Die Schlacht bei Roßbach und die Folgen bei der „Commun-Flöße“

Ein Bericht des Herzogl.-Altenburgischen Floßaufsehers Johann Georg von Hochhausen

                                                               Untherthäniges Memorial

Gleichwie durch die zeitherigen Kriegs-Troublen überall mehr Schäden und Unglück entstanden; Also hat solches leider auch die Commun-Saalen-Flöße mannigfaltig betroffen, indem

  • die an dem Saale-Strohm, auf denen Wiesen gestandene Senck-Höltzer bey denen öfftern March- und Remarch auch Campirungen derer Kayßerlichen und Reichs-Trouppen, gewaltig ravagiret, auch bey solcher Gelegenheit von denen Unterthanen selbst vieles weggeschleppt worden.
  • zu Dornburg über die vom alten Floß-Holtz-Vorrath gegen Scheine abgegebenen 31 ½ Clft. (Anm: 1 Klafter - ca. 4,9 Raummeter) nach der Hand von denen den 3ten Novbr. eingerückten und auf der Mühlwiese campirten 3. Bataillons Chur Cöllnischen Trouppen 32 ½ Clft. von denen heuer ausgesezten und damahls noch unübergeben gewesenen Commun – Hölzern mit Gewalt weggenommen und zum Mißbrauch verbrannt worden, also daß der auf der Mühl- Wiese stehende übrige Holz-Vorraths nebst dem Dorfe Dorndorf in große Gefahr gerathen, bis endlich auf wiederholte Vorstellung der commandirende Officier zu Verhüthung weitern Schadens, Posten ausstellen laßen; es sind aber diese Hölzer in denen zur Fürstl. Regierung eingesendeten Tabellen und Liquidationen bey der Stadt Dornburg item denen Dörfern Naschhaußen und Dorndorf mit in Ansatz gebracht.
  • Bey denen Campements zu Camburg ist zwar auch vieles Floßholz mit Gewalt weggenommen und verbrannt worden, es hat aber nur die bereits an Sachsen-Altenburg übergebenen Hölzer, nicht aber die damahlen noch unübergebenen Commun- Hölzer betroffen, wiewohl diese, wie die ganze Stadt bey zweymahliger Abbrennung derer Saalbrücken, so das erste mahl die Franzosen, das letztemahl aber die Trouppen vom Fürstenbergischen Regiment unternommen, auch in großer Gefahr gestanden;
  • Zu Neu-Sulza sind zwar auch viele S.-Altenburgische Hölzer aufgegangen, iedoch von denen noch nicht übergeben gewesenen Commun-Hölzern nur 4 ¼ Clft. genußhandelt worden; wie denn auch S.-Altenburg insonderheit weile das dahier gestandene Detachement Reichs-Trouppen bey der retraite (Anm. Rückzug) am 6. Novbr. den Floß-Rechen in Brand gestecket, einen Schaden von 3 bis 4000 Tlr. erlitten; endlich sind
  • zu Kösen beträchtliche und zum Theil frevelhaffte Schäden und Excesse durch die am 30. unterm Commando des Prinzen von Baden-Durlach von der Reichs-Armee eingerückten 13. Bataillons, 8 Grenadier Compagnies und einiger Reuterey, welche bis nach der unglücklichen Schlacht und zum 6. Novbr. allda campiret, cassiret und verübet worden, immaßen diese, in der falschen Meinung, daß die Holz-Vorräthe Sr. Majest. dem König in Preußen zustünden, auf eine ganz unbeschreibliche Weise, die noch nicht umgeschlagenen und unübergebenen Commun-Hölzer verwüstet und damit auf die 500 Feuer unterhalten, also daß nach dem gemachten ohngefehren Überschlag gegen 2000 Clft. nicht zur Nothdurfft sondern viel aus Frevel verbrennet worden (welches wenn die Hölzer wieder zusammengebracht und umgeschlagen seyn werden, worüber man ietzo begriffen, sich aufs genaueste determiniren laßen wird) es wird auch aus beygehenden abschriffts Brief, sub X deßen original die Preuß. Husaren ohnweit Kösen gefunden, ohnschwer zu lesen seyn, wie man sich rühmt zu Kösen alle Nacht vor 700 Tlr. Holz verbrannt zu haben; und obwohl dem commandirenden General hochgedachten Prinzen von Durlach deswegen wiederholte reprasentation geschehen und daß diesen verderblichen Unwesen durch Segnung hinlänglicher Wachter Einhalt gethan werden möchte, indem die Preußen dergleichen nicht zu Schulden gebracht und kein Holz mehr genommen, als man ihnen angewiesen, so hat doch solches nichts gefruchtet, vielmehr hat raison de guerre (Anm. Erfordernis des Krieges) vorgeschüzet und der feindliche Holtz-Vorrath in Brand gestecket werden wollen.

Bey dieser Verwüstung ist es nicht geblieben, sondern es haben auch die unbändigen Soldaten die bey dem Rechen stehende Kaue erbrochen, die darinnen befindlichen Bau-Geräthschaften an Eisenwerck, Rammel-Klözen pp. heraus und ersteres mitgenommen, das Holzwerck aber muthwillig verbrennet, dergleichen Schicksal auch die zum Rechen-Verschlag angeschaffte 7 Clft. Bretter, welche in Ermangelung derer Zelten, zu Decken dienen müßen, beym Abzug und retraite erlitten; ferner hat man vieles der Commun-Flöße zugehörige Bauholz und Bohlen zu Fertigung Spanischer Reuter zu Besezung derer Brücken und sonsten zerschnitten und verbrauchet, ja es hat hochgedachter Prinz aller remonstration ohngeachtet darauf bestanden, daß sowohl die Saltz- Gradier-Häuser und des freyen Prospects willen, als der kostbare Floß-Rechen, den feindlichen Übergang über das Waßer zu behindern, in Brand gestecket werden müßen, und obschon bereits im Sept. da die Oesterreichischen den Rechen anstecken wollen auf beyden Eingängen die Schaal-Hölzer 10 Ellen lang aufgehoben und der Rechen inwendig damit versezet worden, daß niemand darüber kommen könne, so hat man doch wegen der harten Bedrohung nicht verhindern mögen, daß die Straß-Bäume soweit das erste Joch gehet, samt den Ober-Gebäuden und Hangwerk in der Nacht zwischen den 3ten und 4ten Novbr. von denen Regiments-Zimmerleuten abgehauen und ins Waßer gestürzet worden; welcher Schade mit 300 Tlr. kaum zu ersezen seyn dürffte, endlich sind auch sowohl im Monath Sepr. von denen Oesterreich. Husaren und Croaten als auch iezo von denen Reichs-Völckern viele Floßscheite auf die steinernen Brücken geschaffet und bey Annäherung der Preußen den 6. Nov. um 10 Uhr vormittags angezündet worden.

Hochfürstl. Sächs . Cammer habe dann anhero diesen ganzen Verlauf hiermit pflichtschuldigst und gehorsamst berichten sollen. Vernechst nicht zu verhalten, daß nachdem von heuriger Commun-Flöße dem Königl. Chur Sächß. Theile 9461 ½ Clft. zur weitern Abflöße nach Halle von denen Fürstl. Floß-Beamten übergeben gewesen, man alle Mühe angewendet die übrigen ausgesezten Hölzer umschlagen zu laßen, iedoch wegen der beständigen Kriegs-Unruhen in   2 ½ Monathen kein Umschläger zu haben gewesen und da man bey bisherigen ruhigen Tagen die vor das Königl. Saltzwerk ausgesezte Hölzer durch die verpflichteten Umschläger in richtiges Maß bringen laßen und am 19. dieses zur Übergabe durchmaßen, haben die Königl. Floßbeamte mit Beziehung eines diesfalls von Dreßden erhaltenen Cammer-Befehls ( wovon quoad passum concernentem hierbey Abschrifft sub. Y befindlich) die würckliche Übernehmung derer Hölzer quoad dominium et periculum bey einzigen Kriegs-Troublen und bis zu hinlänglicher Sicherheit recisiret, und ob man gleich Fürstl. Seits vorgestellet, daß des Königl. Theil der Übernehmung derer Hölzer Inhalts § 10 des Commun-Saalen-Floß-Contracts d.ao. 1752 sich nicht entbehren könnte, so ist doch damit weiter nichts auszurichten gewesen, als daß die Königl. Floß-Beamten unter das Übergab-Verzeichnis attestiert.

Daß obig specificirtes Holz-Quantum an 3863 ¼ Clft. bis zu sicherer Übernehmung dato gemeinschaftlich abgezehlet worden.

Hochfrstl. S. Cammer will also um gnädigen hohen Verhaltungs-Befehl hierdurch geziemend anlangen und inzwischen mit schuldigsten Respect verharren.

Bürgel, den 21. Nov. 1757                                                                         Hochhaußen

 

Quelle: Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, B 12161