Anfänge des KSCV

Die Treffen der Studentenverbindung auf der Rudelsburg im Visier der Behörden

Der erste gesicherte Nachweis eines Treffens auf der Rudelsburg ist ein Eintrag im Fremdenbuch vom 17./20. Juli 1830 (n. Stangenberg), wonach sich 43 Studenten aus Halle zu einem Gelage trafen. Die nachfolgenden Treffen riefen die Aufmerksamkeit der Behörden hervor und es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr zwischen der Ortspolizeibehörde, dem Landratsamt zu Naumburg, der Königlichen Regierung zu Merseburg, der Provinzialbehörde in Magdeburg und dem Ministerium in Berlin. (Quelle: LHASA MD C 48 Ia Nr. 205)

 

Merseburg, 20. 06. 1835

An den Königl. Landrath Herr Lepsius, Wohlgeboren  zu Naumburg

Nach einer uns zugegangenen Nachricht hat am 1. Pfingstfeiertag auf der Rudelsburg eine Zusammenkunft von einigen dreißig Studenten aus Leipzig, Jena und Halle, denen sich Schüler aus Leipzig angeschlossen hatte, statt gefunden. Dieselben sollen die darauf folgende Nacht, nachdem sie durch den Gendarmen daran verhindert  sind, auf der Rudelsburg  zu verbleiben, in Saaleck und Kösen übernachtet haben, und zum Theil legitimationslos gewesen sein.

E. Exc. veranlassen wir, uns die näheren Umstände, und was Sie hinsichtlich der Legitimationslosen gethan haben, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen.

 

Naumburg, den 25. Juny 1835

An E.  Königl. Hochlöbl. Regierungs-Abtheilung des Innern zu Merseburg

Das Zusammentreffen mehrerer Studenten auf der Rudelsburg betr.

Die Anzeige des Gendarmen Hering, das Zusammentreffen mehrerer Studenten auf der Rudelsburg betreffend, ist von mir dem Herrn von Schoenberg, als Ortspolizei-Behörde mit Beziehung auf frühere Anordnungen und mit der Aufforderung zu Verhütung ähnlichen Unfugs für die Folge, angemessene Maßregeln zu ergreifen, mitgetheilt, von diesem aber mir noch nicht remittirt worden.

Genau erinnere ich mich  aber aus jener Anzeige, daß die Studenten theils aus Halle, theils aus Leipzig gewesen, auch vier Schüler sich in der Gesellschaft der letztern befunden. Studenten aus Jena sind nicht bemerkt worden.

Von den Studenten sind die aus Halle sämmtlich, die Leipziger größtentheils mit ordentlichen Pässen, auf 8 Tage zu einer Vergnügungsreise in hiesige Gegend versehen gewesen. Nur drei der letztern haben zu ihrer Legitimation bloß Karten vorzeigen können, die von dem Gendarmen ihnen abgenommen und bei mir eingereicht wurden.

Am zweiten Feiertage erschienen dieselben bei mir in meiner Wohnung, und baten um Zurückgabe der Karten, wurden von mir beschieden, sich Tags darauf in meiner Expedition einzufinden, stellten aber vor, daß sie von der bestehenden Vorschrift nicht unterrichtet gewesen, und wiederholten ihr  Gesuch, daß sie die Rückreise wegen ihrer Collegien nicht füglich verschieben könnten, worauf ich es dabei  bewenden ließ, ihre Namen zu notieren und sie mit den nöthigen Verwarnungen zu entlassen.

Da die Verordnung vom 28. July 1833 sich lediglich auf die inländischen Universitäten bezieht, folglich in Beziehung auf Studenten aus Leipzig keinen Anhalt gewährte, so habe ich mich nicht veranlaßt gefunden, über den Vorgang mit der akademischen Behörde zu Leipzig in Communication zu treten, wozu auch umso weniger ein Beweggrund vorhanden war, da der Vorgang sich in den Pfingstferien ereignete,in welchen kleine Fußreisen der Studierenden ganz gewöhnlich sind.

Dagegen beabsichtigte ich, dem Director der St. Nicolai-Schule zu Leipzig von der Theilnahme einiger, mit gar nichts legitimirten Zöglingen derselben von diesen Vorgang Nachricht zu geben, und denselben zu überlaßen, soweit dazu Beweggründe vorhanden seyn sollten, davon  nähere Kenntniß zu nehmen.

Diese Mittheilung ist mir durch die verspätete Rückgabe der nach Kreipitzsch mitgetheilten  Anzeige, in welcher, so viel ich mich erinnere, die Namen bemeldter Schüler benannt sind, aufgehalten worden.

Der Königl. Landrath Lepsius

 

Bekanntmachung im Naumburger Kreisblatt Nr. 29 v. 18. Juli 1835

Es ist mir bemerkbar geworden, daß in mehreren Dörfern die nicht angesessenen Einwohner von den  ergehenden gesetzlichen und obrigkeitlichen Anordnungen um deswillen nicht genügend unterrichtet werden, weil die Ortsvorsteher sich begnügen, die Verordnungen in den Gemeinde-Versammlungen zu verlesen, an welchen jene nicht Theil nehmen. Diesem Gebrechen muß abgeholfen werden: in dieser Absicht werden die Orts-Vorsteher  angewiesen, die  unangesessenen  Ortseinwohner  so oft als es nöthig, entweder zur Theilnahme  an der Gemeinde-Versammlung einzuladen, oder dieselben besonders zusammen zu rufen und ihnen diejenigen  allgemeinen Verordnungen bekannt zu machen, von welchen sie unterrichtet seyn müßen. Das solches geschehen, ist im Gemeinde-Protokollbuch zu bemerken, und  durch einige Unterschriften der Theilnehmer zu beglaubigen, um jederzeit darüber den nöthigen Nachweis liefern zu können.

Naumburg, den 17. Juli 1835                                    Lepsius

 

Merseburg 20. 7. 1835

An den Königl. Landrath Herrn Lepsius, Wohlgeb. zu Naumburg

Exc. deuten die über das Reisen der Studenten erlassenen Bestimmungen unrichtig, wenn Sie, wie dies in dem Bericht vom 25ten v. M. geschieht, meinen, auf Studierende des Auslandes können die selben nicht bezogen werden, zumal ausdrücklich unter b.) der Verordnung vom 26ten Januar 1834 gesagt ist, daß Ausländer von ausländischen Universitäten nur zugelassen werden können, wenn sie mit Ministerialpässen oder wenn ihre Pässe mit der Visa einer Preußischen Gesandtschaft versehen wären.

Wenn nun auch in den betreffenden Verordnungen der Inländer, welche auf ausländischen Universitätn studieren nicht ausdrücklich gedacht ist, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß diese nicht besser gestellt  werden können, als andere Studierende . Hiernach waren sie nicht nur befugt, sondern auch verpflichtet jene Studenten aus Leipzig strenger zu behandeln als es geschehen und zwar um so mehr, als ein Theil derselben nicht einmal mit denjenigen Legitimationen versehen waren, welche gewöhnlich Reisende  in der Regel bei sich führen  müssen.

Wenn nun früher die Rudelsburg öfter der Sammelplatz von Mitgliedern verbotener Verbindungen  aus den nächsten Universitäten  gewesen ist, dieses Zusammentreffen von Studierenden auch jetzt noch nicht aufhört, so drängt sich die Vermuthung auf, daß in dieser Hinsicht nicht mit gehöriger Strenge verfahren wird, eine Vermuthung, welche in dem vorliegenden Fall eine Bestätigung findet.

Denn

1.) haben E. Exc. unlegitimirte Personen ohne Weiteres darauf hin, daß sie eine Karte präsentirten, ihren Weg ziehen lassen, ohne vorschriftsmäßig, wie mit jedem anderen unlegitimirten Individuum mit ihnen zu verfahren.

2.) Diese unlegitimirten Individuen, von denen es noch nicht einmal feststeht, daß sie wirklich Studierende  waren, haben in den Gasthöfen zu Kösen und Saaleck übernachtet. E. Exc. werden daher deshalb die nöthigen Untersuchungen gegen die Gastwirthe, wo diese Leute logirt haben, veranlassen.

3.) Die Studierenden haben wollen die Nacht auf der Rudelsburg zubringen, und würden es gethan haben, wenn der Gendarm sie nicht daran gehindert hätte. Hieraus entsteht die Vermuthung, daß die Ortspolizeibehörde von Rudelsburg dergleichen nicht mit gehörigen Nachdruck dem Wirth auf der Rudelsburg untersagt hat.

E. Exc. hätte hierin wohl einen Grund finden können, diesen Punkt weiter zu verfolgen und nicht bloß die Ortspolizeibehörde im Allgemeinen zur Anordnung angemessener Maßregeln aufzufordern, sondern E. Exc. hätten recherchieren, was bisher geschehen und bestimmt aussprechen sollen, was für die Zukunft geschehen muß.

Wenn wir uns damit begnügt haben E. Exc. im Vorstehenden darauf aufmerksam zu machen, was sie im vorliegenden Falle versehen haben dürften, so geschah dies, weil wir in Ihrer Persönlichkeit  und in Ihren Diensteifer die Garantie zu haben glauben, daß es Ihnen mit Beaufsichtigung und Handhabung der Sicherheitspolizei ernst ist, wir müssen aber auch die Bemerkung hinzufügen, daß wir es, um nicht unangenehmen Verfügungen erlaßen zu müssen, dringend wünschen, Sie überall, wo sich Mängel zeigen, kräftig und instructionsmäßig einschreiten zu haben.

Kgl. Reg. zu Merseburg

 

Naumburg, den 4. Aug. 1835

An Eine Königliche Hochlöbl. Regierungs- Abtheilung des Innern zu Merseburg

Rechtfertigung des Unterzeichnenden gegen die in dem Rescript vom 20. July enthaltenen Vorstellungen und Verweise

Wenn in der hochverehrlichen Verfügung vom 20. July bemerkt wird, daß ich die, wegen der Reisen der Studierenden erlaßenen Bestimmungen unrichtig deute, indem ich meine, daß dieselben auf Studierende des Auslandes nicht zu beziehen, so kann ich von dieser Ansicht mich auch jetzt noch nicht trennen.

Was insonderheit die in meinem Berichte angezogene Verordnung vom 28. July 1833 betrifft so enthält dieselbe nur so viel; daß den Studierenden auf inländischen Universitäten zu nothwendigen Reisen von der Universitäts-Behörde ein Erlaubniß-Schein ausgefertigt werden soll pp. und daß ohne einen solchen Erlaubniß-Schein kein auf einer inländischen Universität Studierender  reisen soll. Von den Reisen der Ausländer ist in dieser Verordnung nicht die Rede.

Ebenso beziehen sich die Anordnungen in der von Hoher Regierung mir vorgehaltenen Bekanntmachung vom 26. Jan. 1834 wieder nur auf inländische Studierende. Die folgende Bestimmung lautet:

Ausländer, welche auf ausländischen Universitäten studiert haben, können in die diesseitigen Staaten nur  eingelaßen werden, wenn sie mit einem diesseitigen Ministerialpasse oder ihre auswärtigen Pässe von der betreffenden Königl. Preuß. Gesandtschaft versehen sind.

Hier ist, wie es mir wenigstens scheint, nur von solchen Studierenden des Auslandes die Rede, welche nach  dem Abgange von einer ausländischen Universität  in das Innere der preußischen Staaten zu reisen beabsichtigen. Ausnahmegesetze unterliegen bekanntlich der engsten Interpretation und ebenso ist in den Regeln der Auslegung die Voraussetzung begründet, daß ein gewählter  Ausdruck mit Absicht gewählt sei.

Wenn, wie ich annehme, daß durch jene Anordnung verhütet werden soll, daß Ausländer welche an einer ausländischen Universität studiert haben, der Aufenthalt im preußischen Staate nicht ohne  vorgängigen Nachweis ihrer Unbescholtenheit insonderheit in Beziehung auf  gesetzwidrige  Verbindungen sowie wegen  Ziel und Zweck der Reise, gestattet werden soll, und wenn in diesen Falle E. Hohes Ministerium die Legition über die Zulassungsfähigkeit des Ausländers sich selbst vorbehalten, so müßte davon eine Folgerung auf wirklich Studierende die einer benachbarten  Universität  noch angehören und die Feiertage zu einer kurzen Spazierreise verwenden wollen, wohl nicht auszudehnen seyn.

Das insonderheit  die Pfingstfeiertagswoche zu dergleichen Excursionen benutzt wird, ist so gewöhnlich und der harmlose Zweck solcher Reisen so wenig zweifelhaft, daß hierbei außer der nöthigen Beobachtung ihres Betragens und so lange  sich sonst nichts Bedenkliches hervor thut, zu einer nähern Recherche und weitergehenden Sicherheitsvorkehrungen keine Veranlassung vorwaltet.

Irre ich in dieser Ansicht, so irre ich nicht allein, denn die Studierenden aus Leipzig können Naumburg nicht erreichen, ohne vorher den Merseburger und Weißenfelser Kreis passiert zu haben.

Ueberall passieren sie öffentliche Dörfer ud Städte, woraus zu folgern, daß in dieser Absicht verhütenden Maaßregeln nirgends bestehen. Daß auch E. Hohes Ministerium nichts dagegen zu erinnern findet, wenn Leipziger Studenten, nur mit einem ortspolizeilichen Paß versehen, auf einer Ferienreise hiesige Stadt besuchen und  ihre Pässe hier visiert werden, ist durch das Visajournal darzuthun, welches, wie bekannt, hochgedachtem Ministerio in periodischen Extracten vorgelegt wird .

Am 6. May also während der Osterferien findet sich darin eingetragen Calliser, Student der Medicin von Leipzig, mit einem Paß der Leipziger Polizeibehörde, zu seinen Vergnügen nach Jena reisend. E. Hohes Ministerium hat dabei nichts zu erinnern gefunden.

Es folgt nun in der hochverehrlichen Verfügung die Bemerkung:

- daß ich nicht nur befugt, sondern auch verpflichtet gewesen wäre, die Studenten strenger zu behandeln, und zwar um so mehr, als ein Theil derselben nicht einmal mit der Legitimation versehen gewesen, welche gewöhnliche Reisende in der Regel bei sich führen müssen.

Daß von jenen Studenten einige (vier) nur mit Karten, folglich nicht genügend  legitimirt gewesen, konnte auf die  Behandlung der übrigen wohl keinen Einfluß äußern, wenn sie auch, als mir am zweiten Feiertage  die Anzeige zuging, meist bereits auf dem Rückwege  begriffen gewesen waren. Was bemeldte vier Individuen anbetrifft, so lag es freilich in meiner Hand, sie anhalten, festnehmen, verhören und demnächst mit Transport oder Zwangspaß über die Grenze schaffen zu laßen, da dieselben, sich nichts Arges bewußt, sich freiwillig bei mir einfanden, um sich ihre Karten zurück zu erbitten. Es ist jedoch unterblieben, weil ich dazu keine zureichenden Beweggründe erblickte, auch nicht übergroßes Aufsehen zu erregen, als nöthig ist und wie  ich weiter unten nachweisen werde, in den gesetzlichen Vorschriften dazu gar keine Veranlassung lag.

Hohe Regierung findet nun aber gleichwohl, daß ich diesen Vorgang in aller Beziehung nicht mit gehöriger Strenge behandelt habe, denn - so wird bemerkt-

1.) habe ich unlegitimirte Personen weiter ihren Weg ziehen laßen., ohne mit ihnen vorschriftmäßig wie mit jedem unlegitimirten Individuo zu verfahren.

Sie sind, da ein specieller Grund zu einer polizeilichen Untersuchung nicht vorhanden war, von mir zurecht gewiesen und für die Folge verwarnt, folglich ganz so, wie unter gleichen Verhältnissen auch andere unlegitimirte Personen behandelt worden.

2.) Diese unlegitimirten Individuen haben in den Gasthöfen zu Kösen pp. übernachtet, ich hätte deshalb die nöthige Untersuchung gegen die Wirthe, wo diese Leute logirt haben veranlassen sollen.

Wo aber hätten diese Leute nachdem sie von der Rudelsburg weggewiesen worden, sonst logiren sollen. Legitimirt war von allen keiner, nachdem der Gendarm ihnen die Pässe abgenommen.

Mir ist kein Gesetz bekannt, nach welchen den Gastwirthen geboten oder auch nur gestattet wäre, unverdächtige Fremde, die sich nicht sofort völlig legitmiren können, Quartier zu verweigern und wenn sie spät Abends eintreffen, sie gradehin auf die Straße weisen.

Welches Unheil könnte daraus hervorgehen, enthält doch selbst das vorgeschriebene Formular zu den Fremdenbücher der Gastwirthe eine doppelte Colonne, um darin zu bemerken, ob der Fremde mit oder ohne Pass angnkommen. Dazu kommt, daß jene Studenten von dem Gendarm den benannten Wirthen ausdrücklich zugewiesen waren, sie also jedenfalls von diesen verstoßen werden müßten, wenn hier etwas zu verstoßen wäre, wie ich aber nicht finden kann.

3.) Die Studierenden haben wollen auf der Rudelsburg übernachten, daraus entstehe die Vermuthung, daß die Ortspolizeibehörde dergleichen Unfug dem Wirth auf der Rudelsburg nicht mit gehörigen  Nachdruck untersagt  habe; ich hätte hierinnen wohl einen Grund finden können, diesen Punkt weiter zu verfolgen und bestimmt auszusprechen, was für die Zukunft geschehen müsse.

Davon war der Herrn von Schoenberg bei Gelegenheit eines  früheren Vorganges vollständig unterrichtet und er selbst hatte  sich anheischig gemacht, wenn Studenten in größerer Anzahl auf der Rudelsburg eintreffen, gehörige polizeiliche Aufsicht zu führen und Unzulässiges zu verhindern. Zu seiner Entschuldigung gereicht der Umstand, daß er zur Zeit des letzten Vorfalls abwesend gewesen. 

Die beifolgenden Verhandlungen werden beweisen, daß die Sache  keinesweges  nur oberflächlich behandelt worden, daß ich nicht bei der, in das Herrn von Schoenberg Abwesenheit zurück gegebenen  Verfügung mich begnügt, sondern dieselbe dem Herrn von Schoenberg nach seiner Rückkehr nochmals zugefertigt, sowie auch demselben auf seine ganz unangemessenen Aeußerung über das richtige Verfahren des Gendarm Hering gehörig zurückgewiesen und solche Anordnungen getroffen habe, daß ähnlichen Unfug für die Folge dadurch hoffentlich vorgebeugt seyn wird.

Ich kann diesen Vorgang nicht schließen, ohne auf die hohe Verordnung vom 26. Januar zurück zu kommen, deren Beziehung auf die Ferienreisen auswärtiger Studierender einen zweifelhaft erscheinen, nun noch zu bemerken, daß, wenn auch Hohe Regierung mir hierinnen nicht beistimmen sollte, mein Verfahren nichtsdestoweniger  und namentlich  durch diese Verordnung selbst auf das Vollständigste gerechtfertigt seyn würde.

Treffen auswärtige Studierender ohne obige  Legitimation hier ein, so ist ihnen die Fortsetzung ihrer Reise ohne ausdrückliche Genehmigung des Herrn Ministers nicht zu gestatten. Sie sind vielmehr, wenn sie nicht sofort zurückreisen wollen, über den Zweck ihrer Reise zu vernehmen.

Also die Rückreise bleibt ihnen jedenfallls freigestellt und dann erst, wenn sie nicht zurückreisen wollen, sollte ihre Vernehmung und das Uebrige erfolgen. Nun lag aber eine Reise nach dem Innern des Preußischen Staates gar nicht in der Absicht jener Wanderer, indem sie vielmehr, als sie von Rudelsburg und Kösen kommend hier eintrafen und aus eigener Bewegung zu mir kamen, schon auf der Rückreise begriffen waren. Wozu also hätte es  nun, um sie dazu zu nöthigen, noch weiterer Verhandlungen und  Verfügungen bedurft ?

Steht nun solchergestalt mein Verfahren mit der einzigen, von Hoher Regierung zur Begründung ihres Tadels angezogenen Verordnung im Einklang, so vermag ich nicht zu entdecken, worinnen ich eigentlich gefehlt und so sehr gefehlt habe, daß mir zu erkennen gegeben wird, nur aus Rücksicht auf  meinen sonst bewiesenen guten Willen, Hohe Regierung bewegen konnte, es bei den  ertheilten Verweisen bewenden zu laßen.

Es ist einleuchtend, daß das  auch sehr verletzende Rescript nur aus einer vorgefaßten  Ansicht  des Herrn Denucianten und unrichtigen Vortrage desselben hervorgegangen. Da es mir nun aber nicht gleichgültig  seyn kann, mein wohlüberlegtes Verfahren so entstellt und mißdeutet zu sehen, so glaube ich diese Rechtfertigung mir schuldig zu seyn. In der festen Zuversicht daß Hohe Regierung dieselbe  genügend finden werde und sehe ich den weitern Aeußerungen darauf ehrerbietigst entgegen

Der Königl. Landrath Lepsius

 

 

An E. Königl. Hochlöbl. Regierung zu Merseburg

Eine an sich unbedeutende Sache, die aber durch das Schreiben vom Herrn Landrath Lepsius vom 25ten Juli d. J. einen Anstrich erhalten hat, als wenn ich meine Pflicht vernachlässigt und nicht die mir obliegenden Verpflichtungen nachgekommen sey, zwingt mich zu den Schritt E. Hochlöbl. Regierung die gepflogene Unterhandlung mit den Herrn Landrath Lepsius vorzulegen, und zu bitten, mein Benehmen untersuchen zu laßen, um mich von den Verdacht, daß ich wissentlich meine Obliegenheiten vernachläßigt hätte, rechtfertigen zu können.

Das letzte Schreiben des Herrn Landrath Lepsius so wie meine an Ihn gerichtete Beantwortung auf die mir  zugestellte Anzeige des Gendarmen Hering und seine darauf mir gegebene Verfügung, gebe ich mir die Ehre,  erstere in Original und letztere in Abschrift beizulegen, woraus Eine Hochlöbl. Regierung den Gang der Sache ersehen kann und meine vielleicht irrige Meinung über das Verfahren des Gendarms Hering wegen der Wegnahme der Legitimation berichtigen werden..

Unerwähnt kann ich aber doch nicht lassen, daß der Wirth auf der  Rudelsburg das strenge Verbot von mit erhalten, niemanden  auf der Burg die  Nacht zu herbergen und das die damals anwesenden Studenten  ebenfalls im Begriff gestanden hatten, von der Burg zu gehen, als der Gendarm Hering hereingetreten und  sie durch seine Auf- und Abforderung ihrer Legitimation noch einige Minuten aufgehalten hat, daß sich die von dem Gendarmen angegebene  Anzahl der anwesenden Studenten auf 10 bis 12 reducirt.

Die in den Schreiben des Hernn Landrath Lepsius ausgesprochene Beschuldigung, die sogar  durch die unterstrichenen Worte theilweise noch mehr  gehoben wird, meine Obliegenheiten nicht erfüllt,  so wie gar unerlaubte Zusammenkünfte gestattet zu haben, ist mir so niederdrückend und so gegen mein Pflichtgefühl und meiner Ueberzeugung gehandelt, daß ich mich selbst verachten würde, wenn ich eine solche  Beschuldigung stillschweigend  hinnehmen müßte und mich nicht von des schärfsten Richter geführten Untersuchung auf das strengste rechtfertigen könnte.

Seit so viel hundert Jahren, wo meine Familie in Sachsen gelebt hat, kann ihr der Vorwurf, daß einer die Pflichten oder den Gehorsam gegen seinen Herrn oder den Behörden des Landes nicht  streng erfüllt  hätten, gewiß nie gemacht werden, um so mehr muß es mich niederschlagen, daß  mir angeschuldigt wird, als wenn ich unerlaubte, also auch gefährliche Gesellschaften oder Zusammenkünfte gesetzwidrig und wissentlich duldete.

Gerade ist es dieser Punkt auf denen ich stolz meiner Vorfahren gedenke, daß sie stets treu, gehorsam ihren Landesherrn und ihrer Obrigkeit gewesen sind, um so mehr muß ich um eine strenge Untersuchung bitten, da bloß auf diesen Weg den Flecken der durch  den Verdacht, als wenn ich unerlaubte Zusammenkünfte duldete, von mir abzuwenden und in den Stand dadurch gesetzt werde, mich rechtfertigen zu können.

Kreipitzsch, den 10ten August 1835

Franz von Schönberg

 

Naumburg, den 29. Octb. 1835

An E. Königl. Hochlöbl. Regierung , Abtheilung des Innern

Zur Berichtigung der in dem Rescripte vom 16. ausgesprochene  Ansicht,  daß in dem  vorausgegangenen Bericht vom 4. August …. ich mich dahin geäußert habe, daß die in dem vorausgegangenen Rescripte mir ertheilten Verweise wohl nur auf  einer vorgefaßten Ansicht des Herrn Denuncianten  und (darum) unrichtigen Vortrage desselben  hervorgegangen, von E. Königl. Hochlöbl. Regierung aber in dem hochverehrlichen Rescripte vom 16.  diese Bemerkung als eine unziemliche Aeußerung bezeichnet und dabei bemerkt wird: Es könne Ansichten einer Berichtigung unterliegen, aber bei einen pflichtreuen Beamten wie ein anderer Ursprung als die Ueberzeugung ihrer Richtigkeit haben.

So kann ich nicht zugeben, daß ich zu dieser, an sich sehr richtigen  Bemerkung  Veranlaßung gegeben, oder  daß in der  gerügten Aeußerung  der entfernteste Andeutung liege, als halte ich den Herrn Denuncianten fähig, sich in seinen Vorträgen  gegen sein Ueberzeugung auszusprechen - das liegt aber so wenig  in meinen Worten und in dem klaren Sinne derselben, als es meine  Meinung und Absicht  gewesen.

Denn eben, weil dem Herrn Denuncianten bei jenen, mich verletzenden Aeußerungen, deren Grund   nur wohl vom ihm erkannt und anerkannt werde, keine absichtliche Entstellung der Wahrheit  und überhaupt keine ungleiche Absicht zuzuströmen, so konnten diese Aeußerungen nur aus einer vorgefaßten irrigen Ansicht, nach welcher  sich denn auch der Vortrag bestimmte, hervorgeghen.

Dies vorausgesetzt und da es auch ganz in der Ordnung ist, daß die Verfügungen sich nach dem Vortrage bestimmen, so lange nichts besondere Veranlaßung eintritt, der Richtigkeit desselben zu bezweifeln, oder sonst in nähere Erörterung einzugehen, so wird sich auch die anderweite Bemerkung in dem hochverehrlichen Rescripte, als liege in meiner Aeußerung nicht nur  für den Herrn Denuncianten sondern auch für Hohes Collegium ein unziemlicher Vorwurf, völlig  erledigen.

Stets bereit, den Ansichten der mit vorgesetzten Behörden die meinigen unterzuordnen, so leidet dieses doch seine Beschränkung, sobald es darauf ankommt, mein amtliches Verhalten gegen verletzende  Verweise, die eben  nur auf Ansichten beruhen, zu vertheidigen. In diesem Falle befinde ich mich auch jetzt  wieder, denn wenn ich in meinem vorigen Berichte nur von der Ansicht des Herrn Denuncianten gesprochen, nun aber diese Aeußerunge von demselben so aufgefaßt  worden, als bezweifle  ich, daß er von  seiner Absicht auch wirklich  überzeugt gewesen, so ist dieses  wieder nur eine Ansicht, die ich, um mich dagegen zu vertheidigen für unbegründet und irrig erklären muß.

Könnte aber auch über den klaren Sinn meiner Äußerung  der entfernteste Zweifel obwalten, so müßte derselbe  wenigstens durch die Versicherung gestört werden, daß ich durchaus nichts anderes habe damit sagen oder andeuten wollen, als in den Worten liegt.

Indem ich diesen Vortrag hier beschließe, fürchte ich nicht, daß derselbe irgend einer weitern  Mißdeutung unterliegen werde. Unmöglich konnte es mir gleichgültig sein, von Hoher Regierung dafür  angesehen zu werden, als ob ich fähig  sey, die Hochderselben schuldige Achtung auch nur in ungewählten Worten zu verletzen.

Wie nun dieser ganze Vortrag keinen andern Zweck hat als diese - irrige - Ansicht zu berichtigen, so enthalte ich mich aller weitern Gegenbemerkungen wozu das Hochverehrliche Rescript mir noch außerdem Veranlassung geben dürfte.

Der  Kgl. Landrath Lepsius 

 

 

Naumburg, 9ten Januar 1836

Hochwohlgeborener Herr, Hochgeehrter Herr Präsident

Mein Bericht vom 29. Octb. hatte keinen andern Zweck, als mich bei der mir vorgesetzten Behörde gegen einen nach meiner Ueberzeugung, unverschuldeten Verweiß zu rechtfertigen und keinen andern Grund als weil das Urtheil desselben vor meinem Verhalten mir nicht gleichgültig sein kann und darf.

Wie hätte ich mir vorstellen können, daß wie E. Hochwohlgeboren mir jetzt eröffnen, ich bei Hoher Regierung mir hierdurch nur schaden werde. Mein Wunsch, ein mir so unangenehmes Mißverständnis zu entfernen, erscheint doch aus denen angegebene Grunde, so billig, und deßen Erreichung erschien mir so leicht, da es in  dieser Hinsicht nur der Hinweisung  auf meine Worte bedurfte, die eigentlich  gar keiner Mißdeutung unterliegen können.

Wenn nun gleichwohl ich aus Ew. Hochwohlgeb. verehrlichen Schrift ersehe, daß ich mich hierinnen geirrt habe, so  bleibt mir freilich nur übrig, als mich darin zu fügen, so wie ich  auch unter  diesen Umständen es als Aeußerung  besonderer Güte  zu betrachten habe  und erkenne, daß Hochdieselben bei der gewonnenen Ueberzeugung  sich veranlaßt fanden, meinen Bericht  gar nicht zur Kenntnisß des Collegii zu bringen.

Muß ich aber dann nicht um so mehr befürchten, mir zunächst bei Ihnen selbst geschadet zu haben? Nichts könnte mir schwerlicher seyn, während gleichwohl ich mir in dieser Angelegenheit  keine Schuld beimeßen kann.

Doch genug, um Ew. Hochwohlgeb. mit dieser Angelegenheit nicht länger zu belästigen und ich die  Versicherung gebe, daß ich die  schonende Güte E. Hochwohlgeb. Eröffnungen und Aeußerungen tief empfinde und mit dem innigsten Danke verehre

E. Hochwohlgeb. gehorsamster Lepsius

 

 

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten

Herrn von Meding, Hochwohlgeboren zu Merseburg

In einer hier wegen verbotener Studentenverbindungen eingeleiteten  Untersuchung wird Seitens des hiesigen Königl. Universitäts-Gerichts heute oder morgen eine Requsition an den Herrn Landrath Lepsius in Naumburg um Ermittlung der nähern Umstände einer, nach vorhandenen Notizen um Pfingsen dieses Jahres auf der Rudelsburg statt gehabten Zusammenkunft zwischen hiesigen und fremden, wahrscheinlcih Jenaischen Studenten abgehen. Es ist von ausnehmender  Wichtigkeit, daß bei jener  Ermittlung  mit Umsicht und zugleich mit aller Strenge  verfahren werde, um durch Vernehmung des Wirthes pp Nachsuchung, womöglich Hersendung des Fremdenbuches, die Theilnehmer jener Zusammenkuunft und ihr ganzes Thun und Treiben genau zu erfahren. E. Hochwohlgeboren erlaube ich mir, um geneigte  und geeignete Verfügung zur Erreichung dieses Zwecks ganz ergebenst zu ersuchen.

Halle am 4. Juli 1838

Der Königliche außerordentliche Regierungs-Bevollmächtigte an hiesiger UniversitätenGeheimer Regierungs-Rath  Seebrück

 

An den Königl. Regierungs-Präsidenten Herrn v. Meding Hochwohlgeb. zu Merseburg

Naumburg, den 10. July 1838

Aus dem Einschreibebuch, das auf der Rudelsburg gehalten wird, in Verbindung mit dem Fremdenbuch des Gastwirths zu Kösen, ist zu ersehen, daß allerdings in den Pfingstfeiertagen Studenten aus Halle, Jena und Leipzig zusammen getroffen. Das erstere habe  ich dem Universitäts-Gericht zu Halle im Original mitgetheilt, um aus den, zum Theil unleserlichen  Inschriften die bemerkenswerthesten heraus zu ziehen, von letztern einen Auszug mitgetheilt.

Nach letztern scheint es, daß die hallischen Studenten sämmtlich mit Legitimationen versehen gewesen. Von Leipzig haben im Gasthofe nur einige logirt, von Jena keiner, letztere haben sich daher  vermuthlich  von der Rudelsburg  unmittelbar nach Jena  zurückbegeben  oder in den jenseitigen Orten übernachtet.

Zu gehorsamster Befolgung derselben Verfügung vom 6.  verfehle ich nicht E. Hochwohlgeb. in schuldigster Ehrerbietung die vorliegende Anzeige  zu erstatten.

Königl. Landrath Lepsius

 

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn von Krosigk, Hochwohlgeb. zu Merseburg

 

Nach einer mir zugegangenen (durchaus glaubhaften) Notiz soll am ersten Pfingsfeiertage eine Studenten-Zusammenkunft auf der zwischen Naumburg und Kösen auf Preußischen Gebiete an der Saale belegenen Rummelsburg (!) statt gefunden haben. Es sollen Studenten aus Halle, Breßlau, Berlin, Heidelberg, Marburg, Göttingen und Leipzig anwesend gewesen sein. Daß Verbindungszwecke die Veranlaßung gewesen, wird dadurch wahrscheinlich, daß die Studenten sämmtlich Verbindungsabzeichen getragen haben sollen, sodann, daß ein Gegenstand der Berathung gewesen ist, welche Universität die Geschäftsführung übernehmen solle, wobei Halle in Vorschlag gebracht, drey von den Studenten aus Halle  aber als  zu gefährlich  abgelehnt worden sind.

E. Hochwohlgeb. ersuche ich über das Sachverhältnis auf geeigneter Weise so weit nöthig genaue und zuverlässige Nachrichten einzuziehen und über deren Ergebnis baldthunlichst mir Bericht zu erstatten.

Berlin den 24. Juni 1844

Der Minister des Innern

 

An den Kgl. Regierungs-Präsidenten

Ritter Hoher Ordnung Herrn v. Krosigk  Hochwohlgeb. zu Merseburg

Naumburg,  28. Juny 1844

Die Studentenversammlung auf der Rudelsburg betr.

Ew. Hochwohlgeb. beeile ich mich auf das Hohe Rescript vom 27. ganz gehorsamst anzuzeigen, wie es  allerdings richtig  ist, daß sich am ersten Pfingsfeiertage ca. gegen 250 Studierende  der Universitäten Halle, Berlin, Leipzig, Jena und vielleicht anderer Fakultäten auf der Rudelsburg zu einem Biercommers vereinigt haben, daß ich aber auch Maaßregeln ergriffen hatte, um den Zweck derVersammlung zu erforschen, da ich davon unterrichtet war.

E. Hochwohlgeb. kann ich auf Grund der stattgefundenen Beobachtung versichern, daß strafbare Verbindungszwecke nicht wahr zu nehmen gewesen sind und geheime Unterredungen nicht stattgefunden haben. Gegen halb neun Uhr vormittags hat die Zusammenkunft in der Art begonnen, daß sich die Studenten in einzelnen Abtheilungen nach und nach eingefunden haben, die Mehrzahl waren von den benachbarten Universitäten Jena und Halle, an deren Besuch die Rudelsburg gewöhnt ist, da sie daselbst besonders in früheren Zeiten oft verkehrten. Essen und Trinken, nemlich kalte Küche und Bier hat die Versammlung alsbald  so sehr in Anspruch genommen, daß gegen zwei Uhr nachmittags ein Theil berauscht und sehr zu Zänkereien geneigt gewesen  ist; doch sind Thätlichkeiten nicht vorgekommen, sondern es ist beschlossen worden, daß die vorgekommenen Beleidigungen in der Heimath ausgemacht werden sollen.

Der Gesang hat sich auf bekannte Studentenlieder beschränkt und die farbigen Mützen  und Bänder waren nichts anderes als die Beziehung der Landmannschaften.

Gegen halb sieben Uhr abends hat sich die Versammlung aufgelöst und als Unterzeichneter gegen halb acht Uhr in Begleitung  eines Freundes auf der Rudelsburg  eintraf, wurden nur noch einige Bewohner der Nachbarschaft angetroffen, von welchen gesprächsweise nichts weiter heraus zubringen war, als daß die Studenten wacker gezecht und sich gegenseitig gezankt hätten. Das Fremdenbuch war an dem Tage nicht vorgelegt worden und daher fanden sich nur die Namen einiger Studenten, welche die Burg an dem voraus gegangenen Tage besucht hatten, darin verzeichnet. Der größte Theil der Studenten war an demselben  Tage  in die Heimath zurück gekehrt, doch traf Unterzeichneter noch spät am Abend  in dem Weberschen Gasthofe zu Koesen eine Anzahl Hallescher Studenten an, welche in Ermangelung eines Fuhrwerks dortselbst übernachteten, sich übrigens ganz anständig benahmen. Die Namen dieser Studenten, so weit sie sich in dem Fremdenbuche eingetragen fanden, 20 an der Zahl, sind am 31. May den stellvertretenden  Regierungsbevollmächtigten zu Halle mitgetheilt worden.

 E. Hochwohlgeb. werden hieraus zu entnehmen geruhen, daß diese Studentenversammlung zu einer besonderen Berichtserstattung keine Veranlassung gab und die Vermuthung, daß strafbare Verbindungszwecke  zum Grunde lag, von den Beobachtern des  Verkehrs nicht getheilt wird

In Vertretung des Kgl. Landraths                   Meyer

 

Merseburg 29. Juny 1844

An Herrn Landrath Jacoby von Wangelin, Hochwohlgeb. in Naumburg

Die Bemerkung im Bericht vom 28. daß die Rudelsburg  an den Besuch der auf den benachbarten Universitäten studierenden Jugend gewöhnt sey, die besonders in früheren Zeiten dort häufig verkehrt haben, gibt mir Veranlassung, mich von den Maaßregeln die Sie in Beziehung auf dergleichen  zahlreiche Studentenversammlungen in der Rudelsburg getroffen haben, in Kenntniß zu setzen.

Es versteht sich von selbst, daß so zahlreiche  Versammlungen wie sie am 26. v. M. stattgehabt, ohne polizeiliche Erlaubnis von dem Schank- oder Gastwirth nicht geduldet werden dürfen.

Eine solche polizeiliche Erlaubnis scheint auch von Ihnen eingeholt zu seyn, da sie ausdrücklich  bemerken, daß Sie von der beabsichtigten  Zusammenkunft Kenntniß gehabt haben.

Es fragt sich daher weiter, auf welche Weise  und unter welcher Form  Sie diese Kenntniß erlangt, an welche Bedingungen Sie die Erlaubnis geküpft und welche  Vorkehrungen Sie getroffen, theils um sich von dem Zweck  der Zusammenkunft  und von dem Thun und Treiben der jungen Leute  in Kenntniß zu setzen, theils um die polizeiliche Ordnung zu handhaben und nöthigenfalls aufrecht zu erhalten.

In Beziehung auf die Aeußerung in dem Ministerial-Rescript:  daß ein Gegenstand der Berathung bey der Studentenversammlung gewesen sey, welche Universität die Geschäftsführung übernehmen solle, daß dabey Halle in Vorschlag gekommen, dies jedoch von den Studenten in Halle als zu gefährlich abgelehnt sey, läßt zwar der Inhalt E. Exc. Berichts seinem ganzen Zusammenhang der Vermuthung Raum, daß diese Berathung sich möglicherweise  lediglich auf die Handhabung der sogennannten Comments bey dem Commers bezogen haben mag, indessen wünsche ich doch, da Höhern Orts Gewicht darauf  gelegt wird, darüber soviel als möglich Gewißheit zu erlangen.

Für die Zukunft wollen E. Exc. geeignete Vorkehrungen treffen, um die Kgl. .Regierung oder mich rechtzeitig von dergleichen zahlreichen Studentenversammlungen in Ihrem Kreise, in Kenntniß zu setzen, Ich halte es für unerläßlich vor Gestattung derselben die betreffenden Disziplinarbehörde der jungen Leute an den verschiedneen Universitäten  von der Absicht derselben in Kenntniß zu setzen und  mit denselben die Maaßregeln zu verabreden, um etwaigen Gesetzwidrigkeiten  auch nur Unordnungen zuvor zu kommen-

E. Exc. ferner Bericht über vorstehend angedeuteten Punkte will ich binnen anderweiten acht Tagen vom Empfang dieses an gerechnet entgegen sehen.

Der Regierungs-Präsident  v. Krosigk

 

Naumburg 29. Juny 1844

Lieber Bruder*

Es ist hier allgemein bekannt gewesen, und besprochen worden, daß am vergangenen Pfingstfeste ein Zusammentraffen von Studenten von fast allen deutschen Universitäten auf der Rudelsburg stattgefunden hat, was fast alle Jahre, jedoch fraglich nicht in der diesjährigen Ausdehnung geschehen ist. Ohne Zweifel liegt hierbey eine ausdrückliche  Verabredung der auf den Universitäten stattfundenden  Verbindungen zum Grunde. Nirgends aber habe ich hier etwas davon gehört, daß dabey politische Gegenstände bezweckt worden seyen. Namentlich habe ich darüber mit dem jungen Leipziger (Sohn des hiesigen Geh.-Raths) gesprochen, welcher sich wohl freymüthig gegen mich darüber geäußert hat. Er erzählte, daß sehr vielfache zwischen den Landsmannschaften der verschiedenen Universitäten Herausforderungen in Massse erfolgt waren, die sie aber nicht hier ausgetragen, sondern sich dazu an die verabredeten Orte begeben würden. Der p. Leipziger studirt in Jena, von wo auch Abgeordnete mehrerer Landsmannschaften oder Corps dort gewesen sind. Die Sache hat mich nicht genug interessirt, um nachzuforschen, zu welchem ausgesprochenen Zwecke die Zusammenberufung geschehen  und von wo oder wem sie ausgegangen. Das habe ich aber gehört, daß auf der Rudelsburg außer Gesang und Biertrinken alles ruhig abgegangen ist, ein Gendarm ist ab und zu zugegen gewesen, dem man aber freundlich begegnet seyn soll. Wennn Du es wünschest, so werde ich suchen etwas spezielleres über die Sache  zu erfahren, was ich freylich nicht so schnell bewirken kann, um Deinem Wunsche gemäß mit umgehender Post zu antworten.

Herr von Schleinitz hat mir geantwortet, daß Du gewünschte Abmachung  meines Geldgeschäfts mit der Regierung noch nicht abgemacht werden könne, ich bitte Dich daher, die Verlängerung der Rentenzahlung bis zu Ende dieses Jahres Höhern Orts auszuwirken, mir aber die eingesandten Schriftstücke schleunigst wieder remittiren zu laßen, damit ich, wo möglich noch vor meiner Reise nach Poplitz die bereits conzipirte Vorstellung an die Hypothekendeputation abgehen lassen könnte.

Dein teurer Bruder v. Krosigk  

 

Naumburg 1. July 1844

An den Königl. Regierungspräsidenten Herrn v. Krosigk, Hochwohlgeboren  zu Merseburg

Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich auf den sehr geehrten Erlaß vom 29. Juny ganz ergebenst anzuzeigen, daß seit einer langen Reihe von Jahren die Rudelsburg am ersten Pfingsfeiertage von Studierenden der benachbarten Universitäten Jena, Halle und Leipzig fleißig besucht wird und wenn es im Staats Interesse liegt, den Versammlungen entgegen zu wirken, es zur Einleitung desfallsiger Verhandlungen meiner besonderen Anzeige nicht bedürfen wird, da sich zu anderen Zeiten selten auf der Burg sehen lassen und wenn es ja geschieht, deren nur wenige zusammentreffen. Ich könnte auch darüber  eine  officielle Anzeige nicht erstatten, weil ich officiell nichts  erfahre, vielmehr meine Dispositionen nach der mir durch die Vergangenheit gewordenen Erfahrungen trachten muß.

Der in Kösen stationirte Gendarm ist im Allgemeinen angewiesen, den Studentenverkehr auf der Rudelsburg zu überwachen und da er sehr täthig und umsichtig ist, so trifft er geeignete  Maaßregeln, um dem Befehle  zu entsprechen; außerdem findet aber  auch meinerseits  Recherche statt, wenn mir besondere Veranlassung vorzuliegen scheint.

Da die Rudelsburg ein mittelbar zum Dominio Kreipitzsch gehöriger Ort ist, so könnte ich demselben die polizeyliche Anordnung überlassen, doch der Umstand, daß dem Studentenverkehr viel Gerücht beygelegt worden, hat mich zu den bezeichneten Maaßregeln veranlaßt. Daß übrigens der Wirth zur Einholung einer polizeylichen Erlaubnis zu dem Verkehr, da von keinem Tanzvergnügen die Rede ist, verpflichtet sey, habe ich in den polizeilichen Vorschriften nicht aufgefunden und dürfte von einer solchen hier umso weniger die Rede seyn, als der Wirth vorher gar nicht wißen kann, ob die Versammlung zahlreich seyn wird oder nicht. Ohne Verweisung auf eine bestimmte Vorschrift befinde ich mich daher außer Stande, das Dominium mit Anweisung zu versehen. Uebrigens erhielt ich diesmal am 1ten Pfingstfeiertage von der vorliegenden Absicht der Studenten-Versammlung Mittheilung von dem Regierungs-Bevollmächtigten zu Halle, als der Gendarm bereits auf seinem Posten war.

Ueber  den Zweck der Studenten-Versammlung habe ich nicht mehr erfahren können, als mein Vortrag vom 28. v. M. berichtet, obgleich ich nicht unterlaßen habe, unter der Hand Erkundigungen einzuziehen. Hier glaubt wenigstens Niemand  daran, daß jene Versammlungen verbotene Zwecke  zum Grunde gelegen haben und ich bin auch der Ansicht, daß dieser ganz natürliche Verkehr der Studirenden erst durch die Notiznahme von seiten der Staatsbehörde einige Bedeutung erhält.

Der Königl. Landrath Jacobi v. Wangelin

 

 

Merseburg 2 July 1844

 E. Exc. Geh. Staatsminister Herrn Grafen von Armin in Berlin

Die Rudelsburg ist seit uralten Zeiten früher noch mehr als neuerlich ein besonderes von Jenenser Studenten besuchter zu den studentischen Trinkgelagen den sogenannten Commersen benutzter Belustigungsort gewesen, auch in diesem Jahre haben sie sich am ersten Pfingst-Feyertage in  größerer Frequenz als gewöhnlich - ihre Anzahl wird auf 280 angegeben - und von vielen deutschen Universitäten dort eingefunden.

Ohne Zweifel hat diese Zusammenkunft eine Verabredung zu Grunde gelegen, nichts destoweniger ist der Zweck akademischer Verbindungen die Absicht über akademische Angelegenheiten oder gar über politische  Gegenstände zu berathen völlig  fern geblieben. Sie hat sich vielmehr einzig  und allein  auf einen Studenten-Commers im großen Styl beschränkt.

Gegen 9 Uhr Morgens haben sich die jungen Leute zusammengefunden. Sie haben allerdings die Farben ihrer Landsmannschaften und Corps die nun einmal als ein nothwendiges Bedingniß solchen Commers und als ein wesentlicher Bestandtheil derselben betrachtet werden, getragen, außerdem aber einige rohe Zänkereien und ein paar Dutzend contrahirte Schlägereyen abgerechnet, sich keiner Gesetzwidrigkeit zu Schulden kommen lassen.

Ein Gendarm der den ganzen Tag auf der Rudelsburg gewesen und ungestört bey dem Gelage ab- und aufgegangen, hat darüber  referirt, daß von öffentlichen Vorträgen, Redehalten oder sonst irgend einer Berathung nicht die Rede gewesen, daß die Belustigung von Anfang bis zu Ende  in Biertrinken und dem Singen der gewöhnlichen Studenten-Lieder unter Beobachtung des bey Commersen üblichen Ritus bestanden habe, welche Relation durch den Umstand an Glaubwürdigkeit gewinnt, daß die Köpfe der jungen Leute bereits um die Mittagsstunde -und zwar  nichts weniger  als durch politische Anregungen -in sehr hohen Grade erhitzt gewesen, so daß der Nachmittag in lautem Wortwechsel und Zänkereien aller Art hingebracht ist. Schlägereyen haben nicht stattgehabt, wohl aber Herausforderungen in Maaßen, die aber erst später nach Übereinkunft von Ort und Zeit, haben ausgefochten werden sollen.

Von einer Verhandlung wegen Übernahme der Geschäfte, findet sich keine Spur vor. Hat eine solche stattgegehabt, so kann sie sich nur - wie aus dem ganzen Hergang hervorgeht - auf Regulierung und Handhabung des Comments bey dem Commers beschränkt haben, die wie bekannt von den jungen Leuten mit großer Wichtigkeit  behandelt zu werden pflegt. Von politischen oder sonst außer dem Bereich der akademischen Jugend  liegenden Tendenzen ist dabey gewiß nicht die Rede gewesen.

Der Landrath Jacoby v. Wangelin scheint von der Absicht eine Studenten-Versammlung auf der Rudelsburg  zu halten, Kenntniß gehabt zu haben, was ich daraus zu schließen auch für berechtigt halte, daß den ganzen Tag ein Gendarm sich dort aufgehalten. Ob er um die Erlaubniß dazu angegangen und dieselbe ertheilt hat, ist mir unbekannt, der Landräthliche Bericht über den ganzen Vorgang ist nicht von ihm selbst, sondern während seiner mehrtägigen Abwesenheit von dem Kreis-Sekretär erstattet, wobey ich jedoch bemerke, daß die vorstehenden Notizen sich nicht auf diesen Bericht allein, sondern auch auf anderweite von glaubhaften und zuverläßigen Männern eingegangenen Erkundigungen gründen.

Darüber, ob der Restauration auf der Rudelsburg zur Abhaltung dieses Commerses die polizeyliche Erlaubniß eingeholt und erhalten, habe ich den anderweiten Bericht des Landraths  erfordert, und ihn dabey  für die Zukunft zur Pflicht gemacht, ohne vorherige  Anzeige an die Königl. Regierung eine solche Erlaubniß nicht zu ertheilen, dieselbe auch an die Bedingung zu knüpfen, daß die vorgesetzt disziplinische Behörde von der Absicht der jungen Leute  in Kenntnis gesetzt wird und dazu ihre Justirung ertheilt und daß der Landrath sich mit  ihr über die Maaßregeln zur Verhütung  von Ungehörigkeiten und zur Aufrechterhaltung der polizeylichen Ordnung verständigt

Der Regierungspräsident v. Krosigk.

 

Jena, 5ten July 1844

Hochwürdiger Herr, Hochwohlgeborner Herr Präsident

Eure Hochwohhlgeboren beeile ich mich, dem mir gewordenen sehr geehrten Auftrage zu folgen diejenige Auskunft über die auf der Rudelsburg stattgehabten Besuch resp. Versammlungen von Studenten ganz gehorsamst mitzutheilen, welche ich hier erhalten habe, bemerke nicht ebenmäßig, daß ich dieselbe namentlich wegen meines nur sehr kurzen Aufenthalts und gänzlichen  Unbekanntschaft nur von einigen mir sogar dem Namen nach ganz fremden Studenten habe einziehen können.

Es haben in der neueren Zeit zweimal größere Studentenversammlungen auf der Rudelsburg stattgefunden und zwar einmal am 1. und 2. Pfingsfeiertag  das zweite Mal in der letzten Hälffte des vorigen Monats. Die erstere ist ein sich jährlich wiederkehrender Besuch eines großen Theils der Jenaer Studenten namentlich der Landsmannschaften und sollen auch von Halle aus einzelne befreundete Studenten da gewesen sein. Der Zweck dieser  Versammlung soll bloß seyn, sich dem Vergnügen und dem Biere zu ergeben.

Wie nun häufig bei dergleichen Vergnügungen soll auch der vorgedachten mit dem Contrahiren vieler Torts geendigt haben und dieselben auch bereits gütlich oder durch die Klinge wieder befriedigt  sein.

Die zweite Versammlung ist von seiten  der Burschenschaft zu Jena, Halle und Leipzig abgehalten  worden, und soll der eigentliche Zweck der allgemeinen Stimme nach keineswegs politischer Natur gewesen, sondern die mancherlei Uneinigkeiten dieser Gesellschaften über ihre neueren Einrichtungen,  Duelle, das Satisfactionsgebot an andere Studenten und dergleichen veranlaßt worden sein. Von den Resultaten habe ich eine specielle Kenntniß nicht erhalten, sondern nur erfahren, daß wohl in Folge jener Versammlung die Jenaer Burschenschaft in drei Partheyen zerfallen ist. Ob Reden, Besprechungen usw. über politische Verhältnisse vorgekommen ist, nicht zu meiner Kenntniß gekommen.

Im Allgemeinen ist mir die Bemerkung geworden, dass die anscheinend zu landsmannschaftlichen Verbindungen gehörenden Studenten der hohen Duelle und sonstigen Studenten-Angelegenheiten wegen keine Zeit zu haben schienen, sich über politische Gegenstände zu unterhalten, während die Burschenschaften  immer noch ihrer alten Neigung frönten und laut Politik besprachen.

Unter der Burschenschaft soll übrigens das Duell gänzlich abgeschafft werden und daher  auch schon einige  Male der Stock die Klinge vertreten haben.

Entschuldigen E. Hochwohlgeboren meine große  Eile und genehmigen  geneigtest die Wiederholung meiner ausgezeichneten Hochachtung und Verehrung mit welcher verharre.

Euer Wohlgeboren ganz gehorsamster v. Schönfeld

 

Naumburg, den 16 May 1845

An Königl. Regierungs-Präsidenten Ritter hoher Orden Herr Domprobst von Krosigk, Hochwürden und Hochwohlgeboren zu Merseburg

Studenten-Verkehr auf der Rudelsburg betr.

Ew. Hochwohlgeboren zeige ich auf das hohe Rescript vom 9. d. M. ganz gehorsamst an, daß mein Bericht vom 1. July 1844 sich über die von mir getroffenen Vorkehrungen zu Ueberwachung der Studenten-Verkehrs auf der Rudelsburg ausführlich verbreitet und von mir zu den Zwecke nicht mehr geschehen kann, als bisher geschehen ist. Nur zu Pfingsten findet die Zusammenkunft statt und in diesem Jahr ist sie nicht unterblieben, denn gegen 200 Studenten von fast allen Universitäten Preußens und des angrenzenden Auslandes, vorzüglich aber von Halle, Leipzig und Jena, sind am ersten Pfingstmorgen auf der Rudelsburg zusammengetroffen und bis gegen 7 Uhr abends daselbst geblieben. Daß verbotene Zwecke zum Grund gelegen, ist nicht wahrgenommen und auch von keiner Seite behauptet worden. Essen, Trinken und Singen hat die Zeit ausgefüllt, so daß gegen  Abend  ein großer Theil berauscht war, welches auch beim Durchzug derselben hier wahrgenommen werden konnte.

Der Gendarm Hering hat auch diesmal mit lobenswerthen Eifer den Verkehr der Studenten auf der Rudelsburg  auf meine Veranlassung überwacht und seine mir hierüber erstattete Anzeige läßt erkennen, daß es den Studenten nur auf Begehung eines großen Commers ankam, wenigsten liegt auch nicht der entfernteste Verdachtsgrund vor, daß politische Tendenzen die Versammlung der Studenten veranlaßt hat.

Uebrigens ist nach Ausweis des Journals die von Ew. Hochwohlgeboren  in Bezug genommene Verordnung vom 2 July v. J. bei mir nicht eingegangen und stelle ich daher davon nachträgliche Zufertigung ganz gehorsamst anheim

Der Königl. Landrath Jacobi v. Wangelin

 

Merseburg, den 29ten  May 1845

An den Königl. Curator und außerordentlichen Regierungsbevollmächtigten an der Universität Herrn Geh. Oberregierungsrath Dr. Pernice zu Halle

Bereits in meinem ergebensten Schreiben v. 9. d. M. beehrte ich mich zu bemerken, daß nach den bisher gemachten Erfahrungen von Studirenden verschiedener Universitäten um die jetzige Zeit auf der Rudelsburg bei Naumburg Zusammenkünfte gehalten zu werden …

Auch in diesem Jahre sind dergleichen Zusammenkünfte nicht unterblieben, da nach einer mir vorliegenden Anzeige etwa 200 Studenten von fast allen Universitäten Preußens und des angrenzenden Auslandes, vorzüglich aber von Halle, Leipzig und Jena sich vom ersten Pfingstmorgen auf der Rudelsburg versammelt und bis gegen 7 Uhr Abends daselbst verweilt  haben. Der Hauptzwecke dieser Zusammenkinft hat zwar, ohne daß ein engerer Zusammenhang oder eine planmäßige Leitung durch  Obere hervorgetreten wäre, nach den hierüber gemachten Wahrnehmungen nur in der gemeinschaftlichen Begehung eines Biergelages  und jugendlicher Belustigungen bestanden, und der Versuch Einzelner, dem Biergelage gegen das Ende hin, durch politische  Reden und Gespräche  eine andere Richtung zu geben, keinen Anklang gefunden. Da indessen... äußere Abzeichen, die von den Studenten getragen wurden, eine burschenschaftliche Verbindung wahrnehmbar machten auch am späteren Abend im Theater Belästigungen des Publikums durch laute Störungen von der Rudelsburg zurückgekehrter Studenten vorgekommen sind, welche die Ausweisung derselben zur Folge hatten, so habe ich nicht verhalten wollen E. pp. hierüber diese Mittheiliung mit dem ganz ergebensten Anheimstellen zu machen, ob vielleicht durch Präventiv-Maaßregeln, welche in den Disciplinarverhältnissen bei der Universität beruhen, dahin zu wirken sein möchte, das Ausschreitungen zu denen dergleichen zahlreiche  erfahrungsmäßig alljährlich zu Pfingsten wiederkehrende  und daher wohl mit vorgängiger  Verabredungen verküpfte Versammlungen von Studirenden verschiedener Universitäten so leicht führen können, vermieden werden, zumal es den Polizeibehörden immer sehr erwünscht sein muß, von jeglichen directen Einschreitens gegen die akademische Jugend überhoben sein könnte

Gerne benutze ich diese Gelegenheit, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung Ew. pp  zu wiederholen.

Der Regierungspräsident v. Krosigk.

 

Halle, den 6. Juni 1845

An den Königl. Regierungs-Chef-Präsidenten Ritter hoher Ordnung

Herrn Dom-Probst von Krosigk zu Mersenburg

Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich für  die weitere gefällige Mittheilung in betreff der Studenten-Zusammenkünfte auf der Rudelsburg vom 29. v. M. meinen verbindlichsten Dank auszudrücken.

Je mehr mir aber daran gelegen sein muß, die Thatsache  zu constatiren, ob wirklich im Gegensatz zu den früheren Erfahrungen, wonach vorzugsweise landsmannschaftliche Verbindungen sich auf  der Rudelsburg zusammengefunden, dießmal eine burschenschaftliche Association ein gemeinsames Gelage gefeiert, um so eher wird  das ganz ergebenste Gesuch gerechtfertigt erscheinen, geneigtest eine Übersendung des Fremdenbuchs auf der Rudelsburg an mich, wo irgend möglich, auf kürzeste Frist vermitteln zu wollen. Ich erlaube mir diese Bitte nach vorheriger Vernehmung der Ansicht der Königlichen Universitäts-Richters ganz ergebenst auszusprechen, welcher der Ansicht ist, daß man eine Requisition wegen Einsendung der gedachten Urkunde von ihm ausgehe, bei Weitem leichter eine Frustrirung der dabei gehabten Absicht eintreten könnte.

Indem ich mit daher  erlaube, E. Hochwohlgeboren die Gewährung eines Ersuchens der Präventiv-Maaßregeln, auf welche E. Hochwohlgeb. hinzudeuten geneigen, daß ich die Absicht habe, im Einverständnis mit den Regierungs-Bevollmächtigten zu Leipzig und Jena, beim nächsten Anlaß Pedelle nach der Rudelsburg abzusenden. Ueberdies hoffe ich, daß die mittelst Rescripts des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten vom 25. d. M. angeordnete Maaßregel, wonach jedem Studirenden zu jeder Reise bei Karzerstrafe geboten wird, Reisepässe von der Universität zu entnehmen, mich in Zukunft in den Stand setzen wird, die Reisen der Studirenden  nach der Rudelsburg, besser als bisher controlliren zu können....

Der Königl. Kurator und außerordentliche Regierungs-Bevollmächtigte an hiesiger Universität.

 

Merseburg den 12. Juni 1845

An den Königl. Landrath Herrn Jacobi v. Wangelin

E. Wohlgeb.beauftrage ich mit Bezugnahme auf Ihren unter dem 16. v. M über den Studenten-Verkehr auf der Rudelsburg erstatteten Bericht, sich das auf der Rudelsburg zu führende Fremdenbuch zu verschaffen und mir dassselbe auf kurze Zeit - etwa 8 Tage - schleunigst zu übersenden.

In der Zwischenzeit kann für die etwa die Rudelsburg besuchenden Fremden ein Interims-Buch oder auch ein einzelner Bogen, der später in das Fremdenbuch einzuheften wäre, ausgelegt werden.

Wenn übrigens in meiner Verfügung vom 9. v. M. auf einen Erlaß vom 2 Juli v. J. Bezug genommen ist, so beruht dies auf einen Schreibfehler. Es war damit die Verfügung vom 29. Juni v. J. gemeint.

Der Königl. Reg.-Präsident

 

Merseburg 27. Juni 1845

An den Landrat Jacobi v. Wangelin.

E. Wohlgeb. erhalten hierüber das unterm 20 d. M. eingereichte Fremdenbuch der Rudelsburg mit dem Auftrage zurück, bei Wiederaushändigung desselben an den Schankwirth auf der Rudelsburg möglichst zu ermitteln, aus welchem Grunde die in den letzten Pfingsfeiertagen dort zahlreich anwesend gewesenen Studirenden ihre Namen nicht in dasselbe eingetragen haben.

Auch wolle E. Wohlgeb. im Allgemeinen letzte Anordnung treffen, daß die Beaufsichtigung des Fremdenbuchs auf der Rudelsburg namentlich in den Sommermonaten hinreichend gehandhabt wird

Der Reg.-Präs- v. Krosigk

 

Naumburg, den 3ten July 1845

An den Kgl.  Reg.-Präs.

Das Fremdenbuch der Rudelsburg betr.

Ew. Hochwohlgeboren zeige ich auf den sehr verehrlichen Erlaß vom 27. Juni ganz gehorsamst an, daß es mir nicht gelungen ist, zu ermitteln, weshalb die an letzten Pfingsfeiertagen auf der Rudelsburg anwesend gewesenen Studenten, sich nicht in das Fremdenbuch eingeschrieben haben. Dasselbe  ist in Verwahrung des Wirths und wird den Besuchern der Rudelsburg vorgelegt, welche Verlangen tragen, sich einzuschreiben. Eine Verpflichtung zum Einschreiben ist nicht vorhanden, daher ich auch nicht weiß, auf welche Weise in dieser Hinsicht eine Controlle einzuführen ist und  mir vor weiterer Anordnung von E. Hochwohlgeb. nähere Instruction gehorsamst erbitten muß.

Uebrigens glaube ich als Grund der von seiten der Studenten unterlassenen Einschreibung ihrer Namen die Unannehmlichkeiten angeben zu können, welche ihnen in den vorausgegangenen Jahren durch Einsendung des Fremdenbuchs an die academische  Behörde in Halle erwachsen...

Der Königl. Landrath

 

An den Landrath Jacoby v. Wangelin

E. Hochwohlgeb. erwidere ich auf den Bericht v. 3. d. M. daß ich Ihnen die Erwägung und Einleitung der nach den obwaltenden Verhältnissen zweckdienlichsten Maaßregeln anheim stelle und glaube, im Allgemeinen die Erwartung aussprechen zu dürfen, daß E. Wohlgeb. nicht ermangeln werden, durch Ihre persönliche Aufmerksamkeit und durch geeignete  Instruction der betreffenden Ortspolizeibehörde und des Bezirks-.Gendarms auf die Erreichung  des Zweckes nach Möglichkeit hinzuwirken, wie es zu diesem Ende auch angemessen sein wird, den Wirth auf der Rudelsburg die sofortige Anzeige  über bemerkenswerthe Fremdenbesuche namentlich Seitens der Studirenden zur besonderen Pflicht zu machen

Merseburg, den 19ten July 1845

Der  Reg.-Präsident v Krosigk

 

Am 15. Juli 1848 wurde dann der Kösener Senioren Convents Verband (KSCV) gegründet, eine  Vereinigung der örtlich im Senioren-Convent (SC)  zusammengefaßten Corps. Der Kösener Kongreß (oKC) , die vertreterversammlung  der SCV  und der Corps findet seither jährlich  in der Woche vor Pfingsten in Kösen statt (Handbuch d. Corpsstudenten 6. Aufl. 1985).

 

Die beteiligten Personen

Adolph Heinrich Graf v. Armin-Boitzenburg (1802 - 1868)

                                   Preuß. Innenminister 1842 - 1845

Georg Adolpf Moritz von Leipziger (1795 - 1865)

                                   Landrat Kreis Bitterfeld ab 1822

Friedrich von Krosigk (1784 - 1871),

                                    Regierungspräsident 1841 - 1848, Freimaurer

*Dedo von Krosigk      (1776 - 1857),                                   Landrat Saalkreis ab 1816, Freimaurer

Carl Peter Lepsius  (1775 - 1853)

                                    Landrat Kreis Naumburg 1816-1841, Freimaurer

Hermann Georg Ludwig Jacobi von Wangelin (1812 - 1903)

                                   Landrat Kreis Naumburg  ab 1841

Haubold v. Schönberg (1821 - 1897)

                                    Rittergutsbesitzer auf Kreipitzsch und Rudelsburg