Der lange Weg zur eigenen Kirche

Als das preußische Ministerium für geistliche Angelegenheit im Jahr 1867 die Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde Kösen-Pforte genehmigte, war dies der Abschluss eines langen und beschwerlichen Weges, der bereits kurz nach der Besiedlung des Dorfes Neu-Kösen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann. Die Einwohnerschaft war nach Pforte eingepfarrt, wo die Gottesdienste, Kindstaufen und Beerdigungen stattfanden. Neben dem beschwerlichen Weg, reichte der Platz in der dortigen Kirche für die anwachsende Bevölkerung Kösens bald nicht mehr aus.  

Daher wandtet sich die Einwohnerschaft von Neu-Kösen  den Landesherren August den Starken, mit der Bitte, ihnen den Bau einer eigenen Kirche und die Anlage eines Friedhofes zu gestatten. Doch lassen wir sie da selbst zu Wort kommen

(Der Text ist, soweit es für das heutige Verständnis erforderlich ist, geringfügig verändert worden, Anmerkungen sind gesondert gekennzeichnet).

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König und Churfürst, Allergnädigster Herr

Ew. Königl. Majest. und Chur-Fürstl. Durchl. vielgepriesene Gnade und landesväterliche Vorsorge vor Dero getreue Unterthanen sowohl die allergnädige Intention, die Sie von Ihrer Seelen-Wohlfahrt tragen, liegt so bekannt und offenbar zu Tage, daß wir getrosten Muths mit allerunterthänigster Devotion Deroselben vorstellen, wie wir uns über den Mangel eines Gottes-Haußes , woran doch das größte Stück unsrer Gemüths- und Seelenruhe dependiret, allerunterthänigst zu beklagen, Ursache haben.

Es sind um etliche 100 Personen die allhier in Kösen wohnen, bey Dero Saltz-Wercke und Flöße arbeiten und sich sonst häußlich niedergelassen. Es wächst auch die Gemeinde fast täglich an und deren Anzahl wird immer mehr vergrößert, wie denn beynahe 400 Personen sich hier befinden sollen. Alleine das eintzige und vornehmste Stück ermangelt, daß wir biß daher mit keinem Gottes-Hauß versehen. Denn obgleich wir in die Kirche zu Pforte zu gehen vormahls angewiesen worden, so kommen doch itzo so viele Beschwerungen und Hinderniße vor, daß der meiste Theil an Fest- und andern Tagen des Herrn zu Hauße zu bleiben unvermeidlich genöthigt wird, in mehrer Erwägung, daß 1.) über ½ Stunde in die Pforte zu gehen und ebensoviel Zeit zum Rückgang erfordert wird, dahero auch wegen allzu großer Enge der Zeit die Nachmittags-Predigten gar wenig besucht werden können.

2.) werden zur Winterszeit und wenn Regen-Wetter einfällt, auch der Weg nicht recht wohl zu passieren ist, die Kleider und was mit saurer Mühe hierzu angeschafft wird, auf einmahl ruiniret und verdorben. Dazu kömmt daß

3.) die Gemeinde oder etliche in der Kirche durch die Nässe erkälten und kranck werden kann, ja wenn auch gleich

4.) die hiesige Gemeinde der Predigt und den Gottes-Dienst zur Pforte beywohnen will (von alten Personen, so ohnedies gar nicht fortkommen können, ist gar nicht zu gedencken) so sind doch wegen der vergrößerten Anzahl der Leute die Stühle von der Cantzel soweit entfernt, daß sie den Prediger nicht wohl vernehmen, hinfolglich wenig Nutzen daraus ziehen können, zu geschweigen, daß

5.) bey den Gebrauch des Hlg. Abendmahls die Ordnung ohnmöglich suspendiret und auf eine andre Zeit ausgesetzt bleiben muß, wodurch die vorgesetzt Andacht mercklich verhindert wird. Überdieß und wenn darauf einige aus unsrer Mitte die Schuld der Natur bezahlen müssen, so haben die Hinterbliebenen

6.) das größte Bedencken und die meisten Sorgen, wie sie die Verstorbenen beerdigen sollen, denn dieselben in die Pforte fahren und tragen zu laßen, machet wieder Kosten, zumahl auch über dasjenige so den geistl. Inspectorii gebühret, dem Cantor und deßen Präcantor, jeglicher seine Mühe besonders will bezahlt haben und allhier sind wir mit keinen Gottes-Acker versehen, zu geschweigen, daß

7.) die Alumni (Schüler) in der Pforte, da nun weit mehr Leichen als zuvor zu beerdigen sind, bey Begleitung derenselben zu ihrer Ruhe-Städte gar mercklich an ihren Studii verhindert werden. Hierzu ereignet sich

8.) dieser weitere Umstand, daß der Gottes-Acker der Pforte von einen so kleinen Raum ist, daß fast kein Körper mehr beerdigt werden kann, mithin nothwendig ein Orth zum Gottes-Acker allhier nöthig. Wann hierbey so viele trifftige und Haupt-Bewegungs-Gründe Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. wir allerunterthänigst bitten, diese unsere angeführten beweglichen Umstände in allergnädigste Consideration zu ziehen und sofort die gemessenste Verfügung ergehen zu lassen, daß wir sowohl mit einem Gottes-Hauß und Todten-Acker versehen werden möchten.

Wir versichern uns bey unsern allerunterthänigsten Gesuch allergnädigsten Gehörs umso mehr, je deutlicher wir unser ohnmaßgebliches Gutachten und wie allenfalls das Haupt-Werck zur Consistenz gebracht werden könnte, hierdurch an Tag zu legen, die Freyheit ausbitten wollen.

Es ist nicht nur eine alte Capelle (Anm. Ruine des Klostervorwerkes, das heutige Romanische Haus), sondern auch ohnweit des hiesigen Floßhauses (Anm. am linken Ufer rechts neben der Saalebrücke) ein räumlicher Platz vorhanden, so beydes sich gar wohl zu einen Gotteshause aptiren lassen sollte. Da nun das Holtz, Seine, Kalk, Ziegel und andre Materialien allhier vor ein gar leidlichen und civilen Preiß zu haben, so sollten wir allerdings dafür halten, daß gestallten Sachen nach vor 2000 Reichsthaler ein feines Gottes-Hauß davon erbaut werden könnte. Wir haben des Endes hierbey einen Abriß anschließen wollen (leider nicht erhalten), darob zu ersehen ist, wie die Kirche an denen in Vorschlag gebrachten Orthen zu Neu-Kösen ohnmaßgeblich erbauet und angebracht werden könnte. Damit aber die Kosten nicht allein auf die Schule reduciren, oder von deren Intraden genommen werden mögen, so sind wir des allerunterthänigsten Erbiethens , die Hälffte zum hiesigen Kirchen-Bau aus unsern eigenen Vermögen und Mitteln, um den zu Gottes Ehren gerichteten Zweck zu erreichen, beyzutragen, da dann hoffentlich nicht zu beschwerlich fallen dürfte, wenn die andre Hälffte von der Schulen Nutzungen…. genommen werden möchte. Angewendet werden könnte auch durch eine allergnädigste Collecte der Kirchen-Bau um soviel eher befördert und zu Stande gebracht werden.

Wir verhoffen, daß dieser ohnmaßgebliche Vorschlag billig und zu vieler Erleichterung bey diesem gottgefälligen und guten Wercke nicht undienlich seyn soll. Inmaßen wir denn auf soviel die Bemühung des Herrn Inspectoris betr. uns sämtlich dahin entschloßen und determiniret haben, hierzu pro rata beyzutreten und jährlich ein Gewisses dafür auszusetzen (die Übernahme eines Teils der Kosten für den Pfarrer).

Wann nun Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. daß aus den hiesigen Saltz-Intraden inmaßen denn…. bey diesen Saltz-Quellen ein reicher Segen weiset, etwas weniges hierzu beygetragen werden sollte, allergnädigst zu verfügen geruhen wollten, so würde die Sache sonder einiger Schwierigkeiten zur schleunigen Wircklichkeit gebracht werden können.

Ew. Königl.Majest. aber werden uns hierunter eine solche Gnade erweisen, die wir mit der allergrößten Devotion zeitlebens rühmen werden….dieses Gott beliebte Werck hoffentlich gnädig ansehen und mit viel Segen belohnen wird. Es könnte auch bey dieser Sache die schönste Gelegenheit geben, daß die filia ambulatoria zu Roßbach, welche pro anno Klein-Jena (zu)erkannt, mit der Zeit hierher gewiesen. Hinfolglich der bisher gedauert Kirchen-Jurisdictions-Streit und alle die daraus resultirende Weitläuffigkeit auf einmahl gehoben, dem Hr. Inspectorius dadurch eine Zulage gemacht werden.

Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. Hochpreißl. Ober-Consistorium wolle doch dieses unser umständliches Vorstellen und Gutachten zugleich mit zu Herzen nehmen und diese wichtige Sache, worauf unser ewiges Wohl mit beruht, durch seine hohe Officia zu befördern, die Gnade vor uns haben, dahingegen wir bis an das Ende unsres Lebens mit der größten Devotion verharren.

Ew. Königl. Majest. u. Churfürstl Durchl. unterthänigst, gehorsamst

Neu-Kösen den 9. Mart. 1734

Georg Hartig, Emanuel Martini, Johann Schröter, Johann Christoph Hollstein, Lorentz Triebel, Christoph Reichmeister, Christian Schröter, Lorentz Starcke, Gottfried Wilhelm Bürger, Michael Otto, Andreas Beyer, Andreas Thieme, Christian Matthesius, Christian Puffendorf, Christoph Gause, Peter Nicolai, Nicolaus Rose, Christian Beyer, Johann Christian Besser, Christian Heynel, Georg Christoph Reiße, Hans Christoph Reiche, Hans Peter Otto, Johann Christoph Euerling, Hans Adam Breller, Christoph Tostleben, Catharina Müller-Witwe, Hans Georg Seidler, Elisabeth Nötzold, Christina Jäger.

(Quelle LHA SA D 34 Anhang 2 Nr. 2182)

Die Bitte wurde dem für Kirchenangelegenheiten zuständigen Ober-Konsistorium zur weiteren Bearbeitung überlassen. Diese verlangte nun vom geistlichen Inspektor des Schulamtes eine Stellungnahme. Der widersprach einer eigenständigen Kirchengemeinde auf das Entschiedenste, weil dann seiner Pfarrei ein erheblicher Einnahmeverlust drohe. Außerdem würden ihm erhebliche Beschwerlichkeiten erwachsen, wenn er eine Filiale in Kösen betreuen müsse. Darüber hinaus sei die Gemeinde keinesfalls in der Lage, Mittel für den Bau einer Kirche aufzubringen, geschweige denn, sich einen eigenen Pfarrer zu leisten oder dem aus der Pforte die Kosten zu erstatten, wenn er sich zum Gottesdienst, zu Kindstaufen, Hochzeiten und Beerdigungen nach Kösen begab. Auch der vorgeschlagene Standort neben dem Gasthof passte den Schulbeamten überhaupt nicht. Doch das Konsistorium war unschlüssig, ob sie dem Ersuchen der Gemeinde oder der Begründung des Schulamtes folgen sollte und wandte sich an den hiesigen Floßbeamten. Deren Stellungnahme ist gleichfalls erhalten geblieben.

Datum: Kösen, den 25ten December 1735

Wegen vorhabender Erbauung der Kirche zu Kösen hat angezeiget werden sollen

1.) der Ort wohin sich solche am füglichsten schicken möchte,

2.) was an Baukosten hierzu erfordert werden dürffte,

3.) was eine jede, so wohl angeseßne, als sonst in Kösen wohnhafft sich befindende Person insonderheit freywillig beyzutragen gesonnen.

Hierauf wurde nun gantz ohnmaßgeblich erinnert, vorgeschlagen

ad 1.) wäre zwar ein Platz zwischen dem Floß-Hause und dem Bäcker Hollstein (Anm. der heutige Kirchplatz) auf den Schulen-Acker über der Saale-Brücke und jenseits des Saltz-Wercks nach ehemaliger Intention darzu einzunehmen, es finden sich aber darbey folgende obstanta:

a.) wegen hart vorbey gehender Straße, so die gemeinen Leute wegen des Gottes-Ackers und ansichtigen Gräbern bey Nachtzeit furchtsam macht,

b.) des tiefgelegenen Grunds und zu beyden Seiten befindlichen Häusern und hohen Berge, darzwischen die Kirche sehr verstellet würde,

c.) daß die Glocke, so doch viel Geld kosten, ihren rechten Thon und Schall nicht haben und schlecht zu hören seyn würden,

dargegen aber die alte noch stehende Capelle beym Gasthoffe noch am allerbesten hierzu gelegen ist und sich schickt, weil das Fundament mit tiefen starcken Mauern allda bereits vorhanden, so besonders aufzuführen viele Kosten erfordert.

Es kömmt denen Catholiken welche bey ihrem Vorbeyreisen davon räsonieren aus dem Gesicht. Eine neue Kirche aber an diesem Ort fället im Gegentheil bey allen vorbey reisenden Menschen auf guten Andruck in das Gesicht und weil selbige auf die Höhe zu stehen kömmt, so fället jedermann vortrefflich in die Augen und bekommt einen herrlichen Prospect. Die Glocken können weit gehört werden. Ein Stückgen Feld zum Gottes-Acker liegt gleich daran und kann zum Kirchhof umgeschlagen werden.

Es ist allbereit ein Bet-Haus und heiliger Ort gewesen und also löblich, wenn es hinwieder darzu eingenommen wird und gegen vorherigen römisch-catholischen nunmehr lutherischer Gottes-Dienst allda gehalten wird.

Es hat der große Gott einen reichen Saltz-Segen in Kösen uns zu Gebrauch nunmehro gegeben, diese Capelle stehet gleich im Mittel der beyden Saltz-Brunnen, ja sogar auf über denen darunter streichenden Saltz-Quellen, gleichsam als wenn solche Capelle darzu ersehen und an diesen Ort geleget worden, darinnen Gott vor solche Wohlthat gepriesen werden solle. Eine Scheune als wozu gedachte Capelle zeithero gebrauchet worden, kann dargegen von solcher Größe der Schule benöthigten Falls an einem andern Ort hinwiederum erbaut werden, zumahlen diese Scheune in Zukunft ohnedem von diesen Orte weg und an einen andern Ort gebracht werden muß, desgleichen auch der Gasthoff, sammt der Schäferey, wegen Platz bey Erweiterung des Saltz-Wercks künfftig unumgänglich von Nöthen sind, mehrere Kothe und Saltz-Magazine allda anzurichten. Es ist bereits mit denen Saltz-Wercks-Gebäuden dieses alles umschloßen, der Gasthoff liegt wegen Entlegenheit der Straße ganz unbequem und hat viel Schaden. Es ist der Schule viel nutzbarer, diese Gebäude gegen billige Bezahlung dem Saltz-Werck zu überlaßen und selbige an andern Orts bequemer anzulegen als dasselbige das schönste Weitzen-Feld unten in der Aue darzu vollends hergeben solle. Und in Summa so kann die Schule

1.) bey der Scheune,2.) mit der Schäferey und Schafstalle besonders 3.) bey dem Gasthoff durch die Verlegung an andern Ort viel bessere Commodität finden, große Nutzbarkeit erlangen, ob sie bis anhero gehabt und zukünfftig an diesen alten Ort nicht haben könnte.

ad 2.) wenn die Quaestion ihre Richtigkeit hat, nehmlich daß die Kirche oder Capelle würcklich erbaut werden soll, auch vornehmlich ausgemacht werden, wo die Kosten hierzu erlangt werden sollen, alsdann wird auch der Anschlag über den bereits gefertigten und zum Höchlöbl. Ober-Consistorio nach Dresden eingeschickten Riß, gar bald zu machen sey.

quo ad 3.) werden sämtliche in Kösen wohnhaffte Personen auf einmahl nicht wohl zusammen in die Pforte zu bringen seyn, weil die meisten in der Saltz- und Bergwercks-Arbeit stehen, davor nicht wohl abkommen und versäumen können, dahero ohnmaßgeblich vorgeschlagen wird, die Zusammenbringung in loco unschwer anzustellen und gegen behörigen Vortrag und fleißige Ermahnung ihre endliche Erklährung zu vernehmen und ad protocollum zu bringen.

Da denn folglich fernerweit nöthige Anstalt zu diesen Vorhaben mit Gott gemachet werden könnte, welches allerdings höchst von Nöthen, Gott zu Ehren und denen Menschen aber zu Nutz und Frommen, wie vorher bereits übergebenen Schreiben und Vorschlägen mit mehrerer Motion umständlich angezeiget worden ist.

Georg Hartig, Emanuel Martini

Daraufhin erklärte das Ober-Konsistorium, dass es aus ihrer Sicht keine Hinderungsgründe gäbe, eine eigene Kirche samt Gottesacker und Pfarrstelle einzurichten. Voraussetzung sei aber, dass die Gemeinde eine verbindliche und beglaubigte Erklärung abgibt, dass sie alle Kosten dafür übernehmen würde. Doch das lehnten die Mehrheit der Einwohnerschaft ab. Der karge Lohn reichte ja oftmals gerade so zum Überleben. Eine Beteiligung am Kirchenbau und auf Dauer am Unterhalt eines eigenen Pfarrers, überstieg die Möglichkeiten der Einwohner. Die Bemühungen der Floßbeamten und einiger besser gestellter Einwohner waren unrealistisch und so musste man dem Schulamt mitteilen:

An Herrn Inspector Dr. Walter und Herrn Rath Spindler

Ew. Hochehrwürden und Hochedelgeboren haben denen Innwohnern alhier vermittelst Comminication eines allergnädigsten Befehls unterm dato Dresden den 25. Aprilis 1735 intinuirt, daß selbige auf morgigen Tag anhero kommen und wegen einer zu erbauenden Kirche das Nöthige expediren wollen.

Ob nun zwar wohl wir von Hertzen wünschen möchten, daß wegen des uns sehr beschwerlich fallenden Gottesdienstes eine Erleichterung gemachet werden könnte, auch zu dem Ende aus unsern wenigen Vermögen etwas zu contributiren wollten, so finden wir doch nach genauer Überlegung das Werck eine neuen Kirche zu erbauen , gantz unpractcabel ist.

1.) sind zeithero unter denen Herren Commissaren dieser Kirche wegen bereits so viel Zwistigkeiten entstanden, daß dadurch das gute Werck sich auf etliche Jahre aufhalten laßen müßte, wir sehen auch

2.) im Voraus, daß wenn wir von dieser Sache nicht abstrahiren, noch weit mehr Verdrießlichkeiten heraus kommen möchten, gleich wie auch

3.) uns durch Erbauung einer neuen Kirche keine Linderung gemacht werden kann, indem wir doch nach wie vor auf den gartsigen und weiten Weg in die Pforte gehen ujd allda den Gottesdienst abwarten müßten, so daß uns und denen übrigen Innwohnern allhier ein neue Kirche ohne Priester so viel und noch weniger entgeht, als wenn eine Glocke ohne Klöppel hingehängt würde, und zu dem ist

4.) leyder mehr als wohl bekannt in was vor unnöthige Processe die Innwohner allhier mit dem Schul-Amt Pforta wegen neuerlich ihnen auferlegter Lehens-Gelder, Frohn-Bauten, auch andere gantz unzuläßige Dinge gestürzet worden, dergestalt, daß solche bereits nicht wissen, wo sie so viel Kosten zu diesen unnöthigen Processen hernehmen sollen und wenn diesfalls nicht die gerechteste Einsicht geschieht, sie ohnedem davon gehen und das ihrige stehen laßen müßen. Da nun solchergestalt

5.) die Innwohner allhier gantz inerviret und zu diesen Kirchen-Bau nunmehro nicht das mindeste contributiren können, wir aber solches Werck alleine zu vollbringen nicht im Stande sind, als wollen Ew. Hochehrenwerte und Hochedelgeborne uns hiermit expresse declariret haben, daß wir pro nano diese gantze Sache in Statu quo laßen und weiter keine Kirche haben noch weniger hierzu etwas contributiren wollen.

Dahero solchergestalt wohl unnöthig seyn möchte, sich diesfalls anhero zu bemühen und wegen dieses Kirchen-Baus eines und das andere zu überlegen.

Die wir außerdem mit besonderen Respect beharren

Kösen, Marty 1736       pp Johann Fr. List, Georg Hartig, Emanuel Martini

Dreißig Jahre später wurde die Einrichtung einer eigenen Kirche wieder erwogen, nachdem der geistliche Inspektor signalisiert hatte, unter gewissen Bedingungen, auch eine Filialkirche im Dorf Kösen zu betreuen. Deshalb trug die Gemeinde ihre Bitte dem Prinzregenten und Administrator Xaver vor. .

Kösen, den 4ten Octbr. 1764

Durchlautigster pp.

wollen in höchsten Gnaden geruhen Ihroselben hierdurch in der tiefsten Erniedrigung vortragen zu dürfen, welchergestalt es bereits vor etliche 20 bis 30 Jahre in Wercke gewesen, daß hiesige Gemeinde Kösen, welche sich seit der neuen Anbauung dieses Fleckens des Gottes-Dienstes und der Factorum in der Schul-Pforta bedienet, ein Gottes-Haus allhier errichten wollen, welches aber durch verschiedene von der Geistlichkeit zu Pforta erregte Widersprüche und so viel uns davon noch bekannt, besonders dieserhalb rückgängig worden ist, weil wir dazumal einen neuen Priester darzu verlangt haben, die Geistlichen zu Pforta aber geglaubt, daß ihnen an ihren Accidentien dadurch vieles entzogen würde und sie in ihrem jure quaesto beeinträchtigt würden.

Nachdem nun gnädigster Fürst und Landesadministrator die vormals sich hervor getanen obstaculae nunmehro größtentheils cessiren, indem der jetztmalige geistl. Inspector Walter zu Pforta zu Beförderung dieses zu Ehren Gottes, Ausbreitung seines allein seligmachenden Wortes und des ewigen Heyls, so vielmehr durch das allertheuerste Jesus-Blut erlöseten Seelen gereichenden Vorhabens sich nicht nur erboten, den Gottes-Dienst in Predigten und Administrirung derer Kind-Taufen, Copulationen und Beerdigungen gegen ein billiges jährliches Salarium allhier zu verrichten, sondern auch sonsten die Sache auf alle nur mögliche Weiser erleichtern zu helfen, als welches zeithero an der Besuchung des Gottes-Dienstes der Entlegenheit halber ohne unsere Schuld auf mannigfaltige Weise bestimmt worden und an der Seelen-Pflege vielen Abbruch erleiden müßen. In Betracht die Schul-Pforte von Alt-Kösen eine halbe Stunde und von Neu-Kösen ¾ Stunden entfernt ist, vornehmlich da es an nöthigen Ständern und Stühlen für Manns- und Weibs-Personen ingleichen für die Jugend in der Pfortaischen Schul-Kirche gar sehr fehlet und da hiesige Inwohner größtentheils aus Salz- und Floß-Bediensteten bestehen, selbige so weit nach der Kirche zu gehen, dieserhalb zum öftern abgehalten werden, weil der Saalen-Fluß oftmahls große Überschwemmungen verursacht und diese Leute bey Waßer-Noth sowohl wegen des Salz-Werckes als der Saalen-Flöße als sonsten zur Rettung und Hülffe beständig bey der Hand sein müßen, nicht zu geschweigen, daß an Fest-, Sonn- und Bußtagen, diejenigen von uns , welche in die Kirche gegangen durch das unterm Gottes-Dienst eingefallene Regen-Wetter durch und durch naß geworden, uns aber das Vermögen mangelt. anstatt derer durch den Regen verderbten Kleidung andere zu schaffen und daß bey Beerdigung derer Verstorbenen in naßer Witterung die Träger zum öffteren bis auf den halben Mann im Morast waten mit denen Leichen, zumahl, wenn sie schwer sind, zu fallen in Gefahr schweben und auch die übrigen Leichen-Begleiter sich denen hefftigen Ungewitern exponiren müßen, besonders aber die armen unschuldigen Kinder, wenn sie bey harter Winters-Zeit zur Tauffe getragen werden, diesen ganzen unbequemen Kirchweg empfinden und dadurch öffters an ihrer Gesundheit pelionitiret, ja sogar sich vielmahl solche Fälle ereignet haben, daß dieser oder jener des Sonnabends zur Beichte gegangen, des Sonntags aber das Allerheiligste zugewiesen, dieserhalb abgehalten worden, weil inmittelst der Saale-Strom aufgeschwollen, daß man ohne die größte Lebensgefahr des Sonntags nach Pforta nicht kommen können und dann gnädigster Landes-Administrator …. ein jeder unter uns herzlich seufzet, das Haus des Herrn in der Nähe besuchen zu können, gestalten sich bereits verschiedene gottesselige Herzen gefunden, die zu diesem Kirchen-Bau aus christlicher Milde ein ergiebiges widmen wollen, dergestalt, daß wir den freywilligen Betrag bereits über 400 Rheinl. Thaler hochrechnen können, das übrige Bedürfnis aber wir theils bei hiesiger Gemeinde, als welche seit 50 Jahren ziemlich angewachsen mit Hülffe Gottes durch Anlage aufzubringen gedenken, theils aber auch verhoffen, es werden Ew. pp in höchsten Gnaden zu concediren geruhen, daß auf unser zu beschehenes besonders Suppliciren auch das ganze Land eine Collecte zu diesem guten Vorhaben gesammelt werde, zumahlen da die Arbeiter bey den Salz-Wercken zum Nutzen des ganzen Landes arbeiten und dienen.

Als unterwinden wir uns Ew. pp hierdurch demütigst, fußfälligst anzuflehen, uns nicht nur die Erbauung einer neuen Kirche in höchsten Gnaden zu gestatten, sondern uns auch darzu sowohl als zu einen Gottes-Acker einen leeren und bequemen Platz , davon es allhier nicht mangelt, mildest anzuweisen zu laßen, auch u solchen Ende an Dero Bergrath Borlach allhier, als welcher uns dieses Gottes-Haus in Riß zu bringen und anzulegen erböthig ist, dem Inspectorem Walther und dem Amtmann Dr. Gutbier zu Pforta gemeßenst zu rescribiren.

Wir zweifeln an gnädigster Erhörung dieses submissesten Gesuchs umso weniger, da solches die Ehre Gottes, die Verherrlichung seines allerliebsten Namens, die Ausbreitung des allein seligmachenden Wort Gottes und unserer daraus zu genießenden Seelen-Pflege, als auch daß wir an eben dem Orte, wo Gott mit dem Salz-Wercke einen so gewünschten Segen gegeben, ein Haus hätten, in welchen wir ihm beständig dafür dancken könnten, lediglich zum Grunde hat, ja wir wollen auch dadurch in den Standt gesetzt an dem Orte, wo der Herr seines Namens-Gedächtnis gestifftet hat, den Segen des Höchsten für Ew. pp und das ganze Chur-Haus desto öffterer zu erbitten, als wovon wir bis an unsre Lebens-Zeit nicht ablaßen, uns bis dahin in tieffster Submission beharren werden.

Ew. pp,  Die Gemeinde daselbst

(LHA SA D 34 Anh. 2 Nr. 2731)

Natürlich wurden auch wieder die Schulbeamten zu einem Gutachten aufgefordert. Während der geistliche Inspektor an seinen Bedingungen festhielt, lehnte der Amtmann im Einvernehmen mit den übrigen Beamten am 12. Juli 1765 des gleichen Jahres das Ansinnen auf Auspfarrung rundweg ab. In dem Schreiben heißt es:

….. An die Bedencklichkeiten, welche von Seiten hiesiger Landschule vorfallen und vorzügl. in Erwägung gezogen werden müßen, scheinet die Kösener Gemeinde am wenigsten gedacht zu haben.

Ist aber bey allen Auspfarrungen das erste, worauf zu sehen ist, dieses, daß dadurch niemanden etwas entzogen werde, so haben die Kösner vor allen Dingen anzuzeigen, wie bei gebetener Auspfarrung

die Pfortische Kirche wegen des Cymbals, der Herr Diaconus wegen der Leichengebühren, der Herr Cantor wegen der Trauungs-und Leichengebühren, der Praecantor, der Organist theils wegen beyder Arten der Accidentien, theyls wegen einer der beyden, der Kirchner wegen der Trauungen, Leichen, Tauffen, Gevatternbriefe, Praeparation der Kinder, welche zum ersten Male zum Hlg. Abendmahl gehen sollten, Kösener Kinder die sonst keine Schule besuchen, des Neuen Jahrs und Umgang dessen, was ihm der Cymbal trägt seines Antheils, der Totengräber wegen der Kösener Leichen dergestalt schadlos gestellet werden sollen, daß ihnen von dem bißher genoßenen nichts entzogen oder ihr Amt und Beruf worin sie gesetzt sind deliviret werde.

Was das vergleichen mit dem geistl. Inspectore anbetrifft, so ist nicht genug, daß dieser aus Gefälligkeit damit zufrieden sey, sondern es muß auch wirklich der vermehrten Arbeit proportionirlich

und also beschaffen sey, daß auch keiner seiner Amts-Nachfolger damit unzufrieden zu seyn Ursache hat.

In Absicht auf den geistl. Herrn Inspector, welcher dies Suchen der Kösner unterstützt, ist wohl zu überlegen:

a.) daß der Charakter eines geistl. Inpectors ihn eher abhalten, als bewegen sollte, ein Filial zu suchen, vornehmlich auch um seiner Amtsnachfolger willen, der vielleicht zu diesem Project weniger Neigung hat,

b.)daß die bißherige ruhige Station eines geistl. Inspectors allhier beschwerlicher gemacht werde durch mehrere Predigten, durch viele Gänge nach Kösen, Predigens, Tauffens und der Leichen wegen,

c.) daß sowohl die Vermehrung der Beschwerlichkeiten, als die Neuerung wegen eines Filials manchen gescheiten Mann in Zukunft abhalten dürffte, ein Amt zu begehren oder anzunehmen, welches sonst durch ihn wohl versorgt werden könnte,

d.) daß nicht wohl zu übersehen ist, wie ein Filial von einem Pfortischen geistl. Inspectore ohne Nachtheil seines doppelten Amtes in Pforta zu allen Zeiten bestritten werden könnte, wenn er z. B. Sonntag nachmittags theologische Stunden und andre Examina halten soll und auch wohl einige dieser Amtsverrichtungen an weben diesen Tag in Kösen verlangt werden,

e.) daß auf den Fall einer Krankheit oder des Ablebens eines hiesigen geistl. Inspectoris niemand vorhanden, welcher seine Stelle in Kösen vertreten, denn der hiesige Herr Diaconus hat darzu weder Lust noch Zeit und ein andrer Geistlicher steht mit Kösen in gar keiner Connexion.

f.) daß große Beschwerlichkeiten nur eine Zeitlang können ausgehalten werden, aber weder schwächliche noch zu Jahren gekommene Personen, sind alle neue Beschwerlichkeiten aber nur dem also nicht scheinen, welcher sich darzu nöthiget,

g.) daß auch unsre Amtsnachfolger von uns fordern können, daß man ihnen keine Lasten, deren sie gar wohl entübrigt seyn könnten, aufbürden möge,

h.) da darauf, was jeden geistl. Inspectoris allhier vornehmstes Augenmerck die hiesigen Landschule seyn soll, er nichts zu verhängen habe, wodurch ein Mann gar sehr zerstreuet werden muß, welcher hauptsächlich für die Landschule bestimmt ist,

Was die Kösener Gemeinde vorstellt, bring eines theils zuviel, weil es nicht bloß Kösen, sondern einen jeden wo eingepfarrten Ort ebensoviel angehet, was aber soviel beweist, beweist das noch nicht sattsam, was es eigentlich beweisen soll. Dergleichen Umstände sind:

a.) die Entlegenheit - wie viel Eingepfarrte haben nicht noch weiter in die Kirche

Vielleicht scheinen die Kösener diese Entlegenheit nur bey dem Kirchgange, welcher wöchentlich etwa nur einmal geschiehet u fühlen, denn Handels und Wandels vor andrer Hantierungen und Verrichtungen halber siehet man täglich Kösner in Pforta, ohne daß man sie über die Entlegenheit klagen hört.

b.) die üble Witterung – dieser sind nicht nur alle eingepfarrten Orte, sondern auch alle, welche an den Orte wo Kirchen sind, wohnen, ausgesetzt. Wenn bei übler Witterung ein gutes Kleid nicht verderben soll, der zieht ein solches an, dem die Witterung so leicht nicht etwas schadet, und wenns so gar sauer wird, sich ein Kleid zu schaffen, wie kann sich der für reich genug halten, neue Kirchen bauen zu helfen.

c.) das Tragen der Kinder zur Tauffe biß Pforta – muß von allen Eingepfarrten und nicht selten noch viel weiter geschehen, schadet auch bey der gebrauchten nöthigen Vorsicht immer den Kindern nichts,

d.) das Begraben der Leichen bey bösen Wegen – den bösen Weg bey den Begräbnissen empfinden nicht allein die Eingepfarrten, sondern auch alle Leichenbegleiter und Träger in Städten,

Andre angegebenen Bedencklichkeiten scheinen übertrieben, desgl. sind:

a.) das jährliche Anlauffen kleiner Gewässer b.) das starke Austreten der Saale,

Nur einmal ist es seit ich hier bin geschehen, daß durch Überschwemmungen die Communication zwischen Kösen und Pforte wirklich getrennt worden, solche seltne Fälle aber sind wohl nicht von der Beschaffenheit, daß um ihretwillen wichtige Abänderungen vorzunehmen wären.

Überhaupt scheinen die Kösner sich nicht vorgestellet zu haben, daß Pforte ebensoviel weit von Kösen sey, als Kösen von Pforte und daß derjenige, welcher von Pforte nach Kösen soll, einerley Weg zu passiren und zu besorgen hat, welcher von diesen nach Pforte zu gehen hat oder sie sind nur wegen dieser Unbequemlichkeiten für sich besorgt, hingegen sehr wohl zufrieden, wenn der Pfortische geistl. Inspectoris sie alle empfindet und sein Leib und Leben ihretwegen waget.

Ob auch alle diese Unbequemlichkeiten, nebst dem Mangel an Kirchenstühlen in Pforte die wahren Ursachen sind, warum von denen Kösnern Pfortischer Gottes-Dienst so gar wenig besucht wird, ist auch solange zweifelhaft, ob andre Ursachen, welche wenigstens nicht unwahrscheinlich sind davon angegeben werden können und die Erfahrung lehrt daß in der Kirche sonntags immer mehr leere als von Kösnern besetzte Plätze in der Pfortischen Kirche zu sehen sind.

So sind auch die hier angegebenen Fonds zu Erbauung und Erhaltung einer Kirche noch lange nicht ergiebig genug. denn was sagen 400 Rheinl. Thaler oder Anlage, die man an einem Ort machen will, wo man die Leichen- oder Tauffgebühren entweder unter dem Vorwand der Unvermögens gar nicht entrichtet oder sie von einem Male zu andern erspart……..

(Quelle LHA SA D3 4 Anh. 2 Nr. 2731)

Doch Kursachsens Administrator stand der Bitte der Gemeinde aufgeschlossen gegenüber und ordnete an

An den Herrn Stiftsrath und Hochedelichen Schulinspectoren Herrn v. Berlepsch, Herrn Rectorum, auch den Pastoren und geistl. Inspectoren M. Walter, Herrn Amtmann Dr. Gutbier und Herrn Schulverwalter Franken

Von Gottes Gnaden Xaverius

Königl. Prinz in Pohlen und Lithauen, Herzog zu Sachsen pp. Chur-Sächs. Administrator

Würdiger bester Rath, liebe und getreue, wie ihr Unserwegen der Gemeinde zu Kösen zu Erbauung eines eignen Gottes-Hauses unterthänigst erbetene Concession, sub dato des 12. Decembris a. p. ertheilte Commissorial in Expedition gesetzt, was für Bedencklichkeiten sich hierbei ereignen wollen und weßen sich Impetranten in Ansehen sowohl derer jetzo zum Haupt-Bau, als künftigen erforderlichen Reparatur-Kosten, erbeten, auch wohin ihr darüber allenthalben euer ohnmaßgebliches Gutachten eröffnet. Davon ist Uns aus eurem unterm 12. letztverstrichenen Monaths Julius erstatteten Bericht geziemender Vortrag geschehen. Nicht minder haben Wir Uns euren, des geistlichen Inspectors in der Sache besonders erstatteten und der Gemeinde Suchen beyfälligen Bericht vortragen laßen.

Wie Wir nun bey denen von euch allerseits, besonders aber von euch dem geistl. Inspector angezeigten und gar erheblichen Umständen, dessen von der Gemeinde zu Kösen wiederholt gesuchte Concession, wenn die dagegen geäußerten Bedencklichkeiten völlig zu haben seyn möchten, in Gnaden zu ertheilen nicht ungeneigt sind und daher vor Faßung einer zuverläßigen Entschließung der Nothdurft befinden, daß in eurer Gegenwarth und im Beyseyn der Gemeinde, welche entweder visitim oder durch richtig constituirte Syndicos zu erscheinen schuldig, der Platz so zur Kircheund Gottesacker anzuweisen, durch geschworne Gewercken auszumeßen und nach Beschaffenheit des dazu bestimmten Platzes, sichere auch möglichste Einzeichnung derer Kosten gerichtete Anschläge und Riße zur Kirche gefertiget, sodann derer Einwohner legale Erklärung, auf was maßen sie die Kosten aufzubringen gedenken, so wohl wie sämtliche Spann- und Handdienste dabey zu leisten im Stande, nicht minder wie sie derjenigen Personen, so durch angeregte neue Einrichtung etwas an ihren Einkünften einbüßen zu indemisiren wollen ad acta thun laßen und nach obigen allen Erfolg darüber euren anderweiten pflichtmäßigen Bericht in welchen, durch wen inmaßen nicht wohl zu vermitteln, daß der jedesmahlige geistl. Inspector in Betracht der ihm bey der Landschule obliegenden doppelten Amts, den Gottes-Dienst und übrigen actus ministerialis in Kösen verwalten könne, obiges gut verrichten, hiernächst auch ob nicht daselbst ein ordentlicher zu confirmirender Schulmeister zu setzten und woher deßen Unterhalt zu nehmen, betuliche Vorschläge zu thun mit Wiederanfügung derer zurückkommenden Acten, baldmöglich erstatten.

Also begehren Wir in Vormundschaft Unsres Herrn Vetters des Churfürsten zu Sachsen hiermit gnädigst, ihr wollet euch darnach gehorsamst richten und dem genau das Nöthige besorgen.

Daran geschieht Unsre Meynung                                          

Dat. Dresden d. 30ten August                                                  Peter Freyherr von Hohenthal

                                                                                                              Emanuel Constantinus Reichel

(Quelle LHA SA D 34 Anh. 2 Nr. 2730)

Unter der Maßgabe, nicht nur die gesamten Kosten des Baues und der Unterhaltung der Kirche, sowie der Abgeltung der Dienste des geistlichen Inspektors sondern auch den Kirchendienern der Pforte alle ihnen entgehenden Gebühren zu erstatten, war die „Auspfarre“ wie bereits 30 Jahre zuvor zum Scheitern verurteilt.

Was blieb, waren die der Gemeinde zugewiesenen Plätze für die Kirche und den Gottesacker. Doch der Friedhof wurde erst 20 Jahre später geweiht und das auch nur weil auf dem Friedhof zu Pforte kein Platz mehr war.

Bis zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde dauerte es noch 100 Jahre. Da hatte die Einwohnerschaft von Kösen, die Zahl der in der Pforte Wohnenden schon weit überflügelt. Auf ein eigenes Gotteshaus musste man immer noch warten. Erst 1892 wurde hierfür der Grundstein gelegt und 1894 konnte die Lutherkirche an der Stelle eingeweiht werden, die man bereits 200 Jahr früher ins Auge gefasst hatte.

  1. Budde

2014