Der Plan vom städtischen Krankenhaus

Die Verbesserung der Attraktivität und damit die Zukunft des Bades an der Schwelle des 20. Jahrhunderts standen im Mittelpunkt der Bemühungen des Magistrats und der Stadtverordneten. Gleichzeitig veröffentlichte der Allgemeine Deutsche Heilbäderverband, in dem Kösen durch den Sanitätsrat Dr. Karl Schütze an führender Stelle vertreten war, verbindliche Richtlinien, um die Bäder hinsichtlich ihrer medizinisch-therapeutischen, balneologischen und infrastrukturellen Gegebenheiten und Angebote vergleichbar zu machen. Dieses Qualitäts-Ranking, wie man heute sagen würde, hatte auch schon damals erheblichen Einfluss auf die Entscheidung von Heilungssuchenden, welchem Bad sie den Vorzug geben würden. Nicht zu vergessen ist dabei, dass das Publikum diese Angebote ausschließlich aus eigener Tasche bezahlte und daher sehr genau darauf achtete, was man wo für sein Geld bekam. Das galt für die medizinische Kompetenz gleichermaßen wie für die Ortshygiene und nicht zuletzt für das Amüsement.

Für die noch junge Stadt war dies ein Balanceakt, wenn man sich im Konzert der Mode- und Luxusbäder und der aus dem Boden schießenden Konkurrenz behaupten wollte. Seit 1885 war man ja Eigentümer und Betreiber des Bades, allerdings unter Verzicht auf die werbewirksame Bezeichnung „Königliches Soolbad“.

Zwar hatte die Stadt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erhebliche Mittel zur Verbesserung der Ortshygiene und der Infrastruktur aufgebracht, doch die städtischen Kureinrichtungen wie die Wellenbäder auf der Radinsel und das Inhalatorium im unteren Park entsprachen nicht mehr den Anforderungen die das Publikum in einem modernen Badeort erwartete.

Der Nachholbedarf war in dieser Hinsicht groß, die städtischen Mittel dagegen begrenzt. Daher machte Bürgermeister Dr. Beyendorff bereits 1905 den Vorschlag, das Bad in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, um privates Kapital zu aktivieren. Leider fand dieser Vorschlag im Stadtparlament nicht die erforderliche Mehrheit und ging im Gezänk der rivalisierenden Interessengruppen unter. Dr. Beyendorff verließ Kösen, ging nach Lankwitz bei Berlin und hinterließ seinem Nachfolger Felix Kretschmar einen Berg von Problemen.

Dazu gehörte die Verbesserung der Soleversorgung. Gerade war man nur knapp einem Totalausfall entgangen. Über den Verbindungsstollen lief das im aufgelassenen unteren Solschacht einbrechende Wildwasser zum Borlachschacht und verschlechterte die hier anstehende Sole. Erst ein dauerhafter Verschluss des unteren Schachtes durch ein Gewölbe beseitigte diese Gefahr dauerhaft. Doch auch der Borlachschacht wies erhebliche Verschleisserscheinungen auf, so dass hier ähnliche Probleme bei der Soleförderung zu erwarten waren. Daher hatte die Stadt ein geohydrologisches Gutachten für eine neue Solebohrung bei Prof. Beyschlag dem Direktor der Geologischen Landesanstalt in Auftrag gegeben. Auf dessen Empfehlungen hin begann 1910 im unteren Park die Bohrung. Noch im gleichen Jahr traf man in verschiedenen Tiefen auf zwei Solequellen mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Die ersten Pumpversuche waren erfolgversprechend und die Stadt beauftragte den Bau des Kurmittelhauses anstelle des in die Jahre gekommenen Inhalatoriums. Nach knapp einem Jahr Bauzeit wurde das Gebäude, ausgestattet mit dem modernsten balneologischen Einrichtungen, vom Bürgermeister feierlich eröffnet.

Doch nicht nur die Verbesserung der Kurmittel stand auf der Tagesordnung. Ebenso wichtig wie nachhaltig waren Einrichtungen der Ortshygiene, angefangen beim Trinkwasser und der Abwasserableitung bis hin zum Betrieb eines Krankenhauses, das in den Richtlinien des ADHV den Bädern dringend empfohlen wurde.

Die damaligen Krankenhäusern dienten dazu, Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie Typhus, Tuberkulose und Cholera isoliert unterzubringen und zu pflegen. Das betraf in erster Linie Patienten deren häusliche Umgebung dies nicht zuließ, also zumeist die weniger bemittelte Bevölkerung. in den Bädern kam ein weiterer Personenkreis hinzu. Da waren diejenigen, die die Bäder aufsuchten, wenn ihre Heimatorte und dabei vorzugsweise die größeren Städte von derartigen Seuchen bedroht waren. Nicht selten waren sie bereits infiziert und mussten, wenn sich die ersten Symptome zeigten, vor Ort umgehend isoliert werden. Eine für derartige Fälle eingerichtete Anstalt war daher notwendig und nützlich und darüber hinaus für das Bad durchaus werbewirksam.

im Dorf Neu-Kösen gab es seit 1809 ein Armenhaus und 1888 hatte die Stadtgemeinde ein Siechenhaus in der Burgstraße (Nr. 14/16) eingerichtet. Doch das „Krankenhaus“ war für Badegäste unzumutbar und als Isolierstation völlig ungeeignet. Im Hinblick auf einen wünschenswerten Neubau hatte die Stadt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts einen Krankenhausbaufond eingerichtet, der vorzugsweise durch Spenden mildtätiger Badegäste gefüllt wurde. Aber auch einige Einwohner hatten dem Fond nicht unbedeutende Geldbeträge vermacht, die zweckgebunden zum Bau eines neuen Krankenhauses verwendet werden sollten. Dazu gehörten der frühere Badehausbesitzer Heun und die Kinder des ehemaligen Salineninspektors Senff. Ebenso hatte Therese Berbig  ihrer großzügigen Spende für eine Kinderbewahranstalt der Stadt mehrere tausend Mark für ein neues Krankenhaus vermacht. 1909 standen rund 27.000 Mark zur Verfügung.

Als im Frühjahr 1909 die obligatorische Besichtigung des Armenhauses erfolgte, stellten die Mitglieder der Gesundheitskommission, der Kreisarzt Dr. Steinkopf und der Königliche Baurat fest, dass das an der Fränkenauer Trift gelegene Anwesen nicht mehr bewohnt werden könne und daher geschlossen werden muss. Nach reiflicher Überlegung schlug im Herbst des gleichen Jahres Bürgermeister Kretschmar den Stadtverordneten eine Lösung vor, von der er meinte, dass damit die Problematik Armenhaus, Krankenhaus und Kinderbewahranstalt gelöst werden könnten.

Die Bewohner vom Armenhaus sollten im Siechenhaus unterkommen, das baufällige Anwesen abgebrochen und hier unter Zukauf eines Stücks der Fränkenauer Trift die Kinderbewahranstalt errichtet werden. Einmal könnte man endlich das Vermächtnis der Therese Berbig erfüllen und zum anderen lag der Platz in dem „Stadtteil mit den meisten Kindern aus unbemittelten Familien“.  Als Bauplatz für das Krankenhauses schlug Kretschmar ein 1.200 Quadratmeter großes Flurstück aus dem zum Pfortaischen Gutsbezirk gehörenden und von der Haarnadelkurve umschlossenen Hang vor. Der Platz außerhalb des Stadtgebietes war in Anbetracht der Isolation und der Angst vor Ansteckung durchaus verständlich. Nach Auffassung Kretschmars begünstigte die Chaussee die Erreichbarkeit und vom nur 400 Meter entfernt stehenden Hochbehälter des städtischen Wasserwerkes könnten eine Druckleitung bis dahin verlegt werden. Den Kaufpreis bezifferte Kretschmar mit rund 25.000 Mark, den die Gemeinde aufbringen müsse, denn die Mittel aus dem Krankenhausfond mussten für den Bau verwendet werden. Doch der Prokurator der Landesschule lehnte zunächst ab, man wolle keine städtische Exklave im Gutsbezirk haben. Statt dessen bot er der Stadt das Grundstück auf dem die zur Domäne Fränkenau gehörenden Fronhäuser standen an (Eckartsbergaer Str. 19). das grenzte unmittelbar an den Stadtbezirk und der Magistrat drängte seit längerer Zeit die Entfernung der dort stehenden Behausungen. Das wiederum lehnte Kretschmar ab und machte das Angebot, den gesamten Hang von der Schlucht bis zur Haarnadelkurve zu kaufen. Nachdem das Schulenforstamt zugestimmt hatte, teilte der Prokurator seiner übergeordneten Behörde mit, dass man den Verkauf angehen könne, allerdings unter der Maßgabe, dass hier nur städtische Einrichtungen für „Sanitäts- und Medizinzwecke“ errichtet werden dürften

Kretschmars Vorstoß, das viermal so großes Grundstück zu erwerben, kam nicht von ungefähr, denn er hatte eine Geldgeberin gefunden. Fräulein Julie Kumbruch, deren Mutter bereits Geld für den Bau des Krankenhauses gestiftet hatte, erklärte am 31. Januar 1910: „Auf die mir vorgetragene Bitte des Herrn Bürgermeisters Kretschmar mache ich der Stadt Koesen folgende Stiftung zum Besten ihrer Armen und Kranken. Ich übernehme für mich und meine Rechtsnachfolger die Verzinßung und Amortisation der Kosten zum Ankauf des Bauplatzes für ein neues Krankenhaus an der Eckartsbergaer Chaussee in der Schleife zum Ebtischen Holz in einer Größe von 5000 Quadratmetern, den Quadratmeter zu 2,50 Mark, das Kaufgeld zu 3,5% Zinsen und 1,5% Amortisation gerechnet“.

Die Grundstücksfrage schien gelöst und auch die Gesundheitskommission hatte bei einem Vororttermin dem Standort „Haarnadelkurve“ zugestimmt. Doch es gab auch Widerstand. Zunächst intervenierte der Kommunalarzt Dr. Wagner. Er wies darauf hin, dass der Standort zu weit vom Ort entfernt sei, der Transport von Kranken zu umständlich und die Anschlüsse an das städtische Ent- und Versorgungssystem zu aufwändig wären. Er schlug vor, das neue Krankenhaus neben der Matthes`schen Wurstfabrik an der Fränkenauer Trift zu errichten und trug auch keine Bedenken, wegen der von dort ausgehenden „schlechten Gerüche“.

Schwerer wog der Einspruch der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kalksteinverwertung. Direktor P. Kersten, ohnehin der Intimfeind des Bürgermeisters, hatte sich bei der Gewerbe-Inspektion gegen die vorläufige Genehmigung des Standortes „Haarnadelkurve“ durch die Kreisdeputation ausgesprochen. Dabei berief er sich darauf, dass er bereits seit 1899 eine Genehmigung zum Bau von zwei Zement-Ringöfen mit zwei 80 Meter hohen Essen im Kalkwerk  habe, deren Realisierung nun in Angriff genommen werden sollte. Zusammen mit den Schornsteinen der beiden Lengefelder Ziegeleien und des Holzwerkes wären es dann sechs Essen, deren Qualm zwangsläufig den östlich davon gelegenen Krankenhausstandort beeinträchtigten würde.

Und auch mit der Landesschule kam man nicht ins Geschäft. Diese verlangte nun 3 Mark für den Quadratmeter, allerdings sollte die Stadt den Besitz ohne weitere Einschränkungen erhalten. Mitte 1910 teilte der Bürgermeister dem Landrat mit, dass man von diesem Standort Abstand nehmen müsse. Doch nebenher gelang es ihm, Fräulein Kumbruch zu überreden, ihre finanzielle Zusage zu modifizieren. Die bisherige Finanzierungsvereinbarung wurde aufgehoben und Fräulein Kumbruch versprach der Stadt 12.500 Mark für den Erwerb eines geeigneten Grundstücks. Bedingung war, dass bis zum September die Stadtverordnetenversammlung einen verbindlichen Beschluss zum Krankenhausbau fassen würde.

Bürgermeister und Gesundheitskommission schlugen nun vor, das Krankenhaus doch in der Burgstraße anstelle des Armenhauses zu bauen. Das Grundstück gehörte der Stadt, die zugesagten Mittel würden für den erforderlichen Zukauf eines Stückes der Fränkenauer Trift reichen. Doch das lehnte die Mehrheit der Stadtverordneten ab, die das Krankenhaus möglichst weit außerhalb der Ortslage wollten. Dabei half ihnen ein Schreiben der Königlichen Regierung zu Merseburg, die zu einem Standort entweder östlich vom Friedhof oder in den Hinterbergen riet. Kurzfristig entschied man sich für den Standort Hinterberge und beauftragte den Magistrat, mit den dortigen Eigentümern über einen Ankauf zu verhandeln.

Nachdem auch der Baurat Schmidt zugestimmt hatte, wurden bereits am 24. August 1910 drei Kaufverträge vorbereitet. Mit Albin Knüppel (Saalberge 1) wurden 26.000 Mark für seine drei Parzellen vereinbart, mit dem Bäckermeisters P. Hämmerling 8.000 Mark für seinen Weinberg und dem Ehepaar Reinhard 18.000 Mark für ein Gehölz oberhalb des Knüppelschen Anwesens. Damit war die Bedingung von Fräulein Kumbruch erfüllt und die von ihr versprochene Summe wurde zum Grundstückserwerb verwendet. Der Baurat Schmidt wurde mit der Entwurfsplanung betraut, die, nachdem sie die Zustimmung der städtischen Körperschaften gefunden hatte, Ende des Jahres bei der Prüfbehörde in Merseburg eingereicht wurde. Im Oktober 1911 erteilte das Königliche Regierungspräsidium die prinzipielle Genehmigung, allerdings mit zahlreichen Auflagen und vorbehaltlich der baupolizeilichen Genehmigung. Diese Auflagen für Desinfektionsanlagen, Quarantäne- und Isolierstation, Leichenhalle und Sezierraum trieben aber die Kosten nach oben. 80.000 Mark standen zu Buche, wovon gerade einmal die Hälfte zur Verfügung stand. Da zur gleichen Zeit eine Anleihe für die Mehrkosten des Kurmittelhauses aufgenommen werden musste, war der finanzielle Spielraum der städtischen Kasse erschöpft. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss, das Vorhaben um eine Jahr aufzuschieben.

Dagegen sollte der Bau der Kinderbewahranstalt sofort beginnen, da hierfür die Mittel aus dem Berbigschen Nachlass zur Verfügung standen. Das Armenhaus wurde abgebrochen und bereits im Oktober 1912 die Kinderbewahranstalt eingeweiht.

Der Beschluss über den Aufschub hatte beim Regierungspräsidium Befremden und Unmut ausgelöst. Unter Bezugnahme auf ein Reichsgesetz, dass die Einrichtung von Isolierstationen zur „Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten“ zwingend vorschrieb, wurde der Magistrat angewiesen, binnen 4 Wochen zu erklären, wie man dem Gesetz auch unabhängig von dem beabsichtigten Neubau nachzukommen gedenkt.

Die Stadt war nun nicht nur in Geld- sondern auch in Erklärungsnot. Daher wurde auf Empfehlung der Gesundheitskommission der ortsansässige Mauermeister Reichenbach beauftragt, eine abgespecktes Neubauprojekt zu erarbeiten. Doch auch hier überstiegen die Kosten die der Stadt zur Verfügung stehenden Mittel. Das teilte der Bürgermeister der Königlichen Regierung mit, nachdem diese mehrmals die Erledigung der Sache angemahnt hatte. Doch nun war die Geduld der Behörde erschöpft. Sie ordnete an, dass binnen 3 Wochen ein entsprechender Beschluss zur Umsetzung des Reichsgesetzes ohne weiteren Aufschub zu fassen sei.

Doch erneut lehnte die Stadtverordnetenversammlung die vom Bürgermeister eingebrachte Beschlussvorlage wegen der nicht geklärten Finanzierung ab. Pflichtgemäß wurde vom Magistrat der Beschluss beanstandet und die Sache dem Bezirksausschuss vorgetragen Der wiederum lehnte es ab, sich in interne Streitigkeiten zwischen dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung einzumischen.

Im September 1912 ordnete der Regierungspräsident die Einrichtung von Isolierräumen innerhalb von drei Wochen an und drohte bei Nichtbefolgung mit einer Ersatzvornahme. Um das zu verhindern, beschloss die Stadtverordnetenversammlung die vorhandenen rund 40.000 Mark aus den Stiftungen und dem Krankenhausbaufond als erste Rate für den Krankenhausbau nach dem Reichenbachschen Projekt freizugeben.

Nun wurde das Reichenbachsche Projekt bei der Königlichen Regierung eingereicht. Doch die lehnte es ab, da es gegenüber dem vom Bauinspektor Schmidt eine wesentliche Verschlechterung darstellte und dem Anspruch eines Kurbades kaum genügen würde. Nach längerem Hin und Her akzeptierte die Königliche Regierung im April 1913 das abgespeckte Projekt unter der Maßgabe, dass es nach der Provinzial-Polizeiverordnung geprüft und genehmigt wird und die Desinfektions- und Isolierräume sowie die Sezier- und Leichenräume den neuesten Erkenntnissen entsprechen. Die Einarbeitung dieser Auflagen dauerte erneut seine Zeit und am 13. August wurde die Polizeiverwaltung von der Kgl. Regierung ermächtigt, die Bauerlaubnis zu erteilen.

Um das Vorhaben zu realisieren und die begrenzten Mittel nicht zu überschreiten, suchte man nun einen Generalübernehmer, der das Krankenhaus schlüsselfertig zum Festpreis herzustellen würde. Man warb damit, dass das Vorhaben in einem Bad entsteht, wo auch renommierte russische Ärzte kurten. Daraufhin meldete sich der Frankfurter Architekten Voggenburg, der sich prinzipiell bereit erklärte, das Haus mit 12 Betten einschließlich Mobiliar, Wäsche, Desinfektion, Einfriedung, Wegen, Aschegrube, Klärgrube mit Koksfilter, Abzugskanälen und Bepflanzung für 54.000 Mark schlüsselfertig zu errichten. Das Honorar betrug 6.000 Mark.

Doch die Vertragsverhandlungen zogen sich hin. Der Ausbruch des Krieges verhinderte den weiteren Verfolg. Im Oktober legte die Stadt das Geld aus dem Krankenhausbaufond in Kriegsanleihen an. Die Verzinsung war mit 5 Prozent lukrativ, die Laufzeit betrug jedoch 10 Jahre. Mit dem Ausgang des Krieges war die Anleihe wertlos geworden. Bereits 1915 verkaufte die Stadt einen Teil der Grundstücke in den Hinterbergen an die Berliner Ortskrankenkasse des Buchdruckergewerbes. Julie Kumbruch starb 1920 und wurde als Wohltäterin von der Stadtverordnetenversammlung gewürdigt.

Die Stadt behielt das Krankenhaus in der Burgstraße und stellte eine „Hausfrau“ zur Krankenbetreuung ein. Bei der Schießerei vor der „Tanne“ im März 1920 wurden hier die verwundeten Arbeiter eingeliefert. Am 3. Juli 1923 wurde das Krankenhaus aufgeben und Wohnräume an   bedürftige Einwohner vermietet.

T. Budde

2015

Quellen: Archiv BLK Nr. 72