Beschreibung der Saline Kösen von 1816

Die Beschreibung der Königlich-Preußischen  Herzoglich-Saechsischen

 Saline zu Koesen bey Naumburg an der Saale

In den Gebieten, die Sachsen entsprechend dem Wiener Friedensvertrag von 1815 an Preußen abtrat, lagen auch die drei sächsischen Staatssalinen. Diese kamen zum Königlich-Preußischen Oberbergamt für den Niedersächsisch-Thüringischen Kreis mit Sitz in Halle, die  sächsische Salinenverwaltung in Weißenfels wurde aufgelöst.

Um sich überhaupt erst einen Überblick über die Werke, die Produktionsabläufe und die Vertriebswege zu verschaffen, veranlaßte das OBA eine detaillierte Beschreibung aller relevanten Einrichtungen und Vorgänge.

Diese Aufgabe oblag den in preußische Dienste übernommenen Beamten, dem „Factor“ Erdmann Friedrich Senff jun. und dem „Conducteur“ Gottlieb Colditz, die hierzu eine detaillierte Beschreibungen und etliche Zeichnungen anfertigten.

Diese widerspiegeln den Stand der Technik und der Produktion, im Ergebnis der 1773 begonnenen  Reorganisation der kursächsischen Staatssalinen. Dazu gehörten die Entdachung der Gradierhäuser, die Einführung von Siedesolereservoiren mit Tafelgradierung, die versuchsweise  Erprobung der Sonnensalzfabrikation, die durchgehende Umstellung der Siedeherde auf Erdkohle, die Einführung der Hordentrocknung und der Ascheversiedung sowie die Verbesserung der Fördertechnik.

(Quellen: LHASA MD Rep. F 4, XIII Nr. 1 u. MD Rep. F 38 Risse).

Im Bericht wurden sowohl die bisher geltenden sächsischen als auch die neuen preußischen Maßeinheiten verwendet. Bei der Umrechnung wurde gerundet, so dass Differenzen gegenüber bisherigen Publikationen möglich sind. 

 

Erstes Kapitel

Das allgemeine der Lage der Saline, die Beschaffenheit  der Soolschächte und des Wasserschachts. Deren Dimensionen, Zimmerung und Überbauung. Die durchsunkenen Gebirgslagen. Die betroffenen edlen und wilden Quellen. Die zur Soolförderung und Absonderung der wilden Wasser bestehenden Vorrichtungen.

Die Königl. Preuß. Saline zu Kösen liegt bey vorgedachten Orte auf dem rechten Ufer des Saalestroms 1 ½ Stunden südwestlich von der Stadt Naumburg und 2 Stunden nordöstlich von dem sehr alten Salzwerke Sulza entfernt. Die Saale bildet hier ein ziemlich enges Thal und wird zu beyden Seiten von einer Berg-Kette eingefaßt, deren vorwaltende Gebirgsart der Kalkstein mannigfaltiger Gestalt ist.

Dieses Salzwerk ist von dem Bergrath Borlach, welchen auch die beyden übrigen sächs. Salzwerke Artern und Dürrenberg ihren Ursprung verdanken, zu Anfang des vorigen jahrhuderts begründet worden, und hat 2 Soolschächte, welche an Tiefe, wenn man man den Dürrenberger Soolschacht ausnimmt so viel mir bekannt ist, wohl kein Soolschacht einer andern auswärtigen Saline gleich kommen möchte.

Merkwürdig ist übrigens die Geschichte der hiesigen Schchte so wohl, als des Dürrenberger Soolschachts auch besonders in Hinsicht der in damaliger zeit noch nicht aufgestellten Meinung, welche Borlach über den Schoß der Soolquellen aus seinen Beobachtungen der Flötzgebirge vielleicht zuallererst abstrahirte und bey Aufsuchung der Soolquellen allhier, so wie späterhin in Dürrenberg – den Sachverständigen seiner Zeit ein bloßes Wagestück – unter den mißlichsten Umständen mit großer Beharrlichkeit befolgte und durch die bewirkte Erschrotung der Soolquellen als vollkommen richtig bestätigte.

Man ließ sich nehmlich noch zu jener Zeit hauptsächlich nur von dem Vorkommen salziger Pflanzen von Tauben und andern Vögeln, die an salzigen Stellen gern saufen pp. bey Aufsuchen der Soolquellen leiten und begnügte sich dann gewöhnlich mit Schächten von nur geringer Teufe, wenn man die so gefundene Lage Soolquellen, gegen die zufließenden Regenwasser abfaßte.

Die richtige und genauere Kenntniß von der Lage des Salzgebirges unter den übrigen Flötzformationen, erwarb sich Borlach  höchst wahrscheinlich bey der ihm übertragenen Wiederaufrichtung der Wieliczkaer Steinsalzwerke in Pohlen. Er fand sowohl dies, als die Steinsalzlager anderer Länder zwischen Gypslagern die mit Thonschichten untermengt waren. Vor seinen  Augen erzeugt sich hier Soole durch Auflösung des Salzstocks von hinzutretenden Regenwassern, die in dem Innern des Gebirges Soolen-Ansammlungen bildeten, und hin und wieder als Tage-Soolquellen an den Berggehängen der Gegend ausfloßen.

Bey der Kenntniß welche Borlach übrigens sowohl von der sich überall gleich bleibenden Ordnung in den folgenden Flötzformationen aufeinander, als auch von dem weitgehenden Streichen derselben hatte, stand bey ihm die Überzeugung fest, daß alle Soolquellen ursprünglich durch Auflösung von Salzstöcken, ebenso wie jene entstanden und durch Flötzklüfte weit weg von dem Orte der Erzeugung in tiefer gelegenen Gegenden geleitet worden seyn, daß daher die ältere Gypsformation, welche seinen Beobachtungen zufolge die Salzstöcke in sich enthält, in welchen jene Salzauflösungen vor sich gehen, der vorzüglichste Ableiter der Salzsoolen seyn möchte.Dies berechtigte Borlach zu dem Schluße, daß in den älteren Gypsformationen weit reichhaltigere Soole angetroffen werden müßte, als die in den darüber liegenden Formation sich findende sey, und als diejenige welche sich an sehr vielen Orten als Tage-Quellen zeigen, in dem letzten bloß durch zufällige Ableitung in obern Gebirgsschichten von jenen herrühren und nun erstlich noch mit den Wassern dieser Gebirgsschichten vermischt wurde.

Urkundlich mußte Sachsen ehedem sein Salz-Bedürfniß hauptsächlich nur aus dem Auslande ziehen, denn die zwey ohnweit von Lützen liegenden alten gewerkschaftlichen Salzwerke Teuditz und Kötzschau welche nach Charpentier schon im Jahre 1572 angelegt worden seyn sollen, waren zu unbeträchtlich als daß ihr Salzertrag hierbey hätte in Anschlag kommen können.

August der als König von Pohlen schon vorher die ganz darnieder liegenden Salzwerke bey Wieliczka  in Pohlen durch den Bergrath Borlach wieder hatte aufbauen laßen, trug diesen nun auch die Aufsuchung von Salzquellen und Anlegung von Salzwerken in Sachsen, wodurch die nachherige Erbauung der drey Sächs. Salinen Artern, Kösen und Dürrenberg veranlaßt wurde.

Einzig nur allein den Winken welche die Natur Borlachen, den mit großen Verstand begabten Mann über ihre Werkstätten gegeben hatte, folgte dieser bey Aufsuchung der Salzquellen in Sachsen und nach dem er auf verschiednene Stücken dieses Landes mehrer Untersuchungen der Flötzgebirge in Absicht auf das Vorkommen der Gypsformation in selbigen angestellt hatte, auch die Saline zu Artern bereits von ihm angelegt worden war, richtete er sein Augenmerk auf Kösen.

Zwar wurde der Anfang zur Anlegung eines Salzwerkes allhier schon gegen Ende des 17ten Jahrhunderts (an. 1681) von einer gewerkschaftlichen Gesellschaft gemacht, welch in geringer  Entfernung von dem Saalestrome einen Versuchsschacht  auf Soole abteufen ließ, ein Unternehmen welches sehr wahrscheinlich durch die Vergleichung der bey Kösen und Sulza vorkommenden Gebirgsschichten von einem nicht unwißenden Bergmann mag veranlaßt worden seyn. Man hatte aber, nachdem dieser Schacht bis auf  176,7 Rhl. Fuß (55 m)  und wegen der vielen zugehenden Gebirgswasser, gewiß mit nicht geringen Schwierigkeiten und Kostenaufwand abgeteuft worden war, ohne den Zweck erreicht zu haben, dieses Unternehmen bereits im Jahre 1687 wieder aufgegeben.

Der verewigte Borlach faßte nach dem er die Saline Artern begründet hatte, den Entschluß, jene damals schon seit 40 Jahren in Kösen liegen gebliebene Versuchs-Arbeiten wieder fortzusetzen, und als eine vorzügliche Merkwürdigkeit verdient hierbey gedacht zu werden, daß das nehmliche Jahr 1687 in welcher die mehrmals erwähnten gewerkschaftliche Gesellschaft zu Kösen ihr Unternehmen auf Soole völlig aufgegeben hatte, das Geburts-Jahr des großen Borlach seyn mußte.

Zuerst nahm nun Borlach hier den verlaßenen Schacht auf, teufte solchen von Jahre 1728 bis in October 1733 bis auf  792 Rhl. Fuß (245 m) ab, durch die den jüngeren Gyps enthaltende Thonschicht hindurch, bis in den bunten Sandstein, der hier in einer rothen Farbe ist. Aus dieser Sandsteinschicht steigt hier die Soole dieses Schachtes empor.

Während dieser Zeit wurde im Jahr 1731 an einer 643 Fuß (199 m) von vorigen Schacht gegen Südwest und 23 Fuß (7m) höher gelegenen Stelle ein neuer Schacht angefangen, und 514 Fuß (159 m) tief ebenfalls durch die Thon und Gypsschicht bis an den sich auch hier abscheidenden Sandstein abgeteuft, worinnen ao. 1734 abermals die Soole, jedoch in größerer menge und reichhaltigkeit erschrotet worden ist.

Seit dieser Zeit hatte man den ersten Schacht, den alten, den letztern aber den neuen Schacht genannt.

Beym Abteufen dieser Schächte hat man nachfolgende Gebirgslagen durchsunken:

1.) Ein 31,3 Fuß (9,7m) mächtiges Lager von gewöhnlichen Lehm, der in den ersteren 20 Fuß (7,2m)  zum Ziegelbauen tauglich, in den letztern 11,3 Fuß (2,5m) aber schon mit Kalkstein vermengt.

2.) Ein blaulich grauer geschichteter zum Theil weicher Kalkstein, der an der Luft wie Mergel zerfällt und zuweilen mit harten kalkstein  abwechselt. Dieses Lager welches mit einem Winkel von 4° nach Norden fällt, hat eine Mächtigkeit von 162,2 Fuß (50m) und in ihm befinden sich die Zugänge der wilden Waßer.

3.) Eine 88,3 Fuß (27m) mächtige Thonschicht. Diese besteht hier aus vielfarbigen, hauptsächlich braunrothen, mergelartigen Thonschichten, welche sich abwechselnd  zwischen Schichten von grünlich-grauen, sandigen Kalkstein finden. In diesen kommen nun hie und da, etwa in Entfernungen von 6 bis 7 Fuß (2m) voneinander, einige Zoll starke Schichten von blättrigen grünen thönigen Gyps vor. Außerdem finden sich hierinnen mehrere Schichten von grünlich-grauen, braunroth gestreiften Mergel in einer Mächtigkeit von 2 Zoll bis 3 Fuß (0,05-1m).

4.) Den Gyps in seinen mannigfaltigen Veränderungen, der hin und wieder mit braunrothen, erdartigen Mergelschichten vermengt ist. Zwischen mächtigen Bänken von grauen schiefrigen mehr oder weniger verhärteten Mergel, wechseln theils Schichten in einer bis auf 1 Lachter (2m) und darüber gehenden Mächtigkeit, von einer festen grünen thonigen scheinenden Gypsmaße, in welcher sternförmige dunkelgraue Gypskristalle inneliegen, theils Schichten von grauen, blättrigen, von weißen, braunen  und gradfasrigen, und weißen und braunrothen dichten Gypse auch Braunglas miteinander ab.

Von dieser Beschaffenheit  ist das Gestein, bis auf den Stollen, welcher mit seinen Krümmen 774 Fuß (240m) lang, und beyde Schächte miteinander zu verbinden, theils um noch mehr Salzquellen aufzudecken, getrieben worden ist. Die Sohle dieses Stollens welcher in der Hälfte seiner Länge einen Rücken hat, wodurch beyde Stollemmündungen  in ihre correspondirenden Schächte genugsames Gefälle bekommen, befindet sich schon zum Theil in jener Bank des bunten Sandsteins, und in der That entspringen auch in diesen Stollen noch verschiedene Quellen und zwar gerade die wichtigern hiesiger Saline.

Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen dürfte es nicht unschicklich seyn, um zur übrigen Beschreibung  der Soolschächte selbst überzugehen, und den Dimensionen, Zimmerung und Überbauung derselben, so wie auch der Vorrichtungen zu gedenken, welche getroffen worden sind, die wilden von den edlen Quellen zu sondern, und beydes nebeneinander heraus zu fördern.

a.) Der ältere Soolschacht

Dieser Soolschacht, welcher vom obersten Joche an bis zu Sumpfe gerechnet überhaupt 520,6 Fuß (161m) tief ist, hat oben am Tage eine Weite von 12,6 Fuß (3,9m) und eine Breite von 10,3 Fuß (3,2m). In diesem Maße geht es fort, bis zu einer Tiefe von 81,9 Fuß (25,3m) wo er sich alsdann enger zusammenzieht und eine weite und Breite von 8,1 Fuß (2,5m) ins Gevierte bekommt, welche sich von hier bis zu Sumpfe vollkommen gleich bleibt. Der Andrang der süßen oder wilden Wasserquellen, welche wie oben gedacht wurde, sich in den 119,7 Fuß (37m) mächtigen Kalksteinlagen befinden, und früher schon den gewerkschaftlichen Bau dieses Schachts zum Erliegen brachten, bewogen den verewigten Borlach diese so starken Wasserzugänge durch eine besondere wasserdichte Fassung zurückzuhalten, und dadurch die eigentlichen edlern Salzquellen dieses Schachts gegen die durch jene Wasserzugänge sonst augenfällig eintretende Verschlechterung zu sichern. So viel wie bekannt ist, hatte man vor Borlachs Zeiten sich solcher Hilfsmittel in den Soolbrunnen noch nicht bedient, und mit Recht verdient es daher hier bemerkt zu werden, daß Borlach durch die von ihm also zuerst aufgestellte, so zweckdienliche Vorrichtung vermittelst  wasserdichter Fassung die in der Tiefe des Schachts betroffenen edlern Salzquellen von ihren Verderben zu schützen, ein helleres Licht in der Soolschacht-Baukunst angezündet, und in der Geschichte der letztern offenbar eine ganz neue Periode eröffnet hat.

Als in dem Schachte allhier die wilden Waßer vom 15ten September 1731 völlig waren aufgegangen gewesen, nahmen sie ihr festes Niveau auf den 8ten Lachter (16m) der Schachtteufe. Ihre Quantität richtete sich nach der Beschaffenheit der Witterung. Indessen betrug sie circa  5,724 Cub.-Fuß (176 Liter) in einer Minute. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde die wasserdichte Fassung dieses Schachts durch den damaligen Baumeister Schröter (ein würdiger Schüler Borlachs) einer Hauptreparatur unterworfen, und so glücklich hergestellt, daß jetzt sich nur äußerst wenig Schwitzwasser (ohngefähr 1,696 Cub.-Fuß (52 l) pro 1 Minute ergeben, welche durch ein ganz unten am Ende der wasserdichten Fassung  ringsherum angebrachtes Traufgerinne aufgefangen, in einen Trog geleitet und durch ein besonderes Pumpenzeug neben der Soole zugleich herausgefördert werden.

Zu diesen Behuf stehen im nur gedachten Schachte 4 Pumpen, jede 25,24 Fuß (7,8m) lang und 10 Zoll (26cm) weit, übereinander, welche das wilde Wasser bis auf ersten Trog vom Tage herein gerechnet, herauf heben, von wo es durch eine aus diesem Schachte herausgetriebene Rösche abgeleitet wird, und in den nahe vorbeifließenden Kunstgraben hereinfällt.

b.) der neue Soolschacht

Der neuer Soolschacht, welcher eine Tiefe von 557,1 Fuß (173m) hat, ist oben am Tage 11,775 Fuß (3,6m) breit und 9,975 Fuß (3,1m) weit. Diese Ausdehnung behält er bis zu einer Teufe von 108,9 Fuß (34m), wo er sich auf  81 Fuß (2,5) ins Gevierte zusammen ziehet, und in diesen Maaße unverändert bis zu Sumpfe fortgehet. Vom Tage herein bis zu einer Teufe von 126 Fuß (39m) ist dieser neuere Schacht ebenfalls wie der ältere mit einer wasserdichten Fassung versehen, und von da bis zu Sumpfe stehet die Zimmerung in ganzen Schrot.

Auch hier wurde von dem Baumeister Schröter die wasserdichte Fassung auf eine sehr solide Art wieder erneuert,und so hergestellt, daß die hier und da noch durchschwitzenden Wasser beinahe gar nicht bemerklich sind, indem solche in 1 Minute kaum 0,233 Cub.-Fuß (7 l) betragen. Da diese unbedeutende  Wassermenge den Gehalt der Soole dieses Schachts nicht bemerkbar herunter setzt, so gehen diese Schwitzwasser mit unter die Soole, und ihrer Förderung halber wird die Maschinerie mit einen besonderen Pumpenzeug nicht belästigt.

Aus den vorbeschriebenen Soolschächten wird die in selbigen quellende Soole mittelst Saugwerken, welche in Sätzen vom Sumpfe herauf bis an Tag übereinander stehen, heraus gefördert. Diesem nach stehen:

a.) in den ältern Soolschacht

bis zu Sumpfe desselben 20 Pumpensätze von welchen jeder 25,28 Fuß (7,8m) ist und in einen 10 Zoll (26cm) weiten kupfernen Kolbenstiefel 2,85 Fuß (0,9m) Hub hatte. Um die Sooltröge zu diesen Pumpenwerke, zu dessen Betriebe 4 Kunststangen von Tage herein  bis auf den Grund treiben, hinstellen und zu den andern Theilen eines jeden Pumpensatzes z. B. zu den Pumpenventil um den Wechsel des Kielstücks gelangen, auch überhaupt die Fahrung von Troge zu Troge sicher einbringen zu können, sind in diesen Schachte für jeden Pumpensatz drey Bühnen in die Zimmerung eingezapfet, so daß auf der erstern derselben der Trog stehet, in welchen die Pumpe bey ihren Anheben die Soole ausgießet, woher solche auch Trog-Bühne genannt wird. Ungefähr 9 Fuß (2,8m) tiefer stehet jedesmal die Spund-Bühne von welcher man zu dem Pumpen-Ventil gelangen kann. Endlich folgt in einer Tiefe  von 6,3 (1,9m) Fuß die Wechsel-Bühne auf welcher man denjenigen Stellen des Pumpensatzes beykommen kann, wo das untere Stück der Saugröhre oder das sogenannte Kielstück in die obere Hälfte der Saugröhre eingelaßen ist.  Von hier herab bis auf die Trogbühne des folgenden Pumpensatzes  sind noch 9,9 Fuß (3m) Höhe, so daß mithin die Länge  der ganzen Saugröhre  von unten bis herauf zum Pumpen-Ventil im Durchschnitt  17,1 Fuß (5,3m) beträgt. Von einer Trogbühne zur andern ist allezeit eine Fahrt von 25,2 Fuß (7,8m) befestigt, auf welcher man zu jeden Troge, und von der Fahrt seitwärts ab, auf jede der übrigen zu den Pumpensätzen gehörigen Bühnen gelangen kann. Die Fahrung in diesen Schachte ist an der mittäglichen Wand derselben angebracht, um auf der entgegengesetzten nördlichen Seite von oben herein bis zu Sumpfe freien Spielraum zu behalten, in welchen bey vorfallenden Bauten die nöthigen Materialien und Kunstgezeugstheile herein gelaßen und heraus gezogen werden können. Nach diesen beyden verschiendenen Zwecken wird dieser Schacht daher auch in zwey Abtheilungen getheilt, deren eine wo die Fahrung liegt, der Fahrschacht die andre Abtheilung aber, wo die Bergkübel (.) an einem Kummetbaum-Seil auf und nieder gehen müssen, der Ziehschacht genannt wird. Unmittelbar über dem Schachte, und zwar zu der einen Hälfte noch im Schachte selbst, zur andern Hälfte aber am Tage, sind 4 starke über den Schacht weg liegende und mit der längern Seite derselben parallel laufenden Straßbäumen zwey große Kunstkreuze eingehänget, deren vertikal stehende Arme  mit den von den Kunstrade herauf schiebenden doppelten Feldgestänge in Verbindung stehen, wodurch diese beyden Kunstkreuze wie Balaneiro hin und her beweget, und hierdurch die an den zwey Endpunkten der horizontalen Arme   eines jeden der vorbemerkten Kreutze hängenden und bis zu Sumpfe des Schachts reichenden beyden Kunststangen auf und nieder geschoben werden.

Dieselben Vorrichtungen des Kunstgezeuges und der Pumpensätze, so wie der Fahrung finden auch in dem

b.) neuen Schachte

statt. Dieser Schacht liegt gegen den ältern auf einen höhern Punkte, und ist an sich selbst mehrere Ellen tiefer. Daher stehen in selbigen von Tage herein bis zu Sumpfe auch 22 Pumpensätze, welche bis auf den untersten Satz, der nur 17,25 Fuß (7m) tief ist, insgesamt eine Höhe von 25,24 Fuß (7,8m) haben.

Der Wasserschacht

Die frühern sehr unangenehmen Erfahrungen des so mächtigen Andrangs der wilden Wasser-Quellen, in der Kalksteinschicht welche wie schon oben gedacht worden, im Jahre 1687 das salzgewerkschaftliche Unternehmen auf Soole bereits gänzlich vernichtet hatten, und auch späterhin dem verewigten Bergrath Borlach bey der von ihm unternommenen Abteufung der hiesigen Soolschächte wohl nicht wenig Hindernisse entgegengestellt haben mögen, in Jahr 1783 der Baumeister Schröter auf den sinnreichen Einfall, in einer Entfernung von 108 Fuß (33,5m) nordwestlich vom neuen Schachte noch einen dritten Schacht bis auf 88,5 Fuß (27,4m) abzuteufen. Er glaubte durch solchen die in den Gebirgslagen auf beyde Soolschächte hinfallenden Wasser gleichsam abzufangen, und aufzunehmen, mithin hierdurch den Zudrang der wilden Wasser-Quellen zu den Soolschächten vielleicht gänzlich abzuhalten, oder wenigstens doch sehr zu vermindern.

Dieser Schacht welcher seines Zweckes wegen der Wasserschacht genannt wird, ist überhaupt 88,5 Fuß (27,4m) tief. Vom Tage herein bis auf eine Teufe von 80 Fuß (24,8m) behält er eine weite von 10,8 Fuß (3,3m) ins Geviert. Von da bis vollends zu Sumpfe verengt er sich aber bis auf 9,5 Fuß (2,9m) ins Gevierte. Die Zimmerung dieses Schachts steht durchaus im ganzen Schrot. In einer Teufe von 27,34 Fuß (8,5m) vom Tage herein ist von diesen Schachte eine Rösche durch den berg abwärts  nach der Saale getrieben, um das bis hierher geförderte Wasser dadurch abfließnen zu lassen. Übrigens sind die Joche der Zimmerung oberhalb der Rösche, wo das Wasser nicht mehr abgehen kann, mit Teer und Pech bestrichen worden, um solche besser vor der sonst entstehenden Fäulniß zu schützen.

Dieser Wasser-Schacht liegt so, daß das doppelte Feld-Gestänge, welches von den Kunstrade nach den neuen Schachte hinschiebt, gerade über selbigen weggehet, und zwey Kunstkreuze  in Bewegung setzt, welche unmittelbar über diesen Schachte hängen. Hierdurch wurden 4 Kunststangen auf und nieder bewegt, an welchen 3 Pumpensätze mit 10 Zoll (26cm) weiten Kolbenstiefeln hängen und in den Maaße betrieben werden, das ganz zu Sumpfe ein Satz mit 1 Pumpe stehet, worauf zwey Sätze übereinander jeder mit 5 Pumpen folgen, welche das in diesem Schachte sich sammelnde Wasser bis herauf in die Rösche fördern, von wo es  alsdann ab in die Saale fließet. Von diesen letztern Pumpensatze an hebt die Kunst in einer zehnzölligen Pumpe nur noch einen Theil Wasser bis unter die Kreuze in einen Trog von wo solches durch die letzte Pumpe vollends heraus und noch 14 Fuß (4,4m) über die Oberfläche des Wasserschachts in die Höhe gehoben wird, wodurch es genugsames Gefälle bekommt und durch Röhrenleitungen  auf das Salzwerk und in den Gasthof zu ökonomischen Gebrauche vertheilt zu werden. Bey der mittlern Temperatur hatte das in diesem Schacht quellende Wasser ein spezifisches Gewicht von 1,005 und es ergeben sich in 1 Minute 5,46 Cub.-Fuß (169 l) desselben.

Um die Soole aus den beyden Schächten in die unter den ersten Gradierfalle allhier befindlichen Quellsoolen-Reservoirs zu bringen, wird solche auf den ältern Schachte in den über letztern erbauten Thurmgebäude, durch 4 übereinander stehende 10 Zoll (26cm) weiten Pumpen 90 Fuß (28m) in die Höhe  gehoben. Diese 4 Pumpen werden  durch eine Kunststange in Bewegung gesetzt, welche an ihren untern Ende mit dem Schacht-Kreuz in Verbindung stehet, und nun in den ganzen Thurm-Gebäude bis unter den Hut auf und nieder schiebt.  Ebenso wird  die Soole des neuern Schachts in  den über  letztern erbauten Thurmgebäude mittelst 3 übereinander stehenden zehnzölligen Pumpen 63 Fuß (19,5m) hoch über die Oberfläche des Schachts gehoben. Von beyden Höhen-Punkten fällt nun die Soole in Fallröhren herunter bis 2 Fuß (62 cm) unter die Oberfläche   der Erde, und erlanget durch jenes Fallen Druck genug um in zwey Röhrenleitungen alsdann von selbst in die schon vorhin bemerkten Reservoire zu steigen und abzufließen.

Wie weiter unten erhellen wird, hat der Radius des Kurbelzapfens an den hiesigen Maschinerie-Betrieben der Kunsträder eine Länge von 1,425 Fuß (45 cm) und es ergibt sich hieraus ein Ausschieben des Gestänges von 2,85 Fuß (90 cm). Wenn nun der Durchmesser der in Schächten und Thurmgebäuden stehenden Pumpen 10 Zoll (26 cm) beträgt, so wird mathematisch berechnet, jeder Rade-Umgang und der dadurch bewürkte Pumpenhub ein Soolen-Volumen heraus fördern müssen, welches eine Zylinder gleich ist der 2,85 Fuß (90 cm) zur Höhe und 10 Zoll (26cm) zum Durchmesser hat, und mithin 1,26 Cub.-Fuß (39 l) in sich begriffen wird.

Bey einem mittlern Betriebe der Maschinerie vollenden die Kunsträder in 1 Minute 6 Umgänge, daher würden  von jeden Schachte während 24 Stunden durch 8640 Rad-Umdrehungen 12860,8  Cub.-Fuß (397 m³) und von beyden Schächten zusammen 21784 Cub.-Fuß (673 m³) von Quellsoole herausgefördert werden können. Bey der so bedeutenden Pumpenzahl aber, welche  hier im Spiele erhalten werden muß, und welche sich immer mehr vergrößert, je weiter die Soolschächte selbst gewältiget werden, ist es unmöglich, die (.) Beschaffenheit der Pumpen  durchaus und immerwährend so vollständig zu erhalten, daß die dadurch bewürkte  Sooleförderung den oben aufgestellten  vollkommen gemäß ausfiele und gleich käme. Es kommen daher beim gewöhnlichen mittleren gange des Kunstgezeuges im Durchschnitt auf jede 24 Stunden nur 14660 Cub.-Fuß (453 m³) Sooleförderung für beyde Schächte, wonach also jeder Schacht bey gleichen Pumpen-Durchmesser und Hube in 24 Stunden 7330 Cub.-Fuß Quellsoole auf die Gradierwerke liefert. 

Zweites Capitel

Das Quantum und  der Gehalt der Soolquelle

neben bisher üblicher Angabe-Methode, auch auf Reinländische Cubicfuß und Pro Cent reducirt.

Die in beyden vorbeschriebenen Schächten so wie in den Stollen derselben quellende Soole  ist so wohl in Absicht auf ihre menge als auch ihren Inhalt sehr merklich voneinander verschieden.

Die Quellen des alten Schachts liefern bey ihren Ursprunge unten im Schacht 2,437 Cub.-Fuß (75 l) in 1 Minute. Diese Soole hat nach der hier üblichen Soolspindel (Meßgerät zur Dichtebestimmung), von welcher weiter unten die Rede seyn wird, einen Gehalt von 24 Grad. Dies ist eine Salzauflösung wo gegen 1 Theil Salz, 24 Theile Wasser zu stehen kommen, und mithin 100 tt (Pfund) Soole 4 tt (Pfund) aufgelöste Theile enthalten sind (4 pro Cent). Hingegen ergeben sich aus dem neuen Schachte ganz unten  aus dem Sumpfe desselben  in 1 Minute 6,125 Cub.-Fuß (189 l) Soole von 18 Grad Gehalt (5,26 pro Cent). Dies ist eine Soole wo gegen 1 Theil Salz 18 Theile Wasser zu stehen kommen. Der gesammte Quell-Zufluß in beyden  Schächten beträgt daher in 1 Minute 8,65 Cub.-Fuß (264 l) und die Soole hat einen durchschnittlichen Gehalt von 19 Grad (5 pro Cent).

So merklich geringer aber die Soole im alten Schacht hervor quellet, so wird selbige  doch besser, wenn beide Schächte wieder über die Windungen des Stollens aufgegangen sind  und erscheint nun 21,75 grädig (4,386 pro Cent). Dagegen bleibt der Gehalt des neuen Schachts, sobald  beide Schächte gewöhnlichermaßen gefördert werden, oder sobald aus den ältern Schachte wenigstens die wilden Wasser herausgehen, sich unverändert gleich.

Dieser Umstand erklärt sich aber  als bald, wenn man erwägt, daß die beyden Schächte ganz unten durch einen Stollen miteinander in Verbindung stehen. Da nun wie bereits oben bemerkt wurde, der Quellen-Zufluß des neuen Schachts stärker  und 2,5 mal so stark als der des ältern Schachts ist, auch der Gehalt der erstern um 1 pro Cent  edler ausfällt  als der ältern Schachtsoole , so sind beide Schächte tubicommunicantes zu betrachten, wo sogleich eine herüberströmende Soole des neuen Schachts durch durch den Stollen  in den ältern Schacht eintreten wird, sobald nehmlich die Soole in den neuen Schachte an die Stollen-Mündung herauf wächst, und solche ganz unter Wasser setzt. Man kann daher hieraus folgern, daß die Soole  des neuern Schachts unverändert dieselbe bleiben muß, wie sie den Gebirge entquillt, dahingegen der alte Schacht, sobald  er aufgehet, gegen seinen ursprünglichen Quellsoolengehalt eine reichhaltigere Soole  liefern wird, in dem nehmlich der Natur der Sache  nach gedachte Soole durch denjenigen Soolantheil des neuern Schachts verbessert werden muß, welcher darzu erforderlich seyn wird nach Grundsätzen Hydrostatic durch Herüberströhmen aus den neuern in den ältern Schacht das gleiche Niveau immer wieder herzustellen und zu unterhalten.     

Es lieferte der Schacht in 1 Minute

von der 17ten Pumpe             11 Cub.-Fuß, 1332 Cub.-Zoll (sächs- Maß)                         

von der 16ten Pumpe             11 Cub.-Fuß. 1224 Cub.-Zoll           

von der 15ten Pumpe             11 Cub.-Fuß.   864 Cub.-Zoll           

von der 14ten Pumpe             11 Cub.-Fuß,   576 Cub.-Zoll           

von der 13ten Pumpe             11 Cub.-Fuß,   288 Cub.-Zoll           

von der 12ten Pumpe             10 Cub.-Fuß, 1584 Cub.-Zoll           

von der 11ten Pumpe             10 Cub.-Fuß, 1152 Cub.-Zoll           

von der 10ten Pumpe             10 Cub.-Fuß,  432 Cub.-Zoll            

von der   9ten Pumpe             10 Cub.-Fuß,  180 Cub.-Zoll            

von der   8ten Pumpe              9 Cub.-Fuß, 1404 Cub.-Zoll            

von der   7ten Pumpe              9 Cub.-Fuß, 1152 Cub.-Zoll            

von der   6ten Pumpe              9 Cub.-Fuß,  864  Cub.-Zoll                        

 

Wenn nun der gesammte Quellen-Zufluß in beyden Schächten unten bey ihnen hervorkommenden pro 1 Minute 11,832 Cub.-Fuß beträgt, solcher sich aber bis auf 9,5 Cub.-Fuß vermindert, wenn die Soole die 6te Trogbüne  erreicht hat, so gehet hieraus hervor, daß der ursprüngliche Quellen-Zufluß schon um 1,687 Cub.-Fuß (52 l) in 1 Minute abgenommen hat, wenn die Soolesäule in dem Schachte bis zu einer Höhe von 412,6 Fuß (128 m) herangewachsen ist. Hieraus dürfte sich durch Rechnung derjenige höhere Punkt finden laßen, bis zu welcher eine Aufstauung der Soole auf ihr festes  und endliches Niveau möglich seyn wird.

Ich habe bereits oben angeführt, daß bey einem mittlern Betriebe des Kunstgezeugs, daß ist bey 6maligen Umtrieb der Räder in 1 Minute, in 24 Stunden 14660 Cub.-Fuß (453 m³) Quellsoole aus den Schächten auf die Gradierwerk gefördert werden können. Da diese Sooleförderung den natürlichen Quellen-Zufluß in hiesigen um ein bedeutendes übersteigt, so folgt hieraus, daß bey gewöhnlichen Betriebe der Schächte, der Soolenstand in selbigen nicht auf einen festen Punkte bleiben kann, sondern daß vielmehr der Soolenspiegel in den Schächten abwechselnd bald höher bald tiefer stehen, bey fortgesetzter anhaltender Förderung aber immer mehr abgewältiget werden müße. Wird endlich (welcher Fall jedoch nur äußerst selten einzutreten pflegt) bey fortdauernd günstiger Gradier-Witterung und bey genugsamen Aufschlage-Wasser die Wältigung ununterbrochen fortgesetzt, dann beschränkt sich die Soolen-Förderung der Natur der Sache nach  nur auf dasjenige Quantum, welches die Quellen gleich unten bey ihren Hervorkommen liefern können. Denkt man sich solcher Gestalt eine  ununterbrochenen Sooleförderung während eines ganzen Jahres, so wird sich hieraus das Maximum bestimmen laßen können, bis wie weit die Salzfabrikation bey hiesiger Saline sich wird treiben und  erweitern laßen können.

Es wurden nehmlich obigen zufolge, wenn  in 1 Minute 8,630 Cub.-Fuß (267 l) und allso in 24 Stunden oder 1 Tag 12457,247 Cub.-Fuß (385 m³) Quellsoole in beyden Schächten hervorkommen in 1 Jahr oder 365 Tagen 4546895 Cub.-Fuß (140.5265 m³) Quellsoole in beyden Schächten hervorkommen, in 1 Jahr oder 365 Tagen 4546895 Cub.-Fuß dergleichen überhaupt auf die Gradierwerke gefördert werden können.

Es ist nun noch übrig, über die Bestandtheile hiesiger Soole dasjenige anzuführen, was darüber   bis jetzt erforscht ist.

Nach den Untersuchungen des verstorbenen Senator Wiegleb aus Langensalze, welcher die hiesige   Soole gegen Ende des vorigen Jahrhunderts chemisch zerlegt hatte, diese Soole bey der mittlern Temperatur 14° Reaumur ein spezifisches Gewicht von 1,006 und 99,882 Pfund dergleichen lieferte:

3 Pfund, 5 Unzen reines Kochsalz - 7 Unzen, 4 Quentchen Selenit (Marienglas CaSO4 + 2H2O) – 3 Quentchen, 40 Gran  Magnesia (Magnesiumcarbonat MgCO3, Magnesiumsulfat MgSO4), theils in Schwefel, theils in Salzsäure aufgelöst

3 Pfund, 13 Unzen, 1 Quentchen, 40 Gran feste Bestandteile.

Nach dieses großen Scheidekünstlers fernern Untersuchungen setzten 100 Pfund natürliche Quellsoole während ihrer Gradierung bis zu einen siedewürdigen Gehalte 4 ½ Unzen Selenit ab, welcher in den Dornreißig der Gradierwerke sich anhänget, und daß Material zu den hier so geschätzten Düngesalze abgibt.

Wenn nun nach genauen Versuchen des Herrn Geheimen Ober-Bergraths Litelweie 1 Cub.-Fuß (30,9 l) reines destilliertes Wasser bey 14° Reaumur 65,9368 Pfund Berlinisches Handelsgewicht  wiegt, so wird  das Gewicht eines  nehmlichen Cub.-Fußes hiesiger Quellsoole 65,9368 x 1,036 Pfund = 68,3105 berlinisches Handelsgewicht betragen, und es werden diesem nach in 1 Jahr oder 365 Tagen 446895 x 68,3105 = 310600670 Pfund Soole aus den Schächten gefördert werden können. Da nun nach Wieglebs Untersuchungen 99,682 Pfund Berlinischen Handelsgewicht obiger Soole  3,301 Pfund reines Kochsalz liefern, so wird in der während eines ganzen Jahres möglicher Sooleförderung, eine Menge von 10285636 Pfund Berl. Handelsgewicht (ca. 5000 t) an reinen Kochsalz enthalten sein.

Drittes Capitel  

Von der  sämmtlichen Maschinerie und den Künsten und deren Zweck

Aus den oben angeführten gehet hervor, daß die hiesigen Soole zwar in nicht unbedeutender  Menge der Erde entquillt, auch sehr gut construirte Schächte vorhanden, und daß jedoch in Absicht auf ihre Quantität  solche keinesweges so gleich von der Quelle weg mit Vortheil versotten werden kann, sondern in dieser Hinsicht sogar unter die geringhaltigen  und überhaupt zu der Klasse derjenigen Soolen gerechnet werden muß, welche vorher erstlich durch Gradirung zu concentriren und veredeln sind, um alsdann  durch wohlfeile Versiedung desto vortheilhafter auf Kochsalz benutzt werden zu können. Waren daher die hiesigen Sollquellen vielleicht zu der Zeit schon aufgedecket worden, wo man die Anwendung der Gradirung auf den Salinen noch nicht kannte, so würde man solche, so große Schwierigkeiten ihre Erschrotung auch immer verursacht haben konnten, doch höchst wahrscheinlich (.) liegen laßen müßen. Da aber zur Zeit der Entdeckung der hiesigen Salzquellen die Gradirung schon bekannt und ziemlich ausgebildet war, so wurden dergleichen Anstalten auch hier erbaut, und in Anwendung gebracht 

Ehe ich jedoch auf die nähere Beschreibung dieses so wesentlichen Hauptbetriebes der hiesigen saline übergehen, halte ich es für nicht unzweckmäßig in diesen Capitel zuförderst der Maschinen und Künste und deren Zweck zu gedenken. Weiterhin wird es alsdann nöthig sein auch den bey hiesiger Saline üblichen Strohwaage  Erwähnung zu thun, und von der Art und Weise zu sprechen , solche mit denen auf andern Salinen gebräuchlichen  Waagen und Bestimmungs-Arten zu vergleichen. Nach dieser dürfte all das deutlicher werden, und endlich über die Gradirung selbst, so wohl in Absicht auf die Anlagen derselben, als auch rücksichtlich der Grundsätze ihrer Betriebsmethoden anzuführen seyn möchte.

Die hiesige Maschinerie welches sich von den Soolkünsten der meisten andern auswärtigen Salinen dadurch auszeichnet und mächtig wird, das sie in sämmtlichen so bedeutend tiefen Schächten von Tage herein bis zu Sumpfe derselben treiben muß, wird durch zwey große unterschlächtige Wasserräder in Bewegung gesetzt, zu deren Umtrieb ein aus dem Saalstrohme abgehender Kunstgraben (deßen weitere Fortsetzung die durch die Landschule Pforte fließende kleine oder alte Saale ist) das erforderliche Aufschlagwasser liefert. Das eine dieser Wasserräder betreibt den ältern Schacht und setzt auch wie weiter unten erhellen wird, die auf den 3ten und 4ten Gradirfalle, so wie in den großen Siedesoole-Reservoir befindlichen Pumpenwerke in Bewegung. Das andere Wasserrad gehört zur Förderung des neuen Soole- wie auch des Wasserschachts, auch wird durch selbiges das zum ersten Gradirfalle gehörige Pumpenwerk betrieben.

Als der verewigte Borlach den von der vormaligen Salzgewerkschaft verlaßenen Soolschacht (den alten Soolschacht) wieder aufnahm, fand er schon ein zum Betriebe des angefangenen Schachts hängendes Kunstrad, welches aber einen kleineren Durchmesser als die nachherigen Wasserräder hatte. Borlach legte daher dieses alte und vermuthlich auch nicht mehr brauchbare Kunstrad auf die Seite, behielt aber das einmal angelegte Grundwerk und Gerinne unverändert bey , und erbaute ein neues Kunstrad, welches 22,425 Fuß (6,95 m) zum Durchmesser  hatte, mit Inbegriff der Ladekränze aber  6,575 Fuß (2 m) weit war. Die an selbigen befindlichen Kurbelzapfen hatten einen Radius von 1,425 Fuß (44 cm). Das jetzt oben erbaute hingehängte neue Kunstrad hat aber  23,4 Fuß (7,25 m) zum Durchmesser , ist ferner weit Inbegriff der Radkränze 6,9 Fuß  (2,1 m) weit und mit 48 Schaufeln versehen. Der Radius der Kurbelzapfen ist jedoch unverändert 1,425 Fuß geblieben. Der gewöhnliche mittlere Wasserstand und Wasserspiegel  bis auf den Fachbaum beträgt 2,7 Fuß (84 cm) Gefälle, und von da an bis unter das Mittel der Radwelle hat das Wasser noch 2,625 Fuß (81 cm) Gefälle. Da sich von hier bis an das Ende des Bohlen-Gerinnes noch 1,575 Fuß  (49 cm) Gefälle findet, welches den Rade zur Zeit nicht zu Gute kommt, so kann dieses Gefälle für die Folge durch mehrere Vertiefungen des jetzigen Gerinnes zum großen Nutzen für den leichteren Umtrieb dieses Rades angewendet  werden, weil man hier am Strohme von dem durch große Wasser etwa entstehenden Stauungen keinen sonderlichen Nachtheil zu befürchten hat, in dem die großen Wasser hier nicht lange und selten über zwey Tage dauern.

Da man überhaupt hier im Sommer, wo der Natur nach doch die bessere Gradirwitterung stattfindet muß, mit Mangel an hinlänglichen Aufschlagewasser zu kämpfen hat, so ist  bey der  Construction des vorgenannten und jetzt erbauten Kunstrades darauf Bedacht genommen worden , theils das stattfindenede und bis jetzt das unbenutzt gelaßene  mehrere Gefälle in der Folge noch zu benutzen, theils auch durch eine schon jetzt angebrachte zweckmäßige Verschaufelung, den Umtrieb dieses rades, dessen Durchmesser sich gegen vorher, vergrößert hat, auch bey sehr niedrigen Wasserstand dem ungeachtet schwunghaft bewirken zu können.

Von diesen oben bemerkten alten Wasserrade gehen zu beyden Seiten von den Kurbelzapfen desselben zwey starke Lenker-Stangen in einer Länge von 12,9 Fuß (4 m) welche mit zwey großen auf  einen besonderen Schwingenstuhl vertical hängenden Hauptschwingen in Verbindung stehe. Durch diese zwey Hauptschwingen wird nun  ein 255,6 Fuß (79,2 m) langes doppeltes Kunstgestänge  mit 10 auf Straßbäumen hängenden Doppelschwingen in Bewegung gesetzt. Dieses Kunstgestänge schiebt bis unmittelbar über den alten Soolschacht, ist mit den vertical hängenden Armen der über nur gedachten Schachte hängenden  Kunstkreuze in Verbindung gesetzt, und treibt solche wie balanciert  hin und her, so daß an 4 an den beyden horizontalen Armen der vorbemerkten Kreuze hängende Kunststangen, welche vom Tage herein bis zu Sumpfe des Schachts reichen, durch das Hin und her bewegen der Kreuze auf und nieder  geschoben werden. Hierdurch werden die sämmtlichen an diesen Kunststangen angehängten  Pumpen des Schachtes in Bewegung  gesetzt, und letztere fördern die Soole und denjenigen  Theil Wassers, welcher wie oben erwähnt worden, durch eine besondere Vorrichtung aufgefangen und in einen Troge gesammelt wird, bis zu Tage heraus. An den äußersten Eckpunkte des horizontalen Arms eines der beyden vorgedachten Schachtkreuze ist ferner durch  einen eisernen Bolzen eine Kunststange eingehängt, welch durch die balancierende Bewegung dieses Kreuzes in den ganzen Thurmgebäude bis unter den Huth desselben auf und nieder schiebt, und die in diesen Gebäude  noch übereinander stehenden 4 Pumpensätze in Bewegung setzt. Hierdurch wird die Soole dieses Schachtes noch 90 Fuß  (27,9 m)  über die Oberfläche desselben gehoben, um von dieser Höhe in eine Fallröhre wieder herabzufallen, und mittelst einer Röhrenleitung unter der Oberfläche der Erde weg bis zu dem unter dem ersten Gradierfall  befindlichen Soole-Reservoir zu steigen und in solches abzufließen.

In den früheren Zeiten hatte es dieses Kunstrad bloß mit der Förderung der Soole bis zu einer Höhe von 65,175 Fuß (20 m) zu thun, von wo solche alsdann in einer Fallröhre herunter fiel und  unmittelbar bis unter das Dach des eines in der Nähe befindlichen Gradirhauses (welches aber  in dem Jahre 1795 abgetragen wurde) in die daselbst befindlichen Gradirkästen stieg, um zum ersten Male durch das Reißig der Gradirwand herunter zu tröpfeln. In die folgenden Gradirfälle wurde die zur Speisung derselben nöthige Soole durch Menschen-Hände  mittelst Handpumpen  in die Höhe gehoben. Späterhin aber wurde die Maschinerie bis zu den Gradirhäußern  selbst ausgedehnt und auf denselben fortgeführt, wodurch nun die zur Speisung  des 3ten sowie des 4ten Gradirfalles nöthige Soole mittelst größern Pumpen gehoben werden konnte. 

Zu dem Ende treibt das von dem Kunstrade heraufschiebende Gestänge eine große und in den untern Raume des alten Schachts auf zwey Straßbäumen hängende Hauptschwinge. Durch das hin und her gehen derselben mit den Kunstgestänge wird ein an den obern Enden der erstern befestigtes  und auf 24 Gabelschwingen  ruhendes einfaches Feldgestänge  ebenfalls hin und her  bewegt, welches auf gerader Ebene in einer Länge von 631,125 Fuß (196 m) bis an das ältere Gradirhaus hinläuft, so dann durch ein am Fuße gedachten Gradirhauses hängendes Kunstkreuz gebrochen wird und mit eine aufrecht stehenden Kunststange  32,55 Fuß (10 m) in die Höhe schiebt.

Das oben auf den Gebälke des Gradirhauses mit dieser herauf schiebenden Kunststange  in Verbindung stehende Kunstkreuz treibt nun auf 10 Schwingen liegendes und über den ganzen 3ten so wie einen Theil des 4ten Gradirfalles weglaufendes einfaches Kunstgestänge  in einer Linie von 376,57 Fuß (117 m). Mit diesen Gestänge sind 6 kleinere Kunstkreuze verbunden, welche alle dazu dienen, durch ihr balancirende Bewegung das Spiel deren daran hängenden Soolpumpen zu betreiben. Zu dem Ende hängt gleich beym Anfange des 3ten Gradirfalles ein solches Kreuz, durch welches 5 Pumpen bewegt werden, um die bereits  durch zwey Gradirfälle gefallene Soole wieder aufzuheben, und den 3ten Gradirfall damit zu speisen. Hierauf folgen zwey Kreuze deren eines eine 10-zöllige (26 cm) das andere  aber zwey 8-zöllige (21 cm) treibt, um wie weiter unten erhellen wird, die siedebare Soole zum Einlaßen für das zweyte Koth in einen auf den obern Gebälke des dritten Gradirfalles ruhenden Soolkasten aufzuheben. Es folgen nun ferner zwey Kreuze, jedes mit zwey 10-zölligen Pumpen, durch welche die Soole zur Speisung des 4ten Gradir- oder Gutfalls aufgehoben wird. Endlich hängt an den äußersten Endes dieses Kunstgestänges noch 1 Kunstkreuz durch welches zwey 10-zöllige Pumpen bewegt werden, welche die Soole aus den unter dem Gutfalle befindlichen Soolen-Bassin heraus, und  in das große Siedesoolen-Reservoir herüber führt.

Noch ist zu gedenken, daß dieses große Siedesoolen-Reservoir von welchen weiter unten noch Erwähnung geschehen wird, so angeleget worden ist, daß deßen mittäglicher Giebel gerade unter  der Directionslinie des oben gedachten vom alten Soolschachte nach den ersten Gradirhauße hinschiebenden  Feld-gestänges sich befindet. Hierdurch werden noch 6 an einer horizontalen Welle hängenden 10-zölligen Pumpen in Bewegung gesetzt, welche gleich an  den Giebel des Soole-Reservoirs in selbigen stehen, und dazu dienen, die daselbst aufbewahrte Soole, so wie solche  in den Kothen gebraucht wird, für die Siedung heraus zu heben.  

Rechnet man nun die sämmtlichen Pumpen zusammen, welche durch das Kunstrad beim alten Soolschacht betrieben werden müßen, so wird sich dies bis auf eine zahl von 48 Stück belaufen, welche  bis auf 3 Stück 7 und 8-zöllige Pumpen alle einen Durchmesser von 10 Zoll haben, und wovon bey guter Gradirwitterung und bey schon  bis zu einer bedeutenden Teufe gewältigten  Sollschachte zum wenigsten 38 Pumpen auf einmal betrieben werden müßen.

Das Kunstrad zum Betriebe des neuen Sool- und des Wasserschachts liegt 138,6 Fuß (43 m) südlich von den vorigen Rade entfernt, und wird von eben denselben Kunstgraben getrieben. Dieses Kunstrad ist ab seinen Gerinne und Grundwerke und Maschinerie bis unmittelbar über den neuen Soolschacht von den verewigten Borlach und zwar der Natur der Sache nach hierher angelegt worden, als der neue Schacht wenigstens bis zu einer bedeutenden Teufe abgeteuft worden seyn konnte. Die Zeit der Erbohrung desselben wird daher auf die Jahre 1730 und 1731 fallen.

Das jetzt zum betrieb des neuen Schachts umtreibende Rad hat einen Durchmesser von 23,4 Fuß (7,25 m) ist mit Einbegriff der Radekränze 6,475 Fuß (2,00 m) weit und hat 28 Schaufeln.

Der mittlere Wasserstand von diesem Rade vom obern Wasserspiegel bis auf  den Fachbaum beträgt 2,7 Fuß (84 cm) von hier aus aber bis unter das Mittel der Radewelle  hat das Wasser ein Gefälle von 2,025 Fuß (63 cm) welches von  da an bis zum Ende des Gerinnes noch um 17 Zoll vermehret wird.

Aus diesem Grunde kann dieses Rad gegen das vorige auch durch eine viel geringere Waßermenge getrieben werden, welches um so passender ist, da, wie weiter unten erhellen wird, von diesem Rade ein große Last überwunden werden muß.

Von den beiden Kurbelzapfen, welche einen Radius von 1,425 Fuß (44 cm) haben, gehen zwey starke Lenker ab, welche in einer Länge von 11,7 Fuß (3,6 m) mit zwey großen Hauptschwingen in Verbindung stehen, die ebenfalls wie bey jenen Kunstrade auf einem besonderen Schwingenstuhle gehänget sind. Diese beiden Hauptschwingen treiben nun ein doppeltes Kunstgestänge, welches zunächst noch über den Wasserschacht hängenden Schachtkreuzen in einer Linie von 429,9 Fuß (133,5 m) hinschiebt und hierdurch 4 Kunststangen auf und nieder bewegt, welche in dem Waßerschacht bis zu Sumpfe desselben reichen, und von welcher  die eine Stange  noch 18 Fuß (5,6 m)  über die Oberfläche des Schachts treibt. In diesen Waßerschachte werden zusammen 13 10zöllige Pumpen gehoben. Von hier gehet dieses doppelte Kunstgestänge  in derselben Maße und Richtung fort, bis zu  den neuen Soolschachte, welcher vom Mittel des Waßerschachts an gerechnet, noch 108 Fuß (33,5 m) entfernt ist. Diesem nach hat das ganze Kunstgestänge von der Hauptschwinge an bis zu dem Mittel der Soolschachtkreuze eine Länge von überhaupt 537,975 Fuß (167 m) und bewegt sich auf 28 Doppelschwingen.

Die Maschinerie zur Förderung der Soole des neuen Schachts ist übrigens auf dieselbe Art eingerichtet wie die des alten Schachtes.  An zwey  großen Schachtkreuzen welche unmittelbar über die Tiefe des Schachts auf starken Straßbäumen hängen, und von vorbemerkten Kunstgestänge bewegt werden, sind 4 Kunststangen angehängt, welche vom Tage  von Tage herein bis auf den Sumpf dieses Schachtes treiben  und in solchen 22 10zöllige Pumpen in Bewegung setzen, wodurch die Soole dieses Schachtes bis zu Tage heraus gefördert wird.

Um diese Soole noch 63 Fuß (19,5 m) hoch über die Oberfläche  des Schachts zu heben, geht von den einen Schachtkreuze eine Kunststange 63 Fuß in den Thurm-Gebäude dieses Schachts in die Höhe, an welcher  noch 3 übereinander  stehende 10zöllige Pumpen angehängt sind, welche die Soole von dem im Schacht befindlichen obersten ersten Troge bis unter den Huth des Thurmes fördern, von wo solche  wie schon obern erwähnt wurde, in einer Fallröhre  herunter fällt, um in das  unter dem ersten Gradirfall befindliche Quellsoolen-Reservoir  zu steigen und abzufließen.

Auch dieses Kunstrad hatte in früherer Zeit bloß die Förderung der Soole bis  zu den bemerkten Höhenpunkte in den Thurm zu bewürken. Als aber  späterhin auf den Rechenberge allhier ein Gradirhaus  erbauet wurde, mußte die Maschinerie bis an und auf selbiges hierauf  ausgedehnt werden, um die in den untern Quellsoolen-Reservoir befindliche Schachtsoole auf das Haus herauf zu heben, und solche alsdann herunter tröpfeln laßen zu können.

Die Fortsetzung dieser Maschinerie  würde bey weiten weniger Schwierigkeiten verursacht haben, wen solche in gerader Linie hätte fortgehen können. Da aber das Gradirhaus auf den Rechenberge von dieser Richtung sehr abwich, so war es nöthig, Maschinerie durch eine Wendedocke zu brechen, und ihr eine solche Richtung zu geben, daß sie nun, wie so gleich erhellen wird, auf oben erwähntes Gradierhaus hinwürken konnte.

Zu dem Ende stehet an den südlichen Giebel des neuen Soolschacht-Gebäudes eine Wendedocke mit  zwey horizontal liegenden  Armen, welche  so gestellt sind, daß, indem  der eine Arm durch eine 24,9 Fuß (7,7 m) lange Stange mit den Schachtkreuze in Verbindung stehet, ein einfaches Feldgestänge an den andern Arm dieser Wendedocke  angeschloßen ist, welche auf 15 Gabelschwingen ruhend in einer Linie von 436,5 Fuß (135 m) nach den vorgenannten Gradirhauße hinschiebt. Hier ist auf zwey Straßbäumen unten im Fuße der Dornenwand ein Kunstkreuz gehänget, deßen verticaler Arm an seinen untern Endpunkte mit vorbemerkten Feldgestänge zusammen geschloßen ist und wodurch 2 Kunststangen, welche mit den horizontalen Arme dieses Kreuzes in Verbindung stehen, an der Gradierwand aufrecht in die Höhe geschoben werden.

In vorigen Zeiten griffen diese beyden Kunststangen in ein auf den obern Gebälk des Gradirhauses hängendes Kunstkreuz, und der vertikal stehende Arm desselben trieb ein Kunstgestänge auf Hängeschwingen liegend in einer Länge von 513 Fuß (159 m) auf den größten Theil des Gradirhauses hin und her. Dieses Kunstgestänge griff in mehrere in verschiedenen Entfernungen  von einander hängende Kunstkreuze ein ein, wodurch 16 Stück 10zöllige Pumpen in Bewegung gesetzt wurden, welche die natürliche Quellsoole in die Höhe hoben, um solche hier hier zum ersten Male durch die Dornen tröpfeln zu laßen. Seit dem Jahre 1809 bis 1811 in welcher Zeit theils noch 10 Bund 135 Fuß (42 m) neue Gradirung an dieses Gradirhaus  angebauet, theils aber auch die Dornenwand der übrigen auf den Rechenberge stehenden Gradirung fast um den dritten Theil noch erhöht wurde, fand in diesen eben beschriebenen Pumpensysteme eine wesentliche Veränderung statt.

Durch die von dem untern Kreuze heraufschiebende Kunststangen, welche eine Länge von 52,2 Fuß (16 m) haben, wird nehmlich jetzt ein großes und starkes Kreuz in Bewegung gesetzt, an welchem 4 große Pumpen von 15zölligen (39 cm) Durchmesser hängen. Diese Pumpen deren Hub weiter unten angegeben  werden wird, haben den Zweck 54 Bund, 709 Fuß (220 m) Gradirung mit Soole zu bespeisen. Wegen der ungemeinen Höhe dieses Gradirhauses ist der obere Theil oder der Ausguß dieser Pumpen 26,025 Fuß (8 m) lang, und wenn bey günstiger Witterung alle 4 Pumpen angehängt werden müßen, so hat die Maschinerie auf jeden Hub eine Soolensäule zu heben, welche  2,1 Fuß (65 cm) hoch ist und 1,125 Fuß (35 cm) zum Durchmesser hat. Die nehmlichen Kunststangen welches vorbemerktes Kunstkreuz in Bewegung setzen, schieben ferner mittelst einer angebrachten Verlängerung noch bis auf eine Höhe von 15,3 Fuß (4,7 m) und heben mit zwey Pumpen von 15 zölligen Durchmesser die Soole noch 14,4 Fuß (4,5 m) über den obern Fußboden des Gradirhauses in einen Trog, aus welchen selbige durch eine freye und offene auf Säulen stehende  Leitung in die auf den 12,6 Fuß (3,9 m) höher gelegenen Stück Gradirung von 20 laufenden Bund, 270 Fuß (84 m) befindlichen Gradierkästen hingelanget.

Was nun der Hub dieser vorbemerkten 6,15zölligen (16 cm) Pumpen anlanget, so ist hierbey noch zu gedenken, daß von den 4 Pumpen, so unmittelbar an den Kunstkreuz hängen, jede einen Hub von 2,1 Fuß (65 cm) hat. Dahingegen haben die beyden obern Pumpen einen Hub von 2,475 Fuß (76 cm) woraus sich weiter unten diejenge Soolemenge berechnen laßen wird, welche welche als Speisesoole auf den 1ten Gradirfall vertheilt werden kann.

Viertes Capitel

Die Soolewaagen Einrichtung, mit Zurückführung auf die entsprechenden Pro-Cente

Der Gehalt der Soole wird auf hiesiger so wie der übrigen beyden Sächsischen Salinen nach einer Soolspindel bestimmt, welche die Theile Wasser anzeigt, die in einer Soole gegen einen Theil Salz enthalten sind. Für die Bestimmung des verschiedenen Gehalt der Soole bedient man sich des Ausdrucks der Gradigkeit . Diese Art der Soolengehalts-Bestimmung weicht von der bey andern auswärtigen Salinen üblichen Aussprache insofern ab, als auf jenen durch die Sool-Spindel die Theile Salz angegeben werden, welche in einer gewißen Menge Soole enthalten enthalten sind, dahingegen bey den Sächsischen Salinen, das Salz die Einheit abgibt, die von verschiedenen Punkten der Skala der Soolspindel  aber die größere oder geringere Zahl der Wassertheile bezeichnet, welche  bey dieser  einen Theil Salz als Auflösungsmittel des letztern sich befindet.

Hieraus ist begreiflich, daß derjenige Soolenpunkt der Soolenspindel, welcher eine ganz gesättigte Salz-Auflösung bedeutet, ganz unten, der Punkt aber durch welchen das Gegentheil , d. h. ein ganz reines oder salzloses Wasser bezeichnet wird, ganz oben an der Spindel sich befinden müße. Je kleiner daher die Zahl der Grade an der Spindel ist, welche durch das  Einsenken der letztern in irgend einer Soole bemerklich wird, desto concentrierter muß eine solche Soole sein, und in dieser Beziehung wird z. B. 3-grädige Soole eine solche Salzauflösung bedeuten, wo gegen 1 Theil Salz 3 Theile Wasser zu stehen kommen, und eine 19-grädige Soole wird eine solche sein, wo gegen 1 Theil Salz 19 Theile Wasser in einer Auflösung sich neben einander befinden.

Von ersterer Soole werden daher 4 Centner derselben 1 Centner Salz, von letzterer aber 20 Centner  dergleichen auch nur 1 Centner Salz liefern.

Ein so eingerichtete Soolespindel spricht also bloß das Wasser an, und weil dieses das allgemeine Auflösungsmittel des Salzes ist, so ist diese Art Soolwaage ohne Ausnahme für alle Salzsoolen anwendbar, da in umgekehrten  Falle, wenn man  auf die Menge des in einer Soole enthaltenen Salzes Rücksicht nehmen will, fast für jede Saline wegen der besondern Eigenthümlichkeiten der Salzsoolen, auch eine besonders eingerichtete Waage haben muß.

Für den Salinen-Beamten sowohl als den gewöhnlichen Salzarbeiter gewährt die auf den sächsischen Salinen üblichen Bestimmungsart eine leichtere Übersicht deßen, was bey der zu bearbeitenden Soole bereits gethan worden, und was noch für Schwierigkeiten zu überwinden sein werden. Denn da die Soolen als Auflösungen zu betrachten sind, welche außer einigen mehr oder weniger beygemischten fremden Salzen das Küchensalz in vorwaltender Menge  enthalten, so ist es auf allen Salinen das vorzüglichste Geschäft des Salzmannes, das Abtreiben des Wassers von der Soole zu bewürkstelligen, um endlich das Salz im trockenen Zustand übrig zu behalten. Bedient man sich hierbey nun der vorbemerkten Soolespindel, so ist man sogleich in möglichster Kürze der Zeit unterrichtet, welcher Fortgang das Wasseraustreibungsgeschäft oder die Wasser-Verdunstung gehabt hat, und man kann leicht beurtheilen, was noch etwa zu thun übrig sein möchte, um der Soole bis auf einen gewissen Stand der Reichhaltigkeit zu concentrieren.     

Auf diese Art den Soolegehalt zu bestimmen verdanken die Sächsischen Salinen ursprünglich ihren erwürdigen Stifter, dem verewigten Bergrath Borlach, obgleich erstlich mehrere Jahre nach deßen Ableben und zwar in den Jahren 1790, 1791 diese Soolwaage von meinen verstorbenen Vater den Bergrath Senff  auf den Salinen Artern, Kösen und Dürrenberg eingeführt wurde, und man sich   auch hier noch der damals üblichen Soolspindeln bedient hatte, vermittelst welcher die Soole nach ihrer Löthigkeit angesprochen und beurtheilt wurde.

Späterhin in den Jahren 1809, 1810 wurden diese  Waage und die damit begründeten Soolen-Gehaltsberechnung durch den Factor Bischoff zu Dürrenberg einer nochmaligen und sorgfältigen Revision unterworfen, wodurch in den frühern, hierüber vorhandenen Tabellen mehreres abgeändert und berichtigt wurde.

Da hierüber ein eigener Aufsatz des Factors Bischoff in den Hilpertschen „Annalen der Physik“ (Neue Folge, Band 5) eingerückt ist, so glaube ich nachfolgend, mich hier beziehen zu dürfen, da er alles erschöpft, was etwa hierüber noch anzuführen sein möchte. Ich begnüge mich daher bloß noch hier zu gedenken, daß alle Angaben welche mittelst dieser Soolwaage gemacht worden, sich auf eine Temperatur  von 15° Reaumur  beziehen, nach welcher auch sämmtliche Soolspindeln eingerichtet sind. Auch laßen sich die nach hiesiger Soolwaage erfolgender Soolengehalts-Bestimmungen sehr leicht auf die bey andern Salinen in dieser Hinsicht üblichen Aussprachen zurück führen, wozu in den oben angeführten Abhandlung ebenfalls mehrere genaue Formeln entwickelt sind.   

Fünftes Capitel

Die Gradir-Anlagen in Ansehung ihrer Länge, Quadratfläche und des Cubischen Inhalts der Dornwände. Die Grundsätze der Betriebs-Methode rücksichtlich der Vertheilung der Soole auf die verschiedenen Fälle bis zur Siede-Gradigkeit.

Die gesammten Sool-Quellen hiesiger Saline sind wie ich bereits oben bemerkt habe, so beschaffen, daß sie in Absicht auf ihren Salz-Gehalt in die Klaße ärmerer und geringhaltigen Soolen gehören. Daher die zugutemachung und Veredelung derselben bis zu einen reichhaltigern und siedewürdigen Grad mittelst der Gradirung, so wie auf den übrigen Sächsischen Salinen, auch hier ihre ihre wesentlich nothwendige Anwendung findend.

Ehe ich indeß auf die speciellere Beschreibung der hier bestehenden Gradir-Anlagen und der Betriebsmethode derselben mich verbreite, glaube ich einige Bemerkungen vorausschicken zu müßen, welche die hiesigen Gradir-Anlagen in Allgemeinen betreffen.

Die unter den hiesigen Gradirhauße befindlichen Sammelkästen waren ursprünglich offen und  unbedeckt, und die Soole tröpfelte durch das über diesen Kästen stehende Dorn-Gerüste unmittelbar herein und sammelte sich in selbigen. Allein der Nachtheil war augenfällig, den für die in gedachten Sammelkästen aufbewahrte gradirter Soole daraus erwächst, das letztere wegen der offenen Beschaffenheit der Kästen nun allen Ungemach der Witterung ausgesetzt war, und durch das Eindringen der athmosphärischen Feuchtigkeit, als des Nebels,Regens und Schnees im Gehalte wiederum ein bedeutendes verringert werden mußte. Denn obgleich zu damaliger Zeit die sämmtlichen Gradirhäußer noch mit Dächern versehen waren, so schützten diese die Soole gegen die Einwürkung der äuern Witterung wenig oder gar nicht, indem der Wind das von den Dächern herabfließende Regenwaßer herein gegen die Dornenwand  trieb, und auf diese Weise den größten Theil des auf die Dachung tropfenden Regens in die Sammelkästen herein leitet.

Um nun dieser so höchst nachtheiligen Unvollkommenheit abzuhelfen und die in den Sammelkästen aufbewahrten Soolen gegen die Einwürkung feuchter und naßer Witterung zu schützen, so wurde von damaligen Baumeister Schröter und meinen Vater eine Vorrichtung angebracht , nach welcher  die untern Soolkästen einen zu beiden Seiten schräg herab gehenden bretternen Verdeck erhalten. Hier tröpfelte nun die Soole aus den Dorn-Gerüste zuerst auf diesen unmittelbar unter selbigen liegenden Verdeck und floß auf letztern allmählig herab in eine Rinne, aus welcher sie durch angebrachte Spundlöcher ab und in den darunter befindlichen Sammelkasten geleitet wurde.                          

Nach den großen Vortheil der der Verwahrung und des Schutzes  der in diesen Kästen befindlichen gradirten Soole gegen die nasse Witterung, war diese Bedeutung auch  noch darzu dienlich, der auf denselben herabfließenden  Soole noch mehr Verdunstungsfläche darzubieten, und es wird weiter unten  noch ersichtlich werden, welche bedeutenden Quadratflächen diese Bedeckung behufs der Verdunstung noch liefert, deren Würkung sich auch dadurch an den Tag leget, das die ganze äußere Oberfläche  dieses verdecks in kurzer zeit mit denjenigen selenitischen Theilen überzogen wird und sich incrustiret, welche die hiesige Soole so häufig mit sich führt.

Als eines andern bemerkenswerthen Umstandes bey hiesiger Gradierung verdient ferner erwähnt zu werden, daß eine der hiesigen Gradirhäuser, welches gegenwärtig einer Länge von 999 Fuß (310 m) hat, schon von den Baumeister Schröter in Absicht auf seine innere Holzverbindung so angeleget worden ist, daß ob es gleich auf einen ziemlich hohen, freyen und dem Winde sehr ausgesetzten Punkte stehet, es doch in sich selbst fest und sicher  verstrebet ist. Schröter war der erste, welcher hierdurch eine Bauart aufbrachte, wodurch nur die bey den Gradirwerken anderer auswärtiger  Salinen  gewöhnlichen und so kostspieligen  Wind-oder Sturmstreben ganz in Wegfall kommen können, und welche seitdem auch auf den Sächsischen Salinen beybehalten wird.

Endlich ist bey den hiesigen Gradiranlagen auch zu bemerken, daß seit den Jahre 1808 die beyden Gradirhäußer allhier bis auf ein Stück von 270 Fuß (84 m) (welches den 4ten Gradir- oder  den Gutfall in sich bezeichnet9 abgedacht  worden sind. Der Vortheil der veränderten Einrichtung, welche sich auf den sächsischen Salinen von meinen verstorbenen Vater herschreibet, und wodurch die Gradirung in Absicht auf ihre weitere Vervollkommnung einen mächtigen Schritt vorwärts gethan hat, ist unverkennbar, und leuchtet gewiß jeden Sachverständigen sogleich in die Augen.

Denn wenn ein so ausgethanes und weitläufiges Dach-Gebäude schon bey seiner ersten Anlage bedeutenden Aufwand und auch bey seiner Unterhaltung fortgesetzt Geldausgaben erfordert, so ist solches für das Gradirhaus und in Absicht auf den Betrieb der Gradierung selbst, durchaus von von gar keinen Nutzen. In gegentheil bewiesen es Theorie und Erfahrung, daß die Verdunstung durch den Schatten,  welchen die Gradirhausdächer  während eines großen Theils der Tageszeit auf die Flächen  der Dornwand  wirft, gar sehr verhindert wird und  viel langsamer  erfolgt, als an den lichtvollen und unbeschatteten Dornwänden der unbedachten Gradirhäuser. Auch kann zu solcher Jahreszeit, wo wegen sehr niedriger Temperatur der Luft (-4° Reaumur) die Tröpfelhähne zufrieren und ungangbar werden. Da die Gradirung viel früher  am Tage wieder in Gang kommt, als dies bey verdeckten Gradirhäusern  möglich ist, wo in solchen  Fällen die Tröpfelhähne  vielleicht Vormittags  nicht gedreht werden  können, anstatt das auf den unbedeckten  Gradirung solches schon möglich wird, sobald die Sonne  nur eine Stunde auf den Hähnen  gewürkt hat. Die Erbauung der Gradirhäuser ohne Dachung ist also wohlfeiler, und die Gradirung auf solchen  wird stets mit größeren Vortheil bewürkt werden können.

Zu Bewürkung der Soolen-Gradirung bey hiesiger Saline finden folgende Anstalten statt.

  I.) das ältere Haus oder das Gradirhaus Nr. I hat:

1167,3 Fuß (362 m) nutzbare Dornenwandlänge,

  24,3 Fuß (7,5 m) Dornwandshöhe,

    9,9 Fuß (3,0 m)  durchschnittliche Stärke oder Dicke der Dornwand.

Daraus ergeben sich

a.) 57378,28 Qu.-Fuß (5.514 m²) Dornwandsfläche zu beyden Seiten der Dornwand mit Inbegriff der Giebel und nach Abzug der Durchgänge.

b.) 282132,43 Cub.-Fuß (8.464 m³)als Cubischer Inhalt des ganzen Dornwandgewebes nach Abzug der Dorngänge.

Die ganze Länge des Hauses mit Hinzurechnung deßen um wieviel an beyden Giebeln des Hauses der Sammelkasten weiter hinaus liegt, beträgt 1174,5 Fuß (364 m).

Die Länge des Verdecks vom Fuße der Dornwand bis zu Rinne welche die ablaufenden Soole aufnimmt und in den Sammelkasten leitet beträgt 11,7 Fuß (3,6 m). Hieraus bildet sich zu beyden Seiten der Dornwand eine Verdunstungsfläche welche 23,4 Fuß (7,2 m) breit und 1167,3 Fuß (362 m) lang ist, und allso nach Abzug der Durchgänge 27331,43 Qu.-Fuß (2605 m²) enthält. Dieses Haus gewährt also überhaupt eine äußere Verdunstungs-Oberfläche von zusammen 84709,72 Qu.-Fuß (8.132 m²) welche dadurch noch bis auf 86818,64 Qu.-Fuß (8.334 m²) vermehret wird, wenn man die Oberfläche der Soole berechnet, welche in den obern Gradierkästen oder Tröpfeltrögen der Luft ausgesetzt ist.

 

  • Das Gradierhaus No. II hat

990 Fuß (307 m) nutzbare Dornwandlänge

 34,8 Fuß (10,8 m) durchschnittliche Dornwandhöhe

 13,27 Fuß (4,1 m) durchschnittliche Stärke der Dornwand

Hieraus ergeben sich nun

a.) 70089 Qu.-Fuß (6.728 m²) Dornwandfläche zu beyden Seiten der Dornwand mit Inbegriff der Giebel und nach Abzug der Durchgänge

b.) 460526,35 Cub.-Fuß (13.815 m³) Cubischen Inhalts des Dornen-Gewebes nach Abzug der Durchgänge.

Die ganze Länge des Hauses mit Hinzurechnung deßen um wieviel auf beyden Giebeln der Sammelkasten weiter hinaus liegt, beträgt 999 Fuß (310 m). Die Länge des Verdecks vom Fuße der Dornenwand bis an  die Rinne welche die gradirte Soole aufnimmt und in den darunter liegenden Sammelkasten leitet beträgt 13,8 Fuß (4,3 m). Hieraus bildet sich zu beyden Seiten der Dornenwand auf den Verdeck  des Sammelkastens  noch eine Verdunstungsfläche welche 990 Fuß (307 m) lang und 27,6 Fuß (8,6 m) breit ist, mithin nach Abzug der Durchgänge  27305 Qu.-Fuß (2.621 m²) enthält.   

Dieses Haus gewährt also überhaupt eine äußere Verdunstungsfläche von zusammen 97394 Qu.-Fuß (9350 m²) welche dadurch noch bis auf 98547 Qu.-Fuß (9460 m²) vermehrt wird, wenn man die Oberfläche der Soolkästen mit in Anschlag bringet, welche  in den obern Gradirkästen  oder Tröpfeltrögen der Würkung der Luft und der Sonne ausgesetzt ist.

III.) Die Bedachung des großen Siedesoolen-Reservoirs

Diese Bedachung welche wegen den in den Reservoirs aufbewahrten siedewürdigen Soole wesentlich nöthig ist, bildet zwey ganz schräg liegende Flächen, auf deren Firsten oder Mittel ein Gradierkaszen mit Tröpfelhähnen hinläuft, von welchen die Soole auf beiden Seiten vertheilet wird,  und hier während den Herunterrinnen auf der Fläche  durch die Wärme  der Sonne und Luft abdunstet. Diese Verdunstung wird dadurch noch mehr befördert, indem die herab träufelnde Soole an  untern Ende der beyden Flächen durch eine  Bordschwelle  aufgehalten wird, sich allda füllet und durch einen Gradirer mit Handschaufel  öfters wird zurück  auf die ganze Dachfläche  angespritzt wird.

Auf solche Weise wird diese Bedachung durch die darüber weg rinnende Soole gegen das äußere sehr bald eintretende Verderben geschützt, und gewährt zugleich eine sehr ansehnliche und nutzbare Verdunstungsfläche. Denn sie ist 324 Fuß (100 m) lang und beyde Seiten zusammen genommen 40,95 Fuß (12,8 m) breit, und bildet mithin eine Verdunstungsfläche von 13316 Fuß (1.278 m²) welche Fläche noch bis auf 13609 Fuß (1.306 m²) sich vergrößert, wenn man die Fläche des auf der Bedachung hinlaufenden Gradirkastens mit in Anschlag bringet.

Hiernach beträgt nun 2157 Fuß (668 m) die ganze Länge sämmtlicher Dornwände und 63733 Qu.-Fuß (6.118 m²) die einseitige Fläche derselben.

Die Dimensionen wonach die Dornwände in 4 Fälle abgetheilet werden, sind gegenwärtig folgende

I.-ter Fall bestehet aus den ganzen Gradirhaus No. II (Rechenberg) und hat 990 Fuß (307 m) nutzbare Dornwandlänge und 98547 Qu.-Fuß (9.460 m²) äußere Verdunstungsfläche,

II.-ter Fall aus einen Theile des Hauses No. I bestehet, hat 577 Fuß (179 m) nutzbar Dornwandlänge, 42844 Qu.-Fuß (4113 m²) äußere Verdunstungsfläche, 

III. Fall aus einem Theile des Hauses No. I bestehet, hat 378 Fuß (117 m) nutzbare Dornwandlänge, und 27999 Qu. Fuß (2687 m²) äußere Verdunstungsfläche, 

  1. Fall aus den Reste des Hauses No. I bestehet, hat 212 Fuß (66 m) nutzbare Dornenlänge und 15974 Qu.-Fuß (1533 m²) äußere Verdunstungsfläche.

Bei dieser Flächenberechnung ist lediglich nur die äußere Fläche in Anschlag gebracht worden. Erwäget man aber, daß in den Dornfaschinen die unzähligen Reiser derselben jedes für sich eine besondere Oberfläche  bildet, so kommt man gewiß sogleich dahin, bey der Dornenwand eine würcksame Verdunstungsfläche  annehmen zu müßen, welche bei weiten und vielmal größer ist, als die oben angegebene Fläche seyn kann, in so ferne man sich bloß auf  die Berechnung der äußeren Seiten beschränkt, daß man sogar einen Fehler begehen würde, wenn man die inneren Flächen des Dornenreisigs nicht in Anschlag bringen und sich  bloß mit den äußern  Fläche des der Dornenwände begnügen  wollte, leuchtet auch um deswillen ein, weil sich  an den innern Reisig der Dornenwände Dornstein ansetzt, welche Erscheinung ohne eine vorhergegangene Verdunstung der Soole nicht gedacht werden kann. 

Will man nun die Quadratflächen genau angeben, welche bey der Soolen.Gradirung als nutzbare Verdunstungsoberfläche zu Gebote gestanden hat, so würde es zuförderst nöthig sein, den gesamten durchschnittlichen Quadratflächeninhalt innerhalb einer Dornfaschine auszumitteln, worau es alsdann leicht sein wird, aus der Summe der in eine Dornwand eingelegten Faschinen, die ganze Fläche überhaupt auszufinden, welche in dieser Dornenwand zur Verdunstung würcksam werden kann. Nach genauen vielfachen Versuchen hat sich ergeben, daß eine gewöhnliche Dornenfaschine von 1,35 Fuß (42 cm) Durchmesser, ca. 5,85 Fuß (1,8 m) Länge eine würcklichen Quadratflächeninhalt von 32 Qu.-Fuß (3 m²) gewähret. Berechnet man nun hiernach die in sämmtlichen Gradierfällen eingelegten Dornenfaschinen, so würde nach  beystehender Tabelle sich der Flächeninhalt ergeben, welcher bey der Gradirung in Anschlag wird gebracht müßen werden.  

Gradierfälle                Faschine         Gradierfläche der Faschine

                                   Stck.                            zu 32,25 Qu.-Fuß                  

  1. Fall                 34380              1108755                                      106.440     
  2. Fall                 13860                446955                                        42.908                                  
  3. Fall                   9072                292572                                        28.087
  4. Fall                   5112                164862                                        15.827

gesamt                        62424              2013174                                      193.262

 

Hier verdient noch bemerckt zu werden, daß ich keinesweges in der Meinung stehe, als seyn die oben aufgeführten Gradierfälle rücksichtlich ihrer Eintheilung dem Zwecke ganz angemessen , indem wegen noch nicht  vollendeten Maschinen-Einrichtungen der erste Gradirfall ebenso wenig zum zweiten Falle in richtigen Verhältnis stehet, als der 3te zum 4ten oder Gutfall.

Es dürfte nun schicklich sein, noch voraus geschickter Beschreibung der gesammten Gradiranlagen die Grundsätze des Gradirens in Anwendung können müßen.

a.) Die Gradirung wird bei hiesiger Saline so lange es die Witterung erlaubt ununterbrochen betrieben. Da aber die Soolquelle sehr geringhaltig ist, folgt von selbst, daß bei eintretender Frostkälte und zwar der Erfahrung zu solchen schon bey einer Temperatur von -3° bis -4° Reaumur (-5° C) die Gradirungwegen des sonst unvermeidlichen Gefrierens der Soole eingestellt werden muß. Nach einen 5jährigen Durchschnitt der Jahre 1811 bis 1815 kommen solche  ungünstige Gradirwitterung wo die Gradirung theils wegen harten Winterfrosts, theils aber auch wegen Nebel, Regen oder Schnee nicht hat betrieben werden können, in hiesiger Gegend auf 1 Jahr 4285 Stunden. Diesen nach bleiben noch 4480 Stunden zur vollständigen oder doch wenigstens mittelmäßigen Betrieb der Gradirung übrig.

b.) Die Speisung der Gradirwerke mit Soole richtet sich nach der mehr oder weniger günstigen Gradirwitterung und den damit verbundenen größern oder geringern Verdunstungsfähigkeit der Luft.

Nach einen 5jährigen Durchschnitt der Jahre 1811 bis 1815 wurden der Gradirung in jeder Minute 7,317 Cub.-Fuß (226 l) an roher Quellsoole zugeführt. Weiter unten wird es sich ergeben, wieviel hiervon nach Maaßgabe der jetzigen Abtheilkung der Gradirfälle auf jeden laufenden Bund von 13,5 Fuß (4,2 m) als Speissoole pro Minute hat aufgegeben werden können.

Wie ich bereits oben erwähnt habe sind auf den Haus Nr. II (Rechenberg) 6 15zöllige Pumpen aufgestellt, welche dazu dienen, die Soole zur Speisung des ersten Gradirfalles (welcher dieses ganze Haus in sich begreift) aus den unter selbigen erbauten Quellsoolen-Reservoir  herauf zu heben. Diese Pumpen heben zufolge ihres Durchmessers und der Höhe  ihres Hubes auf jeden Umgang des Rades  die Summe  von 13 Cub.-Fuß  (403 l) Quellsoole  herauf  und wenn man sich jede Minute einen 6 maligen Umtrieb des Rades annimmt, hieraus hervor, daß mittels dieser Pumpen in jeder Minute 79 Cub. (2418 l) Quellsoole gehoben werden können, wonach auf 1 laufendes Bund Gradirung pro Minute ein Quantum Speisesoole von 1,08 Cub.-Fuß (33 l) aufgegeben werden kann.

Aus der ansehnlichen Verdunstungsfläche, welche sich auf hiesiger Gradirung ergibt, wird es ersichtlich daß auch hier das große Problem bey den Betriebe der Gradirung noch zu lösen ist, nehmlich die auf selbiger befindliche Oberfläche durch hinlängliche  und vollständige Benetzung mit Soole auch würcklich zu nutzen.  Es ist sogar anzunehmen, daß gegenwärtig kaum die Hälfte dieser Fläche  würcksam ist und wegen der  noch unvollkommenen Tröpfelanstalten gebraucht werden kann . Nach der Erfahrung der letzten 5 Jahre  von 1811 bis mit dem Jahre 1815 ist hier jährlich  in 4480 Stunden theils ganz vollständige, theils nur mittelmäßigen Gradirwitterung ein Quantum von 45516 Stücken (54.600 Ztr.) in siedewürdiger Soole erlangt worden.

Die Soole heirzu wurde von den gewöhnlichen Quellsoolengehalt von 4,99 % bis zu einem gehalte von 18,75 % veredelt, und solches durch 4 Gradirfälle bewürckt, von welchen jedoch bey guter und günstiger Gradirwitterung der 3te und 4te Fall der Gutfall zusammen geschlagen wurden, weil alsdann 4 Fälle nicht nötig waren.

Aus folgenden Tabellen wird es ersichtlich werden, wie die Veredelung der Soole von dem einen zum andern Gradirfalle bewürckt worden ist und Wassermengen jeder Gradirfall verdunstet hat.

Quellsoole wurde veredelt von           4,992 %

durch den I. Fall bis auf                     7,989 %

durch den II. Fall bis auf                   11,77 %

durch den III. Fall bis auf                  16,00 %

durch den IV. Fall bis auf                   18,75 %

(...)

Noch ist hierbey zu gedenken, daß der Gutfall allhier um deßwillen so unverhältnißmäßig in Rücksicht der Verdunstung von den übrigen Gradirfällen abweicht, weil durch mehrere in der Nähe deßselben stehende Gebäude die Luft verhindert wird, vortheilhaft auf ihn zu würcken.

Übrigens ist das erstere oder ältere Gradirhaus so eingerichtet, daß die Soole auf selbigen in hinlänglicher Menge aufgegeben werden kann. Von wegen der  von Natur tiefern Lage dieses Hauses hat man in vorigen Zeiten schon diesen Umstand benutzt, die auf der viel höher gelegenen ersten Gradirfall sich sammelnde einmal gradirte Soole durch zwey geräumige 3-4 Zoll (10 cm)   weite Röhrenleitungen abzuleiten, und solche auf den zweiten Gradirfall von selbst hinazufsteigen und in die obern Gradirkästen daselbst abfließen zu laßen. Von dieser Leitung sind auch deßwillen 2 Linien angelegt worden, damit wenn eine von beyden schafhaft ist, man solche ohne den Betrieb der Gradirung unterbrechen und stöhren zu müßen, ausbessern und repariren können, indem unterdeßen in der andern Leitung die Soole herunter gehet. 

Wenn schon der 3te Gradirfall durch Pumpen mit den benöthigten Speisesoole beleget werden muß, so fehlet es auch hier  nicht an Soole, indem, wie ich schon oben angeführet habe, zu diesem behuf 5 Pumpen aufgestellt sind, welche nach Maaßgabe  ihres Durchmessers und Hubes mit jeden Rade-Umgange 2,6 Cub.-Fuß (80 l) und also bey einen 6 maligen Umtrieb des Rades in einer Minute 15,6 Cub.-Fuß (480 l) auf jedes laufende Bund  Gradierung pro 1 Minute 0,55 Cub.-Fuß (17 l) als Speisesoole aufgegeben werden können.

Ebenso verhält es sich auch mit dem 4ten Gradir- oder Gutfall. Zu deßen Besetzung mit Soole sind 4 Pumpen an die Maschine angeschloßen, welche nach Maaßgabe ihres Durchmeßers und Hubes  bey einem 6maligen Umtrieb des  Kunstrades in 1 Minute  … Cub.-Fuß Soole in die Höhe heben und aufgegebn können. Hiernach kommt auf den 4ten Gradirfall in einer Minute … Cub.-Fuß Speisesoole, auf jedes  laufende Bund  Gradirung.

Eine besondere Soolemeßung ist zur zeit auf  den verschiedenen  Gradirfällen noch nicht vorgerichtet. Die tägliche  sorgfältige  Aufsicht läßt jeden  an den Pumpen etwa sich  findenden Mangel sogleich  bemercken. Indeßen ist auf jeden Schachte ein Cubicir-Maaß vorhanden, um zu jedem Augenblicke wißen und untersuchen zu können, ob die Soole aus den Schachte in gehöriger Ordnung und Menge gefördert wird, und ob die Pumpen stets in denjenigen vollkommenen Zustande sich befinden, daß die Pumpenhübe möglichst vollständig erfolgen können.         

Der Verlust an Soole welcher sich bey der Gradirung unvermeidlich ergeben muß, zu eruiren ist daher zwar keine  genaue und bestimmte Verrichtung hier vorhanden, indeßen haben  ich doch während einiger Jahre  durch sorgfältiges Meßen und Cubiren des Soolen-Resevoirs und durch fortgesetzte  Beobachtung und Berechnung gefunden, daß der Verlust an Soole 9 %nicht übersteigen werde. Jedoch dürften solche jetzt beträchtlicher ausfallen als damals, weil das Reservoir unter den zweiten Gradirfall, welche schon eine Soole enthält, so bis auf 11,8 % veredelt ist, wegen Alters (wahrscheinlich ist dieser Sammelkasten über 80 Jahre alt) nicht mehr so dicht ist, und daher viel Soole verlecken läßt. Ich habe mich deswegen noch genöthigt gefunden, auf Erbauung eines neuen Gradirhauses ohnmaßgeblich gehorsamst anzutragen. Bis dahin wird man den bey der Gradirung stattfindenden Soolenverlust wohl mit 14 -15 % annehmen müßen. Übrigens ist hier noch auf jeden Schacht ein Zeigerwerk angebracht, welches mit den hin und her schiebenden Gestänge in Verbindung steht und auf diese Art die Rade-Umgänge bemerkt, welches behufs der würcklichen Soolenförderung gemacht worden sind. Diese Einrichtung verbunden mit fleißiger Revision halten  das ganze Soolenförderungsgeschäft im Ganzen genommen, so im Gange, daß wenigstens nie ein bedeutender Schaden oder Verlust entstehen kann.

Um die zu Gute gradirte Soole in den zu diesen Behufe erbauten großen Soolen-Behälter  bringen zu können, stehen in den Reservoir  unter dem Gutfall 2 10zöllige  Pumpen, welche  nach Maaßgaben ihres Durchmessers und Hubes in 1 Minute … Cub.-Fuß Soole soweit  in die Höhe heben können, daß solche  in nur gedachten großen Siedesoolenbehälter  hinüber geleitet  wird und dahin abfließet. Außerdem ist noch eine Röhrenleitung angelegt, durch welche vom Boden des Gutfalls-Reservoirs die gut und siedewürdig gradirte Soole abenfalls ablaufen und in das große Siedesoolen-Reservoir herüber fließen kann.   

Sechstes Kapitel

Von den Soolen-Behältern und deren Bestimmung, auch wie viel Siede-Salz jedes hiernach in der Soole enthalten könne

Die Soolenbehälter bey hiesiger Saline theilen sich in 3 Abtheilungen ein und zwar in Behälter für die natürliche Quellsoole, für die bereits 1, 2 und 3 mal gradirte Soole und für die völlig siedewürdig gradirte Soole.

Wenn schon die hiesigen Soolschächte wegen ihrer so beachtlichen Tiefe und wegen des ganz unten zu Sumpfe angebrachten Stollens oder Durchschlages um füglichsten selbst das Reservoir  für die Quellsoolen abgeben können , auch solches in vorigen Zeiten würcklich der Fall gewesen ist, sonst jedoch  nach der späterhin erfolgten Veränderung der Gradiranstalten auch außer den Schächten ein solches Quellsoolen-Reservoir aus folgenden Gründen zu erbauen nothwendig gewesen:

A.) Da die Soole aus den Schächten nicht so hoch gehoben werden kann, um alsdann  von selbst auf den auf den hiesigen Rechenberge gelegenen erstern Gradirfalle  hinauf zu steigen und dort abzufließen, so mußte ein solcher Soolenbehälter unter den ersten Gradirfall selbst angebracht werden um aus solchen die Soole durch Pumpen auf das Gradirhaus vollends hinauf heben zu können.

B.) In diesen behuf war aber ein bedeutender Behälter nöthig, weil bey günstiger Witterung bey weiten mehr Soole zur Speisung des ersten Gradirfalles erforderlich ist, als aus den Schächten in gleichen Zeitraum heraus gefördert  und zugeführte werden kann. Es würde sogar höchst zweckdienlich seyn, in der Nähe des ersten Gradirfalles noch ein Reservoir in der Erde anzulegen, welches geräumig genug wäre, vielleicht auf 14 Tage hinreichende Speisesoole für den ersten Fall  fassen zu können. Denn die hiesige Saline hat sehr oft in den Sommerszeiten die Unannehmlichkeiten an genüglichen Aufschlagwasser zum Betriebe der Künste Mangel zu leiden , könnte man nun zu solchen zeiten durch die Benutzung eines solchen Soolenbehälters die Soole in den Schächten wieder aufgehen lassen, so würde die folgende Förderung derselben ungemein dadurch erleichtert wurden.   

C.) Die Behälter für die Soole unter den Mittelfällen sind noch die ursprünglichen seit Erbauung der Saline, wo man freylich auf ein so bedeutendes Fabrications-Quantum dergleichen jetzo geliefert werden muß keine Einrichtungen getroffen hatte. Ihren Cubischen Raum nach können diese hier  vorgerichteten Soolen-Behälter daher auch nur eine sehr mäßigen Soolen-Vorrath aufnehmen. Hinzu kommt noch, daß diese Kästen nicht einmal ganz mit Soole angefüllt werden können, weil sonst wegen der schlechten Sool-Dichtigkeit der Kästen sehr  viel und schon ziemlich hochgrädige Soole verlecken würde. Sehr wünschenswerth ist daher , an die Stelle der alten nach und nach neue und größere Soolen-Vorraths-Behälter für die mittleren Fälle zu bekommen, wenn anders die Gradirung in Absicht auf Qualität und Quantität der Soole vortheilhaft und mit Nachhalt betrieben werden soll.

Was das große Siedesoolen-Reservoir  anlanget, so ist hierbey noch zu gedenken, daß in solchen am südlichen Giebel desselben 6 Pumpen stehen welche durch eine  nit den darüber wegschiebenden Gestänge in Verbindung stehende Welle in bewegung gesetzt werden. Für jedes der besonderen drey Abtheilungen des großen Siedesoolen Reservoirs sind zwey von diesen 6 Pumpen bestimmt. Auf den untern Boden desselben liegen aber Röhrenleitungen, welche in die zweyte und dritte Abtheilung gehen. Auf einer jeden dieser Röhrenleitungen stehen nun 2 Pumpen und man kann beliebig  die Soole aus jeder Abtheilung dieses Reservoirs  hervorheben. Die herausgehobene Soole läuft in einem Pumpentrog ab, welcher genugsame Höhe hat, daß die darinnen sich sammelnde Soole durch eine Fallröhre  und daran gestoßene Röhrenleitungen wieder herunterfallen und in das unter dem 3. Gradirfalle befindliche Einlaß-Reservoir herüber laufen und wieder aufsteigen kann. Mittelst der zwey Pumpen aber welche, wie ich bereits oben angeführt, die gradirte Solle aus den unter den Gutfalle befindlichen Sammelkasten herüber ins große Siedesoolen-Reservoir heben, kann man auch nach Befinden der der Umstände die gradirte  Soole sogleich aus gedachten Sammelkasten durch eine offene Rinnenleitung  herüber in den für die Siedung bestimmten Soole-Einlaßkasten gelangen laßen. Diese Pumpen sind im Durchmesser 0,75 Fuß (24 cm) und haben Hub genug, um die zur Salzsiederey erforderliche Soole allmählich herüber heben zu können.

Ebenso verhält es sich auch mit den kleinern Soolen-Einlaß-Kasten für das zweite Koth. Dieser Kasten stehet gerade über den vorbenannten größern  Einlaß-Kasten, aus welchen  er auch die erforderliche  Soole durch  3 in den letztern stehende Pumpen empfängt, und als eine Abtheilung deßselben angesehen werden kann.  

Es ist nun desßweilen auf den obern Behälter  des dritten Gradirfalles  aufgestellet, damit die in selbigen befindliche Soole Druck genug bekommt, um in die Pfannen des zweyten Kothes steigen und abfließen zu können, welche ein Stockwerck höher als die Pfannen der beyden übrigen Kothe liegen.

Bey einen gewöhnlichen mäßigen  aber jedoch vollständigen Betrieb der Salzsiederey müßen in jeden 24 Stunden 2293 Cub.-Fuß (70 m³) siedewürdig im Durchschnitt zu Siedung herübergehen.

Siebentes Capitel

Über die Siede-Anstalten und die Grund-Sätze deren Betriebs, über Feuerungs-Anlagen unter den Pfannen und die Dimensionen derselben.

Um aus der siedewürdig gradirten Soole das in ihr enthaltene Küchensalz auszuscheiden haben bey hiesigerSaline nachfolgenden Anstalten bishero stattgefunden

I.) Eine gewöhnliche Salzsiederey in eisernen Pfannen über Flammenfeuer.

II.) Eine Siedung des Salzes über der Hitze der glühenden Asche von denjenigen Erdkohlen , welche zu den Sub I bemerckten Salzsiedung verbrannt wurden.

III.) Eine Ausscheidung des Kochsalzes an der bloßen Wärme der Sonne und der Atmosphäre ohne Anwendung irgendeines  Feuerungsmittels.

Hierbey ist jedoch zu bemercken, daß die Sub III bemerckte Salzfabrikationsweise  seit den Jahren 1813 allhier sistiret ist, und nicht betrieben wird, ob gleich die ganze Anstalt dazu  wie weiter unten erhellen wird, noch aufgestellt ist. Als diese  3 Fabrikations-Arten hier neben einander betrieben  wurden, gab es  für den aufmercksamen Beobachter  bequeme Gelegenheit  hierbey eine Stufenfolge der Verdunstung zu beobachten. Denn wenn die Siedung des Salzes auf gewöhnliche Art beim Flammenfeuer eine sehr beschleunigte Verdunstung gewähret, so ist umgekehrt dagegen die Abdunstung  der Soole über der Hitze der glühenden Bergkohle sehr viel langsamer. Die lediglich an der Wärme der Sonne und der Atmosphäre aber erfolgte Salzausscheidung ist als die langsamste und allmähligste zu betrachten, und wenn schon diese Art Salz zu bereiten schon seit einigen Jahren wieder ganz darnieder liegt, so hat sich doch in einem kurzen Zeitraum von nur wenig Jahren, mit vollständiger Gewißheit erwiesen, daß unter der gehörigen Vorrichtungen  und Veränderungen das Küchensalz auch unter unsern Himmelstrieben der Luft und Sonne gefertigt werden könne, und vielleicht über lang oder über kurz aus Mangel an hinlänglicher Feuerung wird gefertigt werden müßen.

Folgendes  sind die Anstalten welche zu Bewürckung der oben genannten drey verschiedenen Salzfabrikationen allhier statt finden.

a.) Siedung über Flammenfeuer:

4 Siedepfannen des ersten Koths, 2 Bey- oder Wärmepfannen des ersten Koths, 4 Siedepfannen des zweyten Koths, 2 Bey-oder Wärmepfannen des zweyten Koths:

Summa der Fläche: 2905 Quadr.-Fuß (279 m²), Summa der Füllung: 2249 Cub.-Fuß (69 m³)

b.) Siedung über glühender Asche:

2 Siedepfannen des dritten Koths, 1 Bey-oder Wärmepfanne

Summa der Fläche: 606 Quadr.-Fuß (58 m²), Summa der Füllung: 547 Cub.-Fuß (16 m³)  

c.) Sonnensalzfabrikation

294 Kästen

Summa der Fläche: 26790 Quadr.-Fuß (2572 m²), Summa der Füllung: 6631 Cub.-Fuß (205 m³)

Summa der sämmtlichen Verdunstungs-Oberfläche bey den 3 Salzbereitungsarten:

29802 Quadr.-Fuß (2860 m²)  

Vergleicht man die oben bey der Gradirung gefundenen anwendbaren Verdunstungs-Oberflächen von 2084681 Quadr.-Fuß (200.000 m²) mit der bey den sämmtlichen Salzbereitungs-Anstalten vorhandenen Pfannen und Kästen-Oberflächen, so verhält sich die Verdunstungsfläche der Gradirung gegen die Siedung wie 70 zu 1 oder die Gradirung ist beinahe 70mal größer.

 

Was nun die Feuerungs-Anlagen unter den Pfannen anlanget, so ist hierbey zu bemercken, daß solche auf das hier gebräuchliche Brennmaterial, nehmlich die Erdkohlen, eingerichtet sind. Daher hat auch die Feuerung einen Rost, deren Fugen um Luft genug vom Aschenfall heraufzuführen ¾ Zoll weit, und also weiter sind  als dies bey Holzfeuerung nöthig sein würde. Eine bildliche Darstellung der hier eingeführten Feuerherde wird in der zu dieser Beschreibung gehörigen Zeichnungen das ganze deutlich machen.

Aus dieser wird hervorgehen, daß die hiesigen Feuerungen welche bey einer Pfanne wie der andern  durchaus die nehmlichen sind, nicht unter die Zirculirfeuer, sondern mehr unter den strahlenden Feuer gerechnet werden müßen, wo das Feuer vom Mittelpunct aus nach allen Theilen der Peripherie hinwürckt, und dann durch die Einfallslöcher in die Kanäle gehet um weiter fort noch die Trockenkammern zu erwärmen, welche hier im Sommer gewöhnlich eine Temperatur von 35-40° Reaumur im Winter aber um 25-30° Reaumur dadurch empfangen. 

Der Rost unter den Pfannen ist 5,8 Fuß (1,8 m) lang und 2,25 Fuß (0,7m)breit, und bildet eine Fläche von 13,4 Qu.-Fuß (1,26 m²). Daher verhält sich diese Fläche zu der des Pfannenbodens wie 1 zu 20 oder sie beträgt den 20ten Theil der Pfannenbodenfläche.

Die Feuerhöhe vom Rost bis an den Pfannenboden beträgt durchgängig 3 Fuß (93 cm) und ist also auch niedriger als solches bey Holzfeuerung zuträglich seyn würde.

Die Trockenkammern oder Kötzschen davon jedes Koth allhier zwey hat haben:

Im Kothe Nr. 1            :  3606 Qu.-Fuß Fläche (346 m²) und 33814 Cub.-F. (1014 m³)

Im Kothe Nr. 2: 5016 Qu.-Fuß Fläche (481 m²) und 41753 Cub.-F. (1252 m³)

Im Kothe Nr. 3:  752 Qu.-Fuß Fläche (72 m²) und 5473 Cub.-F. (164 m³)

Summa                       9374 Qu.-Fuß Fläche (899 m²) und 81040 Cub.-F. (2431 m³)

Hierin können zur Trocknung auf Horden 9 und 10fach übereinander stehen, an Salz aufgeleget werden:

Im Koth Nr. 1: 2264 Cub.-Fuß (69 m³)

Im Koth nr. 2: 2584 Cub.-Fuß (78 m³)

Im Koth Nr. 3:  754 Cub.-Fuß (23 m³)

Summa                       5662 Cub.-Fuß (170 m³)

 

Was den Haushalt bey der Siedung anlanget, so ist

bey der Siedung über den Flammenfeuer zu bemercken, daß diese Siedung in den Kothe No. I und II durchaus mit Erdkohle betrieben wird und daß hierbey nur soviel Floßholz in Anwendung kommt, als zum jedesmaligen Anmachen des Feuers nöthig ist.

Das hierzu nöthige Holz bestehet aus tannenen und fichtenden Scheiten und wird auf der Saale abgeflößet, von woher es die Saline  nach Maßgabe des Bedarfs ankaufet.

Ein Klafter solchen Holzes hält  92,4 Cub.-Fuß (2,8 m³), 1000 Formkohlen als Äquivalent 53,3 Cub.-Fuß (1,6 m³).

Die Salzsiedung wird nach Wercken berechnet, auf denen jedes 265 Cub.-Fuß (8 m³) Soole zu stehen kommen. Jedes Werck erfordert zum Anwallen, Stöhren und Soggen einen Zeitraum von durchschnittlich 21 Stunden. Wenn drey dergleichen Wercke auf einer Pfanne hintereinander herausgearbeitet worden sind, alsdann wird  wird die Pfanne von der noch übrigen Mutterlauge  durch Ausschöpfen  derselben in die  Bey-oder Wärmepfannen ganz gereiniget, und die Siederey gehet auf  auf solche Weise ununterbrochen bis zu einem Kaltlager fort.Sobald  9 Wercke  auf einer Pfanne gesotten wurden, wird solche durchaus  von den während  der Siedung niedergestürzten  Sool- oder Pfannenstein gereiniget, welches ohne dem auch schon  nach jedem 3ten Wercke  aber nur auf  den Punkten des Pfannenbodens  stattfindet, welche unmittelbar über den Feuer liegt, weil sonst das  besteinte Eisenblech zu sehr von  den Feuer leiden würde.

Bey einen gewöhnlichen mäßigen  Gange der Siedung wird hier, um die Siede-Anstalten nicht erkalten zu laßen, jederzeit  erstlich nach  Verlauf zweyer Wochen Kaltlager gehalten, welches, wenn nicht unerwartete Hindernisse eintraten, von Sonnabends  Abend  bis den nächstfolgenden Montag frühe dauern. Diese Zeit  wird darzu angewendet, theils zur Erholung der Salzarbeiter, theils aber auch von zeit  zu Zeit die Herdoberfläche  von der sich  daselbst  häufig  sammelnden Flugasche  zu reinigen und abzustreichen, auch die  Kanäle von derartigen Unrat zu befreyen.

Nach einen 3jährigen Durchschnitt der Jahre 1810 bis mit dem Jahre 1813 leisteten die oben bemerckten drey verschiedenen Siedeanstalten  im Laufe eines Jahres folgende Nutzen bringende Würckung:

a.) Bey der Siedung über den Flammenfeuer wurden versotten: 413892 Cub.-F. (12.400 m³) Soole, ausgewürckt 1629 Lasten (3.258 t) weißes Salz, 39 Lasten (78 t) gelbes Salz.

Bey der Siedung über glühender Asche wurden versotten: 31448 Cub.-F.  (943 m³) Soole, ausgewürckt 124 Lasten (248 t) weißes Salz, 3 Lasten (6 t) gelbes Salz.

Bey der Sonnensalzfabrications-Anstalt wurden verarbeitete 16968 Cub.-F.  (509 m³) Soole, ausgewürckt 74 Lasten (148 t)  weißes Salz, 2 Lasten (4 t) gelbes Salz.

Hierbey ist zu bemercken, daß von der Sonnensalzfabrication bloß das Betriebs-Jahr 1811  als ein selbständiges  Jahr hier  in Ansatz gebracht worden, weil diese Anstalt  im Jahre 1812 aus Umständen  unvollständig  betrieben und im Jahr 1813 wegen der kriegerischen Ereigniße ganz sistiret  auch seit dem nicht wieder betrieben worden ist.

Bey der gewöhnlichen Salzsiedung erfordert 1 Siedewerck zu 264 Cub.-F. 4,338 grädiger (18%) Soole 10 Stunden zum Anwallen und Stöhren und  10 Stunden zum Soggen.

Diesem nach würden die  oben bemerckten 413892 Cub.-F. (12.400 m³) zu 18,8% Procent, wenn solche in 8 großen und 4 Wärmepfannen  versotten wurde sollen, hierzu 4104 Stunden Zeit erfordert haben und es wurde mithin auf die bey dieser Siedung nutzenbringende  Verdunstungs-Oberfläche  von 2405 Qu.-Fuß (231 m²) für 1 Stunde eine Salz-Ausscheidung von 0,391 Last (782 kg) weißen und 0,009 Last (18 kg) gelben Salzes  im Durchschnitt kommen. 

b.) Bey der Aschesiedung hat erfahrungsmäßig 1 Siedewerck zu 264 Cub.-F. (8 m³)  18,8 Procent zu einer Verarbeitung erfordert, 32 Stunden Zeit zum Stöhren, 40 Stunden zum Soggen.

Diesem nach wurden die oben bemerckten 31448 Cub.-F.  (943 m³) Soole für 2 Siede und 1 Beypfanne zu ihrer Verarbeitung an Zeit  4276 Stunden erfordern und es wurden mithin auf die bey dieser  Siedeanstalt  nutzbringenden Verdunstungs-Oberfläche  von 606 Qu.-Fuß (58 m²) für eine Stunde  eine Salzausscheidung  von 0,029 Lasten (58 kg) weißes Salz und 0,0007 Lasten (1 kg) gelbes Salzes  gerechnet.

c.) Bey der Sonnensalzfabrikation, welche vom 1. May bis mit ult. October  1812 ganz vollständig betrieben wurde, ergaben sich nach Ausweisung der Gradir-Register in benannten Zeitraum 1206 Stunden vollständige und 2086 Stunden mittlere Witterung.

Da nun in dieser zeit 16986 Cub.-F. (509 m³) 18,8 Procent Soole verarbeitet worden sind, so wurden für die  auf der Sonnensalz-Anstalt nutzbare Verdunstungs-Oberfläche  von 26490 Qu.-Fuß (2543 m²) in 1 Stunde durchschnittlich eine Salzausscheidung von 0,022 Lasten (44 kg) weißes und 0,0006 Lasten (1 kg) gelbes Salz gerechnet werden können.

Schließlich verdient hierbey noch gedacht zu werden, daß die glühende Asche zu der Aschensiedung (.) mit Radebergen  von Eisenblech  aus den Aschenfällen der Kothen  No. I und II  abgeholet, und unter  die drey Pfannen des Kothes  No. III geschüttet und  ausgebreitet wird. Jede dergleichen  Radebergen voll glühender Asche wiegt  im Durchschnitt  1 Zentner  und 35 Radebergen  voll glühender Asche  sind den Erfahrungen  gemäß als Äquivalent  von 1 Klafter Holz tannenen Scheitholzes  oder 1000 Stück Formkohlen  zu betrachten. Hieraus gehet hervor, daß die Siedung des salzes über dergleichen glühenden Asche  noch eine sehr zweckmäßige Benutzung derjenigen Wärme  ist, welche außerdem  durch das sonst nothwendige Verschütten dieser Asche  verlohren werden würde.

Ich habe bereits oben erwähnt, daß wenn bey der Salzsiedung einer Zahl von  3 Wercken (3204 Cub.-F.) Soole versotten worden sind, die alsdann noch rückständige Mutterlauge in die Beypfanne herüber  geschöpft wird, wo man durch die weitere Verdunstung derselben noch eine ansehnlichedeßen Bereitung allhier im Winter betrieben wird. Menge Salz aber von gelber  Farbe und beygemischten fremdartigen Salz ( so der schwefelsäurigen und salzsauren Kalkerde) enthält. Daher hat dieses so genannte gelbe Salz auch einen anmercklich bitteren Beygeschmack. Indessen wird es hier  an Seifensieder und Oekonomen verkauft und findet vollkommenen Absatz. 

Wäre dies aber auch nicht der Fall, so haben es bereits mehrere Versuche dargethan, daß dieses gelbe Salz in gewißen Antheilen der zu versiedenden Soole zugesetzt sich ressinieren läßt und nun, zwar mit einigen Verlust an Gewicht, aber doch als völlig brauchbares weißes Salz zum Vorschein kommt.

Die nach Ausscheidung dieses gelben salzes in den Bey -oder Mutterlaugenpfannen endlich noch übrig bleibende Mutterlauge behält zwar noch einen beträchtlichen Theil Küchensalz welches aber wegen der faltigen Beschaffenheit  der nebenbey befindlichen fremdartigen Salz-Auflösungen  (schwefelsaure und salzsaure Kalckerde) und wegen der großen Ausziehung dieser Salze zum Waßer, auf dem Wege gewöhnlicher Versiedung nicht mehr in Kristallgestalt ausgeschieden werden kann, sondern als ein unansehnliches und schmieriges auch schlammiges Salz ohne Korn zuletzt zusammen gerinnt.

Da nun die hiesige Soole dergleichen fremder Salze enthält und nahmentlich das bittere Salz, oder die schwefelsaure Kalckerde, so kann es nicht fehlen, daß bey den Pfannenstein, welcher sich bey der Siedung absetzt, unter den hierbey mit festbrennenden Salzstein gegen das Ende der Betriebszeit der Siede-Wercke, dergleichen sich mit untermischen und auch fest ausbrennen muß. Aus diesen Umstand erkläret  sich die Erscheinung des Glaubersalzes, welches man aus solchen Pfannenstein nachher in reichlicher Menge ausziehen kann, und deßen Bereitung allhier im Winter betrieben wird.

Glauber-Salz-Fabrication    

Diese Fabrication wird in einem besonders dazu vorgerichteten Gebäude betrieben, und kann der eigenthümlichen Natur dieses Salzes nach nur im Winter vortheilhaft vonstatten gehen.

Das material woraus das Glaubersalz hier bereitet wird, ist lediglich der Pfannenstein, welcher sorgfältig aus den Kothen in den bey der Glaubersalzfabrique allhier befindlichen eingeschloßenen Hofraum aufgesammelt und in großen, breiten und 3 Ellen (2 m) hohen Halden der Verwitterung an der Luft ausgesetzt wird.

Hiernächst bedarf es weiter nichts als einer Ausziehung des in dem Pfannenstein durch Verwitterung desselben sich gebildeten Glaubersalzes, und einer doppelten Kristallisation um es noch für den arzneylichen Gebrauch annehmlich und brauchbar zu machen.

Gegenwärtig werden alljährlich hier gegen 500 Landzentner Glaubersalz gefertigt, welches gerade so viel ist, als der ohngefähre  jährliche Debit dieses Artickels beträgt. Nach Verhältnis des hier abfallenden Pfannensteins können aber im Durchschnitt alljährlich 1000 Landzentner  dergleichen gefertigt werden. Bei dem damaligen Umfang der hiesigen Fabrique kann die Fabrication eines Quanti von 500 Landzentnern  nächstfolgenden Jahres beeindigt seyn. Übrigens sind in den letzten Fabricationsjahren aus jeden Klafter Tannenholz 30 Zentner reines Glaubersalz  gefertigt worden, welche in einem geräumigen Stall allhier auf den Lager gehalten und zu Debit bereit wird.

Mit der Glaubersalzfabrication stehet noch ein sehr ergiebige Fabrique bey der hiesigen Saline in Verbindung, welche von Abfällen theils der Gradirung theils der Glaubersalzfabrication die nöthigen Materialien erhält.

Düngesalz-Fabrication

Diese Fabrique bereitet ein Düngemittel welches zu seinen Hauptbestandtheil die salenitischen Theile hat , so in hiesiger Soole häufig enthalten sind und sich  theils während  der Gradirung in den Dornenreisig der Gradirwände als Dornstein theils aber auch während der Versiedung der Soole als Pfannenstein absetzt.

Die Gradiranstalten werden alljährlich zum Theil wieder mit neuen Dornen versehen, dagegen die alten und besteinten Dornen von Dornstein abgeklopfet werden und der Dornstein aber zur weiteren Verarbeitung an die Düngesalzfabrique angefahren wird.

Das Geschäft der Düngesalzfabrication gehet also dahin, den Dornenstein mittelst großen in Federn hängenden Stempeln aus steinernen Platten klar zu stoßen, und solchen durch ein Sieb zu sieben. Hierauf wird der in der  Glaubersalzfabrication hinlänglich ausgelaugte und klar gewordenen Pfannenstein ebenfalls durchgesiebt und zu den klar gestempelten Dornenstein in den Verhältnis zugesetzt, daß auf 70 Theile des klaren Dorensteins 30 Theile Glaubersalz-Erde zu stehen kommen.

Nach einer mehrjährigen Erfahrung werden hier genugsame Materialien gesammelt, um alljährlich mit Nachhalt 7500 Zentner in Düngesalz bereiten zu können, und in den hier befindlichen Düngesalz-Magazinen können über 11000 Lamdzentner aufbewahret werden.

Achtes Capitel

Die Größe und Räumlichkeit der Salztrockenkammer,

der Magazine für Salz, für Formkohlen und die übrigen Materialien  

I.) Dimensionen der Trockenkammern

Folgendes sind die nutzbaren Räume hiesiger Pätzschen Koth I bis III

80984 Cub.-Fuß (2529 m³) -  hierinnen liegen ausgebreitet 64,7 Lasten (129,4 t)

II.) Größe und Räumlichkeiten der Magazine

a.) für das Salz im trockenen Zustande sind 20 Magazine für 856 Lasten (1712 t)  vorhanden

b.) Für die Formkohlen

In Aufbewahrung der zu hiesiger Salzsiederey erforderlichen Formkohlen sind 9 Schuppen erbauet, welche nach Maaßgabe  ihrer verschiedenen Größe nachfolgenden Vorrath enthalten können von 2.658.500 Stück welche einen Cubischen Raum von 140.900 Cub.-Fuß (4227 m³) einnehmen.

c.) Für die übrigen Materialien

Zu diesen Behuf ist hier ein mit einer bretternen Planke eingefriedigter Raum, welcher theils für die Coctur nöthigen Brennholzes enthält, und wohl 1.00 Klafter dergleichen fassen kann, theils aber auch als Zimmer-und Bauholz gebrauchet wird. Auch ist hier ein großer Zimmerei-Schuppen vorhanden, worinnen bey schlechten Wetter gearbeitet werden kann. Auf den Boden dieses Zimmerschuppens liegen die Scheidtholzwaren. Die andern nöthigen Materialien als Eißen, Leder, Pech, Teer, Talg, Oel, Nägel usw. haben ihren besonderen Materialkammern, und stehen unter Verwaltung des hiesigen Salzwercksschreibers.

Neuntes Capitel

Woher die verschiedenen Materialien bezogen werden

Die bei hiesiger Saline erforderlichen Materialien bestehen

a.) in Feuerungs-Materialien

b.) in Bau und solche Materialien, welche darzu erforderlich sind, die ganze Saline in schwunghaften Umtrieb zu erhalten

Die Brennmaterialien bestehen

c.) in  weichen Floßscheithölzern, welches aber nur in geringer Menge bey der Saline verbraucht und zu diesen behuf, so weit es nöthig ist, in gewißer Quantität  von der Königl. Preuß. Saalenflöße käuflich übernommen wird.

d.) in Erdkohlen welche zur Zeit aus den zur Saline eigenthümlich gehörenden Kohlenwercke zu Mertendorf, 3 Stunden von hier angeliefert, und auf der bey hiesiger Saline gelegenen und darzu vorgerichteten Streichplätzen geformt wird.

Die übrigen Materialien zum Bauen und zur sonstigen Unterhaltung des Wercks, werden wo möglich auf die vortheilhafteste  Art bezogen 

Die Steine liefern die an hiesigen Bergen Privateigentthümern zugehörigen Steinbrüche.

Den Kalk brennt man für Rechnung der Saline in einem der Saline eigenthümlich zugehörigen Ofen.

Ziegeln und Dachsteine werden von der Pfortaischen oder den sonst in der Nähe gelegenen Ziegelscheunen erkaufet.

Die harten Nutzhölzer werden theils aus den Pfortaischen Forsten theils aus andern nahe gelegenen Holzungen erhandelt.

Die Bauhölzer aber und sonstigen Schneidwahren an Brettern, Bohlen, Latten, kauft man zur Zeit der Holzmarckte deren es alljährlich zwey gibt in hinlänglicher Menge ein.

Das nöthige Eisen ist was:

a.) das Gußeisen anlanget, bisher von der Gräflich Einsiedelschen Eisenwerken Lauchhammer  bei Mückeberg

b.) das Stabeisen aber von Gränzhammer bey Ilmenau und

c.) die Bleche aber von Siebl im Hennebergischen gekauft worden.

Die Nägel, Schaufeln, Hacken, Spaten, und dergl. sind von Bärenswalde bey Schneeberg geliefert worden.

Das Kupfer  zu den Kolbenstiefeln und sonst ist bisher von den Seygerwercken zu Grünthal gekauft worden.

Die sonstigen Materialien an Sohlleder zu Beliederung der Kolben, ingleichen Talg, Oel, Stahl, Juchtenleder  so wie auch  die Seilerwaaren werden theils aus der nahe gelegenen Mühle gekauft.

Die kleinen Sorten Schneidewaaren als Spalierlatten, Bauschindeln, Dachspähne, Baststenge, Radebergen und Kärne wurden aus der Gegen bey Eisenberg  und Hermsdorf  auf der Achse angeliefert.

 

Kösen, den 19ten März 1816

Erdmann Friedrich Senff.