Friedrich von Hardenberg (1772-1801) - Wegbereiter der Braunkohlenindustrie

 Friedrich von Hardenberg

Assessor der kursächsischen Staatssalinen Artern, Kösen, Dürrenberg

und die Anfänge der Verwendung von Braunkohlebriketts für die Siedesalzherstellung

und die Fortführung durch den preußischen Salinenfiskus am Beispiel der Kösener Saline  

 

Die sächsischen Salinen Artern (seit 1727), Kösen (1730) und Dürrenberg (1763) verwendeten  zunächst ausschließlich Holz als Brennmaterial für den Siedeprozeß. Während die Versorgung von Kösen und Dürrenberg mit Scheitholz aus der Saaleflöße weitgehend gesichert war, gab es in Artern erhebliche Schwierigkeiten, da geeignete Wälder in der Nähe fehlten und die Unstrut kein Floßgewässer war.

Daher begann hier schon frühzeitig, noch unter dem Direktorat von Johann Gottfried Borlach (1687-1768) die Suche nach geeigneter Erdkohle, nachdem der Vorschlag von Joachim Friedrich Freiherr von Beust (1697-1771),  eine Soleleitung von Artern bis zur Unstrutmündung zu errichten und hier die Sole mit dem Holz aus der Saaleflöße zu versieden, aus Kostengründen nicht zur Ausführung kam.

Um die Saline nicht wegen Holzmangel aufzugeben, wurde mit den Besitzern der Braunkohlenlager bei Voigtstedter Lieferverträge abgeschlossen und die Kohle mit dem aus dem Kyffhäusergebirge und dem Vorharz auf dem Landweg ankommenden  Holz gemischt und verbrannt.

Allerdings stieg der Holzbedarf mit der Inbetriebnahme der Saline Dürrenberg und gleichzeitig  begrenzten auch die Holzlieferanten im thüringischen Oberland die Einschlagmengen und gingen zu einer geordneten Waldbewirtschaftung über, um dem bisherigen Raubbau Einhalt zu bieten. Dies alles führte naturgemäß zu einer erheblichen Verteuerung des Floßholzes.

Mit der von Friedrich Anton von Heynitz (1725-1802) inittierten Reorganisation der kursächsischen Salinen wollte man mit der Verbesserung der Gradierung und des Siedebetriebes Brennstoff einsparen, doch Ziel war es auch das Holz möglichst durch die in der Nähe der Salinen entdeckten Erdkohlen abzulösen.   

1784 begann die konsequente Einführung der Kohlenfeuerung in den Salinen Kösen und Dürrenberg, wofür erhebliche Änderungen der Siedeherde vorausgingen unter dem Direktorat von Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738-1814), dem Nachfolger des Grafen Leopold von Beust (1740-1827).

Dass dem so war, das geht aus dem Schriftverkehr seines Sohnes hervor. Georg Phillip Friedrich von Hardenberg, der 1796 in die Dienste der Saline trat und 1797 ein Studium an der von Heynitz begründeten Bergakademie Freiberg aufnahm, gehörte ab 1799 als Assessor zur Salinendirektion.  Zu seinen vielfältigen Aufgaben, gehörte auch die Verbesserung der Methoden zur Anwendung der Erkohlen und die Suche nach geeigneten Lagerstätten.

Am 12. Juni 1799 schrieb Hardenberg: „ Ehmals ward das Feuerwercks-Bedürfniß der Saline Dürrenberg ganz mit Holz bestritten (…) Seit ao. 1788, wo es mit Erdkohlenfeuerung der Anfang gemacht wurde, hat sich des Holzconsumo immer mehr vermindert ..“ (Quelle HKA Bd. 3)

In einem zweiten Schreiben, datiert in Kösen heißt es:

Seit ao. 90 ist auf hiesiger Saline die Erdkohlenfeuerung im Großen betrieben und zur Verminderung des Feuerholzbedürfnisses  angewandt worden. In den Jahren 86-87 hatte man bereits Versuche mit diesem Brennmaterial angestellt, und war seitdem auf Aquisition derjenigen Ländereyen Bedacht gewesen, die Erdkohlenlager enthielten. Diese fanden sich bey Mertendorf  seitwärts Naumburg nach Schkölen zu, und waren auch schon von dem Bürgermeister Sonnekalb zu Naumburg  gehörenden Kalck- und Ziegelhütte nahe bey Mertendorf, in dem Dorfe Punkewitz deshalb benuzt worden. Von dieser Zeit an sind allmählich eine beträchtliche Anzahl Grundstücke  dort erkauft worden, wozu in den letzten Jahren auch noch vorbesagte  Kalck- und Ziegelhütte, vorzüglich zur Vermeidung der Concurrenz gekommen.-

Die Kohlen sind vorzüglich auf  zweyerley Art gewonnen worden, durch Abraum, auf eine ähnliche Weise, wie man in Steinbrüchen zu verfahren pflegt – und bergmännisch – durch Absinkung von Schächten, Stollen und Streckenbetrieb und Anlagung von unterirdischen Brüchen....

Der Transport ist zeither die größte Beschwernis dieser Unternehmung gewesen. Man hat, um nur einen einigermaßen fahrbaren Weg zu stande zu bringen, einen eigenthümlichen Weg aquiriren und so viel es sich, ohne zu große Kostenverschwendung thun lassen, in Stand setzen müssen. Indeß scheint die nahe Aussicht des Frankfurter Chausseedammes  auch hier eine Hoffnung eines bequemen Transportes zu gewähren, indem man den größeren Teil des Kohlenweges  auf diese Chaussee würde verlegen können.“ (Quelle ebenda)

Damit ist der chausseemäßige Ausbau des Fahrweges von Hassenhausen über die Kösener Brücke,  Schulpforta nach Altenburg-Almrich gemeint, die nun anstelle der unbefestigten Kohlenstraße von Mertendorf über Punkewitz, Beuditz, Neidschütz, das Buchholz und Flemmingen zur Kösener Saline benutzt werden sollte. Allerdings begann der Ausbau erst um 1805 und wurde 1827 mit der Verlegung der Straße hinter dem Dorf Neu-Kösen abgeschlossen.

Problematisch war der hohe Anteil der beim dem Transport der geformten Kohlen von Mertendorf nach Kösen, so dass man sich dazu entschloss, auf dem salinengelände einen Streichplatz anzulegen. Dazu wurde ein Platz an der Kettenbrücke hergerichtet und zur sicheren Ablagerung der im erheblichen Umfang anfallenden  Asche von der Landesschule einen Streifen Land entlang der kleinen Saale, der sog. Aschendamm gepachtet. 

Weiter heißt es in dem o.a. Schreiben.

Die Aussichten für die Saline Kösen beschränken sich nach den zeitherigen Entdeckungen lediglich auf den Umfang des Erdkohlenlagers  zu Mertendorf und des benachbarten zu Rathewitz.

Dieser (gewiß sehr ansehnliche) Umfang ist zwar noch nicht völlig bekannt, verspricht aber (.) schon in seiner bekannten Erstreckung auf lauter aquirirten Grundstücken eine Quantität Kohle  von 1.445.458 Scheffel (rd. 150.000 m³) für die Zukunft. Diese würde die Saline allein auf 10 Jahre sicherstellen, wenn auch die Sonnensalzfabrication nicht durch Verminderung der Feuerwercksbedürfnisse noch eine längere Dauer dieser Vorräthe hoffen ließe...“

(Quelle a.a.O.).

Nach Hardenbergs lieferte die Mertendorfer Grube jährlich 138.492 Scheffel (14.400 m³) Rohkohle. Davon erhielt der Naumburger Seifensieder Brändel 2.500 Scheffel. In Mertendorf wurden 63.492 Scheffel an 5 Streichtischen und in Kösen 62.500 Scheffel an 5,5 Streichtischen zu Formziegeln verarbeitet. Für die Herstellung von Tausend Stück Formkohlen wurden in Mertendorf 28 Scheffel und in Kösen 25 Scheffel verbraucht. Die Jahresproduktion belief sich in Mertendorf auf 2.667.600 Stück, in Kösen waren es 2.500.000 Stück, insgesamt also 5.671.600 Stück.

 

Eine interessanten Einblick in die Probleme bei der Mutung, dem Abbau und der Verarbeitung der  Erdkohlen für die Salzversiedung gibt ein Bericht Friedrich von Hardenbergs an Abraham Gottlob Werner (1749 - 1817) seinen Lehrer für Mineralogie an der Bergakademie Freiberg.

 

Weißenfels, den 18. April 1800

Mancherley Beschäftigungen verhinderten mich bis jetzt an Sie, theuerster Lehrer  zu schreiben. Ich hatte immer die Idee einen Aufsatz mit den anbefohlenen Notizen über die bituminösen Holzerdanlagen der hiesigen Gegend für das Oberbergamt zu fertigen. Jetzt, da ich endlich dazu verschreiten wollte, fiel mir ein, daß ich geschwinder dazu käme, und daß es noch dazu dem Zwecke  des Höchsten Anbefehlichstes gemäßer seyn  würde, wenn ich Ihnen privatim die behufigen Nachrichten mittheilte. Die Rücksichten aufs Oberbergamt hätten mich zu einer umständlichen Ausarbeitung genöthiget, deren Zeitaufwand mit jetzt lästig seyn würde, weil  ich eine nothwendige reise nach Schwemsal  und nach Thüringen vorhabe, wohin mich mein Freund Just (Anm. August Cölestin Just, 1750-1822, Amtmann des Thüringer Kreises zu Tennstädt) zu der Besichtigung eines neu angelegten Alaunwercks und der gutachterlichen Anzeige der dort eingeführten angeblich neuen Fabricationsmathode, requriret hat. Ich ersuche Sie aber, sich gegen den Herrn von Gutschmidt nichts davon entfallen zu laßen. Indes lag es mir am Herzen, vor Aussendung der zu den diesjährigen geognostischen Untersuchungen bestimmten Academisten, Ihnen die nöthigen Data zur Instruirung derselben über diesen Punct zukommen zu laßen. Die freye Briefform erlaubt das  Nothwendige kürzer zusammen zu faßen, und Ihre allezeit bewiesenen Nachsicht gegen mich versichert mir Ihre Entschuldigung bei entstandenen Lücken.

Die Hauptniederlagen der bituminösen Holzerde finden sich im Amte Weißenfels, dieseits der Saale, im Amte Freyburg nach Merseburg zu, im Gebiet der Geisel und im Stifte Merseburg zunächst der Saale, an den Abhängen ihrer Zuführungsthäler.

Jenseits der südwestlichen Grenze des Weißenfelser Amtes nach Eisenberg, Bürgel und Jena zu, auch jenseits der Saale im Weimarischen sind bis dato keine Spuren derselben entdeckt worden, dagegen hat man in letztern Gegenden, wo bunter Sandstein, Fasergyps, Thon und neuer Flötz-Kalk durchgehends vorzukommen scheinen, hin und wieder im neueren Flötzkalk, oder wie ich vermuthe, mehr unter  demselben  im Thon, schwarze, brennbare, schieferatige  Flötze gefunden, die dem thüringischen  Alaunschiefer nahe kommen, und vielleicht zu einer Formation mit ihm gehören. Die häufigen Laimlagen (Anm. Lehm) in jenen Gegenden sind nicht, wie meistentheils hier, auf Flußsand und Gries aufgesetzt, sondern unmittelbar auf die Gebirgsarten.

Nach Westen über Naumburg und Freyburg hat man nur wenige unbedeutende Spuren entdeckt – das neuere Kalck-Flötz-Gebürg und was sich dort hinzieht ist sehr  stücklich und nur mit Laim und weniger Dammerde bedeckt. Nach Norden zu, jenseits Querfurt und Deutschenthal kommt das ältere Kalckgebürg und das Steinkohlengebürg von Wettin heran und nur im Tahle am Sittichenbach und zunächst Klosterrode finden sich in einige Lager. Jenseits dieser Grenzen, in dem Keßel, den das Zusammenkommen des Unstrutthals von Sachsenburg, des Helmethals von Roßla herunter, das dazwischen liegenden kleinern Thals von Sondershausen  und Bendeleben herunter, des Wiehensche und Memleber Thals, des Sachsenhäuser, und des Voigtstädter Thals bilden in deßen Mitte  noch Artern liegt, finden sich ebenfalls sowohl in der Ebene nach Franckenhausen zu, als in den Schluchten einiger Mittelhügel, die sich zwischen Artern, Voigtstädt, Edersleben, Kastädt und Brücken erstrecken, beträchtliche  bituminöse Holzerdlager, auch zeigen sich mehrere Spuren in den Stollbergischen Thälern nach Leinungen zu, sowie überhaupt an mehrern Orten der Grafschaft Mannsfeld. Das beträchtlichste hier bekannte Lager ist in dem engen Thale, was sich von Blanckenhayn über Emsloh und Riestädt nach Sangerhausen zieht. 

Bei Helbra über Eisleben, ingleichen in der Nähe der Dessauischen Stadt Sandersleben, an den Seiten eines nach der Saale abhängigen Thals, was nach Meringen und Aschersleben, von Hettstedt sich herab zieht, trifft man ebenfalls wichtigere Erdkohlenlager.

 

An der Unstrut, in dem Wiehenschen Thale, wo das Pottendorfer Kupferschiefer-Flötz und der neuere Gyps bei Wendelstein einzelne Mittelhügel bilden, sind  in neueren Zeiten beträchtliche  Torflager  entdeckt worden. Jenseits des Paßes von Sachsenburg scheinen  in den Seitenthälern des großen Unstrutthales, außer Alaunschiefer, beträchtliche  Torflager unter Mergel und Gries vorzukommen.

 

Nach Nordost, Osten und Süden scheinen aber Districte mit bituminösen Holzerdenlagern sich obbenannte Gegenden  anzulehnen. Sie gehören mit ihnen zu einer  großen nach der Elbe zu sich neigenden Ebene, die meist nur von einzelnen Porphyr und Sandsteinhügeln unterbrochen und von der Saale, Elster, Pleiße und Mulde durchströmt werden.

Die beträchtlichsten Niederlagen sind  im Saalengebiet, unterhalb Naumburg. An der Mulde finden sie sich unterhalb Wurzen, an der Elster  unterhalb Zeitz und an der Pleiße unterhalb Altenburg.

 

Der südliche Theil des Amts Weißenfels, dieseits der Saale, wird nach Westen von von Wethabach, nach Süden und Südost vom Flößgraben und der Elster, und nach Nordost von der Gruna und Rippach begrenzt. Sein Hauptabhang ist nach Nordosten, welcher das ganze Gebiet an der Rippach ausmacht. An diesem, und zwar an den seiten seiner Nebenschluchten, sind die meisten Niederlagen dieses Bezirks.

Die Namen der Dörfer, in deren Fluren hier bituminöse Lager bisher bemerckt wurden, sind folgende:

Schelkau, Teuchern, Zaschendorf, Ober- und Unterwerschen, Tackau, Nödlitz, Zembschen, Köpsen, Taucha, Granschütz, Demsen, Webau, Muschwitz, Sehesten.

Auf dem Abhange nach der Wethau zu sind folgende Oerter in diesem Betracht nahmhaft zu machen:

Schkölen, Seidewitz, Seuslitz, Beuditz, Mertendorf, Rathewitz, Görschen, Stößen.

Auf dem Abhange nach dem Flößgraben und der Elster zu habe ich nur von 2 Lagern gehört, Einmal bei Gladitz dem Andern bei Reußen.

 

Im Amte Freyburg sind im Gebiet der Geisel die äußerst beträchtlichen Lager von Roßbach, Mücheln und Zöbigkau.

 

Im Stifte Merseburg  finden sich bituminöse Lager bei:

Lützen, Schlechtewitz, Kauern, Teuditz, Tollwitz, , Nempitz, Witschersdorf, Zscherneddel, Zöschen, Wagwitz, Pretzsch, Oberthau, Burgliebenau, Dölitz an der Aue, Zscherben, Knapendorf,  Kriegstädt, Neukirchen, Beuchlitz, Schlettau, Deutschenthal.

 

Die Preußen haben am Salzigen See Kohlen bei Langenbogen, Röblingen und am ganzen südlichen Ufer deßselben hin bis Schraplau.

 

Gangbare Kohlenwercke sind hauptsächlich zu Mertendorf, Rathewitz, Köpsen, Sehesten, Muschwitz, Kauern, Teuditz, Tollwitz, Zscherneddel, Wagwitz, Pretzsch, Liebenau, Dölitz in der Aue, Knapendorf, Neukirchen, Beuchlitz, Schlettau, Deutschenthal, Roßbach, und Zöbigkau.  

Die unterstrichenen sind die wichtigsten.

Mertendorf, Rathewitz, Pretzsch und Tollwitz gehören den Salinen .

Köpsen dem Rent-Amte zu Weißenfels.

Sehesten und Roßbach werden gewerckschaftlich betrieben.

Muschwitz und Kauern gehören den Bauern,

Teuditz dem Bergrath Heun (Anm. Friedrich Wilhelm Heun 1741-1812, seit  1775 Vizedirektor der kursächsischen Salinen)

Zscherneddel dem Hauptmann von Ampach

Wegenitz dem Obersten Schmidt

Liebenau der Cammer zu Merseburg,

Knapendorf zum Theil dem Bergrath Senff (Anm. Erdmann Friedrich Senff sen. seit 1791 Inspektor der kursächsischen Salinen) zum Theil dem Straßenbauinspector Krause zu Merseburg,

Neukirchen dem Bergrath Senff,

Beuchlitz und Schlettau  der Frau von Billerbeck

Zöbigker dem Commerzienrath Lincke.

Wem Deutschenthal und Dölitz zustehen, ist mir unbekannt. Nur weiß ich, daß die Preußen in der Nähe des letztern Orts ein Kohlenwerck angelegt haben.

Unter den Kohlenlagern finden in Rücksicht ihrer geognostischen Situation wenig Verschiedenheiten statt. Sie sind auf mehr oder weniger ebenen, oft wellenförmigen Boden, meist mantel-, keßel- oder muldenförmig gelagert.

Aus dem Ansehn der äußern Fläche ist selten ein genauer Schluß auf die Beschaffenheit  ihrer Lagerung zu machen. An den tiefsten Puncten der Thäler fehlen sie gewöhnlich. Zur Sohle haben sie immer Sand oder Thon. Das Dach wechselt mehr ab.- Es besteht oft bei einem und demselben Flötz aus verschiedenen Schichten. Kies kommt am häufigsten darüber vor. Er wechselt mit braunen weißen und bläulichen Thon, weißen und braunen Sand, sandigen oder mit Kiesel vermischten Laim und Mergel ab.

Eine merclwürdigkeit fand ich bei dem Kohlenwercke zu Tollwitz, und sie mag noch öfterer vorkommen – nämlich die oberste Schicht des aufliegenden Gebürges war an einigen Stellen mit einer Kreide-Masse zu einem Conglomerat zusammen gebacken und Zacken dieses Conglomerats gingen durch den lockeren Gries durch.

In den Kohlen kommt oft Sand und Thonerde in Schichten vor. Eine braune halbellige Thonschicht, mitten in der Kohle gibt häufige Gelegenheit zu unreiner Förderung. Gewöhnlich sind es nur einfache Flötze; Nicht häufig kommen schmale Kohlenschichten im Dache als Anreisungen vor.

In Artern finden sich 2 Aschenbestege, das Eine ist über die Kohle, aber nicht so beständig als das Andere, was in der Kohle ohngefähr einhalb Lachter (1 m) über der Sohle ist. Es scheint würckliche Kohlenasche zu sey, und häufig eingemengte Holz-Kohlen bestätigen diese Vermuthung. Das untere ist nützlich, weil es die Brechungen der Flötz-Ebene sehr sicher anzeigt. Die Flötze sind meist in mehreren Schichten von ungleicher Stärcke, Güte und Ansehen getheilt, indem in letzterer Hinsicht einige gelblich, braun andere braun oder schwarz aussehen.

Die einzelnen Kohlenlager scheinen jedoch in Rücksicht der Fossilien, die sie begleiten, ihrer orgditognostischer Beschaffenheit und ihrer Güte nach, mercklicher von einander abzuweichen.

Das Arternsche Lager scheint fast das Aelteste zu seyn, vielleicht nur mit Ausnahme des Beuchlitzer. Die gangartigen Klüfte in denen die Honigsteine vorkommen, und der häufige stellenweise Uebergang in Pechkohle, besonders an den Grenzen des untern Aschenbestegs zeichnen es aus, und deuten auf ein höheres Alter.

An einigen tieferen Stellen des Flötzes ist es durch und durch streifenweise mit Pechkohle durchzogen, auch der krystallisirte Schwefel findet sich bloß in Artern.

Dabei ist der Schwefelkies, der ausblühende Vitriol, der Gyps und der gediegene, derbe, erdichte Schwefel hier  am häufigsten.

In Mertendorf habe ich  den mehresten  Bernstein getroffen, der theils in größern, festern Klumpen vorkommt, theils mehlartig in kleinen Parthien durch die ganze Masse verbreitet ist.

Nur in Beuchlitz sollen diese Fossilien in der Kohle vorkommen. Bey den andern genannten Kohlenwercken habe ich nur wenig Bernstein, erdigen Schwefel und Gyps bemerckt. Der Schwefelkies ist noch am allgemeinsten.

Noch deutlich erkennbares, fasriges und schneidbares Holz ist eine sehr gewöhnliche Erscheinung.

In Artern liegen Stämme in allen Richtungen überall – doch scheint sich an einigen tiefern Puncten vorzüglich viel angehäuft zu haben. In Beuchlitz, Zscherneddel und Deutschenthal  macht es die Hauptmasse des Flötzes aus.

Auf den übrigen gangbaren Kohlenwercken kommt es nur in einzelnen Schichten, mehr oder weniger erhalten vor. Daher wurden auch auf denselben fast lauter Formkohlen verfertiget. Die einetliche bituminöse Erde weicht nun theils durch ihre Cohären, theils  durch ihre  Schwere, theils durch ihre Farbe, Fettigkeit und Geruch im Feuer voneinander ab. Einige und zwar die Beste sieht schmutzig-ockergelb und  leberbraun aus und zeugt einen dunkeln glänzenden Strich. Sie kommt nur schichtenweise vor. In der Tiefe ist sie allemal fester, fettiger, schwerer und wircksamer im Feuer.

Die Röthliche, die besonders in Neukirchen und Knapendorf in den obern Schichten liegt, ist leicht und brennt wie Stroh.

Der Unterschied in Rücksicht der Fettigkeit hat auf die Streycherei Einfluß, weil die magere Kohle sich allein nicht formen läßt und gleich wieder zerbröckelt.

In Rücksicht ihrer Güte beurtheilen wir sie nach ihrem Verbrannde gegen die Klafter (2,5 m³) weiches Floßholz zu 7/4 Ellen (1 m) Stärcke  – und sind zufrieden, wenn ca. 88 ½ Cubic-Fuß (2 m³) Kohle soviel thun, als ein solch Klafter Holz, die ca. 19-20 Zentner (1 t) wiegt. Je beßer die Kohle ist, desto weniger  Asche läßt sie zurück und desto gleicher brennt sie.

Schlechte Kohle fladdert entweder wie Stroh, oder glimmt bloß, ersteres wenn sie zu leicht, letzteres wenn  sie zu viel erdige Theile bey sich hat. In diesem Falle macht sie auch Schlacken und setzt den Rost zu.

Aus den Nachlaße  des seel. Gren`s (Anm. Friedrich Albert Carl Gren, 1760-1798, Physiker) ist in Gilberts „Annalen der Physik“ (Anm. Ludwig Wilhelm Gilbert, 1769-1824, Physiker und Herausgeber) eine Prüfung  der Güte und der  spezifischen Schwere mehrere Erd-Kohlen aus hiesiger Gegend erschienen, gegen die nur das eingewendet werden kann, daß Gren die ersten, besten Stücke genommen, und entweder die Schichten, aus denen er sie genommen, nicht angegeben, oder noch beßer aus den sämtlichen Schichten jedweden Lagers  nach Proportion ihrer Stärcke, Kohle zu seinen Versuchen nicht gemengt und angewandt hat.

Der abbau geschieht theils über Tage durch Abraum, theils unterirdisch durch Bruchbau. Die Wahl zwischen beiden Arten bestimmt sich nach Berechnungen. Bey 12 Ellen (ca. 7 m) Abraum und 7-elligen (ca. 4 m) Kohlenstand und darüber kann zur Noth noch abgeräumt werden. Die Cubic-Elle ( 0,2 m³) Abraum oder Kohle zu fördern, kostet bei uns im Gedinge circa  3 Groschen. 

Bey lockern Abraum und lockerer Kohle  kann ein Mann  an einem Tage  bei Gedingearbeit 26 bis 30 Cubic-Ellen (ca. 5 m³) loshauen und einfüllen , sonst nur 12 -16 (ca. 2,5 m³).

Der Aufseher mißt ihnen vor und nach. Die Abräume werden grob angelegt. Die Figur ist meist ein Recktangel (Anm. Rechteck) oder  Quadrat, nach Gelegenheit zu 2-400 Quadrat-Ellen (60 bis 120 m²). Die Böschung wird bey lockern und hohen Abraum terrassirt oder straßenweise vorgerichtet.- Die Straßen zu 2 Ellen Höhe (ca. 1,1 m) und ½ Elle (ca. 0.7 m) Breite.

Hat man mit Waßer zu thun, so ist freilich ein Stollen das bequemste Auskunftsmittel, wenn es die Lage erlaubt und er nicht zu weit herzubringen ist. Sonst hilft man sich bei uns mit gewöhnlichen Vertikalpumpen.

Vorzüglich muß man die schickliche Wahle eines nahen Platzes zur Aufhäufung der Kohle und des Abraums bedacht seyn. Darin wird bei den meisten Kohlenwercken gefehlt. Da mit dem Abraum der ausgefördert, kaum wieder ausgefüllt und planirt werden muß, so sucht man ihm auch schon um deswillen in die Nähe zu bringen und ihn nicht einer künftigen Förderung in den Weg zu legen. Theilt  man sich gleich im voraus das auszufördernde Feld in die gehörigen  Abräume, so kann man sich  manche Verlegenheit ersparen. Kennt man durchgängig die Verhältniße des Kohlenstandes und Abraums darinnen, durch gut gewählte Bohrlöcher, so wird man auch nicht in den gewöhnlichen Fehler fallen, anfänglich gleich die besten Stellen abzubauen und hinterdrin nur eine magere und theuere Förderung übrig zu behalten, sondern gehörig gute und schlechte Förderungsplätze verbinden. 

Liegen die Abräume, wie häufig an Hängen und Schluchten, so muß man sie durch vorgezogene Gräben gehörig gegen Regenfluthen zu schützen suchen.

Wird der Abraum sehr tief, so kann man sich einer Haspelförderung von den Wänden herunter  mit Vortheil bedienen, nur müßen dann die Wände standhaft seyn, weil sie sonst terrassirt werden müßen, und dann die Haspelförderung nicht eintreten kann.

Eine Hundeförderung ist theils wegen des bergan laufenden Förderwegs, theils wegen der veränderlichen Förderung selbst nicht füglich anzubringen.

Alles wird in Schubkarren von Jungen weggelaufen, deren Bezahlung den Gedingarbeitern obliegt. Im Tagelohn erhalten sie 3 Groschen bis 3 Groschen 6 Pfennige, die größern Arbeiter 4 Groschen. 

Der unterirdische Abbau ist jetzt nur in Artern, Mertendorf, Beuchlitz und Schlettau in Gebrauch, auf den übrigen Wercken findet bloß Tagabbau statt. Ersteres hat mit großen, oft fast unübersteiglichen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenn man viel Waßer und zugleich Triebsand vor sich hat.

In Mertendorf scheint es mir musterhaft gut vorgerichtet zu seyn. In ältern Zeiten betrieb man ihn äußerst unregelmäßig. Man fand unten ein wahres Labyrinth von Strecken, die aufs Gerathewohl getrieben worden waren, und nicht selten verbrach man sich, theils bequeme Förder- und Communicationsstrecken, theils selbst ganze bauwürdige  Stellen des Flötzes. Dabei legte man die Brüche zu groß an, veranlaßte dadurch zu viele Brüche und verlor bei diesem Bau über ein Drittheil Kohle, was verschüttet wurde.

In Mertendorf führt man jetzt die Strecken nach dem Ausgehenden zu, und zwar rechtwincklich aus einer mit dem Ausgehenden parallel laufenden Hauptstrecke. Aus der Förderstrecke  wird oben ein kurzer Querschlag  von ohngefähr 4 Ellen (ca. 2,3 m) bis an den alten Bau oder den vorliegenden Berg getrieben und im Ortstoße verbühnt. In die Wand nach dem Ausgehenden zu bricht man über sich alsdann das Dach  und baut so den eingeschloßenen  Theil des Flötzes von oben wieder so, wie bei dem gewöhnlichen Bergbau zugerichtet ist, jedoch nur selten so starckes Holz erfordert.ab. Ist das geschehen, so wird die Zimmerung heraus  gerißen, die Förderstrecke herunter verbühnt und 2 Thürstocksweiten, welches circa 4 Ellen beträgt , eine neue Bruchstrecke vorgerichtet.

Ist man hierunter bis an die Hauptstrecke , so wird diese nach den Brüchen zu verbühnt, und eine neue Förderstrecke ebenfalls um 2 Thürstockweiten zurück angesetzt, und auf diese Art continuirt.

Ist die Kohle sehr mächtig, über 12 Ellen (8 m), so baut man  sie in doppelten Brüchen  ab. Die obersten 6 Ellen (4 m) werden zuerst auf vorgedachte Art gewonnen, und dann teuft man bis zur Sohle ab, treibt die nöthigen Strecken in der Kohle und höhlt nun die übrigen 6 Ellen auf gleiche Weise nach.Man hat dabei den Zweck, die allzu hohen und gefährlichen Brüche zu vermeiden und die Kohle reiner und sicherer abzubauen. Durch dieses Verfahren hat man den ehemaligen Kohlenverlust beträchtlich verringert. Ist die Kohle fest, so hat man wenig Verzimmerung nöthig, die übrigens  völlig so, wie bei dem gewöhnlichen Bergbau gerichtet ist, jedoch nur selten so starckes Holz erfordert.

Die Strecken haben meist ¾ Lachter (1,5 m) Höhe , und unten ein halb Lachter (1 m) Breite. Oben sind sie etwas schmaler. Das Arbeitsgezähe besteht aus Keilhauen und Schippen.

Die Förderung geschieht in Laufkarren auf untergelegten Schwartenbrettern, mit welchen auch die Firste und die Wände verschlossen werden.

Die Hundeförderung kann hier aus ähnlichen Ursachen, wie beim Abraum nicht nutzbar gebraucht werden. Die Unebenheiten der Streckensohle und die Schnellen Veränderungen des Baues machen sie nicht thunlich.

Die Kohle wird mit gewöhnlicher zweimännischen Haspeln zu Tage gefördert.

Die Schichten sind 8 stündig. Gewöhnlich verfährt aber der Pursche  anderthalb Schichten den Tag. Ist die Arbeit preßant, so wird der Bau zu 2/3 , auch 3/3 belegt.

Der Pursche erhält 6 Groschen auf die Schicht. Der Haspler, Anschläger  und Karrnläufer 5 Groschen. In der Schicht kann der Pursche circa 1 Lachter (2 m) in einer Streckte von 1 Lachter Höhe und  2 Ellen (1,1 m) oben und 2 ¼ (1,3 m) Ellen untere Breite in der Kohle auffahren. Beim Abteufen kostet das Lachter  bei 4 Ellen (2,3 m) Länge und 2 Ellen (1,1 m)  Breite 1 Thaler 12 Groschen. In den Kübel gehn ohngefähr 10 Dresdener Metzen (65 l).

Wettermangel tritt hauptsächlich im Sommer ein.- Oft helfen hier alle Vorkehrungen nichts, und daher wird auch im Sommer die unterirdische Förderung wenig betrieben. Die Arbeiter werden dann bei Abräumen angestellt, die auch in Artern und Mertendorf bis jetzt haben angelegt werden können. Die Wetter scheinen nur schwere Wetter-Kohlensaures Gas zu seyn. Schlagende Wetter sind noch nicht wahrgenommen worden. Die größten Behindernisse machen die Waßer und der Sand. Diese Erfahrungen haben wir in Mertendorf gemacht. In Artern ist der Bau meist trocken.

Die Waßer stehn in Mertendorf im Triebsande über einer Thonschicht im Dache, und zwar in der kesselförmigen Vertiefung des Flötzes. Bei Absinkung eines Schachtes zu ihrer Lösung auf den Stollen, bringt man oft mehrere Wochen mit Abteufung einer einzigen Elle zu, weil sand- und Waßerquellen unaufhörlich nachdrücken. Man muß genau Acht auf die in den Schachtstufen entstehenden Höhlungen geben, und beständig nachfüllen. In solchen Fällen wird eine Röhre durchgestßen, bis in die Stollenfirste und nach gerade der Waßerspiegel bis auf den Stollen abgelaßen. Indes verhindern Thonmulden und Keßel häufig genug die beabsichtigte Trocknung des höher liegenden Flötzes.

Wenn man in Strecken die Thonsohle des Waßers durchhaut oder anbohrt, so dringt das Waßer mit Sand vermischt, mit einer unglaublichen Heftigkeit  durch die Öffnung – das aufliegende Gebürge fängt an nachzudrücken und stürzt nach, und nun geschehen heftige Schläge, wie bei einer Explosion.- Sand und Waßer dringen vorwärts, schlemmen oft in Zeit von einer Viertelstunde mehrere Lachter des Stollens zu, und brechen die stärcksten Fallthüren und Dämme durch.

Mit den Gefahren des Feuers ist man bis jetzt erst in Artern bekannt geworden. Es wurde durch sorgfältige Zufüllung der Tageritzen und Thonverschläge der Zuführungsstrecken  gedämpft, durch immer weitere Entgegenrückung dieser Verschläge in die Enge gebracht, und dann rundum verbrochen.

Der häufige Schwefelkies in der dortigen Kohle macht sie am fähigsten, sich von selbst beim Zutritt des Waßers zu erhitzen. Man braucht jetzt die Vorsicht die losgehauene Kohle nicht zu hoch aufzuhäufen und nicht zu lange liegen zu laßen, weil diese sich bei einiger Feuchtigkeit am leichtesten erhitzt.

Im Flötz selbst scheint sie nicht sehr feuerfangend zu seyn, denn sonst hätte sich bei den vielen zu Tage ausgehenden Brüchen durch das eingedrungene Waßer, weit öfterer dieser Fall ereignen müßen.

Die Schächte werden im Bolzenschrot gesetzt und  mit Schwartenbrettern verschlossen. Nur wo man mit Sand zu thun hat, müßen Planckenpfähle, die sich von den gerißenen Schwartenpfählen dadurch unterscheiden, daß sie auf beiden Seiten behauen sind, oder Pfosten dazu genommen werden.

 

Was nun die Streicherey betrifft, so fängt diese Ende April an und dauert bis Ende October. Natürlich sucht man die Streichplätze in der Nähe der Kohlenhalden anzubringen, um das Zulaufen nicht kostspielig zu machen. Sie müßen sorgfältig planirt werden. Das nöthige Waßer zur Einweichung der Kohle und Benetzung der Formen, wird durch Röhren oder Brunnen herbei geschafft.

Die Einsumpfungskästen deren man einige zusammen vorrichtet, und die meist 4 Ellen (2,3 m) lang, 4 Ellen breit, 13 Zoll (30 cm) hoch sind  werden in die Erde gegraben, und die auf 5 beweglichen Rädern ruhenden Streichtische herbei gefahren.

Ein solcher Streichtisch muß nach der Größe der Streicher eingerichtet werden, doch helfen sich die kleinen Jungen noch mit Bäncken. Oben ist der Tische eben, und auf 2 Seiten mit bretternen Borden versehen.

Auf der einen Seite sind nebeneinander  oder einander gegenüber 2 Pulte mit Leisten angebracht, worauf die Formen gelegt und vollgestrichen werden. An den flachen Theil des Tisches  ist ein Brett zum Auflaufen der zubereiteten Kohle hinauf gelegt, die mit Laufkarren von den Kästen zugelaufen wird.

Neben dem Streicher steht ein Eimer mit Waßer zur Abspülung und Benetzung der Form, zum Anfang jeden Strichs. Die Formen sind in Rücksicht ihrer Größe verschieden. Bey uns sind die kleinsten zu zwey einfachen Steinen, die größten zu 3 doppelten oder 6 einfachen Steinen eingerichtet. Ein einfacher Stein hat auf einer Seite 10 Zoll (23 cm) Länge , 5 ½ Zoll (12,5 cm) Breite, auf der andern 10 ½ Zoll (24 cm) Länge und 5 ¾ Zoll (13 cm) Breite. Die Höhe ist 2 ¾ Zoll (6,3 cm). Ein doppelter hat 12 ½ Zoll (28,7 cm) Länge, 6 ½ Zoll (15 cm) Breite auf der einen und 12 Zoll (27 cm) Länge , 6 Zoll (13,8 cm) Breite auf der andern Seite,. Die Höhe beträgt 4 Zoll (9,2 cm). Der Unterschied der Seiten in Rücksicht der Länge und Breite erleichtert das Herausfalle der Ziegel beim Umkippen auf dem Platz. Die Formen sind von getrennten Brettern zusammengefügt und in Fächer eingetheilt und auf 2 gegenüber stehende Seiten mit Handhaben versehen.

 

Die Operation ist folgende.

Der Streicher benetzt seine Form, deren weite Seite oben liegt mit Waßer damit sich der Stein leicht löse, faßt von dem Kohlenhaufen auf dem Tische  einen hinreichenden Klumpen, drückt ihn auf die Form, füllt jedes Fach gehörig aus, streicht mit der flachen Hand die Oberfläche gerade, ergreift seine Form bei der Handhabe, zieht sie vom Pult herunter und trägt sie an das Ende des Platzes wo er  die erste Reihe anfängt , setzt die Form auf die Erde und kippt nun aus der weiten Seite die Ziegel heraus, läuft zurück, spült seine Form in dem Eimer ab und fährt nun auf obige Weise fort.

Durch Übung lernt er die nöthige Quantität Kohle auf einmal greifen. Eine Nachfüllung verursacht, daß oft das angeklebte Stück aus dem Ziegel bei der Trocknung bröckelt.

Auch gehört Geschicklichkeit zum Anheben der Form zum verticalen Tragen und zum Auskippen, damit der Ziegel nicht zu früh herausfällt. Der Aufseher hat beim Streichen auf die gehörige Ausfüllung und das Geradestreichen der Oberfläche zu sehen, indem, wenn die flache Hand nicht gleich gehalten wird, Hohlungen entstehen.

Bei der Zubereitung, wo die Kohle in den Kästen mit Waßer eingeweicht und nachher zu einem dicken stehenden Brei getreten  wird, kommt es vorzüglich auf die gehörige Consistenz an. Wird die Kohle nicht gehörig durchgetreten und bleibt sie zu steif, so läßt sie sich  nicht ausstreichen, und läuft in der Form  nicht gehörig zusammen. Ist sie zu naß, so trocknet der Ziegel übermäßig ein, verliert an seiner vorgeschriebenen Masse und der brennbaren Beschaffenheit der Kohle wird geschadet. Die Treter schonen gern die Füße und dann entstehen diese Incomminenzen. Bei fremden Anlieferungen wird man dadurch an der gehörigen Masse betrogen.

Bei warmen trockenen Wind, trocknen die Ziegel in 2 bis 3 Tagen. Sind sie erst etwas hart, so müßen sie umgewandt, dann auf die lange schmale Kante gestellt, endlich auf diesen Kanten 6 bis 8-fach übereinander gesetzt und gehörig verschränckt werden, um die gehörige Trockniß zur Wegschaffung in die Schuppen zu erlangen. Wenn man sie übereinander setzt, legt man Schwartenbretter unter, um bei der Einweichung des Bodens durch Regengüße ihr Einfallen zu verhüten, auch bedacht man diese Reihen  mit solchen Brettern.

Jeder Streichplatz hat seinen Streichtisch. Zu jedem Tische gehören bei uns 5 Mann - zwei Streicher, ein Zuläufer und 2 Einsümpfer, doch haben wir auch einfache oder halbe Tische mit 3 Mann. Ein Tisch kann täglich 6-8000 einfache Ziegel oder 3-4000 doppelte streichen. Einfache Ziegel werden hauptsächlich nur  bei schlechter Witterung, der leichten Trocknung wegen gestrichen. Den ganzen Sommer durch werden gemeiniglich 5,000,000 Stück einfache Ziegel auf den Tisch gerechnet. Die Arbeit muß natürlich allemal so lange cestiren, bis die Plätze wieder leer sind. In dieser Zwischenzeit sümpfen sie vor und schaffen die fertigen Formkohlen in die Schuppen.

Für das Tausend in die Schuppen gelieferte Kohlen bekommen die Arbeiter jetzt 12 Groschen und daher müßen sie natürlich für den Wetterschaden stehn, der, wenn die Plätze bei Platzregen voll liegen, sehr beträchtlich seyn kann. Die Seltenheit der Leute und die Nothwendigkeit sie wieder zu haben, macht es nöthig, sie im Sommer so viel verdienen zu laßen, daß sie zum Theil noch den Winter durch davon leben können, wo wenig Verdienst ist. Sonst müßten sie sich vermiethen oder auch an ein anderes festes Auskommen dencken, auch ist die Arbeit äußerst beschwerlich, schmutzig und ungesund. Hautschäden und Gichtübel sind unter diesen Leuten sehr häufig.

 

Eine Hauptschwierigkeit bei unserem so beträchtlichen Kohlenverbrauch ist der Mangel an Fuhrwerck. Die theuren Futterpreiße machen es auch sehr  kostbar. Uebrigens wird bei uns bei den Kohlenwercken  alles nach Kohlenscheffeln zu 18 Dresdener Metzen (117 l) gerechnet.

Die Cubic-Elle (182 l) Kohle  im Flötze gibt ohngefähr 2½ solche Scheffel. Bei auswärtiger Streicherey und fremden Anlieferungskohlen müßen die Formen etwas größer  seyn, als auf den Coctur-Plätzen  selbst, und 28 Scheffel auf 1000 Stück Ziegel verstrichen werden. Auf den Coctur-Plätzen kommen nur 25 Scheffel auf 1000 Stück. Dies ist zur Sicherheit der Salinen, wegen des beträchtlichen Abgangs bei der Anfuhr erforderlich. Und bei den klaren Kohlen muß die 17te oder 18te Metze das Einmaas, den Verlust bei der Anfuhr und den Abgang vom Haufen durch den Wind übertragen.

In diesem Frühjahr sollen Versuche über zwey neue Methoden der Formung angestellt werden. Die eine ist ein Arcanum des Magisters Melzers zu Leipzig, die andere rührt vom Bergrath Senff her.

Beide wollen schnellere Manipulation, mithin Ersparung an Mannschaft, schnellere und sichere Trocknung, Ersparung an Raum und Zeit überhaupt, und Vermeidung des Verlusts durch die Gebrechlichkeit der Formkohlen bewircken. So manche Bedencklichkeiten a priori dagegen obwalten, so wünschenswerth wäre der günstige Erfolg

 

Die Einrichtung der Oefen und Herde zu ihrem Gebrauch ist sehr einfach. Ein ziemlich enger Rost zur Verhütung des Durchfallens der kleinen abspringenden Stücke, ein Raum für die ansehnliche Menge Asche und ein verstärckter Zug sind die einzigen Erforderniße um einen Ofen oder Herd mit Erdkohlen feuern zu können. Anbrennen muß man sie erst mit Reißig oder Stroh, dann brennen sie von selbst fort.

Eine Zange zur Eintragung der Kohle, ein Räumeisen zur Offenhaltung des Rostes, eine Schaufel zur Ausräumung der Asche und ein großer irdener  Topf zu ihrer einstweiligen  Aufbewahrung macht das nöthige Feuergeräth aus. Einen stärckeren Zug  erfordern sie, wie das Holz, theils wegen ihrer dichten Maße, theils weil sie mehr Lebensluft zu consumiren scheinen, indem beträchtlichere Quantitäten Kohlensäure entstehen , die dann auch  zur Wegführung eine stärckere Bewegung nöthig haben.

Die bequemsten Oefen dazu sind  die sogenannten Canonen-Oefen. Aber man kann fast jeden Ofen, wo ein Rost etwas hoch anzubringen ist, daß unten Raum für die Asche bleibt und dieser untere Raum mit der äußern Luft  durch eine Röhre oder Canal verbunden, der Raum über dem Rost aber  durch eine passende Thür vor dem Schürloch gut vor dem Zugang der äußern Luft verschloßen wird, für die Erdkohlenfeuerung einrichten.

Auf ähnliche Weise werden sich alle  Feuerstätte, wo das Feuer mittelbar wirckt, leicht für die Erdkohlenfeuerung einrichten laßen.

Schon der seel. Mende (Anm. Kunstmeister der Kupferschiefergrube) hatte bei Bottendorf eine laufenden Kalckofen mit Formkohlen eingerichtet, der gut vonstatten ging. Auch bey Zöbigker unweit Mücheln, hat der Commerzienrath  Lincke jetzt einen solchen Ofen im Gange. Mende glaubte auch einen Glasofen mit Erdkohle feuern zu können, und hatte die Idee, einen solchen bey Zöbigker zu etabliren, verstarb aber darüber.

Es sollen bei uns jetzt sogar Backöfen danach eingerichtet werden, wo nämlich das Backhaus eine eiserne Platte zu liegen kommt, die von unten durch Erdkohlenfeuer erhitzt wird. Man hat bereits ähnliche  Feldbacköfen  für Steinkohlen bei der Preußischen Armee.

Uebrigens ist die Kohle ein gutes Düngungsmittel. Ihre Abschwefelung, um sie für Schmiede brauchbar zu machen, ist aber bis jetzt  nicht geglückt.- Es ist auch sehr problematisch, ob es überhaupt glücken kann. Die Asche kann allenfalls mit Nutzen zum Düngen gebraucht werden. Ihre Anhäufung und ihre lang anhaltende Hitze machen sie zu einen Gegenstande der strengsten Policeyaufsicht und der vorsichtigsten Maaßregeln bei ihrer Aufbewahrung.

Bey uns werden vor dem Aschenhaufen tiefe Gräben gezogen, die Erde daraus oben aufgefahren und damit ein fester Ueberzug über die Asche gemacht. Sind die Gräben voll, so zieht man neue und verfährt ebenso. Dadurch wird die innere Hitze gedämpft, die Oberfläche brauchbar gemacht und die  Verstäubung durch den Wind sehr vermindert.

Es bleibt nun nichts mehr über diesen Gegenstand zu sagen übrig, als daß im Anfange dieses Jahrhunderts die Bewohner dieser Gegenden zuerst  mit der Nutzbarkeit  dieser Lager bekannt  geworden zu seyn scheinen. Anno 1718 ertheilte der Herzog von Weißenfels einen gewissen Wittich schon  eine Concession  zur Anlegung  einer für die  Erdkohlenfeuerung eingerichteten Kalck- und Ziegelhütte zu Mücheln. Indes so häufig dermalen auch Muthungen auf diese vermeintlichen Steinkohlen bei dem Bergamte zu Eisleben  und vielleicht auch Marienberg und Annaberg, deren Districte so viel ich weiß, sich bis hieher erstrecken, eingelegt wurden, so scheint doch kein Kohlenwerck   wircklich in Gang gekommen zu seyn.

Die Saline Artern hat zuerst in den Vierziger Jahren gröbere bituminöse Kohle zum Salzkochen benutzt. Der Bürgermeister Sonnekalb zu Naumburg legte darauf eine Kalck- und Ziegelhütte  zu Punkewitz auf Erdkohlen aus. Der Bergrath Borlach ließ fast die meisten der jetzt bekannten Kohlenwercke abbohren. In Halle fing  der Vater der Frau von Billerbeck an, auf dem verpachteten Königl. Salzwercke, die Kohle von seinem Guthe Beuchlitz zu gebrauchen.

 

Endlich ward, nachdem mein Vater die Salinen-Direction übernommen hatte, mit allen Ernst Anstalt gemacht, auch in Kösen und Dürrenberg mit Erdkohlen zu feuern und womöglich das Holz ganz zu ersparen. Seitdem wurden diese Lager  ein Gegenstand der allgemeinen Aufmercksamkeit und Speculation. Die einreißende Holtnoth zwang die Privatleute  auf dieses  wohlfeile Holz-Surrogat Bedacht zu nehmen  und der Gebrauch wird nun  mit jedem Jahre allgemeiner. In den letzten Jahren wurden auf den Churfürstl. Cocturen  jährlich 18-20,000 Claftern Holz damit erspart.

Wie sehr wünsche ich Ihre  Absicht erfüllt und Ihnen alles gesagt zu haben, was Sie interessirt. Ich freue mich, Sie hoffentlich bald zu sehen, Sie heiter und  wohl zu sehen, mich von der  Fortdauer Ihrer  Freundschaft zu überzeugen und mannichfaltige Belehrungen von Ihnen zu vernehmen.

Mit der innigsten Anhänglichkeit  und Achtung zeitlebens

Ihr gehorsamster  Schüler und Freund Friedrich von Hardenberg

 

Doch dem hoffnungsvollen Bergbeamten war nur noch ein Lebensjahr beschieden, denn er verstarb am 25. März 1801 im Alter von nur 29 Jahren und mit ihm verstarb einer der bedeutendsten Frühromantiker, der sich für sein literarisches Schaffen des Pseudonyms Novalis bediente.

Doch gerade seine intensive Beschäftigung mit der Braunkohle in den sächsischen Salinen und damit der Anfang der mitteldeutschen Braunkohlenindustrie sollte weit über seinen Tod hinaus wirken.

 

Über die Mertendorfer Kohlengrube berichtete 1799 auch der herzogl.-weimarischen Bergrat Johann Carl Wilhelm Voigt (1752-1821), wie v. Hardenberg ein Schüler von A. G. Werner und vom Staatsminister J. W. v. Goethe mit der Leitung der herzogl.-weimarischen Bergwerken betraut:

 

Von dem  Bituminösen-Erdlager bey Mertendorf.

Mertendorf liegt drey Stunden von der Chursächsischen Saline Kösen, in einem ziemlich engen Grunde, auf der rechten Seite der Saale. Der Bach Wiete (Anm. Wethau), der unterhalb von Naumburg in die Saale einfällt, scheint , vereint mit den da zusammenrinnenden Regen- und Schneewassern, diesen Grund gebildet zu haben, indem er sich durch den auf höhern Punkten befindlichen Flötzkalk bis in den gewöhnlich darunter  liegenden Flötzsandstein eingewaschen hat. Die Bituminöse Holzerde findet man auf der rechten Seite des Grundes, im sogenannten S e m i g t. Man hat einen ziemlich steilen Sandstein-Rand zu ersteigen, ehe man dahin gelangt; von hier an erhebt sich das Terrain nur noch sanft und bedeckt das Lager Bituminöser-Holzerde, das für die Saline Kösen von so unschätzbarem Werthe ist. Es ist achtunddreyßig Fuß (ca. 10,5 m) mächtig, und seine Ausdehnung in die Breite, die noch nicht ganz bekannt ist, schätzt man auf eine Quadratmeile (2,5 km²).

In diesem mächtigen Körper bemerkt man weder eine Abwechslung von verschiedenen Schichten, noch findet man sonst etwas Fremdartiges in demselben; er bestehet ganz aus Bituminöser-Holzerde, die theils locker ist, theils auch einigen Zusammenhang hat. Ich fand sogar einige Stücke, die fester waren, als zerreiblich, und diese haben sich auch in meiner Sammlung erhalten, ohne Sprünge zu kriegen oder in lockere Erde zu zerfallen. Man findet in diesem Bituminösen Erdlager  nur selten Braunkohle, und höchstselten Bituminöses Holz. Lange suchte ich hiernach vergebens, bis mir der Steiger endlich ein Stück aus seiner Wohnung herbey holte, daß er vor Kurzem gefunden hatte. Es war von dunkel nelkenbrauner Farbe und hatte noch ganz die Holzgestalt. Es war so wenig vitriolisch, daß das davon mitgenommene Stück mindestens nicht aufgerissen oder mit Vitriol (Anm. Sulfatverbindungen) beschlagen ist. Zugleich erhielt ich auch ein Stück ganz verkießtes oder mit Schwefelkieß (Anm. Pyrit) dergestalt durchdrungenes Holz, daß nur die Textur desselben  übrig geblieben war, und eine Anzahl kugelförmiger Stücke Schwefelkieß. Sie hielten ohngefähr einen Zoll Durchmesser, und waren von außen schwarzgrau angelaufen, inwendig aber stralig und glänzend. Noch häufiger sollen ingwerförmige Stücke Schwefelkieß vorkommen,  wovon ich zwar einige Stücke auf der Halde auflas, aber nicht erfahren konnte, ob sie im  Bituminösen-Erdlager selbst, oder in dessen Liegendem vorkommen.

Honigstein hat man bis jetzt auf diesem Werke noch nicht gefunden, dafür aber ein Erdharz, daß bisher für Bernstein gehalten ist, nach einigen flüchtigen Versuchen aber, die ich damit anstellte, etwas ganz Anders zu seyn scheint. Ich verspare eine nähere Anzeige davon bis auf die Nachricht von Langenbogen, wo ich es in größerer Menge antraf.

Sowohl über als unter diesem Bituminösen Erdlager befindet sich ein Lager von graulich-weißem Thone; dessen ab- und zunehmende Mächtigkeit im Durchschnitt auf ein Lachter (rd. 2 m)  geschätzt werden kann. Auf dem obern dieser Thonlager ruhet noch ein mit vielen Quarz- Hornstein- Feuerstein- Flötzkalk- Sandstein- Porphyr und andern Geschieben gemengtes unreines  Thonlager, und auf diesem endlich eine laimige Dammerde, die der Vegetation nicht ungünstig zu seyn scheint. Die unterste Thonschicht ruhet da, wo gegenwärtig der Bau ist, auf Flötzsandstein, weiter aufwärts aber kann sie sich wohl auch über den darauf liegenden Flötzkalk ausbreiten.

Als eine geognostische Besonderheit führe ich noch an, daß ich zu Mertendorf gleich hinter dem Wirthshause ein etliche Lachter mächtige Flötzlkalkschicht mitten im Flötzsandstein antraf, und es schien, daß man diesen Bruch zum Behuf der Kalkbrennerey da angelegt hatte.

So offen dieses Bituminöse Erdlager da liegt, mit eben so vielen Schwierigkeiten ist es  verbunden, dasselbe vortheilhaft zu gewinnen und rein abzubauen, und man scheint in dieser Rücksicht  selbst für die Zukunft nicht außer Sorgen zu seyn. Es schießt gegen das Ansteigen des Terrains, obwohl nicht stark ein, daher die darauf liegenden Erdlager desto mächtiger werden, je weiter man mit dem Bauen fortfährt.

Anfänglich beräumte man es und ging senkrecht daran nieder, indem man den Abraum hinterwärts aufhäufte. Man erhielt dadurch ein Profil  von diesem Erdlager, das noch offen und in seiner  ganzen Mächtigkeit entblößt ist. Endlich, ich weiß nicht ob aus Mangel an Platz, oder weil man vortheilhaft zu bauen gedachte, stellte man diese Tagearbeit ein und richtete sogenannte Bruchörter vor. Diese werden vom Stollen aus bis an gewisse Punkte, gewöhnlich soweit, als man der Wetter wegen fortkommen kann, getrieben, wo man sechs Fuß (1,7 m) lang und ebenso weit seitwärts herausbricht, und diesen Raum unverzimmert stehe läßt.

Soweit hier die Arbeiter mit der Keilhaue über sich reichen können, wird die Erde aus der Firste hereingenommen, wo sie nach und nach von selbst nachbricht, und so immer weggefördert wird, bis endlich der Abraum selbst nachstürzt. Ist man soweit, so läßt man rückwärts einen Pfeiler von sechs  Fuß stehen, und richtet alsdann ein neues Bruchort vor, und continuirt so, bis an den Anfangspunkt. Hierauf läßt man die zwischen den Bruchörtern stehen gebliebenen Pfeiler auf eben diese Art nach und nach hereinbrechen.

Man sieht leicht, mit wie viel Mühseligkeit und Gefahr diese Art von Bergbau verbunden ist, und dennoch läßt sich unter diesen Umständen kaum eine vortheilhaftere denken, da die ungewöhnliche Mächtigkeit des Bituminösen-Erdlagers jede regelmäßige Gewinnungs-Methode unanwendbar macht. Das einzige wäre, die Beräumung dieses Erdlagers aller Schwierigkeiten ungeachtet, dennoch zu forciren, so wie es zu Langenbogen im Mansfeldischen geschiehet, wo der Abraum bald bis zu neun Lachtern (ca. 18 m) anwachsen wird. Auf diese Art ist man versichert, alles rein abzubauen, und eben soviel Feld, als vorwärts verloren geht, läßt sich hinterher aufs neue urbar machen.

Auch dem Stollenbetrieb war das Terrain unter dem Bituminösen-Erdlager sehr nachtheilig. Denn da es keine Festigkeit hatte, und nur aus Geröll von Thon, Sand und Laimen bestand, so war die zweckmäßigste Zimmerung nur von geringer Wirkung. Die Stollen wurden mehrmalen zusammengedrückt und verschoben, in welchem Zustande ich ihn auch gegenwärtig antzraf. Der Anschlag zu diesem bau soll kaum die Summe von achtzig Thalern erreicht, die Ausführung hingegen auf viertausend Thaler gekostet haben.

Nur auf einem Punkte wird die Bituminöse-Holzerde noch am Tage gewonnen. Man hat ein beträchtliches Stück davon horizontal beräumt, und die dadurch erhaltenen Oberfläche derselben in Quadrate von 12 Ellen  abgetheilt (ca. 6,5 m) und hiernach die Gedinge eingerichtet. Von diesen Quadraten wird jedes eine Elle (ca. 56 cm) tief ausgehauen, wo dann, wenn keins mehr übrig, allemal wieder eine ganz eben Fläche entsteht, die aufs Neue abgetheilt und verdingt werden.

Die in dieser Vertiefung zusammen rinnenden Wasser, von denen  die Schnee-und Regenwasser die gefährlichsten sind, werden durch den Stollen abgeleitet.

Ein solcher Tagebau hat freylich das Nachtheilige, daß er nur im Sommer und bey guter Witterung betrieben werden kann, da hingegen die Grubenarbeit nie unterbrochen wird. Die Arbeiter  finden daher auch nur ihren Unterhalt im Sommer, wo es nie an Arbeit fehlt. Die Tage-Baue sind auch selbst der Witterung unterworfen, und ein mäßiger Gewitterregen kann große Verwüstungen anrichten, wovon man in der Grube nichts erfährt. Indessen ist bey dem großen Vorrath an Brennmaterial auch in wenig Monathen soviel zu gewinnen, als aufs ganze Jahr nicht consumirt werden kann.

Die ausgefördert Bitumen-Holzerde wird theils gleich auf dem Platze in Backsteine von gewöhnlicher Form und Größe geformt und getrocknet theils auch, so wie sie ausgefördert wird, auf die Saline Kösen gebracht, wo man einen eigenen mit Schuppen umgebenen Platz zu ihrer ferneren Bearbeitung vorgerichtet hat. Man soll durch Hülfe dieses Brennmaterials allein auf dieser Saline jährlich gegen dreytausend Claftern Brennholz ersparen, und zu anderweiten Gebrauch für das Publikum behalten.

Es ist bemerkenswerth, daß die Natur vorzüglich die Orte, wo man der Saline wegen einer so großen Menge Brennmaterial benöthigt ist, so reichlich damit ausstattete. Die Salinen zu Artern, Kösen, Deutitz, Dürrenbergen, Halle, Schönebeck und mehrere andere consumiren gegenwärtig dadurch verhältnißmäßig nur eine ganz unbedeutende Menge Brennholz. Und sollten dereinst die Braunkohlenlager erschöpft werden, so bereitet man sich auf diesen Fall vor, indem man zu Artern die Sonnensiedung mit dem besten Erfolg schon im Großen versucht, und wahrscheinlich einführen wird. Das auf diese Art erhaltene Salz wird weißer, schärfer und schwerer, als das gesottene, indem die Crystallisation langsam  und folglich vollkommener bewirkt wird.

Der Entdecker des Bituminösen-Erdlagers bey Mertendorf soll eine gewisser Sonnenkalb, Bürgermeister in Naumburg, gewesen seyn. Schon vor zwanzig Jahren legte er eine Ziegelhütte daselbst an, um es zu benutzen, und noch gegenwärtig wird dieselbe mit gutem Vortheil betrieben. Nach der zeit hat die Saline Kösen diese ehedem Sonnekalbische Besitzung an sich gebracht, und sich dadurch auf eine lange Reihe von Jahren vor Mangel an Brennmaterial gesichert.

(Quelle: J.C.W.Voigt, Kleine mineralische Schriften, Weimar 1799)

 

Mit letzterem irrte Voigt, denn die Sonnensalzproduktion wurde wegen Unwirtschaftlichkeit bereits nach dem Tod des Bergrates E. Fr. Senff sen. im Jahr 1812 wieder eingestellt.

 

Als 1815 die sächsischen Staatssalinen zum preußischen Oberbergamt für den thüringisch-niedersächsischen Kreis kamen, war die Ablösung des Holzes durch Formkohlen weitgehend abgeschlossen. Damit war auch das Ende der ungebundene Scheitholzflöße  auf der Saale vom  Thüringer Oberland bis Halle absehbar. Preußen beteiligte sich zwar noch daran, löste aber um 1830 den als Umschlagplatz dienenden Stapel in Kösen auf und überließ die Brennnholzflöße den Altenburgern. Die Erdkohlenlager erwiesen sich als weitaus ergiebiger und die daraus hergestellten Formkohlen waren von nun an das ausschließliche Brennmaterial in den preußischen Staatssalinen. Darauf verwies auch der Salinenfaktor Erdmann Friedrich Senff jun. In seinem für das  Oberbergamt Halle 1816 angefertigten Beschreibung der Saline Kösen.

„Was nun die Feuerungs-Anlagen unter den Pfannen anlanget, so ist hierbey zu bemercken, daß solche auf das hier gebräuchliche Brennmaterial, nehmlich die Erdkohlen, eingerichtet sind“. (LHASA MD Rep F4 XIII Nr.19).

Dabei war man hier noch einen Schritt weiter gegangen und nutzte auch die  Asche zur Versiedung. Dazu wurde die glühende Asche aus den beiden Flammenkoten unter die Pfannen im dritten Kot gebracht. Zwar dauerte der Kristallisationsprozeß länger, aber die Kristalle waren größer, das Salz ließ sich besser verkaufen und nebenher sparte man noch eine gewisse Menge an Formkohlen.

 

Allerdings war die Gewinnung und Herstellung der Formkohlen nicht einfach und so gehörte dies zur Tagesordnung der turnusmäßig stattfindenden Salinenrecherche. Im Protokoll der Recherche vom Juni 1817, die der Berghauptmann Freiherr von Veltheim (Franz Wilhelm Freiherr von Veltheim-Ostrau, 1785-1839, 1816 Direktor des OBA Halle, 1835 Oberberghauptmann des preuß. Montanwesens) und der Geheime Bergrat von Witzleben mit den Beamten der Lokaldirektion (Eschke, Senff, Colditz, Schrickel) abhielt, notierte der Protokollant Perlberg:

 

Braunkohlenbearf für die Siedung

Nach dem desfalls gemachten Vortrage der Salinenverwaltung sieht dieselbe einem Mangel an klarer Braunkohle für die diesjährige Streicherei entgegen, indem nun das Etats-Quantum von 3.274.000 Stück Formkohlen zu erreichen, und dadurch den Bedarf der Siedung bis zum April 1818 zu decken, noch über 2 ½ Millionen Formkohlen  gestrichen, und um dies bewerckstelligen zu können, zu den auf der Saline vorhandenen Vorräthen noch 55.786 Scheffel klarer Kohle von Mertendorf , und zwar zur rechten Zeit, d. h. nach Schluß September  angefahren werden müssen (.) Dieses bedeutende noch erforderliche  Kohlenquantum in diesem Jahre noch zur gehörigen Zeit zu erhalten, scheint, besonders in Rücksicht nahe bevorstehende  Ernte, selbst bey erhöhten Fuhrlöhnen unmöglich, was nun so unangenehmer ist, als zu Mertendorf eine bedeutende Halde klarer Kohlen schon lange gelegen hat, so daß, wenn dieselbe nicht bald abgefahren wird, deren Entzündung und der hieraus erwachsene Nachtheil für den Effect des Materials und daher für die Siedung zu fürchten steht.

Man glaubte sich daher nach gemeinschaftlicher Berathung unter den angeführten Umständen nothgedrungen und der zu fürchtenden Verlegenheit auf keine sichere und  zweckmäßige Weise abgeholfen zu sehen, als durch Anlage einer interimistischen Streicherey zu Mertendorf, zu deren sofortigen Einrichtung daher der Salinenverwaltung, so ungern dieselbe auch zu dieser Maaßregel schreitet und deshalb mehrere jedoch nicht hinreichend kräftige Einwendungen machte, die derselben widerlegt wurden, füglich Anweisung ertheilt worden.

Es muß deshalb gemäß  der erforderliche Streichplatz genommen und vorgerichtet werden, wozu kein Hinderniß darin gefunden werden könne, daß ein Theil des hierzu  geeigneten Feldes  - von demjenigen in dessen Besitz sich die Grube bereits befindet - besäet ist, welcher, wenn  es die Local-Umstände nicht anders erlauben, eben sowohl genommen als nöthigen Falls auch noch benachbartes  fremdes Feld dazu genommen werden muß. Der Platz muß ferner wo nöthig geebnet und wegen der von dem Grubenbau noch zu fürchtenden Brüche  die Einrichtung getroffen werden, daß mittelst vorgezogener Barrieren die Wagen abgehalten werden, diese unsichern Stellen zu befahren, in dem es kein Bedencken zu haben scheint, wenn bloß Menschen darauf arbeiten.

Auch müßen sodann leichte Interims-Schuppen zum Aufbewahren der Formkohlen bis zur beliebigen Abfuhr, und können diese aus dem alten bey Abtragung der Sonnensalzfabrications-Anstalt gewonnenen Holze, welches  ohnedem zum Behuf des Grubenbaues  nach Mertendorf geschafft werden muß, erbaut werden, da in dem jetzt vorhandenen Gebäuden nicht hinlänglicher Raum hierzu vorhanden ist.

Außerdem daß diese Maaßregel durch die Nothwendigkeit erheischt wird, läßt dieselbe auch  einen guten Einfluß auf die Forderungen der Kohlenfuhrleute erwarten, wenn dieselben sehen, daß man nicht von ihnen ganz abhängig ist...

Der königl. Salinenverwaltung wurde übrigens empfohlen über diese Streicherey die nöthigen Berechnungen, besonders auch vergleichend gegen die auf der Saline betriebene Streicherey, genau und getrennt zu führen, um deren Kosten demnächst deutlich übersehen zu können.

Außerdem wurde derselben aber, um für andere Jahre gegen ähnliche Verlegenheiten, als diese im laufenden Jahre durch den statt gehabten, durch die schlechten Wege veranlaßten Mangel an zeitiger Braunkohlenanfuhren zur Saline herbey geführet worden ist, möglich nach Kräften zu sichern, die Instandsetzung und Erhaltung des Fahrweges  vom Kohlenwerck bey Mertendorf bis zur Chaussee zur Pflicht gemacht, weshalb schon jetzt ein Stück Feld zu aquiriren nöthig, und da die Bauern sich zu dessen  Abtretung nicht wollen bereitwillig finden laßen, die Sal.-Verwaltung beauftragt worden ist , um ganz vorschriftsmäßig zu verfahren, die Größe und den Werth desselben  nochmals genau auszumitteln, den Besitzern eine angemeßene Entschädigung anzubieten, und wenn dieselben nicht darauf eingehen wollen, darüber Bericht zu erstatten, um als dann von seiten des Oberbergamtes  das Nöthige  wegen Taxirung mit der Königl. Regierung oder dem betreffenden Landrathe verhandeln zu können.

Bey diesen Berathungen über das nöthige Braunkohlenbrenn-Material für die Kösener Salz-Siedung wurde zugleich auch bestimmt, daß da man in der Wirklichkeit bloß sogenannte Doppelsteine streicht und verbraucht, und in Analogie mit den auf den übrigen Thüring. Salinen deshalb gegenwärtig getroffenen Einrichtungen, künftig auch bloß Doppelsteine  in Rechnung gestellt und in den Oekonomie-Plan aufgenommen werden, dagegen aber die Verrechnung der einfachen Formkohlen ganz aufhören soll.

(Quelle: LHASA MD Rep. F23 II Nr. 5 Bd 1)

 

Bei der Recherche im Jahr 1818 notierte Bergrat von Witzleben:

Die Kohlenstreicherey fand sich, dem äußern Ansehen nach mit Ordnung (.) angelegt, jedoch wurde der gemachten Erfahrung über die im v. J. zu klein gestrichenen Kohlen strenge Aufsicht und  öftere Untersuchung ausdrücklich empfohlen.

Die von dem Herrn Factor Senff eröffneten Vorschlag, wieder einen Theil der Streicherey nach Mertendorf  verlegen zu dürfen, wurde in nähere Ueberlegung  genommen. Die Gründe, welche  vor mehreren Jahren  die Sistirung der Streicherey zu Mertendorf, abgesehen von dem Vortheil, wenn auf einem Punct concentrirte, mithin leichter und zweckmäßiger zu beaufsichtigenden Anstalt, anriethen, einmal um den bedeutenden Verlust zu vermeiden, den die gestrichenen Kohlen während des Landtransports unabänderlich leiden müßen, zweytens weil das disponible Fuhrwerck den einjährigen Kohlenbedarf weit gewißer lediglich in klaren, als theils in klaren, theils in geformten Zustande auf die Saline transportiren kann und drittes, um die Erhaltung doppelter Kohlenschuppen zu Mertendorf und auf der Saline  zu ersparen, als auch noch jetzt  vom Grunde anerkannt, wenn schon der Verlust beym Transport der geformten Kohlen, um deswillen nicht so bedeutend, mehr desfallen, weil der obere Weg über Flemmingen nicht mehr, sondern lediglich die Chaussee mit den beladenen Wagen gefahren wird. Jedoch trat dagegen andererseits wenigstens eine mitscheidender Grund für die Verlegung der Streicherei nach Mertendorf ein, nemlich der, um  die dortigen so bedeutenden klaren Kohlen-Vorräthe von der so leicht eintretenden Erwärmung und Entzündung schneller zu vermindern, als es durch  die Abfuhr im klaren Zustand allein möglich  seyn will, zumal da jetzt, dem Verhältniß der Förderung und der Haldenstärke  gemäß immer nur alte Kohlen nach Kösen kommen, die neu geförderten aber liegen bleiben und so noch vor dem Abführen der Entzündung ausgesetzt sind. Und es wurde daher beschloßen, um die Kgl. Sal.-Verw.  hierzu vorläufig authorisirt, einen  Theil der Streicherei nach Mertendorf zu verlegen, so weit solche  durch dortige Arbeiter, namentlich durch die, welche jährlich hierher zur Streicherei beordert wurden, besorgt werden kann, einstweilen die Kohlenförderung mit Ausnahme  der nothwendigsten  Arbeiten, einzustellen und nur frisch geförderte Kohle verstreichen zu laßen, theils um daraus den besseren inneren Gehalt derselben im Vergleich mit denen, welche schon durch Erwärmung und Entzündung angegriffen worden sind, dem Verlust im Grunde bey dem Transport wieder auszugleichen, theils um die sehr erwärmten und entzündeten Kohlenhalden desto schneller zur Abfuhr hierher bringen zu können und so die bald thunlichste Verminderung der alten Vorräthe desto eher erraubt zu wissen.

(Quelle: ebenda Bd. 1)

 

Demnach bereitete die zügige Bereitstellung guter Formkohlen erhebliche Probleme, die wegen der Entfernung der Grube und der unzureichenden Transportmittel nicht zu lösen waren. Eine Änderung der Herstellungstechnologie, um einen besseren Zusammenhalt der Formkohlen zu erreichen, ließ ebenfalls auf sich warten.

Inzwischen wurde die Formkohle auch für die Beheizung der Beamtenwohnungen verwendet, soweit es die dort vorhandenen Öfen gestatteten, wie aus dem Protokoll der Salinenrecherche aus dem Jahr 1819 hervorgeht

Brachte der Herr Baumeister Colditz die Bitte um Anschaffung von 1-2 eisernen zur Braunkohlen-Feuerung geeigneter Öfen in seine Wohnung für Rechnung der Saline  Kösen, bei welcher selbige sodann, als Inventarienstücke aufgenommen würden, in Vortrag, und wurde diese Bitte insofern unbedenklich gewährt, als dadurch keine Übersteigung der ordnungsgemäßen Ausgabesummen für Inventarienstücke veranlaßt wird.

Endlich baten die Beamten der Königl. Sal.-Verw. noch um eine Erhöhung der ihnen bisher zugetheilt gewesenen Feuerungsdeputate, welche bisher  für den Factor Senff 2000 Stück Braunkohlesteine, für den Rendanten Schweingel in 3000 Stück dergl, für den Baumeister Colditz 4 Klafter Brennholz, und für den Materialverwalter Pauli 1500 Stück  Braunkohlensteine bestanden haben, unter dem bemercken, daß sie mit diesen Deputaten nicht auszukommen im Stande seien.

(Quelle: ebenda)

 

Da zwischen der Saline und der Kohlengrube eine innerbetriebliche Abrechnung erfolgte, musste darauf geachtet werden, dass die jährliche Menge Kohle der Produktionsvorgabe für den Siedevorgang entsprach. Daher wurden bei den Salinenrecherchen auch die Bestände geprüft und Maßnahmen festgelegt, um Überplanbestände abzubauen oder erst gar nicht zuzulassen. Im Protokoll vom November 1825 legte der Berghauptmann von Veltheim im Hinblick auf das kommende Jahr fest:

Da bei der Materialien-Casse noch sehr bedeutende  Kohlenvorräthe in Rechnung stehen, deren die Saline bei dem verminderten Verbrauche jetzt weniger als früher  bedarf, so kann auch im nächsten Jahr wieder auf eine Verminderung dieser Bestände  berücksichtigt werden, und ergibt sich das von der Materialien-Casse anzukaufende und von Mertendorf zu fördernde  Kohlequantum in folgender Art; Bei einer Siedeloth- Annahme von 3,25 Grad  wie sie dem Oekonomieplan pro 1826 zum Grunde gelegt werden soll, würde die Saline  muthmaßlich zur Absiedung der auf  die Feuerkothen fallenden 1248 Lasten (2496 t od. 49.920 Zent.) excl. des zum Anbrennen nöthigen Floßholzes an Kohlensteinen bedürfen: 1,387,550 Stück. Ferner kommen zu den Deputaten 51,000 Stück und der noch nöthige Bedarf für das laufende Jahr mit 367,798 Stück, endlich aber auch zur Deckung  des Bedarfs vom Schluß der Siedung in 1826 bis zum Wieder-Anfang der Streicherei in 1827 mit 433,000 Stück, ergibt einen Gesamtbedarf von 2,239,348 Stück. Mit Schluß October 1825 sind vorräthig 1,170,175 Stück und es bleiben demnach  1,069,173 Stück = 28,084 Tonnen (1t = 114 l) durch die nächstjährige  Förderung zu decken (.) da ferne pro 1826 gegen den hier angenommenen Verbrauch höchstwahrscheinlich noch erspart werden dürfte und endlich auch Schluß 1826 auf einen größeren verbleibenden Bestand gerechnet ist, als man eigentlich bedarf, so kam man dahin überein, das Mertendorfer Feuerungsquantum pro 1826 auf 25,000 Tonnen excl. des der Saline zu gewährenden Aufmaaßes von 12 ½ proCent festzusetzen.

Man würde aber aus den oben erwähnten Gründen noch weiter  mit der Förderung heruntergehen können, wenn nicht die starke Mertendorfer  Knappschaft einige  Rücksicht geböte und deshalb eine Verminderung der Bestände nur allmählig eintreten darf.

Diese betragen nach obiger Berechnung Schluß 1825 19,257 Tonnen, Schluß 1826 aber sind angenommen 10,392 Tonnen, wonach sich eine Verminderung der Bestände in 1826 von 8,865 Tonnen ergibt.

Wenn übrigens früherhin angenommen war, daß stets ein eiserner Bestand auf der Saline von 8,000 Tonnen vorhanden sein solle, so war diese  Maaßregel hauptsächlich ergriffen, um sich rücksichtlich der Anfuhr  zu sichern und kann für jetzt, wo sich die Interessenten um Fuhren drängen und für die Folge der am Jahresschluß zu behaltenden Bestand auf das nothwendige Bedürfniß beschränkt werden....  

(Quelle; ebenda)

 

Die Rücksichtnahme auf die Knappschaft war notwendig, da man das Fachpersonal nicht entbehren konnte. Denn fehlte die Arbeit, ging man auf andere Gruben und Kohlenwerke, die es inzwischen  reichlich gab. Damit würde aber der Siedebetrieb wegen fehlender Alternativen nicht mehr aufrecht erhalten werden können.

 

Bei der Salinenrecherche 1831 stellte die Kommission unter Franz von Veltheim fest.

Der Verbrand bei der diesjährigen Siedung hat (.) den Etatssatz um 34,5 Stück Formkohlensteine überstiegen, oder überhaupt durchschnittlich 1172 Stück = 28,2 Tonnen Kohle pro Last weißes Salz betragen, was seinen Grund hauptsächlich darin hat, daß in Folge der meist schlechten Gradirwitterung, so wie bei der starken Fabrication der Durchschnittsgehalt der zur Verarbeitung gekommenen Siedesole um ca. 1 p.Ct. niedriger gewesen ist, als der Etat besagt. 

Als Grund des vorgedachten Mehrverbrauchs ward aber auch vom Herrn Salinen-Inspector Senff die schlechte  Beschaffenheit   der Kohlen angeführt, und da man sich bei Begehung des Wercks durch  den Augenschein überzeugt hatte, daß die zuletzt angefahrnen Kohlen zum Theil allerdings sehr schlecht und unrein waren, so wird  man darauf Bedacht nehmen, diesen Übelstand so viel wie möglich abzuhelfen, und soll daher  bei der morgen auf dem Braunkohlenwercke zu Mertendorf abgehaltenen Generalbefahrung dieserhalb das Nöthige zur Sprache gebracht und angeordnet werden....

Dagegen war der Brennmaterialbedarf der hiesigen Saline pro 1832 noch höher auszumitteln, und ordnet der Herr Berghauptmann  in dieser Beziehung zunächst an, daß von Anfang des künftigen Jahres an in den Rechnungen der bei den Braunkohlensteinen statt findende Bruch gleichfalls mit verausgabt, der davon fallende Staub aber wieder vereinnahmt werden soll, ein Verfahren, welches auf der Saline Dürrenberg  schon seit längerer Zeit als zweckmäßig sich bewährt hat, und man durch Vergleichung des Quantums Staub, welches nach Aufräumung jeder einzelnen Abtheilung in den Kohleschuppen wieder auf die Halde  gebracht wird, jedesmal eine ziemlich genaue Controlle darüber erhält, wieviel Steine darinnen zu Bruch gegangen und andererseits aber, insofern keine sonstigen Verluste dabei statt gefunden haben, den wirklichen Verbrand in den Koten genau zu ermitteln vermag.

Übrigens stimmen beide Feuerwerksberechnungen dahin überein, daß zur Deckung des nächstjährigen Bedarfs der Saline  das in den Oeconomieplänen pro 1832 angenommene Quantum vo 40000 Tonnen klare Kohle zu fördern und anzuliefern ist und wird dies sowohl auf der Saline als auch bei den demnächstigen Betriebs-Veranstaltungen auf der Grube zum Anhalten zu nehmen seyn.

(Quelle: ebenda Bd. 2)

 

Hier deutete es sich schon an, dass die Kohle der Mertendorfer Grube immer weniger den Ansprüchen genügte. Durch den ungeordneten Abbau in den ersten Jahren bestand außerdem die Gefahr des Einsturzes ganzer Abbaustrecken. Mit einer neuen Berechnungsformel sollten die wirklichen Verluste genauer erfasst und daraus die Jahresmengen neu bestimmt werden.

Allerdings musste man sich damit abfinden und im Rechercheprotokoll aus dem Jahr 1836 ging man darauf nicht weiter ein. Hier stand die Fördermenge im Mittelpunkt der Recherche, die nun der  der Nachfolger Veltheims,  Berghauptmann Mertins und der Oberbergrat von Bülow leiteten.

Dagegen war der Brennmaterial-Bedarf der hiesigen Saline pro 1837 noch höher auszumitteln .. und der Verbrauchs-Satz pro 1 Last zu 20,5 Tonnen Kohle angenommen, indem der Durchschnitt von den 2 Jahren, wo 26,7 prozentige Sole zur Versiedung gekommen, 20.137 Tonnen betragen  hat.

            Für das Jahr 1836 noch rückständige Deputate:      283 Tonnen (1 t = 114 l)

            Zur Absiedung von 1304 Lasten                           26.732 Tonnen                   

            zu Deputaten                                                           1.226 Tonnen

            Bruch von 6%                                                            436 Tonnen

            Schluß 1837 verbleibender Bedarf pro 1838        14.100 Tonnen

                                                           Summa                              48.777 Tonnen

Davon sind bereits

auf der Saline vorhanden in geformter und klarer Kohle 12.679 Tonnen

von Mertendorf pro 1836 noch zu beziehen                        4.193 Tonnen

Staub der auf der Saline anfällt                                              300 Tonnen

                                                           Summa                               17.262 Tonnen

1837 müssen daher 25.515 Tonnen resp. bezogen und gestrichen werden.

(Quelle: ebenda Bd. 2)          

 

Auch im folgenden Jahr wurde hinsichtlich des Brennstoffbedarfs eine ähnlich Berechnung angestellt. Allerdings wurde das Produktíonssoll auf 1.100 Lasten weißes Salz reduziert, womit auch weniger Formkohlen gebraucht wurden.

Bei der Recherche 1840 kam der Zustand der Streicherei zur Sprache.

 

Dieser Betriebszweig hat sowohl durch Mangel an Arbeitern als auch durch sehr ungünstige Witterung mehrfachen Störungen unterlegen, deren  Folge die fast gänzliche Aufräumung sämmtlicher Vorräthe an gesammten Kohlen ist; man hat sich deshalb  genöthigt gesehen mit dem Eintritte besserer Witterung in den letzten Tagen des vorigen Monats (Anm. Mai) alle disponible Mannschaft bei demselben anzustellen, wodurch man  nun zwar wohl  für den Augenblick der Besorgniß eines Mangels um Formkohlen überhoben ist, sich jedoch der Nothwendigkeit fügen mußte, theilweise mit Formkohlen zufrieden zu seyn, welche wegen Unbekanntschaft  eines Theils der Arbeiter mit dieser Arbeit und zum Theil  auch wegen Unzulänglichkeit  der Arbeiterzahl, nicht die gewohnte gute äußere Beschaffenheit haben, wenn gleich sich im Effecte derselben, sobald sie vom Trockenplatz weg unmittelbar zur Siedung verwendet werden können, kein Nachtheil bemercklich macht.

Man wird daher diesen Betriebszweig die nöthige Aufmerksamkeit widmen und nach Befriedigung der dringlichsten Bedürfnisse nun bessere Auswahl der Leute treffen.

(Quelle: ebenda Bd. 3) 

 

Bei der Salinenrecherche 1847, an der neben dem Berghauptmann Mertins diesmal der Bergrat Dr. Karsten teilnahm, widmete man sich wieder dem Brennmaterial-Haushalt.

 

...die mangelnde Aussicht auch in der nächsten Hälfte des Jahres schlechte Sole und schlechtes Brennmaterial verarbeiten zu müssen, haben würklich bedeutenden Einfluß auf den Kohlenhaushalt im Allgemeinen

Schluß Juni waren in Bestand klare Kohle                           14.240 Tonnen (1 t = 114 l)

geformter Kohle                                                                      6.567 Tonnen

                                               überhaupt                               20.708 Tonnen

Hierzu die zur Erfüllung des Etats noch restirende Anfuhr     1.606 Tonnen

                                               gibt in Summa                        23.315 Tonnen

Davon werden in der bevorstehenden Hälfte des laufenden Jahres noch consumirt

zu den in den Feuerkoten noch zu siedenden 761 Lasten Salz  a Last 23 Tonnen

                                                                                              17.520 Tonnen

zum adäquaten Heizung der Dienstlocale und zum Verkauf an die Beamten und Arbeiter 

                                                                                                    975 Tonnen

Krummpmaß (Anm. Schwund)                                               1.100 Tonnen

                                               in Summa                               19.555 Tonnen

Folglich bleiben Bestand nach 1847                                        2.760 Tonnen

Etatsmäßig sollen aber in geformten Zustande im Bestand  8.000 Tonnen sein, mithin fehlen 5.260 Tonnen .

Unter diesen Umständen erhielt die Königl. Sal.-Verw. den Auftrag, sofort die nöthigen Dispositionen zu einer Nachlieferung von 5000 Tonnen Kohle auf der Grube zu Mertendorf zu treffen. Wenn aber demnächst wiederholt zur Sprache kam, daß es aus dem bereits unterm 15. Juni vorigen Jahres  vorgetragenen Gründen zweckmäßig sei, in der Folge auch wieder auf einen Winterbestand von 6.000 Tonnen klare Kohle auf der Saline  zu haben, so scheint es räthlich, die Entscheidung über diese  Nachforderung für diesmal bis dahin zu vertagen, wo das Salz-Fabrications-Quantum  für das Jahr 1848 fest bestimmt worden sei, denn da derselbe möglicher Weise  gegen den Etat um 300 Lasten vermindert  werden könnte, so würden dann im Jahre 1848 circa 6000 Tonnen Kohle weniger verbrannt, und so, ohne Störung des Grubenbauplanes pro 1848 der gewünschte Winterbestand ad 1848 in klarer Kohle beschafft werden.

(Quelle ebenda Bd. 3)

 

Ein Jahr später hieß es dann

..den 19. May a.c. waren in Bestand  klare Kohle                22.083 Tonnen (1 t = 114 l)

                                                            geformte Kohle            2.437 Tonnen

                                                           überhaupt                   24.520 Tonnen

Für das laufende Jahr werden zur Erfüllung des Oeconomieplanes  von Mertendorf noch vorgesehen                                                                           13.772 Tonnen

Es beträgt also die ganze Einnahme                                     38.292 Tonnen

Davon werden in 1849 noch consumirt                                22.050 Tonnen

zu Deputaten, Heizung der Amtslocale und zum Verkauf an die Beamten und Arbeiter

                                                                                                1.762 Tonnen

Krumpfmaaß                                                                           1.980 Tonnen

                                               in Summa                               25.792 Tonnen

Folglich bleiben ultimo 1849 Bestand                                   12.500 Tonnen

oder circa 200 Tonnen  mehr als ao. 1848, weil von der chemischen Fabrik und den Salinen-Arbeitern weniger angekauft wurden, als der Oeconomieplan voraussetzt. Oeconomieplanmäßig sollen am Jahresschluß bloß 8.000 Tonnen Kohlen im geformten Zustand vorräthig, man wird also circa 4000 Tonnen  in ungeformten Zustande lassen können, und  so nach und nach den schon längst gewünschten Winterbestand von 6000 Tonnen klarer Kohle ohne besondere Mehrförderung bald wieder erreichen.

(Quelle ebenda Bd. 4)

 

Im Juni 1850 berichtete die Lokalverwaltung dem OBA.

… In den Feuerkothen sind gesotten: 551 Lasten, 2 Tonnen weißes Salz...... Es wurden dazu verbraucht: 2,6 Klafter Holz, 442.625 Stück Formkohle äquvivalent 11.939 Tonnen, macht pro Last 21,751 Tonnen....

Die Salinenrecherche im Juli 1850 leitete der Deputations- und Oberbergrat Ebers. Der neue Salinendirektor von Kösen Bergrat Backs notierte zum Brennmaterialhaushalt:

Von Mertendorf sind 29.455 Tonnen klare Kohlen angeliefert, so daß noch 6.345 Tonnen zurückstehen, wenn das zur Streicherei noch erforderliche  Quantum in diesem und dem nächsten Monat, das Übrige  aber erst dann angefahren wird, wenn die hiesigen Halden aufgeräumt sind.

Von der seit dem 27ten Mai mit 6 Tischen belegten Streicherei hat man 378.500 Stück = 10.219 Tonnen erhalten, etwa den dritten Theil des etatsmäßigen Quanti.

Bei dieser Gelegenheit kam ferner zur Sprache....die Kohlenschuppen so umfassend zu erbauen, daß das gesammte aufzubewahrende  Kohlenquantum , welches jetzt  außer den bereits erwähnten baufälligen 4 Kohlenschuppen, in noch 2 andere ebenfalls sehr schlechten bretternen Verschläge, die in ziemlicher Entfernung von den Koten auf den Streichplätzen stehen, in Verwahrung genommen wird, darinnen aufgestellt werden können, indem es für den Betrieb ohne allen Zweifel von vortheilhaftesten sei, das Brennmaterial so nahe als möglich an den Verbrennungsorten aufzustapeln, und dann die erwähnten alten Kohleschuppen deren Erhaltung unverhältnißmäßig hohe Kosten in Anspruch nimmt abzuwerfen, so daß bloß außer den neuen, die beiden Schuppen welche gleichzeitig zu andern Zwecken dienen, stehen bleiben, und dadurch nutzbarer Raum gewonnen würde.

Da sich in Dürrenberg die zweistöckigen unten massiven und in Fachwerk übersetzten Kohlenschuppen vorzüglich bewährt haben, die geringe  Ausdehnung des Werks es aber zuläßt den gesammten Kohlenvorrath in je einem dergleichen  Schuppen hinter jeden der 2 Kote unterzubringen, so erhielt der Herr Bergrath Backs Auftrag die Größe zweier solcher übersetzter Kohlenschuppen, in denen das jedem Kote benöthigte Feuerwerk untergebracht werden kann, zu ermitteln damit danach der betreffende Bau veranschlagt werde. Man würde indeß dem Schuppen ein Ziegeldach geben, da die dornsche Bedachung in Dürrenberg sich nicht bewährt hat und den dadurch gewonnen Dachraum vortheilhaft zu Aufbewahrung der Streicherei- und andrer Geräthschaften benutzten können

(Quelle ebenda Bd. 4) 

   

Die Recherche im Jahr 1855 beschäftigte sich dann mit einer Verbesserung der Rostanlagen in den Siedeherden. Vorgesehen waren sog. Treppenroste und eine Erhöhung der Essen mit dem Ziel, die Rohkohle zu verbrennen und sich die Streicherei der Formkohlen zu ersparen

Die von dem Ingenieur Heilmann im Frühjahr gemachte Anlage einer Treppenrostfeuerung unter der östlichen Pfanne des Siedhauses Nr. 2 hatte, wie dies auch zu seiner Zeit dem Königl. Oberbergamte besonders angezeigt wurde, zwar zu der Ueberzeugung geführt, daß die Mertendorfer Kohle sich im klaren Zustande verwenden  lasse, sie aber dazu eines sehr bedeutenden Luftzuges  bedürfe, der wegen der ungünstigen Localität der Feuerkammer, der engen Wärmeröhrenstränge und des nur wenige Fuß über  den First reichenden Schornsteins dem angestellten Versuche sehr  behindernd in den Weg getreten ist und deshalb die einstweilige Einstellung desselben zur dringenden Nothwendigkeit gemacht hat. Diese Uebelstände sind jedoch, wie der Herr Bergrath Backs in seinem darüber gehaltenen Vortrag weiter bemerkte, bei den desfallsigen von dem Baumeister Oesterreich  eingegangenen Kostenvoranschlägen berücksichtigt, die indeß  nicht unbedeutend  höhere Summen enthielten, als man dafür  in dem Oeconomie-Plans-Entwurf  per 1856  angenommen habe.

Deßen ungeachtet wäre es  im hohen Grade wünschenswerth, die Genehmigung zur Ausführung dieser Bauten per 1856 baldigst zu erhalten, um die durch den klaren Kohlenverbrand  zu erzielenden Vortheile dem Werke baldmöglichst zuzuwenden. Man würde die enormen Ersparungen an Brennmaterial welche in Artern angeblich erlangt sind, zwar hier nicht erreichen, weil der Kohlenconsum auf den hiesigen Werke gegen das zu Artern bey Verdampfung gleicher Soolmengen bereits 33 % weniger betrage, aber immer oder vorzugsweise im Auge gehabten Vortheil erlangen, die gesammten Streichereikosten zu ersparen und sich von der Witterung in Bezug auf auf das Brennmaterial unabhängig zu machen. Der Herr Deputationsrath fand dagegen nichts zu erinnern und war auch einverstanden mit Einrichtung des bereits mit hohen Essen  versehenen Siedekothes auf Treppenrostfeuerung, sofort nach Eingang höherer Genehmigung den Anfang zu machen....

(Quelle ebenda Bd. 4)

 

Bei der Recherche von 1857 wurde hinsichtlich der Brennstoffsituation angemerkt:

Die schlechte Beschaffenheit  der Mertendorfer  Kohle  und der hohe Kostenpreis, welcher sich in Folge der gestiegenen Haferpreise in diesem Jahre  durchschnittlich auf 6 Groschen, 9 Pfennige  pro Tonne  berechnet, veranlaßten den Herrn Departementsrath der Königl. Sal.-Verw. zur näheren Erwägung aufzugeben , ob nicht durch Verwendung der Werschener Kohle bei der Siedung ein größerer Vortheil erzielt werden könne, da, wenn nicht schon  jetzt, doch in nächster Zukunft durch die Eröffnung der Weißenfels-Geraer Eisenbahn die Transportkosten sich gegen die der Mertendorfer Kohle weit geringer herausstellen dürften, und zwar besonders deshalb, weil die Lage der Saline  ohne großen Kostenaufwand gestatte, von der in geringer  Entfernung parallel vorbei laufenden  Eisenbahn einen Schienenstrang zu einem zum Haldensturz geeigneten Puncte zu legen und so ein weiterer Transport vom Bahnhof nach der Saline  vermieden werde. Der Herr Departementsrath wollte durch das  Königl. Oberberg-Amt veranlassen, daß die Königl. Sal.-Verw. beauftragt werde, sich mit dem Betriebs-Director der Werschen-Weißenfelser Braunkohle-Actien-Gesellschaft dieserhalb in Verbindung zu setzen und über das Ergebniß der Verhandlungen seiner Zeit zu berichten.  

(Quelle ebenda Bd. 5) 

 

Doch dazu sollte es erst gar nicht mehr kommen. Neben den ungelösten Problemen mit der Formkohle wurde nun auch noch der Bohrversuch auf Steinsalz auf der Radinsel aufgegeben, nachdem sich der Bohrmeißel in 170 Metern Teufe fest geklemmt hatte und trotz aller Bemühungen nicht mehr frei zubekommen war.

Hohe Produktions- und Vertriebskosten, das ohnehin geringe Produktionsquantum, im Vergleich produzierte die Saline Dürrenberg bereits die vierfache Menge und die gleichzeitige Erschließung der unter dem Kalilager entdeckten Steinsalzlager bei Staßfurth führten letztendlich dazu, dass die preußischen Bergbehörden die Stilllegung der Mertendorfer Kohlengrube und der Kösener Saline im Jahr 1859 anordneten.  Damit endete hier die Siedesalzherstellung nach 130 Jahren und die Förderung der Braunkohle für den Siedeprozeß bereits nach 70 Jahren unwiderruflich. 

 

  1. Budde Okt. 2106