Die Saline Artern und die „Cösener Sozietät“

Erstmals wurde eine Saline in einer Urkunde aus dem Jahr 1477 erwähnt, als sich infolge einer Erbschaft die Grafen Albrecht (III.) und Ernst (II.) von Mansfeld sowie die Grafen von Honstein und Klettenberg den Besitz von “borgk unde stad artern“ teilten. 

Später erwarben die Mansfelder auch die andere Hälfte der Saline und 1522 erließ Graf Ernst eine „Thalordnung“. Nach seinem Tod gründeten seine Erben eine neue Gewerkschaft „zu ufnemunge und Nutz gemeiner Stadt und gantzer graf und herrschaft“ und 1564 erließ Graf Hans Hoyer von Mansfeld das  „Privilegium und Ordnung für die neue Gewerckschafft zu Artern“. Darin bestimmte er, dass die Saline wie sie der Graf Ernst bisher: „gebrauchet, gebauet und genossen hat, mit allen Gerechtigkeiten, Saltzquellen, Gengen, Schechten, Stollen, so itzo allebereit vorhanden oder ferner innerhalb einer Meile, da uns Grund und Boden zustendigk und wir zu gebiethen haben gefunden oder vernommen werden möchten, gesucht oder ungesucht, gentzliches nichts ausgeschlossen, mit allen Freyheiten und Gerechtigkeiten, so andre Saltzwercke auch Brauch, Gewohnheit und Recht haben, auch Fugk und Recht haben sollen, solches nach irem besten Nutz und Gefallen anzurichten zu erbauen, Sölden und Pfannen, so viel inen geliebet und sie thun können zu setzten, und der Solen zu genißen und zu gebrauchen, also lange inen das gelegen seyn soll...“

Zur Einhaltung der Ordnung setzte er einen Salzgräfen und zwei Thalschöppen ein. Die  Gewerkschaft war offen für jeden niedergelassenen Bürger der Stadt, aber auch Fremden war eine Beteiligung erlaubt, soweit sie sich der Ordnung unterwarfen.

Doch 1570 zerstörte eine Feuersbrunst die Saline. Weder die ohnehin hoch verschuldeten Grafen noch Bürgerschaft konnte einen Wiederaufbau finanzieren und das Salzwerk kam so in den Besitz eines Leipziger Großhändlers. Dieser Dr. Kandler überließ dann die Hälfte einem weiteren Großhändler dem Leipziger Heinrich Cramer von Clauspuch.  

Doch auch ihnen gelang es nicht, das Salzwerk zu erheben und als 1579 die Grafschaft Mansfeld wegen der exorbitanten Schulden der weitverzweigten gräflichen Familie die Reichsunmittelbarkeit verlor und das Amt Artern an das Kurfürstentum Sachsen fiel, verkauften sie die Saline mit „9 Pfannen über einander angerichtet, wobei keine Hitze weg käme und die geringe Sole zum Nutzen gebracht würde“  für 40.000 Gulden dem Kurfürsten August I.

August war bekannt für seine Bemühungen, durch die Verbesserung des inländischen Gewerbes die Kammereinkünfte aber auch den Wohlstand des Landes zu erhöhen. Dazu gehörte neben dem Bergbau auch die Erschließung und Ausbeutung eigener Salzquellen, zumal der Salzhandel nicht nur zur  Verbesserung der Landesfinanzen beitrug, sondern auch den Lebensumständen seiner Untertanen zu Gute kam. Eine der wichtigen Voraussetzung für die Salzfabrikation war die Bereitstellung ausreichender Mengen guten Brennholzes. Dazu ließ er den Elsterfloßgraben anlegen, über den zunächst das Brennholz für die Salinen in Poserena, Teuditz und Kötzschau angeflößt wurde, dann aber auch der Belegung wichtiger Stapelplätze, wie die in  Leipzig, Pegau und Merseburg diente.

Eine weitere Saline wollte der Kurfürst in Auleben bei Kelbra in der Grafschaft Stolberg errichten, jedoch „zu Awleben weichet die Sola von einem Orthe zum andern, also daß sie gründlicher Fassung nicht kommen können....Der Churfürst zu Sachsen Hertzog Augustus, hochlöblicher gedechtnis, hat bey sechs Jahren daran bawen lassen“ schrieb Johann Thölde in seiner „Haligraphia“. Daher wurde Auleben nach nur wenigen Jahren aufgegeben und alle noch verwendbaren Geräte und Materialien kamen nach Artern.

Vom Landbaumeister Irmscher wurde die Saline mit einer Mauer umgeben und die für die Salzfabrikation erforderlichen Anlagen errichtet. Außerdem wurde der Oberbergmeister Martin Planer, der schon den Bau des Elsterfloßgrabens geleitet hatte, angewiesen, die Strecke von Artern bis Weißenfels zu vermessen und die Kosten für eine Röhrenfahrt bis dorthin zu ermitteln. Man plante, in Anbetracht der in Artern problematischen Brennstofflage, überschüssige Sole dorthin zu leiten, weil dort Brennholz aus der Elsterflöße zur Verfügung stand, nachdem der Elsterfloßgraben über den Rippachbach mit der Saale verbunden war.

Eine zeitgenössische Beschreibung der ersten kursächsischen Saline lieferte Johann Thöldes „Haligraphia“

Zu Artthern in der Herrschafft Manßfeld ist ein Saltzbrunn / ungefehr ein Büchsenschoß von der Stadt nahe bey dem Kalckthal gelegen / welche Churfürst Augustus zu Sachsen / hochlöblichen gedechnis / in ein Rinckmauer bringen / unnd auff newe mit 22 ansehnlichen Sölden erbawe lassen / der Brunn mit Dannen Bolen ins gevierde gefasset / darüber ein Kunsthauß erbawet. Das wilde wasser hat getrieben ein rad / damit die Sole mit Pumpen ins gerinne gehoben / unnd fort im Rinnen von einer Sölden in die andern geleyet worden. Es seind wohl viele wege vorgenommen  worden 7 das wilde Wasser der Solen zu nehmen / und in besserung zu bringen / wie denn zu dem ende auch tzliche Pfannen / eine jede höher als die ander / stuffenweise zu hinderst über die grosse Pfann setzen lassen / da die Sole inn denselben erwärmet / unnd von einer in die andre / unnd zuletzt in die grosse Pfanne gelauffen / dadurch vermeynet / daß das wilde Wasser etzlicher massen verrauchen sollte / So ist auch sonderlich Bleien Rohwerck zu diesem mittel / durch einen Kandelgisser (welcher stetig mit seinen Gesellen im Saltzthal gehalten wurde) gemachet / und sein viel Unkosten daran gewendet worden.

Das gehöltz ist wegen mangelung deßen orts von Hartz / an Wellholtz / und aus des Churfürsten zu Sachsen gebiete groß Scheitholtz durch S. C. G. Unterthane die menge dahin geflößet worden. Zum Inspector oder Verwalter ist Joachim Schreyvogel gehalten worden / der alle sachen in verwaltung gehabt / und ist alles ordentlich und wol angestellt gewesen. Der Herd ist von Schotter gemachet gewesen / und ist die Beisse gebrauchet wie zu Awleben. Es sind wöchentlich abgesotten worden offt mehr denn 24 Wercke / welches gehalten 48 Stücke / hat ein Stück gekostet 8 Groschen / welches gehalten siebeneinhalb Maß. Die Pfannen sind gewesen 5 Schuch lang / 4 breit / hat 5 Pfannhacken gehabt / Der Meister hat von jedem Stücke 6 Pfennige / und unter zustossen 6 Groschen verdient.

Das Werckzeug allda so gebrauchet worden / ist gewesen Saltzkörbe / ein Saltzschauffel / Fegefaß / Fegehammer / ein Feurhaken / eine Bicken / ein Kohlkrücke / ein Eisern Gabbel.

Die rohe Sole hält die Quart 98 loht / 2 quant / und am saltz acht loht minus 1 quant / Es fleust die Sole so starck und mechtig / daß sie ein Mühlrad umbtreiben könnte ….

 

Der „Kurtze Auszugk was uff dem Churfürstl. Sechs. Saltzwerge vor Artern vom 12. Febvraur anno 1581 biß uff den zehendten Februar des 82. jahres ahn saltz gesotten ..“ des Schössers Caspar Tryller gibt an, dass hier 39.326 Stück Salz, d. s. etwa 40.000 Zentner gesotten wurden.

Dennoch überstiegen die Kosten den Nutzen, insbesondere betraf das die Anfuhr des Brennholzes, das auf dem Landweg vom Harz kam. Auch Steinkohle aus der Grafschaft Honstein kam zum Einsatz, war aber ebenso teuer. Als dann im Jahr 1582 der Floßholzkontrakt mit dem  halleschen Rat und der Pfännerschaft über die Lieferung von Brennholz aus der Elsterflöße  zustande kam und im Gegenzug wesentlich mehr Salz aus Halle eingeführt werden konnte, erübrigten sich die wenig erfolgreichen dafür recht kostspieligen Versuche der Einrichtung landeseigener Salinen. Folgerichtig verkaufte Kurfürst August kurz vor seinem Tod die Saline den schwarzburgischen Grafen. 

 

Nachdem von Gottes Gnaden wir Augustus, Herzog in Sachsen des Heiligen Römischen Reiches Ertz-Marschalls undt Churfürst, Landtgrave in Düringen, Margkgrave zu Meißen und Burggrave zu Magdeburgk von den Wohlgebornen Unsern lieben getreuen den Graven zu Schwartzburgk Herrn Hanns Güntern, Herrn Wilhelm undt Herrn  Albrechte, gebrüdern unterthänigst angelanget undt gebeten worden, Unser zu Artern angericht Saltzwergck darüber sie sich beklaget, daß Ihnen von wegen deßselbigen an Ihren Saltzwergcke  zu Franckenhausen ein grosser Abgang vor Hinderung undt Sperrung zugefügt würde, abzuschaffen undt fallen zu laßen. Das wir aber aus mercklichen Verfahren um gebührliche Bezahlung und Wiedererstattung dessen, darum Wir es erkaufft und an Uns gebracht  nicht haben thun  noch eingehen können, daraus gefolget, das gedachte Graven auf gepflogenen Unterhandlung Unserer Räthe und lieben getreuen  Balthasar Wormbs, Unseres Stallmeisters, Hansen von Berlepschen zu Großbodungen und Gabriel Schützen, Cantzlers zu Merseburgck sich unterthänigst erboten uns berührt Saltzwergcksambt deßen zugehörung, nachfolgender gestalt zu bezahlen. Wie wir dann auch endlich gnedigst gewilliget. Thun auch hiermit kundt in crafft dieses Brieffes, obgedachten Unsern leiben getreuen Graven Hans Güntern, Graven Wilhelmen und Graven Albrechten zu Schwartzburgk, Ihre Erben und Erbnehmern gemelt Unser Saltzwergck bei Artern gelegen sambt allen desselben Ein- und Zubehörungen, wie Wir dasselbige vor deßen an Uns und itzo von Uns erbauet worden ist sambt dem itzo daselbst vorhandenen und zum Sieden bishero gebrauchten Vorrath, eines rechten beständigen unwiederruflichen Erbkauffs um und vor Viertzig-Tausends Gulden  Kauffsumma undt nach benannter gestalt zuerlegen undt zu bezahlen, vor Kauffs und zu Kauffe geben.

Daruff auch ihren undt gegen  hernachfolgende ihrer gethanen Obligation  undt Versicherung berührter  Saltzbrunnen, Saltzwergcke undt alles derer anhengig, wie obbemeldt, gentzlich und eigenthümlich tradiren und übergeben. Solches alles nach ihrem besten  zu gebrauchen, zu nutzen und zu nießen  undt sonsten damit zu thun und zu laßen. Mit dieser sonderbaren Zusage  undt Verpflichtung Ihnen solchen Saltzbrunn undt allen daselben Zubehörungen aller Ansprüche frey, sonderlichen aber vor den Graven von Mansfeldt, zu gewehren  und Sie und Ihre Erben in der Zeit derohalben zu vertreten und schadlos zu halten.

Darüber haben wir auch aus gnedigsterwillen undt gedachten  Graven undt Ihren Erben undt nachkommen zu Gnaden unds gnedigst erbotten undt gewilliget. Wo Wir gleich durch Gottes Segen künftig ein Saltzwergck erheben undt aufrichten würden, dasselbe  anders nicht zu gebrauchen, dan das gleichwohl die Landstraßen und Commertien nicht gesperrt sondern ieder Zeit  frey und offen bleiben undt die Fuhrleute an keinen Ort gezwungen noch von Franckenhausen abgehalten werden sollen.   

Nachdem Uns auch die Graven unterthänigst erinnert, wir undt welcher gestalt Sie berechtiget und wohlhergebracht, den Auffsatz des Zolls  zu Franckenhausen zu gebrauchen undt vorfallender ieder Gelegenheit  nach zu erhöhen oder zu niedrigern zu mindern oder zu wehren. Als haben wir auf diesfalls gnedigst gewilliget undt zugesagt, Ihne auch das hiermit undt in Crafft dieses Briefes Sie die Graven Ihre Erben undt  Nachkommen hierbey ieder undt alle Zeit gnedigst bleiben zu lassen. Nehmlichen, dass Sie die Erhöhung undt Auffsatzes des Zolls auff iede undt allehalbe ihrer gelegenheit  undt Notdurfft nach unsern Erben und nachkommen halber  unverhindert zu gebrauchen und zu nießen haben sollen 

Undt Wir obbemeldte Graven Hans Günter, Wilhelm undt  Albrecht, Gebrüder zu Schwartzburgck vor Uns Unsern Erben, Erbnehmern und Nachkommen thun hiermit kundt undt bekennen öffentlich, dass Wir ob Hochgedachten dem Durchlauchtigtsen Hochgebornen Fürsten und Herrn Herr Augusto, Hertzogen zu Sachsen, des Heiligen Römischen Reichs Ertz-Marschall undt Churfürsten, Unserm gnedigsten Herren vorbemeldten Saltzbrunnen bey Artern desselben Ein- undt Zubehörungen  wie obstehet, Viertzig Tausendt Gulden ieden vor Vierundzwantzig Fürsten-Groschen  gerechnet, Kauffsumme gegen Abtretung und Einnehmung berürtes Saltzwergcks und Zubehörunge bekenntlicher Schuldt schuldig werden seindt.

Erreden undt geloben auch bey Unsern Gräflichen Ehren und wahren Worten, ob Höchstgedachten Unserm gnedigsten Churfürsten  undt Herrn S. Churfürstl. Dl. Erben oder wissenlichen Inhabern dies Briefes gedachte Viertzigck Tausent Gulden jährlich und iedes Jahres  besonders off den Leipziger Neuen-Jahres Marckt ausgangs der Zahlwochen mit Viertausent Gulden obberührter Währung, durch Unsern Zöllner zu Franckenhausen zu erlegen und zu bezahlen. Und mit erstern Termin der Viertausent Gulden auf den neuen Jahresmarckt Anno Sechsundachtzig anzufangen undt also von Jahren zu Jahren bis zum Ablauff doch ihne Verzinsung des Hinderstandts gelösen undt verkauffen, davon S. Churfürstl. Dl. den dritten Theil solches Kaufgeldes zuzustellen, Allertreulich undt ohne Gefährde

Damit aber oft hochgeachteter Unser gnedigster Herr der Churfürst zu Sachsen und Burgggrave  zu Magdeburgck S. Churf. Dl. Erben undt Erbnehmer, oder weißentlichen Briefs Inhaber dieser Viertzigtausent Gulden Kaufgeldes, undt der jährlichen Viertausent Gulden Abtragung deßelben, desto mehr versichert; So thun wir S. Churf. Dl. hiermit Unsern Zoll zu Franckenhausen zu einer sichern Underpfande Hypotheciren undt einsetzen. Darauf wir auch unsern Zöllner zu Franckenhausen wirklich angewiesen, dero gestalt das derselbe S. Churf. Dl. jährlichen aus obberührten Unsern Zoll die versprochen Viertausent Gulden unverhinderlich bis zu Ablauffung der Viertzig-Tausent Gulden an Unserer statt und von unsertwegen richtig machen und bezahlen soll.

Alles treulich undt ohne gefehrde; Undt deßen zu Urkundt  undt zu der steter .. Haltung  alles dessen so einen ieden Theil Unser  der Contrahenten obgemeldte gebühren undt obliegen will, haben Wir Augustus Churfürst zu Sachsen und Burggrave zu Magdeburgk, auch Wir Graff Hanns Gunter, Graff Wilhelm und Graff Albrecht zu Schwartzburgk obgemeldte Unser Chur- und Fürstl. Und Grafliche angeborene Ring-Petschafft hierunder wißentlich aufdrücken laßen undt uns mit  eigenen Handen underschrieben.

Welcher Contract itzo bemeldter gestalt gleichlautend gezweifacht, undt iedem Theil einer zur nachrichtung zugestellt worden.

Welches geschehen undt den 15. Januarii im Jahr nach Christi Unsers lieben Herrn undt Seeligmachers Geburt Fünfzehnhundert Fünf undt Achtzigk

PP Augustus               Hanns Günther                      Wilhelm                       Albrecht 

(Quelle ThStA Rudolstadt, Kammer Rudolstadt Nr. E XII 1f Nr. 3)

 

Nach dem zur Übergabe angefertigten Inventarium standen innerhalb der Ummauerung  ein zweistöckiges Wohnhaus mit Pferdeställen, einer Badstube und einer Schreibstube im Erdgeschoss,  20 nutzbare  Siedekothe mit einer Fläche von jeweils 230 m², die dazugehörenden Trockenstuben, 18 Wohnstuben,  ein Schütthaus mit Schüttboden, eine Schmiede und ein Kohlenhaus. Das Salinengelände befand sich im südlichen Teil des heutigen Friedhofs, nach Thölde einen Büchsenschuß von der Stadt im „Kalckthale“ bzw. nach Poppe  8 Minuten Gehweg vor dem westlichen, dem „Nappthore“, im „Thale“ beim „Thalborn“. Ein ungefährer Lageplan findet sich bei A. Schröcker.

Die Schwarzburger ließen die Saline wegen der Konkurrenz zur Frankenhausener Saline eingehen, verkauften die baulichen Anlagen und verpachteten das Gelände als Acker. Außer der eigentlichen Solequelle, dem Solgraben und einigen Mauerresten blieb vom Werk nichts übrig.

 

Aber im ausgehenden 17. Jahrhunderts wurde man wieder auf die alten Salzquellen aufmerksam, nachdem sich die im 30jährigen Krieg erlittenen Bevölkerungsverluste allmählich wieder erholten und somit auch der Salzbedarf zunahm. Daneben weckten die zu erwartenden Einnahmen aus dem Salzhandel und den Salzzöllen die Begehrlichkeiten der  Landesherren.

Kursachsen führte ja seit Kurfürst August I. das Salz aus den nunmehr preußischen Salinen zu Staßfurth, Groß-Salze und insbesondere aus Halle ein. Damit war aber ein erheblicher Geldabfluss ins Ausland verbunden. Nachdem nun Kurfürst Friedrich August als August II. der Starke, zum polnischen König gewählt wurde, stiegen die Ausgaben für die kostspieligen Hofhaltungen um ein Vielfaches,  weshalb man nach Wegen suchte, um die Kammereinkünfte zu verbessern.

Die originellste Variante war wohl die Verpfändung ganzer  Ämter. So kam der kursächsische Teil der Grafschaft Mansfeld auf Wiederkauf an den Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, ebenso wie das Schulamt zu Pforta, dass 1712 für eine ansehnliche Summe an den Herzog von Sachsen-Weimar kam. Allerdings behielt man sich dabei die herrschaftlichen Regale vor, darunter das Salzregal und Kursachsen behielt sich vor, die in diesen Ämter austretenden oder noch aufzufindenden Solequellen selbst auszubeuten.

Eine weiter Geldquelle waren Offerten wohlhabender Untertanen. Diese, sowohl von Adel wie auch aus dem Bürgertum stammend und meist bereits in Staatsdiensten tätig, boten sich an, durch  vorteilhafte und den neuesten Kenntnisstand entsprechende wirtschaftlichen Unternehmen die Kammereinkünfte zu erhöhen. Als Sicherheit wurden Kautionen mit guter Verzinsung hinterlegt und Vorschüsse geleistet, die mit den späteren Erträgen verrechnet werden sollten,. Dafür erhielten diese privaten Unternehmer nebenher noch eine ganze Reihe zumeist erblicher Privilegien.

Eines der Betätigungsfelder der Unternehmer war dann auch folgerichtig die Wiederaufnahme der einst von August I. aufgelassenen Salinen, ebenso wie noch ungenutzter Solequellen. Einer der ersten, der mit der kursächsischen Kammer in dieser Hinsicht handelseinig wurde,  war der Oberst Adam Friedrich von Pfuhl zu Helfta bei Eisleben. 1697 wurde er mit den beiden noch aktiven  Salinen Teuditz und Kötzschau sowie den Salzbrunnen in Auleben,  Artern und dem dortigen Vorwerk Kastädt belehnt. Als er hier die ersten  Siedeversuche an der im Salztal austretenden Solequelle unternahm, rief das die Schwarzburger Grafen auf den Plan. Ihre Beschwerde beim Dresdener Hof wurde abgewiesen, mit dem Verweis, dass im Kaufvertrag von 1585 die Einrichtung eines neuen Salzwerks bei Artern nicht ausgeschlossen sei und daher ein neues Werk nicht zu beanstanden wäre.

Nachdem das geklärt schien, ließ von Pfuhl im August 1701 das alte Salinengelände beräumen, worauf die Schwarzburger die Dresdener Behörden nunmehr eindringlich aufforderten, den Pfuhlschen Unfug zu unterbinden. Bevor hierüber eine Entscheidung fiel, gab von Pfuhl von sich aus auf, nachdem die bisherigen Probeschachtungen keinen greifbaren Erfolg zeigten und wandte sich den Salinen in Teuditz und Kötzschau zu.

 

1712 erschien dann der Bergrat Ehrenfried Tittmann in Artern mit einem Befehl des Kurfürsten, der ihm erlaubte, in Kursachsen Solequellen zu suchen und zu fassen. In seiner Begleitung befanden sich der Bergverwalter Henning, der Kösener Floßmeister Wenzel und der Floßschreiber G. Hartig die sogleich mit mitgebrachten Gerät eine Probesiedung begannen. Erneut protestierten die nunmehr gefürsteten Schwarzburger Grafen. Der Versuch wurde abgebrochen, um die nach dem Wiederkaufvertrag mit Braunschweig-Lüneburg bestehenden Rechtsverhältnisse zu klären.

 

Nun schlug die Stunde eines Konsortiums, dass sich nach dem von den Teilhabern gewählten Sitz „Cösener Sozietät“ nannte. Diese versprachen die Wiedererhebung der Saline Artern, die Herrichtung der Gera und der Unstrut als Floßgewässer und die Einrichtung von Manufakturen und die Erbohrung weiterer Solequellen. Sie gaben an, über ein nur ihnen bekanntes Mittel, ein Arcanum, zu verfügen, bei dessen Anwendung beim Salzsieden nur noch die Hälfte des Brennholzes benötigt würde. Aus den Siederesten könnte man damit Salpeter und daraus wiederum Schießpulver herstellen. Die dem Landesherrn versprochenen Einnahme waren gewaltig, ebenso der vorhergesagte Nutzen für die herrschaftliche Kasse, was man ohne Beschwerungen der Untertanen erreichen wollte. 

 

Dem Aller-Durchlauchtigsten Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friedrich Augusto, Könige in Pohlen ... Herzoge in Sachßen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westfalen, des Römischen Reichs Ertz-Marschalle und Churfürsten, Landgrafen in Thüringen, Marggrafen  zu Meißen, auch Ober- und  Nieder Lausiz, Burggrafen zu Magdeburg, gefürsteter Grafe zu Hennberg, Grafen zu der Margk Ravensburg und Barby, Herrn zu Ravenstein ist gebührend vorgetragen worden.

Wesgestalt durch Dero Herrn Statthalters (Anm. Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg, 1656-1716) Vermittlung und angewandte Berichtung sich eine gewisse  Societät zusammen gesetzet und um andere Vorschläge bereist im abgewichenen Jahre an dieselbe von hochgedachten Herrn Statthalter angesinnt hat.

  1. Königl. Majest. nicht nur de dato Warschau den 1. Septembris 1713 ein allergnädigstes Decret zu mehrerer Sicherheit itzbesagter Societät ertheilet, welches anhero insoweit es nicht in nachfolgenden erläutert und limitiret worden wiederholet wird; Sondern auch derer Collegiorum allerunterthänigste Berichte und ohnmaßgebliche Bedenken darüber erfordert und als selbige eingelauffen, die in verschiedenen Passibus dagegen befundene Bedencklichkeiten und Dubia anderweit in Überlegung ziehen , auch die zu dem Ende anwesende Principal-Personen itztermeldter Societät, nahmentlich Johann Justum von Klenau, der Floßmeister Christoph Gottfried Wenzel und Johann Christoph Hennigen, mit ihrer anderweiten Erklärung hierüber vernehmen laßen.

Wann dann S. Königl. Majest. auf deroselben anderweit beschehenen umbständlichen Vortrag und gepflogenerweisse  Deliberation    ietzermeldten Principal-Personen und Consorten, hierüber, wir hernach folget, ein vollständiges Privilegium und respective Contract ausfertigen zu laßen, in Gnaden resolviret. Als versprechen Sie vor sich, dero Erben und Nachkommen, gegen gleichmäßige Verbindung besagter Contrahenten zur Erfüllung deßen wozu sie ihres Orths, sich anheischig machen;          Und wollen

1.)

Nur gedachte Principal Contrahenten und Consorten auch einen jeden dererselben insonderheit, wie sie sich zu Bewerckstelligung unter benannter Vorschläge auch mehreren Beytrage und Unterhaltung derer hierzu benöthigten Kosten, zusammen gesetzet, oder sich künfftig zusammen setzen werden, nebst ihren Erben und nachkommen, in Dero Landesherrschaften mächtigen Schutz und Protection vermittelst der Direction Dero Herren Statthalters und des geheimen Consilii nach der Verfaßung eines ieden Collegii wohin die Sache gehörig und wo die Personen sonsten zu stehen verbunden hiermit aufgenommen und ihnen zu Bewerckstelligung besagter nützlichen Vorschläge alß darzu erforderliche Sicherheit ingleichen sowohl ihre Personen, Bedienten und Arbeither, als die Wercke, so sie in Dero Landen anrichten werden, selbst und deren völlige Fortsetz-Ausführung und Continuation betreffenden Vorfallenheiten, krafft dieses gnädigst ertheilet auch  ihnen samt und sonders bey dero Herrn Statthalter und Ministris um dero etwa habenden Angelegenheiten vorstellig zu machen, zu jeder Zeit einen geziemenden freyen Zutritt verstattet und prompte Justiz-mäßige  Hülffe versprochen haben, nicht minder, daß ihnen und Consorten bey denen Collegiis, wohin jede Sache gehörig, in ihren billigen Ansehen mehr berührter Vorschläge und nützlichen Wercke .. seyn mag, alle Beförderung und nützliche Hülffe wiederfahren solle, absonderliche Befehle ergehen laßen wollen.    Ihre Königl. Majest. acceptiren hiernächst und

2.)

gnädigst die von ermeldter Societät und mehrbenannten Contrahenten nachfolgende unterthänigste Offerte und zwar, daß gedachte Societät einige Dero zeitherige Cammer-Intraden durch gewiße von ihnen an Hand zu geben versprochene Vorschläge über dasjenige was solche in dem letztern Jahre  getragen, jährlich mit Fünffzig Tausend Gulden Meißnisch exclusive des Nutzens aus der Salz-Coctur (ohne daß das Land und Unterthanen durch Handel und Wandel durch diese ihre Vorschläge vermittelst neuer Auflagen in geringsten beschwert oder benachtheiligt, weder die bißher üblichen gesteigert werden, noch daß sie hierüber einige Disposition oder immediate Administration  verlangen, sondern  alles unter gehöriger Direction des Cammer- und Berg-Collegii) vermehren und auf nur gedachte Summa erhöhen, von diesen Augmento aber nichts participiren und zur ferner Versicherung binnen einer Jahres-Frist, nehmlich von Ostern 1714 bis 1715 Zweymahlhundert Tausend Gulden Meißnisch, alß

50000 Gld. binnen acht Wochen a dato dieses Privilegii und respective Contacts an zu rechnen 

50000 Gld. Michaelis 1714

50000 Gld. Neu- Jahr 1715 und

50000 Gld. Oster-Marckt 1715 geliebts Gott,

vor sich und ihre Consorten praenumeriren wollen, zu dem Ende bey der Königl. und Churfürstl. Renth-Cammer zu Dresden aus des Cammer-Meisters  Rechnung über  der von ihnen künfftig zukommen habende Cammer-Revenuen und wenn sodann obbemeldte Vorschläge dem Lande und Unterthanen ohnbeschwerlich auch practicabel und nützlich befunden wurden, ein richtiger und summarischer Extract nach denen von ihnen zu benennen habenden Capital was selbige in dem letzten Jahre getragen, gefertiget und dergestalt zum Fundament  gesetzet werden soll, damit man bey jeder derselben, insonderheit wie hoch sich das Augmentum jährlich belauffe; und ob dergestalt bey denenselben zusammen das offerirte Quantum der fünfzigtausend Gulden sich ergeben ermessen könne und soll hiernach ein Exemplar in Ihro Königl. Maj. Renth-Cammer beybehalten , das andere aber Dero Herrn Statthalter zu Dero besondern Verwahrung, hieraus auch ein beglaubter Extract einem Societät so bereits in Ihro Königl. Majest. Pflichten stehet, auch daß er solches nirgens bekannt machen noch divulgiren wollen absonderlich zu vereyden, ausgestellet werden, worauf alsdann mit Ostern dieses 1714ten Jahres geliebts Gott, dieser Contract soviel nehmlich die vorgeschlagenen Erhöhung einiger Cammer Intraden belanget sich anfangen und auf Zehen Jahr hinaus, und also bis zu Ostern des1724ten Jahres, geliebts Gott, erstrecken solle, jedoch dergestalt, daß, daferne in einem Jahre nicht eben Fünfzigtausend Gulden, sondern weniger oder mehrers sich ergeben sollte, solches mit denen folgenden Jahren compensiret und der Sachen ein genüge geschehen seyn soll, wenn nur in Zehen Jahren, oder auch ehender, überhaupt Fünfmahl Hundert Tausend Gulden Meißnisch iedoch exclusive des Nutzens aus der Salz-Coctur, die Cammer Revenuen sich vermehret finden .

Und damit man den Ertrag dieses offerirten jährlichen Augmenti um somehr eigentlich absehen könne, so sollen von dem Cammer-Meister gewisse Capitul in seiner Rechnung über solche neue Nutzungen geführt, die Renth-Zettel iedesmahl darauf eingerichtet bey Schluß des Jahres ein richtiger Extract hierüber gefertiget und der Societät in forma probante zu ihrer Nachricht und Versicherung, um hieraus den jährlichen Zuwachs zu documentiren, ausgestellt werden.

Und erklären sich hierbey Ihre Königl. Majest, Sie in Betrachtung den von der Societät hierunter bezeigten devot praenumerirten Vorschuß keinen Anspruch machen wollen, wenn auch gleich das bey obgedachten Cammer-Intraden offerirte jährliche Quantum derer Fünfzig-Tausend Gulden nicht völlig heraus kommen sollte.

3.)

Was nun auch hiernächst den obgedachten Vorschuß und Praenumeration  derer Zweymahlhundert-Tausend Gulden belanget; So geschiehet solches  von der Societät und ihren Mittelst-Personen in obgesetzten Terminen, gegen einstweilige absonderliche Versicherung, im Falle nehmlich durch unten benannten casus furtuitos sie das Augmentum der jährlichen Fünfzig-Tausend Gulden zu effectuiren verhindert würden, auf die Flößen, Geleite- und Land-Accise-Licent und  andere Einnahmen, die Wiederbezahlung dieses Capitals cum Interesse a Sechs ProCent aber wird nachfolgender gestalt bewerckstelligt: nehmlich Einhunderttausend Gulden werden an denen ersten oder auch allenfalls folgenden Jahres neuen Revenuen, von Ostern dieses Jahres anzunehmen, ohne daß die zeithero ordentlichen Cammer-Intraden hierzu etwas beyzutragen haben, unter gehöriger und zeither gewöhnlicher Aufsicht Subordination und getreulicher Berechnung, hinwiederum abgeführet und bezahlt gemacht, die andern Einhunderttausend Gulden erstermeldten Vorschußes, welche solange zur Caution stehen bleiben, sollen von den ietzterwehnten neuen Revenuen des letzten Zehnten Jahres cum Interesse a 6 ProCent gleichergestalt hinwiederum vergnüget werden, daß demnach die Societät binnen zehn Jahren Fünfmahl Hundert-Tausend Gulden neue Intraden ohne den verhofften Überschuß, wovon auch die Interessen von ihrem Vorschuß bestritten werden können, nach vorher stehender Condition zu verschaffen, sich anheischig gemachet. Wobey aber die casus fortuiti als Krieg, Pest, große Brandschäden bey der Societät eigenen Wercken, feindlichen Heer- und Durchzügen, oder Invasion wodurch das Land, auch Handel und Wandel mercklich Schaden leidet, an Seiten der Societät, daß sie auf solche Fälle diese Vermehrung Dero jährlichen Revenuen nicht praestiren könnten, sich ausdrücklich vorbehalten, und von Ihro Königl. Maj. gnädigst nachgelaßen und eingeräumt worden, inmaßen sie denn durchgehend eine solche Veranstaltung treffen wollen, daß der Societät an Fortsetzung derer hierinnen enthaltenen Vorschläge einige Verhinderniß nicht veruhrsacht, sondern ihnen vielmehr alle Beförderung  und nurmöglichste Hülffsleistung aller Orthen wiederfahren solle.

4.)

Nachdem auch Ihre Königl. Maj. nebst Dero in Gott ruhenden Herrn Vorfahren mit großen Fleiße getrachtet, einige Saltz-Wercke in Dero Churfürstenthum Sachsen zu erheben, und dadurch Dero Lande selbst zu versorgen, hiernächst aber obermeldte Contrahenten und Consorten sich offeriret, das Salzwerck zu Arthern zu erheben und in nutzbaren Stand zu setzen, dergestalt, daß dato bis zu Ende nächstkommenden Monats Augusti wenigstens Ein Salz-Koth mit zugehörigen Pfannen und Geräthschafft, völlig erbauet und darinnen binnen selbiger Zeit würcklich Salz gesotten werden solle, sie auch ein gewißes seither niemand bekanntes, auch Menschen und Vieh unschädliches Arcanum des Niederschlages besitzen, wodurch auch die geringhaltigen Sohlen veredelt, und ohne sonst das gewöhnliche Gradiren, mit Erspahrung der Hälffte an Holze zu gute gemachet und versotten werdeen können.

Alß haben Ihre Königl. Majest. hiermit und krafft dieses in Gnaden gewilliget, daß von dato an nurgedachter Societät die Salz-Quellen zu Arthern und binnen Drey Meilen in der Circumferenz sofort in Anbau bringen, vorerst den oberwähnten Salz-Koth daselbst erbauen und längstens bis zu Ende des nächstkünfftigen Monats Augusti in würcklichen Stand setzen, darinnen das Salz sieden, nach ihren besten Vermögen und Kräfften anfangen, auch die Gebäude und Künste erheben, sowohl auch was zu Aufnahme dieses Wercks gereichet nach besten Wißen und Verstande veranstalten mögen.

Dahingegen Ihre Königl. Majest. in Ansehung des obgedachten nutzbaren Arcani (wenn auch dieses über kurz oder lang, hier oder anderer Orthen bekannt werden sollte) und der hierbey sich ergebenden Holz-Erspahrniß in Gnaden williget, auch vor sich Ihre Erben und Nachkommen veraprochen, daß obbenannte Drey Principal Contrahenten und Consorten von der Zeit an, sobald der erste Koth erbauet, und dergestalt die Nutzbarkeit und Realität des Werckes sich ereignet, vor sich, ihre Erben und Nachkommen den Vierten Theil an gedachten Artherischen Salz- Werck und Kothen, soviel dann künfftig erbauet werden möchten, zu ewigen Zeiten als ein freyes Allodial-Guth zusambt deren hergebrachten und gewöhnlichen Freyheiten in Accis- und anderen Oneribus, außer was unten im 10. § von verführteten Salze, zu ihrem Eigenthum haben und behalten, wollen aber hingegen die übrigen Drey Theile vor sich und Dero hohen Successores reserviren und dergestalt die Kosten insgesambt, sowohl zu Erhebung derer Quellen und Anbau derer Kothe, auch Versiedung des Salzes und Erhaltung derer Wercke, auf gleiche Viertheile gerechnet, zu den Ihro vorbehaltenen Drey Antheilen zu iederzeit gleich mit tragen; Dahingegen auch die Nutzungen zu obigen Drey Theilen sofort genießen, nicht minder, da von mehr berührten Contrahenten nach erbauten ersten Koth ein mehrers in die Sache verwendet oder vorgeschoßen werden sollte (zu dem Ende sofort bey angehenden Bau und Angriff  des Werckes ein Ihrer Königl. Majest. verpflichteter Factor oder Gegenschreiber  durch Dero Cammer-Collegium dahin zu setzen) den dergestalt behörig bescheinigten Vorschlag oder Vorschuß zu denen Königl. Drey Viertheilen, offbesagten Contrahenten pro rata derer Königl. Antheile, hinwieder von denen würcklichen Nutzungen völlig ersetzen, wie denn auch eine richtige Ordnung, wie es sowohl ratione der Partagirung des sämtlichen allda gesottenen Salzes  in Vier gleiche Theile als auch der benöthigten Einricht- und Fortsetzung des Werckes  zu halten, wenn vorhero die Contrahenten darüber vernommen, mit ihren Einwendungen gehört und ratione ihres Antheils sich eines gewißen diesfalls mit ihnen der Billigkeit  nach verglichen worden, abfaßen laßen.          Alldieweile auch

5.)

Gedachte Contrahenten Fleiß anwenden wollen, auf ihre und anderer Gewercken Kosten in Thüringen und der Gegend Steinkohlen zu erschürffen und zum Salzsieden mit anzuwenden; So wollen Ihro Königl. Majest. da sie dergleichen in der Nähe findig machen sollten, gegen sodem landüblichen zu vergleichenden billigen Preiß, besagte Steinkohlen auch zu Ihren vorbehaltenen Drey Theilen zu beßerer Erspahrung des Holzes mit abzunehmem, nach Befinden, nicht ermangeln. Wollen auch

6.)

Denen Contrahenten und Steinkohlen-Gewerckschafft an denen landüblichen Berg-Freyheit- und Gerechtigkeiten, wenn sie der Orthen eingeführet keinen Eintrag thun, noch etwas dem entgegen, wieder Billigkeit, denenselben zu Nachtheil geschehen laßen, nicht weniger, wenn die Graffschafft Mannsfeld von Chur-Braunschweig wiederumb eingelöset, vielbemeldte Contrahenten und Consorten mit denen Erb- und Obergerichten über die Salzmeister und Arbeither ihres Vierten Theils am Salz-Wercke, jedoch Dero hohen Regalien und Landesherrlichen Ober-Bothmäßigkeit unbeschadet begnadigen, und dafern von einen und andern benachbarten denen Contrahenten, dieses Salz-Werckes und neuen Anbaues halber über Vermuthen einiger Anspruch und Einhalt geschehen sollte, dieselben allenthalben vertreten und schadlos halten.      Nachdem auch

7.)

Die Contrahenten und sämtliche Gewerckschafft sich allerunterthänigst anerklären die Gera- und Unstruth Floß-Graben, falls die Sache mit dem Fürstlichen Hauße Sachsen-Gotha dereinsten abgethan werden sollte, auf ihren Verlag, welchen sie dazu vorschießen wollen, zu repariren und fortsetzen zu laßen, nicht minder den Schleußen-Bau, wenn vorhero, ob solcher practicabel und was vor Unkosten darzu erfordert werden möchten, durch besondere Commissarien untersuchet und ein Anschlag gefertiget seyn wird, auf der Unstruth, ebenfalls auf ihren Verlag, unter hergebrachter gehöriger Aufsicht und Direction des Königl. Cammer-Collegii zu entrepeniren, jedoch daß auch dann Privatis so ihre Wiesen und Äcker zu Dämmen hergeben sollen, gebührende genugsame Satisfaction wiederfahre.

So soll ihnen zu Beförderung dieses Vorhabens nicht nur alle dienliche Hülffe auch allergnädigster Schutz und Protection geliefert werden; Sondern es wollen auch Allerhöchsgedachte S. Königl. Majest. ietzbemeldten Principal-Contrahenten und Consorten die hierzu vorgeschoßenen Kosten aus dieser neuen Nutzung der Gera und Unstruth Flöße (welche Ihrer Königl. Majest. vor wie nach verbleibt) unter vorausgesetzter gehöriger Aufsicht und getreulicher Berechnung, cum Interesse à Sechs ProCent zu förderst hinwieder ersetzten und ohne einzigen Aufenthalt richtig bezahlen laßen.

8.)

Wollen Ihre Königl. Majest aus besonderer Gnade und in Ansehung des obgedachten Arcani des Niederschlages, und zugleich in Betrachtung der hierbey bis auf die Helffte gegen sonst gewöhnliche Versiedung, auch ohne vorhergegangene Gradirung, vorgestellten Holz-Erspahrniß sowohl auf dieser Unstruth, als auch da ferne … auf der Gera und Unstruth kein Holz mehr zu erlangen ... das Floß-Holz....von der Saale-Flöße auf der Unstruth die Schleusen bis Arthern angeschaffet werden müßte, gemeldter Societät soviel Holz, als sie zur Fortsetzung ihres Theils am Artherischen Salz-Wercke consumiren und dahin angeflößet werden möchte, umb den Preiß, so hoch es Ihro Königl. Majest. selbst inclusive der Floßkosten, auf beyden Flößen bis auf die Stelle, nach steigend- und fallenden Einkauff und Kosten, iederzeit zustehen kömmt (weshalben ihnen auf Verlangen, soviel als hierzu nöthig, aus denen Floß-Rechnungen alle Nachricht gegeben werden soll) ohne Aufschlag oder Gewinnst, gegen terminliche Bezahlung auf Erben und Nachkommen, zu flößen und abfolgen zu laßen.

Wobey die Societät noch ferner sich unterthänigst anbiethet, daß weile die jährliche Nutzung des Artherischen Salzwercks considerable, so wollen sie benöthigtenfalls, und wenn die Reluition der Grafschafft Mannsfeldt erfolgen sollte hierauf zum Supplement einen ansehnlichen Vorschuß zu verschaffen und dergestalt die Wiederlage des Capitals bewerckstelligen zu helffen, sich höchst angelegen seyn laßen.

9.)

Da ferne auf Ihre Königl. Majest. die übrigen Salz-Quellen zu Kösen, Poserna und Burg-Liebenau nicht auf ihre selbst eigene Kosten (auf welchen Fall iedoch die Societät  dahin oder sonsten das Arcanum des Niederschlags wieder ihren Willen herzugeben gehalten oder nicht verbunden seyn soll) zu erheben, sondern einer Gewerckschafft zu überlaßen, allergnädigst gemeinet seyn sollten; So haben sie gnädigst bewilliget, daß Sie solchenfalls der Societät, in Betracht des von derselben verhofften Nutzens, gedachte Quellen vor andern zu gönnen, und gegen Abrichtung des sonst üblichen Zehenden, oder deßen was andere Gewercke noch darüber precognizione geben möchten, durch Dero Cammer- und Berg-Gemach erblich verleihen laßen wollten.

10.)

Vermittelst Göttlicher Verleihung einer genugsamen Quantität und hinlängliches Surrogatum statt des ausländischen zeithero eingeführten Salzes zu Versorgung Ihrer Königl. Majest. gesambten Lande und Unterthanen zu erlangen und sodann selbiges auch in benachbarte Lande zu verlaßen thunlich befunden worden möchte, sollen die Fuhrleute, welche das Salz sowohl von den Königl. Drey Viertheilen als von der Societät Antheil abnehmen, daferne mit denen Fürstlichen Häußern Ernestinischer Linie ein gewißes, ratione des Eingangs hinküfftig vergleichen werden könnte, ein mehrers nicht als den auf solchen Fall stipulirten Import, gleich andern in iene Lande eingehenden Salze, hingegen im übrigen die gewöhnlichen Abgaben, wie solche zur Zeit der Ausfertigung dieses Privilegii entrichtet wurden, von dem verführten Salze willig abstatten, sonsten aber die Contrahenten mit neuen und erhöhten Abgaben zu immer währenden Zeiten verschont und hiermit weiter nicht erhöhet noch beleget werden.

11.)

Die benöthige Bau-Materialien, an Bau-Holze, Brethern, Pfosten und Latten, so die Contrahenten zu Anbauung und künfftigen Reparatur des neuen Orths Kösen (in welchen jedoch die Häuser gut und feuerfeste zu bauen) oder derer Gebäude zum Artherischen Salzwercke ihres Antheils nöthig haben möchten, soll ihnen auf der Königl. Flöße frey passieret, und ihnen hierüber aus der Königl. Cammer gewöhnliche Frey-Päße ertheilet werden, jedoch daß von diesen Bau-Materialien an andere nichts  verkaufft oder sie etwas andern als obstehet angewendet werden; Weshalben der Königliche Floßschreiber zu Kösen besonders Aufsicht zu führen hat.

12.)

Alldieweile auch Eingangs besagte Contrahenten zu Anlegung derer Manufacturen und Ihre Königl. Majest. auch Dero Landen und Leuthen nutzbaren Wercke und Berg-Gebäude zu Kösen eine gute Quantität Gehölzes jährlich consumiren möchten; So wollen Ihre Königl. Majest. ihnen jährlich eine gewisse Quantität bis auf Fünfzehn Hundert Clafftern dergestalt durchzuflößen zu iederzeit auf Erben und Nachkommen verstatten, daß auf Ihrer Königl. Majest. Antheil der Commun-Flöße jährlich nur Fünfhundert Clafftern durchgehen, ratione derer übrigen Eintausend Clafftern aber der Societät mit denen Fürstlichen Herren Interessenten sich zu vergleichen, freygelaßen werde; Ingleichen daß besagte Hölzer, außer denen an dem Saalen Strohm und einschießenden Bächen gelegenen Holzungen, und zwar an solchen Orthen, wo die Königl. Cammer keine Floß-Contracte hat, von ihnen erhandelt, und auf ihre eigenen Kosten, ohne geringsten Beytrag nach Abgang der Königl. und Churfürstl. Cammer dahin durchgeflößet, nicht minder von denen Contrahenten als ein neues Revenue gedachter Cammer, ein Floß-Zins vor den Durchlaß von ieder Claffter Holz von obigen Quanto derer Fünfhundert Clafftern, zu iederzeit Fünff Groschen, Drey Pfennige baar entrichtet werden; Wobey besagte Contrahenten, daß sie ein mehrers  nicht als  sie jährlich würcklich verbrauchen könnten, wenn es auch obige Anzahl derer 1500 Clafftern nicht erreichet, nicht durchgehen laßen und abnehmen wollen sich erklären, wie denn auch übrigens sie sich der gewöhnlichen und gehörigen Aufsicht und Inspection damit diesfalls weder einiges Holz verkauffet, noch sonsten dem Königl. Floß Interesse einiges Nachtheil zugezogen werde, willigst zu unterworffen haben.   Dahingegen

13.)

Hinwiederumb die Societät und ietzbemeldte Principal-Conrahenten sich in Unterthänigkeit anerbothen und obligiret, daß sie das Arcanum des mehrerwehnten Niederschlages, von nun an und zu immerwährenden Zeiten beständig  bey dieser Salz-Coctur zu Artern behalten und conserviren und sich hiervon niemahls absondern und trennen, besagten Niederschlag nebst allen darzu gehörigen Materialien in genugsamer und niemahls abgehendenr Qualität zu aller Zeit, auf ihre alleinige Kosten (wovor ihnen hingegen überhaupt zum Beytrag und Unterhaltung des Laboratorii ratione derer Königl. Drey Viertheile jährlich und immerwährend, Fünfhundert Thaler aus der Königl. Salz Cassa von der Zeit an da die Vier Kothe würcklich stehen, richtig bezahlet werden sollen)  verfertigen, selbigen in gleiche Maaß und Gewichte, es mögen auch die Pfannen bey diesen Artherischen Salzwercken sich vermehren wie sie wollen, distributiren, auch gerne geschehen laßen und sich unterwerffen wollen, daß durchgehends, wie bey Gewerckschafften üblich, eine billige und gleiche Einrichtung gemachet werde, wie sie denn auch zu obigen durch einen schrifftlichen Revers, welcher von jeglichen ihrer Nachkommen und Besitzer des Niederschlags (als welcher sie sich  und ihren Erben alleine reserviren, auch wieder ihren Willen niemand anders zu lehren nicht gezwungen werden sollen) zu wiederholen, sich absonderlich verbindlich machen wollen.

14.)

Alldieweile auch mehrbemeldte Contrahenten den Orth Kösen über der Schul-Pfortha an der Saale gelegen, zu ihren loco fixo und Wohnung der Principal-Personen ausersehen; So wollen Ihre Königl. Majest. nach reiffer Überlegung in Gnaden verwilliget und denenselben nachgelaßen haben; daß ermeldte  Contrahenten auf der Schul-Pfortha und anderer Unterthanen daselbst befindlichenm  Grund und Boden, mit derer Besitzer guten Willen und Genehmhaltung (wozu auch, da nöthig Ihre Königl. Majest. nach Anleitung des mit Sachsen-Weimar, das Amts Pfortha halber errichteten Recess disponiren zu laßen, Fleiß anwenden und mit denen Eigenthümern nach Billigkeit darüber tractiren laßen wollen) sich würcklich ankauffen, und gegen billigen Abtrag niederlaßen, ihre Manufacturen nebst anderen Ihrer Königl. Majest. und Dero Landen nutzbaren Wercken, welche jedoch, außer denen zu Manufactur nöthigen Handwercks-Leuthen, sonsten aber in neuen, entweder ganz oder gar bisher, oder doch ratione modi tractandi, in hiesigen Landen eingeführten Manufacturen  und noch nicht bekannten Wißenschafften bestehen sollen, wie die Nahmen haben, daselbst anbauen mögen, jedoch, daß dabey weder einiges Monopolium noch Jus prohibendi von ihnen verlanget werde; Inmaßen Ihre Königl. Majest. ferner diesen ohnlängst zu bauen angefangenen Orth, nachdem vorhin die dasigen Floß-Arbeither in den Weimarischen Wiederkauffs-Contracte expresse ausgenommen worden, gnädigst protegiren und schützen, auch da ferne von Ausländischen in Dero Landen noch nicht bekannten Manufacturiers und endliche Personen, sich in Zukunfft noch weiter daselbst niederlaßen werden, der Societät und denenselben noch ferner, nach Befinden gewiße Privilegien hierüber ertheilen laßen. Insonderheit aber

15.)

Weil Ihre Königl. Majest. obgedachte Principal-Contrahenten, welche sich daselbst niederlaßen wollen, auch deren Erben und Nachkommen, mit denen Ober- und Erb-Gerichten auf diesen Orth Kösen und deßen gegenwärtige und zukünfftige Einwohner sambt dem Jure patronatus (worüber ihnen von dem Königl. Ober-Consistorio eine absonderliche  gewöhnliche Concession ausgefertiget, und darinne die Geistliche Person des Inspectoris zur Pfortha respective des Consistorii zu Leipzig Aufsicht gleich anderen schrifftsäßigen Pfarrern angewiesen werden sollen) hiermit erblich begandiget auch dieselben in Krafft dieses, canzley-schrifftsäßig erkläret und von der Schul-Pfortha Jurisdiction, welcher hingegen von jeden Hauße, anstatt eines beständigen Solarii, jährlich Sechs Groschen nicht minder noch Sechs Groschen vor die Gerichte und also zusammen von jedem Wohnhauß und Gebäude, von der Zeit an, da es würcklich angebauet stehet, alljährlich Zwölff Groschen zu ewigen Zeiten, richtig von denen Contrahenten gezahlet werden soll, in Betracht dieses ein neuer Orth, und daselbst vor diesem keine Häußer angebauet gewesen gänzlich eximirte haben, und soll die von dem Floßmeister Wenzeln, wegen der Floß-Arbeither und anderer dasigen Einwohner bey der Pfortha bereits veranstaltete Vererbung in Ihrer Königl. Majest. Cammer-Gemach alsofort ausgefertiget, und zu Deroselben gnädigsten Ratification übersendet werden. Wobey über dieses nur berührte Contrahenten sich noch ausdrücklich dahin anheischig gemacht und verbunden, daß an diesem Orthe, über die daselbst vor die Floß-Arbeither allbereit angewiesenen Zweyund dreyßig Hauß-Plätze und davon zum Theil schon angebaute Häußer in allen nicht (es wäre denn, daß Ihre Königl. Majest. oder Dero hohen Successores diesfalls noch mehrere  anzubauen ausdrücklich erlauben wollten) als noch Einhundert Häußer angebauet, auch kein anderes exercitium Religionis als der Augspurgischen Confession, daselbst gestattet werden, und ihnen denen Contrahenten, nebst ihren Arbeiths-Leuthen und Bedienten, sich allda wohnhafft zu machen, nachgelaßen seyn solle. Allermaßen dann auch der zugleich gesuchte Bierschank in gedachten neuen Orthe weiter nicht als vor die Consumtion derer dasigen Einwohner und Arbeiths-Leuthe, keinesweges aber zum Verschrothen außerhalb des Orthes permittieret ist.             Ferner und

16.)

Wollen Ihre Königl. Majest gedachte Contrahenten jährlich mit einem Vieh-Marckte auch Zweyen Wochen-Märckten zu beßern Unterhalt ihrer Manufacturiers, Bedienten, Arbeithern und sämtlichen Einwohner daselbst, an gedachten Orthe Kösen, hiermit begnadiget, und ihnen freygestellt haben, zu welcher Zeit im Jahre und in der Woche solche am füglichsten angeleget werden können, doch alles auf den Fall, keinen Orth in der Nachbarschafft, so innerhalb einer Sächßischen Meile von dem Orthe Kösen lieget, diesfalls ein älter Privilegium und Jus prohibendi, oder gegründete Jus contradicendi zustehen möchte.

17.)

Verwilligen Ihre Königl. Majest. gnädigst, daß die Societät zu beßerer Herbeybringung derer benöthigten Bau-Materialien eine Ziegel-Scheune und Brenn-Ofen, blos zu behuff derer Gebäude zu Kösen und Arthern, nicht aber zum Verkauff außerhalb des Orths, nebenst einer Brett-Mühle, auf ihre Kosten erbauen und wegen des Waßereinlauffs von jedem ihrer umgehenden Wercke Drey Gulden Neun Groschen in die Schul-Pfortha jährlich entrichten mögen. Wozu ihnen die benöthigte Ziegel-Erde und Bruchsteine in der Gegend Kösen, wenn vorhero mit der Schul-Pfortha oder denen  Eigenthümern sich darüber eines billigen verglichen worden, abgefolget werden sollen.  Sollte auch

18.)

In der Gegend Kösen Bergwercke und Steinkohlen erschürffet und aufgenommen werden; So wollen Ihre Königl. Majest. dazu die gewöhnlichen Bergwercks- und andere Freyheiten, gegen Abstattung des Zehenden und anderer gewewöhnlichen Gebühren, bey denen Bergwercken, verleihen, auch die Steinkohlen, wenn sie gleich von angrenzenden Orthen Dero Herren Vettern, derer Herzöge zu Sachßen Fürstl.-Fürstl.- Durchl.- Durchl. Ernestinischer Linie, oder auch aus Dero Herren Vettern Erb-Landes Portionen und Stifften zu denen Kösener Wercken oder Artherischen Salz-Coctur eingeführet werden, mit keinen neuerlichen Impost, als dem zeitherigen Zoll und Geleithe belegen laßen.       Nachdem auch

19.)

Dieser neue Orth Kösen niemahls mit einigen Oneribus und Steuer-Schocken beleget gewesen; So wollen Ihre Königl. Majest. es auch in Ansehung, daß durch Erhebung der Salz-Wercke und anderer nützlichen Dinge Dero gesambten Landen ein ergiebiger Vortheil, ohne jemandes Beschwerde, verschaffet werden kann, auch die Societät Dero Cammer Interesse, wie vorgedacht, mercklich zu vermehren offerirt vor sich, Dero Erben und Nachkommen, es immerwährend darbey bewenden laßen, und die Societät, nebst allen den Ihrigen, und die sich daselbst anbauen werden, weder mit Steuer-Schocken, Einquartierung, General-Accise und allen andern Oneribus und Beschwerungen, wie solche Nahmen haben oder erdacht werden können, von nun an und zu ewigen Zeiten nicht belegen laßen, dargegen die Societät doch annoch unterthänigst sich anheischig gemachet, daß sie jederzeit, nach Verlauff derer Sechs gewöhnlichen Frey-Jahre, von einer jeden nach und nach angebauten Stätte und Wohnhauß jährlich überhaupt Zwölff Groschen zur General-Accise, statt der Dorf- und Handlungs-Accise in Ihrer Königl. Majest General-Accise zu Leipzig, zu zweyen Terminen Walpurgis und Michaelis unweigerlich entrichten wollen; Dargegen auch die Victualien und Lebens-Mittel, zu denen Wochen-Märckten und sonst dahin gebracht werden, von aller Abgabe frey verbleiben; Wie denn hierüber noch gemeldte Contrahenten und Mit-Verwandte zu einem jährlichen Deputat zu Ihrer Königl. Majest. Tranck- und Fleisch-Steuer Einnahme jährlich Sechzig Meißnische Gulden, als Fünffzig Gulden wegen des auf obgedachten, maaße ihnen  und ihren Nachkommen gnädigst verstatteten freyen Bierbrauens und Schanckes, und Zehen Gulden zum gewöhnlichen Fleisch-Pfennig, gehörige Orths, nach Verfließung der Sechs Frey-Jahre von dato an gerechnet, in Zukunfft und zu ewigen Zeiten, alß ein beständiges ihnen aus besonderer Gnade verwilligtes Deputat, jährlich praecise zu entrichten, sich anheischig gemachet, darüber sie auch  (ohnerachtet, daß in dem Anno 1703 ergangenene Interimns-Trancksteuer-Ausschreiben alle Steuer Deputate aufgehoben worden, in Betrachtung des der Cammer und gesambten Landen durch diesen Contract zuwachsenden Nutzens und Interesse) mit einer mehreren Abgabe-Steuer und Auflage niemahls beleget, sondern bey dieser ihnen einmahl ertheilten Concession ieder Zeit geschützet werden sollen.   Und wie nun

20.)

Die Contrahenten, nebenst ihren Consorten und Mittelst-Personen allerseits der Evangelischen Religion  zugethan und Vorhabens sind, künfftig Kirche und Schule an mehrbesagten Orthe Kösen, auf ihre Kosten zu erbauen und zu stifften, auch die Kirchen- und Schul-Diener mit einem erträglichen Auskommen zu versehen; Alß haben Ihre Königl. Majest. gnädigst verwilliget, daß ihnen nicht allein, wie oben gemeldet, und auf den Fall, sie die Kirche und Schulhauß auf ihre Kosten erbauen und dotiren werden, das Jus Patronatus, die Kirch- und Schul-Diener zu vociren und bey Dero Consistorio zu Leipzig zu praesentiren, hiermit und in krafft dieses erblich zugeeignet, sondern ihnen auch nachgelaßen seyn soll, zu der oben concedirten Kirche die alte wüste Kirche hinter dem Gasthofe zu Kösen worin die Schule zeithero ihr Getreyde gelagert, zu gebrauchen und anzubauen und nach ihrem Gefallen mit einem Glocken-Thurm anzulegen, wie denn die Contrahenten und gesambte Societät hingegen der Schul-Pfortha eine andere Scheune auf ihre Kosten erbauen laßen und mit gedachter Schule, wegen eines genugsamen Raumes zum Pfarr- und Schul-Gebäuden, auch Kirchhoffs, sich eines billigen zu vergleichen und abzufinden hat.    Damit auch  

21.)

Die Societät ihre obgedachte Manufacturen und umbgehende Wercke desto eher  in Anbau bringen und hieran umbso weniger gehindert werden mögen; So wollen Ihre Königl. Majest. inzwischen bis die Schul-Pfortha wiederumb reluiret werden kann, bey des Herrn Herzogs  von Sachßen-Weimar Fürstl. Durchl. es dahin zu vermitteln suchen, daß die Mühle und der Gasthoff zu Kösen umb das zeitherige Pachtgeld, solange der Wiederkauff continuiret, offtgemeldte Contrahenten überlaßen werden, nach geendigten Wiederkauff aber die Verfügung treffen, daß ihnen besagte Mühle und Gasthoff entweder umb einen beständigen Erb-Pacht, auf welchen letztern Fall die Societät Zwanzig Gulden bey der Mühle und Zehen Gulden bey dem Gasthofe, über das seitherige Locarium zugleich wegen der Ober- und Erbgerichte über diese Grundstücke, der Schule zum Ersten nach jährlich und immerwehrend, mit Übernehmung aller Kosten und casuum fortuitorum, zu zulegen versprochen, oder ein billiges  und an sichern Orth zu deponirendes Kauffgeld erblich eingeräumet werden möge, damit sowohl die Schule hierdurch an ihrer jährlichen Intrade gebeßert, als auch aller Zwiespalt und Uneinigkeit so sonst wegen des Waßerlauffs und Gasthofes entstehen könnte, vermieden werde.

Daferne auch die Societät vor sich oder durch andere Mittels-Personen das von des Herrn Herzogs von Sachßen-Weimar Fürstl. Durchl. auf das Amt Pfortha hergeliehene Capital vor Ablauff der Wiederkauffs-Jahre anzuschaffen vermöchten (inmaßen sie darauf bedacht seyn wollen) und mit S. Fürstl. Durchl. sie hierüber eines billigen zu vergleichen; So werden Ihre Königl. Majest. solchenfalls mit der Societät oder demjenigen, der die Gulden anschaffen möchte, wenn Ihrer Königl. Majest. vorhero, ehe das Werck entamiret wird, von der Person Vortrag geschiehet, und dabey kein Bedencken gefunden wird, auf thunliche Wegen nach Befinden einen anderweiten Contract schließen zu laßen nicht ermangeln.

22.)

Und weile ferner die Societät für ihre Rechnung und eigene Kosten und Gefahr, ein Chymisch Laboratorium in Kösen errichten und daselbst sowohl den obbesagten Niederschlag in hinlänglicher Quantität fertigen, als auch Dero Studia in metallicis et minerabilus, zu Ersiedung und Vermehrung ein und anderer dem Publico nützlichen Wißenschafften, zum Exempel: das Eisen in Stahl oder Kupfer und dieses in anderer Mineralia oder Metalle zu versetzen nach ihren besten Vermögen continuiren will, worunter sie auch die Verwandlung des Koch- oder anderer Salze in guten brennenden Salpeter, ohne das gewöhnliche Erdegraben und diesen hinwieder in Schieß-Pulver zu reduciren verstehen; Alß soll ihnen solches nicht allein frey und ungehindert verstattet seyn sondern es wollen auch Ihre Königl. Majest. gerne geschehen laßen, daß gedachte Contrahenten hinführo das alte Eisen, so in Ihrer Königl. Majest. Landen zu erlangen, daselbst und aller Orthen ungehindert kaufen und zu obgedachten Behuff mit anwenden mögen, auch der Societät zu deßen Einkauff und Verbeßrrung dieses und anderer Metallen und Mineralien, auch anderer Chimische Laborum, sowohl Bereitung des Salpeters und Schieß-Pulvers, und diesfalls die nöthigen Mühlen, als auch eine zu ihrem Laboratorio und andern Bedürfniß benöthigte Glashütte, an solchen Orthen wo niemand Schaden geschiehet, oder iemand einiges Privilegium  noch Jus prohibendi zustehet, zu erbauen, nicht nur freye Hand, sondern auch dieselbe  umb einiger solcher Dinge wegen, über die seither gewöhnlichen, mit neuer und erhöhter Auflage oder Abgaben, wie sie Nahmen haben mögen, weder gegenwärthig noch zukünfftig nicht belegen laßen; Doch daß die Fuhr-Leuthe, in Ab- und Zufuhr auf der Straße das allschon  gewöhnliche Geleithe, Zoll oder Wagen-Geld, nebst der Land-Accise und zeither gewöhnlichen Abgaben von ihrer Ladung bezahlen.            Allermaßen denn auch

23.)

Ihre Königl. Majest. auf fernerer der Societät allerunterthänigste Vorstellung, daß sich Leuthe finden möchten, welche durch List, Corruption oder Gewalt hinter derselben Arcana (welche sie sich iederzeit vorbehalten, doch allezeit wenigstens Zwey unter ihnen, damit sie  nicht durch unvermuthete Sterb- und andere Fälle von Abhanden kommen, bekannt machen, auch noch über dieses schrifftlich an Zwey Orthen unter sich versiegelt beylegen wollen, gestalt sie denn noch über dieses, wenn einer oder mehrere von denen ietzigen Principal-Contrahenten mit Tode abgehen sollten, sofort einen oder mehre andre an dessen Stelle nahmhaft machen wollen, welchen an des oder der abgehenden Stelle treten und  das Arcanum continuiren durch gleichmäßigen Revers sich verbinden) zu kommen sich unterstehen möchten; So inhibiren und verbieten Ihre Königl. Majest bey Zehen Marck löthigen Goldes auch nach Unterschied derer Umstände höherer Strafe, wo sich iemand ein solches zu unterfangen und in der Societät Laboratoria, Poch- und Waschwercke, wieder ihren Willen einzugehen, oder auch mit Gewalt einzudringen, auch ihre Leuthe und Arbeither abspenstig zu machen sich gelüsten laßen würden, und wenn solches iemand mit Gewalt suchen sollte, so ist der Societät nachgelaßen, den oder dieselbigen wiederumb mit gleicher Gewalt abzutreiben, wie ihnen denn zu solchen Ende, auf benöthigten Fall, von Ihren Königl. Majest. in der Nähe befindlichen Beambten, auf ihr Ansuchen jederzeit hülfliche Handleistung wiederfahren, und deshalber an sie gemeßenener Befehl ergehen soll,                   Alldieweile auch

24.)

Bemeldte Principal-Contrahenten und gesambte Consortschafft allerunterthänigst zu erkennen gegeben, wie sie eine gewiße Machine besitzen durch deren Beyhülffe und einer besondere noch niemand seither bekannte Schmelz-Art und compendiose Tractirung derer Erze, sie die allergeringhaltigsten,  sowohl als andrer reicherer, nur erwehnte Erze in großer Menge dergestalt ins Erze zu bringen vermöchten, daß vermittelst dieses Arcani sie mit Zwey bis Vier Personen binnen Vier Wochen eben soviel Erze als man sonsten, nach der bisher gewöhnlichen Art mit Fünzig Arbeithern in einem ganzen Quartal desfalls effectuiren mögen und zwar mit großen Vortheil und Menage gegen die wenige  Tractirung mit der Helffte Kohlen oder Flammen-Feuer zu schmelzen und zu gute zu machen, auch dieses Inventum sofort anzugeben und in würcklichen Stand  zu bringen müßen, ohne sich in die General-Schmelze Administration in geringsten zu meliren, item, daß sie durch eine andere gewiße Invention Waßer nöthigen und ersoffnene Gebäude mit guter Art und Beständigkeit, zum sonderbaren Aufnahme des Bergbaues erheben und zum Fortbau bringen könnten. So wollen Ihre Königl. Majest die von erwehnter Societät offerirte große Proben, durch Berg-und Schmelzverständige Personen, das förderlichsten, wenn vorher mit ermeldten Societät sich darüber vernommen und tractiret worden, in Augenschein nehmen, und sodann nach befunderner Richtigkeit und Realität ietzgedachten Inventi, mit denen Inhabern dieser Wißenschafft nach Proportion des Nutzens, sich eines billigen und gewißen darüber vergleichen laßen; Dahingegen Ihre Königl. Majest. gnädigst verwilligen und versprechen, daß solange mit mehrbemeldten Inhabern des Arcani sich keines gewißen verabredet und verglichen, ihnen diese Berg- und Schmelz-Wißenschafften, nebst vorgedachten Machinen, ohngekränckt allein, cum Jure prohibendi gelaßen, und weder durch Ihre Königl. Majest. Bediente und die Ihrigen, noch wer es sonst seyn möchte, in Dero Landen nachgemachet, noch weniger sie auf einerley Weise, bevor obiges erfolget etwas dergleichen von sich zu geben und bekannt zu machen angehalten werden sollen.             Ferner und 

25.)

So wird auch der Societät nachgelaßen in Ihrer Königl. Majest. Churfürstenthum und Landen neue Bergwercke auszuschürffen und zu erheben, auch daselbst ihre eigene Machinen und Schmelzwercke anzulegen, inmaßen Ihre Königl. Majest. ihnen dazu alle gewöhnliche Berg-Freyheit, gegen die gewöhnliche Landesherrliche Gebürniße ertheilen wollen, ihnen auch das benöthigte Gehölze, auch bedürffendenfalls, aus Dero eigenen Hölzern, gleich andern Gewercken, zu erhandeln unverwehret seyn soll, maßen denn übrigen Ihre Königl. Majest. vielbesagte Contrahenten und Societät in allen ihren obbenannten billigen und zuläßigen Vorhaben ungekränckt und ungehindert wißen wollen.             Nachdem auch

26.)

Die Societät sich offeriert vermittelst obgedachter Machinen wenn vorher sich verglichen und sie darüber genugsam gesichert worden, ein gewißes Bergwerck, so den Angaben nach Zehen bis Elff-löthige Silber-Erz halten soll auf ihre Kosten in nutzbaren Stand zu setzen, und sodann selbiges Ihrer Königl. Majest. aus treu gemeinter unterthänigster Devotion, iedoch ihre diesfalls bauende Machine (welche sie sich doch, wie bereits erwehnet vorbehalten) ausgenommen, gratis abzutreten; So acceptiren allerhöchst gedachte S. Königl. Majest. dieses unterthänigste Erbiethen und werden sich hinwieder Dero Landesherrlichen Schutzes in obbesagten Dero nützlichen und dem Lande verträglichen Wercken jederzeit genießen zu laßen, in Gnade bedacht seyn.             Inmaßen

27.)

Ihre Königl. Majest. die Verfügung thun wollen, daß, daferne die von Ihrer Königl. Majest. allbereits resolvirte Commercien Deputation zur würcklichen Einrichtung gelangen sollte, dies der Societät in Vorschlag gebrachte Erhebung derer Commercien und neuer Manufakturen daselbst mit in Deliberation gezogen und tractiret, mehrgedachten Contrahenten und Consorten auch ihre etwa habende Angelegenheiten allda vorstellig zu machen, ungewehret und iederzeit freygelaßen werde, wollen auch, daferne sie oberwehnte und anderer nützliche Offerten zum Effect bringen, eine und die andere ihres Mittels, welche zu Vermehrung Dero und des Landes Interesse hierunter das meiste beygetragen, und sich vor andern distinguiren werden, nach befundener Geschicklichkeit in Dero würcklichen Dienste zu employiren, auch sie sodann  samt und sonders, gestalten Sachen nach, mit besonderen Gnaden zu remuneriren bedacht seyn. Dargegen sie sich für sich, ihre Erben und Nachkommen, Ihrer Königl. Majest. nach allem Vermögen treu, hold und gewärthig zu seyn angelobet und versprochen haben, und der oder diejenigen, so in Ihrer Königl. Majest. würckliche Dienste treten, absonderlich verpflichtet werden sollen.      Endlich und zum

28.)

Haben Ihre Königl. Majest. auch nach dem Verlangen und der Confidence solcher Societät, Dero Herrn Statthalter und dem Geheimen Consilio vorietzo die Direction der ganzen Sache und daß die Societät sich jedesmahl bey Deroselben adressiren und promter Resolution gewärthig seyn solle, überlaßen. Wollen auch ferner zu desto genauerer vorherigen Erkundigung und sicherer Entschließung, daferne in Sachen die Contrahenten und Consorten auch Dero sämtliche Wercke und Vorschläge betreffende, von diesen oder jenen Collegio oder auch sonsten, woher es immer seyn wolle, einiger Bericht an Ihre Königl. Majestät erstattet  werden sollte, hierauf, bevor sie nicht von Dero Herrn Statthalter, auch aus  dem Geheimen Consili, dahero man deßen bey andern Collegiis nach Befinden sich zu erholen nicht ermangeln wird, Bericht erhalten, nichts resolviren sondern vielmehr die obbenannten Contrahenten und gesambte Societät bey dem was allhier wohlbedächtig und nach vorhergegangener genauer Untersuchung niedergeschrieben und ausgefertiget worden, nachdrücklich geschützet und gehandhabt.

Ihre Königl. Majest. Begehren demnach und befehlen allen Dero Collegiis und männiglich vielgedachter Societät und allen Ihrigen, bey Anlegung ihrer Manufacturen und anderer vorerwehnter nutzbaren Wercke allen geneigten Willen und Beförderung zu erweisen, und sie bey denjenigen, was in gegenwärtigen Privilegio und respective Contract wohlbedächtig abgehandelt, geschloßen und von Deroselben ausdrücklichste anbefohelen worden, bis an Ihre Königl. Majest. iederzeit mit künfftigst gegen männigleich zu schützen, auch darwider einige Hinderung noch Eingriffe nicht zu verstatten, und also dadurch Dero gnädigsten Willen und Meinung aufs genaueste zu vollbringen.

Uhrkundlich und  zu mehrerer Festhaltung haben Ihre Königl. Majestät, vor sich Dero Erben und Nachkommen, dieses Privilegium und respective Contract unter Dero eigenen Hand und vorgedruckten Königl.-Churf.-Secrte, in quadruplo, wovon im Original bey Deroselben eingereichet, das andere Dero Herren Statthalter zugestellet und in dem Geheimen Collegio in orginaliti übergeben, und endlich das Vierte der Societät, zu allerseits Versicherheit, eingehändiget worden, gnädigst und wohlbedächtig von sich aus gestellet. Dahingegen Ihre Königl. Majest. von obgedachten Drey Contrahenten und Principalien der Societät der hierbey geführte Original-Revers, daß sie ihrerseits denen hierinnen von ihnen geschehenen Versprechen, unter hierbey von Ihrer Königl. Majest. ihnen versicherten allergnädigsten Schutz und Protection, um Genüge leisten und die Sache in richtigen Stand setzen auch damit beständig fortfahren wollen, in triplo ausgehändiget worden.

So geschehen und geben zu Dresden, am 20. Marty Anno 1714

Augustus Rex 

(Quelle: Stadtarchiv Naumburg)

 

Dass sich August der Starke auf diese abenteuerlichen Vorstellungen einließ, lag nicht allein an den 200.000 Gulden, die die Sozietät als Sicherheit hinterlegte, sondern war auch das Ergebnis der Vorstellungen und der Protektion seitens des kurfürstlichen Statthalters Fürst Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg, der während August in Warschau residierte, die Geschicke des Kurfürstentums lenkte. Sein Engagement galt sicher nicht nur dem Landesinteresse, zumal es verständigen Zeitgenossen durchaus möglich war, die spekulativen Absichten und haltlosen Versprechungen der Sozietät zu erkennen.

Ausgerüstet mit der königlichen Konzession, wurde umgehend mit der Wiedererhebung des Arterner Salzwerkes begonnen. Innerhalb kürzester Zeit standen die ersten Siedekothe auf dem alten Salinegelände, der Solebrunnen war verwahrt und die Pläne für die Errichtung von Gradierhäusern nahmen Gestalt an. Allerdings entsprach die hergestellte Salzmenge nicht dem Vorhergesagten und der Holzvorrat war rasch aufgebraucht. Die Sozietät kaufte auf Pump und zahlten keine Löhne, was unter den Bediensteten und der Einwohnerschaft Arterns Mißmut hervorrief.

Inzwischen hatten einige Beamte mit ihren Bedenken gegenüber der Sozietät beim König Gehör gefunden, denn dieser befahl, eine Kommission nach Artern zu entsenden und das Wirken der Sozietät zu untersuchen. Im Januar 1715 trafen der Berghauptmann von Tettau in Begleitung weiterer Bergbeamten ein. Wenngleich der Besuch ohne Ergebnis blieb, verließen die  Teilhaber der Sozietät den Ort.  Als dann auch noch der Gönner des Unternehmens der Fürst von Fürstenberg-Heiligenberg im Jahr 1716 im Alter von 60 Jahren verstarb, löste sich die Sozietät faktisch auf, wie einer der Teilhaber, der Floßmeister Wenzel später berichtete.

August der Starke kassierte sämtliche Privilegien, nachdem sich auch der Herzog von Weimar massiv über das Treiben der Sozietät im Amt Pforta beschwert hatte und schloss mit den Schwarzburgern einen Vergleich, wonach ihnen der Besitz wie im Vertrag von 1585 vereinbart, bestätigt wurde. Eine förmliche Übergabe erfolgte jedoch erst am 17. Juni 1726, nachdem ein Sturm im Jahr 1723 die meisten der von der Sozietät errichteten Gebäude und Anlagen zerstört hatte.

 

Zur gleichen Zeit bemühten sich aber auch einige Einwohner aus Artern, die beim  nahe gelegenen Vorwerk Kastädt austretende Solequelle für die Salzgewinnung zu nutzen. Darüber gibt eine umfangreicher Schriftverkehr Auskunft.

 

Acta Artern den 12ten Juny 1723 das dasige Saltzwerck betr.

Nachdem gestern der H. Burgmeister Könnicke von Artern mich besucht und zugleich erwehnte, wie ich ihm vielmahls versprochen hätte nach dasigen Saltzwercke zu reisen, dem aber noch nicht nachkommen wäre, so sehe er itzo gerne, wenn ich mit ihm dahin führe. Ich entschuldigte mich zwar, daß es diesmahl nicht seyn könnte, weil der H. Geh.-Rath Bosens, Exzellenz anitzo verreiset und ohne Dero Beurlaubung mich einer solchen Reise nicht unterfangen dürffte, worauff er replicirte, daß mit Ihro Exzellenz er schon vor dem dieserwegen gesprochen, dahero ich gestern noch mit ihm dahin fuhr. Heute morgens nun besahe ich mit ihm das Saltzwerck, so ohngefehr 4 Ellen von denen Vorfahren war gefaßt worden, darinnen viel Quellen in die Höhe sprangen; die Sole befand  sich nach meiner Leypoldschen Waage 3 der H. Burgmeister nach seiner gläsernen aber 4löthig. Dieses Saltz-Werck ist mit einer Quadrat-Mauer umgeben und seynd diese Quellen gegen den Eintritt wohl 12 Ellen tieff, sie fließen unter der Quadrat-Mauer gegen Mittag fast ¾ Ellen ins Quadrat ab, daß sie ganz gerne 2 überschlächtige Mühl-Räder treiben könnten. Darauf fuhre ich mit ihm und noch einigen andern Leuten gegen Mitternacht in eine Kalck-Kufft, die wohl 100 Ellen von der eingeschloßnen Mauer des Saltz-Wercks war, deren Eingang immer tieffer und zu einem abgesunckenen Schacht, der ohngefehr 6 Ellen abgesuncken war worden, brachte, worinnen Waßer stunde, da von eine Flasche mitnehmen ließ und solche nach des H. Burgmeister Waage fast 2löthig  befand, der H. Burgmeister referirte mir, daß wie bey dem letzten  Anbau des Saltz-Wercks die gefaßten Quellen wären 4 Ellen hoch gedämmt worden, auch das Waßer in ietzt gemeldeten Schachte gestiegen wäre. Von da gingen wir eine gute 1/4tel Stunde nach Kastädt gegen Abend nach Franckenhausen zu, wo selbst und ein Bürger von Artern eine Botte zeigte, da ein Baum gestanden, und der alten Sage nach die rechte Quelle wäre verstopffet, ohnweit hiervon wäre auch ein Sumpff, der sehr saltzigt Waßer hätte, aus welchem Schlamme geworfen war, sehr saltzigt aussehe, diese Gegend kam mir mit den Quellen im Saltzwercke fast sohlig vor. Von hier gingen wir wieder nach Arthern und betrachteten des Saltzwercks Abfluß der gleich vor der Stadt in die Unstruth gehet, der mir vorkam, daß er im Frühahr wäre größer gewesen, auch von denen Mitgehenden bekräfftiget wurde. Wie wir nach hauße kamen nahm ich vor dem H. Burgmeister Abschied und reisete nach Hauße, da bey mich derselbe bat diesem Saltzwercke nachzudenken, wie solchem zum Besten zu helffen wäre. Deme auch in nachgesetztem Berichte meiner Wißenschafft nach gekommen bin

Ernst Friedrich Koch

 

Bericht über das Saltzwerck zu Artern und wie solchem zu helffen.

Weil nun dieses Werck wiederum in Anbau kommen soll, so halte ich gar nicht vor gut, daß man das alte Werck wiederum angreiffe, indem solches mehr mit wilden als mit guten Quellen angefüllet ist, und wegen geringen Gehalts und theuren Holtz-Preyßes darum zu seiner rechten Vollkommenheit nicht gelangen kann, durch ein Gradir-Hauß aber wäre wohl etwas zu effectuiren. Weil nun solches alte Werck ohnedem denen Franckenhäusern verschrieben seyn soll, so wäre beßer, daß man es gar liegen ließe, wer auch einen künfftig hier zu rathen wird, deme ist aus obangeführten Ursachen nicht zu trauen. Warum sollte man nicht solche Brunnen außer dem alten Wercke absincken als wie zu Halle geschehen. Da ist der Trützschler, der Gutjahr, der Metteritz und der Hackeborn, die doch alle nicht von einer Güte seyn, ob sie gleich von einer Quelle herfließen, so bey diesen Wercke ebenfalls möglich gemachet werden, da zu auch die beste Gelegenheit vorhanden ist, wenn man, hier dergleichen Brunnen und Schächte vorrichten ließ, so dürffen selbige denen ausgehenden Quellen im alten Wercke  gleich oder sohlig abgesuncken werden, als denn müßte man bohren, fände man nichts, so ginge man mit Örthern von einem Schacht zum andern, und ließ alle 2 biß 3 Lachter bohren, träffe man nun gute Quellen an, so kann man damit umgehen, wie sichs im bloßen schicken wollte, die wilden würden nicht über sich treten, weil die Schächte mit der alten Quelle sohlig, denn bevor solch Werck recht angegriffen wird, so muß man eine beßere Sohle haben, als die gegenwärtig ist, sonsten keine Hoffnung hiervon zu machen. Nun kann man wohl denen Sächsischen Landen zum Besten einige 100 biß 1000 Thaler wagen, möchte man hiermit nichts finden, so ist alldann beßer, daß das gantze Werck liegen bleibe als weitere unnöthige Kosten darin zu stecken.

In vorstehender Registratur ist nun gedacht worden, daß die rechte Quelle bey einem Baum soll gewesen seyn, wenn es sich nun so verhalten hätte, so sehr nicht wie solches zu verhindern sey, in dem darinnen solche zu erfinden sey, in dem darinnen alles sumpfigt, daß man mit bohren nicht avanciren kann, und gleichwohl zeiget doch der Sumpff, wie allbereit in der Registratur gedacht, saltzigte Waßer an, den müßte man dann säubern laßen und tieffer machen, um zu solchen, ob saltzigere Waßer darinnen als die ietzigen vorhanden sind. Daß der Abfluß des alten Saltzwercks dann und wann stärcker und schwächer  ist, giebt mehr als zu viel Gelegenheit zu schließen, daß wilde Waßer dazu stoßen, die entweder aus denen Kalck-Schlacken, darinnen man recht große Tiefe findet als wie bey Eißleben in Faulenser Stollen zu sehen gewesen, wie auch im Stollbergischen bey Queßenberg und hierum an vielen Orthen mehr noch zu sehen seynd; darinnen im Frühjahr und bey starcken Regen-Wetter sollch vollauffen und nach Gelegenheit wieder ablauffen, dergleichen es dann bey Artern ohnfehlbar geben muß, denn wenn man bey dem Saltzwercke auf Kalcksteine hinfähret, so klinget solches gantz hohl, oder auch wenn die Quelle  von Franckenhausen kommt, daran ich dann nicht zweiffele, in dem bey Caßel, Saltzungen und Franckenhausen fast eine Linie ist, da die Saltzwercken seynd, die dann bey Kastädt unter dasigen Rieth, so beständig voll Waßer ist, lauffen muß, da dann leicht kommen hoch, daß sich solche Waßer der Haupt-Quelle zuziehen, dadurch dann aber ein schlecht Facit zu hoffen seyn wird.

Hierbey befindet sich ein kleiner Abriß, welcher den Augenmaß nach verfertiget worden, im übrigen würde sich der Mühe wohl verlohnen, wann darüber ein rechter Grund-Riß verfertiget würde.

Eisleben, den 15ten Juny 1723                      Ernst Friedrich Koch*

 

(* E. F. Koch, Markscheider und Vorsteher der Eislebener Wiesenhütte, kursächs. Vize-Bergvogt zu Freiberg)  

 

Arthern den 6ten Octobris 1723

Allerdurchlauchtigster Großmächtigster König und Churfürst, Allergnädigster Herr

Ew. Königl.Majest. Und Churfürstl. Durchl. Habe wegen einiger bey Arthern herum außer den vorigen alten Wercke sich ereignenden neuen Saltz-Quellen beykommende Puncte einzureichen und dero allergnädigste Resolution darauff in aller unterthänigsten gehorsam zu erbitten mich erkühnen sollen in allen unterthänigster Submission beharrend

Ew. Königl. Majest und Churfürstl. Durchl. allerunterthänigster, treu, gehorsamster

Johann Georg Könnicke vor mich und meiner obhandenen neuen Gewerckschafft

 

Resolutionis

Demnach bey Ihro Königl. Majest in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen der Bürgermeister zu Arthern, Johann Georg Könnicke vor sich und im Nahmen einer neuen Gewerckschafft wegen einiger neuen Saltz-Quellen das mehrenttheils bey Kastädt eine Stunde von Arthern außer dem alten Wercke, ingleichen bey Großen Heringen allerunterthänigst Vorstellung gethan und Supplicanten dermahlen und durch zur Zeit mit gewißer Resolution nicht füglichen so gleich versehen werden können; Als wird dem Herrn Berg-Voigt in Thüringen Hachenbergen und dem Vice-Berg-Voigt allda Kochen solches hierdurch  gewießen gefüget, und haben dieselben daß inzwischen bemerckten Könnicke und Consorten hierdurch kein Eintrag geschehe, Absicht und Vorsorge zu tragen: Es wird hieran Ihre Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. gnädigster Wille und Meynung vollbracht.

Datum Dreßden den 21ten Marty Anno 1724                       Graff von Cesgemang

 

Demnach das zu Arthern viele Jahre cadue gelegene Saltzwerck bis anhero von unterschiedenen Liebhabern hinwiederum in Anbau und Auffnahme zu bringen gesuchet, auch viele Mühe und Kosten aufgewendet, dabey aber theils von dem Hauße Schwartzburg wegen vieler 100 Thaler gemachten praetensionen, theils von anderen, besonders der vormahligen  so genannten Societät praetendirten großen Aufwand und Anforderung halber unterschiedene Obstacula gemachet worden, so daß der vorhabende gute Zweck bis dato nicht erlanget werden mögen, und dann durch Gottes Hülffe und Gnade das vorhabende neue Werck außer allen Zweiffel erhoben und in einen profitablen Anbau gesetzet werden kann. Als hat man folgende Puncte zu Ihro Königl. Majest. und Churf. Durchl. der allergnädigsten Decise zu stellen der allerunterthänigsten Pflicht und Schuldigkeit erachte, als 

1.) Ist außer Zweifel, daß ein oder mehr Quellen außer dem alten Wercke ausfündig gemeacht werden können, und Hoffnung zu einer reichhaltigen Sohle als itzo im alten Wercke, weilen solche wegen Zufließung vieler wilden Quellen gäntzlich verderbet, obhanden ist, dawieder dann das Hauß Schwartzburg nichts einzuwenden hat, weil weniger selbiges die verlangete Abnahme derer jährlichen 100 Stück Salz praetendiren mag, sondern man dießfalls gäntzlich davon befreyt seyn kann.

2.) Diese neuen Quellen nun zu erheben und ein gantz neues Werck wo noch niemaghls dergleichen gewesen in Anbau zu bringen, findet sich eine Gewerckschafft, welche aber

3.) Ohne Ihro Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. allergnädigste Concession, Privilegium, Beleih- und Begnadigung einiger gewißer Berg-Freyheiten und was andere in Dero Landen befindlichen Saltz-Wercke, als Deuditz, Kötzschau und andere mehr genießen, besonders derer Untergerichte und Dependenz von Ihrer Königl. Majest. Hohen Berg-Jursidiction sothane neue An- und Errichtung anzufangen nicht vermag, dafern zu förderst und vor allen Dingen die Ertheilung sothaner allergnädigsten Concession, Privilegien, Beleih- und Begnadigungen allerunterthänigst sollicitiret wird, worauff sodann die Gewerckschafft allerunterthänigst benimmet und eingeschicket, mithin der würckliche Anfang des neuen Baues auf gedachter Gewerckschafft eigene Kosten sofort befördert werden solle.

4.) Die Feuerung kann theils mit dem Königl. und Churfürstl. Sächß. Secretario vorhandenen und Arthern nahe gelegenen Holtze, deßen sich bißhero das Schwartzburgische Saltzwerck zu Franckenhaußen bedienet (welche man sich aber vor Selbigen als Auswärtigen voraus bedienet), theils durch die zur Neustadt im Stollbergischen Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächß. Hoheit vorhandenen Stein-Kohlen, theils auch den um Arthern herum befindlichen Torff und Tagkohlen verrichtet werden kann, auch wenn erstlich das Haupterck, nehmlich gemachet, hierzu schon mehr Rath geschaffet werden.

5.) Und damit Ihre Königl. Majest. und Churfürst. Durchl. dieser Affaire halber nicht so gar offt angegangen werden dürffen, man auch bey künfftigen Probe-Zeigungen und andern dabey vorfallenden Gelegenheiten einer Hohen Commission benöthiget seyn möchte, so werden sonder unvorgreifflich allerunterthänigste Maßgebung Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl.  bestallter Cammer- und Berg-Rath  von Wichmannshaußen und Berg-Voigt zu Freyberg H. Voigts, welcher letzter aus der Graffschafft Mannsfeld bürtig und des Orts kundig, ihm durch vormahls die Untersuchung des alten Wercks bey Ablegung der damahligen Probe allergnädigst committiret gewesen, zu Commissarien vorgeschlagen und Ew. Königl. Majest. Hohe Gnade, Schutz und Beystand in dieser Deroselben und Dero Lande sehr verträglichen Affaire allerunterthänigst ausgebeten.

Was S. Königl. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen mein allergnädigster König, Churfürst und Herr auf deßselben vor sich und im Nahmen einer neuen Gewerckschafft allerunterthänigst suppliciren, einige neue Saltz-Quellen bey Kastädt und Großen Heringen betr. zur Resolution ertheilet, solches wird denselben hierdurch communiciret, und hat er und seyne Gewercken sich zu versichern, daß ihnen kein Eintrag geschehen; Sie aber die Sache vor dem Thüringischen Berg-Amt bergmännisch tractiren sollen, wonach sich zu achten, deme ich zu dienen geflißen verbleibe.

Eisleben den 27ten Marty 1724                                 Jacob Hachenberg     Berg-Voigt in Thüringen

 

Kösen, den 18. May 1724

Dato ließe mir der H. Floßmeister Hartig, wie ich Mittags zu ihm kommen sollte, melten, wurde mir durch obgedachten H. Floßmeister erzehlet, daß er den ihm schon vor ethlichen Jahren her sehr wohl bekannten, verständigen und in seinen Sachen richtig befundenen Ruthen-Gänger H. Johann Christoph Tiepnern von Roschau, und zwar daß dieser Herr Tiezner die allhier um Kösen streichenden Saltz-Quellen gerade untersuchen sollte, anhero kommen laßen.

Und weilen Hr. Tiepner  nunmehro in der Nähe wäre, und wegen seiner  vielen Vorrichtungen so bald nicht wieder zu erlangen seyn dürffte, die Artherischen Saltz-Wercks Sache aber ebenfallß einen dergleichen verständigen Mann, der, ob eine reichere Saltz-Quelle, als die anietzo im alten Werck befindliche und an welchem Orthe solche erschürffet werden konnte, richtig anzuzeigen wüßte, höchstnöthig erforderte; Er, der H. Floßmeister aber nur gestern erstlich von der Reiße wieder zurück gekommen und wegen vieler Verrichtungen vor diesesmahl nicht weggehen könnte, damit aber das Werck zu Arthern dennoch befördert würde, als wollte der H. Floßmeister mir aufgetragen haben mit H. Tiepner dahin zu reisen, damit dieser sowohl die daselbst streichenden Saltz-Adern außerhalb des alten Arthernschen Saltz-Werckes, als auch bey der neuen Rösche bey Kahstädt und dann ob einige Stein-Kohlen um Arthern herum zu erschürffen wären, fleißig untersuchen und ich deßen Anzeige registriren könnte.

Worauff wir den 19ten May abends gegen 7 Uhr in Arthern ankahmen und ich sowohl die schrifftliche als auch mündliche Nachricht dem H. Stadtschreiber Könnicken noch diesen Abend überbrachte, welcher auch den 21ten Dito nebst H. Tiepner und mir Endes unterschriebenen, wie auch bey obgedachter neuen Rösche zu Kastädt herum ritte. Wie es nun H. Tiepner nach fleißiger Untersuchung befunden, besage deßen beyliegender Auffstand und ohngefährer Abriß mit mehrern, und als es diesen gantzen Tag regnete, konnte nach Mittage, wie auch den 21. May wegen des eingefallenen lieben Sonntags, weiter nichts vorgenommen werden.

Den 22ten May ritte H. Tiepner und ich im gantzen Artherischen und Voigtstädtischen Revier wegen Nachsuchung derer Stein-Kohlen herum. Wie zwar an der Sangerhäußerschen Heerstraße ohnweit und über des durch den Berg-Verwalter Henningen angegebene und abgesenckten Schachts ein Gang Stein-Kohlen zu erschürffen, diese zu gewinnen aber sich die Mühe nicht verlohnte, denn es weiter nichts als wie eine braune mulmige Erde und sonst in gedachten Revieren nichts zu verhoffen, sondern über all lauter gantzes Gestein und nur eines Lachters tieff unter der Damm-Erde befinden wäre.

Eodem gegen Abend kame der H. Stadtschreiber Könnicke und H. Berg-Voigt Koch von Eisleben, da dann den 23. May gedachter Herr Berg-Voigt Koch, H. Tiepner, ich und ein Steiger von Eißleben abermahls zu der nenen Rösche bey Kastädt gingen, allda des H. Tiepners Ruthe wiederum wie am 20. nach dem Orthen wo sonsten ein kleiner Birnbaum, so aber in einer Nacht ausgehacket und weggeschaffet worden, wie auch über der neuen Rösche und über dem daselbst befindlichen Rasen im Felde 2 reiche Saltz-Quellen anzeigete, welche aber nach deßen Vorgeben mit großer Sorgfalt erschürffet werden müßten, maßen solche  gleich auf denen, wilden Waßern schwebeten. Übrigens ist hierbey zu gedencken: Wie die von ihm angegebenen Quellen so theils 6, 8. 10 bis 12 löthig seyn sollen, an nachfolgenden Orten zu erschürffen und die Schächte abzusencken wären, 1.) ohnweit des Birnbaums unter den Weinbergen, 2.) nicht ferne von einem im Felde liegenden Rasen-Hügel über dem alten Saltzwercke, 3.) nahe an dem Fuhrwege nach Voigtstädt, 4.) auf dem Felde zwischen der neuen Rösche und Rasen-Flecken, 5.) oben bey Kastädt rechter Hand über den Steinbrüchen und endlich 6.) bey 2 Pfählen, welche an der Sangerhäußischen Heerstraße stehen. Welches also nachrichtlich anhero registriret worden.

            Johann Sigismund Schildknecht *

 

(* J. S. Schildknecht, Brückenbauschreiber und 1715 mit der Verwaltung der Arternschen Saline von der „Sozietät“ betraut, besaß in Kösen am Lengefelder Fahrweg drei Baustellen, die er dem Floßmeister G. Hartig 1723 verkaufte. Der baute 1727 hier einen Kelter und daneben ein Wohnhaus, dass zunächst von J. G. Borlach angemietet und 1737  erworben wurde. Heute Borlachstraße 1 bis 3)  

 

Mit Gott und Glück auf!

Ich, unten benannter bekenne hierdurch mit meiner eigenhändigen Unterschrifft, wie daß nach vorgedruckten Petschafft, wie daß nach vorhero bey ethlichen Jahren bekannter Weise den Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächßische Hochbestallte Floßmeister an dem Saalenstrohm zu Kösen H. Georg Hartig mich herein beruffen, und um Nachsuchung der allda streichenden Saltz-Adern, wie auch Kohl-Flötzen, wie etwa dieselben am füglichsten durch Beystand des allerhöchsten Schöpffer Himmels und der Erden können erschürffet zum Anbruch nutzbarlich erbauet werden, anzusprechen, wie ich mich denn auf demselben willig bezeiget, den 15. May dieses 1724. Jahres nach Kösen gekommen, den 16. dito mit H. Martini* die Sommer und Winterseite von dem Saalen-Fluß, welche deßen Ort von Mittag nacher Mitternacht ihren Abfluß führet, durchgegangen und befunden, daß ethliche Saltz-Adern nach ihrer Stunde, jedoch nicht sehr edel streichbar, auch wegen der Tieffe und im ersten kalckichen Horngestein mit schweren Kosten zu erbauen sind, noch weniger habe einige Kohlen-Flötze befunden. Nach gestalten Sachen ist erst erwehnter H. Hartig mit mir, dann H. Johann Sigmund Schildknecht als Brückenbauschreiber  nacher Artern ins Hochgräffl. Mannsfeldische gereiset und geschicket, das allda befindliche alte Saltzwerck, welches die Herrn Franckenhäußer nach gemeiner Mannes Aussage sollen in einem Recess auch so ferne zeithero ohne einigen Nutzen, des Hohen Landes-Herrn auch Landes-Unterthanenm behalten haben, da es also nur denen Herrn Franckenhäußern zu beßerer Abfuhr ihres alldortigen siedenten Saltzes dieses in die Retardaten gesetzet, also daß es Jammer und Schande um die Ausbeute ist.

Nachdem ich nun berührtes Saltzwerck außer der Rinckmauer sehr fleißig und mit großer Mühe, vom Morgen, Mittage, Abend und Mitternacht mit der Ruthe bergmännischer Weise visitiret und untersuchet, auch befunden, daß in denen 4. benahmten Orthen des Revier 5 streichende edle Saltz-Adern vorhanden waren die 1.) von Mitternacht, 2.) von Mitternacht und halben Abend, 3.) rechten Abend, jede nach ihrer Stunde gegen dem Saltz-Schacht in der Mauer-Revier oder Bezirck zusammen übers Creutze  ihr streichen führen, maßen der Augenschein es bezeuget, daß jede Adern besonders verfaßet gewesen und durch etliche  Unverständige (oder will ich sagen, da es möchte eher aus Haß und Neid zum behuff anderer Saltzsieder-Städte) diese 3 Saltz-Quellen im Schachte des Saltz-Flötz durch gesuncken, auch die wilden Waßer frey gemachet, damit die edlen Saltz-Quellen überhäuffet werden, und nicht wohl den 4ten Theil der edlen Quellen nach der Saltz-Waage geblieben, daraus nunmehro mit großen und schweren Kosten, obschon die Sohle auf die Gradir-Häußer gebracht, dennoch schwer fallen will, die Kosten zu gewinnen, dahero mögen die Herren Franckenhäußer ihren Bezirck immer innen behalten. Es wird aber dabey die allerunterthänigste und gehorsamste Vorstellung gethan, wenn Ihre Königl. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen, Unser allergnädigster Herr aus Hoher Landes-Väterlicher Liebe und Vorsorge die wenigen Kosten auf 3 Schächte zur Abteuffung außer der Ringmauer des Saltzwercks zu erschürffen und mit Schächten zu entblößen gnädigst anwenden und sich dazu allergnädigst resolviren wollen, auch der allerhöchste Gott um seinen reichen Berg-Segen beständig angeruffen würde, so soll der Mensch keinen Zweiffel haben, weilen die edlen Saltz-Adern gewiß streichend vorhanden, daß daraus ein unermeßliche Ausbeute und reicher Seegen gebracht werden wird. Sollte aber wieder alles Verhoffen Ihrer Königl. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. unser allergnädigster Herr nicht gnädigst belieben zu bauen, dennoch aber denen getreuen und unterthänigsten Unterthanen zu bauen verstatten, daß dieselben auff gewiße Maaße und Weise nach Abzug hoher Interesse, so würden sich ihrer, so viel dazu nöthig, in eine löbliche Gewerckschafft verfaßen, Gelder dazu cassiren, mit Fried und Einigkeit das Werck belegen, wozu ich Gottes gnädigen reichen Segen angewünschet haben will.

Und habe ich solchen Bericht und Auffstand nach von Gott verliehenen bergmännischen Pfunden auch zum hohen Interesse auffgesetzet, unterschrieben und besiegelt.

Arthern am 18ten May, anno 1724    Johann Christoph Tiepner, Bergmann und Ruthengänger

 

(* Emanuel Martini, Floßschreiber zu Kösen, gehörte das alte Floßamt, heute Naumburger Straße 1)

 

An Ihro Königl. Majest. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen

Alerunterthänigster pp.

Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. rührt in allergnädigsten Andencken, was ich vor mich und im Nahmen einer obhandenen Gewerckschafft wegen einer neuen Saltz-Quellen, so sich bey Kastädt eine Stunde von Arthern außer dem alten Wercke hervor thun in unterschiedenen  Puncten unterm 6. Octobris a.p. allerunterthänigst dargestellet, auch die allergnädigste Resolution  darauf zu unterschiedenen mahlen allerunterthänigst foliciret. Ob nun wohl darauff unterm 21ten Marty jüngsthin daß ich dermahlen und zu selbigen Zeit mit gewißer Resolution nicht füglich versehen  werden können, allergnädigst verfüget, anbey aber  auch an den Berg-Voigt von Thüringen Jacob Hachenberger und Vice-Berg-Voigt Kochen zu Eißleben, daß dieselben, damit inzwischen mir und meinen Consorten hierunter kein Eintrag geschehe, Obsicht und Vorsorge tragen sollen, befohlen worden; So haben sich danach daher einige, besonders der H. Commissarius Metzler, H. Backe und H. Ingenieur Borlach allhier eingefunden, und sind die erstere intertionirten gewesen, Saltz-Quellen allhier zu suchen, gestalt denn  auch der letztere weil dießfalls einen von Ew. Königl. Majest. und Churf. Durchl.  erhaltenen allergnädigsten Befehl er vorzulegen hatte, 2 Schächte abzusencken und mit Berg-Bohrer noch biß dato Saltz-Quellen zu entblößen suchet. Wenn aber Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster  König und Churfürst, allergnädigster Herr ich und meine Consorten biß auf dahero zu Auffsuch- und Entblößung hiesiger Saltz-Quellen schon einige 100 Thaler verwendet und angewendet und uns noch bis dato dieses Werck mit vielen Mühe und Kosten angelegen seyn laßen, dahingegen uns gewiß  per suadiren, daß bemeldter Borlach seinen Zweck dem Anschein nach nicht erreichen, einfolglich die Kosten, so Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. darzu hergeben laßen, vergebens seyn werden.

Als flehe Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. ich vor mich und  wegen der obhandenen neuen Gewerckschafft nochmahls allerunterthänigst an, Sie wollen auf meine unterm 6 Octobris a.p. allerunterthänigste Vorstellung die gesuchte allergnädigste Concession, Privilegium, Beleih- und Begnadigung zu ertheilen allergnädigst geruhen.

Allermaßen nun nicht so wohl Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. selbst eigenes hohes Interesse als Dero gantzen Landes Wohlfahrt und unleugbare Auffnahme ohne Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. geringesten Auffwand hierdurch mercklich befördert wird. Also getröste ich mich und meine Consorten um so viel mehr allergnädigster Erhörung und beharre davon, wie sonst lebenslang

Ew. Königl. Majest. und Churfürstl. Durchl. allerunterthänigst-treu-gehorsamster

                        Johann George Könnicke

Arthern den 16ten Sept. 1724

 

Extract-Schreibens des Herrn Stadtschreibers Könnicke an den Herrn Floßmeister Hartig

de dato Arthern den 16. Sept. 1724

Ob ich wohl bis anhero auf die allergnädigste Concession wegen  des hiesigen Saltzwercks mit Schmertzen gefasset; So habe ich doch bis Dato nicht erlangen mögen, weil mehr ist an dem, daß ein Ingenieur Herr Borlach mit einem gnädigsten Befehl, so von dem Herrn Geheim-Rath von Zehmen unterschrieben, sich allhier eingefunden, um Saltz-Quellen zu entblößen. Er hat auch allhier  über der Sohl-Brücke an einen Acker einen Schacht eingesencket, allwo sich anfänglich zwar eine 5löthige Sohle gefunden, aber nachdem er tieffer graben laßen, dieselbe wieder sich verlohren, er hat auch diesen Schacht wieder stehen laßen, und ist weiter in diesen Acker hinauf gerücket, und dem Saltz-Wercke näher getreten, da er denn zwar vorgiebt, daß er eine 4löthige Sohle hätte angetroffen, alleine dieses wäre auch noch nicht was er suchte, ich muthmaße und schließe aus seinen Discursen, daß er allhier das Stein-Saltz mit suchte, dahero wir uns vor diesen Menschen nicht dürffen leyd seyn laßen, vielmehr habe ich das Vertrauen, daß dieses seyn Vornehmen, weil es ohne Effect seyn wird, uns zu unserer Avantage und Beförderung der allergnädigsten Concession dienen soll, maßen ich nechster Tage noch einmahl zu Dreßden dießfalls Vorstellung thun will, und so ich keine Resolution erhalte, auf instehende Meße nacher Leipzig zu reisen vorhabens bin.... 

(Quelle: ThStA Rudolstadt, Kammer Rudolstadt Nr. 865)

 

Doch Könnickes Vorsprache in Dresden war vergebens. Aus den bisherigen vergeblichen Unternehmungen der mit entsprechenden Privilegien versehenen Privatunternehmen, wie die des Obersten von Pfuhl, der Sozietät und nicht zuletzt des Leipziger Universitätsprofessors J. Chr. Lehmann, der 1717 ebenfalls ein  „Privilegium über mehrere Freyheiten bey allen Saltzwercken in Sachßen...“ erhielt, erging am 25. Juni 1723 ein königlicher Befehl an alle Amtspersonen Kursachsens

Von Gottes Gnaden, Friedrich August, König in Pohlen, Herzog zu Sachen, Clever, Berg und Engern, Churfürst, pp.

Beste und Hochgelahrte Räthe, liebe getreue, Demnach Wir den Ingenieur Johann Gottfried Borlach, daß er in Unsern Churfürstenthum und Landen, Saltz-Wercke zu entblößen oder suchen solle, gnädigst Befehl ertheilet, und zu diesem Ende ihm Zweytausend Thaler auf Berechnung zahlen, ihn auch dier benöthigte Vorspann zum Fortkommen geben zu laßen, bewilligen.

Als begehren wir gnädigst, Ihr wollet, daß ihm an allen Orthen Unsers Churfürstenthum und Landen, er so dergleichen zu entbößen vermeynet, einzuschlagen erlaubet, und er daran nicht gehindert, sondern vielmehr ihn in Unsern Berg- und andern Ämtern und sonst aller Vorschub gethabn, auch der, zu seinem Fortkommen benöthigte Vorspann allenthalben angeschaffet werde, Verordnung ertheilen; Ihn auch zu diesem Ende mit einem Patent in gewöhnlicher Form versehen, sowohl bey Unserer Renth-Cammer die Verfügung thun...

(Quelle: Sächsisches Staatsarchiv Loc 1337)

 

Johann Gottfried Borlach (1687-1768), der  in den polnischen Steinsalzbergwerken von Wieliczka und Bochnia erfolgreich wirkte und über ein umfangreiches salinistisches und geognostischen Wissen verfügte, besaß das Vertrauen August des Starken. Sein Ziel, in Artern Steinsalzlager zu finden, war ihm zwar nicht vergönnt. Doch die Erschließung einer verwendbaren Solequelle außerhalb des alten Salzwerkes, ermöglichte die Errichtung einer Gradiersaline direkt an der Unstrut. Damit beginnt die Geschichte des neuen Salzwerkes. 

 

 

Quellen:

Gustav Poppe:

„Zur  Geschichte der alten Saline Artern“ in Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, Bd. 1, Wernigerode 1868,

  1. Schröcker:

„Geschichte der Königlichen Saline zu Artern bis zum Eintritt der preußischen Verwaltung“, ebenda Bd. 15, Wernigerode 1882

Johann Thölde

„Haligraphia“ Eisleben 1603

Johann Georg Bauß:

„Einleitung zu denen in Teutschland üblichen Berg-Rechten und Processen“, Leipzig bei Schoenermarck 1740

 

Dr. Johann Christian Lehmann und die Verbesserung der Salzsiedekunst

Einer der Wissenschaftler, die sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der Verbesserung der Salinen beschäftigten und deren Besitzern, vornehmlich den jeweiligen Landesherren ihre Dienste anboten und ihnen die Erhöhung der Einkünfte aus den Salinen in Aussicht stellten, war der Physiko & Medico Dr.  J. Chr. Lehmann.

Lehmann, am 16. Juni in Bautzen geboren, studierte an der Leipziger Universität  Medizin und Naturwissenschaften, promovierte hier und erhielt eine Professur für Physik und Medizin, zeitweise war er sogar Rektor. 1712 wurde er Mitglied der Sektion Physik der Leopoldina zu Halle und 1713 als Ausländer Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Lehmann entwickelte Methoden und Vorrichtungen mit denen die herkömmliche Gradierung und Versiedung verbessert, der Brennstoffverbrauch reduziert und somit die Kosten verringert, die Menge und damit der Gewinn werden sollten.

Allerdings musste er nur noch einen Landesherren gewinnen, dass ihm dafür entweder ein  Salzwerk überlassen oder ihm gleich der Aufbau eines neuen Werkes gestattet wird.

Zunächst wandte er sich an seinen Landesherren Friedrich August der Starke, König in Polen und Kurfürst zu Sachsen. Dessen Interesse war sofort geweckt. Das ist insofern erstaunlich, da zur gleichen Zeit die „Cösener Sozietät“, die 1714 zahlreiche Privilegien für die Erhebung von  Solequellen in Arten und Kösen erhalten hatte, nach nur zwei Jahren eingegangen war. Doch Lehmanns Vorstellungen und seine Reputation als Universitätsprofessor überzeugten die Dresdner Kammer und so erhielt er am 15. Oktober 1717 die „Verleihungsurkunde“, mit dem ihm  die Ausbeutung aller Salzquellen in Kursachsen gestattet wurde, vornehmlich in Altensaltz im Vogtland bei Plauen, sowie aller noch zu erschließender Salzquellen.

Dann wandte sich Lehmann an den preußischen König Friedrich Wilhelm I. und bot sich an, die Saline in Schönebeck zu verbessern.

Dritter im Bunde war der Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha, dem die Salinen Ober- und Unter-Neu-Sulza gehörten und der den Lehmannschen Plänen äußerst aufgeschlossen gegenüber stand. Darüber gibt es einen umfangreicher Briefwechsel und mehrere  Veröffentlichungen, der hier in Auszügen wiedergegeben werden soll.

Am 23. Oktober 1717 schrieb Lehmann dem Herzog:

Ew. Durchl.  haben verflossenen May mir befehlen lassen, daß wegen der gethanen unterthänigsten Offerten Neu-Sultza  und andere in E. Durchl. Landen befindenden, bereits erhobene und von mir nechst Göttl. Hülffe annoch zu erhebenden wichtigen Saltz-Wercken, mich wegen anderer E. Durchl. wichtiger Affaires, biß auf eine andere Zeit persönlich meine Auffwartung zu machen gedulden solle.

Ob nun gleich Neu-Sultza E. Durchl. privatim zu bauen concediret, die durch Suchung besserer Sohle E. Durchl. Bestes zu befördern sich angelegen seyn lassen.

Meine Intentiones iedennoch general sind, allen Wercke E. Durchl. Landen, die auch so schlechte Sohle als zu Neu-Sultza haben, zu helfen, wie denn vergangenen Sommer über in denen Pohln. Saltz-Gruben Wieliska und Bochnien meine wenige Wissenschaft und Erfahrung ferner zu excoliren genugsame Gelegenheit  gefunden, wodurch sowohl Neu-Sultza zum Besten E. Durchl. hohen Zehndten und deren Gewercken Interesse ohne ihre geringste Hinderniß und Nachtheil, als auch anderer Saltz-Wercke  welche E. Durchl. selbst bauen, alle mehr um die Helffte veredelt und preteuxer werden sollen. Geschweige, daß dadurch noch mehrere in E. Durchl. Landen erhoben und mit Ausbeute gebauet werden mögen.

So habe mich nochmahls unterthänigst melden sollen, zumahlen da der Winter heran naht, und alle die in E. Durchl. Landen befindlichen Saltz-Wercke feyern und kalt liegen müssen, in dem die bißhero bekannte Gradirung zu Zeit des Frostes keineswegs practicable gewesen, da denen Saltz-Wercken keine zu Sieden würdige Sohle hat geliefert werden mögen. So erbiethe ich mich in aller Unterthänigkeit, dennoch diesen Winter über, da niemand gehindert wird, E. Durchl. die reale und würckliche Probe zu erweisen, das Jahr aus und ein mit Nutzen gesotten werden möge, wodurch dann anhero:

1.) Die Sohle so sonst wegfließet, und ein Drittel des Jahres wenigstens beträget, zu gute gemachet und eine größere Quantität Saltz gefertiget.

2.) Die Brunnen keinesweges aufgehen und verringern

3.) wenigstens ein drittes Theil Holtz, so in Feuer bißhero aufgegangen und keiner Seele zu gute gekommen, ersparet,

4.) die Arbeiter beständig ihr ordentlich Lohn das ganze Jahr über genießen und also mehrere Nahrung haben,

5.) E. Durchl. Zehndtes und andere Intraden so wohl als dero Unterthanen bestes erhöhet und befördert.

6.) Alle Wercke selbst und deren Preiß mehr als den dritten Theil in ihrer Würde und Valeur steigen und gebessert,

7.) geschweige daß der ordinaire Schließ und Kosten um ein ansehnliches gemindert,

8.) auch noch viele andere in E. Durchl. Landen befindliche Quellen folglich mit Nutzen erhoben und gebauet werden können,

da nun also E. Durchl. ohne große und kaum 300 Rthl. sich belauffenden Kosten E. Durchl. und dero Unterthanen wenigstens ein Drittel mehr Nutzen als bißhero gehabt (will aus Modestie nicht von der Helffte und drüber sprechen) auch bei einlöthiger und armer Sohle einbringen werde.

So bitte mir auf Erben und Erbnehmen den dritten Theil von meinen Einbringen zu meiner Begnadigung unterthänigst aus welches gestalten Sachen nach ein Neundtel von den gefertigten Saltze betragen würden, zumahl da ohnedem Bergmännisch ist, nur Wasser nimmt, der geniesset davor das Stollen-Recht, welches alles Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churf. in Sachsen durch ein allergnädigstes Privilegum in Dero und incorporirten Länder mir ebenmäßig gewilliget, im Saltzburgischen auch schon lange und undencklichen Jahren, die Herren Barones von Guttrath genossen, die Sache und das praemium auch nicht wider die Billigkeit läuffet, zudem ich über diesen von solchen ausgebeuteten ein Neundtel E. Durchl. wiederum das Zehndte abzugeben mich erbiethe, versehe mich im unterthänigste Submission allergnädigster Deferirung und verharre zeitlebens E. Durchl. allerunterthänigster gehorsamster D. Johann  Christian Lehmann

De dato , Leipzig den 23. October 1717

 

Die Saline war bislang ein Sorgenkind gewesen. Nach dem Tod des Herzogs Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1672 war durch Erbteilung die Stadt Sulza an den Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar gefallen, während das Salzwerk bei Sachsen Gotha und Altenburg verblieb. Wegen der sehr armen Sole und der oft versiegenden Brunnen verließ um 1680 der Salzschreiber Jakob Abraham Christner die herzogliche Saline und wandte sich nach Kursachsen, wo er 1683 mit der, allerdings erfolglosen, Abteufung eines Solschachtes im Kösen begann. Die in Sulza bereits eingeführten Strohgradierwerken verbesserte die Produktion, dennoch blieb die Coctur ein Zuschussgeschäft für die herzogliche Rentkammer. 1700 pachtete der Berghauptmann Georg Christian von Uetterodt das Werk, erreichte aber auch keine wesentlichen Verbesserungen. Nachdem er die Straßberger Grube übernommen hatte, kündigte er den Pachtvertrag in Sulza und seit 1704 arbeitete die Coctur mehr recht als schlecht wieder auf fürstliche Rechnung.

Am 3. September 1717 wurde die Saline erneut verpachtet. Diesmal war es eine Gewerkschaft, zu der der Kommissionsrat Gottfried Reyher aus Roßla, der Floßmeister Christoph Gottfried Wenzel aus Kösen und der Vize-Floßmeister G. Hartig ebenfalls aus Kösen, gehörten. Da die Gewerkschaft alle Kosten des Werkes auf sich nahm, begnügte sich die herzogliche Kammer als Pacht mit dem 8. und 16. Teil der Salzproduktion sowie dem  üblichen Salzzehnt sowie einer Kaution von 6000 Gulden, die nach Endigung der Pacht ausbezahlt werden konnte, wenn das Werk nicht während der Pacht Schaden genommen hatte.

Das zur gleichen Zeit Lehmann sich anbot, durch eine Erhöhung der Produktion den Salzzehnt und die übrigen Einkünfte zu verbessern, zumal auch weniger Salz aus dem Ausland eingeführt werden müsste, war verlockend und so ordnete der Herzog an:

 

„Demnach der Professor Publicus zu Leipzig Doctor Johann Christian Lehmann wegen Verbesserung des Neu-Sultzaer Saltz-Werckes verschiedene austrägliche und anständige Vorschläge eingeschickt, von welchen, wenn sie in der großen Probe bestehen, zu hoffen, daß sowohl unsre Fürstliche Regale und unsern 8ten und 16ten Theil auch der Pfännerschaft Revenuen zu erhöhen und zu verbessern seyn möchten, Als wird den Commissarius Hochen hiermit anbefohlen, sich zuförderst mit der Pfännerschaft über die eingereichten Vorschläge zu vernehmen und nachmahlen bey obgedachten D. Lehmann, ob er dieselbe 3 Monate nacheinander durch die große und alle andere Proben in effect zu praestiren sich getraue anzufragen und die Nothdurft nach der ihm ertheilten Instruction biß auf Unsere Ratification  zu bereden, auch von allen so dabey vorgehet, nach der Zurückkunfft seine unterthänige Relation zu erstatten.

Datum Friedensstein, 7. Januarii 1718                     Friedrich Hertzog zu Sachsen pp. 

 

Lehmann sollte also zunächst eine dreimonatige Probe ablegen.  Am 13. Januar 1718 meldete der Kommissar Johann Georg Hoch

„..ist sowohl wegen der bey Ihro Hochf. Durchl. zu Sachsen, als nachmahlen bey der Pfännerschaft zu Sultza von Herr Doctor und Professor Lehmann zu Leipzig übergebenen Puncten und Vorschlägen die Verbesserung des Saltz-Wercks betreffend, folgende Verabredung gepflogen und gedachten Hr. D. Erklährung nachfolgender Gestalt eingeholet worden...“

 

Der erklärte sich bereit, die zu seiner Probe benötigten Herde, Pfannen samt Zubehör auf eigene Rechnung anzuschaffen und diese bei erfolgreicher Probe der Pfännerschaft für „billiges Geld“ zu verkaufen. Bei ungünstigen Ausgang durfte er die angeschafften Gegenstände behalten. Für die Probe hatte der Kommissar drei Monate vorgeschlagen, Lehmann erklärte jedoch, dass er sich nur einen Monat nach Sulza begeben könnte und die vier Wochen ausreichen würden. Außerdem  versprach er, dass für die Probe nur die Hälfte des sonst üblichen Brennholzes benötigt würde, weil seine Gradiermethode eine weitaus höher gradierte Siedesole ergibt, als üblich. Zum Beweis sollte unter den gleichen Witterungsbedingungen eine Gegenprobe durch die Pfännerschaft erfolgen. Auch die Löhne für die von ihm benötigten Maurer-, Zimmerer, Sieder und Gradierer wollte er aus der eigenen Tasche bezahlen, verlangte dafür aber die kostenlose Lieferung der Sole  seitens der Pfännerschaft und die Überlassung des ausgewirkten Salzes, natürlich bei Abgabe des Salzzehnts. Im Gegenzug erklärte sich die Gewerkschaft bereit, falls die Probe erfolgreich sei und weiter angewendet werden kann, Lehmann mit dem neunten Teil des Ertrags des Salzwerkes auf 20 Jahre zu beteiligen und falls er davor verstirbt, seine Erben mit einer Einmalzahlung von 1000 Talern abzufinden.  Die Vereinbarung unterzeichneten Reyher, Wenzel, Hartig und Lehmann sowie Hoch als Beauftragter des Herzogs.

 

„Nachdem auf Veranlassung des Professoris Publici in Leipzig D. Johann Christian Lehmanns wegen Erholung der Sohlen im Gradiren und Verbesserung der Siede-Arth auf Neu-Sultzaer-Saltz-Werck in verwichener Leipziger Neu-Jahrs-Messe unterm 13. Jan. 1718 zwischen unsern hierzu gevollmächtigten Commissarius Hochen und denen sämmtlichen Saltz-Wercks Gewercken eine Transaction bis auf unsere Ratification aufgerichtet worden, und die angegebenen Interventiones so wohl unsere bey gedachten Saltz-Wercke des 8ten und 16ten Freytheils reservirte Regalien, ein merckliches erhöhen. Als haben Wir nach geschehenen Vertrag, gedachte  Transaction in allen ihren Puncten, Inhalte und Clausuln gnädigst approbiret und ratificiret, jedoch nicht andern gestalt, als daß derselben in allen unverbrüchlich nachgehet und die gethanen Promessen von obgedachten Professore cum effectu praesiret und bey nunmehro anscheinenden guten Frühlings-Wetter diese Probe abgeleget wird. Zu Uhrkunde dessen haben wir diese ratification eigenhändig unterschreiben und mit Unser Fürstl. Insiegel bedrucken lassen.

So geschehen, Friedenstein, den 21. Martii 1718                             Friedrich, Hertzog v. Sachsen 

 

Allerdings vergingen zwei Jahre bis Lehmann soweit war, in einem von der Gewerkschaft bereitgestellten Kot mit seiner Probe zu beginnen. Die erste Probe vom 14. Mai bis 26. Juli 1720 bei der Lehmann 8 bis 9 Personen beschäftigte, ergab 11 Stück Salz bei einem Holzverbrauch von 62 Klaftern. Im gleichen Zeitraum hatte die Gewerkschaft mit dem herkömmlichen Verfahren 1411 Stück Salz bei einem Holzverbrauch von 313 Klaftern mit 5 Beschäftigten erzeugt. Damit lag Lehmanns Holzverbrauch mit 5,5 Klaftern/Stück über dem der Gewerkschaft (4,5 Klafter/Stück) berichtete die Gewerkschaft dem herzoglichen Rentamt am 29. Juli.

 

Daraufhin befahl der Herzog

„Hochgelahrter Rath, lieber Getreuer. Aus angeschlossener Relation und Saltz-Siede-Probe ist zu ersehen, wie weit es D. Lehmann zu Leipzig in einem von der Gewerckschaft zu Neu-Sultza ihm eingeräumten Kothe mit seiner inventirten Gradirung gebracht. Wenn aber sothane Probe dergestalt umbgeschlagen, daß das Saltz nicht nur gantz unscheinbar, schwartz und bittern Geschmacks befunden worden, sondern auch wegen seines unangenehmen wiedrigen Geruchs schwerlich an den Mann zu bringen seyn, mithin auf die Maasse das paestum an und für sich selbsten hinwegfallen wird  und wir dann zu wissen verlangen, ob etwas und wieviel besagten D. Lehmann an den wegen seiner aufgewendeten Kosten praetendirten Vorschüsse bereits avanciret worden. Also begehren wir gnädigst, ihr wollet die Relation D. Beyern zu Cahla abschriftlich zufertigen und Befehl tun, daß er alles gleichfalls in Augenschein nehme und seinen Bericht erstatte, welchen ihr nebst Remittirung der communicirten Relation förderlichst einzusenden, auch eure ohnmaßgeblichen Gedanken darüber unterthänigst zu eröffen habt.

Friedenstein, den 6. August 1720                  Friedrich Hertzog zu Sachsen

 

Dies war dem Professor natürlich nicht entgangen und so versuchte er, sich am 4. September vor dem Herzog zu rechtfertigen, zumal ja dieser Bericht nicht nur nach Gotha sondern auch nach Dresden gelangt war, was Lehmann natürlich hier in Mißkredit brachte, zumal es mit der von ihm versprochenen Hebung der kursächsischen Salinen auch nicht recht voran ging.

Lehmann verwies nun darauf, dass die zugesagte Hilfe ausgeblieben war und die Gewerkschaft  ihn bei jeder Gelegenheit gehindert hätten, die erstrebten Ergebnisse zu erzielen. Er bat darum, ihm eine zweite Probe zu gewähren und einen Vorschuss von 300 Talern, worauf der Herzog seiner altenburgischen Rentkammer befahl:

 

„...so begehren Wir gnädigst, Ihr wollet D. Beyern zu Cahla anderweit verfügen, der vorkommenden völligen Probe im Beiseyns der Gewercken oder einiger derselben beyzuwohnen, alles genau zu observiren und insonderheit  zu notiren, was darbey an Holtz und Lohn consumiret, auch vor Saltz gewonnen wird, solches in einige richtige Destination zu bringen, die Probe auch doppelt als einmahl von der bloßen Sohle und dann gleichfalls von der gradirten thun zu lassen und wie alles geschehen umständlich mit Einschickung des Protocolls zu berichten, wozu ihr ihm mit benöthigten Instructions-Puncten zu versehen und benebst zu arbitriren habt, weil dem Vernehmen nach zu solcher Probe 2 bis 3 Wochen erfordert werden dürffte, was ermeldten D. Beyern als Commissario zur täglichen Zehrung zu verordnen und wollen wir uns nach eingelangten Berichte wegen des verlangten Vorschusses auch wie es mit den Zehrungs- und Unkosten gehalten werden solle, nach Befinden anschließen.

Friedensstein, den 14. September 1720                     Friedrich Hertzog v. Sachsen

 

Die Geduld  des Herzog und seiner Beamten war ungewöhnlich, zumal weitere Beschwerden und Rechtfertigungen bei Hofe eingingen. So versuchte Lehmann zu beweisen, dass das von ihm erzeugte Salz keineswegs unbrauchbar war. Dazu legte er eidliche Zeugenaussagen vor, wie die der Witwe Schlag vor dem Rat von Sulza oder die des Schäfers des Herrn von Bodenhausen auf Escheroda.  Im Gegenzug beschwerte sich die Gewerkschaft, dass sie durch Lehmann „..im vergangenen gantzen Sommer ...große Plage und Hinderung gehabt“ und „daß mit seiner Coctur gegen unsere der Gewerckschaft derjenige Profit, wozu er sich anheischig gemacht, weder bei der schlechten Sohle vom Brunnen noch bey der nach unserer Arth vorhero gradirten zu erlangen“ war.  

 

Jedenfalls sollte die zweite Probe durchgeführt werden. Dazu fanden sich neben dem herzogl. Kommissar Dr. Beyer, den Gewerken und Lehmann auch der Camburger Notar Johann Christoph Oberreuther als Protokollant am 2. Oktober 1720 in Neu-Sulza beim Salzverwalter Johann Matthias Ameiß ein. Zuerst vereidigte der Notar die für die Probe eingeteilten Salzsieder und Gradierer, dass sie sich den Anordnungen Lehmanns zu fügen hätten und keine der Sache entgegen stehenden Handlungen vornehmen dürfen. Die Hauptprobe begann am 3. Oktober und endete am 6. November. Alle Vorgänge, der Brennholzverbrauch, die Konzentration und die ausgewirkten Mengen wurden peinlich genau vom Notar protokolliert. Insgesamt bleiben die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück. Nach drei Tagen Bedenkzeit, kam dann Lehmann zu dem Schluß,  dass es jedoch erkennbar sei, dass sein System funktionieren würde, wenn nicht wie schon bei der Vorprobe zu viele Widrigkeiten, Schlendrian des Personals und unkalkulierbare Witterungseinflüsse  den Gang der Dinge behinderten. Das Protokoll wurde dann dem Herzog zur weiteren Entscheidung übergeben, worauf dieser anordnete, dass alle weiteren Versuche in Sulza eingestellt und keine weiteren Vorschüsse gewährt werden.

Nachdem Lehmann davon Kenntnis hatte,  folgte postwendend eine weitschweifige Rechtfertigung, die damit schloss:

„.. Als flehe ich nochmahls E. Herzogl. Durchl. der ich ein Fremdling bin und E. Herzogl. Durchl. Interesse und Erhebung Dero Saltz-Wercks-Regale mit meinen eigenen und aufgenommenen Mitteln zu heben gesuchet, so viel Beträgniß, Versäumniß und Arbeit ausgestanden, es durch Gottes Gnade so weit bringen können, um mächtigen Schutz gegen die Gewercken und ihr unnöthiges Scaliren … in unterthänigster Zuversicht  lebend E. Herzogl. Durchl. werden in hohen Graden meinen Vorschuss derer 4000 Rthl. nie wieder suchen lassen und nach völliger Einrichtung, welche ohne E. Durchl. Protection und eigenen Angriff, vieler Schwierigkeiten wegen suppimiret werden würden, nur zu der versprochenen Praestation werden würde, mir zu der versprochenen Praestation den Neundten zu verhelfen gnädigst geruhen. Da sodann  die noch übrige Gradirungen, so aus Mangel an Gelder noch nicht zeigen können, zu deconviren gleichfalls verspreche, vor solche mir erzeigte Justice, den allgewaltigen Gott um langes Leben und glückliche Regierung E Hochfürstl. Durchl.  Anrufe und biß an das Ende meines Lebens unaussetzlich verharre.

Leipzig, den 18. Dec. 1720                            D. Lehmann

 

Dem Schreiben war eine Denkschrift angefügt, die Lehmann 1721 auf eigene Kosten bei dem Leipziger Verleger J. A. Zschau drucken ließ.

 

Sachßen kan Alle arme Saltz-Quellen welches in große Menge hat mit Nutzen und Ausbeute bauen – Innerhalb zwey biß drey Jahren sich selbst mit Saltz verlegen, es widerspreche solches wer da wolle, nachdem erwiesen,

I.) Daß an jeder Pfanne und Heerde … fünffmahl mehr Sohle in würckliche Gradirung und Ausdämpfung bereits gebracht worden, künfftig aber 15 mal mehr solche Sohle zur Gradirung anzubringen sey, ohne einen Scheit mehr, als bey dem ordinairen Auswürcken des Saltzes sonst consumiret worden...

II.) Die Gradir-Häuser-Dächer im Zugutemachen mehrerer armen Sohle, als zeithero gewöhnlich, ein großes contribuiren

III.) Die erwiesenen Gradir-Maschine mit einem halben Klaffter Holtz 6 Faß wildes Wasser in der Luft ausgedampft

IV.) Dabey die rothe Lauge, so zeithero weggegossen worden, das Sal mirabile Glauberi … oder Sauerbrunnen giebt

V.) Der Schöp oder Terrestreite so man weggeworffen die herrlichste Magnesia alba ist

VI.) Daß auch durch eine andere Maschine, so höchstens 10 Klafftern Holtz brauchet, 300 Faß Sohle wöchentlich in der Luft gesotten werden können, die absonderlich der Winter-Gradirung ...dienet.

 

Seine Vorschläge waren durchaus praktikabel, zumal sich Lehmann nicht auf Wundermittel berief, wie das  „arcanum“ mit dem die Kösener Sozietät die kursächsischen Salinen verbessern wollte. Allerdings erwiesen sich seine Mittel und Verfahren als völlig unzureichend, um die versprochene Steigerung der Salzproduktion und der Einkünfte der Saline zu erreichen.

Die Lehmannsche „Gradier-Maschine“ bestand aus Eichenfässern mit eingelassenen Kupferrohren  durch die die warmen Rauchgase der Feuerung der Siedeherde geleitet wurden. Durch die Erwärmung der Sole in den Fässern, sollte  das Wasser verdampfen und somit eine gewisse Aufkonzentrierung der von den Gradierhäusern oder aus dem schacht kommenden Sole erzeilt werden. Allerdings war der Effekt geringer als erwartet, da die Rauchgase nicht mehr die nötige Wärme abgaben. Außerdem behinderten die um den Siedeherd angeordneten Fässer den eigentlichen Siedeprozeß. Allerdings wurde durch die Vorerwärmung tatsächlich eine geringe Menge Brennholz eingespart. Die Dachgradierung war zwar effektiver, allerdings sehr wändig, mussten doch Knechte die Rohsole auf dem Dach des Gradierhauses mittels Gießkannen verteilen. Das schränkte schon die zur Aufgabe gebrachte Menge ein und brachte nur bei sorgfältiger Verteilung und intensiven Sonnenschein die gewünschten Ergebnisse.

Anders sah es bei der Weiterverarbeitung der Siedeabfälle wie Mutterlauge, Salzschlamm und Pfannenstein aus. Die Herstellung von Glaubersalz (Natriumsulfat Na2SO4) und Magnesia (Magnesiumcarbonat MgCO3) hätte tatsächlich die Einkünfte der Saline beträchtlich vermehrt, allerdings war dafür die Zeit noch nicht reif.  

 

Am 3. Januar erklärte die Kommission, dass es nicht von der Hand zu weisen sei, dass seitens des Floßmeisters Wenzel und des Salzverwalters Ameiß die Probe erheblich behindert wurde, dass die Gradiermaschinen nicht völlig zu verwerfen sind, auch wenn keine sicheren Ergebnisse erzielt wurden. Außerdem wurde vorgeschlagen, durch öffentlichen Anschlag einen jeden In- und Ausländer zu erlauben, nach einer ergiebigen Salzquelle in Sulza zu suchen, für die Abgabe des 10. Teils diese zu gradieren und der  Gewewrkschaft zu verkaufen oder wenn die Gewerkschaft eine mehr als 8 löthige Sole finden sollte, dieser den Aufwand und eine Entschädigung von 1000 Dukaten zuzubilligen.

Auch der Stadtphysikus von Kahla, der ja persönlich der Hauptprobe beigewohnt hatte, machte einen für Lehmann annehmbaren Vorschlag.

„..In denen von Hr. D. und Prof. Lehmann  gegenwärtig abgefaßten unterthänigsten Berichte, hat, man sowohl nach der Instruction als Registratur gegen einander haltender geschehener Untersuchung dermahlen nichts bedencket und der Wahrheit entgegen lauffend finden können, welches aber auch verhoffendt bey anderweitiger höherer Einsehung sich in der That also befinden wird. Was hernechst aber die Magnesia alba und Epsomens Glauberi betrifft, wird dem maaßgebl. Davor gehalten das commercium um einen billichen Preiß gegen leichten Abtrag allein zu überlassen

  1. Januarii 1721 D. Beyer

 

Doch nur mit der Überlassung der Siederückstände zur Weiterverarbeitung gab sich Lehmann nicht zufrieden. Auf seine folgende Vorstellung teilte der mit der Prüfung beauftragte Kammerjunker Ludwig Reinhardt von Hertzberg dem Herzog mit:  

„...Nachdem bey E. Hochfürstl. Durchl. der Prof. Dr. Lehmann aus Leipzig unterm 5ten Febr. 1721 unterthänigst einkommen und um Wiederbezahlung seines a 5000 Rthl. behufs der verbesserten Saltz-Coctur gethanen Vorschusses und Einwendens, wie auch daß seine Siede-Arth ferner gebrauchet und folglich das laut gnädigst confimirten Accords überlassene nechst verabfolgt werden möchte unterthänig Ansuchung thut...“ und weiter „...wann sie gegen der Gewercken-Coctur gehalten wird, zwar noch zur Zeit keinen großen Nutzen gehabt, jedoch aber wegen verschiedener nützlicher Addidamentorum und Erfindungen durch künfftige bessere Excodirung vielen Nutzen beym Saltz-Wercke stifften können. Daher weilen aber bey diesen Lehmannschen Stück-Proben demnach erhellet, daß derselbe doch wenigstens den Ausbringen der Gewerckschafft gleichkommen und daher vorgeschlagen wurde, als die Gewercke dahin zu  disponiren und allenfalls anzuweisen wäre, mit ihren Sieden auff ein Viertel-Jahr zurück zu stehen und dargegen darauff zuwendende Kosten zur Lehmannschen Viertel-Jährigen alleinigen Anteil herzuschießen“

 

Gegen diesen Vorschlag, Lehmann das Salzwerk für drei Monate zu überlassen, wehrte sich die Gewerkschaft auf das Heftigste. Ihre Begründung umfasste 206 Paragrafen, die beweisen sollten, dass das Probesiedung gegenüber den hergebrachten Gradier- und Siedeverfahren keinerlei  nennenswerte Verbesserungen ergeben hätten. Daraufhin verfasste Lehmann eine „Gründliche Beantwortung der Neu-Sultzaer Gewerckschafft“ und stellte im Brustton der Überzeugung fest, seine „..Intentiones der Saltz-Siederey-Verbesserung sind keinesweges unnützlich, kostbar, nicht angehend oder von keinem Fundament, auch von keiner Dauer, wie die Neu-Sultzaer Gewerckschafft ohne Grund und Wahrheit auszuschreien und davon zu schreiben sich nicht entblödet...“

 

Um die Sache doch noch zu einem guten Ende zu bringen, wurden vom fürstlichen Kommissar Johann M. Gotter mehrere Termine anberaumt, denen aber die Gewerkschaften mit allerlei Ausflüchten fernblieb. Das betraf auch den Termin am 26. Oktober 1721 in Gotha wo sich der Vizefloßmeister Hartig damit entschuldigte, dass er wegen der Erkrankung seines Vorgesetzten Wenzels dringenden dienstlicher Verpflichtungen nachzukommen habe, ebenso wie der Kommissionsrat Reyher, der wegen der langen Anreise sich entschuldigte. Dr. Lehmann der gekommen war, meinte dazu: „.. Je mehr nun E. Hochfürstl. Durchl. schuldiger Gehorsam die Gewerckschafft unverantwortlicher Weise entzogen, Dero hohes Interesse an Erhebung des Saltz-Wercks, so viel Jahre bereits gehindert und zernichtet hat, meiner als eines treuen Arbeiters und Fremdlings Ruin von der Gewerckschafft gesuchet, wodurch meiner von Gott dennoch gesegneten Arbeit, Lohn und Vorschuß, auch recht zurück gehalten worden, um so viel desto gnädige Erhörung zu erlangen, verspreche mir von E. Hochfürstl. Durchl. stets liebender Gerechtigkeit...“  

Seine Beharrlichkeit hatte Erfgolg. Zunächst gab der Stadtphysikus zu Kahla Dr. Beyer vor der Hohen Bergkommission auf Schloß Friedenstein zu Protokoll:

„... Herrn Doctor und Professors Lehmanns Sache betreffend, so halte ich mit guten Bedacht nochmahls davor, daß dessen Intentiones nicht disavantagieuxe, wenn nur derselbige nicht durch Neidt, Hinterlist, Betrug und Parthnerey auch vorsetzlicher Hinderungen in vielen Stücken hintergangen worden wäre, da sonst dessen Proben sich auch ergiebiger würden gezeigt haben...“

Daraufhin protokollierte J. M. Gotter:

„..da die Gewerckschafft auch voritzo ungehorsamlich ausgeblieben, ob sie schon unausbleiblich beschieden....es scheine wie je länger je mehr das herrschafftliche Interesse darunter leide, indem die Gewerckschafft die wichtigsten pertinentien theils veralimiret, theils ruiniret und wohl gar destruiret... der ietzmalige Schacht woraus gesotten würde sey nicht bergmännisch abgeteuffet und verwahret, die Quellen wären nicht gebührend verwahret, daher die wilden Wasser ihren mächtigen Zugang genommen, dadurch die Saltz-Quellen zertrümmert … und das gantze Werck zu Grunde gehen würde...“

Als daraufhin auch noch der Fürstl. Sächs. Friedensteinische Cammer Fiscal Johann Caspar Hopff  zu Protokoll gab, dass er seit 3 Jahren vergeblich versucht habe, von den Gewerkschaften 987 und vom Floßmeister Wenzel 91 Gulden Vorschuss einzutreiben und dies dem Herzog zum Vortrag gebracht wurde, befahl dieser der Rent-Kammer zu Altenburg:

„... haben wir auf sein unterthänigstes Ansuchen eingewilliget, daß er auf ein Jahr zu continuirung seiner angefangenen Probe und Real-Demonstration in das Saltz-Werck eingewiesen...und wollet ihr die Einweisung durch D. Beyern forderlich bewerckstelligen  und ihm dasjenige an Gradir-Häusern, Bottichen, Geräth-Cammer auch nöthiger Zimmer zur Wohnung einräumen zu lassen, was die Gewerckschafft nicht selbst vor sich zum Gebrauch nöthig hat. Weiln auch mit vorkommen, daß das gantze Saltz-Werck bishero nicht Bergmännisch geführt … mithin zu besorgen, es möchte das gantze Werck gar zu Sumpffe gehen, so sind Wir gemeinet durch euch den Cammer-Rath Freißleben und dem Cammer-Juncker von Hertzberg mit Zuziehung besagten D. Beyers sich alles in gegenwärtigen Stand befindet in Augenschein nehmen zu lassen, dahero sich unternander berathen und ein gewisser Tag zu concertiren seyn wird, sowohl den Gewercken ihre bißherigen Veranstaltungen und Einrichtungen als auch Prof. Lehmann neue Intentionen zu examiniren...“

  1. Dec. 1722                                          Friedrich Hertzog zu Sachsen

 

Lehmann sah sich nun bestätigt und drang auf die umgehende Einweisung in die Saline, worauf am 10. Februar 1723 ein weiterer Befehl an die Kommission erging „..den bisherigen vielfältigen so mündlich als schriftlichen Behelligungen besagten Professors ein Ende zu machen“ und den Termin in Sulza festzulegen wobei „..es aber hierunter nicht auf der Gewerckschafft eigene Willkür sondern der Commission pflichtmäßiges arbitrium ankommt ..“

 

Daraufhin erklärten am 27. Februar der Amtmann J. G. Reyher in Vertretung seines Vaters des Kommissionsrates Reyher, der Steuerprokurator Bernhardt Christian Laxner, in Vertretung seines Schwiegervaters des Floßmeisters Wenzel und der Vizefloßmeister G. Hartig vor dem Camburger Notar Johann Christian Oberreuther, dass man dem herzogl. Befehl gerne nachkommen wolle, soweit es ihnen nicht zum Schaden gereicht.  Man wäre bereit, Lehmann das Salzwerk auf ein Jahr zu verpachten wenn die Pacht dem jährlichen Überschuss entspricht. Sie legten dann die Rechnungen aus den letzten vier Jahren vor, nach denen das Salzwerk durchschnittlich 694 Gulden Überschuß erwirtschaftet. Die laufenden Kosten wären durch den Verkauf des Salzes gedeckt.  Außerdem hätte Lehmann dank seiner verbesserten Gradierung und Siedung auch eine höheren Ertrag. Als Lehmann ablehnte, erklärte die Gewerkschaft, dass sie auf die Pacht verzichten aber eine Kaution von 6000 Talern für mögliche Schäden am Salzwerk in bar hinterlegt werden sollte. Auch das lehnte Lehmann ab, worauf die Angelegenheit dem Herzog zur Entscheidung überlassen wurde.

Interessant sind die dem Protokoll beigefügten Besoldungslisten und Deputate der Beschäftigten  und die Jahresrechnungen 1719 bis 1722 des Salzschreibers Putscher

Lehmann berief sich in seiner Gegendarstellung auf die Verfügung des Herzogs und verlangte die kostenlose Überlassung des gesamten Werkes mit den drei Gradierhäusern, den Siedehütten samt Zubehör und Personal. Dabei verwies er auf seine Erfolge bei der Hebung der  brandenburgisch-preußischen Saline Schönebeck und der kursächsischen Salinen im Vogtland, worauf weiter unten noch eingegangen wird.

Doch damit erreichte er nicht viel, denn die Gewerkschaft argumentierte „...mit diversen Scripten“, wie der Kammerrat von Freißleben berichtete, wozu eine eidesstattliche Erklärung der Bedienten der Saline gehörte:

„Im Nahmen der Heiligen und Hochgelobten Dreyeinigkeit sey hiermit zu wissen, denen es vonnöthen, daß im Jahr nach unsres Heylands Geburth Ein Tausend Siebenhundert und Drey und Zwantzig bey Herrsch- und Regierung des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten und Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herr Carolus des VI. erwehlter Römischer Kayser pp. die Herren Saltz-Gewercken von Neu-Sultza unterm 12. Augusti 1723 mich als Kayserl. Geschworenen Notarium .. auf den 19ten .. nach Neu-Sultza zu begeben und einige zugleich angegebenen Zeugen über gewisse Articul vermittelst Eydes zu vernehmen … Wenn ich denn Krafft aufhabenden Notariatsambtes deren Gesuch nicht entstehen können, und deßhalben mich ernannten Tages nacher Neu-Sultza auf das sogenannte Ober-Werck in des dortigen Saltz-Verwalters H. Joh. Matthiä Ameißens Behausung, und dessen obere Stube verfüget, sowohl auch zwey Instruments-Zeugen, nahmentlich Meister Christian Beyern, Becker und Meister Joh. Andreas Gröschnern, Strumpffwircker, beyderseits Einwohner von Neu-Sultza  gebührend requiriret, vor sich und im Nahmen derer übrigen Gewercken  die angegebenen Zeugen, nahmentlich Hans Friedrich Scheuffler, Christian Scheuffler, Hans Christoph Scheuffler und Hans Adam Blüthner persönlich produciret, ihrer gegen sie als ihr dermahlige Gerichts-Obrigkeit aufhabenden Pflichten dann mit nachstehenden Zeugen-Eyde belegt worden....welchen sie auch nach vorhergeganger ernster Verwarnung, allenthalben die reine Wahrheit auszusagen...um XI Uhr Vormittags mit aufgehobenen drey Vorder-Fingern rechter Hand würcklich abgeschworen und darauf ein ieder auf die vorgehaltenen Articul seine Aussage erstattet hat.

Name und Alter:         Christian Scheuffler    48 Jahre von hier, Steiger und Saltzsieder

  1. Fr. Scheuffler 44 Jahre von hier, Saltzsieder
  2. Chr. Scheuffler 30 Jahre von hier, Kunstwärter
  3. A. Blöthner 55 Jahre von Jena gebürtig, Kunstwärter

Kann mit guten Gewissen ausgesagt werden, daß die Gewerckschaft zu Neu-Sultza, daferne sie Saltz sieden soll, nicht das geringste an Gradir-Häusern, als andre Gebäude, Pfannen und andre Dinge entbehren kann?

                                   Antwort alle „Ja“

Muß man mit Saltzsieden aufhören, wenn die Gewerckschaft etwas davon an D. Lehmann abtreten muß ?

                                   Antwort alle „Ja“

So geschehen im Jahr Christi wie oben gedacht, den neunzehnten Tag des Monats August

Christian Franz Voigt             Not.-Public.

 

Daraufhin wandte sich Lehmann am 2. September 1723 erneut an den Herzog unter Berufung auf  die bei der ersten Probe erreichten vorteilhaften Ergebnisse.

Zur Bekräftigung legte er die Erklärung der Salzsieder Weißgerber,  Vater und Sohn vor, dass die 1720 gesottenen Salzstücke  in Beisein des Salzschreibers vom Notar Oberreuter versiegelt wurden und „dauerhaft und schadlos“ vorhanden seien.  Der Naumburger Kupferschmiedemeister J. G. bestätigte, dass die von ihm 1720 angefertigten Röhren in den mit Sole gefüllten Fässern funktionsfähig sind  und Meister Burkhardt aus Auerstädt bestätigte, dass die 34 eichenen Sole-Fässer im guten Zustand sind. Allerdings hätte der Salzsieder Scheufler auf der Naumburger Peter-Pauls Messe geäußert „..wenn Hr. Lehmann nur fort ist, so wollen wir das beste schon raus nehmen, und anstatt der Fässer gute Bottiche auf die Rohre am Herd setzen“.

Außerdem waren Erklärungen des kursächsischen Kron-Schatz-Meisters J. G. von Prebendow und des General-Thesaurus L. Dippert beigefügt, die Lehmanns erfolgreiches Wirken in Wieliczka und Bochnia beweisen sollten. 

Abschließend bat er darum, ihm die versprochenen Bergrechte und die einjährige Benutzung des Salzwerkes zu gewähren, seine Vorschüsse zu erstatten, ihm den neunten Teil des Salzes zu überlassen, ihn über die Einsprüche der Gewerkschaft zu informieren und endlich einen Termin für die Einweisung festzulegen.

Ein weiteres Schreiben Lehmanns folgte im Februar 1724 unter der Überschrift „Beantwortung der Gewerckschafft von Neu-Sultza praecludirtes Einbringen...“

Daß solches Einbringen aus lauter alten ... und wieder die Wahrheit selbst lauffenden Dingen bestehet, wessentwegen auf solches Vorbringen, auch nicht die geringste Reflexion zu machen seyn dürffte. Es setzet indessen die Neu-Sulzaer Gewerckschaft, so aus Hr. Commissions-Rath Gottfried Reyher und George Hartig  bestehet, weil Floß Meister Wenzeln die Hand Gottes gerühret und über sein Drittheil des Wercks, wem es gehöret, dubieux ist, indem erwehnter Hr. Reyher ohne Gerichts-Consens die Kauff-Gelder davor bezahlt haben will, S. Exzellenz der Geheime Raths-Director von Bochow auf solches Drittheil wegen 2000 Rthl. Floß-Meister Wenzeln ihn schuldige Gelder gerichtl. Arrest geleget, Floß-Meister Hartig aber einen Kauff-Contract von 1719 produciret, da Wenzel ihm solche Drittheil des Saltz-Wercks vor 4000 fl. verkauffet haben soll...“

(Letzteres passt mit den Vorgängen in Kösen zusammen. Nach dem Zusammenbruch der „Cösener Sozietät“ im Jahr 1717, an der Wenzel maßgeblich beteiligt war, geriet er in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. 1719  wurde Wenzel wegen Unregelmäßigkeiten der Floßkasse von seinem Amt entbunden und sein sämtliches Habe auf Anweisung der kursächsischen Kammer von den Schulbeamten beschlagnahmt. Demnach hatte er seinen Anteile an der Saline in weiser Voraussicht  seinem Vize verkauft und damit die Kaufsumme nicht eingezogen werden konnte, in weiser Voraussicht  auf eine amtliche Beglaubigung verzichtet).

Nun folgt erneut eine weitschweifige Aufzählung der bisherigen Geschehnisse. Dann verweist  Lehmann  auf das fachliche Unwissen der Gewerkschaften:

„Ja, was wollen die Gewercken sagen, ihr eigener Saltz-Verwalter Ameiß, ihr Oraculum, ihre gantze Saltz-Siede-Wissenschaft, denn ohne ihn wissen sie ne nilum quidem im Saltz-Sieden, welches Commissions-Rath Reyher bekennt, daß er nichts vom Saltz-Sieden versteht, und Floß-Meister Hartig hat das Saltz-Sieden von denen Manne gelernt, und ist noch lange nicht so weit kommen, als dieser, sein Meister Ameiß, der gegen alle Personen, die nur auffs Werck seit meiner gesottenen Probe 1720 kommen, auf meine Inventionen gelästert, sie versprochen, auf alle ersinnliche Arth vernichtet und aus den Principio „des Brodt ich esse, des Lied ich singe“ mich nicht nur zu hindern gesucht ...“

Mit 102 Punkte versucht er dann die Argumente der Gewerkschaft zu entkräften und erklärt abschließend:

„Ob anstatt der Erhöhung die Gewerckschafft einige Bestrafung vor die evidente und dreyjährige Hinderung E. Hochf. Durchl. Interesse und Ruinirung des Wercks, auch meine so augenscheinlich gesuchte Beschimpfung und Auffhaltung nach meiner erlangten Berg-Rechtlichen Immission v. 14. Dec. 1722 verdiene, stelle ich E. Hochf. Durchl. gerechtester Ansehung anheim und bitte die Gewerckschafft völlig abzuweisen...“

Leipzig, den 12. Januarii 1724                                  Prof. D. Lehmann

 

Ein letzter Versuch Lehmann, seine Vorschüsse wieder zu erlangen war eine zweite Denkschrift mit sieben Punkten, womit nach seiner Auffassung die Nützlichkeit seiner Vorschläge unter Beweis gestellt wurde.

Dennoch kan Sachsen alle arme Saltz-Quellen zu gute sieden, es widerspreche wer da wolle. Nachdem ferner erwiesen ist:

I.) Daß in Neu-Sultza die arme Born-Sole von ein Drei Viertel Loth im Octob. und Novemb. auf einmahl ausgiessen nicht nur doppelt, sondern vierfach höher auf dem Gradir-Dache erhöhet worden. Daher die 6 Löthige gradirte zu allen Zeiten doppelt und dreyfach zu 12 biß 18 Loth, wie in Poserne geschehen, gradirt werden kann.

II.) Darbey hat sich die Dauerhafftigkeit des Gradir-Daches vom Frühjahr 1720 biß Ende Januarii 1724 und beynahe vier gantzer Jahre gezeiget und stehet annoch ohne Anbringung einer Schindel.

III.) Die Heerd-Fässer und ihre Röhren sind ohngeachtet sie über drey Jahre in Sole beständig gestanden, vollkommen tüchtig und unwandelbar und sind auch von vielen Saltz-Verständigen Saltz- und Berg-Aembtern auch von denen Neidern selbst vor nützlich erkanndt.

IV.) Das durch die Geräthschafft gesottene Saltz ist schön, gut und ohn tadelhafft gefallen auch über drey Jahre in einer kalten und auff der Erde gebauten Cammer in blossen Saltz-Körben stehend, wie es am 6. October 1720 von den Gewerckschafft-Leuten von der Pfanne gehoben und vom Notario die Köpffe mit Leinwand überzogen und versiegelt worden, dauerhafft und unzerflossen bleiben, ohngeachtet in der Zeit in den Behältnis von der Gewerckschafft gefertigtes Saltz weit über 1000 Stücke die Köpffe verlohren und eingefallen.

V.) Sind auch in drey Tagen und einigen Stunden 50 Scheffel Saltz in diversen dreyen Suden und also weit mehr, als in einem Hällischen Kothe, bey reichen Quellen ausgewürcket worden.

VI.) Welches alles niemahls auff einer Pfanne von einer Probe auf den Sultzaer- Wercke geschehen, weniger von der Gewerckschafft, noch ihren Pächtern nach der Probe, in Zeit von drey Jahren hat nachgethan werden können.

VII.) Wie denn das Sal epsomense und Magnesia alba von gantzen Collegiis Mediciis, diversen Societäten und vielen hocherfahrenen Medicis und Physicis über drey Jahre in praxi tüchtig und vollkommen gut befunden und declariret so aus dem Schöp und rothen Mutter-Lauge des Saltzes erfunden und gefertigt worden,

durch

  1. Johann Christian Lehmann, Phys. P.P. Ord. & Med. Inst. Extr.

Maj. Princip. Colleg. p. t. Praepos. Acad. Leop. Carol, Nat. Cur  & Soc. Pruss. Membr.

Mit Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächs. Privilegio

Auf Kosten des Autoris

Leipzig, Druck Johann Andreas Zschau 1724

 

Ein letztes Schreiben betraf dann noch einmal die inzwischen erfolgte Unterverpachtung des Salzwerkes an den Salzverwalter Ameiß und weitere Sieder.

Von Gottes Gnaden Friedrich Hertzog zu Sachsen

Bester und Hochgelahrter, Uns ist vorgetragen worden, was Ihr wegen Einrichtung der zwischen der Gewerckschafft und denen Saltzsiedern über die Saltz-Coctur zu Neu-Sultza  auf 3 Jahre errichteten Pacht-Contracts und daß dieser mit der nunmehro anbefohlenen Immission zu einer Zeit nicht beysammen stehen könne, anhero unterthänig berichtet.  Nachdem es aber bey dem, was wegen nur besagter Lehmannschen Immission sein Bewenden behält, wegen Einrichtung des Pachts aber und ob nicht diese mit mehr besagter Immission zu einer Zeit bestehen könnte, den D. Beyer zu Cahla den maßgeblichen Gutachten hierüber einzuholen vor nöthig erachtet worden...

Friedenstein  8. May 1724  

Mit diesem  Schachzug hatte die Gewerkschaft die von Herzog verfügte Einweisung Lehmanns  unterlaufen. Er musste aufgeben. Die selbst angeschafften Utensilien durfte er mitnehmen und soweit brauchbar, ließ er sie nach Altensalz bringen, das ausgewirkte Salz durfte er nach Abgabe des Zehnts verkaufen.

1731 erwarb der Fürstl. Sächsischen Hofrat Prof. Burkhardt Gotthelf Struve zu Jena das Werk. Dessen Erben verkauften die Saline 1752 der Familie des Freiherrn von Beust, die das Werk zu neuer Blüte brachte.

 

Bevor noch Lehmanns Wirken auf den kursächsischen Salinen gedacht wird, noch einige Anmerkungen zu seiner Tätigkeit auf der preußischen Saline Schönebeck.

Als 1704 bei Elmen ein alter Solebrunnen wieder erhoben wurden, entschloss sich der preußische Fiskus in Schönebeck eine Saline zu errichten, weil hier die Elbflöße das nötige Brennholz gewährte.

Am 19. Juni 1715 wurde ein Vertrag zur Mutung neuer Solequellen und der Verbesserung des Salzwerkes mit einer Gesellschaft abgeschlossen zu der neben Dr. Lehmann der Kammerrat von Heppe gehörte. Diesen Vertrag genehmigte König Friedrich Wilhelm am 19. August in Stralsund.  Schönebeck war zu dieser Zeit eine „.. arme Coctur mit der schlechtesten Salzsiederey aber schönen Gebäuden mit 42 Siedekothen, von denen wegen Mangel an Sole nur die Hälfte betrieben wurde“ wie Lehmann berichtete und erst durch den Einsatz seiner Bohr-Maschine sei es gelungen weitere Solequellen bei Schönebeck und Elmen zu erschließen. Die Funktionsweise beschrieb Lehmann bereits 1714 „Terebra Metalloscopia-vollkommene Beschreibung eines Berg-Bohrers“. Der Bohrer in Form einer Spitzhornschnecke (Fam. Terebrata) wurde mit verschraubbaren Stangen verlängert und wie ein Schlagbohrer durch eine aufwändige Maschinerie angetrieben.

Dass das zutraf, geht aus einem Schreiben der Königlichen Kommission hervor:

„...Die von Ihnen gefundene neue Saltz-Quelle betreffend, so ist uns zwar wohl bekannt, wie es biß dato vielfältiger Soole gefehlet..“

Allerdings war man auch der Ansicht, dass:

„.. wir dahero nichts andres als vor nützlich halten können, wenn sowohl durch Vermehrung als Gradirung der Soole, den Wercke zu succeciren stünden .. auch so bald fertig, sind wir parat auf erste notification wieder zu erscheinen...“

Berlin, 29. October 1715                                           F. v. Görne      G. v. Martefeld

 

Doch das trat nicht ein und die Kommission händigte den vom König genehmigten Vertrag nicht aus, weswegen Lehmann die Saline verließ. Auch einer Aufforderung der Königl. Kommission vom 9. Februar 1716  dass sich die Gesellschaft in Schönebeck nun endlich einzufinden habe, um ihre profitable Salzerzeugung unter Beweis zu stellen, kam er nicht nach. Daher erging am 18. Februar folgender Erlass:

Dekret der Königl. Preuß. Cammer des Herzogtums Magdeburg verordnete Präsident, Räthe, Cammer- und Land-Renth- Meister von Haake, Chr. Nieman, G. L. Meyer, Moldenhauer, J. Richter, G. Wacholder.

„Was gestalt S. Königl. Maj. in Preussen unser allergnädigster Herr in hohen Gnaden resolviret Dero Saltzwerck zu Schönebeck auf 8 nacheinander folgende Jahre an die Herren Geheime Räthe von Görne und Markfeld in Pacht zu übergeben und wie dieselben Uns allergnädigst anbefohlen, nunmehro unsern Hochgeehrten Herrn Cammer-Rath und Consorten in Dero höchsten Nahmen die ernstliche und nachdrückliche  Weisung zu tun, daß sie mit Ihren proben ferner nicht continuiren sondern deren sich getreulich enthalten sollen...wonach unser Hochgeachteter Cammer-Rath und dessen associirte sich allergehorsamst zu achten und des Saltz-Wesens und probiren in Schönebeck sich gentzlich zu enthalten wissen...“

Ausgerechet die beiden Kommissionsmitglieder pachteten nun die Saline. Als Ersatz erhielt die Happesche Gesellschaft am 18. Oktober 1716 das Mutungsrecht für Salzquellen bei Nauen, worauf Lehmann erklärte „Alleweile meine an 3000 Thaler angewandte Unkosten auf die Schönebecker Coctur nicht wieder erhalten. So habe an einen andern Orte aufs neue Geld anzusehen Bedenken getragen..“ 

Später erging an Lehmann doch noch eine Einladung an den preußischen Hof

„Demnach S. Königl. Majestät in Preußen pp. Unser allergnädigster Herr dem D. Lehmann zu sprechen ein allergnädigstes Verlangen tragen, als versprechen Sie denselben hiermit in Gnaden ihm Dero Königl. Gnade und Huld in der That angedeihen zu lassen, mit angehengter gewisser Versicherung, daß ihm von niemand, wer es auch seyn möge einiges Leid oder Unfug zugefüget werden soll, weshalb er sich denn also mit dem förderlichen allhier einzufinden hat.

Sig. Berlin 28. Mai 1718

Eine derartige Einladung konnte man eigentlich nicht ablehnen, doch Lehmann erklärte, dass er an anderer Stelle mit wichtigen Proben befasst sei und daher nicht kommen könne. Damit endete auch sein Wirken  in den brandenburgischen Salinen.

 

Tatsächlich erprobte er zu dieser Zeit in der kleinen gewerkschaftlichen Saline in Poserna (bei Weißenfels) seine Gradier- und Siedetechnik. Die Ergebnisse fasste er in zwei Denkschriften zusammen, die 1719 erschienen: „Versiedung einer nur auf einen 60 Ellen langen Dache gradirten Sole von 2 Löthigen Gehaltes in Boserne (Poserna)und  „Denen Gradir-Häuser, Gradir-Dächer, Gradir-Machinen, Gradir-Röhren und Fässer....“

Die Anmerkung des Freyberger Berg-Amt war kritisch:

„...wie es aber D. Lehmann hierinnen eigentlich zu halten gesonnen, ist uns, da wir dessen Vorrichtungen in grossen nicht gesehen, unbekannt und wo ferne in die vor Notarien und Zeugen bereits bewerckstelligte Probe Zweifel gesetzt werden möchte, kähme es allenfalls auf eine anderweitige und commissarische Examination, oder Haupt-Probe  an, dabey sich sodann zeigen müßte, was denn von offt erwehnter dieser Invention würcklich practicabel und im großen Wercke nützlich befunden werden würde oder nicht.

Bei den Vorschuss wird die Renth-Cammer zur Vorsicht gemahnt und diese nur nach und nach je nach Erfolg auszuzahlen  und den Berg-Voigt von Thüringen für die Einhaltung der Berg-Ordnung zu bevollmächtigen.

Freyberg, den 28. Sept. 1719

Christian Dietrich Vitzthum von Eckstädt, Carl Christian von Tettau, Gottfried Pabst, Friedrich Nicolaus Voigtel

 

Die wohl wichtigste Wirkungsstätte Lehmanns in Kursachsen war die Saline Altensalz, die ihm neben Erlbach in der Verleihungsurkunde von 1717 überlassen wurde. Altensalz war 1642 an den Landjägermeister Hans Georg von Carlowitz gekommen, der ein Stroh-Gradierhaus 48 Ellen (32 m) lang und 11 Ellen (7m ) hoch baute. 1643 waren es 168 Ellen (112 m). Da Carlowitz aber noch im gleichen Jahr starb, wurde der weitere Ausbau eingestellt und die Saline einer Pfännerschaft überlassen, die hier ebenfalls mehr recht als schlecht wirkte. Lehmann begann aber erst, als sich abzeichnete, dass sich seine Pläne in Sulza nicht verwirklichen ließen. Nach seinem Bericht vom 6. Februar 1724, betitelt „Das Alten-Saltzer Saltz-Werck bey Plauen“ wollte er im April 1723 mit dem Bau der des Salzwerkes beginnen. Doch es brauchte Zeit bis er den Zimmermeister Heisell, der bereits in Kötzschau und Teuditz (bei Dürrenberg) Erfahrungen beim Bau von Gradierwerken hatte, für 300 Taler je Anlage für die Bauausführung und den Inspektor Sembach, der bislang auf der Saline Aschersleben tätig war, für die Oberaufsicht gewinnen konnte. Nun sollte die Rentkammer  entsprechend dem Vertrag vom 23. April 1723 den versprochenen Zuschuss für das Material, für die Besoldung des Inspektors und der Zimmerleute, sowie für den Ankauf von Grund und Boden bereit stellen, damit die Wasserkunst, das Feldgestänge, der Brunnen und somit das „Werck in Stand gebracht werde“.

Am 24. April 1725, also ein ganzes Jahr später, folgte ein weiterer  Bericht „Über das Saltz-Werck: Der treuen Sachsen Pflicht und Bau: Vivat Fridericus Augustus König in Pohlen und Churfürsten zu Sachsen, bei Alten-Saltz nahe Plauen im Voigtlande gelegen“.

Demnach waren die Brettermühle fertiggestellt, ein Gradierhaus von 246 Ellen (165 m) mit   Dachgradierung gerichtet und 1/3 des Daches mit Schindeln gedeckt, Steine für den Unterbau preisgünstig gebrochen und angefahren, das Holz für den ersten Solekasten geschnitten und zum Austrocknen gelagert, die Dornen in ausreichender Menge vorhanden und durch den Regen hinreichend gereinigt.

Wöchentlich würden 4000 Schindeln von zwei Männern gefertigt, der Kunstturm zum Heben der Sole sei zur Hälfte fertig, das Kunstrad von 10 Ellen (7 m) samt Gestänge sollte  im Mai begonnen werden und der Kunstgraben war auf 2 Ellen (1,3 m) erweitert. Zur Demonstration seiner Siedemethode waren auch die Herd-Fässer mit der Herdfeuerung verbunden.

Doch auch hier gab es Bedenken und Skeptiker, deren Argumente er zu entkräften suchte. Eines davon war der Mangel an Brennholz. Doch das wäre unzutreffend, zumal nach Altensalz über den Triebe-Bach Holz aus den Werda`schen Wäldern angeflößt werden könne. Außerdem seien die  Elsterflöße von Crieschwitz nur eine dreiviertel Stunde Weges und die Schöneckischen Wälder 3 Meilen entfernt ebenso die Zwickauer Steinkohlenlager. Auch die Gerüchte, dass es sich hier nur um einen Sauerbrunnen und keinen Salzbrunnen handelt, suchte er zu entkräften und verwies auf die  Schneeberger Amtsakten über den Siedebetrieb zwischen 1641 und 1656. Dazu sei die Sole gehaltvoller als die von Sulza und mit seinen Methoden würde sich ohnehin mehr Salz bei gleichzeitiger Halbierung des Brennstoffverbrauchs ergeben. Die Proben vom 9. April 1723 hätten ergeben, dass sich jährlich 11.436 Zentner Salz ergäben, mit einer Verdoppelung des Gewinnes, dank wesentlicher Einsparungen.

Wenn seitens der Rentkammerr der restliche Vorschuss freigegeben würde, könnte das Salzwerk zu Michaelis fertig sein und mit dem Sieden begonnen werden. Damit war der bewilligte Vorschuss von 1600 Taler aufgebraucht aber eine Inbetriebnahme nicht absehbar. Das machte die kurfürstlichen Beamten mißtrauisch. Außerdem war man ja auch über Lehmanns bisher recht erfolgloses Experimentieren in Sulza und Schönebeck bestens informiert.

Inzwischen hatte August der Starke die Angelegenheit zur „Chefsache“ gemacht und den  Bergingenieur Johann Gottfried Borlach 1723 zur Suche nach Salzquellen in den kursächsischen Ämtern des Thüringer Kreises beordert. Offensichtlich hatte er bzw. seine Räte nun doch erkannt, dass Privatpersonen und Gewerkschaften, die bislang ihre Dienste anboten, letztendlich erfolglos oder Scharlatane waren.

Borlach, der in  Artern 1725 auf eine verwendbare Salzquelle stieß, begann umgehend mit dem Aufbau des ersten fiskalischen Salzwerkes in Kursachsen. Dabei nutzten ihm seine reichen Erfahrungen und die neuesten Erkenntnisse, die er auf Reisen durch deutsche und europäische Salinen gesammelt hatte. Gleichzeitig erhielt er den Auftrag, in Altensalz die Lehmannschen Versuche zu begutachten, zumal die beiden sich von Wieliczka her kannten. Borlach hegte erhebliche Zweifel an deren Nutzen und versuchte, Lehmann von seinem Vorhaben abzubringen, worauf er mit ihm in einen heftigen Disput geriet. Im Endergebnis versagte man Lehmann jegliche weitere  staatliche Unterstützung, so dass ihm nichts anderes übrig blieb, als auf eigene Kosten die Salzproduktion in Gang zu bringen, um die erhaltenen Vorschüsse zurück zu zahlen.

Lehmann versucht nun auf eigene Kosten die Altensalzer Saline in gang zu bringen,, was ihm aber bis zu seinem Tod 1739 nicht gelang. Er hinterließ Schulden und die Vorschüsse, forderte die Rentkammer noch von seiner Witwe. Die Saline wurde geschlossen, spätere Versuche sie wieder zu erheben scheiterten wegen des zu geringen Salzgehaltes. Heute erstreckt sich an dieser Stelle die Talsperre Pöhl, die die Triebe und einige Nebenbäche aufstaut.

Dennoch haben einige seiner „Intentionen“ wenn auch erst in späterer Zeit  und in anderer Form zur Verbesserung des Gradier- und Siedebetriebes beigetragen. Das betraf einmal die Dachgradierung, die als Tafelgradierung im Zuge der Reorganisation der kursächsischen Salinen und der Entdachung der Gradierhäuser eingeführt wurde. Dabei ließ man die Sole, nachdem sie an der Gradierwand gefallen war, über die Abdeckungen der unteren Soleschiffe oder der Solereservoire laufen und erreichte dabei eine zusätzliche Aufkonzentrierung. Anstelle seiner Gradiermaschinen, den eichenen Solefässern mit den eingebauten Kupferröhren durch die die heißen Abgase der Siedeherde geleitet wurden, kamen dann die Vorwärmpfannen zum Einsatz. Die hatte schon 1723 der Zellerfelder Salinist Christian Böse vorgeschlagen, nachdem er Lehmanns „Herd-Fässer“ und die Rauchabzüge begutachtet hatte. Zukunftsweisend waren auch seine Bemühungen, die bis dahin als überflüssig erachteten Siedeabfälle zu veredeln. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts wandte man sich der Herstellung von Glauber- und Bittersalzen aus dem Salzschlamm und der Mutterlauge zu. 1813 gründete der Apotheker Dr. J. B. Trommsdorf (1770-1837)  in Teuditz die Fabrik zur Herstellung pharmazeutischer Produkte und schon bald gehörte die „chemische Fabrik“ zur Saline  und gewährte  dem Fiskus bzw. dem jeweiligen Pächter eine ansehnliche Einnahmequelle.

 

Nebenher beschäftigte sich Lehmann, der ja auch Mediziner war, mit  der Publikation der Nutzung  von Mineralquellen zu Heilzwecken.

Zeitgleich mit der Broschüre „Kurtze jedoch gründliche Nachricht von dem zu Kösen an der Saale entdeckten mineralischen Gesund-Brunnen...“des Medico & Physico Portensi (Schulpforte)  Johann Georg Gerhard (1726) veröffentlichte Lehmann zwei Schriften bei Zschau.

„Beweiß daß Ihr. Königl. Majestät der König in Pohlen und Churfürst in Sachßen, Christianen Eberhardinen Brunnen, der vor dem Jahr bey Reiboldts-Grün im Voigt-Lande  erschürffet und probiret worden, Einer der gesundesten und heilsamsten sey, Weil er das zarteste VITRIOLUM MARTIS in sich hält, auch bereits treffliche Curen gethan, was auch vor Bequemlichkeit vor die Bade-Gäste schon angeschafft worden“ Leipzig 1726  und ein Jahr später:

„Beweiß daß Ihr. Königl. Majestät der König in Pohlen und Churfürst in Sachßen, Christianen Eberhardinen Brunnen, der vor zwey Jahren bey Reiboldts-Grün im Voigt-Lande  erschürffet und probiret worden, auch vom July 1726 über hundert vortreffliche und besondere Curen gethan, Wahrhafftig einer der gesundesten und heilsamsten Brunnen sey, Es wird auch dieser aufs neue fleißig besuchet und  ist weit mehr  Bequemlichkeit denen Bade-Gästen aufgebauet und angeschaffet.“ Leipzig 1727.

Neben den zahlreichen Heilungserfolgen, die er akribisch beschrieb, verwies er hier letztmals auch auf sein  Lebenswerk, dessen Erfolg ihm durch Intrigen und dem Neid seiner Gegner bislang versagt blieb:

„Ich habe 20 Jahr auf meine Kosten den Saltz-Bau und das Saltz-Sieden gelernet und untersuchet und auch in contracditorio als Meister mich erhalten und öffentliche Proben gethan, durch diese solide Saltz-Schrifft ( d.s. Sachsen kann alle arme Saltz-Quellen...) so viele treue Sachsen durch mein unsägliches Bitten und Flehen endlich dahin gebracht, daß sie ...arme Sole zu gute sieden....und Sr. Königl. Majestät Interesse und armer Arbeiter Nahrung befördert...“. 

Trotz seiner Misserfolge und seiner Halsstarrigkeit, die letztlich zum finanziellen Ruin führten, verdient er es doch, als einer der Wegbereiter des Salzwesens und der Soletherapie des 19. Jahrhunderts gewürdigt zu werden.

 

August 2016

  1. Budde

 

Quellen: J. Chr. Lehmann: „Dennoch kan Sachsen kann alle arme Saltz-Quellen“ Zschau 1724

  1. H. G. Eisenach: „Das Sulzaer Thal...“ Klaffenbach, Naumburg 1821