„Nachdem uns der Geheime Bergrat Ebers mitgeteilt hat, daß die Fr. Dr. Reil dort den Wunsch gegen ihn geäußert, das früher vom Kunstmeister Dönicke  bewohnte, jetzt leerstehende Wohnhaus  für die bevorstehenden Sommermonate zum Aufenthalte ihrer Mutter, der verwitweten  Medizinalrätin Dr. Stapf überlassen zu erhalten und sich im zusagenden Falle bereit erklärt habe, dasselbe auf ihre Kosten in bewohnbaren Zustand setzen zu lassen, finden wir keine Bedenken, auf diesen Wunsch insoweit einzugehen, als das gedachte Haus der Frau Reil zum angegebenen Zwecke unentgeldlich jedoch ausdrücklich nur unter der Bedingung zu überlassen ist, daß sich dieselbe zu sofortiger Räumung seitens ihrer Angehörigen verpflichtet, falls darüber höheren Orts  vor Ablauf der Frist innerhalb welcher die  Benutzung beabsichtigt wird, anderweit verfügt  werden sollte“. Das Deistungsche Wohnhaus Am Rechenberg Nr. 126 (R. Breitscheid Str. 14) befand sich gegenüber der Nr. 127 (R. Breitscheid Str. 16), dass dem Ehepaar Reil gehörte.  Dr. Bernhard  Reil könnte ein Enkel des halleschen Arzt Johann Christian Reil (1759-1813) gewesen sein, schon wegen des Kontaktes zum Bergrat Christian Ferdinand Ebers (1813-1866). 

 

  1. Mär. Vorschlag des Königl. Konsistoriums (WER Rep. F 23 II Nr. 21 Bd.3).

Inzwischen hatte sich die Kirchenbehörde durchgerungen, in Anbetracht der objektiven Gegebenheiten für die zahlemmäßig starke Kösener Gemeinde einen eigenen Geistlichen zu genehmigen.  Da die Gemeinde als mittellos galt, hatte das Konsitorium die Idee, den Salinenfiskus an den Kosten für den Geistlichen zu beteiligen. Daraufhin erklärte das OBA, dass schon wegen der Auflösung der Saline keine finanzielle Beteiligung möglich wäre aber durchaus die Möglichkeit bestünde, eine Wohnung für den Geistlichen und einen Gebetsraum der Gemeinde zu überlassen, wenn die beteiligten Behörden, insbesondere die Landesschule zustimmten.

 

  1. Mär. Erklärung der Knappschaft zur Regulierung der Knappschaftsverhältnisse (MER F 44 II)

Zunächst erklärte der Vorstand, dass man über keinerlei Akten aus der Zeit vor der Zusammenlegung der Knappschaftskassen verfügt, weil diese im Vorjahr auf höhere Anordnung  eingestampft wurden. Man bezog sich aber auf die Verhandlung mit dem  Bergrat Lindig aus Eisleben, der „bereits das Nötige zu dem über diesen Akt aufgenommenen Protokoll vom  1ten Aug. v. J. in umfassender Weise  festgehalten hatte“. Darüber hinaus hatte der Vorstand (Freund, Zedel, Törpsch) ein aktuelles Verzeichnis der Unterstützungsleistungen für die 42 Pensionäre und Invaliden, 17 Witwen und 2 Waisen angefertigt, die sich auf jährlich 2.919 Taler beliefen. 

 

  1. Mär. Genehmigung für die Weiterführung des Bades. (WER Rep. F23 II Nr. 21/3).

Der Handelsminister genehmigte nach Rücksprache mit dem Finanz- und dem Innenministerium die Weiterführung des Badebetriebes im Interesse einer „dauernden Erhaltung“ und Backs wurde als kommissarische Badedirektor bestätigt.

 

  1. Mär. Schreiben des Handels- und des Finanzministers (WER Rep. F 23 X Nr. 22/3).

Die Provinzialverwaltung hatte die Übertragung des Badebetriebes auf die Regierung in Merseburg vorgeschlagen, weil weder die Landesschule, die  Gemeinde oder die Knappschaft  in Frage kämen. Gegen eine Übertragung auf den Landkreis sprach die Ineffizienz der Verwaltung. Ein privater Unternehmer wäre zwar an der Wirtschaftlichkeit des Bades interessiert,  allerdings bestünde hier die Gefahr, dass das Salzmonopol unterlaufen würde. Der Oberpräsident v. Witzleben wurde gebeten sich hierzu gutachterlich zu äußern, zumal der bereits mehrmals den Ort mit seiner Gattin zu Kurzwecken aufgesucht hatte und mit den örtlichen Verhältnissen vertraut war.

 

  1. Mär. Versteigerung von Salineneinrichtungen (NKB).

Meistbietend kamen der Bohrturm auf der Radinsel samt Maschinerie, zwei Schuppen auf den Streichplätzen und  die Kohlenaufseher-Expedition auf Abbruch unter den Hammer.

 

      Mär. Lageplan der Salinenschmiede (St.-A.)

Therkorn, der Eigentümer des Anwesens Am Rechenberg 125 (R. Breitscheid Str. 10) hatte einen Flächentausch mit dem Salinenfiskus zur Bereinigung des Grundstücksgrenzen beantragt und  Backs den entsprechen Lageplan angefertigt.

 

  1. Apr. Erlass des Handelsministers zur Knappschaft (WER Rep. F 23 VII Nr. 4Bd. 1).

„Was zunächst die Frage  wegen ferneren Bestehens  des Kösener Knappschafts-Vereins  betrifft, so sind das Fortbestehen des Werks und die Beschäftigung der Vereinsgenossen bei demselben so wesentliche und selbstverständliche Bedingungen der Existenz des Vereins, daß mit dem Wegfall dieser Bedingungen auch der Verein als aufgelöst zu betrachten ist. Es handelt sich mithin nur darum, ob und in welcher Weise nach Auflösung des Vereins den bereits vorhandenen Invaliden, Witwen und Waisen die denselben statutenmäßig zustehenden Knappschafts-Benefizien zu gewähren sind und ob und welche Ansprüche die aktiven Arbeiter, die zur Zeit der Auflösung des Vereins  Mitglieder desselben  waren, aus diesen Verhältnissen besitzen.

Hinsichtlich der vorhandenen Invaliden, Witwen und Waisen habe ich in Folge Allerhöchster Ermächtigung den Beteiligten bereits durch meinen Erlass vom 21. April die beruhigende Eröffnung  machen können, daß sie im Genuß ihrer bisherigen Benefizien unverkürzt bleiben sollen. Die Mittel hierzu gewährt vorerst das Kapital-Vermögen der Witwen und Waisenkasse von 11.875 Talern, welches nach Allg. Landrecht von selbst dem Staat anheim fällt, so daß es umso weniger der Zustimmung der Interessenten bedarf, als die Erfüllung der diesfallsigen statutenmäßigen  Benefizien binnen wenigen Jahren das ganze Kapital absorbiert haben und demnächst Zuschüsse aus Staatsfonds erforderlich machen wird. Was sodann die Regelung der Verhältnise der aktiven Arbeiter betrifft, so steht denselben zwar ein rechtlicher Anspruch ebensowenig auf das Fortbestehen des Vereins als auf die  Gewährung  einer  angemessenen Entschädigung zu, da ihnen die Arbeit rechtzeitig gekündigt worden ist, gleichwohl soll auf diejenigen Arbeiter denen anderweite Unterbringung auf Staats- oder sonstigen Werken und deren Aufnahme bei anderen Knappschaften unter Anerkennung ihres derzeitigen Dienstalters nicht hat bewerkstelligt werden können, billige Rücksicht genommen werden. Denselben ist zu eröffnen, daß ihnen aus Billigkeits- Rücksichten mit zu verhoffender Allerhöchsten Genehmigung die seit der Mitgliedschaft zum Verein gezahlten Beiträge nach Abzug der genossenen Knappschafts-Wohltaten aus dem Kapital des Witwen- und Waiseninstituts zurück erstattet werden sollen, wenn sie zu Protokoll weiteren Ansprüchen  an den Verein  und Kgl. Fiskus ausdrücklich  entsagen.“

 

  1. Apr. Antrag des Provinzialkonsistoriums beim Handelsminister (WER Rep. F 23 II Nr. 21Bd.3).

Das betraf die unentgeltliche Überlassung der Dienstwohnung des Salinenbuchhalters und des Zimmereischuppens für die Kirchengemeinde Kösen-Pforta.

 

  1. Apr. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„Nachdem das Kgl. Konsistorium beschlossen hat, für die Gemeinde Kösen in der Person des Hilfspredigers Barthold zu Annaburg einen Hilfsgeistlichen anzustellen, hat dasselbe uns um Überlassung der durch die Versetzung des Buchhalters Klempe vakant werdende dortige Dienstwohnung an den Barthold ersucht. Wir sind hierdurch  insoweit eingegegangen, als wir eine unentgeltliche  Überlassung zwar zustanden, jedoch daran die Bedingung geknüpft, haben, daß  der neue Bewohner die in Rede stehende  Wohnung  expropriis in baulichen Zustand erhalten, darin keine wesentlichen baulichen Veränderungen vornehmen und dieselbe  sofort wieder  räumt, sobald höhern Orts darüber andernweit  verfügt werden sollte“.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zur Holzmesse (NTB)

Wegen Hochwasser hatte die Flößerkompagnie die Messe um 2 Wochen verschoben und Schumann lud sie in die Saalhäuser, Kurzhals in die Bahnhofsrestauration  und Weber in den „Mutigen Ritter“ein.

 

  1. Apr. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„Wenn schon wir gegen die fernere Einräumung des dortigen Zimmerschuppens behufs Abhaltung  des Gottesdienstes nichts zu erinnern finden, so können wir es doch nicht geschehen lassen, daß die zu seiner entsprechenden Herrichtung erforderlichen Kosten a 50 bis 60 Taler aus der Badekasse  vorgeschossen werden, wie dies beantragt ist, da die gedachte Einrichtung gar nicht mit dem Bade im connex steht, vielmehr  das religiöse Bedürfnis der Gemeinde Kösen  betrifft...“

 

  1. Mai Amtseinführung des Hilfsgeistlichen (NKB; MER C 48 II a Nr. 1707).

„Da der hiesige Ort in die Kirche zu Pforta eingepfarrt ist, so wurden seit Jahren von den Geistlichen Pfortas in hiesiger Schule Betstunden gehalten. Da diese zur Befriedigung des religiösen Bedürfnisses nicht ausreichen, so entschloß sich eine Anzahl hiesiger christlicher Einwohner in dem von der Kgl. Saline dazu hergeliehenen Zimmereischuppen öfter Gottesdienst von einem Geistlichen Naumburgs halten zu lassen und denselben durch freiwillige Beiträge zu honorieren. Nachdem diese Einrichtung seit 1856 bestand, ist jetzt die Anstellung eines eigenen Pfarr-Vicars erfolgt, der am Sonntag Kantate eingeführt werden soll. Zunächst wird der Zimmereischuppen ferner als Betsaal dienen, es ist derselbe mit der nötigen Einrichtung versehen, auch die im Saale der Bürgerschule Naumburg aufgestellt gewesene kleine Orgel angekauft  und hierher gebracht worden“.  

Hilfspfarrer Barthold zuständig für die Einwohner von Kösen, Fränkenau, Kukulau und den Saalhäusern und regte bei seiner Antrittspredigt die Gründung eines „Vereins für den  Kirchenbau“ an.

 

  1. Mai Versteigerung von Fundamentsteinen des unteren Gradierwerks (NTB)

 

  1. Mai Eröffnung des „Hotels zum Kursaal“ (NKB).

Nach D. Reichmann und eine vorübergehende Weiterführung hatte A. Furcht  den Kursaal nun an F. Schmidt verpachtet. Der empfahl seinen auswärtigen Gästen für die Hin- und Rückfahrt den „Pferde-Omnibus“ des Naumburger Fuhrunternehmers Leich.

Am gleichen Tag eröffnete Teichgräbers „Waldschlößchen“ und am 17. Mai der „Kuchengarten“. Hier hatte Teichgräber inzwischen einen Theatersaal gebaut, in dem Konzerte und das TIVOLI-Theater auch bei ungünstiger Witterung stattfinden konnten. Auswärtige Militärkapellen aus Naumburg und Merseburg zogen zahlreiche  Gäste an, sehr zum Leidwesen des Dirigenten der Badekapelle und des Pächters des Kursaals.

 

  1. Mai Anzeige des Musikdirektors des Vereinigten Kösener Musikcorps (NKB)

„Dem geehrten Publikum Naumburgs die ergebenste Anzeige, daß am vergangenen Himmelfahrtstag (im Kuchengarten) ohne unser Wissen und Wollen z. B. von Kindern 1 ¼ Silbergroschen und einzelnen Erwachsenen 2 ½ Silbergroschen genommen worden sind, wir ersuchen unser verehrliches Publikum, sich nach den ausgehängten Tafeln zu richten“.

 

30 Mai Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„Ersuchen wir E. Wohlgeb. den Post-Sekretär Müller zu Extrahierung  der Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde für den Fall der Übertragung des knappschaftlichen Zahlungsgeschäftes  auf ihn zu veranlassen..“

 

  1. Juni Jahrestreffen der Thüringer Freimaurerlogen (NKB).

Um die zahlreichen und hochrangigen Teilnehmer standesgemäß zu versorgen, wurde im Garten vom Kursaal ein großes Festzelt aufgebaut.

 

  1. Juni Konferenz des Gemeindekirchenrates (MER C 48 II a Nr. 1707)

Dem gehörten Dr. Rosenberger, der Pensionsbesitzer Graeser, der Wachtmeister Hering, der Pfarrer Barthold und der Bergrat Backs an, der als Rendat für die Kollektengelder und den Kirchenbaufonds zuständig war.

   

  1. Juli G. Heckenberg eröffnet ein Geschäft für Seiler- und Materialwaren (NKB).

Das Geschäft befand sich im Heckenberg`schen Wohnhaus „Am Badehaus Nr. 116“ (heute Naumburger Str. 12)

 

  1. Juli Todestag von Johann Ernst Stapf (Wikipedia)

Stapf am 09. 09. 1788 in Naumburg als Sohn des Pfarrers der Othmarskirche geboren, besuchte die Landessschule zu Pforta und studierte in Leipzig Medizin. Danach ließ er sich in Naumburg nieder, wo er sich der Hahnemannschen Hömöopathielehre zuwandte. Im Alter fast taub geworden, wählte er Kösen zum Wohnsitz, wo er im 73. Lebensjahr verstarb. Auf seiner Grabplatte stand „Licht-Lieb-Freiheit“

In der LDZ von 1977 erschein ein Artikel, wonach Stapf, 1857 nach Kösen zu seiner Tochter Therese gezogen war, die in der Nähe des Solschachts wohnte und mit dem Rentier Dr. Reil verheiratet war. Eine familiäre Verbindung zu Friedrich Stapß, dem 1809 erschossenen Napoleonattentäter, der 1792 ebenfalls in Naumburg als Sohn des Predigers an der Maria-Magdalenen Kirche geboren wurde, ist wahrscheinlich.

 

  1. Juli Danksagung des Bergrats a. D. Backs im Namen der Kirchengemeinde (NKB)

„Die am 24. Mai d. J. verstorbene Antoinette verw. Freifrau v. Ende, geb. Freiin von Hagen aus dem Hause  Stöckey  hat in dankbarer Erinnerung  an die vielen in Kösen  froh verlebten Tage  aus ihrem Nachlaß 50 Taler zu dem projektierten Kirchenbau  in Kösen bestimmt“ .

 

  1. Juli Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

Das Braunkohlenwerk Eggersdorf (Börde) suchte geeignete Arbeiter zum „Karrenlaufen, Wagenstoßen, Kohleumstürzen und Haspelziehen“ und Backs wurde angewiesen, das noch nicht vermittelte Salinenpersonal zu melden, sowie über deren Eignung und Bericht zu erstatten. Das betraf Reinhold und Bernhard Zedel, Friedrich Ziege III und IV, August Quarg, August Hauer, Julius und Hermann Törpsch, August Theuring, Christian Plaul, Christian Ziege, Ferdinand Otto, Heinrich Eckardt, Carl und Wilhelm Zedel. Alle waren zwischen 20 und 50 Jahre alt und verheiratet, die meisten hatten Kinder und vier von ihnen ein eigenes Haus. Nach der Begutachtung ihres Gesundheitszustandes erklärte Dr. Rosenberger 6 Arbeiter für arbeitsunfähig. Das wurde vom Oberbergamt bezweifelt und einen erneute Untersuchung angeordnet.

 

  1. Juli Neubesetzung des Feuer-Polizei-Kommissariats (NKB).

Als Nachfolger für die Salinenbeamten wurden der Maurermeister Werner jr. und der Zimmerermeister Struve vom Landrat ernannt.

 

  1. Aug. Mitteilung an das OBA (MER F 44 V Nr. 8)

„E. Hochwohlgeboren beehre ich mich, hierdurch gehorsamst anzuzeigen, daß heute Vormittag der Rest des Heunschen Salzes verpackt und nach dem Bahnhof transportiert worden ist. Das ganze Quantum beträgt 13 Lasten Salz, die Fuhrlöhne nach anliegender Quittung des Thielitz  für 14 Fuhren a 12 ¾ Sgr. dazu die Löhne  der Verpacker..“

 

  1. Aug. Anordnung des OBA an Backs (MER F 44 II 12)

„Wir können es nicht billigen, daß dem Steuer-Aufseher Tilebein ohne vorherige Einholung  unserer Zustimmung eine Wohnung in den dortigen fiskalischen Gebäuden eingeräumt wurde, wollen dies zwar, daß es nun einmal geschehen, auf sich beruhen lassen, müssen Sie aber ersuchen sich weiteren derartigen, unseren Absichten entgegentretenden Dispositionen über den dortigen Wohnraum zu enthalten.“

 

  1. Aug. Bescheinigung des Dr. Rosenberger (MER F 44 II 12)

„In Folge der geehrten Aufforderung habe ich unter Hinzuziehung und gütiger Mitwirkung  des Herrn Dr. Zimmermann aus Pforta, früheren Knappschaftsarztes in Dürrenberg die nach beliegenden Verzeichnis mir zugewiesenen Knappschaftsmitglieder in bezug auf ihren gegenwärtigen Gesundheitszustand  untersucht und ergab  sich als Resultat, daß folgende früher bei der Kgl. Saline beschäftigt gewesenen Personen als Friedrich Schönburg, Reinholf Zedel, Friedrich Ziege III und IV, Christian Paul, Carl und Wilhelm Zedel  auf Grund der beiliegend angeführten Krankheitszustände für arbeitsunfähig zu Salinenarbeiten erklärt werden müssen...“ Das Ergebnis wurde dann vom OBA akzeptiert und die Betreffenden als zu pensionierende Invaliden der Knappschaftskasse zugewiesen.

 

  1. Aug. Jahresfest des Gustav-Adolf-Vereins (NTB)

Die Mitglieder des Zweigvereins Eckartsberga-Pforta versammelten sich wegen des schlechten Wetters nicht in der Buchenhalle sondern im Betsaal der Kirchengemeinde.

 

  1. Sep. Erlass des Handels- und des Finanzministeriums (WER Rep. F23 X Nr.22 Bd.3).

Nach Prüfung aller Möglichkeiten sollte der Badebetrieb von der Königlichen Regierung in Merseburg weitergeführt werden. Außerdem müssen die Belange des zukünftigen  Badebetriebes bei den Rückgabeverhandlungen mit der Landesschule unbedingt berücksichtigt werden, zumal man mit  unbilligen Forderungen seitens der Schule rechnete.

 

  1. Sep. Tod von Johann Christian Kettner (Sterbereg.)

Kettner (Jg. 1797) war als Badeinspektor für die Hartungschen Badeanstalt zuständig und gehörte zeitweilig zur Badedirektion.   

 

  1. Sep. Anweisung des OBA für das Jahr 1861 (MER F 44 II 12)

„...da voraus zu sehen ist, daß seitens des Herrn Ministers eine Übersicht der pro 1861 bei dortiger Saline noch vorkommenden Einnahmen und Ausgaben verlangt werden wird, so müssen wir Sie ersuchen, sich der Aufstellung einer solchen zu unterziehen und bei der Unsicherheit  über die Dauer der dortigen Verwaltung, sie auch auf das ganze Jahr  auszudehnen (.) Was die Einnahmen und Ausgaben beim Bade betrifft, so sind dieselben außer Betracht zu lassen, da der bezügliche Etat pro 1861 dem Herrn Minister vorliegt und  dessen Vollziehung  zu gewärtigen ist..“

 

      Sep. Saisonende und Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB).

Erfreulicherweise war die Anzahl der Gäste wieder auf  1.352 gestiegen. Zu den Badegästen gehörten zum wiederholten Male der OB von Danzig Groddeck sowie Frl. Lena Nicolai-Riga, Garde-Rittmeister v. Massolow-St. Petersburg, Kammerherrin v. Maltzahn geb. Senfft v. Pilsach-Grubenhagen, S. Exz. der russische Gesandte Baron v. Budberg-Berlin,  Frau A. v. Einsiedel-Gnandstein, Frau Generalin v. Gagern, Frau Kammerherrin v. Harritzsch-Dresden,  Frau Oberst v. Boyen mit Miß Killingsley-Berlin, Kaufmann A. Liepmann-Glasgow, Oberst v. Knobeldsorff-Berlin, Gräfin v. d. Schulenburg-Emden, Kgl. Preuß. Hofdame Gräfin Cecile Luchesini-Berlin, Exz. Freiherr v. Schmertzing-Gera, Oberst-Ltn. v. Winterfeld-Potsdam,  Mr. Aberbarnell-Dublin, Frau von Schimmelpfennig v. d. Oye, Paul v. Bulgakow russ. Gesandschafts-Attacheè -Dresden, General v. Berg-Livland, Reg.-Präsident v. Wedell-Merseburg, Gräfin Finck v. Finckenstein, Baronin v. Kichitzki-Dresden nebst Nichte Cecilia v. Trembley-Genf, Frau Professor Ranke-Berlin, Graf v. Gersdorf-Görlitz, Baronin v. Gregory-Meißen, Gräfin v. d. Schulenburg-Leipzig, Frau Sophia Wedde-Odessa, Prof. Dithfurt-Magdeburg, Monsieur de la Porte Chancelier de Legation-Weimar, Major a. D. Freiherr v. d. Goltz-Berlin, Exz. Frau Minister v. Rohr geb. Gräfin v. Rittberg-Glogau, Freiherr Dr. v. Bielke-Jena, Fabrikant Jacob Kullmnos-Tiflis, Frl. Iseniew mit Nichte Arseniew-Odessa, Exz. Generalin v. Strantz nebst Schwester Frl. v. Rekowska-Berlin, Herr von Rekowski-Linden Hofschauspieler-St. Petersburg, Schauspielerin Frl. Johanna Wensky-Berlin, Oberpräsident v. Witzleben-Magdeburg, Schauspielerin Julie Ghezzi-Leipzig, Oberst-Ltn. v. d. Schulenburg-Brandenburg, Frau Generalin v. Barnekow-Berlin, Appellations-Gerichtspräsidetn Belitz-Breslau, Staatsrat v. Richter-Rußland, Rabbiner Perez Muszkat-Nuwalk, Prof. Dr. Suckow-Jena, Prof. Hildebrandt-Bern, Prof. Dr. Ulrici-Halle, General-Ltn. Schmidt-Berlin, Oberst-Ltn. Nagel-Salzwedel, Frau La Valette des Barres geb. Freiin v. Berlepsch-Weißenfels.      

 

  1. Sep. Bericht des OBA an den Minister zur Knappschaft (MER F 44 II 12)

„Von den bei Einstellung der Saline noch vorhanden gewesenen und frei gewordenen 20 aktiven Arbeitern sind 9 Mann durch entweder bereits erfolgte oder auf Grund der ihnen von dem Knappschaftsarzt ausgestellten Atteste über ihre Arbeitsunfähigkeit mit dem 1. Oktober eintretende Pensionierung, ausgeschieden und ein Mann hat seinen weiteren Anspruch an den Verein durch Annahme der ihm geboteten Abfindungssumme entsagt, so daß in der zur nochmaligen Vernehmung der Knappschaftsgenossen nur noch mit den namentlich  aufgeführten 10 Arbeiter  zu verhandeln war.“ Dabei hatten die erklärt „daß sie die für jeden Einzelnen ermittelten Abfindungsquanta gegen Entsagung  der ihnen  durch das Knappschafts-Statut gewährleiteten Benefizien in Rücksicht auf ihre Familien nicht annehmen könnten, weil sie sich dadurch einer zu großen  Verantwortlichkeit gegen ihre Familien schuldig machen würden und daß sie sich wegen Erfüllung ihrer, bis jetzt leider ohne Erfolg gebliebenen Bitten um Milderung der bedrängten Lage in welcher sie durch die Einstellung der Saline geraten seien, vorbehalten, diese Bitte dem nächsten Landtag nochmals anzutragen. Um nun trotz der Weigerung der Arbeiter, diese Abfindungsquoten anzunehmen, aber doch mit der Regulierung der knappschaftlichen Verhältnisse sämtlicher bei dem Kösener Verein Beteiligten zu einem baldigen Abschlusse zu kommen, erlauben wir uns  ehrerbietigst zu bitten, den jetzt noch arbeitsfähigen Mitgliedern des Vereins im Wege der  Gnade zu gestatten, sich  durch Fortentrichtung der bisher zur Vereinskasse gezahlten Beiträge die ihnen  durch das jetzige Knappschafts-Statut gewährleisteten Benefizien zu sichern, so wie jeden Mitglied diese Benefizien auf so lange Zeit zu garantieren, als sie nicht auf einen anderen Vereins-Werk  angelegt werden und hiermit zu einem anderen Knappschaftsverein übertreten. Die Fortentrichtung  der Beiträge und die unweigerliche  Annahme der ihnen auf einem anderen Werk angeboteten Arbeit würde den Arbeitern als diejenigen Bedingungen aufzuerlegen sein, bei deren Nicherfüllung  jeder Anspruch  auf die Fortsetzung der statutenmäßigen Benefizien von selbst erlischt“.

 

  1. Sep. Anordnung des OBA an Backs (MER F 44 II 12)

„...ist die Überlassung  jetzt dort leerstehenden Arbeiterwohnungen an Arbeiterfamilien unzulässig. Es kann desfalls nicht auf ihren Antrag, wonach die untere Schacht-Kaue zwei Arbeiterfamilien  zur Wohnung  anzuweisen sein würde, eingegangen werden, da aus dem dafür angeführten Grund die Sicherstellung des Gebäudes gegen Diebereien nicht abzusehen ist, weshalb hierzu 2 Familien erforderlich sein sollten, hiervon aber auch abgesehen, eine Gefahr, wie die vorgedachte nicht zu befürchten steht, wenn die in dem Gebäude befindlichen Gerätschaften und andere der Entwendung ausgesetzte Gegenstände, da sie darin garnicht mehr gebraucht werden, daraus entfernt und die wenigen unteren Fenster verschlagen werden und der Wächter zu fleißiger Begehung  dieses Teiles des Werkes angehalten wird...“

 

  1. Nov. Nachweis der versorgungberechtigten Knappschaftsmitglieder (MER F 44 II 12)

Es waren 8 aktive Mitglieder und 53 Pensionäre, davon 54 verheiratet, 36 Kinder über 14 Jahren, 69 Kinder unter 14 Jahren und 16 Witwen, insgesamt 236 Personen.

 

  1. Nov. Memorandum des Bergrates Backs (WER Rep. F23 X Nr. 22 Bd. 3).

Weil sich die Rückgabe des Salinengeländes weiter verzögerte und obwohl ein Teil der  Betriebsanlagen inzwischen abgebrochen war, schlug Backs die Fortführung der Produktion  mit den verbliebenen Teilen (oberer Solschacht und Gradierhaus, 1 Siedkot mit zwei Pfannen) für den lokalen Bedarf vor. Damit würden sich die umständlichen  Verhandlungen mit der Landesschule erübrigen. Eine weitere Möglichkeit wäre auch ein Kauf der Grundstücke durch den Fiskus, womit man dann bei einem Weiterverkauf keine Rücksicht auf die Schule nehmen müsse. In ihrem Antwortschreiben erklärte das OBA

„..haben wir das uns zugegangen pro Memoria zwar dem Herrn Handelsminster vorgelegt, sind jedoch außer Stande gewesen, das darin behandelte Projekt einer Wiederinbetriebsetzung  der dortigen Saline zu befürworten, weil darin zunächst von der Voraussetzung ausgegangen wird, daß die Produktion  und der Debit jährlich 19.200 Zentner weißes und gelbes Salz betragen könne, während einerseits auf einen einigermaßen erheblichen Debit an Vieh- wie an Gewerbesalz in das In- und Ausland nach Einführung der Staßfurter Lecksteine und dem von der Königl. Sächs. Regierung  dem dasigen Steinsalz  gegebenen Vorzug, nicht mehr zu nehmen ist und andererseits  der Saline Dürrenberg nach dem Wegfall des Viehsalzdebits ins Ausland zu Vermeidung einer Produktions-Verminderung und damit gleichen Schritt haltenden Erhöhung der dasigen Fabrikations-Kosten andere Absatzwege zu verschaffen sind, welche sich eben nur durch Überweisung der bisherigen  Kösener Niederlagen  dahin eröffnet haben..“.

 

  1. Nov. Jahresplan 1861 (MER F 44 II 12)

Zu den Einnahmen gehörten die Erlöse aus dem Verkauf von Düngegips, sowie die Pacht- und Mieteinnahmen, darunter was Hämmerling lt. Vertrag v. 31. Okt. 10. 1839 für die Zufahrt zu seinem Garten und die Mitbenutzung der  Wasserröhrenfahrt lt. Vertrag v. 3. Sep. 1856 bezahlte, die Pacht für das Mertendorfer Grubenfeld von 55 Morgen lt. Vertrag v. 26. Nov. 1858 bis Michaelis 1862,  die Miete für das Mertendorfer Revierhaus lt. Vertrag v. 14. Aug. 1858, die Miete für die Dienstwohnungen von Backs (lt. Erlaß des Ministers v. 8. Dez. 1859) und die des Oberbergamts-Assistenten Kühne, insgesamt 750 Taler.  Zu den Ausgaben gehörte die Extravergütung von Backs  (300 Taler), 500 Taler für externe Dienste und Materialkäufe, die Entschädigung des Mühlenbesitzers lt. Vertrag v. 14. Aug. 1811, der Pachtzins für das Werksgelände laut Vertrag mit der Landesschule v. 4. Juli 1817, insgesamt 1430 Taler, mithin ein Zuschußbedarf aus der Staatskasse von 680 Talern.  

 

  1. Nov. Schreiben des Schulinspektors an den Bergrat Backs (MER F 44 II 12)

„Wie E. Hochwohlgeb. bekannt ist, beabsichtigt die hiesige Landesschule von den zum Verkauf  kommenden Salinengrundstücken zu Kösen, ein Wohnhaus zu requirieren und solches ihrem zu Kösen angestellten Förster als Dienstwohnung zu überwiesen. Diese Einrichtung ist von Beendigung der Regulierung zwischen der Saline und der Landesschule bedingt, doch da voraussichtlich  die völlige  Auseinandersetzung noch längere Zeit erfordern  dürfte, so würde der jetzt an Stelle des Försters Schippan, der von der Landesschule neu angestellte Förster Voigt genötigt sein, sich bis zu jenem Zeitpunkt eine Familienwohnung auf eigene Kosten in Kösen zu mieten. Welche Schwierigkeiten und Kostenaufwand es verursacht, in Kösen bei den daselbst herrschenden eigentümlichen Wohnungsverhältnissen auf längere Zeit eine Familienwohnung zu erhalten, bedarf keiner Erwähnung und erlaube ich mir daher, E. Hochwohlgeb. im Interesse des Voigt, welcher ein mäßiges Diensteinkommen bezieht, ergebenst zu ersuchen, in Berücksichtigung der obwaltenden Umstände gefälligst vermitteln zu wollen, daß dem Förster Voigt ein geeignetes Familienlogis in den zur Disposition stehenden unbewohnten Dienstwohnungen der früher von Salinenbeamten unter der Bedingung zur unentgeltlichen Benutzung überlassen werde, daß er dasselbe in wahrlichen Zustande  erhalte und  sobald es  verlangt wird, wieder räume..“

Nach Rücksprache mit dem OBA wurde dem Förster die Wohnung des Gradiermeisters neben dem oberen Schacht zugewiesen (R. Breitscheid.-Str 17a)

 

  1. Nov. Ortstermin mit dem Oberpräsidenten der Provinz (WER Rep. F 23 X Nr.22 Bd.3).

Geh.-Rat Exz. Georg Hartmann v. Witzleben ließ es sich nehmen, die besonderen lokalen Verhältnisse in persönlichen Augenschein zu nehmen.

 

  1. Dez. Nachweis der Salzabgabe für die Unterbeamten und Arbeiter (St.-A. Nr. 183).

Entsprechend einer Verfügung aus dem Jahr 1848 wurde eine bestimmte Menge Salz als Deputat ausgegeben. Das richtete sich nach Alter und Anzahl der zum Haushalt gehörenden Personen. Beim Gradiermeister Fr. Törpsch waren es 2 Erwachsene, 2 Kinder über 14 Jahren, 3 unter 14 Jahren und ein weiterer Familienangehöriger über 14 Jahre. Er erhielt 41,5 Pfund Salz. Weitere Empfänger waren der Kunstmeister Schönburg, der Gradierer R. Zedel, die Salzläder K. und W. Zedel, der Salzsieder A. Quarg, der Kohlenfahrer H. Törpsch und der Düngerarbeiter Fr. Schmidt.  

 

  1. Dez. Anweisung des Handelsministers zur Glaubersalzfabrik (MER F 44 V Nr. 8)

„Dem Kgl. Oberbergamt eröffne ich auf den Bericht vom 19. Nov. daß abgesehen von den sonstigen Gründen, welche zur Befürwortung des Antrages, den Pächter der Siedeabfälle der Saline Kösen Fabrikanten Friedrich Heun von der Entrichtung der auf 83 Taler berechneten Konventionalstrafe  wegen einer Minderlieferung von 209 Tonnen weißen Salzes zu enbinden, geltend gemacht worden sind, auf die Einforderung des Betrages dieser Strafe  schon aus dem Grunde  nicht zu bestehen ist, weil nach den Bestimmungen des § 7 des unter dem 15. 11. 1843 mit dem Heun abgeschlossenen Vertrages, demselben nur die Verpflichtung auferlegt worden ist, durchschnittlich ein Quantum von 25 Lasten weißen Salzes jährlich an der Saline abzuliefern, dagegen ihm ausdrücklich  nachgelassen ist, diese Ablieferung dem vorteilhaften Betrieb dieser Fabrik entsprechend der Art zu bemessen, daß der Minderbetrag einzelner Jahre durch den Mehrbetrag der nachfolgenden Jahre ausgeglichen werden kann. Dadurch daß der Vertrag vor dem Ablaufe desselben in Folge der Einstellung des Betriebes der Saline Kösen aufgehoben worden, ist dem Heun die Gelegenheit genommen, seinen Verpflichtung in dieser Beziehung nachzukommen und deshalb selbstverständlich  hieraus kein Anspruch weiter an ihn  zu erheben.

Nachdem daher der Heun in der Übernahme-Verhandlung vom 9. Nov. sich bereit erklärt hat, die ihm nach § 5 des Vertrages obliegenden und auf Grund der eingereichten Taxen zu 76 Taler  abgeschätzte Vergütung für den Minderwert der ihm bei Antritt der Pachtung überwiesenen Gebäude, Gerätschaften und Inventarien zu bezahlen, so unterliegt es nachdem diese Summe berichtigt sein wird, keinem Bedenken, denselben von seiner kontraktmäßigen Verpflichtungen zu entbinden und ihm die in Staatsschuldscheinen bestellte Kaution von 350 Talern zurückzugeben“.

 

  1. Dez. Versteigerung des Inventars der Glaubersalzfabrik (NKB).

 

  1. Dez. Schuljahresliste der 1. Klasse (St.-A. Nr. 34)

Die erste, die oberste Klasse besuchten 16 Knaben und 17 Mädchen.

 

1861

 

  1. Jan. Aufstellung des Knappschaftskapitals (MER F 44 II 12)

Das Gesamtkapital betrug 12.025 Taler. Davon waren 10.825 Talern mit einem Zinssatz von 4,5% an 35 Einzelpersonen zumeist Kösener Einwohner verliehen und mit Hypotheken besichert. Weitere 900 Taler waren in Stammaktien der Niederschlesischen-Märkischen Eisenbahn zu 4 % und 300 Taler in einer preußischen freiwilligen Anleihe angelegt. Jährlich betrug der Zinsertrag 535 Taler. Allerdings endete mit Einstellung der Saline der Kapitalzufluß, lediglich 73 Taler kamen von den acht nicht pensionsfähigen Arbeitern und Unterbeamten. Dagegen betrugen die jährlichen Ausgaben durch die vielen Pensionäre 3.959 Taler, womit das Kapital in drei Jahren verzehrt wäre.   

 

  1. Jan. Inventarverzeichnis der Kirchengemeinde (MER C 48 II a Nr. 1707)

Von den Spenden der Badegäste, allein die Freifrau vom Ende gab 50 Taler kaufte die Gemeinde  eine  vier Zenter schwere Gußglocke und die Kosten für die Beleuchtung des Betraumes übernahm die Knappschaftskasse.

 

  1. Jan. Einrichtung einer Schlittschuhbahn auf der Saale (NTB)

Nachdem strenger Frost die Saale zufrieren ließ, richtete A. Stichling die bahn von den  Saalhäusern bis zum Fischhaus ein.

 

  1. Jan- Anweisung des OBA wegen einer Personalentscheidung (MER F 44 II 12)

„...können wir es nur billigen, daß sie die Aufwartung der dortigen Künste pp. dem Bernhard Zedel  abgenommen und dem Gradiermeister Törpsch übertragen haben, wobei es auch bis dahin, wo etwa über Letzteren anderweit verfügt wird, sein Bewenden zu behalten und wovon Sie Ersteren  in Kenntnis setzen und ihm zugleich unsere ernste Mißbilligung seines bewiesenen widersetzlichen Betragens zu erkennen geben wollen. Da es aber dem Zedel in jetziger Jahreszeit wahrscheinlich  nicht möglich sein wird, sofort eine andere Wohnung zu erhalten, so ist ihm in solchen Falle die bisherige bis Schluß dieses Monats, event. nach Ihrem Befinden auch noch auf einige weitere Monate zu überlassen“ Außerdem wurde Backs angewiesen, eine Übersicht über die Pacht- und Mietobjekte aufzustellen. Demnach waren von den 12 Dienstwohnungen noch 7 bewohnt (Backs, Pfarrer Barthold, Steueraufseher Tilebein, Assistent Kühne, Kunstwärter C. Zedel, Obergradiermeister Törpsch und der Förster Voigt) außerdem gab es 9 Dienstgärten und 83 Gemüsegärten. 

 

  1. Jan. Rückzahlung der Kaution des Salzausgebers (MER F 44 II 12)

Weil an seinem Dienst nichts zu beanstanden war, erhielt Thielitz die hinterlegten 250 Taler zurück. Thielitz gehörte die Dorfstraße heute Borlachstr. 1. 

 

  1. Feb. Der Pächter des Kursaale F. Schmidt veranstaltet einen Maskenball (NKB).

 

  1. Feb. Anweisung des OBA wegen der Gärten (MER F 44 II 129

„Aus dem eingereichten Verzeichnis der dortigen Dienstwohnungen, Gärten und Ländereien ersehen wir, daß nicht bloß ein Teil der Gemüse-Ländereien an Personen in Pacht gegeben ist, welche der Saline gänzlich fremd sind, sondern auch, daß es in Ihrer Absicht liegt, dem Assistenten Kühne den erst vorigen Jahres gegen Rückgabe eines Teiles seines Gemüselandes überwiesenen Garten ihm wieder zu entziehen und anderweit verteilen.

Während nun die Überlassung von Gemüseländereien an der Saline gänzlich fremd gewesenen Personen unserer wiederholt ausgesprochenen Absicht, daß ausschließlich an ehemalige Arbeiter und Unterbeamten der Saline vergeben werden sollen, strikt entgegen läuft und deshalb mißfällig von uns bemerkt ist, können wir es auch ferner nicht gut heißen, daß dem Kühne bei dem vorhandenen Überfluß von Grundstücken, ein Teil seines Gemüselandes gegen Überlassung des eben gedachten Gartens entzogen werden, insofern er bereit war, den vorgeschriebenen Pachtzins  für beide Objekte zu entrichten und können es noch weniger billigen, daß ihm dieser Garten jetzt nachdem er ihn in Stand gesetzt, wieder entzogen und überhaupt auf die nur noch kurze Zeit des diesseitigen Besitzes in der Disposition über die Objekte derselben noch Veränderungen getroffen werden sollen, welche nicht unumgänglich notwendig sind oder durch  freiwillige Aufgabe  der Pachtungen gerechtfertigt erscheinen...“

 

  1. Feb. Erklärung zum Status der Kirchengemeinde (MER C 48 II a Nr. 1707)

Auf Anfrage des Landrates v. Danneil erklärte die Kgl. Regierung, daß im Interesse der Ortseinwohner sowie zur Erleichterung des geistl. Inspektors ein Hilfsgesitlicher  eingestellt und ein Lokal  für den Gottesdienst eingerichtet wurde, aber wegen fehlender Mittel der Gemeinde keine eigenständige Parochie eingerichtet werden kann.

 

  1. Feb. „Grundzüge des Vergleichs mit der Schule Pforta“ (MER F 44 II 12)

„Der Salinenfiskus gibt an die Landesschule zurück: das ganze  auf dem Situationsplan von 1817  von Colditz größtenteils als Gemüseland benutzte Terrain in seinem gegenwärtigen Zustand. Ingleichen das Terrain auf welchen das bereits abgebrochene Gradierhaus und das Siedesolenreservoir gestanden haben, sowie der Fundus, auf dem sich der untere Kunstschacht mit Schachtgebäude befindet, nach Abbruch dieses Gebäudes, erfolgter Auffüllung oder sichere Zulegung des Schachtes  und vollständiger Abfuhr des Schuttes. Kann dieses Terrain nicht in einen geebneten und sonst guten, d. h. kulturfähigen Zustand zurück gewährt werden, so erhält die Landesschule vom Salinenfiskus noch eine näher zu verabredende Kulturentschädigung. Der Salinenfiskus überläßt ferner der Schule das Haus des Kassen- und Materialverwalters, die neben dem Kassenhaus belegenen Wohngebäude, das Haus des Buchhalters,  die Dirigentenwohnung, die Gradiermeisterwohnungen und zwar sämtliche mit den zu diesen Gebäuden gehörenden Höfen, Gärten, Ställen in dem Zustand in dem sich diese Realitäten gegenwärtig befinden.“ Dafür sollte die Schule den aktuellen Taxwert zahlen.

„Der Kgl. Regierung zu Merseburg werden übergeben: der obere neue Solschacht mit dazu gehörenden Pumpen und Kunstkreuzen und dem aufstehende Gebäude, das vom oberen Solschacht nach dem neuen Gradierhaus  führende Kunstgestänge, das Gradierhaus selbst, das vom oberen Schacht zum oberen Kunstrad führende Gestänge, die auf der Radinsel befindlichen Wellenbäder nebst Soleleitung, das obere Kunstrad, die beiden zur Radinsel führenden Brücken (.) Dazu die  dazugehörenden Grundstücken am oberen Gradierhaus das auf drei Seiten umgebende unbebaute und nicht in Kultur befindliche Land, der zwischen dem Gradierhaus und der Kukulauer  Straße gelegene, bisher mit Hackfrüchten bebaute Streifen Land,  die ganze Radinsel und der nördlich der Chaussee gelegene  sog. Kohlenstreicherplatz oder Ascheberg“.

Ferner hatte die Kgl. Regierung in den Vertrag mit dem Provinzschulkollegium vom  24. Nov. 1844 über die Nutzung des Aufschlagwasser der kleinen Saale und der Aufteilung der Kosten einzutreten.

„Unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß durch diese Festsetzungen des Vergleichs-Vorschlages die Interessen der Landesschule in keiner Weise  benachteiligt werden, will die Landesschule einen Platz zum Neubau einer Kirche und zu einem freien Raum um dieselbe mit Vorbehalt der näheren Vereinbarung mit der Kgl. Regierung,  auf dem rechten Saaleufer der noch zu konstituierenden Kirchengemeinde zu Kösen unentgeltlich überlassen, entweder auf dem an den Oberamtmann Jäger zu Pforta verpachteten Feldstück zwischen der Pfortaeschen Schäferei und dem Therkornschen Grundstücke, wenn es gelingt den Jäger zur Entlassung dieses Ackerstücks aus der Pachtung unter angemessenen Bedingungen zu bewegen, oder den ganzen Platz neben der Dirigentenwohnung am Wege, jetzt Bauhof genannt, einschl. der  jetzt von dem Zimmereischuppen bedeckten Fläche“

„Von der auf dem linken Saaleufer zwischen dem Eisenbahndamm und dem Dorfe Kösen belegenen zum Schulgut Kukulau gehörigen Wiese den ganzen Rand ringsum  (.) zur Anlage einer schattigen Promenade mit dem Vorbehalt des Rechts der Überfahrt über Letztere zu den inneren nicht  abzutretenden Wiesenteil unter der Bedingung an den Kgl. Fiskus in Vertretung der Bade-Verwaltung vom 1. April 1861 an abtreten, daß Letztere  die Entschädigung des Pächters Hildebrand bis zum Ablauf  seiner Pachtzeit Johannis 1867 von da ab jährlich an die Landesschule übernimmt und von den südlich der Chaussee belegenen, zur Zeit  mit Koten und Kohlenschuppen besetzten Terrain einen Streifen längs der Chaussee zur Anlage eines Schatten-Weges  der Kgl. Reg zu überweisen...“.

„Als Gegenstände fernerer Auseinandersetzung zwischen Salinenfiskus und Badeverwaltung als der künftige Disponentin über Sole und Wasserkraft würden noch  zu bezeichnen sein, der Contrakt mit dem Chemiker Heun wegen Pachtung der chemischen Fabrik zu Kösen und der Erbpacht-Vertrag vom 25. Juni 1832 zwischen Salinenfiskus und Gastwirt Weber über den Gasthof nebst Zubehör und insbesondere Versorgung des Gasthofs mit Wasser...“

 

  1. Mär. Verhandlung zu den Rückgabemodalitäten des Salzwerks (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4).

Unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen v. Witzleben verhandelten die  Vertreter des Oberbergamts Halle, Berghauptmann v. Hövel, Geheimer Bergrat Ebers, Geheimer Bergrat Backs, der Landesschule, Regierungsrat Schulz, Baurat Schönwald, Prokurator Schwimmer, der Kgl. Regierung, Oberregierungsrat Geheimer Rat v. Werder, Landrat Geheimer Rat v. Danneil und der Kgl. Provinzial-Steuer-Direktor v. Jordan über die verschiedenen Punkte des Vergleichsentwurfs.

Ein Leserbrief im NKB: „Nach den umlaufenden Versionen ist von den Intentionen der Staatsbehörden Nichts zu fürchten, sondern Alles zu hoffen. Wir haben auch niemals zu der Fraktion gehört die tendenziös den Glauben zu verbreiten sucht, wer auf die Regierung sich verließe, sei verlassen. Denn in den Annalen der preußischen Verwaltung wenigstens ist noch kein Fall verzeichnet, daß der Notschrei von 1500 redlichen Menschen bei den Lenkern des Staates nicht die gebührende Beachtung gefunden hätte.“ 

 

  1. Mär. Erlass der Provinzialsteuerbehörde (St.-A).

Zur Wahrung des Salzmonopols durfte die Schachtsole nur für Badezwecke an dazu berechtigte  Personen abgegegen werden. Bei Zuwiderhandlungen drohten empfindliche Strafen. Die  Badedirektion hatte für den Verschluss und die Überwachung des Solschachts zu sorgen  

 

  1. Mär. Anordnung des OBA zu den Pachtgärten (MER F 44 II 12)

„..beauftragen wir Sie, diejenigen Gemüse-Ländereien, welche bisher  pachtweise auf unbestimmte Zeit oder kontraktlich auf eine bestimmte Reihe von Jahren an das Personal der dortigen Saline  verpachtet waren, soweit solche nicht in die Benutzung der dortigen Badeanstalt übergeben werden, sowie den Fundus des unteren Gradierhauses mit dem 1. kommenden Monats an die Landesschule Pforta zurückzugeben, dagegen diejenigen Ländereien, welche nach der am 4. d. M. an Ort und Stelle statt gehabten Verhandlung der Bade-Verwaltung überwiesen werden sollen, mit dem 1. Okt. an Letztere zu übergeben und in beiderlei Beziehungen die bisherigen Pachtbeträge pro rata bis zu den Übergabe-Terminen bei dortiger Salinenkasse zu vereinnahmen, von hier ab aber den dieseitigen Pachtzins an die Landesschule nicht ferner zahlen zu lassen, da dieselbe von diesen Zeitpunkte ab in den Genuß der bisher der Saline zugestandenen Pachterlöse eintritt“.

 

  1. Mär. Nachlaßversteigerung in der Dorfstraße 28 (Borlachstr. 30) (NKB)

Neben verschiedenen Hausrat wurden 5 Badewannen und ein großer Kupferkessel angeboten. 

 

  1. Mär. Anweisung des OBA zur Verwahrung des unteren Solschachts (MER F 44 II 12)

Um den unteren Schacht vor unberechtigterBenutzung zu sichern, sollte er in geringer Tiefe durch ein Gewölbe verschlossen werden. Weil aber in den darunter liegenden Teil Wildwasser eindrang und über den Verbindungsstollen in den oberen Schacht gelangte und die dortige Sole beeinträchtigte, schlug Backs vor, das Mundloch des Stollens im unteren Schacht zu verschließen. Das würde ein Überlaufen dauerhaft verhindern. Außerdem würde dieses Gewölbe das Aufsteigen der Sole bis über die Erdgleiche nicht verhindern. Daraufhin erklärte das OBA: „Wir können die von E. Hochwohlgeb. aufgestellte Ansicht, daß ein zum sicheren Verschluß des dortigen unteren Solschachtes bei ca. 20 Fuß Tiefe unter der Hängebank desselben zu schlagenden Gewölbes, den bedeutenden Druck einer Solesäule von 643 Fuß Höhe Widerstand zu leisten haben würde, nicht teilen, da dieser Widerstand bei dem im Bericht näher angegebenen Niveau-Differenzen zwischen dem oberen Schacht resp. der Röschensohle desselben und dem unteren Schacht nach dem bekannnten Gesetz über die kommunizierenden Röhren in der Tat dem Druck einer Solesäule von ca. 12,5 Fuß Höhe gleichkommen wird, welchen ein übrigens sorgfältig in Zement  gemauertes auf festen Widerlagern ruhendes und mit ca. 20 Fuß Deckung versehenen Gewölbe ohne irgenwelche Gefahr für die Sicherheit der Oberfläche wohl angesetzt werden kann. Wir finden uns  daher auch um so weniger veranlaßt, von dem ursprünglichen Projekt des Schachtverschlusses abzugehen, als  die Ausführung der von E Hochwohlgeb. gemachten anderweitigen Vorschläge mit ungleich höhern Kosten ohne Gewährung größerer Sicherheit verbunden sein würde  und geben E.  Hochwohlgeb. auf, den Schachtverschluß nach jenem Projekte ausführen zu lassen.“

 

  1. Apr. Antrag des Gemeindekirchenrates (MER C 48 II a Nr. 1707)

Die von der Gemeinde gewünschte Verbesserung des Betsaales wurde von der Behörde zurückgewiesen und die Gemeinde dahin beschieden, dass man zunächst die „Allerhöchste Genehmigung“ zur Aufteilung der ehemaligen Saline abwarten müsse, wobei die Gemeinde auch mit einem Grundstück für den Neubau eines Gotteshauses rechnen könnte.

 

  1. Apr. Antrag von Dr. Groddeck (MER F 44 II 12)

„Nachdem ich von der Kgl. Reg. zu Merseburg  die Genehmigung zur  Legung einer Röhrenfahrt  von dem unteren Schacht bis zu meiner Badeanstalt erhalten habe, beehre ich mich ganz ergebenst  um die Erlaubnis nachzusuchen, mit derselben an die bereits vorhandene, vom oberen Schacht  führende  Röhrenfahrt  anschließen  und dieselbe in  der von Kgl. Behörde zu bestimmenden Weise mit benutzen zu dürfen, ebenso möge mir dieselbe gestatten, behufs der Konzentrierung des Solebdarfs, auf meine Kosten von dem auf dem Gradierhause befindlichen Reservoir ein Stück  abscheiden zu dürfen...“

Die Antwort des OBA vom 13. Apr. „daß wir derzeit nicht befugt sind, mit den übrigen Interessenten nachträglich und einseitig über die zur Zeit noch bestehenden dortigen Vorrichtungen und Gebäude zu disponieren, vielmehr zunächst die höhere Genehmigung  abwarten müssen..“.

Am 22. April teilte die Kgl. Reg. Dem OBA mit „Der Dr. Groddeck dortselbst hat bei der unterzeichneten Behörde um die Erlaubnis nachgesucht, eine Röhrenfahrt vom rechten Ufer der Saale über die Brücke und längs des Chausseedammes bis zu seinem Badehaus  verlegen zu dürfen. Die Genehmigung ist noch nicht erteilt, sondern an Bedingungen geknüpft, deren Erfüllung zu fordern und zu überwachen wir den Baurat Schönwald beauftragt haben. Die Mitteilung des Dr, Groddeck, daß er die Genehmigung erhalten habe, muß auf einem Mißverständnis beruhen (.) Dennoch nehmen wir aber doch keinen Anstand in bezug auf die erbetene Erlaubnis zu der Röhrenlegung auf dem rechten Saaleufer einzugehen und uns damit einverstanden zu erklären, daß dem Dr. Groddeck der Anschluß seiner Leitung an die fiskalische Röhrenfahrt von der Abschließung von Verträgen mit der Chaussebauverwaltung unter denselben Bedingungen wie sie für die Hartungsche Badeanstalt bereits bestehen, gestattet werde...“

 

  1. Apr. Verlegung der Ausgabestelle für Badesole (WER Rep. F23 X Nr.22 Bd.3)

 

  1. Apr. Anweisung des Handelsministers (WER Rep. F 23 VII Nr.4/ Bd.1).

„... das Kgl. Oberbergamt benachrichtige ich mit Bezugnahme auf den Bericht v. 31. März daß, nachdem in dem Haupt-Etat der Berg-, Hütten-und Salinenverwaltung auf das Jahr 1861 die nötigen Fonds zur Bestreitung der Knappschafts-Benefizien auf welche die Knappschafts-Angehörigen der Saline Kösen Anspruch haben, aufgenommen worden sind, nunmehr mit der diesfälligen Verpflichtung auch die Verwaltung der betreffenden Knappschaftskasse vom Anfange diesen Jahres ab auf den Fiskus übergeht. Es sind daher die betreffenden Zahlungen nach Maßgabe  des Kösner Knappschafts-Statuts auch ferner zu leisten und nach dem Antrag die Besorgung der Kassengeschäfte an den Postsekretär Müller in Kösen, sowie die ärztliche Behandlung der Knappschafts-Mitglieder an den Dr. Rosenberger gegen die in Vorschlag gebrachten Honorare  von 50 beziehungsweise 200 Talern unter Vorbehalt der Kündigung zu übertragen. Die der Knappschaft noch angehörenden 8 arbeitsfähigen Individuen können, so lange sie nicht auf einem andern Werk beschäftigt werden, und somit in einen anderen Knappschafts-Verein übertreten, gegen  Fortentrichtung der vorgeschlagenen Beiträge in Höhe von zusammen 73 Talern jährlich in dem Genusse der Knappschafts-Wohltaten belassen werden, da eine Pensionierung dieser Arbeiter bei nicht nachgewiesener Invalidität zur Zeit unzulässig ist. Dieselben sind jedoch darauf aufmerksam zu machen, daß sie die ihnen etwa auf anderen Werken sich darbietend Beschäftigung, worauf das Kgl. Bergamt nach wie vor sein besonderes Augenmerk zu richten hat, unweigerlich  anzunehmen haben, widrigenfalls ihr Anspruch auf den Fortbezug der Benefizien erlischt. Um das nötige Anhalten bei der Rechnungsführung zugewinnen, hat das Kgl. Oberbergamt an Stelle eines Etats baldigst einen speziellen Überschlag aller für das Jahr 1861 zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben unter Namhaftmachung der Zahlungspflichtigen und der Empfangsberechtigten aufzustellen und zur eventuellen Bestätigung einzureichen. Der zur Bestreitung dieser Ausgaben aus der Staatskasse erforderliche Zuschuß, dessen Erstattung aus der Kgl. Ober-Berg- Hauptmannschaftlichen Kasse das Oberbergamt unter Einreichung einer belegten Designation der Einnahmen und Ausgaben am Jahresschlusse zu beantragen hat, ist für das Jahr 1861 bei der durchlaufenden Verwaltung der Oberbergamtlichen Bürokasse in Einnahmen und Ausgaben  nachzuweisen, während für das Jahr 1862 die betreffenden Zahlungen auf den Etat der Oberbergamtlichen Unterstützungskasse zu übernehmen sind. Mit Rücksicht auf die vom Fiskus übernommene Garantie der Erfüllung der dem Kösner Knappschaftsverein obliegenden Verpflichtungen erscheint es zulässig und zur Vereinfachung der Kassenverwaltung angemessen, das Kapitalvermögen des Vereins  von ca. 12.000 Talern nunmehr  an den Staatsschatz abzuführen und die Ausgaben, soweit solche nicht durch Beiträge der Vereinsgenossen gedeckt werden  lediglich durch den Staatshaushalt zahlbar zu machen...“

 

  1. Mai Eröffnung des „Restaurants du Passage“ (NTB)

Die Rost`sche Restauration in der Lindenstraße 69 (heute 5,6,7) übernahm Eduard Stausch un dgab der gastwirtschaft diesen wohlklingenden Namen „Während der Badesaison halte ich von Morgens bis Abends Restauration à la carte, sowie Menagen zur Mittagszeit, auch bin ich erbötig auf vorherige Bestellung Aufträge für Gesellschaften, Diners und anderen Festlichkeiten zu organisieren.“

 

  1. Mai Schreiben des Dürrenberger Baumeisters Siemens an Backs (MER F 44 II 12)

„...bin ich angewiesen, mich ehebaldigst nach Kösen zu begeben, um mich mit E. Hochwohlgeb. über die Ausführbarkeit einer Füllung des unteren Schachtes resp. möglichst gering kostende und gleichwohl Sicherheit  gewährende Verwahrung  desselben  zu beraten...“

Am 2. Juni teilte das OBA Backs mit, dass man den gemeinsamen Vorschlag genehmigt habe und Siemens „mit der Anordnung  und fleißigen Kontrollierung  dieser Arbeit beauftragt“

 

  1. Mai Konzertveranstaltungen zum Kursaisonauftakt (NKB).

Die Badekapelle spielte zur Eröffnung vom Teichgräberschen „Kuchengarten und Waldschlößchen“ und beim Bockbierfest im Schmidt`schen Kursaal.

 

  1. Mai Einverständniserklärung der Knappschaftsvereins (WER Rep. F 23 VII Nr.4/ Bd.1).

Für die Verhandlung wurde der Gerichtsassessor Hinkeldey vom Bergamt Eisleben, das für Knappschaftsangelegenheiten zuständig war, betraut. Alle bei der Stilllegung der Saline beschäftigten Knappschaftsmitglieder besiegelten mit ihrer Unterschrift die Auflösung der Knappschaftskasse und die Übertragung des Vermögens an den Fiskus. Der Erklärung beigefügt war die  Jahresrechnung 1861, wobei der Jahresverlust durch einen Zuschuß aus dem Staatshaushalt ausgeglichen wurde.

 

  1. Juni Meldungen über Hausverkäufe (MER F 44 II 12)

Wegen der Auflösung des Knappschafts-Vereins wurde angeordnet, das beim Verkauf von Anwesen, die mit einer Hypothek zugunsten der Knappschaftskasse belastet waren, der Verkäufer die  Hypothek aus dem Kaufpreis erstatten muss. Das erwies sich als problematisch, denn bisher übernahm der Käufer die tilgungsfreie Hypothek. Daher finden sich derartige Anzeigen in den Akten der Salinenverwaltung wie die des Handarbeiters Friedrich Adam Helfer (Schmettaustr. 7) der sein Haus dem Müllergesellen Ludwig Wilhelm Schulze verkaufte, des Salzsieders J. Fr. Köttnitz, der seinen Weinberg in den Vorderbergen seiner Tochter Henriette Eva Emilie Köttnitz verkaufte und des Zimmergesellen  J. Gottfried Hoyer der sein Anwesen (Borlachstr. 30) der verehelichten  Johanna Christine geb. Hüttig verkaufte.

 

  1. Juni Goldene Hochzeit der Eckardtschen Eheleute (NTB)

In ihrem Haus „An der Saale 11“ (Uferstr. 3) wurde ihnen eine Prachtbibel mit der eigenhändigen Unterschrift der Witwe König Friedrich Wilhelm IV. geschenkt.

 

  1. Juni Einbau einer Dampfkesselanlage in der Groddeckschen Anstalt (St.-A. Nr. 241).

Die beiden Hochdruckdampfkessel zur Warmwasserbereitung leisteten 4 PS und mussten vor der Inbetriebnahme vom Kreisbaubeamten abgenommen werden. Weitere Prüfungen erfolgten aller 2 Jahre.

 

  1. Juni Anfrage der Kgl. Regierung beim OBA (WER Rep. F 23 X Nr. 22/3).

Die Badewirte hatten sich beschwert, dass der Weg zur Ausgabestelle am oberen Schacht zu lang sei und  verlangt, dass die Ausgabe wieder am unteren Schacht eingerichtet wird. Daraufhin wurde beim OBA angefragt, ob man das mit der zur Hartungschen Anstalt führenden Röhrenfahrt verbinden kann.  Backs sollte sich darüber gutachterlich zu äußern.

 

  1. Juni Schumann lädt zum Tanz in die „Saalhäuser“ (NKB).

 

  1. Juni Stellungnahme Backs zur Rückverlegung der Ausgabestelle (MER. C48 Ii 776/IV).

Der lehnte die Rückverlegung ab, weil Weber inzwischen bei der Landesschule den Kauf des Geländes beantragt hatte und der Vertragsentwurf bereits im „Cultus“-Ministerium zur Genehmigung lag. Der Vorschlag, allen Badewirten eine Röhrenfahrt zu gestatten, sei derzeit auch nicht ratsam, denn es hatte sich gezeigt, dass die bisher verlegten „Zementrohre“ den höheren Druck vom oberen Solschacht nicht stand hielten.

Abschließend gab Backs noch „ein Pröbchen neuester Art und Weise, wie sich die Privatanstalten“ Vorteile sicherten.  Demnach sollten die zur Abholung der Sole bestimmten Fässer 14 Kubikfuß fassen. Doch dann fiel dem für die Soleausgabe zuständigen Gradiermeister Törpsch auf, dass mit den Fässern etwas nicht stimmte. Ein Prüfung ergab, dass einige Badewirte wie Senff, Gräser, Gräßner und Heun Fässer mit 20 Kubikfuß verwendeten und nun auch noch die  Bezahlung der Mehrabgabe verweigerten.  

 

  1. Juni Mitteilung des OBA an Backs (MER F 44 II 12)

„Ihren Antrag die Erteilung einer Vollmacht zur Vertretung Fisci  in Beitreibung  der ausgeliehenen knappschaftlichen Kapitalien betreffend, nehmen wir Abstand, da, wie wir hoffen, einschlagende Fälle in nächster Zeit nicht eintreten werden und wir es daher vorziehen, bezügliche Vollmachts-Erteilung  den konkreten Fällen vorzubehalten“.

 

  1. Juli Kaufmann Scholvien erhält die Konzession für den Salzverkauf (NTB)

 

  1. Juli Pachtanzeige für das „Himmelreich“ (NTB)

Der Stendorfer Rittergutsbesitzter suchte für die nächsten zwei Jahre einen Pächter. Interessenten sollten sich beim Jäger Gehre in Stendorf melden. Letztlich pachtete Gehre selbst das Himmelreich und wegen seines prächtigen Bartes wurde er „Petrus“ genannt. 

 

  1. Juli Entschlammung der kleinen Saale (WER Rep. F 23 III Nr. 9).

Mit Rücksicht auf den laufenden Badebetrieb sollte die Entschlammung vom Einfall am Wehrdamm bis zur Chausseebrücke  erst nach der Badesaison erfolgen, um die Soleförderung und den Betrieb der Wellenbäder nicht einzuschränken. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Entsorgung von Abfällen in und an dem Gerinne unter Strafe gestellt.

 

  1. Juli Prüfung der Salinenkasse von 1860 (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4).

Die Einnahmen beliefen sich auf 8.788 Taler, was dem Verkauf des Salineninventars geschuldet war, die Kosten auf 688 Taler.

 

  1. Juli Italienisches Gartenfest mit Illumination und Feuerwerk im Kursaal (NKB).

 

  1. Juli Anordnung des OBA (MER F 44 II 12)

„In Folge der Verhandlungen sind die dortigen Kgl. Gebäude, welche Ihnen und einigen andern Personen zur Benutzung überlassen sind, mit dem 1. Oktober an die Landesschule Pforta resp. die Kgl. Badedirektion  zu übergeben und nehmen hieraus Veranlassung, nicht allein Ihnen die bisher  innegehabte Wohnung nebst Zubehör zu gedachten Termin hierdurch zu kündigen, sondern auch, Sie zu bemühen, allen übrigen Bewohnern von Salinengebäuden mit Ausnahme des Hilfsgeistlichen diese Wohnungen für gleichen Termin zu kündigen und hierzu Ihnen überlassen, sich wegen etwa zu wünschender fortgesetzter Bewohnung derselben mit den künftigen Eigentümern betreffender Gebäude zu einigen...“

 

  1. Juli Anordnung des OBA zur Knappschaftsunterstützungen (MER F 44 Ii 12)

„Dem Kgl. Geh. Bergrat a. D. Ritter Backs zu Kösen mit der Veranlassung, den Post-Sekretär  Müller hiernach mit der erforderlichen Anweisung  zu ersuchen und dafür Sorge zu tragen, daß die   Designation der betreffenden Einnahmen und der Ausgaben spätestens  am 4. Januar 1862 an uns eingereicht wird.“ Müller hatte sich mit Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde bereit erklärt, die Auszahlung der Pensionen, der Witwen- und Waisen-Unterstützung, sowie der  bewilligten Kurkosten und die Einnahme der Knappschaftsbeiträge zu übernehmen und war daher gegenüber dem Oberbergamt rechenschaftspflichtig.   

 

  1. Aug. Anschluss an das Telegrafensystrem der Thüringischen Eisenbahn (NTB)

An allen Bahnhöfen konnten nun auch von privatleuten Depeschen über das Dienstsystem der Eisenbahn übertragen werden.

 

  1. Aug. Kinderball im Kursaal (NKB).

 

  1. Aug. Anweisung des OBA an Backs (MER F 44 II 12)

„..erwidern wir Ihnen zunächst, daß von Erhöhung des Zinsfußes für die zur Zeit noch nicht gekündigten Knappschafts-Kapitalien von 4,5 auf 5 % Abstand zu nehmen ist, sowie ferner, daß wir dato ihren Antrag auf Belassung der mit der allmählichen Kündigung und Einziehung gedachten Kapitals verbundenen Geschäfte befürwortet und die Bemessung einer entsprechenden Remuneration dem Herrn Minister anheim gestellt haben, fertigen Ihnen auch anliegend die bei  Wahrnehmung dieser Angelegenheiten, deren sie sich mit billigen  Rücksichtnahme auf die pekuniäre Lage  der Schuldner unterziehen wollen, erforderliche Vollmacht zu“.

In Kenntnis der finanziellen Lage der meisten Schuldner hatte Backs zunächst statt der Rückforderung der Darlehen eine Erhöhung der Zinsen vorgeschlagen. Das wurde abgelehnt und Backs angewiesen, allen Schuldnern ein „Infinuations-Dokument“ zu übergeben, wo ihnen die Kündigung und sofortige Rückzahlung mitgeteilt wurde.

 

  1. Aug. Mitteilung des OBA an Backs (MER F 44 II 12)

„..wollen wir zwar mit Rücksicht auf die große Dürftigkeit des invaliden Sieders Colditz von der Wiedereinziehung der an denselben zuviel gezahlten 4 Taler 7 Silbergroschen 6 Pfennige  Pension Abstand nehmen und auch für die  fernere Belassung  der für ihn irrtümlich  mit 4 statt 3 ¾ Talern ausgeworfenen Pension höhern Orts verwenden, können indeß nur bedingte Zusage in dieser Beziehung für jetzt nicht erteilen und wollen deshalb abwarten, ob ihm weiterhin monatlich 3 ¾  Taler gewährt werden.“

 

  1. Sep. Schreiben des Prokurators an Backs (MER F 44 II 12)

„E. Hochwohlgeb. Gesuch betreffend der fernerweiten Belassung Ihrer Dienstwohnung habe ich dem Kgl. Provinzial-Schul-Collegium zu Magdeburg sofort zur weiteren Entschlußnahme vorgelegt  und hat mich hochdasselbe hierauf durch ein mir gestern zugegangenes Reskript  dahin beschieden, daß Ihnen das Wohngebäude nebst Zubehör und Garten für den Fall der höheren Genehmigung  des Auseinandersetzungsvergleichs nur für einen jährlichen Mietzins von 100 Talern gegen vierteljährigen beiden Teilen freistehenden Aufkündigung, sowie unter der Verpflichtung, die Wohnung aus eigenen Mitteln zu unterhalten, aus freier Hand seitens der Landesschule zu vermieten sei. Dagegen das Gesuch auf lenbenslängliche Überlassung um deswillen nicht eingegangen werden könne, weil dies die Disposition  über die Grundstücke in einer Weise  aufhebe, welche der Landesschule  zu einen Nachteile gereichen würde.“

 

  1. Sep. Genehmigung des Auseinandersetzungsvertrags (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4)

 

  1. Sep. Versteigerung von Guß- und Schmiedeeisen in der Saline (NKB).

 

              Veröffentlichung zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Laut Wahlliste hatte der Ort 1.529 Einwohner. Wahlkommissar war der Prokurator Schwimmer, sein Stellvertreter Ortsrichter Schleicher.

 

  1. Sep. Anweisung des OBA (MER F 44 II 12)

„..sodann haben wir Ihnen mitzuteilen, obschon wir Ihren Antrag, wonach Ihnen die fernere Geschäftsführung bezüglich des in Rede stehenden Vermögens bis zu gänzlicher Abwicklung  dieser Angelegenheiten zu belassen sein würde, höhern Ortes befürwortet haben, der Herr Minister für Handel und Gewerbe doch unterm 6. d. M. dahin Anordnung getroffen haben, daß die Verwaltung  dieses Vermögens  vom 1. k. M. von uns unmittelbar übernommen werden und der Post-Sekretär  Müller die Einziehung und Abführung der Kapitalien für das ihm für die Wahrnehmung der knappschaftlichen Angelegenheiten  bewilligte  Honorar von 50 Talern jährlich mit besorgen solle. Die Ihnen dieserhalb bereits erteilt Vollmacht  mithin wieder zurück zu ziehen sei.“

 

      Sep.  Badeliste (NKB).

1.630 Badegäste waren anwesend, darunter der niederländische Konsul Bake-Leipzig, Hr. Faithin Dirigent des französ. Knabenchores-Berlin, Baronin v. Borcke-Halle, Rittmeister A. Mosoloff- St. Petersburg, Baronin v. Kochtitzky-Dresden, Freiher v. Ploto-Merseburg, Baronin v. Biestram-Schlesien, Graf und Gräfin v. d. Schulenburg-Emden, Oberst-Ltn. Volck-Berlin, Landrat v. Danneil-Naumburg, Geh. Reg.-Rat du Bois-Berlin, Hr. Daubner Schauspieler am Kgl. Opernhaus-Berlin, Fr. v. Kaschkadanowa mit den Kinder des Rittmeisters v. Rosolin-Charkow, Frau v. Klindworth-Brüssel, Oberst-Ltn. v. Winterfeldt, Exz. Gen.-Ltn. v. Schreibershofen mit Tochter von Schönberg-Dresden, Baron v. Benkwitz-Potsdam,  Oberst-Ltn. v. Knobelsdorff-Berlin, Exz. Generalin v. Gagern-Berlin, MR Höre Direktor des Kgl. Hebammeninstituts zu Wittenberg, der Pianst Paul de Mouskoff-St. Petersburg, Gräfin Posadowski-Glogau, Exz. Gen.-Ltn a. D. v. Buddenbrock-Berlin, Major a. D. Freiherr v. d. Goltz.-Berlin, Frl. Felicie de Bois-Reymond-Berlin  und ihr Vater Dr. Paul du Bois-Reymond (1831-1889) ein  Schwager von Dr. Rosenberger, der Schriftsteller Max Ring (1817-1901), Freiherr v. Kevelhodt-Hermannsgrün, Fürst und Fürstin v. Lwow mit Gefolge-Moskau, Baronin Schimmelpfennig v. d. Oye-Berlin, Exz. Generalin v.  Strantz-Berlin, Oberst.-Ltn. v. Brandt-Dessau, Oberst-Ltn. v. Quierling-Berlin, Baron v. Ledebur-Berlin, Strafanstaltsdirektor v. Rohr mit Gattin-Halle, der Opernsänger Franz Eichhorn, Prof. Götz-Leipzig, Prof. Preitz-Stettin.

 

  1. Sep. Unterzeichnung des Auseinandersetzungsvertrages (WER Rep. F 23 II Nr. 21 /4).

Die Vertreter des Oberbergamtes, des Kgl. Provinzialschulkollegiums und der Kgl. Regierung  bestätigten den Vertrag, der in einigen Punkten von den 1732 vereinbarten Rückgabemodalitäten abwich. Die Landesschule gestattete die Übertragung der von der Badedirektion und der Kirchengemeinde benötigten Grundstücke und Gebäude und übernahm die erhaltenswerten  Dienstwohnungen des Kassendieners, des Rendanten, des Pfannenschmieds, des Dirigenten, des Gradier- und Kunstmeisters für 5.000 Taler. Das gelände wo die beiden älteren Siedekote, das untere Gradierwerk, die Gestänge vom unteren Kunstrad, das Solereservoir, die chemische Fabrik, die Dünger- und Holzschuppen standen wurden Flächen beräumt übergeben, ebenso der ehemalige Streichplatz. Der untere Solschacht war verwahrt worden, die Maschinerie ausgebaut, den Platz und den Turm übernahm die Landesschule und verkaufte es anschließend an den Gastwirt Weber. Für die Unterhaltung des Wehrdammes, der kleinen Saale und des Scheitbaches war nun die Landesschule allein zuständig. Der Betriebsweg entlan des Doppelfeldgestänges zum oberen Schacht wurde der Gemeinde zum Nießbrauch überlassen. Anstelle der Rösche des von der unteren Wasserkunst wurde ein öffentlicher Treppenaufgang angelegt.

 

  1. Okt. Formelle Übergabe der Grundstücke durch den Salinenfiskus (WER Rep. F 23 II 21/4)

„Hierbei sind seitens der Kgl. Salinenverwaltung für den Material-Taxpreis an die Landesschule sämtliche auf Pfortaischen Territorium errichteten Wohn- und Fabrikgebäude, seitens der Landesschule aber zunächst der vereinigten Kirchengemeinde Kösen-Pforta unentgeltlich ein freundliches Wohnhaus zur Dienstwohnung des dasigen Pfarrers, außerdem  ein zeither schon zum Gotteshaus benutztes Gebäude fernerhin zu diesem Zweck und endlich die Wahl zwischen zwei Kirchenbauplätzen, sodann der einzusetzenden Kgl. Badeverwaltung 1.) das obere Gradierhaus nebst der dabei befindlichen Kunstwärterwohnung und zu kleinen Gartenanlagen in der Umgebung des Gradierhauses gegen 4 Morgen artbaren Landes 2.) sämtliche vorzugsweise zur Hebung der Sole notwendigen mechanischen  Wassertriebwerke nebst den dazu gehörigen Gebäuden 3.) die sogenannte Badeinsel mit den Wellenbädern und den darauf befindlichen Gebäuden 4.) eine Fläche von nahe 6 Morgen haltenden sogenannten Aschenberg, behufs einer künftigen Parkanlage gegen Entrichtung eines mäßigen Zinses vom Grund und Boden überlassen worden. Außerdem verdankt die Badeverwaltung der Munifizenz des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe einen großen Vorrat verschiedener wertvoller Utensilien sowie ansehnlicher Rohbestände an Nutzholz, Metall etc...“ (NKB)

 

  1. Okt. Versteigerung von Salinengrundstücken (NKB).

Die Landesschule versteigerte das 2. Siedekot auf Abbruch sowie zwei Bauplätze an der Cocturstraße.  

 

  1. Okt. Sonderzug zum „Krönungseinzug“ in Berlin (NKB).

Von der Thüringischen Eisenbahn wurde ein Sonderzug der 2. und 3. Klasse zu ermäßigten Preisen gestellt. Der fuhr 3.25  Uhr ab Kösen und um Mitternacht ab Berlin zurück.

 

  1. Nov. Verkauf des Inventars der Dirigentenwohnung (NKB)

Backs stand im 76. Lebensjahr bezog eine Pension von 900 Talern. Der angebotene Mietpreis von 100 Talern  dürfte daher wohl kaum der Grund gewesen sei, dass er darauf nicht einging. Eher war die fehelnde Zusage die Wohnung bis zum Lebensende zu behalten. Zum Vergleich ein pensionierter Salinenarbeiter wie der Salzsieder Colditz erhielt eine Jahrespension von 48 Taler.

 

  1. Nov. Verkauf der Abbruchmaterialien des unteren Solschachtes (NKB).

Gastwirt Weber hatte den Schachtturm auf Abbruch und das Grundstück von der Landesschule erworben und den kompletten Abbruch veranlasst. Über die Gestängerösche wurde ein Tonnnengewölbe errichtet, von dem aus der untere verschlossene Schacht für Kontrollzwecke zugänglich blieb. Das übrige Gelände wurde aufgefüllt. Somit konnte der Gasthof von der Kukulauer Straße bequem mit Fuhrwerk anzufahren werden. 

 

  1. Nov. Dankschreiben des Gemeindekirchenrats (WER Rep. F23II, Nr.21/49).

Für die Überlassung des Betraumes und der Pfarrwohnung bedankte sich der Gemeindekirchenrat beim OBA.

 

  1. Nov. Die Witwe Christiane Auguste Graeser verstirbt (Sterberegister)

Ihr gehörte das Bade- und Pensionshaus in der Neuen Straße (Fr. Ebert-Str. 1), das nun ihre Tochter übernahm, die es später Dr. Löffler verkaufte.

 

  1. Nov. Wahl zum Abgeordnetenhaus (NKB).

Kösen (1529 Einwohner – Zählung 1858) war ein eigenständiger Wahlbezirk. Wahlkommissar war der Bergrat a. D. Backs, sein Stellvertreter der Ortsrichter. Wahlmänner waren Kaufmann Dittmann, Apotheker Gause, Dr. Groddeck, Dr. Rosenberger, Rentier Reil und Mühlenbesitzer Roßner.

 

  1. Dez. Antrag des Landrates auf Minderung des Pflegegeldes (MER C 50 Nbg. A Nr. 484)

Für die Behandlung der Auguste Christine Colditz in der Charitè wurden 10 Silbergroschen Verpflegungsgeld täglich verlangt. Da sie mittellos war und das Geld aus der Gemeindearmenkasse aufgebracht werden musste, wurde bei der Kgl. Regierung die Halbierung des Satzes beantragt und auch bewilligt. 

 

  1. Dez. Verkaufsanzeige für das Wohnhaus des Kunstmeisters Schlunk (NTB)

Der war inzwischen zur Saline Münster am Stein gewechselt und verkaufte sein Anwesen in der Dorfstraße 18 (Borlachstr. 37).

 

               Ferdinande von Schmettau verlegt ihren Wohnsitz nach Kösen.

Sie wurde 1798 in Bartenstein/Ostpreußen geboren. Nach der Pensionierung des Vaters zog die  Familie mit 11 Kindern auf ein Landgut in Schlesien. 1813 rief der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Volk auf, sich durch freiwillige Spenden an der Ausrüstung des Heeres zu beteiligen, um die napoleonische Herrschaft abzuschütteln. Ferdinande „opferte ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes“, ein für die damalige Zeit für eine junge Frau außergewöhnlicher Vorgang und spendete den Erlös. Als der Sekretär des Staatskanzlers v. Hardenberg davon Kenntnis erhielt, ließ er aus dem Haar Armbänder und Ketten verfertigen. So reichte dann der Erlös von 196 Taler, um eine Landwehrsoldaten auszustatten. 

Das war zu dieser Zeit der hiesigen Einwohnerschaft allerdings nicht bekannt, als sie in das Haus ihres Bruders Major a. D. Theodor Schmettau und dessen Frau Mathilde zog (Saalstr. 16).  

 

1862

 

  1. Jan. Geschäftsbericht des Sparvereins (NKB).

Nach dem vom Rendanten Backs aufgestellten Berichts betrug der Kassenbestand von 3.945 Taler und  der verein hatte 129 Mitglieder.

 

  1. Jan. Verfügung des Ministeriums f. Handel u. Gewerbe (WER Rep. F 23 II Nr. 21/4).

Bezüglich der Feuerlöschgerätschaften wurde festgelegt, dass diese zweckmäßigerweise der neu gegründeten Badeverwaltung unentgeltlich überlassen werden sollten, zumal diese auch das Spritzenhaus der Saline übernommen habe, und dass der Gemeinde wie bisher die Benutzung gestattet ist.

 

  1. Jan. Nachlassversteigerung bei der Witwe Baumbach, Lindenstr. 66 (heute Nr. 1,2) (NKB)

 

  1. Feb. Maskenball im „besonders dekorierten Cursaal“ von Schmidt (NTB)

Herren zahlten 7 ½ Silbergroschen Damen 5 Silbergroschen. Für die von außerhalb anreisenden Gäste gab es beheizbare Räume zum Umkleiden.

 

  1. Feb. Bestätigung der Salinenabrechnung 1861 (WER Rep. F 23 II, Nr. 21 Bd. 4)

Die letzte Abrechnung weist 1.915 Taler Einnahmen und 1.697 Taler Ausgaben aus.

 

  1. Feb. Ausschreibung der Stelle des Ortspolizisten (NKB)

Gesucht wurde ein geeigneter Nachfolger für den in Pension gehenden Gendarmen Hering. Angeboten wurde ein Jahresverdienst von 120 Talern bei freier Wohnung und weitere 30 Taler für die Tätigkeit als „Ausrufer und Gemeinde-Executor“.

 

  1. Feb. Ernennung des Meisters Schöppe zum Bezirksschornsteinfeger (NKB).

 

  1. Mär. Einführung des Firmen- und Gesellschaftsregisters beim Amtsgericht (NKB)

Zu den eingetragenen Kösener Firmen gehörten der Material- und Schnittwaren C. A. Dittmann (Nr. 10), der Wein-und Spirituosenhändler G. A. Scholvien (Nr. 19), der Posamentier-, Galanterie-  und Spielwarenhändler C. L. Mothes (Nr. 24), sowie die Handelsfirmen J. G. Apitzsch, Fr. G. Krüger, J. Chr. Geyer, G. Heckenberg und Fr. A. Koch. Im Gesellschaftsregister finden sich Chr. & A. Krüger (gegr. 01. Apr. 1857) und A. Schleicher (gegr. 01. Apr. 1862). 

 

  1. Mai Veranstaltung zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Nach der Auflösung des erst im letzten Jahr gewählten Abgeordnetenhauses kam es zu Neuwahlen. Kösen (1479 Einwohner-Zählung v. 1861) und Fränkenau (24 EW)  bildeten einen Wahlbezirk, Kommissar war der Bergrat a.D. Backs. Drei der sechs Wahlmänner (Groddeck, Teichgräber, Hämmerling) sowie die Pfortaer Steinhardt und Buchbinder und der Fränkenauer Domänenpächter Rabe luden „diejenigen Wahlmänner, die mit uns der Ansicht sind,  an den bisherigen Kandidaten der konstitutionellen Partei Herrn Jacobi v. Wangelin festzuhalten“ in den Kursaal ein.

 

  1. Mai Verkaufsauktion der Mertendorfer Kohlengrube (NTB)

Das Oberbergamt verkaufte meistbietend 70 Morgen Ackerland, darunter die Grube mit rund 3 Mio. Tonnen Kohlenvorrat und das Zechenhaus mit Hof und Garten, wobei auch getrennte Angebote zugelassen waren. Das Feld kauften zwei Einwohner von Wethau und Mertendorf  (Eschenbach,Weidling) und errichteten hier einen Ziegelofen.

 

  1. Mai Eröffnung eines Torf und Steinkohlenhandels (NTB)
  2. Judersleben verkaufte in „seinem am Bahnhof gelegenen Garten“ Dorfstr. 13 (Borlachstr. 29) „beste Werschener Ware“.

 

  1. Mai Mathilde Rost eröffnet eine Konditorei im Baumbachschen Haus (NKB).

Die Witwe des verstorbenen Inhabers der Restauration in der Lindenstraße 69 hatte das Anwesen  Lindenstr. 66 (heute Nr. 1 /2) erworben.

 

  1. Juni Erste Vorstellung im Kuchengarten-TIVOLI (NTB)

Schon kurze Zeit später wechselte das Theaterensemble (A. Portak - Heinrich Gärtner)

 

  1. Juni Veranstaltungen zu Pfingsten (NTB)

Ed. Engel der neue Pächter der Bahnhofswirtschaft warb für ein Extra Diner und Souper, Christian Seibeck lud zum Tanzvergnügen auf den Göttersitz, in Teichgräbers Kuchengarten spielte Heynes Badekapelle, bei Samiel auf der Rudelsburg das Musikcorps der reitenden Artillerie und Schmidt veranstaltete im Kursaal einen Ball. Ein Geheimtip von Naturfreunden war das Himmelreich. 

 

  1. Juni „Aus und über Kösen“ (NTB)

Bis zum 18. Juni sind bereits weit über 500 Kurhäupter hier eingezogen, also fast 200 Personen mehr als am 18. Juni 1861 (.) Stärker als früher ist diesmal der alte und befestigte  Grundbesitz aus der Alt- und Neumark (.) Auch zwei junge Männer aus Java sind eingetroffen und sie nehmen vorzugsweise das öffentliche Interesse gefangen. Es sind Leute von gediegener Bildung und dem gewinnendsten Wesen (.) Das kleinere Publikum wird mehr amüsiert durch zwei andere Söhne der   Tropen. Es sind Mohrenjünglinge von 15 und 17 Jahren, wahrhafte Prachtexemplare von lebendigen Silouhetten. Sie fungieren als Dienstmänner einer gräflichen Familie ...“  

 

  1. Juli Brunnenfest (NTB)

Dazu empfahl Ed. Stansch seine „Restauration und Konditorei gegenüber dem Festplatz“, die  ehemals Rost`sche Restauration. Das Brunnenfest wurde auch nach Einstellung der Saline gefeiert, und auf den Marktplatz an der Stadtschule  verlegt.

 

  1. Juli Genehmigung des Auseinandersetzungsvertrages (WER Rep. F 23 II Nr. 21/4).

König Wilhelm I.  erteilte auf Schloss Babelsberg seine Genehmigung und wies an, dass von den 5.000 Talern welche die Landesschule als Wertausgleich an den Salinenfiskus zu zahlen hatte, 246 Taler der Badeverwaltung zukommen sollen.

 

  1. Juli Erlass des Landrates (NKB)

Alle Hausbesitzer, insbesondere in der Neuen- und der Querstraße wurden angewiesen, die Äste von den Obstbäumen an den Gehwegen vor ihren Häusern so zu schneiden oder zu binden, dass Fußgänger ungehindert passieren können.

 

  1. Aug. Sperrung des Fränkenauer Hohlweges wegen Reparaturarbeiten (NKB).

 

  1. Aug. „Jungfernstechen“ und Tanz auf den „Göttersitz“ (NKB).

Nach Faust (1927) hatte der  aus Pomnitz stammende Böttchermeister Seibeck das „Schenkenhölzchen mit Weinberghäuschen“ mit dem Ausschank von Freitag erworben. Die Lage „nahe der Götter“ mit der herrlichen Aussicht zog Einheimische und Fremde gleichermaßen an

 

  1. Aug. Einführung von Sonntagsrückfahrkarten nach Gotha, Fröttstedt, Wutha, Eisenach (NTB)

Die galten am Sonnabend ab Kösen um 3.33 nachmittags und am Sonntag ab 6.43 Uhr.

 

  1. Sep. Konkurs des Restaurateurs Stausch (NKB).

Das „Restaurant du Passage“ schloß nach nur einem Jahr.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB).

1.900 Badegästen bedeuteten einen neuen Besucherrekord wozu das freundliche Wetter und die friedlichen Zeitläufe einen nicht unerheblichen Anteil hatten. Zu den Badegästen gehörten zum wiederholten Male die Baronin v. Borcke und die Generalsgattinnen v. Jagow und v. Diercke. Außerdem waren anwesend Dr. W. Seyyfarth-Paris, Freiherr v. Rheinsberg-Belgien, Graf Nicelli-Berlin, der Kgl. Hannoversche Konsul Quistorp, Geh. Reg.-Rat du Bois-Reymond-Berlin, Theaterdirektor Franz Wallner-Berlin,  Baronin v. Puttlitz-Berlin, General v. Schreibershofen mit Tochter v. Schönberg-Dresden, Rittergutsbesitzer Freiherr v. Stein-Reuden, Rittmeister v. Mossoloff-St. Petersburg, Frl. L. u. A. v. Kessenbrock-Stiftsdamen aus Bückeburg, Fr. Generalin v. Lomer-Münchhofen-Berlin, Serge v. Konstantinoff und Baronin v. Driesen-St. Petersburg, Baronin v. Beschwitz-Ötzdorf, Baronin v. Mühlheim-Berlin, Baronin v. Gerstenbergk-Weimar, Baron v. Holtzendorff-Berlin, Mrs. Pringle-Süd-Carolina, Mrs. Goodman-New Orleans, Graf v. d. Schulenburg-Vitzenburg, Graf Schaffgotsch-Warmbrunn, aus Berlin die Kgl. Kammermusiker R. Richter, W. Lotze, C. Laverenz, Ronneburger und W. Hennig, Musikdirektor Reichardt(1797-1884), der 1825 das Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland“ von E. M. Arndt vertonte, der Berliner Hofbuchhändler Litfaß, Landrat v. Danneil, die Geschwister Achim, Gertrud und Armgard v. Beust-Langenorla, Kaiserl. Russ Kammerjunker Baron v. Mengden-Warschau, der Schrifsteller und Mitherausgeber des „Kladderadatsch“ Dr. phil Rudolph Löwenstein (1819-1891)-Berlin, Paul du Bois-Reymond-Berlin, Oberst.-Ltn. d.D. und Major a.D. v. Blücher-Berlin, Baronin v. Rentz-Brieg, Gräfin v. d. Schulenburg-Emden, Kaiserl. Russ. Hofschauspielerin Henriette Lobe-St. Petersburg, Kgl. Bayr. Gesandter am preuß. Hof Exz. Graf Montgelas (1814-1892), Graf v. Bredow-Berlin, Dr. Brun und Dr. Schelin-St. Petersburg, Major a.D. v. Erdmannsdorff-Jüterbog, Exz. Generalsgattin v. Bockelmann-Potsdam, Geh. Oberbergrat Redtel der Schwiegersohn von Backs, Oberst-Ltn. v. Bulmering-St. Petersburg, General v. Schlüsser-Halle, Mrs. Frances Scott-England, Graf zu Eulenburg-Berlin, Exz. General v. Kortzfleisch-Brandenburg, Prof. Ed. Robinson-New York, Landamtmann Curti-Herosè-St. Gallen, Freiherr v. Plotho-Zerben, Graf v. d. Schulenburg-Altenhausen, Prof. Dr. Hankel-Leipzig, Prof. Gosche-Berlin, Baronesse v. Blomberg-Halle, Prof. Sickel-Roßleben, Prof Ulrici-Halle, Graf v. Seckendorff-Halle, Georg Nicolovius ein Sohn des früheren preußischen Ministers f. Kirche und Schule aus Halle, Baron v. Kröcher-Berlin, Baron v. Holtzendorff, Prof. Dr. Schenk-Friedrichstadt, Baron v. Rheinsberg-Leipzig.

 

  1. Okt. Erklärung des Ortsrichters Schleicher (NTB)

„Gegen die Kammachergesellen F. H. Schaufuß aus Naumburg und H. Beller aus Kösen hat das Kgl. Kreisgericht zu Naumburg wegen dem im Naumburger Kreisblatt veröffentlichten Artikel: Bescheidene Anfrage – Ist denn in Kösen ein Belagerungszustand oder gehört der Promenadenweg  dem Dorfrichter? der sich untersteht friedlich sich unterhaltende Fremde welche mit dem Eisenbahnzug nach Naumburg wollen, in höchst brutaler Weise auffordert, auseinander zu gehen! – Mehrere Kammachergesellen – in seiner Sitzung für Recht erkannt, daß die Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung in Bezug auf meinen Beruf, jeder mit 10 Talern Geldstrafe, im Unvermögen vier Tage Gefängnis, zu erlegen, beide die Kosten des Verfahrens zu tragen schuldig und mir die Befugnis  zu erteilen, dieses Erkenntnis bekannt zu machen.“

 

  1. Sep. Verkaufsanzeige des Gemeindekirchenrates (NTB)

Das betraf den Materialschuppen von 99x14x9 Fuß (31x4,5x2,8 Meter) und einer Ziegeleindeckung. Die Gemeinde hoffte, dass mit dem Erlös und dem Kirchenbaufond an dieser Stelle ein eigenes Gotteshaus gebaut werden könnte.

 

  „Kösen“ vom Sanitätsrat Dr. Rosenberger (MER. C 48Ii Nr. 776 IV).

Der Beitrag wurde in der „Allgemeinen Medicinal Central Zeitung“ veröffentlicht. Der Verfasser meinte, dass nach der Übernahme der Badeeinrichtungen durch die Regierung in Merseburg der  Badebetrieb keine Nebensächlichkeit mehr sei. Entschieden wandte er sich gegen die Selbsttherapie der Kurgäste, die von den Badewirten die Zugabe von Mutterlauge verlangten sowie , die Sole unverdünnt und übermäßig tranken. Erst wenn sich negative Auswirkungen zeigten, würde man den Badearzt konsultieren.   

 

1863         

 

  1. Jan. Die Badedirektion verkauft Düngesalz (NKB).

Wie bereits von der Salinendirektion praktiziert, wurde der beim Dornenwechel anfallende Dornstein zerkleinert und an Landwirte verkauft.

 

  1. 23. Ortsrichter Schleicher erhält das „Allgemeine Ehrenzeichen“ (NKB).

 

  1. Jan. G. Knieche stellt seine Papierfabrik in Pforta ein (NKB)

 

  1. Feb. Meldung über Kinderkriminalität (St.-A. Nr. 305)

Der fünfzehnjährige  Friedrich Martin Zedel war wegen wiederholten Diebstahls zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden.

 

  1. Mär. Extrakonzert zum Geburtstag des Königs (NKB).

Damit eröffnete Kurzhals der ehemalige Pächter der Bahnhofswirtschaft an der Promenade gegenüber vom Bahnhof seine neu gebaute Restauratio.  

 

  1. April Osterkonzerte (NKB)

In Schmidts Kursaal spielte das Musikcorps des Artillerieregiments, bei Weber im Mutigen Ritter das Badeorchester und Teichgräber eröffnete den Kuchengarten.

 

  1. Mai Einweihung eines Tanzsaales auf dem Göttersitz. (NKB).

 

  1. Mai Brand der Bockwindmühle an der Rudelsburg (NKB).

Die Mühle gehörte zum Rittergut Kreipitzsch und war seit dem 1. Oktober 1862 dem Müller Friedrich Ernst Jünger aus Saaleck verpachtet. Beim Brand wurde die Mühle bis auf den Bock zerstört, ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Zwei Jahre wurde der Fall vor dem Schwurgericht verhandelt.

 

  1. Mai Veranstaltungsmarathon zum Pfingstfest (NKB).

Himmelreich, Kuchengarten, Kursaal, Rudelsburg, Mutiger Ritter und die Saalhäuser veranstalteten Konzerte und Bälle.

 

  1. Juni Eröffnung eines photographischen Ateliers (NKB).

Der Berliner Fotograf A. Winkelmann hatte sich bei Heckenberg an der Brücke eingemietet.

 

  1. Juni Erlass des Landrates (NTB)

Den Grundstücksbesitzern in der Lindenstraße, deren Gärten an die Kukulauer Wiese grenzten wurde bei Strafe verboten, weiterhin Unrat und Gartenabfälle in den vorbeiführenden Flutgraben zu werfen, andernfalls würde man ihnen die hier befindlichen Gartentüren verschließen.

 

  1. Juni Erlass zur Hundesteuer (NKB)

Die Steuer wurde auf 1 Taler/Jahr festgesetzt und die Haltebedingungen verschärft.

 

  1. Sep. Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Diesmal wurde Bergrat a.D. Backs zum Wahlkommissar berufen. Wahlmänner waren neben  Dittmann, Gause, Reil und Roßner der Tischlermeister Vogel und der Maurermeister Werner jr. 

 

  1. Sep. Goldene Hochzeit beim Ehepaar Backs (NTB)

Auch hier gab es die Prachtbibel mit dem eigenhändigen Namenszug der Königswitwe. Die Festrede hielt der Sohn Professor Backs aus Leipzig.

 

      Sep. Kurlisten zum Ende der Saison (NKB).

2.013 Badegäste wurden gezählt,  darunter zum wiederholten Male die Baroninnen v. Borcke, v. Maltzahn, v. Haeseler, v. Miltitz, v. Linstow, v. Seckendorff, v. d. Schulenburg, die Generalsgattinnen v. Gotsch, v. Jagow,  v. Diercke, v. Schlüsser,  v. Gagern, sowie Exz. General v. Münchow-Erfurt, General v. Seehorst-Stettin, die Großherzogl. Hofmalerin Louise Seidel-Weimar, Fr. Prof Brockhaus-Leipzig, Oberst v. Jakowleff und Frau Oberst v. Firsoff-St. Petersburg, Adelsmarschall v. Firsoff-Nowgorod, Baronin v. Uckermann-Luttowitz, Frau Oberbürgermeister v. Voß-Halle, der Kaiserl. Russ. Gesandte in Dresden Baron v. Radetzki-Mikulicz, Geh. Kirchenrat Dr. theol. Strecker-Stadtroda, Oberst v. Mosantzoff-Jaroslawl, Frau Staatsrätin Nordenheim-Helsingfors, Graf Julius v. Eggloffstein-Webau, Dr. phil F. A. Leo-Berlin, Baron v. Tornow-St. Petersburg, Exz. Graf v. Schaffgotsch, Hofopernsängerin Aloyse Krebs-Michalesi-Dresden, Hofmarschall v. Pridelwitz-Berlin, General v. Poyda-Weimar, Gräfin zu Dohna-Berlin, Bankier M. Levy-Berlin, Fürst Pückler-Breslau, Durchlaucht Fürstin Natalie Dolgornhoff-Dresden, Schriftsteller A. E. Brachvogel-Berlin, Gräfin v. Bredow-Berlin, Gräfin v. Fürstenstein-Ullersdorf, Baronin v. Loen-Liegnitz, Hofdame v. Winterfeld-Düsseldorf, Graf Hasso v. Bredow- Burg Friesack und Graf F. v. Bredow-Berlin, Finanz-Präsident v. Gentebrück-Altenburg, Prof. Dr. Henning-Leipzig, Baronin v. Harlem-Berlin, Baronin v. Bistram-Reichenhall,  Prof. Deichburg-Halle, Schloßhauptmann und Landrat a. D. v. Friesen-Rammelburg, Kgl. Bibliothekar  Dr. Sybel-Berlin, Reg.-Rat Lepsius-Erfurt, Hofschauspieler A. Liebe-Hannover, Dr. phil Robert Gieseke-Breslau, Baron v. Zöllikofer-Berlin,  Major a. D. v. Bismark-Stendal, Graf v. Lymmar-Lübbenau.

Die zahlreichen Gästen brachten die Infrastruktur des Bades an die Grenze. Das dürfte am ehesten bei den Quartieren zutreffen, muß man doch mit durchschnittlich mit 400 Gästen in den 5 Monaten der Saison rechnen, die keineswegs gleichmäßig eintrafen. Rechnet man 3 bis 4 mitreisende Familienangehörige wurden rund 100 Wohnungen (bei 140 Wohnhäusern) benötigt. Dazu kamen ja noch die Dienerschaft. Diejenigen, die öfter kamen, hatten bei den Wirten meist reserviert, aber viele meldeten sich kurzfristig per Depesche oder kamen ohne Voranmeldung mit der Bahn oder dem Pferdeomnibus. Etwas besser sah es inzwischen mit den Gastwirtschaften aus. Alle Restaurationen boten Essen a la càrte und Tabel de hòte an. An den Sonntagen, wenn hunderte Ausflügler eintrafen, waren die Plätze überbelegt. Die privaten Badeanstalten und die Wellenbäder der Badedirektion waren inzwischen dem Ansturm auch nicht gewachsen. Trotz guten Verdienstes wurden die Anlagen vielfach auf Verschleiß gefahren. Weder die am Badewesen partizipierenden Unternehmer (Bade-, Haus-, Gastwirte), die auch die Stadtverordnetenversammlung dominierten noch die Kgl. Badedirektion waren Willens, in die zukünftige Entwicklung des Bades zu investieren

 

       Okt. Ehrung für Ferdinande v. Schmettau.

Zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht hatte der König die Ehrung aller noch lebenden Veteranen angeordnet. Dazu gehörte auch Ferdinande von Schmettau, die nach  Berlin eingeladen und dort von Wilhelm I. zur Ehrenstiftsdame von Zehdenick ernannt wurde. Sie war die zweite Ehrenstiftsdame, erhielt eine  Ehrenpension und war nicht wie die übrigen Stiftsdamen  verbunden, im Stift, einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster zu wohnen.

Aus diesen Anlass schuf Gustav Graef  das Gemälde „F. v.  Schmettau opfert ihr Haar auf dem Altar des Vaterlandes“,heute im Besitz der Nationalgalerie. F. v. Schmettau galt nun als Ikone der Befreiungskriege in der wilhelminischen Zeit.  

 

               Hermann Allmers komponiert „Dort Saalecksburg, hier die Rudelsburg“. 

 

     Dez.  Abschluss der Uraufnahme der Dorfflur (NKB).

Zur Aktualisierung der Gebäudesteuerrollen und des Grundstückkatasters  wurde die gesamte Dorfflur trigonometrisch vermessen.

 

  1. Dez. Die Gemeinde bekommt eine neue Feuerspritze (NKB)

Es war ein Geschenk der Aachen-Münchener Feuerversicherung im Wert von 300 Talern.

 

1864

 

  1. Jan. Reglement über die Königlich-Preußische Badedirektion (Mascher 1869).

Die seit 1846 geltende Badeordnung wurde  aktualisiert und den Verhältnissen nach Einstellung der Saline angepasst. Landrat von Danneil erhielt als „Königlichen Commissarius“ eine Aufwandsentschädigung von 200 Talern. Zur Badeverwaltung gehörten außerdem der Badearzt (Dr. T. Rosenberger), der Gemeindevorstand (Ortsrichter Schleicher), später kam der Vorsteher der Gemeindeversammlung dazu. Außerdem konnten Ehrenmitglieder ernannt werden.

 

  1. Feb. Dittmann gibt sein Geschäft an der Naumburger Chaussee auf (NKB)

Der Kaufmann betätigte sich als Vertreter der Thüringischen Versicherungs-Gesellschaft.

 

  1. Feb. Pachtvertrag zwischen Großmann und der Landeschule (BLK-A. Nr. 875).

Teichgräber hatte seine Bäckerei in der Lindenstraße (14) dem Bäcker Friedrich Hermann Großmann aus Flemmingen verkauft. Der pachtete für 20 Jahre von der Landesschule den Platz hinter dem Anwesen am alten Friedhof auf dem auch das Spritzenhaus stand.

 

  1. Mär. Jahresmeldung des Kirchenkassen-Rendanten (MER C 48 II a Nr. 1707)

Die vorjährigen Einnahmen betrugen 394 Taler, davon kamen 200 von den Kurgästen, 90 vom Sparverein, 23  vom Oberkondukteur Seubel, 12 vom Generalbevollmächtigten Levin zu Conali und weitere 48 Taler von anonymen Spendern.

 

  1. Mär. Bewirtschaftung der Rudelsburg und vom Himmelreich (NKB)

Während Samiel mit „Hilft“ warb, empfahl der Pächter vom Himmelreich Fr. Müller Kunitzer Eierkuchen.

 

  1. Mär. Osterkonzerte im „Mutigen Ritter“ und im Schmidtschen Kursaal (NKB).

 

  1. Apr. Erlass der Militärbehörde ( NKB).

Kösen gehörte zum Rekrutierungsbezirk der 9. Kompanie des 2. Thüringer Landwehrregiment 32.

 

  1. Apr. Tod vom Bäckermeister Johann August Hämmerling (Sterbereg.)

Er wurde nur 58 Jahre alt. I seine Zeit fällt der Verkauf der Bäckerei seines gleichnamigen Vaters in der Lindenstraße an Teichgräber  und die Verlegung des Geschäfts von der Naumburger Chaussee 120 (Nr. 2-4) in das ehemalige Einnehmer-Gehöft (Nr. 1) verlegt.  Letzteres  übernahm nun sein  sein Sohn August (1830-1880), und dem wiederum folgte der Enkel Paul (1857-1926).

 

  1. Apr. Mathilde Rost eröffnet eine Restauration im Teichgräbersche Etablissement (NTB)

Die Witwe hatte den Saal gekauft und ihre Konditorei im Baumbachschen Haus in der Lindenstraße  aufgegeben. Hier fanden dann die jährliche Zusammenkünfte des Landrates mit den Ortsrichtern und Schöppen des „platten Landes“ statt.

 

  1. Mai Saisonauftakt im „Kuchengarten“ (NKB).

Nachdem Teichgräber die Bäckerei und den Saal verkauft hatte, widmete er sich voll und ganz dem Kuchengarten,  den er nun auch um eine Speisewirtschaft erweitert hatte. 

 

  1. Mai Rittergutsbesitzer Schmidt wird Ehrenmitglied der Badedirektion (NKB).

Allerdings fehlt die Angabe, wo sich das Rittergut befand, Kreiptzsch und Stendorf scheiden aus und Fränkenau sowie Kukulau waren Pachtdomänene deren Pächter (Bartel, Schneidewind) als Amtmänner bezeichnet wurden.

 

  1. Mai A. Furcht verkauft den Kursaal (NKB)

Der Erwerber Wilhelm Kunitz hatte dem bisherigen Pächter Schmidt gekündigt und lud zum Pfingstanz in das „Hotel zum Kursaal“ ein.

 

  1. Juni Geburt von Hans Carl Bogumil Gottlieb Koberstein (Taufregister)

Er war der Sohn des Kgl. Sächsischen Hofschauspielers Wilhelm Jacob Ferdinand Carl Koberstein (1835-1899) und dessen Ehefrau Bertha, eine Tochter des Historienmalers K.-F. Lessing und  Enkel des Literaturhistorikers  August Koberstein. 

 

  1. Juni Versammlung des Bienenvereins im Gasthof „Zur Börse“ (NKB)

 

  1. Juni Erlass des Badekommissars Landrat v. Danneil (NKB).

„Von seiten der Vermieter ist die vorgeschrieben Anmeldung der Aufnahme von Kurgästen neuerdings wieder vielfach über die Gebür verzögert worden. Wegen der hieraus entspringenden  Unerträglichkeiten, in deren Beachtung ich wiederkehrenden Falls unausweichlich zu Straffestsetzungen genötigt sein würde, bringe ich daher die bestehende Vorschrift, welcher zufolge binnen der ersten 24 Stunden nach dem Anzuge des Fremden die desfallsige Meldung  der Hauswirte erfolgen muß, zu sorgfältiger Beachtung hiermit in Erinnerung..“

 

  1. Juni Einrichtung einer Telegraphenstation (NKB).

Trotz eines beschränkten Tagesdienstes wurden über 900 Depeschen registriert.

 

  1. Juni Versteigerung des Inventars der Pfortaer Papiermühle (NKB)

Das Wasserrad mit Welle, Panzerzeug und Zubehör wurde auf Abbruch meistbietend angeboten.

 

  1. Juni Erlass des Badekommissars Landrat v. Danneil (NKB).

Die ortsansässigen Gewerbetreibenden sollten ihre Geschäfte während des Gottesdienstes schließen, davon ausgenommen war nur die Apotheke.

 

  1. Juni Geschäftsanzeige des Naumburger Kaufmanns W. Päßler (NKB)

„In Kösen befindet sich meine Commandite während der Badesaison in meiner neu erbauten Verkaufshalle in der Lindenstraße“ Später übernahm der Buchhändler Techow die Halle und zuletzt befand sich hier eine Fußpflege. Mitte der 1960iger Jahre wurde sie bei der Erneuerung  der Bahnunterführung abgerissen. 

 

  1. Juni Bekanntmachung der Ober-Post-Direktion (NKB)

„Die Abfahrt der Personenpost von Kösen nach Eckartsberga vom Posthaus in Kösen ist bei regelmäßigen Eintreffen des Zuges um 4 Uhr Nachmittags, bei etwaiger Verspätung spätestens 35 Minuten nach der Ankunft des Zuges.“

 

  1. Juni Erlass des Landrates v. Danneil (NKB)

„Die zum Kurgebrauch hier eintreffenden Fremden haben in neuerer Zeit zuweilen über die Belästigungen geklagt, welchen sie bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof durch die in zudringlicher Weise an sie gerichteten Einladungen in diesen oder jenen Hotel abzutreten, seitens der hierzu von ihren Dienstherren angewiesenen Kellnern erfahren. Ein solches Gebaren muß überall, besonders aber in einem Kurort als ein Ungebührnis empfunden werden, dessen Fernhaltung von dem Fremdenpublikum mit Recht gefordert werden darf und von welchem ich daher die Hotelbesitzer mit dem Bemerken hierdurch dringend abmahne, daß wiederholte Zuwiderhandlungen als unverträglich mit einen soliden Gewerbebetrieb, mich schließlich die Zulässigkeit der Erneuerung  der polizeilichen Erlaubnis zur Fortsetzung desselben beim Jahresschlusse mich in Frage ziehen lassen müssen.“

Der angedrohte Entzug der Konzession sollte das „Schlepperunwesen“ unterbinden. Müßiggänger warteten auf die eintreffenden Badegäste, griffen sich gefragt oder ungefragt deren Gepäck und brachten sie zu den Hauswirten, die ihnen das meiste Trinkgeld versprachen.

 

  1. Juli Bekanntmachung des Landrates v. Danneil (NKB)

„Von heute an werde ich auf die Dauer der nächstfolgenden beiden Monate meinen gewöhnlichen Aufenthalt in Kösen nehmen und die Dienstgeschäfte von dort aus- und fortführen. Die Gemeindevorstände haben daher in der gedachten Zeit ihre amtlichen Berichte annoch nach Kösen zu richten, woselbst ich auch zu persönlicher Verhandlung mit ihnen stets bereit sein werde“.

Die Präsenz des Landrates und Kommissar des Kgl. Bades vor Ort war erforderlich weil sich nach Einstellung der Saline und damit fehlender Aufsicht Dinge eingebürgert hatten, die dem Besucherverkehr nicht zuträglich und von den Badegästen auch als Zumutung empfunden wurden. Das zeigen die ernsthaften Verwarnungen, die er vor und während seiner Anwesenheit in Bezug auf den Badeverkehr erließ. 

 

  1. Juli Erlass des Badekommissars Landrat v. Danneil (NKB).

„Die verschiedenen im Eigentum der Kgl. Badeverwaltung befindlichen Anlagen werden zuweilen von dem jüngeren Teil der hiesigen Einwohnerschaft in einer jede Rücksicht gegen die der Kur wegen hier weilenden Fremden verletzende Weise benutzt, so ist unlängst von einer großenteils  dem dienenden oder Handwerkerstande angehörenden Zahl junger Leute die Dawisonhalle am Gradierwerk (.) eigenmächtig zu einer förmlichen Tanzbelustigung mit Musikbegleitung genommen worden, so daß deren bestimmungsmäßiger Benutzung während dem gänzlich ausgeschlossen war.  Die Aufsichtsbeamten werden zwar gegen dergleichen Ausschreitungen (.) der ein für allemal erhaltenen Anweisung  gemäß mit Nachdruck eintreten. Aber trotzdem richte ich an alle Eltern, Lehr- und Brotherren die Bitte, auf ihre Angehörigen und Untergebenen angelegentlich dahin zu wirken, daß dieselben sich nach allen Richtungen hin diejenige Diskretion des Verhaltens aneignen, ohne welche der Kurort für fremde Besucher den größten Teil seiner Anziehungskraft verlieren würde...“    

 

  1. Juli Erlaß des Badekommissars Landrat v. Danneil (NTB)

„Nach §§ 9 und 22 des Polizeireglements für die Thüringische Eisenbahn ist jeder nicht durch Amtsfunktion fixierte straffällig, welcher das Planum der Bahn außer an den durch Überfahrten und Übergängen bestimmten Stellen (.) überschreitet. Da diese Bestimmungen, wie sich aus mehreren mir vorliegenden Anzeigen der Aufsichtsbeamten ergibt, hierorts von Einheimischen und Fremden nicht selten übertreten werden, so empfehle ich hiermit die künftige Beachtung derselben.“

 

  1. Aug. Veröffentlichung eines Leserbriefs im Naumburger Kreisblatt.

„Wer Sonntags die Nachmittags-Konzerte im Kuchengarten zu Kösen besucht, wird wohl tun, sich seinen eigenen Stuhl oder andere Sitzmöglichkeit mit Namen versehen, mit nach dort zu nehmen, denn er läuft  Gefahr, daß ihm die belegten Stühle mit Hausknechtsgewalt entrissen  werden. Die in Rede stehenden Stühle werden nicht allein umgelegt und an den Tischen platziert, wo liegengebliebene Damenarbeit und Speisen und Getränke die Stühle jedem der Augen hat zu sehen, als besetzt erscheinen müßten, nein es werden auch von den dabei stehenden Personen dieselben ausdrücklich als belegt bezeichnet. Das Wegnehmen der Stühle geschah jedoch auf besonders Geheiß der Hrn. Wirts, wie solcher selbst so freundlich war zu erörtern und wurde noch angemerkt, daß später für andere Stühle gesorgt werden würde, wahrscheinlich nach beendigten Konzert und hätten somit die eben auf einige Minuten im Garten promenierenden Damen bei ihrer Rückkehr das Vergnügen gehabt, das Konzert stehenden Fußes mit anzuhören.

Doch das schönste vom Schönen kommt noch. Man war artig genug, in ein Lokal wie der Kuchengarten ist, der doch gewiß Anspruch auf das Prädikat „anständig“ Anspruch wahrt, die Polizei zu rufen und mit Arrest zu drohen, so daß man sich also gegenwärtigen muß, sich die Stühle seiner Damen wegzunehmen lassen  und tut man es nicht, was gleich mir kein anderer Herr  getan haben würde, so wird einem für 2 ½ Silbergroschen der unvergleichliche und gewiß billige Genuß zu Teil, nachdem man die Hälfte des Konzerts im Garten mit angehört, die zweite Hälfte dann aus der Entfernung vielleicht aus dem Spritzenhaus oder irgend einen anderen Arrest-Lokale  mit anzuhören. Obgleich keine Freude daran, dergleichen Sachen publik zu machen, fühle ich mich hierzu veranlaßt durch viele Naumburger Herren, die Zeugen der schönen Szene waren..“ .

Kein Wunder, dass hier die Anwesenheit und Autorität des Badekommissars unverzichtbar waren.

 

  1. Aug. Erlass der Polizeiverwaltung (NKB).

Untersagt wurde das Befahren der Grünen Gasse mit Gespannen. Offensichtlich nutzte man den  zur damaligen Zeit noch nicht mit bebauten Feldweg, als Abkürzung zum Bahnhof.

 

      Sep.  Veröffentlichung der letzten Kurliste (NKB).

1.822 Badegäste wurden registriert rund 200 weniger als im Vorjahr, was den unruhigen Zeiten (Deutsch-Dänischer Krieg) und den Zuständen im Bad geschuldet war. Dennoch waren es wieder zahlreiche Adlige zumeist Dauergäste wie die Baroninnen v. Borcke, v. Stein, v. Gagern, v. Patow, v. Baring, v. Ryndin, v. Uckermann und v. Eschwege, die Barone v. Keffenbruck, v. Holtzendorff und v. Maltzahn,  die Generalsgattinnen  v. Jagow, v. Diericke, v. Schlüsser und v. Etzel, die Generäle v. Alvensleben, v. Wangenheim Exz. Minister a.D. v. Strotha (1792-1870), v. Raven und Klatten, die Oberstgattinnen v. Minkwitz, Schroetter, v. Dannenberg, v. Wolframsdorff, v. Plehn, v. Huth, v. Delius, v. Varendorff, v. Balongianski, v. Röhl und v. Schultz, die Obersten v. Winterfeldt, v. Wolframsdorff und v. Schulenburg, die Gräfin T. v. Seydewitz, außerdem Konsul Loerk-Berlin, der Journalist Ferdinand Willort-Wien, Kammersängerinnen Jenny-Bürde-Ney-Dresden (1824-1886) und Aloise Michalesi (1824-1904), Dr. phil Leo, Fr. v. Kotzebue-Dresden, Miß Allan-London,  die Hofopernsängerin Eleonore de Ahna (1838-1865), der   Landschaftsmaler Alois Bock-Berlin (1809-1893), Fr. Geh. Reg.-Rätin v. Carlowitz-Dresden und Prof. Gosche-Halle.

 

       Sep. Veröffentlichung zum gewerblichen Berufsstand (NKB)

Demnach gab es 33 Beamte, 43 Pensionäre, 16 Rentiers, 3 Ärzte, 1 Apotheker, 2 Hebammen, 13 Gastwirte, 7 Kaufleute, 8 Händler, 8 Flößer, 6 Fuhrleute, 73 Handarbeiter und ein Müller. Neben 30 Pferden und 4 Eseln in den Privathaushalten meldeten die Ökonomen 44 Rinder, 334 Schweine und 107 Ziegen.

 

  1. Okt. Letzter Eintrag im ältesten erhaltenen Gästebuch der Rudelsburg (St.-A. Nr. 71).

Carl Jungnickel war gebürtiger Naumburger und kam aus Stettin, wo er als Buchdrucker tätig war. Neben den Corpsstudenten hatten sich zahlreiche Turn- und Gesangsvereine, Gäste aus Berlin, Dresden und Leipzig, darunter auch der Thomanerchor mit  über 50 Personen, eingetragen. Nicht zuletzt war dies der guten Bahnverbindung geschuldet. Aber auch die Schüler der Landesschule kamen gern auf die Burg, so die alumn. portensis F. O. Hoßfeld und K. R. Hoßfeld.    

 

  1. Dez. Zimmermeister Struve wird zum Brandkommissar berufen (NKB)

 

  1. Dez Weihnachtsausstellung beim Konditor Hämmerling (NKB)

Wie in den letzten Jahren hieß es „Zum bevorstehenden Weihnachtsfest empfehle einem geehrten Publikum meinen braunen und weißen Honigkuchen mit reichlichen Rabatt, sowie feinsten Nürnberger, Baseler, Vanillen Schokoladen, Elisen und Lebkuchen als auch verschiedene Sorten feines und ordinäres Baumkonfekt.“

 

  1. Dez. Weihnachtskonzert im „Mutigen Ritter“ (NKB)

Zum ersten Mal wurde für die Werbung die Bezeichnung „Bad Kösen“ verwendet, wobei man  Ilmenau, Köstritz und Sulza folgte. In den amtlichen Verlautbarungen bleib es weiterhin bei „Kösen“.

 

1865

 

  1. Jan. Tod von Ernst Freiherr v. Stein, Großherzogl. Kammerherr (Sterbereg.)

Der Freiherr auf Kochberg (Jg 1799) ein Verwandter der Frau von Stein, der Muse Goethes.

 

  1. Jan. Erlass des Landrates (NKB).

Die Besitzer von Obstbäumen, die an öffentlichen Straßen und Plätzen standen, wurden angewiesen, für einen  ordnungsgemäßen Rückschnitt zu sorgen.

 

  1. Feb. Jahresmeldung des Kirchenkassenrendanten (MER C 48 II a Nr. 1707)

Im Vorjahr spendeten die Kurgäste 163 Taler, 135 Taler ergab eine Soiree mit der Hofopernsängerin de Ahna und dem Badeorchester unter der Leitung des Berliner Komponisten Schlottmann die beide zur Kur waren. Weitere 25 Taler spendete der Bergrat von Alvensleben.

 

  1. Mär. Veröffentlichung des Soll-Aufkommens der Grundsteuer (NKB)

Dabei war das Steueraufkommen von Kösen das geringste im Vergleich mit allen übrigen Dörfern des Kreises. 1864 waren es 206 Taler, im Vergleich in Hassenhausen waren es 479 Talern, in Pforta 603 Taler und in Lengefeld 214 Taler. Grund war der fehlender Eigenbesitz an Grund und Boden  in der Gemeinde.

 

  1. Mär. Verhandlung vor dem Naumburger Schwurgericht (NKB).

Ein Jahr nach dem Brand der Kreipitzscher Windmühle wurde der Müller Fr. E. Jünger wegen Brandstiftung angezeigt, ein weiteres Jahr verging bis zur Gerichtsverhandlung. Zeugen sagten aus, dass der Angeklagte vor dem Brand Mahlgut und Inventar entfernt habe, die man in seiner Wohnung wieder fand. Jünger stritt alles ab und beteuerte seine Unschuld. Obwohl alle Beweise gegen ihn sprachen, entschied das Schwurgericht auf „Nicht schuldig“.

 

  1. Mär. Georg Nicolaus Schwimmer verstirbt im Alter von 76 Jahren (NKB)

Der Hausinspektor der Landesschule, Premierleutnant a. D., Freimaurer und Mitglied der Badeverwaltung war nach seiner Pensionierung aus seiner Dienstwohnung hierher gezogen.

 

  1. Mär. Frühlingskontrollversammlung der Wehrdienstpflichtigen (NTB)

Alle sich hier aufhaltenden Dispositions-Beurlaubten, Reservisten und Landwehrmänner des 1. und 2 Aufgebotes des  9. Kompanie des 2 Thür. Nr. 32 hatte sich auf dem Kontrollplatz unter Vorweis ihrer Papier einzufinden.

 

  1. Apr. Generalversammlung des „Kösener Bienenvereins“ (NKB).

 

  1. Apr. Verpachtungsaufgebot der Domäne Fränkenau (NKB).

Zur Pacht gehörten 578 Morgen Ackerland, 108 Morgen Wiese, 198 Morgen Hutung, 11 Morgen Gartenland und 35 Morgen Hofstellen, Wege und Unland. Das Mindestgebot betrug 2.800 Taler Jahrespacht, die Pachtdauer begann 1866 auf 18 Jahre. Der Bewerber musste  ein disponibles Vermögen von 14.000 Talern nachweisen und  1.000 Taler Kaution hinterlegen.

 

  1. Apr. Veranstaltungen zu den Osterfeiertagen (NKB).

Heynes Badekapelle spielte in Teichgräbers „Kuchengarten“, im „Kursaal“ von C. F. W. Kunitz spielte die Kapelle der reitenden Artilleriebrigade, Weber veranstaltete im „Mutigen Ritter“ einen Ball, auf der Rudelsburg und dem Himmelreich war Saisoneröffnung und im Hotel Kurzhals wurde  Kulmbacher Bier ausgeschenkt.

 

  1. Apr. Geschäftseröffnung vom Sattlermeister G. Sträuber (NKB)

 

  1. Apr. Konzert zur Holzmesse in der Bahnhofsrestauration (NKB).

Wegen des strengen und langen Winters hatte sich die Bauholzflöße verzögert und die Palmarum-Holzmesse musste wieder einmal  verschoben werden.

 

  1. Apr. „Regulativ für das Soolbad“ (NKB).
  • 1 Diejenigen Hauseigentümer und Wohnungsinhaber in hiesigen Kurort, welche Zimmer an Fremde während der Kurzeit vermieten, haben ebenso wie die Gastwirte und Restaurateure ein gedrucktes (.) Verzeichnis der Preise, für welche sie ihren Abmietern Speisen und Getränke verabreichen oder Betten, Kochgeschirr, Hausgerät aller Art und sonstige Gegenstände zum Gebrauch während der Mietzeit überlassen wollen, alljährlich bis zum 1. Mai  bei dem Gemeindevorstand  hierselbst einzureichen.
  • 2 Die Preisverzeichnisse sind, nachdem sie von der Polizeibehörde beglaubigt wurden, entweder in allen vermieteten Ziimmern oder (.) an einer vollkommen augenfälligen Stelle des Hausflurs auszuhängen“. Zuwiderhandlungen wurden mit dem Entzug der Konzession und Geldstrafe geahndet. Über die Einhaltung wachte der Badeinspektor Emil Ferdinand Carl Baudouin.

 

  1. Apr. Erstes Stiftungsfest des Rudelsburger Turnverbandes (NKB).

Die Vereinsmitglieder trafen sich auf der Burg zu einem Konzert.

 

  1. Mai Sommerfahrplan der Thür. Eisenbahngesellschaft (NKB)

Hier hielten in Richtung Gerstungen bzw. Halle/Leipzig jeweils 6 Züge, davon jeweils ein Tag- und Nachtschnellzug, letztere aber nur während der Saison. Zu Pfingsten wurden Sonderzüge eingesetzt.

 

  1. Mai Musterung des Pferdebestandes (NKB)

Sämtliche Besitzer von Pferden hatten sich zu einer bestimmten Zeit mit ihren Tieren am „Mutigen Ritter“ einzufinden.

 

  1. Mai Erlass des Badekommissars Landrat von Danneil (NKB).

„Hunde, welche ohne ihren Eigentümer (.) in den Straßen oder außerhalb  des hiesigen Kurortes angetroffen werden, müssen mit einem das Beißen verhindernden Maulkorb versehen sein, widrigenfalls der Eigentümer in eine Geldstrafe von 1 bis 4 Taler  oder verhältnismäßige Gefängnisstrafe verfällt und außerdem nach Bewenden des Falles, die von der Polizeibehörde angeordnete Tötung des Hundes zu gewärtigen ist“. Damit sollte die um sich greifende Tollwut eingeschränkt werden. 

 

  1. Juni 50. Jahrestag der Schlacht von Waterloo/Belle Alliance (LDZ 1977).

Auf der Höhe über den Saalhäusern wurde ein Gedenkstein mit einem eisernen Kreuz  eingeweiht, der dann fälschlicherweise Napoleonstein genannt wurde. Initiator und Stifter war der ehemalige Pächter der Domäne Fränkenau.

 

  1. Juni Konzert im Kuchengarten (NKB)

Das „National-Gesang-und Zitherkonzert“ von Franz Kilian und seinen Nichten aus dem Egertal in Nationaltracht  trat dann auch im Saal der Witwe Rost auf.

 

  1. Juli Erlass zu den Vermessungsarbeiten für die Saalebahn (NKB)

 

  1. Sep. Das OBA mahnt den Ablösebetrag für die Gebäude auf dem Salinengelände an.

Die Landesschule hatte bisher die im Auseinandersetzungsvertrag vereinbarten 5000 Taler nicht gezahlt. Als Grund wurde angegeben, dass bislang keine Anweisung der Oberbehörde erfolgt und der Empfänger nicht eindeutig bestimmt sei.  Erst im folgenden Jahr bestätigte das OBA dem Minister den Zahlungseingang.

 

  1. Sep. Ein Großfeuer vernichtet das Rittergut Kreipitzsch (KAZ 1935).

Schuld soll der Braumeister gewesen sein, der das Feuer unter dem Sudkessel nicht beaufsichtigt hatte. Das Großfeuer verschonte nur den Torbogen und die daneben liegenden Scheune. Da der Besitz gut versichert, war baute Wolf von Schönburg  innerhalb eines Jahres das Gut völlig neu auf. Später kritisiert der Saalecker Architekten Graumüller die Neubauten, weil die historische Substanz durch einen Zweckbau ersetzt wurde.

 

     Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste (NKB, St.-A. 583).

Diesmal waren es wieder 2.106 Kurgäste. Dazu gehörten die Fürstin Cleopatra Cantacezene aus Jassy-Iasi, Durchl. Prinz Gyka-Dresden, Durchl. Prinzessin Auguste zu Schönaich-Carlovath-Köthen, die Baroninnen v. Borcke, v. Bülow, v. Mohrenheim, v. Stein, v. Ohlen, v. Klinkowström, v. Linstow, v. Gablenz, v. Wagner, von Friesen Oberhofmeisterin der Königin v. Sachsen, v. Lüttitz und v. Hünecken, die Barone v. Gagern-Haag und v. Holtzendorff, die Gräfinnen v. Blumenthal-Pommern, v. Schulenburg-Beetzendorf, v. Roedern-Berlin, v. Brühl, Graf Schwerin-Küstrin, Graf Pulig-Berlin, Freifrau v. Helldorf-Gera, Freiherr Ernst v. Rauer-Münchhofen, Comtesse v. Bredow-Friesack, die Generalsgattinnen v. Diericke, v. Jagow, v. Schüssler, v. Sydow, v. Raven, v. Franckenberg, v. Bulmering-St. Petersburg, die Oberstgattinnen v. Lochow, v. Görne, v. Zülow, v. Schultz, die Generäle v. Seethorts, Exz. H. v. d. Mülbe-Berlin (1801-1891), v. Gotsch und Exz. v. Strotha (1792-1870), die Oberste v. Winterfeldt, v. Platen-Königsberg, v. Galakoff-Rußland, v. Seydlitz-St. Petersburg, v. Polonzoff-Kiew, Rittmeister v. Mossdorff-St. Petersburg, der Kommandeur der Unteroffiziersschule Potsdam v. Stülpnagel,  Frau Wirkl. u. Geh. Reg. Rat v. Bernuth Dame des Louisenordens, die Gattin des Berliner Malers Felix Schadow und Schwiegertochter des Bildhauers Schadow Eugenie Schadow geb. d `Alban mit Frl. Toussaint,  Exz. Herald v. d. Bossè Kaiserl. Russ. Staatsrat-St. Petersburg,  Mrs. A. M. Pick- San Franzisko, Emil Heinrich du Bois Raymond (1818-1896), Dr. phil Donner-Helsingfors, Dr. phil Emil Bierey-Dresden, Generalkonsul Kaskel-Dresden, der Musikdirektor des Kgl. Militätwaisenhauses Georg Meinberg-Potsdam, die Ritterguts- und Gutsbesitzer G. v. Hartungh-Litauen, v. Bismarck-Briest, Mieczyslas v. Prezzel-Dresden, Kummer-Waldau, v. Tettenborn-v. Frankowsky-Polen, v. Schönfeld-Löbnitz, v. Britzke-Warschau und Bonin-Junzenhausen.  

 

      Okt. Der Groddeckschen Badeanstalt wird die Solezufuhr gesperrt (MER c48 Ii, Nr. 782).

Groddeck hatte in den beiden letzten Jahren die Bezahlung der Badesole verweigert und als Begründung die Verluste durch die undichten Betonröhren angegeben. Sein Antrag, in seinem Anwesen einen Wasserzählers einzubauen, hatte die Badedirektion abgelehnt, weil es derzeit keine Wasserzähler  für Sole gab. Ihm wurde mitgeteilt, dass er seine Sole wie früher mit Fässern abholen könnte, allerdings erst wenn die aufgelaufenen Verbindlichkeiten beglichen sind.

 

  1. Nov. Tod von Carl August Therkorn (Sterbereg.)

Therkorn (Jg. 1804) war ein Enkel des Arterner Salinenbaumeisters, einer der beiden Erben des Borlachschen Nachlasses  und besaß neben der Dürrenberger Salinenschmiede auch die ehemalige Salinenschmiede am oberen Schacht. Nach seinem Tod verfielen die Gebäude und wurden schließlich abgerissen. Auf dem Grundstück entstand um die Jahrhundertwende ein ansehnliches Wohnhaus (R.-Breitscheid-Str- 10)  

 

  1. Nov. Öffentliche Rechtfertigung der Wilhelmine Altus (NKB)

„Mein Mann hat in der vorigen Nummer des Kreisblatts bekannt gemacht, daß mir Niemand borgen soll, weil er meine Schulden nicht bezahlen werde. Hier in Kösen, wo jeder sowohl mich als auch meinen Mann  kennt, würde eine Erwiderung darauf  nicht nötig sein. Aber anders ist es für Auswärtige und daher bemerke ich, daß ich noch nie Schulden gemacht habe, die mein Mann hätte bezahlen müssen. Diese Warnung entbehrt allen und jeden rechtlichen Grund und ist bloß der Ausfluß seines Ärgers, daß er gerichtlich verurteilt worden ist, mir zu unserer beiderseitigen Beköstigung  2 Taler zu zahlen (.) In der Erwartung , daß er sich bessert, will ich jetzt wegen der öffentlichen Beleidigung keine weiteren Maßregeln treffen.“

 

  1. Nov. Amtlicher Erlass zur Neuordnung der Feuerpolizeidistrikte (NKB).

Nach dem verheerenden Brand in Kreipitzsch wurden die Distrikte neu geordnet. Kösen bildete mit Fränkenau, Lengefeld und den Saalhäusern einen eigenen Bezirk, Kommissar blieb der Zimmermeister Struve, Oberpostsekretär Päch wurde zum Stellvertreter ernannt.

 

  1. Nov. Erlass des Landrates (NKB)

Nach dem Brand des Rittergutes wurde dem Ortsrichter Schleicher die Polizeiverwaltung für Kreipitzsch, Rudelsburg und Lengefeld übertragen.

 

1866

  1. Jan. Wohltätigkeitskonzert im Kursaal (NKB)

Die Sammlung zur Unterstützung der Unwettergeschädigten von Hedersleben brachte 48 Taler.

 

  1. Jan. Ankündigung des Versteigerungstermins der großen Badeanstalt (NKB)

Die gehörte zur Konkursmasse des Kaufmanns Hartung , war mit einem Hypothekenbrief belastet und sollte im Juni unter den Hammer kommen. Einen Monat später wurde der Versteigerungstermin ersatzlos aufgehoben.

 

  1. Jan. Jahresbericht des Rendanten der Kirchenkasse (MER C 48 II a Nr. 1707)

Die Sammlung unter den Kurgästen hatte im Vorjahr 338 Taler gebracht, einige namhafte Einzelspender wie Frl. von Wangenheim aus Gotha gaben über 100 Taler. Der Kirchenbaufond belief sich inzwischen auf 2990 Taler. 

 

  1. Feb. Jahresbericht der Sterbekasse (NKB)

Die bestand inzwischen 17 Jahre hatte 273 Mitglieder und ein Guthaben von 3127 Talern.

 

  1. Feb. Sonderzug zum Besuch des Großherzogl. Hoftheater Weimar (NKB)

 

  1. Feb. Vertrag zwischen Teichgräber und der Badedirektion (MER C 48 Ii Nr. 776 IV)

Weil es an geeigneten Räumlichkeiten für die gut besuchten Konzerte und Theatervorstellungen mangelte, hatte sich Teichgräber bereit gefunden, im Kuchengarten einen Theatersaal zu errichten. Die Badedirektion gewährte ihm dafür einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von 435 Talern aus der Badekasse. Bei der Prüfung der Jahresrechnung stellte die Kgl. Regierung fest, dass diese Zuwendung  unstatthaft sei, weil nicht genehmigt und ohne Sicherheiten und Mitspracherecht. Die Badedirektion wurde ernsthaft gerügt und aufgefordert, eine diesbezügliche Vereinbarung mit Teichgräber zu treffen.

 

  1. Apr. Erweiterung des Armenhauses (St.-A. Nr. 60).

Die Gemeinde erwarb eine Stück Land an der Fränkenauer Trift und baute für die Bewohner einen Holzschuppen.

 

  1. Mai Geschäftseröffnung des Uhrmachers Hertel (NKB)

Später erweiterte er sein Geschäft mit dem Verkauf von Nähmaschinen.

 

  1. Mai Vertrag zur Benutzung der „Großen Promenade“ (MER C 48 Ii Nr. 776).

Bislang grenzte die Promenade direkt an das Bahnhofsgelände, aber nun stand hier die Kurzhals`sche Restauration über deren Grundstück dieser von der Öffentlichkeit genutzte Weg führte. Unmittelbar daben befand sich der Fahrweg zur Mühle sowie die Ladestraße, beide aber für die öffentliche Benutzung verboten. Mit den jeweiligen Besitzern wurden nun Übergangsrechte und die Unterhaltung der Wege dauerhaft geregelt werden. Für die Gestattung des Wegerechts durfte  Kurzhals an der  Promenade eine Sommerwirtschaft einrichten. Doch das erwies sich als problematisch, weil die Fuhrwerke von und zur Mühle die Promenade in diesem Bereich überfuhren. Erst als die Ladestraße öffentlich wurde, konnte dieser Zustand beendet werden.

 

  1. Mai Vereinbarung zwischen der Badedirektion und dem Fränkenauer Pächter (St.-A. Nr. 171)

Amtmann Hildebrandt gesattete die öffentliche Nutzung seiner Zufahrt zur Kukulauer Wiese zwischen dem Senffschen Grundstück (Lindenstr. 3) und der Apotheke für die Dauer seiner Pachtzeit.

 

  1. Mai Mobilmachung

Die Differenzen mit Österreich-Ungarn wegen der schleswig-holsteinischen Herzogtümer führten zur allgemeine Mobilisierung aller Reservisten und Wehrmänner.

 

  1. Mai Einführung des Paketzustelldienstes der Kgl. Post-Expedition (NKB).

 

  1. Mai Werbung für den Himmelfahrtstag (NKB).

Dazu gehörten das „Himmelreich“ von Gehre und der Wirt der „Katze“, der seinen neu gebauten  „Sommersalon“ anpries. Die Badekapelle unter Heyne konzertierte im Kuchengarten, im Kursaal die Naumburger Stadtmusikanten und August Seibeck lud zum Tanz auf den „Göttersitz“. Auf der Rudelsburg, die inzwischen von F. Andrä aus Schieben, dem Schwiegersohn Gottlob Wagners übernommen wurde, fand ein Militärkonzert statt.   

 

  1. Mai Erlass zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses (NKB).

Der Wahlbezirk 5 (Kösen mit 1.561 Einwohnern und 23 in Fränkenau) konnte unter 6 Wahlmännern (Kaufmann Mothes, Tischlermeister Stöpel, Mauerermeister Werner, Postsekretär Müller, Dr. Rosenberger, San. Rat Dr. Hauck) wählen. Wahlkommissar war Bergrat a.D. Backs, sein Stellvertreter Schleicher. Das Wahllokal war diesmal im „Mutigen Ritter“.

 

  1. Mai Vorvertrag über die Anpachtung der Kukulauer Wiese (BLK-A. Nr. 150)

In Verfolg der im Jahr 1861 getroffenen Absprachen vereinbarten die  Landesschule vertreten vom Prokurator Schwimmer und die Badedirektion vertreten durch den Landrat v. Danneil die Anpachtung eines Weges unterhalb des Dorfes. Der Pachtvertrag über die „Kleine Promenade“ sollte am 01. Juli 1868 beginnen.

 

  1. Mai Erlass des Badekommissars Landrat v. Danneil (NKB).

„Nachdem es der Badedirektion mittelst der nötigen Landerwerbung gelungen ist, im Interesse des einheimischen und fremden Publikumverkehrs über den nordwestlich des Eisenbahndammes belegenen Wiesengrundstück einen zwischen dem Gause-Senffschen Grundstücken in die Lindenstraße einmündenden zum öffentlichen Gebrauch bestimmten Fußweg herzustellen, richte ich auf den besonderen Wunsch des Pächters des Schulgutes Kukulau (.) hiermit an alle Einwohner  des Orts die Bitte, mit dahin zu wirken, daß das bisher vielfach stattgefundene Betreten der Wiese in Zukunft unterbleibt.“

Das erleichterte den Passanten, die zum Bahnhof wollten, den umständlichen Weg über die Grüne Gasse und die Dorfstraße, wenn sie zur Lindenstraße bzw. dem Ortsteil hinter dem Chausseedamm wollten.

 

  1. Mai Bekanntmachung der Kgl. Telegraphen-Direktion (NKB)

Während der Badesaison wurde in der Telegrafenstation der volle Tagesdienst eingeführt.

 

  1. Mai Wilhelm Rossner verkauft die Mühle seinem Vetter Ernst Roßner (Roßner 1932).
  2. Rossner hatte 1836 die Mühle von seinem Vater Christian Gottlob geerbt. Die amtliche Eintragung der Fa. E. Roßner Mühlenwerke, erfolgte am 17. August.

 

  1. Juni Tod der Leopoldine Marie Ottilie Valesca von Hertzberg (Sterbereg.)

Die frühere Ehefrau des Rittergutsbesitzers Oskar Ferdinand Paech auf Laesgen hatte sich nach  ihrer Scheidung hier niedergelassen. 

 

  1. Juni Meldung aus Kösen (NKB)

„Auf die erste Kunde von den blutigen Ereignis bei Langensalza entsendet der hiesige Hilfsverein sofort etwa 5 Zentner Verbandszeug und Erfrischungen unter Führung des Herrn Goldacker auf den Kriegsschauplatz.“ Damit war das Schlachtfeld gemeint, wo am Vortag die preußischen von den hannoverschen Truppen geschlagen wurden. Allerdings stellten die Hannoveraner wegen Erschöpfung und Mangel an Nachschub den Kampf ein.

 

      Juli  „Kösen“ in „Über Land und Meer“ Illustr. Monatszeitung (St.-Ar. Nr. 681) 

 

  1. Aug. Erlass des Badekommissars Landrat v. Danneil (NKB).

„Nach den zusätzlichen Vorschriften zum Chausseegeldtarif v. 29. Febr. 1840 darf die Fahrbahn der Chaussee bei Strafe nicht durch Anhalten oder auf andere Weise gesperrt oder gehemmt werden und ferner auf  der Fahrbahn, den Brücken und Banketten Vieh nicht gefüttert oder angebunden werden. Die Anordnung wird noch immer, insbesondere auch in hiesigen Ort häufig dadurch entgegen gehandelt, daß die Fuhrwerke der in den Gast- und Schankhäusern Einkehrenden die zugleich als Straße dienende Fahrbahn sowie die als Fußweg dienenden Bankette und damit zugleich oftmals die Hauseingänge versperren. Jene Vorschriften werden daher mit der Weisung  für die Aufsichtspersonen deren künftige Befolgung mit der nötigen Strenge zu überwachen, hiermit zur Erinnerung gebracht.“

 

  1. Aug. Bericht des Landrats v. Danneil an die Kgl. Regierung (MER C 48Ii Nr.776 IV).

Die Gründe weshalb die Zwangsversteigerung nicht zu Stande gekommen war und die Anstalt bei Saisonbeginn wieder geöffnet wurde sind nicht bekannt. Allerdings hatte sich das Badepublikum  über die dortigen Zustände beschwert, was den Landrat in seiner Eigenschaft als Badekommissar veranlaßt hatte, die Anstalt persönlich in Augenschein zu nehmen. Der Zustand sei  beklagenswert und eigentlich müsste die Anstalt geschlossen werden, erklärte der Landrat. Doch damit wäre die Existenz des Bades insgesamt gefährdet. Denn die Nachfrage konnte bereits jetzt nicht befriedigt werden, nachdem der Groddeck`schen Anstalt die Solezufuhr gesperrt worden war, weil sich Groddeck offenbar in einer „gänzlichen Vermögenszerrüttung“ befinde. Daher schlug er der vorgesetzten behörde vor, dass die Kgl. Regierung die Hartungsche Badeanstalt erwerben und der Badedirektion zur weiteren Führung überlassen oder einen geeignete privaten Betreiber verpachten solle. Der aktuelle Taxpreis lag bei 13.000 Talern und für die dringend notwendige Sanierung wären weitere  8.000 Taler erforderlich.

Die Kgl. Regierung machte in ihrer Antwort deutlich, dass man mit keineswegs die Absicht hatte, ein Königliches Bad zu etablieren. Dies sei lediglich die Folge, um nach der Einstellung der Saline den Badebetrieb zu regulieren und die Frequenz des Bades zu heben. Außerdem wären die Kosten zu hoch und man stünde in Konkurrenz zu den privaten Badewirten.

 

      Sep. Veröffentlichung der letzten Badeliste des Jahres (NKB).

Wegen des deutsch-deutschen Krieges blieben zahlreiche Badegäste aus. Das Kgr. Sachsen eine der Hauptgästequelle stand an der Seite Österreichs, war also Feindesland und der zivile Bahnverkehr wurde zugunsten der Militärtransporte eingeschränkt. Aber auch eine  Choleraepedemie brachte erhebliche Einschränkungen für den Reiseverkehr. Insgesamt wurden nur 1.223 Gäste registriert.

Dennoch waren es wieder bekannte Namen darunter wie die Baroninnen Reinsberg-Düringsfeld, v. Wilkens-Holzenau, v. Einsiedel, v. Borke, v. Linstow, v. Seydlitz, die Gräfinnen v. Gneisenau-Torgau, v. Beust-Serba, Lennark-Birkenwalde, v. Brühl, v. Rödern, v. Linden, zu Lynar, v. Schlieffen, v. Fürstenstein, von Kielmannsegg, die Freifrau v. Wöhrmann, die Generalinnen v. Dierke und v. Schlegel, die Generäle a. D. v. Strotha, v. Dannheimer und v. Holleben, die Rittergutsbesitzer v. Lippa-Koszow-Görlitz, Kammerherr v. Goldacker-Belzig, Borrmann-Graudenz, v. König-Zörnigall und v. Prittwit. Außerdem waren anwesend Julie v. Mühlenfels, Frau v. Querfurt geb. Devrient, der Maler Carl Engelbrecht aus Rom, Frau Hofmarschall v. Hanstein-Stettin, der Kgl. Preuß- Legationsrat v. Ladenberg. Wirkl. Geh.-Rat Ministerialdirektor Exz. v. Obstfelder, der Adjutant des preuß. Prinzen Kapit.-Leutnant v. St. Paul,  Prof. Dr. Johannes Minkwitz, Dr. Paul du Bois-Reymond, der Schriftsteller A. E. Brachvogel (1824-1878) Autor des „Friedemann Bach“,  Karl Richard Lepsius (1810-1884, Sohn des ehem. Landrates und Ägyptologe, Mrs. Whitford, Pastorin der englischen Gemeinde zu Leipzig sowie der Stettiner Kaufmann George Marchand, der dann mit Dr. Groddeck und Bruno v. Zedtwitz das „Comitee“ gründete. Aus St. Petersburg kamen Antonie v. Sokoloff, Frau von Conier und die Fürstin Castrioto-Scanderbeg sowie die Wienerin Magdalena Ulsamer.

 

  1. Sep. Erklärung zur Aufrichtung der Parochie Kösen (MER C 48 Ii Nr. 776 IV).

Die Einpfarre nach Pforte war inzwischen ein Anachronismus. Die  Einwohnerzahl in Kösen hatte sich in den letzten 150 Jahren gegenüber der von Schulpforte verzehnfacht. Kösen hatte seit 100 Jahren einen eigenen Friedhof, war inzwischen Filialkirche mit einem Hilfsgesitlichen, hatte einen provisorischen Kirchenraum und ein Pfarrhaus.  Den Ruf nach einer eigenen Gemeinde kam nicht nur von den Einwohnern, sondern auch von den Badegästen.   

 

  1. Okt. Empfang für die aus dem Krieg kommenden Mannschaften (NKB)

Die  ganze Bevölkerung hatte sich am „Mutigen Ritter“ eingefunden, wo der Landrat die „heimgekehrten Krieger“ begrüßte. Dabei wurde der Toten gedacht, wie den Sohn des hier lebenden Oberst.-Leutnant a. D. v. Below, Prem.-Leutnant Felix v. Below, ein Neffen von Ferdinande v. Schmettau. Anschließend gab es ein Festessen für die 50 Mannschaften, wofür die sich dann öffentlich bedankten.

 

  1. Okt. Königliche Genehmigung der „Erektionsurkunde“ (dto).

Die Bildung einer selbständigen Kirchengemeinde Kösen-Pforte sei notwendig und bestandsfähig hieß es, da auch die Einwohner der Domänen, der Saalhäuser und der Landesschule, außer den  Alumnen, Lehrpersonal und Verwaltungsbeamten, eingepfarrt wurden.    

 

  1. Okt. Geburt von Georg Walther Groddeck (Taufregister).

Er war der zweite Sohn des Badearztes Carl Theodor Groddeck  und dessen Ehefrau Karoline der Tochter des Germanisten und Literaturhistorikers August Koberstein. Groddeck besuchte die  Landesschule und betätigte sich nach dem Studium als Mediziner,  Psychoanalytiker und klinischer Psychologe. Er gilt neben S. Freud als Begründer der Psychosomatik. 1900 eröffnete er in Baden-Baden das Sanatorium „Marienhöhe“. Auch als  Schriftsteller machte er sich einen  Namen. Er starb 1934 in Kronau in der Schweiz. Sein Lebenswerk wird von der Georg-Groddeck-Gesellschaft Frankfurt/M. bewahrt.

 

  1. Okt. Geburt von Alfred von Kielmannsegg (Taufregister)

Er war der Sohn des Premierleutnants Graf von Kielmannsegg und dessen Frau geb. v. Heiligenstädt.

 

  1. Nov. Pachtvertrag über die kleine Promenade (MER C48 Ii Nr. 776 IV).

Für den Weg von der Apotheke zum Bahnhof wurde eine Jahrespacht von 8 Talern, 6 Silbergroschen vereinbart.

 

  1. Nov. Tod von Wilhelmine Ferdinande Backs (Sterbereg.).

Sie war die Tochter des Pastors zu Groß-Salze Heinrich Ludwig Theune und seit 1813 mit dem Bergrat a.D. verheiratet. Der Ehe entstammten zwei Kinder (s. Familienstammbaum Theune)

 

  1. Dez. Veröffentlichung des Kgl. Kreisgerichts (NKB).

Die Fa. Christian Krüger & Comp. wurde aus dem Register gelöscht, dafür die Fa. Christian Krüger eingetragen, alleiniger Inhaber war der Holzhändler Albert Krüge.

 

1867

 

  1. Jan. Erlass zu den Wahlen des Norddeutschen Bundes (NKB).

Backs und Schleicher waren Wahlkommissare für den Bezirk Kösen-Saalhäuser, das Wahllokal war die  Teichgräbersche Restauration.

 

  1. Jan. Schreiben des Ministeriums f. geistliche Angelegenheiten (MER C 48 Ii Nr. 776 IV).

Unter Bezugnahme auf die Genehmigung der Erektionsurkunde teilte das Ministerium der Kgl. Regierung mit, dass sich nunmehr die Gemeinde konstituieren kann. Neben der Festsetzung des  Sprengels sollte die Ausstattung und die Organisation der Parochie in einem Dekret zusammengefasst und veröffentlicht werden. Für die  Pfarrstelle wurde eine Dotation von 9.000 Talern bewilligt, außerdem bestätigte das Provinzialschulkollegium der Gemeinde die Übertragung des Betsaals und des Pfarrhauses. Außerdem sollte die Gemeinde bevollmächtigte Vertreter benennen, die die dingliche Trennung der Parochien regulieren sollten (s.a. St.-A. Nr. 345).

Die Landesschule blieb „eigenständige „Anstaltsparochie“ für die Lehrer und Alumnen mit eigener Kirche und Friedhof.

 

  1. Apr. Hochwasser (NKB)

„Durch die heftige Strömung der Saale wurde ein großer Teil der oberhalb Kösen angelegten Flöße auseinander gerissen  und stromabwärts bis zur Saalebrücke getrieben, wo sich nach ungefährer Schätzung 7.000 Stämme als eine (.) wirre Masse stauten. Die Einräumung der Stämme und die Rekonstruktion der Flöße wird bis 10 Tage erfordern. Da jeder Stamm eine deutliche Bezeichnung des Eigentümers trägt, so sind Verdunklungen des Eigentums und daraus entspringende Streitigkeiten nicht zu befürchten.“

 

  1. Mai Sommerfahrplan der Thüringischen Eisenbahn (NKB)

In Richtung Gerstungen bzw. Halle/Leipzig verkehrten täglich 5 Personenzüge, ab 1. Juni hielten hier zwei Sonderschnellzüge für den Badeverkehr und 1 zusätzlicher Zug an  Sonn- und Feiertagen.

 

  1. Mai Eröffnung vom „Rektorberg“ (NKB).

„Unsere Wirtschaft ist so eingerichtet, daß wir alle Tage Gäste aufnehmen können, mit reellster Bedienung“ warb der Besitzer F. Möllnitz.

Kunitz (Kursaal) warb mit seiner neuen  Kegelbahn, J. G. Lehmann hatte in der ehemaligen Rostschen Restauration eine Konditorei eröffnet und der neue Pächter der Bahnhofswirtschaft hieß C. Püschel.

 

  1. Mai Geschäftseröffnung des Glasermeisters W. Teichmann (NKB)

 

  1. Mai Theatralisch-deklamatorisch-musikalische Abendsoirè im Kursaal (NKB)

Veranstalter war ein Mitglied der Dresdener Singspielhalle.

 

  1. Mai Vertrag zwischen der Badedirektion und Teichgräber (MER C48Ii Nr. 776 IV).

Wegen der Kritik der Aufsichtsbehörde an der Mitfinanzierung des Theatersaals wurde ein Vertrag abgeschlossen. Teichgräber räumte der Badedirektion die uneingeschränkte Nutzung des Saales und der Gesellschaftsräume während der Saison ein und verzichtete auf ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Theaterunternehmen. Das durfte an vier Tagen in der Woche proben und hatte wöchentlich drei Vorstellungen zu geben. Dieser Fassung stimmte die Aufsichtsbehörde am 31. August zu.  

Im Kuchengarten gab es nun wieder wöchentlich drei Aufführungen auswärtiger Theaterensembles.

 

  1. Juni Schreiben des Landrates an die Kgl. Regierung (MER C48Ii Nr. 782I).

Dr. Groddeck hatte inzwischen seine Schulden aus den Solelieferungen beglichen und erhielt wieder Sole, die er aber mit Wagen und Gefäßen am Schacht abholen und sofort bezahlen mußte Nun bat er um die Genehmigung, auf eigene Kosten eine Leitung vom oberen Schacht bis zu seiner Anstalt zu verlegen. Damit würde dann der Anschluss an die Röhrenfahrt zur Hartungschen Anstalt entfallen und die bisherigen Streitigkeiten gegenstandslos sein. Er bot für die Sole eine Pauschale von 300 Talern/Jahr, um den Einbau eines teuren Solemessers zu vermeiden. Landrat v. Danneil befürwortete Groddecks Antrag, dessen Anstalt „eine Zierde des Bades“ sei, dahingegen sich die Hartungsche Badeanstalt „im zunehmenden Verfall befindet.“ 

 

  1. Juni Gemeinderatssitzung (Mascher 1869, Röblitz, Heimatbuch 1930)

Dem  Ortsrichter waren die Verwaltungsaufgaben insbesondere die Polizeiverwaltung nach der Einstellung der Saline, über den Kopf gewachsen. Er bat um die Entlassung aus dem Amt. Daher nahm Landrat v. Danneil persönlich an der Sitzung teil und empfahl der Gemeindevertretung, den Antrag auf Verleihung des Stadtrechts entsprechend der preußischen Städteordnung zu stellen, da man dann ein hauptamtlichen Bürgermeister eingestellen könnte. Gerade bei Angelegenheiten des Bades als „Nahrungsgrundlage“ des Gemeinwesens wäre diese Konstellation wünschenswert, da ein Bürgermeister gleichzeitig das Badedirektorat bekleiden könnte. Dazu kam, dass die meisten Einwohner einem bürgerlichen Erwerb nachgingen, für dessen Aufblühen die kommunale Selbstverwaltung ein folgerichtiger Schritt sei.

 

  1. Juni Pfingstkonzerte (NKB)

Bei Teichgräber spielte Heynes Kösener Badekorps im „Neuen Theatersaal“, auf Samiels Rudelsburg die Sulzaer Badekapelle und bei Kunitz im Kursaal das Naumburger Stadtmusikkorps.

Dazu dann eine Zeitungsmeldung „Wie in den vergangenen Jahr am 2. Pfingsfeiertag ein Student im angetrunkenen Zustand sich zu allerlei Seiltänzerstückchen auf dem Geländer der Saalebrücke hinreißen ließ und diese so lange fortsetzte, bis er hinabstürzte und starb, so hat auch der letzte Pfingstag dieses Jahres mit einem tragischen Verfall seinen Abschluß gefunden. Noch verwegener als der unglückliche Vorgänger produzierte sich an dem gedachten Tage ein etwa zwanzigjähriger kräftiger Mann auf dem schmalen Geländer (.) Warnungen der Fußgänger wies er mit dem Bemerken zurück, daß er nicht bei den Philistern sondern zu den Turnern gehöre und um seine Virituosität zu beweisen, sprang er von oben auf den festen Boden herab. Die Symptome einer hoffnungslosen inneren Beschädigung traten sehr bald ein und nach zweimal vierundzwanzig Stunden war der einzige Sohn bemittelter Eltern eine Leiche“    

 

  1. Juni Die Kirchengemeinde kauft den Gottesacker an der Fränkenauer Hohle (BLK-A. Nr. 875).

 

  1. Juni Jahresfest des Gustav-Adolf-Stiftung (NKB).

Der Zweigverein Eckartsberga-Pforta beging das Fest mit einem Gottesdienst in der Buchenhalle.

 

  1. Juni Pachtversteigerung der Landesschule im „Mutigen Ritter“ (NKB).

Gesucht wurden Pächter für das Schulgut Pforta mit dem Vorwerk und der Schäferei Kösen sowie die Domäne Kukulau ab dem 1. Juli 1868 für jeweils 16 Jahre. Zum Schulgut gehörten1834 Morgen Acker, Wiese, Weide und Lehde, das Brau- und Backhaus, Mühle, Kalk- und Ziegelbrennerei. Das Mindestgebot betrug 9.000 Taler, die Kaution 1500 Taler und 25.000 Taler Eigenkapital mussten nachgewiesen sein. Außerdem hatte der Pächter die Verpflegung der 140 Schüler zu gewähren, wofür 1 Taler, 17 Silbergroschen und 6 Pfennige pro Schüler wöchentlich veranschlagt wurden. Für die Domäne Kukulau mit 904 Morgen betrug das Mindestgebot 2.800 Taler und 1000 Taler Kaution sowie 16.000 Taler Privatvermögen.

 

  1. Juni Anzeige der Witwe Therkorn (NKB)

„Ein Taler Belohnung für denjenigen, der mir glaubhaft nachweist, so daß ich den Dieb gerichtlich belangen kann, welcher mir meine Levkojen im Garten (An dem Rechenberg 125. R. Breitscheid-Str. 13) gestohlen hat“ 

 

     Juni Die Wanderkarte von Kösen und Umgebung kommt in den Verkauf (NKB).

Der Kupferstecher Eduard Wibel offerierte eine maßstabsgetreue Karte für Spaziergänger im Maßstab 1 : 14.000 zum  Preis von 7 ½ Silbergroschen.

 

  1. Juli Beschluss zur Beantragung des Stadtrechts (Mascher).

Die Gemeindeverordneten erklärten einstimmig den Antrag beim Landrat einzureichen.

 

  1. Juli Gründung des Kriegervereins „König Wilhelm“ (KÖZ 1899).

 

  1. Juli Verkaufsanzeige für zwei Wohnhäuser (NKB).

Die Erben Scheufflers verkauften das Haus mit der Kataster-Nr. 113 (Uferstr. 5) und Fr. Wolf die Nr.  105 (Neue Straße 12).

 

  1. Aug. Ballettaufführung unter Leitung Carlo des Pasqualis im Kursaal (NKB).

 

  1. Aug. Einweihung eines Festsaals in Schumanns Saalhäusern (NKB).

 

  1. Apr. Zwangsversteigerung (NKB).

Das Wohnhaus des Gradiermeisters Chr. Fr. A. Törpsch (Am Solschacht 1) wurde für 1.206 Taler angeboten.

 

  1. Aug. Theodor Fontane weilt in Kösen (Chronik - R. Berbig 2010, Reiseskizzen).

Fontane (1819-1898) traf am Vormittag per Bahn von Magdeburg kommend ein. Nach dem Diner im „Mutigen Ritter“ besuchte er am Nachmittag seinen Freund den Stadtgerichtsrat Dr. jur K. Zöller und dessen Gattin, die hier zur Kur weilten, in deren Quartier im Rost`schen Etablissement in der Lindenstraße 69 (heute Nr. 5,6,7).  Danach traf er sich mit Friedrich Eggert und Richard und Maria Lucae im Kurzhalsschen Hotel, bevor am Abend seine Gattin Emilie Rouanet-Kummer aus Berlin eintraf. Der 19. führte das Ehepaar Fontane nach Naumburg, wo sie den Dom und das neue Schwurgericht besichtigten. Auf der Rückfahrt wurde Station bei Frau Professor Hoßfeld in Schulpforte gemacht. Den Abend verbrachte man gemeinsam mit den Zöllners. Nach dem Diner am nächsten Tag ging es zur Rudelsburg. „Ja die Rudelsburg, ich habe da mal einen reizenden Nachmittag mit den Zöllners verbracht“ schrieb Fontane später. Den Abend verbrachte man im Kuchengarten. Nach dem Diner am 21. wurde der Kaffee erneut im Kuchengarten eingenommen dann folgte eine Tour zur Rektorswiese und der Abend klang im „Mutigen Ritter“ aus. Am darauf folgenden Tag reiste Fontane ab, während seine Frau noch einige Tage mit den Zöllners hier verbrachte.

Im Mai 1868 schrieb Fontane seiner Frau während seines Aufenthalts in Thale „Das ganze Leben erinnert mich an Kösen, doch werde ich Kösen und Thüringen doch den Vorzug geben...“     

 

  1. Aug. Denk- und Bittbrief der Eltern schulpflichtiger Kinder (MER C 48 IIb 2028 I)

Die beschwerten sich über die völlig unzureichenden Zustände in der Schule, weil die über 200 Kinder immer noch von in drei Klassen und von drei Lehrern unterrichtet wurden.

 

  1. Sep. Amtliche Bekanntmachung zur Luftverbesserung (NKB).

Landrat v. Danneil ordnete an,  dass neben der Einhaltung der Straßenordnung, die Abfall-und Sinkgruben abgedeckt und mit Kalk desinfiziert werden müssen und dass die Entsorgung von Fäkalabwässern nicht mehr in den Gossen erfolgen dürfe. Strenge Kontrolle und sofortige  Bestrafung wurden bei Zuwiderhandlungen angekündigt.

 

     Okt. Veröffentlichung der Badeliste (NKB).

Nach dem kriegsbedingten Tiefpunkt waren es wieder 2223 Gäste geworde, darunter die Prinzessin Hermine v. Schönburg-Waldenburg, Boguslaw Durchl. Fürst von Radziwill (1809-1873) mit Gattin aus Berlin, die Baroninnen v, Borke, v. Gagern, v. Gaudy, v. Kettler, v. Gayl, v. Borke, v. Löwen, v. Rüxleben-Bielen, v. Seydlitz, v. Linstow, v. Wilcke, Baronesse Elisabeth v. Brummow-Dresden, Comtesse v. Holtzendorff, Baron v. Trotha-Halle, Baron v. Holtzendorff, die Gräfinnen v. Bothmer-Weimar, v. Rödern, v. Rex-Dresden, v. Pückler-Limburg, v. Seckendorff, Graf v. Arnim-Zichow, Graf Maximilian v. Lynar mit Gattin geb. Gräfin v. Solms und Comtesse Anna zu Solms aus Baruth, Graf v. d. Recke-Zeitz, Rittergutsbesitzer Graf v. Fürstenstein-Ullersdorf, Graf v. Wartensleben-Halle, Freiherr v. Leikenstein-Brandenburg, Freiherr v. Werthern-Nordhausen, Freiherr v. Spitzenberg Kgl. Würrtemb. Gesandter in Berlin,  Kgl. Sächs. Geh.-Rat Graf v. Hohenthal-Schloß Knauthayn,  die Generalsgattinnen Exz. v. Berloven, Exz. v. Ehrhardt und v. Baring,  Frau Oberst v. Wolicka-Berlin, General v. Strantz, General v. Alvensleben, General v. d. Borcke, General v. Kunowski, Frau Oberst v. Uwardoff-Alexandroff-St. Petersburg, die Oberste a. D. v. Schultze-Erfurt, v. Hülsen, v. Röhl, v. Jagow, Kaiserl. Russ. Geh.-Rat Baron v. Maltitz mit Gattin sowie Staatsrat v. Carlberg und General und Kammerherr v. Rathmannsdorf aus St. Petersburg, Landerat v. d. Schulenburg-Angern, Frl. v. Könneritz Hofdame der sächsischen Königin, Geh. Justiz- und Kammergerichtsrat Nicolovius-Berlin, Opernsänger Otto Schmidt-Berlin, Musikdirektor Fr. Jensen-Berlin,  Geh.-Rat Kammerherr v. Savigny-Berlin, Fr. v. Massenbach-Berlin mit Tochter v. Gosslar aus Düsseldorf, Polizeipräsident v. Clausewitz-Danzig, Prof. Dr. A. Bohltz-Göttingen, Rabbiner Moscik Pilgrim-Lodz, Prof. Dr. Steinhardt-Halle, Prof. Dr. Moritz Seyffert-Berlin, der Schriftsteller Otto Roquette-Berlin (1824-1896), der Kgl. Bibliothekar Dr. Sybel (1817-1895) Berlin, der Naturforscher Ludwig Kann aus Heidelberg, die Kgl. Hofopernsängerin Caroline Seidler, Frl. Carlotte Fabergè-Dresden, die Kgl. Kammermusiker Julius Rammelsberg und Philipp Tuscek-Berlin, der Solotänzer Toni Stuhlmüller-Berlin, Frau v. Kornatzki-Königsberg, Geh.-Rat. Prof. Dr. Ratzeburg von der Forstakademie Eberswalde, der Verlagsbuchhändler Berentin-Berlin, der Historiker und Sprachforscher Prof. Corssen (1820-1875) Lehrer in Schulpforte, der Dichter Wilhelm Paul (1820-1875), Reg.-Rat Lepsius-Frankfurt, Schiffskapitän Th. Stein-Barth und der Landschaftsmaler Adolph Chevalier (A. Menzel). 

 

  1. Okt. Geburt von Max Troll (Kirchenregister)

Der Sohn des Schneidermeisters J. Ch. L. Troll und seiner Ehefrau Therese geb. Dietsch war von 1900 bis 1932 Rektor der Mädchenschule in Schmalkalden und Verfasser mehrerer pädagogischer Lehrbücher, die wesentlich zur Verbesserung des Schulwesens in den thüringischen Herzogtümern und dann im Freistaat beitrugen. Er starb  am 13. 11.1934. Unter dem Titel „Die Trollschen Schuljahre“ veröffentlichte seine  Enkeltochter  eine Monografie (ISBN 978-3-941461-02-4)

 

  1. Nov. Stellungnahme zum Bittbrief der Elternschaft (MER C 48 IIb 2028 I)

Demnach waren es 230 Kinder, von denen 35 Jungen und 32 Mädchen die erst Klasse, 40 Jungen und 36 Mädchen die zweite Klasse und 39 Jungen und 48 Mädchen die erste Klasse besuchten.

 

  1. Dez. Förmlicher Beschluss zur Beantragung des Stadtrechtes (Mascher)

Nachdem der Kreis- und des Provinzial-Landtag, den Antrag befürwortet hatten, wurde der mit den entsprechenden Anlagen dem Ministerium vorgelegt.

Inzwischen hatte sich das Bild des Ortes im Vergleich zur Jahrhunderwende grundlegend gewandelt. Zwei bedeutende Verkehrsadern durchzogen den Ort, die Staatsstraße und die Bahnlinie. Im Dorf Neu-Kösen wurden die einfachen Behausungen aus dem 18. Jahrhundert durch zweigeschossige Häuser ersetzt, Baulücken geschlossen. Die Lindenstraße war nun durchgehend auf beiden Seiten bebaut, die Burgstraße auf der Westseite. Nördlich des Chausseedammes waren zwei völlig neue Straßenzüge entstanden. Durch die Aufgabe des Stapels und der Saline bestand begann auch rechts der Saale die  Wohnbebaung, zumal sich hier neben den Bade- und Kureinrichtungen (Hartungsche Badeanstalt, Wellenbäder, Gradierwerk) die angesehenen  Gasthäuser von Hämmerling und Weber befanden und von hier aus die Buchenhalle sowie die Rudelsburg bequem zu Fuß erreicht werden konnten.

 

  1. Dez. Testamentarische Verfügung des San.-Rats Dr. Hauck (MER C 48 II a Nr. 1707)

Der vermachte der „Gottesackerkasse“ 300 Taler unter der Maßgabe, dass mit den Zinsen das Grab des Ehepaares „so lange in würdiger und gründlicher Weise  zu erhalten wird, solange der Kirchhof überhaupt besteht“. Die Mittel wurden dann per Gerichtsbeschluß vom Landrat entgegengenommen und der Gemeinde überlassen.

 

              Statistik des Bades (St.-A. Nr. 418)

„Die Heilquellen bilden in Verbindung mit dem milden Klima die Haupteinnahmequelle der Bewohner des Ortes, der so gesund liegt, daß die Cholera noch nie ein Opfer verlangt hat“, heißt es einleitend.

Der Gemeinde selbst war arm. Zu ihrem Besitz gehörte die Wohnung des Polizeidieners, das Schulhaus mit 3 Klassen, das Armenhaus, eine Sommer-Verkaufshalle mit drei Ständen, das Leiter- und Spritzenhaus mit den Feuerlöschgeräten, 4 Lehmgruben, einige Obstbäume, ein Geldschrank, das Gemeindesiegel und 25 Marktbänke samt Zubehör, im Gesamtwert von  8.973 Talern.

Im Ort wohnten 1.643 Personen (1828: 637, 1861: 1437, 1864: 1561), davon 263 Ehepaare, 25 Männer und 84 Frauen waren verwitwet. Die Zahl der Haushalte betrug 340. 1.557 Personen gehörten zur evangelischen Gemeinde. Nach einer Erhebung von 1864 wohnten hier 33 Beamte in königlichen, städtischen, geistlichen und öffentlichen Diensten, 43 pensionierte Militärs vom Major bis zum General, 2 Professoren, 2 Geheimräte und 2 Pastoren.

Für die medizinische Betreuung gab es 3 Ärzte, 1 Apotheker und 2 Hebammen. Handwerk und Gewerbe repräsentierten 4 Fleischer, 5 Bäcker /Konditoren, 1 Brauer, 1 Müller, 7 Schneider, 10 Schuhmacher, 3 Maler, 1 Kürschner, 2 Hufschmiede, 1 Nagelschmied, 4 Schlosser, 1 Büchsenmacher, 1 Klempner, 1 Uhrmacher, 1 Goldarbeiter, 3 Böttcher, 1 Stellmacher, 4 Tischler, 3 Sattler, 3 Seiler, 1 Färber, 2 Kammmacher, 3 Barbiere, 5 Musiker, 13 Gast- und Schankwirte, 7 Kaufleute, 8 Händler, 2 Maurermeister, 2 Zimmermeister, 1 Schornsteinfeger und 34 Baugewerksgesellen. Außerdem gab es 73 Handarbeiter, 8 Flößer, 6 Lohnfuhrleute und 2 Landwirte.   

„Koesen entbehrt somit der Elemente des ländlichen Gemeindelebens ganz, während alle städtischen Gewerbe daselbst betrieben werden. Durch die Wohnsitznahme vieler Personen höheren Standes hat daselbst ein solcher Grad von Bildung Eingang gefunden, daß der Ort in seinem ganzen Ausdruck sich ungleich mehr als ein Sitz der städtischen Kultur ankündigt, als dies in Ansehung vieler kleiner  Städte der Provinz Sachsen der Fall ist. Aus diesem Grunde hat auch die Gemeindevertretung von Koesen die Verleihung der städtischen  Verfassung beantragt.“

Es gab hier 8 öffentliche Gebäude (Gottes- und Pfarrhaus, Schule, Armen-und Siechenhaus, Ortspolizei, Gemeinde- und Staatsverwaltung) 167 Privathäuser und 5 Betriebsgebäude, sowie 332 Ställe, Scheunen und Schuppen.

„Die Wohnhäuser sind groß, stattlich, geräumig und bieten Wohnung zum Vermiethen an die Badegäste dar. Unter den Privatgebäuden befinden sich die comfortabel eingerichteten Hotels und Salons der Badeanstalten und ein Schauspielhaus.“

Der Viehbestand betrug 1864: 30 Pferde, 4 Esel, 44 Rinder, 334 Schweine, 107 Ziegen und 44 Bienenstöcke.

„Eigenthümlich in ihrer Art ist die Koesener Holzmesse, welche am Palmsonntag beginnt und bis zu Ostern, also eine ganze Woche dauert. Während dieser Zeit wird das aus dem Thüringer Walde auf der Saale zur Stelle geschaffte Holz Bauholz und Bretter, verkauft und im Laufe der nächsten 4 bis 6 Wochen auf der Saale in Flößen weiter thalabwärts transportiert. Der ganze Messeverkehr nimmt hiernach etwa 6 Wochen in Anspruch. Durchschnittlich werde 1000 bis 1200 Flöße verkauft.“

Zur  Königlichen Post-Expedition gehörten drei Beamte, drei Unterbeamte, drei Landbriefträger für insgesamt 19 Ortschaften südlich und westlich des Ortes, und ein Hilfsbote. Zwei Beamte bedienen die Telegraphenstation,. Hier kamen 1260 Depeschen an, 1472 wurden aufgegeben. In der Saison wurden die Beamten verstärkt. 

Am Bahnhof hielten die Züge mit Postwagen viermal täglich und in der Saison 3 Schnellzüge. Die Chausseeeinnahme brachte 1200 Taler jährlich. Die Dorfstraßen waren noch ungepflastert, doch die strenge Handhabung der Straßenordnung sorgte für Sauberkeit und es gab bereits 12 Gaslaternen.

Im Armenhaus wohnten 6 Personen, die ärztliche Betreuung übernahm einer der ortsansässigen Ärzte. 11 Einwohner erhielten eine dauerhafte Unterstützung, 20 nach Bedarf. Für 4 Kinder armer Familien wurde das Schulgeld aus dem Überschuß der Badekasse bzw. aus Spenden gezahlt. Als Mittel gegen die Verarmung gab es einen Vorschussverein mit 205 Mitgliedern, der 68.200 Taler  für 6,7 % Zinsen an einzelne  Mitglieder verliehen hatte. Der Vorschussverein stand in Verbindung mit dem Sparverein, der 320 Mitglieder zählte und die für ihre Einlagen 3,5 % Zinsen bekamen.

Die Orts-Gesellen-Gehilfen und Fabrikarbeiterkasse zählte 49 Mitglieder und gewährte freie Kur- und Verpflegung im Krankenhaus. Die Baugewerksgesellenkasse  hatte 28 Mitglieder, die ärztliche Hilfe und Medikamente übernahm.  Der Sterbekassenverein hatte 375 Mitglieder, die Beihilfe zum Begräbnis lag zwischen 15 bis 25 Talern.

Die Lokalpolizei unterstand dem Ortsrichter, der dafür eine Aufwandsentschädigung von 30 Talern erhielt. Es gab einen Polizeiwächter, der 120 Taler im Jahr und freie Wohnung erhielt sowie einen Nachtwächter. Das Polizeilokal befand sich im Armenhaus.

Von den beiden Solequelle war nur noch die im oberen Schacht im Betrieb. Der untere Solschacht war bereits überwölbt. Die Tiefe des oberen Schachtes wurde mit 586 Fuß (183 m) angegeben, der Salzgehalt mit 6%, der Zufluß mit 6,858 Kubikfuß/Min (212 l/Min). Neben dem Natriumchlorid  enthielt die Sole Gips, Glaubersalz, Bittersalz, schwefelsaures Kali, kohlensaure Kalkerde und Chlormagnesium.

Zu den öffentlichen Kuranlagen gehörten das Wellenbad auf der Radinsel, das obere Gradierhaus mit rund 4 Morgen Parkanlage, sowie einer kleineren Parkanlage auf dem Aschendamm. Die Frequenz im Jahr 1867 betrug 2.066 Personen (1859: 1.097, 1862: 1.900).

Die Parochie Kösen gehörte zur Ephorie Pforte, der Pfarrer erhielt 850 Taler. Das Gesamtvermögen betrug 13.560 Taler.

Die „gehobene Volksschule“ hatte drei Klassen mit  115 Knaben und 116 Mädchen die von drei Lehrern unterrichtet wurden. Das Schulgeld  betrug 2 bis 6 Taler.  In einer privaten  Knabenschule wurden 14 Schüler von einem „wissenschaftlich“ ausgebildeten Lehrer auf das Gymnasium vorbereitet. Die höhere Töchterschule  besuchten 44 Mädchen.   

Das gesellschaftliche Leben bestimmten die Vereine: Schützenverein (45 Mitglieder), Kriegerverein (39), Erholungsgesellschaft für höhere Stände (42), Gesellen-Vergnügungsverein (299, Gesangsverein (24).

Die Steuereinnahmen aus Grund-, Gebäude-, Klassen-, Gewerbe- und klassifizierte Einkommenssteuer betrug 363 Taler.  Der Ort  hatte entsprechend der Landgemeindeverfassung eine zwölfköpfige Gemeindevertretung mit dem Ortsrichter (150 Taler Remuntation) und zwei Schöppen, die von den 544 stimmberechtigten Einwohnern, darunter 167 Hauseigentümern bestimmt wurden. Der Haushalt wies mit 2.212 Taler an Ausgaben und 2.248 Taler Einnahmen einen leichten Überschuss aus.