Die Pachtverhältnisse des Salinengasthofs „Mutiger Ritter“ im 18. Jahrhundert

Der Gasthof, den das Schulamt 1680 an der Schnittstelle der Saaleflößerei und des Brückenüberganges auf Anweisung des sächsischen Kurfürsten errichtete, wurde wie die Mühle und die Schäferei in Zeitpacht von sechs Jahren gegeben. Einer der ersten namentlich bekannt gewordenen Pächter war Eberhardt Linßgen, der 1695 erwähnt wurde. Nach dem Brand im Jahr 1710 und dem Wiederaufbau verpachtete das Schulamt den Gasthof 1712 dem Floßmeister Wenzel. Seit 1724 wird Christoph Mose in den Einwohnerverzeichnissen von Alt-Kösen als Pächter aufgeführt.

In seine Pachtzeit fiel der Verkauf des Gasthofs an den Salinenfiskus. 1727 begann die Abteufung des unteren Solschachtes und 1730 stieß man hier auf eine siedewürdige Sole. Schachtgebäude und das zum Antrieb der Pumpen benötigte Kunstgestänge standen nun unmittelbar vor dem Gasthof. Das führte natürlich zu ständigen Reibereien zwischen dem Pächter und dem Verpächter dem Schulamt einerseits und dem Salinendirektorat andererseits. Um diese für den Betrieb der Saline nachteiligen Zustände zu beenden, erlangte Borlach vom Finanzkollegium die Zustimmung, den Gasthof für den Salinenfiskus zu erwerben.

 

Zu wißen, nachdem Ihro Königl. Maj. in Pohlen und Churfürstl. Durchl. zu Sachßen pp.

Unser allergnädigster Herr, allerhöchst beliebet, bey nöthiger Erweiterung der Salz-Coctur-Gebäude zu Koesen den aldort befindlichen , der land-Schulen Pforta zuständigen , und von 1680 her errichteten Gasthof mit allen Zubehörungen, und darauf haftenden Gerechtigkeiten überhaupt gegen einen Kauff-Schilling von von 6600 Rhl. Talern zu besagter Salz-Coctur erkauffen zu laßen, weshalb allerhöchst Dieselben zu Abhandlung eines zu Recht beständigen Kauff-Contracts vermöge ertheilten allergnädigsten Befehls de dato Dreßden den 24ten Januar und 7ten April 1739 uns Endes unterschriebenen allergnädigst befehliget; Als ist daher vorhin abgehandelter und allerhöchst approbirter maßen nachfolgender beständiger Erbkauf abgeredet und geschloßen worden. Nemlich:

Es verkauft die Land-Schul-Pforta den ihr zuständigen Gasthof zu Koesen und allen Zubehörungen, und namentlich an Wohnhauß, Ställen und Scheunen, auc der daran gebauten Schmiede, nebst allen darinnen gehörigen und vorjetzte darinnen befindlichen Inventarien-Stücken, wie solche Pachter nach seinen Inventario inne hat und besitzet und vorjetzo an Mobilien demoventiren und bereits erzeugten und ungeernteten oder noch zu erzeugenden und zuerntenten Feld-Früchten bey Endigung des Pachts wieder zu übergeben schuldig ist, ferner unter den Wohnhauße nach der kleinen Saale gelegenen oder Fleckgen Grenz-Garten, wie auch 2 ½ Acker Land, die Tage-Gebreite der Jacken-Berg genannt, über Koesen gelegen, 6 ½ Acker die Tage-Gebreite der Niclas-Berg genannt, hinter dem Floß-Hause gelegen, 7 ¾ Acker-Laaß-Feld, vorher Peter Müllers, ½ Acker Kraut-Land, zwischen der großen Saale und dem Niclas-Berg, 1 Stück Wiese an der Land-Straße hinter der fordern Mühl-Wiese gelegen mit allen auf solchen Grundstücken fallenden Recht und Gerechtigkeiten, insonderheit der Gast-Gerechtigkeit und dem des Gastungs- und Schank-Rechts halber hergebrachten jure prohibendi wieder alle so solches in denen Schulen-Dorfschaften und sonst nicht befugte Ausspannen zu Altenburg und das Bier und Brandwein-Schenkens, des Schäfers, Müllers und sämmtlicher Einwohner zu Koesen, desgleichen des Bier-Schanks in Saal- und Fischhauße, welchen letztere zwar des jährlichen Holz-Marckts wegen, gegen Erlegung eines an alhiesiger Salz-Coctur zu entrichten habenden gewißen Zinses, das Bier- und Brandwein-Schenken jedoch auf Wiederrufen verstattet wird, ferner der freyen Huthung von Vier Stücken Gasthofs- Rind-Vieh auf denen der Schule zuständigen Triften, so mit solchen der Schäfer mit seinen Rind-Vieh zu betreiben hat, nichts minder auch den jährlichen Deputat an einen Acker Busch-Holz aus denen Schulen-Gehölzen wo der Schlag in solchen geführte wird, wie auch die Pferde und Hand-Dienste bey dem Bau und Reparatur solcher Gasthofs-Gebäude und in Summa mit allen wie die Schule selbigen bishero genutzt oder nutzen und gebrauchen möge, nichts davon ausgenommen, erb- und eigenthümlich an die Königliche Pohln. und Churfürstl. Sächß. Salz-Coctur zu Koesen um und vor

Sechstausend Sechshundert Thalern

ganzer Kauff-Summa dergestalt, daß besagter Salt-Coctur dieses Capital so lange bis dessen Abführung geschehen mag aus solchen mit 5 pro Cent jährlich verinterresiren, dahingegen wohl bemeldter Salz-Coctur solcher Gasthoff mit allen oben benahmten Pertinentien ganz frey und ohne alle Beschwerungen an Erbzinßen, Lehngelde noch sonsten übergeben und gewähret daran nöthiger Besitz und Eigenthum sowohl das Dominium directum als utico, nichts minder die exemtion von der ordentlichen Amts-Jurisdiction eingeräumet und dem Gasthoffe gleiches Recht und Gerechtigkeit alß die Salz-Coctur solches selbst genießet ausdrücklich bekennet und hierüber annoch von Seiten der Schulen sich ausdrücklich verbunden wird, andern Gasthoff und Schmiede bey der Schulen oder sonst neuerlich nicht anzulegen und weder jetzo noch künftighin zu beständigen Zeiten den Gasthoffe dadurch dadurch auf eine oder die andere Weise einigen Eintrag zu thun. Wie nun beyde contrahirende Theile solches accestiret und solchen allenthalben fest und unzerbrüchlich nachzuleben versprochen.

Als ist gegenwärtiger Kauf-Contract zu desto mehrerer Festhaltung von denen hierzu allergnädigst verordneten Commissarien beyder Theile in bester Form Rechtens aufgesetzet und zu Pappier gebracht auch eigenhändig unterschrieben und besiegelt worden.

So geschehen Pforta den 29ten May, Anno 1739

Ehrich Volkmar von Berlepsch

  1. Fr. Gotth. Freytag

Johann Gottfried Borlach

Georg Philipp Pfersdorf

 

Damit war das Salzwerk nicht nur Eigentümer, sondern hatte auch die Gerichtsbarkeit über den Gasthof, dessen Pächter und alle dort Einkehrenden. 1742 verpachtete Borlach den Gasthof an Johann Martin Knorr, dessen Vertrag 1748 und 1754 prolongiert wurde. Dazu hatte Borlach vom Floßmeister Hartig das Brauhaus am Wehrdamm erworben und die Braugerechtigkeit mit der Gast- und Schankgerechtigkeit des Salinengasthofs vereint.

Als Knorrs Vertrag 1766 endete, war es Johann Gerlach Scheufler, der mit einem höheren Angebot den Salinengasthof pachtete. Auch sein Vertrag wurde  1772 und 1778 verlängert. Der Vertrag von 1778 ist erhalten und bietet ein anschauliches Beispiel für derartige Verträge.

 

Zu wißen sey hiermit, daß bis auf Ihro Churfürstl. Durchl. der durchlauchtigsten Fürsten und Herrn , Herrn Friedrichs Augusts

Herzogs zu Sachßen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen, des Heiligen Römischen Reichs Erz-Marschalle und Churfürstens, Land-Grafen in Thüringen, marg-Grafen zu Meißen, auch Ober- und Nieder-Lausitz. Burg-Grafen zu Magdeburg, gefürsteten Grafen zu Henneberg, Grafen zu der Marck Ravensberg, Barby und Hanau, Herrn Ravenstein pp. Gnädigste Ratification, zwischen denen hierzu verordneten Commissarius, dem Cammer-Herrn und Berg-Rath Leopold Freyherrn von Beust und Berg-Rath Friedrich Wilhelm Heun, Verpachtern an einem und Johann Gerlach Scheuflern als Pachtern am andern Theile wegen des zum Churfürstlichen Salzwerk zu Kösen gehörigen Gasthofs und Brauhauses folgender Pacht-Contract abgehandelt und geschloßen worden. Nemlich

1.

Wird der Gasthof zu Kösen mit allen Logiamentern, Stallungen dabey befindlichen Brauhauße, Schmiede samt zugehöriger Gast-Gerechtigkeit, Bier-, Wein und Brandwein-Schanke, auch einen Fleck Wiese, einen Kraut-Lande und denen nach dem Inventario darzu mit erkauften Acker, ingleichen Garten an Hauße alles nach mehrerer Anzeige des darüber erstatteten Inventarii an Johann Gerlach Scheuflern auf sechs Jahre als von Johannis 1778 bis wieder dahin des 1784ten Jahres dergestalt pachtweise überlaßen, und soll Pachter

2.

Vor allen Dingen nicht nur sich eines christlichen und Gottgefälligen Lebens und Wandels befleißigen, gegen männiglich höflich und bescheiden sich aufführen, sondern auch, damit von denen Seinigen ein gleiches beobachtete werden möge, genau Aufsicht haben. Hiernechst

3.

auf aller Gäste Thun und Laßen Acht haben, solchen woferne ein oder der andere wieder Gebührniß sich etwas unterfangen sollte, mit Bescheidenheit zureden und vermahnen. Da aber zur Thätlichkeit gegriffen oder sonst was strafbares verrichtet oder ausgeübet würde, hat er es unverzüglich bey Vermeidung willkührlicher Strafe bey hiesigen Salzwercks-Beamten anzuzeigen, auch wo sich solche Gäste im Gasthofe finden sollten, wieder welche sich ein sonderbarer Verdacht ereignete, selbiges mit allen Umständen, ohne den geringsten Zeit-Verlust gehörigen Orts zu berichten, wie nicht weniger alle im Gasthofe sich ereignenden Zänckereyen, Schlägereyen und andere strafbare Fälle, nicht allein nicht zu gestatten, sondern da sich dergleichen entspinnen sollten, den hiesigen Salzwercks-Beamten bey Vermeydung Zehn Thaler Strafe zu denunciren, und nichts daran zu verschweigen oder zu verdrücken. Dahingegen iederzeit von gedachten Salz-Coctur genugsamen Schutzes und schleuniger Hülfe zu gewarten haben soll.

4.

Damit nun obiger Gasthof, von Zeit zu Zeit iemehr und in beßrer Aufnahme kommen möge, soll er zu seinen eigenen besten Vortheil, sich zu rechter Zeit mit guten Getränke und nöthigen, der Jahreszeit nach zu habenden Victualien wohl versehen , allen und ieden einkehrenden Gästen mit Höflichkeit begegnen, solche nach Würden und Verlangen mit Aufwartung und sonsten bestmöglichst accomodiren, Niemanden übersetzen, die Zimmer und Gefäße reinlich halten laßen, auch sich in allen also bezeygen, daß die Leute einandermahl wiederum bey ihm einkehren , und andere auch dahin zu weisen animirt werden mögen.

5.

Auch Feuer und Licht soll er nicht allein vor sich und die Seinigen fleißig Acht haben, sondern auch genau wahrnehmen , daß von denen Gästen ein gleiches geschehe, und nicht ungebührlich damit umgegangen werde, maßen er vor dem Schaden so durch seine oder der Seinigen Verwahrlosung und Unachtsamkeit , welches Gott in Gnaden verhüten wolle, geschehen möchte, mit seiner gemachten Caution und bereitesten Vermögen stehen und haften soll, auch

6.

Das Inventarium, an Thüren, Schlößern, Oefen, Fenstern, Fußböden und was ihm sonst zur   Wohnung eingeräumet werden soll, wolle Pachter währender Pachtzeit in baulichen Wesen erhalten. Was aber durch Gottes Verhängniß mittelst Anzündung, Wetters, Sturms, Heerzüge und Feindseeligkeiten (welches alles der grundgütige Gott gleichfalls gnädig verhüten wolle) an denen gebäuden Schaden geschiehet, solchen trägt die Coctur.

7.

So soll er auch die in Pacht mit übernommenn Acker wie solche bey seinem Antritt nach dem Inventario mit Früchten bestanden, ingleichen mit Arten und Mist versehen gewesen, bey Ablauf der Pachte-Jahre hinwiederum überlaßen.

Über die ihm eingeräumten Gebäude und was Pachter bey Antritt pro Inventario überkommen, gibt die Salz-Coctur ferner nichts, sondern er muß alles zum Gasthof gehörigen Mobilien an Betten, Tischen, Bäncken, Zinn, Kupfer und andern Dingen vor sich anschaffen und erhalten, inmaßen was er an dergleichen währender Pachtzeit anschaffet nach Endigung derselben, auch wieder wegzunehmen befugt seyn soll.

9.

Soll Pachter das auf denen Ackern erbaute Stroh nicht verbrennen, sondern den im Gasthof daraus genachten Mist allezeit auf die zum Gasthof gehörige und ihm mitverpachteten Acker fahren und selbige wohl düngen, widrigenfalls, da es sich befinden sollte, daß derselbe Winter-Früchte in ungedüngten Acker bestellete oder derselbe zur Ungebühr erst besömmerte, solle Pachter in Zehn Thaler Strafe verfallen seyn.

Soll Pachtern erlaubt seyn, Vier Stück Rind-Vieh des Gasthofs halber vor den Hirten des Schulen-Viehes mit zu treiben, von diesen aber auch mit andern kleinen Vieh, als: Schaafen, Ziegen, Schweinen, Gänsen, Hühnern und dergleichen, welches er zwar nicht austreiben dürfe, soll er der Schulen-Felder, Wiesen, Gräserey und Triften, keinen Schaden zufügen, so oft aber dergleichen geschehen sollte, soll er auf Erkenntniß geschworener Schöppen, der Schule den Schaden ersetzen, und daß er wieder Verboth gehandelt, der Salz-Coctur in Ein Neuschock Strafe verfallen seyn.

11.

Soll er iährlich einen Acker Unter-Holz zum hergebrachten Deputat aus der Schulen Gehölzen, wo der Schlag geführte wird, iedoch daß er wie bishero geschehen, das Anweise-Geld erstatte, auch selbiges auf seine Kosten hauen und anfahren laße, bekommen.

12.

Bei der Schankgerechtigkeit cum iure prohibendi soll Pachter gegen männiglich, die es von Alters her nicht befugt seyn, geschützet, auch im Dorf Altenburg das unbefugte Ausspannen gänzlich abgeschaffet und verbothen werden, wie denn auch weder dem Schäfer noch Müller in Kösen dergleichen denen Einwohnern in Kösen, wie nicht weniger denen Saal-Häußern und dem Fisch-Hauße, ja sogar allen Salzwercks-Arbeitern, bey der Salz-Coctur, Bier und Brandtewein zu schencken nicht vergönnet werden soll. Vielmehr sollen die gehalten seyn, wenn gut Bier bey dem Gasthofe gebrauet wird, alle ihre Geträncke aus demselben zu nehmen. Iedoch soll Abpachter nicht befugt seyn, den Brauer nach eigenen Gefallen abzuschaffen, und einen neuen einzusetzen, inmaßen deßen Ein- und Absetzen lediglich von der Salz-Coctur dependiret, wohl aber soll er ohne alles das, worüber von Seiten der Salz-Coctur mit ihm übereingekommen, und wie schriftlich ihm sein Gehalt, was er zum Lohn haben soll, ausgemacht worden ist, richtig halten, wogegen der Brauer treulich zu dienen, alles genau in Acht zu nehmen, und keinen Schaden zu verursachen, sich verbunden hat. Im Fall aber eine Beschwerde sich wider ihm zeigte, solle Pachter solches bey der Coctur gehörigen Orts melden, da es abgestellet, aber auch im Noth-Fall ein anderer Brauer gesucht werden wird.

Es ist auch denen Besitzern der Saal-Häußer laut eines untern 19ten Julii 1745 ergangenen allergnädigsten Befehls das Wein-Schencken, so viel den selbst erbauten Zuwachs anbetrifft, zu aller Zeit, wie nicht weniger die Aufnahme-Beherberg- und Bewirthung derer Flößer, Käufer und deren Arbeits-Leute, solange die Bau-Holz-Flöße währet, nachgelaßen. Es soll aber diese Freyheit keinesweges auf andere Personen, so bey dem Holz-Handel nichts zu thun haben, extensiret werden.

13.

Vor solche Gasthof-Nutzung und vor die dabey befindliche Acker, Wiesen, Garten und Kraut-Länder, wie auch vor die Music in solchen Gasthofe, daß Pachter darzu brauchen dürfe, wenn er wolle, doch keine Fremde in andrer Herren Landen wohnende Musicanten und von selbigen etwas, nachdem er mit ihnen contrahiret dafür, daß sie in dem Gasthofe aufzuwarten die Freyheit haben, nehmen dürfe, desgleichen vor die Schmiede und vor das in diese Gasthof-Schmiede neu erkaufte Schmiede-Werckzeug, wie auch vor das was durch Erbauung der neuen Scheune, dem Gasthof zum Nutzen zugewachßen, ingleichen vor das neu erbaute Brau-Hauß und darinnen befindliche Gefäße, soll und wolle Pachter überhaupt vor alles weg insgesamt alljährlich

Fünf Hundert und Fünf Thaler  

zur Salz-Coctur in mandatmäßigen Müntz-Sorten zahlen und damit auf Michaelis 1778 nicht allein den Anfang machen und den Vierten Theil darvon an 126 Thaler 6 Groschen abtragen, sondern auch alle 6 Pacht-Jahre quartaliter damit continuiren, auch mit der von ihm auf 500 Thaler hoch, dieses Pachtes halber gegen drey pro Centum zinnßbar ehemals schon bestellten Caution über und bis nach völlig erfolgter Übergabe des Inventarii auch ratione des Pachtgeldes sowohl als sonsten, allenthalben getroffenen völligen Richtigkeit stehen und haften, nicht weniger geschehen laßen daß auf den unverhofften fall nicht richtig innengehaltener Zahlung eines ieden Pacht-Termin, sofort mit der Exekution wieder ihn verfahren werden, und da ferne wo ein neuer Termin herbey kömme, ehe der vorige abgetragen ihm des Pachts, welcher sodann eo ipso gänzlich aufgehoben und erloschen ist, zu entsetzten, der Salz-Coctur frey stehen soll.

14.

Verspricht Pachter allen Mörgel und Schutt, so aus allen hier befindlichen Salz-Koten kommt, auf seine Kosten ohne Entgelt nach und nach weg und dahin zu fahren, wo es ihm wird angewiesen werden.

15.

Will der Pachter den Berg am Gasthofe auf seine Kosten unter der Zeit seines Pachtes zu einen Garten anbauen und mit Obst-Bäumen besetzen, und solchen also angebauet bey Ende seines Pachtes abgeben.

16.

Da ferne der Haßenhaußner Gasthof abgestellet würde, so daß solcher keine Ausspannung mehr haben dürfte, verbindet sich Pachter in denen Pachtjahren seines Pachtes nachher iährlich 40 Thaler mehr Pacht darfür wegen zu zahlen.

 

Wie nun beyde Theile hierinnnen in allen übereingekommen, sich Pachter auch verbindlich gemacht, diesen Contract in allen Puncten unverbrüchlich nachzuleben, allen darwider ihm zu statten kommenden Ausflüchten und Rechts-Behelfen wohlbedächtig renuncirte. So ist dieser Pacht-Brief von beyden Theylen eigenhändig unterschrieben und besiegelt worden. So geschehen Salz-Coctur Kösen, den 3ten Junii 1778.

Commissarii Causae              Leopold Frh. von Beust

                                               Friedrich Wilhelm Heun

 

Johann Gerlach Scheufler

 

Als sich seine Pachtzeit dem Ende näherte, wandte sich das Salinendirektorat an den Kurfürsten:

 

Durchlauchtigster Churfürst

Gnädigster Herr

Da der Pacht des Gasthofes zu Kösen zu Johannis kommenden Jahres zu Ende gehet, so erfordert es unsere Schuldigkeit, davon unterthänigste Anzeige zu thun,, und uns gnädigen Verhaltungs-Befehl auszubitten, wie wir uns wegen Regulirung des neuen Pachtes verhalten sollen. Der bisherige Pachter Johann Gerlach Scheufler, hat bey uns anliegendes unterthänigstes Supplicat übergeben um solche Eu. Chur-Fürstl. Durchl. unterthänigst zu überreichen, und in selbigen angeführet, daß er nun seit 23 Jahren, nemlich von Johannis 1766 an den Gasthof in Pacht habe. Sein Locarium sey von 450 Rhl.Thaler bis auf 560 Rhl. Thaler gestiegen, welches er zwar bisher richtig abgeführet. Allein er sey nicht im Stande dieses pacht-Quantum ferner zu praestiren, weil seit der neuen Salz-Einrichtung seine Gast-Nahrung mercklich gefallen, indem die Salz-Erholer nicht mehr so viel als sonst verzehrten, wodurch die Consumtion an Bier und Victualien viel geringer ausfiele. Er habe zudem durch die anderweite Verpachtung der Schmiede vor drey jahren eine beträchtliche Einbuße erlitten, wünschte aber, um diesen Schaden und andern erlittenen Nachtheil wieder zu gewinnen , und wo möglich bey seinem zunehmenden Alter den Pacht bis an sein Ende fortzusetzen, daß Eu. Chur-Fürstl. Durchl. ihm den Pacht auf 3 Jahr gegen ein Locarium von 500 Rhl. Thalern in Gnaden zu conferiren geruhen möchten.

Gnädigster Herr! Seitdem dieser Gasthof von der Schulpforta an die Saline gekommen, ist diese Pacht von 337 Rhl. Thaler 20 Groschen nach gerade gestiegen, bis endlich 1750 der damalige Pachter Knorr von 1750 bis 1756 650 Rhl. Taler als das höchste Pachtgeld gegeben hat.. Von der Zeit ist das Locarium nach mancherley Veränderungen endlich wieder auf 560 Rhl. Thaler als den ietzigen Pacht erhöht worden (.) Eine nähere Untersuchung würde ergeben, ob die Sätze der Afterpachte von Schankzinsen zum Nutzen des Gasthofes eintreten können, und ob alle andern Nutzungen im richtigen Ansatze stehen

Allerdings ist die Lage des Gasthofes gegen die Straße einiger Unbequemlichkeit unterworfen, noch nachtheiliger aber ist der Mangel an Platz zur Bequemlichkeit für die Gäste. Zu Kösen sind besonders gewisse Zeiten, wo der Gasthof ganz ungemein stark besucht wird. Diese sind der Holzmarkt und die Messe in Naumburg. Da fehlen allerdings noch einige Stuben, welche allenfalls auf dem Nebengebäude gebracht werden können.  

Wenn dieses in Stand gesetzet wird, und ein Wirth in Kösen unterziehet sich mit Eifer seinen Geschäften, so ist die Lage des Gasthofes, besonders wenn nun die Straße wieder im Stand kommt, von der Beschaffenheit, daß sich ein Wirth gut darauf nähren kann. Wenn Wirthe über Mangel an Nahrung klagen, so ist oft ihr Benehmen daran Schuld, und vielleicht ist das auch der fall bey Scheuflern, da er und seine vor kurzen verstorbene Frau bey ihren heranwachsenden Jahren sich nicht mehr so um ihre Wirtschaft bekümmert, daß Gäste und Fuhrleute gehörig behandelt worden sind. Der niedere Abgang des Bieres rührt von seiner schlechten Beschaffenheit her, und es wäre deshalb um so mehr zu wünschen, daß der Gasthofs-Pachter auf gutes Bier hielte, weil unsere Salzsieder sich bey ihrer schweren Arbeit allein an einen guten Trank Bier erholen müssen. Die Gelegenheit für Brauerey ist gut, und es ist hier von dem verstorbenen Borlach die erste englische Malzdarre in Sachsen angelegt, und unter seiner Direction dero Zeit vorzügliches Bier in Kösen gebrauet worden.

Wir unterwerfen alles dem höchsten Ermessen und bitten um gnädigsten Verhaltungs-Befehl, ob wir mit Scheuflern die Prolongation gebotenermaßen abschließen, oder den Gasthof zur anderweiten Verpachtung auf 6 Jahre öffentlich anschlagen lassen und den Erfolg nach Ablauf des Licitations-Termins mit Bemerkung des höchsen Gebots untertänigst anzeigen sollen, wobey wir noch anführen müsse, daß nach anliegenden Protocolle ein Sämann zur Berichtigung der Saat bey dem Amte Pforta ist beeidigt worden. Wir beharren in tiefster Ehrfurcht Eu. Chur-Fürstl. Durchl.

 

Weißenfels, den 10. Oct. 1789                       unterthänigste, treu, gehorsamste

                                                                       Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg

                                                                       Friedrich Wilhelm Heun

 

Daraufhin wurde das Salinendirektorat angewiesen, die Pacht meistbietend auszuschreiben. Das höchste Gebot gab ein „Ausländer“ aus dem Herzogtum Sachsen-Weimar ab.

 

Zu wißen: Nachdem Ihro Chur-Fürstl. Durchl. zu Sachßen unser gnädigster Herr, Inhalts des erlaßenen geh. Rescripts den 19. April et ins. den 26. ejusdem d. J. dem der Saline zu Kösen zuständigen Gasthof Christian Gotthilf Wilhelm Hennicke aus Apolda, gegen ein jährliches Locarium von Sieben Hundert Thalern auf sechs Jahre von Johannsi 1790 bis dahin 1796 pachtweise zu überlaßen, und uns die Abschließung sothanen Pachts mit demselben anzubefohlen, huldreichst gewährt haben. So ist zwischen der Saline zu Kösen und denen hierzu verordneten Commissarien, Verpachtern an einem und Christian Gotthilf Wilhelm Hennicken, Abpachtern am andern Theile, über solchen Gasthof dieser Pacht-Contract geschloßen worden.    

  • 1

Es verpachtet nemlich die Saline zu Kösen den ihn zuständigen Gasthof sammt allen Eingebäuden, an Wohnhäußern, Stallungen, Brauhauße und Schmiede, sammt der Gast-Gerechtigkeit, Bier-, Wein- und Brandewein-Schanke, garten, Artland und Wiesenwachs, auf sechs Jahre von Johannis 1790 bis dahin 1796 so wie selbiger bisher an den Pachter Scheufler verpachtet gewesen und von selbigen benuzet worden, ohne weitere gewähr der Acker und Morgenzahl, sowohl eines Anschlags, inmaßen Pachter die beschaffenheit, Größe und Lage sich bereits genugsam bekannt gemacht zu haben gestehet, gegen ein jährliches Locarium von

Sieben Hundert Thalern

an Christian Gotthilf Wilhelm Hennicken dergestalt,

  • 2

daß Abpachter während der Pachtzeit eines christlichen und Gottgefälligen Lebems-Wandels sich befleißiget, sich höflich und bescheiden gegen jedermann aufführen, und die Seinigen zu gleichen Betragen anhalte.

  • 3

Zur Verpflegung und Beherbergung   ohnverdächtiger Reisenden sowohl bey Tage als Nacht bereit sey, dargegen außer Standes-Personen, Officirs und anderen distinguirten oder sonst wohlbekannten Personen, Niemanden ohne erforderliche Pässe aufnehmen, solche auch von einsprechenden Soldaten erfordern und bey sich ereignenden Verdacht sowohl als andere verdächtige Personen gerichtlich anhalten laßen, auf aller Gäste Thun und Laßen wohl Acht haben, und ihnenn bey ungebührlichen Unterfangen bescheiden zureden und vermahnen, vorfallende Thätlichkeiten und strafbare Fälle aber nicht nur möglichst hindern und verwerfen, sondern auch die Verbrecher sofort anhalten und bey den Kösener Salzwercks- Beamten an geben.

 

Die folgenden Paragrafen entsprechen denen aus dem Vertrag von 1778. Hinzu kamen

  • 15

Wie nun Pachter allen denjenigen Mist, so die Saline zur Bedeckung der Soolen-Röhren-Fahrten und Soolen-Ständer gegen Einfrieren im Winter nöthig haben wird, gratis herzugeben, jedoch solchen auch nach beendigten Winter wieder an sich zu nehmen und so gut als möglich benuzen hat. So soll auch

  • 16

demselben bey denen bey der Coctur Kösen vorfallenden Bau- und Holzfuhren der Vorzug vor anderen, jedoch daß er um gleichen Lohn als andere fahren und der Saline gehörig fördern, zugestanden werden.

  • 17

Auch hat Pachter, daferne während seiner Pachtzeit das Ausspannen im Gasthofe zu Haßenhausen abgestellet würde, in den folgenden Pacht-Jahren jährlich 40 Thaler Pachtgeld zu geben, und den beym Gasthofe befindlichen Garten in guten Stande zu erhalten.

  • 18

Vor verzeichneten Pacht-Contract acceptiren beyderseits contrahirende Theile, nach allen dießen Puncten, Bedingungen und Clauseln, entsagen allen Ausflüchten, insbesondere des Scheinhandels, der Überredung, Miß- oder Nichtverständnis, Irrthums, der Verlezung unter oder über die Hälfte sowohl als gelte ein allgemeiner Verzicht nicht, dafrne eine besondere nich vohergegangene, und wie solche sonst benannt werden mögen, gegen einander hierüber Pachter annoch der Ausflucht des nicht erfüllten Contracts und der gewähr. Mängel über welche Ausflüchte beyde Theile sich besonders hiermit verglichen haben wollen.

Urkundlich ist hierüber dieser Pacht-Contract in zwey gleich lautenden Exemplarien abgefaßt, von uns denen gnädigst hierzu verodneten Commissarien unter Vordruckung des uns anvertrauten Insiegels vollzogen, sowohl von Verpachtern Christian Gotthilf Wilhelm Hennicken eigenhändig unterschrieben, besiegelt und ausgefertigt worden.

So geschehen Kösen, den 7 Juni 1790

Chur-Fürstl. Sächs. Salinen Direction zu Kösen und Amt Pforta

            Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg

            Friedrich Wilhelm Heun

            Sigismund Polycarp Gutbier

            Wilhelm Christian Gotthilf Hennicke

 

Doch der Vertrag war die eine Seite, die Umstände vor Ort sahen anders aus. Schon kurz nach Pachtantritt beschwerte sich Hennicke bei der Salinendirektion über die Eingriffe in seine Rechte und Gerechtigkeiten.

Hochwohl- und Hochgebohrene Herren, Gnädige und Höchstgeehrte Herren!

 

Eu. Hochwohl- und Hochgeb. geruhen sich gnädig und hochgeneigtest zurück zu erinnern, wesmaßen Hochdieselben besage eines sub dato Kösen und Amt Pforta den 7ten Juny 1790 abgeschloßenen und von höchsten geheimen Finanz-Collegio zu Dreßden unterm 5ten July d. a. bestätigten Pacht-Contract nach denen § 1, 4 & 11 deßselben, gegen ein alljährliches Pacht-Locarium von Sieben-Hundert Rhl. Thalern den der Saline zu Kösen zuständigen Gasthof samt allen Eingebäuden an Wohnhauße, Stallungen, Brauhauße und Schmiede und der gastgerechtigkeit, Bier-, Wein-und Brandewein-Schanke, Garten, Arthland und Wießenwachs auf sechs hintereinander folgende Jahre von Johanni 1790 bis dahin 1796 so wie selbiger bisher an den Pachter Scheufler verpachtet gewesen und von selbigen benutzet worden, wie dergestalt verpachtet, daß ich bey der verpachteten Schankgerechtigkeit cum jure prohibendi gegen männiglich, wer solche von Alters her zu treiben nicht befugt, auf mein geziemendes Ansuchen solle geschützet, auch im Dorffe Altenburg das Ausspannen nicht gestattet, ferner weder dem Schäfer noch Müller noch einen Einwohner zu Kösen, wie auch denen Saal- und Fisch-Häußern ja sogar den Arbeitern bey dem Salzwercke Bier und Brandewein zu schencken nicht vergönnt werden. Viel mehr sollen sie gehalten seyn, wenn gutes Bier bey dem Gasthofe gebrauet wird, alle ihr Geträncke aus demselben zu nehmen.

Ferner, daß auch den Saalhäußern laut einen unterm 19ten July 1745 ergangenen allergnädigsten Befehls das Weinschencken so viel den selbst erbauten Zuwachs betrifft, zwar zu aller Zeit, wie nicht weniger die Aufnahme, Beherberg- und Bewirthung der Flößer, Käuffer und Arbeits-Leute so lange die Bauholz-Flöße währet, nachgelassen seyn, diese Freyheit jedoch keinesweges auf andere Personen, so bey den Holz-Handel nichts zu thun haben, extendiret werden solle.

Ferner, daß ich zu besserer Aufnahme dieses Gasthofs und zu meinen eigenen Vortheile mich zu rechter Zeit mit guten Geträncke und nöthigen Victualien wohl versehen, allen einkehrenden Gästen mit Höflichkeit begegnen, solche nach Würden und Verlangen mit Aufwartung und sonst bestmöglichst accomodiren, Niemand übersetzen, auch deshalb der diesfalls zu setzenden Taxe mich unterwerffen, die Zimmer und Gefäße reinlich halten und dadurch Fremde zur Einkehr animieren solle.

 

Diesen und andern auf meine Pacht gethanen Versprechungen bin ich bisher auf das genaueste nachgekommen, besonders da mit bey Erpachtung besagten Gasthofs und Zubehör von der dazu gnädigst verordneten Commission noch über dieses mündlich zugesichert worden, daß Jedermann allhier sein benöthigtes Geträncke aus dem hiesigen Gasthofe oder aus dem darzu gehörigen Brauhauße nehmen müßte, und daß Niemandten ohne des pachters Bewilligung Bier und Brandewein zu schencken vergönnet sey, mithin die Schanck- und Gastgerechtigkeit lediglich dem zu hiesigen Salinen zugehörigen Gasthofe zustünde, ingleichen daß ich wieder einer jeden Beeinträchtigung nachdrücklich geschützet werden sollte.

 

Zu Rücksicht dieser schriftlich und mündlich gethanen Zusagen, und weil weder in dem Pacht-Anschlage noch in dem Verpachtungs-Termin von Entrichtung einer Trancksteuer und anderer sonst von den Unterthanen von den gebraueten Bier abzugebenden Abgaben etwas gemeldet, ich auch daher auf die Meinung gebracht worden, daß ich gleich andern Pachtern herrschaftlicher Güther für meine Familie und Gesinde die Tranck- und Fleisch-Steuer-Befreyung ebenfalls genießen würde, wurde ich durch diese Vortheile bewogen, das vormalige Pacht-Locarium anjetzo so sehr zu erhöhen, ich sehe jedoch nunmehr deutlich genug ein, daß ein ehrlicher Mann bey den vorliegenden Umständen in einem dergleichen hohen Pacht nicht bestehen kann. Denn

1.)

ist seit meiner Erpachtungs-Zeit die Gerste auf 2/3tel Thaler und der Hpffen wenigstens um 1/3tel im Preise höher gestiegen als solcher gewesen, und

2.)

verhoffte ich bey der mir verpachteten privativen Bewirthungs- und Schankgerechtigkeit auf das nachdrücklichste geschützet zu werden, und alle verpachtete Stücken in solchen Stand gesetzt zu erhalten, daß ein würcklicher Nutzen konnte daraus gezogen werden und jährlich 60 bis 70 Gebräue abgebrauet und bey jedem Gebräute ein gewinn gegen 20 Thaler erlangt werden, also so viel Nutzen erforderlich ist, wenn der Pachter bestehen soll, indem bey der Schanck-, Brau und Gastirungs-Wirthschaft sehr viele Lohnleute zu halten, auch vieles Holz und Licht erforderlich ist, und in Ermangelung eines Inventarii an Vieh und Geschirr, auch Wirthschafts-Geräthe auf dessen Anschaffung ansehnliche Summen verwendet werden müßen.

Wie sehr ich jedoch inmeiner Hoffnung getäuscht worden, ist aus nachstehenden zu ersehen, denn

ad 1

ist es nicht genug, daß bald nach Antritte meines Pachts nicht nur die Brau-Materialien und alle Lebens-Mittel durchgehend sehr hoch im Preise und jedes Gebräute gegen den vormaligen Aufwande um 10 Thaler höher gestiegen, und aus diesen Grunde sowohl hiesige Einwohner als jeder Einkehrende genöthigt worden, die größte Ersparniß zu machen, und so wenig als möglich zu verzehren, sondern man hat auch bey jedem Gebräute, es mag solches zu Unterhaltung meiner Familie und des Gasthof-Gesindes oder zum öffentlichen Schanck gemacht worden, 8 Thaler Tranckstreuer, ingleichen von allen aus Naumburg als der nächsten Chur-Sächß. Marckt-Stadt sowohl zur Hauß-Consumtion als zur Unterhaltung der Gastwirthschaft erholten Victualien und Gewürz-Waaren, Handels-und Consumtions-Aczise von mir verlangt, welche Abgabe ich auch bisher entrichten und an Drey-Hundert Thaler abgeben müßen. Hiernächst bin ich

ad 2

bey der mit cum jure prohibendi verpachteten Schanck- und Bewirthungs-Gerechtigkeit bisher so wenig geschützet worden, daß zu besorgen stehet, wenn der allhier und in den benachbarten Dörffern eingerißenen Unordnung nicht bald gesteuert wird, in kurzer Zeit die Vorrechte des hiesigen herrschaftlichen Gasthofs ganz verloren gehen und Niemand gefunden werden möchte, der für die Überlaßung der so sehr gesunckenen Nutzungen den dritten Theil meines gegenwärtigen Pacht-Locarii darbiethen wird. Denn

ad 3

treiben nicht allein die mehresten hiesigen Einwohner den Bier und Brandewein-Schanck, sondern es legen sich auch die bey der Saline angestellten arbeitsamen Leute fremdes Bier ein, und verschencken zum Theil wieder an die hierher kommenden Salz-Fuhrleute.

 

Zudem sind in der Nachbarschaft, wie in dem Fischhause ohnweit der Pforta, wo fremdes Bier, Wein und Brandewein sowohl geschencket als öffentlich gespeiset und beherberget wird, und auch allhier in Kösen bey dem Bäcker Seyfarth und den Fleischhauer Hilpert ordentliche Winkel-Schencken errichtet, welche selbst Brandewein brennen, beyde aber fremdes Bier einlagern und solches nebst Brandewein einzeln wieder verschencken, auch ordentlich Gäste setzen, so daß allda den ganzen Tag und oft bis in die späte Nacht gezechet und gespeiset, der Gasthof aber von Gästen entblößet und außer aller Nahrung gesetzet wird, und zwar vornehmlich um deswillen, weil die Gäste in diesen Winckel-Schencken eine Art von Zechfreyheit genießen, indem wohl in dem Gasthofe, nicht aber in solchen heimlichen Bier- und Brandewein-Schencken Visistation gehalten wird, weshalb die Gäste oft bis in die halbe Nacht ungestöhrt sitzen und ihren Lüsten Genüge leisten können.

Alle diese zum größten Nachtheil der Gerechtsame des hiesigen herrschaftlichen Gasthofes eingeschlichene Unordnungen habe ich bald nach Antritt meines Pachtes bey Hochdenselben mit geziemenden Respect unterm 3ten Juli a. pr. angezeiget, welche Anzeige auch alsbald an das Amt Pforta abgegeben und hierauf einem jedem der Contravenienten die Beeinträchtigung der Gasthofs-Gerechtsame bey Fünf Thaler Strafe untersaget worden.

Gleichwohl machte dieses Straf-Praecept wenig Eindruck, daher ich mich genöthiget sah, unterm 21ten October a. pr. (.) ein Klag-Schreiben bey dem Amte zu übergeben, da jedoch hierauf keine Verfügung erfolgte, so brachte ich mein voriges Gesuch mittelst anderweiter Imploration vom 11. April vornehmlich in der Absicht, um den Eingriffen in die Gerechtsame bey dem vorseyenden Holz-Marckte vorzubringen, abermale in Erinnerung. Ohngeachtet ich in meiner Imploration vom 21. Oct. a. pr. Den darinnen benannten Übertretern auf den Leugnungs-Fall der Contravention den Eyd zugeschoben und um Anberaumung eines Termins um Bestrafung, ingleichen Schaden- und Kosten-Ersatz gebethen. So mußte ich doch aus der mir am 20ten April c.a. Die Mittwoche vor dem grünen Donnerstage dader Holzmarkt bereits größtentheils beendigt war (.) wahrnehmen, daß auf mein Gesuch gar kein Absehen war genommen, ja nicht einmal den von mir nahmhaft gemachten Contravenienten als den Pacht-Inhabern des Fischhaußes bey Pforta Bilcken und den Schenckwirth Apten in Altenburg sondern ganz andern Personen ein bloßes Verboth gethan, auch mir eine zuförderst die Anzeige behöriger Beweiß-Mittel zur Bestrafung nebst Bezahlung von 2 Thalern, 7 Groschen Amts-Kosten auferleget worden, und da ich mich der Bezahlung dieser Kosten verweigerte, zur Resolution erhalten, daß auch in solchen Falle die Intimation nicht inhiniret würde.

Da ich den Pacht-Contract in allen Clauseln und Puncten nach Wechsel-Recht erfüllen soll, so ist wohl nichts billiger, als daß auf der andern Seite mir ebenfalls hinwieder die Gerechtsame so mir verpachtet worden, ohne vorherige Aufwendung besonderer Unkosten gewähret und ich bey deren Ausübung geschützet, mir aber nicht dargegen die besten Nahrungs-Zweige zu entziehen, nachgesehen werden, zumal dadurch die Verminderung dieser Gerechtsame selbst das herrschftl. Interesse vor die Zukunft leidet.

Es wäre ein allzu hartes Schicksal für mich, wenn ich außer den sehr hohen Pacht-Quanto auch noch die Wiederherstellung oder Aufrechterhaltung der Gerechtsame des hiesigen herrschaftl. Gasthofes auf meine eigenen Kosten übernehmen sollte.

Wenn ich aber auch mit dieser nie übernommenen Beschwerde sollte verschonet, und die Beybehaltung der bisher errichteten Winckel-Schencken nicht weiter gestattet werden, so würde ich gleichwohl aus den in meiner gegen Michaelis überreichten unterthänigsten Supplic angeführten Ursachen , in welcher ich ausführlich angezeiget, was mich zur Erpachtung bewogen und worauf ich mich Kürze halber beziehe, nicht vermögend seyn, weiter ein solches Pacht-Geld aufzubringen, vielmehr genöthiget werden, meine bey Anschaffung des Wirthschafts-Geräthes und Viehes aufgewendete Vermögen mit dem Rücken anzusehen, und mit dem Bettel-Stabe davon zu gehen.

Denn ich kann erforderlichenfalls mittelst Eydes behaupten, daß ich bey denen bald nach Antritt meines Pachts so hoch im Preiße gestiegenen Lebens-Mitteln und Brau-Materialien, ferner bey den vielen verlangten Abgaben von der Brau-Nahrung und angeschafften Victualien, ingleichen bey den vielen Eingriffen und Schmählerungen der hiesigen Schenck- und Bewirthungs-Nahrung noch keinen Groschen verdienet, noch weniger die bisher verfallenen Pachtgelder erwerben, sondern selbige ganz aus meiner Frauen Vermögen aufbringen und zur Erhaltung der Wirthschaft ein sehr ansehnliches zusetzen müßen.

Dieser Satz wird durch folgendes erwiesen: Bekanntermaßen haben die vorherigen Pachter bey dem Holzmarckte zu Ostern von denen zuweilen in großer Menge ankommenden Käuffern und Verkäuffern durch deren Einkehr mehrentheils den Oster-Pacht erworben, oder doch auf einen ansehnlichen Zuschuß zu deßen Quartal-Pachtgelde sichere Rechnung machen können, ich hingegen habe dabey einen sehr ansehnlichen Verlust erlitten, indem ich bey Annäherung gedachten Holzmarcktes ein Rind für 30 Thaler, ein Schwein für 9 Thaler schlachten laßen, und anderes Fleisch und Fischwerck nebst den nöthigen Victualien angeschaffet, auch verschiedene Personen zur Aufwartung angenommen, und selbigen vergeblich salariren und unterhalten müßen, um jeden einkehrenden Gast nach Stand und Würden bedienen zu können, von allen diesen aber habe ich mehr nicht als ein Viertel Rind und Neun Tonnen Bier während dem Oster-Marckte verthan, wovon ein guter Theil von meiner Familie und dem Gasthofs Gesinde verzehret worden, das übrige alles aber ist mir unbenutzt liegen blieben, und zum Theil zu Schande worden, daher ich den mir dadurch zugezogenen Schaden nebst der durch die vielen errichteten Winckel-Schencken mir entrißene Nutzung gar füglich auf Einhundert und Fünfzig Thaler schätzen kann, weil nicht allein die allhier wohnenden Flößer sondern auch die Holzhändler Seidler und der vormalige Gasthofs-Pachter Scheufler, ingleichen der Fleischer und Bader nebst dem Pfortaischen Fisch-Hauß-Pachter Bilcken, so allesamt mit den ankommenden fremden Holz-Händlern und Holzkäuffern auch andere durch hiesige Gegend Reisenden in genauer Bekanntschaft stehen, in und außer den Holz-Marckte die vorbey reisenden Personen beherbergen, wodurch nothwendiger Weiße die Gerechtsame des hiesigen Gasthofs von Zeit zu Zeit immer mehr geschmählert und deßen Pachtern aller Nutzen entzogen wird, so daß ein Pachter kaum den dritten Theil gegenwärtigen Pachtes in Zukunft wirde geben können, und berufe ich mich in Anführung aller dieser angeführten Umstände auf Hochdero gnädiges Zeugniß selbst indem Hoch Denenselben die hiesigen eingerißenen Unordnungen mehr denn zu wohl bekannt sind, bey deren Abstellung jedoch sich zu vieler Widerstand findet.

In Betreff dessen will ich nur eines Umstandes gedencken: Es stehet zwar in meinem Pacht-Contract § 12 mit deutlichen Worten, daß den Saal- und Fisch-Häußern durchaus kein Bier- und Brandwein-Schanck nachgelaßen seyn soll etc. gleichwohl hat der Pfortaische Fischhauß Pachter Bilcke eine weit stärckere Einkehr als ich, legt fremdes Bier ein, verschenckt solches nebst Wein und Brandewein, und beruft sich auf den Ausspruch des herrn Renthmeisters zu Pforta, der ihn versichert, daß das Fischhauß darzu berechtigt ist.

Hierzu kommt noch, daß der hiesige Gasthof von der Straße abgelegen, und daß das Holzfuhrwerck bisher sehr schlecht gegangen, ja daß sogar, wenn ja zuweilen Fuhrleute anhero gekommen, der Wirth in Haßenhaußen, dem doch ohnehin noch die Ausspannungs-Gerechtigkeit nicht zugestanden ist, denselben durch Bauern seines Orts in den Graben vor hiesigen Dorffe auflauern und sie unter Vorgeben, daß allhier keine Vorspann-Pferde zu erlangen wären, zu sich nach Haßenhaußen führen laßen, allwo diese Fuhrleute Mittags zu futtern, auch wohl zu übernachten pflegen, und wodurch mir die Vorspann-Gelder nebst der Beherbergungs-Nahrung ebenfalls entzogen werden, so daß ich den dadurch mir zugezogenen Schaden vierteljährlich wohl auf Zwanzig Thaler schätzen kann.

Außer diesen geschiehet mit auch durch die Pfortaische Fröhner nicht geringer Abbruch in meiner Nahrung, indem diese behaupten, daß ich deren Pferde ohne Abentrichtung einigen Stallgeldes in dem Gasthofe aufnehmen und ihnen nicht nur zu der Zeit, wenn sie sich auf der Frohn befänden, sondern auch, wenn sie ums Lohn fahren und Kösen passieren, Rauffe, Krippe und Eymer unentgeltlich vorhalten müßte, da sie doch zuweilen mit ihren Pferden die Ställe so sehr besetzen, daß sogar kein fremder Fuhrmann mehr Platz darinnen finde, und mir die Nahrung entziehen laßen muß, ohngeachtet von dieser Beschwerde weder in der Pacht-Punctation noch in dem Pacht-Contract etwas enthalten, ich auch selbige niemale übernommen, daher mir auch hierdurch alle Viertel Jahre in gewißen an die Zwanzig Thaler Schade zuwächset.

Obigen gegründeten Beschwerden könnte zwar entgegen gesetzt werden, daß das im Pacht-Contract enthaltene Pacht-Locrium nicht blos auf die Schanck- und Bewirthungs-Gerechtigkeit sondern auch auf dem überlaßene Feld-Wirthschaft und Brau-Nahrung gerichtet ist.

Wie wenig jedoch von beyden dieser Nahrungen nach Abzug eigener Consumtion zu erlangen stehet, besagen die seit Antritt meines Pachtes darüber gehaltenen Berechnungen maßen ich nach den Erndten-Drusch und Consumtions-Verzeichnisse außer den Pachtgeldern auf Erhaltung der Feld-Wirthschaft und Unterhaltung des Gesindes und Tagelöhner noch 270 Thaler baares Geld verwenden müßen, daher diese Feldwirthschaft dem Pachter wenig oder gar keinen Nutzen verschaffet und gar nicht mit in Anschlag zu bringen ist.

Mit der verpachteten Brau-Nahrung und der damit verbundenen Schanckgerechtigkeit wird es fast gleiche Bewandniß haben, so lange die Gerechtsame des hiesigen herrschaftlichen Gasthofes nicht beßer als bisher in Obacht genommen, sondern jedem hiesigen Einwohner und dem Fischhauß-Pachter bey Pforta fremdes Bier einzulegen und hinwieder zu verschencken nachgelaßen wird.

Auf diesen Nahrungs-Zweig hatte ich zwar mein mehreres Absehen gerichtet, da jedoch

1.

Bey den vielen Einschleppen fremder Biere aus Schul-Pforta und andern Orten, in dem an erstern Orte keine Accise und Tranck-Steuer seyn soll, mithin auch der Preiß des Bieres erniedriget werden kann, die hiesige Brau-Nahrung dermaßen geschwächt wird, daß statt 60 und 70 Gebräute jährlich kaum 40 bis 44 gemacht werden können, auch

2.

der Preiß des Bieres durch die Trancksteuer-Abgabe und die so hoch gestiegenen Brau-Materialien ebenfalls gestiegen und das Consumo sich dadurch vermindert. So kann ich nach der Berechnung bey jedem Gebräude auf nicht mehr als 4 Thaler, 14 Groschen Gewinn und auf das ganze Jahr ohngefähr auf 201 Thaler 8 Groschen rechnen.

 

Da nun aber die Erhaltung der Gastwirthschaft sowohl als die Beköstigung und Belohnung des Gasthof-Gesindes ingleichen das Pferde-Futter, indem ich die Pferde zum Theil auf die herrschftl. Salinen mit halten muß und wenig oder gar keinen Nutzen davon habe, mich jährlch in gewißen außer dem erbauten Futter auf 270 Thaler und darüber zu stehen kommen, mithin außer der erhaltenen Brau-Nutzung immer noch 70 Thaler aus meinem eigenen Vermögen darauf verwenden muß.

So ist nicht abzusehen, woher ich die Mittel zu Aufbringung der Pacht-Gleder erhalten soll, zumal da die vormalige Brandewein:Brennerey in gedachten Gasthofe zwar wieder hergestellt ist, aber bey den vielen Beschwernißen nicht genutzet werden kann, das Brauhauß-Geräthe hingegen in sehr schlechten Zustand und den Amboß in der Schmiede gar ganz unbrauchbar überkommen, welches alles bereits unterm 3ten July c. a. Hochdenenselben unterthänig angezeiget habe.

 

Unter diesen Umständen sehe ich im voraus, daß wenn das Einschleppen des fremden Bieres aus Pforta und andern Orten ingleichen das Auflauern und Entführen der Land-Fuhrleute durch die Haßenhäußer Bauern nicht ernstlich verhindert, und den Fischhauß-Pachter bey Pforta ingleichen den Saalhauß-Besitzern und den hiesigen Einwohnern, vornehmlich den Holzhändlern Scheuflern und Seidlern wie auch den Fleischer Hilpert und dem Bäcker Seyferth die sich zur Ungebühr angemaßte Schenck- und Bewirthungs-Nahrung nebst dem Einschleppen fremden Bieres nicht bey einer weit erhöheteren Straffe auf das nachdrücklichste untersaget, und die verwürckte Straffe nicht bey jedem Conventions-Falle sofort eingebracht, sondern nur mit bloßen wörtlichen Verbothen, ohne zur Execution zu verschreiten, wie bisher geschehen, fortgefahren, und mir und nur die Bezahlung der von den Contravenienten verursachten Unkosten angesonnen wird, weder ich noch meine nachfolger, bey dergleichen Pachte werden bestehen können.

Da demnach aus den obangezeigten wahrhafften Ursachen mein erstes Pacht-Jahr gefallen, wo ich würcklich nicht einen Heller Gewinn machen können, sondern außer der 500 Thaler Caution noch auf 1400 Thaler zu Anschaffung des Wirthschafts- und Gasthofs-Geräthes verwenden, die bisher gefällig gewordenen Pachtgelder hingegen ganz allein aus meiner Frauen berichtigen müßen.

 

So lebe der unterthänigsten Zuversicht, daß Se. Chur-Fürstl. Durchlaucht zu Sachßen sich meiner allerhuldreichst anzunehmen geruhen und nicht nur gnädigsten Befehl an die Behörde, wegen Vergütung der durch die bisherigen Eingriffe mir zugezogenen Schäden und zu Abschaffung der errichteten Winckel-Schenken und Gastirungs-Häußer, ingleichen zu Abstellung das Einschleppen fremden Bieres erlaßen, sondern auch in Rücksicht das durch diese Eingriffe und durch die nach Antritt meines Pachts entstandenen Theurung mir zugewachsen beträchtlichen Schadens einen dem beygefügten Schadens-Verzeichniß angemeßenen Remiss an Pacht-Geldern zur Hälfte oder doch zum dritten Theile mir gnädigst angedeihen laßen werden, als in welcher Absicht Hochdieselben unterthänig bitte, zum hochpreißlichen Geheimen Finanz-Collegio des fördersamsten Bericht zu erstatten.

Sollte übrigens wieder Verhoffen mein submissestes Gesuch, wegen Abstellung der bisherigen Eingriffe in die mir verpachtete Schanck- und Bewirthungs-Gerechtigkeit, und wegen eines der erlittenen Schäden angemeßenen Remisses kein gnädigstes Gehör finden, so würde ich ebenfalls so lange bis mir die verpachteten Gerechtsamen contracmäßig gewährte werden, mit weiterer Bezahlung der Pachtgelder anzustehen mich gemüßigt sehen.

In Rücksicht der vorangezeigten gegründeten Ursachen lebe ich jedoch desiunterthänigsten Vertrauens, daß höchste Landesherrschaft mich nicht ungehört zurück weißen werden, und verharre mit submissester Veneration.

E. Hochwohl. und Wohlgeboren

                        unterthänigst gehorsamster    

                        Wilhelm Christian Gotthilf Hennicke

Kösen, den 18ten May 1791

 

Hennickes Beschwerde hatte einigen Erfolg. Zunächst bestätigte das Finanzkollegium ausdrücklich das zur Gasthofpacht gehörende „jure prohibeni“ und befahl dem Schulbeamten, mit aller Strenge Verstöße gegen das Schank- und Bewirtungs-Monopol des Gasthofs zu unterbinden und diejenigen, die sich nicht daran hielten, zu bestrafen. Dem Salinendirektorat wurde angewiesen, mit Hennicke eine Reduzierung der Pacht auszuhandeln. Im Februar 1792 einigte man sich dann auf 350 Taler. Trotz allem kam der Gasthof nicht wieder auf und Hennicke bat um vorzeitige Entlassung aus dem Vertrag, was ihm das Finanz-Kollegiums gestattete.

 

Unter den Bewerbern setzte sich nun der Holzhändler Seidler durch, der sich schon mehrfach vergeblich um den Gasthof beworben hatte und einer derjenigen war, der das Gast- und Beherbergugnsgrecht des Gasthofes immer wieder unterlief. Da Seidler schon betagt war, trat sein Sohn als Mitpächter in den 1794 abgeschlossenen Vertrag ein.

 

Zu wißen, Nachdem Ihro Chur-Frstl. Durchl. In Sachßen unser gnädigster Herr, Inhalts gnädigsten Rescripts dem 16. Decbr. 1793 gnädigst entschloßen sind, den der Saline zu Kösen zuständigen Gasthof (indem der über sothanen Gasthof mit Wilhelm Christian Gotthilf Hennicken geschloßenen und erst zu Joh. 1796 zu Ende gehende Pacht auf Hennickens unterthänigstee Suchung mit Joh. 1794 aufgehoben worden) an Johann Friedrich Seidlern und Johann Gottfried Seidlern aus Kösen , von Joh. 1794 an auf acht Jahre, gegen ein jährliches Locarium von Sechshundert Thalern und Prestirung einer baaren Caution von 500 Thalern zu verpachten.

So ist zwischen dem Directorio der Saline zu Kösen und den gnädigst hierzu verordneten Commissarien, Verpachtern an einem und Johann Friedrich Seidlern ingleichen Johann Gottfried Seidlern, Abpachtern am andern Theile, bis auf höchste Genehmigung, folgender Pacht-Contract geschloßen worden.

 

Die Paragrafen 1 bis 11 entsprachen dem vorangegangenen Verträgen. Im § 12 mit dem wichtigen „jure prohibendi“ war auch wieder die Unter- oder Afterschankpacht Vertragsbestandteil, die dem Gasthofpächter zu einer zusätzlichen Einnahmequelle verhalf und gleichzeitig den unberechtigten Ausschank begrenzen sollte.

 

Da auch bisher die Pachter verschiedenen Einwohnern in Kösen gegen Entrichtung eines Schanck-Zinses verstattet, Bier und Brandewein zu schencken, so soll Abpachtern diese Freyheit ferner gegönnt, sie aber sollen gehalten, damit verdächtige Winkel-Schencken vermieden, und die Arbeiter nicht zur Liederlichkeit verführet werden und sollen Abpachter desfaklls der Anordnung des Directorii sich unterwerfen.

 

Im § 14 wurde dann noch die gegenseitige Haftung und der Erbfall reguliert.

 

Für die Erfüllung sämtlicher in diesem Contracte anthaltenen Pacht-Bedingungen, insonderheit für die Bezahlung der Pacht-Gelder und für die richtige Gewährung des überkommenen Inventarii versprechen beyde Abpachter in Solidum einer für beyde und beyde für einen zu stehen und zu haften....

Wie denn auch, wenn während dieses Pachtes einer von den beyden Pachtern versterben sollte, der überlebende diesen pacht allein zu continuiren und seiner seits schlechterdings gehalten, jedoch sofort von dem Tod seines Mit-Pachters dem Directorio Anzeige zu thun und deßen Resolution zu erwarten verbunden.

 

So geschehen Kösen am 28. April 1794

Churfürstl. Sächs. Salinen Direction zu Kösen und Amtmann zu Freyburg

            Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg

            Friedrich Wilhelm Heun

            Carl Wilhelm Slevogt

            Johann Friedrich Scheufler

            Johann Gottfried Scheufler

Nun war die Pacht wieder an Einheimische gekommen, allerdings standen die nun vor den gleichen Problemen wie ihre Vorgänger wie eine Schreiben des Amtmannes zeigt

 

Bescheid

Dieweil Johann Friedrich und Johann Gottfreid, die Seidlern, daß ihnen als dermalige Pachtinhabern des Gasthofes zu Kösen gegen das hiesige Schulen-Fischhauß, und die Einwohner zu Kösen, wegen Schenken und Gästesetzen ein Verbietungsrecht zustehe, gehörig beygebracht und Denunciaten Gottfried Bilcke, Georg Christoph Hilpert und Constantina Traugott verwitwete Ludwig, daß sie der Generali vom 21ten Juny 1793 welches ihnen am 14ten Sep. besagten Jahres gehörig publiciret worden, seitdem durch ungebührlichen Verkauf und Ausschenken des Brandeweines, auch unbefugtes Gästesetzen und Beherbergen entgegen gehandelt haben.

Inhalts Vernehmungen abzuleugnen, Bilcke insbesondere auf die Befugniß, daß er zur Zeit des Osterholzmarktes Bier und Brandewein schenken und beherbergen dürfe, beyzubringen nicht vermocht, vielmehr aus den Urkunden das Gegentheil erhellet; so sind genannte Denunciaten nunmehr nach Vorschriften gedachten Generali jeglicher in Zwanzig Thaler Strafe zu nehmen und daß sie sich aller fernerweiten Contravention enthalten sollen, ernstlich zu bedeuten. Dahingegen Johann Christian Salomon Hämmerling und Friedrich Seyfert, in Betracht die Beschwerde der jetzigen Gasthof- Pachter wieder selbige eigens nicht gerichtet ist, letzteren auch nach ihren Pacht-Contracte wovon sie jedoch noch bey Fünf Thaler Individual-Strafe, binnen 10 Tagen nach Pankration dieses einen beglaubten Extracts beyzubringen haben, die Freyheit gegönnet werden, den Einwohnern in Kösen gegen Entrichtung eines Schenkzinßes den Bier-und Brandeweinschank zu gestatten, noch zur Zeit und bis auf anderweyte Anordnung daran nicht zu behindern sind, Seyfert jedoch die angesetzten Kosten, da solche auf das vormaligen Pachters des Gasthofes zu Kösen, Hennicke, angebrachte und eingeräumte Beschwerde erwachsen, sowie Bilcke und Consorten die verzeichneten Gebühren und Verläge pro rata abzustatten verbunden. Im übrigen findet das Suchen derer Seidlern weil es auf einem Civil-Anspruch beruhet, und solcher nit der Rügen-Sache nicht zu vermengen ist, in gegenwärtigen Processe nicht statt, es bleibet aber denen Pachtern, daferne sie Bilcke und Consorten Anspruchs zu entlaßen nicht gemeint sind, wider selbige wegen der angegeben Schäden eine besondere Klage anzustellen unbenommen, worauf, wenn solches dagegen gehöret werden, ferner ergehet, was rechtens ist.

Amt Pforta, am 5 October 1796

Chur-Fürstl. Sächs. Bestallter Amtmann

Siegismund Polycarp Gutbier  

 

Doch die „Denunciaten“ erhoben Widerspruch gegen die ihnen auferlegte Strafe beim Finanzkollegium, worauf dem Amtmann folgende Verhaltensmaßregel erteilt wurde:

 

Von Gottes Gnaden Friedrich August Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, Engern und Westphalen pp. Churfürst pp.

Lieber getreuer, welchergestalt die Gasthofpachter zu Kösen , Johann Friedrich Seidler und Consorten wieder den Pachter des Schule-Fischhaußes Gottfreid Bilcken und zwo Einwohner in Kösen, Georg Gottfried Hilperten und Constantina Traugott verwitwete Ludwig, daß sie in ihren Häußern Gästesetzen und Bier- und Brandewein im einzelnen ausschenken, Bilcke insbesondere Fremde beherberge und speise, Beschwerde geführet, und was letzern unter Einräumung der Denunciatorum zu ihrer Entschuldigung angeführte, auch darauf die von der Ludwigin und Hilperten eingewnadte Appelation und Bilckens Adhaesion unterm 30. Decm. Gehorsamst berichtet, davon ist Uns geziehmender Vortrag geschehen. Du ersiehst auch, was Hilpert und Cons. Darneben allhier vorgestellet (.). Nun haben wir zwar gedachte Appellation, womit die Ludewigin und Cons. sowohl als auch Bilcken mit der Adhaesion abzuweisen sind, rejiciret. Begehren jedoch, Du wolltes ersagte Ludwigin und ihren Sohn an dem Bier- und Brandeweinschanck, welchen Wir deeneselben in der bisherigen Maaße gestatten wollen, nicht behindern, Hilperten und Bilcken aber allen Schaden bey 20 Thaler Strafe untersagen, auch erstern mit seinem Suchen um desfallsige Concession abweisen, übrigens aber sämmtliche Denunciaten mit der dictirten Strafe vor diesmal verschonen (.) und geschiehet daran Unsere Meinung.

Datum, Dreßden, am 27. September 1797

Freiherr von Gärtner

 

Die Entscheidung half den Gasthofpächtern natürlich nicht sonderlich weiter. Der nächste Streit entspann sich über die freie Hutung des Gasthofsvieh auf den Pachtweiden des Schäfers. Hierbei einigten sich die Salinen- und die Schulbeamten darauf, dass diese Klausel ab der nächsten Zeitpacht entfällt.

 

Kurz vor dem Ende der Seidler`schen Pacht bewarb sich auch der Pachtmüllers um die Annpachtung, weshalb sich das Salinendirektorat Anfang 1802 an den Kurfürsten wandte.

 

Durchlauchtigster Chur-Fürst, Gnädigster Herr!

  1. Chur-Fürstl. Durchlaucht haben unterm 24. Aug. a. p. uns gnädigst befohlen, über das die 9-jährige Prolongation des Kößener Gasthofs-Pachtes Seidlersche Ansuchen vom 5. Aug. d. a., und über die Bewandnis der zur Sonnensalz-Fabrication von dem Pachter Seidler abgetretenen Ländereyen, und der dafür versprochenen Entschädigung sowohl als der angeblich von Supplicanten gemachten Meliorationen unser ohnmaßgebliches Gutachten, so wie vermöge E. Chur-Fürstl. Durchl. untern 21. Sept. a. p. ergangenen gnädigsten Befehls auch über das von Johann Carl Gottlob Hilpert unterm 9ten Sept. a. p. eingereichte submisseste Gesuch um Erpachtung desselbigen Gasthofs auf 6 Jahre gehorsamst zu erstatten.

Zu dessen pflichtschuldigster Befolgung müssen wir überhaupt über die dermalige Lage dieser Verpachtungs-Angelegenheit zuförderst gehorsamst anzeigen, daß bey dem bisherigen Zwist, welcher zwischen der Saline in Kösen einerseits, und dem dasigen Müller Friedrich und der Schul-Pfortaischen Inspektion andererseits, über die Verbindlichkeit des erstern obwaltet, seine Mühle bey Waßer-Mangel zum behuf der Saline unentgeltlich zu zu setzen, wir die zufällig uns bekannt gewordene Bereitwilligkeit des benannten Müllers, die Mühle unter gewißen Bedingungen gegen den Kößener Gasthof nebst Zubehör durch Tausch an die Saline abzutreten, als ein schickliches Auskunfts-Mittel gegen jenen Streit für jetzt und immer angesehen, mithin die späterhin schriftlich empfangene Erklärung des Müllers nicht von der Hand zu weisen, vielmehr sie, als einen Gegenstand der von E. Chur-Fürstl. Durchl. dem Amtshauptmann und Saale-Floß-Ober-Aufseher von Burckersroda aufgetragene commissarischen Erörterung, benannten Amtshauptmann zugewiesen haben, und dem Erfolge daran noch entgegen sehen.  

Wir müssen dahero als eines dem neuen Pacht-Contract auf jeden Fall nothwendig zu inserirende Bedingung ohnmaßgeblich vorschlagen, daß der neue Pachter sich anheischig zu machen habe, falls die vorbemerckte Vertauschung des Gasthofes gegen die Mühle während der Dauer des neuen Pachtes zu Stande kommen sollte, in diesem Falle den verpachteten Gasthof mit Ablauf jedes Pachtjahres ohne einige Vergütung an die Saline wieder einzuräumen.

Da diese Bedingung allerdings von der Art ist, daß sie für jeden neuen erst einziehenden Pachter, wegen der dadurch herbey geführten Unsicherheit der Ausdauer des Pachtes, ohne beträchtliche Herabsetzung des bisherigen Locarii nicht annehmlich seyn, von dem im Gasthofe schon sitzenden alten Pachtern aber ohne besondere Schwierigkeit übernommen werden kann, so gleuchen E. Chur-Fürstl. Durchl. wir die Prolongation des Pachtes, um welche der bisherige Pachter unterm 5ten August a. p. nachgesucht hat, unserer Pflicht gemäß, vorzüglich aus dem angeführten Grunde, für den, mittelst Memorial vom 9ten Sept. a. p. um eben diesen Pacht bittenden Johann Carl Gottlob Hilpert und für jeden andern, als Hochdero Interesse angemessen, jedoch nur auf 6 nacheinander folgende Jahre, und unter nachstehenden Bedingungen ohnvorgreiflich anzurathen, nehmlich daß derselbe sich verbunden erkläre:  

1.) Auf den vorbemerckten Fall der eintretenden Vertauschung des Gasthofes gegen die Mühle in Kösen während der Dauer des Pachtes in jedem Jahre zu Johannis, nach halbjährig vorausgegangener Aufkündigung , ohne einiges Abtritts-Geld aus dem erpachteten Grundstücke wieder heraus zu treten, und selbiges an die Saline wieder zu übergeben.

2.) Allen Ansprüchen auf Entschädigung, sowohl wegen der zur Sonnensalz-Fabrication vom Pacht-Felde bereits entnommenen Länderey quod praeteritum et futurum gänzlich zu entsage, als auch soviel von dieser Länderey zwischen den Gradirhäußern zum Behuf der Sonnensalz-Fabrication künftig nach und nach erforderlich seyn wird, unentgeltlich zu überlassen.

3.) Anstatt der in den zeitherigen Pacht-Contrackten § 15 und 17 übernommenen und resp. zugesagten Bedingnissen, welche künftig aus den Contrackten ganz weggelassen zu werden verdienen, vielmehr   auszulassen, zu Erleichterung und Sicherung der Berg- und Formkohlen Anfuhr von Mertendorf, seine Pachtzeit über drey Paar Pferde zu halten, und hiervon zwey Paar gewiß zu diesen Fuhren gegen das Fuhrlohn so den übrigen Fuhrleuten wird ausgesetzt werden, so oft und so lanmge anzustellen, als es nach Maasgabe der Vorräthe in Mertendorf, oder des Bedürfnisses in Kösen, oder der Beschaffenheit des Weges und der Witterung, von Seitend er Saline thunlich wird gefunden werden.

4.) Die nach gnädigsten Befehl vom vom 8ten August 1775 den Salz-Arbeitern untersagten so genannten Pfingst-Biere, seine Pachtjahre über gänzlich zu unterlassen.

5.) Der Nutzung des kleinen Wohnhaußes neben dem Brauhauße, welches bisher an den Gasthof-Pachter aus der Absicht, daß in demselben der jedesmahlige Braumeister seine Wohnung haben könne, geschlagen, aber zu dieser Absicht seit längstens nicht benutzt worden ist, für die Zukunft zu entsagen, so daß also dieses Wohnhauß aus dem neuen Pacht-Contrackte ganz heraus gelassen und künftig für die Saline benutzt werden können.

6.) Der nach dem 10ten § des zeitherigen Pacht-Contrackts dem Pächter stipulirten Huthungs-Gerechtigkeit, und dem nach gnädigsten Befehl vom 26.ten August 1799 dafür bestimmten Entschädigungs-Quanto an 5 Thaler jährlich gänzlich zu entsagen.

7.) Sich aber dessen ohngeachtet, dem von Johann Carl Gottlob Hilperten in Kösen laut unterthänigsten Supplic vom 9ten Sept. a. p. Gethane gebot von 610 Thalern zum jährlichen Locario gleich zu setzen und

8.) alle übrigen Bedingungen des bisherigen Contrackts, in so ferne sie nicht durch vorher benannte neuere Bedingungen, eine Abänderung erlitten haben, als geltend für die nächsten 6 Pachtjahre anzunehmen.

 

Was ferner die aus den verpachteten Gasthofs-Feldern zur Sonnensalz-Fabrication entnommene Länderey, und die dafür versprochene Vergütung anlanget, so ist es allerdings gegründet, daß der Pachter derjenigen Länderey, welche zu der gnädigst anbefohlenen Anlage der Sonnensalz-Siederey nach ihrer damaligen Ausdehnung nöthig zu sein schien, vorher einzeln an die Salz-Arbeiter, denen es an diesem Orte gar sehr an Gelegenheit mangelt, die in Jedes Haushaltung unentbehrlichen Erdbirnen und Gemüße zu bauen, in einzelnen Theilen für 56 Thaler jährlich verpachtet gehabt hat. Vermöge des Pacht-Contrackts hatte die Saline kein Recht ein so beträchtliches Stück auf immer ohne Vergütung der dadurch erleidenden Einbuße vom Pachter zu entnehmen, da die in den bisherigen Pacht-Contrackte enthaltenen Bedingungen auf den gegenwärtigen Fall in Betracht, daß das entnommene Feld an 406 Quadrat-Ruthen unter dem Ausdrucke Stückchen nicht zu begreifen ist, unanwendbar schien.

Da man nun aber voraussehen konnte daß der Pachter Seidler um Prolongation des pachtes nachsuchen werde, und daß derselbe bey dieser Gelegenheit die Ansprüche auf Entschädigung wegen des entnommenen Feldes von selbst werde fallen lassen, so trug man von Seiten der Local-Direction um so weniger Bedencken, ihn durch Zuführung der Entschädigung bis zu Austrag der Sache bereitwillig zu machen, das feld zu der Sonnensalz-Fabrications Anlage als bald zu überlassen.

Nun ist aber zu der Anlage das abgetretenen Stück Feld noch nicht ganz nöthig gewesen, sondern es sind einige Theile davon übrig geblieben, und von Seiten der saline für 11 Thaler an die Pachtlustigen verpachtet, und sothane Pachtgelder von Zwey Jahren her bis zur endlichen Ausmittelung der Entschädigung bey der Coctur-Casse verwahrlich beygelegt worden, wir müssen daher E- Chur-Fürstl. Durchl. Höchstweisen Ermessen hierdurch unterthänigst anheim stellen, ob unter vorberührten Umständen die Auslieferung dieses ad dispositum genommenen Betrages von 23 Thalern, zu deren Erhebung der Saline gänzliche Befugnis eigentlich an sich nicht zu haben scheint, an den Pachter Seidler stattfinden solle, oder vermöge des Seidlerschen Oblati dessen unterthänigste Supplication vom 5ten August a. p. an die Coctur verfallen, und daselbst verrechnet werden solle.  

Endlich könnten wir dem Pachter Seidler bezeugen, daß derselbe die ihm verpachteten Felder haußwirthschafftlich bestellt, und in guten tragbaren Zustand gebracht, auch an 6 Stck. Pflaumenbäumen über den bestand des Inventarii, die ihm nach Maasgabe seines damaligen Pacht-Contrackts mit 4 Groschen pro Stück nach Ablauf der Pachtzeit zu vergüten sind, an den Rändern des Feldes angepflanzt, und in guter Pflege erhalten, auch den Gemüß-Garten beym Gasthofe durch Rajolen , und durch Anpflanzung junger Bäume wieder in Stand zu setzen keine Mühe gespart hat, von welchen Anstalten aber freylich der Nutzen erst in den folgenden Jahren eintreten wird.

E. Chur-Fürstl. Durchl. gnädigsten Befehl sind wir in Unterthänigkeit erwartend, ob wir mit dem Pachter Seidler die Prolongation des Pachtes auf obige ohnmaasgebliche Bedingungen unterhandeln sollen, und ob die ad depositum genommenen 23 Thaler an Seidlern zurück, oder an die Coctur-Casse fallen sollen, und verharren in tiefster Ehrfurcht.

E. Chur-Fürstl. Durchl. Unterthänigste, treu,gehorsamste

                                   Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg

                                   Friedrich Wilhelm Heun

                                    Erdmann Friedrich Senff sen.

Artern am 13ten Januar 1802

Trotz der eingeschränkten und harten Pachtbedingungen stimmten die Seidlers dem Vertrag zu. Doch dann verstarben Vater und Sohn und der Witwe Henriette Justine Seidler wurde erlaubt, den Gasthof bis zum Ende der Pacht weiter zu führen. Kurz vor dem Pachtende ehelichte Henriette Justine Johann Samuel Weber und beide beantragten die Prolongation des Vertrages für weitere sechs Jahre. Im Mai 1808 wurde der neue Vertrag vor dem Freyburger Amtmann Carl Wilhelm Slevogt abgeschlossen und 1814, bereits zur Zeit des Generalgouvernements, aber diesmal um neun Jahre bis 1823 verlängert.

1815 kam das Amt Pforta zu Preußen, die Saline und damit der Gasthof wurden dem Königlich Preußischen Oberbergamt zu Halle angegliedert.

Das war dann aber auch der Anfang vom Ende des Monopols des Salinengasthofs.        

 

 

Quelle: LHASA MD Rep. A 23 I Nr. 11