Die Commun-Flöße und der Kösener Stapel in der Mitte des 18. Jahrhunderts

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die gemeinsame Scheitholzflöße für die daran beteiligten Staaten zu einem lukrativen Unternehmen geworden. Davon zeugen auch die zahlreichen erhalten gebliebenen Lieferverträge wie der aus dem Jahr 1719.

Zu wißen, daß zwischen denen zu Ende unterschriebenen Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächsischen, wie auch Hochfürstl. Sachsen-Weimar und Hochfürstl. Sachsen-Eisenach nicht weniger Hochfürstl. Sachsen-Gotha-Altenburger Floßbeamten an einen und dem Gräffl. Hatzfeldischen Forst-Amte zu Blankenhayn im Nahmen allerseitiger hoher Herren Principaten nachfolgender Floßholz-Contract verabredet und schloßen worden, nehmlich es werden.

1. zu der Königl. Pohlnischen auch Chur- und Hochfürstl. Sächs. Commun Saalen Flöße Neuntausend Clafftern Holz excl. der Wald-Eingabe, aufs hundert zehn Clfft. aus denen Gräffl. Hatzfeldischen Gehölzen zu Harra dergestalt überlaßen, daß solche an guten tüchtigen frischen und unwandelbahren Holze, die Scheite mit der Säge geschnitten (wie denn die Spitzen an denen Scheiten und Baum-Örtern, welche mit der Axt geschroten, vor ungültig zu achten und nicht mit zu meßen sind) ohne Einlegung Klöppel, großer Klötzer, Stücke und faulen und andern untüchtigen und zur Flöße unbrauchbaren Hölzern, desgl. ohne Einflechtung starcker Weiden und allen Vortheil, dichte und derb, jede Claffter drey zwickauische Ellen und fünff Zoll hinten und forn hoch und weit ohne Mitmeßung der Unterlage und die Scheite siebenviertel berührter Ellen lang, wie solches bey allen Saal-Flößen gehalten und hergebracht ist, demnechst durch die vereydeten Holzsetzer umbgeschlagen und hierüber noch auff jedes hundert zehn Clafter Wald-Eingabe in diesen und den nechstfolgenden drey Jahren 1720, 1721 und 1722 richtig geschlagen, angeführt und geliefert, auch geflößet werden können, und zwar sollen

2. in jezigen und nechstfolgenden 1720ten Jahre zu Frühling- und Sommer-Zeiten bis Jacobi viertausendfünfhundert Clafftern excl. der Waldeingabe der zehn Clafftern auf jedes hundert wie auch dergl. Quantum anno 1721 obbeschriebenermaßen geschlagen, solche als dann zwischen Bartholomaei und Michaelis den Königl. Chur- und Hochfürstl. Floß-Beamten in Walde zugepostet, folgends von Gräffl. Hatzfeldischer Seiten durch deroselben Holzschläger und Arbeiter aus denen Gehauen den Winter über an dem Saalen-Strohm volkömmlich ohne Entwendung, Verbrennung oder Versteckung einigen Scheits, angeschaffet, vor Eyßfarthen, große Waßern und anderer Gefahr sicher gesetzet und endlich den darauf folgenden Frühling bey bequemen Waßer, wenn von denen Königl. Chur- und Fürstl. Sächs. Floß-Beamten Notification geschehen, daß der Rechen zu Kösen tüchtig verzogen, in das Waßer die Saale eingeworffen werden, wobey gedachten Floß-Beamten frey stehen soll, daß sie die Floß-Gehaue, jederzeit nach ihren Gefallen beym Hauen, Anführen und Einwerffen, entweder selbst oder durch ihre Abgeordneten besichtigen und daß weder von denen Arbeitern noch sonsten jemanden einige Untreu gebrauchet werde, Obsicht führen mögen, wie denn

3. von Gräffl. Hatzfeldischen Seiten die der ereigneten Holzdeuben vorkommender Betrug und Unterschleiffe bey dieser Flöße an denen Verbrechern entweder mit Geld oder am Leibe nachdrücklich bestraffet und denen Floß-Beamten und Bedienten auff ihr Ansuchen jederzeit helffliche Hand geleistet, auch der hierdurch erfolgte Schaden und Abgang der Flöße ersetzet werden solle, hingegen will man

4. auff Seiten der Königl. Pohln. Chur- und Hochfürstl. Sächs. Saalen-Flöße, wenn obbeschriebenermaßen die Hölzer in Gehauen und übergeben, darauf angeführet und folgenden Frühling in Saalen Strohm eingeworffen seyn werden, jede Claffter mit neunzehn Groschen incl. Stamm- und Anweise-Gebühren und ausgeschlossen der Wald-Eingabe auf jede hundert zehn Clafftern als von welchen außer des einen Groschen Anweise-Geldes, weder Hau-, Aufsetzer-, Anfuhr-, Einwerffer-Lohn noch Bockgeld, wie bey der Saalen-Flöße bräuchlichen, entrichtet wird, richtig bezahlen, und zwar also, daß zu jeder Claffter Holz acht Groschen Verlag als vier Groschen zum Hauerlohn von Lichtmeß bis Barrtholomaei, wie auch vier Groschen zum Anfuhr-, Aufsetzer- und Einwerffer-Lohn von Martini bis Ostern nach und nach jedoch zulänglich gegen Quittung abgefolget, die übrigen eilff Groschen, als zehn Groschen Bockgeld und ein Groschen Stamm- und Anweise, aber nach beschehener Ab- und wieder Anflößung der Hölzer zu Kösen und andern Orten zur selbigen Michaelis und Neu-Jahres Meße jedesmahl zu Helffte auf Quittung vergnüget werden soll, und weil auch

5. eine ziemliche Quantität Gräffl. Scheithölzer unweit Harra jezo allbereit in Vorrath stehen und binnen nechst vorstehenden Bartholomaeitag eine Summa von dreytausend Clafftern Holz fertig zu schlagen und aufzubringen sich getrauet wird, als ist besonders noch verabhandelt und sich dahin verglichen, auch von denen Floß-Beamten versichert worden, darauf nicht nur den accordirten Verlag zu Holzschlägerlohn a vier Groschen auf die Claffter nechstens zu vergnügen, sondern auch womöglich und der Flöße convenable die Verfügung zu treffen, daß besagte Hölzer bey jetzt vorstehender heurigen Saale-Floßholz-Abpostung mitgenommen, den Winter hindurch angeführet und folgenden Frühling nebst andern Commun-Hölzern mit abgeflößt auch die Bezahlung sodann in denen obbeschriebenen Terminen geleistet werden möge, da fern aber in unverhofften Wiedrigenfall, wegen bereits an andern Orten gemachter Veranstaltung diesesmahl solche dreytausend Clafftern Holz nicht abgepostet und geflößt werden könnten, sondern in Gehaue stehen bleiben müßten, so würde in folgenden Jahre noch ein mehrers Holz bis zu Erfüllung erstbemeldten contractmäßigen Quanti nachgeschlagen.

Uhrkundlich ist dieser Contract also zu Pappiere gebracht und bis zu erfolgter Ratification durch die zu dieser Handlung Gevollmächtigten resp. Floßbeamten und Commissarien mit ihren eigenhändigen Unterschrifften und vorgedruckten Pettschaften in 5 pto. ausgeferttiget worden. So geschehen zu Naumburg, 2. July Anno 1719

Johann Ernst v. Osterhausen, Georg Hartig, Friedrich Wilhelm Soth, Johann Georg Hochhaußen, Ernst Joseph Tuxius, Alexander Eberhart Müller, …..

In diesem zusammenhang ist auch der Vertrag mit den Schwarzburger Grafen aus dem Jahr 1723 zu sehen.

Demnach die an Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen, wie auch Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach Anno 1717 aus denen Fürstl. Schwartzb. Waldungen zur Saalen-Flöße versprochener 60.000 Clfft. Scheitholtz, nunmehro größte Theils abgeflößet und Allerhöchstged. Ihro Königl. Maj. auch Chur- und Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen zu Continuirung berührter Flöße fernerweit aus besagten Waldungen eine Quantitaet Floß-Holtz zu erhandeln, dero bestallte Ober-Aufseher und Saalen-Floß-Beamten aller und gnädigste Commission ertheilet. Alß ist mit denen selben Handlung gepflogen und folgende Floß- und Holtz-Contract geschloßen worden. Es versprechen nehmlich

1. denen Königl. Pohln. auch Chur- und Hochfürstl. S. Cammern zu Dreßden, Weimar und Eisenach, die Fürstl. Schwartzburg. Cammern beider Linien innerhalb deren nechsten 12 Jahren also zwischen dato und Pfingsten Anno 1735 zu denen künfftigen Saale-Flößen, excl. des auf vorgedachten Contract de anno 1717 annoch zu fordern habenden Rests, achtzigtausend Clfft. Hart- und Weichholtz, von Windfällen, auch stehenden, dürren und frischen Bäumen, worunter iedoch keine Klöppel, noch faule und solche Scheite, so den Keil nicht halten, seyn sollen, exclus. zur Waldeingabe 10 Clfft. auf iede 100 Clfft. aus denen Schwartzburg. Holtzungen, entweder vom Thüringer Walde und dessen Vorwäldern, oder auch aus denen Leutenbergischen Gehöltzen abzugeben und soviel davon jährlich davon verlanget wird, auf ihre Kosten und zwar iede Clfft. drey Zwickauische Ellen und vier Zoll hoch und weit, nach dem alten Clfft. und Maaß-Stabe und die Scheiten sieben Viertel dieser Ellen lang, im Frühling und Sommer schlagen, solche dicht und derb ohne Vortheil legen und nach geendigten Holtzschlage dergestalt, daß der Maaß- und Claffter-Stab auf das Unterlager angesetzet werde denen Königl. auch Chur- und Hochfürstl. Floß-Beamten zumeßen, abposten und übergeben, hernach aber den Herbst und Winter hindurch ans Waßer anführen, aufs Waßer werffen und auf denen Schwartzburg. Floß-Waßern, doch weiter nicht als bis in die Saale, abflößen und was in gedachten Floß-Waßern zurück geblieben, wieder auszuziehen und sich bey denen diesfalls gewöhnl. Visitationen wieder zurechnen zu laßen, dabey wird von Königl. auch Churf. und Hochfürstl. Sächs. Seiten ausdrücklich bedungen, auf ihre Kosten nach erheischender Nothdurfft geschwohrene Einschläger zu bestellen und durch dieselben die Clafftern wieder umbschlagen zu laßen; Dagegen machen

2. Hochgedachte Königl. auch Chur- und Hochfürstl. Cammern sich verbindlich, iede Clfft. mit einen Thaler und einen Groschen, doch incl. der bedungenen Wald-Eingabe, also iede 1100 Clfft. mit 1041 Th. und 16 Gr. und soviel nehmlich ieden Theil nach Proportion an der Claffter-Zahl nach denen Abpost- und Visitations-Verzeichnissen zugetheilt worden, zu bezahlen, zu iede Flöße aber und auf iede 1100 Clfft. Floß-Holtz 500 Thaler an guten und gangbaren Münz-Sorten und wenigstens an guten Groschen zum Verlag, als 250 Thaler auf Lichtmeß, Ostern und Pfingsten, vor und zu dem, Holtzschlage, 200 Thaler zwischen Martini und Weyhnachten vor und zu der Anfuhre und 50 Thaler im Jahr hernach auf Fastnachten und Ostern zur Flöße in Rudolstadt zu praenummeriren, ferner 41 Th. 16 Gr. an die Fürstl. Schwartzburg. Cammern und deren Forstbedienten selbsten, bey der Visitation zu entrichten und die übrigen 500 Th. als Stamm-Gelder gleich nach verbrachter Flöße und zwar 250 Th. in der Leipziger Mich.-Meße und die übrigen 250 Th. in der darauf folgenden Neu-Jahrs-Meße vor dem gewöhnl. Meß-Zahl-Tage ohnfehlbar und ohne Aufwendung Bothen-Lohns oder anderer Unkosten, gegen Quittung und zwar in guten gangbaren Münz-Sorten, zu vergnügen , sonderlich auch zu rechter Zeit und zwar iedesmahl in der Neu-Jahrs-Meße, den Holtzschlag notificiren und bestellen und die darauf geschlagenen Höltzer in solchen Jahr übernehmen, und nicht über den Winter hinaus unabgepostet stehen zu laßen, maßer ermeldter Fürstl. Schwartzburg. Cammern, weder vor die Gefahr noch vor das richtige Claffter-Maaß länger als bis zur gewöhnlichen Abpostungs-Zeit zu stehen, noch die Stamm-Gelderauf solchen Fall, bis nach Flöße zurück zu laßen, schuldig, die auf die Saale geflößten Höltzer auf Ihre Kosten fortzuflößen und solche Flöße samt dem Nachtrioeb möglichst zu beschläunigen auch gleich bey diesem die Tauch-Scheite aus dem Saalen-Strohm ausziehen zu laßen, damit die Fischerey nicht ruinirtet und verhindert, noch durch das öfftere Überfahren der Saale die Fische zuviel gescheuet und verjaget werden. Wogegen die Fürstl. Schwartzburg. Cammer zu Rudolstadt sich verbindet, ihre Küchen-Höltzer zu Rudolstadt wie sie der Saalestrohm mit sich bringet, ohne einige Aussonderung auszuziehen und solches dergestallt beschleunigen zu laßen, daß durch deren Auffenthalt die Floßscheite nicht ausgeschwemmt und der Flöße zum Nachtheil werden mögen. Dabey ist

3. ferner verabredet und pacificirt, daß durch die Königl. auch Chur- und Hochfürstl. Sächs. Floß-Beamten von denen Schwartzburg. Unterthanen zur Flöße kein Holtz erhandelt werde, hingegen denen selben verstattet seyn und frey stehen soll, den von ermeldter Fürstl. Schwartzb. Cammer angeordneten Holtzschlag und die Anfuhr entweder von sich allein oder im Beyseyn derer Fürstl. Schwartzburg. Forst-Bedienten, mithin die Holtzschläger und Arbeiter zu visitiren, und wenn dieselbe das Holtz nicht contract-mäßig geschlagen und geleget, davon etwas zurück gelaßen, bey seit geworffen, verbrennet oder sonst etwas ungebührliches dabey finden sollten, solches zu erinnern und anzumelden, maßen auch denen von Ihnen abgeschickten Floß-Bedienten, Bothen und Wächtern unverwehret ist, in denen Schwartburgischen Wäldern, bey den Holtzschlage und Anfuhr auf und abzugehen und Achtung zu geben, damit dabey zur Ungeühr nichts vorgenommen werden möge. Da ferne nun selbige bey denen Holtzschlägern oder nführern oder auf andern einige Untreu, Diebstahl oder andrer Ungebührniß vermercken und wahrnehmen und solches gebührend anzeigen würden, so soll bedürffenden falls auf Ihre Denunciation von denen Fürstl. Schwartzburg. Beamten in Ihren Beyseyn die Haussuchung verfüget und vorgenommen, auch sonst allenthalben billige und willige Hülffe förderlichst und zwar ohne Praetendirung einiger Unkosten geleistet, die schuldig erfundenen Verbrecher in denen Gerichten, darunter selbige   gehören, unpartheyisch und nachdrücklich gestraffet und zum Abtrag der Schäden und Unkosten angehalten werden.

Und damit die bisherige allzu viele Holtz-Deuben und verbotene Abträge um so viel mehr evitiret und vermieden werden möge, so soll die Verfügung geschehen, daß in Zukunfft alle diejenigen Feuer-Höltzer, so nicht zur Flöße geschlagen und consumirt werden, nicht nach dem gewöhnl. Floß-Scheit-Maaß, sondern ein viertel Elle kürzer und also 6/4tel der Land-Ellen geschnitten werden sollen. Insonderheit ist

4. bewilliget, bey Abflößung des eingeworffenen Floß-Holtzes, da es die Noth erfordert, in der Saale einen Vorhang zur Aufhaltung desselben zu machen, auch vergleichen, daß wenn iemand bey der Flöße an diesen aus der Schwartzburg. Waldung oder sonst erhandelten und auf dem Saalen Strohm durch die Fürstl. Schwartzburg. Lande gehenden Floß-Höltzern sich zu vergreiffen, die Flöße zu hindern, oder davon diebischer Weiße etwas zu entwenden, sich unterstehen und darüber betreten oder deßen sonst convinciret würde, denselbigen in dem Amte, dahin er gehört, nachdrücklich abgestraffet und mit 8 Groschen Straffe vor iedes entwendete Scheit beleget auch überdies dafür gebührlichen Abtrag zu thun, angehalten werden solle, hingegen erklähren sich die Königl. Pohln. auch Chur- und Hochfürstl. Cammern denen Schwartzburg. Unterthanen allen durch sothanen Vorhang auch sonsten durch die Flöße verursachten und bey der deshalber angeordneten Besichtigung befundenen oder anderweit dargethanen Schaden nebst denen andern bey dieser Saale-Flöße Interessirten aus der Commun-Flößen-Cassa zu vergüten und zu satisfaciren, wozu auch die Fürstl. Schwartzburg. Cammer zu Rudolstadt iedoch nur pro rata ihrer Küchen-Höltzer concuriret und beyträgt. Nachdem auch

5. die Fürstl. Cammer zu Rudolstadt vor die Hofstadt daselbst, wie auch zu denen Diener-Deputaten und zum vertreib im Lande eine Quantitaet Floß-Holtz benöthiget, ist solche besonders ober besonders und neben der denen zur Saalen-Flöße vwerhandelten Höltzern abzuflößen wegen Verschießung derer Floß-Waßer in denen Bächen und Vermengung derer Höltzer sich nicht füglich thun zu laßen will. Alß stehet nur gedachter Fürstl. Cammer daferne dieselbe nicht absonderlich vor sich flößen will, frey, bey ieder Flöße einige tausend Clafftern so genannte Küchen-Höltzer, welche iedoch eben das Claffter-Maaß und Scheitlänge, alß die verkaufften Floß-Höltzer, halten müßen, auf ihre Kosten mit einzuwerffen und abzuflößen auch bey Rudolstadt oder andern Orten aus und zu Clafftern in obbeschriebener Höhe und Weite aussetzen zu laßen, welches Holtz denn bey Abpostung derer obgedachten andern Floß-Höltzer iedesmahl mit vorgezählet und auf 1000 Clfft. 100 Clfft. anstatt des Abgangs gerechnet, wenn selbige auf die Saale geliefert, frey mit fortgeflößet und nach der Aussetzung wieder abgezählt, auch zu denen Kosten pro rata contribuiret werden soll.

6. Nach verbrachter Flöße soll das in der Schwartza und auf denen Bächen zurückgebliebene Holtz ausgezogen und die gewöhnliche Visitation, was an Höltzern im Walde und Flöß-Waßern zurück blieben, von beyden Theilen fürgenommen und was darinnen sich wieder gefunden an denen im Walde zugeposteten Hölzern wieder zurück und abgerechnet und darauf der richtige Calculus, wieviel Clafftern abgeflößt und zu bezahlen sind, gezogen werden. Sobald nun

7. entweder obbemeldte 80.000 Clafftern abgeflößet oder die dazu bestimmten 12 Jahre abgelaufen, also ohngefehr mit Pfingsten 1735 oder noch der in ietzt bemeldten Jahr absolvirte Flöße, soll dieser Contract ipso jure und ohne alle weitere Declaration erloschen, daran ferner kein Theil gebunden und wenn binnen solcher Zeit berührte 80 mille Clafft. Scheitholtz nicht völlig abgeflößet, mehrerwähnte Fürstl. Schwartzburg. Cammern zu Lieferung des Rückstandes nicht gehalten seyn, es wäre denn, daß wieder Vermuthen eine oder die andere Flöße verunglückte, und man damit wegen Waßermangels oder anderer Hinderung nicht aus den Bächen zu kommen vermöchte.

Auf solchen Fall sollen die in einen oder den andern Jahre zurückgebliebenen Holtz-Flößen noch nachgeholet, dieserwegen aber und daß die bestellten Floß-Höltzer nicht zu rechter und behöriger Zeit geliefert und abgeflößt worden, an gedachte Fürstl. Cammern kein Anspruch gemacht, dieselbe auch damit verschonet werden , da ferne das allzu starcke Waßer die gemachten Vorhiebe und Floß-Rechen mit Gewalt öffnen und das Floß-Holtz durchbrechen sollte, dahero, und zu Verhütung alles zu besorgenden Schadens, zu Verziehung des Rechens bey Kösen im Frühjahr und bey Zeiten behörige Anstalt gemachet und vor gegebener Nachricht, daß solche verzogen, mit Fleiß kein Holtz auf die Saale gelaßen werden soll. Im übrigen und

8. ist bey Schließung dieses Floß-Holtz-Contracts die Ratihabitation Allerhöchstgedachter Ihrer Königl. Majestät und Churfürstl. auch Hochfürstl. Durchl. zu S.-Weymar und S.-Eisenach nicht weniger die Genehmhaltung derer Fürstl. Schwartzburg. Häußer beider Linien ausbedungen, immittelst aber selbiger von uns dazu Gevollmächtigten unterschrieben und besiegelt auch nach Erforderung der diesmahligen Umstände in 10 Exemplarien ausgefertiget und ieden Theile das seine zugestellt worden. So geschehen Oster-Meße zu Leipzig Anno 1723

Johann Ernst von Osterhaußen Im Nahmen beyder Hochfürstl. Häußer

Johann Heinrich von Schönfeldt, Schwartzburg. Häußer

Georg Hartig

Friedrich Wilhelm Soth, Johann Joachim Örtel, Dr.

Johann Georg Hochhaußen

Die 80.000 Klafter waren eine recht beachtliche Menge. Rechnet man die „Zwickauische Elle“ mit rund 57 cm und den Zoll mit 2,4 cm so galt ein Klafter 1,83 x 1,83 x 1,00 Meter, d.s. 3,35 Festmeter. Die avisierte Jahresmenge betrug, auf die Vertragslaufzeit bezogen, rund 6.667 Klafter, was allerdings stark von der Witterung und dem Wasser abhängig war. Aus einer Aufstellung der herzoglich-weimarischen Kammer geht hervor, dass diese Flöße erst 1737, also zwei Jahre später als vorgesehen, endete, wobei die Gesamtmenge trotz erheblicher jährlicher Schwankungen letztendlich auch vollständig angeflößt wurde.

Das bei den Schwarzburgern georderte Kontingent reichte allerdings nicht einmal für den zwischen Kursachsen und Halle geschlossenen Holzliefervertrag, denn von den 30.000 Klaftern sollten 16.000 Klafter aus der Saaleflöße kommen, wie aus einem Schreiben des kursächsischen Kammerkollegiums an ihre weimarischen Amtskollegen vom Jahr 1713 hervorgeht.

Außerdem mußten ja auch die an der mittleren Saale liegenden Städte, Stifte und Ämter mit Brennholz versorgt werden. In Kursachsen betraf das Naumburg, Weißenfels und Merseburg und seit 1731 die Saline Kösen, im Herzogtum Sachsen-Altenburg neben Dornburg und Camburg die Saline Sulza und Sachsen-Weimar musste den Stapel in Jena belegen, nachdem hier der Herzog den privaten Holzhandel unterbunden und die Einwohner an den herzoglichen Stapel verwiesen hatte.

Allein dafür hatte die herzogliche Kammer im Nachgang zum Holzliefervertrag der Commun-Flöße von 1723 bei den Schwarzburgern weitere 15.000 Klafter geordert, die mit den Commun-Hölzern angeflößt werden sollte.

Und auch die Commun-Flöße schloss weitere, ähnlich lautende Lieferverträge ab, darunter über Holz aus den zur Markgrafschaft Bayreuth gehörenden Wäldern zwischen Ludwigstadt und Probstzella, die auf der Loquitz zur Saale geflößt werden konnten. Das Holz aus den Wäldern der Schleizer Reußen kam auf der Wisenta zur Saale, aus dem kursächsischen Neustädter Kreis auf der Orla und aus den herzoglichen-altenburgischen Ämtern des Holzlandes auf der Roda zur Saaleflöße.  

Dazu kamen weitere Lieferverträge mit den Schwarzburger Grafen, wie der aus dem Jahr 1732, was offenbar im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Kösener Saline und den dadurch absehbaren Mehrbedarf stand. Daher pachtete die Commun-Flöße 1733 von der „Amts-Rentherey“ zu Pforta auch einen Teil der Mühlwiese am rechten Saaleufer, oberhalb des Rechens, weil die bisher genutzten Plätze nun nicht mehr reichten.

In den Verträgen wurde die Kontrolle vom Einschlag bis zum Aussetzen am Kösener Stapel vereinbart, wobei den Beamten der Commun-Flöße umfassende Befugnisse in den gräflichen und herzoglichen Gerichtsbezirken zugestanden wurden. Alles geschah mit dem Ziel, die Flöße möglichst verlustfrei und somit gewinnbringend für die Beteiligten durchzuführen.

Mit den Schwarzburgern wurde vereinbart worden, dass die ihr Holz auf der Schwarza bis zur Mündung in die Saale bringen müssen. Hier sollte es aufgehalten werden bis der Floßbote der Commun-Flöße die Schließung des Kösener Rechens meldete.

Ab Harra eignete sich die Saale für die freie Abdrift. Hier begann auch der Nachtrieb. Das war eine Arbeitskolonne, die unter der Aufsicht eines Floßbeamten für eine reibungslose Abdrift sorgten. Sie beförderten am Ufer hängende oder auf Sandbänken liegende Scheite wieder in die Strömung, sorgten für den reibungslosen Übergang an den Wehren und hielten Ausschau nach Holzdieben, die natürlich jede Gelegenheit nutzten, um sich aus der Menge der vorüber treibenden Scheiten zu bedienen. Eine umfassende Kontrolle der zehntausende Scheite war allerdings illusorisch, da sich die treibenden  Scheite auf mehrere Stromkilometer verteilten. Noch problematischer war es, wenn die Saale über die Ufer trat und das Holz auf die Uferwiesen und in die Auenwälder geschwemmt wurde. Dort blieb es liegen und wurde nach dem Rückgang des Wassers erst wieder mühsam zusammengesucht. Eine weitere Verzögerung entstand an den einzelnen Ausschleppen, wie Saalfeld, Rudolstadt, Orlamünde, Kahla, Jena, Dornburg, Camburg und Unterneusulza. An diesen Orten kamen kleinere Rechen und Zwingen zum Einsatz, um die Scheite aufzuhalten und die Menge auszuziehen, die für den jeweiligen Ort bestimmt war, wie die oben erwähnten „Küchenhölzer“ für die schwarzburgische Residenz Rudolstadt, das Kontingent für die Stadt Jena oder die rund 4000 Klafter, die für die Sulzaer Saline bestimmt waren.

Auch hier kontrollierten "geschworene“ Floßbediensteten die ausgezogenen Mengen und hatten darauf zu achten, dass nicht nur die „besten Stücke“ entnommen wurden. Das wurde ebenso dokumentiert, wie der Ablauf einer jeden Jahresflöße. Alle Ausgaben und Vorkommnisse wurden auf "Wochenzettel" vermerkt, die die Abrechnungsgrundlage für die Teilhabern der Commun-Flöße bildeten, die sich regelmäßig zur Leipziger Neujahrs-Messe zu einer Konferenz trafen.

Die nachfolgenden Schilderungen geben anhand der im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar vorhandenen Unterlagen einen umfassenden Einblick in den bisher nur wenig dokumentierten Arbeitsablauf einer Scheitholzflöße. Auch wenn sie nicht alle aus dem gleichen Jahr stammen, so sind sie doch beispielhaft für den üblichen Ablauf.

Die Scheitholzdrift auf der Loquitz 1737:

Die Abdrift aus den markgräflich-bayreuthischen Wäldern auf der Loquitz erfolgte unter der Leitung der Commun-Flöße.

Das im Vorjahr geschlagene und angefahrene Holz, lag vermessen und „abgepostet“, d.h. quittiert, an den Einwurfstellen bis die Schneeschmelze einsetzte. Da die Abtrift in dem engen Bachlauf der Loquitz nicht von allein ging, wurden die Einwohnerschaft ganzer Dörfer aufgeboten, die mit Haken und Stangen dafür sorgten, dass sich die Scheite in dem schmalen Gerinne nicht verfingen und stauten.

Die Drift 1737 begann am 3. März und allein in dieser Woche waren 160 Personen aus den Dörfern Timmenhof, Neuhüttendorf, Lauenstein, Zella und Ludwigsstadt mit dem Nachtrieb beschäftigt. Aus den Lohnabrechnungen geht hervor, dass alle Altersgruppen, Männer und Frauen, Tagelöhner, Dorfschulze und Kantor sich daran beteiligten und dafür rund 5 Groschen für die sechs Tage dauernde äußerst schwere Arbeit erhielten. Andererseits war das auch ein willkommener Zuverdienst für die in kargen Verhältnissen lebenden Gebirgsleute.

In den beiden folgenden Wochen wurden die Einwohner von Ebersdorf, Unter- und Oberloquitz und Arnsbach aufgeboten, die die Scheite auf der Loquitz bis zur Mündung in die Saale bei Eichicht brachten. Hier endete der Einsatz der „Gebirgler“, alles andere war nun Aufgabe des eigentlichen Nachtriebs.

 

Der erste Abrechnungsnachweis des „Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächs. wie auch Hochfürstl. Sächs.- Weimarischen und Hochfürstl. Sächs.-Eisenachschen Ober-Saalen Nachtrieb“ datiert vom 11. bis 16. März 1737. In dieser Woche wurde die Strecke vom Budebach bis Ziegenrück zurückgelegt. Insgesamt war 14 Arbeiter zwischen 2 und 6 Tagen eingesetzt, die pro Tag 4 Groschen erhielten. Insgesamt waren es 11 Taler und 13 Groschen, die hier zu Lasten der herzogl. weimarischen und eisenachschen Kammer verbucht wurden. Erwähnt wurde, dass am 14. März an den „Tannenbergk“ die ersten „Königl. Hölzer“ dazu gekommen waren.  

In der zweiten Woche erreichte der Nachtrieb das Neidenberga`sche Schlößchen. Für diesen Abschnitt wurden 21 Arbeiter aufgeboten. Die kosteten 29 Taler und gingen zu Lasten der kursächsischen Floßkasse. Zusatzkosten entstanden der Flöße durch den Besitzer der Hopfenmühle seinen Sohn und den Knechten, die drei Tage halfen, die große Anzahl Scheite über das dortige Wehr und den Mühlbach zu bringen.

Der dritte Wochenzettel vom 24. bis 30. März verzeichnete 22 Arbeiter, die nun auch auch an den Sonntagen beschäftigt wurden. Der Nachtrieb erreichte in dieser Woche die Mündung der Loquitz, wo man die Hilfe zweier Fischer benötigte, um den Dorfbach abzusperren, damit keine Scheite dort hinein trieben. Auch die Kosten dieser Woche gingen zu Lasten der kurfürstlichen Kasse.

Ab der Loquitz übernahm Johann Volkmar Stophel die Aufsicht über den Nachtrieb, der in der vierten Woche Fischdorf erreichte. Diesmal wurden 20 Arbeiter aufgelistet, deren Lohn ebenfalls zu Lasten der kurfürstlichen Kasse ging.

Am 20. April erreichte der zweiundzwanzigköpfige Nachtrieb Remschütz nahe der Mündung der Schwarza. Vom Saalfelder Stapel kamen die im letzten Jahr hier ausgezogenen und über den Bedarf liegenden Scheite wieder zur Abflöße. Die in dieser Woche aufgewandten Kosten von 35 Gulden verbuchte Stophel zu Lasten der weimarischen Kammer.  

Danach gab es einen mehrwöchigen Aufenthalt, denn der „sechste Wochenzettel“ datierte erst wieder vom 2. Juni 1737. Warum es zu dieser mehrwöchigen Unterbrechung kam, geht aus den Unterlagen leider nicht hervor. Möglicherweise musste man die von den Schwarzburgern zur Eingabe gebrachten Mengen abwarten. Aber auch ein Hochwasser der Saale ist durchaus denkbar. Der Nachtrieb musste pausieren, allerdings gab es hier auch keinen Lohn.

Vom 2. bis 8. Juni wurden ausnahmsweise 34 Mann für den Nachtrieb aufgeboten, darunter auch wieder die beiden bisherigen Vorarbeiter Hans Heinrich Ende und Martin Zimmermann. Dazu zwei neue Vorarbeiter Hans Michael Butze und Johann Andreas Leitnitz. Ihr aller Wochenlohn ging diesmal zu Lasten der Gotha-Altenburgischen Kammer.

Am 8. Juni wurde die „Rudolstädtische Schieß-Mauer“ erreicht und erneut kam es zu einem Aufenthalt, diesmal jedoch nur von 3 Tagen. Am 12. Juni ging es weiter, diesmal mit 24 Mann bis Unterhasel. Der 7. Wochenzettel vermerkte als zusätzliche Ausgaben von „13 Gd. 15. Gr. dem Herrn Fischer zu Rudolstadt, Mstr. Schirnern zum Gedinge verschiedene Bäche und Griese über und unter Rudolstadt abzuräumen und bis zum Nachtriebe rein zu halten, 2 Gd. 6 Gr. dem Raths-Fischer, daß er auf seinen Waßer zu Beförderung des Nachtriebs die Floß-Scheite weggeräumt, 1 Gd. 11 Gr. vor 2 gehaltenen Wagen, mit welchen die Scheidt in Katzen-Winckel an die Saalen gefahren worden, 2 Gd. 6 Gr. die Bäche zu Unterhaßel zu verschlagen und bis zum Nachtriebe rein zu halten.“ Demnach waren bei Hochwasser etliche Scheite auf den Wiesen liegen geblieben und mussten wieder angefahren werden.

In der darauf folgenden Woche erreichte der 27 Mann zählende Nachtrieb die Mündung der Orla. An Zusatzleistungen zu Lasten der herzogl. weimar-eisenachschen Teilhaber wurden „für die Bäche unter der Weißenburg zu verschlagen und rein zu halten an Hans Nicol Jackschen bezahlet, an Hans Andreas Ficklern zu Zeutsch zum Gedinge des Grieses, denselben abzuräumen und bis zum Nachtriebe rein zu halten, Christoph Ficklern die Bäche über dem Dorffe rein zu machen und zu halten und Hanß Eysmannen zu Naschhausen die alte Saale und beyde Griese über und unter der Brücke abzuräumen und bis zum Nachtriebe rein zu halten, zum Gedinge bezahlet.“

Demnach waren auch weiter saaleabwärts Anlieger beauftragt, durch Hochwasser an Land geschwemmte Scheite vor dem Eintreffen des Nachtriebs aufzulesen und wieder in die Saale zu bringen, wie der genannte Hans Eißmann aus Naschhausen bei Dornburg.

Der neunte Wochenzettel datierte vom 23. bis 29. Juni. Der Nachtrieb erreichte das Raasener Wehr bei Jena ohne Zwischenfälle und Zusatzausgaben. Dieser Wochenzettel wurde zu Lasten der herzogl. gotha-altenburgischen Kammer ausgefertigt und für Stophel endete hier die Aufsicht.

In der darauf folgenden Woche erreichten die 21 Arbeiter diesmal unter der Aufsicht von Johann Gottfried Trützschler Dornburg. Dieser vermerkte als zusätzliche Ausgaben „Hans Tobias Martin zu Cunitz, wegen des Gedinges, die alte Saale rein zu halten, den Schulzen zu Naura Hans Niebel Beyern, wegen des Gedinges, Christoph Ziegen den Fischer, so mit seinem Kahne in der Porstendorffer Bache behülfflich gewesen und vor einen neuen Stricke von den Dornburgischen Seiler zu Anbündung der Flöße“. Von Dornburg bzw. Camburg ging es bis Neusulza, das am 13. Juli von den inzwischen auf 14 Arbeitern reduzierten Nachtrieb erreicht wurde. Auch die Aufsicht wurde gewechselt, die beiden letzten Etappen kontrollierte Johann Schröter. Auf dem 11. Wochenzettel vermerkte er zu Lasten der gotha-altenburgischen Kasse insgesamt 9 Gulden Lohn und weitere 11 Gulden für „Johann Eismann zu Uhlstädt, die Bäche unter Uhlstädt rein zu halten, 2 Senkflößgen, vor Holtz die selbigen zu machen, und die Griese und Bäche an der Saale in Frühjahr verdungen worden.“

Am 15. Juli erreichte der Nachtrieb dann endlich den Kösen Rechen. Schröter listete den letzten Wochenlohn für die 14 Arbeiter auf. Nur die beiden Vorarbeiter Ende und Zimmermann waren von Anfang an dabei gewesen. Die letzten aufgeführten Zusatzkosten wurden aufgewandt für „den Neusulzaer Rechen gedoppelt zu verziehen, damit sich kein Scheidt durchschlage, weil der Einwurff in Kösen angeleget worden, das erstmahl dier Scheite so vor den Neusulzaer Rechen gestanden, durch laßen laut Quit. sub. A, das andermahl die Scheite durchzulaßen, besage Specification sub B, die Scheite auf den Grieß und auf bey den Ufern einzuräumen, vermöge Specif. sub. C.“

Von der sechswöchigen Unterbrechung abgesehen, dauerte in diesem Jahr die Flöße genau 12 Wochen, in Anbetracht der Länge des Flusses und der Witterungsunbilden eine angemessene Zeit. Insgesamt kostete der Nachtrieb der Commun-Flöße 366 Gulden.

Am Kösener Stapel übergaben am 9. April die herzoglichen Floßbeamten Christian Hochhausen und Johann Volkmar Stophel den kursächsischen Beamten Johann Heinrich von Schönfeldt und Georg Hartig   1466 Klafter (ca. 4.900 Festmeter). Davon waren 1312 Klafter reguläre Scheite, weitere 71 Klafter Böttcherholz, 2 Klafter Hartholz, der Rest waren Ausschuß, Faulholz und Stücke. Allerdings dürfte es sich hierbei auch um Holz aus der Vorjahresflöße gehandelt haben, die hier den Winter über verblieben waren.

Über den Ablauf auf dem Kösener Stapel gibt es eine vollständige Dokumentation aus dem Jahr 1744.

Der erste dieser Wochenberichte datiert vom 23. März. Hier entstanden Kosten für die „Aufeisung des Rechens“ , für "Aufsicht und Wache beym Rechen“, die Lieferung von „20 Stück runde Bäume zum Rechen-Verzug, incl. Aussschleyfferlohn“, sowie „ Zimmer-Lohn, die Rechen-Bäume zu lochen – Tagelohn 4 Tage a 4 Groschen, Seidel bey Verziehung des Rechens, Tagelohn 3 Mann 2 Tage, so dergl. Arbeit mit verrichtet, Sachßen dergl. auf 2 Wochen“, für „fichtene Riegel in die Verzieh-Bäume, 1 Scheffel Floß-Weiden, 1 Floß runde Bäume von Cahla bis Kösen zu fahren, Ausschleiffer-Lohn“. Für die Aufsicht erhielt der Rechenwärter wöchentlich 1 Taler, 6 Groschen.

Die Nachricht, dass der Rechen betriebsbereit sei, wurde durch Floßboten den Aufsehern an den Einwurfstellen überbracht. Bereits in der folgenden Woche trafen hier die ersten 600 Klafter ein. Zum Ausschleppen auf dem oberen Holzplatz, der hinteren Mühlwiese, wurden drei Arbeitskolonnen mit den Vorarbeitern Schacke, Hofmann und A. Beyer eingesetzt. Die Kolonne erhielt für jeden richtig im Klaftermaß aufgesetzten Stapel einen Leistungslohn von 8, 10 oder 12 Pfennigen, wobei aus den Abrechnungen nicht hervorgeht, nach welchen Gesichtspunkten diese Differenzierung erfolgte.

Außerdem entstanden Kosten gegenüber „dem Zimmer-Meister Thieme, welcher eine neue Brücke auf dem Ober-Platze über die Quelle verfertiget, 2 neue Clammern, Tagelohn Sachse u. Cons. so denen Zimmer-Leuthen Handreichung gethan, vor 13 Stück runde Bäume auszuschleiffen dem Wirt Knorrn". Das war der Pächter des Salinengasthofes, der dafür seine Pferde zur Verfügung stellte.

In der dritten Woche kamen 706 Klafter an, die auf dem oberen Holzplatz von den Kolonnen von Puffendorff, Gräfe und Büchner ausgeschleppt wurden. Zu Beginn der Flöße wurden die Kolonnen abwechselnd eingesetzt, womit alle Arbeiter nach der Winterpause nach und nach in Lohn und Brot gebracht werden konnten. An Zusatzausgaben wurden nur 2 Taler vermerkt „vor eine neue Eiß-Säge“ und für den „Tagelohn Sachsen u. Cons. so bey Tag als Nacht am Rechen gewachet“. Man erwartet also dass Eintreffen größerer Mengen und war bereit diese sofort auszuschleppen, damit kein Stau entstand der den rechenschädigen könnte.

Vom 13. bis 18. April registrierte Cunis 465 Klafter und setzte dafür die etatsmäßigen Kolonnen von Schacke, Hahnemann, Beyer, Puffendorff, Gräfe, Büchner, G. Filtz, Streuber, Glocke, Francke, Graul und Weineck ein. Eine weitere Kolonne besorgte das „Nachstöhren“ der Scheite, d. h. dass man mittels Hakenstangen die Scheite zum Ufer bzw. zur kleinen Saale dirigierte, wo sie zu den unteren Stapelplätzen am Scheitbach kamen.

In der darauf folgenden Woche waren es 681 Klafter, für die drei Kolonnen (Chr. Filz, Streuber, M. Schmidt) genügten. Hier vermerkte der Wochenzettel Ausgaben für „des Hr. Floß-Meister-Schreiber Neufänger, so 1 Tag bey dem großen Waßer die Aufsicht geführt“ und „vor Brandwein denen Tagelöhnern“. Auch in der Woche vom 27. April bis 2. Mai reichten drei Kolonnen (Francke, Graul, Weineck) für die insgesamt 572 Klafter. Außerdem erhielten „Sachse u. Cons. so die Scheit nachgestöhret und Späne am obern Rechen ausgeworffen“ 1 Taler, 18 Groschen Tagelohn.

Eine große Menge wurde in der ersten Maiwoche registriert. Um die 1479 Klafter am oberen Holzplatz auszuschleppen, wurden alle 12 Kolonnen aufgeboten. Allerdings differierte die Anzahl der von jeder Kolonne aufgesetzten Stapel recht stark. Während Schackes Kolonne 31 Stapel aufsetzte, waren es bei Glockes Kolonne 212 Stapel. In dieser Woche begannen „Schäufler u. Cons. den Scheit aus dem Scheit-Bache auszuräumen“, um das Gerinne für eine ungehinderte Abflöße herzurichten.

In der zweiten Maiwoche trafen 1762 Klafter ein, für die wieder alle Kolonnen benötigt wurden. Diesmal wurde ein Teil der Scheite zum unteren Holzplatz an der kleinen Saale und zum Holzplatz der Saline dirigiert. Dazu wurde am Rechen ein Durchlass geschaffen und die Scheite trieben unter Aufsicht der „Nachstöhrer“ zum Einfall der kleinen Saale. Hier verhinderte ein zweiter, kleinerer Rechen, dass diese über den Wehrdamm gingen.

In der gleichen Woche wurden 1946 Klafter umgeschlagen, d. h. dass diese Menge von den herzoglichen Floßbeamten den kursächsischen nach entsprechender Vermessung übergaben und die nun zur Weiterdrift in den Scheitbach eingeworfen wurden. Der Umschlag und Einwurf wurde nicht im Gedinge sondern im Tagelohn abgegolten. Jeder der hier an sechs Tagen hintereinander eingesetzten 20 Arbeiter erhielten dafür 6 Pfennige am Tag.

Auch in der dritten Maiwoche kamen 1457 Klafter an, die auf dem unteren, den oberen und dem Holzplatz der Saline ausgezogen wurden. 4 Taler Tagelohn erhielten „Sachsen u. Cons. welche die Scheit am Ufer eingeräumet, die Späne ausgeworffen und die Scheit nachgestöhret“.

In der letzten Maiwoche erreichten 3580 Klafter den Rechen. Neben den bisherigen Plätzen wurde nun auch ein Platz am Brauhaus belegt. Umgeschlagen wurden in dieser Woche 1965 Klafter und die Kolonne von Sachse mußte „die Scheit von dem Cuculauer Grieße u. Wiese“ einräumen.

Vom 1. bis 6. Juni erreichten noch 719 Klafter den Rechen, dafür wurden 1914 Klafter zur Abflöße gebracht. Eine Kolonne musste Scheite auf der Kukulauer Wiese einsammeln und den Rechen vom Kleinholz befreien. In der 2. Juniwoche waren es 610 Klafter, in der darauf folgenden Woche nur noch 122. In den folgenden drei Wochen trafen gar keine Scheite mehr ein. Dagegen wurden das Gros der auf Stapel stehende Scheite wieder zur Abflöße gebracht. Erst ab dem 13. Juli lagen kleinere Mengen vor dem Rechen. Zwischen dem 20. und 25. Juli waren es ganze 62 Klafter, dagegen wurden im gleichen Zeitraum 637 Klafter wieder eingeworfen.

Ende Juli erhöhte sich wieder die ankommende Menge, die nunmehr vollständig zum unteren Holzplatz gebracht wurden. Im August kamen 4322 Klafter an, von denen erneut ein Teil direkt am Salzwerk ausgeschleppt wurde. Umgeschlagen wurden im gleichen Zeitraum 7064 Klafter. Außerdem wurden 63 Klafter Ausschußholz zur Landesschule geflößt.

Im September trafen noch 2689 Klafter ein, im Oktober waren es 1315, im November 1118 und im Dezember 161. In diesen Monaten wurden insgesamt 10909 Klafter wieder eingeworfen.

Der letzte Wochenzettel des Jahres datiert vom 21. bis 24 Dezember. Hier wurden die Rechenbäume und die Zwingen gezogen, an Land gebracht und eingelagert, der Scheitbach gesäubert und das Bruchholz aufgesammelt und auf Haufen gesetzt.

Fasst man die 40 Wochenzettel zusammen, die der Floßschreiber Albert Cunis gewissenhaft geführt hatte, so ergibt sich eine Menge von 24.291 Klaftern die ausgeschleppt und auf Stapel gesetzt wurden, nach heutigen Maßstab über 80.000 Festmeter. Das Salzwerk erhielt 1587 Klafter (5300 Festmeter) und das Brauhaus 163 Klafter (rund 500 Festmeter). Die Gesamtausgaben des Stapels beliefen sich auf 1757 Reichtaler, wovon der größte Teil als Lohn gezahlt wurde.

Über das Jahr wurden in ungleicher Verteilung 28 Kolonnen beschäftigt, am Rechen Sachse, auf dem oberen Holzplatz Schacke, Hahnemann, A. Beyer, Puffendorff, Gräfe, Büchner, H. Filtz, Sträuber, Glocke, Francke, Graul, Weineck, auf den unteren Holzplatz Jäger, Wagner, H. Beyer, Zedel, Schauganß, M. Schmidt, Chr. Weise, Darnstedt, A. Schmidt und für verschiedene andere Aufgaben Chr. Filz, Schäufler, Jauch, Otte, Seidel und Stöckel. Leider geht aus den Unterlagen nicht hervor, wieviel Männer zu einer Kolonne gehörten. Die Arbeiter wurden im Gedinge entlohnt, wobei die schwere Arbeit des Ausziehens und Aufsetzen der Stapel etwas besser als der Einwurf und die übrigen Nebentätigkeiten bezahlt wurden. Der Lohn musste aber auch ausreichen, um die Monate in denen nicht geflößt werden konnte, zu überbrücken. daher war das Leben karg und ärmlich und noch schwieriger wurde es, wenn die Flöße durch Witterungsunbilden oder Kriegszüge beeinträchtigt war.

Doch die Organisation der Brennholzflöße war insgesamt recht schwierig. Probleme bereitete immer wieder das zeitliche Zusammenfallen mit der Langholzflöße. Idealerweise wurden mit einsetzender Schneeschmelze und dem Aufbruch des Eises die Langhölzer ins Wasser gebracht. Von der obersten Einbindestelle bei Harra brauchten die Flöße 7 bis 10 Tagen bis zum Kösener Wehrdamm, um rechtzeitig die Holzmesse zu Palmarum zu erreichen.

Doch oftmals spielte das Wetter nicht mit. Zu spät oder früh einsetzende Schneeschmelze brachte den Ablauf der Flöße durcheinander. War die fiskalische Flöße einmal im Gang und die Rechen geschlossen, hatten die Langholzflöße das Nachsehen und blieben oft wochenlang liegen. Notgedrungen verkauften die Flößer daher das Holz direkt an den Anbindestellen, auch unter Hinnahme von finanziellen Verlusten. Das wiederum schmälerte auch den Kösener Zoll und das Saalecker Geleit, weil es nur von Flößen erhoben wurde, die über den Wehrdamm gingen.

Der Vorschlag der Floßbeamten, den Rechen nur soweit zu schließen, dass man die für den Kösener Stapel bestimmten Mengen auffangen kann wurde abgelehnt. Erst als im Jahr 1809 der Rechen bei einem Hochwasser völlig zerstört wurde und die Teilhaber der „Commun-Flöße“ von einem kostspieligen Wiederaufbau Abstand nahmen, ging man dazu über.

Als dann 1815 die kursächsischen Ämter und Stifte Pforte, Naumburg, Freyburg, Weißenfels und Merseburg an Preußen kamen wurde das Floßamt der Steuerbehörde angegliedert und Preußen trat in den Vertrag mit den sächsischen Herzogtümern ein. 1818 wurde der Vertrag modifiziert, zumal sich die Mengen nach der Umstellung der Salinen Kösen, Dürrenberg und Halle auf Kohle erheblich vermindert hatten. Demnach wechselten sich Preußen und Sachsen-Altenburg jährlich mit der Vorflöße ab, die am Unterneusulzaer Rechen endete. Belegt wurden neben Unterneusulza, Camburg und die großherzogliche-weimarischen Stapel Jena und Dornburg. Zunächst übernahm Preußen die Weiterflöße und die Belegung der Holzplätze Kösen, Naumburg, Weißenfels, Merseburg, Holleben und Halle. 1830 wurde der Kösener Stapel aufgegeben und das Floßamt geschlossen. Preußen zog sich aus dem Scheitholzhandel zurück und überließ der altenburgischen Flöße die Belegung der Holzplätz. Mit dem Verbot der ungebundenen Flöße über die Unstrutmündung hinaus, und der Inbetriebnahme der Thüringischen Eisenbahn, endete die Scheitholzflöße an der Ilmmündung und hörte mit der Inbetriebnahme der Saaletalbahn endgültig auf.

T. Budde

2015